Abonnements Jetbtn 6ti all-n Ichwkijerlschk» Postbureaux, sowie beim Verlag »nd dessen bekannten Agenten '»lgegengenommen. und zwar ZUM borauS zahlbaren Vierteljahrspreiz von: 2,— stir dieSchwctz lltreuzband) D!k. 3,— stir Teutschland(Gonvert) f- 1.70 stir Oesterreich(Gouvert) Kr. 2,50 filr alle übrigen Linder dei Weltpostvereins lKreuzband) Zuseratt die dreigespaltene Petitzeile 25 Ct». 20 Psg. Der SoMemckrat Jentral-Argan der deutschen Sozialdemokratie. Erscheint wöch ent l tch einmal i» Zürich(Schweiz). Zkerkag der N»ir»buchhan>lu«g Hottlnge«> Zürich. KoSstndullgcll franko gegen franko. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz kosten Doppelporto. 3. Briese an die Redaktion und Erpedition de» in Deutschland und Oesterreich verbotenen.eozialdemokrat' wolle man unter Beobachtung° u ß« r st er B o r si ch t abgehen lassen. In der Regel schicke man uns die Bri-fe nicht d're!,. sondern an die bekannten Deckadresten. In zw-if-lhasi-n Fällen eingeschrieben. 15. Januar 1886. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Allgemeiner Unterstützungs-Fond. 3m Juli 1885 gingen weiter bei uns ein: Hirschberg i/Schl. Ml. 6 32. 3m August und September desgleichen: A. P. Ff. Ml. 5 60. S. Sch. Locle(40 Cts.)— 32. Wilhelmine a. d. Felsenthor— 80. C. Kbg. Bne. 1 10. P.-Gen. Lübeck 30 Zum Zeitvertreib des Gensdarms in Darmstadt 3 51. B. Schützenfest Inns- brück(öwfl. 1 70) 2 72. Dr. G. Zürich(Fr. 1—)— 80. Rother Gold- jchmidt in Amerika 3—. Von einem Stettiner gesammelt in Sanssouci- Potsdam 1—. Forst N. L. 150—. Sommerfeld 10—. Gesammelt im Zchles. Thale 12 50. Görlitz 15—. Rother Kaplan 1—. Jakob Sp. H. \ 60. Flensburg 5 50. L. D. D. 7—. Im Oktober liefen ein: Lodernde Flamme Mk. 2—. Dessau 9 20 von den Rothen. Kelling- htsen 5—. Spitzberg 27—. Antwerpen(Fr. 10—) 8—. G. T. Lon- tzm 1—. Küßnacht(Fr. 1—)— 80 von einigen Sauserbrüdern.— »rankeneck Pfalz 2—, Für eine Depesche an Bismarck aus Leipzig 4 45. Johannes B. 2—. K. B. Albn.— 18. Im November liefen ein: Von einigen Sauserbrüdern(Fr. 1—)— 80. Starckenburger 2—. *. d. sozialdemokrat. Frauen Frankfurts a/M. 3 90. Zürich v. W. u. F. di Revision 4—. Görlitz 2 05 f. Bfm. und 5— gesamm. R. M. Slrno. tzr. 10-) 8— Forst N.-L. 100-. R. U. G.(öwfl. 5—> 8- A. ». Palmyra('/, Doli.) 2 02. Ch. Recksiek, Palmyra('/, Doll.) 2 02. Rostock 3180. Hallunke 2—. S. Gumbinnen 10—. Int Dezember liefen ein: Jakob Sp. H. Mk.- 60. Glückstadt 1 15 Rest d. Abrechnung. Groß. Steinheim 5—„Es geht vorwärts!" Klein-Steinheim 5—„Die Alten". flühlheim a/RH. 25—. Hamburg 15 90 von der Baubude Bankstraße sir Tonnengeld. Hochstein Torrington(1 Doll.) 4 04. Lodernde Flainme Nestau 5—. A. Hz. Zch.(Fr. 1-)—80. G. B. G.- 60. Vr. W. C. 4—. Hagen i/W. 20—. Zusammen quittirt in Nr. 2: Mk. 4065 60. Desgleichen„„ 3: Mk. 6' 1 50. Mk. 4677 10. Allgem. Wahl-, Agitations-:c.-Fonds. Im Juli und August 1885 liefen weiter bei uns ein: H. B. Pontresina(Fr. 2 20) Mk. 1 76. Wilhelmine a. d. Felsenthor .2 20) 1 76. Rabatt v. Querkopf—80. Kleinzschocher und Eutritzsch .0—. Volkmarsdorf 14 20. Kopenhagen(22—) 17 60 3. Qu. P.-Btrge. «Ite Tannen 3—. Elberfeld K. 210 Uebriges. S. Sch. Locle(— 60) 4- 40. Im September gingen ein: Berlin P. Mk. 1- Rest. P. L. Paris(Fr. 2 25) 1 80. F. M. Zug (50 Cts. Zhl. pr. Mr.)— 40. Bukarest(42—) 33 60. Mainzer Sozia- listen 8—. N. H. Sch. M.— 60. C. K. Bne. 1 50. Im Oktober liefen hier ein: s B. Bukarest(Fr. 5 35) Mk. 4 28. Lausigk 3—. Frohburg 2—. Gunzenau 1 50. Neustadl Stolpen 1—. Antwerpen(2 20) 1 76 Partei. veitr. 4. Qu. Neckarspitze 1 25. Crimmitschau 100— durch St. Im November liefen hier ein: Feuerhannes Mk. 2—. Dr. H. B. B. 3—. Gotha 6—(v. rothen G-neralstab. Brüflel(Fr. 6-) 4 80 P.-Btrge. Schaffhausen(14-) 11 20 nach Beendigung des Kphgr. Streiks eingegangen. 3m Dezember liefen hier ein: � Hagen i/Westf. Mk. 30—. Sonneberg 2 10. L. S. D.— 60. I. S. Wmona(1 Doll.) 4 10. (O.) Im September liefen hier ein: Newyork(50 Doll.) Mk. 202 52„Bismarck zum Trotz und unserer Sache zu Liebe", durch R. Berggreen von Wenigman's Cig.-Shop-Ar- vettern gesammelt. Im Dezember liefen hier ein: Lübeck Mk. 30- 9. hannoverscher Wahlkreis 30— R. U. Gz. (öwfl. 5 70) 9 12. Glückstadt 1 10, von den Tischlern bei G. gesammelt am Todestage Laflalle's. Zürich(Fr. 2 80) 2 21 v. d. Schreiner-Dele- guten.Versammlung gesammelt. Wenig, aber Bismarck zum Trotz 10 Bamberg 25-. H. Sch. Nizza(3 40) 2 71. Eschwege 23—. Frankfurt am Main 50—. Kreis Offenbach a/M. 16— v. K., 7 20 v. S. Verden 60—. Gaggenau 12—. Güstrow 3—. Vom dicken Stadtrath in Gdf. 10-. Dtsch. Verein Vevey(10-) 8-. H. B. Hamburg 3—. Neu- stadt-Stolpen 4 10. Achim 20—. Zusammen quittirt in Nr. 2: Mk. 5467 74. Desgleichen„„ 3: Mk. 806 10. Mk. 6273 92. Die Sozialdemokratie und das Schnaps- Monopol. Das elende Ableugnungsspiel der Berliner Reptilien, als Hr. Eugen Richter vor mehreren Wochen gegen das drohende Schnapsmonopol Lärm schlug, hat nicht lange vorgehalten. Preußen hat beim Bundesrath den„Entwurf eines Gesetzes betreffend das Branntweinmonopol" eingebracht. Nach dem- selben bleibt nur die Herstellung des rohen Branntweins der „privaten Gewerbsthätigkeit"—„auch Ich bin ein Schnaps- brenner"— überlassen, alles Uebrige: der Bezug sämmtlichen in Deutschland hergestellten rohen Branntweins von den Her- stellern, der Bezug von Branntweinen aller Art aus dem Auslande, die Reinigung des Branntweins und dessen weitere Verarbeitung zu alkoholischen Getränken(Schnaps), sowie der weitere Berkauf von Branntweinen aller Art werden für Rechnung des Reiches von einem, dem Reichskanzler unterstellten Monopolamt betrieben, das für den Absatz im Großen„Agenten" anstellt, während mit dem Absatz im Kleinen(Detailverkauf) von den Landesregierungen„ V e r- j s ch l e i ß e r" betraut werden. Daß die Sozialdemokratie der Monopolvorlage feindlich gegenübersteht, ist so selbstverständlich, daß darüber Niemand auch nur einen Augenblick im Zweifel sein kann. Dagegen sind die Gründe, welche uns zu dieser Stellungnahme veran- lassen, nicht überall richtig dargestellt worden, wir halten es daher nicht für überflüssig, sie an dieser Stelle in kurzen Worten auseinanderzusetzen. Zunächst wiederholen wir, was erst in vorletzter Nummer dieses Blattes ausgeführt, daß der Sozialsmus, wie unsere Partei ihn versteht, keineswegs zusammenfällt mit dem Begriff der Verstaatlichung. Die Verstaatlichung kann unter bestimmten Umständen Vorarbeit für den Sozialismus sein, das heißt für die gesellschaftliche Organisation der Gütererzengung und Güterverbreitung, aber sie kann auch lediglich eine fiska- lisch e Maßregel(Salz-, Tabak- ic.-Monopol) sein oder eine Maßregel bloßer Zweckmäßigkeit ohne irgend welche Kon- sequenzen für die sonstigen gesellschaftlichen Einrichtungen(Post, Eisenbahnen ic.). Ja, sie kann sogar anti sozialistisch sein, insofern sie dem ausgesprochenen Zweck dient, die Existenz der kapitalistischen Ausbeutergesellschaft möglichst zu verlängern. Es ist also thöricht zu sagen, daß es uns schwer wird, daß es unserem Prinzip widerspricht, irgend einer Verstaatlichung, irgend einem Monopol uns zu widersetzen. Der einzige Gesichtspunkt, der bei uns als Sozialisten für Verstaatlichungen ins Gewicht fallen könnte: der der Vor arbeit für die sozialistische Gesellschaft, ist keineswegs von so ausschlaggebender Bedeutung, als man vielfach meint. Diese Vorarbeit leistet die wirthschaftliche Entwicklung der kapitalisti- schen Gesellschaft mindestens ebensogut und vor allen Dingen viel sicherer. Die paar Verstaatlichungen, welche die moderne Gesellschaft adcr die jeioeuizj.unftchlaggebenden Eleuuure der selben in ihrem Interesse vornehmen, machen den Kohl nicht fett. Der wesentliche Unterschied zwischen unserer Stellung und der der bürgerlichen Parteien gegenüber Verstaatlichungspro jekten ist der, daß wir denselben an sich unbefangener, freier gegenüberstehen als jene. Eine ganze Reihe von Momenten, die für die bürgerlichen Parteien erheblich ins Gewicht fallen, sind für uns ganz indifferent. So bringen z. B. die Zeituiigen allerhand Resolutionen gegen das Branntwein-Monopol von solchen Leuten, deren wirthschaftliche Interessen durch dasselbe geschädigt würden Wer auf dem Boden der bürgerlichen Gesellschaftsordnung steht, mag denselben Gewicht biilegen, uns lassen sie kalt. Wenn keine anderen Gründe gegen das Schnapsmonopol sprächen, als daß es einer Anzahl von Händlern, einer Anzahl von Böttchern oder Schiffern einen Einnahme-AuSfall bereitet, daun würden wir mit ruhigem Gewissen dafür stimmen. Der- artige Expropriationen bringt die Entwicklung der kapitalisti- schen Produktion tagtäglich mit sich, ohne daß sich eine Hand für die Betroffenen regte, während gerade bei den heutigen Verstaatlichungen, und dies ist auch in der Monopolvorlage vorgesehen, Entschädigung der Expropriirten stattfirdet. Sie sündigt weniger dadurch, daß sie wichtige Privatinteressen schädigt, als dadurch, daß sie gewissen Privatinteressen in un- erhöner Weise Vorschub leistet. Welchen, haben wir bereits Eingangs durchblicken lassen: den Interessen der großen Schnapsbrenner. Das Schnapsmonopol ist eine unverhüllte, unverschämte Staats Hilfe für die sogenanqte nothleidende Landwirth- schaff, d. h. für die altpreußischen V an 6 j unter. Diese Edlen, die der ganzen neudeutschen Wirthschafts(schwindel)politik ihren Stempel aufgedrückt haben, werden auch bei dem Schnaps- Monopol ihre volle Rechnung finden. Für Kartoffel- branntwein, der fast ausschließlich in den preußischen Ost- Provinzen hergestellt wird— von 23,104,3(12 Doppelzentnern Kartoffeln, die im Rechnungsjahr 1883— 84 zu Branntwein verarbeitet wurden, kamen 21,038,168 oder nahezu 95 Pro- zent auf die preußischen Ostprovinzen, 10,547,017, d. h. nahezu die Hälfte, auf die Provinzen Brandenburg und Posen allein*)— zahlt nach der Vorlage das Reich den Brennern einen Preis von nicht über 40 Mark und nicht unter 30 Mark pro Kektoliter, während der Hektoliter Branntwein jetzt exklusive Steuer 24 Mark kostet. Dieser Durchschnittspreis von 35 Mark, tnit anderen Worten: eine Preiserhöhung von 45 Prozent!— war das„Minimum", welches die Herren Brenner in der„Zeitschrift für Spiritusindustrie" als Kaufpreis für ihre gnädige Zustim- mung zum Monopol gefordert hatten. Man sieht, einem so wohlbegründeten„Lohn minimnm" gegenüber ist Bismarck *) Von 4306 Kartoffelbrennereien in Norddeutschland zahlten 2934 über 3600 Mark Branntweinsteuer; von diesen 2934 größeren Brenne- reien befinden sich 2787 in 7 preußischen Ostprovinzen und dem König- reich Sachsen. nichts weniger als schwerhörig. Die Reichsten der Reichen finden beim Monopol ihre glänzende Rechnung. Und wenn alle übrigen Gründe für dasselbe sprächen, dieser eine Grund genügte uns, es zu verwerfen. Und doch ist er der unbedeutendste. Viel wichtiger sind die politischen Gründe, die gegen das Schnapsmonopol sprechen. Einmal ist es ein Schritt weiter, die Regierung von der Volksvertretung unabhängig zu machen. Es soll ihr die Ver- fügung liefern über Hunderte von Millionen pro Jahr— man schätzt die Brutto-Einnahme aus dem Schnapsmonopol auf über 300 Millionen Mark—, und wenn wir auch von dem Heuligen Parlamentarismus noch so wenig halten, ihn zu Gunsten einer Regierung mit so absolutistischen Tendenzen wie die preußisch-deutsche, zu schwächen, wäre der größte politische Fehler, den wir begehen könnten. Denn, wie einer unserer Abgeordneten neulich im Reichstag erklärte:„wir erstreben die Parlamentsherrschast und hinter der Parlamentsherrschaft die Volksherrschaft." Zweitens aber bietet das Monopol den Bismarck und Kon- sorten die bequemste Handhabe, das politische Leben in Deutsch- land noch mehr zu korrumpiren, als es ohnehin schon der Fall. Nicht nur, daß es ein ganzes Heer von neuen Beamten schafft: die„Agenten" und„Verschleißer", bringt es Tausende und Abertausende von Gewerbtreibendcn in direkte Abhängigkeit von der Regierung. Bon den großen Schnapsbrennern nicht zu reden, die sie ohnehin auf ihrer Seite hat, hat sie alle die mittleren Landwirthe, die kleinen Brenner auf Gnade und Uu- gnade in der Hand; und von ihrer, will heißen der Polizei Gnaden hängen fürderhin v o l lst än d i g ab die schon heute arg geschuhriegelten Gastwirt he. Nach �28 des Entwurfes„kann" diesen, sowie Inhabern von Cafe'sic. von der Landespolizeibehörde„im Ein- Einvernehmen mit der Monopolverwaltung die Krlauöniß zum Ausschank von Branntwein ohne Beschränkung auf die von den Verschleißern innezuhaltenden Preise ertheilt werden." Und ebenso Kaufleuten der„flaschenweise Verkauf von Trink- branntweinen":c. Was dieses„kann" in Preußen bedeutet, braucht nicht erst gesagt zu werden. Es bedeutet vor Allem die unbe- dingte Herrschaft der Polizei über alle Gastwirthe, die ans die Kundschaft der ärmeren Bevölkerung angewiesen sind. Eine derartige Machlbefugniß ist in den Händen einer j e d e n Regierung eine Gefahr, in den Händen einer Regierung mit so autokratischen Tendenzen wie der preußischen, ist sie der Tod des politischen Lebens. Und Niemand würde von diesem politischen Druck stärker betroffen werden als die Arbeiter- k l a s s e. Alsdann hat man noch die Unverschämtheit, zu behaupten, das Schnapsmonopol werde der„Branntweinpest" ein Ende machen helfen. Elende Flausen! Die Schnapspest wird unter dem Monopol nicht nur eben so stark, sondern sogar noch stärker fortwuchern als bisher. Dafür sorgt auf der einen Seite das Interesse der Herren Schnapsbrenner und der nach Mehr-Einnahmen lüsternen Reichskasse, auf der anderen Seite die steigende Roth der Massen. Der große„Sozialreformer", der jedes Eingreifen in die Gesetzgebung zu Gunsten der Arbeitsbedingungen der Arbeiter verwirft, der die freie Bewegung der Arbeiterklasse beeinträch- tigt, wo er irgend kann, ist am letzten dazu geeignet, der Schnapspest ein Ende zu machen. Und schließlich hat sich sogar noch ein Mann gefunden, den die sonderbaren Lorbeeren des Herrn Adolph Wagner nicht schlafen ließen, und hat gemeint, aus den Erträgnissen des Schnapsmonopols werde die Regierung die Mittel nehmen zur — Altersversorgung der Arbeiter. Natürlich ist der Mann — er heißt Hans Delbrück— Professor an der Berliner Universität. Ein anderer Mensch hätte zu einer solchen Be- Häuptling gar nicht die Stirn. Allerdings, zu der Phrase vom „Patrimonium der Enterbten" hat selbst er nicht den Muth gehabt, sie ist leider gar zu anrüchig. Mitleidig, wie immer, wollen wir seiner Verlegenheit entgegenkommen und schlagen ihm als neues Schlagwort vor: Das Linsengericht der Enterbten!-- In wirthschaftlicher Beziehung ein Institut, den Armen zu nehmen und den Reichen zu geben, in politischer Beziehung ein Mittel, den polizeilichen Druck in jeder Weise zu mehren und das öffentliche Leben durch Vermehrung des Strcberthums zu vergiften; in sozialpolitischer Beziehung lediglich darauf be- rechnet, die Klassenherrschaft zu verlängern, die Position der Ausbeuterklasse gegenüber dem arbeitenden Volk zu stärken, wird das Schnapsmonopol, unter welchem Deckmantel immer man es uns anbietet, von jedem Sozialdemokraten mit äußer- ster Energie bekämpft werden. Durchgeführt, wäre es die chlimmste Schnapspest, die das deutsche Volk heimsuchen könnte. Der Warschauer Sozialisten Prozeß. Warschau, den 13./25. Dezember 1885. „In dem Prozeß gegen 23, der Theilnahme an der sozialrevolutio- nären Verbindung„Proletariat" Angeklagte ward gestern Abend der Urtheilsspruch gefällt. Die Angeklagten Friedensrichter Bardowski, Geniekapitän Lurie, Student Kunicki, Arbeiter Ossowski, Schmauß und PietrusinSki wurden zum Tode durch den Strang, von den übrigen Angeklagten 18 zu 1«jähriger„schwerer Arbeit" in den Berg- werken. 2 zu 10 Jahren 8 Monaten„schwerer Arbeit" mit lebensläng- licher Ansiedelung in Sibirien und 2 zu lebenslänglicher Deportation nach Sibirien verurtheilt." So lautet die amtliche Note, welche dem hiesigen und auswärtigen Publikum am 21. Dezember den Ausgang des großen, lange vorberei- teten Sozialistenprozesies mittheilte. So trocken-kühl sie lautet, besitzt sie für uns polnische Sozialisten eine tiefschmerzliche Bedeutung; 28 un> serer wackeren Genoffen, die im Bordertreffen der Bewegung standen, sind den ruffischen Machthabern in die Hände gefallen und von ihnen vernichtet worden. Die ruflische Despotie sucht ihre Gegner tödtlich zu treffen; sie weiß, warum es sich handelt und ist sich klar darüber, daß der Kampf, welcher zwischen ihr und dem Sozialismus geführt wird, für sie ein Kampf auf Leben und Tod ist. Sozialismus und Despotis- mus können nicht neben einander bestehen, zwischen beiden ist jedes Par- lamentiren, jede Verständigung ausgeschloffen. Dieser Charakter des in Polen und Rußland geführten Kampfes prägt sich auch in dem gefällten llrtheile aus, das trotz aller Abstufungen, die es scheinbar macht, doch alle Angeklagten gleich tödtlich trifft. Ob zum Tode, ob zur Bergwerks- arbeit, ob zu schwerer Arbeit, ob zu lebenslänglicher Deportation nach Sibirien verurtheilt, das ist gleichbedeutend mit der Verurtheilung zum Tode. Wohl mancher unserer Freunde, dem scheinbar ein günstigeres Urtheil zu Theil geworden, wird diejenigen beneiden, welchen durch die Todesstrafe eine Zukunft voll schrecklicher und endloser Qualen erspart wird, denen auch der kräftigste Mensch schließlich erliegen muß. Der oben erwähnte Charakter des Kampfes tritt auch, wie wir noch sehen werden, in dem ganzen Prozeßverfahren zu Tage, das sich in dem Gerichtssaal der Warschauer Zitadelle abspielte und auf den Namen eines strasgerichtlichen Verfahrens nur insoweit Anspruch machen kann, als ein sogenanntes Gericht den Angeklagten ein in der Haupt- fache schon in Petersburg fertig gestelltes Urtheil verkündete, und zur Motivirung deffelben sich der nichtswürdigsten Mittel bediente. Will man die Bedeutung des Warschauer Prozeffes in der Geschichte der polnischen sozialistischen Bewegung verstehen, dann muß man etwa zwei Jahre zurückgreisen. Im Sommer 1883 ward in Wilna ein ruffi- scher Sozialist, Namens Janczewski, Mitglied der Partei„Narodnaja Wolja", verhaftet. Janczewski war durch Verfolgungen und Entbeh- rungen sehr heruntergekommen. Er war krank und nervös und befand sich in einer Gemüthsverfaffung, die es den Polizeiorganen leicht machte, verschiedene Geständnisse aus ihm herauszulocken. Welcher Mittel man sich dabei bediente, den sonst so vertrauenswürdigen Mann zur Preis- gebung dieser Geheimnisse zu veranlassen, das ist unbekannt. Sie mögen furchtbar genug gewesen sein. Thatsache ist, daß Janczewski Alles, was er nur wußte, dem Staatsanwalt aussagte. Da er auch in Warschau lange Zeit für die russische Partei gearbeitet und viele Bekanntschaften unter den polnischen Sozialisten hatte,.so führte sein Verrath zu Haus suchungen und mehreren Verhaftungen, die im April 1884 stattfanden und den Keim des vorliegenden Prozesses bildeten. Inzwischen war im November 1883, leider infolge eigener Unvorsichtigkeit, ein braver Vor- kämpfe» des polnischen Sozialismus, der aus dem Krakauer Prozeß von 1373 bekannte L. W a r y n s k i, auf der Straße verhaftet worden. Ob- wohl er mit mehreren später Verhafteten in enger Verbindung gestan- den, ließen weder er noch andere Verhaftete sich zu irgend welchen Ge- ständnissen über ihre Thätigkeit in der sozialistischen Bewegung herbei. Freilich kümmern sich die russischen Gewalthaber darum nicht, ob ihr Opfer sich für schuldig bekennt oder nicht. Man kerkert einfach einen jeden Verdächtigen ein, sucht Material gegen ihn zu beschaffen, so daß man zur„innern Ueberzeugung" gelangt, er sei auch unter den Sozia- listen gewesen. Und damit hat man genügenden Grund, die Verhafteten in d.r Zitadelle sitzen zu lassen. Darauf greift man ein neues Heer Verdächtiger auf und findet dann Gelegenheit, die Einen gegen die An- dern auszuspielen und aus den Verdächtigen Schuldige zu machen. Die Spione denunzilten zahlreiche Opfer, die sich als Belastung s> Material verwerthen ließen. Außerdem fehlte es nicht an einer Menge von Flugblättern, Nummern des Parteiorgans u. f. w., um die vielen Verdächtigen anklagen zu können. Zum Unglück befanden sich unter den Verhafteten auch solche Personen, die dem Raffinement der llntersuchungsbehörde nicht gewachsen waren und unvorsichtige Aeuße- rungen machten, die später großen Schaden anrichteten. Es wurden nach Aussage des Kommandanten der Festung auf diese Weise 12 2 Personen verhaftet, mit denen man anfänglich nichts anzu- fangen wußte. Viele Verhaftete, besonders Arbeiter, wurden nur aus diesem Grunde wochenlang im Gesängniß gehalten, ohne verhört zu werden. Manche Mitglieder der terroristischen Partei„Proletariat" ließen es auch an der erforderlichen Vorsicht mangeln, und so konnte man Beweise gegen einzelne Personen häufen, andere hinzu verhasten. Die Sache verwickelte sich mit jedem Tage mehr. Einige Personen, die Protektion halten, gab man ohne Weiteres, andere gegen Bürgschaft frei, mehrere auch ohne Protektion und Kaution, weil der Staatsanwalt die innere Ueberzeugung hatte, daß sie„unschuldig" waren. So verstrich die Zeit. Leider muß man auch, wie gesagt, einige sonst tüchtige Genoffen für die ungeheuren Verluste, welche die Partei soeben erlitten, mitverantwort- lich machen, da sie Personen, die nicht genügend zuverlässig warenen ihrer abfälligen Kritik unterwirft, freier und besser regiert ien istalsdaseigeneLand. Und daß dies bei F r a n k r e i ch der ls, Fall ist, wird doch Niemand, der einen Funken demokratischer Gesinnung sie in sich hat, leugnen können. ete Daß die französische Republik die soziale Frage nicht gelost re hat, ist richtig. Aber hat Jemand, der die wirthschastlichen und sozialen >n, Verhältnisse Frank, eichs kennt, dies im Ernste erwarten können? Die re Republik ist eine Staatssorm, welche sich mit den verschiedenartigsten ich Gelellschaftszuständen verträgt, und die in einem Lande, das gleich ch Frankreich zu zwei Dritteln aus Kleinbauern, Kleinbürgern und Bour- er geois besteht, mrtNothwendigkeit einen bürgerlichen Charakter it, tragen muß. Allein ist es denn in Deutschland etwa besser? Hat die deutsche Reichs- ch Regierung etwa die soziale Frage gelöst? Ist nicht das Schaugericht, ad welches sie uns unter dem tönenden Namen„Sozialreform� auftischte, er»on den deutschen Arbeitern mit seltener Einstimmigkeit als Schwindel »n und Pfuscherei v erurtheilt worden? Wohl hat Frankreich vor» tiiufig nur den Illstündigen Normalarbeitstag, aber ist derselbe, Mangel- el hast wie er ist, nicht mehr werth als die ganze traurige„Sozialreform" et der deutschen Reichsregierung? Und haben die französischen Arbeiter es in den politischen Freiheiten, welche die Republik ihnen ge- währt, für ihren Emanzipationskampf nicht mächtige Waffen, ll welche den deutschen Arbeitern versagt sind? en Bei genauester Prüfung finden wir in Deutschland nichts, worum die französischen Arbeiter uns be- a neiden könnten; wohl aber in Frankreich sehr viel, r worum wir die französischen Arbeiter beneiden e können. Alles in Allem genommen auf dem Gebiete der Arbeiter- 8ef eh gebung uns mindestens ebenbürtig, ist Frankreich s auf dem allgemeinen politischen Gebiete und speziell in seiner inneren politischen Entwicklung uns weit voraus. Der französische n Arbeiter steht unter keinem Ausnahmegesetz, er hat unbeschränkte Orga- r nisationsfreiheit, unbeschränkte Koalitions-, Vereins- und Versammlungs- :> freiheit, unbeschränkte Preßfreiheit. Wären wir nicht froh, wenn wir ebenso gestellt wären? Wäre es nicht ein k o l o s s a l e r F orts ch ritt, a wenn die russischen Zustände, die ein rohes, halbslavisches Junker- i, thum uns aufgehalst hat, durch französische Zustände ersetzt wür- den? Mit andern Worten, wenn an die Stelle des brutalen persönlichen Regiments und der Polizeiwillkür demokratische, eines gebil- beten Volks würdige Einrichtungen träten? Wir verlangen gewiß nicht, daß man sich vor dem Fremden, weil es fremd ist, anbetend in den Staub werfe; aber aufs Schärfste müssen wir tadeln, daß man das Fremde, weil es fremd ist, angreife, und durch feindliche Kritik des Fremden das schlechtereHeimische in ein günstigeres Licht setze. Die Presse despotischer und die Presse freier Länder läßt sich aus den ersten Blick unterscheiden, wenn wir das Verhältniß betrachten, in welchem bei ihnen die Bespre- chung der auswärtigen und der inneren Politik zu einander steht. Die Presse freier Länder wird ihre Kritik hauptsächlich an der Heimat üben — die Presse despotischer Länder hauptsächlich an den fremden Ländern. Bei Besprechung des Buslands entwickelt die Presse des- potischer Länder meist einen gewaltigen Radikalismus, der von der Zahmheit, tz mit welcher die innere Politik behandelt wird, grell absticht. Bei der Presse freier Länder ist's so ziemlich umgekehrt. Die deutschen Blätter, die jetzt so tapfer aus Frankreich schimpfen, und die französische Republik bei jeder Gelegenheit unter das Sezir- Messer unerbittlicher Kritik nehmen, sollten sich nur einmal die r u s s i- s ch e n Zeitungen ansehen— sie werden in denselben vielleicht einen noch größeren Radikalismus in die Ferne entdecken. Jedenfalls wird unsere Presse dem Volk und der Freiheit einen größeren Dienst leisten, wenn sie sich diese russisch- Taktik abgeirohnt, und die Spitze ihrer Kritik vor Allem gegen die heimischen Mißstände richtet. — Radikalismus in die Ferne.„Kein ernsthafter Politiker in England gibt sich mehr dem Wahne hin, Irland sei noch durch maß- volle Konzessionen zu befriedigen. Alle Reformen, so zweckmäßig an sich sie sein mögen, kommen viel zu spat. Auf dem durch Miß- regierung von Jahrhunderten durchwühlten irischen Boden, der mit dem Blute und den Verzweislungsthränen ganzer Generationen getränkt ist, erscheinen die jetzt zu bewilligenden Erleichterungen nur noch als die Marksteine revolutionärer Siege. Das Ausrottungs- prinzip und die Politik der Gewaltherrschaft, die England gegen das besiegte Irland jederzeit zur Anwendung brachte, rächt sich jetzt furchtbar. Der in acht nacheinander folgenden Landkonfiskationen depoffedirte Kelte fordert jetzt von dem angelsächsischen Eroberer nicht allein seine nationale, politische Unabhängigkeit, sondern auch den in Beschlag genommenen Grund und Boden als sein Eigenlhum zurück. Die Landvertheilung der englischen Grundbesitzer ist die oberste Forder- ung Irlands. Damit stellt es sich auf den revolutionären Boden."..... „Kurz, der JammerJrlands über die englische Mißverwaltung schreit gen Himmel." Die Lage Irlands ist eben so verzweifelt, daß jedes Linderungsmittel jetzt nur noch der sich vorbeireitenden R e- v o l u t i o n zu Gute kommt." Welchem umstürzlerischen Blatte mögen diese Zeilen entnommen sein, bei deren Lesen jedem irischen Mondscheinritter das Herz im Leibe lachen muß? Gemach, das Blatt, das so sympathische Worte für die Revo- lutionäre des britischen Reiches hat, sind die �„Dresdener Nach- richten", eines der servilsten, speichelleckerischsten Blätter Deutschlands, das zu Hause jede Polizeibrutalität gutheißt, für Ausnahmegesetze schwärmt und nicht entrüstet genug über den revolutionären Charakter der deutschen Sozialdemokratie zetern kann. Dies ein Beispiel für das in der vorstehenden Notiz über den Aus- landsradikalismus reaktionärer Blätter Gesagte. Wir könnten derselben, käme es daraus an, tausende bringen. — Hebet unseren verstorbenen Genossen D e m m l e r wird uns�noch geschrieben; Obgleich seine Fachstudien und Berufsarbeiten ihn in hohem Maße in Anspruch nahmen, so daß er ein Baumeister im vollsten Sinne des Wortes wurde und es zu vollendeter Meisterschaft brachte, so nahm Demmler doch stets regen Antheil an den Strebungen seiner Zeit und stand stets auf Seiten der Freiheit und des Rechts und der Unter- drückten. Stets in den vordersten Reihen mitringend, ergriff er mit seinem elastischen, stets jugendsrischen Geiste jede neue Idee, und— ein konsequenter Demokrat— trat er, sobald die Demokratie sich zur Sozialdemokratie erweiterte und fortentwickelte, gleich seinem Freunde I a c o b y der jungen Sozialdemokratie bei, der er treugeblieben bis zum letzten Athemzug. Wir würden das gar nicht erwähnt haben, wenn die Gegner nicht den indezenten Versuch machten, diesen Volksmann ohne Furcht und Tadel, der bei Lebzeiten nichts mit ihnen gemein haben wollte, nach seinem Tode für sich zu reklamiren. Sie haben dabei die Frechheit, in die Welt hinaus zu lügen, Demmler sei durch die Attentate des Jahres 1878„über das wahre Wesen der Sozialdemokratie aufgeklärt worden und habe sich von ihr abgewandt." Zur Bestätigung wird angeführt, daß er nach der Auflösung des Reichs- tages vom Sommer 1878 kein Mandat mehr angenommen. Genau das Gegentheil ifi der Fall. Er sah Stürme und Kämpfe voraus, denen, wie er sich ausdrückte, nur Männer mit jugendlichem Körper gewachsen seien— und er wollte im Kampfe nicht ein Hinderniß sein, nicht Jüngeren den Weg versperren. Wenn die Attentate von 1878 ihn über irgend etwas„aufklärten", so nicht über das Wesen der Sozialdemokratie, das er fürwahr nicht erst kennen zu lernen brauchte, sondern über das Wesen unseres� herrschenden Systems, das er nicht für so niederti ächtig, und unserer herrschenden Klassen, die er nicht für so roh und ge- sinnungslos gehalten hatte. Verschmähte es der vornehme Pöhel doch nicht, ihn durch Einwerfen seiner Fenster insultiren zu wollen! In Demmler ist ein Charakter, ein treuer G e n o s s e ge- starben, eine jener seltenen Naturen, die nicht alt werden und bei denen Herz und Kopf an der richtigen Stelle sind, so daß sie in unverwüstlicher Jugendfrische den Pulsschlag der Menschheit stets fühlen, und stets mit dem Volk und für das Volk empfinden, denken und handeln. Ehre unserem braven, alten und doch stets jungen Demmler! — Die Beerdigung Demmlers fand am 6. Januar unter großartiger Betheiligung statt. Die organisirte Arbeiterschaft Schwerins, zahlreiche Deputationen von auswärts folgten in imposantem Zuge dem Sarge des Verstorbenen, auch die Bürgerschaft, in deren Mitte Demmler so lange gewirkt, versagte ihm den Tribut ihrer Anerkennung nicht— „ganz Schwerin war auf den Beinen." Zahllos waren die Kränze und Palmzweige, die zum Theil mit Widmungen, von Nah und Fern zu Ehren des Verstorbenen gespendet worden waren. Reden am Grabe waren nicht gestattet oder vielmehr, die Erlaubniß dazu, welche der Geistlichkeit unterfleht, war gar nicht erst eingeholt worden; als Genosse Auer mit einigen wenigen Worten der Thätigkeit des verstorbenen Mitstreiters gedachte, wurde er sofort von dem überwachenden Polizisten unterbrochen. Im Uebrigen verlief die Beerdigung ohne Störung. — Die schon früher einmal von uns gekennzeichnete Entenfabrik in Krakau, Spezialität Nihilisten-Märchen, setzte vorige Woche folgende Meldung in Umlauf:„Die Nihilisten haben wieder einen kühnen Streich ausgeführt. Dieselben brachen nämlich in der Nacht zum 2. dies in der Kasse des Postamts in R o st o w am Don ein und raubten viele wichtige Korrespondenzen und 13,000 Rubel Baargeld!" Obwohl die Unglaubwürdigkeit dieser Notiz auf der Hand liegt— denn woher kann, vorausgesetzt, daß der Diebstahl überhaupt stattgefunden, der edle Krakauer Reporter denn wissen, daß grade Nihilisten ihn ausgeführt?— trotz ihrer handgreiflichen Unglaubwürdigkeit, wieder- holen wir, wurde sie, mit sehr wenigen rühmlichen Ausnahmen, von der gesammten Presse des Denkervolkes unbesehen als wahr hingenommen. Trotz aller Aufklärungen über den Charakter der revolutionären Be- wegung in Rußland genügt die Erwähnung des Wortes„Nihilist", um den albernsten Ammenmärchen Vorschub zu leisten. Selbst radi/ale Blätter vergessen immer wieder, daß jede thatkräftige Opposition gegen den russischen Despotismus von ver offiziösen Journalistik als n i h i- l i st i s ch bezeichnet wird, daß dieses Wort in seiner heutigen politischen Anwendung nichts ist als ein Sammelnamen, etwa wie in Deutschland seinerzeit das Wort Reichsfeind für jeden Gegner Bismarcks. Wie es hier hieß, Bismarck ist das Reich, und daher Jeder, der Bismarck ent- gegenzutreten wagt, ein Reichsfeind, so heißt es in Rußland: der Zar ist Alles, und wer die Allmacht des Zaren bekämpft, ist ein Nihilist. Die offiziöse russische Presse hat ein Interesse daran, den Begriff dieses Wortes zusammenzuwersen mit allem, was die Spießbürgerphan- tasie Schreckliches ersinnen kann, genau wie vor und nach 1843 die Regierungsorgane in Deutschland das Wort Demokrat als Popanz ge- brauchten im Sinne der berühmten Bassermannschen Gestalten. Ihr da- bei Vorschub leisten, heißt der russischen Regierung, der Reaktion über- Haupt Vorschub leisten. Wenn die Wiener und Krakauer Lügenpresse das nicht verschmäht— durch ihre Ammenmärchen über den„N'hilis- mus" ist sie auf der andern Seite auch für gewisse Wiener anarchistische Experimente verantwortlich zu machen— so ist das ihre Sache. Blätter, die auf politische Gesinnung Anspruch machen, können nicht energisch genug gegen diesen Unfug protestiren. Die Berliner„Volkszeitung" bemerkt zu der obenerwähnten Notiz ironisch:„Wird denn in Rußland nur von Nihilisten gestohlen?" Die Frage ist gut gemeint, aber sie trifft doch nicht scharf genug. Die Nihilisten stehlen überhaupt nicht, die Post- ic. Marder sind bei den Gutgesinnten zu suchen. Das offisselle Russenthum stiehlt, das oppo- sitionelle, nach Freiheit strebende Rußland kämpft und stirbt für seine Sache, aber es entehrt sie nicht durch gemeine Diebereien. — Nationalliberale Logik. Die„Elberfelder Ztg." schreibt mit Bezug auf unsere Kritik ihrer Parteinahme für Rußland gegen England: „In dem Züricher Sozialistenorgane wird wegen einer Aeußerung der„E. Z." über den bevorstehenden Sturz Englands Alarm geschlagen. Das Blatt hat uns nicht ganz verstanden; Enzland wird in Indien gestürzt werden; geht aber Rußland nach Indien, dann ist Europa zu- gleich von der englischen und der russischen Präponderanz befreit. Im Uebrigen ist uns die Vorliebe eines sozialdemokratischen Organs für das Heimatland des Merkantilismus je nachdem gar nicht oder recht wohl verständlich. Als für den europäischen Haupthebel des Sozialismus nämlich." „Je nachdem" verstehen wir die„Elberfelder Zeitung" besser als-sie glaubt. Jh e auswärtige Politik entspricht durchaus ihrer inneren Po- litik. Sie sieht rechts absolut nichts von einer Reaktion, sondern hat nur Augen für die Gefahr von links. So macht man zu Hause für Junker und Pfaffen, in der Weltpolitik für Rußlands Pläne den Weg frei. Sitzt statt des freihändlerischen England das absolutistisch-schutz zöllnerische Rußland in Indien, dann»st Europa von der— russischen Präponderanz sUebergewicht) befreit! Aprbs cela il faut tirer)' Schelle — gegen diese Logik kommt Niemand auf. Unsere Vorliebe für England, wenn dieser Ausdruck überhaupt ange- sichts unsres internationalen Standpunktes einen Sinn hat, gilt nicht dem„Heimatland des Merkantilismus"— welch letzterer beiläufig in R u ß- land leitendes Prinzip ist und nicht in England, wo der Jn d ustri a- l i s m u s zu Hause ist, sondern dem politisch vorgeschritteneren Lande. Es ist im höchsten Grade bezeichnend für den vielberühmten deutschen„Idealismus"— daß er dafür gar kein Verständniß mehr hat, und deshalb um so absurder, wenn er noch immer von der früheren tugendhasten Erhabenheit über den Krämersinn der englisch-n Nation zehren will. War diese Erhabenheit schon früher in 99 von 100 Fällen nichts als der pharisäische Neid des pfennigwchsenden Kleinkrämers über den protzigen Großindustriellen, so ermangelt sie heute vollends jeder Berechtigung. Weit schlimmer als in irgend einem andern Lande haust der Krämersinn in Deutschland, und seine schlimmsten Träger sind just die, welche sich als die einzig berechtigten Repräsentanten des nationalen Geistes geberden. — r. Demokratisch-fortschrittlicher Byzantinis- mus. Wie tief selbst die am weitesten nach links stehende bürgerliche Opposition Deutschlands in dem Sumpf des Byzantinismus steckt, hat sich bei Gelegenheit des letzten Berlifter Hohenzollern-Rummels wieder einmal so recht deutlich gezeigt. So schrieb die„Frankfurter Zeitung" unterm L.Januar:„—Seit den Tagen des ersten Napo leon hat kein Herrscher die Welt mit dem Ruhme solcher Kriegsthaten erfüllt, wie König Wilhelm; hat kein Heer sich unter genialen Führern glänzender bewährt, als das preußische und deutsche, keines in Kamps und Sieg durch Math, Ausdauer, Mannezucht und hohen Sinn die Tüchtigkeit eines Volksheers kräftiger bethätizt, und die Ge- rechtigkeit hei cht es zu bekennen, daß König Wilhelm als Kriegsherr in allen diesen Eigenschaften dem Heer ein leuchtendes Vorbild ge- wesen ist." Nach einer verschämten Anspielung auf den Bismarck'schen Verfaflungs- bruch und auf den Bruderkrieg von 1888 fährt der Frankfurter Redak- tions-Stern in seiner dythirambischen Verzückung also fll>t:„Aber nicht klagen und anklagen wollen wir, denn zum Theil ist ja die Sühne gesch e h e n. Was der Krieg(der Bruderkrieg von 1886), der Preußen zur erste» Macht Europas erhob, geschieden hatte, das(Alles? auch Deutsch Oesterreich?) führte vier Jahre später ein anderer Krieg wieder zusammen, um es für alle Zeiten zu einigen. Nicht mehr gegeneinander gerichtet zeigten sich die deutschen Fahnen, sondern zusammen gesch mrt zur Abwehr gegen einen frevelhaften Angriff aus unsere E x i- st e n z und unsere nationale Ehre. Wie Alldeutschland den ver- blendeten Despoten niederwarf, wie es von Sieg zu Sie schritt, auch die aufgerufene Volkekrast des verzweifelten Frankreichs niederwerfend, wie es in des Feindes Hauptstadt einzog und>m Schlosse des vier- zehnten Ludwig den Besiegten den Frieden diktirte; das Alles steht in ewig leuchtenden Lettern im Buche der Geschichte verzeichnet. Und noch leuchtender der Gewinn, den die Nation aus diesen denkwürdigen Kämpfen heimbrachte, die Erfüllung des Sehnens von Jahrhunderten, die Er- lösung aus der Zerrissenheit, die nationale Ein» beit, die in demWiederaufleben des deutschenKaiser- thums und in einerNationalvertretung ihrenvollen Ausdruck fand. Fünfzehn Friedensjahre sind seitdem gefolgt, Früchte einer weisen, besonnenen Politik. Was anfänglich die Welt mit Furcht und Mißtrauen erfüllt hatte, ist gewichen und hat der Sicherheit und dem Vertrauen Platz gemacht, daß Deutschland nur den eigenen Besitz hüten und schützen, aber keinen fremden antasten will. In den Mittelpunkt der europäischen Politik gestellt, hat Deutschland daS einst von dem dritten Napoleon durch die That zur Lüge gestempelte Wort, daß das K a i s e r r e i ch der Friede sei, zu einer segensreichen Wahrheit gemacht, und es bleibt nur zu wünschen, daß sie unS bald auch den Tag bringe, an welchem Deutschland mit den anderen Staaten die schwer« Last des bewaffneten Friedens, die gleichmäßig Alle drückt, erleichtern wird. Dem Kaiser Wilhelm aber bleibt der Ruhm, wie als Kriegsheld, so auch als Friedens fürst die erste Stelle eingenommen zu haben." Dem demokratischen Zeitungs- Stern fällt dann ein, daß in der inneren Politik doch nicht Alles ganz geheuer ist, indeß er hüpft leichten Fußes über die unzeitgemäßen Skrupel hinweg:„Die Lösung (der inneren Fragen) bleibt einer glücklicheren Hand vorbehalten, und ein künftiger Herrscher wird diesen Triumph feiern."„ D a- mit"— der demokratische Zeitungs-Stern will den dynastischen Fest» Rummel nicht stören, bei Leibe nicht—„damit soll der Huldigung, die heute Preußen seinem König, Deutschland seinem Kaiser erweiset, kein Eintrag geschehen. Nicht alle Güter des Glücks häuft das Geschick au ein einziges Haupt, auch seinen Lieblingen versagt es manches Kleinod. Des Kaisers Haupt umstrahlt der Glanz des Ruhmes, das Volk sieht und verehrt in ihm den Wiederbringer der alten Herrlichkeit des deutschen Reich s." Wir fragen: Wodurch unterscheidet sich der Byzantinismus der einst republikanischen, großdeulschen, für allgemeine Volksbewaffnung schwär- inenden„Frankfurter Zeitung",„Haupiorgans der deutschen Demokratie", von dem Byzantinismus der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung"? Wodurch der demokratische Stern vom reptilisirten Pindter? Die„Volkszeitung" schreibt in ähnlichem Stile„zum Ehrentage des Kaisers". Derselbe— nämlich Wilhelm— hat die bekannten„Tropfen demokratischen Oels auf dem gesalbten Haupt",„das Schwert, das er bei Gravelotte und Sedan zog, war gehämmert, geschmiedet, geschärft in der Gedankenwerkstatt eines großen Volks,-- und so lebt heute überall, wo deutsche Herzen schlagen, der frohe Wunsch, daß ein glücklicher und heiterer Abend das redlich vollbrachte Lebenswerk Kaiser Wilhelms kröne!" Zu welchem Lebenswerk bekanntlich auch das Sozialistengesetz gehört. Uno die„Tante Voß", die in ihrem„preußischen Herzen" bisher kein höheres Idol hatte, als den„alten Fritz", hat zur Feier des Festes die Entdeckung gemacht, daß der„Heldengreis" noch ein weit größerer Mann und Monarch ist als der alte Fritz. Genug nun der Beispiele. Nur noch die Bemerkung, daß die ge- sammte Fortschrittspresse an serviler Inbrunst mit der„Volkszeitung" und der„Vossischen" wetteifert, und daß, wenn ein Blatt den Vogel bauchrutschender Niedertracht abgeschossen hat, dies die„Freisinnige Zeitung" des Herrn Eugen Richter ist. — Ein Ordnungsheld ist wieder einmal von der verdienten Strafe ereilt worden. Rittergutsbesitzer Richter aus Frohburg(in Sachsen), einer der thätigsten konservativen Agitatoren für die Wahl des Agrariers F r e g e, einer der fanatischsten Sozialistenfresser und Sozialistenverleumder, einer der eisrigsten Zeterer darüber, daß die bösen Sozialdemokraten„die Heiligkeit der Familie und Ehe" untergraben, und„die freie Liebe" einführen wollen, stand Ende des vorigen Jahres vor dem Leipziger Schwurgericht unter der Anklage, mit Km- dern Unzucht gelrieben zu haben, mußte bei der erdrückenden Wucht des Bewersmaterials schuldig befunden werden, und ist zu 1'/, Jahren Zuchthaus verurtheilt worden. Ob er sie absitzen wird, ist frei- lich die Frage. Man hat ihn gegen eine Kaution von 30,000 Mark vorläufig bis zur Erledigung der angemeldeten Kassation in Freiheit gelassen und— der Herr Rittergutsbesitzer ist ein sehr reicher Mann, dem der Verzicht auf 30,000 Mark vielleicht weniger schwer fällt als der auf 1'/, Jahre Zuchthaus. — rk. Der Reichstag begann seine Arbeiten wieder am 8. d. Mts. Die erste Sitzung brachte nur ein ziemlich lebhaftes Geplänkel anläßlich der B- schlußfassung über die Wahl H ä n e l s in Kiel. Die preußischen Verwaltungsbehörden verboten bei der letzten Wahl für jenen Kreis alle sozialdemokratischen Wahlversammlungen, blos weil sie von Sozial- demokraten ausgingen, und stellten sich dadurch auf einen dem bekannten Reichstagsbeschluß diametral entgegengesetzten Standpunkt und zwar durch alle Instanzen hindurch. Liebknecht, als Referent, mußte das scharf her» vorheben, und dies gab die Veranlassung zu dem Geplänkel. Da die Konservativen offenbar daraus ausgehen, jenen Reichstagsbeschluß rück- gängig zu machen, so werden wir demnächst wohl eine entscheidende Schlacht um diese hochwichtige Frage zu schlagen haben.— Jm19. säch- fischen Wahlkreis wird eine Neuwahl stattfinden: Ebert, der in Folge unerhörter Beeinflussungen gegen Liebknecht gewählt wurde, und dessen Wahl beanstandet war, hat es, um fatalen Erörterungen im Plenum aus dem Wege zu gehen, vorgezogen, sein Mandat nieder- zulegen. Der 19. sächsische Wahlkreis— Stollberg-Schneeberg— muß und wird von der Sozialdemokratie, der er nur unter dem Drucke des Sozialistengesetzes durch schmachvolle Praktiken entrissen werden konnte, zurückerobert werden. — Auch ein Beitrag zum Wilhelms-Jubiläum.„Es ist doch sehr auffallend", lesen wir in einem Artikel der zahmen„Mün- chener Allgemeinen", der der Rückschau auf das Jahr 188S gewidmet ist,„es ist doch sehr auffallend, daß gerade seit der Neubildung des Deutschen Reiches das deutsche Element in den Nachbarstaaten so unge- strast mißhandelt werden darf, das„soweit die deutsche Zunge klingt," scheint sich in ein„soweit der deutsche Grenzpfahl steht" verwandelt zu haben. Mit der skrupulösesten Aengstlichkeit wehrt die offiziöse Presse jede Bemerkung über di» gedrückte Lage der Deutschen in Oesterreich und in Rußland ab; es wird ihr aber schwerlich gelingen, den immer stärker Herherdringenden Schmerzensschrei zu übertäuben." Dgs klingt etwas anders als der Jubelhymnus der demokratischen „Frankfurter Zeitung". — Reichsgerichtliche Unfehlbarkeit. In dem famosen Prozeß gegen den„Hochverräther" Scupin erkannte das Reichsgericht, daß der Angeklagte sich dadurch, daß er die Packete mit dem„Rebell" zur Post gegeben, noch keiner Verbreitung schuldig gemacht habe. Sehr schön. Bor fünf Jahren aber erkannte dasselbe Reichsgericht in einer Verhandlung gegen unfern Genossen Schlüter genau im ent- gegengesetzten Sinne. Schlüter war am 2. September 1880 verhastet worden, und zwar weil er„verdächtig" war, ein Packet, in welchem sich der„Sozialdemokrat" befand, auf die Post gegeben zu haben, was nach Ansicht der Staatsanwaltschaft bereits eine Verbreitung im Sinne des Gesetzes bedeute. Am 17. November kam die Sache vor dem Land- gericht Dresden zur Verhandlung und Schlüter wurde freigespro- ch e n. Das Landgericht nahm, genau wie jetzt das Reichs- gericht, an, daß mit der Ausgabe auf die Post die Thatsache der «erbreitung nicht perfekt sei. Der Staatsanwalt erhob Revision, und siehe da— das Reichsgericht hob das freisprechende Erkenntniß auf, indem es erklärte, daß mit der Aufgabe aus die Post die Verbreitung geschehen sei und wies die Sache an dieselbe Kammer(vgl. Revision d.s Ch. mnitzer Prozesses) zurück, die somit gezwungen war, auf Grund dieses Reichsgerichlserkenntnisses Schlüter zu verurtheilen, und ihm dann auch richtig drei Monate Gesängniß aufbrummte. Woher aber dieser„Zwiespalt der Natur"? Nun, damals wehte eben der Wind aus einem andern Loch. — In memoriaml Am 18. Dezember starb in HastingS, einem englischen Küstenstädtchen, Sigismund Borkheim, einer der wenigen„Achtundvierziger", die in dem„tollen Jahr" ihre Schul- digkeit gethan haben, und auch nachher bis zum Tode zur Fahne hielten. Indem wir uns vorbehalten, dem braven Freund, der allen Lesern deS „Volksstaat",„Vorwärts" und des„Armen Konrad" durch seine Ar- beiten über den badijchen Feldzug und die russischen Zustände wohl« bekannt ist, sobald wir im Besitz des nöthigen Materials sind, einen eingehenderen Nachruf zu widmen, begnügen wir uns heute mit einigen kurzen biographischen Notizen. Borkheim wurde am 23. März 1826 in Schlesien, wenn wir uns nicht irren, in Breslau, geboren Er bezog 1847 die Universilät, und die Märzrevolution traf ihn in Berlin, wo er sich mit jugendlicher Begeisterung in die Bewegung stürzte. Nach dem Zeughaussturm mußte er Berlin verlassen; er begab sich in die Schweiz und betheiligte sich von dort aus an der badischen September- Erhebung. Nach deren Mißlingen gesangen, und des Hoch- und Landes- verraths, sowie einer Reihe anderer Verbrechen angeklagt, erlangte er beim Ausbruch des badisch pfälzischen Aulstands im Mai 1849 seine Freiheit wieder. Unter Johann Philipp Beckers Oberbefehl trat er an die Spitze der badischen Volks-Artillerie, mit der er Tüchtiges leistete und den preußischen Standrechts-„Pazifikatoren" viel zu schaffen machte. Im Juli, mit der Revolutionsarmee, duich die Uebermacht über die schwei- zerische Grenze gedrängt, lebte er bis 1860 als Flüchtling in der Schweiz und begab sich dann nach England, wo es seiner Energie und seinem Geschick bald gelang, sich ein Geschäft zu gründen. Im Krimkrieg ging er mit einem englischen Bauunternehmer nach der Krim und erwarb sich durch kluge Geschäftsführung ein namhaftes Vermögen, das er jedoch später durch hereinbrechende Krisen, theils durch das verrätherische Be- nehmen von„Geschäftsfreunden" verlor. Um das Unglück voll zu ma- chen, rührte ihn vor zehn Jahren der Schlag, so daß er rechtseitig ge- lähmt ward. Sein Geist blieb aber elastisch; er war mit der Feder unermüdlich thätig und hat verschiedene werthvolle Manuskripte hinter- lassen, deren Veröffentlichung sich hoffentlich ermöglichen lassen wird. — Dem„Schwäbischen Wochenblatt" in Stuttgart ent- nehmen wir die traurige Mittheilung, daß unser Genosse Schriftsetzer Christian Degenhard, ein eifriger, unermüdlicher Kämpfer für die Sozialdemokratie, der sich namentlich in schweren Tagen als muthiger Streiter bewährte, am 22. Februar d. I. bei Marbach vom Neckar anS Land geschwemmt worden. Ob Degenhard, der in den letzten Jahren von schwerer Krankheit heimgesucht worden, selbst den Tod gesucht oder verunglückte, kann nicht festgestellt werden. Sein Tod hat alle, die ihn kannten, tief ergriffen. Ehre seinem Andenken! — DieBüreaukratie abgeblitzt. Eine für die freien Hilfskassen wichtige Entscheidung hat am 5. Januar das Landgericht Dresden gefällt. Die Dresdener Orlskassenvor- stände hatten sich das Recht angemaßt, die Statuten der freien zentrali- sirten Hilsskaffen, welche Filialen in Dresden haben, zu prüfen, und, nachdem sie dieselben für„unzugänglich" befunden, die Mitglieder dieser Kassen zur Beitragszahlung an die Ortskaffen zwingen zu wollen. Auf die von den Herrn Deisinger und Zaffke erhobene Klage hat nun das Landgericht Dresden entschieden, daß die Mitglieder der freien Kassen sofort von diesem Zwange zu befreien und denselben die gezahlten Bei- träge zurück zu zahlen seien. Sämmtliche Kosten, auch die, welche den Mitgliedern durch die vorgängige Beschwerdesührung an den Stadt- rath erwachsen sind, fallen den Ortskaffen zu. Damit wäre dieser Schlag gegen die verhaßten freien Hilsskaffen vorläufig abgeschlagen. Korrespondenzen- Meerane. sNachruf.) Zum Jahresschluß haben wir im Parteiorgan einer traurigen Psticht zu genügen: einem braven Genoffen, den der Tod uns entrissen hat, durch Veröffentlichung eines Nachrufs im Organ die letzte Ehre zu erweisen, wie der landläufige Ausdruck lautet— denn die letzte Ehre wird es sicherlich nicht sein, da der Todte in unserem Herzen fortlebt. Unser braver Johann Ebner, Restaurateur und Stadtverordneter, ist am 27. Dezember gestorben, und am 23. haben wir ihn begraben. Wer die Bewegung in Meerane kennt, der kennt auch Ebner. Keiner war eifriger, keiner regte mehr an, und bis in die letzten Jahre stand er hier im Mittelpunkt der Bewegung. Seine Kränk- lichkeit zwang ihn in den letzten Jahren, etwas zurückzutreten; allein bei der„Sache" war er mit derselben Begeisterung wie früher, und was er thun konnte, das hat er redlich gethan bis zuletzt. Unserem Stadtverordnetenkollegium hat er volle 15 Jahre lang un- unterbrochen angehört, trotzdem glänzten die Herren Kollegen, mit Aus- nähme der Parteigenossen, bei dem Begräbniß durch Abwesenheit. Das Begräbniß gestaltete sich zn einer imposanten Kundgebung; in dichtem Zug folgten die Parteigenossen dem Sarg. Bebel hatte im Aame» der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion einen Lorbeerkranz gesandt; und auch die verschiedenen Vereine, deren Mitglied und Förderer Ebner gewesen, sowie die hiesigen und die Crimmitschauer Genossen legten Kränze mit entsprechenden Widmungen am Grab nieder. Den Kranz der Fraktion übergab Genosse Stolle von Gersau. In Folge eines Versehens in der Zeitangabe konnte Genosse Liebknecht nicht recht zeitig anwesend sein. Der Verstorbene hatte sich ein einfaches Begräd- niß, früh beim Grauen des Tags, gewünscht, und sein Wunsch wurde erfüllt. Kein Grabgeläute tönte, kein Priester sprach den Segen, denn der Verstorbene, der die ökonomischen und staatlichen Fesseln zerbrechen wollte, hatte, als konsequenter Charakter, sich auch von den Fesseln der Religion frei gemacht. „Du warst nicht nur ein Vater für Deine Familie, Du hast in gleicher Weise für die Stadt und für die Partei gewirkt!"— das waren die Worte, die sein treues Weib, die ihm über ein Menschenalter zur Seite gestanden, mit vom Schmerz halb erstickter Stimme ins Grab nachrief. Natürlich konnte die Polizei nicht fehlen. Sie war in hier nie ge- fehener Stärke vertreten, und sogar die Umgegend hatte ihr Kontingent gestellt. Daß die Polizei provozirend vorging, versteht sich von selbst — das liegt nun einmal in ihrem Wesen. Jedem, von dem sie ver- muthete, daß er vielleicht ein paar Worte am Grab zu reden gedenke, wurde von vornherein barsch das Reden verboten, und das ganze Ge- bahren war ein folches, daß die Leidtragenden ob der pietätlosen Rück- sichtslosigkeit empört waren. Besonders that sich der hiesige, von der Polizei angestellte, und zu gleicher Zeit der Geistlichkeit untergeordnete Leichenbitter oder Zeremonien- meister Ulrich hervor, welcher in höherem Austrag fein Möglichstes that, die Leidtragenden zu verletzen und zu erbittern. Ebner war geboren am 8. Februar 1823— er ist also nicht volle 63 Jahre alt geworden. In der Jugend und dem Mannesalter von rüstiger Gesundheit, litt er seit einiger Zeit an einem chronischen Leiden, das ihm, nachdem vor 14 Tagen eine Operation fruchtlos geblieben, den Tod brachte. Schon an der Bewegung des Jahres 1848, die in Sachsen besonders mächtige Wogen schlug, war Ebner lebhaft betheiligt; unser trotz schwerer Kämpfe und mannigfacher Verfolgungen blieb er der Fahne der Freiheit stets treu, und als Mitte der 60er Jahre das Banner der Sozialdemokratie im Erzgebirge entrollt ward, da schwankte Ebner keinen Moment, und der überzeugungstreue Demokrat wurde S o z i a l d e m o- krat. Er war von der alten Gaide,— einer der Besten. Mehr und mehr lichten sich die Reihen der alten Garde— aber nicht die Reihen der Partei. Der Nachwuchs ist da. Und die junge Garde trägt das Andenken der altenVorkämpfer in treuemHerzen, und die Fahne der Partei in fester Hand! Todter Freund, Du kannst ruhig im Grab schlummern! Du wirst nicht vergessen, und Dein Werk wird vollbracht! Breslau, Neujahr 1886. Situationsbericht. Nun ist es wohl endlich an der Zeit, daß auch wir einmal das Parteiorgan in An- spruch nehmen, um etwas von uns hören zu lassen, andernfalls die auswärtigen Genossen wirklich zu dem Glauben kommen könnten, wir schlafen den Schlaf der Gerechten. Jedoch dem ist durchaus nicht so. Vor zirka Jahressrist sind wir zum zweiten Male siegreich mit zwei Abgeordneten aus der Wahlurne hervorgegangen, ein Beweis, daß wir vorher nicht unthätig waren, und auch jetzt keineswegs die Hände in den Schooß legen werden. Bekannt dürste ja sein, daß die wirthschast- lichen Verhältnisse hier, sowie in ganz Schlesien, fast die traurigsten von ganz Deutfchland sind. Um aber unser Wirken den Genossen klar und deutlich vor Augen zu führen, ist es nothwendig, auf alles einzugehen, was sich innerhalb einer gewissen Zeit hier abgespielt hat. Der bekannte Prozeß wider Windthorst und Genossen, bei welchem wegen Verbreitung von Schriften und llebertretung der KZ 123 und 123 de« Strafgesetzbuches 10 Genossen zu einer ziemlich hoh-n Gesängniß- strafe verurtheiit wurden, wird wohl den meisten unserer Genossen noch ! erinnerlich sein. Bei diesem Prozeß war einer der Hauptbelastungszeugen i der frühere sozialdemokratische Agitator und Arbeiterführer Maximilian Schlesinger, welcher nunmehr die innigste Fühlung mit der hiesigen Po lizei hat, und dessen Aussage die Angeklagten wohl ihre Bestrafung mit zu danken haben. Die Arbeiter empfinden hier den Druck des Aus- nahmegesetzes sehr hart. Aber am Tage der Reichstagswahl rächt sich ein jeder Breslauer Arbeiter, welcher drei Jahre hindurch sich ducken mußie, dadurch, daß er den Stimmzettel für Hasenclever oder Kräcker abgibt; daher das Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen. Aber wenn man vielleicht glaubt, aus Vorstehendem ersehen zu müssen, daß hier also nichts weiter gethan wird als wählen, da irrt man sich doch; denn bekanntlich schaffen Verfolgungen nur Märtyrer und kräftigen die Sache. Auch hier sind eine ziemliche Anzahl Genossen, welche die Bewegung stetig im Gang zu erhalten suchen, und wenn dieses auch unter der Oberfläche geschieht, so geschieht es doch, und wenn auch lang- sam, so doch sicher. Als wir am 17. Oktober vorigen Jahres Gelegenheit hatten, Genossen Hasenclever in unserer Mitte zu sehen, hatten sich auch eine Anzahl Genossen zu einer gemüthlichen Unterhaltung in einem hiesigen größeren Restaurant zusammengefunden. Aber es währte auch gar nicht lange, so war zur Erheiterung der Genossen auch gleich die heilige Hermandad in Gestalt von zwei Schutzleuten bei uns, um die Gespräche der Um- stürz planenden„Rothen" zu belauschen. Als ihnen dieses nicht gelang, fragten sie einen Genossen nach seinem Namen, da sie gern wissen woll ten, ob dieser Hasenclever sei, den sie wohl nicht kannten. Leider jedoch ward ihre Neugierde nicht befriedigt, der Angesragte nannte ihnen seinen Namen nicht. Als der Polizist von einigen Genossen gefragt wurde, wie er dazu käme, einem Gast, welcher durchaus nichts Ungesetzliches gethan, den Namen abzuverlangen, und er nebenbei zurechtgewiesen wurde, holte er den Gastwirth, und wollte durch dessen Vermittelung den Namen des erwähnten Genossen festgestellt wissen. Aber da hatie dieser Polizist einmal wirklich die Rechnung ohne den Wirth gemacht, denn dieser erklärte ihm, daß die Namen von seinen Gästen ihn gar nichts angingen und er sich überhaupt hier selbst ruhig zu verhalten habe. Unter Hohngelächter suchte der Uebereifrige jetzt das Nebenzimmer auf, um nach den gehabten Strapazen durch ein Glas frischen Gersten- softes sein Müthchen zu kühlen. Trotzdem der hiesigen Polizei jährlich 72,000 Mark für politische Zwecke zur Verfügung stehen, und trotzdem uns auch nicht ein einziges Lokal zur Verfügung steht, um eine Versammlung abhalten zu können, da die Polizei die auch anderwärts bekannte und beliebte Abjagungs- Methode zur Anwendung bringt und— haben wir wirklich einmal einen etwas unabhängigen Wirth gefunden, welcher uns des Geschäftes wegen sein Lokal zur Verfügung stellt— kurz darauf auf Grund des§ 3 des Sozialistengesetzes das Verbot in unseren Händen ist, so können wir wiederholen, daß trotz aller dieser Machinationen, welche hier verübt werden, unsere Bewegung in Breslau und dem übrigen Schlesien nicht schläft. Zur Illustration diene noch für hiesigen Ort Folgendes: Es bat sich hier in Breslau, unter Führung des oben genannten M. Schlesinger, zum Zwecke der Zersplitterung unserer Partei ein„demokratischer Verein" gebildet, es wird den Genossen auch nicht uninteressant sein, zu erfahren, wer die Mitglieder dieses Vereins sind: M. Schlesinger und zirka 16 von ihm abhängige Leute. Den Vorstand des Vereins bilden Schlesinger, Laufer und Scherbel. Hätten die Leute gewußt, daß sie mit dieser Gründung solch ein Fiasko machen würden, so wäre sie vielleicht unter- blieben. Wenn man übrigens glaubt, mit solchen Mitteln etwas zu er zi-len, da kennt man die Breslauer Arbeiter schlecht, denn, wie oben schon gesagt, wer nicht öffentlich zu unserer Partei gehören kann, der gehört ihr im Stillen an, und auf diese Weise vermehren wir uns trotz alledem. Trotz der denkbar ungünstigsten Verhältnisse rufen wir unseren Genossen von nah und fern zu: Seht, wie von Osten hin gen West So hell die Flamme loht. Wir halten treu, wir halten fest, Denn unsre Fahn' ist roth. Einer von den„Faule n". Wcissenfels a. der Saale, im Dezember 1885. Auch die hiesigen Parteigenossen erlauben sich hiermit, den Raum des Parteiorgans ein- mal in Anspruch zu nehmen, um so mehr, da wir diesmal nur Erfreu- liches berichten können. Was zuerst die wirthschastliche Seite anbetrifft, so können wir wohl mit Recht sagen, daß es hier ist wie überall: Krisen, Arbeitslosigkeit, Hunger im Winter, und im Sommer dasselbe Lied. Gerade jenen Zu- ständen und der Tölpelhaftigkeit unserer Gegner verdanken wir es auch, daß unsere Partei hier am Orte verhältnißmäßig gestiegen ist. Die Stimmenzahl bei der letzten Reichstagswahl betrug hier 494 gegen 14 Stimmen im Jahre 1881— ein Beweis, daß wir nicht unthätig waren. Am 3. August d. I. hatten wir eine von zirka 600-700 Personen besuchte Volksversammlung einberufen, in welcher unser Genosse Kunow �Ausgewiesener aus Berlin) einen Vortrag über„die Thätigkeit des deutschen Reichstags" hielt, welche für uns glänzend verlief. Darauf kam anderes Wetter; die zweite Versammlung wurde auf Grund des K 9 des Hallunkengesetzes von unserem damaligen Oberspür- Hund verboten. Jedoch das Unglaubliche geschah, auf eingelegte Be- schwerde wurde uns eine Versammlung, die wir versuchsweise auf den 28. Oktober einberufen hatten, bescheinigt, und fand daher auch statt. Genosse Kunow referirte über die preußischen Landtagswahlen und pro- klamirte Stimmenthaltung der Sozialisten. Die„Deutschsreisinnigen", welche unter Führung des Herrn Rechtsanwalt Braun es gerne dahin gebracht hätten, daß wir ihnen geholfen, den Konservativen den Wahl- kreis bei der Landtagswahl zu entreißen, wurden dahin belehrt, daß es uns ganz gleich ist, welcher Ausbeuter im Landtage sitzt, ob freisinnig oder konservativ. Alsdann sprach am 20. November Genosse Hasenclever aus Halle über die Nothwendigkeit sozialer Reformen in einer von zirka 800 Personen besuchten Versammlung; auch hier wurden Richter und Braun, die beiden Redner der„Deutschsreisinnigen", glänzend abgeführt. Das konnten sich die Freisinnigen ihrer Meinung nach nicht länger gefallen lassen und holten ihren Musterknaben Hirsch aus Berlin, der durch einen Vortrag über„Sozialreform und Zukunitsstaat" das verlorene Terrain wieder zu erobern suchte; aber natürlich vergeblich. Ich will aus seinen Vor trag nicht näher eingehen, denn wer sollte das Phrasenqedresch eines Max Hirsch nicht kennen? Unserseits widerlegte Genosse Kunow die An- griffe Quasselmäxchens gegen unsere Partei, und trotzdem die Gewerk vereinler alles aufgeboten hatten, sso hatten sie z. B. 300 Mitglieder der Gewerkvereine vom Lande hereinzitiit, und es standen hier drei gegen einen), auch die meisten der hiesigen Fabrikanten anwesend waren, was die Arbeiter abhielt, sich offen zu der so verhaßten Sozialdemokratie zu bekennen, hatten wir einen so durchschlagenden Erfolg, daß die Gewerk- vereinler, als Kunow zum dritten Male sprechen wollte, durch Schluß- rufe störten. Hier wurde aufgelöst, und wir beantworteten das Hoch auf Max Hirsch mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie und Hasen- klever. Wegen Ausbringen dieses Hochs soll ein Genosse noch 30 Mark Strafe bezahlen,— wir werden ja sehen. Am 21. Dezember wurde bei Genosse Kunow eine Haussuchung vor- genommen, jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Dies wäre unsere agitatorische Thätigkeit in der letzten Zeit. Wer nun bedenkt, daß unser„freisinniger" Zertreter im Reichstage, Rohland, bei der letzten Wahl nur durch unsere Hilse gewählt wurde, der kann sich den Schreck und die Wuth der hiesigen„Freisinnigen" über das Umsichgreifen unserer Partei denken. Jetzt noch Einiges über unsere Ordnungsstützen: Da haben wir hier einen Polizeiesel, Namens Kriecher. Der hat sich letzthin ausgelassen: „Und ich kriege diese Kerle doch noch so weit, daß sie wieder'raus müssen aus der Stadt." Diesen Polizeier(den man im Volksmunde recht bezeichnend den„Bleisoldaten" n'nnt) trifft man den ganzen Tag in den Schenken, wo er lauert, bis sich ein E— d-ldenkender findet, der ihm ein Glas Bier kauft. Sein Kollege Fülle ist die Woche siebenmal im— Himmel. Und diese Musterordnungsstützen bilden sich ein, die Sozial- demokratie überwältigen zu können. Na, Spaß muß auch sein So sehen wir denn getrost der Zukunft ins Auge: schon die nächste Reichstags- wähl wird uns für Weißenfels ein beträchtliches Mehr an sozialistischen Climen bringen; unv die Zeit wird nicht mehr serne sein, wo unsre Freisinnigen uns das Feld räumen müssen. Vorläufig arbeiten wir im Stillen an unserer Maulwurfsarbeit ruhig weiter, und trotzdem unsere „Spürnasen" schon feit etwa 6 Wochen nach einer hier angeblich be- stehenden„sozialdemokratischen Verbindung" suchen(was selbst Leuten von nicht so sprichwörtlicher Tölpelhaftigkeit nicht gelingen würde), sind wir froh und heiter, und hoffen recht bald weitere Fortschritte zu machen. Die Weißen(felfer) Rothen. Quittung. (Unliebsam verspätet.) Unterzeichnete bringen hierdurch zur Kenntniß. daß der Rest deS Streikfonds für die Arbeiter der Firma Breuer, Schuhmacher u. Cie. in Kalk vollständig im Interesse der Arbeitersache verwendet worden ist. Die Vertrauensleute des Stadt- und Landkreises Köln a/Rh. Briefkasten der Redaktion: Einsendungen sind eingetroffen aus P ö ß n e ck, Koblenz, Konstanz, Wiesloch, London und San Fra< c i s c o. der Expedition: Dreibein: Mk. 8 30 pr. Ab. u. Schft. erh. Bstllz.> fort.— Neustadt i/S.: Mk. 3 10 pr. Dfd. dkd. erh.— S. S. Fbg.: Mk. 3— Ab. 1. Qu. erh.—-r-: Mk. 6— Ab. 1. Qu. erh. Extra war gratis.— Achim: Mk. 20- pr. Dfd. dkd. erh.— W. V. Ehn.: Mk. 4 40 Ab. 1. Qu. erh.— Ein Rother St.: Mk. 4 30 Ab. 1. Qu. erh. Mit Nr. 2 Anfr. beantw.— Der Alte Lgz.: Mk. 26 30 Ab. 1. Qu. u. Schst. erh. Bstllg. ic. besorgt.— Gockelbastian: Mk. 9 05 f. Schft. erh. u. Mk. 1 06 pr. Ufd. dkd. verw.— R. S. Ata: Mk. 3— Abon. 1. Qu. erh.— O. F. Bkhn.: Mk. 3 10 f. Schft. erh. Sdg. fort.- I.! M. Bz.: Mk. 3— Ab. 1. Qu. erh.— Emil Condor W. i/Schl.:> Mk. 12— Ab. 1. Qu. erh. Adresse geordnet. Bstllg. fort.— A. B. Albn.: Mk. 4— Ab.-Rest 1. Qu. erh.— H. B. Fl-ron: Fr. 2 60 Ab. 1. Qu. erh.— Calembourg: öwfl. 5— ä Cto. Ab. und Schft. erh. Bstllg. fort. Warum bedienen Sie uns nicht in angedeuteter R chtung? Einleitung des Gedankens kann nur nützen.— Bhsn. Ostraß: Fr. 2— J Ab. 1. Qu. erh.— v. Skat bei Kaspar Hauser: Fr-— 95 pr. Ufds. dkd. erh.— Der Bekannte C. a. Rh.: Mk. 17 60 Ab. 1. Qu. erh.— Exleutenant 33.: Mk. 4 20 Ab. 1. Qi. erh. Weiteres mit Nr. 2 noti- fizirt.— M Wz. Paris: Fr. 2 50 Ab. 1. Qu. erh.—I. Sch. Sch.-G.: Mk. 4 30 Ab. 1. Qu. erh. 70 Pf. d. Agsds. dkd. zugew.— Der Nordische: Mk. 3— Ab. 1. Qu. erh. Adr. geordnet.— Kellinghufin: Mk. 20— pr. Dfd. dkd. erh.— E. B. E.: Mk. 4— Ab. u. Schft. erh. Be-; stellung abgg.— Dr. V. M. W.: öwfl. 3 10 Ab. 1. Qu. u. Schft. erh. Bstllg. fort.- W. Sch. St.: Mk. 4 40 Ab. 1. Qu. erh.- A. A. Näst-| ved: Fr. 13 70 Ab. pr. 1886 u. Schft. erh. Schst. abg.— M. L. Mch.:-! Mk. 3— Ab. 1. Qu. erh.— Exzelstor: Fr. 15 80 Ab. pr 1886 und Schft., sowie Fr. 4 20 pr. Dfd. dkd. erh.— P. T. Paris: Fr. 2 50! Ab. 1. Qu. erh.— Ein Rother Btghm.: Mk. 4 40 Ab. 1. Qu. pr. E. erh.— Felix l.: Mk. 15— pr. altes Cto. durch Sdr. am 5 1. erh.— Felix II.: Alles nach Wunsch besorgt. Adr. k. notirt.— Frdr. Hg.: j Fr. 150 f. Schft. erh.— Rother Holldr.: Mk. 3— Ab. 1. Qu., Mk. 1— pr. Dfd. u. Mk. 1 40 pr. Ufd. dkd. erh.— I. LZ. Httg.: Fr. 4— Ab. 1. u. 2. Qu. erh.— Schw. Hans: Mk. 4 30 Ab. I. Qu. u. Schft. erh. Bestellung fort.— Dr. H. B. B.: Mk. 4 40 Ab. 1. Qu. erh. 60 Pf. d. Afd. dkd. zugew.— K. Sch. H. a. N.: Mk. 8 80 Ab. 1. Qu. erh.— Der alte Unverbesserliche: Mk. 6— Ab. 1. Qu. erh.— Roth. Voigtldr.: Mk. 32 40 pr. 4. Qu. erh.— Spenglerfachverein Zch.: Fr. 2— Ab. 1. Qu. erh.— Nkwt. Samaden: Fr. 6 65 Ab. I. Qu. u. Schkt. erh. Fr. 3 35 pr. Afd. dkd. verw. Bstllg. Ml. fort.— W. E. Charleston; Fr. 2 50 Ab. 1. Qu. erh.— G. W. Bchs.: Fr. 3— Ab. 1»Qu. und Schft. erh. Bstllg. fort.— F. Gck. B.: Mk. 8 40 ä Cto. m 1. Qu. erh. Bfl. Weiteres.— C. Frd. St. Die: Fr. 3 50 Ab. Dez. 85 u. 1. Qu. 86 erh. Weiteres bfl.— L. Hg. Fth.: Mk. 3— Ab. 1. Qu. erh.- Solo: Mk. 4 60 Ab. 1. Qu. u. Schft. erh. Alles nach Wunsch besorgt. — A. S. Ng.: Mk. 4 40 Lb. 1. Qu. erh.— Kampshahn: Mk. 10— ä Cto Ab erh. Katalog folgt. Weiteres im Annoncentheil früherer Nos: wiederholt angegeben. Auszg. fort mit 2.— K. St. Gp.: Mk. 17 60 Ab. 1. Qu. erh. Adresse geordnet.— F. M. Mz: Mk. 3— Ab. 1. Qu. erh.— K. H. Riesbach: Fr. 1 25 pr. Dfd. dkd. erh.-- aiore: Mk. 3— Ab. 1. Qu. E. H. u. Co. erh. Dominus besorgt.— H. Hgr. Rsbch: Fr. 2— Ab. 1. Qu. erh.— C. A. B. Ber. London: Fr. 262— ä Cto. Ab. ic. erh. Auszg. abg.— Rkw. London: W. fiele, vertröstete im Dez. bis„nach Neujahr" und— schweigt noch immer.— Durstge Seele: Mk 7 60 Ab. 1. Qu. u. Dk. erh. Beil. abggb.— Cottbus:Mk. 30— pr. Dsd. dkd. erh.- A. B. F. C.: Mk. 70- ä Cto. Ab. u. Schft. erh. Bfl. mehr.— W. M. Bchs.: Fr. 2- Ab. 1. Qu. erh.- M. Sp. Httg.: Fr. 2— Ab. 1. Qu. erh.— Rother Donnerkiel: Mk. 32 80 Ab. 1. Qu. u. Schft. erh. Neuer besorgt.— R. K. N. a. S.: Mk. 6— Ab. 1. Qu. erh. Alles bestens erwidert.— Schaft: Mk. 10—6 Cto. R. 4. 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Wir bitten allseits dringend, unS den derzeitigen Aufenthalt deS Küpergefellen Johannes Fehrs aus Itzehoe, in dringlicher Sache vermitteln zu helfen. sl-) S-cptditliu dt« siMdkMidrat. i-i r\(Cardinal-, Granat- und Bordeaux-) rothe .1.1.� Kammgarnhandschuhe, in SFrauen- größen, 6>knopslang, verkauft in größeren und kleineren Posten sehr billig, weil vom Großhändler auf den Sterbe-Etat gesetzt, ei« sozialdemokratischer Kleiufabrikant. Wir vermitteln Aufträge an Betroffenen, der seit 13 Jahren der Partei offen angehört und, seinen gänzlichen Ruin abzuwehren, ausnahmsweise daS Parteiorgan beansprucht. Die«ipeditisa des..S-zialdem-krat". 3«»*»• A\ Samstag, den 16. Januar, Abends 3'/, Uhr, im .OUrily Cafe Keßler: Hesieuttiche Versammlung der deutscheu Sozialisteu. Tagesordnung: Zlas Kigenthum nach den verschiedenen Weltanschauungen. Referent: Bgr. T a u s ch e r. Zu zahlreichem Erscheinen ladet freundlichst ein Der Lokalausschuß. I Jedermann hat Zutritt. eawei,«rll»«»«nogenIchaktl-Buchdrue«»! H-Vingen-Züri». k