aß d-r . 34 iichl sch-- eia zi' m ltonfv [rtjlöf id b« in s«l' Krscheiut Wich««tltch«i««al tn Zürich(Schweiz). Aerkag d«r' �««»»»uchhandlung Hölting««»Zürich. v-ststiidulljien franko gegen frank» Eewlhnliche Briefe »ach»er E ch w e t> losten Doppelporto Der ialöeiunkrat entral-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie. Aöonnements werden»ei allen schwel, erifche» Postbureaur� lowle beim Verlag und dessen b-lannten Agenten entgegengenommen, und zwar zum vorn«», ahl bar«« Ltertelsahripreii von: Fr ll— fiir die Schwei,dandl Ml S— für Deutschland(Coudery ll i.7v für Oesterreich iüouoert) Fr. 2 SV für alle llbrtgen Lilnder d«g Weltpostverein«. Zllferate die dreigespaltene Petit, eile LS St«.= 20 Psg. js as. Donnerstag, 22. Oktober 188S A»t» an die Abonnenten«nd Korrespondenten des„Soiiakd«molrat." D« Gro? 'fahret lbdru« Vfj N 01� Da der.Soiialdrmolra,' sowohl in Deutschland-» au« In Oesterreich»erboten ist b-,w«ersolg, wird und d>, dortigen lehirdrn iilb alle Müde aebcn unsere verdinduiiciin nach senen Lllndern möglichst ,u erichweren, resp Briefe von dort an UN«.....,..---------——......., vu» »»d unser» Zeitung,- und sonstigen Speditionen nach dort-d,uf-ngm. so ist die stußerste Vorfich, im Pofiverkehr nothwendig und � auch un« möglichst unvcrfängUche Just-llungiadr-sten mitgeiheilt werde». In jio-is-lhastcn Fälle» enipfiehl, sich behus, größer«» tarf kein- vorfichtSmaßregel versäumt werden, die«riesinarder«der den wahren Absender und Empfänger, sowie den Inhalt �«ich. rhei«»�onrmandirung Sovie. an UN» lieg,, werden wir gewiß weder Miih-»och»offen scheuen um trotz aller entgegen. bt» Sendungen ,u täuschen und letztere dadurch ,u schützen Hauptersordernitz ist hi-,u einerseit«, daß unsere Freund- so selten stehenden Schwur, gleite» den.S°,ialdem°lrat' unseren Abonnenten möglichst r-g-lmäßig ,u liefern a» möglich an den.S°,lald-m°l.°,- resp desten Verlag selbst adrestirrn. sondern stch möglichst au Irgend»ine unverdächtig« Adresse außerhalb. Deutschland» und Oesterreich» wenden, welche stch dann mit UN» in Berblndung setzt; anderseit» aber da» ßtzrasfff_ 4fr«« v*«*! TV 2 er.___ � C 1"* e P fr— m fr M» to. pt Iwef«� 'gt> l»nu» t. O» l. 40 B-b . D-r -A rbstll» : Bit 4. Ob - A W-d t. 3?» Ab. r. 3 S« Ab.t rgst"' :. 4 75 _ 6. beteib erh. 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Wer im„Kapital" von Marx den klassischen Abschnitt gelesen hat, der von dem Werden und Sein der englischen Fabrikgesetzgebung, von dem jahrelangen Ringen um die Zehnstnndendill handelt, der weiß auch, welch' hohe Be- deutnng der Kampf um die Arbeitszeit hat. Der Arbeiter kann sich von seiner„Waare" Arbeit nicht trennen. Er ist die personifizirte Arbeit; und wenn er seine einzige„Waare", die Arbeit, verkauft, verkauft er sich selbst. Er verkaust sich tageweise, umTagelohu. Und für den Taglohn verkauft er einen Tag Arbeit. Der Tag hat 24 Stunden. Der Mensch, um zu leben, muß essen, muß schlafen. Die ganzen 24 Stunden kann er nicht arbeiten. Das ist eine physische Unmöglichkeit. Wir könnten auch sagen, eine..moralische", doch w£s hat die Nationalökonomie mit der Moral zu thun? Also die ganzen 24 Stunden, welche der Tag enthält, kann der Arbeiter nicht arbeiten. Aber wie lange? Wo die Grenz- linie ziehen? Und da entsteht denn der Grenzkrieg— so erbittert, so hartnäckig geführt, wie das die Natur aller Grenzkricge. Der Kapitalist besteht auf seinem Schein. Er hat einen Arbeitstag, einen Tag Arbeit gekauft, der Tag ist sein, und er will so viel Arbeit herauspressen, als nur irgend möglich. Das ist sein Recht— kraft des Lohnsystems. Er hat die Arbeil gekauft, und mit der Arbeit den Arbeiter; bis auf das letzte Atom Arbeit, das sich den Sehnen und Muskeln des gekauften Arbeiters entlocken läßt, ist Alles sein. Um jedes Atom, das ihm vorenthalten wird, ist er betrogen. Und da das natürliche Maß für Arbeit die Zeit ist. in welcher sie verrichtet wird, so geht sein Streben auf möglichste Verlängerung des Arbeitstages. Zwölf, vierzehn, sechzehn, achtzehn Stunden des Tages— warum nicht? Der Arbeiter hat den Tag Arbeit verkauft, und bleiben ihm, wenn er 14 Stunden arbeitet, nicht 10, wenn 10 nicht .8, wenn 18 nicht noch 6 Stunden für sich? Ist es nicht großmüthig vom Kapitalist, daß er nicht auch die 10, die 8, die 0 Stunden nimmt? Ja, wenn es nur ginge! Sind auch die Grenzen nicht' genau festzustellen, wo die menschliche Arbeitsfähigkeit aufhört, so ist eine solche Grenze doch vorhanden. Und das Ueberschreiten derselben macht sich bcmerklich durch Verkümmerung, Verkrüppelung, Siechthnm, Krankheit, Tod der„Ueberarbciteten". ES versteht sich, daß der Arbeiter, sobald er einigermaßen zum Bewußtsein seiner Lage kommt, sich gegen diese Abracke- ruilg zu schützen sucht. Während der Kapitalist den Arbeitstag möglichst zu verlängern sucht, sucht der Arbeiter ihn möglichst zu verkürzen. Je mehr freie Zeit er hat. desto mehr J}eit der Freih ei t hat er. Solange er arbeitet, ist er Sklave des Kapitalisten, dem er sich verkauft hat; solange er nicht arbeitet,.gehört er sich selbst an, ist er ein freier Mann. Und so wird denn, seit es Lohnarbeit, Arbeiter und Kapi- talistcn gibt, der Kampf geführt um die Länge des Ar- beitstages. Hier zerrt der Kapitalist, dort der Arbeiter— jener versuchend, ein Stück anzuheften, dieser, eines ab zu- reißen. Jede Verlängenmg des Arbeitstages ist ein Sieg der Kapitalisten. Jede Verkürzung des Arbeitstages ein Sieg der Arbeiter. Gerade hier, am Arbeitstage, gewissermaßen im Mutterleibe der kapitalistischen Produktion, zeigt sich am handgreiflichsten, drastischsten der uuv ersöhn- bare Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit. In England mid in anderen Ländern ist nach Kämpfen, von denen hier nicht zu reden, ein'Normalarbeitstag(in England der 10-, in der Schweiz und Oesterreich der llstündige» ge- setzlich festgestellt, worden; und in England, welches auf wirth- schaftlichem Gebiete voranmaschirt und B e r s u ch s l a n d für die Welt ist, ähnlich wie Frcktlkreich auf politischem, hat die I Beschränkung der Arbeitszeit und. überhaupt die Fabrikgesetz- gebung sich so vortrefflich bewährt, daß Marx, die gewich- tigste aller berufenen Autoritäten, ihr die„physische und moralische Wiedergeburt der Fabrikarbeiter" zuschreibt.*) Und ein ähnliches Urtheil hat Engels gefällt, der neben Marx die Materie am besten beherrscht, und in seiner„Lage der arbeitenden Klasse von England" die Vor- g e s ch i ch t e der Zehnstundenbill-Bewegnng gibt, so daß dieses mustergiltige Quellenwerk mit dem erwähnten Abschnitt des Marx'schen„Kapital" ein organisches Ganze bildet. Die Bedeutung des Normalarbeitstages ist von unserer Partei also sicherlich niemals unterschätzt worden. Sie darf aber nicht überschätzt werden. Und während der gegenwärtigen Agitation für den Normalarbeitstag und das Arbeiterschutzgesctz sind, sowohl in Reden als in Zeitungs- artikeln und Broschüren, Ansichten zu Tage getreten, die unseres Erachtens, von den Grundanschauungen unserer Partei abweichen, jedenfalls irrig sind, und darum zurückgewiesen werden müssen. Erklärunq.*�) Die sich mit meinen kürsiich hier und in Frankfurt gehaltenen Vor- trägen beschäftigenden Artikel in den Nummern 37, 38 und 41 dS. Bl. sind— wenn nicht geradezu darauf berechnet— so doch qam gewiß sehr dam geeignet, die Meinung zu erwecken: ich hätte mir eine Ver- letzung des Prinzips zu Schulden kommen lassen. Jedenfalls bin ich vollauf berechtigt, den„beliebten Vorwurf der „ K e tz e r r i ch t e r e i gegen welchen in einem dieser Artikel aus- drücklich Verwahrung eingelegt wird, hiermit ebenso ausdrücklich gegen den betreffenden Kritiker zu erheben. Die pflichtgemäße„Theilnahme an der Erörterung", deren man sich da rühmt, ist weit davon entfernt, „Klärung" zu bewirken. Sämmtliche Aurgafsungen oualifiziten sich nicht als eine sachgemäße Kritik, iou-ern tendenziöse Nör- g e l e i. Es fühlt Jemand das BedürsnH, sich aufzuspielen als wach- samer und energischer Beschützer des Prinzips der Jnternationalität. Uin diese Absicht zu erreichen, muß mir allerdings erst eine dem Prinzip zuwiderlausende Absicht unterschoben werden. Zugegeben, daß der in Nr. 37 reproduzirte kurze und ungenaue Zeitungsbericht zu irriger Beurtheilung meiner Ausführungen Anlaß geben konnte, so ist doch zu fragen, ob die von liberalen oder konser- vativen Blättern daran geknüpfte Bemerkung so ohne Weiteres gegen mich als Trumps ausgespielt werden durfte, wie es thatsächlich geschehen? Es ist bekanntlich eine sehr alte Taktik gegnerischer Blätter, aus den Reden eines Sozialdemokraten Kapital zu schlagen. Die Parteipresse hat diese Taktik seither niemals anerkannt dadurch, daß sie die gegnerischen Schlußfolgerungen als Waffe gegen den Parteigenoffen gebrauchte. In Nr. 37 d. Bl. ist das zum ersten Male gegen mich geschehen; es wird eine Bemerkung gegnerischer Blätter kurz und bündig als z u t r e f- send angenoimnen uno dem„nächsten Parteikongreß" die Entscheidung darüber zugewiesen. Warum geschieht das? Weil diese Bemerkung Je- manvem eine willkommene Gelegenheit Hot. an mir sein Ketzerrichter- Genie zu üben, mich zu diskreditiren. Wäre es dem Artikelschreiber wirklich darauf angekommen,„Klarheit zu schaffen", so hätte er zu- nächst sich vergewissern müssen, ob meine Ausführungen in dem Bericht der„Kleinen Presse" genau und umständlich genug wiedergegeben seien, um ohne meinerseits zu gebende Berichtigungen ein zutreffendes Urtheil zu ermöglichen. Erst dann, wenn er darüber Gewißheit hatte, konnte er ermessen, ob überhaupt ein Grund zu absprechender Kritik vorliege. Statt dessen wirft er mir im Handiund-ehen„schroffe Betonung eines spezifisch nationalen Standpunktes", bezw. eine Verletzung der Pflichten der internationalen Solidarität vor. *)„Kapital,, Bd. 1 S. 273(erste Ausgabe). —) Die obenstehende Erklärung geht uns mit dem Ersuchen zu, sie ab- zudrücken,„ohne daß die beliebte Taktik beobachtet wird, zwischen die Ausführungen Bemerkungen einzuschalten". Diese Taktik ist von der Redaktion des„Sozialdemokrat" nie beliebt worden, der Zusatz war also überflüssig. Ohne für heut auf die den Streitpun� selbst angehenden Auslassungen Frohme's einzutreten, sehen wir uns veranlaßt, die von ihm beob- achtete Methode der Polemik zurückzuweisen. Wir haben in Nr. 37 unseres Blattes auf Grund eines in der Frankfurter„Kleinen Presse", einem Frohme sehr wohlwollenden Blatte, erschienenen und bis dahin un- widersprochenen Berichtes eine die gegnerischen Schlußfolgerungen zurück- weisende Notiz veröffentlicht und, als sodann Frohme in der„Hamburger Bürgerzeitung" eine ausführliche Skizze feines Vortrages veröffentlichte, sofort im Leitartikel in Nr. 38 von derselben berichtigend Notiz genommen. Unsere, an die Ausführungen Frohme's geknüpften Aus- einandersetzungen bewegten sich auf streng sachlichem Boden, jede per- sönliche Insinuation war so sorgfältig vermieden, daß der Artikel in deutschen Blättern geradezu als eine„Revokation" aufgefaßt wurde. Drei Wochen später, in Nr. 41 unseres Blattes richtet ein Genosse eine offene Anfrage an Frohme, gegen wen sein Vorwurf der Allerwelts- duselei gerichtet gewesen sei, und auf Wunsch des Fragestellers theilt die. Redaktion Frohme den Namen desselben mit. Was thut nun Frohme? Er wirft rein willkürlich das Einge- fandt mit den redaktionellen Notizen zusammen, um so bequemer den Einsender der Widersprüche zeihen zu können. Statt die an ihn gestellte Frage rund und nett zu beantworten, verdächtigt er sie als einen Ver- such, ihn von der„Kritik" abzulenken, während thatsächlich ja erst oie Frage ihn veranlaßt, auf die Kritik einzutreten. Gegenüber diesem dialektischen Verfahre«, das nur geeignet ist, der Polemik den denkbar unerquicklichsten Charakter zu geben, erklären wir, daß wir nach wie vor Kritik und Frage streng auseinander halten wer- den. Für die erstere ist die Redaktion verantwortlich, und soweit die gegen sie gerichteten Aussührungen Frohme's überhaupt noch eine Replik erheischen, werden wir in einer späteren Nummer eine solcke folgen lassen. Was aber die in Nr. 41 gestellte Frage anbetrifft, so überlassen wir es dem Einsender derselben, zu entscheiden, ob er dieselbe durch die heutige Erklärung Frohme's für erledigt hält oder nicht. Redaktion des„Sozialdemokrat". In der nächsten Nummer d. Bl.— in dem««>,»»»•» Ue&ctfJjnft „National oder international" sich mit meinen von der„Hamburger Bürgerzeitunq veröffentlichten Berichtigunzen beschäftigenden Leitartikel— wird jener Vorwurf zurückgenommen durch die Erklärung: daß man gegen die von mir geäußerte Tendenz betr. die kosmopolitische Schwär- merei nichts auszusetzen habe. Gleich im Anschluß an diese Er- klärung aber wird die geradezu Mitleid erregende Behauptung geleistet: man könne über„die Frage der Nothwendigkeit, gegen den so geschilderten Kosmopolitismus zu Felde zu ziehen," getheilter Ansicht sein. Freilich„kann" man das! Aber was geht denn diese eventuelle „getheilte Meinung" m i ch an? Ich wende mich in meinem Ausspruch gegen die philanthropischen und kosmopolitischen Schwärmer,„denen— so sage ich wörtlich— nichts mehr als ein Gräuel ist, als der praktische Sozialismus, der in Wahrheit das Lebensinteresse der ganzen Menschheit bildet und demgemäß auch seine internationaleBethätigung finden muß. Der Kritiker zitirt diesen Ausspruch und erklärt, gegen die Ten- denz desselben nichts einzuwenden zu haben, um dann— nachdem er solchermaßen die Frage der R e ch t m ä ß i g k e i t des Ausspruchs b e» j a h t— die Frage der Nothwendigkeit aufzuwerfen, weil, wie er sagt, der geschilderte Kosmopolitismus innerhalb unserer Partei seines Wissens gar nicht vertreten sei. Also deshalb kann man über die Frage der Nothwendigkeit meines Ausspruches getheilter Meinung sein? Mir sind gewisse Leistungen des Kritikers bekannt, wo diese Frage durchaus am Platze wäre; gegenüber meinem Ausspruche ist sie es nicht, weil das. was ich gesagt habe, als wahr, vernünftig, zweckmäßig und durch die meinem Vortrage zu Grunde liegende Idee geradezu geboten erachtet werden muß. Deutlich genug geht ja aus meinem Ausspruch hervor, daß ich die kosmopolitische Schwärmerei der internationalen Bethätigung für den praktischen Sozialismus gegen« überstelle. Wozu also war die Bemerkung des Kritikers, daß der geschilderte Kosmopolitismus in unserer Partei nicht vertreten sei» nothwendig? Ueber die„Nothwendigkeit" dieser Bemerkung allerdings läßt sich mit Fug und Recht streiten. Angeblich erlaubte dem Kritiker die„Oekonomie des Blattes" nicht, mein Elaborat aus der„Bürgerzeitung" vollständig wiederzugeben, bezw. inehr als„Wesentliche" zu bringen. Demgegenüber bemerke ich, daß er gerade das W e s e n t l i ch st e von allem Wesentlichen weg- gelassen, vollständig ignorirt hat, nämlich diejenigen Stellen, welche Aufschluß geben Uber de» eigeutücheu Gegenstand des Streites, die Frage der Jnternationalität. Ich bin deshalb genöthigt, diese Stellen hier folgen zu lassen: „Jedes Volk kann und soll auf seine Weise die ganze Bestim- mung der Menschheit umfassen und ein treues vollständiges Bild der ganzen Menschheit sein. Dennoch waltet auch bei jedem Volke ein ihm eigenthümlicher Beruf, ein eigenthümliches Talent, oder doch ein bestiminter Kreis von Talenten vor, und alles übrige Menschliche bildet es im abnehmenden Verhältniß aus, sowie es sich von s e i n e m B e r u f e entfernt. Schon die Natur weckt durch die eigens Anlage des Volksgebietes, durch ihre Güte und durch Bedürfnisse, welche sie hervorruft, durch Klima, Bodenverhältnisse und Nahrung und der damit zusammenfallenden leiblichen und geistigen Bildung in einem jedem Volke ein bestimmtes vorwaltendes Streben. Ja, die Vertheilung des gesammten Beruses der Menschheit unter die einzelnen Völker der Erde ist zu ihrer höchste» und reichsten Vollkommenheit wesentlich. Jedes Volk kann sich seinem vorwaltenden Berufe um so ausschließlicher überlassen, und darin um so vortrefflicher werden, je vollkommener andere Völker, die es umgeben, auch ihre besonderen Vor- trefflichkeiten ausüben, welche ergänzende Theile der ganzen menschlichen Vollkommenheit sind, und je inniger sich die für einander bestimmten Völker vereinen. Alle von der Natur zu verschiedenem Beruf bestimmten Völker sind geneigt und sähig, sich in ein höheres Ganzes zu vereinigen. Zwischen mehreren Völ- kern, welche Gegensätze im Leiblichen und Natürlichen, im Geistigen und Vernünftigen, in Wissenschaft und Kunst, in sozialen und politischen Einrichtungen ausdrücken, tritt vermittelnd e i n Volk, und zwar dasjenige, welches mit dem vollständigen Bilde der Menschheit und mit der menschlichen Bestimmung am meisten über- einstimint." Nun frage ich jeden vernünftigen Menschen: Heißt das das Prinzip der Jnternationalität verletzen, wie der Kritiker durch eine lang« Epistel über dieses Prinzip glauben zu machen sucht? Ist es also eine e h r l i ch e K r i t i k, die er übt, oder tendenziöse Nörgelei? Daß es lediglich das Letztere ist, wird sich noch weiter zeigen. Für die oben zttirten Auslassungen— allgemein gültige Wahrheiten— hatte ich mich bezogen auf Fichte, Krause und Buckle. Ohne nun die Leser init diesen Aussührungen bekannt gemacht, ja ohne ihrer auch nur in knappster Form Erwähnung gethan zu haben, wird— und zwar in Anknüpfung an einen ganz ande- r e n Gegenstand, auf den ich später eingehen werde— frischweg be- hauptet:„Die Schriftsteller, auf welche Frohme sich beruft, sind Vor- kämpfe« des Bürgerthums, im Jdeenkreise des bürgerlichen Liberalismus, der liberalen Ideologie befangen gewesen." Angenommen, dem wäre so, was bewiese das gegen die Richttgkeit der Ansichten, für welche ich mich auf sie berufe, und inwiefern könnte das die Zuläfligkeit des Berufs selbst beeinträchtigen? Bislang war es Grundsatz bei der Sozialdemokratie, die Wahrheit— und insbesondere die wissenschaftliche Wahrheit— gelten zu lassen, wo immer sie sich findet. Wir haben uns berufen zu Tausenden von Malen ausAdamSmith, Carey, John Stuart Mill, Schäffle, Samter, Jhering ,c., auf die Wissenschaft- lichen Größen aller Seiten, auf die Männer der französischen Revolution u. s. w., ohne daß jemals Jemand gewagt hätte, diesen Berus des- halb unzulässig zu nennen, weil die Ansichten dieser Männer sich nicht voll und ganz mit den unseligen decken. Soll dieser Grundsatz keine Geltung mehr haben? Wollen wir fortan leugnen, daß unsere Prin- zipien die„Quintessenz der wissenschaftlichen Erkenntniß" sind, wie der Kritiker am Schluß des Artikels in Nr. 38 selbst sie nennt? Soll eS fortan nicht mehr gestattet fein, die Wahrheit in wissenfchaftichen Dingen zur Unterstützung der Prinzipien zu nehmen, wo man sie findet? Ich behaupte, so wenig es eine„ n a t i o n a l e" Wissenschast gibt, so wenig gibt es auch eine sozialdemokratische, eine unserer Parteirich- tung durchaus eigenthüinliche; wir machen die Wissenschaft unseren Zwecken mehr und inehr dienstbar, in demselben Verhältniß, wie die Erkenntniß der Wahrheit sich Bahn bricht, aber usurpiren als Sonder- gut und charakterisiren als spezifisch sozialdemokratisch können wir sie nicht. Sie ist und bleibt„die Wissenschaft" schlechthin. Was nun Buckle anbetrifft, so mag man denselben immerhin den Vertretern des bürgerlichen Liberalismus zuzählen. Das ändert aber doch wahrlich nichts an der Thatsache, daß seine Ausführungen über den Einfluß der Natur auf die Menschenwelt— und lediglich auf diese habe ich mich bezogen— richtige sind und Berücksichtigung verdienen, weit mehr Berücksichtigung, als gewisse Leute in ihrer prinzipiellen Einseitigkeit für nöthig halten. Uebrigens find die Worte Buckle's durchaus r e a l w i s s e n s ch a f t l i ch, von„liberaler Ideologie" findet sich darin keine Spur. Das Gesellschaftsideal, welches Krause entwickelt, ist von durchaus sozialistischer Tendenz, daraus berechnet,„daß an die Stelle des gegenseitigen Kampfes der Interessen eine die harmo- nische Ausgleichung in der Gesellschaft garantir ende Organisation trete." Ist das zu vereinbaren mit„bürgerlichem Liberalismus"?— Ich meine, den gegenseitigen Kampf der Interessen, den Krause beseitigt wissen will, hält der bürgerliche Liberalismus für untrennbar von der „gesellschaftlichen Ordnung". Und doch ist der Mann„liberaler Jdeo- löge"? Hm! hm I Fichte soll nach des Kritikers Behauptung die Hemmnisse für die �Freiheit, gegründet auf G l e i ch h e i t alles dessen, was Menschenantlitz trägt", nicht weiter„als beim Adel" gesehen haben. Zweifelsohne hat der Kritiker von oder über Fichte nicht mehr gelesen, als die von ihm zitirten Lassalle'schen Arbeiten, sonst könnte er das nicht behaupten. Denn Fichte sah jene Hemmnisse auch in der Unterjochung und Ausbeutung der Arbeit; in dem„durch willkürliche Macht und Schlauheit erschlichenen Eigenthumsrecht, die Quelle aller Tyrannei und Uebel tm Staate"; serner besonders noch im„Eigenthum an Grund und Boden" und im E r b r e ch t.„Liberale Ideologie"— nicht wahr, Herr Kritiker? Ich greife nun zurück auf denjenigen Punkt, an den anknüpfend der Kritiker in so völlig unlogischer und unmotivirter Weise meines Berufs auf die genannten Schriftsteller Erwähnung thut. Er wirst mir da vor: was ich über die Stufenleiter im sozialen Leben der Menschheit. Privat- leben des Einzelnen, Familien-, Gemeinde- und Staatsleben gesagt, stehe „mit den thatsächlichen Verhältnissen im Widerspru ch", sei eine „Fiktion des bürgerlichen Liberalismus". Das Gespenst des bürgerlichen Liberalismus scheint ein große Anhänglichkeit an ihn zu haben, es ver- folgt ihn auf Schritt uud Tritt. Er mag Recht haben mit seinem Hin- weis darauf, daß die Familie„ursprünglich" sich aus dem All- gemeinen, dem Stamm der Heerde gestaltet habe. Kann dann aber der Umstand, daß ich es meinem Thema nicht angemessen, bezw. nicht für nothwendig hielt, meine Ausführungen auf diese Stufe auszudehnen, vernünftigerweise dazu dienen, mich des Widerspruchs zu beschuldigen? Wo steckt denn der eigentlich? Doch wider Willen nimmt der Kritiker auch hier wieder selbst meine Rechtsertigung vor; er gesteht, daß„auf relativ späterer Stufe"(als die Heerde sie darstellt) allerdings „von einem Privatleben des Einzelnen die Rede sein kann". Weshalb „kann". Herr Kritiker? Weshalb nicht muß? Wir befinden uns eben auf der„relativ höhern Stufe", wo die Gründung der Familie die Ver- bindung zweier Einzelwesen, zweier Privatpersonen, zur nothwendigen Voraussetzung hat. Wenn ich also von der Gestaltung der Familie aus dem Privatleben des Einzelne» spreche, so halte ich mich an eine vor- handene Thatsache, und nicht an eine„Fiktion des bürgerlichen Liberalismus",— an eine Thatsache, die so lange bestehen wird, wie es eine Familie überhaupt gibt. Wo steckt da der Widerspruch"? In der höchst sonderbaren„Logik" des Kritikers selbst! Weiterhin glaubt dieser geehrte Herr mich darüber belehren zu müssen: daß alle großen sozialen Fragen, so insbesondere die des Arbeiterschutzes, nur eine internationale Regelung erfahren können. Ich bedarf dieser Belehrung nicht; er mag sich trösten, denn ich habe in meinen Vorträgen gerade diese Seite des Internationalismus so scharf und korrekt behandelt, wie es unter Berücksichtigung des gleich einem Da- moklesschwert drohenden Sozialistengesitzes nur immer möglich war. Für seine Bemühung, aus dem Umstände, daß jetzt für die Partei die Frage des internationalen Arbeiterschutzes bestehe, zu beweisen, sie stehe„gar nicht mehr auf rein Lass all e'schem Boden", wird gewiß die Mehrzahl der Leser mit mir nur ein mitleidiges Lächeln haben. Uebrigens hätte der Kritiker bedenken dürfen, daß der von uns geforderte Arbeiterschutz gar nicht spezifisch sozialdemokra- tischer Natur ist! Jede andere Partei kann genau dieselben For- derungen erheben, ohne daß sie damit auf Lassalle'schen Boden tritt und dem sozialdemokratischen Prinzip irgend welche Konzessionen macht. Der Lassalle'sche Boden ist: die Befreiung der Arbeit von der Herrschast des Kopitals— Befreiung des Volkes von jeder politischen, wirthschastlichen und sozialen Vormundschaft; dieses Grundprinzip wird dadurch nicht verändert, daß neue Forderungen aufgestellt werden, die sich mit ihm decken; es ist eben ein fruchtbares Prinzip. Als gänzlich unqualifizirbar bezeichne ich schließlich noch die Benörge- lung meines Ausspruchs, daß Laflalle eine spezifisch deutsche Arbeiterbewegung geschaffen habe. Ist denn das vielleicht nicht wahr? Und ist etwas selbstverständlicher, als daß Jemand, der Lassalle's Ver- dienste schildern will, dieser Thatsache Erwähnung thut? Uebrigens bedeutet dieses„spezifisch deutsch" immer nur, die Bewegung„ i m nationalen Rahmen", von der auch unser Programm spricht. Ausdrücklich habe ich betont— der Kritiker zitirt ja diese Stelle auch, aber ohne Rücksicht auf sie zu nehmen—, daß: „alle Nationen an der Verwirklichung des vollen und ganzen Menschenrechts das gleiche Interesse haben, und daß sonach die von Lassalle geschaffene spezifische deutsch« Arbeiter- bewegung in Wahrheit eine Bewegung für die g a n z e Mensch- h e i t sei, denn was die deutschen Arbeiter angehe, das gehe die Ardeiter aller Länder an; was in ihr zum Ausdruck gelange, das sei, obwohl seine Form von nationalen Besonderheiten bestimmt werde, doch das allumfassende rein Menschliche, sie sei identisch mit der Menschheitsbewegung."— Das ist die„schroffe Betonung eines spezifisch nationalen Standpunktes", deren ich mich schuldig gemacht, das„Märchen aus alter Zeit", das ich erzählt haben soll! Und so trägt der Kritiker „pflichtgemäß" zur„Klärung" bei! Er wird mir wohl oder übel schon erlauben müssen, daß ich fortfahre, den Beruf des deutschen Volkes für die Gründung des„Reiches der Freiheit und des Rechtes" höher anzuschlagen, als er es thut. Die Geschichte der deutschen Arbeiter- bewegung, die Erfolge dieser Bewegung, für welche die Parteigenossen im Auslände nur eine Stimme der Anerkennung haben, sind mir der letzte Beweis dafür, daß es vorwärts geht auf dem Wege zu diesem Reiche. Gleichzeitig allerdings wird, wie der Kritiker sagt, an der Verwirklichung unserer Ziele in allen Kulturländern gearbeitet, aber nicht gleichzeitig wird, aller Voraussicht nach, diese Ver- wirklichung geschehen, dazu wäre mindestens nöthig, daß die Bewe- gung in allen Ländern gleichen Schritt hält, daß darin nicht ein Land hinter dem andern zurückbleibt, wie es nach Maßgabe der spezifischen Verhältnisse der Fall ist. Es ist kein„A b e r g l a u b e", daß die Deutschen zu dieser großen Kulturausgabe weit befähigter sind, als viele andere Völker, z. B. Spanier, Italiener k. Das ist eine erwiesene Thatsache, und ich sehe keinen vernünftigen Grund, diese Thatsache zu ignoriren. Er- füllen wir das Volk nur mit dem Bewußtsein des ihm eigenthümlichen Berufes für die Lösung der sozialen Frage— es wird anderen Völkern ein Sporn zur Nachahmung sein, daß sie mit uns wetteifern im Streben nckch dem gleichen Ziel! Mit diesen Erklärungen betrachte ich auch die„Frage", welche ein „internationaler Feind des Allerweltsdusels" in Nr. 41 an mich richtet, in der Hauptsache für erledigt. Bemerken will ich nur noch, daß er die von mir angefochtene„Allerweltsduselei" in allen Bevölkerungsklassen und-Kreisen und in allen Parteien mit leichter Mühe finden kann. Er ist doch sonst„so findig", warum denn nicht in diesem Falle? Daß sie nicht auch in unseren Reihen existirt, dafür übernehme i ch keine Gewähr; ich getraue mir nicht, unter der Million Menschen, die sich in Deutschland zum Sozialismus bekennen, so genau„Umschau" zu halten, wie der Fragesteller es gethan zu haben behauptet, um sagen zu können: „Bon Mißbrauch deS Jnternationalitätsprinzips keine S p u r." Hocherfreut bin ich übrigens, von ihm zugestanden zu bekommen: daß„national" und„international" in sich keine Gegensätze sind. Wozu dann aber der Lärm in den Nummern 37 und 38 d. Bl., den ich auch auf Rechnung des Fragestellers setze? Soll seine Frage viel- leicht die Entschuldigung für diesen Lärm sein? Bin ich ihm deshalb«ine Antwort„schuldig", weil er sich ohne meine Schuld in eine Sackgasse verrannt hat? Oder glaubt er mit seiner„Frage" mich abzulenken von seiner„Kritik"? Bockenheim, 15. Oktober 1885. Karl Frohme. — deutung und Tragweite wie weiland der Prozeß S t ö ck e r. Während dieser den M e» n e i d abschaffte und die Meineidsparagraphen des Strafgesetzbuches ad absurdum reduzirte, hat der Prozeß Gräf die sogenannten Sittlichkeitsverbrechen abgeschafft und die betreffenden Para- graphen des Strafgesetzbuchs in Makulatur verwandelt. Man muß nur die richtige„Künstlerschaft" haben— und wer könnte sie nicht erlangen? Man bfejucht ja nicht gerade Maler oder Bild- Hauer zu sein. Wie weit ist der Begriff der Kunst! Geht nicht jetzt das Handwerk in die Kunst über? Also nur herein ins Vergnügen! Wer den richtigen Künstlersinn besitzt, hat freies Entree und keine Strafe zu befürchten. Freilich auch Geld muß er haben, wie der Künstler Gräf. kut mvnex in your purse I*) — Vom zukünftigen Heldenkaiser. Wir meinen nicht „unfern Fritz", den unglückseligen Kronprinz in Permanenz, sondern seinen Sohn Wilhelm, den— so„Gott" will, d. h. wenn inzwischen nichts passirt— dereinstigen Wilhelm ll. In dem bekannten Buch des Grafen Wassili,„I-a socidtö de Berlin"(deutsch: Hof und Gesellschaft in Berlin) heißt eS von diesem hoffnungsvollen Hohenzollernspröß- ling, daß er seinem Charakter nach durchaus seinem erhabenen Großvater -gleiche, und daß Wilhelm und Bismarck daher mehr auf ihn als auf seinen waschlappigen Bater gäben. Nun, was wir bisher von besagtem Prinzen zu vermelden hatten, straft wenigstens den ersten Theil dieser Behauptung nicht Lügen. Im Anschnauzen von Soldaten und in Punkts von Liebesabenteuern scheint er allerdings der ganze Großvater zu sein. Und auch was uns heut- „Einer, der die bunte Jacke abgelegt", über ihn schreibt, bestätigt diesen Atavismus. Ganz so roh und brutal— die.Frömmigkeit kommt be- kanntlich erst in späteren Jahren. „Wenn ich mich," so schreibt der betreffende Ex-Vaterlandsvertheidiger, „heute an Ihr geschätztes Organ wende, so geschieht dieS, um dem deutschen Volke zu zeigen, welch einen Helden es in seinem zukünftigen Landes- vater, dem jetzigen Prinzen Wilhelm, besitzt. Für die Wahrheit des Mitgetheilten verbürge ich mich. „Im vorigen Herbst manövrirte die Potsdamer Garde in der% gegend von Dahme, einem Landstädtchen im Kreise Jüterbog!. T» bei solchen, ohnehin kostspieligen Vergnügungen(welche Kosten natürli das Volk ausbringen muß) die blühenden Felder wo irgend möglich s schont werden sollen, ist bekannt; unser„Zukünftiger" hat aber iß diesen Punkt seine eigene Meinung. Auf dem Terrain, aus welch« er als Regimentskommandeur zu operiren hatte, befand sich unter ande« ein Tabaksfeld, das geschont werden konnte und sollte. Der Oberst(d Name ist in dem Brief leider unleserlich. Red.) ritt an den Prinzen he« und sagte:„Königliche Hoheit, wir kommen ganz gut nach dem bestimmd Orte hin, ohne das Felo zu berühren." Aber damit lief er schön«> „Haben Sie zu befehlen oder ich?" schnauzte ihn unser Zukünftiger® „was das kostet(nämlich das Feld), kann ich noch bezahlen(aus W Steuersäckel)!" Sprachs, und im Nu war da» ganze Feld total verwüst« „Als eS zum Treffen kam, ließen die, welche dem Prinzen gegeniid« standen, als sie sahen, daß er das Kommando hatte, ihn auch s Alle Augenzeugen aber, die ich gesprochen, sind der Ansicht, daß, es scharfes Feuer geheißen, von der vom Prinzen geführten Abtheilli» weder Mann noch Maus davon gekommen wäre. So zeigt sich sih« jetzt der geborene Heerführer. „Für die Bildung(von der militärischen abgesehen) des Prinz« spricht folgendes Stückchen. Kommt da während des Manövers � Bauernwagen die Straße gefahren und in demselben zwei Dorfschön» Zu ihrer Freude begegnen sie ihrem zukünftigen Landesvater und! eine zeigt freudig erregt auf ihn hin. Der aber kommt hoch zu ZW herangesprengt und brüllt sie an:„Ja, das ist er, seht ihn Euch»W an. Und seht ihn auch? o an." Und damit dreht er sich um und breit» beide Rockschöße auseinander! Welch ein seiner Witz! „Und nun noch zum Schluß etwas für sentimentale Spießbürge' Wilhelm wollte eines Tages mit seiner Frau ausfahren, hatte ab« im Wagen einen seiner rohen Kumpane bei sich, in deren Gesellschaft« seine wüsten Orgien feiert. Die Frau, der diese Gesellschaft nicht ft«' venirte, weigerte sich, unter solchen Umständen mitzufahren. Da ihr der hohe Gemahl im echten Hausknecht-Jargon die Worte „Scherr' Dich rinn!" und fuhr mit seinem Kumpan davon. Hoffentlb nimmt der brandenburgische„Kinderfreund" diese Anekdote, die vor a» deren den Vorzug hat, wahr zu sein, in seinen Text auf— als Beweii Recht. für das rührende Familienleben unseres Herrscherhauses." Man sieht, der liebe Gott verläßt seine deutschen Philister nicht. schenkt ihnen die Herrscher, die sie verdienen. damit> ieutert- Auf l. und »-zahlt Und herum ffiiUU:-' Vorsitze «der st. war— «alen Eine: Haft z üaer T. «ptile «» eine «bens- lachte. »'cht fe dl- Sch blassen I-der ä 1» find dem H Ichreibt tadikals , Nun. dlätter Müssen »«gen d n- taien? �Ich an diele h, hat es. h-'ßt. e daß es *) Thue Geld in deinen Beutel. — Der Ursozialreformer Otto vonBismarck sagte>« einer seiner famosen sünf Reden gegen die Sonntagsruhe und für di« Sonntagsausbeutung:„Wenn man in Deutschland Gesef« mache, sorge man auch für die strenge Handhabung; in der Schwei! sei das anders, die dortigen Fabrikgesetze würden so lax gehandhabt. daß die Ausnahmen eigentlich zur Regel würden." Mit Bezug aus die» Ae.ißerung, in welcher der erste Theil gelogen, der zweite aber wahr ist geht jetzt durch die gesammte Reptilienpresse eine Notiz, dahin lautend'- „Dieser Behauptung ist in der linksliberalen Presse vielfach wider sprachen wo, den; ein soeben von der Regierung des Kantons St. Galle« an die Bezirksämter und Gemeinderäthe gerichtetes Zirkular, welches d» striktere Handhabung des Bundesgesetzes über die Fabrikarbeit einschärft, liefert jedoch den Beweis, daß der Kanzler nicht zu viel gesagt hatte- Das Rundschreiben oerlangt namentlich strengere Beobachtung der Bor schriften zu Gunsten der Fabrikarbeiter unter achtzehn Jahren. Durlh amtliche, von der Gemeinderathskanzlei auszufertigende Alt ste soll dal Alter der Arbeiter festgestellt werden. Die gesetzlichen Beschränkung-« der Frauenarbeit sollen ebenfalls genauer beachtet werden. Es sin> Wöchnerinnenlisten anzufertigen, welche im Fabrikbureau aufzulegen und zur amtlichen Einsicht bereit zu halten sind. Endlich wird den Gemeinde« behörden die Verhinderung der mißbräuchlichen Verwendung von Kindert unter vierzehn Jahren und der sogenannten Ueberarbeits-Bewilligunge« eingeschärft." Nun, das macht der Regierung von St. Gallen Ehre. Jetzt aber eine Frage an den braven Otto und seine Reptilien: Finden sich in den Berichten der deutschen Fabrikinspek' t o r e n nicht deständige Klagen über mangelhafteHandhabuni der bestehenden Gesetze? Und was haben die deutschen Regierunge« gethan, um die Beobachtung der Gesetze zu erzwingen? Nichts! Od-r so gut wie nichts! Da loben wir uns die Schweizer— ste thun doih wenigstens etwas. Und was die„strenge Handhabung" der Gesetze in Deutschland b» trifft, noch eine weitere Frage: Ist es dem braven Otto und seinen Reptilien nicht bekannt, daß ins' besondere die Gesetze zur Beschränkung der Kinderarbeit Jahrzehnte lang von den deutschen Fabrikanten vollständig ignorirt wurden, so daß die Spatzen es von allen Fabrikdächer« pfiffen? Also nur den Mund nicht so voll genommen. Gnei närte t Nicht vi »-Mein, Wem nstenge struch bsschloss ändern irste, «fstimn «ine ro »on de brauch «lso nn «sie zw Und de staat" «"»rs «chkeitt Nate »nruhst tische( Es nm l'ch bei bie tot »ffetzmi Un b g Und «ung? >ftix «!ebut 'Unst — Das a l t e L ie d von den großen undkleinenSpitz' b u b e n hat dieser Tage in Dortmund wieder eine drastische Be« leuchtung erfahren. Ein dortiger Großindustrieller, Herr W i l h« l>« von Born, Inhaber eines Bankhauses, Gründer ersten Ranges, macht- Konkurs, was ja an sich nichts Außerordentliches ist, und worüber wir höchstens als Charakteristlkum unserer wirthschastlichen Verhältnisse z« sprechen hätten, wenn nicht die Art des Konkurses eine ganz b e s o n' der« wäre. Sie sieht nämlich einem betrügerischen Bankerott so ähw lich wie ein Ei dem andern. In einer am 6. Oktober stattgehabte« Gläubigerversammlung konstatirte der Massenververwalter, Dr. Gott« s ch a l k. u. A.: „Die Aufnahme der Inventur hat große Mühe gemacht, zumal die vorhandenen Bücher die einzige Grundlage bildeten. Ei« Verzeichniß der vorhandenen Vermögensstücke hat deshalb vor der Ver« sammlung nicht ausgelegt werden können. Bei dem vorhandenen großen Grundbesitz war die Ausstellung um so schwieriger, als die Ver- waltung der Immobilien eine durchaus ungeordnete gewesen." „Was endlich die Ursache des Zusammenbruchs des alten Bankhauses gewesen, so sei wohl hieran in erster Linie die seit 13 Jahren andauernde Krise schuld, dann aber auch die Inanspruchnahme eines enormen Kredites bei verhältniß mäßig geringen Mittel n." „Herr von Born habe, so führte Herr Dr. Gottschalk weiter an, ein Exposö über die Ursachen des Bankerrott ausgearbeitet und sei darin hervorgehoben, daß die Entziehung des Kredits seitens der Reichsbank mit Schuld an dem Zusammenbruche trage. Ende der 70er Jahre Hab« dieser Kredit noch über 7 Millionen betragen. Was dre Geschästsführung im von Born'fchen Bankhause anbelange, so könne er, der Verwalter, dieselbe als eine ganz solide nicht bezeichnen." „Nicht ganz solide"— wie feinfühlend! Ein Mann, der bei verhält- nißmäßig geringen Mitteln einen enormen Kredit in Anspruch nimmt, nicht ganz solioe! Aber im Grunde doch solide? Gewiß; Herr von Born hat ja keine silbernen Theelöffel gestohlen, er hat nur unglücklich speku- lirt. Auf die Redensart von Entziehung des Kredits durch die Reichs- dank antwortet der anwesende Reichsbank Direktor Krohn: „Die Reichsbank habe nichts gethan, als die schlechten von Born'schen Wechsel ausgesondert, mit denen Herr von Bor» dann h a u s i r e n gegangen. Die Reichsbank habe nur wie jeder Private zwei sichere Unterschristen verlangt, wäre dies geschehen, dann hätte sie die ganzen Wechsel aufgenommen. Besser sei es gewesen, wenn bereits vor 1b Jahren der Konkurs über die Firma verhängt worden wäre." Wie aber Herr von Born sich gute Unterschriften zu verschaffen wußte, das hat die Zeche T r e m o n i a erfahren, bei der er als Direk« tor mit Hülfe eines ihm willenlos Untergebenen Ueberziehungen im Betrage von 200,000 Mark machte, d. h. die Zeche betrügerischer- weis eAim ca. 150,000 Ml. schädigte, denn soviel wird bei dem Kon- kurse wohl ausfallen. Ja noch mehr, an einer anderen Stelle des Be- richtes sagt Herr Gottschalk: „Born sei zu einem Drittel Eigenthümer der Karl von Born'schen Hochösen gewesen, habe diesen Antheil aber am 4. August d. I.— d. h. kurz vor Ausbruch des Bankrotts— an Kart von Born verkaust. Die Gelder hiefür seien a n s ch e i n e n d(! I) in die Geschäftskasse geflossen." Dies„anscheinend" ist unbezahlbar.„Jedenfalls", schreibt man uns, „hat der brave Born das Geld zuvor aus derselben Kasse genommen, es seinem Bruder gegeben, und seinen Antheil nur zum Scheine verkaust, -ir. 41 stndun; Hp' «vir w «ur du . Der d-shall 'twa, »laube, «ine s« »«be ei "littet bäische- »ttheili die Ve Es »ls„d Uns de chies j ftsd ?°n JJb ei Mittle Äscher «oll r vintoe Mrde tennl ["«on i «och Ueb dttusic Me( "hkeit chtt: Juifla- M'Id «bens h tffch ?«rtrc '« di. dann »-Tfid. u gut «le Bi teeie, titb {•'in «»s »Uß, ,-SBe d-tba, der damit et nach dem Konkurs wieder eine Quelle hat, wo er sein Aus- l. D leutertalent weiter bewähren kann." natürli Auf erfolgt« Anfrage theilte Herr Gottschalk mit, daß zwischen dem glich?>. und 10. August etwa IVO, 000 Mark in Laar durch die G-schäftskasse er üd gezahlt seien.. welche Und trotz dieser und ähnlicher Stückchen läuft Herr von Born trei ander herum und erhält„standesgemäße Diäten." Freilich, der Mann war >erst st Mitglied des S t a a t s r a t h s, Präsident der Handelskammer, n he:! Vorsitzender des Stadtraths, Direktor mehrerer Zechen, stand iimiB«der steht mit Staatsanwalt und Richtern auf vertrautestem Fuße, und chön&«>ar— last but not least— eine Leuchte der nationallibe- �alen Partei. Einen solchen Mann wie den ersten besten Hungerleider zur Rechen- ichaft zu ziehen— welche Zumuthung! ger us W rwiO 'genüf' sieg« .. Wenn Reptile wüthend werden. Das Mosie'sche„Ber- W-r Tageblatt" hat sich jüngst den ganz besonderen Zorn aller deutschen theilrtl'«Pille dadurch zugezogen, daß es, nach einer übrigens uralten Schablone, ch sch� � einem„Tag aus dem Leben eines Arbeiters" die Belastung fast aller �eoens- und Genußmittel durch die neue Wirthschaftspolitik zu illustriren lachte. Daß es das freihändlerische Blatt dabei an Uebertreibungen «>cht fehlen ließ, ist selbstverständlich, besteht doch seine Aufgabe darin, «ie Schutzzollpolitik für alle llebelstänve, unter denen die arbeitenden fassen leiden, verantwortlich zu machen. Für die Reptile ist nun aber leder Angriff auf die heilige Schutzzöllnerei eine Gotteslästerung, und j® sind sie denn ob der Frevelthat des„Berliner Tageblatts" schier aus «em Häuschen.„Ein so schamloser sozialdemagogischer Hetzartikel," WKeibt z. B. die„Halle'sche Zeitung,„dürfte in den Spalten auch der «adlkalsten deutschen Zeitung noch nicht erschienen sein." jjjun, an Sozialdemagogie sind bekanntlich die Pfaffen- und Junker- Wter allen übrigen Organen bedeutend über, in dieser Beziehung Fussen wir das Moffe'sche Blatt schon in Schutz nehmen. Wenn da- »«g«n das erboste Halle'sche Reptil am Schluß seines Artikels dem libe- «alen Freibeuterblatt vorwirft, daß es an anderer Stelle„durch patrio- 'sich angehauchte, oft in widerlichen Byzantinismus ausartende Artikel harmlose Leser über seine wahre Richtung zu täuschen weiß", so es, von der„wahren Richtung" abgesehen, wie jeder weiß, nur zu ?«cht. In Punkto Byzantinismus sind es die Liberalen, welche den . l j 0£eI abschießen, und das ist keine Kleinigkeit. Man bedenke, was es t. Gi|'etBt, ein Bismarck'sches Reptil an Bauchrutscherei derart zu überbieten, es über Byzantinismus schimpft. Einen famosen W i tz hat dieser Tage Herr Rudolf ?Neist gemacht. In einer Wählerversammlung zu Kreuznach er- 'sarte der Mann, der Alles beweisen kann, das Sozialistengesetz dürfe "'cht versumpfen. Auch für die Sozialdemokratie müffe allmälig das �Meine Recht wieder in Kraft treten. Wenn wir auch nur einen Moment über die Verlängerung des Sozia- »stengesetzes im Zweifel gewesen wären, so würde der Gneist'sche Aus- Ipruch ihn beseitigt haben. Die Verlängerung des Sozialistengesetzes ist lchlvssene Sache. � Die rothe Fahne. Es intereffirt vielleicht den Einen oder "Ndern unserer Leser, zu erfahren, wann die rothe Fahne zum ««st en Male entfaltet wurde. Durch Gesetz vom Frühling 1790 �«stimmte die französische Nationalversammlung, daß bei Aufruhren «>ne rothe Fahne als Symbol der bürgerlichen Ordnung °n den Gemeindebehörden zu enthüllen sei, ehe von den Waffen�Ge- «tauch gemacht werden dürfe. Die Enthüllung der rothen Fahne war ungefähr so viel wie das später eingeführte Verlesen der Aufruhr- zwischen obligaten Trommelwirbeln. Gewöhnlich nahm man an— Und der Jrrthum hat sich auch in eine der älteren Nummern des„Volks- stuat" eingeschlichen— die rothe Fahne sei bei der Metzelei des Marsfelds am 17. Juli 1791, woLafayette und Bailly ihren Gesetz- �chkeitsfanatismus an dem Pariser Volk bethätigten, zum ersten Male in Anwendung gekommen. Das ist indeß nicht der Fall. Schon 1 3 M o- «ate früher wurde die rothe Fahne enthüllt, und zwar nicht gegen Unruhstifterische revolutionäre Arbeiter, sondern gegen unruhstifte- «''che kontrerevolutionäre Pfaffen und Aristokraten. Jr® war dies am 13. Juli 1790 zu N ime s in Südsrankreich, gelegent- ''ch des von Froment in Szene gesetzten royalistischen Putsches. Genug, °'e rothe Fahne, das Symbol der Ordnung, mußte damals von den gesetzmäßigen Behörden gegen die Feinde einer vernünftigen Und gerechten Ordnung der Dinge enthüllt werden. Und ist etwa die rothe Fahne nicht auch heute das Symbol der Ord- «Uag? Und wird sie nicht auch heute blos von den Feinden einer ver- Künftigen und gerechten Ordnung der Dinge gehaßt? Bei ihrem ersten .«büt war sie siegreich— ein gutes Omen für dieZu- Noch einmal die bulgarische Frage. Unsere Notiz in 41 hat uns eine Replik von Seiten des Verfassers der ersten Ein- '«ndung zugezogen, die indeß zu lang ist, als daß wir sie, angesichts des juapp bemeffenen Raumes unseres Blattes, vollständig bringen könnten. gb'r werden daher ihren Inhalt streng sinngetreu zusammenfassen und "r die wichtigsten Stellen im Wortlaut geben. . Der Einsender erklärt zunächst, daß er in seiner ersten Zuschrift nicht ««halb der Jntriguen der russischen Regierung nicht erwähnte, weil er >wa an die„platonische Liebe Väterchens für die slavischen Brüder" »saube, sondern weil er ihnen für die Vorgänge aus dem Balkan nur .">« sekundäre Bedeutung beilege. Diese Seite der Frage zu erörtern, '•we er der Redaktion überlasten. Er wundere sich über unfern unmo- '«lrten Eiser gegen Bestrebungen, die im Grunde mit denen des euro- ««ischen Proletariats identisch sind; fast sollte man glauben, Rassenvor- "nheile feien im Spiele. Die Bemerkung, man schöpfe die Berichte über 'e Berhältniffe des„weiten Orient" nur aus offiziösen Quellen, habe "«ch unsere Antwort eine neue Bestätigung erfahren. Es sei Schade, daß man das tü, kische Joch so verkenne, daß man es :l®„den Vergleich mit andern Jochen aushaltend" bezeichne. Ob wir uns denn ein Bild machen könnten von der todesartigen Erstarrung siUeS von der Welt abgeschlossenen Volkes, eine Vorstellung von„Kird- W",„Enilschari", von modernen Baschibosuks? Ob wir nichts von Viruschtija, Batak ic. gehört? Dann� sollten wir die Jahrgänge 1876 Prinz« ws schöne« »nd ds zu R-! ach m > drei« bürgesi e ab« ch«H ht 10« )a tt'l t- Zfi sentit >or ai« Beweö agte i> .c di' Gesetz rra ei! idhabt af dies« ahr i'\ utend wider Galle« !es öi-j schärst hatte- t Vo«! ® litis ill da'l kunge« i sin» n un» leinde» inder« Hinge« p ek' bu nf unqe« Ob-« t dois nd be- ß ins1 b e it n d i S ächer« *utle den Bulgaren zu sehr verachtet habe, um sich mit ihm zu ver- yave Wichen. Es sei doch kein Verdienst der Türken, daß sie das bulgarische hrung it/ik nicht mit Feuer und Schwert vollständig ausgerottet hätten. Der -alter. I �"weis auf die angeblichen Exzesse der Bulgaren gegen die Türken ?Urde selbst der„Neuen freien Presse" keine Ehre machen, geschweige «Un dem„Sozialdemokrat". Daß diese Nachricht eine falsche sei, gehe �«n aus der Thatsache hervor, daß bei der letzten Revolution, die sich hauptsächlich gegen die Türkenherrschaft wendete, kein einziger Türke 'Schädigt worden sei. . Ueber das Joch des Zarismus machten sich die Bulgaren keinerlei Musion, sondern seien sich seiner Stillung völlig bewußt. Indes liege ,'«se Eventualität beim jetzigen Stand der Dinge fast außer aller Mög- i'chkeit; der Hinweis auf die kleinrussischen Bauern sei durchaus ver- Mit: die Verhältnisse seien himmelweit verschieden. Uebrigens sei eS säuerlich, daß man das Verhältniß zwischen Bulgaren und Russen in �ulgarien so verkenne, um das bulgarische Volk als ein Werkzeug des Mischen Absolutismus zu bezeichnen. Im Laufe ihres kurzen politischen «Kens hätten die Bulgaren gar manche bittere Erfahrungen von den Mischen Jntriguen gemacht, um den sogenannten„Zar-Befreier" niit Mrtrauen anzuschauen. Daß die Staatsumwälzung vom 1. Juli 1881, -'« die konstitutionelle Verfassung Bulgariens aufzuheben bezweckte, um "nn seine Berschluckung zu erleichtern, daß diese Umwälzung eine »«rfide Jntrigue von Seiten des russischen Hofes war, wußten sie nur M gut, und manches mehr. Keine zarifche Jntrigue fei jetzt im Stande, '« Bulgaren irre zu führen. Warum soll sich das„westeuropäische" Proletariat der Vereinigung •toeier Theile desselben Volkes entgegensetzen? Durch diese Vereinigung Md gewiß der Zarismus nichts gewinnen, vielmehr— verlieren. Denn 5« in konstitutionell entwickeltesVolkwirdniemals «s Werkzeug des veraltetenAbsolutismus spielen, Ußer— wenn ihm jeder freiheitliche Beistand der « steuropäer" entzogen wird. Es sei übrigens höchst son- «"«ar, wenn die Redaktion des„Sozialdemokrat" außer dem„Druck alter, rhält- .mmt, Born speku- eichs- v ön - von jeder dies -r sei u r S äffen )irek< l im her- Kon- Be< schen (•- von i die uns, men, auft, der Türken", kein anderes Motiv zu dieser Vereinigung anerkennen wolle. Thatsache sei, daß ökonomische Gründe sie unvermeidlich machten: Unterhaltung zweier Regierungen, gegenseitige Zölle ic. seien wohl drückende Motive. Und, zuletzt: „Die Bulgaren sollten den Sieg des westeuropäischen Proletariats erwarten" k. Also müßten die guten Bulgaren zu allem die Augen zu- drücken, die Hände kreuzen und so„den Sieg des westeuropäischen Pro- lewriats erwarten"?!--- Eine recht schöne Perspektive!— Unglück- licherweise ist der Bulgare nicht so„geduldig", sondern unverschämt genug, zur Selbsthülfe zu greifen." Das bulgarische Volk werde sich in derselben Weise entwickeln, wie die übrigen europäischen Völker. Erst müsse es sich aber die Vorbedin gung dazu verschaffen, und diese sei schlechterdings— die nationale B e s r e i u n g, wie es auch bei den Italienern der Fall gewesen.„Das industriell entwickeltere Land zeigt dem minder entwickelten nur das Bild der eigenen Zukunft" sagen wir mit K. Marx. Und trotz aller Hinder- nisse werde das bulgarische Volk doch manches Kontingent zur Armee des kämpfenden Proletariats stellen können." Was schließlich die Bevölkerung Mazedoniens betrifft, so gäbe es bis- lang keine zuverlässige Statistik derselben. Daß unsere der„Fr. Zeitz." entlehnten statistischen Daten keine Ausnahme von der Regel machen, verstehe sich von selbst. Schon der Umstand möge uns das beweisen, daß die Völkerschaften, außer Türken und Bulgaren, durchaus nicht so kunterbunt durcheinander gemischt sind. Der Distrikt, den die Albanesen bewohnen, heißt— Albanien, nicht Mazedonien; in Mazedonien gäbe es nur etliche Tausende Albanesen, zerstreut unter der übrigen Bevölke- rung. Die Serben bewohnen den Distrikt N o w i- B a s a r, der auch nicht als Mazedonien gezählt werden kann. Die Griechen, mit Albanesen gemischt, bewohnen meistens die unmittelbar an Griechenland grenzenden Distrikte, auch theilweise die Küste Mazedoniens. Die Juden sind in Saloniki konzentrirt ic. Uebrigens möge man den M a z e d o> n i e r n(nicht den Bulgaren Mazedoniens) Autonomie geben— dies bestrebten die Bulgaren. So der Einsender. Unsere Antwort kann sehr kurz sein. Daß die ruffischen Jntriguen für die Vorgänge auf dem Balkan keines- wegs nur sekundärer Natur sind, haben inzwischen die Thatsache» aufs Deutlichste bewiesen. Mit einem Zynismus, für den wir ihm bei- läufig nur dankbar sein können, hat Väterchen erklärt, daß er die Bul- garen nicht deshalb von der Türkenherrschast befreit hat, um sie zu einer selbständigen Nation zu erheben, sondern um Bulgarien aus einer tür- kischen Provinz in einen russischen Vasallenstaat zu verwandeln. Lieber liefert er sie aufs Neue den Türken aus, als daß er davon abgeht. Mit Sarastro ruft er ihnen durch Den Mund Katkows zu: Zur Liebe kann ich Euch nicht zwingen, Doch schenk' ich Euch die Freiheit nicht! So lange in Rußland der zarische Autokratismus herrscht, werden vie Blicke der russischen Politik immer nach Konstantinopel gerichtet bleiben, wird Rußland ein selbständiges Bulgarien nicht dulden. Und wenn keine andere, so würde schon diese eine Thatsache genügen, das Beispiel Jta- liens als nicht stichhaltig erscheinen zu lassen. Rußland spielt denn doch Bulgarien gegenüber eine andere Rolle als Frankreich gegenüber Italien. Hätte Rußland heute selbst nur eine solche Verfassung, wie sie da« napoleonische Frankreich 1*59 besaß, wir würden uns mit der Versichs- rung, daß die Bulgaren sich durch russische Jntriguen nicht mehr irre führen lassen, begnügen. Aber einstweilen ist das doch nur ein schwacher Trost. Und selbst Bonaparte nahm für seine Befreierrolle Nizza und Savoyen. Es fällt uns nicht ein, den Bulgaren Vorschriften machen zu wollen, ihnen zu befehlen, sie sollten die Hände kreuzen ic sc., noch empfehlen wir dem westeuropäischen Proletariat, sich der Vereinigung zweier Theile desselben Volkes zu„widersetzen". Wir bemühen uns nur, die Situation so zu schildern, wie sie ist. Wir wünschen und gönnen den Bulgaren die vollste Unabhängigkeit, aber so lange wir überzeugt sind, daß diese Unabhängigkeit nur eine Täuschung sein kann, so lange können' wir uns auch nicht für sie begeistern. Wollen die Bulgaren trotzdem den Kampf riskiren, es darauf ankommen lassen, schließlich nur Väterchens Geschäfte besorgt zu haben— dion, so mögen sie es thun. Wir werden uns auf- richtig sreuen, wenn sich unsere Voraussetzungen als unbegründet, unsere Befürchtungen als übertrieben herausstellen sollten. Aber wir reklamiren es als unser Recht und unsere Pflicht, die Vorgänge auf dem Balkan vom Gesichtspunkt der allgemeinen Weltlage zu betrachten und Hoffnungen entgegenzutreten, die uns— wenigsten« für den Moment— als Jllu- sionen erscheinen. Von Rassenvorurtheilen wissen wir uns vollständig srei. Wir sind weder gegen die Bulgaren, noch gegen irgend einen anderen slaoischen Volksstamm voreingenommen; den Panslavismus aber werden wir so lange bekämpfen, als er in Moskau und Petersburg einen Autokraten als Schutzherrn hat. Sobald der zarische Despotismus ge> stürzt ist und Rußland eine Verfassung hat, ist der Panslavismus nicht gefährlicher als der PangermanismuS und der Panlatinismus. an den Karolinen- Inseln — GeistigeKost für dasVolk derDenker. Bodenstedts, des Dichters des Mirza Schaffy,„Tägliche Rundschau" tischte ihren Lesern jüngst folgende rührende Anekdote auf: „Eine hübsche Szene aus derKinderstube erzählte kürz- lich Prinz Wilhelm bei seinem Besuch des Klosters Heiligengrabe im Kreise der Stiftsdamen. Der dreijährige Erstgeborene des prinzlichen Ehepaares, Prinz Friedrich Wilhelm, pflegte bis vor Kurzem allabend- lich seine Puppe als Schlaskameraden mit in sein Bettchen zu nehmen. Eines Abends fragt er die Wärterin, welche ihn zu Bette bringt:„Haben die Soldaten auch Puppen?"—„Nein, die haben keine Puppe mehr." —„Was haben sie aber dann?"—„Die Soldaten haben ein Gewehr." — Dann will ich auch ein Gewehr haben." Mit diesen Worten warf der kleine Prinz die Puppe verächtlich zur Erde, so daß sie zerbrach. Er schläft seitdem stets mit seinem Gewehr im Arm. Was ein Haken werden will, krümmt sich bei Zeiten!" Und dieser Blödsinn macht natürlich auch wieder die Runde durch die ganze loyale Presse. O Deutschland, du fromme Kinderstube I - Etwas für Selbsthülfler. Wie der Londoner„Economist" mittheilt, ist die Lage der selbsthülflerischen englischen Genossenschaften eine nichts weniger als glänzende. Von 6167 eingetragenen gegenseitigen Hülssvereinen(krionälx sooieties) find nur 1 5 3 7 im Stande, ihren Verpflichtungen nachzukommen; die übrigen haben zusammen ein Defizit von jährlich 5,156,000 Pfd. (103,120.000 Mark!) Dieses Ergebniß ist keineswegs eine Fölge von leichtsinniger oder schlechter Verwaltung. Die Ursachen liegen vielmehr ganz wo anders. Die Versicherung des Arbeiters gegen alle Fälle von Verdienstlosigkeit rforSert einen großen Theil des gesellschaftlichen Produktionsüberschusfes. Nun wandert aber dieser Produktionsüberichuß in steigender Progression in die Hände der kapitalbesitzenden Minderheit, die ihn entweder zur Luxuskonsumtion oder zur Vervollkommnung ihres Ausbeutungsappa- rates verwenden, während die Löhne immer mehr fallen und heute mehr als je die Tendenz haben, die Grenze dessen zu erreichen, was die Ar- beiter zum Lebensunterhalt absolut nothwendig gebrauchen, und die Fälle von Arbeitslosigkeit— in Folge von Stockungen ic.— sich vermehren. Bekannt ist ja auch, daß in Zeiten schlechten Geschäftsganges die Krankenkassen viel stärker in Anspruch genommen werden als bei flottem Geschäft, ohne daß deshalb immer Simulation vorläge. Wenn also der„Economist" den Hülsskassen anräth, die Beiträge her- aufzusetzen, in einem Moment, wo die Einnahmen ihrer Mitglieder von Tag zu Tag geringer werden, so erinnert dieser Rath stark an jenen, die Arbeiter möchten Kuchen essen, wenn ihnen das Brod zu theuer wird. Es wird den Hülsskassen nichts übrig bleiben, als die Unterstütz- ungsprämien herabzusetzen, und das, wenn die jetzigen Verhält- nisse andauern, so lange, bis die Unterstützung ihren Zweck, den Ver- sicherten vor dem Armenhaus zu schützen, nicht mehr erfüllt. Hoffentlich werden aber den Selbsthülfler» jenseits des Kanals früher die Augen aufgehen und sie einsehen, daß man das Pferd am Halse und nicht am Schwänze aufzäumen muß, das heißt, daß sie nicht am Lohn sparen, sondern der Vergeudung des Kapitalprofites ein End« machen müssen. — Spanische Sozialisten(Partido socialista obrero, und zwar das Lokalkomite von Madrid) haben an die Genossen Liebknecht und Bebel nachstehendes Schreiben gerichtet: „Die spanische Bourgeoisie, verbunden mit einem Theil der Arbeiter- klaffe, ist jetzt in lebhafter Bewegung anläßlich des Raubaktes, welchen die Regierung Ihrer(der deutschen) Nation verübt hat. „Die sozialistische Partei Spaniens kann sich den Manifestationen gegen Ihr Land nicht anschließen, welche zum Zweck haben, einen Kampf her- beizuführen, der von den Proletariern beider Länder zum Vortheil der Bourgeois beider Länder geführt werden müßte. „Indeß mit Rücksicht auf die Haltung, welche der zwischen beiden Ländern ausgebrochene Konflikt uns anzunehmen zwingen wird, bitten wir Sie, uns zu sagen, welche Haltung S i e in dieser Frage zu beob- achten gedenken und wie Sie über diesen neuesten Konflikt denken. „Wir sind überzeugt, daß die Gefühle der Sympathie und Solidarität, welche die Sozialisten Deutschlands und Spaniens verbinden, keinen Augenblick werden unterbrochen werden. Es lebe die deutsche Arbeiterklasse! Für das Komite: Juan Gomez Crespo, Generalsekretär." Auf diesen Brief ist nachstehende Antwort erfolgt: „Werths Genossen! Genosse Bebel(Liebknecht befindet sich zur Zeit im Gefängniß) hat mich mit der Beantwortung Eures werthen Schreibens beaustragt.— Mit großer Freud« haben wir demselben die Bestätigung der That- fache entnommen, von der wir vom ersten Moment an überzeugt waren, nämlich daß unsere spanischen Genossen nicht« mit Denen gemein haben, die in Eurem Lande mit Gewalt zum Kriege drängen. Wir waren von vornherein überzeugt, daß Ihr mit uns die Karolinen-Affäre als eine Angelegenheit der Bourgeoisie betrachtet, und daß, wenn Ihr auch die brutale Art und Weise verurtheilt, mit der Bismarck in den Besitz dieser Inseln sich zu setzen versucht hat, Ihr darum noch nicht gemeinsame Sache macht mit Leuten, deren Recht aus die Karolinen Ihr edensall« nicht anerkennt. Die Haltung der sozi-listisch-u Parteien bei derartigen Vorgängen ist durchaus klar. Wie unsere Abgeordneten offen im Reichstage erklärt haben, ist die Sozialdemokratie Gegnerin der ganien heutigen Kolonialpolitik, denn sie sieht in derselben nur Anstrengungen, das Gebiet der kapitalistischen Ausbeutung zu ei weitern, die Herrschast der bestehenden Ungerechtigkeiten aui Kosten wilder Völkerschaften zu verlängern, die man unter dem Vorwand, sie zu zivilistren, physi'ch und moralisch zu Grunde richtet. Unversöhnliche Gegnerin aller Kriege, bekämpst sie namentlich die, Kolonialkriege betitelten Raubkriege. Und jedesmal, wo die Herrschenden eines Landes einen solchen proooziren, werden sich die Sozialisten der betreffenden Nationen zu einem gemeinsamen Proteste vereinigen. Und das ist auch diesmal geschehen. Während Ihr in Spanien den von politischen Strebern genährten Chauvinismus bekämpftet, haben wir in der Presse die BiSmarck'sche Annexionspolitik, die Besitzergreifung der Karolinen, angegriffen. Und unsere Abgeordneten hätten es auch im Reichstage gethan, wenn dieser zur Zeit zusammen gewesen wäre. Denn in dieser Frage gibt es in unserer Partei nur eine Stimme. Wie es jetzt scheint, wird die Frage friedlich geregelt werden. Nicht als ob unsere Regierer einem Antrieb wahren Gerechtigkeitsgefühls folgten, es sind vielmehr die dynastischen Interessen, die hier entscheiden, und sie erheischen diesmal ebenso den Frieden, wie sie bei einer anderen Ge- legenheit einen Krieg nöthig machen würden. Sei's drum. Aber dieser Umstand soll uns nicht verhindern, offen unsere Solidarität mit unseren Brüdern in Spanien zu proklamiren. Es lebe die sozialistische Arbeiterpartei Spaniens, die Avantgarde des spanischen Proletariais! Es lebe die Internationale der Arbeiter! Nieder mit dem internationalen Raubsystem! — Ein interessantes Wort von Henry George theilt die„New-Aorker Volkszeitung" ihren Lesern mit. Sie berichtet: Henry George schreibt gegrnwärtig eine Serie von Artikeln für die„Chicago Dieselben werden in der Sonntagsausgabe veröffentlicht und ,----- v;..---------- Times"„.....„--------„......— richten sich hauptsächlich gegen die Schutzzollpolitik. In seiner Einleitung nun bedient sich der Versasser des folgenden Bildes: „Im Garten vor meinem Fenster liegt ein Slier an einem langen Strick. Während des Grasens und des Hin- und Herlaufens hat er unbewußt den Strick einige Male um den Baum gewunden, so daß der- selbe nunmehr ganz kurz geworden ist und ihm nur noch wenig Spiel- räum läßt. Den kleinen Kreis, in dem er sich bewegen kann, hat er vollständig kahl gefressen, außerhalb desselben steht fettes hohes Gras. Dann uns wann springt er auf, reißt an dem Seil und brüllt; dann, wenn er seine Kraft erschöpft hat, legt er sich wieder nieder und nagt an den kahl gefressenen Grasbüscheln. Er brauchte nur einige Male rückwärts um den Baum zu laufen und schöne Weide läge in seinem Bereich, aber es fehlt ihm eben dieses Wissen. Und wie diesem Stier, so geht es den Lohnarbeitern auch. Gelegentlich reißen sie einmal an dem Strick; es nützt ihnen aber nichts, denn nach der Seite, nach wel- cher sie ziehen, gibt der Strick nicht nach. Sie bewegen sich, wie der Stier, unablässig im selben Kreise." Natürlich hat der Verfasser von„Fortschritt und Armuth" hier die einseitigen Gewerkschastspolitiker im Auge, die noch auf das Evangelium vom„Schutz der nationalen Arbeit" schwören, und Niemand wird leug» nen, daß sein Bild in dieser Beziehung ein durchaus zutreffendes ist. — Aus Oesterreich. Die Verhältnisse in Oesterreich, dem„Lande der Niedertracht und Heuchelei", spitzen sich immer mehr zu. Die Reak- tion feiert hier ihre Orgien. Ein Blick in die letzte Nummer des ein- zigen, noch übrig gebliebenen sozialdemokratischen Organs Oesterreichs, des Brünner„Volksfreunds", zeigt, in welch brutaler Weise im Reiche der Habsburger die systematische Unterdrückung jedes freien Gedankens betrieben wiro. Betrachten wir Nr. 19 des„Volksfreund" näher. An der Spitze des Blattes steht mit auffallenden Lettern, gleichsam als Bor- spiel zur Musik, die noch kommen soll:„Nach zweimaliger Konfiskation dritte Auflage!" Die erste Nachricht, welche der„Volkssreund" enthäft, ist die Erklärung, daß der Arbeiterkalender für das Jahr 1886 zwei- mal hintereinander der Konfiskation zum Opfer gefallen ist. In der ersten Auflage wurden als staatogefährlich erklärt: Die geschicht- lichen Daten, welche dem Kalendarium beigedruckt waren; ein Artikel über volksthümliche Erziehung, und eine kurze Darstellung der sozial- politischen Ereignisse des lausenden Jahres. An Stelle dieser Aibeiien wurden in zweiter Auflage gesetzt:«in Artikel über die wachsende Volks- Verarmung, fast nur statistische Angaben enthaltend, ohne jeden Angriff auf die Regierung, das Bürgerthum und die bestehenden Verhältnisse, ferner eine Erläuterung des„Rechts auf Arbeit". Beide Artikel fielen wieder dem Staatsanwalt zum Opfer und wurden zu Gunsten der k. k. Papierstampfe gestohlen. Die Herausgeber des Kalenders konnten nun- mehr nichts anderes thun, als etwas abzudrucken, was der Staatsanwalt wahrscheinlich nicht in Beschlag nimmt, nämlich— das reaktionäre Ge- Werbegesetz. Wahrscheinlich, die» sei hier wiederholt, wird die dritte Auflage des Arbeiterkalenders nicht verboten werden. Denn einerseits ist es bereits öfter» schon vorgekommen, daß Zeitungen wegen Abdruck parlamentarischer Berichte konfiszirt wurden, andererseits ist es staats- anwaltschaftlicher Usus, besonders bei der Behandlung des„Volkssreund", geworden, spätere Ausgaben wegen Bemerkungen zu konfisziren, die in fiüheren unbeanstanvel blieben. Denn konfiszirt kann in Oesterreich alles werden. Selbst wörtliche Abdrücke kaiserlicher Reden sind vor Kurzem in Oberösterreich beschlagnahmt worden. Kehren wir nun zur Rr. l 9 des„Volkssreund" zurück, so finden wir dort eine ganze Reihe von Ueberschriften ohne Text. Allein diese Lieder ohne Worte, sie dringen dennoch zum Herzen, sie sprechen eine überaus deutliche Sprache. Gleich oben der Leitartikel: Zivilisation und Bar- barei— konfiszirt. Unten das Feuilleton: Eine Frau über die Frau — konfiszirt. Der Bericht über ein« Wiener Versammlung mit der Tagesordnung: das Vagabundengesetz— konfiszirt. Das Gedicht: „Schmerzensruf", Konfiskation betreffend— konfiszirt. Alles natürlich aus Grund der Gesetze. Der Artikel XIII des österreichischen Staatsgrundgesetzes jedoch, der lautet:„Jedermann hat das Recht, durch Wort, Schrift, Druck oder durch bildliche Darstellung seine Meinung frei zu äußern. Die Presse darf weder unter Zensur gestellt, noch durch das Konzessions- system beschränkt werden." Run halte man daneben die Thatsache», wie sie hier angesührt wurden, und es ergibt sich in ihrer wahrsten Form — die„Freiheit, wie in Oesterreich." Es ist ein unbestrittenes Fa'iuin, daß das Zensursystem, wie es vor 1848 destanden hat, für die Arbeiter mehr Vortheile aufweist, als die sogenannte Preßfreiheit, wie sie die Bourgeois in der Wiener Revolu- tion erkämpft haben oder, korrekter ausgedrückt, wie sie die Wiener Pfahlbürger durch die Arbeiter auf den Barrikaden erkämpfen ließen. Der Zensor konnte jede beliebige Auslassung mit dem Rothstifte streichen, das kann der Staatsanwalt auch, aber was der Zensor nicht konnte, das ist, den Zeitungen materiellen Schaden zufügen. Diese schamlose Einrichtung zu treffen verstand die vormärzliche Despotie nicht, das blieb dem„liberalen Bürgerthum" vorbehalten. Mit brutalem Raffine- ment weih es der Anwalt des Klaffenstaates jedesmal so einzurichten, daß stets die ganze Auflage des Arbeiterblattes in die Räuberhände der berühmten gouveinementalen Arbeiterfreundlichkeit fällt. Man steht also, die österreichische Arbeiterpresse ist frei, doch wohlgemerkt: vogel fr ei. Und damit nicht zufrieden, hat Franz Josef in der Thronrede ein Sozialistengesetz ankündigen lassen zum Schutz gegen Umsturz- bestrebungen. Wir sind wirklich neugierig, wie dies Ding aussehen wird. — Die Nachwahlen in Frankreich haben, wie vorauszu- sehen, mit einem kompleten Sieg der Republikaner geendet. Zirka 380 Republikaner weiden in der neuen Kammer etwa 200 Monarchisten gegenüberstehen. Das ist angesichts der Thatsache, daß die Fraktion der „gemäßigten Republikaner" bis zur Ohnmacht zusammengeschmolzen ist, kein so großer Uebelstand. Die Opposition der Monarchisten ist für die Republik weit weniger gefährlich als diese liberal konservativen Halb- Republikaner, die jedem wirklichen Fortschritt ein Hinderniß in den Weg zu legen suchen. Von ihrer Anmaßung zeugt die Thatsache, daß sie noch jetzt in ihren Blättern den Aussall der Wahlen als einen Beweis für die Richtigkeit ihrer gemäßigten Politik bezeichnen und die Rückkehr zu derselben verlangen, sonst sei der Sieg der Monarchisten sicher. Und das, nachdem die Wähler gerade statt ihrer entweder Radikale oder Monarchisten gewählt! Bo„ d-n r-mublikanischen Deputirten sind etwa 210 Opportunisten und 165 Radikale verschiedener Färbung. Damit wird jedes republika- Nische Mimsterium, in welchem die Radikalen nicht vertreten sind, un- möglich. Die Clemenceau, Lockroy, Floquet zc. erhalten somit entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung der Republik, und sie werden nun- mehr zu zeigen haben, was sie zu leisten im Stande. Unsere Genoffen werden n cht unterlassen, sie beim Wort zu nehmen. Der in voriger Rümmer erwähnte Vorschlag des Vorstandes der Arbeiterpartei an die beiden anderen sozialistischen Organisationen ist von diesen nicht akzeptirt worden. Weshalb die Blanquisten ihn ablehnten, wissen wir nicht, im„Proletariats, dem Organ des Arbeiterverbandes, wird er mit, nach unserer Meinung ziemlich unberechtigtem Hohne zurückgewiesen. Uebei Haupt hat das„Proletariat" sich während des ganzen Wahikempses in seinem Verhalten sehr unvortheilhast von der übrigen sozialistischen Presse unterschieden, so daß die„Rewyorker Volks- Zeitung in ihrer Nummer vom 7. Oktober sogar den Verdacht nicht unterdrücken kann, die gehässigen Angriffe dieses Blattes auf die Karr- didvten der anderen sozialistischen Organisation, das Zurückweisen aller Vorschläge für ein gemeinsames Vorgehen seien auf sozialistenfeindliche Einflüsse zurückzuführen. Wir, die wir den Verhältnissen näher stehen, halten diesen Verdacht für absolut ausgeschlcffen, begreisen aber, wie er unserem N>wyorker Bruderorgan kommen konnte. Wäre das„Prole- tariat" von gegnerischer Seite dafür bezahlt worden, es tonnte gar nicht and-rs schreiben, als es gethan. Und daß es nach der Wahl, anstatt die Lehren derselben zu beherzigen, mit seinen Gehässigkeiten sortsährt, läßt zum mindesten vermuthen, daß seinen Machern die Sache des Sozialismus weit weniger am Herzen liegt als ihre Privatrankünen. Um so höher rechnen wir es unseren Freunden vom„Socialiste" an, daß sie sich durch die Angriffe nicht abhalten lasten, für ein einheitliches Vorgehen aller auf dem Boden des Klaffenlampses stehenden Sozialisten zu wirken. — Amerika. In C i n ci n n a t i tOhio) fand am 5., 6., 7. und 8 Oktober der Kongreß unserer amerekanischen Genossen sSozialistilche Arbeiterpartei von Nordamerika) statt. Aus demselben waren 39 Sek- tionen durch 27 Delegirte vertreten, während auf dem vor zwei Jahren in Baltimore abgehaltenen Kongreß nur 20 Sektionen durch 16 Dele- girte vertreten waren. Wie bereits aus dieser einen Thatsache ersichtlich, hat die Bewegung in der Zwischenzeit einen erfreulichen Aufschwung genommen. Ein fernerer Beweis dafür ist auch die stetig wachiends Verbreitung unseres anierikanischrn Parteiorgans, des New- Iorker „Sozialist". Von den Beschlüssen des Kongresses(der vollständige Bericht liegt uns noch nicht vor) erwähnen wir für heute solgcnde: Mit Bezug auf die projektirte Achtstundenbewegung bean- tragt« Genosse Alexander Jonas nachstehende Resolution, welche einstimmig angenommen wurde: „Die Rational-Exekutive der Partei soll ermächtigt werden, eine Bro- schüre herauszugebe», worin die Stellungnahme der Sozia- listen bezüglich eines achtstündigen Normalarbeitstages klargelegt wird, nämlich daß der Normalarbeitstag, resp. die Verkürzung der Arbeitsstunden gemäß der durch die industrielle Entwicklung geschaffenen N o t h- 10 e n d i g k e i t vorderhand als ein Schutzmittel gegen die Ausbeutung durch den Kapitalismus von gewissem Werth und zu empfehlen ist, aber daß selbst diese radikalste wirthschastliche Forde- rung unserer Zeit die Arbeit nicht w i r k s a in beschützen kann, da die Wirkung derselben im Laufe der Zeit illusorisch gemacht werden wird durch die fortschreitende Theilung der Arbeit und Erfindung neuer Maschinen, welche stetig zunehmend« Masten von Ar- beitern beschäftigungslos inachen werden. Deshalb kann nur durch eine vollständige Niedsrreihung des jetzigen Lohnsystems die Arbeiterklasse befreit werden. Allen Mitgliedern der Sozialistischen Arbeiterpartei wird jedoch aus den oben angeführten Gründen empfohlen, sich an der Achtstunden Bewegung der Gewerkschaften zu betheiligen." Ferner wurde die Partei-Exelutive beaustragt, ein Manifest an die Arbeitervereine zu erlassen, die Agitation in den Kreisen der englischsprechendcn Arbeiter zu fördern und die sozialistischen Reichs tagsabg- ordneten Bebel und Liebknecht zu einer A g i t a t i o n s- tour durch die Vereinigten Staaten einzuladen. „AuS allen Theilen des Landes", lesen wir im Bericht der„New- Darier Volksztg." vom 7. Oktober,„liefen beglückwünschende und er- muthigende telegraphische und schriftliche Einsendungen an den Kongreß ein. Zu den heutigen Verhandlungen hatten sich zahlreiche Besucher ein- gestellt. „Nicht unintereffant ist ein Einblick in die verschiedene» Gewerkschaften, welche durch die Delegaten vertreten werden. Es befinden sich unter denselben Maschinisten, Zigarrenmacher, Buchhändler, Lithographen, Tep- pichweder, Schlosser, Konditoren, Holzbildhauer, Seidenweber, Schrift- setzer, Drucker, Schreiner, Uhrmacher, Fuhrmänner, Handlungsgehilfen, Lehrer und Journalisten." Wir brauchen wohl nicht erst zu sagen, mit welch' großer Theilnahme wir und die Genossen in Deutschland die Thätigkeit unserer amerikanischen Genossen verfolgen. Wohl sind wir uns der Schwierigkeiten bewußt, mit denen sie zu kämpfen haben, aber um so höher schätzen wir jeden Er- folg, den sie erringen. Und so senden wir ihnen nachträglich unsere besten Glückwünsche zu ihrem Kongreß. Sie sind auf guten Wegen, mögen sie so weiter arbeiten. Korrespondenzen. AuS dem sachs. Vogtlande. Die Würfel sind gefallen; wiederum müssen wir Arbeiter sechs Jahre lang zusehen, wie unser Wahlkreis von einem Mann vertreten wird, der zwar einst. zu den„48er Feiheits- Männern" zählte, jetzt aber— weil einträglich— mit voller Wacht ins Manchesterhorn bläst, d. h. den dem arbeitenden Proletariat durch Aus- Nutzung ihrer Arbeitskrast entzogenen Mammon gegen jeden Feind mit zu beschützen sucht und es geradesogut wie die reaktionären Landjunker und sonstiges Gewürm vergessen yat, darnach zu fragen, wo da« bis- chen Leben des Arbeilers bleibt. Der Vertreter dieses Kreises, Herr Rechtsanwalt und Handelskammersekretär(I!) Kir- b a ch, hat, seit er diesen kapitalistischen Posten vertritt, sehr viel, fast alles von seinem früheren radikalen Standpunkt eingebüßt. Das sahen wir jüngst wieder gelegentlich einer Gemeinderathssitzung in Plauen, wo Herr Kirbach einen pon einem echt fortschrittlichen Ge« meinderathsmitgliede gestellten Antrag bekämpfte und, für die besitzenden Klassen günstiger anssallende Zwischenanträge einbrachte. Es stand auf der Tagesordnung die Aenderung der Einkommensteuer- skala, wobei eben von einem Stadtgemeinderathsmitgliede bemerkt wurde, daß ein Steuerzahler mit 30,000 M. Einkommen davon ganz gut 300 M. abgeben könne zu Gunsten der Entlastung des armen mit kargem Ein- ommen sich dahinschleppenden Arbeiters. Da kam der Mann aber schön an, von fast allen Seiten gabs scharfen Protest, und eben auch Herr Kirbach griff zu Gunsten der Bourgois ein und wußte die Situation zu deren Gunsten zu gestalten. Er ist eben ein Liberaler geworden, dem es nicht darauf ankommt, auch einmal den Schleppträger der Konservativen zu machen, sich bei ihnen einzuschmeicheln, damit er ja sei Wahlmandat nicht einbüßt. Dieser Mann nun wurde von unserer Partei in der vergangenen Wahlkampagne gehörig bekämpft, resp. die Klaffe, der er angehört, ein- mal durch Genofle Stolle aus Gesa u, das anderemal durch Ge nosse Kaden aus Dresden— dem eigentlichen Kandidaten der Unsrigen. Jedoch unser im tiefsten Schlamme der Reaktion stehendes Vaterland hat schon dafür gesorgt, daß die Arbeiter nicht zu stark zum Wahlrecht kommen: nicht ein Viertel derselben war im Stande, 3 M. Einkommensteuer zu zahlen, sie müssen dies den Hütern des vielfach geraubten Mammons überlaffen. Aber einige Lichtblicke haben wir doch zu verzeichnen, ja, wir dürfen sagen, daß wir einen relativen Sieg errungen haben. Es will unter den gegenwärtigen traurigen Preßverhältnissen gewiß viel heißen, wenn in einem Zeitraum von sechs Jahren die Zahl der L a n dt a g s- Wähler für d i e Ar b eiter p a rt e i i m h i est g e n K r e is e von 17 auf 599 gestiegen ist, abgesehen von den Stimmen, die uns durch Wahlbeeinflussungen und dergleichen genommen worden sind. Diesen Erfolg haben wir nächst dem geschickten Arbeiten des Wahl- komites wohl den beiden redegewandten Genossen Stolle und K a d e n zu verdanken. Hatte ersterer schon am Sonnabend vorder Wahl dem niederträchtigen Treiben der hiesigen Kapitalistenpartei mit ihrem vielzüngigen und deshalb verwerflichen Organe, der„Volks(!?)- Zeitung", den Spiegel in trefflicher Weise vorgehalten, so war es vor- züglich auch Kaden, welcher die Zügellosigkeit der herrschenden Par- teien einer äußerst schneidigen Beleuchtung unterzog. Das Programm der sozialdemokratischen Partei in populärster Weise zergliedernd und dafür ungeheuren Beifall erntend, unterließ er es auch nicht, das Leben und Treiben der Polizeischurken, vom Polizeiminister bis herab zum gemeinen Spitzel und was drum und dran hängt,—so- weit ihm dies das Maulkorbgesetz erlaubte,— in drastischer Weise auf- zudecken, wofür ihm auch von dem hiesigen Manchesterblatt sdas Reptil „Vogtl. Anzeiger" rüppelte sich diesmal nicht besonders) das Lob eines „Brandredners" zu Theil ward. Nun, er hat uns überzeugt, daß wir darnach streben müssen, zur politischen Macht zu gelangen; dann ist auch die wirthschastliche unser, dann sind solche Schmarotzerpflanzen, wie die hiesigen Waschblätter mit leichter Hand zu vernichten, um sie durch ehrliche Organe zu ersetzen. Fahren wir fort auf dem bisherigen Wege, nehme ein Jeder seinen Mann und bringe ihn aus den richtigen Weg, auf die Bahn: Gleiches Recht für Alle! Wir wollen nun zum Schluß unfern Parteigenossen eine allerliebste Neuigkeit mittheilen, worin eine Person den ersten Platz einnimmt, die von uns im Parteiorgan schon wegen Denunziation und son- st igen Liebenswürdigkeiten an den Pranger gestellt wurde. Vor einigen Wochen war Verhandlung gegen den Besitzer des Gasthofs zur„Stadt Wien" wegen Kuppelei. Er hatte seinen Gästen gegen ein Entgeld erlaubt, sich der„Mädchen" in seinem Hause„zu bedienen", bei ihnen zu schlafen u. s. w. Dies brachte dem Wirth 4 Wochen Geiängniß ein. Bei der Verhandlung kam es nun zum Vorschein, daß auch unser Freund, der Polizeihallunke Rockstroh, ein ständiger G a st war; das eine„S i t t e n- M ä d ch e n", um die es sich mit- handelte, sagte vor Gericht aus, daß Herr Rockstroh oft da- gewesen sei und sie selb st sechsmal gebraucht habe. Ist das nicht ein hübscher Sittenrichter? Solche Subjekte tragen den lustigen Namen„Schutzmann". Aber die Gerechtigkeit hat ihn doch theilweise ereilt: Er wurde wegen dieser Angelegenheit vorläufig auf vier Wochen„beurlaub t", um sich in dieser Zeit verlheidigen zu können; kann er dies nicht, so dürfte er am läng- sten„Wachtmeister")!?) gewesen sein. Ein scharfes Auge müssen wir nun schon haben, denn wo dieser Mensch auch hinkommt, Unheil richtet er überall an. Vielleicht wird er jetzt„ A t t e n t a t"- A n z e t t e l e r oder inacht sich sonst auf diese Weise dem Sozialistentödter v. Puttkamer dienstbar. Wir werden be< richten, was demnächst Neues zu verlautbaren sein wird. Die sittenpolizeiliche Regulirung der Prostitution— frei nach Rock st roh— ist übrigens unserer industriellen Emporkömmlingschaft nebst Anhang ein Herzensbedürfniß, daher ihre Reichsdevise!„Go t t e s f u r ch t, Zucht und fromme Sitte!" und—„Heiligkeit der Ehe und Familie!" Rock st roh, der keuschen„Plavia" Schutzpatron,„auf Urlaub."— Pieschen bei Dresden, im Juli. Ich halte es für meine Pflicht, einen Menschen vor das Forum der Oeffentlichkeit zu ziehen, dessen sau- beres Thun und Treiben die Entrüstung aller derer erregt, die dasselbe zu durchschauen Gelegenheit gehabt. Es ist dies ein gewisser Z e u tz i u s, Leiter der Gesäßbranche in der hiesigen Steingutfabrik von V i l l e r o y und Bloch. Zeutzius ist die einflußreichste Persönlichkeit indergenann- ten Fabrik, er genießt das Vertrauen des Direktors sogar in dem Maße, daß er den guten Mann selbst wunderbar an der Nase herulnführt. Der Direktor erfreut sich im Allgemeinen einer gewissen Achtung— wie wir glauben, mit Recht, obwohl sein Verhältniß zu Zeutzius geeignet wäre, dasselbe zu erschüttern. Hörten wir doch kürzlich den Stoßseufzer einer qlten, ehrlichen Haut:„Ich habe mich in dem Manne getäuscht." Doch zu dem Helden Zeutzius selbst. Er begann seine Laufbahn mit einer Rezeptannexion in Mettlach. Die dortige Fabrik war damals die einzige in Deutschland, welche die Dekorationen auf Steingut durch Ueberdruck herstellte, und hatte sich dieses Verfahren durch bedeutende Summen erworben. Da es mit dein Rezept allein nicht gethan war, so ließ Zeutzius die Proben in der Weise von der Fabrik machen, daß er deil von ihm bereiteten Firniß mit dem Firniß vertauschte, welchen die Fabrik verarbeitete. Ging der Brand zu Grunde, so wußte er, daß sein Firniß nicht gut war. Er bereitete denselben also in andrer Weise, ließ wieder probiren, und sstzte das so lange fort, bis kein Brand mehr mißglückte, sondern längere Zeit sortlaufend nur mit seinem Firniß ge- arbeitet und gute Waare erzielt wurde.— Zeutzius trieb sich dann in der Welt herum, und ich übergehe seine Heldenstreiche aus dieser" Zeit, um ihn gleich auf seinem hiesigen Schauplatz aufzusuchen. In der Fabrik unterstehen ihin zunächst die Mädchen, welche bei ver Dekoration der Gefäffe verwendet werden. Wer hier von diesen armen Wesen Arbeit oder gar bessere Arbeit haben will, muß sich ihm preisgeben, und er hat es sich dazu paffend in seinen zwei Zimmern eingerichtet. Kommt jemand, so macht er die eine Thüre zu. Seine Aeußerungen den armen Mädchen gegenüber sind wohl das Aergste, was an Unfläthereien je geleistet wurde.„Ihr Menscher, wenn ich mir ifolgt eine nicht wiederzugebende Schweinerei), dann kriege ich noch solche Menscher, wie Ihr seid; Ihr seid zu nichts gut als zum----." Wie gut jedoch der Direktor den Finken„kennt", mag folgende Aeußerung zeigen:„Herr Zeutzius, Sie sind ein galanter Mann; die Frau Generalin wünscht sich Arbeiten an- zusehen, haben Sie die Güte, die Dame zu empfangen." Ein Mädchen auS der Fabrik hat sich ertränkt, eine andere versuchte sich in der Fabrik zu erhängen, wurde aber noch abgeschnitten. Von einer Untersuchung hat man jedoch nichts vernommen. Der Direktor verlangte in der Kon- ferenz die Ursache zu wissen, erklärte sich auch bereit, jeden Fall zu untersuchen, verwies auch dem Zeutzius die Aeußerungen, es seien lauter liederliche Frauenzimmer, die alle zum Teufel gejagt werden müßten, aber dabei bliebs. Die Mädchen hatten sich eben„aus purer Liederlich- keit" das Leben genommen. Man sollte nmi glauben, dieser anmaßende Bursche leiste Hervor- ragendes in seinem Fach aber auch hier ist er nur Plagiator; seine so genannten Entwürfe sind schlecht, weil sie gestohlen und ohne iGeschmack gestohlen sind- Aber nicht nur, daß er selbst nichts leistet, er verhindert auch eisersüchtig, daß fremde Kräfte thätig sind. Kann er freilich nicht verhindern, daß manchmal ein Auslrag nach außen vergeben wird, so wech er doch dem Künstler sowohl als dem Direktor die Sache zu ver- leiden. So hatte ein hiesiger Profeffor eine Dekoration geliefert, von der man sich großen Absatz versprach, der aber räthselhaster Weise aus- blieb. Die Sache war einfach. Zeutzius wußte die Herstellung so vertheuern, daß das Publikum, welches wenig Geschmack und noch« niger Geld hat, lieber die abgeschmackten billigen als die hübschen theu« Sachen kaufte. Für den Herrn Direktor ist die Lösung des Räths« freilich zu schwierig. Derselbe Herr Zeutzius hat auch einen Freund, den Chemiker& mann. Sieht man dem Zeutzius auf den ersten Blick den— Ehrs mann an, so dem Hofmann den Windbeutel. In der Fabrik hat rttc das edle Brüderpaar im Verdacht, folgendes Stückchen ausgeführt haben. Der Herr Chemiker simulirt eine Halskrankheit und geht t Bad. In seiner Abwesenheit wird natürlich weiter fabrizirt, die Mische' der Masse ist aber falsch, die Waare bekommt Riffe und muß theilwe zurückgenommen werden; es entsteht ein Schaden von, wie man ses 80,000 Mark. Man gibt der Sache diese Erklärung: Zeutzius hat ie Chemiker nöthig, um über die sehr theuern Farben verfügen zu könne denn er steht weiter im Verdacht, in den Farben eine Neben-, Mani sagen sogar die Haupt-Einkommensquelle zu finden. sSo hat Zeutzn an die hiesige Fabrik, unter einem Vorwand, eine größere Quantä Farben verkauft.) Der Chemiker wieder braucht die Fabrik, die ab! ihn entbehren könnte, denn ein Chemiker ist in einer Steingutfabrik et überflüssige Persönlichkeit. Beispielsweise besorgt in einer andern größ6 Fabrik ein blos kaufmännisch gebildeter Beamter diese Mischungen. Se>> Nothwendigkeit mußte daher an einem eklatanten Fall erwiesen werde und in der That sind selbst für eine große Fabrik 80,000 Mark schmerzlicher Verlust. d Diese Sachen erzählt sich das Personal über Herrn Zeutzius. Er aß erzählt auch selbst manche seiner Streiche. So z. B. wollte er einst Mettlach sich einen werthvolleren Gegenstand verschaffen. Er ging daß in das Magazin und schlug mit den» Hausschlüssel etwa einen Arm« einer Gruppe ab und steckte ihn in die Tasche. Nach einigen Tag! fragte er dann nach, ob Ausschuß vorhanden sei und bekam die Grupf ausgehändigt. Hier warnt er den Direktor natürlich, die Leute Magazin zu lassen; er könnte ja Konkurrenz erhalten. Drückt sich Zeutzius über Jeden' in der gemeinsten Weise aus, natürlich am verächtlichsten über den Direktor, der sich allerdings wahrhaft lächerlicher Weise, wie ich mich oben ausdrückte, an der N herumführen läßt; in seinen Augen gibt es gar keinen größeren Ei und er gibt diese Versicherung vor Jedem, selbst vor den Arbeitern.. würde diese Bemerkungen über den Direktor gar nicht erwähnen, de« sie können andern Leuten, denen nicht schon allein am Klatsch etw« liegt, egal sein;»ch hoffe aber, daß diese Zeilen dem Herrn Direktor> Gesicht kominen, und daß diese persönlichen Kränkungen das erwirk«! was möglicherweise die erzählten Bestialitäten gegen die Mäochen u« selbst die finanzielle Schädigung nicht vermocht hätten. Nämlich daß den Patron„zum Teufel jagt"— um mit Herrn Zeutzius selbst reden. i« »M 3ii ••it « 1*0 nach Jl. •«Wrti «nb bn' >«*? tri «er Pw In arbeit verme �. arbeit Nachrvf. Tag Als tapferer Streiter der Volkssache starb nach schwerem Leiden a> 10 S 30. September im Alter von 60 Jahren der Rentier den l Wilhelm Schröter stell! zu B r e h n a bei H a l l e a/S. Den Genossen außerhalb nur»veiii Land bekannt, hat er, als der Einzige in seinem 2000 Einwohner zählend! �. Ort, die Fahne der Sozialdemokratie unentwegt hochgehalten. Ein edler Charakter wie selten einer, widmete er sein ganzes Leb« De und Streben nur den Hilfsbedürftigen und Unterdrückten. Trotz sein! g-j�sch schweren Leidens, von welchem ihm, wie er wohl wußte, nur der D Erlösung bringen konnte, waren seine Gedanken fast bis zum letzt« Augenblick nur auf das eine Ziel gerichtet, nämlich auf den endlich« Sieg miserer Sacke, welchen er so sehnlichst zu erleben wünschte. Wenfl gcschol Tage vor seinem Tode, als ihm die Krankheit fast schon die Spral! geraubt hatte, raffte er seine letzten Kräfte noch einmal zusammen, ü(g., dem ihn bekehrenivollenden Priester ein„Hinaus!" zuzurufen. Würdi! wie er lebte, ist er auch gestorben, darum Ehre seinem Andenken! kl o n» Brieftasteu der Expedition: Felix I.: Mk. 8 60 Ab. P. 4. Qu. 85 U- Qu. 86 erh.— Dittersbach: Mk. 21— ä Cto. Ab. ,c. erh.— G. London: Mk. 2- Ab. 4. Qu. u. Mk. I— pr. Ufd. dkd. erh.— D rothen Calenberger: Mk. 15— Ab. 4. Qu. u. Schft. erh. Sdg. folg! Bfl. Weiteres.— Carlsruhe: Mk. 20— von einem beinittelten Frd für Kopenhagen dkd. erh.— Nova I.: Mk. 200— k Cto. Schft. e» Mk. 100— am 22/6. pr. Sd. angew. am 30/6. gutgebr. Angabe wie ist unerläßlich.— Falken: Mk. 3 10 Ab. 4. Qu. erh.-— H. St.: 2)11.4 40 Ab. 4. Qu. erh.— C. S. B.: Mk. 8 60 Ab. 4. Qu. u. 1. Qu. 86 erh.— K... St.: Mk. 7 24 Ab. 4. Qu. erh. Oesteü Cours zu hoch. Bfl. Weiteres notifizirt.— Verrina: 14 60 Ab. 4. D' 2)1. W. L. V. erh. Adr. geord. G. bezog nur bis Ende 2. Qu. Ctb« rechtzeitig erh. u. abgelft.— C. v. Rothe Aug. u. d. Schwarzflagge« Mk. 100— pr. Zlgfd. durch Dr. Ghlm. dkd. erh.— Th. V. Glasgow Mk. 1— i Cto. Sd. Bbthk. erh. 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Masci wird, werde artig gleichi M übers) dieses auf C derar volle Sc aus g Zu 100 führu Gesch Neue tttrMeffVr Die Verkaufsstelle des„Sozialdemokrat -Ot-Usslrl. ist beim Zettungshändler ä I» Croii de foh Grande-Place. Soeben erschien und ist durch Unterzeichnete zu beziehen: Winke für die Agitation uitd für das Verhalten vor den Lehörden. 2. Auflage. Preis: 25 Pfg.— 30 Cts. Zahlreichen Bestellungen sehen entgegen: Krpedition de« Saziatdemokrat. Aorksbuchhandkung. Kotti«ge«»Aürich. Samstag, den 24. Oktober, Abends 8'/, Uhr, im Cafe Keßler: Geschlossene Zusainmenkunft der deutschen Sozialisten. Di daß i Eise könne Dc hat, i den g dehn winzi Ei, verum 1884.