gf.il irde n imiff : unl» m m' köiis er S« n nif Jen!' Hi-B n\¥ te£«!■ 6 n�- rer i» lell-l- Segn» i ihr- erlu? n ab- Erscheint tobchstitnch einmal tn Zürich(Schweiz). Aerkag der >»le»»»chha«»l««g Hottwgen» Zürich. DlßstlldUlll» seanio genen franko. vewöhnliche Briese »ach der Schweiz losten Doppelporto. Der oiialöcmolirnt entral-Krgan der deutschen Sozialdemokratie. Monnemeuts werden bei allen schweizerische» Postbureauz. sowie beim Verla» und dessen bekannten Agenten entgegengenommen, und zwar zum vorn«» z ahldare« Vierteljahripreii von: Fr 2,— sllr dieSchwelz lKreuzband) Ml S.— sllr Deutschland fonitf« :. et inet )er e- verut 26 eü > G« ebt' st rh-> ingew Dtek Bstllb halte- irdneb tra' Ersah innte- - M ts. � SO . 3 � solzb - 0 h- p'l 16. SB. � t. erb (övst . 6" zyori 50 inge- lu. Ein >e füs : � . Et- na» Alle« i. eth äumt lodes ende- : J- lNN' Viel- det Ter Wa» katen- : den nnen- Fr.»• 4 50 2- - 40 5 3 76 l 25 - 50 3 3 1 25 - 70 1•- Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Flnsern in- und austandischen Wrief- � Kreuzband- Abonnenten zur Hlachricht. Alle Einzelabonnemeilts, welche vor Ablauf Dezember nicht erneuert sind, werden mit dem 1. Januar 1886 gesperrt. Bei Bestellung durch Vertrauensleute benachrichtige man dieselben also rechtzeitig. Borau sbezahlung mutz festgehalten werden. Conto-Jnhaber belasten wir, wenn Abbestellung nicht vor Anfang Januar 1886 erfolgt, auf nächstes Quartal. Abonnements für die Schweiz werden mit Nr. 2 1886 uachgenommeu. Nie Erpedition des„SoMldemokrat". Ein amerikanisches Flugblatt über den achtstündigen Normalarbeitstag. Die organisirten Arbeiter Nordamerikas sind in eine Be- wegnng zu Gunsten des achtstündigen Normalarbeits- tag es eingetreten. Sie wollen es durch eine Massenagitation dahin bringen, daß vom 1. Mai künftigen Jahres an in allen Werkstätten des Landes nur noch acht Stunden des Tages gearbeitet werde. Erst wenn dieses Resultat that sächlich erreicht ist, rechnen sie darauf, seine gesetzliche Sanktioniruug Zu erzwingen. Ein großartiges Unternehmen, fürwahr. Ob fse Aussicht haben, es durchzusetzen, vermögen wir aus der Ferne nicht zu beurtheilen, soviel aber ist sicher, daß schon ein großes Selbstvertrauen dazu gehört, einen Entschluß von >o gewaltiger Tragweite zu fassen. Ohne die Ueberzeugung, daß große Massen für ihn zu gewinnen sind, ist er nicht denk- bar. Und wenn auch vorläufig nur dieses Resultat erzielt »Verden sollte, so ist selbst das schon des Schweißes der Edlen Werth. Unsere amerikanischen Genossen von der Sozialistischen Ar- beiterpartei sind natürlich auch bei dieser Gelegenheit dem Grundsatz des Kommunistischen Manifestes getreu geblieben, der da fagt:„Die Kommunisten haben keine von den Jnter- essen des ganzen Proletariates getrennten Interessen." Sie haben sich der Bewegung voll und ganz� angeschlossen und ihre Mitglieder stehen fast überall an der Spitze der Agitation. Als ein neuer Beweis dafür liegt uns heute ein zur Massen- Verbreitung bestimmtes Flugblatt zu Gunsten des achtstündigen Normalarbeitstages vor, welches von der Nationalexekutive der Sozialistischen Arbeiterpartei laut Beschluß des Kongresses von Cincinnati herausgegeben worden ist. Es ist von Alex. Jonas, dem Ehesredaktcur der„Newyorker Bolkszeitung", verfaßt, und wir halten es nicht für uninteressant, einige Stellen aus demselben hier abzudrucken. Nach einer Schilderung der Wirkungen der kapitalistischen Produktionsweise auf die wirthschaftlichen Verhältnisse im Allgemeinen und die Lage der arbeitenden Klassen im Beson- deren führt Jonas aus, daß, wenn durch eine umfassende und kräftige Bewegung aller Arbeitsorganisationen, welche die un- organisirten Arbeiter in ihren Bannkreis ziehe, der ach tstün- dige Normalarbeitstag— wohlgemerkt, mit einem Schlage— durchgesetzt wird, folgende segensreiche Folgen für sämmtliche Arbeiter eintreten: „1) Da nach Einführung des achtstündigen Normalarbeitstages von den Arbeitern in 8 Stunden dieselbe Quantität Waare hergestellt wer- den soll, wozu sonst 10-12 Stunden gebraucht wurden, so sind mehr Arbeiter dazu nöthig- Die 10-20 Prozent bisher stetig beschäst, gungs- loser Arbeiter, die proletarische Reserve-Armee der Kapitalisten, wird iur Arbeit eingezogen und verschwindet fast ganz. Die Waare„Arbeits- kraft-- ist nicht mehr im Ueberfluß vorhanden, sondern die Nachfrage Noch ihr ist stärker als das Angebot. t t o-c v 2) Infolgedessen steigt ihr Preis, d. h. die Lohn- der Arbeiter werden aufgebessert, trotz der kürzeren Arbeitszeit. Za, selbst lo-nn die Boss- lPrinzipale) im Ansang sür achtstündige Arbeitszeit ge- tingere Löhne geben wollen als srüher für zehnstündige, so werden sie doch in kürzester Seit zur Lohnsteigerung gezwungen werden, denn die billigen Arbeiter, die Arbeiter„zu jedem Preis", welche früher be- Ichäftiqungslos herumliefen und sich anboten, sind nicht mehr vorhanden, Und die Bosse haben nur die Wahl, entweder die Profite um ein Ge- ring-s beschnitten zu sehen oder ihre Bude zu schließen. Daß sie das Elftere wählen werden, kann nicht zweifelhast sein. Ss stnfolae der besseren Löhne und des Heran, lehens zur Arbeit bis- her unbeschäftigter Arbeiter steigt die Nachfrage nach Waare. Di- Ar- I bester können sich wieder etwas kausen, sie werden konsumtionsfähiger, was einen allgemeinen Aufschwung des Geschäfts bedeutet, wovon auch 1>ie Bosse profitiren. 4) Der Ueberproduktion wird bis zu einem gewissen Grade gesteuert, da die kürzere Arbeitszeit das sinnlose Fabriziren und Aufstapeln von Waaren, die der Waarenmarkt nicht ausbrauchen kann, erschwert. In Folge dessen werden Krisen mit ihren verderblichen Konsequenzen seltener und milder. 5) Der Arbeiter wird mehr Mensch. Wer täglich 10, 12 und 14 Stunden sich abrackert, Abends todtinüde nach Hause kommt und dort auch noch keine komfortable Häuslichkeit vorfindet, weil er nicht genug verdient, um sich so einzurichten, und weil sehr oft auch die Frau durch Waschen oder gar durch Fabrikarbeit abgehalten wird, ihre häusliche Pflicht zu erfüllen, der kann natürlich keinen Sinn haben sür Bildung des Geistes, sür die Freuden des Familienlebens, sür die Pflichten eines Staatsbürgers oder gar sür die Bedeutung großer Fragen, die die Welt bewegen. Sein Stumpfsinn verlangt höchstens nach einem starken Stimulus nach alkoholartigen Getränken und nach den Ausregungen des Wirthshauslebens. Daß er außerdem das einzige Kapital, das er besitzt, nämlich seine Arbeitskraft, schon frühzeitig erschöpft, daß er schon mit 40- 45 Jahren einem alten Mann gleicht— wenn er dann noch lebt— versteht sich von selbst. Zwei bis vier Stunden weniger Arbeit pro Tag machen erst einen Menschen aus ihm. Er ist geistig und körp-rlich nicht so erschöpft, daß ihm nicht noch Spannkraft genug bliebe, sich den häuslichen und öffentlichen Pflichten und Freuden zu widmen; und ihm bleibt auch die Zest dazu. 6) Er lernt die Macht der Organisation kennen. Er sieht, was ihm bisher immer noch nicht recht in den Kopf wollte, daß er nur Schulter an Schulter mit seinen Arbeitsgenossen, mit denjenigen, die gleich ihm ausgebeutet sind, gleich ihm leiden, mit ihm dieselben Interessen haben, daß er nur im Verein mit diesen etwas ausrichten kann; daß er allein, auf sich gestellt, nichts vermag, im Bündniß aber mit seinen Arbeiter- Brüdern Alles!„Einer sür Alle und Alle für Einen!-- Die tiefe Bedeutung dieses schönen Satzes wird ihm klar und er handelt dem- entsprechend in der Zukunft.-- „Wenn man uns nun aber fragt,"-ährt Jonas fort,„ob diese wohl- thätige Folgen dauernde sein werden, ob die Ursachen, welche das Elend einer übermäßig lapgen� Zstche.. �pit.llleroorilebracht, nicht mehr wiederkehren werden, ob die nothmildernde Kraft einer verkürzten Ar- beitszeit. wie sie zunächst durch Erkämpfung des achtstündigen Arbeits- tages zum Ausdruck kommt, auf die Dauer, auf lange Jahr- zehnte hinaus wirksam sein wird, so müssen wir mit einem ent- schiedenen„Nein!" antworten. Und warum? Weil das fluchwürdige, kapitalistische Produktionssystem, unter welchem wir leben und leiden, alle Reformen, welche unter günstigen Umständen errungen werden, nach und nach wieder illusorisch und hinfällig macht. Und in diesem Falle folgendermaßen: Nachdem der achtstündige Nonnalarbeitstag eine Weile gewährt hat, wird sich a l l m ä l i g zeigen, daß die Arbeiter in 8 Stunden nahezu soviel leisten wie srüher in 9 und 10 Stunden. Und zwar auf ganz natürliche Weise. Wenn ich eine englische Meile in 15 Minuten gehen kann, so folgt daraus noch nicht, daß ich 20 englische Meilen in 20 mal 15 Minuten, also in 5 Stunden gehen kann; je länger ich gehe, um so mehr wird meine Kraft erschöpft, und ich brauche vielleicht sür die letzte Meile 30 Minuten, während ich für die erste nur 15 gebrauchte. Genau so ver- hält es sich mit der Arbeit. Wenn ein Mensch täglich 10—12 Stunden arbeitet, so stellt er in den letzten 2—4 Stunden lange nicht so viel her wie in den ersten zwei Stunden. Arbeitet Jemand überhaupt nur 8 Stunden lstatt wie srüher 10—12), so ist er im Allgemeinen frischer, kräftiger, leistungsfähiger, als wenn er 10—12 Stunden arbeitet und die Folge davon wird sein, daß er in diesen 8 Stunden pro Stunde mehr herstellt, als ein anderer Arbeiter pro Stunde bei langer Ar- beitszeit. Ferner: die Verbesserung der Maschinen, wie wir sie oben geschildert haben, schreitet ununterbrochen fort, gleichgiltig ob die Arbeiter 8 oder 10 Stunden arbeiten. Ja, sie wird noch b e s ch l e u- n i g t durch das Streben der Bosse, den kleinen Verlust, den ihnen die verkürzte Arbeitszeit im Anfang verursacht, wieder einbringen. Endlich dauert der Zuwachs an billig schaffenden Arbeitern durch die Einwanderung im größeren oder geringeren Grade fort. Die Folge von alledem ist, daß ganz allmälig— wenn nichts dagegen geschieht— die alten Zustände wiederkehren. Nach und nach wird ein Arbeiter nach dem andern überflüssig, denn seine eigene wirk- samere Arbeitskrast— wie die seiner Kameraden— bei verkürzter Arbeitszeit hat dahin geführt, daß er in acht Stunden eine tüchtige Portion mehr schafft, mehr Waaren hervorbringt als früher in derselben Zeit, vielleicht nahezu so viel wie früher in 9—10 Stunden; ebenso wirkt die Verbesserung der Maschinen, die vermehrte Ar- b e i t s l e i st u n g und die Einwanderung. Kurz, nach einigen Jahren— früher oder später, je nach Umständen— muß nothwendiger Weise der Moment kommen, da abermals das Angebot der Waare„Arbeitskrast-- die Nachsrage nach derselben bedeutend übersteigt, da abermals jener verderbliche Kreislauf beginnt, der in einem allgemeinen Krach endet, mit einer Vernichtung zahlloser Existenzen u. s. w. So m u ß es abermals kommen— wenn nichts dagegen geschieht, wieder- holen wir." Weiiii dem aber so ist, warum dann den Kampf für den achtstündigen Arbeitstag überhaupt unternehmen? Warum nicht gleich den unseligen Zustand der Dinge, wie er heute ist, mit einem Schlag wirksam verbessern? Auf diese Frage antwortet Jonas: „Ach, Freunde, das Häuschen, das uns auf diesem Wege folgt, ist noch klein. Damit stürzt man den Kapitalismus nicht. Da sind die Einen, die, verschuldet b's über die Ohren, noch krampfhaft ei" kleines Befitzthum festhalten, das sie aus den Klauen der Wucherer zu retten hoffen. Ihr Bemühen ist vergeblich, gewiß— aber sie h o f f e n doch noch. Da sind Andere, die zwar kaum genug verdienen, um sich ein anständiges Mittagessen zu kaufen, aber sie hoffen doch noch Millionäre zu werden, denn der Vanderbilt war ja auch einst nur armer Fähr- knecht und wurde-in Krösus. Freilich: Einer unter Hunderttausenden. aber könnten s,- nicht der Eine sein?! Da sind Tausende und Aber- tausende, von Roth und Armuth so niedergedrückt, daß sie überhaupt nichts mehr hoffen und denken, als höchstens das. was auf ihre tägliche. Beschäftigung Bezug hat: kürzere Arbeitszeit und höheren Lohn. Sie alle wo l l en noch nicht, weil sie noch nicht verstehen. Aber was: ste Alle wenigstens verstehen können, woran ihr Denken heranreicht, was sie freudig zu erkämpfen, wofür ste Opfer zu bringen bereit sind, wenn man ihnen nur die Sache in einfacher und klarer Weise ausein- andersetzt, das eben ist die Verkürzung des Arbeitstages, weil sie vor- läufig sofortige Hülfe bringt.".... „Der achtstündige Normalarbeitstag ist der Hebel, womit der Riese „Proletariat", der jetzt am Boden liegt und sich der schmählichen Fuß- tritt- seiner Bedrücker kaum erwehren kann, auf die Beine gestellt wird, damit er seine Fäuste gebrauchen kann. Und dann wehe seinen Gegnern!" So das Flugblatt. Unsere früheren Ausführungen über das ihm zu Grunde liegende Thema werden unseren Lesern noch in Erinnerung sein, wir können uns also für heute jedes kommentirenden Zusatzes enthalten. Wir wollen daher nur noch dem Wunsch Ausdruck geben, daß die Agitation unserer Genossen von nachhaltigstem Erfolge begleitet sein möge, daß sie, wenn vielleicht nicht als Sieger, so doch mit verstärkter Kraft aus dem Kampfe hervorgehen mögen. Die Moral auf den Kopf gestellt oder: Wie die herrschende Gesellschaft ihre Hände in Unschuld wäscht. Aus Bielefeld schreibt man uns: Das seinerzeit viel Aufsehen erregende Ereigniß, die Verhängung des Belagerungszustandes über Bielefeld und Gadderbaum Sandhagen wird noch in frischer Erinnerung sein. Das unerhört brutal provokatorische Vorgehen und Gebahren von Polizei und Militär bei dieser Gelegenheit wurden schon seinerzeit in einem Bericht von hier aus in Nr. 17 des Näheren gekennzeichnet. Wir erinnern nur daran, daß selbst hiesige Krieger- vereinler offen sagten, solche Brutalitäten hätten sie sogar im Kriege nicht erlebt. Denn das au jenen! Abend in der Bahnhofstraße anwesende Volk wurde erst vom Militär in die Enge getrieben, ohne daß ein Aus- weg gelassen wurde, und dann wurde mit gefälltem Bajonnett auf das- selbe eingestürmt, wobei weder Frauen noch Kinder geschont wurden. Selbst die über Hecken und Zäune Fliehenden wurden mit Bajonnett- stichen, Kolbenstößen und Säbelhieben traktirt, außerdem wurde eine große Anzahl willkürlicher Verhaftungen vorgenommen. Die ganze Sache war darauf angelegt, das Volk zum Widerstand zu reizen. Das Stärkste von Allem war ohne Zweifel, daß dieses provokatorische Gebahren höheren Orts gutgeheißen wurde, denn was wohl kein Mensch sür mög« lich gehalten, geschah— die Verhängung des Belagerungszustandes wurde ministeriell bestätigt! Jedenfalls hatte man sich aber in jenen Kreisen sehr bald davon überzeugt, einer wie großen Blamage man sich damit preisgegeben, denn nach kaum achttägiger Dauer wurde der Belagerungszustand wieder aufgehoben. Man hätte nun billigerweise annehmen sollen, daß gegen die an der Provokation betheiligten Polizeibeamten und Militärs wegen MißbrauchS ihrer Amtsgewalt strafrechtliche Verfolgung eingeleitet worden wäre, doch nichts von dem geschah; dadurch hätte ja der Glaube an die Hei- ligkeit der Polizei- und Militär-Autorität noch mehr erschüttert werden können. Für die Machthaber sind die Gesetze eben nur dazu da, um von ihnen übertreten zu werden. Doch so ganz ohne Nachspiel durfte die Sache nicht verlaufen, denn dann wäre die Blamage doch gar zu groß gewesen. Es galt also, der Welt zu beweisen, daß hier in Bielefeld wirklich ein Aufruhr stattge- funden habe und die Verhängung des Belagerungszustandes noth- wendig gewesen sei, und so wurden denn auch wirklich Anklagen wegen Zusammenrottung und Aufruhr rc. erhoben, aber— man höre und staune!— nicht etwa gegen Diejenigen, welche sich wirklich zusam- mengerottet, um das Volk zu überfallen und zu mißhandeln, sondern gegen eine große Zahl der Ueberfallenen, Gemißhandelten und Willkür- lich Verhafteten wurden wegen Zusammenrottung, Aufruhr ic. Anklagen erhoben, welche auch naturgemäß mit der Verurtheilung fast sämmtlicher Angeklagten endeten. Zur Charakterisirung der Art und Weise, wie die Anklagen zu Stande gebracht wurden, ein Beispiel: Das am hiesigen alten Markt gegenüber dem Rathhause liegende frühere Reckmann'sehe Gebäude wurde nach er- folgtem Wechsel des Eigenthümers zu Geschästslokalitäten mit großen Schaufenstern umgebaut. Um nun die neu errichteten Wände schnell trocknen zu lassen, waren in dem Gebäude Koaksöfen ausgestellt, und der Kaufmann L o h m a n n Hierselbst, Eigenthümer des Gebäudes, bezw. Schwiegersohn des jetzigen Eigenthümers, hatte mn die Zeit der ver- hängnißvollen Tage einen Arbeiter damit beauftragt, die Koaksöfen zu heizen und daraus zu achten, daß die großen Spiegelscheiben der Schau- fenster bei dem derzeitigen großen, resp. regen Andrang des Publikums auf den Straßen nicht eingestoßen würden. Zu diesem Zwecke begab sich derselbe, wenn er den Rundgang behufs Füllung und Untersuchung der Koaksöfen gemacht, vor die Thür des Gebäudes auf das Trottoir, um die Passanten vor zu starkem Andrängen an die Schaufenster abzuhalten. Bei dieser Gelegenheit'wurde nun besagter Arbeiter von dem Militär- Posten aufgefordert, stch zu entfernen, und auf die Erwiderung hin, er stehe im Auftrag und Dienst seines Prinzipals zur Bewachung des Hauses da, wegen Betheiligung am Auflauf und Nicht- befolgung der Aufforderung der bewaffneten Ge- w a l t angeklagt und— zu vier Wochen Gefängniß ver- u r t h e i l t. Und der betreffende Arbeitgeber? Nun, der ließ es ruhig geschehen, daß sein Arbeiter vier Wochen in's Gefängniß wandern mußte, nur weil er seinen Austrag pflichtgemäß ausführte! Das nennt man Gleichheit vor dem Gesetz! Dies eine Beispiel genügt, denken wir, um zu zeigen, welche Art An- klagen zu Stande gebracht wurden, und daß es noch— Richter in Bielefeld gibt. Theils das Schöffengericht, theils das Landgericht leisteten alles Menschenmögliche im Verurtherlen. Nun konnten die Blätter, namentlich die auswärtigen, schreiben, in Bielefeld seien so und so viele Personen wegen Betheiligung an Auf- rühr, Zusammenrottung ic. angeklagt und auch zum größten Theil ver- urtheilt worden, ergo habe in Bielefeld wirklich Ausruhr stattgefunden, und die Verhängung des Belagerungszustandes über Bielefeld und Gad- derbaum-Sandhagen war vollständig gerechtfertigt! Somit ist, wenigstens nach außerhalb, die Ehre dieser Gesellschaft gerettet. Wenn dafür auch eine große Zahl friedlicher Einwohner auf längere Zeit ihrer Freiheit beraubt wurden, danach fragen jene Herr» schaften nicht. Ja, ja, alle Menschen sind vor dem Gesetze gleich. Darum gehen auch, wo es sich um Verbrechen am Volke handelt, wie Figura zeigt, die Ver- brecher frei aus, und Diejenigen, an denen das Verbrechen begangen, werden angeklagt und verurtheilt, wobei häufig die eigentlichen Ver> brecher über die unschuldig Angeklagten zu Gerichte sitzen. In solcher Weise wäscht man die Hände in Unschuld, und so wird die Moral auf den Kopf gestellt. Am Morgen des 31. August, dem Todestage Lasialle's, flatterte an der Vogelstange auf dem hiesigen Johannisberge, weithin sichibar, eine große rothe Fahne lustig im Wind. Vielen der am gleichen Morgen zum Regiments-Exerziren ausrückenden Soldaten sah man, als sie den herrlichen Anblick der rothen Fahne im Scheine der frühen Morgen- sonne genosien, die freudige Ueberraschung deutlich an. Aber auch in den Arbeiterkreisen war dies Ereigniß eine freudige Ueberraschung. Da nun dafür gesorgt war(durch Anbringen eines starken eisernen Bolzen), daß das Herunterlaffen der Stange nicht so leicht bewerkstelligt werden konnte, so gelang es der Polizei erst nach vielen Anstrengungen und unter Zuziehung eines Schlossers, die Fahne um'/j8 Ahr herunterzuholen. Alle angestrengten Bemühungen, den Thäter zu ermitteln, blieben erfolglos und— werden es auch bleiben. Daß das Aufhiffen der rothen Fahne der Polizei und dem Philister- thum großen Aerger verursachte, kann man sich denken, den Genossen dagegen möge es als Ansporn dienen, unermüdlich thätig zu sein, und durch Wort sowie durch rege Verbreitung unserer Schriften immer mehr Aufklärung unter die Waffe zu bringen, unabläffig neue Anhänger für unsere Sache zu gewinnen, dann wird auch der Sieg endlich unser sein! G o d i e t a n n. --«/WtsA/W- Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 1K. Dezember 1885. — Rebellion im Lager der„Freisinnige n". Während der jüngsten Debatten über das Arbeiterschutzgesetz gab der Fortfchrittler Halben bekanntlich die Erllärung ab, daß er nebst einigen Genoffen, entgegen dem Gros seiner Fraktion, für die Beschränkung der Frauen- und Kinderarbeit und andere Forderungen des Arbeiterschutzgesetzes stimmen werde. Wie sick vermuthen ließ und wie durch die nachträg- lichen„Enthüllungen" bestätigt worden ist, hat das sozialdemokratische Arbeiterschutzgesetz zu sehr heftigen Debatten in der Fortschrittspartei Anlaß gegeben. Einige Mitglieder meinten, wenn die Fortschrittspartei auf ihrem starr manchesterlichen Standpunkt stehen bleibe, so werde sie mit Nothwendig- keit von den übrigen Parteien überflügelt und verliere vollends allen Boden in der Arbeiterwelt und im Volke. Herr Eugen Richten wider- setzte sich mit der ihm eigenen Brutalität, bewirkte dadurch aber blos, daß ihm heftige Vorwürfe gemacht und die Mißerfolge der jüngsten Zeit, insbesondere auch die Niederlage bei den letzten preußischen Land- tagswahlen, in die Schuhe geschoben wurden. Der Streit füllte mehrere Fraktionssitzungen aus und endete mit dem Sieg der Rebellen, die sich das Recht wahrten, ihren abweichenden Standpunkt im Reichstage geltend zu machen. Die Fraktionsdiktatur Richter's ist also endlich g e- krochen. Für die Fortschrittspartei ist's freilich zu spät: sie ist zu tief in den Sumpf des Manchesterthums hineingerathen und politisch zu sehr kompromittirt, als daß eine Neugeburt noch möglich wäre. Die Zahl der„Rebellen" beträgt schon 15, denen sich aber noch mehrere anschließen werden. An der Spitze steht L u d w i g L ö w e, der sich seiner Laffalle'schen „Jugendsünden" erinnert hat— on en revient toujours ä ses Premiers amours; und auch V i r ch o w ist unter die„Rebellen" gegangen, wohingegen H ä n e l, der vor der Vereinigung mit den Sezeffwnisten starke Oppositions- und Rebellionsgelüste gehabt hatte, vor dem„edlen Ritter Eugen" reuig zu Kreuz gekrochen ist.— Die Herren Fortschrittler haben sich inzwischen mit den Zentrums- leuten dazu verbündet, die polnische Interpellation auf die eine oder andere Weise zu beseitigen. Und diese Todtengräberdienste werden auch vorläufig ihren Zweck erreichen. Erst wenn der sozialdemokratische An- trag zur Verhandlung kommt, wird sich voraussichtlich Gelegenheit zur Besprechung der Ausweisungsfrage und zur Antwort auf die famose „kaiserliche Botschaft" bieten. Vor den Ferien wird dieser Antrag jedoch nicht mehr auf die Tagesordnung kommen. Die Fortschrittler leben nur noch unter der nächsten Regierung. Sie denken an nichts als an den Thronwechsel und die Wunder, welche die„liberale Kronprinz" nach seinem Regierungsantritte wirken wird. Kurz, schlaraffenländische Zukunftsmusik. Das„Ereigniß", auf welches die Fortschrittsschlaraffen mit ausge- sperrtem Mund und in den Schoß gelegten Händen seit Jahren schon warten, wird gelegentlich wohl eintreten. Allein Junker Bismarck wird dann sicherlich nicht so leichten Kaufs abgeschüttelt werden. Er gibt sich alle erdenkliche Mühe, dem„liberalen" Kronprinzen und namentlich der „liberalen Krön Prinzessin" Honig um den Münd zu schmieren— neulich besuchte er sogar, was er bisher nie gethan, die„liberale Krön- Prinzessin" und gratulirte ihr zum Geburtstag— dem„liberalen Krön- Prinzen" und der„liberalen Kronprinzessin" zu Gefallen wird die all- mälige Kaltstellung des biederen Stöcker proklamirt. Kurz, die Einseifung des„liberalen Kronprinzen" und der„liberalen Kronprinzeffin" wird mit Hochdruck betrieben, und warum sollte das Einseifen nicht gelingen, wo man sich so gerne einseifen läßt? Die Herren Fortschrittler werden ihr blaues Wunder erleben, wenn der Traum vom„liberalen Kronprinzen"(männlichen und weiblichen Geschlechts) der Wirklichkeit weicht. — Macht und Recht. Zwei Ereigniffe, die sich in der letzten Zeit abgespielt, sind so recht geeignet, zu zeigen, wie sehr in unsern viel- gerühmten Kulturstaaten der Begriff des Rechts noch von dem der Macht abhängig ist: die bulgarische Affäre und die englischen Wahlen. Als Alexander von Bulgarien die Union mit Ost-Rumelien vollzog und Rußland und Oesterreich, Serbien und Griechenland Miene machten, über den frechen Verächter des Berliner Vertrages herzufallen, da war fast überall die sogenannte öffentliche Meinung ebenfalls gegen den Letz- tern und seine Leute. Man spottete über sie, und als die serbische Regie. rung sich wirklich zum Hausknecht Väterchens hergab und das slavische „Brudervolk" mit Krieg überzog und einige Vorposten überwältigt hatte, da war all» Welt darüber einig, daß die Bulgaren absolut kein Recht auf Vereinigung haben. Nun aber, da das Blatt sich gewendet, da das Kriegsglück für die Bulgaren entschieden— und das Kriegsglück kann doch höchstens als Maßstab für die subjektiv größere Kraft, nie aber als Maßstab für die objektive Berechtigung einer Forderung gelten— jetzt ist alle Welt plötzlich darüber einig, daß die Bulgaren ein Recht auf Anerkennung der Union mit Ost-Rumelien haben. Warum ein Recht? Ei, sagt man, sie haben für diese Union ihr Blut vergossen. Schön, und wenn sie unterlegen wären, hätten sie da nicht geblutet? Nein, weil sie gesiegt, weil sie, aus welchen Gründen immer, den Serben gegen- über sich als die Stärkeren erwiesen, weil sie eine gewiffe Macht repräsentiren, darum sängt man auch an, ihnen ein gewisses Recht ein- zuräumen. Von den Bulgaren zu den— Jrländern. Es ist bekannt, daß Herr Parnell im letzten Wahlkampf unter den Jrländern die Parole ausge- geben, überall, wo sie nicht auf Durchsetzung eigener Kandidaten rechnen können, für die Tories zu stimmen, so daß diese eine stattliche Anzahl sonst liberaler Wahlkreise eroberten. Bedenkt man, daß kaum ein eng- lischer Staatsmann den Jrländern mehr Entgegenkommen gezeigt als Gladstone, so wird man die Entrüstung der Gladstoneaner über die„Un- dankbarkeit der Iren" begreifen. Nun, Herr Parnell wollte verhindern, daß die liberale Majorität stärker werde als Tories und Iren zusammen- genommen, mit anderen Worten, daß keine der beiden großen Parteien die Majorität im Parlament habe, so daß die Iren in jeder wichtigen, Abstimmung den Ausschlag geben. Er hat diesen Zweck so ziemlich er-' reicht, es sind 333 Liberale, 249 Konservative und 84 Parnelliten gewählt; den Liberalen fehlen 2, nach andern Berichten 4 Stimmen an der absoluten Mehrheit— und selbst wenn sie diese hätten, so genügt das noch nicht für eine Majorität, wie sie im Lande des Parlamenta- rismus jede Regierung braucht. So ist denn Parnell zu einer solchen Machtstellung im Parlament gelangt, daß das Schlagwort Parnell- m e n t für dasselbe überall als zutreffend bezeichnet wurde. Und was thun jetzt die Liberalen, die eben noch über die Undankbarkeit der Iren schimpften? Sie suchen die Iren durch weitere Zugeständniffe zu gewinnen. Herr Gladstone pfeift auf die Schmeichelworte, mit denen die irische Preffe ihn während des Wahlkampfes überhäuft, und tritt in Unterhandlung mit Herrn Parnell, denn— Parnell mit seinen 84 Kollegen hinter sich ist eine Macht. Und daß er auf Grund dieser Macht wei- tere Rechte für Irland erlangen wird, daran zweifelt in England kein Mensch. Woraus übrigens zu lernen, daß der Parlamentarismus keineswegs unter allen Umständen zu verachten ist. Ein gutes Gewehr freilich auch nicht. — rk. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat sich seit dem Wiederzusammentritt des Reichstags natürlich mit den Differenzen, welche in der Zwischenzeit seit der vorigen Session zu Tage getreten sind, insoweit es ihr zukommt, beschäftigen müssen. Die Aus- einandersetzungen, welche dabei stattfanden, haben jedenfalls zur Klärung geführt und manches Mißverständniß beseitigt, obgleich das letzte Wort nicht in und von der Fraktion gesprochen werden kann. Und jedenfalls ist durch diese Auseinandersetzungen, in Verbindung mit den prinzipiellen Berathungen über die parlamentarische Taktik, oder vielleicht richtiger ausgedrückt: die Taktik im Reichstag in Bezug auf unsere Parlaments- thätigkeit eine einheitliche Auffassung erzielt worden, die ein methodisches, planmäßiges Handeln verbürgt, und ein so bedauer- liches Auseinandergehen, wie es in der vorigen Session bei der Dampfer- subvention vorkam, einfach unmöglich macht. Die bisherige Thätigkeit der Fraktion im Reichstag zeigt jedem Genossen das Vorhandensein einer festen Verhaltungslinie. Die Debatten über den Helldorf schen Antrag auf 3jährige Legis- laturperioden und den sozialdemokratischen Gegenantrag nahmen zwei Sitzungen(9. und 10. Dezember) in Anspruch. Seitens unserer Partei sprachen K a y s e r und Bebel, welche die reaktionären Motive der Herren Helldorf u. Cie. bloslegten und die jetzt sich überall breitmachenden reaktionären Strebungen nach Gebühr geißelten. Zweifellos ist, daß die Herren Helldorf u. Cie. eine recht klägliche Rolle spielten und durch ihren verunglückten„Vorstoß" blos ihren Gegnern und namentlich uns Sozialdemokraten in die Hände arbeiteten. Die Polen-Jnterpellation ist glücklich begraben; und zwar war es, wie wir voraussagten, Herr Windthorst, der das Todtengräber- amt versah. Er gestand es in einer Geschäftsordnungsdebatte(den 11. Dezember) ungenirt ein: das Zentrum habe sich schlüssig gemacht, daß die beste Art, die Angelegenheit, und insbesondere die Ver- f a s s u n g s frage im Zusammenhange mit der kaiserlichen Botschaft zu erledigen, durch den bekannten sozialdemokratischen Antrag geboten sei: wenn die Herren Polen nicht warten wollten, bis der An- trag auf die Tagesordnung komme, so sollten sie den Etat dazu be- nützen, ihre sachlichen Beschwerden anzubringen. Es zeigt dies, wie nothwendig der sozialdemokratische Antrag war; ohne denselben wäre die Diskussion der kaiserlichen Botschaft vollständig eskamotirt worden. Schade nur, daß der Antrag, wenn nicht andere Initiativanträge zurückgestellt werden— wozu die Zustimmung der Antragsteller erforderlich— nicht mehr vor den Ferien zur Verhand- lung gelangen kann. Die Ferien werden voraussichtlich schon am 17. d. beginnen und bis zum 10. Januar dauern. Daß aber in einer so wichtigen Materie, politisch vielleicht der wichtigsten, welche den Reichstag in dieser Session beschäftigen wird, die parlamentarische Führerschaft von den Sozialdemokraten übernommen werden mußte, ist ebenso charakteristisch für die Zerfahren- heit und Feigheit der alten Parteien, wie für die zunehmende Macht der Sozialdemokratie. — Die dem Reichstag zugegangenen Petitionen zu Gun- sten des Arbeiterschutzgesetzes zählen bis jetzt bereits gegen drei malhunderttausend Unterschriften. Das ist eine stattliche, unseres Wissens in Deutschland noch selten übertroffene Anzahl, aber sie würde noch drei-, viermal so groß sein, wenn in Deutschland nicht selbst das Petitionsrecht— von größeren Städten abgesehen— todter Buchstabe wäre. Ob die Petitionen im Reichstag den gewünschten Erfolg haben werden, bleibt abzuwarten. Wenn nicht, so würden sich die deutschen Arbeiter vor die Frage gestellt sehen, ob es nicht am Platze wäre, ihren Unterschriften etwa durch ähnliche Demonstrationen Nach- druck zu verleihen, durch welche z. B. ihre englischen Kollegen trotz ihrer gerühmten Gesetzlichkeit, den herrschenden Klaffen die Nothwendigkeit gewisser Reformen vor Augen zu führen wissen. — Wir lesen in einem Leitartikel der fortschrittlichen Berliner„Volks- zeitung": „Wie jede heilsame und wirkliche Sozialreform, wie jede Sozial- reform, die nicht den Großgrundbesitzern, sondern den Arbeitern zu gute kommt, bei den patentirten„Sozialreforniern" aus den heftigsten Wider- stand stößt, so ist auch die Einrichtung der Fabrikinspek- t o r e n in gewissen Kreisen ein Greuel. Namentlich seit der Zeit, in welcher der pommersche Fabrikinspektor die Papier- f a b r i k auf einem berühmten Hinterpommersch en Dorfe besichtigen wollte und einige der daselbst ausgestellten Geheimpol i- z i st e n(merkwürdiges Dorf!) auf den abgeschmackten Einfall geriethen, ihm in der Ausübung seiner gesetzlichen Befugnisse irgend welche Hinder- nisse bereiten zu wollen. Damals fiel das geflügelte Wort, einen Fabrik- besitzer von Staatswegen in seinem Betriebe zu beaufsichtigen, sei ebenso widersinnig, als wenn neben jede Schusterbank ein Schutzmann gestellt werden sollte, und unter dieser absonderlichen, wenn auch keineswegs genialen Anschauung leiden die deutschen und insbesondere die preußi- schen Fabrikinspektoren bis auf diesen Tag." Kleine Ursachen, große Wirkungen. Ein moderner Scribe, der dieses Thema behandeln wollte, fände reichlichen Ersatz für das veraltete Glas Waffer in der berühmten„Klinke", die bald gedrückt, bald fest angezogen wird. —„Gut ge— brüllt", können wir nicht sagen, denn Reptile können nicht brüllen, allein einige können schreien, wie z. B. das Krokodil— also gut geschrieen, Reptil! „S ch a a m und tiefes Weh müssen jeden echten deutschen Mann erfassen, wenn er sich, wozu es allerdings einer allzukühnen Phantasie nicht bedarf, den Eindruck vergegenwärtigt, welchen die Reichstagsver- Handlungen des letzten Dienstags(1. Dezember: Poleninterpel- l a t i o n) in den Reihen der Pariser P a t r i o t e n l i g a, der ungarischen und derpanslavistischenDeutschenhasser, der tschechischen Pöbelhetzen und der Alliance Jsrae- l i t e hervorgerufen haben. War es doch ein Schauspiel, das k o m- Menden Generationen die Zornesader schwellen wird, den Staatsmann, um den die Welt uns beneidet, dessen G e- n i u s, defien T h a t k r a f t, dessen echt deutschemHerzen unser Vaterland das Höch sie verdankt, was je einem Volke ge- worden, von Polen, Ultramontanen, Dänen, Elsaß- Protestlern, Welsen und F o r t s ch r i t t l e r n vor die Schran- ken des„deutschen" Reichstages zitirt zu sehen" u. s. w. Also zu lesen in der„Schlesischen Zeitung". Wie viel national-preußische Schnäpse das Reptil„hinter die Binde" gegossen haben muß, um sich zu dieser Höhe des patriotischen Chauvi- nismus auszuschwingen? In seinem Eiser hat eS sogar in der Verbrecher- liste die Sozialdemokraten vergessen. Nun— daß„kommenden Generationen die Zornesader schwellen" wird, glauben auch wir, nur dürste das Zornesgericht ein anderes Ziel treffen, als das Reptil der„Schlesischen Zeitung" glaubt oder doch zu glauben sich den Anschein gibt. Denn was dieses Gesindel glaubt, weiß man ja nicht— es glaubt überhaupt gar nichts, als was von oben herab, par ordre du moufti, kommandirt wird. Es hat keineiz anderen Glauben, als den Glauben an den Reptilienthaler. —Sind Geschworene vorzuziehen oder Berufs- r i ch t e r? Wenn diese Frage gestellt wird, fällt uns regelmäßig»» berühmte, aus der Zeit unmittelbar vor der französischen Revolutio» stammende«Frage der K ö ch i n an d i e H ü h n e r" ein: Wollt Ii' gekocht oder gebraten sein? Und da die Hühner meinten, sie wollie» weder das eine noch das andere, wird ihnen der parlamentarijP Bescheid, daß sie von der Tagesordnung abwichen. heutigen Klassenstaat läuft die Frage: Geschworne oder Berufsrichter' so ziemlich auf die gleiche Frage hinaus: Gekocht oder gebraten? Wir haben sicherlich keine Ursache, für die Herren Berufsrichter j« schwärmen, allein ebensowenig Ursache haben wir, für die Geschworne« zu schwärmen. Und es kann, nach tausendfältiger Erfahrung in England Frankreich und Deutschland, nicht dem leisesten Zweifel unterliegen, da! in Prozessen, wo die Klasseninteressen und Klassengegensätze scharf hes' vortreten, Berufsrichter unter Umständen noch eher eine gewisse Unaf hängigkeit des Urtheils bewahren, als Geschworene, die heutzutage j« ausnahmslos entweder selbst Bourgeois sind oder wenigstens den Bouv geoiskreisen angehören. Nur ein drastisches Beispiel sei angeführt. Man hat den Chew' nitzer Sozialistenprozeß häufig mit dem LeipzigerHoch' verrathsprozeß(>872) verglichen. Und es ist auch unleugbar eiia große Aehnlichkeit vorhanden: in beiden Fällen handelte es sich u«> einen Tendenzprozeß in des Wortes verwegenster Bedeutung; beiden Fällen fehlte jede substanzielle Begründung der Anklage, und soV beim Belastungsmaterial die Qualität durch die Quantitä> ersetzt werden. Der Leipziger Hochverrathsprozeß spielte sich Geschwornen ab, der Chemnitzer Sozialistenprozeß vor Berufs r i ch t e r n. Wohlan, die Geschwornen haben verurtheilt, und die rufsrichter haben freigesprochen. Wir könnten Dutzende von ähnlichen Beispielen beifügen. Was von den Schwurgerichten gilt, das gilt auch von den Schöffe� g e r i ch t e n, die wesentlich gleicher Zusammensetzung sind. Von de« bürgerlichen Schöffengerichten werden Sozialdemokraten und für Sozi� demokraten geltende Arbeiter mitunter geradezu horrend verurtheilt. S' wurde vergangenen Sonnabend in Berlin der Tischler Kreutz weg� einer ganz harmlosen Aeußerung, in der eine„Verrufserklärunq" erblilk wurde(es handelte sich um den Streik einer Pianofortefabrik), v»s dem Schöffengerichte zu acht Tagen Gefängniß verurtheilt obgleich der Staatsanwalt blos zwei Tage beantragt hatte. Wie gesagt die Aeußerung war ganz unverfänglich, und nur der ausgesprochensls Klassen haß konnte eine„Verrufserklärung" im Sinne des Gesetze' darin erblicken. Die„Moral der Geschichte" ist: in dem heutigen Klassenstaat kai>> von einer Justiz, die gleichbedeutend ist mit Gerechtigkeit nicht die Rede sein; und zwar aus dem sehr einfachen Grund, weilf auf das Gegentheil der Gerechtigkeit gegründet ist, und durch eii« gerechte Rechtspflege seine eigene Basis zerstören, das heißt int anderen Worten einen Selbstmord begehen würde. — Allezeit voran! Wir haben wiederum eine ganze Anza? von Erfolgen zu verzeichnen, welche von unsern Genossen in Deut$ land im Laufe der letzten Wochen errungen wurden. So siegten ce 18. November in B e l f o r t bei Wilhelmshafen bei den Gemeindf rathswahlen die Kandidaten der Arbeiter mit glänzendem Mehr über dt Kandidaten der Ordnungspartei. In Kannstatt(Württemberg) brach ten die Arbeiter bei der kürzlich stattgehabten Gemsinderathswahl vo> K zu Wählenden 4, in Eßlingen von 7 zu Wählenden 4(und zwld gegen Konservative, Deutschparteiler und Volkspartei ihrer Kandidaten durch, in Heilbronn wurde Genosse Kittlsr 894 Stimmen in den Gemeinderath gewählt(worüber in nächster Numiitd Spezialbericht), in Stuttgart sind die Kandidaten der Arbeiterparlk zwar nicht durchgedrungen, doch ist die Zahl der für sie abgegeben� Stimmen von 595 im Jahre 1883 auf 956(wir zählen hier nur dt unveränderten Stimmzettel, sonst ist der Durchschnitt 1001) stiegen. In Weimar wurde Genosse G i e r tz in den Gemeinderath if wählt ic. K. Man sieht, unsere Genossen liegen nicht auf der Bärenhaut. So iß; recht, beschauliche Ruhe ziert den Philister, unser Element heißt Kamp- Kampf, und wiederum Kampf! —' Ein musterhafter OrdnnngSzeuge. Aus F r a furt am Main schreibt man uns: Im Jahre 1882 streikten Hierselbst in der Herrschen Schuhfabrik zif' 70 Schuhmacher, weil sie sich die Reduzirung der Arbeitslöhne ni' kein ew'ger Bund zu flechten— die Tochter, die jetzt IS Jahre zäh» gesteht in einer schwachen Stunde ihrem Liebhaber, der jedenfalls& ihrer Tugendhaftigkeit zweifelte, daß sie seit ihrem zehnte- Lebensjahre bis jetzt von ihrem Vater gemißbraucht wurde. Da' aufhin erfolgte die Anzeige, und nun sitzt der„brave Arbeiter" Hins Schloß und Riegel. Ein in derselben Fabrik beschäftigter Buchhalter, Namens Seifer> wurde kurz nach dem Streik, ebenfalls wegen Roth zu ls (vorgenommen an einigen Fabrikmädchen) eingesperrt, aber nach einigt Tagen, auf Verwendung des Herxn Pfarrer v. Seydewitz, desfl intimster Freund unser frommer Herr v. Hergenhahn ist, wie!» freigelassen. Ob aber im obigen Falle unser Pfäfflein seinen„Mitkämpfer g die Sozialdemokratie" noch retten kann, möchten wir bezweifeln. Schade ums Thierchen, es denunzirte so schön." — Nun wissen wir es doch, warum Bismarck am30. Novemb« die Möglichkeit einer Schließung der„Reichsbude" weltschmest lich in Aussicht stellte: der Reichshund war krank, und was ist da deutsche Reich ohne seinen— wir sollten eigentlich schreiben SEJnen � Hund? Eine Sozialreform ohne Holzzölle. Der„Berliner Börsen-Courier" schreibt und andere Zeitungen, lid« rale und konservative, drucken ihm diese Mittheilung nach, daß Tyra' der seit längerer Zeit an einem Krebsgeschwür litt(und man gab keip Bülletins aus? Skandalös!), seit dem 30. November die Thierarzn� schule mit seinem hohen Besuch beehrte. Dort mußte sich der durd lauchtigste Hund einer Operation unterziehen.„Dieselbe," heißt es,„fl sehr gut aus(Gott sei Dank!) und Tyras wurde darauf im Hunt» spital untergebracht, wo er ein etwas komfortableres f mach erhielt als seine Leidensgenosse n." Das möchten wir uns auch ausgebeten haben. Das wäre noch schönt wenn ein so einflußreiches Vieh etwa auf gleichen Fuß mit dem erst» besten hergelaufenen Köter, z. B. einem plebejischen Ziehhund, behandö würde. Die Zeiten der Freiheits- und Gleichheitsduselei sind vorübd Das wäre ein schlechter deutscher Hund, der das nicht begreift. Genug, Tyras ist hergestellt, und der R e i ch s b u d i k e r von seines Weltschmerz geheilt. Stimme Jubellieder an, deutsches Volk,— d> verdammten Pollacken aber inag der Teufel holen. —tDer,, rothe Becker" von Köln ist gestorben. Wir sif zwar, wie wir schon meyrmals bemerkten, keine Anhänger des v» mißbrauchten: l)s mortui» n!I nisi Kens, wollen es aber in diese' Falle gelten lassen, da der Mann seit einem halben Menschenalter d< politischen Bühne fremd geworden und über die meisten seiner Sund« Gras gewachsen ist. Aber wir dürfen uns wenigstens keine Geschichv fälschung auf unsere Kosten gefallen lassen. Der verstorbene Herr Becker, Oberbürgermeister von Köln, wird 1 den meisten Nekrologen als Redakteur der„Neuen Rheinischen Zeitung bezeichnet. Das ist, wie uns Genosse Liebknecht mittheilt, falsch. Becks' — schreibt Liebknecht—- hat mit der, von Marx,, Engels *8 sreiligrath, Wilhelm Wolff u. s. w. redigirten •1 atJ r�euen Rheinischen Zeitung", dieser ersten Sturm- mü!?5ne des deutschenProletariats, niemals etwas zu )0r.? /8un gehabt. Nach dem Falle der„Neuen Rheinischen Zeitung", auf v � r a b e der„stolzen Rebellenleiche", gründete Herr Becker ein I Lemo'ta.t'f ou wollen, wenn eine Besprechung versucht werde. Nun passirte es ihm ig; � Jdet in der Hitze des Gefechts, daß er selbst in die Debatte eintrat, und soV dies erst merkte, als sein schlauer Antipode W i n d t h o r st sich an- itä' schickte, ihm auf das Gebiet der Diskussion zu folgen. In seiner Ver- ch«« dlüfftheit wußte er nichts Anderes zu thun, als seinen„Kollegen" vom uft' Dundesrath heftig zuzuwinken— etwa wie ein heißblütiger Gast einem Kellner zuwinkt, den er mehrmals vergeblich gerufen,— und dann hin- e L«'?uszumarschiren, gefolgt von seinen grotesk verlegenen„Kollegen", die >n mehr oder weniger gelungenem Gänsemarsch hinterherzogen. Der Anblick war aber so unwiderstehlich komisch, daß die bei weitem größere f fe« Hälfte des Reichstags in lautschallendes Gelächter ausbrach. Jedenfalls m d-» hat Fürst Bismarck an diesem Tag ein vielversprechendes Talent zur Zoziel' Unfreiwilligen Komik bewiesen.— t. S weg« � Frankreich. Bei der am letzten Sonntag in Paris stattge- .-rbliik habten Nachwahl zur Deputirtenkammer erhielten die Kandidaten des ), tfi Arbeiterverbandes durchschnittlich 27,000 Stimmen, annähernd so viel, eilt als am 4. Oktober auf sie und die Kandidaten der Revolutionären gesagt Union(Guesdisten ic.), die sich an diesem Wahlgang nicht betheiligten, chei# Zusammen entfielen. Ueberhaupt die größte Stimmenzahl erhielten die esetzst Kandidaten der Radikalen der Richtung Clemenceau(durchschnittlich 125,000), die sich bekanntlich auch das Beiwort sozialistisch zugelegt haben, und für die meisten Forderungen des Arbeiterschutzes(inklusive Normalarbeitstag) eintreten. Unter ihnen befindet sich übrigens ein Ar- beiter, der Weber Brialou, der in der vorigen Kammer Lyon vertrat. Er wird, da er in der Stichwahl voraussichtlich gewählt wird, in der Kammer die Gruppe der Arbeitervertreter um ein Mitglied verstärken. Im Namen der Letzteren hat Camölinat bereits einen Antrag einge- bracht, der die französische Regierung auffordert, sich in der Frage der internationalen Fabrikgesetzgebung dem Schweizer Bundesrath anzuschließen, und gemeinsam mit diesem eine neue Einladung an die übrigen Regie- rungen zur Wiederaufnahme der Unterhandlungen ergehen zu lassen. Diese Gesetzgebung soll umfassen: Berbot der Kinderarbeit und Ein- schränkung der Arbeit der Frauen und Minderjährigen! Maßregeln zum Schutz für Leben und Gesundheit der Arbeiter; Haftpflicht und Unfall- Versicherung; Fabrikinspektion; Normalarbeitstag; Sicherung eines Ruhe- iazes pro Woche, und schließlich Errichtung eines internationalen Bureaus zur allgemeinen Kontrole der Arbeiter- und Industrie- statistik, welches die Mittel und Wege zur Ausdehnung und Kodifizirung ber internationalen Fabrikgesetzgebung zu prüfen und entsprechende Vorschläge auszuarbeiten hat. — Italien. Die italienische Arbeiterbewegung hat einen großen Schritt vorwärts gemacht. Vom 4. bis 8. Dezember tagte in Mantua ein Kongreß der Italienischen Arbeiterpartei und der Lombardischen Arbeiter-Konfederation, auf dem 132 Vereine durch 99 Delegirte vertreten waren, und auf dem der Anschluß der letztgenannten Organisation, die bisher nur selbsthilflerische Zwecke verfolgte, an die auf dem Boden des Klassenkampfes stehende Arbeiterpartei beschlossen wurde. Die neueste Nummer des„I�aecio Opcrajo" bringt einen auS- sührlichen Bericht über die Debatten und Beschlüsse des Kongresses, der ein überaus interessantes und lehrreiches Bild der in der italienischen Arbeiterwelt vorherrschenden Strömungen darbietet. Wir werden in Nächster Nummer auf die wichtigsten Beschlüsse zurückkommen, für heute sei noch bemerkt, daß auch eine große Anzahl von Landarbeitern der Umgegend von Mantua den Berathungen des Kongresses mit Aufmerk- samkeit folgte und daß mehrere von ihnen sich an der Debatte über die Landarbeiterfrage betheiligten. Die Stimmung auf dem Kongresse war durchgängig eine gehobene. kai»! kei >eil(■ h ei« lt od ffnjdfl eutslh en Ä �eindf ber di( bralh l vl>o ist'! lamp'- rzirlZj nichs InbeW ss-lb-l Tag-1 e ug ei«i l i ch tätigst e nNst & e rdest Jolisl ten, zäh� IS n t e Das hintl feril u> inigtst befM oiedss unbss rneffl H en■ rast keiq lUtjfl unW ön« ndst üb« in« ■ ist s- o« es« d« nd« .chti d? mg eck« l«' England. Der schmachvolle Handel des Herrn H y n d m a n und seiner Getreuen mit den Tories, von dem wir in voriger Nummer sprachen, ist nunmehr von ihnen selbst offen eingestanden worden, wir können uns also darauf beschränken, die Thatsachen in aller Kürze zu berichten. Dem Vorstand der soz.-demokratischen Föderation wurde am 9. Novbr. in einer außerordentlichen Sitzung durch sein Mitglied H. H. Champion die Mittheilung gemacht, es seien der Federation von gewisser Seite mehrere hundert Pfund Sterling angeboten worden, wenn sie in Hamp- stead und Kennington(Ersteres ein Wahlkreis bei, Letzteres in London) eigene Kandidaten ausstellen wollte. Da in beiden Wahlkreisen an irgend einen namhaften Erfolg nicht zu denken war(worüber weiter unten), so lag es klar zu Tage, daß dieses Geld nur von einer der beiden kämpfenden Bourgeoisparteien zu dem Zweck ausgesetzt sein konnte, eine Stimmenzersplitterung aus Kosten ihrer Gegner herbeizuführen, und zwar konnte nach Lage der Dinge der Verdacht nur auf die Tories fallen. Trotzdem, und obwohl die Statuten ihnen vorschrieben, bei jeder wich- tigen Abstimmung erst die Meinung der Sektionen, die sie in den Vor- stand delegirt, einzuholen, ließen sich die Vorstandsmitglieder von den Herren Hyndman und Champion nach zweistündiger Diskussion herum- kriegen, ja zu sagen. Es war nämlich zur Bedingung gemacht, daß man sich sofort„auf ja und nein" entscheide. Man nahm also das Torygeld, und mit diesem Geld in der Tasche reiste dann Herr Hyndman flugs nach Birmingham zu Herrn Chamberlain, spielte den Geschwollenen und verlangte, Herr Chamberlain solle ihm einen Wahlkreis in Birmingham abtreten, sich verpflichten, ein Achtstundengesetz im Parlament einzubrin- gen ic., andernfalls die sozialdemokratische Federation die liberalen Stimmen„spalten" werde. jUm den ganzen Handel zu verstehen, muß man festhalten, daß in England bei der Wahl schon im ersten Wablgang das relative Mehr entscheidet.) Herr Chamberlain ging indeß auf diese Forderung nicht ein. In der Vorstandssitzung vom 12. November, der dieser Bescheid vor- lag, beantragte das Vorstandsmitglied H. Burrows, den Beschluß vom 9. zu annulliren; weder dieser Antrag noch ein zwei Tage später von ihm eingebrachtes Tavelsvotum gegen diejenigen, welche für den Beschluß verantwortlich seien, fand im Vorstand auch nur eine Stimme Unter- stützung. Man ließ also in den genannten Wahlkreisen zwei Mitglieder der Federation(I. Williams und I. Fielding) als Kandidaten eintragen und spielte Wahlkampf. Das Resultat war, daß in Hampstead Williams von 4722 abgegebenen Stimmen 27, in Kennington Fielding von 6374 St. 32 erhielten, das heißt die Partei hatte sich gründlich lächerlich gemacht. Nun fing es denn doch in den Sektionen an. zu rumoren, und die Geschichte kam an die Oeffentlichkeit. Mehrere Sekttonen erließen sofort Tadelsvoten, namhafte Mitglieder der Federation erklärten öffentlich, sie hätten mit dem ganzen Handel nichts zu thun gehabt und verurtheil- ten ihn aufs Schärfstes— die Gegner, und ganz besonders die Radi- kalen, jubiliren.,, In der neuesten Nummer der„Justice" versuchen Hyndman und _ neuesten„v~,— Konsorten ihr Verhalten zu rechtfertigen, sie beweisen aber nur ihren absoluten Mangel an sittlichem Takt und politischem Verständniß. Sie werfen ihren Tadlern in der Partei wiederholt vor, daß sie zu viel Rücksicht auf Bourgeois-(rniddle class) Ansichten nehmen. Ein unsauberes Geschäft verurtheilen, heißt demnach wie ein Bourgeois denken. Die Bourgeoisie mag sich bei den Herren Hyndman ic. für dieses Kom- pliment bedanken, wir für unser» TheU bedanken uns für die Zumuthung, unsere revolutionäre Gesinnung dadurch zu bekunden, daß wir unsere Sache prostituiren. Doch hören wir die Herrschaften selbst: „Uns, und wir hätten glauben sollen, allen Sozialdemokraten, ist es durchaus gleichgültig, ob das Geld zur Verbreitung unserer Lehren im aristokratischen Hampstead und im feinen Kennington von Radikalen, Tories oder von Neutralen kam; was haben wir uns, so lange das Geld zu Förderung ver Angelegenheiten der Partei und nicht zum Vor- theil Einzelner ausgegeben wurde, darum zu kümmern, was die Meinung der Bourgeoisie darüber ist? Der Manu, der die ganze Geschichte geleitet hat, ist eines der geachtetsten Mitglieder unserer Körperschaft; und daß unsere Genossen Williams und Fielding die Fahne der Sozialdemokratie nicht eingezogen hatten, wissen alle, die ihre Wahlaufrufe gelesen, ihre Wahlreden gehört haben." Klingt alles wunderschön, steht aber leider doch recht schief darum. Wenn eine Partei im Kampf steht, und ihr von irgend einer Seite be- dingungslos Geschenke angeboten werden, so mag die Annahme gerecht- fertigt sein, obwohl man sich auch dann wohl den Geber erst ansieht; aber etwas anderes ist, für Geld, und zwar für Gelv von Feinden und auf Kommando von Feinden erst in den Kampf zu gehen. Leute, die so handeln, qualifiziren sich nicht als ehrliche Soldaten der Revolution, sondern als abenteuernde Landsknechte. Sie haben dag Banner der Sozialdemokratie, das sie entrollt, nicht ehrenvoll durch- löchert, sondern schimpflich besudelt heimgebracht. Die Schwäche einer jungen Partei ist für sie keine Schande; Ueber- schätzung ihrer Kraft wird ihr Niemand verargen. Aber wenn man, seiner Schwäche sich bewußt, in allen Arbeiterbezirken dem Wahl- kämpf fern bleibt, und sich dann von Tories in Wahlkreise dirigiren läßt, wie das„aristokratische Hampstead", wo man sicher wußte, daß man sich nur lächerlich machen konnte, das ist— von allem andern ab- gesehen— ein Verbrechen an der Sache, der man zu dienen vorgibt, das nicht streng verurtheilt werden kann. Was will man— wenn dieser Handel nicht strenge Verurtheilung von Seiten der gesammten Sozialdemokratie erfährt— in Zukunft den Geg- nern antworten, wenn sie jedem sozialdemokratischen Agitator oder Kan- didaten die Frage ins Gesicht schleudern:„Wessen Geschäfte betreibst Du da oben, wer bezahlt denn diesmal Eure Kosten?" Die Bourgeoismoral soll nur in Frage stehen? O nein, die Ehre der Sozialdemokratie steht auf dem Spiel. Geschieht ihr nicht völlig Ge- nüge, dann werden wir die Letzten sein, die auf die englischen Arbeiter einen Stein werfen, wenn sie auch in Zukunft die Cremer, die Durant, die Howell, die wenigstens offen mit der radikalen Bourgeoisie gehen, so zweideutigen Catonen vorziehen. Wir können daher nur dem dringenden Wunsch Ausdruck geben, daß das Beispiel der Sektionen, welche den standalösen Schacher desavouirt haben, recht zahlreiche Nachahmung findet. Daß wir der sozialdemokra- tischen Federation durchaus freundschaftlich gesinnt sind, beweist unsere Notiz in Nr. 49 über die Wahl in Nottingham. Wir hoffen, daß sie die Krisis, in welche sie durch die Gewissenlosigkeit einiger ihrer Mit- glieder gebracht ist, überstehen wird, wenn auch nicht im Sinne der Herren Hyndman ic., die den— Muth besitzen, zu erklären, alles sei wunderschön, der Fehler lag nur darin, daß die Sache sofort publik gemacht wurde, und dieser Fehler sei unverzeihlich. Unverzeihlich— in der That! — Aus Schweden. Stockholm, 30. November. JnHinblickauf die Solidarität der Proletarier aller Länder, sowie auf das Interesse, welches eine Schilderung der außerdeutschen Arbeiterbewegung für die Parteigenossen bietet, versuche ich im Austrag des Stockholmer sozial- demokratischen Vereins in Folgendem eine kurze Darstellung des Standes der sozialdemokratischen Bewegung in Schweden zu geben. Bis zum Jahre 1881 wußte hier noch Niemand von den modernen Kämpfen des Proletariats gegenüber der Bourgeoisie. Da kam Genosse Aug. Palm, der sich von 1870— 77 in Deutschland aufgehalten, hier die Lehre der Sozialdemokratie kennen gelernt hatte und im Jahre 1877 auf Grund seiner Agitation in Schleswig von Deutschland ausgewiesen war, in sein Heimatland zurück und machte sich mit einem Eifer, der sehr ermunternd auf seine näheren Freunde wirkte, an die Arbeit. Zu- nächst reiste er durch ganz Schweden und hielt, wo nur irgend thunlich, Versammlungen ab, in welchen er die Forderungen der Sozialdemokratie klar präzisirt« und die Arbeiter zum Zujainmenschiuß aufforderte, um mit vereinten Kräften der kapitalistischen Ausbeutung sowie der politi- scheu Knechtung entgegenzuwirken. Der Lohn für seine redlichen Mühen blieb nicht aus. In allen größeren Städten bildeten sich Verbindungen, welche mit dem Hauptverein in Stockholm Korrespondenz unterhalten. Auch gelang es Palm, in Malmö eine Zeitung„Folkoiljan" herauszu- geben, doch ging diese schon nach zweijährigem Bestehen im Jahre 1884 ein. Trotzdem hat die Ausbreitung der sozialdemokratischen Prinzipien nicht nachgelassen, und um sie noch mehr zu fördern, haben wir neuer- dings beschlossen, ein neues Preßorgan ins Leben zu rufen, gleichsam als Ersatz für den eingegangenen„Folkoiljan". Auch hier war es Ge- nosse Palm, der seit einem halben Jahre nach hier übergesiedelt ist, welcher die Anregung dazu gab und die Ausführung übernahm. Im September erschien die erste Probenummer, im Oktober die zweite. Beide deckten ihre Kosten, und von November ab begann das regelmäßige wöchentliche Erscheinen des„Sozial-Demokroten". Doch um das zu ermöglichen, war mehr als guter Wille von Nöthen, nämlich— Betriebs- kapital, und zwar von„RechtS- und Gesetzeswegen", oder, wenn solches nicht vorhanden, ein Verein von mindestens 500 Mitgliedern als Bürg- schaft. Mit dem Kapital geht es nun wie der Familie Vollauf: in jeder Ecke nichts. Dafür fehlten uns aber ungefähr 350 Vereinsmitglieder an den nöthigen 500. Um nun Beides ins Gleichgewicht zu bringen, wurde eine Liste für freiwillige Beiträge in Zirkulation gesetzt. Genosse Palm, als Verfasser dieser Liste, war umsichtig genug, dieselbe in der Weise auszufertigen, daß hinter der Rubrik„kontant", unter welche baare Zahlungen gezeichnet wurden, noch eine Rubrik stand, laut welcher man sich zu wöchentlichen Beiträgen in bestimmter Höhe und für eine be- stimmte Zeit verpflichten sollte, da er der Meinung war, daß sich ein jeder Geber für beide Arten verpflichten würde, was auch geschah; und so wurden bis dato gegen 300 Kronen gezeichnet. Als Genosse Wollmar sich behufs Genesung von seiner Krankheit ver- gangenen Sommer hier aufhielt, hielt er auch einige Tage vor seiner Abreise auf Aufforderung der hiesigen Arbeitervereine einen Vortrag, der von ungefähr 800 Personen beioerlei Geschlechts, davon ein großer Theil den besser situirten Klassen angehörend, besucht ward. Dieser Vor- trag, der später im Druck erschienen ist, sowie zu einem guten Theil auch Genosse Vollmars Persölilichkeit waren in den folgenden vier Wo- che» in allen hiesigen Blättern Gegenstand der eifrigsten Diskussion. Der Vortrag war vorher ins Schwedische übersetzt worden und diese Uebersetzung wurde in der erwähnten Versammlung in Pausen, die Vollmar zu diesem Zweck machte, abgelesen, so daß die Ausführungen des Redners auch für diejenigen, die nur schwedisch verstehen, vollständig verständlich war. Wie in allen Ländern, wo die Sozialdemokratie noch keinen festen Fuß gefaßt hat, so wird dieselbe auch hier in Schweden, und ganz be- sonders ihre Vertreter, lächerlich zu machen gesucht, und allerhand Chi- kanen ausgesetzt. So stellt man uns hier als eine religiöse Sekte hin, gleich der englischen Heilsarmee. Natürlich gelingt das nur in den offi- ziös-n Klatschzeitungen; die Arbeiter lernen schon immer mehr einseben, daß nur wir ihre Interessen allein vertreten, und die Bewegung schreitet rüstig vorwärts. So konnte Genosse Vollmar, als er unseren Verein besuchte, konstatiren, daß er hier wohl eine kleine aber starke und feste Gemeinde angetroffen habe. Fruchtbarer Boden ist hier in Hülle und Fülle vorhanden, es fehlt nur noch eine entsprechende Zahl tüch- tiger Kräfte, um ihn urbar zu machen; denn dem einzigen Agitator in Schweden, Genossen August Palm, fehlen die nöthigen Mittel dazu. So viel für diesmal, künftig mehr. Mit sozialdemokratischem Gruß! Richard Konsequenz. war eine Sendung mit, dem normalen Philisterschädel nicht zusagender geistiger Nahrung eingetroffen. Besagtem Agenten mag beim Eröffnen derselben eine Gänsehaut überkommen sein, denn er überlieferte die Sachen sofort der Polizei in dem erhebenden Bewußtsein, dem deutschen Baterlande und insbesondere dem freien Mecklenburg einen Dienst geleistet zu haben. Nun begann das Recherchiren nach dem Frachtbriefe. (Der Empfänger hatte nämlich ohne denselben die Sendung angenommen und eröffnet.) Zunächst mußte der richtige Adressat gefunden werden, und man glaubte ihn zu finden in der Person eines Zigarrrenmachers, welcher den gleichen Namen wie der Agent führt. Aber o Unglück, der sah sich in der Lage, zu erklären, daß er vom Frachtbrief sowie von der Sendung keine Ahnung habe. Während nun der Kommissar und drei Polizisten in einer an Brutalität grenzenden Weise den Laden des Zigarrenmachers durchstöberten, war die übrige gan e Rottein Bewegung, den Frachtbrief-Adressaten aufzufinden. Indeß das war nicht so leicht. Der wollte sich absolut nicht halchen lassen. Endlich nach langem Harren gewahrt einer der Schnüffler den Gesuchten in einer Droschke auf der Fahrt zum Standesamte mit Tochter und Schwiegersohn. Wie ein Adler eine Taube, soll unser Polizisterich die Droschke überfallen und die er- freuliche Botschaft vernommen haben: daß das so sorgfältig gesuchte corpus delicti vorhanden sei. Ob sie nun durch den Besitz desselben den richtigen Absender erfahren haben? Ich bezweifle es. Doch zurück zu den Haussuchungen, bei welchen einer der Zeugen hin- sichtlich eines dabei betheiligten, stark angenebelten Gesetzeswächters äußerte:„Ich war froh, daß die Angelegenheit erledigt war, denn der Kerl roch doch zu stark nach Soff!" Nach der Ladendurchsuchung gings nach der fünf Minuten davon ent- sernten Wohnung, wobei der Kommissar seine Trabanten anfeuerte: „Halten Sie sich zu ihm, sonst kommt der eher an wie wir." Von der Wohnung gings nach Nummer Sicher. Schwer beladen mit Koffern und und Armen voll Makulatur keuchten die Edlen hinterdrein. Besagter Zigarrenmacher hatte nämlich von einem, ein paar Tage vorher nach Amerika abgereisten Genossen eine Partie altes Papier, worunter auch einige unserer Organe befindlich, erhalten. Nachdem derselbe zwei Tage gebrummt, wurde er entlassen, auch schwer beladen, nämlich— init Ungeziefer, und zwar in einer Weise, daß er sein Zeug hat verbrennen müssen. Wer entschädigt ihn nun dafür? Zirka acht Tage später folgte das hochnotpeinliche Verhör vor dem Staats- anwalt, nachdem das erste Verhör während der Jnternirung von einem Schreiber vorgenommen worden war. Aber unser Sünder war, trotz- dem er sich frei als Parteigenosse gerirte, nicht im Stande, dem Staats- anwalt die nöthige Auskunft zu ertheilen. Und in der That ist ihm die ganze Sache auch unbekannt. Bei einer der anderen Haussuchungen stieß, das sei noch hierbei als Kuriosum erwähnt, einer der Polizisten, der einen Säugling aus der Wiege riß, mit der Nase auf etwas Menschliches, worauf er wüthend ausrief:„Der kleine Schlingel hat die Situation erkannt und das schnell besorgt, um mich am Suchen zu hindern!" Einen wirklich eifrigen Be- amten darf so etwas aber nicht geniren; die Kissen mußten trotzdem 'raus. Ob sie nun die Exkremente einer chemische» Analyse unterworfen haben, weiß ich nicht. Gefunden wurde sonst nichts. Die bei einigen Genossen sortgenomnienen Effekten sind bis auf ein Exemplar„Antt- Syllabus" bereits wieder herausgegeben. Sollte die Angelegenheit noch ein Nachspiel Haben, so werde ich berichten. Im Uebrigen muß konsta- tirt werden, daß die Behandlung von Seiten der oberen Beamten eine viel humanere war wie die von Seiten der Unterbeamten. Eine Versammlungserlaubniß, außer zur Reichstagswahl, zu erhalten, ist uns durchaus unmöglich. Bei verschiedenen dem Reichstage zugegan- genen Gesetzentwürfen, welche Interesse für den Arbeiterstand haben, versuchten wir es. Erst bei der Polizei, dann bei der Regierung, er- hielten aber von letzterer immer den Bescheid: Auf Grund der Mecklen- burgischen Verordnung von 1582(pardon 1852 wollte ich sagen) kann das nicht stattfinden. So wieder vor einigen Wochen, wo Freund uer das Arbeiterschutzgesetz erläutern wollte. In Wismar konnte Auer darüber sprechen, in Rostock nicht. Das ist Gleichheit vor dem Gesetz. Schließlich drängt es mich, das Abhalten eines Festes mitzutheilen, welches die Brauereibesitzer Mahn& Ohlerich ihren Arbeitern gegeben. In der hochherzigsten Weise wurde denselben hiezu ein halber Tag ge- schenkt. Die Arbeitszeit variirt bei diesen edlen Seelen zwischen 14— 18 Stunden. Trotzdem ein halber Tag geschenkt! Seht her, ihr Pro- letarier, seid für diese That erkenntlich und arbeitet 19 Stunden, ein- gedenk des Sprichwortes:„Eine Liebe ist die andere werth." Doch nun zum Feste. Mittags gings per Bahn nach dem zirka zwei Meilen von hier entfernten Althof. Da gabs Freibier und der Feier entsprechende, extra hierzu gedruckte Lieder, natürlich nur hochpatriottsche. Andere, den Arbeitern bekannte Volkslieder zu singen war strenge verboten. Nach- dem nun die Arbeiter mit ihren Familien in heitere Stimmung gerathen, mußte auch für den Chef ein Vergnügen abfallen, und wurde dasselbe in eigenthümlicher Weise von demselben inszenirt. Der edle Herr lieh nämlich die erwachsenen Mädchen und Frauen nach einem von ihm weg- geworfenen Ball laufen und ergötzte sich, wenn die Frauen wie ein Knäuel darüber herfielen, an den Waden derselben. So lüstern dieser Herr war, so freigebig war er auch. Die jedesmalige Wiederbrinzerin des Balles erhielt, wenn auch mitunter körperlich arg zerschunden, jedes- mal ein kleines Präsent.. Es ist wahrlich zu bedauern, daß sich der Arbeiter für derartigen Affenkram„begeistern" läßt. Aber wartet, ihr Herren, wir werden das Licht der Erkenntniß schon in eure Bude hin- einbringen, und mit euren derartigen Festen hats dann ein Ende. Der Posten an der Warnow. *) So z. B. auch der Kandidat Williams selbst. deß hinterher zu Kreuz gekrochen zu sein. Derselbe scheint in» Korrespondenzen. Rostock. Eine Hetzjagd auf Roth wild setzte vor einigen Wochen hter den ganzen Polizeiapparat in Bewegung. An einen Agenten AnS dem 1. Düsseldorfer ReichStagsmahltreiS Lennep- Mettmann. Ein eigenthümliches Bild bietet uns dieser Wahlkreis dar. So zerstreut seine geographische Lage, so zerfahren sind auch bisher dort die politischen wie wirthschaitlichen Verhältnisse. Nur bei der letzten Wahl hat es sich geändert. Noch im Jahr 1881 standen sich die Herr- schenden Klassen wie feindselige Brüder gegenüber. Aber—„unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich dadurch aus, daß sie die Klassengegensätze vereinfacht hat: Bourgeoisie und Proletariat," sagt das„Manifest der Kommunistischen Partei", da haben wir die Beschee- rung. Aus Furcht vor dem rothen Gespenst einigten sich 1834 Reichs- partei mit Nationalliberalen, Freisinnige mit Ultramontanen, und sie hatten alle Ursache dazu. Freilich hatte dieser schmähliche Handel auch das Gute, daß sich manches räudige Schaf von der alten Heerde ab- trennte. Wir lassen zur besseren Uebersicht hier die Stimmen folgen. Während 1881 die Fortschrittler 7271, das Zentrum 2330, also zusammen 10201 Stimmen erhielten, brachten 1884 beide Parteien für den deutschfrei- sinnigen Kandidaten nur 8310 Stimmen auf, erhielten also ein Minus von 1 891 Stimmen. Die offene Reaktion dagegen triumphirte. 1881 hatte die deutsche Reichspartei 3258, die Nationalliberalen 2703 Stimmen erhalten, zusammen 5961 St. 1884 erhielt aber der national- liberale Kandidat 9780 St., d. h. ein Plus von 3819 St. Man sieht, die herrfchende Klasse vereinigt sich mehr und mehr; ihr Einfluß wird mit Stachdruck durchgeführt. Aber auf der anderen Seite organi- sirt sich das Proletariat, und alles, was wirklich freiheitlich denkt, schließt sich ihm an. Auch den Beweis hierfür wollen wir erbringen. 1881 erhielt der Sozialdemokrat Schuhmacher, Solingen, von 18577 St. 2337 St., im Jahre 1884 dagegen 5407 St., also ein Mehr von 3070 Stimmen. Die Betheiligung war auch eine größere. 1884 wurden 23497 St. abgegeben, also gegen 1881 ein Mehr von 4920 St. Wir gewannen, wie gesagt, 3070 St., während sämmtliche Gegner nur 1850 St. mehr erhielten. Dieses Resultat ist befriedigend, nur so vorwärts, und der Wahlkreis ist bald unser. In beiden Wahlen, 1881 wie 1884, gab es Stichwahlen. ES war eine Freude, zu beobachten, wie die Gegner um die Stimmen der Ar- beiter bettelten. Auf der ganzen Schlachtlinie hatte 1884 trotz unserer großen Erfolge die Reaktion gesiegt, und nun galt es, so viel in unserer Macht lag, zu verhindern, daß die Reaktion noch mehr Terrain gewinne. Deshalb traten die Sozialdemokraten für den Justizrath Schlüter ein. Man war sich auch darin einig, tapfer weiter zu arbeiten, um bald den großen Erfolg in einen Sieg für uns zu verwandeln. Ueber diesen Erfolg waren, wie gesagt, die verbündeten gegnerischen Parteien gar sehr stutzig geworden. Die Leutchen wissen sich aber zu helfen. Man sagt zu den als Sozialdemokraten bekannten Leuten:„Ja, Ihr habt in Vielem Recht, es geht aber nicht so rasch. Wir haben doch auch ein Herz für Euch. Wir haben Euch das Krankenkassengesetz, das Unfallgesetz geschaffen. Alle diese Errungenschaften sind vorzugsweise für Euch; uns legen sie doch nur Lasten auf, während Ihr den Vortheil habt!"(Sonderbare Sozialresorm, zum Fettwerden eingerichtet.) In demselben Tone wie die Nationalliberalen singen auch die Ultramontanen, aber jede Partei verfolgt ihre besonderen Jntereffen, nur in einem sind sie einig, in der Niederhaltung des arbeitenden Volkes.— So plump, wie es früher gemacht wurde, geht es eben nicht; die von Eynern, die Friedrichs rc., diese Säulen des Nationalliberalismus sind höchst vor- sichtig. Ter Freisinn, der zwischen zwei Stühlen sitzt, weiß ganz und gar nicht, wie er sich stellen soll; wird er radikal, verliert er die Bour- geoisie, der Arbeiter aber durchschaut sein Truggewebe. In ihrer Angst um ihre-Herrschast suchen uns die Gegner alle denk- baren Hindernisse in den Weg zu legen. Versuchen wir, Versammlungen einzuberufen, so wird größtentheils die Erlaubniß ertheilt, die Herren Bürgermeister und Gemeindevorsteher sind höchst zuvorkommend, aber der Pferdefuß kommt nach. Die Bürgermeister sind„klug und weise, und sie betrügt man nicht". Gleich nach der Erlaubniß wird ein Polizei- beamter zu dem Wirth geschickt.„Sie geben Ihr Lokal diesen Leuten? Das geht doch nicht. Nehmen Sie Ihre Zusage zurück. Aber sagen Sie dem Einberufer nicht, daß wir dahinter stehen; sagen Sie, Sie hätten den Saal anders vergeben." Gründe sind ja wohlseil wie Brombeeren. Nicht wahr, Herr Bürgermeister Eschmann Sonnborn, so haben Sie es gemacht? Das Ding war indeß zu durchsichtig. In D a h l h a u s e n zog der Wirth Berghausen den Tag vor der Versammlung ebenfalls sein Lokal zurück.„Das würde ich nie thun," versicherte der deutschfreisinnige Wirth Neveluug in Lennep; aber noch feiger wie alle andern zog er ebenfalls unter nichtigen Vorwänden sein Lokal zurück. Er hatte Rücksprache mit andern Wirthen genommen, die ihm abgerathen hatten; darauf war die freisinnige Größe zum Bür- germeister Sauerbronn, der den Schmerz über seinen Reinsall wegen des Langenhäuser Prozesses noch nicht vergeffen hatte, gegangen und dieser beschied den braven Wirth dahin, daß man ihm allerdings nicht ver- wehren könne, sein Lokal zu solcher Versammlung zu geben, aber man würde ihm dann Unannehmlichkeiten machen können. Und richtig, der tapfere Held klappt zusammen wie ein Taschenmesser, und Lennep ist gerettet. Die Scham kommt nach; wer aus Feigheit unrecht gehandelt, erröthet, und ängstliche Gemüther finden immer Auswege. Der frei- sinnige Wirth Neveling verbreitet daher die Mähr, er habe zwar sein Lokal zurückgezogen, um keine Scherereien mit der Polizei zu haben, der Dahlhauser Wirth Berzhausen habe aber von den Fabrikanten zum gleichen Zweck lOV Mark erhalten. Genannter Berghausen hatte beiläufig versprochen, und es in einem Brief an den Saalmiether betont, daß er die Kosten tragen wolle, die entstanden; jetzt aber, da es zum Klappen kommt, zieht er sich zurück. Er ist auch deutschfreisinnig; das genügt. In Hückeswagen, in K r o n e n s e l d, in B u r g an der Wupper — überall dasselbe Schauspiel! Wer nun aber meint, dieses sei das Werk von herrsch« nden Bürgermeistern, brutalen Polizeibeamten und tagdiebi- schen Gensdarmen, der irrt sich. Dahinter steht die Bourgeoisie, die am ganzen Leibe zitternde herrschende Klasse. Im Besitze aller Vorrechte, erbebt sie vor der gewaltigen Idee, die dem Sozialismus zu Grunde liegt, und wähnt sich ihrer Rechte schon beraubt, während die Arbeiter noch in der Entwickelung begriffen sind. Aber die Zeit ist ja eine andere; in den Sechsziger Jahren rechnete Lassalle 84°/,, aus, die in der bittersten Armuth lebten; in den Siebziger Jahren hat Samter 96 für bestimmt. Die Tobten reiten schnell, fügt Lieb- knecht in seiner„Grund- und Bodenfrage" bei. Dies ist des Pudels Kern! Der industrielle wie der Land-Arbeiter nagen fast allerorts am Hunger- tuche, und das ist auch in unserem Wahlkreise der Fall. Aber die Sucht nach Reichthum, diese natürliche Triebfeder der Bourgeoisie, hat auch hier ihre Fühlhörner ausgestreckt. In Vohwinkel hat der Kommerzien- rath G e b h a r t eine Fabrik für mechanische Weberei errichtet, um die Elberfelder gefügiger zu machen, und dann die Landbevölkerung heran- zuziehen. Und voch soll Gebhart noch einigermaßen die besten Löhne bezahlen. Er ist auch der Schönredner, der aus dem Wedertage in Elberfeld sich für die Forderungen der Weber erklärte, um einen Tag später erklären zu können, das ginge ja doch nicht mit dem Normal- arbeitstag. Aber der Herr hatte gesprochen. Die Weberinnung schätzte es für eine Ehre, daß er damit einverstanden. Gebhart hatte seine Schuldigkeit gethan. Auch noch ein merkwürdiges Völkchen, diese Herren Zunstmeister. Die Besteurung der mechanischen Stühle wurde verlangt, als ob sür diese Herren noch einmal da» goldene Zeitalter erstehen lollte. Trostlose Hoffnung! Und diese Leute tieiben auch in unserem Wahl- kreise ihre Agitation. Die Sozialdemokraten betheiligen sich ebenfalls daran, machen aus die Unzulänglichkeiten aufmerksam, und geben Finger- zeige, wie eS besser gemacht werden kann. Wir sind keine Sanguiniker, aber diejenigen, die meinen, es ginge nicht rasch genug, die mögen doch nur scharssinnig beobachten, und sie werden zu einer andern Ansicht kommen. Für und wider ist die Losung; die Barth, die Brömel, die Bamberger, die Stöcker, die Wagner, und wie die Leutchen alle heißen mögen, sind im Grunde doch eine Sorte. Mögen daher diejenigen, die unsere Idee erfaßt haben, in ihrem Eifer nicht nachlassen. Möge der Mörtel, der diesen alten Bau noch zusammen- hält, bald bei Seite geschafft werden, und aus dem Schutt eine gesunde und beffere Zukunft erstehen. Mögen sich an diesem Kampfe die Ar beiter des Kreises Lennep Mettmann eifrigst betheiligen, mögen sie ein- gedenk sein des Wortes von Marx:„Ihr habt nichts zu verlieren als Eure Ketten, aber eine Welt zu gewinnen." Auf, in den Kampf für die Sozialdemokratie I Sprechsual. Erklärung. Die in der letzten Nummer gegen mich gerichteten Angriffe enthalten neben den gehässigen Insinuationen auch noch Unwahrheiten. 1. Es ist nicht wahr, daß meine demnächst erscheinende Schrift: Rod- bertus, Marx, Lassalle„lediglich eine Fortsetzung der Polemik mit K. Kautsky" ist. Von der zirka 6 Bogen starken Brochüre ist nur die Vorrede, 9 Seiten, der Polemik gegen Herrn Kautsky gewidmet. Im übrigen Theil findet sich keine Spur davon. 2. Es ist nicht wahr, daß ich den Verlag Herrn Dietz angeboten habe. Nachdem Herr Dietz mir nicht einmal die Aufnahme einer ganz kurzen Erklärung gegen die Injurien des Herrn Kautsky bewilligt hat, habe ich selbstverständlich mit dem Herrn nichts mehr zu thun. Ich bitte die Leser, sich das Urtheil über meine Arbeit genau zu merken, resp. aufzuheben. Sie werden nach Erscheinen der Broschüre selbst entscheiden können, ob der Redakteur meine Arbeit überhaupt ge- lesen haben kann oder nicht. Sie wird schon vor ihrem Erscheinen auf den Index gesetzt, weil von dem Versasser vorausgesetzt werden kann, daß er nicht unbedingt und blind auf das Dogma des Marxismus schwört. Eine eigne, selbstständige Meinung zu haben, gilt schon als «in Verbrechen. C. A. Schramm. Wir bringen diese Erklärung um so lieber zum Abdruck, als sie uns Gelegenheit gibt, eine Insinuation zurückzuweisen, von der wir im Vor- aus wußten, daß sie uns von Seiten ves Einsenders nicht vorenthalten bleiben werde. Sie betrifft den„Index" und das„Dogma des Marxis- mus". Vor etwa Jahresfrist veranstaltete C. A. Schramm aus Veranlaffung der Schweizerischen Volksbuchhandlung, der Verlegerin des„Sozialdemo krat", eine neue Auflage seiner„Grundzüge der Nationalökonomie". Seitdem ist dieselbe erschienen und wiederholt in unserem Blatte durch Inserate zum Ankauf empfohlen worden— Alles das, obwohl uns der Standpunkt des Versaffers damals so wohl bekannt war wie heute, und obwohl die zum Theil umgearbeitete Schrift in sehr wesentlichen Punkten von der Marx'schen Theorie abweicht. Diese eine Thatsache genügt, um die Unterstellung, als betrachteten wir den„Marxismus" als ein Dogma, deffen Verletzung auf den Index gesetzt werden müffe, als leere Behauptung zu erweisen. Wenn es gestattet ist, eine Schrift, ehe sie erschienen, in allen mög- lichen Tonarten anzupreisen, so wird es wohl auch kein Verbrechen sein, sie gleichzeitig als das zu bezeichnen, als was sie uns, denen sie im Manuskript vorgelegen, erscheint. Und mehr haben wir nicht gethan. Wir durften uns dabei auf das Urtheil von I. H. W. Dietz stützen, den sein Verlag vor dem Verdacht schützt, nur blinde und unbedingte Anhän- ger des„Dogma des Marxismus" zum Wort kommen zu lassen. Daß Schramm sein Manuskript nicht direkt an Dietz geschickt, mag richtig sein, ändert aber an der Thatsache nichts, daß es Dietz angeboten und von ihm aus dem von uns erwähnten Grunde abgelehnt wurde. Von einem„Index" kann bei uns um so weniger die Rede sein, als wir nicht so gering von unseren Lesern denken, daß wir annehmen, sie werden sich auf unsere Notiz hin des eigenen Urtheils entschlagen. Sie sollen nur wiffen, was man ihnen anbietet; weiter hatte die Mittheilung, zu der wir uns übrigens— und das sei hiermit ausdrücklich konstatirt — nur auf d r i n g e n d e Aufforderung von Deutschland aus entschlossen, keinen Zweck. Es handelt sich hier nicht um das O b, sondern um das Wie der Polemik. Freilich, wenn C. A. Schramm aus dem Umstand, daß er Kautsky blos auf neun Seiten seiner Schrift direkt heruntermacht, den Beweis herleitet, daß der Rest derselben keine Fortsetzung der in der„N. Zeit" begonnenen Polemik sei, so scheint er in der That ziemlich bescheidene An- sprüche an die Urtheilssähigkcit seines Publikums zu stellen. Und damit für diesmal Schluß. Das Weitere nach Erscheinen der Schrift. Graf Schürzenheld. (Frei nach dem Englischen des Robert B. B r o u g h.) Graf Schürzenheld ist des Fürst Beißinsland Sproß. Gar stattlich von Wuchs und stark wie ein Roß, Dick sein gräflicher Schädel, rund die Stirn, 's hat drinnen Platz für erstaunlich viel Hirn. Seine gräfliche Gnaden hat deshalb fiudirt Und drei Examina absolvirt. Das W i e kümmert Niemand, genug sagt schon, Er ist Seiner Durchlaucht geliebter Sohn. Graf Schürzenheld war ein flotter Student, Korpsbruder natürlich, potz Sapperment l Bald schlug er Köpfe, bald Fenster ein, Und foppte die Nachtwächter— Spaß muß sein. In Kollegin ging als Gast er nur, Um so fleiß'ger zur Kneipe oder Mensur, Und in den Zeitungen pries man schon Die Tiefquarten von Seiner Durchlaucht Sohn. Nach beendetem Studium trat Schürzenheld Geschnürt und frisirt in die vornehme Welt. Wie schmachteten da nach ihm Mädchen und Fraün! 's ist wahr, man darf dem Herrn Grafen nicht traün: In gewissen Lokalen schon Mancher ihn sah, Auch spricht man von Kind-rchen ohne Papa— Indeß solche Lappalien verzieht man schon Seiner fürstliche-: Durchlaucht geliebt-m Sohn! Graf Schürzenheld warb nicht um Frauen allein, Auch des Volkes Erwählter wollte er sein, Um auf der Tribüne zu zeigen klar, Daß gegen ihn Danton ein Stümper war. Zum Volk steigt herab er und redet drauf los, Jeder Satz'ne Blamage, das Gelächter war groß. Was thut's? Ihm wird doch ein Mandat zum Lohn, 'S ist ja Seiner Durchlaucht geliebter Sohn! In der Garde nur dienet der Mann von Stand, Graf Schürzenheld ist Garde-Lieutenant, Oder Hauptmann gar. und er wär' schon Major, Zög er die politische Laufbahn nicht vor. Wie Mancher quält sich vergebens�— dem Graf, Dem wuchsen die Epauletten im Schlaf. Stolz klinget das Wort: Dem Verdienste die Krön'— Er ist Seiner Durchlaucht geliebter Sohn! Graf Schllrzenbeld ist vierunddreißig Jahr', Ein Andrer wär schier noch Affeffor fürwahr, Er aber hat es beinah' über Nacht Zum Geheimrath im Staatsministerium gebracht. Ministergehalt zieht er bereits ein, Kann morgen schon thatsächlich Minister sein. Und seine Leistungen? Kennen wir schon:— Er ist Seiner Durchlaucht geliebter Sohn! Aufgepaßt! In der hiesigen Schuhfabrik von D r e s ch f e l d und Felder' st a d t ist ein Streik der Zwicker und Ausputzer ausgebrochen. E s haben ca. 25 Arbeiter, meist Familienväter, die Arbeit nieder- legen müssen, weil der ihnen zugemuthete Lohnabzug ihre Existenzfähigkeit gänzlich in Frage stellte. Vor Zuzug wird gewarnt und um Unterstützung dringend gebeten. Unterstützungen sind an Kollegen Werner, Domstraße Nr. 28, zn richten. Offenbach am Main, IS. Dezember 1885. Der Beauftragte. Warnung. Die Parteigenossen Münchens machen auf nachbezeichnete Personen aufmerksam: l) Georg Lutz, Schneider, wohnhaft in Haidhausen München, geboren in Unterfranken, spricht den dortigen Dialekt, ist von mittlerer Größe, ohne Bart, uvgifähr 48—49 Jahre alt, leidet an der Lungenschwindsucht; war nach seiner Aussage früher Gensdarm. 2) Markus Speglitz, Schneider, geboren in Böhmen, spricht gebrochnes Deutsch. Mittlere Statur, etwas untersetzt, hat schwarzen Schnurrbart, die Kopshaare schon etwas grau, und ist ungefähr 46 Jahre alk. Diese Beiden denunzirten den Genossen F., der daraufhin aus Bayern ausgewiesen wurde. Der Erstgenannte ist der Denunziant, der Zweite der intellektuelle Urheber. 3) Pächter Unsinn auf dem Hackerkeller. Derselbe ist der Polizei sehr gesällig. Es ist hauptsächlich der Besuch seines Lokal» zu meiden, und sollten alle A- beiter vor dem Besuche desselben gewarnt werden. 4) Schloffer C. Brendel. Derselbe gehört uns nicht an, brüstet sich aber gern mit s-iner Zugehörigkeit zur Partei und beruft sich dabei auf seine Bekanntschaft mit Vertrauenspersonen. Man hüte sich, ihm etwa» anzuvertrauen. Der Beauftragte. Partei-Archiv. Huittvug. Für das Partei-Archiv gingen em: Empfangen von I o h. PH. Becker die sechste Lieferung mit fortgesetzter Liste: Nr. II. 138 Alle Mandate und sonstige Aktenstücke, den Kongreß der Internat. Arbeiterassoziation 1869 in Lausanne betreffend. 139 l-onArös ouvrisr international sooialiate devant la lOöme chambr« Paris 1879. 140 Eine mittelalterliche Internationale. Historische Novelle von Oti Walster. Braunschweig 1876. 141 Die religiöse Frage und die Arbeiter. Eine Stimme aus der zialdemokratie. Leipzig 1869. 142 Die Organisation der deutschen Arbeiterpartei. Von Karl Hirs ls- Berlin 1869. 143 Die Großmacht der freireligiösen Idee. Von Theodor Hofferichte t Breslau 1863. 144, 145 und 146 Drei Päckchen mit je 100 Briefen von Genoffen. 147 Das allgemeine Wahlrecht und die soziale Frage. Von I. Bruhhavet. Wien 1868. 143 Question polonaise, protestation d'un Russe contre le„Kolokol* (Glocke) von Sernowiewitsch. 149 Mazzini an Karl Blind über die Stellung Italiens zu Deutschland- 150 Vier Volksreden von Karl Juch. St. Wendel 1832. 151 Neun Lieferungen vom„Webstuhl der Zeit" von A. Otto-Walster- Braunschweig 1873. 152 Endemann's Rechtsgutachten in der Banknotenfrage. Schaffhause» 1879. 153 Die Verhandlungen des IV. Kongresses der Jnternation. Arbeiten Assoziation 1860 in Basel. 154 Das Gutachten der vier Heidelberger Theologen. Von R. Dulon. Bremen 1852. 155„I-a Lanterne" de Hr. Rochefort. New-York 1874. 156 Ein Päckchen mit 63 Aktenstücken: Denkschriften, Programme, Auß rufe, Statuten u. s. w., gedruckt und handschriftlich. 157 Teoria de la Justitia, por Ubaldo Romero Quinone. Madrid 1882. 158 Haute finance de l'Empire par Maurice Hess. Paris 1869. 159 Lettre de öard Sewiczakiewicz au Gdnöral Mieroslawsk i- Genöve 1868. 160 La edication de la mujer por Ubaldo R. Quinone. Madrid 1877. 161 Sozialpolitische Stellung der Deutschen in den Vereinigten Staaten- Von Dr. E. Schläger. Berlin 1862. 162 Eines Arbeiters Widerlegung der nationalökonomischen Lehre» Stuart Mill's von G. Eccarius. 163 Die Freiheit, die ich meine. Blumenlese aus Babylon. 1870. 164 La vita del obrere, Qui es la International? 165 Septiöme Congrös national du Parti ourrier tenu& Roubai*. Paria 1884. 166 Nachträglich ein Päckchen mit 35 Briefen, worunter solche von Bebel, Liebknecht, Bracke, Schily, Martiny, Titus, Frau Marx, Rüstow, Kinkel, Wuttke, Ed. Vaillant und anderen bekannten Persönlichkeiten. Um weitere Einsendungen ersucht Die Archivverwaltung. Immer wieder schärfen wir unseren Korrespondenten ein, unter Angabe des Datums in jedem Brief u. s. w. stets deutlich anzugeben, welche Korrespon- denzen. Sendungen rc. bis zu Abgang eingetroffen waren. Bei Adreß» änderungen, Adreßlöschungen u. dgl. ist unbedingt Vorkehrung zu treffen, etwa Laufendes in sichereHand zu leiten. Alle Adreßmeldungen bitten wir in Deutsch- und Lateinschrist(behufs Kontrole) deutlich zu schreiben. Deckadressaten oder deren Angehörige sind zur Ablieferung sofort nach Empfangnahme strengstens anzuhalten. Weiterbeförderungen und Abholungen sind pünktlichst zu bewirken. Sipkditi»» de» Sisialdkmikrat. Briefkasten der Redaktion: Einsendungen sind eingetroffen aus: Weimar, Brandenburg, Hrilbronn, Hamburg(G. L.), Sonn»- b e r g i. Th., Ludwigshafen. der Expeditton: I. I.: 30 Cts. f. Schf. erh.— Baubude Bankstraße für Tonnengeld: Mk. 15 90 pr. Ufds. dkd. erh.— F. Dz. St. Urbain: Fr. 3 80 Ab. 1. Qu. 36 und Schft., sowie Fr. 22 20 Cto Mhls. sowie Früheres erh. u. gutgebr.— Lustige Brüder i/E.: Mk. 17 76 ä Cto. pr. D. erh.— Paul Sp.: Mi. 145 95 Ab. 3. u. 4. Qu. u. Schft. rc. erh.— Gleichen: Mk. 100— ä Cto. erh. Bf. erwartet. Grüße an G. erwidert.— H. H. O.: Mk. 4 40 Ab. pr. Ende Febr. 86 erh.— Groß-Steinheim: Mk. 5— mit Motto:„Es geht vorwärts I" pr. Ufd. dkd. erhalten.— Klein> Steinheim„Die Alten": Mk. 5— pr. Ufds. dkd. erh.— Hansen: Mk. 3 20 Ab. 4. Qu. erh.— Kannibale: Mi. 3— Ab. 4. Qu. erh.— 3 rothe Süd-Thüringer: Mk. 3— Abon. 4. Qu. erh.— Rother Geier: Mk. 3— Ab. 4. Qu. erh.— P.-Gen. Sonneberg: Mk. 2 10 pr. Asds. dkd. erh.— W. I. Stg.: Mk. 3— Ab. pr. Ende Jan. 86 erh.— Mefisto-Akosta i/M.: Mk. 25— via München für die Familien der Ausgewiesenen dkd. erh.— Rebus: Mk. 12— Ab. Sept.-Okt. erh. Adresse geordnet..— Wenig, aber Bismarck zum Trotz: Mk. 10— d. Dfds. dkd. zugew.— I. H.: Mk. 100— k Cto. Ab. ic. erh. Bestellung folgt. Adr. erw.— New-Haoen: Bf. v. 3/12. erh. u. weiterbesorgt.— Otto Vorwärts, Jammerthal: Eingetroffen u. besorgt— Die drei Gleichen: Mk. 100— k Cto. erh. Beil. abg. Adresse mit Bs. v. 13/12. ic. notifizirt. Bf. folgt. Gruß!— H. K. Fu.: M. 1 40 f. Schft. erh.- Häring: Fr. 9 67 f. Schf. erh. Cto. d. R. gutgebr. Gesperrt, weil fortgesetzt ohne Antw.— Hdr. Mz.: Mk. 5 80 Ab. 1/12. 85 bis Ende März 86 erh.— A. W. N.: Mk. 2 05 f. Schft. erh. Reil, mit Schft. fort.— Jakob H.: Mk. 5— Ab. 1. Qu. 86 erh.— W. Lgnr. Chicago: Fr. 37 50 Ab. 4 Qu. rc. erh. Bstllg. fort. Weiteres nach Wunsch.— H. M. B.: Mk. 5— Ab. 1. Dez. bis Ende Febr. 86 u. Schst. erh.— Sauhirt: Pressantes für uns meldet man einfach sofort direkt an bekannte Adr. Betr. Blätt- chen erhalten wir nicht. Das heißt man denn doch über Rewyork nach Posemukel reisen.— F. der Sanftmüthige: Mk. 60— k Cto. Ab. 3. Qu. irrig in 49 pr. Verawtsch. quittirt. Schreiben Sie künftig recht- zeitig.-- n. h.: Bf. v. 14/12. erh. u. notirt. Stoffandrang, des- halb abwarten.— XDZ.: Szdm. Bbthk.-Bstllg. flgt. Bfl. Weiteres— Rosa Beck: Bstllg. notirt. Vor Allem aber endlich Conto normalisiren I — Dreifuß L.: Nachr. erh. Adr. notirt.— H. N. Paris: Fr. 6 20 mit Begleitbrief f. d. Justice London erh. Bitten um das unsrige.— C. P. V.: 85 Psge. f. Schft. erh. Ers. folgt.— Beelzebub: Mk.4 50 Ab. 1. Qu. 86 erh. Vw. kostet Mk. 2 40 kompl. brochirt. Porto 40 Pfg.— C. A. B. V. London: Remitt. u. Bfe. erh. u. besorgt. Durch uns ist zu beziehen: Porträts von Marx und Lasialle. Pendants.— Größe 34/44 Centimeter. Oelfarbendruck. Vorzüglichste A«»führu«g. Preis: Per Stück Mk. 2—(Fr. 250). Bei Bezug von 1 Dutzend an 15 Proz. Rabatt. „„„ 25 Stück an 25„„ Zahlreichen Bestellungen sehen entgegen Hrpedttion de« Soziakdemokrat. Aok»,vuchhandr«ng. Kottiageu-Zürich._ Zürich Heffeuttiche Hkersammluvg der deutscheu Sozialist e«. Tagesordnung: Sozialpolitische Rundschau. Referent: Bgr. Bernstein. Zu zahlreichem Erscheinen ladet sreundlichst ein Der Lokalausschuß. Jedermann hat Zutritt. De Samstag, den 19. Dezember, Abends 8'/, Uhr, i« Cafe Keßler: