mbre, Srscheint wöch einmal tn Zürich(Schweiz). Ott- r S- ?irs«i ichte offen- laver. zlcal' jland. Ilster. ause» eiter- ulo». Aus' »drid fsk i, 877. ateit- chre« ».; »aix. von tarx, nten ums pow >reh> ffen, icien i ch ing lichst Aertag der �»lesduchhandl«»« Hottiregen- Zürich. PlstsNldlllllt» sranlo gegen sranl». Gewöhnliche Briefe nach der E ch w e i t losten Doppelporto. Der oMdemokrat lMirat-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie. Avonnements werde» bei allen schwei>trlschen Postbureaux, sowie beim Verl«, und dessen bekannten Agenten entgegengenommen, und zwar zum vor««», ahlbar«« Viertelsahriprei» don: Fr 2— für die Schweiz(Kreuzband! Ml S,— für Deutschland lCouvery st. 1,70 für Oesterreich(llouverts Fr. 2 50 für alle übrigen Länder de» Weltpostvereins(Kreuzband). Inserate die dreigeivaltene Petitzeil« 25 TtS.= 20 Pfg. .fc: sa. Donnerstag, 24. Dezember 188«. v Da der. Nnhdrden stch alle Art» an die ASonneuten und Korrespondenten des„Sozialdemolrat." »«rl«-in- �orstchismastregel versäumt werden, die«riesmarder»''dm wahre»«s-»der und Emdsänger� iown den «mdungm zu täuschen und letzter, dadurch zu schützen Haupt-rford-rnlh Ist hi-zu-in-rs.,ti� datz unser. Freund. ,° Inhalt > selten als möglich an den.SozialdemolratV resp d-ffen Verlag selbst adressiren. sondem stch möglichst an irgend eine unverdächtig, Adresse außerhalb Deutschlands und Oesterreichs wenden, welche stch dann mit uns in Verbindung setz,; anderseits aber, da» auch uns möglichst unversängliche Zustellungiadress.» mitgetheilt werde». In zweiselhasten Fällen empfiehlt stch behuf« größer» Sicherheit Rekommandirung Soviel an un» liegt, werden wir gewiß weder Mühe»och Koste» scheuen um trotz aller entgegen- stehenden Schwierigkeiten den, Sozialdemokrat' unseren Abonnentm möglichst regelmäßig zu liesern Hlnsern in- und auständischen Wrief-& Kreuzband» Abonnenten zur Wachricht. Alle Einzelabonnements, welche vor Ablauf Dezember nicht erneuert sind, werden mit dem l. Januar 1886 gesperrt. Bei Bestellung durch Ver- trauenslcute benachrichtige man dieselben also rechtzeitig. Vorausbezahlung muß festgehalten werden. Conto-Jn Haber belasten wir, wenn Abbestellung nicht vor Anfang Januar 1886 erfolgt, auf nächstes Dluartal. Abonnements für die Schweiz werden mit Nr. 2 1886 nachgenommen. Die Sipeditioll des„Soiialdemokrat". ar, wde Dz- Cto Uli Qu. .üße lfd. fds. m. . 4. ien. I— via li: >ber m en: >al: °rh. -rh. wr. N.: ic. Ab. für attisch 3. »t- es- nl nit P. tu. IM Vor achtzehnhundert Jahren. Eine Wcihnachtserzählung. Es war in der römischen Stadt Velitrae, um die Zeit, da Dktavianus Augnstus, der glorreicie Sieger von Aklinm, regierte. Velitrae zeichnete sich damals durch die Fabrikation von allerhand Kleiderstoffen aus, welche nach Rom wanderten, um dort au die reichen Bürger der Wellstadt verkauft zu werden. Auch in Velitrae gab es reiche Bürger, die Fabri- karion der Kleiderstoffe war sehr einträglich. Manche von rhnen hatten Hunderte von Sklaven und Sklavinnen, die tagaus, tagcin für sie am Webstuhl schaffen mußten. Blieben ihnen die seinen Genüsse der Hauptstadt zum Theil versagt, so wußten sie sich anderweitig schadlos zu halten. Der Eine zog es stolzen Sinnes vor, der erste Centurio der Speerwerfer von Velitrae zu sein, anstatt in Rom unter der Masse zu ver- schwinden, der Andere gab seinen Sklavinnen Privatunterricht in der Mythologie und ähnlichen interessanten Dingen. So lebte die Bevölkerung von Velitrae ruhig und in Fric- den— denn daß die Sklaven und Sklavinnen an diesem Zustand der Dinge nichts auszusetzen fanden, wer möchte daran zweifeln? Wie glücklich sind wir doch, sagten sie oft, wenn sie nach vollbrachter Arbeit auf ihrem Strohlager die Glieder streckten, daß wir Herren haben, die so väterlich für uns sorgen! Sie halten uns zwar recht knapp, so daß wir oft mit knurrendem Magen an die Arbeit müssen, auch könnte uns etwas weniger Abhetzung nicht schaden, aber es gibt nun einmal kein vollkommenes Glück aus der Welt, unsere Herren haben auch ihre Sorgen, und wer weiß, ob wir nicht ohne sie verhungern müßten! Seien wir ihnen daher dankbar, daß sie uns Brod und Arbeit geben. Da ward eines Abends, kurz vor dem Fest der Satur- nalien, diese glückliche Ruhe der Stadt arg gestört. Unter dein Schleier der Nacht verbreiteten Bösewichter Pergamente, die mit Schmähungen der braven Bürger von Velitrae ange- füllt waren. Darin hieß es, sie seien Unmenschen, die, gieriger als Hyänen, ihre Sklaven in einer Weise auspreßten, die zum Himmel schreie. Die Sklaven lebten schlechter als das Vieh und müßten sich dreimal mehr schinden als das Vieh; ja, von einigen Bürgern ward behauptet, daß sie ihre Arbeits- sklavinnen nebenbei auch als Lustsklavinnen benutzten, was von schumtziger Gesinnung zeuge, und andere Beschuldigungen Mehr. Und um das Maß des Hohnes voll zu machen, hatte man diesen Pergamenten dieselbe Form gegeben, welche die Bekannt- machungen der Stadtväter von Velitrae zu tragen pflegten. Es ist fast unmöglich, die Entrüstung zu schildern, die sich der braven Bürger von Velitrae bemächtigte, als die Perga- Meute bekannt wurden. Der Präfekt der«tadt setzte sofort eine Belohnung von 3000 Sesterzien aus für Denjenigen, derben Verfasser des Pamphlets ermittle, und bedrohte Jeden Mit hoher Strafe, der bei Verbreitung eines Exemplars des- selben betroffen würde. Der obenerwähnte Centurio der Speer- Werfer legte sofort sein Amt nieder, weil er in dem Pamphlet persönlich attakirt worden war; der Bürger Aemilius Rectus, der sich gleichfalls angegriffen fühlte, kündigte seinen sämmtlichen Sklaven und Sklavinnen an, daß er an den kommenden Jden des März seine Werkräume schließen werde, sie könnten dann seinetwegen verhungern, und in der ganzen Stadt verbreitete sich das Gerücht, in diesem Jahre würde die Feier der Satur- nalien— jenes römische Fest, auf dem mau die Sklaven sich in der Illusion wiegen ließ, sie seien Menschen wie ihre Herren— nicht gefeiert werden, die Herren seien zu schwer gekränkt. Da bemächtigte sich der Sklaven tiefes Mitleid mit den m ihren beiligsten Gefühlen verletzten Herren, sie erklärten in einem großen Aktenstück, das sie alle unterschrieben, feierlichst, daß Alles, was in jenem Pamphlet über ihre Herren gesagt, Lüge und löswillige Verläumdung sei, ihre Herren seien so gut und edel, daß sie stch keine besseren wünschen könnten, und speziell die Arbeitssklavinnen des Aemilius Rectus erklärten es für eine niederträchtige Verleumdung, von ihrem Herrn zu behaupten, daß er auf ihre Tugend Attentate zu versuchen im Stande sei. In Rom behauptete man zwar, daß nicht Mitleid und Entrüstung, sondern Furcht vor dem Zorn ihrer Herren die Sklaven zu diesem Schritt veranlaßt habe, aber Rom war damals bereits der Sammelpunkt alles möglichen Gesindels. Gab es doch in Rom Gottesleugner, die in finsteren Spelunken heimlich zusammenkamen und dort aufrührerische Reden hielten, in denen viel von Gleichheit, von Erlösung u. s. w. vorkam, und bald stellte sich auch heraus, daß das häßliche Pamphlet von einem Mitglied dieser verruchten Verschwörerbande her- rührte. Welche Strafe den Verbrecher traf, können wir leider nicht angeben, denn hier brechen die Handschriften, denen wir diese kleine Erzählung entnehmen, plötzlich ab. Wie gefällt Dir die Geschichte, lieber Leser? Sie ist nicht gerade sehr poetisch, das soll zugegeben sein, aber dafür hat sie das Verdienst, wahr zu sein. Ja, ja, guter Freund, diese empfindsamen Fabrikherren sind kein Gebilde einer dichterischen Laune, sondern greifbare Wirk- lichkeit, und die armen unterwürfigen Sklaven desgleichen. „Schon gut, schon gut, wirfst Du hier ein, das war damals vor 1800 Jahren, da herrschte eben das Heidenthnm noch mit Sklaverei und anderem Greuel, aber seitdem ist das Christen- thnm gekommen und hat die Sklaverei abgeschafft." Wirklich Y Ist die Srtavrrci ad>7rfchasfr'l' Also find cS keine heidnischen Sklavenbesitzer, sondern aufgeklärte Christenmenschen, die vorige Woche in Meerane mehreren hundert Arbeitern aufkündigten, weil eine Flugschrift oerbreitet worden war, durch die sie sich beleidigt fühlten? Sind es keine römischen Sklaven, sondern freie Arbeiter, die 256 Arbeiter der Firma Straff und Sohn, die im„Meeraner Wochenblatt" ihrem „hochgeehrten Chef, Herrn Emil Straff" den„nichtswürdigen Beschuldigungen" gegenüber ihre„Entrüstung" bezeugen und den Inhabern der Firma„für ihr edles, aufopferndes Streben, dem Wohle der Arbeiter und Gemeinde zu dienen", ihre„An- erkcnnung und aufrichtige Dankbarkeit" widmen? Schreiben wir wirklich 1885— sage Achtzehnhundertfünfundachtzig? Ja, es ist so, wir leben im neunzehnten Jahrhundert, wir feiern in wenigen Jahren die Säkularfeier der großen fran- zösischen Revolution, wir haben nicht nur die Sklaverei, son- dern auch die Hörigkeit, Leibeigenschaft abgeschafft, wir haben die bürgerliche Gleichheit proklamirt, wir haben der Erklärung der Menschenrechte zugejubelt, wir sind aufgeklärt und schwär- men für„Gedankenfreiheit".—--- Unsere Leser haben in Nr. 4l> und 50 dieses Blattes die Korrespondenz gelesen, die in dem als Flugblatt verbreiteten „Meeraner Wochenblatt und Anzeiger, Amtsblatt für den Armenrath von Meerane" reprodnzirt ist. Selbst angenommen, daß sie Unwahrheiten enthalte, wie stark muß der Hochmuth die Kapitalistenbrust der Herren Straff u. Sohn geschwellt haben, wenn sie daraufhin sich binstellen und erklären: Wir schließen unsre Fabrik! Wenn etwas geeignet ist, in uns die Ueberzengung zu wecken, daß der Einsender der Korrespondenz nicht gelogen, dann ist es dcr.'Wuthschrei, mit dem die darin Angegriffenen ans sie geantwortet. So handelt man nicht, wenn man ein reines Gewissen hat, wenn man sich bewußt ist, edel und aufopfernd gewirkt zu haben. Dann läßt man seine Thaten sprechen. Daß, nachdem das Pressionsmittel der allgemeinen Kündigung in Anwendung gebracht war, Geschäfts- und Arbeitspersonal (unter den 256 Arbeitern sind über 180 Frauen und Mädchen, was auch für den Edelmuth der Firma spricht) ihrem Herrn öffentlich eine Ehrenerklärung ertheilen, beweist für die Ehre derselben gar nichts, wohl aber beweist es, wie jammervoll unsre sozialen Verhältnisse sind, die Hunderte, Tauscndc von Menschen vor derLaune eines Einzigen zittern machen. Kann etwas mehr für die Vernrtheilung unserer heutigen privatkapitalistischen Produktionsweise sprechen als die Thatsache, daß eine Handvoll Kapitalisten über das Schicksal von Hunderttausenden verfügt? Sie nennen sich Christen, sie brüsten sich mit ihrer Frömmig- keit. Wie wenig aber folgen sie den Lehren ihres Herrgotts! Oder heißt es nicht in der Bibel: Thut wohl denen, die euch hassen? In der Meeraner Lokalpresse aber heißt es:„Außer- dem scheint es, daß das so kürz vor dem Weihnachtsfeste kolportirte Flugblatt die Veranlassung bieten werde, auf die grade zu diesem Feste so nöthig erscheinende werkthätige Mildherzigkeit lähmend einzuwirken." Also um„eines Ungerechten" willen sollten hunderte von Armen und Elenden > büßen. Das kennzeichnet ihr Christenthum und ihre Wohl thätigkeit. In wenigen Tagen feiert man das Weihnachtsfest. Da j tönt es in den Kirchen: Freuet Euch, denn Euch ist heute der ! Heiland geboren! Und im Namen dieses Heilandes wirst man dem Volke den Wohlthätigkeitsbrocken hin, damit es im Namen des Heilandes das ganze Jahr über weiter dulde, sich ab- rackern und schinden lasse— ärger als das Vieh, schlimmer als die Sklaven des Altcrthums. Sklavenloos— Sklavcngesinnung. Das erste haben sie dir aufgebürdet, Proletarier des 19. Jahrhunderts, hüte dich vor dem zweiten. Der Sklave hofft ans den Heiland, der ihn erlösen soll, aber diese Hoffnung entnervt ihn, erschlafft sein Fühlen und Denken. Proletarier, du trägst den Heiland in dir, dein Wille ist dein Himmelreich. Lerne zu wollen, zu fordern, zu erkämpfen. Friede auf Erden, so hörst du auf allen Kanzeln, liesest du in allen Blättern. Aber solange deine Bedränger dir den Fuß auf den Nacken setzen, kann nicht Friede aus Erden herrschen. Erst wenn du ihn abgeschleudert, wenn du das Joch zerbrochen, ist es Zeit, von Friede zu sprechen. Bis dahin laß dich nicht irre machen, bewahre dir den Haß, den heiligen Haß gegen Ungerechtigkeit und Tyrannei. Er ist dein köstlichstes Gut, köstlicher als alle Weihnachts- geschenke, mit denen die verlogene Wohlthätigkeit der heutigen Gesellschaft dich um dein gutes Recht zu betrügen sucht. Kein Friede auf Erden, solange nicht Freiheit und Wohl- fahrt auf Erden. WaS die Spatzen Münchens von den Dächern pfeifen. Der von uns in Nr. 48 des„Soz.-Dem." angegriffene Münchener Korrespondent der„Elberfelder Zeitung" beehrt uns in Nr. 346 des genannten Blattes, d. d. 15. Dezember, mit einer Antwort— wie er erklärt, weil in unserer Notiz„neben obligaten Schmähungen auch De- nunziationen unterlaufen." Wir haben nun allerdings versucht, die Maske dieses„gemäßigten Sozialisten" ein wenig zu lüften, aber doch nur, um festzustellen, daß er nicht ini Lager unserer Partei zu suchen ist. Im Uebrigen wüßten wir nicht, was der Herr auf unsere Notiz hin zu fürchten haben sollte. Sie kann ihm bei seiner Klientöle doch nur nützen. Oder sollten wir ihm wirklich gerade durch diese Feststellung das Geschäft verdorben haben? Auf unsere Bemerkung, daß er sich durch Mittheilung von allerhand „Diskretionen" als ganz besonders im sozialistischen Lager unterrichtet aufspiele, erwidert der„Gemäßigte"— da ihm der„Venusritter" sehr wehe gethan zu haben scheint, so wollen wir es bei dieser von ihm selbst gewählten Charakteristik bewenden lassen—, er habe nur That- fachen mitgetheilt, welche„die Spatzen Münchens von den Dächem pfeifen." In diesem Falle werden wir uns von nun an ausschließlich an die besagten Spatzen halten. Zweifelsohne haben diese Spatzen es unserem„Gemäßigten" zuge- zwitschert, daß unser Blatt leider„am Bundesrathstische viel ernster als in den eigenen Parteikreisen genommen" wird. Die Spatzen werden diese Thatsache ja wohl aus bester Quelle haben, wir können uns daher die Mühe ersparen, eine Widerlegung zu versuchen. Unsere Genossen in ganz Deutschland arbeiten nur aus Ulk an ihrem Parteiorgan mit; wer seine Auslassungen ernst nimmt, ist noch dümmer als ein Münchener — Spatz. Punktum. Weiter im Text: Was der„Gemäßigte" der Elberfelderin nicht gethan, das haben gerode wir gethan. Wir haben„ b i S zuletzt" diskrete Interna der Münchener— Partei vor allem Volk„in breitester Breite breitgetreten." Was das für Interna sind, wissen die— Spatzen. Da wir in obenerwähnter Notiz weder einen Genossen nannten, noch den Verdacht aussprachen, es könne ein solcher hinter dem„Gemäßigten" stecken, sondern ausdrücklich konstatirten, Leute mit der von ihm ent- wickelten Ansicht gebe es weder im radikalen noch im gemäßigten Lager unserer Partei, so haben wir damit versteckt auf einen ganz bestimmten Genossen angespielt— pfeifen die Spatzen. Kluge Thierchen! Uebrigens hätte sich dieser Genosse gar nicht des Einverständnisses mit dem„Gemäßigten" der„Elberfelder Zeitung" zu schämen. Sind doch auch Grillenberger, Auer, Stolle ic. ja selbst Liebknecht seiner An- ficht, die wir nur entstellt wiedergegeben haben, indem wir ihn durch Herausreißen einzelner Sätze aus dem Zusammenhang das Gegentheil von dem sagen ließen, was er wirklich gesagt. Nun, wenn wir Sünder sind, so sind wir wenigstens nicht unverbesserliche Sünder. Wir wollen daher unser Verbrechen wieder gutmachen und lassen hiermit den ganzen Passus aus dem neuesten Artikel des„Gemäßigten" folgen, in welchem derselbe sein Postulat zusammenfaßt. Man wird danach bemessen können, was für grobe Fälscher wir sind. Der„Gemäßigte" zitirt eine Stelle aus Liebknecht's Etatsrede, in welcher dieser erklärt, daß„ohne die Organisation der Arbeiter, wie das Arbeiterschutzgesetz sie skizzirt, ohne die Organisation der gesammten Arbeiterklasse in Gewerkschaften" von einer wirklichen Sozialreform nicht die Rede sein kann, und fährt dann fort: „Wir glauben nun im Hinblick darauf, daß selbst der am weitesten links stehende sozialistische Abgeordnete sich im Einkjange mit der von unS ausgesprochenen Forderung der Freigabe der gewerkschaftlichen Organi- sation, also logischerweise Emanzipation derselben vom Sozialistengesetze, befindet, unsere Meinung selbst auf die Gefahr einer erneuten Verketze- rung dahin aussprechen zu dürfen, daß die„anarchistischen Bestrebun- gen", id est die„Auswüchse sozialistischer Propaganda", ganz wohl den Maßnahmen der resp. Regierungen überlassen bleiben können, umsomehr als ja gerade die Anarchisten bis vor Kurzem ein intensives Angriffs- objekt des Zürcher Parteiorgans waren, und deren Treiben von sämmt- lichen sozialdemokratischen Abgeordneten mehr oder weniger perhorreszirt wurde." Also Freigabe der Gewerkschaften und Preisgabe der„anarchistischen Bestrebungen, i<1 sst Auswüchse sozialistischer Propaganda"— von dem, was dazwischen liegt, schweigt des Sängers Höflichkeit. Und auf dieses Programm, bildet sich der„Gemäßigte" ein, würde sich ein Liebknecht, würde sich überhaupt irgend einer unserer Genosien einlassen, weil wir ja doch die— Anarchisten bekämpfen. Er hat also keine Ahnung davon, daß eine Lehre bekämpfen und deren Bekenner unterdrücken, bezw. deren Unterdrückung gutheißen, zweierlei ist. Er weiß nicht, daß, wenn unsere ganze Partei wie ein Mann die anarchistische Lehre be- kämpft, sie ebenso wie ein Mann gegen das Verbot ihrer Propagandirung eintritt. Er hat so wenig Berständniß dafür, was politische Grundsätze sind, daß er es fertig bekommt, den obigen Satz und damit seinen Artikel folgendermaßen zu schließen: „Es könnte dies auch seitens der sozialdemokratischen Arbeiter ohne Preisgabe ihrer politischen Ehrenhaftigkeit geschehen. Mit Phrasen, die besonders im A u s l a n d e sehr billig sind, imponirt man heutzutage weder den Arbeitern noch sonst Jemandem." Da haben wir's. Wer es wagt, noch ein Wort gegen eine solche Pro- klamirung der Gesinnungslosigkeit zu verlieren, macht Phrasen, Auslands- Phrasen, die sich von den heimathlichen Phrasen dadurch unterscheiden, daß sie sehr billig sind, und daher dem„Gemäßigten" der Elberselderin, der sich hier bescheiden die Arbeiter nennt, nicht imponiren können. Die deutschen Arbeiter haben also hübsch damit zufrieden zu sein, wenn man dem Käfig des Sozialistengesetzes eine andere, zeitgemäßere Faso» gibt und die Stäbe ein klein wenig weiter macht. Ja, sie sollen es auch ruhig dulden, daß diese Aenderung als ihre Forderung aus- gegeben wird. Wer dagegen protestirt, treibt Emigrantenpolitik. Das Sozialistengesetz hat sich in seiner heutigen Gestalt überlebt. Darin ist fast alle Welt einig. Mit dem Tode des alten Wilhelm wird es ganz hinfällig. So wenig wir an den Liberalismus des liberalen Kronprinzen glauben, so halten wir es doch für in der Natur der Sache begründet, daß er seine Regierung nicht gern mit Ausnahmegesetzen wird antreten wollen. Wenn sich daher die Anhänger des Rechts-, oder besser Unrechts- zustandes, den das Sozialistengesetz geschaffen, damit abquälen, einen Modus zu schaffen, mittels deffen sie ihn in den Rahmen der ordentlichen Gesetzgebung einzwängen können, so ist dus ihre Sache. Mögen sie thun, was sie nicht lassen können. Wenn sich aber Jemand in dem Drang, Weltgeschichte zu machen, dazu hergibt, ihnen mit Vorschlägen zu kommen, die in der Praxis darauf hinauslaufen, dem Kind den gehässigen Namen zu nehmen, und die Hauptsache, die politische Knute, aufrechtzuerhalten, und dieser Je> mand sich„eine Arbeiter stimme aus dem sozialdemo- kratischen Lager" nennt, so werden wir uns das Recht nicht nehmen lassen, gegen diesen Mißbrauch unseres ehrlichen Namens ganz energisch Protest einzulegen. In dieser Beziehung sind wir allerdings „unzugänglich für die Meinung Anderer". Wo die politische Ehre unserer Partei in Frage kommt, hört für uns der Spaß auf. Allerdings, was will unsere Stimme besagen? Wir genießen ja nicht das Glück, die Bismarck'sche Reichsatmosphäre einzuathmen, die allein zu dem Urtheil darüber befähigt, was für eine unterdrückte Partei klug und ehrenvoll ist. Im Ausland lebt man nur von Phrasen, die reine unverfälschte politische Weisheit wird nur im heiligen deutschen Reich verzapft, da pfeifen sie sogar die Spatzen von den Dächern. Zum Nationalitätenkampf in Oesterreich. Ein österreichischer Genosse schreibt uns: Gegenüber den Ausführungen des Genossen„Taaffe" in Nr. SV des Parteiorgans bin ich der Ansicht, daß dieses in seiner Notiz„Revanche" vollkommen auf unserem Boden stand. Wir sind Gegner des Nation«- litätendünkels; den werden wir aber nicht dadurch los, daß wir in das Geschrei unserer nationalen Presse über die Verkommenheit anderer Nationen einstimmen, sondern dadurch, daß wir Kritik an der eigenen Nation üben. Wenn wir dies 1870/71 thaten, so sagten wir damit nicht, daß wir für die Franzosen mehr Sympathie hätten als für unsere Landsleute, sondern daß die deutsch-nationalen Hetzer gut daran thäten, vor der eigenen Thüre zu kehren. Unsere französischen Genossen haben ebenso gehandelt. Ueber den Königgrätzer Prozeß ist in der deutschen nationalen Presse zu Gunsten der deutschen Turner und gegen das Urtheil und die Tschechen genügend geschrieben worden; was uns als Internationalen oblag, war, zu zeigen, daß hier wie in jedem nationalen Kampf die Schuld, wenn man von einer solchen reden will, nicht auf einer Seite allein liegt, sondern auf beiden Seiten. ÖsMnd das war sehr nothwendig. Hat man doch in der deutschen Presse die Dinge so dargestellt, als wenn nur die deutschen Turner verurtheilt worden wären, während thatsächlich ihre tschechischen Angreifer auch, und theilweise zu höheren Strafen verurtheilt wurden. Auch waren die deutschen Turner nicht ohne Mitschuld; sie hatten sich äußerst provokatorisch benommen. Ebenso provokatorisch wie die Herren vom„Gaulois" am 5. Ottober in Paris, als sie zur Verherrlichung des menarchischen Wahlsieges ihr Bureau illuminirten. Der Unterschied bestand blos darin, daß die Königinhofer Behörden tschechisch gesinnt waren, die Pariser Polizei bonapartistisch, und daß die Pariser etwas mehr Esprit an den Tag legten, als die Tschechen, was Niemanden verwundern wird. Daß die Mitschuld an den Exzessen nur eine moralische, keine juristische, und somit das Urtheil kein gerechtfertigtes war, scheint mir richtig, obgleich ein endgiltiges Urtheil in der Sache für mich unmöglich ist, weil ich nur die deutschen, nicht die tschechischen Darstellungen des Falles kenne. Wenn es aber der deutschen Presse hier nur um die Wahrung des Rechtes und nicht um nationalen Chauvinismus handelte, dann brauchte sie wahrlich nicht 10 in Entrüstung zu gerathen. Das Königgrätz der österreichischen Justiz ist viel älter als dieser Prozeß. Die österreichische Justiz hat seit jeher so geurtheilt, wie ihr von oben diktirt wurde. Unter dem Ministerium Giskra und anderen liberalen Ministerien sind gegen Tschechen und Sozialdemokraten die schamlosesten Urtheile unter dem Beisalle derselben Presse gefällt worden, die heute aus dem Häuschen geräth, weil anläßlich einer Keilerei zwischen Deutschen und Tschechen nicht blos Tschechen verurtheilt worden. Richtete sich die Entrüstung der österreichischen Deutschnationalen wirklich gegen die Verletzung des Rechts und nicht dagegen, daß ihnen einmal angethan worden, was sie früher Anderen in viel höherem Maße angethan, dann müßten sie doch Institutionen anstreben, die einen größeren Rechtsschutz ermöglichen, sie müßten ins Volk hinabsteigen und daselbst eine»nächtige Bewegung sür Erweiterung der bestehenden Rechte und Freiheiten entflammen. Das fällt ihnen jedoch nicht ein. Dieselben Leute, die über das„Königgrätz der österreichischen Justiz" pathetisch dekla- miren, stimmen jeder Verkümmerung der ohnehin so kümmerlichen Rechte der Arbeiterbevölkerung zu. Was sie wollen, ist nicht eine Aenderung des Rechtszustandes, sondern eine Erlangung der Gewalt, um ihrerseits gegen Tschechen und Sozialdemokraten„Königgrätz? der Justiz" verüben zu können. Der Weg hiezu ist der, die allerhöchste Huld zu erringen. Der eine Flügel der österreichischen Deutschnationalen hofft noch auf die Habsburger, schweifwedelt in hündischster Weise und erklärt, er könne ebenso reaktionär sein wie die Slaven; es sei also kein Grund, warum die Reaktion mit slavischer, und nicht mit deutscher Hilfe regieren solle. Der anders,„revolutionäre" Flügel schweifwedelt ebenso vor Bismarck und dem„Heldengreis", dem Hort der Reaktion in Europa, und hofft, von diesen in die Gewalt eingesetzt zu werden. An das Volk wendet sich keine der beiden Parteien. Sie wissen, warum. Man erzählt in Deutschland so viel Schauergeschichten von der Unter- drückung der Deutschen in Oesterreich. Soweit eine solche vorhanden, ist sie nicht größer als für die anderen Nationalitäten auch. In Prag wer- den ebensoviele jungtschechische Zeitungen konfi szirt, als in Wien liberale — wenigstens im Verhältniß zur Zahl der erscheinenden Zeitungen. Taaffe hat kein Interesse daran, die Slaven zur Herrschaft kommen zu lassen. Seine Regierung hätte dann am längsten gewährt. Nicht die Herrschaft der Slaven in Oesterreich, sondern der Kampf der Slaven mit den Deutschen ist die Grundlage der feudal-klerikalen Reak- tion. Was man den Slaven gegeben, ist nicht die Herrschaft übe r die Deutschen, sondern die Gleichheit der Kampfbedingun- gen mit diesen. Allerdings unterliegt das Deutschthum in diesem Kampfe, es ist in raschem Zurückweichen begriffen. Aber aus welchen Ursachen? In den Alpengegenden— mit Ausnahme einiger Bezirke von Steier- mark und Kärnthen— herrscht das Deutschthum ungemischt. Hier gibt es überhaupt keinen Nattonalitätenkampf, sondern der Klassenkampf kommt ungetrübt zum Vorschein. Die Alpengegenden hätten längst einen modus vivendi mit den Tschechen gefunden, wenn nicht die Deutschen in Böhmen, Mähren, Schlesien und einigen Theilen Niederösterreichs einen solchen sters zu verhindern gewußt hätten. Die Deutschen der letzteren Gegend, soweit sie politische Rechte haben, sind aber geführt von den Fabrikanten. Sie stehen alle im Fabrikanten- interesse, wenn sie auch nicht alle Fabrikanten sind— was ja auch nicht bei allen Nationalliberalen der Fall. Die österreichische Großindustrie entwickelte sich zuerst in den deutschen, an Sachsen angrenzenden Gebieten Nordböhmens, in einigen Theilen Schlesiens und Mährens und in den Ebenen um Wien herum. Die Gründe davon sind zu suchen in der höheren wirthschaftlichen Entwick- lung der Deutschen in diesen Gegenden, und der Nähe von Kohlen auf der einen, von Wasserkräften auf der anderen Seite. Die Arbeiter stammten ebenfalls aus diesen Gegenden, waren also fortgeschritten, kamen bald zur Erkenntniß ihrer Klassenlage, so daß eine blühende Arbeiterbewegung sich entwickelte, deren Charakter ein internatio- n a l e r war. Der Nationalitätenkampf berührte sie nicht, sie trat ihm, wo sie nur konnte, energisch entgegen; er blieb in den industriellen Be- zirken auf die groß- und kleinbürgerlichen Kreise beschränkt. Da kam der„wirthschaftliche Aufschwung" der siebziger Jahre, und eine Reihe unzivilisirter Gegenden wurde„der Zivilisation" erschlossen. Die Folgen zeigten sich bald. Die„unzivilisirten" Gegenden, meist sla- vische, bargen einen werthvollen Schatz sür die vorwiegend deutschen Fabrikanten Oesterreichs: billige und unterwürfige Arbeits- k r ä f t e ohne eine Spur von Klassenbewußtsein. Die Eisenbahnen er- möglichten es, diese Arbeitskräfte nach allen industriellen Gegenden Oesterreichs und der Nachbarländer zu spediren. So haben die deutschen„nationalen" Fabrikanten seit zehn Jahren in steigender Progression eine Auswanderung slavischer Arbeiter in deutsch- Gegenden hervorgerufen. Sie haben ihre deutschen Arbeiter entlassen und slavische dafür eingestellt. Welcher Vortheil! Diese arbeiteten um einen Hundelohn und ließen sich alles gefallen. Die Arbeiterbewegung verlor in Folge dessen immer mehr an Boden und besaß nicht mehr die Kraft, den behördlichen Verfolgungen Widerstand zu leisten. Der Profit stieg riesig. Und der Profit ist die Nationalität des Kapitalisten. Was kümmert ihn alles Andere! Davon erzählen uns die deutschen Zeitungen nichts, denen das König- grätzer Urtheil so verworfen erscheint. Sie schweigen still davon, daß die Arbeiterbewegung unter diesen neuangeworbenen Schaaken, soweit diese überhaupt zum Klassenbewußtsein kommen, die naive und brutale Form des Anarchismus annimmt. Sie sagen nichts davon, daß die slavische Arbeitsreinwanderung mit der sozialistischen Arbeiterbewegung auch den internationalen Geist der Arbeiter herabgedrückt hat, und daß an deffen Stelle nationale Reibereien unter den Arbeitern eingetreten sind, wo solche früher unerhört waren. Sie sagen nichts davon, daß auf diese Weise, dem„nationalen" Profit zu Liebe, der Haß zwischen Slaven und Deutschen genährt worden. Und sie erzählen uns auch nicht, wie die deutschen Fabrikanten ihre deutschen Arbeiter verjagt haben, um sie durch Slaven zu ersetzen; wie in den Kohlen- und Textildlstrikten Nordböh- mens das Deutsche immer mehr vom Tschechischen verdrängt wird, um den„deutschen" Profit zu erhöhen; wie in Niederösterreich guttze Fabrikdörfer, die vor wenigen Jahren noch völlig deutsch gewesen, heute nur noch tschechisch reden. Das deutsche Volk, d. h. die deutsche Arbeiter- bevölkerung, ist heute allerdings in Oesterreich in Bedrängniß— es unter- liegt dem Andrang der Slaven; die deutsche Kultur wird vernichtet von der slavischen Unkultur. Aber diejenigen, die am meisten dazu beitragen, das sind dieselben Deutschnationalen, die im österreichischen Reichsrath als Vertreter des deutschen Volkes sitzen und in pathetischen Reden von der heiligen Mission, die deutsche Kultur nach Osten zu tragen, reden. Wenn sich der Spieß der österreichischen Richterkorruption einmal gegen sie wendet, so haben sie am wenigsten Recht, sich darüber zu beschweren. Und wir haben alle Ursache, uns ihrem Geschrei gegenüber kühl und skeptisch zu verhalten, denn sie jammern nicht um ihre bedrohte Existenz, sondern um ihre bedrohte Herrschaft. Nicht das deutsche, nicht das slavische Volk ist schuldig an den jetzigen infamen Zuständen in Oesterreich, sondern die herrschenden Klaffen, die in ihrer großen Mehrheit aus Deutschen bestehen. Der deutsche Adel ver- bindet sich mit den Slaven, um seine seudalistischen Interessen zu fördern, der deutsche Kapitalist verjagt aus denselben Motiven die deutschen Ar- beiter und ersetzt sie durch Slaven. Und die deutschen Turner stellen sich hin und singen dazu: Deutschland, Deutschland über Alles. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 23. Dezember 1885.� — Selbsthilfe. Bei der Berathung der Arbeiterschutz- gesetze im deutschen Reichstag wurde von den Gegnern des Normalarbeitstages immer wieder mit Vorliebe auf die Schweiz hingewiesen, wo die Erfahrung bewiesen habe, daß der Normalarbeitstag undurchführbar sei. Beweis: Die häufigen Fälle von Uebertretungen, Ueberzeitbewilligungen ic., welche die gesetzliche elf stündige Arbeitszeit geradezu illusorisch machten. Das Fadenscheinige dieser Argumentirung springt in die Augen. Es ist doch wahrlich schon ein großer Unterschied, wenn ein Fabrikant, um nur eine Stunde mehr als gesetzlich, d. h. 12 Stunden, arbeiten lassen zu dürfen, erst bei der Behörde um Erlaubniß einkommen muß, welche obendrein nur auf kurzen Termin gewährt wird, als wenn er nach Be- lieben 13, 14, 15 und mehr Stunden arbeiten lassen darf. Zudem wer- den selbst diese Ueberstunden� in der Regel lediglich durch den Hinweis auf die an keine gesetzliche Schranke gebundene deutsche ic. Konkurrenz begründet. Immerhin ist man auch in den Reihen der schweizerischen Arbeiterschaft der Meinung, daß Fabrikanten und Behörden von dem Recht der Ueber- zeitbewilligung einen nicht zu rechtfertigenden Gebrauch machen, und so haben die organisirten Arbeiter des Bezirkes Zürich vor einiger Zeit den Beschluß gefaßt, den staatlichen Schutz durch Selbstschutz zu er- gänzen, und eine Kommission emgeietzt zur Ueberwachung des Vollzuges des eidgenössischen Fabrik- und Haft- pflichtgesetzes. In der vorletzten Nummer unseres Bruderorgans„Arbeiterstimme" veröffentlicht nun diese Kommission einen Bericht über ihre Thätigkeit in der Zeit vom Dezember 1884 bis September 1885. Aus diesem, in mehr als einer Beziehung lehrreichen Aktenstück, dessen Gesammtabdruck wir uns leider mit Rücksicht auf den knapp bemessenen Raum unseres Blattes versagen müssen, lassen wir hiermit auszugsweise einige Stellen folgen: „Die Thätigkeit der Kommission begann damit, die Vereinsvorstände der betreffenden, an den verschiedenen Gemeinden domizilirenden Vereine zu veranlassen, von den resp. Gemeinderäthen, event. Polizei- vorständen zu verlangen, daß dieselben alle vorkommenden Fälle von Ueberzeitarbeitsgesuchen wie Unglückssällen ic. in den Fabriken, die an sie zur Anzeiqe gelangen, sofort den betreffenden Vereinsvorstän- den, beziehungsweise dem betreffenden Kommiffionsmitglied mittheilen möchten, damit eine genaue Kontrole der Ueberzeitarbeit, ob dieselbe bewilligt worden oder ob ohne Bewilligung dem Gesetze eine Nase ge- dreht werde, stattfinden, und damit auch bei Unglücksfällen auf eine richtige Untersuchung oder in gravirenden Entfiellungs- oder Unter- laffungssällen aus eine Ahndung gedrungen werden könne. Es wurde auch diesen Gesuchen von den Behörden allseitig entgegen- kommend entsprochen."... „Um aber ein richtiges erfolgreiches Vorgehen für die Kommission zu ermöglichen, wurde schon gleich Anfangs der Thätigkeit jedem Mitglied zur Pflicht gemacht, ein scharfes Auge auf die Vorgänge in den ver- schiedenen Fabriketabliffements, sowohl derjenigen, die dem Fabrikgesetze unterstellt, als auch der außerhalb dem Fabrikgesetze stehenden Geschäfte zu haben, weil bekanntermaßen in den letz- teren gewöhnlich mehr gesündigt wird gegen den Arbeiter, sei es in rücksichtsloser Ausbeutung, sei es in ungebührlicher Behandlung. „Ebenso sollte von jedem Verein eine Anzahl Bertrauensinännn- möglichst aus allen Berufszweigen, beauftragt sein, der Kommiffion»K kommende, gegen die Gesetzesbestimmungen gehende Fälle zur Anzeige bringen. „Es zeigte sich auch sofort, wie zeitgemäß die Schaffung dieses I» stituts war, wie nothwendig einmal ein organisirtes, zweckmäßiges Vor gehen gegen die Außerachtlassung der Vorschriften ves Fabrikgesetz!� resp. des Haftpflichtgesetzes sei." „Ein Einschreiten gegen die Behandlung der Arbeiter seiteni ihrer Arbeitgeber haben hauptsächlich veranlaßt die Firmen: Marthila diesem llrhebe! Kräder thaten g-setz «ie vei Willkür gibt ke gesetzes «u habl listenge >v blai Polizei G e s e Und dr die auf Ritte I ei n R Worte, was 5 E oziali jemals Wirk Haltun bewiese zur Un tionspl gegenü! ege! >°z„i meinen dring und Kompagnie, Halstücherfabrik, in Rissbach, H. Krebser, Seide» Zwirnerei, im Hard-Außersihl und Nüscheler, chemische Wascherei, Seeseld Riesbach. „Die Firma Marthaler u. Eis., die schon früher dem Fabrikgesef unterstellt war, hat es durch allerlei Schliche und Ränke dahin gebracht dieser Aufsicht sich wieder zu entziehen. Nun war aber die Behandlu»! der in diesem Etablissement beschäftigten Arbeiter(Lehrlinge benannt seitens des Arbeitgebers eine solche, daß dieselbe das Einschreiten W Kommisston veranlagte. „Eine an das schweizerische Handelsdepartement von uns eingesandtl Eingabe, welche gegenüber dieser Firma Klage führte, bewirkte, daß ein> amtliche Untersuchung, auf Grund unserer angeführten Gründe, sing» leitet wurde. Durch Zuschrift vom 15. Juli 1885 theilte uns auch dai schweizerische Handelsdepartement mit, daß mit diesem Datum die Firm» Marthaler u. Cie in Riesbach, resp. deren Etablissements am Mühl» bach und an der Eisengaffe, dem schweizerischen Fabrikgesetz wieder unter stellt sei." Der Bericht schließt mit den Worten: „Werths Genossen! Es ist also aus dem Vorgenannten ersichtlich uiri beweisen die Resultate deutlich, daß dieses Institut«erthooll ist und noch werthvoller gemacht werden kann, bei richtiger Organisation un! jj( geeignetem Vorgehen. Zu bemerken ist noch, daß beinahe sämmtlich' Gemeindevorstände mit uns einig gehen, ja unser Vorgehen begrüße» „Gehen wir mit den genannten Behörden Hand in Hand mit der Bekämpfung von Gesetzesübertretungen und raffinirter Ausbeutung der Arbeitskräfte, so wird dadurch speziell die Arbeiterschaft bedeutend 9» Winnen.".... „Roch beantragen wir Ihnen, zu lassen und dieselbe allen vereinen und Gewerkschaften, rationen zuzusenden. „Es kann und soll dieser Bericht zu einer Agitation verwendet wen den, damit diese Institution nicht blos hier in Zürich, sondern mit der Zeit auch in der ganzen Schweiz ihren wohlthätigen Einfluß ausübe» könne." Diesem Stück energischer Selbsthilfe können wir nur unseren volle» Beifall zollen und es als Beispiel zur Nachahmung empfehlen. Freiliif verhehlen wir uns dabei nicht, daß, was in dem verkehrsreichen Zürich und Umgebung möglich ist, in kleineren Distrikten auf allerhand Schmie- rigkeiten stoßen wird. Namentlich da, wo die Fabrikanten allmächtig sind, wird man es an Chikanen und eventuell Maßregelungen nichl fehlen lassen. In Deutschland wären sie sicher. Deshalb ist auch i>» Arbeiterschutzgesetzentwurf der deutschen Sozialdemokratie zu diesem Be- Hufe die Errichtung von Arbeitskammern vorgesehen; dies« würden schon die Garantie schaffen, daß der Normalarbeitstag überall strikte durchgeführt und beobachtet wird. Das mögen sich diejenige» Arbeiterfreunde merken, welche angeblich nur deshalb von dem letzter» nichts wissen wollen, weil sie in rührender Besorgtheit fürchten, er könn- hie und da übertreten werden. Ihre Furcht macht ja ihrem guten Herze»— alle Ehre, sie erinnert an jenem zärtlichen Vater, der seinen Sohn nicht tesin eher ins Wasser gehen lassen wollte, als bis er perfekt schwimmen könne- schiebe Hier hat jedoch der Kopf das entscheidende Wort zu sprechen. «>n we würdig n, diese Berichterstattung vervielfältige» Ärütlioereinen, Arbeitervereinen, Fach- allen gesinnungsverwandten Korpo- Bei Presse Vertre Berich! geloge, die kei Zwar r sagen 1 >n Hai rend lvsigke Richte: Herrn nruth, haben Plätze vrdent Tradit re P rund rechts die Pl herzug Und d demsel Neten denroii Nruth auch r — Der hat's getroffen. Zu den vielen vortrefflichen Grün- den, weshalb das Sozialistengesetz nicht abgeschafft werden darf, hat jetzt ein Oberpfiffikus in den Leipziger„Gren.boten" einen neuen ausfindig gemacht, um den es jammerschade wäre, wenn er, dem Veilchen gleich- im Verborgenen dieser Zertschrist für das öffentliche Leben blühen un» verblühen sollte. Wir geben ihm daher hiermit die verdiente Publizität- Vernimm also, 0 Publikum, die Worte des Welsen: „Schließlich mag auch noch mit einigen Worten der Männer gedacht sein, welche zum Schutze der Gesammtheit gegen die Ausschreitungen der � Sozialdemokratie berufen und somit den Angriffen derselben zunächd, können ausgesetzt sind. Wer diesen Kampf nur aus der Entfernung mit an- � Zur sieht, hat keine Ahnung davon, welche zahllosen Schwierigkeiten, schwere» Unannehmlichkeiten, ja selbst Gefahren für Leib und Leben(hu!) für die Polizeibeamten damit verbunden sind. Sollen sie diesen Kampf für die Gesellschaft ferner durchführen, so müssen sie auch die Mittel dazu haben! auch mit Rücksicht für diese Beamten also ist die Erneuerung des Sozia- listengesetzes erforderlich." Hänge Dich, Figaro, darauf wärest Du nicht gekommen! Eine so feine Logik ist wirklich nur im Lande der Denker möglich. Um die Polizei zu schützen, muß ein Ausnahmegesetz aufrechterhalten werden, das in keiner Beziehung schärfer gewirkt als in der, die Polizei gründlich verhaßt zu machen. Das ist ein so staatsmännischer, so genialer, so herzerquickend preußisch-deutscher Gedanke, wie uns seit Langem nicht seinesgleichen begegnet. Presse, Vereine, Versammlungen der Polizei- willkür unterstellt, um— die Polizei zu schützen. Ein wahrer Schatz. eine Perle von Schlauheit. Grabbe's besoffener Schulmeister, der aus den Tisch steigt, um nicht herunterzufallen, ist glorreich übertroffen. Es wird daher Niemand wundern, wenn der Verfasser des Artikels, nachdem er noch im Vorübergehen den deutschen Behörden das Kompli- ment ertheilt, daß sie gegenüber den, nur„in verschwindender» Maße" vorgekommenen Mißgriffen bei Handhabung des Ausnahme- gesetzes bereitwillig Abhilfe geschafft haben, triumphirend ausruft: „Die Verlängerung des Sozialistengesetzes ist dringend nothwendig! daß es möglichst schonend angewandt werden könne, haben die Sozial- demokraten selbst in der Hand." Auch dieser Satz ist von überzeugender Logik, wenn auch nicht grade neu. Der Löwe braucht sich nur daran zu gewöhnen, Disteln zu fressen, und er kann auf das Wohlwollen sämmtlicher Tiger und Hyänen rechnen- Es muß in der That glänzend um das Sozialistengesetz bestellt sein, wenn man sich behufs seiner Vertheidigung zu so exquisiten Argumenten gezwungen sieht.� Blatte- Her theilur kretior Herr jene i im Vc allerd Bamb so lar kann solche «rfuh, stand Parte Uek anget! etwas undel ständl denn Rotiz Abgec Partei Richte Partei Witgl — Der Militär-Etat wurde in zwei Reichstagssitzungen durch- gepeitscht, so daß der Reichstag schon am Mittwoch(den 16. dies) in die Weihnachtsferien gehen konnte, die bis zum 8. Januar dauern werden. Die vorletzte Sitzung brachte uns noch einen sozialdemokratischen Erfolg: der Antrag Harm auf Unterstützung der Familien der Reservisten wurde, nachdem seine Berechtigung allseits anerkannt worden war, vor eine Kommission verwiesen, und es ist sehr wahrscheinlich, daß die Kommission ihn im Wesentlichen annehmen, wenigstens befürworten wird- Herr Eugen Richter konnte die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, seinem Äerger über diesen Erfolg durch eine der ihm zur andern Natur gewordenen Rüpeleien Luft zu machen. Er meinte nämlich, es sei doch inkonsequent, daß die Sozialdemokraten, die gegen das Gesammt- b u d g e t stimmten, für die Bewilligung einzelner Posten wären. Herr Richter scheint nicht zu begreifen, daß die Verweigerung des Gesammt' budgets sich gegen das herrschende System richtet, während die Summen, für welche die Sozialdemokratie stimmt, durch die Humanität, Gerechtig- keit oder politische Nothwendigkeit geboten sind, und mit dem herrschenden System nichts zu thun haben. Die Sozialdemokraten machen es eben umgekehrt wie Herr Richter: sie nörgeln nicht, schonen aber auch nicht; wohingegen Herr Richter im Kleinen nörgelt, und das System schont. — Die Reichsspitzbuberei, verübt an dem Kräcker'schen Privat» eigenthum, wurde von dem Bestohlenen am 14. dies im Reichstag zur Sprache gebracht— und zwar bei Berathung des Gehalts der Mitglieder der Reichsbeschwerdekommission, alias Reichsgalgenkommission, welche der Polizeiwillkür Hintennach ein scheingesetzliches Mäntelchen um- zuhängen hat— wenn es ihr Spaß macht. K r ä ck e r erzählte unter lautlosem Schweigen des Hauses die bekannten Infamien. Hr. Bötticher verlor das stereotype Lächeln, das sein Gesicht zu umspielen pflegt, und auch die übrigen Vertreter der Regierungen schauten verlegen darein. Der Zorn, die Entrüstung sind die besten Quellen wirksamer Beredt- samkeit. Wie Peitschenhiebe fielen Kräcker's schmucklose Worte auf die gsp Frakt sich h Nicht Und- Deut schich Vstsil den f der c lich t lande dring Regu S-Ht. f-ind Hanl wird bei d beschl 'rast drsch. Char die, das der» Nie Lök thun die( wie dort näwi«k on BO'-j teige feä 3») !s Z-setzei feiten) >rthale! Seiben seefelb rifgefe) -bracht ndlunj mannt :en bei efanbt ch ei» eing« ch bei Firn« Mühl» untell Urheber und Vollstrecker des Sozialistengesetzes. Um so wuchtiger, als .j,. ic �'e richtige Taktik befolgte, die in Frage kommenden Schand- »aien als vollkommen im Rahmen des Sozialisten- bi.'!* � bewegend hinzustellen. Es ist unseres Erachtens � Taktik von der Welt, von gewissen außergewöhnlichen oifn,>'u erklären, sie verstießen gegen das Sozialistengesetz. Es wt* i i!? polizeilichen Willkürakt, den man auf Grund des Sozialisten- »i?» nicht vornehmen könnte; und. weit entfernt, dasselbe überschritten « haben, hat die Polizei noch lange nicht alles gethan, was sie nach Kft niederträchtigsten aller Gesetze zu thun befugt ist. Das Sozia- liengesetz_ und das dürfen wir nie außer Acht lassen— ist ein blanco Wechsel der Polizeiwillkür. Nach dem Sozialistengesetz ist der Polizei alle s erlaubt— es ist die absolute Negation des Rechtsund u o tz e s, die rückhaltlose Sanktion der a b s o l u t e n W i l l k ll r. und das sprach Kräcker aus. Herr Bötticher fühlte die Peitschenhiebe, � auf ihn niedersausten, und er schwieg; die Herren rechts und in der .nie krümmten sich unter den Peitschenhieben und— schwiegen. Rur > n Redner meldete sich noch: H ä n e l, und er sprach bloß wenige plorte, aber mannhast und kräftig, sich allem ausdrücklich anschließend, was Kräcker zur Brandmarkung des Breslauer Diebstahls und des «■J��onzesetzes gesagt— und das war die beste Rede, die Hänel nmals gehalten. Das Sozialistengesetz hat seine erzieherische plirksamkeit also doch bewahrheitet. Und zwar ist dies durch die Haltung der sozialdemokratischen Ritglieder derArbeiterschutzgesetzkommission bewiesen worden. Also behauptet das„Leipziger Tageblatt" und führt iur Unterstützung an, daß Auer und Pfannkuch den ganzen Organisa- »onsplan des Arbeiterschutzgesetzes, d. h. den wichtigsten Theil desselben, gegenüber dem Widerssand der anoeren Kommissionsmitglieder, preis- gegeben hätten. Eine so gemäßigte, opportunistische Haltung, meint oas„Leipziger Tageblatt", sei blas der erzieherischen Wirkung des allge- weinen Stimmrechts zu danken, und es fügt die praklische Nutzanwen- wing hinzu: daß es Thorheit wäre, ein so außerordentlich heilsames Gesetz abzuschaffen. Wir bedauern sehr, dem„Tageblatt" seine Freude ein wenig trüben zu müssen: die Thatsache, auf welche es seine liebens- Madigen Schlußfolgerungen stützt, ist leider falsch— die sozialdemokra- iltige» Wen Kommissionsmitglieder haben auf den Organisationsplan nicht Fach""J�tet, sondern werden Punkt für Punkt um denselben kämpfen. torpw e' diesem Anlaß sei auf die Verlogenheit der gegnerischen presse aufmerksam gemacht. Wird schon über die Tyätigkeit unserer Vertreter im Plenum des Reichstags, wo doch die stenographischen Berichte ein Korrektiv bilden, von der gegnerischen Presse systematisch gelogen, so wird über die Verhandlungen in den Kommissionen, we keine amtlichen Berichte haben, noch zehnmal so arg gelogen; und Zwar wetteifern hier die nationalliberalen mit den fortschrittlichen, oder wgen wir lieber Richter'schen Skribenten. ch u»i t unt n un> mtlich rüße». it bei ig bei nv ge' korp«' t ro et' :it bei güben vollen ireiliis Züriih ichwlp lächtiZ nichl i« ■— Eugen Richter ist in seiner„Freisinnigen Zeitung" arg Harnisch gerathen, weil der„Züricher Sozialdemokrat" einen wäh. tend der Liebknecht'schen Etatsrede gefallenen Ausruf der Hoffnungs- jpssgkeit des Abgeordneten Bamberger richtig kommentirt hat. Herr n V" j �tet' schreibt uns einer unserer Abgeordneten, muß sich für den Haus- dies!»ÜV1 Reichstags halten, denn er droht mit dem ihm eigenen Hoch' iberalll aus ifire Nläde verweisen iiu lassen". Die enigenj -tztern tön»! perzflji i nicht könne. �uth, die Sozialdemokraten„aus ihre Plätze verweisen zu lassen". Die Sozialdemokraten sitzen nämlich nicht auf der äußersten Linken, sondern vaoen noch aus der Präsidialherrlichkeit Forckenb-cks her die schlechtesten auf der linken Seite, von denen aus man nichts hört und nicht ordentlich sieht, während auf dem äußersten linken Flügel noch aus alter Tradition her die Herren Richter und Genossen sitzen. Wenn den Par- wien die richtigen Plätze angewiesen werden, so müssen nach den Ber- chiebungen, die im Parteiwesen eingetreten sind, Richter und Genossen chre Plätze räumen und weiter nach rechts rücken; die Plätze sind kein wrundeigenthum. Entweder gilt stillschweigend die Eintheilung von 'echts nach links, je nach der Stellung der Parteien zur Regierung, oder �e Plätze müssen verloost werden. Das Recht, im Reichstage hin und herzugehen, haben die Sozialdemokraten so gut wie die Freisinnigen, Und diese machen, wie männiglich bekannt, den eifrigsten Gebrauch von demselben, und geniren sich durchaus nicht, Aeußerungen von Abgeord- Ueten anderer Parteien„aufzuschnappen". Die Zeit, wo man die Sozial- oemokraten in die Ecke drücken konnte, ist vorüber, der liberale Hoch- Wuth jst längst gebrochen. Und wenn Herr Eugen Richter den Mund uuch noch so voll nimmt, seine Hand bleibt lahm. Seine Drohungen Tonnen nur ein Lächeln erwecken— nichts mehr. Zur Sache selbst wird uns vom Verfasser der fraglichen Notiz unseres Blattes geschrieben: . Herr Richter hat es für nothwendig gehalten, mich wegen meiner Mit. -Heilung in 43 des„Sozialdemokrat" anzuflegeln. Ich soll eine Jndis- 'tetion begangen haben, indem ich jene Aeußerung Bambergers erwähnte. Herr Richter scheint nicht zu wissen, was eine Indiskretion ist. Wäre jene Äußerung mir persönlich oder irgend einem meiner Parteigenossen ui Vertrauen gemacht worden, so hätte ich durch die Veröffentlichung Ullerdings eine Indiskretion begangen. Dem war aber nicht so. Herr Bamberger sprach zu keinem von uns, und er sprach ganz laut, 1° laut, daß Mitglieder verschiedener Fraktionen es hören konnten. Er rann also die Aeußerung im Moment, wo er sie that, nicht als eine lolche betrachtet haben, die nicht vor die Oeffentlichkeit gehört. Ich selbst erfuhr von der Aeußerung erst am folgenden Tag, als sie den Gegen- nand des Gesprächs zwischen Reichstagsabgeordneten verschiedener Parteien bildete. Ueberdies ist die Aeußerung, ihrem ganzen Inhalt nach, nicht darnach apgethan, als eine rein vertrauliche aufgefaßt zu werden. Wäre irgend etwas persönlich Verletzendes, oder sonst etwas, dessen Veröffentlichung Undelikat erscheinen könnte, darin gewesen, so würde ich mich selbstver- standlich zu diskretem Schweigen verpflichtet gehalten haben; wie ich Heng seinerzeit nicht anstand, eine den Abgeordneten Rickert betreffende laliz in einem bayrischen Blatt als indiskret zu mißbilligen. Was die Drohung des Herrn Richter angeht, den sozialdemokratischen . Abgeordneten das Hospitiren auf unbesetzten Bänken der Fortschritts- „ tt.atte' Zu verbieten, so erklärt sie sich nur aus der Thatsache, daß Herr »tichter sich selber für die Fortschrittspartei hält(„die Fortschritts- Partei, das bin ich") und demgemäß in dem Glauben befangen ist, die lsttitglieder seiner Partei seien ebenso große Rüpel wie er selber. — s. In Bezug auf den von der Reichsregierung geplanten N o r d- O sts e e- K a n a l hat die sozialdemokratische Fraktion sich im Prinzip für die Bewilligung entschieden, da es stch hier um ein K u l t u r w e r k handelt, das in ähnlichem, wenn auch mcht gleich hohem Maße für den Weltverkehr nöthig ist, wie der Suez- Und der Panama-Kanal, und dessen Erbauung namentlich im Interesse Deutschlands liegt. Der Nord Ostsee-Kanalplan hat eine lange Borge- Schichte. Auf der einen Seite die Jntriguen Rußlands, das den deutschen ■pstseehandel und überhaupt die maritime Entwicklung Deutschlands durch Pen Sund, diese„Dardanellen des Nordens", lahm legen wollte; auf per andern Seite die Erbärmlichkeit der deutschen Regierungen, nament- "ch der preußischen, die Preußen ja stets nur als ein Anhängsel Ruß- «mds betrachtete,— so ward Menschen alter hindurch dieser durch die dringendsten Interessen gebotene Bau verhindert. Daß die preußische "egierung jetzt aus militärischen Gründen an die Verwirklichung geht, kann für uns keine Veranlassung sein, dem Projekt prinzipiell Endlich gegenüberzutreten. Das Militärische vom Wirthschaftlichen und Handelspolitischen zu trennen, wird allerdings nothwendig sein; ein Weg wird sich aber finden. Nnd ferner muß dahin gewirkt werden, daß die «ei dem Kanalbau zu beschäftigenden Arbeiter nicht zu Hungerlöhnen pefchästigt und durch die Konkurrenz billigerer„ausländischer" Arbeits- stiiste herabgedrückt werden. Nicht daß von einem Verbot„auslän- discher" Arbeiter die Rede sein könnte! Das hieße dem internationalen �harakter unserer Partei ins Gesicht schlagen. Was wir Deutsche gegen pst polnischen, schwedischen und italienischen Arbeiter einwenden können, p»s kann von den Franzosen, Engländern und Amerikanern gegen die "eutschen Arbeiter eingewandt werden— nämlich, daß sie eine Niedrigere Lebenshaltung haben und mit niedrigeren Löhnen vorlieb nehmen, als die Einheimischen. Was wir aber jhnn müssen und thun werden, ist: darauf zu bestehen, daß mindestens p'e in Schleswig-Holstein üblichen Löhne gezahlt werden; nicht, w>- z. B. bei den jetzigen Bauten in Bremen, die Hälfte blos des pprt— in Bremen— üblichen Lohnes. Grüi» at jetz) findig gleich- r und izittt- edach) m der nächs) it an' -vere» it die it die abeii! Sozia- feine iolizei is in l i ch er. s» nicht -lizei- >chatz, ; auf •ifelfi! mpli- deni ihmeruft! adig! ozial- esfen, hnen. sein, -nten urch- s) in cden. folg: listen vor , die vird. lssen, iatur doch imt- Herr nnft- men, chüg- nden eben aber das ordnetenversammlung sind die Kandidaten unserer Genossen unterlegen. Die Zahl der für sie abgegebenen Stimmen ist zwar bedeu- tend gestiegen— von 289, bezw. 478 auf 469 bezw. 616, die Vermehrung hat aber nicht ausgereicht, die Gegner, die alle Macht und allen Einfluß aufboten, aus dem Felde zu schlagen. Die Stichwahl im achten Kommunalwahlbezirk hat mit der Niederlage des-Antisemitenhäuptlings P i ck e n b a ch geendet, und zwar dadurch, daß von den 260 Wählern, die im ersten Wahlgang für den Arbeiter- kandidaten Nöske gestimmt hatten, bei der Stichwahl 112 für den Fort- schrittler Vortmann stimmten. Interessant ist auch diesmal die B e r u f s st a t i st i k der Wähler dieses hart umstrittenen Bezirks. Es stimmten: konservativ- antisemitisch WD,. fortschrittlich Staatliche Beamte, penstonirte Militärs ic. 724 55 Sonstige Wähler 318 1116 Diese 721 königliche Beamte wurden zum großen Theil auf Grund des kaiserlich-königtichen Erlasses, daß die Beamten„Meine Politik" zu unterstützen haben, zur Wahl(dieselbe ist öffentlich) gepreßt. Dagegen stimmten von den Handwerkern, als deren Vertreter sich die Herren Rückschrittler stets aufzuspielen pflegen, 246 fortschrittlich und nur 51 antisemitisch, von Arbeitern und Gesellen 346 fortschrittlich und 99 anti- semitisch. Und daß von diesen 51 Handwerkern und 91„Gesellen" eben- falls ein großer Theil per Muß, das heißt mit Rücksicht aus Kundschaft und Prinzipal reaktionär stimmten, bedarf gar keiner Frage. Doch ge- bietet die Unparteilichkeit, zu konstatiren, daß auch die fortschrittlichen Stimmen nicht so ganz reinlich und zweifelsohne sind. Daß z. B. nur ein einziger städischer Beamter und kein einziger Kommunal-Schullehrer antisortschrittlich stimmte, dürfte doch wohl der Rücksicht auf die Regie- rung im rothen Haus zu Berlin zuzuschreiben sein. Wir haben bei dieser Gelegenheit eine kleine Abrechnung mit der Berliner„Volkszeitung" zu halten. Dieselbe legre unsere Notiz in Nr. 49 dieses Blattes so aus, als hätten wir uns die Ausführungen des Ge- »offen Hasencleoer in der bekannten Wählerversammlung in dem Sinne zu eigen gemacht, daß wir, entgegen dem Beschluß des Berliner Arbeiter- Wahlkomites, ein Eintreten für den Fortschrittler befürworteten. Wir stimmen zwar im Prinzip mit den Ausführungen Hasencleoer's durchaus überein, konnten uns aber nicht das Recht zusprechen, von hier aus gegen einen Beschluß zu polemisiren, der, welche Motive immer für für ihn entscheidend gewesen mögen, in keinem Gegensatz zu unserem Programm und unseren Kongreßbeschlüssen steht. Wir haben lediglich über die Sache r e f e r i r t, und das hätte der„Volksztg.", die unser Blatt so aufmerksam liest, nicht entgehen sollen. Die Sache ist ja ziem- lich geringfügig, es liegt uns indeß daran, keinerlei Mißverständniß auf- kommen zu lassen über unser Verhalten in solchen und ähnlichen Fällen. — Zum Rechenschaftsbericht der sächsischen Regie rung über die Handhabung des kleinen Belagerungszustand in Leipzig und Umgegend schreiben uns dortige Genossen: Dieser Bericht scheint nach den Auszügen, welche die hiesigen Orb- nungsbläiter veröffentlichen, ein wahres Unikum zu sein. Man höre und staune.„Nach der amtlichen Zusammenstellung der Ergebnisse der Reichstagswahlen ist die Anzahl der für den sozialdemokratischen Kandidaten abgegebenen Stimmen Leipzig-Stadt von den 5822 Stimmen im Jahre 1878 auf 3676 im Jahre 1884, im Wahlkreise Leipzig Land von 11,252 auf 15233 gestiegen. Aehnliche Erscheinungen liegen auf dem Gebiete des Vereinswesens vor. Neben den Fachoereinen, die sich zu geschlossenen Verbindungen mancher Gewerbszweige ausgebildet haben, besteht zu Leipzig allen Vermuthungen nach(!) eine geheime, auf einer Eintheilung des dortigen Gebietes in fünf Bezirke beruhenden Organi- sation der Partei. Wenn die Partei neuerdings eine maßvollere(?) und extremere(?) Strömung gezeigt hat, so liege» bezüglich Leipzigs Anzeichen vor, daß dort grade diejenige Richtung einflußreiche Anhänger besitzt, welche ihre Ziele durch Mittel der Gewalt zu erreichen trachtet. Neuer- dings ist eine Verschärfung der Sachlage durch die Wahrnehmung ent- standen, daß von den revolutionären(au!) und anarchistischen(au! au!) Elementen direkte Ziele ins Auge gefaßt werden, und dadurch zur Zeit der Verhandlung des Hochverrathsprozesses gegen Reinsdorf und Genossen dle Sicherheit des Reichsgerichts und seiner Mitglieder mit un- mittelbaren Gefahren bedroht gewesen ist." Soweit der, mit Ausnahme des ersten Punktes, unser» Zuwachs be- treffend, aus lauter Lügen zusammengesetzte Rechenschaftsbericht. Wahr ist es und bleibt es, daß trotz Ausnahmegesetz und des beliebten„Kleinen" unsere Partei von Jahr zu Jahr wächst. Kaum zu begreifen ist es daher, daß man dies grade als Grund anzuführen wagt, um die Verlängerung des„Kleinen" zu rechtfertigen. Müßten sich nicht die Regierungen, spe ziell die sächsische, sagen, das Ausnahmegesetz ist zu nichts nütze? O ja! eine Wirkung hat es doch, und zwar die, daß die jüngere Generatton als Richter austreten wird, um die S ch m a ch z u r ä ch e n, die man ihren, für das Wohl der Arbeiter geopferten Vätern angethan hat. Wie viel Thränen werden am kommenden Feste fließen, wenn die Familie um den ärmlichen Christbaum sitzt und ihren Ernährer nicht unter sich hat, welcher durch das„famose" Gesetz gewaltsam von seinen Lieben getrennt ist. Glauben die Herren vielleicht, dadurch den Nachwuchs gefügiger zu machen? Ferner führt man die stch immer mehr organisirenden Gewerkschaften an. Natürlich haben die Herren Bourgeois allen Respekt vor denselben, darum Unterdrückung, ehe die Frucht reif ist. Und nun gar die geheime Verbindung, von der der Rechenschaftsbericht spricht, auf Grund von— Bermuthungen! Vor der Findigkeit der hiest- gen Polizei haben wir allen Respekt, und sollte eine Verbindung bestehen, so hätte sie sie gewiß schon längst aufgespürt. Aber alle Mühe ist ver- gebens, denn es ist schwer, einen Menschen im Wasser zu suchen, wenn er nicht vorher hineingesprungen ist. Eine Verbindung besteht ab- solut nicht, denn wir brauchen sie nicht. Und ebenso steht es mit der Behauptung, daß diese Partei einflußreiche Anhänger besitzt, welche ihre Ziele durch Mittel der Gewalt erreichen will. Lüge, und abermals Lüge, nur elendes Machwerk der Herren Polizeiorgane, denn Niemand wird hier behaupten können, daß wir mit Gewalt auftreten; man gestattet uns ja nicht einmal Versammlungen oder wenn es uns wirklich mit einer glückt, so hat der Verlauf der Versammlang, in der Biereck referirte, gezeigt, wer die Personen sind, die Gewalt anwenden. Alles, was an- geführt ist, fällt auf die Macher des Rechenschaftsberichts zurück. Zum Üeberfluß hängt man uns sogar noch den Anarchisten an die Rockschöße und erzählt Märchen von der Gefahrdrohung des Reichsgerichts und seiner Mitglieder. Aber, ihr Herren, ihr verrechnet euch stark. Die Ar- beiter und eine große Anzahl Elemente aus den übrigen Gesellschasts- kreisen lassen sich nicht mehr gruselig machen. An dem gesunden Menschen- verstand derer, die überhaupt denken können und denken wollen, prallt euer elendes Machwerk ab. Gebt euch daher gar nicht erst die Mühe, solche famose Berichte zusammenzubrauen. Wir kommen, wie ihr seht' mit und ohne euer Polizeigesetz doch naturnothwendig an unser Ziel. V e r i t a s. Aus Sonne- ivat- zur ieder ion, um- intet icher und :ein. :edt- di« Ein Muster-Eigenthumsheiliger. berg in Thüringen schreibt man uns: Heilig ist das Eigenthum— so lautet das Motto, unter dem man gegen uns böse Sozialdemokraten, die Alles theilen wollen, zu Felde zieht, und heilig ist das Gesetz, vor ihm sind wir alle gleich, so lautet das Wiegenlied, mit dem man das dumme Volk in den Schlaf lullt. Wie heilig aber das Eigenthum ist, und wie gleich wir alle vor dem Gesetz sind, das hat uns neuerdings wieder ein Vorfall gezeigt, der sich in unserem gesegneten Lande zugetragen, und der werth ist, im Partei- organ zur weiteren Kenntniß gebracht zu werden. Seit Jnkraftreten der neuen Gerichtsverfassung(1. Oktober 1879) fungirte hier bis vor Kurzem als Gerichtsvollzieher ein gewisser G. A. Breitung, ein wahrer Musterpatriot. Schon vor einigen Jahren munkelte man von Veruntreungen im Amte, aber es blieb beim Munkeln, bis endlich vor nicht langer Zeit Breitung plötzlich vom Dienst fufpen- dirt, fein Bureau unter Gerichtsstegel gelegt und er selbst einige Tage --------:n)jag Landgerichtsgefängniß in Untersuchungshast abgeführt Dieser Bluthund und Volksaussauger war also hinter Schloß und Riegel, hätte man meinen sollen, aber— der Mensch denkt und die Behörde lenkt; kaum waren 14 Tage verflossen, so wurde Breitung aus der Haft entlassen, nicht etwa weil man ihn schuldlos befunden hätte, fondern gegen Kaution. Und worin bestand diese? Ein paar werthlose Hypothekenbriefe auf ein von ihm erpreßtes,■- «-...»SU«».»-"'--! d-,-- 8au«mgut"hÄ'l« Hallunke so die Staatsanwaltschaft genasführt hatte, verschwand er plötzlich über Land und Meer auf Nimmerwiedersehen. Dieser Vampyr hat in den ersten zwei Jahren seiner Amtsthätigkeit als Gerichtsvollzieher in Sonneberg und Umgegend, wo er ein gutes Feld der Ausbeutung gewonnen hatte(denn die Gerichtsvollzieher sind hier eine Landplage wie die Heuschrecken), man höre und staune 25,000 Mark, sage und schreibe: fünfundzwanzigtausend Mark ver- dient, oder richtiger gesagt, vom armen Volk gestohlen und er- preßt. Jetzt, da dieser Staats- und Gesellschaftsbetrüger nunmehr daS Weite gesucht hat, sind die Handlanger Puttkanier's so weise und erlassen einen Steckbrief hinter ihm(na, vielleicht ist es nicht so gemeint, es ist wahr- scheinlich nur der Form wegen), den sie soeben noch fest und sicher hinter Schloß und Riegel hatten. Konnten sie die Kaution nicht besser prüfen? Oder sollten die Leute Recht haben, die da behaupten, ein Staatsanwalt oder Untersuchungsrichter könne freilich nicht direkt sagen: „Reiß aus!"— aber die Kautionsbewilligung sei ein Wink mit dem Scheunenthor gewesen. Das Sprichwort sagt: „Die Nürnberger henken Keinen, Sie hätten Einen denn!" Diesen jedoch hatten die— Sonneberger, sie hängten ihn aber erst recht nicht. Das sind also die Herren, die die Gesetze handhaben. Da wird so ein Hallunke inhaftirt und dann ihm die Gelegenheit geboten, daS Weite zu suchen. Wahrscheinlich fürchteten sich feine Vorgesetzten, daß er Enthül- lungen machen würde, welche sie kompromittiren könnten, und sonach mußte Breitung das Weite suchen, denn— eine Krähe hackt der andern die Augen nicht aus. Als Breitung in seiner Amtsthätigkeit zur Zeit der Reichstagswahlen 1884 in verschiedene Ortschaften seines Bezirkes kam, äußerte sich dieser Wicht oommo il kaut, als er in mehreren Häusern die„Thüringer Waldpost" erblickte:„Merkt's Euch, JhrSozialisten-Ge- {ellschaft, Euch mache ich noch zahm"....„Ihr leset die„ W a l d p o st", Euch will ich kirre machen!" Und dieser Blutsauger, dem jetzt das Handwerk gelegt ist, hatte schon damals sehr große schwarze Flecken in seiner Vergangenheit. Trotzdem stellte ihn die heilige Jury Deutschlands als Exekutiobeamten an! Eine honette Gesellschaft, die solche Säulen zur Stütze braucht l Ludergeruch I Ludergeruch! — Eine Parlamentsgans. Daß die GanS ein nützliches Thier ist, weiß jede Hausfrau; und daß die Gänie, abgesehen von ihrer Schinackhaftigkeit als Genußmittel, das römische Kapital durch ihr Schnattern gerettet haben, weiß jeder Schulknabe. Daß eS außer den Gänsen des Kapitals und den Martinsgänsen auch Parlamentsgänse, »«hte, in Parlamenten sitzende und schnatternde Gänse gibt, das dürste unseren Lesern neu sein. Es ist aber wahr. Man lese nur die Reichs- tagskorrespondenz im Stuttgarter„Beobachter", Organ der schwäbischen Volkspartei, vom 15. Dezember des Jahres 1885. Da heihts wörtlich: Auf diesen Redner(Marquardsen) folgte dann der im Reichstag sogenannte(sie) Mayer(Württemberg), dessen Rede dem„Beobachter" in einem besonderen Briefumschlag zugegangen ist. Nach Mayer sollte noch Hänel kommen— nach der Gans der Schwan.—— Also der„sogenannte Mayer" eine„Gans"; und ein Zweifel ist uns nicht gestattet, da der Verfasser der Korrespondenz des„Beobachter" Niemand anders ist, als Herr Mayer selbst. Und der„sogenannte Mayer" muß es doch am Besten wissen, wer und was er ist. — Italien. Die hauptsächlichsten Beschlüsse des Ar- beiterkongresses in Mantua, dessen wir in voriger Nummer erwähnten, sind: 1) Prinzipien- Erklärung: Die am Kongreß theilnehmenden Sektionen der Lombardischen Arbeiter- Federation(bisher Selbsthilfler!): Nachdem sie über die Grundsätze und das Wesen der Italienischen Arbeiterpartei aufgeklärt sind: in Erwägung, daß nur die Vereinigung der Arbeiter aller Berufs- zweige im Namen des Rechts auf Existenz die Arbeiter auf den Weg ihrer Emanzipation führen kann; in Erwägung, daß die italienischen Arbeiter unabhängig von jeder anderen Partei für ihre Rechte kämpfen müssen; beschließen die Verschmelzung beider Federationen auf der Bafis des Statuts der Arbeiterpartei und gehen zur Berathung der einzelnen Punkte über— sie machen es den am Kongreß theilnehmenden Dele- girten zur Pflicht, die Prinzipien des Widerstandes und der Emanzipation in ihren Vereinen zu verbreiten.(Einstimmig ange- nommen, mit Ausnahme der Stimm- Enthaltung zweier Delegirten.) Das Resultat dieser Abstimmung, schreibt das„Fascio Operajo", ward mit einer begeisterten Ovation entgegengenommen: der Saal bot einen feierlichen Anblick dar, die Mienen der Proletarier strahlten Hoffnung und Freude. Es lebe die italienische Arbeiterpartei l 2) Politisches Verhalten.„Die Italienische Arbeiterpartei steht allen politischen und religiösen Parteien fremd gegenüber, und nimmt an den politischen Kämpfen als Klasse Theil, die selbstständig nach ihrer Emanzipation strebt." Interessant ist folgender Zwischenfall. Zwei Delegirte drücken das Bedenken aus, daß viele der(selbsthilflerischen) Unterstützungsvereine Ehrenmitglieder sc. aus den Kreisen der Bourgeoisie haben, die sich der Arbeiterpartei nicht anschließen können, woraus ihnen der Dele- girte Lazz ari unter allgemeinem Beifall antwortet, diese Vereine mögen es machen wie die Goldarbeiter in Alessandria(Pieinont), die in einer denkwürdigen Sitzung allen ihren„Ehren"-,„wohlverdienten" ». f. w. Mitgliedern den Abschied gegeben und das soziale Banner ent- faltet hat, und so vom ServiliSmus zur Fahne der Emanzipation vorgeschritten ist. 3) Mit Bezug auf die Frage der Wanderunterstützung schließt sich der Kongreß einstimmig einer Resolution des Vereins„Die Söhne der Romagna in London" zu Gunsten der Organisirung einer solchen an und beauftragt das Parteikomite, einen diesbezüglichen Entwurf aus- zuarbeiten. 4) Der Kongreß anerkennt den relativen Nutzen gewerblicher Schiedsgerich te. 5) Stellung zur G efängnißarbeit. Der Delegirte Lazzari antwortet den Delegirten, welche die be- kannten Klagen über die Gesängnißarbeit vorbringen, er finde, daß, welcher Art die Gesängnißarbeit sei, sie stets der freien Arbeit Konkur- renz mache und daß, wenn die Prinzipale die Arbeiter anstacheln, sich mit dieser Frage zu beschästigen, sie dies aus guter Berechnung thun. Nach ihm besteht das einzige Mittel, zu dem man greifen soll, im Widerstand gegen die Unternehmer der durch die Gefängnißkonkurrenz geschädigten Industrien, um die Unternehmer, die schließlich mit der Regierung ein Herz und eine Seele sind, zu zwingen, eine radikale Reform des Systems der Gesängnißarbeit in die Hand zu nehmen. Der Kongreß beschließt in diesem Sinn. 6) Frage der Arbeitslosigkeit. Resolution: Der Kongreß betrachtet die Arbeitslosigkeit als eine Folge der gegenwärtigen kapttalistischen Produktionsweise und hält dafür, daß die Frage nur gelöst werden kann mit der vollständigen Emanzipation der Arbeiter dadurch, daß das Kapital, Grund und Boden und Arbeits- Instrumente, gemeinsames Eigenthum der Arbeiter werden; als prak- tischeS Mittel der Abhilfe betrachtet er die von den organisirten Arbeitern geforderte Herabsetzung der Arbeitszeit und die Abschaf- fung der Akkordarbeit. 7) Haftpflicht bei Unfällen. Resolution: Der Kongreß, überzeugt, daß nur die Widerstandsorgani- sation die Rechte des Arbeiters schützen kann; daß die gewerblichen Schiedsgerichte geeignet sind, bei Unfällen zu entscheiden, spricht sich wiederholt für die Nothwendigkeit aus, die Widerstandsorganisation zu fördern, um den Industriellen, Kapitalisten und Eigenthümern die abso- lute Haftpflicht für Arbeitsunfälle aufzuerlegen, und beauftragt das Komite, die nöthigen Vorarbeiten für die Realisirung dieser Forderung der Arbeiterklasse in die Hand zu nehmen; 8) Zur Landarbeiterfrage. An den Berathungen nehmen verschiedene Delegirte von Landarbeiter- Vereinen aus dem Mantuanischen Theil. Resolution: In Erwägung, daß die Landarbeiterkrise nur die Folge ist der ökonomischen Abhängigkeit der Landarbeiter von den Grund« besitzern, hält der Kongreß für die einzige Lösung die Forderung des Ge- meineigenthums an Grund und Boden; er erklärt, daß ihre Sache und die der übrigen Arbeiter eine und dieselbe sei, und beaustragt das Zen- tralkomite, sich mit allen Landarbeitervereinen in Verbindung zu setzen, um den Widerstand auf dem Lande zu säen und zu organisiren, behufs moralischer und materieller Besserstellung und Einführung eines Lohn- Tarifs für Landarbeiter, soirie eine Agitation einzuleiten dafür, daß die Gemeindegüter den Arbeiterfamilien überlassen werden, und Agitation»- komites zu errichten, die in steter Korrespondenz mit dem Zentralkomite stehen sollen. g) Diäten für Arbeitervertreter. Resolution: Da die Betheiligung an den politischen Wahlen zugelassen ist, wird es für nothwendig erklärt, daß die Arbeiterpartei die Arbeiter- Vertreter entschädige, ohne etwas von der Regierung zu verlangen. 10) P r o du k t i v- A s s o z i a t i o n e n. Resolution: Der Kongreß anerkennt im Prinzip die Nützlichkeit von Produktiv-Assoziationen in den Industrien, die ein Bedürfniß nach solchen empfinden, vorausgesetzt daß dieselben von den Organisationen der betreffen- den Branche überwacht werden und auf dein Prinzip der allgemeinen Eman- zipation aller Arbeiter errichtet sind."— Dies die wesentlichsten Beschlüsse des Kongresses, auf dem, wie schon erwähnt, 132 Arbeitervereine durch 99 Delegirte oertreten waren. Eine Würdigung derselben im Einzelnen würde zu weit führen, wir machen daher nur im Allgemeinen darauf aufmerksam, wie sorgfältig, wir möchten beinahe sagen ängstlich, jeder direkte Appell an Regierung und Gesetzgebung möglichst vermieden wurde. Es erklärt sich das aus der historischen Entwicklung sowohl der Arbeiterpartei, als auch der politischen Parteien Italiens überhaupt. Von der ehemaligen anarchisti- schen Agitation ist noch ein Rest in den Köpfen sitzen geblieben, und nach unserem Dasürhalten nicht der schlechteste. Selbst wer theoretisch mit einzelnen Beschlüssen nicht übereinstimmt, den muß das trotzige Selbstgefühl, welches sich in ihnen ausspricht, äußerst wohlthuend be- rühren. Korrespondenzen Leipzig, im Dezember.„Der ist besorgt und aufgehoben, der Herr wird seinen Diener loben," so dachte der neugebackene Pfaffe von Plagwitz, als er durch einen Eid, Marke Stöcker, einem uns völlig fernstehenden Manne zu sieben Tagen Gefängniß verholfen hatte. Der Sachverhalt war folgender: Im Juli dieses Jahrs begleiteten wir die Ueberreste unseres Genossen Börve zum Fried- Hofe. Trotzdem das Begräbniß Wochentags stattfand, hatten sich etwa 200 Genossen eingesunden. Natürlich fehlte es nicht an den üblichen Kränzen, und da Börve sich für unsere Interessen thätig gezeigt hatte, blieben ihm auch die„rothen Schleifen" nicht vorenthalten. Wir gelang- ten unbehelligt bis zum Grabe; ein Genosse hielt, da der„Seelsorger" nicht zur Stelle, die Grabrede. Auf diesen Augenblick schien man ge> wartet zu haben, denn wie ein Truthahn, der kein„Roth" sehen kann, kam der würdige Herr in Begleitung eines behelmten Engels heran- gelaufen, und verlangte stürmisch zu wissen, wer gesprochen. Dabei ver- gaß er ganz seinen himmlischen Beruf es fehlte ihm nur noch die Blech- kappe und er hätte den schönsten Wachtmeister abgegeben. Eine Antwort erhielt er nicht. In seiner blinden Wuth ließ er nun einige Personen verhasten. So ernst die Situation war, konnten wir uns eines Lachens doch nicht enthalten. Die Folge davon war, daß drei Personen auf Grund eines aus der Rumpelkammer hervorgeholten Gesetzes von anno 1849, wonach das Tragen revolutionärer Abzeichen srothe Schleifen) verboten ist, zu 7 bczw. 5 Tagen Gefängniß bestraft wurden. Daß man auch Unschuldige bestrafte, kümmerte die Herren nicht. Hatten sie doch auf Grund des Eides des sehr ehrwürdigen Herrn und seiner Helfers- Helferin, der Leichenfrau,„Recht" gesprochen. Und daß ein Seelsorger falsch schwören sollte— beim Stöcker! das ist noch nie dagewesen. Das Schönste an der ganzen Sache ist, daß einer der Verurtheilten, Marschner ist sein Name, wie zwei Zeugen eidlich besiätigten, an dem Tage gar nicht bei dem Begräbniß gewesen ist, sondern auf die bloße Aussage des Herrn Pfarrer als Theilnehmer angeklagt wurde: er glaube bestimmt, daß Marschner auch mit dabei war. Ueber einen Pfaffeneid geht eben nichts. Natürlich hat der Mann Revision eingelegt. Wir wollen hier abbrechen, und da wir einmal in Plagwitz sind, gleich einmal unserer Polizei gedenken. Besonders verdient der unter der Spitz marke„Lokal-Pascha" bekannte Wachtmeister„Brüstet" hervorgehoben zu werden. Von Reichenbach hierher versetzt, betrachtet er sich immer noch als Wachtmeister, und wie er seine Rekruten„gestrützt" hatte, wenn sie ihm seimn Fettbauch nicht gehörig in Ordnung hielten, macht er es hier mit den Gastwirthen. Wehe dem Wirthe, bei dem er nicht gehörig be— dient wird, bei der geringsten Gelegenheit wird er unbarmherzig angezeigt. Andern dagegen, bei denen er mehr Aufmerksamkeit und vor allem Liebe findet � sein empsängliches Gemüth hat ihm allgemeinste Verehrung zugezogen— erweist er sich voll christlicher Nachsicht. Ist es unter diesen Umständen zu verwundern, wenn der Respekt den noch einige Leute fwir natürlich haben ihn schon lange nicht mehr) vor der Polizei haben, verloren geht? Wir könnten noch die Geschichte von der „gefundenen Gans" erzählen, aber der Raum des Organs ist zu kostbar, uni solchen Gesctzeshütern zu viel desselben zu widmen. Es ist nicht Plagwitz allein, welches dergleichen Ehrenmänner beher- bergt, schon das benachbarte Connewitz kann sich mit ihm messen. Hier herrscht die Willkür der Herren von der Polizei in unerhörtester Weise. Wir wollen jedoch heute nicht darauf eingehen, sondern uns in einem der nächsten Artikel damit befassen. Die Herren mögen sich also danach richten. Wie auf den Dörfern, so»st es auch natürlich in der Stadt. Hier hat man einmal wieder den richtigen Mann gefunden in Gestalt des Dr. Denecke. Läßt sein abstoßendes Wesen bereits auf Schroffheit und Willkür schließen, so besitzt er auch noch zum Ueberstuß einen ge- hörigen Grad von Dummheit. Dies bewies uns die kürzlich hier von zirka 3S00 Personen besuchte Volksversammlung, in der Genosse Viereck einen Vortrag hielt. Redner wurde von dem Doktor als„überwachender Polizeibehörde" des öfteren unterbrochen und zur Sache gerufen. Der Herr wußte natürlich nicht, daß ihm dies nicht zustand, sondern daß er seine Schmerzen dem Vorsitzenden anzuvertrauen hatte. Doch Ehre, dem Ehre gebührt. Er scheint nämlich ziemlich schnell begreifen zu lernen, denn nachdem er einige Zurechtweisungen erfahren, machte er es so, wie es die Versammlung wollte. Auch hat uns unser Doktorchen die Teller- sammlung und das Sammeln zu einer Bebel-Spende verboten(natürlich, Bebel ist nicht Bismarck, für den letzter» würde er es wohl gestattet haben). Es war hier nur zu bewundern, mit welcher Ruhe die Anwesenden sich dies alles gefallen ließen— nicht etwa aus Furcht vor Strafe, sondern um der Hochlöblichen keinen Vorwand zur Staatsretterei zu geben. Doktorchen sucht nur so etwas. Aber damit ist» vorderhand nichts, Herzchen! An der Arbeiterschaft Leipzigs und Umgegend prallst Du ab und wirst Dir bei Zeiten den Kopf einrennen. Und dafür gibt es dann einen Orden, nicht wahr? An Haussuchungen fehlt es natürlich auch nicht. Es ist ja bald Z-it, daß der„Kleine" erneuert werden muß, und dazu muß Stoff geschafft sein. Kürzlich war also wieder eine Hausschnüffeln; Resultat indeß leider 0. Man möchte hier gern wissen, wer der Schreiber des über unser» Knoblauch veröffentlichten Artikels ist.*) Man hat auch«inen Schutz mann verhaftet. Der arme Teufel hat natürlich von der Verfasserschaft der bösen Notiz nicht die blasse Ahnung, aber nur zugefaßt! Und wenn die ganze Schutzmannschast, Knobloch inbegriffen, arretirt würde, so er- fährt Ihr doch nichts. Adieu, Doktorchen, nächstens mehr. Weimar, Dezember. In einer letzthin abgehaltenen Zusammenkunst der Parteigenossen von hier und der Nachbarstadt Apolda wurde an- läßlich der Differenz zwischen Viereck und Liebknecht folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Parteigenossen Weimars und Apoldas verurtheilen ganz ent- schieden jede Polemik zwischen Parteigenossen in anderen Blättern als dem„Sozialdemokrat"; sie verlangen freie Meinungsäußerung für Jeden in dem Parteiorgan, unter Weglassung persönlicher Be- leidigungen." *) Der„rothe Döbler". Anmerkung des Setzers. Bei d-eser Gelegenheit sei es mir vergönnt, einige Worte über hiesige. Verhältnisse zu bringen. In unserer Duodez-Residenz, wo sich das ganze Leben und Treiben um den„Hof" dreht(wie der Tanz um das goldene Kalb), und wo Fabrik'chornsteine den„höchsten" Augen ein Greuel sind, »st von einer eigentlichen Arbeiter-Bevölkerung und infolge dessen auch -Bewegung nicht zu sprechen. So war denn auch bis zum vorigen Jahr nur ein kleiner Kreis von Genossen thätig, der indeß mit aller Zahig- keit die rothe Fahne hochhielt. Die letzte Reichstagswahl jedoch führte uns neue Kämpfer im Fluge zu(zum größten Aerger der hiesigen Fort- schrittskrebse), und obwohl sich 4 Kandidaten in die Stimmen theilten, und uns nur wenig Geldmittel zur Verfügung standen, so vereinte sich auf unfern Genossen Fr. Giertz doch die respektable Zahl von 14S2 Stimmen(im ganzen Wahlkreis). Leider liegt es mit unserer Landbevölkerung noch sehr im Argen. Schon das bloße Wort„Sozialdemokrat" hat bei ihr dieselbe Wirkung, die ein rothes Tuch bei einem Ochsen hat. Und unsere„Ordnungs". Parteien sorgen einmüthig dafür, daß solche Zustände recht lang bestehen bleiben. Natürlich, daniit sie desto sicherer den Bauernfang betreiben können. Doch beginnt es auch hie und da auf dem Lande bereits zu tagen, und wir sind nicht diejenigen, die bei dem ersten Mißerfolge die Flügel hängen lassen! Seit geraumer Zeit sind wir auch in der Lage, größere Versamm- lungen abzuhalten. Es haben hier gesprochen die Genossen Hasen- clever, Kayser, Viereck-c.; nur unserem Genossen Bock war es nicht vergönnt, über den„20,000 Mark-Direktor" ein ernstes Wort zu reden. Ebenso wurde eine Versammlung, in der Genosse R öd ig er sprechen sollte, verboten. Daß es in unserer„trauten Musenstadt" trotz der Hofatmosphäre sehr viel Armuth und Elend gibt, daß auch hier das Kleingewerbe, ein kümmerliches Dasein fristend, vom Großkapital langsam aufgezehrt wird, bedarf wohl �um der Versicherung. Haben sich doch zu einem kürzlich ausgeschriebenen einfachen Handarbeiterposten in einem hiesigen Geschäft über 50 Bewerber gemeldet. Für unser kleines Nest ein bedeut- sames Zeichen der Zeit! Noch habe ich zu berichten, daß diesen Herbst Genosse Mangner in Apolda, Dank der Rührigkeit der dortigen Genossen, in den weima- rischen Landtag, und kürzlich Genosse Giertz in den hiesigen Gemeinde- rath gewählt worden sind. Zum Schluß komme ich der traurigen Pflicht nach, den Tod eines mehrere Jahre unter uns weilenden und mit uns thätigen Genossen, des Schuhmachers Ernst Janke., mitzutheilen. Er verlor in Folge seiner Uebe.zeugungstreue die Arbeit und verließ vor mehreren Wochen Weimar, um in Bernburg ein neues Unterkommen zu finden. Dort er- eilte ihn vor Kurzem der Tod. Janke war stets, wo es galt, auf dem Posten und widmete seine Kräfte unserer Sache. Ehre seinem Andenken! Wir aber, die Ueberlebenden, stehen fest zusammen, um immerfort thätig zu sein an dem Werke der Befreiung der Unterdrückten und Ge- knechteten. Gracchus II. Heilbrottn, 10. Dezember. Auch hier hat die Arbeiterpartei einen Erfolg zu verzeichnen. Bei der am 7. d. Mts. vorgenommenen Gemeinde- -athsivahl ist unser alter und bewährter Genosse, der Schreiner Gustav K i t t l e r, mit 894 Stimmen zum Gemeinderath gewählt worden. Die Kandidatur Kittler's wurde in einer acht Tage vor der Wahl abgehal- tenen Versammlung öffentlich proklamirt. Genosse Kittler unterzog in dieser Versammlung das neue„Gemeindeangehörigkeitsgesetz" einer ver- nichtenden Kritik, wobei er den Abgeordneten der Volkspartei, die im württembergischen Landtage geschlossen sür dieses Gesetz stimmten, ganz gehörig auf den Leib rückte, und sie gleich der deuischen Partei sür Rück- schrittler erklärte, die durch Annahme diefes Gesetzes der großen Mehr- heit des arbeitenden Volkes ihr Gemeindewahlrecht entzogen hätten. Großer Applaus wurde dem Redner zu Theil, als er am Schlüsse seiner Ausführungen rief:„Fort mit dieser Mittelpartei, kommt her zur wahren Demokratie� zur' Arbeiterpartei!" Das Wahlkomite der Arbeiterpartei erließ hierauf in den hiesigen Lokalblättern verschiedene Aufrufe zu Gunsten der Kandidatur Kittler. Die Gegenparteien— näinlich die deutsche und die Volkspartei— ver- hiellen sich zunächst ganz ruhig; erst in letzter Nummer der„Neckar- Zeitung", am Samstag vor der Wahl, ließ die deutsche Partei, als „Arbeiter" maskirt, einen Schimpfartikel gegen unfern Genossen Kittler los, wobei sie der verschiedenen wohllhäiigen Anstalten: eine Krippe, Flickschule, Kleiden armer Konfirmanden k. erinnerte, in dem festen Glauben, jetzt könnten wir nicht mehr antworten. Doch: die deutsche Partei denlt, und das Arbeiterwahlkomite len't. Wir antworteten mit einem Flugblatt, worin wir diesen Herren gehörig heimleuchteten, und dies stieß dem Faß de» Boden aus. Mann an Mann, Kopf an Kops drangen die Arbeiter zum Wahllokal, und der Sieg unseres Genoffen war im Voraus schon entschieden. Die Volkspartei hat bei dieser Wahl gezeigt, daß sie uiffähig ist, noch weiter zu existiren, sie erlitt eine kom- plete Niederlage. Der Landtagsabgeordnete F e y e r a b e n d ist mit 507 Stimmen gründlich durchgeplumpst. Er, der erst vor etwa 2 Jahren gegen unfern Kandidaten, Apotheker Lutz von Stuttgart, mit 1301 St. gegen 721 zum Abgeordneten gewählt wurde, hat eine Lektion erhalten, die einem Mißtrauensvotum gleicht. Das Resultat der diesmaligen Wahl war, daß die Arbeiterpartei als die stärkste Partei dasteht. Eine moralische Niederlage hat die deutsche wie die Volkspartei erlitten, was nachstehende Zahlen beweisen: Von den gedruckten Stiminzetteln sind abgegeben worden: unverändert geändert Arbeiterpartei 329 112 Deutsche Partei 235 73 Volkspartei 50 15 u. s. w., u. s. w. Die Gegner sind verdutzt, wir aber rufen: Hoch die Sache des arbeitenden Volkes! Unser der Sieg, trotz alledem! Koblenz. Trotz der Mühe, die man sich hie� selbst von Seiten der Behörden, des Kapitals und der schwarzen Dunkelmänner gibt, die Ar- beiterbewegung mit heimlicher Tücke und offener Gewalt niederzuhalten, wird es doch immer mehr und mehr Licht in den hiesigen Arbeiter- kreisen. Die Erkenntniß dessen, was dem arbeitenden Volke nützlich und heilsam ist, schreitet zwar langsam aber sicher vorwärts. Die fortschritt- liche Entwicklung und die damit verbundene Aufklärung ist eben kein Rad, das menschliche Kräfte aufzuhalten vermögen, sondern sie ist eine weltgeschichtliche Erscheinung, die gleich einer Lawine sich unaufhaltsam Bahn bricht. Und grade die drei Faktoren: Polizei, Kapital und reli- giöser Fanatismus arbeiten unbewußt mit an dem großen Werk der Aufklärung der Massen. Die Polizei, indem sie jede Arbeitsrvereinigung niederzudrücken uud jede gewerbliche Organisation(mit Ausnahme der Innungen) zu zerstören sucht, infolge dessen die Arbeiter erst recht auf- merksam werden und ansangen, die politische Bewegung in ihrer Ent- Wicklung zu verfolgen. Das Kapital, indem es die arbeitende Klasse nach Kräften auszubeuten sucht durch Reduzirung der ohnehin auf den Hungeretat stehenden Löhne, und sie obendrein einer verächtlichen und brutalen Behandlung unterwirft wie z. B. hier in der Hof-Pianoforte- Fabrik von C. M an d, wo das Lohnabziehen systematisch betrieben wird. Der alte Mand war vor Jahren mit einem Bündel von seinem Heimat- orte Horschheim hier eingewandert, und seitdem hat er es durch Aus- beutung der menschlichen Arbeitskraft zu großem Reichthum gebracht. Sein Sohn, der jetzige Besitzer der Fabrik, tritt wacker in die Fuß- stapfen des alten Schinders ein. Die Titulirung wie Räuber und Spitzbube, und das Anbieten und Ai stheilen von Ohrfeigen, wie dies von Seiten des alten und jungen Mand geschieht, muß den Arbeiter doch endlich aufrütteln und zum Nachdenken bringen, wer denn eigentlich der Spitzbube ist. Wenn der Arbeitgeber seine Arbeiter Räuber und Spitzbuben tilulirt/fo gebührt ihm das Prädikat Räuberhauptmann, sintemalen er doch ihr Vorgesetzter ist. Auch denjenigen Arbeitern, die sich auf das himmlische Manna und die einstige Glückseligkeit im Himmel vertrösten ließen, müssen die Augen und der Verstand aufgehen, wenn sie den Heuchlern hinter die gleiß- nerische Maske schauen Diele finstere Gesellschaft sucht durch de» Hin- weis auf die jenseitige Glückseligkeit die Armen von der Erkenntniß ihrer elenden Lage abzulenken, damit das Volk in der Dummheit erhalten bleibt und sie ungestörter schon in diesem Jammertbal ein in Ueppigkeit und Wohllust schwelgendes Dasein führen können. Denn an ein zu- künstiges Leben glauben sie selbst n cht. Leider folgt die große Masse hier noch gläubig diesen Volksbe— glückern, nicht umsonst hat der deutsche Kaiser Maximilian den Rheinstrom die P s a s f e n st r a ß e ge- nannt. Doch wir wollen rastlos an der Aufklärung der Enterbten ar- beiten, damit das Volk sich der Nothwendigkeit, seiner elenden kümmer- lichen Lage ein Ende zu machen, bewußt und in nicht allzuferner der finstere Bann gebrochen wird, der heute noch aus ihm ruht. Nachruf. Am Dienstag, 8. Dezember, verschied nach viertägigem Krankenlag« unser langjähriger, treuer Parteigenosse Karl Simon, Schneider, in noch nicht vollendetem 50. Lebensjahre. Er ist einer von den wenigen der früheren Parteigenossen, weicht nach Erlaß des Sozialistengesetzes noch treu zur Fahne der Sozial' demokratie hielten. Ehre seinem Andenken! Altenburg(in Sachsen), 14. Dezember 1885. Die Parteigenossen. Briefkasten der Expedition: A. L. Fkb.: Mk. 4 30 Ab. 1. Qu. erh. � Pater Pl. Bn.: Fr. 5 5« Ab. I. Qu. A. u. S. erh.— G. Th. Bn. Mk. 4 30 Ab. I. Qu. u. Schft. erh. Sdg. abgg.— Fuchs: Mk. 200 � ä Cto. Ab. ,c. erh. Gewünschtes besorgt. Bfl. mehr.— Heinrich: Brie mit Adr. erh. u. am 21/12. beantwortet. Weiteres besorgt.— Hansen Mk. 7 7« ä Cto. Schft. gutgebr.— Leseverein Emmishofen: Mk. 1«- ä Cto. Schft. erh.— Eschwage: Mk. 23— gesammelt f. d. Dfds. dkt erh.— D. Rth. a. 2- W'tlal: Bf. v. 17.»c. erh. u. beantw.— A." H. a. N.: Mk. 4 50 Ab. I.Qu. ,c. dkd. erh.— H. O. Paris: Fr. 10 Ab. 1. Qu. 8« erh.— Wiesbaden: Mk. 20— pr. Cto. Athle. dkd erh.— Plattkopf: Mk. 5— ä Cto. erh. Weiteres bfl. wie gewünscht md 52 fort.— Appollos: Mk.«40 Ab. I. Qu. u. Schft. erh.— H. Sch Nizza: Fr. 3 40 pr. Dsds. dkd. erh.— P. W. Liöge: Fr. 4 50 Ab. 1 Qu. u. Schft. erh. Bstllg. folgt.— Fiskus v. Venedig: Fr. 5— Ab 4. Qu. erh.— F- Sty. Stockholm: Fr. 5— Ab. 1. u. 2. Qu. 8« erh Weiteres nach Wunsch besorgt.— Bamberg: Mk. 25— pr. Dfds. dkd erh.— C. K.: Mehrbstllg. folgt.— W. W. Luzern: Fr. 6 85 Ab. 1 Qu. u. Schft. erh.; Fr. 1 25 a. d.„Arbst." abgeg.— Veilchenstein Besten Dank sür Vermitteltes. Wördensehen.— K. V. München: Selbst verständlich ist Derartiges nicht unsre Sache. Deshalb weitergesandt. � I. H. Lüttich: Fr. 12— Ab. 1. Qu. erh. Sie reklamiren, daß die Fs 10— für Kopenhagen nicht korrekt quittirt seien, aber En geben heute so wenig, wie in Ihrem Brief v. 2. Sept. an, wie den« nun?„Mehr Aufmerksamkeit" erbitten Sie. Recht gern.„Gedanken leser" sind wir jedoch nicht.— L. Buenos-Aires: Adr. geordn., Austb nach K.»c. u. Schft. besorgt. Bf. v. 27/10. kam erst am 2'J 12. hier an Weiteres bfl. Gruß!— I. H.: Mk. 100— h Cto. erh. Bstllg. u. Bf folgt.— Frankfurt a/M.: Mk. 50— pr. Dfds. dkd. erh.— Zanzibar Bf. v. 28/10. am 22/12. erh. Weiteres nach Wunsch. Adr. D längst er loschen, deshalb Alles einfach an Volksbuchhandlung Hottinge« (Zch.) adressiren!— Kannibale: Geb. zu spät eingeg. Rekl. folgt gemein' schaftlich. Bfl. Näheres.— Neujahrsgrüße allseits freund- lichst erwidert! Passend als Festgeschenk! Durch Unterzeichnete ist zu beziehen: Mk. Pf. Fr.» VortvärtS! Eine Sammlung von Gedichten für das arbeitende Volk. Geb. 3 50 4 f>0 —— Prachtband mit Goldschnitt K— 45" Edelsteine deutscher Dichtung. Gebunden 1 50 2 Geib, Gedichte. Brochirt—35— 1« Herlvegh, Neue Gedichte. 4—5 Die Neue Welt. 187«. 1877 und 1378, Brochirt per Jahrgang 3— 3 7« N. Liebknecht, Josua Davidsohn 1— 1 25 W. Hasenclever, Erlebtes_ 40_ SC M. KantSky, Stefan v. Grillenhof. In Prachtband 2 50 3 A. Otto-Walster, Am Webstuhl der Zeit 2 50 3 -- Kranke Herzen 1— 1 -- Allerhand Proletarier— 55— 1« -- Eine mittelalterliche Internationale— 80 1 Wastiat-Schutze! Schon längst wurde von Seiten der Parteigenossen die Neubeschaffunj von in Deutschland vergriffenen Schriften Ferdinand Lassalle's angestrebt. Wir sind nunmehr in der Lage, das wichtigste, seb 1878 vollständig aus dem Vertrieb verschwundene und allen Denen, d« auf volkswirthschaftlichem Gebiete etwas lernen wollen, unentbehr' liche Lassalle'sche Buch: Kerr Nastiat-Schnlze von Delitzsch, der ökonomische Julian, oder Kapital und Arbeit neu zu offeriren. Preis im Buchhandel 1 Mk.— Fr. 1 25. Für Partei genossen, welche Partien zum Wiederverkauf beziehen, er" heblich billiger. Bestellungen wolle man entweder an uns direkt oder an eine de bekannten Bertrauensadreffen in Deutschland, an letztere per ein geschriebenen Brief, richten. ToiksbachbaittUanf and bpsditlon des„Sox." Bottlagen-Zürlch. Nürnberger Notizkalender. Deutscher Handwerker- und Arbeiter. Notizkalender pro 1886. Verlag von W ö r l e in& Sie., Nürnberg, ist erschienen. Inhalt wesentlich vermehrt. Gut gebunden. Preis:«5 Cts.— 60 Pf. Zu beziehen durch die Hottingen. Zürich Sonntag, 27. Dezember, auf der Bürgliterrasse Weihnachtsfeier der deutschen Sozialisten, bestehend in: Gesang, Festrede, Deklamation, Theater-Aufführung(„D a s Fest de' Handwerker") und Gaben-Verloosung. Anfang: 5 Uhr.— Entree: 40 Cts. Programme zum Preise von 30 Cts. sind vorher zu haben be> S t e i m,„Schöchlischmiede", und im„Deutschen Verein". Zu zahlreichem Besuche ladet ein � Das Festkomite. Allgemeiner Arbeiter-Berein Lausanne (früher Arbeiter-Leseclub). Das Vereinslokal befindet sich vom 15. Dezember d. I. an i» Lakö National, rne St. Laurent, 1. Stock. Der Ausschuß. «»w-it-rUai«-n-ginich-fts-Buchdruckerei h»Uingen»ZSri».