Krscheiut »Sch»«tlich(tnmal m aus Zürich(Schweiz). '.m -l. vertag der da I»»»»»»uchhandl««, I Hottt«g«n> Zürich. Kißstildlllllt» s««n>» gegen frank». chewihnliche Briefe »ach»er Schwei» losten Doppelporto. Der oiialDcmolirnt Hit' ilbeti Jentrat-Grgan der deutschen Sozialdemokratie. Monnemcnts «erden bei allen fchweizerische» Postbureaup. sowie beim Verlag und dessen belannten Agenten entgegengenommen, und zwar zum voran» z ahl dar»« viertelsahriprei» von: Fr ll,— sstrdieEchwetztKreuzband) Ml»— für Deutschland(Souveit) st. 1.70 siir Oesterreich(Souvery Fr. 2 50 für alle übrigen Linder de» Weltpostverein» llkreuzbands. Zstserite die dreigespaltene PetttzeUe 25 Ei». c*= 20 Psg. � 48. Z>onncrstag, 26. November 188». 9* an MC* Avis a« die Adonnenten und Korrespondenten des„Soziardemotrat."-MW ...._ ,0 beim veriolat wird und dl» dortigen. als migltch an den.koiialdemolrat'. resp dessen«erlag selbst adressiren. sondern sich mbglichst an irgend ein» unverdichtig, Da der Solialdemokrat' sowobl m Deutschland°l»-uch tn Oesterreich v-rboien ifi bejw g � 60rt ttn un, S Adreste außerhalb Deuischlands und Oesterreich» wenden, welche sich dann mit un, in Berbmdung I-V!»nd-rseii, aber da» Bebbrdrn 1?» alle«!ibe geben, unsere Verbindungen nach sene» Sindern wbglichst zu erschweren, ff, noihwendig und! auch UN, mbglichst unversängliche Zustellungiadresten mitgeib-ilt werden. Zn ,wciselhasien Fällen empfiehlt sich behus» grbb-re» �unw, 5,°ung� und lonsttgen Speditionen na» dort.bzusangen. so ist die iuste-st-«°rfi»''w NM»» � Eicherh.it«ekommandirung Soviel an UN« lieg,, werden wir g.wih weder Müh- noch»osten scheuen um trotz aller enigegm. darf l�in" V°rfich,,m°str-g-l versäum, werden. die«r-imard-r Ub-r d-n w.h.m«sendn un�tomp�n»� 1 � z st-h.nd-n Schwaig,-i.-n den.Sozialdemolrai- unseren Abonn.nien mbglichst reg.lmawg ,u t.es--» der Sendungen ,u täuschen, und letztere dadurch zu schützen tz-upl>r,°r°irni»>n»>-, raui i Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! tlmi poiv ireß' ff«". tg«; l ii ilN au lichst vo» mg«" er s" iserek o i«' aui >estl" Ust- tschm erh' Ott Zllie» Vit lh-t' >r. dkd- »den. Alle« gl«'? truß! Ex«« eich"' erea )aß n. Wer' chtet - Df ; r a' . ffnett eistet Noo- >u' zw" lerni othet otitst t.> arl»" dnet . O j 40' Parteigenossen! Mit dem heutigen Tage beginnt die neue Reichstagssession. Damit erwuchs für uns die Pflicht, unfern Posten als Eure erwählten Ver- lreter im Reichstag wieder einzunehmen. Wir werden unsere Pflichten «rsiillen, soweit es in unseren Kräften steht. Aber diese Pflichterfüllung «rfordert große finanzielle Opfer, die aus eigenen Mitteln zu bringen Nur Einzelne unter uns vermögen. Das Reich verweigert den Volks- "ertretern Entschädigungen, welche die Abgeordneten der Einzelstaaten sämmtlich und meist in reichem Maße beziehen. Bei Gründung des Norddeutschen Bundes und später des Deutschen Reiches war man ge- zwangen, das allgemeine Stimmrecht einzuführen, einestheils weil es Salt, für die neuen Institutionen im Volke Sympathie zu erobern, anderntheils aber und hauptsächlich, weil bei der großen Verschiedenheit der Steuersysteme und der Riederlaffungsverhältniffe kein gemeinsamer 8oden vorhanden war, der die Einführung eines Zensuswahlsystems ermöglichte. Man fand aber in der Verweigerung der Diäten an die Reichstags- Mitglieder ein Korrektiv gegen die demokratischen Wirkungen des allge- weinen Stimmrechts. So kommt es, daß man den aus Klaffenwahlen hervorgegangenen Vertretern Entschädigungen gewährt, die man den durch das allgemeine Stimmrecht gewählten Vertretern vorenthält. Dem durch die Diätenprozeffe zu schärfstem Ausdruck gelangten Streben Nach Beschränkung des Bolkswillens muß das Volk aus eigener Jnitia- live entgegenwirken, indem es freiwillig seinen Vertretern bietet, was die das Klaffeninteresie der Besitzenden wahrende Staatsgewalt ihnen verweigert. Wir fordern Euch also auf, Parteigenoffen, dementsprechend zu han> dein, überall Sammlungen für den Diätenfonds vorzunehmen und die Sesammelten Beiträge entweder an die Expedition des„Sozialdemokrat" «der an einen von uns abzuführen. Quittung wird wie früher erfolgen. Mit sozialdemokratischem Gruße I Berlin, den 13. November 1885. Auer. Bebel. Blos. Bock. Dietz. Frohme. Geiser. Grillenberger. Harm. Hasenclever. Heine. Kayser. Kräcker. Liebknecht. Meister. Pfannkuch. Rödiger. Sabor. Schumacher. Singer. Stolle. Viereck. Wollmar. Wiemer. t; ig«' , ell idottt r. 3 CaH ß. lieber moralische Zurechnungsfähigkeit und die wissenschaftliche Begründung der Strafmaße. Auf dem im September dieses Jahres in Brüssel abgehal- tenen Freideuker-Koiigreß bildete einen der Hauptpunkte der Debatte die interessante Frage, inwieweit die Individuen für ihre Handlungen verantwortlich zu machen sind, und ob sich ein Strafmaß überhaupt wissenschaftlich begründen lasse. Eine hierüber eingesandte Kollektiv-Erklärnng der Freidenkervereine von Neapel, die sich auf die Untersuchungen des Professors Giovanni Bovio über das Strafrecht und die Grundlagen der Ethik stützt, scheint uns der Wiedergabe an dieser Stelle nicht unwerth. Wir entnehmen sie dem— leider eingegangenen—„National belge", gestatten uns jedoch, die Einleitung zu kürzen. '.' Bovio beweist im ersten Kapitel seiner Schrift, daß eigent- lich bei der Strafe von Gerechtigkeit keine Rede sein kann, da zwischen dem Verbrechen und der Strafe, zwei ganz verschie- denen Begriffen, weder eine Beziehung, noch ein Berhältniß, noch ein Abschätzungsmaß(approxinrnticm) besteht. Dieser Mangel an einem Maßstab für die Strafe rührt daher, daß es den Strafgesetzbüchern an einer vernunftgemäßen Grundlage fehlt— die Voraussetzung eines freien Willen s beim Verbrecher ist von der Wissenschaft schon längst fallen gelassen. Die Handlungen der Menschen sind nicht„frei", sie sind Produkte einer N o t h w e n d i g k e i t dreifacher Natur der p hfy s i s ch e n, der historischen und der sozialen Nolh- wendigkeit. Diese drei Nothwendigkeitcn sind die Mitsch uldigen jeder verbrecherischen That. Die physische Nothwendigkeit, d. h. der Einfluß der Natur des Menschen auf seine Handlungen, hängt zunächst vom Klima ab, der Natur, in der er lebt. Dazu kommt die Vererbung(Atavismus), welche die Einflüsse des Klimas kreuzt, und ferner die Idiosynkrasien(unwillkürliche Ge- müthseindrücke). Dieser Eindruck wird zwar durch die Er- Ziehung, welche Bovio den Reflex der Kollektio-Seele auf I das Einzel-Individunm nennt, modifizirt, aber nur sehr allmälig und ohne je ganz aufgehoben zu werden. Die historische Nothwendigkeit erklärt, warum jedes Jahrhundert und jede Generation, jedes Volk und jede Rasse(und wir fügen hinzu: jede Gesellschafts- klaffe. Red. des„S.-D.") ihre speziellen Verbrechen und Tugenden haben, die sich anderwärts nicht wiederholen. Im Guten wie im Schlimmen, lehrt die historische Nothwen- digkeit, tragen jeder Ort und jede Zeitepoche ihren eigenen Stempel. Und, von den Rationen auf die Individuen übertragen, erklärt sie auch die Verbrechen der verschiedenen Lebensalter. Die soziale Nothwendigkeit besteht in der moralischen, wirthschaftlichen, politischen und religiösen Um- g e b u n g, innerhalb deren der Mensch lebt. Man setze gewisse moralische und religiöse Ideen, gewisse politische und wirth- schaftliche Verhältnisse, und alöbald sind gewisse Verbrechen— oder was man als solche ansieht— unvermeidlich. So gibt es noch unter dem vierten Stand oder Proletariat eine zahlreiche Menge ohne Beruf, schwankende Gestalten— eine„soziale Dunstatmosphäre"— wo Verbrechenbegehcn Erziehung, In- stitution, Disflplin, Werth und Tugend heißt. Mit solchen Begriffen beispielsweise wachsen die Menschen auf und ent- wickeln sie sich da, wo die Kam o rra und Maffia(geheime Verbrccherbanden in Süd-Jtalien. Anmerkung der Red.) be- stehen, wo, was noch viel schlimmer ist, mit Statuten und einer ganzen Hierarchie, Diktatoren und ihre blinden Werk- zeuge herrschen. Diese dreifache Nothwendigkeit, die im Grunde nur die Entwicklung einer einzigen— der natürlichen— ist, bildet bei jedem verbrecherischen Akt eine unsichtbare, aber perma- nente Mitschuld. Erst als Hysterie(Reizung der Nerven), Hyperästhesie(dasselbe verstärkt) Hang ic., dann als Ge- wohn hei t, Veispiec, A it reVz» n g jc. und schließlich als Erziehung und Institution. Und diese universelle Mitschuld, bei der Niemand die Rollen tauschen noch abwägen kann, ist ein neuer Beweis für die Unmöglichkeit einer Verhältnißmäßigkeit der Strafe. Daraus folgen zwei Sätze: Erstens, daß die Zurechnungsfähigkeit, wenn sie existirt, nie individuell sein kann, wie es die Gesetz- bücher voraussetzen, sondern daß sie eine kollektive gesellschaft- liche Verantwortlichkeit ist. Omnia(?) fallunt, si fefellerit unus.(Alle sündigen, wenn Einer sündigt.) Es ist dies das Gesetz der Solidarität. Zweitens, daß die Strafe immer nur blind und zufäl- lig trifft: sie trifft den, der sich nicht verthcidigen kann, und hinterläßt keine Zeichen von Wiederherstellung. Soll man nun deshalb das Strafgesetzbuch abschaffen? Das erschiene als die unmittelbare Folge, wenn man de» Gesetzen der geschichtlichen Entwicklung keine Rechnung tragen wollte, deren hauptsächlichstes uns beweist, daß sich w i d e r sp r e ch e n d e Einrichtungen im Laufe der Geschichte im umge- kehrten Berhältniß entwickeln. Sich widersprechende Einrichtungen sind solche, die entgegen- gesetzten Zwecken dienen. So stehen zu einander das jus dslli und das jus Aöntium(Kriegsrecht und Völkerrecht), Religion und Wissenschaft, Erbrecht und Arbeitsrecht, Strafgesetzbuch und soziale Erkenntniß. Je mehr die eine dieser Institutionen an Einfluß gewinnt, um so mehr nimmt der der andern ab, und darum entwickeln sie sich geschichtlich im umgekehrten Ver- hältniß. Auf Strafgesetze und die soziale Erkenntniß angewendet, heißt das: Je mehr die Recht' und Pflichten deö Menschen, die der Person in der Menschheit, in der Nation, in der Ge- meinde zc. sich erweitern, um so mehr nehmen die Strafgesetze ab, sei es mit Bezug auf die Art und die Dauer der Strafen, sei es mit Bezug auf die Möglichkeit, sich zu vergehen. Freilich haben wir auch die Laster— sozusagen die Kritiken der Z i v i l i s a t i o n, aber, n m d i e W a h r- heit zn sagen, einer Zivilisation, welche Bico raffinirte Barbarei nennen würde, einer Zivilisation, welche ebenfalls bestimmt ist, zu verschwinden zu Gunsten einer wirksameren Zivilisation, die, indem sie alle Rechte und alle Pflichten in's Gleichgewicht bringt, alle Angehörigen der Gesellschaft zur Theil- nähme an allen gemeinsamen Zielen des geschichtlichen Lebens berufen wird. Und hier zeigt sich der große Gegensatz zwischen unserer Richtung und der empirischen'Schule, daß, während die em- pirische Schule, die hierin der Ordnungsschiile folgt, glaubt, es müsse hart, ja, mit dem Tode gestraft werden, um sich ge- wisser Verbrechen und gewisser Schuldigen zu entledigen, wir im Gegentheit der Ansicht sind, daß das Strafgesetzbuch immer milder werden muß;- denn die Ursachen der Verbrechen sind nie und werden nie anders beseitigt werden als durch die stets zunehmende soziale Erkenntniß. Die soziale Erkenntniß muß äls eine stets wachsende Aus- 1 dehnung der Freiheit aufgefaßt werden, die, je mehr sie sich erweitert, um so mehr die Zügellosigkeit nöthigt, abzunehmen. Die versklavtesten Völker sind die unsittlichsten; was ihnen an Freiheit fehlt, besitzen sie an Lastern und Gräueln. Gibt es also freien Willen, moralische Freiheit? Diese Freiheit ist lediglich die Selbstbestimmung der Vernunft. Die Menschen haben so viele individuelle und zivile Freiheit, als durch die Vernunft geleitete Selbstbestimmung; und je mehr diese Selbstbestimmung der Vernunft sich entfaltet, umsomehr nimmt die Freiheit eines Menschen und eines Volkes zn. Be- merken wir jedoch, daß die Freiheit, von der wir sprechen, etwas ganz Anderes ist als der freie Wille der Theologen und MetaPhysiker. Seien wir frei, heißt: seiem wir vernünftig, richten wir uns nach den Gesetzen der Natur und der Geschichte, stolpern wir nicht über das Weltenrad; wenn wir gehen wollen, folgen wir dem Lauf, den die Natur der Dinge vorschreibt. So verstanden, ist die Freiheit nicht die Gabe, auszuschreiten, sondern die Gabe, sich mit seiner eigenen Natur und mit der Natur der Dinge in Einklang zn versetzen. Sie ist die Natur, die, indem sie sich erkennt, sich auf sich selber be- schränkt. Der verständige Mensch übertreibt demnach nicht; er be- klagt den gewöhnlichen Verbrecher, sei er der Unglückliche, der sich in den Schlingen des Strafgesetzbuches verwickelt hat, oder der gemeine Schlaukopf, der dasselbe in- und auswendig kennt; er beklagt den gewöhnlichen Verurtheilten ebenso wie den Richter, aber seine Klage ist keine Erniedrigung, sie ist die Liebe, die jene Erziehung anräth und ausübt, ohne welche Sokrates ein Dieb und Zeno ein Mörder gewesen wäre. Nie ward ein weiserer Ausspruch gethan als der des Aristoteles: Die Philosophie lehrt mich, freiwillig zu thun, was andere aus Furcht vor dem Gesetze thun. Das ist die höchste Bedeutung der Freiheit und der Erzieh- nng, eine Deutung, welche als Erklärung jenes modernen Axioms gelten kann, das die Moral so zusammenfaßt: Die wahre Nothwendigkeit ist die Nothwendigkeit der Freiheit. Der Schluß der Denkschrift lautet: Die moralische Verantwortlichkeit ist mehr kollektiv als individuell, und die philosophische Begründung der Strafe besteht in einer rela- tiven Nothwendigkeit, die mit dem Fortschreiten der sozialen Erkenntniß immer mehr abnimmt. Und nun einige wenige Bemerkungen unserseits. So logisch und klar die Denkschritt in ihrem ersten Theil, so verschwommen ist sie am Schluß. Hier zeigt es sich, daß wir es mit Freidenkern und nicht mit Sozialisten zu thun haben. Von der sozialen Nothwendigkeit, die oben ganz treffend charakterisirt wurde, merken wir hier gar nichts mehr, sie scheint sich verflüchtigt zu haben, und statt ihrer hören wir von„sozialer Erkenntniß", von„Selbstbestimmung der Vernunft", der„wahren Freiheit". Das sind sehr schöne Dinge, die aber ohne ganz besümmte gesellschaftliche Einrich- tungen in der Luft schweben. Und selbst wenn wir annehmen sollten, daß durch den Hinweis auf die„wirksamere Zivilisa- tion" bereits diese Einrichtungen vorausgesetzt sind, so ist wiederum die Schilderung dieser Zivilisation durchaus nicht nach unserem Geschmack. Hier mußte klar und nett auch die wirth schaftliche Seite der Frage hervorgehoben werden, ohne deren Lösung alle soziale Erkenntniß nichts nützt. Zur Bauern-Agitation. Aus Schleswig-Holstein. Als eine der schwierigsten Fragen scheint man die Religiosität der Landleute anzusehen, und sicherlich kann nicht geleugnet wer- den, daß die Religion einer der delikatesten Punkte ist. Aber das trifft nicht nur bei den Landleuten zu, sondern jeder sogenannte fromme— rich. tiger gläubige Mensch wird sich nur schwer mit einem Freidenker in eine Diskuffion über Religion und ähnliche Fragen einlaffen. Es ist aber durchaus nicht noihwendig, daß man diese Frage berührt, sondern man kann die Religion das sein lassen, was sie nach dem Partei Pro- gramm sein soll: Privatsache des Einzelnen. Die Lage der Landarbeiter ist eine solche, daß sich Anhaltspunkte genug finden lassen, um ihn mit den Grundsätzen des Sozialismus bekannt zu machen. Es gibt Leute, und unter der Landbevölkerung kommen sie mehr vor als in jeder an- dern Gesellschaftsschicht, welche selbst die einfachsten Fragen nicht verstehen, wenn man sie ihnen mittheilt, ohne dabei von ihnen bekannten Gesichts- punkten auszugehen. Thut man das Letztere aber, knüpft man an That- fachen an, die jeder kennt, und wird hierbei systematisch zu Werke gegangen, so daß man nie den Zusammenhang mit dem Bekannten außer Augen läßt, dann begreifen sie ohne Mühe die schwierigsten Punkte un- 'eres Programms. Nur hüte man sich, als Ausgangspunkt den utopisti- che« Bibelkommunismus zu nehmen, denn in diesem Fall wird man den o Gewonnenen nur mit einem neuen Bande an den Kirchenglauben schmieden und ihn somit noch mehr ins Schlepptau des Pfaffen bringen. Wozu braucht man auch zur Bibel und ähnlichen Scharteken zu greifen, um den Landmann von der UnHaltbarkeit der gegenwärtigen Zustände zu überzeugen? Bietet das alltägliche Leben nicht der Beispiele ge- nug? Da ist vor allen Dingen die Entw ickelung der modernen Technik, welche von zwei Seiten auf den Landmann einstürmt. Er- stens hat die Vervollkommnung der Verkehrswege eS dahin gebracht, daß der Farmer des Westens von Amerika sowie der Grundbesitzer Ostindiens und Egyptens als Konkurrenten auf dem euro- päischen Markt erscheinen und die Preise in einer vorher nie gekannten Art drücken. Bei uns in Deutschland haben zwar die Großgrundbesitzer durch den Getreidezoll die Bodenrente zu retten gesucht; dieses Heil- mittel wirkt aber auf den Kleingrundbesitz ebenso wie das bewährte Ver- fahren des Dr. Eisenbart: der Kleingrundbesitz ist fast durchgängig nur dort zu finden, wo der Boden von schlechterer Ertragsfähigkeit ist, und auf solchem Boden helfen nicht Gebete, sondern es muß viel Dünger verwendet werden, und um diesen zu haben, ist ein größerer Vieh- stand vonnöthen. Es kann der kleine Bauer also kein Getreide ver- kaufen, sondern muß in den meisten Fällen noch etwas zukaufen und in Folge dessen, von seinen ohnehin schon knappen Einnahmen noch Getreide- zoll zahlen, oder, wenn er dieses nicht kann, seinen Viehstand ver- ringern und so mit dieser Verringerung die Ertragsfähigkeit seines Bodens verschlechtern. Die andere Seite, von der aus die Technik die bestehenden Verhält- nisfe untergräbt, ist die Erfindung und Einführung neuer land- wirthschaftlicher Maschinen. Zwar können diese in erster Linie nur von den Großgrundbesitzern mit Erfolg angewandt werden, aber der Kleingrundbesitzer steht nun einmal mit diesem im Konkurrenz- kämpf und sucht daher nach Mitteln, die ihn vor dem Schicksal retten, im ersten Anprall den Kampfplatz räumen zu müssen. Hier könnte Herr Schäffle seine Freude an dem„antikollektivistischen Bauernschädel" erleben, — wenn die gegenwärtige Gesellschaft nicht länger vorhalten soll als der Antikollektivismus bei den Bauern, dann könnte sie schon heute in die Grube fahren. Freilich sind es nicht sozialistische Agitatoren, Umstürzler von Profession, welche den Individualismus bei den Bauern so sehr ins Wanken bringen, sondern es ist der vielgerühmte Fortschritt der Herr- schast des Menschengeistes über die Natur— die vielen Erfindungen und Entdeckungen der technischen Wissenschaften sind es, welche Schäffle s letztem Hort der gegenwärtigen Gesellschaft sein Grab graben und ihn hineinlegen, wo er vermodern wird mit vielen anderen Vorurtheilen des Alterthunis und Mittelalters. Ich will hier aus der Fülle der Thatsachen nur eine hervorheben: es betrifft die M i l ch w i r t h s ch a f t. Seit Erfindung der Zentrifugal- Maschinen, durch welche man den Fettgehalt bis auf ein kleines Mini- mum aus der Milch herauszieht, würde es sich kaum der Mühe lohnen, auf anderem als diesem Wege Butter zu fabriziren. Da hierzu aber Kapital erforderlich ist, welches der einzelne kleine Bauer nicht hat, so greift er zur Genossenschaft, und so schießen die Genossen- schasts-Meiereien seit einer Reihe von Jahren förmlich wie Pilze aus der Erde. Die Dampfmaschine erobert sich auch in der Land- wirthschaft Heimatrecht, und wo sie einzieht, stürzt das alte patriarcha- lische Verhältniß: der Bauer wird zum Waarenfabrikant, und der Landarbeiter steht als Proletarier dem Kapital gegenüber. Daß die Verhältnisse für die Sache des Proletariats auf dem Lande immer günstiger werden, erkennen sogar unsere Gegner. So enthielten die„Jtzehoer Nachrichten", ein nationalliberales Blatt der schlimmsten Art, vor einiger Zeit einen Artikel, der mit folgendem Passus endete: „Zum Schluß möchten wir noch auf die sozialen Verhältnisse hinwei- sen, die Herr-n- gar nicht in Erwägung zieht. Ist die Erhaltung des Bauernstandes nämlich nicht gesichert, wird er zum haltlosen Flugsand, so stürzt damit der soziale Bau. Die.Gesellschaft ruht zunächst auf wirthschaftlicher Grundlage und jeder Umwälzung auf diesem Gebiet müssen auch soziale und politische Revolutionen folgen. Der deutsche Bauer könnte aus Roth und Verzweiflung sich schließlich auf jene Seite stellen, von welcher ihm in seiner bedrängten Lage der dop- pelt verführerische Lockruf entgegenschallt: Gemeinsamkeit des Grund- besitzes, Agrarkommunismus. Die Sozialdemokraten warten darauf, daß die Roth unfern Bauernstand(nicht sowohl den schleswig-holsteinischen als den deutschen) in ihre Arme treibe. Liebknecht deutete oas schon im Sommer 1880 auf einer Versammlung in Paris an. Die Schluß- folgerung der Sozialdemokraten ist folgende: Das stärkste Bollwerk gegen die Sozialdemokratie ist bisher das zähe Festhalten des Beuern an seinem Eigenthum gewesen. Das war die Schranke, an welcher das Wachs- thum der Sozialdemokratie schließlich hätte zum Stillstand kommen müssen. Das amerikanische Getreide beseitigt nun diese Schranke, es expropriirt den Bauer, setzt ihn außer Besitz, stößt ihn ins Proletariat hinab und wandelt ihn aus einem Vertheidiger zu einem Feind der gegenwärtigen Ordnung um. Der Sozialismus sieht deshalb in der überseeischen Kon- kurrenz seinen besten Bundesgenossen. Denn wenn die Preise der Besitze um die Hälfte des Werthes sinken sollten, so ist der Landmannsstand Preußens depoffedirt. Ob dann aus dieser Asche ein Phönix entsteht, muß ja abgewartet werden." Die Verhältnisse spitzen sich täglich mehr zu, und darum können wir mit unseren Forderungen: Verwandlung der Arbeitsmittel, also auch des Grund und Bodens, in Gemeingut der Gesellschaft und die genossenschaftliche Regelung der Gesammt- arbeit mit gemeinnütziger Verwendung und gerechter Vyrtheilung des Arbeitsertrages, auch bei der Landbevölkerung rückhaltlos vorgehen. Wenn wir sie aus diese Sätze hin für uns gewonnen haben, dann kann uns Pfaffe und Kirche nicht mehr schaden; denn wenn auch bei Einzelnen die Religiosität noch nicht ganz verschwunden ist, so kommen doch im öffentlichen Leben Gelegenheiten genug, wie bei Wahlen u. s. w., wo der Pfaffe es für nöthig findet, den Sozialismus anzugreifen. Hierbei ent- FeuMeton. Zur Geschichte des„Mundes der Kommunisten." Von Friedrich Engels. (Schluß.) Daß aber der Bund eine vorzügliche Schule der revolutionären Thä- tigkeit gewesen, bewies sich jetzt. Am Rhein, wo die„Neue Rheinische Zeitung" einen festen Mittelpunkt bot, in Nassau, Rheinhessen-c. standen überall Bundesglieder an der Spitze der extrem-demokratischen Bewegung. Desgleichen in Hamburg. In Süddeutschland stand das Vorherrschen der tteinbürgerlichen Demokratie im Weg. In Breslau war Wilhelm Wolff bis in den Sommer 1848 hinein mit großem Erfolg thätig; er erhielt auch ein schlesisches Mandat als Stellvertreter zum Frankfurter Parlament. Endlich in Berlin stiftete der Schriftsetzer Stephan Born, der in Brüssel und Paris als lhätiges Bundesmitglied gewirkt hatte, eine„Arbeiterverbrüderung", die eine ziemliche Verbreitung erhielt und bis 18S0 bestand. Born, ein sehr talentvoller junger Mann, der es aber nut seiner Verwandlung in eine politische Größe etwas zu eilig hatte,„verbrüderte" sich mit den verschiedenartigsten Kreti und Plethi, um nur einen Haufen zusammen zu bekommen, und war keineswegs der Mann, der Einheit in die widerstrebenden Tendenzen, Licht in das ChaoS bringen konnte. In den amtlichen Veröffentlichungen des Vereins laufen daher auch die im kommunistischen Manifest vertretenen Ansichten kunter- bunt durcheinander mit Zunfterinnerungen und Zunftwünschen, Abfällen von Louis Blanc und Proudhon, Schutzzöllnerei u. s. w., kurz man wollte Allen Alles sein. Speziell wurden Streiks, Gewerksgenossen- schaften, Produktivgenossenschaften ins Werk gesetzt und vergessen, daß es sich vor Allem darum handelte, durch politische Siege sich erst das Gebiet zu erobern, worauf allein solche Dinge auf die Dauer durchführ- bar waren. Als dann die Siege der Reaktion den Leitern der Verbrü- derung die Nothwendigkeit fühlbar machten, direkt in den Revolutions- kämpf einzutreten, wurden sie von der verworrenen Masse, die sie um sich gruppirt, selbstredend im Stich gelassen. Born betheiligte sich am Dresdner Maiaufstand 184g, und entkam glücklich. Die Arbeiterverbrü derung aber hatte sich, gegenüber der großen politischen Bewegung des Proletariats, als ein reiner Sonderbund bewährt, der großentheils nur aus dem Papier bestand und eine so untergeordnete Rolle spielte, daß die Reaktion ihn erst 1 8S0, und seine fortbestehenden Ableger erst meh- rere Jahre nachher zu unterdrücken für nöthig fand. Born, der eigent- lich Buttermilch heißt, wurde keine politische Größe, sondern ein kleiner wickeln jene Herren dann gewöhnlich eine Dummheit, die nur von ihrer Frechheit im Lügen übertroffen wird, und die alte Fabel des Theilens ist fast das einzige, was sie gegen uns vorzubringen wissen. Hört nun ein noch etwas fromm Angehauchter den Pfaffen so frech lügen, so ver- liert er auch den letzten Rest der Schwärmerei für die Religion. Freilich, wird man sagen, wenn der Boden für den Sozialismus auf dem Lande schon so weit gediehen ist, dann müßten doch öfter Kund- gedungen von dort kommen. Hierbei ist aber zunächst in Betracht zu ziehen, daß die Verhältnisse auf dem Lande sich überhaupt weniger zum demonstrativen Auftreten eignen, ferner aber die größere Abhän- g i g k e i t, in der die Landarbeiter sich befinden. Man muß nicht an- nehmen, daß von den 8098 Arbeitern, welche im Jahr 1874 im neunten schleswig-holsteinischen Wahlkreise(Seegeberg Plön) einen Arbeiter in den Reichstag wählten, heute keiner mehr Sozialist sei, da ja dort seit Erlaß des Sozialistengesetzes keine Stimmen für uns abgegeben sind. Das Prinzip wurzelt heute noch wie damals tief in ihren Herzen, aber die rohe Ge- walt ihrer Unterdrücker hindert sie, es öffentlich zu bekennen; denn nir- gends sind die Maßregelungen so brutal gewesen wie dort in Folge jener Wahl. Man hat es fertig gebracht, sie von der Wahlurne fernzuhalten; aber wenn einmal der Tag kommen sollte, wo man die Bauern zu etwas anderem als zum Stimmvieh gegen die Arbeitersache haben will, dann wird jener jahrelang zurückgehaltene Zorn auflodern, sie werden ein mächtiges Glied sein in der Armee des kämpfenden Proletariats. B r ä s i g. -«sA/vxiyvw- Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 26. November 188S. 9. In ihrer ersten Fraktionssitzung— am 18. d.M.— erledigten die sozialdemokratischen Abgeordneten die Revision des im vorigen Frühjahr eingebrachten Entwurfs eines Arbeiters chutz- g e s e tz e s. Abgesehen von den mehr einen redaktionellen Charakter tragenden Aenderungen und verschiedenen Detailverbesserungen wurde der Paragraph betreffend die Wöchnerinnen im Sinne des schwel- zerischen Fabrikgesetzes genauer präzisirt. Vollständig in Wegfall kamen die Geldbußen. Des Weitern ward festgesetzt(in ß 106): „Für verheirathete Frauen, bez. Wittwen hat an Sonnabenden der Schluß der Arbeitszeit beretts um 12 Uhr Nachmittags einzu- treten", und der zweite Absatz des§ 106 a wie folgt gefaßt: „Das Arbeitsamt ist befugt, unter Zustimmung der Arbeits- kammer für Betriebe, wo dies im Interesse der Betheiligten liegt, über Anfang und Ende der Arbeitsschicht andere, den Bedürfnissen entsprechende Bestimmungen zu treffen, jedoch muß, ausschließlich Pause,,, die zehnstündige Arbeitszeit eingehalten werden." ß 135 a, der vom Minimallohn handelt und welcher bisher also lautete: „Ferner haben die Arbeitskammern die Minimalhöhe der Löhne aller Hilfsarbeiter festzusetzen. „Beschwerden über die festgesetzten Minimallöhne erledigt der Arbeitskammertag" hat jetzt folgende Fassung: „Die Arbeitskammern haben für die in ihrem Bezirk beschäftigten Arbeiter und Hilfsperso- nen auf Antrag BetheiligterMinimallöhne fest- zusetzen. „Beschwerden über die festgesetzten Minimallöhne erledigt der Arbeitskammertag." Außerdem ist noch zu erwähnen, daß statt des im ersten Entwurf gebrauchten Ausdrucks„Hilfspersonen" und„Hilfspersonal" im neuen Entwurf die Ausdrücke„Arbeiter und Hilfspersonen" und„Arbeiter und Hilfspersonal" gebraucht werden. Der Ausdruck„Hilfspersonen" und„Hilfspersonal" war seinerzeit gewählt worden, weil außer den Lohnarbeitern auch die K o m m i s und das sonstige H i l f s- personal der Kausleute und anderer nichtindustrieller Unter- nehmer bezeichnet werden sollten. Die sozialdemokratische Fraktion hat weiter beschlossen, sich an Kom- Missionen auch fernerhin zu betheiligen. Der dahingehende Beschluß wurde einstimmig gefaßt. Die Fraktion hat für folgende Kommissionen Mit- glieder ernannt: Geschäftsordnungskommission, Petitionskommission, Wahlprüfungskommission, Kommission über das Unfallgesetz und Kom- misston über das Arbeiterschutzgesetz. — Der Abschaffung des Sozialistengesetzes soll ein „Uebergangsstadium" vorausgehen— so meinte Herr Gneist— welches uns wieder allmälig an normale Zustände gewöhnt. Es ist das die Geschichte vom zollweise abgeschnittenen Hundeschwanz— nur um- gekehrt. Der mit einem Schnitt beseitigte Schwanz soll zollweise wieder angesetzt werden. Unter„normalen Zuständen" versteht Herr Gneist die Herrschast des gemeinen Rechts, und das beste„Uebergangs- stadium" ist ohne allen Zweifel, daß man allmälig die Bestimmungen des Ausnahmegesetzes in das gemeine Recht übergehen läßt. Wie es scheint, ist etwas Derartiges im Werk. Ein Gneist macht keine solchen Andeutungen, ohne sich vorher über die Absichten der„leitenden Kreise" vergewissert zu haben. Schweizer Professor, der nicht mehr den Marx ins Zünftlerische, sondern den sanften Renan in sein eignes süßliches Deutsch übersetzt. Mit dem 13. Juni 1849 in Paris, mit der Niederlage der deutschen Mai-Ausstände und der Niederwerfung der ungarischen Revolution durch die Russen war eine große Periode der 1848er Revolution abgeschlossen. Aber der Sieg der Reaktion war soweit noch keineswegs endgültig. Eine Neuorganisation der zersprengten revolutionären Kräfte war ge- boten, und damit auch die des Bundes. Die Verhältnisse verboten wieder, wie vor 1848, jede öffentliche Organisation des Proletariats; man mußte also sich von neuem geheim organisiren. Im Herbst 1849 fanden sich die meisten Mitglieder der srühern Cen- tralbehörden und Kongresse wieder in London zusammen. Es fehlte nur noch Schapper, der in Wiesbaden saß, aber nach seiner Freisprechung im Frühjahr 1 850 ebensalls kam, und Moll, der, nachdem er eine Reihe der gefährlichsten Missions- und Agitationsreisen erledigt— zuletzt warb er mitten unter der preußischen Armee in der Rheinprovinz Fahrkano- niere für die pfälzische Artillerie— in die Besanyoner Arbeiterkompagnie des Willich'schen Korps eintrat, und im Gefecht an der Murg, vorwärts der Rothenfelser Brücke, durch einen Schuß in den Kopf getödtet wurde. Dagegen trat nun Willich ein. Willich war einer der seit 1845 im westlichen Deutschland so häufigen Gemüthskommunisten, also schon ves- halb in instinktivem, geheimem Gegensatz gegen unsre kritische Richtung. Er war aber mehr, er war vollständiger Prophet, von seiner persönlichen Mission als prädestinirter Befreier des deutschen Proletariats überzeugt, und als solcher direkter Prätendent auf die politische nicht minder als auf, die militärische Diktatur. Dem früher von Weitling gepredigten urchristlichen Kommunismus trat somit eine Art von kommunistischem Islam zur Seite. Doch blieb die Propaganda dieser neuen Religion zunächst auf die von Willich befehligte Flüchtlingskaserne beschränkt. Der Bund wurde also neu organisirt, die im Anhang(IX, Nr. I) abgedruckte Ansvrache vom März 1850 erlassen, und Heinrich Bauer als Emissär nach Deutschland geschickt. Die von Marx und mir redigirte Ansprache ist noch heute von Interesse, weil die kleinbürgerliche Demo- kratie auch jetzt noch diejenige Partei ist, welche bei der nächsten euro- päischen Erschütterung, die nun bald fällig wird(die Verfallzeit der eu- ropäischen Revolutionen, 1815, 1830, 1848—52, 1870, währt in unserm Jahrhundert 15 bis 18 Jahre) in Deutschland unbedingt zunächst ans Ruder kommen muß, als Retterin der Gesellschaft vor den kommunisti- schen Arbeitern. Manches von dem dort Gesagten paßt also noch heute. Die Missionsreise Heinrich Bauers war von vollständigem Erfolg gekrönt. Der kleine fidele Schuhmacher war ein geborner Diplomat. Er brachte die theils lässig gewordnen, theils auf eigne Rechnung operirenden ehe- maligen Bundesglieder wieder in die aktive Organisatton, namentlich auch die jetzigen Führer der Arbeiterverbrüderung. Der Bund fing an, Die„schneidigste Waffe" des Sozialistengesetzes ist bekanntlich der „kleine Belagerungszustand", welcher es in die Hand der Polizeibehörden gibt, jeden Mißliebigen ohne Weiteres auszuweisen und bürgerlich ZU Grunde zu richten. Wohlan, der Gesetzesentwurf, welchen die sächsische Regierung dem Landtag soeben vorgelegt hat, bedeutet für Sachsen die Erhebung des kleinen Belagerungszustandes zur ständigen Staatseinrichtung— wenigstens insoweit es sich um das„Aus- Weisungsrecht" handelt. Nach diesem monströsen Gesetzentwurf sind nur die Spitzbuben, Brandstifter und Leute ähnlichen Kalibers vor der AuS- Weisung geschützt. Wer nun von der Aengstlichkeit, dem Mangel an Initiative der iäch- fischen Regierung einen Begriff hat, für den steht es fest, daß dieser Gesetzesentwurf einem Wink von Berlin seinen Ursprung verdankt. Dann ist es aber auch höchst wahrscheinlich, daß es sich hier um einen allgemeinen Plan, ein methodisches Vorgehen handelt, und daß wir uns auf ähnliche Ueberraschungen in den anderen deutschen„Bundesländern" gefaßt machen müssen. Derartige Dinge durch die„Bundesländer" mit Umgehung des Reiches abmachen zu lassen, ist ja neuerdings Mode geworden. Wir erinnern nur an die Auslieferungsver- träge mit Rußland, welche erst von Preußen und dann vou Bayern geschlossen worden sind und von anderen„Bundesländern" beabsichtigt werden. Sozialistengesetz rmd Verschärfung des gemeinen Rechts: das ist, wie wir als selbstverständlich vorhersagten, das Pro- gramm der Reichsregierung. Die armen Nationalliberalen, die schon in Verzweiflung zu gerathen beginnen, mögen sich trösten: Bismarck wird ihnen den Schild und Schirm des Ausnahmegesetzes nicht rauben. Und Herr Richter kann sich seine Abkommandirungsbriefe schon schreiben lassen. Das Sozialistengesetz wird erneuert— Bismarck will es, die Majorität will es, und die politische Heuchelei hat zu sehen, wie sie sich mit dieser Thatsache abfindet. Was die Verschärfung des gemeinen Rechts betrifft, so wird sie eine dreifache sein. Einmal eine„Revidirung" und„Ergänzung" des Strafgesetzbuchs— eine Reform, mit der die„Kronjuristen" unter Gneist's Beistand jetzt eifrig beschäfttgt sind. Zweitens eine Verschärfung des Preßgesetzes durch die geplante Aufhebung der Verjährungsfrist, welche den Preßsünder auf unbegrenzte Zeit Zeit der Verfolgung aussetzt. Und drittens endlich die Einführung von P o l i z e i g e s e tz e n, wie das sächsische Ausweisungsgesetz eines ist. Natürlich fahren die Nationalliberalen fort, mit der Hartnäckigkeit weiland Eisenmann's zu erklären, daß sie keine Reaktion sehen. — Deutsche Arbeiterblätter haben in den letzten Wochen viel über ein angebliches Jubiläum geschrieben, das Bebel in dieser Zeit soll gefeiert haben: sie behaupteten, es seien jetzt 25 Jahre, daß Bebel in die Bewegung eingetreten sei, und begleiteten dieses angebliche Ereigniß mit Lobeserhebungen für Bebel, die diesen, wie wir genau wissen, auf das P e i n l i ch st e und Unangenehm st e berührten. Obendrein wurden dabei Bebel über den Eindruck, den der Besuch der ersten Volksversammlung auf ihn gemacht haben sollte, Gedanken unter- geschoben, die ihn in nichts weniger als schmeichelhaftem Lichte erscheinen lassen, obgleich sie zu seinem Lobe veröffentlicht wurden. Wir sind ermächtigt zu erklären, daß Bebel all diesen Veröffentlichun- gen absolut fern steht und dieselben lebhaft bedauert. Er theilte uns ferner mit, daß die geschilderten Vorgänge weder mtt der angegebenen Zeit noch mit dem wirklichen Sachverhalt übereinstimmen, daß mit einem Wort das angebliche Jubiläum gar nicht e x i st i r t. Dieser Berichtigung seien noch einige allgemeine Bemerkungen hinzu- gefügt. Die Nachricht von diesem Jubiläum, die mit allerlei Lobes- erhebungen im Reklamenstil verbrämt wurde, hat die Genossen vieler Orte veranlaßt, dem Gefeierten Glückwünsche und sonstige Zeichen der Anerkennung zu übersenden. Es ist an und für sich ganz löblich, wenn die Parteigenossen einem Mitstreiter, der, so lange er in der Partei steht, stets in der vordersten Reihe gekämpft hat, ihre Anerkennung nicht versagen; aber die Parteigenossen sollten sich auch vergegenwärtigen, daß keiner unter uns ist, der für Dank kämpft, daß jeder nach seinen Kräf- ten und Fähigkeiten der Partei zu dienen verpflichtet ist. Und daß wenn Bebel dies nach Ansicht der Genossen im vollsten Maße gethan, er doch glücklicherweise nicht der Einzige ist, dem dieses Zeugniß gebührt; die Kräfte und Fähigkeiten sind eben verschieden. Wir sind gewiß die Letz- ten, die Bebels Leistungen verkleinern möchten, wogegen wir uns wenden» ist, daß solche Anerkennungen den Charakter lärmender Demonstrationen und des Personenkultus annehmen, denn dies steht mit der prinzipiellen Auffassung unserer Partei über den Werth der einzelnen Person im schroffsten Widerspruch. Wir sind eine Partei, die aus der Entwickelung der Zustände ihre Kraft und ihre Stärke empfängt, für welche die Thä- tigkett des Einzelnen immer nur sekundär ist. Also fort mit dem Personenkultus, und mit Allem, was nach Reklame duftet. — Die konservative Meute im Reichstag apportirt ihrem Herrn und Meister einen Gesetzentwurf auf Einführung fünfjähriger Legislaturperioden. Da das Zentrum dabei nicht mitspielen wird, so hat dieser Schritt nur den theoretischen Werth einer platonischen Demonstration. Unsere Abgeordneten haben als passende Antwort einen Gesetzentwurs eingebracht, derzweijährigeLegislaturperioden verlangt und die Unauflösbarkeit des Reichstages ausspricht. Je länger die Legislaturperioden, um so größer die Unabhängigkeit der Abgeordneten von ihren Wählern— d. h. um so größer die Kor- in den Arbeiter-, Bauern- und Turnvereinen in weit größerem Maß als vor 1848 die dominirende Rolle zu spielen, so daß schon die nächste vierteljährliche Ansprache an die Gemeinden vom Juni 1850 konstatiren konnte, der im Interesse der kleinbürgerlichen Demokratie Deutschland bereisende Studiosus Schurz aus Bonn(der spätere amerikanische Ex- Minister)„habe alle brauchbaren Kräfte schon in den Händen des Bundes gefunden."(S. Anhang, IX., Ar. 2.) Der Bund war unbedingt die einzige revolutionäre Organisatton, die in Deutschland eine Bedeutung hatte. Wozu diese Organisation aber dienen sollte, das hing sehr wesentlich davon ab, ob die Aussichten auf einen erneuten Aufschwung der Revo- lutton sich verwirklichten. Und dies wurde im Lauf des Jahres 1850 immer unwahrscheinlicher, ja unmöglicher. Die industrielle Krisis von 1847, die die Revolution von 1848 vorbereitet hatte, war überwunden; eine neue, bisher unerhörte Periode der industriellen Prosperität war angebrochen; wer Augen hatte zu sehn, und sie gebrauchte, für den mußte es klar sein, daß der Revolutionssturm von 1848 sich allmälig erschöpfte. „Bei dieser allgemeinen Prosperität, worin die Produktivkräfte der bürgerlichen Gefellschaft sich so üppig entwickeln, wie dies innerhalb der bürgerlichen Verhältnisse überhaupt möglich ist, kann von einer wirklichen Revolution keine Rede sein. Eine solche Re- volutton ist nur in den Perioden möglich, wo diese beiden Faktoren, die modernen Produktionskräfte und die bürgerlichen Produktionsformen, mit einander in Widerspruch gerathen. Die verschiedenen Zänkereien, in denen sich jetzt die Repräsentanten der einzelnen Fraktionen der konti- nentalen Ordnungspartei ergehn und gegenseitig kompromittiren, weit entfernt zu neuen Revolutionen Anlaß zu geben, sind im Gegentheil nur möglich, weil die Grundlage der Verhältnisse momentan so sicher, und, was die Reaktion nicht weiß, so b ü r g e r l i ch ist. An ihr werden alle die bürgerliche Entwicklung aufhaltenden Reaktionsversuche ebenso sicher abprallen, wie alle sittliche Entrüstung und alle begeisterten Proklamationen der Demokraten." So schrieb Marx und ich in der„Revue von Mai bis Oktober 1850" in der>Neuen Rheinischen Zeitung", Politisch- ökonomische Revue." V. und>1. Heft, Hamburg 1850. S. 153. Diese kühle Auffassung der Lage war aber für viele Leute eine Ketzerei zu einer Zeit, wo Ledru-Rollin, Louis Blanc, Mazzini, Kossuth, und von kleineren deutschen Lichtern Rüge, Kinkel, Gögg, und wie sie alle heißen, sich in London hausenweis zu provisorischen Zukunftsregierungen, nicht nur für ihre respekiiven Vaterländer, sondern auch für ganz Europa zusammenthaten, und wo es nur noch darauf ankam, das nöthige Geld als Rcvolutionsanleihe in Amerika aufzunehmen, um die europäische Revolution benebst den damit selbstverständlichen verschiednen Republiken C)€ fcn att Mach der dm II« zew ng e« '.üi> nur U»' efet irtt nett auf cn mit igä tt' )0K cn e n itO' in ittb err en. ität ■f« iin< des m" ine der feit I0N et keit der >ser zaß ich« «au en. der er ren nn» rt. der en, cht ZU' es> !ler der !NN -tei icht mß äf> INN och die etz- en, nen len im mg hä- me ein er len �en ren en cht. keit > r- Option der Varlamente. Daher werden auch die„nationalen Parteien für den Antrag der Konservativen stimmen, das vaterlandslose «stndel aber dagegen. — Die„Reichskommission" hat den an Genosse Kracke arriibten Diebstahl— die Schließung und Beschlagnahme seiner Druckerei— gutgeheißen. Heilig ist das Eigenthum. Um die Entrüstung, welche dieAbschlachtungLieske's aderall hervorgerufen, möglichst abzuschwächen, werden offiziöserleits ""erhand ungünstige Notizen über ihn verbreitet. Den Ansang machte ?er Herr Staatsanwalt Uhles, der, entgegen den Berichten aller adrigen Augenzeugen, die Haltung Lieske's vor und bei der Hinrichtung als die eines vollständig Gebrochenen hinzustellen sucht. Aber er schafft »e Worte:„frei und offen will ich sterben" und„ich sterbe un- chuldig" nicht aus der Welt. Man hat einen Menschen, den man "Wut nicht überführen konnte, hingemordet— das ist und bleibt das dazit der Blutszene von Wehlheiden. Und selbst Vertheidiger der Todes- TOfe müssen sich sagen, daß eine Hinrichtung, ohne daß der That .'stand über allen Zweifel erwiesen ist, eine Schmach ist für ein «and, das sich zivilisirt nennt. Im„Cri du Peuple" vom 2l. November erklärt Karl Lieske iatgegen der in voriger Nummer von uns erwähnten Notiz der„Staats "Ugerzeitung": »Unsere Familie stammt allerdings aus Zossen, aber nur mein "ater und meine Schwester befinden sich noch jetzt dort. Wir waren jja ll, sondern nur 7 Kinder. Der Netteste von uns, der Schmied ist, ja verheirathet und wohnt in Brandenburg. Nach ihm kommt eine Schwester, die verheirathet ist und beim Vater wohnt. Mein zweiter Bruder ist Maurer und in Berlin verheirathet. Ich bin von den Söhnen dritte; nach mir kam mein armer Bruder Julius. Ein weiterer Prüder befindet sich im Dienst, und der jüngste, der erst 19 Jahre alt, ja vor Kurzem nach Berlin abgereist. Die Genauigkeit dieser Mitthev �>Zen wird Ihren Lesern zeigen, was sie von der Wahrhaftigkeit der 'Frankfurter Zeitung zu halten haben. Schneller als man erwarten konnte, hat der ser- �sch- bulgarische Handel diejenige Wendung genommen, die �Nter den obwaltenden Umständen jeder billig Denkende wünschen mußte. H'id Milan, der sich nach den glorreichen Erfolgen der ersten Tage schon als Sieger in Sofia sah, hat gehörige Schläge bekommen, und kann froh wenn er mit heiler Haut in sein geliebtes Belgrad wird einziehen !°nnen. Die Bulgaren baben sich mit einer Tapferkeit geschlagen, die Wn mit einem Male die Sympathien des„zivilisirten" Europa ver- sthaffte. Nun, wir gönnen ihnen diesen Triumph um so lieber, als er "lcht nur gegen den ungeschlachten Stier auf Serbiens Thron, sondern jW gegen den größenwahnsinnigen Despoten Nußlands errungen wurde. stur den ruffischen Absolutismus' sind die Tage von Slivnitza ein zweites Plewna— eine moralische Niederlage, wie man sie ihm nur wünschen jann. Soweit in Rußland von einer öffentlichen Meinung die Rede sein unn, n>ar dieselbe von Anfang an auf Seite der Bulgaren, und jetzt Wt sich Väterchen gezwungen, de- und wehmüthig vor ihr zu kapituliren. widerlich. süßliche Zärtlichkeit, welche seine Preßkosaken in den letzten �agen für die bulgarische Sache zur Schau getragen, sticht indeß zu sehr jjagen die früheren brutalen Drohungen ab, als daß sie dem Selbst- lerrschex aller Russen anderes eintragen sollten als allseisige Verachtung. . Eine nicht geringe Blamage hat sich bei dieser Gelegenheit auch Herr Wl Vogt zugezogen, der in der„Frankfurter-Zeitung" in einem witzig !"n sollenden, kretinartig zynischen„offenen Brief" den Battenberger in demselben Moment zu verhöhnen suchte, wo derselbe seiner Pflicht .aachkam und für die bulgarische Sache ins Feuer ging, anstatt das Bei- Ml des heroischen Cx-Reichsregenten zu befolgen und zu verduften «ber Karl Vogt ist-in Mann von Prinzip, und freut sich als Republik Mer schon auf den Moment, wo der Battenberger ins Exil wandern jauß und in Bulgarien die Republik proklamirt wird, bekanntlich ach der glühende Wunsch— Väterchens. Mit welchem liberalen Großfürsten der berühmte Zoologe wohl w i s- �nschaftliche„Studien" getrieben haben mag! „7- Zwei Erklärungen, welche Genosse Liebnecht an deusiche «situngen gesandt, in denen seine Artikel über de» Normalarbeit s> „a g bemängelt worden waren, werden für unsere Leser besonderes presse haben, und bringen wir sie deshalb hiermit zum Abdruck. Die erste, an die Redaktion der Hamburger„Bürgerztg." «Richtet und in Nr. 27 l des genannten Blattes veröffentlicht, lautet: .»In dem Artikel, betitelt„Der Normalarbeitstag", der letzten Don- �rstagsnummer Ihres Blattes wird mir vorgeworfen, mit meinen, in et Schweiz veröffentlichten Artikeln über den Normalarbeitstag hätte �«offene Thüren eingestoßen." Run, der Lärm, den diese Artikel verursacht haben, beweist, daß die 'uren doch nicht so ganz offen gewesen sein könneru�������� ta -ls jste ren ind Sj' »es die mg sich 00- löO iON >ar >en lig »er »er e r >le- die en, in iti- >eit eil er, 'en so rd 0" 8," eniuqjcn Die iiictiic«. '''• Und im einzigen Punkt, wo er dies nicht thut, hat er Unrechts anilich in Bezug auf die Textilindustrie. Wohl kann da dem ardeiter nicht in zehn Stunden daffelbe Arbeitsquantum ausgepreßt . erden wie in vierzehn Stunden, aber die Maschinerie kann ent> brechend leistungsfähiger gemacht werden, wie in den Berichten der 'ch w eiz e r isch e n Fabrikinspektoren(ein Bericht aus dem oahre lS8l ward vor einem halben Jahre im„Berliner Volksblalt" gedruckt) des Näheren nachzulesen ist. 'm Nu zu verwirklichen. Daß ein Mann wie Willich hier hineinfiel, «nd daß auch Schapper aus altem Revolusionsdrang sich bethören ließ; ?aß die Mehrzahl der Londoner Arbeiter, großentheils selbst Flüchtlinge, Men in das Lager der bürgerlich-demokratischen Revolutionsmacher r%e, wen kann es wundern? Genug, die von uns vertheidigte Zurück- witung war nicht nach dem Sinn dieser Leute; es sollte in die Revo- Utionsmacherei eingetreten werden; wir weigerten uns auf's Entschie- 'anste. Die Spaltung erfolgte; das Weitere ist in den„Enthüllungen,, ?jj lesen. Dann kam die Verhaftung zuerst Nothjung's, fdann Haupt's ? Hamburg, der zum Verräther wurde, indem er die Namen der Kölner osNtralbehörde angab, und im Prozeß als Hauptzeuge dienen sollte; r seine Verwandten wollten diese Schande nicht erleben und beför- len ihn nach Rio de Janeiro, wo er sich später als Kaufmann ?ablirte und in Anerkennung seiner Verdienste erst preußischer und ain deutscher Generalkonsul wurde. Er ist jetzt wieder in Europa.*') j. Zum besseren Verpändniß des Folgenden gebe ich die Liste der Kölner .angeklagten: l) P. G. Röser, Zigarrenarbeiter, 2) Heinrich Bürgers, Mer verstorbener fortschrittlicher Landtagsabgeordneter, 3) Peter Roth- ">Ng, Schneider, vor wenigen Jahren als Photograph in Breslau ge- "rben, 4) W. I. Reiff, S) Dr. Hermann Becker, jetzt Oberbürgermeister "n Köln und Mitglied des Herrenhauses, S) Dr. Roland Daniels, Arzt, "jenige Jahre nach dem Prozeß an der im Gefängniß erworbenen Schwindsucht gestorben, 7) Karl Otto, Chemiker, 8) Dr. Abraham Jacoby, nht Arzt in Newyork, 9) Dr. I. I. Klein, jetzt Arzt und Stadtverord- ?'ler in Köln, 10) Ferdinand Freiligrath, der aber damals schon in S>Ndon war, 11) I. L. Ehrhard, Kommis, 12) Friedrich Leßner, Schnei- X jetzt in London. Von diesen wurden, nachdem die öffentlichen Ver- Handlungen vor den Geschwornen vom 4. Oktober bis 12. November 18S2 «dauert, wegen versuchten Hochverraths verurtheilt: Röser, Bürgers, and Nothjung zu 6, Reiff, Otto, Becker zu 5, Leßner zu 3 Jahren Mtungshaft, Daniels, Klein, Jacoby und Ehrhardt wurden frei- pprochen. , Mit dem Kölner Prozeß schließt diese erste Periode der deutschen Mmunistischen Arbeiterbewegung. Unmittelbar nach der Verurtheilung Wen wir unfern Bund auf; wenige Monate nachher ging auch der P->lltch-Schapper'sche Sonderbund ein zur ewigen Ruhe. .*) Schapper starb Ende der sechsziger Jahre in London. Willich machte S amerikanischen Bürgerkrieg mit Auszeichnung mit; er erhielt in der Schlacht bei Murfreesboro(Tennessee) als Brigadegeneral einen Schuß »"rch die Brust, wurde aber geheilt und starb vor etwa zehn Jahren in atnerika— Von andern, oben erwähnten Personen will ich noch be- »arken, daß Heinrich Bauer in Australien verschollen ist, Weitling und «erbeck in Amerika gestorben sind. „Sollte mein Widerpart noch im Zweifel sein, dann betrachte er die englische Textilindustrie, die trotz des seit 49 Jahren herrschenden zehnstündigen Normalarbeitstages(denn die Zehnstundenbill ist thatsäch- sich ein Normalarbeitstag) eine immer geringere Anzahl von Arbeitern beschäftigt. „Ich habe einen ganz bestimmten, scharf präzisirten Irrt h um bekämpft; und wenn der Verfasser des Artikels in Ihrer Donnerstagsnummer meint, das, was ich bekämpfe, sei noch von keinem der Förderer und Vertheidiger der Arbeiterschutzgesetzgebung behauptet worden, so kann ich ihn blos bitten, die neuesten Schriften über den Normalarbeitstag und die Berichte über Arbeiter- und namentlich Fach- vereins-Versammlungen in den letzten Jahren zu lesen; und er wird zugeben müssen, daß er Unrecht hat und ich Recht. „Der Jrrthum, welchen ich bekämpfte, war leider auf dem Weg, in gewissen Kreisen Glaubensartikel zu werden. Wäre dem nicht so, wie hätte sonst mein Angriff aus diesen Jrrthum als ein Agriff auf den Normalarbeitstag selbst aufgefaßt werden können? Die Aufnahme, welche ich mit meinen Artikeln gefunden, ist die beste Rechtfertigung meines Auftretens. Wahrhaftig, die Vortheile des Normalarbeitstages sind so groß, daß es nicht nöthig ist, ihm Wundereigenschaften anzudichten. Durch solches unwissenschaftttches und unsozialistisches Verfahren werden den Gegnern des Normalarbeitstages und der Arbeiterschutzgesetzgebung nur Waffen in die Hand gedrückt." Die zweite Erklärung, an die Redaktion des„Recht auf Ar« b e i t" gerichtet und in Nr. 79 desselben abgedruckt, lautet: „Zu einer Polemik ins Blaue hinein habe ich weder Lust noch Zeit. Was Sie oder ich über meine„Unfehlbarkeit" oder NichtUnfehlbarkeit denken, ist höchst gleichgiltig. Der Punkt, auf welchen es ankommt, ist: Hatte ich Recht oder hatte ich Unrecht, als ich mich gegen folgenden bestimmten, von mir ausdrücklich zitirten Satz wandte: „Ein einfaches Rechenexe mvel beweist die Möglichkeit der vermehrten Arbeitsgelegenheit bei Einfüh- rung des Normalarbeitstags. Gesetzt ein Fabrikant beschäftigt 199 Arbeiter per Tag 11 Stunden. Wollte er nun im Normalarbeitstag von 19 Stunden dieselbe Masse Waaren liefern wie vorher zu l 1 Stunden, so müßte er 19 Arbeiter mehr einstellen, d. h. 19„Vagabunden" würden von der Landstraße in die Fabrik gezogen, sich in „ordentliche Arbeiter" verwände! n." Dieser Satz ist einer der verbreitetsten neueren Broschüren über den Normalarbeitstag entnommen. Er findet sich seinem wesentlichen Inhalt nach in einer zweiten Flugschrift über das gleiche Thema; und hat namentlich in der Fachvereinsbewegung eine ziemliche Rolle gespielt. Hätte es sich blos um eine vereinzelte Aeußerung gehandelt, so würde ich wahrscheinlich geschwiegen haben. Es handelt sich aber um eine viel- verbreitete Ansicht, der entgegenzutreten ich mich im Interesse der Ar- beiterbewegung und meiner Partei für verpflichtet hielt. Ist der von mir bekämpfte Satz richtig oder nicht? Einfach Ja oder Nein! Ist er nicht richtig, warum greifen Sie mich an? Erklären Sie ihn dagegen für richtig, so setzen Sie sich in Widerspruch mit der Erfahrung, mit der Wissenschaft und— mit dem sozialdemokratischen Programm, was nachzuweisen ich erforderlichen Falles bereit wäre. Der Einwand, daß die Feinde des Normalarbeitstages durch mich eine Waffe in die Hand bekommen hätten, ist wohl kaum ernhast ge- meint. Oder glauben Sie, wir nutzten unserer Sache, indem wir brav Böcke schießen? Sie kommen mir mit Saarbrücken und Sedan. Sogar zweimal. Bei Diskussionen ist's immer ein mißlich Ding mit Bildern und Vergleichen. Insbesondere wenn der Vergleich seine zwei Seiten hat, wie der Ihrige. Schlachten, die der Eine gewinnt, verliert der Andere. Wenn unsere Partei sich durch Verleugnung ihres wissenschaftlichen und prinzipiellen Standpunkts ein Saarbrücken zuzöge, wäre sie allerdings in Gefahr, schließlich ihr Sedan zu finden. Vermeiden wir also das Saarbrücken! Borsdorf, den 14. November 183S. W. Liebknecht. Nachschrift für Diejenigen, welche meine Artikel im„Soz.-Dem." nicht gelesen haben. Der erste derselben beginnt mit den Worten: „De r Normalarbeitstag steht mit Recht im Vorder- grund der nächsten Forderungen, welche die deutsche Arbeiterklasse zu erkämpfen entschlossen i st." Diese Nachschrift fehlt im„Recht auf Arbeit". Auf die verschiedenen Angriffe und Ausstellungen, zu denen die Ar- tikel Liebknecht's über den Normalarbeitstag in einem Theile der deutschen Presse Anlaß gegeben, wird derselbe in einem besonderen Artikel ant- worten. — Revanche. Es ist ein so bekanntes Wort, daß das Zitat fast verpönt ist: Die Weltgeschichte ist das Weltgericht. In Böhmen sehen wir das jetzt so recht anschaulich. Die Deutschen wer- den dort von den Tschechen nicht blos durchgeprügelt, sondern Hintennach auch noch verurtheilt; wie das Königinhofer Erkenntniß beweist. Unsere Zeitungen sind darüber natürlich sittlich entrüstet. Sie vergessen blos, daß vor jetzt dritthalb Jahrhunderten durch die deutsche Regierung in Wien die tschechische Nationalität fast ausgerottet und der letzte Rest des Hussitenthums mit Feuer und Schwert vertilgt wurde. Was jetzt geschieht, ist bei aller Brutalität nur eine sehr milde Revanche für die Verbrechen, welche damals von den Deutschen an den Tschechen verübt Zwischen damals und jetzt liegt ein Menschenatter. Damals war Deutschland ein Land des Handwerks und der auf Handarbeit beruhen- den Hausindustrie; jetzt ist es ein, noch in fortwährender industrieller Umwälzung begriffnes, großes Industrieland. Damals mußte man die Arbeiter einzeln zusammensuchen, die Verständniß hatten für ihre Lage als Arbeiter und ihren geschichtlich- ökonomischen Gegensatz gegen das Kapital, weil dieser Gegensatz selbst erst im Entstehen begriffen war. Heute muß man das gesammte deutsche Proletariat unter Ausnahms- gesetze stellen, um nur den Prozeß seiner Entwicklung zum vollen Be- wußtsein seiner Lage als unterdrückte Klasse um ein Geringes zu ver- langsamen. Damals mußten sich die wenigen Leute, die zur Erkenntniß der geschichtlichen Rolle des Proletariats durchgedrungen, im Geheimen zusammenthun, in kleinen Gemeinden von drei bis zwanzig Mann ver- stöhlen sich versammeln. Heute braucht das deutsche Proletariat keine offizielle Organisation mehr, weder öffentliche noch geheime; der ein- fache, sich von selbst verstehende Zusammenhang gleichgesinnter Klassen- genossen reicht hin, um ohne alle Statuten, Behörden, Beschlüsse und sonstige greisbare Formen das gesammte deutsche Reich zu erschüttern. Bismarck ist Schiedsrichter in Europa, draußen jenseits der Grenze; aber drinnen wächst täglich drohender jene Athletengestalt des deutschen Proletariats empor, die Marx schon 1814 vorhersah, der Riese, dem das auf den Philister bemessene enge Reichsgebäude schon zu knapp wird, und dessen gewaltige Statur und breite Schultern dem Augenblick ent- gegenwachsen, wo sein bloßes Aüfstehn vom Sitz den ganzen Reichsver- fassungsbau in Trümmer sprengt. Und mehr noch. Die internationale Bewegung des europäischen und amerikanischen Proletariats ist jetzt so erstarkt, daß nicht nur ihre erste enge Form— der geheime Bund—, sondern selbst ihre zweite, unendlich umfassendere Form— die öffent- liche Internationale Arbeiter-Assoziation— eine Fessel für sie geworden, und daß das einfache, auf der Einsicht in die Dieselbigkeit der Klaffen- läge beruhende Gefühl der Solidarität hinreicht, unter den Arbeitern aller Länder und Zungen eine und dieselbe große Partei des Proleta- riats zu schaffen und zusammenzuhalten. Die Lehren, die der Bund von 1347 bis 52 vertrat, und die damals als die Hirngespinnfie extremer Tollköpfe, als Geheimlehre einiger zersprengten Sektirer vom weisen Philisterium mit Achselzucken behandelt werden durften, sie haben jetzt zahllose Anhänger in allen zivilisirten Ländern der Welt, unter den Verdammten der sibirischen Bergwerke, wie unter den Goldgräbern Kali- forniens; und der Begründer dieser Lehre, der bestgehaßte, bestverläumdete Mann seiner Zeit, Karl Marx, war, als er starb, der stets gesuchte und stets willige Rathgeber des Proletariats beider Welten. wurden.„Die Mühlen— zwar nicht Gottes, aber der Geschichte, mahlen langsam aber sicher"— könnte da die fromme„Germania" ausrufen. Das Schlimmste ist nur, daß— wie übrigens bei den meisten poli- tischen„Revanchen"— auch hier die Arbeiter es sind, die den Haupt- schaden zu tragen haben, und zwar die tschechischen wie die deutschen Arbeiter. Es ist den Fanatikern aus beiden Seiten gelungen, vielerorts den Nationalitätenhaß auch in die Reihen der Arbeiter zu verpflanzen, und wo der dominirt, ist von einer selbständigen Arbeiterbewegung, von einer Organisation der Arbeiter als Klasse, nicht die Rede. So schreibt man uns aus Trautenau:„Die Zustände sind hier überaus trau- rig. Arbeiter stehen Arbeitern feindlich gegenüber. Sie folgen blind» lings den nationalen Führern, und über dem nationalen Krakehl werden die sozialen Uebel, unter denen die Arbeiterklasse leidet, gänzlich ver- gessen. Was das schließliche Resultat dieses erbitterten Nationalitäten- kampfes sein wird, liegt auf der Hand: die Herrschaft des A b s 0 l u- t i s m u s oder der gänzliche Zerfall Oesterreichs, welche letztere Eventualität selbst von sonst ganz loyalen Bürgern mit völligem Gleichmuth erörtert wird. Tschechen und Deutsche überbieten sich zwar in Betheuerungen ihres Patriotismus, doch ist bei Beiden ein großes „Bissel Falschheit" dabei. Oesterreichische Patrioten sind überhaupt eine Spezies, die man mit der Laterne suchen müßte, und doch ist die Macht der Regierung heut stärker als je. Der Haß fesselt die getreuen Unter- thanen stärker an sie als die Liebe. Und die Regierung benutzt ihre Macht, die Arbeiterbewegung mit allen Mitteln niederzuhalten." Für uns Sozialisten gibt es unter solchen Umständen nur eine Auf- gäbe, der Nationalitätenhetze, wo wir nur können, entgegenzuwirken. Für uns gibt es keine speziell nationale Kultur, weder eine tschechische noch eine deutsche, für uns gibt es nur eine allgemeineKultur, und wenn ein Volksstamm in derselben vor dem andern voraus ist, so soll er sich nur freuen, wenn der andere ihm nachzukommen strebt. Das ist der Grundsatz, von dem wir auszugehen haben, und den wir überall da proklamiren müssen, wo die herrschenden Klassen ihm entgegen handeln. — D i e gebildeten Deutschen Wie n's haben kürzlich eine Oper niedergezischt, lediglich weil der Komponist— der durch seine Rhapsodien»c. gradezu weltberühmte D w 0 r z a k— ein Tscheche ist. Wahrscheinlich wollten sie dadurch den Tschechen ihre geistige Ueberlegen- heit, ihre höhere Bildung dokumentiren. Wenn aber fanatische Tschechen ein deutsches Musikwerk auszischen, dann beweisen sie damit nur ihre Rohheit und Verkommenheit. Wenn Zwei dasselbe thun, so ist's eben nicht dasselbe. — Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Papst Leo hat Wilhelm und Bismarck Exemplare seiner neuesten En- z y k l i k a in Prachtbänden verehrt. In derselben wird die Preß- f r e i h e i t als Teufelswerk verworfen, hingegen die Erklärung abge- geben, daß die Kirche sich jeder Staatsform anzupassen, das heißt immer mit den Herrschenden gemeinsame Sache zu machen vermag. Die national- liberale Partei soll beschlossen haben, Leo zu ihrem Ehrenmitglied zu ernennen. — Unter dem Zeichen der Venus— o du mein holder Abendstern l— läßt sich in der nationalliberalen„Elberfelder Zeitung" eine„Arbeiterstimme" aus„gemäßigt-sozialistischem Lager" über das Sozialistengesetz und die Nothwendigkeit seiner Aufhebung vernehmen. Wir würden einer Arbeiter stimme, die dem genannten Blatt ihre Schmerzen anvertraut, schwerlich Beachtung schenken, wenn besagter Venusritter, der in M ü n ch e n seinen Wohnsitz hat, sich nicht durch Wittheilung von allerhand„Diskretionen", als ganz besonders über die Vorgänge und Stimmungen im sozialistischen Lager unterrichtet, auf- spielte. Da ziemt es sich wohl, den Sozialismus dieses„Gemäßigten" etwas näher zu betrachten. Hören wir ihn also: „Die Existenz berechtigter Forderungen des vierten Standes wird heute kein ernsthaft zu nehmender Politiker leugnen wollen, es war das Unglück des Sozialistengesetzes, daß diese berechtigte Bewegung mit den Auswüchsen derselben vermengte und beide gleich hart traf." Da haben wir's. Das arme unglückliche Sozialistengesetz. Wie schade, daß es nicht den Stein der Weisen gefunden und unterschieden hat, was von den Bestrebungen des„vierten Standes" berechtigt ist und was nicht. Hätte er dieses Problem gelöst, dann wäre alles gut. Stellen wir also fest, was an der Bewegung berechtigt ist und was nicht. Wer irgend eine Andeutung darüber in dem Artikel suchen wollte, würde arg enttäuscht werden. Der„gemäßigte Sozialist" verräth uns kein Sterbenswörtchen über seine Lösung dieser Frage, als um die sich bekanntlich der ganze Streit,„soziale Frage" genannt, dreht. Ganz wie die Macher des Sozialistengesetzes, die auch nie unterlassen haben zu betonen, daß sie die Arbeiter keineswegs verhindern wollen, für ihre berechttgten Forderungen einzutreten. Und mit den-Machern des So- zialistengesetzes fordert unser„gemäßigter Sozialist" für die Regierung „die gesetzlichen Mittel, welcher sie gegen die Ausschreitungen der sozialistischen Propaganda bedar f." Wo diese Ausschreitungen zu suchen sind, darüber läßt er sich deut- sicher vernehmen.„Ein mächtiges Ringen," erzählt er uns,„zwischen radikaler und gemäßigter Richtung innerhalb der sozialdemokratischen Partei tritt immer offener zu Tage; das Bestreben nach Errichtung der nächstliegenden Ziele wird immer allgemeiner. Es bedarf des vollen Aufgebots der Parteidisziplin in der scharfsinnigsten Dialektik seitens der Zürcher Jntransigenten, um die ungeduldig werdenden Massen von der-Nothwendigkeit des Bestehenbleibens auf dem doktrinären Stand- punkte zu überzeugen, d. h. um die armen, nicht„akademisch- gebildeten Arbeiter", wie sich der„Zürcher Sozialdemokrat" so zart ausdrückt, nicht aus ihrem naiven Zukunstsstaat zu wecken." Kein Zweifel, die „Ausschreitungen der sozialdemokratischen Propaganda" bestehen in der Wahrung des doktrinären Standpunktes, in dem Eintreten für nicht als „berechtigt" approbirte Forderungen. Und nun ist das Rezept kinderleicht gefunden. Die Regierung stelle die Sozialdemokraten auf den Boden des gemeinen Rechts mit Zuhülfe- nähme verschärfter Maßregeln gegen anarchistische Bestrebungen. A n a r ch i- st i s ch e Bestrebungen? Wie kommen denn die plötzlich in den Artikel hinein? Nun, wer zwischen den Zeilen lesen kann, wird darüber nicht im Zweifel sein. Vorher„Ausschreitungen der sozialistischen Propaganda" und jetzt „anarchistische Bestrebungen", das heißt nichts anderes als: Man gebe dem Kind einen andern Namen, und alles ist gut. Man schütze die guten, sich in den Rahmen berechtigterForderungen haltenden „Sozialisten", und verfolge desto schärfer die unberechtigten, die„anarchi- stistichen" Sozialisten, dann wird Ruhe und Frieden einkehren. Nicht wahr, ein Prachtkerl, dieser„gemäßigte Sozialist"? Ein wahres Exemplar von Mäßigung. Und eine wahre Musterkollektion von Sozialisten, als deren Dollmetsch ihn Herr Möller uns präsentirt. Schade nur, daß diese Sozialisten nicht auf unserer prosaischen Erde zu suchen sind, sondern höchstens am poetischen Sternenhimmel. Solche nationalmiserable I a m m e r k e r l e, die für sich Schonung erbetteln um den Preis der Knebelung Anderer, gibt es im sozialistischen Lager nicht, Herr Möller,— im gemäßigten so wenig als im radikalen. Geben Sie sich also keine weitere Mühe, das Manöver ist zu durch- sichtig, als daß es nicht ein jeder durchschauen sollte; aus diesen Köder beißt Niemand an. — Sparsamkeitsapostel gibt es noch immer, obgleich die Sorte auf dem Aussterbe-Etat zu stehen scheint. So treibt jetzt in der sächsischen Presse ein komischer Kauz sein Wesen, der unter der vielver- sprechenden Ueberschrift:„Erkenntniß und Mahnung" den Weg zeigt, auf welchem auch der Aermste zu Wohlstand gelangen kann. Der Aermste braucht nur„den Zucker im Kaffee, die Butter auf der Semmel und die Wurst auf dem Butterbrod" zu sparen, und er hat am Ende des Jahres das runde Sümmchen von 199 Mk. bei Seite gelegt, ist also schon ein kleiner Kapitalist. Daß es in Sachsen Tausende von Webersamilien gibt, die das ganze Jahr nicht viel mehr als 199 Wk. verdienen, sällt dem sonderbaren Kauz ebensowenig ein, wie daß es für die Fleischer, Landwirthe und Krämer sehr schlimm sein würde, wenn das Volk sich den Genuß von Butter, des Zuckers und der Wurst abgewöhnte. Warum sich nicht überhaupt den Luxus des Cssens, der Bekleidung und der Wohnung abgewöhnen? Dann wäre der Zustand höchster Glückseligkeit erreicht und die soziale Frage aufs Gründlichste gelöst, insofern die Konsumtion mitsammt der Produktion radikal abgeschafft wäre und von der sündhaften Erde ver- schwände. — Die Hamburger„Bürger-Zeitung" charakterisirt unsere in voriger Nummer enthaltene Polemik gegen ihren Leitartikel in Nr. 266 als„in schulmeisterndem Tone" gehalten. Da wir in der betreffenden Notiz kein Wort, keine Wendung gebraucht, die nicht in jeder streng sachlichen Polemik üblich sind, so würden wir dem genannten Blatte sehr dankbar sein, wenn es uns darüber Belehrung ertheilen wollte, wo das Schulmeisternde darin zu suchen ist. Daß die Antwort, mit der die„Bürgerzeitung" uns„beehrt", keine schulmeisternde ist, geben wir gern zu. Ein guter Schulmeister hätte nicht geschrieben, daß unsere Notiz, die inklusive der Zitate aus der „Bürgerzeitung" just l'/, Spalten unseres Blattes einnahm, 2,/j Spalten eingenommen habe; ein guter Schulmeister hätte uns auch nicht nach- gesagt, wir hätten dem Normalarbeitstag„wesentlich nur moralische" Wirkungen zugesprochen, sondern hätte unsere Ausführungen richtig zitirt; er hätte aus unserer Notiz auch nicht den Schluß gezogen, daß nach uns nur die„Schlagetodt- Theorie des Herrn Hans Most" übrig bleibe, sintemalen ein guter Schulmeister doch auf das Hausmittelchen vom Schwarzen Mann verzichtet; und er hätte auch nicht, wo er gegen Liebknecht polemistrt,„werther Züricher gesagt u. s. w. u. s. w. Ist es denn wirklich so schwer, sich in der Polemik an die S a ch e zu halten? Je nun, dann urtheile man doch nicht so pharisäerhaft über Andere, die eben„auch nur Menschen" sind. — In eigenerSache. In der Nummer 78 des„Recht auf Arbeit" konstatirt die Redaktion deffelben, daß„der ganze Streit (um die Bedeutung des Normalarbeitstages) auf die akademische Er- örterung der Frage hinausläuft, ob die Einwendung an einen gewiffen Abschnitt im 13. Kapitel des„Kapital" eine zeitgemäße war oder nicht." Es passirt uns nicht zum ersten Mal, daß mitten in der Erörterung über irgend eine Streitfrage wir von unserm Widersacher plötzlich mit der Erklärung überrascht worden, es lohne gar nicht der Mühe zu streiten; die Sache sei eigentlich eine akademische, eine„Doktor" Frage, womit dann derjenige, der die Diskussion fortsetzt, als Doktrinär oder Querulant gekennzeichnet ist. Jndeß, wir wollendem genannten Blatte diesen rettenden Ausweg aus dem Dilemma, in das es sich selbst ge- bracht, nicht versperren, sondern freuen uns, konstatiren zu können, daß es glücklich entdeckt hat, daß Liebknecht„beim Schluß seiner Artikel auch zu einer sehr warmen Empfehlung des Instituts(des Normalarbeits- tags) kommt," was zu der Hoffnung berechtigt, daß es mit der Zeit vielleicht dahinter kommen wird, daß auch wir zu den eifrigen Befür- wortern des Normalarbeitstages gehören. Angesichts dieses günstigen Resultats, daß wir nämlich au tonä alle einig sind, könnte nun die Redaktion des„Recht aus Arbeit", so erklärt sie, die Akten über dieses Thema schließen, wenn nicht— indeß das müssen wir wörtlich abdrucken: „wenn es nicht dem Züricher„Sozialdemokrat" beliebte, in seiner letzten Nummer wieder in unqualifizirbarer Weise über uns herzufallen. Wir werden als„K a u t s ch u k p o l i t i k e r" hingestellt, die sich„auf ihre Fehlbarkeit, d. h. Gesinnungslosigkeit, noch extra etwas zu Gute thun." Krasser konnte der Abweg, auf den jeder Unfehl- barkeitsdünkel hinführen muß, nicht illustrirt werden, als durch diesen unerhörten Ausfall fanatischen Zelotenthums. Weil wir uns erlaubt, anderer Meinung zu sein, als die Herren droben in der Schweiz, hoben jene den traurigen Muth, uns, die wir mit Kapitalismus und Reaktion tagtäglich unter Einsatz unserer ganzen Existenz zu ringen haben, vom gedeckten Hinterhalte aus vergiftete Pfeile in den Rücken zu schießen, ja uns schlankweg die Ehre abzusprechen! Wir begnügen uns, diese Heldenthat der Beurtheilung unserer Leser zu überlassen." Wie wäre es, wenn wir in entsprechender Tonart antworteten? Das könnte ein lustiges Treiben werden. Jndeß, wir wollen Gnade für Recht ergehen lassen. Ja, noch mehr. Grohmüthig bieten wir unserm Widersacher an, ihm unser«„gedeckten Hinterhalt" milsammt dem In- ventar an vergifteten Pfeilen ic." abzutreten und ihn im Tausch dafür auf seinem gesährlichen Posten abzulösen. Mehr kann man doch gewiß nicht verlangen. Unsere Leser aber ersuchen wir, sich die Notiz in Nr. 46, welche den großen Zorn des„Recht auf Arbeit" erregt hat, noch einmal recht genau anzusehen. Vielleicht finden sie heraus, wieso die Redaktion des genannten Blattes den„Kautschukpolitiker" auf sich beziehen konnte. Uns ist es trotz aller Mühe noch nicht gelungen. Das kommt vielleicht vom— Unsehlbarkeitsdünkel. Korrespondenzen. Rendsburg. Am l 6. September gelang es uns endlich wieder ein- mal, eine Volksversammlung abzuhalten, in welcher Genosse Hasen- clever über das Arbeiterschutzgesetz und die Sonntageruhe referirte. Dem Einberufer dieser Versammlung wurde von der Wohllöblichen be- deutet, daß die Versammlung gestattet wird in der Hoffnung, daß die öffentliche Ruhe nicht gefährdet und in der Versammlung selbst der Klaffenhaß nicht geschürt wird, welches ohne Weiteres zugestanden wurde, denn uns kann es nur recht sein, wenn die soziale Frage auf friedlichem Wege gelöst wird. Daß das Arbeiterschutzgesetz mitsammt der Sonn- tagsruhe ein Slück sozialer Frage ist, scheinen verschiedene Herren nicht begreifen zu können, weshalb es uns diesmal wiederum unendlich schwer wurde, ein Lokal zu beschaffen, denn die Tonhalle, welche wir erhalten hatten, wurde uns durch die bekannte Machination einiger Staatsretter und die allzugroße Schassköpfigkeit des Wirthes wieder entzogen. Dar- auf erhielte» wir den Schützenhof zur Verfügung, wozu aber die polizei- liche Erlaubniß aus dem Grunde verweigert wurde, weil das Etablisse- ment außerhalb der Stadt liegt, wahrscheinlich aber aus Furcht. Der inzwischen neu eingesetzte Bürgermeister wollte nämlich die Versammlung selbst überwachen und befand sich in dem Wahn, daß wir eine Räuber- und Mörderbande sind. Nun, die Erfahrung dürfte den Herrn eines Andern belehrt haben. Endlich konnten wir obige Versammlung in Simon's Salon ab- halten, da der Mann zu seinem gegebenen Worte stand, trotz wiederholter Versuche, uns das Lokal zu entziehen. Der kleine Saal, welcher nur SOv Personen faßt, war bis auf den letzten Platz gefüllt, später Kommende mußten in Masse wieder umkehren. Genosse Hasenclever entledigte sich seiner Aufgabe in ausgezeichneter Weise, zergliederte die Bismarck'sche Sozialreform, welche dem Arbeiter wenig Nutzen bringt, denn durch das Krankenkassengesetz, Unfallversicherung und Altersversorgung wird die bisherige Armenverpflegung nur in ein anderes Fahrwasser geleitet, der Arbeiter durch die Beitragspflicht zu genannten Institutionen noch mehr belastet, ohne daß demselben auch nur im Geringsten Mehrverdienst ge- schafft würde. Um den Arbeitern etwas Dienliches zu schaffen, hätten die Vertreter der Arbeiterpartei ein Arbeiterschutzgesetz entworfen und dem Reichstag vorgelegt. Dasselbe enthalte die für den Arbeiter so nothwendige Sonntagsruhe, den Maximal- eventuel Normalarbeitstag, einen zu bestimmenden Minimallohn und die so sehr nothwendige» Ar- beiterkammern u. s. w. Anstatt daß der Reichstag in die Berathung dieses Geietzentwurfs eingetreten sei, hätte derselbe diesen wegen Mangel an Zeit in den Papierkorb geworfen, aber derselbe würde bei Beginn der Herbstfeffio» wieder eingebracht und müßten daher die Arbeiter in Masse petitioniren, damit die Gesetzmacher sehen, daß die Einführung dieses Gesetzes der Wunsch der Arbeiter ist. Ter Redner wurde am Schluß seines Vortrags mit großem Beifall belohnt. Eine zu veranstaltende Tellersammlung, deren Ertrag zur Deckung der Tageskostcn verwendet werden sollte, wurde nicht gestattet. (Nun, die entstandenen Kosten sind auch ohne Tellersammlung zusammen- gebracht worden.) Bei Eröffnung der Diskussion meldete sich Herr J öh nk aus Schleswig zum Wort, welcher die moderne Sklaverei scharf angriff und betonte, daß der heutige„freie" Lohnsklave schlechter gestellt sei als der früher gekaufte,— ob welcher Aeußerung die Versammlung von dem Herrn Bürgermeister für aufgelöst erklärt wurde. Die Mißstimmung darüber war allgemein, denn es war bekannt geworden, daß Genosse St. H e i n z e l aus Kiel zu seinen Wählern sprechen wollte. Die Versammelten verließen indeß in aller Ruhe den Saal, und durfte die Stimmung für unsere gerechte Sache als eine gute bezeichnet werden. Auffällig erschien es, daß die Versammlung von acht bewaffneten und zwei unbewaffneten Polizeibeamten überwacht wurde, trotzdem das Ver- sammlungsgesetz vom 11. März 1850,§ 4, nur zwei Polizeibeamte als zulässig erklärt. respektirt! So werden die Gesetze von den Wächtern der Gesetze Halle an der Saale, 4. November. Keine Stadt im lieben Preußen- lande erfreut sich wohl einer schöneren Polizeiverwaltung als unsere gesegnete Saalestadt. Die Beschützung des heiligen Eigenthums, diese Hauptaufgabe der Polizei im 13. Jahrhundert, befindet sich hier in den vortrefflichsten Händen. Oder kann man sich einen besseren Eigenthums- Wächter denken als Herrn von V o ß, der die Ausmergelung unserer Stadt mit einer Virtuosität betrieb, wie man sie nur bei den größten Kleistern findet? Wem sind die vortrefflichen Eigenschaften des Herrn von H o l l y, wem die gemeinen Spitzbübereien des Polizeikommissar Ebert, die sauberen Heldenstllckchen verschiedener unserer strebsamen Polizeidiener u. s. w. nicht bekannt! Eine wahrhafte Räuberbande bil- dete diese Rotte. Wieder haben drei Beamte 15,000 Mark Steuer- g e l d e r u. s. w. u n t e r s ch l a g e n. So viel wird wenigstens ange- geben; wie viel aber wieder vertuscht werden wird, wie bei Ebert, damit er nicht andere Schandthaten ausdecken sollte, wissen die Götter. Zwei der Helden sind eingezogen, auf den dritten wird noch gefahndet. Nun, ein Wunder ist es eigentlich nicht, wenn auch das niedere Beamten- thum der Korruption zum Opfer fällt. Erst verdirbt man die Leute mit einem Hunde lohn, wie in Nr. 40 dieses Blattes gezeigt wurde, und da die Menschen doch leben wollen, so werden Schulden gemacht, bis man sich nicht anders zu helfen weiß als mit Unterschlagung. Die Unterbeamten haben ja gute Beispiele an gewissen hohen Herren, die sich große Paläste bauen von dem Blutgeld, welches sie fleißigen Menschen abzwacken. Geht man die Straßen durch, wo das arbeitende Volk wohnt, so begegnet man alle fünf Minuten einem Exekutor, welcher den armen Leuten den letzten Groschen auspressen muß, und diese großen Spitzbuben dürfen die Früchte der Arbeit ihrer Mitmenschen auf solche nichtswürdige Weise vergeuden. Wie Gewitterschwüle liegt es auf allen rechtlich denkenden Menschen. Tausendfach fragt man: Wann wird endlich dem Treiben dieser Gesellschaft ein Halt geboten werden?!! Es wird von einem„Rechtsstaat", von„u n p a r t e i i s ch e n R i ch t e r n" und so weiter gesprochen. Warum werden solche Zustände nicht gründlich untersucht? Warum steckt man einen V o ß, einen H o l l y, einen Ebert u. s. w. nicht hin, wo sie hingehören— ins Zuchthaus!? Warum immer nur arme Teufel, welche meistens nur aus wirtlicher Roth stehlen?? Rechtsstaat— welche Phrase! Je höher der Beamte steht, desto leichter drückt er ein Auge zu, im Bewußtsein, daß auch er sein Schäfchen scheert. Es wäre gut, wenn angesichts der sich häufenden Fälle von Beamten- korruption auch unsere Abgeordneten diesem Thema einmal nähertreten und das Gaunerthum in Amt und Würden vor aller Welt brandmarken wollten. Das wäre wohl fruchtbarer als der Streit über die Frage, ob der Sozialismus erst in Preußen und dann in der übrigen Welt eingeführt werden soll. Wir meinen, diese Frage sei vorläufig eine müßige. Suchen wir nur tüchtig die wunden Punkte unserer Gegner auszunützen und immer neue Anhänger für unsere Sache zu gewinnen, statt unser» Feinden das Schauspiel der streitenden Brüder zu gewähren. Wie angenehm ihnen das ist, zeigt das Lob, das sie bei solchen Gelegen- heilen gnädigst auetheilen. Das Lob unserer Feinde, sollte das keine Warnung für uns sein? Nachschrift. Aus den ursprünglich 15,000 Mark sind nach und nach 60,000 Mark unterschlagener Steuergelder ge- worden— und je höher die Summen, um so höher diebe- theiligten Beamten. Soviel für heute, nächstens mehr. München, 4. November. Daß unsere Anregung in Sachen der Bauernagitation eine solch lebhafte Diskussion im„Sozialdemo- krat" hervorgerufen hat, zeigt, wie sich immer mehr die Ueberzeugung von einer praktischen Behandlung der Landfrage in unseren Reihen einbür- gert. Es ist zu wünschen, daß der nächste Parteikongreß sich ein- gehend mit der ganzen Angelegenheit beschäftigt. Sache der Genoffen ist es, irgendwie Stellung zu nehmen; am besten ist es selbstverständ- lich. wenn von irgend einer Seite genau und praktisch formulirte Bor- schläge und Anträge zum Kongreß vorbereitet würden. Ich hoffe in der Lage zu sein, in nicht zu ferner Zeit eine Reihe von Propositionen im Parteiorgan zur Debatte stellen zu können. Die konlervativen Agrar- Politiker, so z. B. der Breslauer Universitätsprofessor A. v. Miaskowski, jagen dem durch die moderne Entwicklung zum Glück illusorisch gewor- denen bezw. werdenden Ziel nach, einen festen Bauernstand zu begründen. Die Zeit, in der man mit dem antikollektivistischen Bauernschädel, um in Schäffle'scher Tonart zu reden, die Mauern einrennen konnte, ist so ziemlich abgelaufen. Miaskowski hebt mit Recht unter Klagen und Win- seln hervor, daß das sozialistische Gist da am leichtesten und tiefsten sich einsrißt, wo der Großgrundbesitz, oder Groß- und Kleingrundbesitz ge- mischt vorherrschen. Nun, der Zwergbetrieb, der Kleinbauer stehen auf dem Aussterbeetat, und die Sozialdemokraten müssen deshalb sich be- eilen, bei der allgemeinen Konkurserklärung des Bauernstandes Rekruten für die aktive Proletarierarmee anzuwerben. Ueber die Taktik, über die Agitationsmethode nächstens Genaueres. Der Staat ist wieder gerettet worden, das Landgericht hat eine an einen hiesigen Genoffen adreffirte Kreuzband-Sendung, in der 4 Nummern des„Sozialdemokrat" enthalten waren, dem Feuertode anheimgegeben. Der Edle, welcher sich um die bajuvarische Na'ion das unsterbliche Ver- dienst erworben hat, die Postsendung zu erstiebern, heißt S ch l u m- b e r g e r und ist kgl. bayerischer Postassistent und freiwilliger Polizei- spitzel. Das Briefgeheimniß ist das heiligste, es ist so geheim, daß man es selbst mit dem besten Mikroskop nicht mehr finden kann, es ist ver- dustet in der großen Retorte des Münchener Schwarzen Kabinets, dessen eifrige Thätigkeit schon mancher hiesige Genosse kennen zu lernen Ge- legenheit gehabt hat. So stellen sich alle Organisationen des modernen Klaffenstaates in den Dienst der Polizei, die sich uns darstellt als die Sahne der bürgerlichen Gesellschaft, als der Inbegriff der bourgeoisen Staatsweisheit, deren Losung bedeutet: Schonungsloser Schutz der scho- nungslosen Ausbeutung der Arbeit durch den brutalen Polizeiknüttel! Drei wackere Genossen, die Schuhmacher Wurzenrainer und S t a n g l und den Metalldreher Roy, haben wir durch den Tod ver- loren. Sie wurden von der Geißel des Proletariats, der Schwindsucht, dahingerafft. Wir werden ihnen stets ein gutes Andenken bewahren. Bogenschütze. Aach ruf. Schon wieder hat der Tod unsere Reihen gelichtet, indem er uns einen unserer tüchtigsten Genossen, den Buchhändler Heinrich LogeS, entriß. Seit 18 Jahren kämpfte Loges unermüdlich für die Befreiung des arbeitenden Volkes. Trotzdem er schon seit Jahren brustleidend war, war er doch stets in den vordersten Reihen zu finden, wenn es galt, für die Sache einzutreten. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen braven Genoffen, dem wir ein bleibendes Andenken dewahren werden. Ehre seinem Andenken! Hannover, 1. November 1885. , DieGenossen des 8. hannoverischen Wahlkreises. (Die Beerdigung fand am 1. November unter enormer Betheiligung der Arbeiterschaft Hannovers statt. Einen uns darüber zugegangenen Bericht bringen wir in nächster Nummer zum Abdruck. Die Redaktion des„Sozialdemokrat".) Bnffkasten Wir ersuchen die Genossen, alle Einsendungen, welch-? für die Redaktion bestimmt sind, ihren Briefen an die be- kannten Adressen separat beizulegen, oder mindestens ihre Briefe so abzufassen, daß der iür die Veröffentlichung im Partei- Organ bestimmte Theil derselben von dem geschäftlichen, die Expedition angehenden, leicht abgetrennt werden kann. Die Durch« einanderwerfung beider Arten von Mittheilungen verursacht jetzt vul unnöthige Schreibereien und Weitläufigkeiten, die zu vermeiden niP nur in unserem, sondern auch im Interesse der Genoffen liegt. Redaktion und Expedition des„S.-D-" der Redaktion: C. Sch. in Cincinnati: Wenn Ihr Nachr»' an W. bisher keine Aufnahme gefunden, so wollen Sie darin keil« böse Absicht suchen. Wir müssen mancherlei zurücklegen, was wir gel» veröffentlichten. Vielleicht findet sich später eine paffende Gelegenheit.' Iserlohn: In nächster Nummer.— Königsberg, Bielefeld, Hannover und Aus dem Elsaß: Desgleichen.— Brutus Baldigst. der Expedition: Alter Unverbesserlicher: Bf. v. 22. erh.& Vermerk auf Nota wird„Daniel" nicht mehr,„W. M" dagege» erst neu gedruckt. Den Dänen Lange aä notam genommen. Wahv scheinlich Schwindel. Parteikarte allein legitimirt Niemand! I. H.: Mk. 100— pr. a. Rest u. Ged. erh. London gewarnt. Dafl!- B. noch nichts bezahlt. Bfl. mehr.— M. P. Rbg.: Qttg. 29 irriz- Muß 2. Qu. heißen. Ihre Bfe. folgen zur Klarlegung.— Exzelsior- Bfillg. notirt. Nach St. senden Sie besser Briefmarken direkt pr. ei» fachen Bf.— E. Mr. Thm.: Alles fort. Adr. nach Wunsch.— Dll drei Gleichen: Mk. 2 50 Ihnen ä Clo. gutgebr., weil Sdg. Ml. inhibirt Adr. notirt. Bfl. Näheres.— Ch. S. Höoiks: Fr. 2 50 Ab. 4. Qu. ech — Feuerländer: Mk. 50 ä Cto. erh. Mldg. betr. E. wahrscheinl. zu spät — Forst NL.: Mk. 100- pr. Ufds. dkd. erh.- Gracchus F.: M 170— ä Cto. ic. erh. Ggrchg. gutgebr. Dank f. Beil.— R. K. Hbg- Mk.— 30 f. Schft. erh.- W. Pf. L.: Mk. 3 30 f. Schft. erh.„Mint» mährchen" vergriffen. Neuauflage im Gang.— Ahasverus: Mk. 27-l> Ab. 2. Qu. Sch. u. alt Nachtrag; u. Mk. 3- Ab. 4. Qu. Stb. erh. baar u. Ggrchg.— M. u. Z. Z.: Fr. 2— Ab. 4. Qu. erh.— Sch. Ng.: Mk. 2 90 Ab. Nov. u. Dez. erh.— Wilhelmus: Mk. 50 ä Cto. Ab. erh. Bstllg. folgt. Beil. besorgt.— Ein Rother St.:! 2— pr. a. Cto. erh. Weiteres noch nicht.— Ch. B. C. a. S.: 3— Ab. 4. Qu. erh.— Hannibal: Mk. 50— ä Cto. u. pr. 1 direkt 4. Qu. erh. Bstllg. ic. notirt.— Fuchs: Mk. 200— ä Cto. Ab. ic. Ber. erh. Adr. u. Ggrchg. notirt. Weiteres nach Wunsch. Bstllg. folgt — Vom grauen Staar Hannover sind Mk. 3— u. früher Mk. 7— zur lokalen Verwendung daselbst gegeben u. dkd. zu quittiren.— Ha» nover: Auch hier hat sich der berüchtigte Lauf er als„Weißgerber bei Genoffen Geld erschwindelt. Er hatte Empfehlung als„Gemäß' regelter" u. that auch so.— H. Rk. London: 25 Cts. v. C. A. S. iü: Porto sind gutgebr.— C. L. O.: Fr. 2 50 für Schft. erh.— C. Pt B.: öwfl. 5— f. Schft. erh. Sdg. folgt wie vorgeschrieben.— Dr. I R. U.: öwfl. 5— pr. Ufds. dkd. erh. öwfl. 5— pr. Ab. 4. Qu.« Schft. gutgebr. Weiteres suchen anzubahnen.— A. W. Ng.; Mk. 4 � Ab. 4. Qu. erh. Nachlfrg. indir. fort.— A. Heims Palmyra: 1 Dollar Ab. 3. u. 4. Qu.. 1 Doll. Ab. 1. u. 2. Qu. u.'/, Doll. pr. Ufds. dkd erh. Gruß!— Ch. Recksick Palmyra: V, Doll. pr. Ufds. dkd. erh. Immer wieder schärfen wir unseren Korrespondenten ein, unter Angabe des Datuuri in jedem Brief u. s. w. stets deutlich anzugeben, welche Korrespo» denzen, Sendungen:c. bis zu Abgang eingetroffen waren. Bei Adr«? änderungen, Adreßlöschungen u. dgl. ist unbedingt Vorkehrung zu treffe«- etwa Laufendes in sichereHand zu leiten. Alle Adreßmeldunge« bitten wir in Deutsch- und Lateinschrist(behufs Kontrole) d e u t l i � zu schreiben. Deckadressaten oder deren Angehörige sind zur Ablieferun» sofort nach Empfangnahme strengstens anzuhalten.. Weiterbeförderungen und Abholungen sind pünktlich« zu bewirken. foffeHitu» des S»jialdem»krat. Durch uns ist zu beziehen: Porträts von Marx und Lasialle. Pendants.— Größe 34/44 Centimeter. Oelfarbendruck. Vorzüglichste Ausführung. Preis: Per Stück Mk. 2—(Fr. 2 50). Bei Bezug von 1 Dutzend an 15 Proz. Rabatt. „„ 25 Stück an 25„„ Zahlreichen Bestellungen sehen entgegen Krpedttio« de« Soziatdemokrat. ZZotksbuchhandkung. Kotti«ge«-Zürich. Soeben erschien und ist durch Unterzeichnete zu beziehen: Sozialdemokratische Bibliothek. Heft l. Gesellschaftliches und Privateigenthum. Ein«eitra» zur Erläuterung des sozialistischen Programms. Preis 20 Pfg.--- 25 Cts. Heft n. Hart Marx vor den Kölner Geschwornen. Prozeß gege' den Ausschuß der rheinischen Demokraten wegen Aufruf' zum bewaffneten Widerstand. Preis 20 Pfg. 25 Cts. Heft III. Die Zukunft der Sozialdemokratie. Von I. Dietzge« Mit einem Vorwort und Nachtrag. Preis: 15 Pfg.— 15 Cts. Bestellungen auf die„Sozialdemokratische Bibliothek" werden erbeten Die Hefte werden auch einzeln abgegeben. V ulkvb ac hhandlang and Kxpedltlon des„Sozialdemokrat". Uottlugen• Zfir ick. Passend als Weihnachtsgeschenk! Durch Unterzeichnete ist zu beziehen: Mi. Ps. Fr.«!' Borwärt»! Eine Sammlung von Gedichten für das � arbeitende Volk. Geb. 3 50 4 Edelsteine deutscher Dichtung. Gebunden 1 50 Geib, Gedichte. Brochirt— 35 Herwegh, Neue Gedichte. 4— Die Reue Welt. 1876, 1877 und 1878, Brochirt per Jahrgang 3— R. Liebknecht» Josua Davidsohn I— W. Hasenelever, Erlebtes— 40 M. KautSky, Stefan v. Grillenhof. In Prachtband 2 50 «. Vtto-Walster, Am Webstuhl der Zeit 2 50 -- Kranke Herzen 1— -- Allerhand Proletarier— 55 -- Eine mittelalterlich- Internationale— 80! Tolksbuehhindlung und Izpedltlon des„Sei." Bottlngen-Zfirlch. 2 _ 41 3 1: 1 3 3 1 2J _ T K. Marx: Das Kapital, 2. Bd. versende bis auf Weiteres für 8 Mark pro Exemplar franko per Kreuzband. Preis ohne Porto: Mk. 7 50. H. Rackow, 35 Charlotte Street, Fitzroy Square, London W. A b o n n e m e n t s auf den„S o, i a l d e m o k r a t",„Neue Welt"* werden jederzeit prompt besorgt.