Dil i d« illi? (er« }jja I-ili» hst« Krscheiut wich»«tltch tu Zürich(Schweiz). Aertag der �»lk»buchhandl««g Hottingen»Zürich. Ioßstlldiilll» franko gegen franko. Gewöhnliche»riefe »ach»er Schwell>»Iten Doppelpotto. MMmckmt .mtrat-Argan der deutschen Sozialdemokratie. Kvonnements werden bei alle» schweijerifche» Postbureaur. sowie beim Verlag und dessen bekannien Agenten entgegengenommen, und jwar zu« vora n»> ahldare« vierteljahriprei» von: Fr 2— siir die Schweiz llkreuzbaud) Mk S— für Deutschland(llouvettf fl. 1.70 für Oesterreich< Kr. 2 so siir alle übrigen Länder de» Weltpostverein»(ltreuzband). ?»ser«te die dreigeivaltene Petitzeil« LS St».--- 20 Pfg. � T7. Donnerstag, t9. November 188.?. A>»i» a« die Astonuenten und Kgrrespondcnten d»„Soziatdemotrnt." ».«awobl IN Deutichland al» auch in Oesterreich»erbaten ist. be,w»eriolgt wird und die dortigen.-l» mSglich an den.Kozi-ldemokra«. resp. deffen Verlag selbst adrestiren. sondern fich mbglichst an irgend ein« nnverdächttt« >I»»»>>�.»» Veebindnnaen nach jenen Ländern mbglichst ,n erschweren, resp«ttefe von dort an UN» � Abreise außerhalb Teutschland» und Oesterreich» wenden, welche fich dann mit UN» in Verbindung seßi; anderseits aber, dal fich alle Mühe geben. un)ere Zvervmoungen na� Yn*r �" 5'' i» 5.. tm MaUver'ebe notbwendia und 5 ,.«»«..».»..«�..»....1---<*,.......--- 0----*■- 9 „V It T; ,v V irivfb»orrfsirrn, Ivnorrn ncy mogucyfl an lrqenv eme unverda Adreste außerhalb Teutschland» und Oesterreich» wenden. welche fich dann mit un» in Verbindung seht anderseiii aber bäst auch un» möglichst unverfängliche Zustellungiadressen mitgetheil« werden. In zweiselhasien Fällen empfiehlt fich behuf» größer«, u.ÄÄL J'lÄa.nuiTUIl?«0,,i.ri«n UN» lieg, werden wir gewiß weder Müh. noch«offen scheuen um trotz aller entgegeu. stehenden Schwierigkeit-n den.Sozialdemokrat- unseren Abonnenten möglichst regelmäßig zu liefern bei sei!' er« nter f w. rein idelt für im chs- seit ehrt er !este iter- mpt rbel er> tnd ihm stich c« tat» ruf' eil 2.): Sie ZU »e». oet oM atz» an« sltr rh- -tr. at. ster ige aft Sd. ich- lnd 7S >nd R. cn. ts. stu. L.: 7S in» il« zf» rt on m» est rt. lu. jer tu* uf an r: ck- r) m ia n. g- x: v. t; Varteiqenoffen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht � Ueber den Normalarbeitstag. V. (Nachwort). Durch den in Nr. 45 des Parteiorgan« schon behandelten Zugriff des zu München erscheinenden„Recht auf Arbeit" M sich ein kurzes persönliches Nachwort der unter dem �itel:„Ueber den Normalarbeitstag" veröffentlichten Artikel ttvrhwendig gemacht. Meine, der Redaktion des„Recht auf Arbeit" eingesandte Erklärung finden die Leser des Parteiorgans an anderer Stelle svergl. Nr. 46, Sozialpolitische Rundschau) abgedruckt. . Ursprünglich hatte ich die Absicht, in dem Parteiorgan noch sine ausführliche Antwort zu bringen, allein da die Redaktion bereits eingehend geantwortet hat, und ich in meiner Broschüre �ich ohnehin mit den gegen mich gerichteten Angriffen und �orwiirfcn beschäftigen muß, so stehe ich ab und begnüge mich bamit, die obige Erklärung in einigen Punkten zu ergänzen. Nachdem ich im Artikel I die Bedeutung und außerordent- iichm Vortheile des Normalarbeitstags skizzirt hatte, wandte sch mich in meinem z weiten Artikel gegen eine bestimmte �rige Auffassung des Normalarbeitstages. Und zwar Siegen die in der Schrift:„200,000 Vagabunden" wie folgt iuin Ausdruck gelangte: „Ein einfaches Rechenexempel beweist die Möglichkeit der vermehrten Arbeitsgelegenheit bei Einführung des Normalarbcitstages. Gesetzt ein Fabrikant beschäftigt 100 Arbeiter per Tag 11 Stunden. Wollte er nun im Normalarbeitstage von 10 Stunden dieselbe Masse von Arbeit wie vorher zu 11 Stun- den liefern, so müßte er 10 Arbeiter mehr ein- stellten, d.h. 10„Vagabunden" würden von der Landstraße in die Fabrik gezogen, sich in„or- dentliche" Arbeiter verwandeln." Diese Auffassung, mit den ihr zu Grunde liegenden und anhängenden Jrrthümern, habe ich bekämpft. Und ich folge den Verfasser der Notiz im„Recht auf Arbeit", ob er b'e in jenem Passus ausgedrückte Auffassung für richtig hält oder nicht? Ja oder Nein! Ist sie richtig, ja nun, dann muß ich mich aller- bings schuldig bekennen, und mit mir zugleich die ganze Sozialdemokratie, denn unsere ge- lammte Lehre und unser gesammtes Lehren war von A bis Z ein großer Jrrthum, eine große Irrlehre. Oder ist's etwa möglich, zwischen den Hörnern des Dilem- blas hindurchzuschlüpfen? Kann es ernsthaft bestritten werden, daß, wenn der Nor- Uialarbeitstag die ihm in jenem Zitat zugeschriebene Eigenschaft besäße, die Lösung der sozialen Frage durch den Normalarbeitstag auf dem Boden der kapita- iistischen Produktion gegeben wäre? Wenn aber die in jenem Zitat enthaltene Auffassung falsch, und die in meinen Artikeln zum Ausdruck gelangte sozial- demokratische Auffassung die richtige ist, dann hatte ich auch nicht blos das Recht, sondern die Pflicht, solchen Jrrthümern entgegenzutreten. Glaubt man, die deutschen Arbeiter würden sich für den >v irklichen Normalarbeitstag weniger eifrig ins Zeug legen als für ein Phantom von Normalarbeitstag? Das hieße ihnen ein schlechtes Zeugniß ausstellen. Die englischen Ar- beiter kämpften ein Menschenalter für die Zehn- st u n d e n b i l l, sie dachten nicht daran, daß durch dieselbe allen Unbeschäftigten Arbeit geschafft würde. Sie kämpften für den Normalarbeitstag, weil sie sich regeneriren, als Men- schen und al« Klasse sich retten wollten. Ich dächte, das wäre genug. Und ein tausendmal mächtigerer Stachel, al« jenes Phantom ihn hat. Ein Kampf ums Sein. Und wie dem sei— unsere Partei muß vor Allem wahr sein. Wir dürfen die Massen nicht durch falsche Vorspiegelungen zu ködern suchen. Bauern- und Arbeiterfängerci find Kunststückchen, welche die Sozialdemokratie ihren Feinden überlassen muß. Nodlsua« oblige. Wir sind stolz auf die Wahrheit, welche >vir vertreten. Und in dem Vertreten der Wahrheit liegt unsere Stärke. Die Wahrheit aber ist nur eine: nur die volle, ganze, ungetheilte, unverwässerte Wahrheit ist Wahrheit. I Wodurch haben die deutschen Arbeiter zu dem Glauben , Anlaß gegeben, sie könnten die Wahrheit nicht vertragen? Ich habe im Gegentheil gefunden, daß wir die Massen um so leichter gewinnen, je rückhaltloset wir die Wahrheit sagen, und je klarer und schärfer wir unsere Anschauungen darlegen, je unverhüllter wir unsere Ziele hinstellen. Daß ich praktischem Handeln nicht abgeneigt bin, habe ich bei hundert Gelegenheiten bewiesen. Aber zwischen praktischer und opportunistischer Politik ist ein Himmel- weiter Unterschied— der nämliche, wie zwischen Klugheit und Pfiffigkeit. Die Klugheit siegt durch Benützung der Umstände. Die Pfiffigkeit überlistet in letzter Instanz stets sich selbst. Wir müssen praktisch sein, und ich denke, wir sind es. Vor dem Opportunismus wird der gesunde Sinn der Partei uns bewahren. Das Schicksal der opportunistischen Parteien in Frankreich und Deutschland ist ein mvmönto, das an uns nicht verloren sein soll. Kürz—' seien wir wahr, wie in Allem, so auch in der Frage des Normalarbeitstages; und muthen wir den deutschen Arbeitern kein Opfer des Intellekts, der deutschen Sozialdemokratie kein Opfer des Prinzips zu! B o r s d o r f, 10. November 1885. W. Liebknecht. In Sachen Lieske. Der Pariser„Cri du Peuple" veröffentlichte vorige Woche einen Brief von Julius Lieske an seinen Bruder Karl Lieske(dalirt aus Wehlheiden, den 25. Oktober), der zum Theil bereits von der Tagespreffe wiedergegeben worden ist, auf den zurückzu» kommen wir aber für unsere besvudar.. Pflicht halten, da es. sich hier darum handelt, die Hinrichtung eines aller Wahrscheinlichkeit nach unschuldig Verurtheilten zu verhindern. Ehe wir auf den Brief selbst eingehen, wollen wir zuvor einen bei- läufigen, aber für uns nicht ganz nebensächlichen Punkt erledigen. Im „Cri du Peuple" steht, daß Karl Lieske„vergeblich an den Thüren aller Parteiblätter, sowohl hier als dort, angeklopft habe, überall habe man ihn zurückgewiesen, um die Legende nicht zutödte n." Wir wiffen nicht, welche Parteiblätter hier gemeint sind, wollen aber doch konstatiren, daß K. Lieske bei uns nicht angeklopft hat. Wir haben keine„Legende" zu zerstören. Unser Urtheil über das Rumpff Attentat wird dadurch in keiner Weise modifizirt, daß Julius Lieske an dem» selben durchaus unbetheiligt ist, vielmehr haben wir schon bei Besprech- ung des Prozeffes Lieske energisch betont, daß die Schuld des angeblichen Attentäters durch die Gerichtsverhandlungen in keiner Weise festgestellt worden ist. Laffen wir nunmehr den Brief folgen. Er lautet mit Weglaffung aller unwesentlichen Stellen: „Wehlheiden, den 25. Oktober 1885. Mein geliebter Bruder I Deine Postkarte habe ich erhalten, aber Deinen Brief hat man mir nicht gegeben, weil Du in demselben zu schlecht von den Gefängniß» beamten sprichst. Auch habe ich nicht erfahren können, was Du inir darin mittheilst. Wenn Du meinen Brief bekommst, lieber Bruder, schreibe mir, bitte, noch einmal, aber in einem anderen Ton. Wenn ich noch auf der Welt bin, werde ich Dir sofort antworten. Es hat mir nicht an Lust gefehlt, Dir zu schreiben, aber Du weißt, wie die Dinge liegen. Vor Allem will ich Dir sagen, wie es mir geht. Ich werde hier in Wehlheiden sehr milde behandelt. Aengstig« Dich also nicht, ich befinde mich sehr wohl. Die Zeit wird mir nicht zu lang. Nur die Nächte sind lang: von 7 Uhr Abends bis 8 Uhr Morgens, das ist«ine schöne Zeit. Und Sonntags von 8 bis 8 Uhr! Dabei sind die Betten hart wie Holz! Allerdings gewöhne ich mich allmälig daran..... Du hast gewiß meine Verurtheilung zum Tode erfahren. Lieber Bruder, wenn ich die That begangen hätte, hätte ich die Strafe ver- dient; aber ich schwöre Dir, lieber Bruder, ich habe es nicht gethan und nicht einmal dabei geholfen; sie haben einen Unschuldigen verurtheilt. Wird da« Urtheil vollstreckt werden? Ich weiß es nicht, aber ich denke, in sechs oder sieben Wochen wird es entschieden sein. Mein geliebter Bruder, wenn ich trotz meiner Unschuld hingerichtet werde, so verachte mich darum nicht; das kann dem ersten besten paffiren. Wenn Du an Vater schreibst, sage ihm, daß ich ihm schon lange ge- schrieben hätte, wenn ich nicht, ohne schuldig zu sein, verurtheilt worden wäre. Du kannst Dir denken, wie sehr ihm daran liegt! Wenn sich Jemand nach mir erkundigt, so grüße ihn bestens von mir!... Nun will ich schließen, in der Hoffnung, daß mein Brief Dich gesund und wohl antrifft. Es grüßt Dich herzlichst Dein aufrichtiger Bruder Julius Lieske. (Auf dem Rand geschrieben:) „Wenn ich unschuldig hingerichtet werden sollte, so sage ich Dir mein innigstes Lebewohl. Sei überzeugt, daß, wenn sie Deinem treuen Bruder das Leben nehmen, es geschieht, trotzdem er kein Verbrecher war. Aber gräme Dich nicht, lieber Bruder, früher oder später hätten wir doch scheiden müffen. Mein lieber Bruder, Du denkst Dir wohl selbst, daß ich die That nicht begangen habe; nein, liebster Bruder, es klebt kein Blut an meinen Händen." Die« der Brief. An sich ist er natürlich kein Beweis für Lieske's Unschuld; aber zusammengehalten mit der Thatsache, daß absolut kein positiver Beweispunkt für seine Schuld vorhanden ist, genügt er, um eine Hinrichtung Lieske's als unter allen Umständen unzuläffig er- scheinen zu laffen. Es wäre unerhört, wenn der kaum 28jährige Mann aus bloße Verdachtsmomente hin— und andere hat die Unter» suchung nicht zu Tage gefördert— hingerichtet würde. Und was für Verdachtsmomente obendrein! Unsere Leser werden sich der„Zeugin" Camp hausen erin- nern, die am Schluß der Verhandlungen, als die Sache bereits für den Staatsanwalt sehr schief stand, ganz plötzlich auftauchte und, von ihrem„Gewissen" getrieben, Lieske als denselben Mann rekog- noSzirte, den sie am Abend vor dem Attentat vor Rumpff's Hause in sehr verdächtiger Weise herumstreichen gesehen haben will und die dann, nach der Verurtheilung, durch Produzirung eines anarchistischen TodeS- urtheils noch von sich zu reden machen suchte. Nun, schon damals schrieben uns Genoffen aus Köln, daß diese Frau Camphausen dort— sie ist Rheinländerin— einen sehr eigenthümlichen Ruf genieße, wir konnten indeß nicht eher mit einer solchen Behaup- tung vor die Oeffentlichkeit treten, als bis wir Genaues über die ehrenwerthe Dame in Erinnerung gebracht. Zufällig trifft nun gerade jetzt auch die spezielle Auskunft bei uns ein, und diese läßt über die moralischen Qualitäten dieser Kronzeugin kaum einen Zweifel übrig. Bei der Wichtigkeit der Sache, um die es sich handelt, geben wir daS Schreiben vollinhaltlich wieder. Es lautet: „Vor zirka 40 Jahren ließ sich in Schlebusch, Kreis So l in gen, ein Mann nieder, der sich Frimmersdorf nannte, und kaufte da- selbst ein schönes Gut an. Unter der Bevölkerung ging die Sage, er sei Seeräuber gewesen, daher hätte er das viele Geld; andere sagten (wie das zur damaligen Zeit üblich war), er sei Freimaurer. Er fing an zu ziegelen, baute neue Scheune und Stallung, und ließ zirka zehn Morgen mit einer sechs Fuß hohen Mauer umgeben. Dabei war er so brutal mit den Arbeitern, daß kein einziger, der bei chm beschäftigt war, den Lohn, welchen er mit ihm vereinbart halte, vollständig erhielt. Cr ließ zuerst auf Akkord arbeiten, wobei die Sache sehr leicht gemacht wurde, dann ging es zum Kontrakt über, den er gehörig verklausulirte, und als später das Gericht angerufen wurde, waren die Arbeiter die Geleimten. Ich selbst habe als Knabe von 12 Jahren Steine auf der Ziegelei abgetragen, 18 Stunden per Tag für 2'/, Sgr., und habe heute noch 4 Thaler zu gut. Auf seine Kinder legte der ehrliche Mann großes Gewicht; er wollte auf alle Fälle etwas Großes aus ihnen machen. Zwei Söhne sind nach Absolvirung der Bürgerschule als Matrosen zur See gegangen; wie weit sie es da gebracht, ist hier unbekannt. Frimmersdorf hatte auch eine Tochter Marie, die ebenfalls etwas studirt hatte, vor allem feines Benehinen; und da sie zudem ein schönes Mädchen war, so übte sie auf die Männerwelt eine große Anziehungs- kraft aus. Sie soll sich schon im Aller von 17— 18 Jahren mit reichen Herren abgegeben haben, das heißt aber mit auswärtigen, denn zwischen der Familie Frimmersdorf und der Bevölkerung von Schlebusch bestand keinerlei Verkehr. Mit 20 Jahren heiratete Marie Frimmersdorf plötzlich den Goldleisten-Arbeiter Camphausen, den sie so zu täuschen gewußt hatte, bis er um ihre Hand bat. Keiner hatte mehr Eile mit Heirathen als Frimmersdorf und seine Tochter Marie. Braut- tag und Schmausessen, alles war z. B. fix und fertig, als sich heraus- stellte, daß Camphausen mit seinen Papieren noch nicht in Ordnung war, und in Folge deffen der feierliche Akt noch um einige Tage ver- schoben werden mußte. Nach der Verehelichung zogen Camphausen und Frau nach Kalk bei Köln, und zeugten daselbst zwei Kinder— das heißt mit demjenigen, welches lebend unter der Schürze zum Brautaltar ging. Bald aber verließ Camphausen seine Frau, da er ihre unsittliche Aufführung nicht mit ansehen mochte, und ging nach Amerika. Sie brachte nun die Kinder in S ch l e b u s ch unter, verkehrte mit den Herren und verdiente sich so ihren Lebensunterhalt al«— Schönheit für alle. Von einer Reise au« Belgien kehrte sie so syphilitisch zurück, daß sogar ihr Gesicht mit Busschlag bedeckt war. Nachdem sie kurirt war, trat sie bei einer Gräfin, welche von ihrem Manne ge- schieden war, als Gesellschafterin in Stellung. Jedenfalls aus Lange- weile verließ sie dieseibe aber bald und gab sich wieder dem schmutzigen Gewerbe hin. Zum zweiten Male kehrte sie aus Belgien syphilitisch zu- rück, aber in einem noch schrecklicheren Zustande als das erste Mal. Zur Zeit wohnte in Viersen ein S e i d e n f a b r i k a n t, der seine Arbeiter so zu schinden verstanden hatte, daß er sich von seinem Ent- behrungslohn in Schlebusch eine Grasschaft, betitelt Morsbrouk, von der Schaffhausischen Bank in Köln kaufen konnte. Auch den Adel bekam er„verliehen" und heißt jetzt von Diergardt. Nach dem Grundsatz: Ikoblosso oblixs wurde der Schinder seitdem fromm und mildthätig, und ebenso seine Frau. Diese Frau Diergardt nun nahm sich der Frau Camphausen an, weil dieselbe von dem ländlichen Arzte nicht zu kuriren war, und schickte sie zur Kur nach Bonn. Als sie von da geheilt zurückkam, äußerte Frau von Diergardt, es sei doch gut, daß die Camphausen kurirt sei, solche Leute müßten auch sein. Frau Camp- Hausen hat sich nun wieder in die Welt gemacht, war bald hier, bald dort, wie es sich für eine richtige laufende H... geziemt, bis sie nach Frankfurt kam, wo sie wahrscheinlich im Verkehr mit der Polizei stand, und„gesehen" und gezeugt hat, was verlangt wurde. Daß sie eine schlechte, zu Allem sähige Person ist, steht hier außer allem Zweifel. Frimmersdorf selbst ist längst todt, seine Frau dagegen lebt noch in Düsseldorf und hat die Tochter der Frau Camphausen bei sich. Das andere Kind der Camphausen(ein Knabe) ist nach Amerika, um seinen vermeintlichen Vater aufzusuchen, und bei ihm ein besseres Elternherz zu finden, wie es seine Mutter besaß." Das ist der Lebenslauf der Zeugin, deren belastende Aussage die entlastenden einer ganzen Anzahl anderer Zeugen aushob. Wir sind überzeugt, daß, wenn der Gerichtshof gewußt hätte, mit was für einer „Dame" er es zu thun gehabt, doch mancher der Geschwornen sich be- sonnen haben würde, ehe er auf ihr Zeugnitz hin sein Ja aussprach. Jetzt, nachdem LieSke's Verurtheilung rechtskräftig geworden, hängt sein Leben davon ab. ob es dem deutschen Kaiser gesällt, ihn zu begna- digen. Und Letzteres wird nicht geschehen, wenn nicht die öffentlich« Meinung ihre Stimme gegen die Hinrichtung erhebt. Wir hoffen daher, daß diejenigen Blätter, welche sich noch ein unabhängige« Urtheil be- wahrt haben, ihre Stimme dagegen erheben werden, daß im 19. Jahr- hundert ein Mensch auf einen bloßen Verdacht hin dem Henkerbeil zum Opfer falle. Die Person Lieske's ist uns ganz unbekannt. Wenn er überhaupt einer politischen Partei angehört hat, dann einer uns feindlichen, aber das kann uns nicht hindern, laut und energisch gegen seine Hinrichtung zu protestiren. Das Gnadenrecht des deutschen Kaisers wird im vorliegenden Falle zur Gnaden Pflicht. Das mögen ihm Diejenigen klar machen, die sich rühmen, seine allergetreuesten Diener zu sein. Der vorstehende Artikel war bereits gesetzt, als uns der Telegraph die Nachricht überbrachte, daß L i e s k e am 17. November hin- gerichtet worden ist. Sie haben es sehr eil'g gehabt, seine Henker. Der im„Cri du Peuple" veröffentlichte Brief, weit entfernt, sie von der Vollstreckung des Urtheils abzuschrecken, hat sie, wie es scheint, zu größter Beschleunigung ange- spornt. Sie mochten fürchten, daß sich Lieske's Unschuld doch noch heraus- stellen und ihnen so die Gelegenheit entgehen könnte, Rache für den Rumpfs zu nehmen. Eine andere Erklärung für diese blutige Antwort auf den Brief von Lieste gibt es nicht. Denn, ob schuldig oder nicht, Lieske ist gefallen als Racheopfer für den ermordeten Rumpfs. Der Stich, der am 13. Januar d.J. dem Leben des Frankfurter Polizeiraths ein Ende machte,— ihn haben sie alle mitgefühlt, die Gesinnungsverwandten des Horfch Erziehers. In Rumpff war nicht nur eine Person, in Rumpff war ein S y st e m ge< troffen. Und deshalb raste das System und „wollt' sein Opfer haben." Das Opfer ist gefallen, ob aber das System Ursache hat, zu trium' phiren, wird die Zukunft zeigen. Sozialdemokratische Bibliothek. Unter diesem Titel hat die Volksbuchhandlung Hottingen-Zürich ein Unternehmen in's Leben gerufen, das von allen Parteigenoffen freudig zu begrüßen ist. Es wird hier ein Plan verwirklicht, der, theilweise in anderer Form, bereits verschiedene Parteikongreffe in der vorausnahm«- gesetzlichen Zeit beschäftigte: die Herausgabe sozialistischer Schriften unter gemeinsamen Titel und in gleichem Format, was die Brauchbarkeit und Ver- wendbarkeit dieser Literatur wesentlich erhöht. Daß die Herausgeberin dabei den Plan faßte, in diese Bibliothek auch solche Schriften aufzu- nehmen, die bereits früher separat erschienen waren, aber im Laufe der Zeit vergriffen wurden und sich noch heute als brauchbares Agitations- mittel erweisen oder für die Bewegung geschichtlich wichtiges Material enthalten, ist nur zu loben. Zu wünschen ist, daß die Parteigenossen überall diesem sehr wichtigen Unternehmen die lebhafteste Unterstützung zn Theil werden lassen, denn die Maffenverbreitung guter Broschünn ist mit das wirksamste Agita- tionsmiltel. Nur durch ihr Studium kann der Parteigenosse sich zum klaren, selbständig denkenden Kampfgenossen herausarbeiten, erwirbt er sich einen weiteren Blick und ein sicheres Urtheil in allen, unsere Prin- zipien berührenden Fragen. Der Leitartikel, auch der beste, wird nur flüchtig gelesen und dann auf Nimmerwiedersehen bei Seite gelegt; die schönst« Rede kann nur anregend wirken, ihr Inhalt entschwindet rasch dem Gedächtniß und sie wirkt nachhaltiger durch das Gefühl, das sie erzeugte, als durch die Thesen, die sie behandelte. Ein anderer Umstand, der das Studium von Broschüren empfiehlt, ist, daß man, um sie zu lesen, ein größeres Maß von Muße braucht, und die längere Muße, die man sich nehmen muß, die Konzentration der Gedanken, also einerseits das Verständniß, andrerseits das„geistige Verdauen", das Nachdenken fördert. Dadurch bekommt die Lektüre aber erst ihren rechten Werth. Wir haben an Parteigenossen, welche die Dinge nicht blas an der Ober- fläche, sondern an der Wurzel erfassen, leinen Uebeifluß. Ein paar tausend Männer mehr, die sich ernsthaft aus das tiefere Erfassen unserer Bestrebungen einrichten und ab und zu ein paar Stunden ernster Ge- dankenarbeit ihrer karg bemeffenen Zeit abringen, wären ein großer Gewinn für die Bewegung. Sie lernen die Gedanken von der Phrase unterscheiden, sie wissen den Weizen von der Spreu zu sondern, und werden sich nie als Werkzeug gebrauchen laffen, weil sie selbst in allen Fragen klar sehen. Darum alle frisch ans Werk, die das nöthige geistige Rüstzeug in sich fühlen! Das erste Heft der„Sozialdemokratischen Bibliothek" ist betitelt: „Gesellschaftliches und Privat-Eigenthum. Ein Bei- trag zur Erläuterung des sozialistischen Programms." Mit dieser Bro- schüre hat das Unternehmen einen guten Anfang erhalten. Das Vorwort der Broschüre befaßt sich mit der Entwicklung der Grundgedanken, die die Gründung des Unternehmens veranlaßten, sie sind bereits kurz von uns angedeutet worden und wir gehen deshalb hier nicht weiter darauf ein. Der eigentliche Inhalt der Broschüre beschäftigt sich mit der Klar- legung des ersten Hauptsatzes unseres Parteiprogranims, welcher lautet: „Die Befreiung der Arbeit erfordert die Verwandlung der Arbeitsmittel in Gemeingut der Gefellschaft und die g e n o ff en s ch a f t l i ch e R e g e l u n g der Gesammt- arbeitmit g e m e i n n ü tz i g e r V er w e nd u n g und ge- rechter Vertheilung des Arbeitsertrage s." Diesen Kernpunkt des Programmes, der durch seine Fassung ver- schiedentlicher Auslegung sähig ist, seinem einzig möglichen Sinne nach präzisirt und klargestellt zu haben, ist ein Verdienst des Verfassers, der hierbei im Wesentlichen in den ersten Abschnitten den Ausführungen folgte, welche unsere französischen Genoffen Jules Guesde und Feuilleton. Zur Geschichte des„Mundes der Kommunisten." Von Friedrich Engels. (Fortsetzung.) Diese, die Geschichtswissenschaft umwälzende Entdeckung, die, wie man sieht, wesentlich das Werk von Marx ist und an der ich mir nur einen sehr geringen Antheil zuschreiben kann, war aber von unmittelbarer Wichtigkeit für die gleichzeitige Arbeiterbewegung. Kommunismus bei Franzosen und Deutschen, Chartismus bei den Engländern, erschien nun nicht mehr als etwas Zufälliges, das ebenso gut auch hätte nicht da sein können. Diese Bewegungen stellten sich nun dar als eine Bewegung der modernen unterdrückten Klaffe, des Proletariats, als mehr oder minder entwickelte Formen ihres geschichtlich nothwendigen Kampfs gegen die herrschende Klaffe, die Bourgeoisie: als Formen des Klaffenkampfs, aber unterschieden von allen früheren Klassenkämpfen durch dies Eine: daß die heutige unterdrückte Klaffe, das Proletariat, seine Emanzipation nicht durchführen kann ohne gleichzeitig die ganze Gesellschaft von der Schei- dung in Klaffen und damit von den Klaffenkämpfen zu emanzipiren. Und Kommunismus hieß nun nicht mehr: Ausheckung, vermittelst der Phantasie, eines möglichst vollkommenen Gesellschaftsideals, sondern: Einsicht in die Natur, die Bedingungen und die daraus sich ergebenden allgemeinen Ziele des vom Proletariat geführten Kampfs. Wir waren nun keineswegs der Absicht, die neuen wissenschaftlichen Resultate in dicken Büchern ausschließlich der„gelehrten" Welt zuzu- flüstern. Im Gegentheil. Wir saßen beide schon tief in der politischen Bewegung, hatten unter der gebildeten Welt, namentlich Westdeutschlands, einen gewissen Anhang, und reichliche Fühlung mit dem organisirten Proletariat. Wir waren verpflichtet, unsre Ansicht wissenschastlich zu begründen; ebenso wichtig aber war es auch für uns, das europäische und zunächst das deutsche Proletariat für unsere Ueberzeugung zu ge- Winnen. Sobald wir erst mit uns selbst im Reinen, gings an die Ar- beit. In Brüssel stifteten wir einen deutschen Arbeiterverein und be- mächtigten uns der„Deutschen Brüsseler Zeitung", in der wir bis zur Februarrevolution ein Organ hatten. Mit dem revolutionären Theil der englischen Chartisten verkehrten wir durch Julian Harney, den Redakteur des Centralorgans der Bewegung,„The Northern Star", dessen Mitarbeiter ich war. Ebenso standen wir in einer Art Kartell mit den Brüsseler Demokraten(Marx war Vizepräsident der demokratischen Ge- sellschast) und den französischen Sozialdemokraten von der„Lskorme", der ich Nachrichten über die englische und deutsche Bewegung lieferte. Kurz, unsre Verbindungen mit den ravikalen und proletarischen Organi- sationen und Preßorganen waren ganz nach Wunsch. Mit dem Bund der Gerechten standen wir folgendermaßen. Die Exi- flenz des Bundes war uns natürlich bekannt; 1843 hatte mir Schapper den Eintritt angetragen, den ich damals selbstredend ablehnte. Wir blie- den aber nicht nur mit den Londonern in fortwährender Korrespondenz, Paul Lafargue in ihrer Abhandlung:„Das Programm der Arbeiter- partei" veröffentlichten. Bei den vielfachen Kurpfuschereien, die heute eine Menge Leute unter dem Namen des Sozialismus verbrechen, und bei dem Hang, durch sogenannte„praktische" Vorschläge mit Hilfe der gegenwärtigen Macht- faktoren die soziale» Uebel zu beseitigen, sind Schriften, welche die Frage klar und präzis stellen und rücksichtslos beantworten, eine Wohlthat für die Bewegung. Will die Sozialdemokratie nicht versumpfen, dann darf sie um keines Haares Breite von ihren Prinzipien abweichen. Diesen prinzipiellen Standpunkt zum Verständniß der Genossen zu bringen, ist die Aufgabe, welche sich die Schrift gestellt, und welche sie gelöst hat; sie weist nach, daß es n u r e ijj.e wirkliche Lösung der sozialen Frage gibt: die Expropriation der Erpropriateure, mit anderen Worten: die Umwandlung der gesammten Produktionsmittel einschließlich des Grund und Bodens aus Privat- Eigenthum in gesellschaftliches Eigenthum. Die Sozialdeinokratie hat die Aufgabe, die Fragen klipp und klar zu stellen und in ihrer Kritik ohne Scheu und Rücksicht auszusprechen,„was ist." Sie nimmt Konzessionen an, aber sie läßt ihre Gegner keinen Augenblick darüber im Zweifel, daß sie nicht ruht und rastet, bis das letzte, das ganze Ziel erreicht ist— koste es, was es wolle. X. B. -AATV/XsA/VV- Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 18. November 1885. — Die regierungsdemagogische Berliner„Staatsbürger Zeitung" läßt sich aus Zossen schreiben, der Brief Lieske's, den wir in unserem Leitartikel zum Abdruck bringen, sei eine E r s i n d u n g des „Cri du Peuple", da sich in Paris kein Bruder L i e s k e's aufhalte. Das ist eine Berichtigung, die keine ist. Der„Cri du Peuple" nennt den Bruder, an den der Brief gerichtet ist, mit Namen Karl Lieske, und ehe dieser nicht geantwortet, haben wir keinen Grund anzunehmen, daß der Brief gefälscht, zumal Lieske in demselben nichts anderes sagt, als was er noch unter dem Schaffot erklärte: Ich sterbe unschuldig. Wir glauben es wohl, daß diese Worte gewissen Leuten nicht ange- nehm in den Ohren klingen, sie werden sie aber noch öfter zu hören bekommen. — Wie überaus zeitgemäß die Artikel Liebknecht's über den Normalarbeitstag gewesen sind, zeigt uns ein in Nr. 286 der Hamburger„Bürger-Zeitung"(vom 12. November» erschienener Artikel über das gleiche Thema. Dort sind nämlich Ansichten entwickelt, die wir in einem Blatt, das sich— wie wir gern zugestehen, im Allgemei- nen mit Recht— etwas auf die Sachkenntn ß seiner Mita> beiter in wirthschaftlichen Fragen zu Gute thut, nicht für möglich gehalten hätten. Allerdings gesteht der Verfasser des qu. Artikels zu, daß das berühmte Rechenexempel von den 1100 Arbeitern, die bei Herabsetzung der Arbeits zeit von 11 auf 10 Stunden, statt bisheriger 1000, Arbeit finden, auf „mathematische Genauigkeit" keinen Anspruch hat, aber er meint doch, daß, wenn der deutsche Reichstag ac. den Maximalarbeitstag von 10 Stunden einführe, wozu leider nicht die geringste Aussicht vor- handen sei, „Tausende von sogenannten Vagabunden von der Landstraße fort- genommen werden müssen, um dann das gleiche Arbeitsquantum fertig stellen zu helfen, das heute ohne sie hergestellt wird, nämlich überall da, wo die Maschine den Arbeiter zu ihrem, keiner persön- lichen Frische bedürftigen Beiwerk erniedrigt." „Die Spindel", heißt es weiter,„dreht sich eben um so und so viele tausende Male weniger, wenn sie hinfort blas 10 statt bisher 12 Stunden läuft, und dem Dampfstuhl kann man in 10 Stunden das nicht Herauspressen", was er bisher in 13 Stunden geliefert hat, denn er arbeitet diese langen Stunden eben auch schon mit „Dampf"." Unmittelbar vorhev war gesafft'worden: „Die Großindustrie, welche sich über das, was ihren Vortheil fördert, vollständig im Klaren ist. hat denn auch fast überall, wo der Arbeiter noch mehr ist als bloßer Diener der Maschine und wo deshalb von seiner Thätigkeit die Produktivität der Arbeit ab- hängig ist, die regelmäßige Arbeitszeit auf 10 Stunden herabgesetzt. Anders stellt sich die Sache freilich in allen jenen Industriezweigen, wo die Maschine so sehr die Hauptrolle spielts daß der Mensch blas die Rolle des Ueberwachers des„eisernen Automaten" ausübt, wie z. B. in der Textilindustrie. Da findet man noch überall übermäßig lange Arbeitszeit, und sie ist für den Unternehmer auch rentabel, denn die Spindel und der Maschinenstuhl arbeiten in der 1 3 Stunde eben noch mit derselben Geschwindigkeit wie in der 1. Stunde, und der sie bedienende Arbeiter spielt eine so sekundäre Rolle, daß seine Ermüdung von keiner praktischen Bedeu- t u n g ist. Nachlassen der Kraft hieße da einfach Umfallen— und dann stände eben sofort ein Anderer an feiner Stelle. Wie könnte sondern in noch engerm Verkehr mit Dr. Everbeck, dem jetzigen Leiter der Pariser Gemeinden. Ohne uns um die innern Bundesangelegen heiten zu kümmern, erfuhren wir doch von jedem wichtigen Vorgang. Andrerseits wirkten wir mündlich, brieflich und durch die Presse auf die theoretischen Ansichten der bedeutendsten Bundesmitglieder ein. Hierzu dienten auch verschiedne lithographirte Zirkulare, die wir bei besondern Gelegenheiten, wo es sich um Interna der sich bildenden kommunistischen Partei handelte, an unsre Freunde und Korrespondenten in die Welt sandten. Bei diesen kam der Bund zuweilen selbst ins Spiel. So war ein junger westfälischer Studiosus Sermann Kriege, der nach Amerika ging, dort als Bundesemiffär aufgetreten, hatte sich mit dem verrückten Harro Harring assozirt, um vermittelst des Bundes Südamerika aus den Angeln zu heben, und hatte ein Blatt gegründet, worin er einen auf„Liebe" beruhenden, von Liebe überfließenden, überschwänglichen Kommuniemus der Liebesduselei im Namen des Bundes predigte. Hiver- gegen fuhren wir los in einem Zirkular, das feine Wirkung nicht er- fehlte. Kriege verschwand von der Bundesbühne. Später kam Weitling nach Brüssel. Aber er war nicht mehr der naive junge Schneidergeselle, der, über seine eigene Begabung erstaunt, sich klar darüber zu werden sucht, wie denn eine kommunistische Gesellschaft wohl aussehen möge. Er war der wegen seiner Ueberlegenheit von Neidern verfolgte große Mann, der überall Rivalen, heimliche Feinde, Fallstricke witterte; der von Land zu Land gehetzte Prophet, der ein Rezept zur Verwirklichung des Himmels auf Erden fertig in der Tasche trug und sich einbildete, jeder gehe darauf aus es ihm zu stehlen. Er hatte sich in London schon mit den Leuten des Bundes überworfen, und auch in Brüssel, wo besonders Marx und seine Frau ihm mit fast über- menschlicher Geduld entgegenkamen, konnte er mit niemand auskommen. So ging er bald darauf nach Amerika, um es dort mit dem Propheten- thum zu versuchen. Alle diese Umstände trugen bei zu der stillen Umwälzung, die sich im Bund und namentlich unter den Londoner Leitern vollzog. Die Unzu- länglichkeit der bisherigen Auffassung des Kommunismus, sowohl des französischen einfachen Gleichheitskommunismus wie des Weitling'schen, wurde ihnen mehr und mehr klar. Die von Weitling eingeleitete Zurück sührung des Kommunismus auf das Urchristenthum— so geniale Einzel- heiten sich in seinem„Evangelium der armen Sünder" finden— hatte in der Schweiz dahin geführt, die Bewegung großentheils in die Hände zuerst von Narren wie Albrecht und dann von ausbeutenden Schwindel- Propheten wie Kuhlmann zu liefern. Der von einigen Belletristen ver- triebne„wahre Sozialismus", eine Uebersetzung französischer sozialistischer Wendungen in verdorbenes Hegeldeutsch und sentimentale Liebesduselei (siehe den Abschnitt über den deutschen oder wahren Sozialismus im kommunistischen Manifest) den Kriege und die Lektüre der betreffenden Schriften in den Bund eingeführt, mußte schon seiner speichelfließenden Kraftlosigkeit wegen den alten Revolutionären des Bundes zum Ekel werden. Gegenüber der UnHaltbarkeit der bisherigen theoretischen Vor- stellungen, gegenüber den daraus sich herleitenden praktischen Abirrungen sah man in London mehr und mehr ein, daß Marx und ich mit unsrer neuen Theorie Recht hatten. Diese Einsicht wurde unzweifelhaft dadurch da wohl in 10 Stunden eben so viel produzirt werden, wie in lt Stunden!" Hätte der Verfasser, bevor er alles das schrieb, sich die Mühe genonv men, das von uns der Redaktion des„Recht auf Arbeit" in Erinneruly � gerufene Kapitel:„Jntensifikation der Arbeit" im M a r x'schen„Kapital nachzulesen, er würde dort die Antwort auf seine Fragen und Einwand» gefunden haben. Technische Sachkenntniß ist nicht Jedermanns Sacht aber wo die Materie von berufener Hand bereits bearbeitet vorliegt, d« darf man von einem auf Beachtung Anspruch erhebenden Sozialpolitil« doch wohl verlangen, daß er die ihm zugängliche Literatur der th at sächlichen Erfahrungen wenigstens berücksichtigt. Hören wir also Marx: „Diese Wirlung(der Erhöhung der Energie tc. der Arbeit durch Dt' kür,te Arbei tzeit) schien jedoch zweifelhaft in der eigentlichen Fabrik weil die Abhängigkeit des Arbeiters von der kontinuirlichen und gleich förmigen Bewegung der Maschine hier längst die strengste Disziplin geschaffen hatte. Als daher 1844 die Herabsetzung des Arbeitstages uvt» 12 Stunden verhandelt ward, erklärten die Fabrikanten fast einstimmiz- „ihre Aufseher paßten in den verschiedne» Arbcitsräumen auf, daß b»» Hände keine Zeit verlören",„der Grad der Wachsamkeit und Aufmeri samkeit auf Seiten der Arbeiter(„the extent of vigilanoe and attef tion on the part of the workmen") sei kaum steigerungsfähig", ut- alle andren Umstände, wie Gang der Maschinerie u. f. w. als gleich bleibend vorausgesetzt,„sei es daher Unsinn, in wohlgeführten Fabrik!« von der gesteigerten Au-merksamkeit u. f. w. der Arbeiter irgend erkleckliches Resultat zu erwarten". Diese Behauptung ward buk Experimente widerleg t." Marx zitirt nun eine ganze Reihe der von englischen Fabrikinspektor!»» von dem jüngst verstorbenen Lord Shaftesbury tc. mitgetheilten, d o k«' mentarifch belegten Thatsachen und fährt dann fort: „Angesichts dieser merkwürdigen Jntensivität, welche die Arbeit der Herrschaft des. Zwölfstundengesetzes bereits 1844 erreicht hatte, schi!" damals die Erklärung der englischen Fabrikanten berechtigt: jeder weite«« Fortschritt in dieser Richtung sei unmöglich, daher jede weitere Abnah»»« der Arbeitszeit identisch mit Abnahme der Produktion. Die scheinbar« Richtigkeit ihres Raisonnements wird am besten bewiesen durch folgend« gleichzeitige Aeußerung ihres rastlosen Zensors, des Fabrikinspektock Leonhard Horner:*) „... Da ein aktiver und einsichtsvoller Fabrikant das erreichbar« Maximum ausfindet, schloß ich, daß es unmöglich ist, in 11 Stunde« soviel zu produziren als in 12. Ich nahm außerdem an, daß der P«« Stücklohn bezahlte Arbeiter sich auf s Aeußerste anstrengt, soweit er de»' selben Arbeitsgrad kontinuirlich aushalten kann." Horner schloß dahe» trotz der Experiments von Gardner u. f. w., daß eins weitere Herab fetzung de» Arbeitstages unter l 2 Stunden die Quantität des Produkte! vermindern müsse. Er selbst zitirt 10 Jahre später sein Bedenken«"� 1845 zum Beweis, wie wenig er damals noch die Elastizität der M schinerie und der menschlichen Arbeitskrast begriff, die beide gleichmäß«! durch die zwangsweise Verkürzung des Arbeitstags aufs Höchste gespan«» werden." Der Verfasser des Artikels der Hamburger„Bürgerzeitung" wird u»« zugestehen müssen, daß seine oben zitirten Ausführungen mit den va> Horner vor jetzt 40 Jahren entwickelten eine große Aehnlichiei haben. Und was hat Horner erfahren müssen? Marx erzählt es uns unmittelbar hinterher: „Kommen wir nun zur Periode nach 1847, seit Einführung de' Zehnstundengesstzes in die englischen Baumwoll-, Woll-, Seiden- u»« Flachssadriken. „Die Geschwindigkeit der Spindeln ist auf Throstles um 500, o»' Mutes um 1 0o0 Drehungen in einer Minute gewachsen, d. h. d«« Geschwindigkeit der Tgrostlespindel, die 1839 4500 Drehungen in ein«;« Minute zählte, beträgt nun(1882) 5000, und die der Mulespindel, di« 5000 zählte, beträgt jetzt 8000 in der Minute; dies beläuft sich««» ersten Fall auf und im zweiten auf'/s zusätzlicher G«' s ch w i n d i g k e i t." Man sieht, die Sache liegt keineswegs so einfach, daß sich ,,b«« Spindel um so und so viele tausende Male weniger dreht, wenn sie Hi«» fort" ic. ic. Und daß es mit dem berühmten„Dampf" auch seine eigene Bb wandtnih hat, zeigt ein von Marx an gleicher Stelle zitirter Brief, b"1 Jas. Nasmyth,„der berühmte Zivilingenieur von Patricroft bei Man- chester an Leonhard Horner richtete, und in dem er die von 1848— bk gemachten Verbesserungen an der Dampfmaschine auseinandersetzte. heißt es u. A.: „Im Jahre 1850 verwandten die Fabriken des Vereinigten KöniF reichs 134,217 nominell- Pferdekraft zur Bewegung von 25,638,71! Spindeln und 801,495 Webstühlen. Im Jahr 1858 betrug die Zahl de« Spindeln und Webstühle respektive 33,503,580 und 389,205. Wäre d>« erheischte Pferdekrast dieselbe geblieben wie 1850, so waren 185e« 175,000 Pferdekrast nöthig. Sie betrug aber nach dem offiziellen Aus' weis nur 181,435, also über 10,000 Pferdekrast weniger, als wenn man nach der Basis von 1850 rechnet.„Die durch den letzte» Return von 1850(offizielle Statistik) festgestellten Thatsachen sind, dui das Fabriksystem reißend rasch um sich greift, die Zahlen der Händ« *) Wir lassen die Einleitung fort. Redaktion des„Soz." befördert, daß sich unter den Londoner Führern jetzt zwei Männer 6«! fanden, die den Genannten an Befähigung zu theoretischer Erkennt»« bedeutend überlegen waren: der Miniaturmaler Karl Pfänder at>« Heilbronn und der Schneider Georg Eccarius aus Thüringen.»') Genug, im Frühjahr 1847 erschien Moll in Brüssel bei Marx u»s gleich darauf in Paris bei mir, um uns im Namen seiner Genoff»! mehrmals zum Eintritt in den Bund aufzufordern. Sie seien von d«« allgemeinen Richti keit unserer Auffassungsweise ebensosehr überzeugt m«« von der Nothwendigkeit, den Bund von den alten konspiratorisch«» Traditionen und Formen zu befreien. Wollten wir eintreten, so sollt« uns Gelegenheit gegeben werden, aus einem Bundeskongreß unsre» kritischen Kommunismus in einem Manifest zu entwickeln, das sodaN» als Manifest des Bundes veröffentlicht würde; und ebenso würden das Unsrige beitragen können, daß die veraltete Organisation des Bundes durch eine neue zeit- und zweckgemäße ersetzt werde. Daß eine Organisation innerhalb der deutschen Arbeiterklasse schon de« Propaganda wegen nothwendig sei, und daß diese Organisation, soweit sie nicht bloß lokaler Natur, selbst außerhalb Deutschlands nur ein« geheime sein könne, darüber waren wir nicht im Zweifel. Nun bestan» aber grade im Bund bereits eine solche Organisation. Das, was wi> bisher an diesem Bund auszuletzen gehabt, wurde jetzt von den Ver tretern des Bundes selbst als fehlerhaft preisgegeben; wir selbst wurde« aufgefordert, zur Reorganisation mitzuarbeiten. Konnten wir Nein sagen Sicher nicht. Wir traten also in den Bund; Marx bildete in Brüss» aus unser» näheren Freunden eine Bundesgemeinde, während ich db drei Pariser Gemeinden besuchte. Im Sommer 1847 fand der erste Bundeskongreß in London statt wo W. Wolff die Brüsseler und ich die Pariser Gemeinden vertrat. Hie« wmde zunächst die Reorganisation des Bundes durchgeführt. Was nols von den alten mystischen Namen aus der Konspirationszeit übrig, wurd« jetzt auch abgeschafft; der Bund organisirte sich in Gemeinden, Kreis» leitende Kreise, Zentralbehö-de und Kongreß und nannte sich von nu» an:„Bund der Kommunisten".„Der Zweck des Bundes ist der Stu«! der Bourgeoisie, die Herrschaft des Proletariats, die Aufhebung de« alten, auf Klassengegensätzen beruhenden bürgerlichen Gesellschaft und di« Gründung einer neuen Gesellschaft ohne Klassen und ohne Privateigen' thum"— so lautet der erste Artikel. Die Organisation selbst war durch' aus demokratisch, mit gewählten und stets absetzbaren Behörden, un> hiedurch allein allen Konspirationsgelüsten, die Diktatur erfordern, ein Riegesz vorgeschoben und der Bund— für gewöhnliche Friedenszeiten wenigstens— in eine reine Propagandagesellschaft verwandelt. Dies« *) Pfänder ist vor ungefähr acht Jahren in London gestorben.& war ein«igenthümlich feindenkender Kopf, witzig, ironisch, dialektisch Eccarius war bekanntlich später langjähriger Generalsekretär der Intel- nationalen Arbeiterassoziation, in deren Generalrath unter andern fol- gende alte Bundesmitglieter saßen: Eccarius, Pfänder, Leßner, Lochne«/ Marx, ich. Eccarius hat sich später ausschließlich der englischen Gewerk- schasts- Bewegung zugewandt. ® zur Maschinerie abgenommen haben, die Dampf- ™>schlne durch Oekonomie der Kraft und andere Methoden ein größeres «aschinengewicht treibt, und ein vermehrtes Quantum Machwerk erzielt �>rd jn Folge verbefferter Zlrbeitsmalchinen, veränderter Methoden der Fabrikation, erhöhter Geschwindigkeit der Maschinerie und vieler andrer Ursachen�'„Die großen, in Maschinen jeder Art eingeführten Verbesse- bwtgen haben deren Produklivkraft sehr gesteigert. Ohne allen Zweifel „ Sab die Verkürzung des Arbeitstags... den Stachel zu diesen Verbesse- "l t ym®en" �ef!'tre und die intensivere Anstrengung des Arbeiters bewirk- t h at>>en, daß w e n i g st e n s eben so viel Machwerk in dem(um zwei stunden oder'/o) verkürzten Arbeitstag, als früher während des längeren geliefert wird." ch oer Ww meinen, alle diese Thatsachen sprechen eine so deutliche Sprache, Fabm daß das Illusorische der Annahme einer vermehrten Arbeitsgelegenheit äfv, rch Verkürzung der Arbeitszeit Jedem einleuchten sollte, der nicht der szipl« Anficht ist, daß die Maschinerie nicht weiter entwickelt werden kann, als j untä es bisher der Fall. Daß eine Illusion„populär" ist oder vor 14 Jahren iinm4 von einem so vortrefflichen Mann, wie unser, in dem Artikel der >aß ,, Bürgerzeitung" zitirter Vorkämpfer A u g u st G e i b, geäußert wurde, rfmeck darf doch für ernsthafte Politiker kein Grund sein, an ihr trotz aller atteif Segentheiligen Erfahrungen festzuhalten. Umsomehr, wenn diese u«! Illusion der erstrebten Sache selbst kemeswegs förderlich ist. gleilf. Der Maximalarbeitstag ist bekanntlich eine jener Maßregeln, welche abritt die Arbeiter im Kompromiß mit den herrschenden Klassen auf dem Boden nd e« der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung zu erreichen suchen. Nunwohl, d urls Siaubt man, daß die Kapitalisten sich gutwillig zu einer Maßregel her- dkilassen werden, die ihnen die Möglichkeit abschneidet, durch intensivere cktorfll Anspannung der menschlichen und maschinellen Arbeitskraft den Ausfall d o k» an Arbeitszeit wieder einzuholen? Wir müssen gestehen, an eine solche : Hochherzigkeit der Kapitalprotzen nicht zu glauben. Wozu also die Illusion t unt»>» der Aibeiterklasse verbreiten? Nein, zerstören wir die Illusion, - schie" Und halten wir um so höher die erwiesenen Thatsachen. weiter' Ist die direkte ökonomische Wirkung deS Maximalarbeitstages— und mäh«!- biohlgeinerkt, wir sprechen hier immer von dem unter den heutigen Ver- iinbarl Wltmssen erreichbaren— ist die direkte ökonomische Wirkung, sagen wir, ilgend Nur eine unbedeutend e*) so ist um so höher anzuschlagen gektor« seine moralische Wirkung auf die sozialen Verhältnisse der Ar- bester, und seine indirekte, aber desto einschneidendere Rückwirkung ichban auf den Gang der industriellen Entwicklung. tunde' Beide Gesichtspunkte haben wir wiederholt in den Spalten dieses >er p" Blattes hervorgehoben, sie sind es, die uns, die jeden Sozialisten zu er W dem entschiedensten Kämpfer für den Normalarbeitstag machen. dahcki So erwiderten wir vor mehr als zwei Jahren(Nr. 22 vom Jahre Herab iSgz) dem Anarchisten Peukert, der mit echt anarchistischer Logik in der zduktsi Jntensifizirung der Arbeit einen Grund gegen den Normalarbeitstag -n oa» erblickte i •r M«Der Arbeiter, der nur lv Stunden pro Tag arbeitet, brauch hmäßis Mehr, hat mehr Lebensansprüche als der Arbeiter, der nur von der Ar :span»> deit kommt, um zu schlafen, und umgekehrt. Er ist aber auch besser im .«iande als dieser, seine Ansprüche durchzusetzen. Und sehen wir denn rd uv« Mcht fast überall, daß kürzere Arbeitszeit und höherer Lohn Hand in -n vo> Hand gehen?" ilichkei Die Ansicht, daß durch allniälige Verkürzung der Arbeitszeit ver- �hrte Arbeitsgelegenheit bewirkt werde, entspringt dem gleichen Irr Mm wie die Ansicht der M a l t h u s i a n e r, daß durch Verminderung ig de« der Geburten die Nachfrage nach Arbeitern erhöht und dadurch die Lage n- iiiü berselben verbessert würde. Beide abstrahiren von der Tendenz der Kapitalistischen Produktion, fortgesetzt menschliche Arbeitskraft durch Maschinenarbeit zu ersetzen. Hätten sie Recht, so wären nicht die Kapi mlisten, sondern die Sozialisten die Geleimten. Aber zum Glück M dem nicht so. Aus voller Ueberzeugung können wir Sozialisten für Normalarbeitstag eintreten. Denn von ihm, als einem Theil der Fabrikgesetzgebung, gilt uns, was Marx von dieser überhaupt lagt: «Während sie in den individuellen Werkstätten Gleichförmigkeit, Regele Mäßigkeit und Oekonomie erzwingt, vermehrt sie durch den u n g e heuren Sporn, den Schranke und Regel des Arbeits �»gs der Technik aufdrücken, die Anarchie und K a t a nrophen der kapitalistischenProduktionim Großen und Mnzen, die Jntensivität der Aibeit und die Konkurrenz der Maschinerie Mst dem Arbeiter. Mit den Sphären des Kleinbetriebs und der Haus- l>rbeit vernichtet sie die letzten Zufluchtsstätten der„Ueberzähligen" Und damit das bisherige Sicherheitsventil des ganzen Gesellschafismechanismus. Mit den materiellen Bedingungen und der Sdiellschaftlichen Kombination des Produktionsprozesses reift sie die Widersprüche und Antagonismen seiner kapitalistischen Form, daher SIeichzeittg die Bildungselemente einer neuen und die Umwälzungs Momente der alten Gesellschaft." *) Jede Wirkung absolut in Abrede zu stellen, wäre Thorheit. Da, wo die Maschine noch nicht herrscht, kann eine verminderte Arbeitszeit »uch verminderte Arbeisleistung zur Folge haben. Nur vergesse man Uicht, daß in vielen dieser Berufszweige ohnehin meist kürzere Arbeits- Zeit herrscht als in der Fabrikindustrie, die Mehrzahl derselben aber zur Haus- und Kleinindustrie gehören, an denen die heutige Fabrikgesetzgebung Uicht zu rühren wagt. 0,<4 h. d>' i ei"'' >el, d>- ich i» @e h> sie HU» ne °f. M»' :e. V Köni? 38,71' »hl t"> äre df 1856 ; Aus ■' al!i letzt-«! D, dav Häni« 5oz.' ner& mntnik -r an' rx us« enoffe« on d«i igt w>' irische« o solll- unsre» sodan« en wi« Zund-S on de«! soweil r ein? bestan«! as wis n Ver� vurder sagen Srüffo ich dilj t statte . Hie« s nocs wurd- Kreis? M NU« Stull ig de« md di- teige" durch' 1, UN» n, ein szeiteN Dies- ,.& iektisch Intet') cn fol' ochner, iewerk' Neuen Statuten— so demokratisch wurde jetzt verfahren— wurden den Gemeinden zur Diskussion vorgelegt, dann auf dem zweiten Kongreß Nochmals durchberathen und von ihm definitiv am 8. Dezember 1847 -ingenommen. Sie stehn abgedruckt bei Mermuth und Stieber I. E. 239, Anl. VIII. Der zweite Kongreß fand statt Ende November und Anfang Dezember desselben Jahres. Hier war auch Marx anwesend und vertrat in längerer Debatte— der Kongreß dauerte mindestens zehn Tage— die neue Theorie. Aller Widerspruch und Zweifel wurde endlich erledigt, die Neuen Grundsätze einstimmig angenommen und Marx und ich beauftragt, uas Manifest auszuarbeiten. Dies geschah unmittelbar nachher. Wenige Machen vor der Februarrevolution wurde es nach London zum Druck Seschickt. Seitdem hat es die Reise um die Welt gemacht, ist in fast alle Sprachen übersetzt worden, und dient noch heute in den verschiedensten Ländern als Leitsaden der proletarischen Bewegung. An die Stelle des alten Bundesmottos:„Alle Menschen sind Brüder" trat der neue Schlachtrus: «.Proletarier aller Länder vereinigt euch!", der den internationalen �harakter des Kampfes offen proklamirte. Siebzehn Jahre später durch- hallte dieser Schlachtruf die Welt als Feldgeschrei der Internationalen Arbeiterassoziation, und heute hat ihn das streftbare Proletariat aller Länder auf seine Fahne geschrieben. Die Februarrevolution brach aus. Sofort übertrug die bisherige Londoner Zentralbehörde ihre Befugnisse an den leitenden Kreis Biüssel. Aber dieser Beschluß traf ein zu einer Zeit, wo in Brüssel schon ein tatsächlicher Belagerungszustand herrschte, und namentlich die Deutschen Nch nirgends mehr versammeln konnten. Wir waren eben alle auf dem Sprung nach Paris, und so beschloß die neue Zentralbehörde, sich eben- tlls aufzulösen, ihre sämmtlichen Vollmachten an Marx zu übertragen Und ihn zu bevollmächtigen, in Paris sofort eine neue Zentralbehörde tu konstituiren. Kaum waren die fünf Leute, die diesen Beschluß {3. März 1848) gefaßt, auseinandergegangen, als die Polizei in Marx' Mohnung drang, ihn verhaftete, und am nächsten Tage nach Frankreich abzureisen zwang, wohin er grade zehn wollte. In Paris fanden wir uns bald alle wieder zusammen. Dort wurde -»ich das folgende, von den Mitgliedern der neuen Zentralbehörde unter- zeichnete Dokument verfaßt, das in ganz Deutschland verbreitet wurde, Und woraus auch heute Mancher noch etwas lernen kann: „Forderungen der kommunistischen Partei in Deutschland. I) Ganz Deutschland wird zu einer einigen, untheilbaren Republik erklärt. Die Volksvertreter werden besoldet, damit auch der Arbeiter im Parlament des deutschen Volkes sitzen könne. Allgemeine Volksbewaffnung. Die sürstlichen und andern feudalen Landgüter, alle Bergwerke, Gruben u. f. w. werden in Staatseigenthum umgewandelt. Auf diesen Landgütern wird der Ackerbau im Großen und mft den modernsten Hülssmitteln der Wissenschaft zum Vortheile der Ge- sammtheit betrieben. 8) Die Hypotheken auf den Bauerngütern werden für Staatseigenthum 3) 4) 7) — Das russisch-österreichische Jntriguenspiel auf dem Balkan hat es glücklich dahin gebracht, daß es zum Krieg zwischen den Serben und Bulgaren gekommen ist. Unter Vorwänden, von denen einer immer abgeschmackter ist als der andere, hat Milan von Serbien an Bulgarien den Krieg erklärt, und so werden sich denn die slavischen„Brudervölker" zum Vergnügen ihrer großmäch» tigen Gönner gegenseitig nach Kräften Blut abzapfen. Militärisch ist natürlich Serbien dem kaum konstituirten Bulgarien, dessen Armee ohne- hin durch den von„Väterchen" anbefohlenen Austritt der russischen Ossi- ziere zunächst stark geschwächt wurde, erheblich überlegen, und es ist mehr wie fraglich, ob die Begeisterung der Bulgaren, von der uns der Telegraph erzählt, dieses Defizit auszugleichen im Stande sein wird. Wir wollen es hoffen, denn unter den obwaltenden Umständen kann kein billig denkender Mensch dem säubern Milan und seinen dito Hinter- männern in Wien und Petersburg den Sieg wünschen. Die europäische Diplomatie hat sich bei dieser Gelegenheit wieder einmal im schönsten Lichts gezeigt. Während die Herrschaften in Konstan- tinopel Konferenz abhalten, um eine friedliche Lösung der Streitigkeiten zu erzielen, wobei unter den Vertretern der drei Kaisermächte angeblich eine so rührende Harmonie herrscht, daß sie bei der hochherzigen„Neu- tralität" der französischen Regierung, die es mit keinem verderben will, und der Anlehnung Italiens an den Dreikaiserbund, von vornherein ihres Erfolges hätten sicher sein müssen, bricht fast unter ihren Augen der Krieg aus, von dem jeder weiß, daß ihn zwei dieser berühmten Kaiser- reiche geschürt. Und der Leiter der dritten dieser Mächte? Der große Staatsmann, dessen Stimme„die erste ist im europäischen Areopag", der„eiserne Kanzler, ohne dessen Willen kein Schuß in Europa abgegeben werden darf", der„geborene Schiedsrichter Europas"— schweigt. Statt den Jntriguen Rußlands entgegenzutreten, statt dazu beizutragen, daß der Einfluß des Zarenreiches auf die Balkanvölker immer mehr beseitigt werde, wozu sich jetzt di- schönste Gelegenheit bot, sieht er es ruhig mit an, wie die Bulgaren durch Milan von Serbien Rußland aufs Neue in die Arme getrieben werden. ES wäre ja auch unerhört vom Deutschesten der Deutschen, Rußlands Orientpolitik gegenübertreten zu wollen. — Jetzt ists heraus. Pindter hat eine fundamentale Entdeckung gemacht. Aus Grund eines, der„New.Aorker Volkszeitung"— dieselbe erscheint in einer täglichen Auflage von 14,000 Exemplaren— entno.a menen Berichtes der Nationalexekutive der Sozialistischen Arbeiterpartei von Nordamerika hat er nämlich ermittelt, daß unsere Partei, ficht nu. von ausländischen Revolutionären Gelder zu Wahlzwecken empfangen hat, sondern daß sie sogar— man höre!— selbst revolutionär ist. Wir müssen unsere amerikanischen Genossen wirklich dringend ersuchen, sich in Zukunft etwas weniger unvorsichtig auszudrücken. Auf ihr Haupt sonst die Verantwortung, wenn Pmdter eines Tages dahinter kommt, daß wir Sozialdemokraten sind!'' — Neudeutsche Logik. Mm hat die Deutschen nicht umsonst das Volk der Denker genannt, es grenzt wahrhaft an das Erstaunlichste, was deutsche Gedankentiefe nicht alles schon für logische Kunststücke zu Wege gebracht; und ganz besonders gilt das von dem Gebiet der Politik. Frü herer Leistungen gar nicht zu gedenken, können wir es zum Beispiel als eine nahezu unerreichte Frucht tiefsinnigster politischer Weisheit bezeich- nen, wenn bei den letzten Wahlen ein Kandidat der national-iber�'en Partei— und was gibt es Deutscheres als einen deutschen National- liberalen?— seinen staunenden Hörern auseinandersetzte, ein Abgeord- neter könne seine vollständige Unabhängigkeit nicht besser dokumentiren, als wenn er zu allem, was von der Regierung kommt, Ja und Amen sagt. Dadurch zeige er den wahren Muth, der den echten Volksvertreter ziert. Der Ruhm dieses Biedermannes hat den bayrischen Staatsminister von Crailsheim nicht schlafen lassen, es ist dem Minister der äuße ren Angelegenhetten des Bajuvarenlandes gelungen, die wundervolle Logik des obigen Ausspruches durch eine noch wundervollere zu über bieten. In der Sitzung der bayrischen Kammer vom 12. November brachte der liberale Abgeordnete Frankenburger den skandalösen Auslieferungsvertrag zur Sprache, den die bayrische Regie- rung, dem Muster der preußischen Regierung folgend, mit Rußland abgeschlossen, da Bismarck ihn dem Reichstag nicht vorzulegen wagt/ ehe er nicht in den hauptsächlichsten Einzelstaaten äo taoto bereits eingeführt. Und Herr von Crailsheim erhob sich und antwortete, in dem Abschließen dieses Vertrags(der Bayern zum Hausknecht Rußlands macht!) habe sich eine gute Gelegenheit geboten, Bayerns— Selbst- ständigkeit zu konstatiren. Das ist in der That eine Perle. Hätte Bayern, entgegen Bismarcks Befehl, sich geweigert, einen so schuf- tigen Vertrag einzugehen, dann würde es demnach zweifelsohne seine krasse Unselbständigkeit bewiesen haben. O armer vielgenannter Pantoffelheld, der Du Deine Herrschaft im Hause dadurch kundgabst, daß Du Deiner Frau zum Trotz unter den Tisch krochst, wie sehr bist Du durch die patentirten Politiker des neudeutschen Kaiserreichs in den Schatten gestellt worden! Der wahre Herrscher im Hause ist der, der auf Kommando seiner Frau unter den Tisch kriecht— das ist neu- deutsche Logik! Für Leute aber, die nicht zu den patentirten Staatsmännern gehören, qualifiziren sich diese, von den Einzelstaaten hinter dem Rücken der be- S) erklärt: die Interessen für jene Bauern an den S'aat gezahlt. Hypotheken werden von den ll) 14) 15) 16) 17) In den Gegenden, wo das Pachtwefen entwickelt ist, wird die Grundrente oder der Pachtschilling als Steuer an den Staat bezahlt. Alle Transportmittel: Eisenbahnen, Kanäle, Dampfschiffe, Wege, Posten»c. nimmt der Staat in seine Hand. Sie werden in Staatseigenthum umgewandelt und der unbemittelten Klasse zur Verfügung gestellt. Beschränkung des Erbrechts. Einführung von starken Progressivsteuern und Abschaffung der Konsumtionssteuern. Errichtung von Nationalwerkstätten. Der Staat gorantirt allen Arbeitern ihre Existenz und versorgt die zur Arbeit Unsähigen. Allgemeine unentgeltliche Volkserziehung. „Es liegt im Interesse des deutschen Proletariats, des kleinen Bürger- und Bauernstandes, mit aller Energie an der Durchsetzung obiger Maß- regeln zu arbeiten. Denn nur durch Verwirklichung derselben können die Millionen, die bisher in Deutschland von einer kleinen Zahl aus- gebeutet wurden, und die man weiter in Unterdrückung zu halten suchen wird, zu ihrem Rechte und zu derjenigen Macht gelangen, die ihnen, als den Heroorbringern alles Reichthums, gebührt. Das Komite. Karl Marx. Karl Schapper. H. Bauer. F. Engels. I. M o l l. W. W o l f f." In Paris herrschte damals die Manie der revolutionären Legionen. Spanier, Italiener, Belgier, Holländer, Polen, Deutsche thaten sich in Haufen zusammen, um ihre respektive» Vaterländer zu befreien. Die deutsche Legion wurde geführt von Herwegh, Bornstedt, Börnstein. Da sofort nach der Revolution alle ausländischen Arbeiter nicht nur beschäs- tigungslos, sondern auch noch vom Publikum drangsalirt wurden, fanden diese Legionen starken Zulauf. Die neue Regierung sah in ihnen ein Mittel, die fremden Arbeiter loszuwerden, und bewilligte ihnen l'ötapo du aoldat, d. h. Marschquartiere und die Marschzulage von 50 Centimen per Tag bis an die Grenze, wo dann der stets zu Thränen gerührte Minister des Auswärtigen, der Schönredner Lamartine, schon Gelegenheit -and, sie an ihre respeltiven Regierungen zu verrathen. Wir widersetzten uns dieser Revolutionsspielerei auf's Entschiedenste. Mitten in die damalige Gährung Deutschlands eine Invasion hinein- tragen, die die Revolution zwangsmäßig von Außen importiren sollte, das hieß der Revolution in Deutschland selbst ein Bein stellen, die Re- gierungen stärken, und die Legionäre selbst— dafür bürgte Lamartine— den deutschen Truppen wehrlos in die Hände liefern. Als dann in Wien und Berlin die Revolution siegte, wurde die Legion erst recht zwecklos; aber man hatte einmal angefangen, und so wurde weiter gespielt. Wir stifteten einen deutschen kommunistischen Klub, worin wir den Arbeitern riethen, der Legion fernzubleiben, dagegen einzeln nach der Heimath zurückzukehren und dort für die Bewegung zu wirken. Unser aller Freund Flocon, der in der provisorischen Regierung saß, erwirkte rufenen Volksvertretung, hier also des Reichstages, mit einer aus- wältigen Macht wie Rußland abgeschlossenen Verträge einfach als ganz gemeiner Verrath, ihre Fabrikanten als Reichsverräther. Hier wäre für die Reichsunitarier. die Treitschke und Konsorten, Gelegenheit zu einem flammenden Protest gegen den partikular istischen Eingriff in die Befugnisse des Reichs. Aber tiefe Stille herrscht über den Wassern. Der Partikularismus ist nur da verwerflich, wo es sich um Widerstand gegen die autokratischen Gelüste Bismarcks handelt, wo er diesen aber Vorschub leistet, da ist er eine berechtigte deutsche Eigenart. Gegen eine so un- fehlbare Logik kommt Niemand auf. — Herr Hartwig, der Dresdener Reichstagsabgeordnete, ist doch ein Pechvogel,— gerade wie die Dresdener, seit sie Bebel nicht mehr zum Vertreter haben, mit Bezug auf ihre Abgeordneten Pechvögel sind. Erst hatten sie Pech mit ihrem S t ü b e l, den sie nicht rasch genug zu seinen heimischen Stadträihen zurückschicken konnten. Und nun erst jetzt mit dem Pechvogel Hartwig! Ja, er ist ein gewaltiger Pechvogel vor dem Herrn, der unglückliche Hartwig, wenn er redet, und wenn er schweigt, wenn er etwas thut, und wenn er nichts thut— immer ist er Pech vogel. Als es ihm einmal passirt war, daß er die Wahrheit sagte, sollte er dafür ein paar Wochen„brummen", obgleich er— und unzweifelhaft sprach er da die Wahrheit— obgleich er betheuerte, daß er die Wahrheit nur unabsichtlich gesagt habe; nur dem Mitleid seiner gerührten Verdonnerer und der Barmherzigkeit seines Kö-'igs ver- dankte er, daß ihm die Strafe„in Gnaden erlassen" wurde. Allein nun hat ihn doch das Schicksal ereilt. Bei der letzten Reichstagswahl erschien in Dresden ein Flugblatt, welches vor der Wahl eines gewissen konser- vativen Kandidaten warnte, weil dieser„ein geborener Preuße" sei. Dieser Aopell an das partikularistiiche Blümchenkaffee Gemüth bewirkte den Durchfall des„geborenen Preußen", brachte aber einige nicht in der Wolle gefärbte Patrioten sehr heftig in die Wolle; die Sache ward der Berliner Presse verrathen, die natürlich das schnöde Attentat auf den„deutschen Reichsgedanken" pflichtschuldigst an die große Glocke hing und die sächsischen Konservativen in Bausch und Bogen für den Frevel verantwortlich machte. Wenn den sächsischen Konservativen in Berlin Partikularismus und mangelnde Begeisterung für den„Reich sgedanken" vorgeworfen wird, dann fällt ihnen regelmäßig das Herz in die Hosen. Und als nu» gar die„Nord- deutiche", des großmächtigen Reichskanzler journalistischer Leib-Reichs- spucknapf, eines schönen Morgens der furchtbaren Anklage Raum gewährte, bemächtigte sich unbeschreibliches Entsetzen der Blümchenkaffee-Konserva- tiven. Im ersten Schreck verlegten sie sich aufs Leugnen, wie ertappte Buben zu thun pflegen.„Ein derartige« Flugblatt ist überhaupt nicht erschienen"— riefen im Chorus sämmtliche konservativen Organe Such- sens. Doch leider war ein Exemplar des corpus delicti erhalten geblieben und in reichstreue Hände gerathen: das verbrecherische Flugblatt wurde abgedruckt. Das Leugnen ging nicht länger. Allein wer war der Schuldige? Die Konservativen, die Antisemiten erklärten feierlich ihre Unschuld. Jndeh damit war das Verbrechen nicht aus der Welt geschafft, und es kam nun erst recht den sämmtlichen Konservativen auf die grünweiße Kappe. Die„Parteiehre" mußte gerettet werden. Das konservative Zentralwahlkomite, Freiherr von Friesen an der Spitze, stellte eine hochnothpeinliche Untersuchung an, und siehe da, das Resultat war: das sündhafte Flugblatt rührte von Dresdener Antisemi- t e n her. Große Ausregung unter den Dresdener Antisemiten, deren Wahlkomite, den Pechvogel Hartwig an der Spitze, mit sittlicher Ent- rüstung das corpus delicti von seinen Rockschößen abschüttelte. Sie wußten nichts von dem Flugblatt! Die Sache wurde immer verwickelter und immer kompromittirender für die sächsischen Konservativen. Das konservative Zentralwahlkomite s ch w i e g, aber es handelte. Es forschte in aller Stille nach,— und wer sucht, der findet. Es ist kein Fad-n so fein gesponnen, er kommt endlich ans Licht der Sonnen. Und Herr Pechvogel Hartwig ist kein sehr feiner Spinner. Das Manu- s k r i p t des Flugblatts wurde irgendwo in einem Papierkorb gesunden. Wer hatte es geschrieben? Der glückliche Finder war im Besitz eines Briefs unseres Pechvogels Hartwig. Die Aehnlichkeit fiel ihm auf: eine Schristenvergleichung ward vorgenommen, und sie ergab mit unum- stöhlicher Gewißheit, daß Niemand anders als unser Pechvogel Hart- wig das verbrecherische Flugblatt geschrieben hatte. Herr von Friesen, froh, sich und seine Partei von dem Makel der Reichs- feindlichk-it rein waschen zu können, veröffentlichte sofort brühheiß seine Entdeckung, stempelte unseren Pechvogel Hartwig zum Lügner und überlieferte ihn mit höchster sächsischer Ungemüthlichkeit der Verachtung aller konservativen Reichsfreunde. Und der arme Pechvogel? Er be- hauptet, es müsse irgend ein Mißverständniß obwalten. Vermuthlich habe er einen Doppelgänger. Schade nur, daß es ihm Niemand glaubt. Bei der nächsten R-ichstagswahl wird er sicherlich nicht kandidiren. Uud jedenfalls ist» eine hübsche Ironie des Schicksals, daß einer dieser Konservativen so gründlich vom anderen abgethan wird. Vivat sequens I — Zwei Fragen. Genossen einer größeren Stadt Mitteldeutsch- lands— der Name thut nichts zur Sache— bitten uns aus Anlaß entstandener Meinungsdifferenzen um Beantwortung folgender zwei Fragen: 1) Auf welcher Grundlage beruht unsere Partei? Ist dieselbe Reform- p artei, welche nur mit Hülse anderer Parteien zu verbessern sucht, oder ist sie eine das Bestehende umgestaltende Partei? 2) Ist der Sozialismus ein Kind des Liberalismus? Unsere Antwort kann sehr kurz sein. Der Sozialismus, wie ihn unsere Partei vertritt, das heißt der pro- letartsche Sozialismus, ist ein Kind der modernen bürgerlichen Entwicklung, der kapitalistischen Pro- duktionsweise, welche dem Besitzer der immer gewaltiger werdenden Produktionsmittel den besitzlosen„freien" Proletarier gegenüberstellt, sie in einen Gegensatz bringt, der nur gelöst werden kann durch Ueder- führung der bereits gesellschaftlichen Produktionsmittel in den Besitz der Gesellschaft. Die der bürgerlichen Gesellschaft am mersten entsprechende politische Richtung ist der Liberalismus, und inso- sern man beide identifizirt, kann man allerdings sagen, daß der Sozia- lismus ein Kind des Liberalismus ist, d. h. er ist ein Kind deS Libe- ralismus als Produkt historischer Entwicklung; seinem Wesen, seinen grundsätzlichen Forderungen nach bildet er jedoch den direkten Gegensatz des Liberalismus: dem Prinzip des Jndrvidualis- m u S stellt er das Prinzip des Kommunismus gegenüber. Es ist also eher richtig zu sagen: der Sozialismus ist der Erbe des Libera- lismus. Wenn wir also die rückständigen Elemente in Staat und Gesellschaft, welche die moderne Entwicklung so viel als möglich aufhalten wollen, aus das Energischste bekämpfen, so thun wir das als echt moderne Kin- der im Interesse unserer Erbschaft, die wir je eher je lieber antreten möchten; aber ohne jegliche Schwärmerei für den Vater Liberalismus, für die von uns fortgeschickten Arbeiter dieselben Reisebegünstigungen, die den Legionären zugesagt waren. So beförderten wir drei bis vier- hundert Arbeiter nach Deutschland zurück, darunter die große Mehrzahl der Bundesglieder. Wie leicht vorherzusehn, erwies sich der Bund, gegenüber der jetzt loegebrochnen Bewegung der Volksmassen, als ein viel zu schwacher Hebel. Drei Viertel der Bundesglieder, die früher im Ausland wohn- ten, hatten durch Rückkehr in die Heimath ihren Wohnsitz gewechselt; ihre bisherigen Gemeinden waren damit großenlheils aufgelöst, alle Füh- lung mit dem Bund ging für sie verloren. Ein Theil der Ehrgeizigeren unter ihnen suchte sie auch nicht wieder zu gewinnen, sondern fing, Jeder in seiner Lokalität, eine kleine Separatbewegung auf eigne Rechnung an. Und endlich lagen die Verhältnisse in jedem einzelnen Kleinstaat, jeder Provinz, jeder Stadt wieder so verschieden, daß der Bund außer Stand gewesen wäre, mehr als ganz allgemeine Direktiven zu geben; dies« waren aber viel besser durch die Presse zu verbreiten. Kurz, mit dem Augenblick, wo die Ursachen aufhörten, die den geheimen Bund noth- wendig gemacht hatten, hörte auch der geheime Bund auf, als solcher etwas zu bedeuten. Das aber konnte am wenigsten die Leute über- raschen, die soeben erst demselben geheimen Bund den letzten Schatten konspiratorischen Charakters abgestreift. (Schluß folgt.) der zudem so altersschwach geworden ist, daß er uns neben seinen„Er runpenschasten" noch manches Stück harter Arbeit hinterlassen wird. Wir werden noch so manches zertrümmern müssen, womit von rechtswegen er hätte aufräumen sollen. Was nun die Frage anbetrifft, ob Reformpartei oder nicht, so kommt es vor allem darauf an, was man unter Reform versteht. Meint man unter Reform Herumflickcn am bestehenden Alten, um es zu konser v iren, so sind wir entschieden keine Reformpartei, heißt es aber Be seitigung des Ueberlebten und Veralteten, Schaffung neuer lebenskräftiger Einrichtungen, ist Reform nur der Ausdruck für planmäßige Umgestaltungsarbeit, nicht Gegensatz von Revolution, dann ist unsere Partei nicht nur auch Reformpartei, dann ist sie die Reform- Partei. Denn reformiren, um umzugestalten, will heut nur unsere Partei, die andern, auch der Liberalismus, wollen nur noch reformiren, um zu erhalten. Bei der so charakterisirten Reformarbeit hängt es aber nur vom Tempo ab, ob man sie Revolution nennt oder nicht; und in welchem Tempo reformirt wird, darüber entscheiden die Umstände. — Eine nette Volksvertretung. Im preußischen Landtag sitzen jetzt: 199 Konservative und F r e i k o n s e r v a t iv e, 101 Zentrum und Welsen, 72 Nationalliberale, 44 Deutschfreisinnige, 17 Polen und Dänen. Unter den 199 Konservativen sind 6 9 Verwal- tungsbeamte, darunter 48 Landräthe. Ferner zählt der Land- tag nicht weniger als 130 adlige Mitglieder. Selbst bei einer ständischen Vertretung könnte die Zusammensetzung nicht erbärmlicher sein, als sie hier aus Grund des herrlichen Dreiklassenwahlspstems zu Stande gebracht worden. Aber man thäte Unrecht, dem Wahlsystem die alleinige Schuld beizumessen. Nein, ein solches Ergebnih ist nur möglich geworden Dank der jammervollen Verkommenheit des heutigen Bürgerthums, das nicht mehr die Kraft in sich fühlt, selbst seine Sache zu führen, und sich des- halb mit allen möglichen reaktionären Elementen verbindet. Das Drei- klassenwahlsystem, so erbärmlich es an sich ist, ist eigentlich für das Bürgerthum das denkbar günstigste, denn es sichert ihm das eine Drittel der Wahlkörper— die zweite Wählerklaffe— unbedingt, und läßt ihm außerdem genug Spielraum in den beiden andern Klassen, um auch dort seinen Einfluß geltend zu machen. Wenn es bei diesem Wahl- syfiem nicht glänzend siegt, so liegt die Schuld nur bei ihm. Und diese Verkommenheit, vielleicht richtiger Zerfahrenheit des Bürger- thums, sie ist wiederum ein Zeichen des allgemeinen gesellschaftlichen Zersetzungsprozesses. So paradox es klingt, grade der Wahlersolg der Reaktionäre ist ein Zeichen der revolutionären Situation. — Schnapspolitik. Bekanntlich geräth der biedere Schnaps- brenner Bismarck stets aus dem Häuschen, wenn es ihm einfällt, daß seine Politik von dem Fortschritts-Thersytss Richter„Schnapspolitik" getauft worden ist. Der Fortschritts-Thersytes versteht sich aufs Schimpfen, wie sein Homerischer Vorgänger, und gleich diesem sagt er auch manchmal die Wahrheit. Wenn man aber Schnapsbrenner ist, Schnaps- Politik treibt, und jährlich ein paar Millionen aus dem Staatssäckel her- ausnimmt, um sich dafür zum größten, genialsten und hochsinnigsten Staatsmann, der je gelebt hat, umlügen zu lassen, dann ist es aller- dings bitter, als gemeiner Schnapspolitiker entlaivt zu werden. Bei- läufig rührt der Ausdruck gar nicht von Eugen her; wie dem jedoch sei: wahr ists, daß die Bismarck'sche Politik eine Schnapspolitik ist. Sogar die famose Sozialreform soll nach den neuesten Nachrichten für die Schnapspolitik verwerthet werden— der brave Otto isi ein ausge- zeichneter Wirthschafter, wenn es sich um die Tasche des braven Otto handelt,— nämlich die Kosten der Altersversorgung will man durch eine den Schnapsbrenner nicht treffende, den Schnapskonsum mög- lichst befördernde Schnapssteuer decken. Also Sozialreform und Schnaps— wobei die Herren Schnapsbrenner sich vortrefflich stehen würden. Jndeß das ist vorderhand noch Z u k u n f t s musik. Und wir haben es jetzt mit Gegenwartsmusik zu thun. Wir meinen mit der Kolonialpoli lik. Nach den neuesten Ausfuhrlisten führt Deutschland in seine Fieberkolonien vorwiegend Schnaps aus, und was für Zeug! das reinste Fuselgist. Seit Beginn des Kolonialfiebers ist für 16 Millionen Mark Spirituosen, das heißt preußischer Junker Fusel chnaps in die Fieberkolonien exportirt worden. Manufakturwaaren nur in verschwindender Menge. Bei der Kolonialpolitik haben also in erster Linie die Herren Schnapsbrenner, der Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck an der Spitze, ein Geschäftchen gemacht, und zwar ein famoses. Und es ist keine Uebertreibung, noch weniger eine Verleum- dung, wenn wir sagen: Auch die Kolonialpolitik des großen Bismarck ist Schnapspolitik. — Die Fortschrittler unter sich. Herr Stern-Sonne- mann oder Sounemann-Stern ist mit Herrn Eugen Richter in grimmige Fehde gerathen, weil dieser so taktlos war, die Volkspar- teiler als Schwanz der Fortschrittspartei zu reklamiren, und, nachdem er ihm verschiedene— Stöckeriaden nachgewiesen, nennt er den großen Eugen„den liberalen Stöcker". Der Ausdruck ist nicht übel, obgleich grade in dem streitigen Punkt der liberale Stöcker ausnahms- weise nicht gestöckert hat. — Natürlich. Wie wir es in voriger Nummer vorausgesagt, so bleibt es: aus der Herabsetzung des Gehalts für den Staatssekretär wird nichts. Der braucht 50,000 Mark pro Jahr, denn— er muß mit den fremden Gesandten verkehren und die beziehen meist noch höhere Einkommen. So verkündets die Reptilienpresse, und die versteht sich auf diese Dinge. 5* d» Uebrigens bleibt der Posten vorläufig vakant, man glaube also nicht, daß unlautere Familienrücksichten diese Bestimmung des allmächtigen Kanzlers veranlaßt haben. Das wäre ja bei der bekannten Generosität Bismarcks in Geldsachen unmöglich. Herr von Bülow konnte mit 36,000 Mark auskommen, weil er reich war, aber nicht alle Staatssekretäre sind reich. Staatssekretäre sind überhaupt sehr schwer zu haben, darum ist Lothar Bucher auf Urlaub gegangen, und der Posten bleibt vakant, bis, nun bis sich für Herberts j-tzigen Posten ein geeigneter Ersatzmann gefunden. Hoffentlich dauert es nicht zu lange. — HerrEstrup, Dänemarks Miniatur-Bismarck' staatsstreichelt vergnügt weiter. Er hat, nachdem er den Volksthing ver- tagt, einige die Preß- und Redefreiheit meuchelnde Ordonnanzen prokla mirt, und bereits ist aus Grund derselben Genosse Holst verhastet war- den. Natürlich klatscht das Leibblatt des„großen Bismarck" diesem Gebahren entzückt Beisall- es verschlägt ihr nichts, daß Herr Estrup der Mann der deutschsresserischen dänischen Chauvi. nisten ist, während die dänische Opposition den Chauvinismus ener- zischst bekämpft. Das alte Lied. Die dynastischen Klassen- interessen stehen ihr und ihrem Brodherrn höher als die Interessen des deutschen Volkes, die ein sreieS deulschsreundliches Dänemark erheischen. Die Vetterschasten der gekrönten Häupter, weit entfernt, den Völker- frieden zu gewährleisten, scheinen zu weiter nichts da zu sein als zu einer internationalen Rückversicherung gegen die F r e i h e i t der Völker. Wann werden die Letzteren das endlich einsehen? — Der Herrgott in Verlegenheit. Milans von Serbien Kriegsproklamation schließt mit folgendem Satze:„Die gerechte Sache Serbiens beruht nun aus der Entscheidung der Waffen, der Tapfer- keit der Armee und dem Schutze des allmächtigen Gottes." Und Alexander von Bulgarien schließt seine Kriegsproklamation fol- gendermaßen:„Wir rufen Gott den Allmächtigen an, daß er Bulgarien behüte und beschütze und uns in der schwierigen Zeit, welche unser Land durchzumachen hat. zu Hilfe komme." Da sitzt der Herrgott nun in einer schönen Patsche. Er kann dem einen seiner zweifelsohne gleich frommen Söhne nicht zu Hilse kommen, ohne dem andern zu schaden. So wird ihm wohl nichts anderes übrig bleiben, als ruhig die Hände in den Schooß zu legen und als himm- lischer Manchestermann das„I-aisser faire, laisuer passer" zu üben. Das kommt davon, daß man den einen Universalgott proklamirte, zu dem„wir alle beten". Da waren die alten Heiden praktischer. Die konnten in aller Gemüthsruhe ihren speziell- n Nationalgott anrufen, der an ihrem Siege ebenso interessirt war als sie selbst. Hoffentlich kommen wir in der Aera des Rationalitätendusels, der Raffenhetzen und anderer schönen Einrichtungen auch noch dahin, zu dieser guten alten Sitte zu- rückzukehren. Eine kleine Reaktion von dein in seiner absoluten Voll- kommenheit sich und uns langweilenden Allerweltsgott zu einem Jupiter mit seinen göttlichen Schwächen wäre z. B. gar nicht so übel. — Aus Polen. Mit jedem Jahre wird das Ohr des ruhigen polnischen Bürgers mehr an das Wort: Sozialist, sozialistisch gewöhnt. Sch-iften, Broschüren und Bücher liefein ihm immer neue Nachrichten, immer neuen Stoff zum Nachdenken über die für ihn ziemlich neue Er- scheinung der s o z i a l i st i s ch e n B e w e g u n g. Er bittet Gott, ihn und sein Volk vor dem fremden Gifte zu bewahren. Aber trotz seiner Gebete ist der Sozialismus über Nacht ins Land gekommen, ja, was das Allerschlimmste ist, hat sogar in dem eigenen nationalen Boden, der dort eigentlich für eine ganz andere heilige Saat bestimmt ist, selbständig Wurzel gesaßt. Nachdem das Unheil einmal geschehen, hofft der ruhige Bürger jetzt, daß Gott die Polizei erleuchten und ihre Be- mühungen, das Gift des Sozialismus in Polen auszurotten, segnen möchte. Aber Gott läßt die Ursachen des Sozialismus bestehen, und verleiht demselben damit das Recht der Existenz. Die Polizei hat zwar Glück, Zufälle kommen ihr zu Hülfe.; im Allgemeinen aber ist ihr Vor- gehen ein blindes Wüthen, bei dem wohl manch einer der Genoffen ge- troffen wird, bei dem aber immer noch Streiter genug übrig bleiben, um trotz aller Verfolgungen die Fahne des Sozialismus hoch halten zu können. Die Warschauer resp. Petersburger Polizei ist mit den Ende 1883 und Anfang 1884 Verhafteten noch nicht ganz fertig, d. h. sie hat noch nicht allen den Prozeß machen lassen, und schon wieder ist sie an der Arbeit.— Von den Unglücklichen, die jetzt schon fast z w e i I a h r e in der Warschauer Zitadelle schmachten und ihres Urtheils harren, wurde am 29. August nur ein Theil gerichtlich abgeurtheilt. Man verbannte 24 Personen, darunter einige Mädchen, nach Ost- und W- st Sibirien, wobei die mindeste Strafe vier Jahre Verbannung ist. Das ist aber die mildere, weil administrative Strafe. Es blieben im Kerker noch 27 Unglück liche zurück, über die ein Kriegsgericht entscheiden soll. Dieselben haben wenigstens mehrere Jahre Zwangsarbeit zu erwarten. Wer nicht in Rußland war, der hat keinen Begriff davon, was das Wort Zwangs- arbeit bedeutet. Rur derjenige, welcher selbst in der Bewegung steht, weiß die schreckliche Bedeutung einer solchen Strafe zu würdigen. Es gibt in der Zitadelle endlich auch solche Gefangene, denen man nichts beweisen kann, die man aber doch auf mehrere Monate in den Kerker einsperrte, nachdem sie vorher schon in der Untersuchungshaft mehrere Monate zugebracht. Es sind deren über 10 Personen. Den Verhaftungen in Warschau, Lodz, Zgierz und anderen polnischen Industriezentren sind in der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober viele Haussuchungen und Arretirungen in Warschau gefolgt. Mit den fort- gesetzten sporadischen Haussuchungen und Arretirungen in den folgenden Tagen waren es im Ganzen etwa 300 Untersuchungen und über 60 Arretirungen, und das Alles nur in einer Stadt. Unter den Verhaf- teten befinden sich Personen beider Geschlechter und aus den verschie- densten sozialen Stellungen: Privilegirte und Nichtprivilegirte: d. h. ArBeiter. Da finden wir Lehrer, Lehrerinnen. Schriftsteller, Studenten, Näherinnen, Buchbinder und Arbeiter der Großindustrie. Die Armee des Sozialis- mus in Polen rekrutirt sich aus allen Schichten der Gesellschaft. Manche der Verhafteten werden wohl Kaution finden und befreit, vielleicht auch nachher freigesprochen werden, aber der größte Theil, und zwar vor- nehmlich die Nichtprivilegirten, haben eine nicht beneidenswerthe Zukunft vor sich. Es ist diesem trüben Berichte doch noch etwas Tröstliches beizufügen. Alle, oder beinahe alle Arretirten sind sich ihrer Lage bewußt und gehen ihrem Schicksal mit Muth entgegen. Es unterstützt sie der Glaube, daß ihre Sache die rechte sei und daß zahlreiche Nachkämpfer ihr Werk voll- enden werden. II. Fr. Korrespondenzen. Nürnberg.(Nachruf.) Ein schmerzliches Ereigniß ist es, welches uns heute veranlaßt, den Raum des Parteiorgans in Anspruch zu neh> men. Am Montag den 2. November, am Allerseelentag, brachten wir die sterblichen Reste unseres unvergeßlichen Freundes und Parteigenoflen Hans Hagenbauer zur letzten Ruhe. Da derselbe schon anfangs der Siebziger Jahre aus der Kirche ausgetreten war, so rief ihm an Stelle eines bezahlten Pfaffen sein langjähriger Freund, Genosse Karl Grillenberger, die letzten Abschiedsgrüße nach. Tausende seiner Freunde, und so viel zählte er gewiß in unserer Stadt, selbst den Be- griff in engerem Sinne genommen, umstanden trauernd sein Grab. Nach einem weihevollen Trauermarsche und einer von Sängern vorgetragenen herrlichen Arie ergriff Genosse Grillenberger das Wort. Derselbe schil- derte nun, wie unser verstorbene Freund von seinem 19. Lebensjahre an bis zum nun vollendeten 39. Jahre stets all' seine Thätigkeit, all' seine Schaffensfreudigkeit nur unserer Sache gewidmet hat. Im Jahre 1866, als lüjähriger Jüngling, wurde er im deutschen Arbeiterverein in B e r n der Sache des Proletariats gewonnen; von dieser Zeit an war er einer unserer feurigsten, unserer thätigsten Genossen. Er war es, der mit wenig Anderen unsere Bewegung Ende der Sechsziger Jahre in Fluß brachte, und sein Eifer hat seitdem nicht nachgelaffen. Immer war er einer der Vordersten da, wo es galt, für die Arbeiterfrage einzu- treten. Ebenso thätig wie er für die Partei war, ebenso thatkräftig sör- derte er die Gewerkschafts- und Unterstützungskassen. Bei den hiesigen lokalen Krankenkassen war er als ein ebenso uneigennütziger wie fleißiger und humaner Vcrwaltungsbeamter hochgeachtet. Sein ganzes Leben, rief der Redner aus, war nur der Allgemeinheit gewidmet! Und trotz aller dieser Thätigkeit erhielt er sich einen Humor und liebenswürdige Gesellig- keit, wie sie wenige besitzen. Ein Tod, schnell und schmerzlos, nahm ihn hinweg vom schönen Leben, aber auch vom Kampfe und vom Elende, das uns heute noch allerorts umringt. Nachdem Genosse Grillenberger mit tief empfundenen Worten Abschied von seinem Freund und Genoffen genommen, traten die einzelnen Ab- geordneten der Vereine, welchen der Verlebte angehörte, vor, um eine ungemein große Anzahl prachtvoller, zum Theil mit mächtigen rothen Schleifen gezierter Kränze niederzulegen. Im Namen der Partei sprach bei dieser Gelegenheit Genoffe Löwenstein; dem Genoffen Wiemer, der Namens der Genoffenschaftsdruckerei, deren erster Vorstand der Verblichene war, einen Kranz niederlegte, erstickten Thränen die Stimme. Die Parteigenossen der umliegenden Ortschaften und Städte hatten eben- falls Kränze und Deputationen geschickt,— mit einem Wort, das Be gräbniß war eine großartige Demonstration nicht nur für den Partei- mann, sondern in gleichem Maße für den Menschen. Selbst gegnerische Blätter mußten der Ueberzeugungstreue, Uneigennützigkeit und Ehren- hastigkeit Hagenbauers Beisall zollen. Unser Genoffe ist zu früh für uns gestorben, wir werden in ihn manchem Kampfe, der uns noch bevor- steht, schwer vermissen. Auch bei ihm trifft leider das schöne Herweg'sche Dichterwort zu: „Die Guten sterben jung!" Sein Andenken aber soll uns anfeuern, stets all' unser Können, all' unser Streben nur dem Einen Ziele zuzuwenden: der B freiung der Menschheit vom Doppeljoch geistiger und materieller Knechtschaft. A a ch r« f. Am 28. Oktober starb nach längerem Leiden im besten Mannesalter einer unserer tüchtigsten Genoffen, der Schneider A m b o s, an der Proletariarkrankheit, der Lungenschwindsucht. Wir verlieren in ihm einen Genoffen, der überall da thätig war, wo es das Interesse der Partei galt. Unermüdlich, nicht achtend der Gefahr, arbeitete er für unsere Sache. Um so detrübender ist es, daß wir an seinem Begräbnisse nicht theilnehmen konnten, da uns seitens seiner Verwandten sein Ableben nicht mitgetheilt wurde. Wir rufen ihm darum hiermit ein:„Ehre Deinem Andenken!" zu. Die Genossen von Dresden und Umgebung. Warnung. Der Schwindler Eduard Laufer(f.„Soz." Nr. 45) war auch in S t e t t i n, wo er sich auch„ B e r g e r, Ausgewiesener mit Oesterreich" nannte•und als„sehr großen Anhänger der Sozialdemo- kratie" aufspielte. Signalement:c. stimmt genau. Laufer arbeitete hier 14 Tage und hinterließ Schwindel- schulden. Er verdiente täglich 3 Mk., verstand aber nichts von der Arbeit, wollte nach Amerika über Hamburg, wohin wir ihm Reise- geld gaben. Hütet Euch vor ihm! Die Stettiner Vertrauensleute. Hugo Notthosf hier hat sich Schwindeleien und sonstige Ui>- ehrenhaftigkeiten zu Schulden kommen lassen, so daß wir vor demselben warnen müssen. Die Sozialdemokraten Ersfelds. Aufruf. Im„Sozialdemokrat" Nr. 31 1883 sind per Unterstützungs- Fond als in Deutschland eingegangen quittirt von: !«. aus«. Mk. 23« Wir ersuchen— eines wahrscheinlich waltenden Jrrthums halber" den Einsender dringend um sofortige Nachricht, ob dieser Be- trag korrekt(nicht etwa nur auf Mk. 2 30 lautend), wann und a» wen eingesandt worden ist. Vertrauensleute und Genossen wollen allseits hieraus aufmerksam machen und an bekannte Adressen hierher berichten. Sie Siptditioil des..Solialdemakrat'. Immer wieder schärfen wir unseren Korrespondenten ein, unter Angabe des Datums in jedem Brief u. f. w. stets deutlich anzugeben, welche Korrespon- denzen. Sendungen rc. bis zu Abgang eingetroffen waren. Bei Adreß- änderungen, Adreßlöschungen u. dgl. ist unbedingt Vorkehrung zu treffe«, etwa Laufendes in sichereHand zu leiten. Alle Adreßmeldunge« bitten wir in Deutsch- und Lateinschrift(behufs Kontrole) d e u t l i zu schreiben. Deckadressaten oder deren Angehörige sind zur Ablieferung sofort nach Empfangnahme strengstens anzuhalten, sowie auch dazu, Weiterbeförderungen und Abholungen pünktlichst zu bewirken. Sipeditii» de» Aijialdemikrat. Vrtcfkast.u der Redaktion: Frankfurt am Main: Einsender vo« „Zum Kapitel der Muster- Ordnungsstützen": Derartige Einsendunge« können wir nur aufnehmen, wenn die Einsender sich uns gegenüber z« erkennen geben. Wir bitten Sie also um Namensnennung einem unserel dortigen bekannteren Genoffen gegenüber. Strengste Verschwie- genheit auf alle Fälle garantirt.— Einsendungen aus Solingen, Staßfurt rc.: Aufnahme baldigst. Einstweilen best«» Dank. der Expedition: R. M. in S.: Fr. 10— durch R. F. pr. Ust- dkd. erh.— Schaffhausen: Fr. 22— f. v. streik. Kopnhgr. v. Dtsch"- Verein dkd. erh. u. besorgt.— Görlitz: Mk. 7 05 pr. Ufds. dkd. erh (Hierbei Mk. 2 05 für Bfm.)- Rübezahl G.: Mk. 36 Ab. 4.£> erh. Gewünschtes fort.— T. v. M.: Mk. 81— Ab. 3. Qu. erh. Alles unterwegs. Bstllg. Btk. fep.— Commrzrth. jr.: Mk. 3— Ab. 4. O 355. Lr. erh.— Viroflay: DM. 8— ülbon. Nov. u. Dez. erh.— Aha� verus: Mk. 6— Ab. 4. Qu. sandte M. L. für sich u. Kr.— Dr. K- Bpest: öwfl. 3— ä Cto. Schft. ic. erh. Bstllg. folgt. Archiv Sdg. dkd erh. Grüße!— C. Sh. Cincin.: Bstllg. flgt. Weiteres in Reo. Händen- — Feuerblume: Ist besorgt. Bfl. Weiteres am 9/11.— Bruno: Alles unterwegs. Adr. gel. Ab. 4. Qu. G. notirt. Bfl. mehr.— Angler- Bfk. 44 nicht gelesen? Zwei Zwischenhände mitunter zeitraubend. Gruß� — Luise: Natürlich„Zauber". Herzenstrost unterwegs.— Rother Exe- kutor: Adr. rc. geordn. Weiteres nach Wunsch.— Ehemaliger Reichs- Maulwurf C.: P.-K. und Bf. zugl. erh. Bstllg. folgt mit Andere» Endsilbe der Deckadr. fehlt nun zum Drittenmal. Aufgepaßt! — Rothe Schioeselbande: Bf. v. 10. durch C. beantw. Adr. geordn. � Torskasten: Werden der Zwischenhand die Ohren steifen. R.-E. betres Bescheid in Leipzig veranl. Bfl. Weiteres.— Mönus: Sehr gut. Wer- den weiter auswarten. March: Näheres am 12. pr. P.K. berichtet — Schwarzer Taugenichts: Dank für Recherchen. Bstllg. folgt.— Dll 3 Gleichen: Sdg. für Redakt. erh. Manuskript immer s e p a r a schreiben. Ebenso Geschäftliches.— Nr. 2002: öwfl. 5— ä Cto Ab erh. Wir können auf Einzel abonnements keiue Contos eröffne« Vielschreiberei rc. und nicht das Risiko ist's, was wir in erster Linie vermeiden müssen.— Rother Oberheffe: Mk. 2— Abon. No« und Dez. A. R. erh.— W. Grlhff. Chatani: Nur in Visitform zu> Massenverbreitung geeignet. Müssen zu genanntem Preis zw'1 Stück selber liefern können, wenn nicht noch billiger.— W. Adf. Bern- Fr. 10 90 ä Cto. Schst. erh. Remitt. gutgebr. Cto. glatt.— Rothe« Apostel: Bs. v. 15. hier. Mk. 100— ä Cto. gutgebr. Weiteres notirt — Zoroaster: Bf. v. 15 11. erh. Antw. folgt. Mk. 100— belastet. Rother Franz: fbb. u. Bf. eingetr. Gut.— Ein rother Sieger: Waru«» ohne Namen oder Referenz, da doch im Besitz von Deckadresse? � Rother Voigtländer: Nchbstllg. fort mit 44. Pgr. extra. Adr. geordnet — Roland II: Mk. 155 65 pr. Ab. 2. Qu., u. Mk. 151 85 pr. 3. Q« gutgebr. Bfl. Weiteres.— Sauhirt: Alles szt. an E. fort. Auch 40- Verlangen Sie Auslieferung sofort.— W. Bgs. Schz.: Mk. 3— T bis Ende Jan. erh.— R. M. Außers.: Fr. 1 50 Ab. Nov. u. Dez. erh. Clautus: Mk. 70— ä Cto. u. Mk. 3— pr. Ab. 4. Qu. W. Hgl. erh Adr. notirt.— H. W. Ff.: Mk. 4 40 Ab. 4 Qu. erh.— London:& sofort veranlaßt, Beweise-c. direkt zu senden. Von M. Zuge standenes kompensirt, übrigens gegebene Notiz zur dringlich er- achteten Nothweh r. Gewäh' smann alterprobt.— H. M. London' Photogr. erh. u. zur Rekognition rc. weitergesandt. Als Buchhalter und Korrespondent gleichviel welcher Branche, sucht ein mit sämmtlichen Komptoirarbeite« (auch im Bank fach) vollständig vertrauter, junger, militärfreier Man« Stellung. Prima Referenzen. Eintritt nach Belieben. Gefl. Anträge besorgt Die Expedition des„Soziardemokrat." 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