lg so noch> > theu« Raths- fer H- • Ehrl hat w- führt eht i Rifch«- heiliw' lau so? bat t- > köni» Mm» Z-uhaZ mant» die ab- >briied größ-- r> Se» werd» tark Er ab- einst ig dah Arm i lag- Krscheint h-öch«ntltch«tn«al tu Zürich(Schweiz). Arrlag der >»lt»duchhandlung Hottinge»> Zürich. jsolsclldullgtll franko gegen franko� Eewdhnliche Briefe dach der Schweiz losten Doppelporio .entrat-Grgan der deutschen Sozialdemokratie. Avonnements werden bei allen schweizerische« Postbureau; � sowie beim Verlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen, und zwar zum voran» z ahl bar«» Vierteljahripreii von- Fr 2— slit dieEchwelz lSreuzbandl ÜJII 8— für Deutschland iConvert) st 1.70 für Oesterreich(Eouvery Fr- 2 SO für alle Übrigen Linder de» Weltpostvereins In einem der verbreitetsten Schriftchen Arbeitstags) lesen wir: „Ein einfaches Rechenexempel beweist die Möglichkeit der vermehrten Arbeitsgelegenheit bei Einführung des Normal- arbeitStags. Gesetzt ein Fabrikant beschäftigt 100 Arbeiter per Tag 11 Stunden. Wollte er nun im Normalarbeitstage von 10 Stunden dieselbe Masse Waarcn wie vorher zu 11 Stnn- den liefern, so müßte er 10 Arbeiter mehr ein- stellen, d. h. 10„Vagabunden", würden von der «'»1 Landstraße in die Fabrik gezogen, sich in„or denk- tiche" Arbeiter verwandeln." Derselbe Gedanke, wenn auch meist mit einigen diskreten Einschränkungen, kehrt in anderen Schriften und Aufsätzen über den Normalarbeitstag wieder und ist bei der Agitation wiederholt und mit großem Nachdruck in den Vordergrund geschoben worden. Wäre der Gedanke richtig, das heißt: würde durch jede ihlend- s Leb- y sein- ver T» n letzt« ndlich- Weni Spra- » 15 u.„ ■ G. 3 _®i !• folg1 n F rd jft. er it wi- - H- Qu. Oeste« 4. Di Ctbi lagge» äs gort kvilja» ©noi» rsuche« Weit- tk. 1 r: i sutaebk ° dawt Ab. für d' to. e hin. rtgeh 86 C jutgel chft- 4." rh. B' s M ärl. uch. -ntimi erw. rgefu Sausei Feine h. B-ri rn u»' Wiirdii Stunde Arbeit, die einem Arbeiter durch das Gesetz abge- n! Nammen wird, einem Unbeschäftigten oder nicht genügend mBM Beschäftigten eine Stunde Arbeit verschafft, dann würde der Normalarbeitstag allerdings das Mittel sein, um allen, die arbeiten können und wollen, Arbeit zu gewähren. Die soziale Frage wäre thatsächlich gelöst. Und wie einfach! Es wäre Sache eines Rechcnexempels, das jedes Schulkind ausrechnen könnte: Die von der Gesammtheit(den Angehörigen des Staates) das Jahr hindurch zu leistende Arbeit nimmt so und so viel Millionen oder Milliarden Arbeitsstunden in Anspruch. Die Zahl der Arbeiter beträgt so und so viele Hundert- taufende oder Millionen. DieZahl derArbeits stunden wird mit der Zahl der Arbeiter dividirt— der Quotient ergibt die Zahl der Arbeitsstunden, die jährlich auf jeden Arbeiter kommen, und ihrerseits wieder mit 300, derZahl derArbeits- tage, dividirt werden. Dann haben wir die täg- liche Arbeitszeit eines Jeden— den richtigen Nor- Walarbeitstag. Dieser ideale Normalarbeitstag paßt sich allen Bedürf- Nissen der Gesellschaft und den Fortschritten der Technik elastisch an. Und da durch Erfindungen und Vervollkommnung von Maschinen den Nienschen immer mehr Arbeit abgenommen wird, so kann der Normalarbeitstag immer mehr herabgesetzt werden. Welche Länge er aber auch haben möge, er wird der- artig berechnet, daß jeder Arbeiter seine Arbeit hat und gleichmäßig beschäftigt wird. Merkt man, daß in irgend einem Industriezweig Arbeiter überflüssig werden— ein Ruck an der Schraube ohne Ende dieses wundervollen Normalarbeitstages: die Arbeitszeit wird aus Grund eines neuen Rechenexempels neu regulirt, und zwar derart, daß wieder ein Jeder für seinen Normalarbeitstag volle Arbeit hat. Schade nur, daß die Rechnung verschiedene Löcher hat, und auf ganz falschen Voraussetzungen beruht. Zunächst ist es ein Jrrthum, daß ein Fabrikant, der jetzt 100 Arbeiter bei 11-stündiger Arbeit beschäftigt, nach Ein- führung des 10-stündigen Normalarbeitstages— falls er sein Geschäft nicht einschränken will, genöthigt sein würde, 10 -— j Neue Arbeiter zu engagiren. ft«'' Diese Annahme geht von der irrigen Voraussetzung aus, üo k«'! daß die Arbeil ein fester Stoff sei, etwa ähnlich wie eine � Eisen stanze, und genau nach der Zeit gemessen werden könne, wie die Eisenstange nach dem Metermaß. Der Arbeit geht diese Festigkeit jedoch ab und sie hat, um in dem Gleichnisse zu bleiben, eher Aehnlichkcit mit den gasartigen Stoffen, die sich fast unbeschränkt aus- dehnen und zusammendrängen, und mitunter in den winzigsten Raum gepreßt werden können. Eine Stunde ist eine Stunde— d. h. ein Zeitraum )en. ♦) 200,000 Vagabunden, eine Streitschrist zur Begründung der For- derung des Normalarbeitstages. Von A. Kiefer, Schriftsetzer. München 1884. S. 15. von Marx, auf Fabrikin spek- Zeugnisse für diese von 60 Minuten und 60mal 60 Sekunden, der mit der Uhr in der Hand auf die Sekunde gemessen werden kann. Die Summe von Arbeit, welche in einer Stunde ver- richtet wird, läßt sich aber nicht mit der Uhr messen. Sie ist sehr verschieden. Jeder einigermaßen aufmerksame Beobachter wird dies schon finden, wenn er zwei neben ein- ander arbeitenden Arbeitern eine Stunde lang mit zusieht. Der Arbeiter kann täglich nur eine bestimmte Summe von Kraft, in Gestalt von Arbeit, ausgeben. Die Folge hiervon ist, daß er, mag die tägliche Arbeitszeit sein, wie sie will, mit seiner Arbeitsleistung nicht über ein ge- wisses Maß hinauskommt, und daß er, wird die Ar- beitszeit übermäßig ausgedehnt, keine größere Summe von Arbeit leistet, als er bei kürzerer Zeit geleistet hatte oder leisten könnte. Uebermäßig verlängerte Arbeitszeit bringt es mit sich, daß weniger intensiv gearbeitet wird. Die Inten- sivität der Arbeit steht im umgekehrten Verhält- niß zu der Länge der Arbeitszeit. Es ist dies ein Satz, dessen Richtigkeit durch die Erfahrung bewiesen und von der Wissenschaft anerkannt ist, so daß wir uns nicht weiter dabei aufzuhalten brauchen. Die Herren Arbeitgeber kennen diese Wahrheit sehr wohl. Und der Fabrikant mit den 100 Arbeitern bei llstündigem Arbeitstag wird nach Einführung des Normalarbeitstags von 10 Stunden nicht daran denken, 10 neue Arbeiter einzustellen, sondern, von seinen 100 Arbeitern die Summe der bisher in 11 Stunden täglich geleisteten Ar- beit in 10 Stunden hineinpressen zu lassen. Und vermittelst einigen moralischen und nicht moralischen Drucks, einiger Verbesserungen an der Maschinerie, geschickte- rer Arbeitseintheilung wird das Kunststück auch in den meisten Fällen ganz oder annähernd gelmgen. Wir müssen hier auf das„Kapital" die Berichte der schweizerischen toren u. s. w. verweisen: da finden sich Thatsache in Hülle und Fülle. In der Schweiz, wo der llstündige Normalarbeitstag erst seit wenigen Jahren eingeführt ist, wird jetzt schon ton- statirt, daß die in der verkürzten Arbeitszeit geleistete Arbeit ebenso oder ziemlich ebenso groß ist, wie die vor Einführung des Normalarbeitstags geleistete. Und in England, wo der Uebergang vom 12stündigcn zum 10stündigen Normalarbeitstag stattgefunden hat, ist der Beweis noch handgreiflicher geliefert. „Ohne allen Zweifel", so berichteten die englischen Fabrik- Inspektoren im Jahre 1858,„gab die Verkürzung des Arbeits- tages den Stachel zu diesen Verbesserungen(der Maschinerie u. s. w.) Letztere und die intensivere Anstrengung des Arbeiters bewirkten, daß wenigstens eben- soviel Arbeit(Machwerk) in dem verkürzten Arbeitstag als früher während des längeren ge- liefert wird." Der längere Arbeitstag, wie gesagt, war 12 Stunden lang, die Verkürzung betrug also bei Einführung der Zehnstnnden- Bill ein Sechstel— was noch beträchtlich mehr ist als das Zehntel, um welches es sich in dem, von dem Verfasser der angezogenen Broschüre gesetzten Fall handelt. Das englische Parlamentsmitglied Fer ran d erklärte am 27. April 1863 im Unterhaus:„Arbeiterdelegirte von 16 Distrikten Lancashire's und Cheshire's, in deren Auftrag ich spreche, haben mir mitgetheilt, daß die Arbeit in den Fabriken beständig wachse. Statt daß wie früher eine Person mit Ge- hülfen zwei Webstühle bediente, bedient sie jetzt drei ohne Gehlllfen, und es ist gar nichts Ungewöhnliches, daß eine Person vier bedient. Zwölf Stunden Arbeit werden jetzt in weniger als zehn Arbeitsstunden ge- preßt." Das ist das eine Loch, welches die Rechnung der optimi- stischen Anwälte des Normalarbeitstages hat. Es ist nicht das einzige. Nicht nur hat die kapitalistische Produktion die Tendenz und Kraft, eine gleiche Summe von Arbeit in immer kürzere Arbeitszeit zusammenzupressen, sie hat auch die weitere Ten- denz, immer mehr Arbeiter überflüssigzumachen, so daß sich uns das scheinbar widerspruchsvolle Schauspiel darbietet: Bei gesteigerter Produktion Ueberflüssig- werden von Arbeitern. Mit diesem Gesetz, welches die Uebervö lkerung als eine nothwendige Erscheinung der bürgerlichen Produktionsweise er- scheinen läßt, ebenso wie die Ueb erproduktion, werden wir uns im nächsten Artikel beschäftigen. Der Adel in Mecklenburg und die Bauern. N a ch t r a g.*) Was, noch Treue verlangt der unbarmherzige Frohnherr? Der mit den Diensten des Rechts(sei Gott es geklagt!) und der Willkür Uns wie die Pferde abquält, und kaum wie die Pferde beköstigt? Der, wenn darbend ein Mann für Weib und Kinderchen Brodkorn Heischt vom belasteten Speicher, ihn erst mit dem Prügel bewillkommt, Dann aus gestrichnem Maß einschüttet den kärglichen Vorschuß? Der auch des bittersten Mangels Befriedigung, welche der Pfarrer Selbst nicht Diebstahl nennt, in barbarischen Marterkammern Züchtiget, und an Geschrei und Angstgebärden sich kitzelt? I. H. V o ß,„Die Leibeigenen." Da dieser Nachtrag den Zeitraum von der Aufhebung der Leibeigen- schast 0020) bis zur Jetztzeit detaillirend behandeln soll, so paßt eigent- sich die Ueberschrift nicht mehr. Setzen wir für Adel: Gutsbesitzer über- Haupt, und, da der Bauer bis auf einen geringen BruchtheU„gelegt" ist, für Bauer: Tagelöhner. „Es bemächtigt sich der Bauern bei ihrer unfreiwilligen Verwandlung in Tagelöhner zwar eine große Niedergeschlagenheit, aber das kommt nur von der Neuheit der Lage, sie werden das bald gewohnt" u. s. w., schreibt Pastor Tiburtius. Jawohl, Herr Pastor, sie haben sich an ihre Lage gewöhnt, aber mancher Fluch mag dabei gefallen, manche Thräne dabei geflossen sein!! Wenn es wahr wäre, was Du lehrst:„Unrecht Gut gedeiht nicht gut", dann hätten die„legenden" Gutsherren sammt und sonders in Roth und Elend verkommen müssen, was keineswegs der Fall ist. So be- schönigt ein G e i st l i ch e r den Raub oder, wenn man sich milde aus- drücken will: die Expropriation der(zunächst ländlichen) G e- sammtheit zu Gunsten Einzelner. Ich habe zu bemerken vergessen, daß das„Legen" der Bauern nicht etwa mit Aufhebung der Leibeigenschast zu Ende ging, sondern bis fast zur Gegenwart fortdauerte. Greisen wir einen Fall heraus aus dem Jahr 1808. Damals waren schon einige Sand-in die-Augen-Streuungs- Gesetze(i la Sozialreform) erlassen, so z. B. durfte der Gutsherr nicht mehr ganze Dörfer„legen"(daun geschah es eben nach und nach. Kunst- stück!); später mußte er sogar die drei größten Bauerngüter fortbestehen lassen, solange die Bauern: 1) ihre Verbindlichkeiten gegen den Gutsherrn ersüllten, 2) kein wüstes Leben führten, 3) den Gutsherrn nicht beleidigten, 4) nicht mit Zuchthaus bestraft waren. Baron von Langermann hatte seine Bauern sämmtlich„gelegt", nur die eben beregten drei noch nicht. Eines schönen Tages läßt er diese vor sich kommen, macht ihnen die bittersten Vorwürfe wegen ihres „wüsten" Lebenswandels(siehe unter 2) und schilt sie Spieler und Säuser. Die Bauern gaben zu, daß sie Karten spielten, aber nur um — Bohnen, wovon 16 aus einen Schilling(6-/, Pfennig nach heutigem Geld) gerechnet wurden. Säuserwaren sie(wie festgestellt ist) Überhaupt nicht, trotzdem wurde ihnen gekündigt»nd sie um M-chaeliS 1863 vom Patrimonialgericht vertrieben. Die Bauern setzten Himmel und Erde in Bewegung, gingen sogar zum Großherzog, natürlich ohne Erfolg: —-- Denn fort ist fort, und was einmal Dir ein Mächtiger nimmt, das hast Du besessen. Der Klage Gibt man wenig Gehör, und sie ermüdet am Ende—" sagt Reinicke Fuchs. Als die Ritter die Leibeigenschaft aufhoben, geschah dies(wie ich dargethan habe) keineswegs aus Humanitätsrücksichten, ja wir hätten sie möglicherweise noch heute, wenn es nicht damals momentan im Interesse der Gutsbesitzer gelegen hätte, sie aufzuheben. Meint doch das hochkon- servative„Deutsche Tageblatt"(Anfang September d. I.), die Regierung hätte voreilig gehandelt, als sie der Leibeigenschaft ein Ende machte! Die Gutsherren machten damals von ihrem Kündigungsrecht massen- haften Gebrauch, da eben Ueberfluß an Arbeitern war. Die gekündigten Freigelassenen konnten meistens kein Unterkommen finden, sie wurden aus ihren Kathen hinausgeworfen und aufs Landarbeitshaus zu Güstrow*) geführt. Dieses war jedoch bald so überfüllt, daß die Regierung den Gutsherren anbefehlen mußte, den Freigelassenen Obdach zu geben. Die Gutsherren müssen einen sonderbaren Begriff von Obdach gehabt haben, denn die Regierung sah sich bald veranlaßt, zu verordne», daß das Obdach mindestens mit einem angemessenen Herde und Ofen versehen sein müsse.(Uebrigens mußten die Freien für das Gewährte arbeiten!) Infolge massenhaften Auswanderns, erhöhter Sterblichkeit, verminderten Eheschließens u. s. w. hob sich auch diese Kalamität. Nun scheint eme etwas bessere Zeit für die Taglöhner gekommen zu sein. Die bürger- lichen Gutsbesitzer und Pächter jener Zeit waren durchweg verhältniß- mäßig humane Leute, die, anspruchslos wie sie waren, nicht in dem Maße Ausbeuter waren wie die heutigen. Allerdings mußte der Tag- löhner stramm arbeiten, aber wenn er krank oder vor Alter arbeits« unfähig wurde, so gab ihm der Herr das„Gnadenbrod" oder stand ihm sonst hülsreich zur Seite. Doch dies- Generation, die uns Fritz Reuter so anziehend schildert, ist ausgestorben.„Schnell reich werden", ist die Parole des heutigen bürgerlichen Gutsbesitzers, der in der Regel bedeutend mehr Talent zum Ausbeuten hat, wie sein adeliger Kollege. Der Bürgerliche sieht im Junker nicht wie früher seinen Feind, sondern sein Vorbild, sein „Ideal Und das darf uns im Zeitalter der Servilität(wie ich die Gegenwart nennen möchte) nicht Wunder nehmen. An Stelle der Huma- nität ist der brutale Materialismus, die Rohheit, die Ausbeutung in höchster Potenz getreten. Merkt der Gutsbesitzer erst, daß einer seiner Taglöhner hinfällig,„stümperich" wird, so entläßt er ihn schleunigst. So ein alter Taglöhner findet nirgends mehr Arbeit, nur ein Ausweg bleibt ihm: Auswandern. Und da drücken dann oft noch gedankenlose *) Siehe„Sozialdemokrat" Nr. 30 und 31. *) Ist zur Aufnahme von„Landstreichern", Bettlern u. s. w. bestimmt. Beherbergte sonst immer 250—300 Jnternirte, heute 400. Außerdem hat man noch die Filialen Dömitz und Federow errichten müssen, da in Güstrow bei Weitem nicht Platz genug war für alle Bettler. Und das im fetten Lande Mecklenburg! Zeitungsschreiber ihre Verwunderung darüber aus, daß so viele alte n-aglöhner auswandern! Eine fast willkürliche Disziplinargewalt besitzt der Gutsbesitzer noch heute> Man urlheile selber:*) Ein jugendlicher Arbeiter steht wegen„Dienstvergehens" vor Gericht. Er ist angeklagt: 1) nicht, wie ihm befohlen, die Göpelpferde angetrieben zu haben, 2) den„Herrn" nicht gegrüßt zu haben. Zeugen: der Guts- besitzer v. Basfewitz und sein Statthalter �Vorarbeiter). Der Angeklagte gibt an: 1) daß er nicht zum Pferdeantreiben, sondern zum Kuhfüttern engagirt sei, 2) daß er das Grüßen erst unterlassen, nachdem ihm der Gutsherr konsequent nicht gedankt. Beides gaben die Zeugen zu, aber der Angeklagte wurde zu 3 Tagen Hast verurtheilt. Der Knecht B. ist ebenfalls wegen„Dienstvergehens" angeklagt, weil er dem Befehle des Inspektors Böttger(der als einziger Zeuge fungirt), Abends 8'/, ll h r noch weiterzuarbeiten, nicht nachgekommen ist und noch frech behauptet hat:„Es wäre wohl Zeit zum Feierabendmachen." Da der Angeklagte Abends 8', Uhr erst eine 1 7 V,- st ü n d i g e Arbeitszeit hinter sich hatte(die Knechte müssen Morgens 3 Uhr ausstehen zum Füttern u. s. w.), so ist die Haftstrafe von 7 Tagen eigentlich noch recht niedrig. Nicht wahr? Gehen Viele sehr gebückt und welken In Elend und Müh', Und andere zerren daran und melken Wie an dem lieben Vieh. Und ist doch nicht zu defendiren Und gar ein böser Brauch, Die Bauern geh'n ja nicht auf Vieren, Es sind doch Menschen auch! So singt der alte Claudius in„Görgel's Neujahrswunsch." Aber die Zeit der„übertriebenen Humanität" ist heute glücklich überwunden. Neuerdings hat nun die Auswanderung aus Mecklenburg etwas nach- gelassen, und unsere konservativen Zeitungen verfehlen nicht, dies jubelnd der Welt zu verkündigen. Aber die Ursachen geben sie nicht an: die Schicht, aus der sich hauptsächlich die Auswanderer rekrutiren, ist er- schöpft! Und das gibt auch die„überhaupt liberale"„Rostocker Zeitung" zu, wobei sie vernünftigerweise bemerkt:„Die Auswanderung hat ihre Ursache hauptsächlich in der ungünstigen Vertheilung des Grund und Bodens. Diese ist so ungünstig, daß eine Abänderung unbeoingt erfolgen muß; das aber dürfte verhängnißvoll werden." Leider hat sich die„Rostocker Zeitung" hierüber nicht näher ausge- sprachen, jedenfalls wirv unter den heutigen Verhältnisien eine„Ab- änderung" nicht stattfinden. „Preußische Dienstboten liefern wir billig und gut"(sie!), annonciren jetzt die Sklavenhändler— pardon, ich wollte schreiben: Stellenvermittler, in allen mecklenburgischen Zeitungen. Ganz sicher ein Beweis, daß die Auswanderung so stark gewesen, daß Arbeitermangel eintrat. Der Guts- besitzer nimmt die„Hochdeutschen" nicht gern, denn sie haben„verflucht koddrige Schnauzen", wie ein Gutsinspektor klagte. Diese„Hochdeutschen" scheinen nun allmälig eine etwas andere Gesinnung in das Gros der mecklenburgischen Tagelöhner hineinzubringen. Passirte es doch neulich, daß sie einen besonders„strengen" Inspektor, den sie bei einem Roth- zuchtsversuch ertappten, ganz gehörig durchwalkten! An eine allgemeine Emanzipation darf man deswegen noch lange nicht denken, aber der Ansang dazu ist da. Und das muß jeden Menschen, der noch einen Funken von Gerechtigkeitsgefühl im Leibe hat, mit Freude erfüllen. Nur Thoren können eine Verbesserung der Lage des Arbeiters von der„zunehmenden Humanität der herrschenden Klaffen"(das meint ein orthodoxes Kirchenblatt) erwarten.**) Ich erwähnte schon des Professor Karsten menschenfeindliche Auslastung. Die ganze Stelle lautet so:„Der sogenannte gemeine Mann, der ohne Bildung, nicht viel bester wie die Thiere, mit denen er umgeht, aufgewachsen ist, gehorcht nur der Sklaven- peitsche seines Gebieters, und solange er im Druck der Armuth ist, schmiegt er sich und kriecht er zu den Füßen seines Zuchtmeistsrs, so wie der Hund nach empfangenen Prügeln die Hand leckt, die ihn mißhan- delte. Boshafter und tückischer wie dieser, wird er dann mit hämischer Freude jede Gelegenheit ergreisen, seinem Herrn zu schaden, wo er es ungestraft thun kann. Gebt aber diesem Menschen besseres Auskommen und Wohlstand, so wird er widerspänstig, trotzig, verwegen, faul; will man ihn durch Zwangsmittel bändigen, so widerstrebt er(sie!), denn das Gefühl von Pflicht ist in ihm erstickt, und die Sprache des Gewissens kennt er nicht, er wird öffentlicher Ruhestörer, Empörer!" Fürwahr, man möchte mit Keulen dazwischen schlagen, wenn man der- gleichen liest! Doch bei ruhigem Nachdenken muß man sich sagen: nicht den Menschen, sondern in erster Linie das S y st e m, das die Macht- Haber geradezu zur Entfaltung ihrer Brutalität auffordert, müssen wir bekämpfen. Jede unkontrolirte menschliche Macht muß der Gesammtheit zum Verderben gereichen. Zum Schluß mag noch eine charakteristische Stelle aus W i g g e r' s „Der Vernichtungskampf wider die Bauern" hier Platz finden: „Feudalismus und Kommunismus strecken beide die Hand nach frem- dem Eigenthum. Aber der Kommunismus steht doch auf einer viel höheren moralischen Stufe als das Junkerthum. Denn er kämpft nicht für sein Privatinteresse, sondern für die große Masse der Arbeiter, welche nach ihm das Volk ausmacht, während das Junkerthum, von seinen Sonderintereffen geleitet, die große Mehrheit zu Gunsten einer winzigen Minderheit ausbeutet." Kommentar überflüssig. Emil. -aaA/TSA/VN/— Sozialpolitische Rundschau. Nach sieben Jahre«. Am 21. Oktober waren es sieben Jahre, daß das„Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozial- demokratie" erlaffen wurde. Es sollte unserer Partei den Garaus machen, sollte die Arbeiter von dem„Druck" der sozialdemokratischen Agitation„befreien", sollte der Regierung und den„staatserhaltenden" Parteien die Bahn ebnen zur Betretung einer wirksamen arbeiterfreund- lichen Gesetzgebung. Sieben Jahre hat das Gesetz funktionirt. Man hat es in der ver- schiedensten Art und Weise erprobt. Zuerst versuchte man es mit der rigorosen Handhabung: Alle Arbeitervereine wurden a u f g e l ö st, alle Arbeiter organe uuterdrückt, die Führer r u i n i r t, die„Agitatoren" g- m a ß r e g e l t, die notorischen Partei- angehörigen geächtet. Der eiserne Druck erzeugte jedoch nur G e g e n- druck. Ein paar Feiglinge, die man mürbe gemacht, wurden von der Masse mit Hohn zurückgewiesen, die Körner und Finn verschwanden im Hand- umdrehen im Nichts. Auf dem W y d e n e r Kongreß, im Wahlkampf 1881, legte die geächtete Partei Zeugniß ab von ihrer ungeschwächten Lebenskraft. Führer und Geführte unterdrücken geht nicht, das stärkt die Soli- darität, sagten sich die Urheber des Gesetzes, versuchen wir es, sie durch verschiedene Handhabung zu trennen: Strenge gegen die Führer, Milde gegen die Verführten. Und man gestattete Arbeitervereine, Arbeiterversammlungen. Aber die Arbeiter benutzten die Möglichkeit, sich zu äußern, nur, um ihr unbeugsames Festhalten an der alten Fahne und den alten Trägern derselben zu bekunden. Wo einer der verfehmlen Führer sich blicken ließ, tönte ihm tausendstimmiges Hoch aus Arbeiterkehlen entgegen. Wozu den Führern ein billiges Märtyrerthum verschaffen? Lassen wir auch sie gewähren, aber— unter dem Bewußtsein, daß das Beil des Sozialistengesetzes über ihnen schwebt, um so eher werden sie sich abwirthschaften. Und man ging zum System der schlaffen Zügel über. Die Antwort lautet: 24 sozialistische Abgeordnete im deutschen Reichs- tage, fünf im sächsischen, zwei im hessischen Landtag u. s. w. u. s. w. Jeder Tag meldet von neuen Erfolgen der Partei. Und die Sozialreform? Das Krankenkaffengesetz erweist sich, kaum eingeführt, als dringend hülfsbedürftig, dem Unfallsversicherungsgesetz ist das gleiche Schicksal gewiß, und die Alters- und Jnvalidenveisorgung ist„auf unbestimmte Zeit" vertagt, nicht weil die Arbeiter und ihre Führer, sondern weil die„Staatserhaltenden" ein Haar in derselben gefunden haben. Der Wechselbalg Sozialreform liegt entkräftet am Boden, der Riese Sozialdemokratie, den er tödten sollte, hat durch ihn nur an Kraft ge- wonnen. Sieben Jahre sind seit Inkrafttreten des Schandgesetzes verstrichen. Und, ein charakteristisches Zusammentreffen, gerade am Jahrestage der Verkündigung desselben muß der Mann, der die gehäffigsten Bestimmungen des Gesetzes in brutalster Weise zur Ausführung brachte, den Blättern mit- theilen, daß er wegen seiner geschwächten Gesundheit„in Gnaden" aus dem Staatsdienst entlassen sei. Der Reichsspitzelmini- st e r M a d a i ist ein todter Mann, die Sozialdemokratie aber lebt. Sie lebt, und sie wird leben— allen gegen sie geführten Streichen zum Trotz. Nicht ein Titelchen ihres Programmes hat sie abgeschwächt, nicht ein Atom ihrer Forderungen gestrichen. Stärker als je steht sie da, fester als je haben ihre Grundsätze im Volke Boden gefaßt. Größer als je ist ihr Einfluß auf die öffentliche Meinung. Im nächsten Jahre läuft das Sozialistengesetz ab. Ob unsere Feinde es verlängern, ob sie eine neue Art seiner Anwendung aushecken wer- den, um uns den Garaus zu machen, wir wiffen es nicht. Aber soviel wiffen wir, daß wir ihre Anschläge nicht fürchten. Die deutschen Arbeiter haben in den sieben Jahren des Sozialistengesetzes die Feuerprobe be< standen: sie haben sich weder durch Drohungen und Gewaltmaßregeln schrecken, noch durch Versprechungen bethören lassen. An solcher Festigkeit und Ausdauer müssen alle feindlichen Anschläge zu nichts werden. *) Ich greife zwei Schöffengerichtssitzungen heraus, und zwar nach den Berichten der„Güstrower Zeitung".(Anfang September 188S.) ♦♦) Die ländlichen Schulverhäliniffe habe ich schon kurz erwähnt. Zur Erläuterung brauche ich nur zwei Land-Pädagogen vorzustellen. Lehrer und Küster Bergmann in Badendiek fragte neulich seine Kinder in der Unterrichtsstunde:„Wißt Ihr, was eine„Zuhl" ist?"(Zuhl ist der plattdeutsche Auedruck für leichtfertiges Frauenzimmer, Hure i Keine Antwort.„Ich will's Euch sagen: Die Wullfsch(Frau des Bauern Wullf) ist eine Zuhl I"— Lehrer Leberecht in Kuhs(übrigens ein halber Idiot) belchäftigt sich in seiner freien Zeit— der Sommer ist fast ganz schulfrei— mit Sympathiekuren, predigt also Aber- glauben.— Könnte leicht fortgesetzt werden. Zürich, 23. Oktober 1885. — Die offizielle deutsche Wissenschaft und die Frauenfrage. Ein Münchener Profeffor, der Schönredner W. H. Riehl, hielt vor zirka 14 Tagen in Köln im Verein für wissen- s ch a f t l i ch e Vorträge einen Vortrag über„die Frau, dieFa- milie und die Gesellschaf t". Nach dem Bericht der„Kölnischen Zeitung" äußerte sich der„berühnrte Kulturhistoriker" über die Frauen. frage, diese brennende Frag- unserer Zeit, folgendermaßen: „Die sogenannte(!) Frauenfrage geht heutzutage wesentlich den Mittel- stand an. Beim Bauern, auf der Alm sowie auf dem tückischen Berg- see des Hochgebirges theilt sich das Weib redlich mit dem Mann in die Arbeit, ja, sie nimmt ihm meist den schwersten Theil derselben ab. Und andererseits erscheinen auf den Zinnen der Gesellschaft selbständige Herr- scherinnen und Gutsherrinnen. In den Mittelklaffen der G>sellschaft ist die Frage eine brennende: In wi? weit können und sollen Frauen an der Mannesarbeit theilnehmen? Es ist r i ch t i g und taktvoll, daß die Frauen ausgeschlossen bleiben von allen Aemtern, welche lediglich die Hoheitsrechte des Staates ausüben. Wir wollen keine weiblichen Richter und keine weiblichen Offiziere. Wir wollen die Frauen auch ferngehalten wiffen vom Schmutzigen, Gemeinen. Richler und Arzt aber müssen hinabsteigen in die tiefsten Nachtseiten der Gesellschaft und der menschlichen Natur; die Frauen sollen da nicht mitgehen. Als Kran- kenpflegerinnen laffen sie alle Männer weit hinter sich, sie stehen aber als solche einfach vor der Thatsache des Leidens, sie haben es nicht zu ergründen. Deshalb Dank den deutschen Universitäten, welche die Frau ausschließen von den Hörsälen der Medizin. Warum sollen die Frauen nicht Geistliche werden? Sie sind frömmer denn wir, sie wiffen gar gut zu predigen und wie viel« haben sie schon bekehrt. Ja, aber wir sollen um Gottes und nicht um des Geistlichen willen in die Kirche gehen und man ches Armuthszeugniß für die Deutschen! Aber es kommt noch besser. 3. Behauptung: Die Frauen sollen nicht Geistliche werden. Beweis: Man wird, steht eine Frau auf der Kanzel, ihre Person nicht vergessen können, und wir sollen doch„um Gottes und nicht um des Geistlichen willen in die Kirche gehen". Heute werden die Kirchen bekanntermaßen vorzugsweise von Fraue» besucht und auf den Kanzeln predigen Männer. Herr Riehl muthet also den Frauen zu, über dem Geistlichen den Mann zu vergessen— die entsprechende Zumuthung an die Männer dünkt ihm etwas Unerhörtes. Hier hat sich die V-rlozenheit einmal in ihrem eigenen Netz gefangen. Zur Abwechselung präsentiren sich die Männer als das schwächere, weil sinnlichere, Geschlecht. Nicht die Schwäche der Frauen, die Schwäch« der Männer verbietet den Frauen den geistlichen Beruf— wie er- finderisch doch der Konkurrenzneid macht. Denn nichts als Kon- kurrenzneid ist es, was hinter den süßlichen Flausen des Herrn Riehl steckt. Die Frauen sollen den Männern der Bourgeoisie in ihren bis- herigen Domänen keine Konkurrenz machen dürfen. Untergeordnete Slellungen bekleiden, sich abrackern in aufreibendster Thätigkeit des sub- alternen Schuldienstes, als Bureauschreiberin ic.— das mag die Frau allenfalls, dazu ist sie nicht zu sein organisirt, aber den höheren Posten ist,„trotz der vorzüglichsten Leistungen," ihr zarter Organismus nicht gewachsen, und als Schreckgespenst dient— der Bahnhofsinspektor a m Pfing st montag! Fürwahr, eine herrliche Eni- deckung. Zur Belohnung möchten wir eine Untersuchung darüber an- st.llen, wie viele der Kollegen des Herrn Riehl sich wohl zu einem so!- chen Posten eignen möchten. In der That, wir Deutschen können auf unsere Männer der Wissen- schast stolz sein. In England haben nicht nur die Gewerkoereinler, son- dern auch ein großer Theil der herrschenden Politiker die Forderung des Stimmrechts wenigstens der selbständigen Frauen auf ihre Fahne ge- schrieben, in Frankreich hat der jüngste große Lehrertag in Havre die volle Gleichstellung der weiblichen Lehrer mit ihren männlichen Kollegen verlangt, in Deutschland aber sucht man noch immer das soziale und politische Niveau der Frau herabzudrücken, und die offizielle Wissen» schaft spielt den Handlanger dabei. Zum Glück sind die Verhältnisse stärker als der Wille der Menschen, und sie werden durch den berühmten deutschen„Idealismus" auch aus diesem Gebiet einen Strich machen, wie sie es auf so vielen anderen schon gethan. — Die ,, Braun schweigische Frage" ist auf's Glücklichste gelöst: die biederen Braunschweiger haben einen Hohenzollern-Sprößling, den Prinzen Albrecht von Preußen, zum Regenten, und der erste Schritt zur„Angliederung"— bei Leibe nicht Annexion— an Preußen wäre somit geschehen. Wir würden sagen, die Braunschweiger haben ihr Schicksal verdient, wenn dieser Ausdruck nicht noch zu milde wäre. Sie sind eigentlich noch viel zu gut davongekommen, denn so jammervoll, so hundsmiserabel charakterlos wie sich der Braunschweigische Landtag— der freilich von einer Volksvertretung nur den Name» hat— in der ganzen Erbsolgefrage benommen, so hat kaum je in der G-schichte eine zur Wahrung der Landesintereffen berufene Körperschaft sich gezeigt. Von allen Seiten ernten die Herrschaften dafür auch den g.bührenden Hohn. Außer den Ultramontanen und einigen Dutzend legitimistischen Schwärmern würde sich kein Mensch in Deutschland für die Thronansprüche des Herzogs von Cumberland begeistern, wenn also die Herren in der Braunschweigischen Kammer erklärt hätten, wir w o l« len den Cumberland nicht, so hätte man darin wenigstens noch eine» Funken von moralischem Muth erblicken können; aber selbst dazu schwangen sie sich nicht auf. Willenlos fügten sie sich in Alles, sagten sie Ja und Amen zu Allem, was ihnen von Berlin aus anbefohlen wurde, wie es loyalen deutschen Bedienten geziemt. Wir gratuliren ihnen zur neuen Livree! — Der h a t s begriffen! Nämlich ein Pfiffikus, der im„Leip? ziger Tageblatt" seinen Spuck treibt und Rezensionen besorgt. Der hats begriffen, daß Alles, was bisher über die deutsche Arbeiterbewegung ge« schrieben worden ist, keinen Pfifferling taugt, weil die Schreiber das wahre Wes-n derselben nicht begriffen haben. Er aber hats begriffen und ist menschenfreundlich genug, sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. In einer Rezension irgend einer der zahlreichen Schundschristen, mit denen die Sozialdemokratie todtgeschlagen werden soll und nur der gesunde Menschenverstand todtgeschlagen wird, sagt unser Pfiffikus: „Unserer Meinung nach besaßt die Schrift sich zu sehr mit nebensäch» lichen Dingen und stellt den Kern der sozialdemokratischen Bewegung anders dar, als er ist. Sie nimmt viel Bezug auf landläufige Phrasen, wie sie in Arbeiterkreisen leider nicht selten sind, geht aber selbst auf die von der Sozialdemokratie als Endziel hingestellte Regelung der Kon« sumtion und Produktion zu wenig ein. Es scheint fast, als ob der Ver- faffer des Buches nur die Sozialdemokratie nach ihren heutigen Aeuße- rungen kennen gelernt hat, uno als ob ihm die Schriften, deren Gedan- ken sich in den Schlagwörtern der Führer dritten Ranges verballhornt- sirt wiederfinden, ganz unbekannt seien. Der Verfasser vergißt einen strikten Unterschied zwischen der jetzigen Arbeiterbewegung und der Sozial- demokratie zu machen. Denn wenn wir auch gern zugeben wollen, daß die Theilnehmer an der Arbeiterbewegung Sozialdemokraten sind, so ist die jetzige Arbeiterbewegung alles andere, nur keine auf den Sozialismus hindrängende, sondern sie bewegt sich im schönsten G e- leis e der so verhaßten Bourgeoisie, insofern die Solida- rität der Branchegruppen in die Brüche gegangen ist. Die gesammt e jetzige Arbeiterbewegung geht nur daraus aus, bei weniger Arbeitszeit mehr Lohn zu erhalten; ob dies durch Strecks erreicht wird, bei welchen andere Arbeitergruppen verlieren und zusetzen, das genirt die Streikenden nicht, sie kämpfen nur für sich und daS ist der sehr bourgeoisistische Zug, der die jetzige Bewegung kenn- z e» ch n e t. Allein an diesem Zug geht die Bewegung auch langsam zu Grunde. Diejenigen, welche schon ost die Freuden der Streiks gekostet haben und älter geworden sind, machen nur sehr unwillig mit und sind fast immer der Grund, daß ein wirthschaftlich nicht berechtigter Streik im Sande vertäust. Wir haben das erst jüngst wieder gesehen, und deshalb hätte der Verfasser sehr wohl gethan, wenn er einestheils sich über die wirthschastliche Bedeutung der Streiks in bestimmter Form ver- breitet und damit eine gerechte Charakteristik unserer wirthjchaftlichen Verhältnisse verbunden hätte und anderntheils, wenn er die theoretischen Prinzipien de: Sozialdemokratie zergliedert und damit nachgewiesen hätte, wie unverdaut die Theorie in den Köpfen der eitlen, sich vordrängenden Führer uno zugleich wie unhaltbar sie in Wirklichkeit ist. Wenn wir nun auch nicht ganz in das an anderen Orten verschwenderisch ausge- streute Lob über das Schrifichen einstimmen können, so können wir das- selbe doch immerhin als eine interessante Lektüre empfehlen. Ar." Also A r. heißt der Mann! Da kann man rathen. Hoffentlich gibt er uns auch noch seinen vollen Namen, damit wir ihm die Hand drücken können. Apropos Ar.— sollte das nicht„Heinrich" bedeuten, und heißt nicht das getaufte Fortschritts- und Handelskammer-Psiffiiuschen F r ä n k e l mit seinem Tauf namen Heinrich? Sollte e r der Co- lumbus sein? Genug— wir wissen jetzt, woran wir sind. Die Arbeiterbewegung trägt einen„bourgeorsistisch-n" Charakter, ist au konä eine Bourgeoisbewegung— Arveiter und Bourgeois, das ist Jacke wie Hose— vom selben Stoff— Klaffenunterschied, Klaffengegensatz ist nicht— die ganze Arbeiterbewegung ist nur ein Zeitvertreib, den sich einige übermuthige oder liederliche Bourgeois machen— wer wird da noch Angjst haben? DaS„rothe Gespenst" ist gebannt, und das hat der Ar. vom„Leipziger Tageblatt" gethan. Hut ab, Ihr Herren Bourgeois! — Die Religion muß dem Volke erhalten werden. Folgende Notiz machte kürzlich die Runde durch die deutschen Zeitungen: „Ein vielseitiger Großvater. Vor einiger Zeit ist berichtet worden, daß der Herzog von Chartres für den päpstlichen Dispens zur Vermäh- lung seiner Tochter mit dem Prinzen Waldemar von Dänemark 120,(1(10 Franken bezahlt habe. Nun schreibt der vatikanische Mitarbeiter der W-ener„Pol. Korr.":„Dem gegenüber sei bemerkt, daß der heilige Stuhl, nachdem den bezüglich gemischter Ehen bestehenden kanonischen Vorschriften in diesem Falle Genüge geschehen war, den Dispens bereit- willig ertheilt hat, ohne dafür eine große oder kleine Summe zu em- Manzen." Die Geldfrage, auf welche der vatikanische Mitarbeiter den Ton leqt, ist von sehr untergeordneter Bedeutung. Wichtig aber ist, daß Prinz Waldemar den bestehenden kanonischen Borschriften Genüge gelei- stet hat, denn das bedeutet, daß er eingewilligt hat, die künftigen Kinder katholisch werden zu lasten. Der König von Dänemark hat somit Aus- stcht, in konfessioneller Beziehung der v i e l s e i t i g st e G r o ß- o a t e r zu werden, den es je gegeben hat. Wenn er in einigen Jahren wieder wie in diesen Tagen seine ganze Familie in seinem Königsschlosse w Kopenhagen um sich vereinigt, so wird er unter seinen Enkeln L u t h e- kaner, englische Hochkirchler, russische Orthodoxe, griechisch-katholische und römisch-katholische Christ en iählen. Bon den Schwiegersöhnen des Königs ist nämlich der Herzog "on Cumberland Lutheraner, der Prinz von Wales englischer Hochkirch' str, der Kaiser von Rußland rustisch-orthodox. Der König von Griechen- >°nd, ein Sohn des Dänenkönigs, ist griechisch-katholisch geworden und Prinz Waldemar wird seine Kinder katholisch taufen lasten." Toleranz in Glaubenssachen ist ein sehr schönes Ding, die Leichtigkeit, wit der aber in den Kreisen der Gottesgnadenthümler— und ähnliche Isamilienverhältnifse wie in der dänischen Königsfamilie finden sich bei allen Dynastien— die Konsession gewechselt wird, ist kein Zeichen von Toleranz, sondern von Gesinnungslosigkeit. Den Herrschaften ist die P-Iigion gleichgültig, sie hat nur den einen Zweck, ihre„Legitimität" !u decken; und ob das Aushängeschild katholisch, lutherisch oder sonst wie lautet, ist Nebensache, wenn es nur seinen Zweck erfüllt. Diese Gleichgültigkeit in den hohen Kreisen ist aber der beste Kommentar zu d« Emphase, mit der von eben dieser Seite proklamirt wird: vie Re- hgion muß dem Volk erhalten werden. Dem Volke, damit es jenes »«olk" gewähren läßt. Der Zweck heiligt das Mttel. — Polizei staatliches. Aus München, im Oktober, erhal- stn wir folgende Zuschrift: „Um unserem allverehrten Ordnungshüter, dem bekannten Meineids- Wichel, zu beweisen, daß unsere neuerdings reorganisirte Geheimpolizei oicht nur praktischer, sondern im Allgemeinen auch vor- sichtiger zu Werke zu gehen pflegt als die seinige, wollen wir nachsalzend ein Schriststück, das wir Gelegenheit hatten, einem allzuver- stauensseligen Ordnungswächter aus seinem Notizbuch zu annsxiren, und das, wie er uns versichert, nicht allein ein jeder Münchener Gens- dann, sondern alle im deutschen Reiche existirenden deutschen Schutzleute w Kopie besitzen, zur Kenntmß unserer Genossen bringen. Dasselbe, originaliter beiliegend, besteht aus zwei Titeln: l. Sozialistische Agitatoren. Folgt eine Liste von 10 Namen, die weiter als„geeigneten Orts" mit- ivtheilen wir keine Veranlassung haben. Charakteristisch an derselben ist, daß Sozialisten. Anarchisten und Sozialrevolutionäre bunt durcheinander »angiren. Bei Nacht, also im Gehirn einer deutschen Polizeiseele, sind alle Katzen grau. II. AusderSchweizausgewieseneAnarchisten. Diese Liste enthält 14 Namen. Bei Nr. 5 wird bemerkt:„Anarch. Pgitations Reisender"; bei Nr. 9:„Verbreiter einer Quantität anarchi- stiicher Druckschriften." Am Schluß heißt es:„Sämmtliche 14 anarchi- Asche Mitglieder sind, im Falle sie Deutschland betreten, zu verhasten «» Wir behalten uns vor, noch weiteres interessante Material folgen zu lassen. Es ist zum wenigsten solches in Aussicht gestellt worden. Michel, Du sollst Deine Freud' an uns haben. Der Alte." — Zur Bauernfrage. sCingesandt aus Kassel.) Frage: Ist der Bauer für unsere Bewegung zu gewinnen und auf welche Weise? Antwort: Durch rückhaltslose Darlegung unserer Grundsätze, durch weiteste Verbreitung und Erläuterung unseres Programms. Der Verfasser des in Nr. 41 befindlichen„Bauern- Eingesandt", seit Fahren mein persönlicher Freund, eingeweiht in den größten Theil un- lerer Literatur, selbständiger Denker, ist von der Richtigkeit meiner Be- hauptung ebenso überzeugt wie ich. Derselbe hat auch mit seiner An- regung nur darauf hinweisen wollen, daß bei größeren Aktionen, Wah- len zc bei denen die Agitatoren genommen werden, wie und wo sie sind, einerlei ob dieselben allen Ansprüchen genügen oder nicht, von sol- chen Genossen den Bauern auf diesbezügliche Anfragen des Oefteren Tuskunst eitheilt worden ist, daß selbst der Bauer darüber bedenklich i>en Kopf geschüttelt hat. Der Ausdruck Taktlosigkeit, als welche mein Freund das geflissentliche P-rmeiden der Diskussion der Religionsfrage in bäuerlichen Kreisen be- Kichnet, ist jedenfalls, soweit ich denselben kenne, von ihm nicht in vor- wurfsvollem Sinne gebraucht, sondern er beabsichtigte diese Unterlassungs- Illnde als einen taktischen Fehler der Agitation hinzustellen. Und das A er unbedingt. Stets den Stier an den Hörnern gefaßt!— muß wich den Bauern gegenüber das bestimmende Leitmotiv bei Verkündung "nserer Grundsätze sein...., Bei der vorjährigen Wahlbewegung haben wir ,n unserem vorwiegend ländlichen Wahlkreis- mit dem, was wir wollen, Nicht hinter dem Berge Sehalten. Klar und bündig stand in unserem Flugblatt zu lesen:„Klein- b»uern! Landarbeiter! Trotz der von den Konservativen belebten(?) Darlehenskassen bringt Euch die Verkoppelung, die zwar, da sie die ratio- "ellste Bodenbewirthschastung ermöglicht, im Prinzip richtig ist, doch um Euere letzte Hufe. Warum? Weil Ihr mit Eurer Parzellenwirthschaft einzeln dem Großgrundbesitzer ebenso machtlos gegenüber steht, als wollte einer von Euch eine rollende Lokomotive aushalten. In sehr vielen Fällen würde Euch bei Eurer beschränkten Ackerzahl selbst die Assozia- ii»n— der gemeinschaftliche Betrieb— nichts nützen. Grund und Poden, Wald und Flur muß, wie bei unseren Altoorderen, Gemein- 'igenthum der Markgenossenschaft werden. Preußen, welches doch so S°rn verstaatlicht und monopolisirt, hat zahlreiche Domänen. Warum werden dieselben nicht in Ackerbaukolcnien umgewandelt? Warum sollen wir uns dieselben am Aequator suchen? Warum werden diese meist herrlichen Plantagen der Ausnutzung eines einzelnen, freilich geld- �sitzenden Menschen überlassen?" Und als bei der Stichwahl die Konservativen uns glaubten damit einen schweren Schlag zu versetzen, daß sie den Bauern in Tausenden "»n Flugblättern erzählten, wir wollten die Kinder der Familie entbinden, wir verlangten die Kindererziehung auf Gemeinde- resp. Staats- 'listen, da waren es grade die Kleinbauern, die Landarbeiter, die den 'winensen Vortheil einer solchen Einrichtung in seiner ganzen Bedeutung "Nd Tragweite begriffen, und nicht zum geringen Theil hat die Erörte- 'ung dieser Spezialsrage zu unserem Stimmenzuwachs auf dem Lande �izetragsn. Die Erörterung unserer Prinzipien stößt bei unseren biederen, recht- Ah denkenden Landleuten auf nur geringe Schwierigkeiten. Nicht die "eue Weltanschauung, nicht die G-sellschaftseinrichtung, die wir anstreben, Fäßt dieselben ab. Nein! In den meisten Fällen ist es nur die rück- ächtslose Fo rm, in welcher sich Genoffen von uns ergehen, dem Bauern Aiditionelle Ueberlieferungen verächtlich zu machen, ehe sie es verstanden haben, sein Interesse für die neue Zeit zu wecken, ehe sie ihn belehrt haben daß der Sohn, im Zeitalter des Dampfes, auf der Scholle be- 'eits nur noch geduldet wird, die sein Vater und Großvater noch un �stritten ihr eigen nannten. . Treffend beinerkt mein Freund, daß der Landmann noch Stolz genug i-sitzt. der ihn sagen läßt: Arbeite ich nicht, so habt Ihr in der Stadt "ichts zu essen. Dieses Selbstgefühl des Bauern, diese Werthschätzung 'einer Arbeit richtig gepflegt, in richtige Bahnen gelenkt, wird ihn zu einer ebenso tüchtigen Kerntruppe heranbilden, als das städtische Pro- letariat heut- eine ist. Die Erfolglosigkeit der Agitation auf dem Lande "n Allgemeinen hat ihre Ursache nur in dem Mangel an brauchbaren Aasten. Hätten wir in jedem deutschen Dorf nur einen solchen über- liugungstreuen, thatkräftigen Genossen als hier in der Nachbarschaft weinen Bruder Bauer, so wäre mir für die Eroberung der ländlichen Bevölkerung für unsere Idee, schon in der allernächsten Zukunft, durchaus "icht bange.**. — Auch Dänemark, wo seit Jahren der Minister E st r u p ver- Assungswidrig regiert, und wo die Opposition im Parlament zu eben- wicher Stärke gediehe» ist als in Preußen zur Zeit de» famosen Ver- Affungskonflikts, hat jetzt sein Attentat, das. was die O p p o r t u- "ität anbetrifft, eine verzweifelte Aehnlichkeit mit dem Hödel-Attentat "Usweist. Am 21. Oktober hat nämlich in Kopenhagen ein 19jShriger Schriftsetzer, Namens Julius Rasmussen, zwei Schüsse aus Herrn Estrup abgefeuert, von denen der eine„den Rock des Ministers zerriß und an einem Knopf abprallte", während der zweite fehl ging. Ras- muffen, der sofort verhaftet wurde, wird als ein überaus nüchterner, fleißiger Arbeiter geschildert. Herr Estrup, der sich überhaupt auf den Bismarck im Kleinen hinausspielt, versucht jetzt das Attentat im Sinne seines Berliner Vorbildes zu„fruktifiziren". So wußte der offiziöse Wolff'sche Telegraph am Sonntag zu melden, daß,„angesichts der leiden- schastlichen, zu Gewaltthätigkeiten aufreizenden Sprache der radikalen Presse", die Regierung eine Zusatzbestimmung zum Strafgesetz, analog den Artikeln 130 und 13l des deutschen Strafgesetzes, zu erlassen beabsichtige. Da in Dänemark zur Gültigkeit eine» Gesetzes die Zu- stimmung von Regierung und Parlament nothwendig ist, so sieht diese Notiz der Ankündigung eines Staatsstreichs so ähnlich wie ein Ei dem andern. Herr Estrup und sein gekrönter Hintermann dürften sich aber doch täuschen, wenn sie glauben, mit dem dänischen Volke ebenso leicht fertig zu werden wie Bismarck und Wilhelm mit der bürgerlichen Opposition in Preußen. Die Verhältnisse liegen in Dänemark etwas anders als 1866 in Preußen. Oder sollte sich Christian IX., der mit so vielen Gottesgnadenthümler» verschwägert ist, bereits eines aus- w ä r t i g e n Bundesgenossen versichert haben? Man ist nicht umsonst Schwiegervater Alexanders III. und Bauernschwager der— Orleans! — Zwei Rechtssprüche.'- jJnI der„Frankfurter Ztg." finden wir folgende Notiz: W ü r z b u r g, 23. Okt. Das Militärbezirksgericht ver- urtheilte in heutiger Sitzung den Gefreiten Peter L e i b i g vom 4. In- fanterie-Regiment in M e tz wegen Mißbrauchs der Dien st ge- walt zu ö Tagen Äittelar-rest. L. hatte dem Gemeinen Marz. der ihn beim Gewehrputzen reizte, drei Ohrfeigen versetzt, so daß sich bei Letzterem eine zeitweilige Perforation des linken Trommelfelles bemerkbar machte. Trotzdem nahmen die Geschwor- nen an, M. habe kein Schmerzgefühl gehabt und die Verletz- ung des Trommelfelles sei nicht eine Folge der Schläge.— Soldat 2. Klasse Friedrich Zimmermann vom 2. Pionier Bataillon zu Sp-ier, der seinen Feldwebel, G. Praller, im angetrunkenen Zustande beschimpft und mit dem Seitengewehr auf ihn eingedrungen war, erhielt 7 Jahre und 1 Monat Zuchthaus und wird aus dem Heere entfernt. Fünf Tage Mittelarrest, sieben Jahre Zuchthaus — in diesen beiden Strafen kennzeichnet sich so recht das System des modernen Militarismus, das System der Sklavenzüchtung. Aber was nützt alle Kennzeichnung von Mißbräuchen, so lange das Volk in stumpfer Langmuth die ärgsten Schläge geduldig erträgt! — Gar kein schlechter Gedanke. Die„Freihandels-Korre- spondenz" zieht mit furchtbarem Eifer gegen einen Artikel des feudal- junkerlichen„Deutschen Tageblatt" zu Felde, in welchem zum Schutz der deutsche» Eisenindustrie gegen die englische Konkurrenz— die erhöhten Eisenzölle reichen nämlich noch immer nicht,— eine totale Reform des deutschen Eisenbahn-Trans portwesens verlangt wird. Das konservative Blatt verlangt„Minimaltarife, welche darauf hinweisen, daß die Verkehrsmittel den Charakter als Einnahmequelle verlieren und den ausschließlichen Charakter von möglichst kostenfreien Hülfsmitteln für die deutsche Produktion an- nehmen müssen." Da unter„deutsche Produktion" hier nur die Produktion der Herren Großindustriellen verstanden ist, so hat die Freihandels Korrespondenz ganz Recht, wenn sie den Artikel als eine schutzzöllnerische Unverschämt- heit ersten Ranges brandmarkt. Davon abgesehen aber ist der Gedanke, daß„die Verkehrsmittel den Charakter als Einnahmequelle" verlieren sollen, ein ganz gesunder, der auch seinerzeit zur Durchführung gelangen wird. Allerdings wird dieselbe den schlotjunkerlichen Gönnern des „Deutschen Tageblatt" nicht viel nutzen, da die Eisenbahnverwaltungen schwerlich eher mit dem Profitmachen aushören werden, als bis mit der Prositmacherei und den Profitmachern im Allgemeinen aufgeräumt wird. — Die Erschießung der Geiseln gegen Schluß der Com- mune-Tragödie wird demnächst die P a r i s e r G e r i ch t e be- schästigen. Während des jüngsten Wahlkampfs wurde L o n g u e t. Mit- glied der Commune und Redakteur des offiziellen Journals desselben, von seinen Ordnungsgegnern, unter andern auch vom„Journal des Debats", angeklagt, er habe als Communemitglied jene Erschießungen veranstaltet oder veranstalten helfen. Longuet— ein Schwiegersohn von Karl Marx und einer der Redakteure der„Justice" Clemenceau's— hat sich, nachdem er die Verleumdung in Volksversammlungen und schriftlichen Erklärungen energisch zurück gewiesen, um endlich Klarheit in die S iche zu bringen, zu einer Klage gegen das„Journal desDebats" entschlossen, das nun den Beweis der Wahrheit zu liefern hat— was natürlich nicht möglich ist. Auf diesen Prozeß, in dem zahlreiche Mitglieder und Beamte der Commune als Zeugen figuriren werden, dürfen wir mit Recht gespannt sein. Wir sind sonst kein Freund solcher Appelle an die Gerichte, aber in diesem Falle ist es das wirksamste Mittel, eine der schmachvollsten Verleumdungen, die immer wieder auftaucht, endlich einmal todt- zuschlagen. — Nur immer hübsch logisch. Jedesmal, wenn in Frankreich die Rede davon ist, gegen die Prinzen von Orleans vorzugehen, die mit Hülfe ihres immensen Vermögens ganz offen an dem Sturze der Republik arbeiten, geberden sich die liberalen deutschen Blätter ganz außer sich über solche Verletzung der Gleichheit vor dem Gesetz. Es sino das dieselben guten Seelen, die es durchaus in der Ordnung finden, wenn in Deutschland Hunderttausende von Staatsangehörigen durch ein skandalöses Ausnahmegesetz geächtet werden. Freilich, diese Hundert- taufende sind fast durchweg arme Proletarier, während die Prinzen von Orleans nicht nur von höchster Abstammung, sondern auch reich, sehr reich sind. Wie kann man es diesen Verwandten aller möglichen Fürsten- Häuser verwehren wollen, ihre dem französischen Volk gestohlenen Mil- lionen gegen dasselbe zu verwenden? Das wäre ja ein unerhörter Ein- griff in die persönliche Freiheit. — Das Schweizervolk hat am letzten Sonntag in freier Ab- stimmung mit großem Mehr einem Gesetzesvorschlag zugestimmt, der die Bundesbehörden ermächtigt, ein Gesetz auszuarbeiten, nach welchem der Branntwein bei der Fabrikation und beim Verkauf ziemlich hoch besteuert werden wird. Angeblich soll diese Mehrbesteuerung des Brannt- weins der S ch a p s p e st steuern, thatsächlich wird sie, da der über- mäßige Schnapskonsum in 9 von 10 Fällen Folge, nicht Ursache schlechter sozialer Verhältnisse, die stete Konsequenz mangelhafter Ernäh- rung ist, nur die Wirkung haben, daß die Armen und die Aermsten zu schlechterem Schnaps ihre Zuflucht nehmen werden. Die organisirte schweizerische Arbeiterschaft hat das Gesetz mit aller Energie bekämpft, fand aber, mit Ausnahme einiger weniger Radikaldemokraten, die ge- sammten bürgerlichen Parteien gegen sich; und dem Einfluß dieser und ihrer überallhin verbreiteten Preßorgane ist es denn auch gelungen, in der Abstimmung den Sieg zu erzielen. Woraus zu ersehen, daß es unter den heutigen Verhältnissen mit der direkten Volksgesetzgebung doch auch seine zwei Seiten hat.«ü3 — Frankreich. Wie unsere Leser wissen, hatten diejPariser Ra- dikalen der Richtung Clemenceau— sie nennen sich eigentlich soziali- stische Radikale- um sich der Stimmen der Arbeiter zu versichern, zwei Arbeiterkandidaten auf ihre Liste genommen: den Broncearbeiter C a- m ö l i n a t und den ehemaligen Bergarbeiter und jetzigen Gastwirth B a s l y, den Leiter des letzten großen Bergarbeiterstrikes in A n z i n. Camülinat hat nun eine längere Erklärung an die Wählerschaft von Paris erlassen, in der er u. A. sagt: „... Als ehemaliges thätiges Mitglied der Jnternatio- n a l e und ehemaliger Kämpfer der PariserKommune werde ich mich bemühen, in der Kammer meiner sozialistischen und k o m- m u n i st i s ch e n �Zergangenheit treu zu sein. Ich werde mich des- halb in keine Fraktion einschreiben. Das wird mich aber nicht hindern, mil den sozialistischen Radikalen zu stimmen, wenn sie z. B. beantragen werden: die Zurückberusung der Truppen aus dem Tonkin; die Abschaffung des Kultusbudgets; Ersparnisse durch Säuberung des Beamtenpersonals; Abschaffung der Aemlerhäusungen in Pfründen und Verminderung übertriebener Gehälter; Geineindeselbstverwaltung; allmälige Ersetzung der indirekten Steuern durch die direkte pro- gressive Einkommensteuer; Gerichtsreform rc. Ich meiner»| seits werde zuerst die rasche Jn-Angriffnahme öffentlicher Arbei- t e n verlangen, welche das Zeichen zu einem Aufschwung der Arbeit und der Geschäfte geben wü-de, und ich werde es mir zur Pflicht machen, die Hauptforderungen meiner Arbeitsbrüder, wie sie in den verschiedenen Programmen bereits formulirt sind, auf die Tribüne zu bringen. Vor Allem werde ich die Pflicht unserer republikanischen Regierung betonen, sich der Schweiz zur Anregung einer internationalen Ar- beitsgesetzgebung anzuschließen. Dann wird die Roth- wendigkeit kommen, unserem Lande eine Sozialgesetzgebung zu wirksamem Schutze der Arbeiter der verschiedenen Kategorien nach Maßgabe ihrer Schwäche zu geben, sowohl was die Gesundheitspflege, die Arbeitszeit und einen wöchentlichen Ruhetag, als auch was die Sicherung gegen Unfälle, Krankheit, Arbeitslosigkeit und Roth im Alter betrifft." Ferner verspricht C a m ö l i n a t sein Möglichstes zu thun für die Ausstattung der Arbeitergenossenschaften mit Staats- k r e d i t, für die Revision der Kontrakte, auf Grund deren öffentliches Eigenthum(Bank von Frankreich. Eisenbahnen, Bergwerke k.) veräußert worden ist, für Bekämpfung der Monopole, für die Reduktion der Staats- schulden, sowie für jede Maßregel, welche dazu beiträgt, die schritt- weise und rasche Ersetzung der Lohnarbeit durch die genossenschaftliche Arbeit zu fördern ic. rc. Basly hat an seine Wähler nur eine kurze Danksagung erlassen. Bei einem Besuche auf der Redaktion des revolulionären„Cri du Peuple" erklärte er dagegen:„Ich werde in der Kammer der Abgeordnete aller meiner Arbeitsbrüder sein und werde, was auch kommen möge, meiner Vergangenheit treu bleiben." Danach scheint es den Beiden an gutem Willen nicht zu fehlen; ob derselbe aber vorhält, ist eine andere Frage. In der Kammer wird man ihnen bald zu verstehen geben, daß sie gar nicht das Recht haben, sich als Ar- beitervertreter zu geriren, sintemalen sie nur auf Grund einer bürgerlich- radikalen Liste gewählt sind, und von Seite der organisirte» Arbeiter werden sie, als von radikalen Bourgeois patronisirt, immer, und mit Recht, mit Mißtrauen betrachtet werden. Unter diesen Umständen be- darf es doppelter Charakterstärke, fest zu bleiben, umsomehr als die Ver- Hältnisse im französischen Parlament, der außerordentlich hohe Diäten- satz— jeder Abgeordnete erhält ein Jahresgehalt von 12,000 Franken — nur zu geeignet sind, selbst ursprünglich ehrliche Naturen zu Sessel- jägern zu erziehen. So gerechtfertigt wir aber in diesem Falle das Mißtrauen der organisirte,, Sozialisten halten, so verfehlt halten wir es, die Gewählten von vornherein als V e r r ä t h e r zu behandeln, son- der» billigen es durchaus, wenn unser Bruderorgan, der„Sozialist-", von den Erklärungen Camölinat's— Basly hatte sich bis dahin noch nicht geäußert— Akt nimmt; seine den Ardeiterschutz betreffenden Re- forn-vorschläge, wenngleich sie nur Palliativs sind, mit aller Kraft zu unterstützen— mit einem Wort, ihn nach seinen Thaten zu behau- dein verspricht. — Amerika.(Kongreß der Sozial. Arbeiterpartei. Fortitzg) Mit Bezug auf das Parteiorgan, den„Sozialist", der jetzt einen wöchentlich n Absatz von 2400 Exemplaren hat, wurde beschlossen, dasselbe zu vergrößern, dagegen ein Antrag, im„Sozialist" Geschäfts- anzeigen aufzunehmen, verworfen. Ein Antrag, in New-Dork eine ge- nossenschaftliche Druckerei und Verlagshandlung in Verbindung mit einer Arbeiter- Zeitungsagentur zu gründen, fand günstige Aufnahme und wurde an ein, aus den Genoffen Seubert, Keitel, Blatz und Kronauge bestehendes Spezialkomite verwiesen. Eine eingehende Debatte über die Frage der Gründung eines englischen Partei- o r g a n s schloß mit der Annahme eine Resolution, in welcher die National Exekutive angewiesen wird, für die Herausgabe eines solchen englischen Parteiorgans Fonds aufzubringen, einen Redakteur zu enga- giren und die sonstigen Arrangements zu treffen; die Resolution em- pfiehlt zugleich der Exekutive, als Redakteur des neuen Organs, wenn dies bewerkstelligt werden kann, Lawrence Groenlund, Verfasser von „Cooperative Commonwealth", zu gewinnen, welcher sich gegenwärtig in Europa befindet, um in England und Frankreich eine Reihe von Vorträzen zu halten. Die Annahme dieser Resolution erfolgte unter allgemeinen Beifallsbezeugungen. Ein sehr wichtiger Beschluß ist der auf die Programmänderung bezügliche. Das bisherige Programm der Partei war allgemein als unzulänglich befunden worden, und so nahm der Kongreß, nach ein- gehender Berathung. und auf Grund eines, von einer speziell zu diesem Behuf ernannten Kommission ausgearbeiteten Entwurfes am vierten Tage der Verhandlungen ein neues Programm an, dessen grundsätzlichen Theil wir hiermit wörtlich folgen lassen: „Platform der Sozialistischen Arbeiterpartei. Die Arbeit ist die alleinige Schöpferin aller Werth- und unserer ge- sammten Zivilisation. Äerechterweise sollten auch Diejenigen, welche die Arbeit thun und die Werths schaffen, die Früchte ihrer Arbeit genießen. Dies wird aber unmöglich gemacht durch die Art der heutigen Pro- duktion, welche seit Entdeckung der Dampfkrast und Einführung des Maschinenwesens im Allgemeinen auf allen Gebieten durch Anwendung riesiger Arbeitsmittel, die zu besitzen nur Wenigen möglich ist, geführt wird. Diese moderne Art der Produktion trägt in sich nur eine Seite der genossenschaftlichen Arbeit, nämlich die, daß nicht, wie früher, der Ein- zelne für sich selbst arbeitet, sondern daß Dutzende, Hunderte oder Tau- sende in Werkstätten und Fabriken. Minen und auf Riesenfarmen und großen Länderkomplexen gemeinschaftlich und unter zweckmäßigster Ein- theilung der Arbeit schaffen,— daß aber die Resultate ihrer Arbeit nicht ihnen selbst voll zu Gute kommen, sondern gröhtentheils den Besitzern der Arbeitsmittel, der Maschinen, Fabriken, der Minen, des Grund und Bodens. Dieses System schafft nothwendigerweise unter allmäliger Vernichtung des Mittelstandes zwei verschiedene Klassen von Menschen: die der Lohn- arbeiter und die der großen Bosse(Prinzipale). Es geht aus diesem System aber ebenso nothwendiger Weise hervor: Die Planlosigkeit der Gesammtproduklion, Die Vergeudung der Natur- und Menschenkräfte, Die Krisen der Produktion und des Handels, Die beständige Ungewißheit der materiellen Existenz der Lohnarbeiter, Das Elend der Proletariermassen und Di« ungeheure Reichthums-Ansammlung in den Händen Einzelner. Diese Behauptungen werden genügend bewiesen durch die heutige Lage der arbeitenden Klassen, welche inmitten ihrer eigenen reichen Produkte im Zustand der Armuth und erniedrigender Abhängigkeit leben. Wäh- rend die härteste und unanqenehmste Arbeit dem Arbeiter nur die nöthigsten Lebensbedürfnisse gewährt, schwelgen Diejenigen, welche nur wenig oder gar nicht arbeiten, im Ueberfluß von Arbeitsprodukten. Ein solcher Zustand,- welcher sich unter dem gegenwärtigen System stets verschlimmern muß. widerstrebt den Interessen der Menschheit und den Grundsätzen oer Gerechtigkeit und der wahren Demokratie; er ver- nichtet jene Güter, auf welche, nach den Worten der Unabhängigkeits- klärung der Vereinigten Staaten, jeder Mensch ein unveräußerliches Recht hat, nämlich: Leben, Freiheit und das Streben nach Glück- seligkeit. Er verkürzt und gefährdet das Leben durch Roth und Elend, Er vernichtet die Freiheit, denn die wirthschaftliche Abhängigkeit der Lohnarbeiter von den Besitzern der Arbeitsmittel hat auch ihre politische Abhängigkeit unfehlbar im Gefolge, Er macht das Streben nach Glückseligkeit hinfällig, denn keine Art von Glückseligkeit ist denkbar unter steter Bedrohung des Lebens und Aufqebung ver periönlichen Freiheit. Um di-i-m entwürdigenden Zustand der Dinge ein Ende zu machen, erstreben wir die Einführung des vollen Systems der genossenschaft- lichen Arbeit; d. h. wir v.rlangen, daß den Arbeitern auch die Re- j u l t a t e ihrer Arbeit voll und ganz zu Gute kommen. Da« ist aber nur möglich, falls die Arbeitsmittel in den Besitz der Arbeitenden gelangen. Wir fordern daher: Die Verwandlung des Privateigenthums an Grund und Boden, den Arbeitsinstrumenten(Maschinen, Fabriken u. s. w.) und den Produktions- Erzeugnissen in Gemeinbesitz, und damit: Die genossenschaftliche Produktion, wie die genossenschaftliche, den Leistungen und gerechten B dürfnlssen der Einzelnen entsprechende Ver- therlung der Güter unter Leitung der organisirten Gesellichast. Die Sozialistische Arbe terparter begründet ihren Namen als Arbeiter- Partei aus dem Bewußtsein der Unterdrückung der Klasse der Lohn- arbeiter durch die Klasse der Kapitalisten. Wir erstreben zwecks Verwirklichung unserer Forderung die Erin- negung der politischen Macht mit allen zweckmäßigen Mitteln/'-- Aus den„Sozialistischen Forderungen für die Gegenwart", die den zweiten Theil des Programms bilden, heben wir folgende hervor: 1) U e b e r n a h m e der Eisenbahnen, Kanäle, Telegraphen, Telephone und sonstiger über das ganze Land sich erstreckenden Kommunikations- Mittel durch die V e r. Staaten. 2) Uebernahme der städtischen Straßenbahnen, Fähren und des öffentlichen Beleuchtungswesens durch die Gemeinden. 3) Unveräußerlichkeit aller öffentlichen Ländereien und Ver> Pachtung derselben nach noch näher festzustellenden Grundlätzen. Wider- ruf aller Landverkäufe und Schenkungen seitens der Ver. Staaten an Korporationen oder Einzelne, deren Verkaufs-, resp. Schenknngsbeding- ungen nicht erfüllt wurden oder welche sonst rechtlich hinfällig sind. 4) Alleiniges Recht der Geldausgabe durch die Vereinigten Staaten. 5) Regelung der Wald- und Wafferwirthschaft nach wissenschastlichen Grundsätzen, sowie Verbot der Vergeudung von Raturlräften mittelst Ver. Staaten-Gesetzgebung. K) Das Recht der Expropriation in Kraft stehender Patente durch die Ver. Staaten, sowie Freigebung neuer Erfindungen mit Gs- Währung von Nationalbelohnung an den Erfinder. 7) Gesetzliche Bestimmung, daß die Wohnungsmiethe nicht einen noch näher zu bestimmenden Prozentsatz des von den Gemeinden abzu schätzenden Werthes der Gebäude überschreiten darf. 8) Die Pflicht der Anordnung öffentlicher Arbeiten zu Zeiten sozialer Rothstände. Die übrigen Forderungen sozialer Natur betreffen den Arbeiterschutz und entsprechen mehr oder minder den verschiedenen in dem Gothaer Programm hierher gehörigen Forderungen. Erwähnt sei nur noch Punkt 16.„Verminderung der Arbeitszeit im Verhältniß zu den Fort- schritten der Produktion, Feststellung eines normalen Arbeitstages von höchstens acht Stunden für alle Jnvustriearbeiter, sowie entsprechende zweckmäßige Einrichtung für alle ländlichen Arbeiter— durch Vereinigte Staaten Gesetzgebung." Die wesentlichen politischen Forderungen sind: Aufhebung der Präsidentschaft und des Senats; gleiches und direktes Wahlrecht ohne Unterschied der Rasse, der Nationalität und des G e- schlechts; Minoritäten- Vertretung; direkte Gesetz- gebung; Verantwortlichkeit derVolksvertreter; ein- heitliches Recht innerhalb der Vereinigten Staaten; Trennung aller öffentlichen Angelegenheiten von der Religion; Besteuerung des Kircheneige nthums(Punkt 7); einheitliche Ehegesetzgebung und Lösbarkeit derEhe bei gegenseitigerEin- w i l l i g u n g unter Vorsorge für die Kinder. Mit Bezug auf die Bewafsnungsfrage wird folgende Resolu- tion angenommen: „In Erwägung, daß die Sozialistische Arbeiterpartei schon in ihrem Baltimorer Manifest vom Dezember>883 ausdrücklich daraus hingewiesen hat, daß bei fortschreitender Entwicklung der Arbeiterbewegung die Geg- ner derselben zu Mitteln der Gewalt und des Betruges greifen werden, In fernerer Erwägung, daß sich dieser Hinweis in den letzten Jahren bei vielen Gelegenheiten in der eklatantesten Weise bewahrheitet hat, In fernerer Erwägung, daß sich neuerdings bei den herrschenden und gesetzgebenden Klaffen die Tendenz geltend gemacht hat, das durch die Konstitution gewährleistete Recht resp. die Pflicht, Waffen zu tragen und sich in dem Gebrauch derselben zu üben, zu beeinträchtigen, Sei es beschloffen, mit Hinweis auf die früheren(oben erwähnten) Kundgebungen der Partei die Arbeiter aller Orten aufzufordern, das Recht der Bewaffnung in ihrem Interesse m ö g l i ch st aus- z u n u tz e n und daffelbe unter allen Umständen und m i t allen Mitteln zu vertheidige n." Schließlich sei noch folgende Resolution hervorgehoben: „Der Kongreß beschließt, die organisirte Arbeiterschaft der Vereinigten Staaten aufzufordern, durch eine allgemeine Agitation die Frage der internationalen Arbeitergesetzgebung zu erörtern, um die Bestrebungen der Schweizer resp. der Ver. Staaten Regierung, welche sich zu dieser Frage günstig gestellt haben, zu unterstützen." Sitz der N a t i o» a l- E x e k u t i v e der Partei bleibt N e w- D o r k, als Sitz des Aufsichtsraths wurde Cleve land(Ohio) gewählt. In einer am dritten Tag abgehaltenen Massenversammlung entwickelten die Genoffen S e u b e r t(früher in der S ch w e i z thätig), K e i t e l(Berliner Ausgewiesener) und A l. Jonas(Redakteur der „New-Porker Volkszeitung") unter großem Beifall die Grundsätze unserer Partei, wie der Kongreß auch wesentlich dazu beigetragen hat, die sozia- listischen Ideen in den amerikanischen Kreisen Cincinnati's zu ver- breiten und so die beste Propaganda für die Partei zu machen.„Wäh- read die deutschen kapitalistischen Blätter Cincinnati's"— schreibt der Berichterstatter der„New. Iorker Volkszeitung"—„schon wohl oder übel ihren Lesern Berichte über die Verhandlungen des Kongreffes bringen mußten, lieferten die englischen Blätter täglich spaltenweise darüber und oft sehr gute und objektiv gehaltene Berichte. Korrespondenzen. Achim, im Oktober. Auch wir sehen uns veranlaßt, einmal das Parteiorgan in Anspruch zu nehmen. Vor ungefähr zwei Jahren waren hier mehrere Arbeiter ohne Arbeit. Die Leute hatten, wie es bei Ar- beitern, wenn sie außer Arbeit sind, ja sast immer der Fall ist, nichts zu effen. In der Roth schmuggelten dieselben(wir sind hier nahe bei Bremen) Tabakstengel, und es dauerte nicht lange, so hörte man von nichts anderm reden als von der Schmuggclbande. Eines Morgens lief denn auch die traurige Nachricht hier ein, daß man einen Schmuggler erschossen hätte, und zwar war der Betreffende ein junger, erst seit einigen Monaten verheirateter Mann. Das Schmuggeln hatte damit ein Ende, denn die Leute wolllen ihr Leben nicht wieder aufs Spiel setzen. Vor einigen Wochen nun hörten wir so ganz in der Stille, daß man einen Doktor beim Schmuggeln von Kaffee abgefaßt hatte. Trotzdem nun hier blos zwei Aerzte sind, konnten wir doch anfangs nicht in Erfahrung bringen, welcher von den beiden es war, so geheim wurde die Sache gehalten. Erst nach einigem Forschen brachten wir es her- aus, daß Dr. Hottendorf, genannt„Wilhelm Doktor", der Schmugg- ler gewesen war, und zwar in Kompagnie mit seiner Schwe- st er. Nun ist dieser Herr angestellter Bahnarzt, und hat somit die Fahrt zweiter Klasse von Achim bis Bremen frei— das heißt, der Herr fährt auf Staatskosten nach Bremen und betrügt den Staat. Das schönste kommt aber noch. Wir haben hier einen jungen Land- r a t h, der so eifrig ist wie nur irgend einer; wo es etwas zu schnuppern gibt, ist er sofort da, natürlich alles nur, um nach oben sich beliebt ma- chen zu können. Gleichzeitig nun, als wir erfuhren, daß der Doktor geschmuggelt hatte, wurde uns auch„ganz im Vertrauen" mitgetheilt, daß noch eine hohe Persönlichkeit, und zwar eine ganz hohe, beim Schmuggel abgefaßt worden sei. Das war aber auch alles, was wir wissen dursten. Wie es nun aber ist, wenn man etwas halb gehört hat, wir forschten unermüdlich weiter, bis wir die Sache endlich heraus be- kamen, daß es unser guter— Landrath(S t e g e m a n n ist sein Name) gewesen war, und nun dauerte es natürlich nicht lange, und es war Dorsgespräch, daß der Landrath einen Teppich, türki- schen Gewebes, geschmuggelt hatte. Der Herr war näm- lich mit eigenem Gespann in Begleitung seiner Frau nach Bremen ge- fahren. Als er dann auf der Rückfahrt in Sebaldsbrück das Steueramt paffiren wollte, wird ihm von dem dienstthuenden Beamten ein Halt! zugerufen, worauf er aus dem Wagen guckt und ruft:„Ich bin der Landrath aus Achi m." Der Beamte antwortet:„Und wenn Sie auch der Kronprinz von Preußen sind; im Namen des Ge� setzes, Sie halten!" Und siehe da, es wurde ein türkischer Teppich aus dem Wagen gezogen. Nun soll der Herr Landrath natürlich gar nicht gewußt haben, wie der Teppich in den Wagen gekominen, vielmehr hat die ganze Schuld der Kutscher, der hat den Teppich für sich schmuggeln wollen. Und warum auch nicht! Der Kutscher kann ja solche Teppiche anschaffen. Es sollen blos ungefähr 1000 Mark sein, die an Strafe bezahlt worden sind, und das ist für einen Mann, der die Woche zwölf Mark verdient und Familie hat, ja doch blos eine Kleinigkeit. Außer dem— Kutscher sollen noch mehrere Personen höhe- ren Standes beim Schmuggel abgefaßt worden sein, jedoch darüber haben wir genaueres nicht in Erfahrung bringen können. Sollte es noch ge- schehen, so werden wir uns wieder melden. Soweit hatten wir geschrieben, als wir hörten, daß der Landrath einige Leute wegen Verbreitung salscher Gerüchte angeklagt hat. Es ist auch unerhört, wenn die Leute sortgesetzt sagen, der Landrath hat ge- schmuggelt, wo es doch der Kutscher gewesen ist. Als der un- schuldige Landrath hörte, daß die Kinder aus der Straße sich vom Teppichschmuggel erzählen(von Kindern soll er es nämlich auch selbst gehört haben), soll er ganz außer sich gewesen sein. Wenn er nun dieses liest, mag er gar auf dem Teppich umhertanzen. Doch nun zu einem dritten Musterbürger. Wir haben hier einen neuen Pfarrer bekommen, und dieser Herr ist ein würdiger Ge- noffe der vorher Genannten, zumal er die Ausbeutung aus dem ff versteht. Es besteht hier in der Gemeinde die Unsitte, daß von sämmtlichen Personen im Kirchspiel, welche das 14. Lebensjahr überschritten haben, jedes Jahr ein gewisses Opfergeld verlangt wird. Als nun in diesem letzten Jahr einige Leute sich weigerten, das Opfergeld zu bezahlen, wurde von Seite des Herrn Pfarrer exekutorisch vorgegangen, doch hatte der Herr sich in dieser Sache leider sehr verrechnet. Als er nämlich gefragt wurde, ob es Gesetz sei, daß dieses Opfergeld erlegt werden müffe, erklärte er:„Wenn Ihnen das nicht recht ist, so treten Sie doch aus der Landeskirche aus, dann sind Sie ja von solchen Lasten ent- Kunden." Ein idealer Seelsorger, nicht wahr? Doch diese Art Leute haben bei solchen Aussprüchen immer ihren guten Grund. Würden hier nämlich viele Leute aus der Landeskirche austreten, so wäre man die bösen Sozialdemokraten aus dem Schulvorstand los, und das ist doch Ihr lebhaftester Wunsch— nicht wahr, Herr Pastor Krome? Verschiedene Personen haben gegen das exekutorische Vorgehen des Herrn Pastdr Krome Rekurs eingelegt, und siehe da— der Herr Pastor ist mit seiner Weisheit abgeblitzt. Das Mahnverfahren gegen die Anae- klagten ist eingestellt worden, und unser würdige Seelsorger inag sich sein Opfergeld nunmehr von unsern neuen Landsleuten in Afrika holen. Bei der letzten Reichstagswahl haben wir uns tapfer gewebrt; wir hatten nur eine öffentliche Wählerversammlung, in der Genosse K u n o aus Berlin referirte. Nach dreiviertelstündiger Rede wurde die Ver- sammlung von unser m Landrath(als abgesagter Schmuggel- f e i n d natürlich auch Gegner der„E i n s ch m u g g e l u n g" sozialistischer Ideen) aufgelöst, was erheblich dazu beitrug, daß wir ein so günstiges Resultat erzielten. Wir sind nämlich von 37 Stimmen der vorigen Wahl auf 106 gestiegen; die Welsen hatten 206 Stimmen und die Nationalliberalen 57 Stimmen. Q. ReichStagswahlkreis Bingen-Alzey. Bei der Reichstagswahl 1881 halten wir 245 Stimmen auf unseren Kandidaten vereinigt. Es war dies das erstemal, daß hier ein sozialdemokratischer Kandidat aufgestellt ward. Agitation war damals so viel wie gar keine. Voriges Jahr hatten wir 606 Stimmen. Die Agitation war bedeutend besser, und daß dieselbe sich für das nächstemal noch bedeutend heben wird, und wir die Ziffer 1000 überschreiten, dafür wird jetzt schon gesorgt. Da der ganze Wahlkreis gewissermaßen nur aus Landbevölkerung besteht, und die Industrie gering ist, so ist die Agitation eine ziemlich schwierige. Im Uebrigen liegen die Verhältnisse hier wie überall. Auf der einen Seite Reichthum und Uebermuth, auf der anderen Roth und Elend. Daffelbe Lied, wie wir es in jeder einzelnen Nummer unseres Partei- organs finden. Landkreis Köln, Mitte Oktober. Das Risiko der Arbeiter. Am 14. dieses Monats hat sich in der Keffelschmiede des Humbold- Werkes bei Kalk wieder einmal so recht. deutlich gezeigt, wie der Arbeiter heute in der Industrie seine Haut zu Markt tragen muß, und wie rücksichtslos die Ausbeuter und ihre Handlanger mit dem Leben des Proletariers umspringen. Schreiber dieses kennt die Verhältniffe des genannten Etablissements aus eigenen Erlebnissen sehr gut; und da ich dem Machtbereich der Beamten und Meister desselben nicht mehr ange- höre, so halte ich es für meine Pflicht, das im vorliegenden Falle in Frage kommende Opfer gegen die Lüqenberichte der Kapitalreptrlien in Schutz zu nehmen. Das edle Deutz-Kalker Makulaturblatt berichtete z. B. folgendermaßen über den Unglücksfall:„Der Bohrer Faßb. hatte das Malheur, von einem großen sogenannten U Eisen derart an den Kopf getroffen zu werden, daß infolge Schädelbruchs sofort der Tod eintrat. Das Unglück scheint der Arbeiter durch eigene Unvorsichtigkeit selbst verschuldet zu haben." Nun, dieses„selbst verschuldet" ist es, das mich veranlaßt, das Ver- halten gewisser betheiligten Personen einer Kritik zu unterziehen. Der Opfer, die dies Werk gefordert, sind nachgrade genug. Und hier sei der Staatsanwaltschaft der nöchige Fingerzeig gegeben, um dem humanen Meister Beck die gebührende Rücksicht auf das Leben seiner Arbeiter in empfehlende Erinnerung zu bringen. Bei Beck heißt es nämlich nur: Je mehr fertige Zentner herausgehen, umsomehr klingende Mark in meine Tasche eingehen. Und da werden denn Leute zu Arbeiten verwendet, die sie mit Aufbietung all' ihrer Kräfte nicht leisten können. So auch in diesem Falle. Eine geeignete Hülfe würde das Unglück zum Theil verhütet haben. Der Verunglückte, im Alter von 20- 22 Jahren, sollte ein T- Eisen von acht Zentner Gewicht und 7—8 Meter Länge allein bewältigen. Aus der Thatsache, daß gegen- seitige Hülfe selten stattfindet, weil sonst der Meister„donnerkielt", kann man schließen, mit welcher Angst dort gearbeitet wird. Jndeß gelang es dem erwähnten Arbeiter doch, zwei Mitarbeiter zu gewinnen, die ihm helfen sollten, das Stück Eisen zu verschieben, damit die andere Seite gebohrt werden könne. Im guten Glauben, die Betreffenden wollten ihm auch richtig helfen, da sie das Stück anfaßten, wollte der Unglückliche es seinerseits zurückschieben. Da kantete es um, fiel vom Tisch und mit dem Arbeiter zur Erde, zerdrückte ihm den Schädel— ein junges Pro letarierlcben war dahin. Das ist das„selbstverschuldet" des Schand- und Schundlügenblattes „Deutz Kalker Zeitung". Nun, Herr Staatsanwalt und Sie, neugebackener Feuerwehrhauptmann und Kommissar, wißt Ihr auch, wie die„selbstverschuldeten" in natura dort vollbracht werden. Wann nicht direkt, so doch indirekt. Und zwar durch die bodenlos niederträchtige Tyrannei des Meisters Beck. Glauben Sie, edler Fabrikpascha, etwa dadurch Ihre Arbeiter zu gewinnen? Ja, einschüchtern; das ist aber Alles. Oder glauben Sie etwa, daß Sie dies- mal auch so glatt davonkommen wie bei der elenden Rolle, die Sie bei der Gasexplosion desR. spielten? Nebenbei bemerkt, eines Ihrer„Brü- der oder Bekannten". Sie versuchen jetzt, glauben zu machen, respektive lassen von Ihrem in Hundedemuth kriechenden Denunzianten, dem Schrei- ber V o g t, die Worte in den Mund legen,„daß die Schraube schuld war", daß der Verunglückte sich ja beim Meister hätte Hilfe holen kön- nen u. s w. Aber ist der famose Schandpsahl vor Ihrem Glaskasten so rasch in Vergessenheit gerathen? Ist die Aussage des Jungen nicht treffend:„Ja, Meister, wir sind zu bang zum'reingehen!" Deshalb warten die Arbeiter stundenlang vor Ihrem Glaskasten; nimmt sich aber einmal einer das Herz und geht doch zu Ihnen hinein, dann heißt's: 'raus Sie Lump, Sie Vagabund, Sie Faullenzer, Sie Spitzbub u. s. w. Der Hundefänger behandelt die eingefangenen Hunde besser als Sie Ihre Arbeiter. Trugen nicht die Zeugen bei der Vernehmung in Ihrem Beisein den Stempel der«engstlichkeit deutlich zur Schau? Herr Kam miffar, wozu mußte da der Lenk anwesend sein? Welch horrende Zahl von Unfällen hat die Ausbeutungswuth dieses Beck nicht schon nach sich gezogen! In 14 Tagen vier, und einen Todes- fall! Freilich, Herr Beck, Sie wissen nur zu gut, daß die Mehrzahl Ihrer Arbeiter eine willenlose Masse ist, gleich denjenigen, die vor der Hostie ihr Kreuzchen schlagen. Sonst würden Sie sie nicht 14— 16 Stunden wahre Zuchthausarbeit verrichten lassen, für einen Lohn, der unter allem Luder ist. Und die Arbeiter Becks verdienen den schweren Vorwurf, daß sie es fast nicht besser verdienen. Denn unter ihnen herrscht ein Unver- stand und ein, von Beck und seinem„Zuchthäusler Vogt" großgezogenes Denunziantenwesen, daß jeder Versuch, bessere Zustände zu schaffen, im Keim vereitelt wird. Daß Sie, Herr Beck, an Ihren Arbeitern im Ver- hältniß zu andern Meistern auch einzelnes Gute erwiesen, sei anerkannt, aber ein Streber der niedrigsten und gefährlichsten Sorte sind Sie doch. Und deshalb soll durch dieses Schreiben eine zweit- Katastrophe ä la Hild und Metzger verhütet werden. Man spielt nicht mit Gesundheit und Leben der Arbeiter SechsundsechSzig. Die Arbeiterwelt soll Kenntniß erhalten, so auch hauptsächlich die westfälische, mit der Sie jetzt ja so sehr lieb- äugeln, damit sie sich dazu hergebe, Ihre alten, Ihnen lästig gewor- denen Arbeiter hinauszudenunziren. Ich stehe mit unleugbaren Thatsachen sofort zu Diensten, sobald be- sonders Maßregelungen eintreten, denn es werden doch Unschuldige ge- troffen; und dann, um so rücksichtsloser'raus mit den Schwindel Spie» „Säufer vardon Fauser" und Konsorten. Eine offene Frage: Wo ist und bleibt der Fabrikinspektor in einem Werk, wo Tag und Nacht, auch Sonntags, gearbeitet wird; wo dem Meister Schutzvorrichtungen„spanische Dörfer" sind, wo jugendliche Ar- beiter zu Arbeiten verwendet werden, die in keinem Verhältniß stehen zu ihrer Körperkonstitution? Wo sind die Hebewerkzeuge bei so schwere» Stücken? Dieser Unfall hätte nicht paffiren können, wenn das Stück>» den Flaschenzügen gewesen wäre. Ach, richtig, die waren wieoer im Magazin zum Verrosten. Auch Ihnen, Herr Inspektor, soll nächstens freundliche Aufmerksamkeit geschenkt werden. Fangen Sie in der Kessel- schmiede H. am ersten Thor an, und es vergehen 14 Tage, bis Sie mit Ihren Anordnungen zum Schutze der Arbeiter fertig sind, um zum obersten Thor hinauszukommen. Sehen Sie dann noch etwas links und rechts, fallen selbst'mal etwas an und hin, dann wird sichs schon machen. Oder ist das Werk von der Unfallanzeigepsiicht dispensirt. Oder sind die Herren vielleicht mit der Behörde so kasinofreundlich geworden, daß ei nicht nöthig ist, zu melden, bevor Einer kaput ist? Zum Schluß noch ein Wort an Euch, Ihr zwei mitschuldigen Arbeiter! Bleibt bei der Wahrheit und laßt Euch nicht beeinflussen! Letzte Nachricht. — Herr Dr. Abelen, der sächsische Justizminister, hat das frei- sprechende Urtheil im Chemnitzer Soziali st enprozeß nicht verwinden können, der Schlag war zu hart für ihn. Das Reichsgericht soll Rath schaffen. Auf sein Geheiß hat der Chemnitzer Staatsanwalt die Revision des freisprechenden Urtheils beantragt. Warnung. Der Weber Ernst Funk aus Plauen i/V.(Sachsen) hat hier unter dem Vorgeben, daß er Parteigenosse sei, sich Unterstützung erschlichen und Schulden kontrahirt. Nach eingezogenen Erkundigungen hat pp. Funk gar nichts mit der Partei zu thun, und sind wir deshalb verpflichtet, vor diese« Schwindler öffentlich zu warnen. Die Genossen in Göppingen(Württemberg). Bricfkaft-m der Redaktion: Dresden, Kessel st adt, Neustadt an d. H., Rendsburg, Burgstädt ic.: In nächster Nr. der Exvedition: Angler: Fr. 22 07(Mk. 17 65) pr. Abon. 6- Qu. erh. Alles Weitere notirt. Reklamirtes fort. Am lg/10. K. ab- — R. I. Kphgn.: Fr. 2 50 Ab. 4. Qu. erh.— Schbtz. Zch.: Fr. 2- Ab. 4. Qu. erh.— Hohenstein Ernstthal: Anonymes, und obendrein Derartiges, kann nicht berücksichtigt werden. Beweise und Zeugen nennen Sie uns durch einen der von Ihnen erwähnten Vertrauensleute, der auch S i e schriitlich rekognosziren mag.— L. I.-YI.: Mk. 300— ö Cto. erh. Vorschr. beachtet. Bstllg. folgt.— Schwalbe: Mk. 8— Ab. Z- Qu. u. Schst. erh.— Veritas: Mk. 28— erh. Bf. erw.— C. M. Z-t öwsl. 21- f. Schf. erh.— Claus Groth: Mk. 50- ä Cto. Schft. erh. Bstllg. folgt. Beil. besorgt.— A. G. H. a N.: Mk. 5— ä Cto. Sd. Bbthk. erh. Alles beachtet.— Gracchus W.: Mk. 70 55 Ab. 3. Qu. m Schst. A. erh. u. Grchng. gutgebr. Bstllg. folgt. Mit Auszg. am 21/10. Weiteres.— Dr. V. M. W.: Fr. 2 10 f. Schft. erh.— H. S. I.: öfl 11— h Cto. Ab. erh. Ab 1/9. berechnet. Adr. rc. vorgemerkt.— D« Alte Gz.: Mk. 25— ä Cto. Ab. ic. erh. Bfl. mehr.— Frankeneck Pfalz: Mk. 2— pr. Ufd. dkd. erh.— Zürich: Fr. 50— v. Zentral- verband der Schuhmacher in der Schweiz f. d. Kopenhgr. dkd. erh. � F. S. Mm.: Mk. 4 30 Ab. 4. Qu. erh. Adr. nach Wunsch.— I. Mz-l Mk. 3— Ab. 4. Qu. erh. Bstllg. notirt.— Marat: Bstllg. flgt. Caff« erwartet.— t-g. Pfc.: Mk. 18— Ab. 4. Qu. erh. Adr. geordnet.-- F. I. N. Koldg.: Mk.—30 pr. 1 S. erh.— Alter Unverbesserlicher: Mk. 10 30 Ab. 4. Qu. erh. Bstllg. flgt.— Dtschr. Ver. Frauenseld: Fr. 11 25 Ab. 3. Qu. erh.— Rothschwanz: Mk. 18— f. Schst. erh. Reicht trotz Abzug nicht.— Lustige Brüder i/E.: Fr. 103— pr. Wahl- flugbl. durch L. erh.— Rother Apostel: pr. Mk. 230— Ab. 4. Qu. u. Bf. v. 23/10 erh. Adr.-c. notifizirt. Vfl. Weiteres.— Rother Hahn: Mk. 22 80 Ab. Rest 2. u. pr. 3. Qu. erh. Adr. notirt.— Feuerblume.: Mk. 7— f. Schft. erh. Ggrchg. notirt. Bstllg. folgt.— Mauerbrecher.: Mk. 15— ä Cto. Ab. w. erh. Alles beachtet.— Verrina: Mk. 3— Ab. 4. Qu. K. erh. Auch Rs. eingetr. u. besorgt. Bstllg. folgt.— Ruprecht: Mk. 81 80 ä Cto. alt u. pr. Ab. 3. Qu. erh. Werden berichten.— A- N. E.: Mk. 4 30 Ab. C. 4. Qu. erh.— Zürich: Fr. 10— v. Schndr.» fachver. f. d. streik. Kophgr. dkd. erh. u. besorgt.— Rother Holländer H.: Mk. 3— Ab. 3. Qu. u. Mk. 1— f. d. Kophgr. dkd. erh. Beabst ch' tigtes Ins. gut. Haben D. benachrichtigt.— Dittersbach: Am 22/10. ist Gewünschtes abgg. So schnell schießen die Preußen denn doch noch nicht.— Nova: Mk. 75 55 pr. Schst. u. div. Ab. 3. Qu. erh. Adr. geordnet. Mittheilung an Fd. sehr erwünscht.— Leipzig: Mk. 4 45 „für eine Depesche an Bismarck aus Leipzig" dankend erhalten.-- Pickelhaube: Fr. 152— ä Cto. Ab. ic. erh. Mehrbstllg. fort. Weiteres folgt.— F. Hz. M. Gdb.: Mk. 3— Ab. 4. Qu. erh.— Dr. Regiomon- tanus: Mk. 100— ä Cto. Ab. ic. erh. Weiteres lt. Bf. v. 22/10. ge- ordnet. Ers. 42 fort.— Johannes B.: Mk. 6— Ab. 4. Qu. 85 und 1. Qu. 86 erh. Mk. 2— pr. Usds. dkd. verw.— H. G. Zst.: Fr. 5 42 Ab. 4. Qu. u. P.-K. erh.— Clara: Mk. 180— k Cto. Ab. erh.— M. P. Rbg.: Mk. 41 90 Ab. 3. Qu. u. Rest erh. Gewünschtes abgg.— A. Höhne N.-Pork: Fr. 253 15 ä Cto. Ab.-c. erh.— Zürich: Fr. 20— v. d. Metallarbgen. f. d. streik. Kopenhagener dkd. erh.— Dr. V. A. W.: Fr. 2010 pr. Ab. 8. u. 4. Qu. 85 u. 1. u. 2. Qu. 86 erh. u. davon verbleibende Fr. 5 30 pr. Bblth.-Cto. qutgebr.— C. B. A.: Mk. 4 40 Ab. 4. Qu. erh. u. 58 Pfg. pr. Ufds. dkd. verwendet.— Z. Schaff- Hausen: Fr. 32— pr. Ab. 3. Qu. erh.— Feldjäger a. d. bl. Donau: Mk. 6— Ab. 4. Qu. erh.— K. Werner jr.: Bf. v. 23/10. hier und dementspr. disponirt. Zugesagtes bestimmt erwartet. Beil. dkd. abgelft.— Carbonaro: Nach Vorschrift verfahren.— Aufforderung. Der Steinmetz Igel(Dresden), wird ersucht, an Unterzeich« neten seine Adresse einzusenden. Bernhard Fischer, St. Louis(Mo.), 800 Geyer Avenue. Gesuch. Für einen vielfach g-maßregelten Arbeiter(Bergmann), an schwere Arbeit gewöhnt, besonders auf Brunnenarbeit(Ab- teufen, Reinigen. Ausbessern ic.) geübt, suchen wir Beschäftigung, sei es, wo es will. Der Betreffende steht noch in mittleren Jahren und s ch e u t k e i n e Arbeit. *«kpediti,» de» Sisialdemikrat. Oommun. Arb.-Bildungs-Verein vu 49 Tottenliam str Tottenham Court Road W. Die'Wirthachaft des Vereins ist geöffnet täglich von Morgens g Uhr bis Abends 12 Uhr. Zoreisende Genossen werden ersucht, auf unsere Adresse genau zu achten. Der Vorstand. Schweijerische«en-fienschifts-Buchdruiterel Hi>Mng«»-Ziirtch.