LH • 11 Abonnements .*1 bii all«n schwki>erisS«l .i Postburkauz, sowie beim Verlag u>>» dessen belannlen Agenten z entgegengenommen, und ,war zum »«rauS zahlbaren K ViertilsahrSpreiS boni Te» H,— für dieSchweiz lkreuzbond) >„ 3.— liit Teutschland(Soubert) W' 1.70 sttr Oesterreich(SouBtti) ffe- 3.50 für alle übrigen Linder de» � WeltbostvereinS(Kreuzband) Ii i' -K . H ;! l' .» . l 1 5 Jaseratr die dreigespaltene Petitzeile 25 615.= 20 Psg. Der SoMemckral Jentrat-Krgan der deutschen Soziatdemokraiie. Krscheint Wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz). Bertag der valkSbuchhandlnng Hattingen»Zürich. Vostsellduagtll sranlo gegen franl». Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz kosten Doppelporto. M 10. »tiefe an die«edaltioir und«rpedition de» in Deutschland und Oesterreich verbotenen.Sozialdemolrat- wolle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lassen. In der Ziegel schicke man uns die Briese nicht dirett. sondern an die bekannten Deckadressen. In zweiselhaften Fällen eingeschrieben. 5. März 1886. Parteigenossen! Vergoßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! .» l ö 1» . 1 - I .1 .« . J . 1 . z> . t . t> .>> s 1 . ii Nachträgliches zur Sozialistendebatte. Berlin, 24. Februar. Ein herzerquickender Jahrestag heute; und auch die Natur sciert ihn, denn nach langem, hartnäckigem Winter kündet laue, �benduflende Luft den Frühling an. Heute vor 38 Jahrm am Morgen stand noch der Juli- Thron. Der Bürgerköuig, ein Ausbund aller staatsmännischen Weisheit, der„Napoleon des Friedens", hatte die Krone noch auf dem„ehrbaren" Speckkopf. Aber sie wackelte schon, ob- gleich die gesammte Ehrbarkeit und Staatsweisheit Europas einig darin war, daß der unvergleichliche„Bürgerkvnig" seine Dynastie auf ewige Zeiten begründet habe. Wie konnte es auch anders sein? Verkörperte er nicht in seiner abgerundeten Person alle staatsmännische Weisheit und zu gleicher Zeit die ganze bürgerliche Staats- und Gesellschafts- ordnung? Wie konnte ER fallen, der durch den Mund seines Paladins G u i z o t der Bourgeoisie das Heils- und ErlösungS- wort zugerufen hatte: „Bereichert Euch! Zwar ging es in dem Hexenlaboratorinm, wo die Millio- »äre gezüchtet wurden, nicht ganz reinlich zu: von Zeit zu Zeit drangen ähnliche Gerüche hervor, wie weiland Hammonia sie im„Wintermärchen" gerochen. Hier und da wurde aus . i der Schule geplaudert. Hier und da verrieth ein entlarvter Spitzel und Agent Provokateur die„Moral" des Systems. > �Hier und da entpuppte sich ein Millionär älterer oder neuerer Zucht als Spitzbube, Giftmischer oder Aehnliches. Jndeß— - 5* in sperre,.c&nime;i J# guejje. MMonärc gezüchtet werden, muß� es ttumpe geben. Und der Bürgerkönig ist doch der größte Staatsmann aller Zeiten! Der Genius und das Genie seines Jahrhunderts ist in ihm zu Fleisch und zu Speck geworden! Der Fels der bürgerlichen Staats- und Gesellschaftsordnung, auf dem er sein Reich errichtet hat, kann nimmermehr zerschellen, sein Reich nimmermehr in Trümmer fallen! So ruft mit gewaltiger Lungenkraft der Chorus der„Zu- friedenen"(satisfaits), der„Intelligenzen" und„Stützen" der besten der Welten. Und SEIN Reich wurde doch in Trümmer geschlagen: am Nachmittag des 24. Februar im Jahre des Herrn, d. h. des souveränen Volks, 1848, auch das„tolle Jahr" genannt, lag die Krone des Bürgerkönigs zu Paris in der Gosse, und � der Bürgerkönig selbst, dieser Ausbund und Inbegriff aller k staatsmännischen Weisheit, war auf der Flucht nach England, wo er bald darauf in der Verbannung starb— von den Meisten vergessen, von Allen verachtet, namentlich von seinen ehemaligen Bewunderern. Seitdem hat in Frankreich ein zweiter Ausbund aller staats- männischen Weisheit regiert— und das nämliche Ende ge- nommen. Die Franzosen, diese politischen„Borturner", verstehen sich auf das Abkürzen geschichtlicher Entwicklungsprozesse. Wir Deutsche, obgleich auf unsere Turnerei sehr stolz, haben am politischen Reck und Barren bis jetzt noch gar schlechte �_ Fortschritte gemacht; doch bei fortgesetzter Uebung wird die . i- Gelenkigkeit schon kommen. Uebung macht den Meister. Auch wir sind vom Schicksat mit einem Ausbund aller staatsmännischen Weisheit begnadet worden; und besagter Aus- bund hat sich uns so fest auf den Rücken gesetzt, wie weiland der Meergreis Sinbad des Seefahrers in„Tausend und eine Nacht". Auch SEIN Reich ist für alle Ewigkeit begründet— so brüllt mit urgermanischer Lungenkraft der Chorus der„Zu- friedenen". Aber dringen uns nicht verdächtige Gerüche in die Nase? Echte Fäulnißgerüche? Häufen sich nicht wie damals vor der Februarrevolution die Skandale monströsester Art? Ist nicht . Ä der Ausbund aller staatsmännischen Weisheit in eigener Per- son der Korruption verfallen— gerade wie weiland Louis � Philipp und Napoleon der Kleine, die beiden früheren Aus- bunde? Und die Spitzel und Agents Provokateurs? Sind sie im„Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte" nicht etwa � so zahlreich, daß wir auf der Straße über sie stolpern? Ja, die Vorzeichen, welche den 24. Februar ankündigten, IC sie haben sich wiederholt, sie wiederholen sich. Die schmutzige Werkstätte, in welcher der herrschende„Ausbund aller Staats- Weisheit" arbeitet, steht unserm Blick offen— Schwennin- ger, Ottopfennig, Spitzel Schmidt, Spitzel Wolf, 20 Spitzel Friedemann, Spitzel Neumann, Spitzel ohne Zahl! 2S Und als jüngster, nicht letzter, und auch blos jüngster der Entlarvten: Jhring-Mahlow. Der„Bürgerkönig" und Napoleon der Kleine, sie nahmen l ! ei . si . Ä . K - p - 1! - Ii - Ii - 3f . Z« - 15 - Ö( - Ii - 2t - Ii - St - Ü - Ii X- 2- 2- 6- - 3< - 2! - 2t - 5t z st - 3t - 3( kein größeres Päckchen von Entlarvten und von Entlarvungen mit nach England! Es ist Februarluft, Frühlingsluft. Schon am 18. und 19. Februar war sie zu wittern. � Daß es dem herrschenden Ausbund aller Staatsweisheit und seinem Vertreter im Reichstag, dem„Polizeiminister" Putt kamer, an jenen zwei Tag-u so schlecht ergangen, das hat jedenfalls in der Luft und all der Luft gelegen, Februar- luft, Frühlingsluft! Ja, in und an der Luft muß es gelegen haben. Warum hatte sonst die„Sozialistendebatte' so ganz anders verlaufen können, wie in früheren Jährest? Unsere Taktik war keine andere; unsere Augriffe nicht heftiger, unsere Anklagen nicht wuchtiger. Die Temperatur war eben eine andere. Die Februarluft, die Frühlings luft! Der Jhring-Mahlow ist sicher nicht schlimmer als der Wolf, der Neumann, der Friedemann, der Schmidt, und die lange Reihe seiner würdiger Vorgänger. Aber der Reichstag war ein anderer. Aber die allgemeine Stimmung, das allgemeine Gefühl war ein anderes. Das„öffentliche Gewissen" war erwacht, der„politische Nerv" hatte seine Empfindungslosigkeit verloren. Noch vor zwei Jahren, noch vor einem Jahre wäre die Jhriug-Mahlow-Geschichte vom Reichstag schweigend, gleich- gültig angehört worden. Diesmal empfand der Reichs- tag die ganze bodenlose Infamie des herrschenden Systems. Und daß der Reichstag dies fühlte, das war es, was den „Polizeiminister" Puttkamer so niederdrückte. Wie jeden Wicht seines Schlages verließ ihn die angeborene und anerzogene Frechheit, sobald er sah, daß er vereinzelt war und so- bald ihm von allen Seiten die Blicke und die Rufe der V er- a ch t u u g cntgegenhagelten. Nie ist ein Mensch in solcher Stellung so kläglich zusammen- geklappt! Herr Barth hat nicht Recht, Puttkamer ist kein Komödiant! N'est pas comedien qui ve>t! Zum Komödianten gehört etwas mehr als guter Witte. Mtfn muß auch vas Zeug dazu haben. Er habe es nicht einmal zu einem bescheidenen Achtnngs- erfolge gebracht— meint die„Frankfurter Zeitung." Nun, zu einem desto gründlicheren Verachtung s erfolg. Es ist Februarluft, Frühlingslufr. In zwei Jahren haben wir den vierzigsten Jahrestag der Februarrevolution, und in drei Jahren gar das hundertjährige Jubiläum der„großen Revolution". Wie viel Schmutz und Fäulniß die Patrone des Jhring- Mahlow noch ansammeln werden, bis das Eis bricht? Der moralische und intellektuelle Bankrott ist am 18. und 19. Februar aller Welt offenbar worden. Der politische Bankrott kann nicht lange aus- bleiben. Aus Frankreich. — In Frankreich hat sich in den letzten Wochen in den politischen Verhllllnissen eine Entwickelung vollzogen, die für die Sozialdemokratie von höchstem Interesse ist. Wir meinen die Trennung der Arbeiter» abgeordneten in der Kammer von ihren radikalen Schutz- Patronen. Veranlassung dazu gab die bereits in Nr. 7 unseres Blattes besprochene Lynchung des Grubendirektors Watrin in Decazeville. Während die Radikalen in derselben lediglich einen bedauernswürdigen „Mord" erblickten, hatte B a s l y, der ehemalige Bergarbeiter, den Muth gehabt, in öffentlicher Versammlung zu erklären, daß dem Vogt„sein Recht geschehen". Ihm sekundirten seine Kollegen Antide Boyer (Abgeordneter für Marseille) und C a m 6 l i n a t, Bronccarbeiter, (Abgeordneter für Pari s). Die Entrüstung der Radikalen über dieses „unparlamentarische" Auftreten war groß, aber es sollte noch besser kommen. Wenige Tage nach dieser Ärrsammlung, am II. Februar, interpellirte Basly in der Kammer deä Minister der öffentlichen Ar- bellen, Herrn Baihaut, über sein Verholten den Streikern und der Grubengesellschaft gegenüber und wurde natürlich mit Gemeinplätzen ab- gefertigt. Seine kräftige Rede wurde von den Radikalen mit eisigem Schweigen aufgenommen, nur die genannten Kollegen, sowie der Dichter Clovis Hugues, applaudirten ihm. Die Radikalen fühlen sich so nahe daran, Regierungspartei zu werden, daß sie es unmöglich ruhig mit ansehen konnten, daß einer aus ihren Reihen einen„Mord" gerecht- fertigt erklärte. Und was für haarsträubende Forderungen stellten diese Basly und Konsorten auf! Ein Lohnminimum sttr die Gruben- arbeiter!„Aber das ist ja der reine Koinmunismus!" soll Herr Clemen- ceau in der Fraktionssitzung der äußersten Linken ausgerufen haben, als dieser Punkt zur Verhandlung kam. Ein Lohnminimum— Kommunismus! Der(Bruch war perfekt, nun sollt.» aber die unbotmäßigen Ar- beiter, die man bei der Wahl auS Gnade und Barmherzigkeit auf die Liste genommen— notabene ohne sie zu fragen— gehörig bestraft werden. Sie seien auf Grund des radikalen Programms gewählt und hätten dasselbe jetzt verletzt, indem sie sich der Parteidisziplin— d. h. dem Machtgebot der radikalen Presse— nicht untergeordnet, jetzt müffen sie vor ihren Wählern zur Rechenschaft gezogen werden, erklärte mit Emphase die in Paris viel gelesme„Lanterne". Es muß eine große Wählerversammlung einberufen iverden, um den Herren Mores zu lehren. Schön, uns ganz recht, erklären die Drei, wir werden auch dabei sein. Und diese eine Erklärung genügt, daß das geplante Ent- rüstungSmeeting spurlos von der Bildfiäche verschwindet. Eine Volks- Versammlung ist zu riskant, dafür wird auf den 21. Februar ein Mee- ting der Handelstreibenden in» Chateau d'Eau einberufen, auf dem angeblich nur darüber berathen werden soll, welche öffentliche Ar- beiten im Jntereffe der Arbeitslosen zunächst in Angriff genommen werden sollen. Thatsächlich sollte das Meeting, wenn es reüssirte, natürlich eine Gegendemonstration gegen die zwei in Paris gewählten Umstürzler sein. Und warum sollte es nicht glücken? Ein Entree von 75 Cts. und I Fr. 50 Cts. bürgte dafür, daß die„Schreier" fernbleiben würden. Aber die Pariser Arbeiter haben in solchen Dingen einen feinen Instinkt; sie ließen sich die erhebliche Ausgabe nicht verdrießen und er- schienen zur bestimmten Zeit in so großer Anzahl auf dem Meeting, daß die Einberufer nicht einmal den Muth hatten, dasselbe zu eröffnen. Unter stürmischem Beifall wurde Basly zum Vorsitzenden erwählt, wie denn überhaupt die Versammlung sich zu einem glänzenden Triumph des Sozialismus gestaltete. Die chauvinistischen Anzapfungen des von den Einberufern als Hauptreferenten bestellten Herrn V i b e r t fielen platt auf den Boden. So z. B.: Vibert: Es handelt um die soziale, um die patriotische Frage. Mehrere Stimmen: Keine Derouldismen!(Heiterkeit.) Vibert: Blicken Sie auf Deutschland und dessen Konkurrenz.(Rufe: Hoch die Internationale!) Den Glanzpunkt der Versammlung bildete aber eine brillante Rede von Jules Guesde, die mit wahrem Enthusiasmus aufgenommen wurde. Der von uns schon wiederholt gekennzeichnete Korrespondent der„Frankfurter Zeitung", für den natürlich Alles„Anarchist" ist, was noch weiter zu gehen wagt als die von ihm approbirten Radikalen ä la Lockroy, schreibt darüber: „Jules Guesde setzte dem Auditorium auseinander, daß der augenblicklichen Krisis, die von einer Ueberproduktion herrühre, nicht durch neue Produktion und neue Arbeiten Einhalt gethan werden könne.„Die Arbeit steht stille, sagte er, weil die Magazine zu voll sind. Diese auf- gehäuften Waaren von denen, welchen man sie gestohlen hat, verzehren zu lassen, das ist die einzige Lösung." Man kann sich den Jubel denken, welchen diese Brandrede unter den Anwesenden hervorrief; ja die Ver- sammlung hat hier geradezu alle ihre Beifallspenden ausgegeben und für die folgenden Redner, C a m e l i n a t und B o y e r, blieb daher nur sehr wenig übrig. Zum Schluß wurde eine �ellenlange Tagesordnung votirt, in welcher wie immer ein Lohnminimum, achtstündige Arbeits- zeit k. verlangt wurde, und dann verließen die Anarchisten unter Ab» singen der„Carmagnole" den Saal. Die Organisatoren des gestrigen Meetings, der unglückliche Vibert an der Spitze, protestiren heute in einem an die Presse gerichteten Brief gegen die„Verletzung des Domi» zils"(?) von Seiten der Anarchisten. Wir sind geneigt, zu glauben, daß dieser patriotische Protest die Herren Basly und Konsorten äußerst kalt laffen wird!" Wir auch, denn es ist einfach lächerlich, von einer„Verletzung des Hausrechts" zu reden. Jedermann war eingeladen, die Sozialisten— nicht Anarchisten, verehrter Herr— gehören auch dazu. Es ist nicht ihre Schuld gewesen, wenn die Einberufer des Meetings sich so muthig — gedrückt. Und was die„Brandrede" Guesde' s betrifft, so bedauern wir wirk- lich, vaß unS der Raum fehlt, sie hier abdrucken zu können. Daß er es bei der oben zitirten Bemerkung, deren Richtigkeit mit jedem Tage evi- denter wird, nicht bewenden ließ, liegt aus der Hand. Er ging, nachdem er gezeigt, daß von den heutigen Regierern nach dieser Seite nichts zu erwarten sei, dazu über, die Frage der in Aussicht genommenen Arbeiten zu besprechen. „Diese, mitten in der Zeit der Krise vorgeschlagenen Arbeiten"— rief er aus—„werden nur dazu dienen, Unternehmer und Spekulanten zu Millionären zu machen. Für ein Stück trocken Brod werden diese Her- ren von dem immer zahlreicheren Heer der Hungerleider II und 12 Stunden Arbeit herausschinden. Es heißt mit anderen Worten: R i e- drigere Löhne und höhere Profite. Gegen diese Spekula- tion, dagegen, daß die neuen Arbeitsstätten ihre Spitze nicht gegen die Arbeiter kehren, ist ein Eingreifen des Staates oder der Stadt uner« läßlich. Um die leeren Magen gegen sich selbst zu schützen, müffen die öffentlichen Gewalten die Unternehmer durch eine in die Zuschlagsbedin« gungen einzureihende Klausel zwingen, den Arbeitstag aus acht Stunden zu reduziren, den städtischen Lohntarif zu respektiren und von der Ver- gebung der Arbeiten an Zwischen-llnternehmer, die schon 1848 durch ein Gesetz verboten wurde, Abstand zu nehmen." Eine Stimme: Sehr gut! Rur zu viel Wahrheiten für die anwesenden Bourgeois!" Guesde(fortfahrend):„Unter diesen, von Baillant(im Gemeinde- rath) geforderten Bedingungen können die öffentlichen Arbeiten, mit denen man Eure Augen zu blenden sucht, das Ueber-Elend zwar nicht aus der Welt schaffen, aber doch lindern. Die Arbeiter können von ihrer Arbeit leben, und der Kleinhandel, dessen Lage mit der der Arbeiter ver- knüpft ist, die seine Haupt-, wenn nicht seine einzigen Kunden sind, kann sich bis zu einem gewissen Grade erholen. Diese Leute können dem Bankrott nur solange entgehen, als die Proletarierfamilie durch, ihren organischen Bedürfnissen entsprechende Löhne in den Stand gesetzt ist, zu konsumiren."(Tonnernder Beifall.) Das eine Probe der anarchistischen„Brandrede"! Man beur- theile danach die Glaubwürdigkeit des ehrenwerthen Korrespondenten deS demokratischen Weltblattes. Immer auf die weiter nach links Stehenden zu schimpfen, das ist die beste Art, die Reaktion zu befördern. Natürlich hat diese Versaminlung aen Aerger der sranzöi, scheu Radikalen nur noch gesteigert. Bisher haben sie immer noch, auS der Zeit des Kaiserreichs her, bei den Massen großen Anhang besessen, und sie glaubten sich denselben dadurch zu sichern, daß sie das Wort„sozia- listisch" und einzelne Arbeitersorderungen in ihr Programm ausnahmen. Aber wie wir bei Besprechung deS vorjährigen Wahlresultats sagten, eS kommt der Moment, wo auch dies M>ttel versagt, wo die Frage rund und nett gestellt wird, wo es kein Wenn und Aber, sondern nur ein Entweder— Oder gibt, wo der Klassenkampf in der modernen Gesellschaft unverfälscht zum Ausdruck kommt und unzweideutige Stel- lungnahme erfordert. Und je unoermittelter er eintritt, um so deutlicher zeigt sich der Gegensatz. So in der Affäre Watrin. Niemand ist so blutgierig, daß er den Mord um seiner selbst willen verherrlichen wird, aber hier handelte es sich doch um mehr als um einen bloßen Todtschlag— wenigstens für den Arbeiter. Clemenceau, der Politiker, der mit großen Theilen der Bourgeoisie rechnet, mußte ihn verurtheilen, Basly aber, der Arbeiter, der noch nicht genug parla- mentarische Almosphäre geschluckt, um seine Klasse zu vergessen, der noch fühlt, was es heißt, jahrelang von einem solchen Schinder sich mißhan- dein lassen zu müssen, beurtheilt auch naturgemäß den an einem solchen Peiniger begangenen Racheakt nicht vom juristischen, sondern vom sozialen Gesichtspunkt aus. Wir brauchen also nicht einmal schlechte Motive auf der andern Seite vorauszusetzen, es war, wie gesagt, der Klaffengegen- satz, der zum Ausdruck kam. Und nun der Riß einmal vorhanden, nun treibt die Natur der Dinge zu immer weiteren Konsequenzen. Bisher haben in der französtschm Kammer immer die politischen— das Wort hier im engeren Sinne genommen— Fragen die Parteibildung beeinflußt, jetzt zum ersten Mal ist eine Gruppe von wirklichen Arbeitervertretern vorhanden. Sie ist noch klein, aber—„nous ferons des petita"— wir werden Junge machen, rief Clovis Hugues in der Sitzung aus, in welcher die Jnter- pellation Basly verhandelt wurde. Und thatfächlich gravitiren auch die anderen Arbeiter in der Kammer— Brialou, Gilly, Planteau und Prudhon— immer mehr zu der kleinen Gruppe. Das beweist die Kollektivadresie an die e n g l i s ch e n Brbeiterabgeordneten, welche ihre französischen Kollegen zu einem Bankett eingeladen hatten. Ohne sich aus hochtönende Phrasen einzulasien, sandten sie ihnen lakonisch ihren Gruß und folgenden Vorschlag: „In Erwägung, daß bis zur Umgestaltung der Gesellschaft auf ge- rechterer und gleichmachender Grundlage gewiffe Reformen nothwendig sind, schlagen wir vor: 1) Zu gleicher Zeit eine Bewegung zu Gunsten einer internatio- nalen Arbeitsgesetzgebung betreffs nachstehender Punkte her- vorzuheben: a) Kinder unter 14 Jahren dürfen nicht zur Arbeit ver- wendet werden-, b) Beschränkung der Arbeit für Frauen und Minder- jährige-, c> Gesundheits- und Sicherheitsmahregeln, um die Gesundheit, die physische und geistige Entwicklung und das Leben deS Arbeiters zu schützen: d) Schutz und Versicherung wider Unglücksfälle; o) Festsetzung eines Normalarbeitstags von höchstens acht Stunden; f) gesetzliche Feststellung eines Ruhetags pro Woche-, g) Errichtung eines internationalen allgemeinen statistischen Uebersetzungbureaus, welches damit betraut wird, die Mittel vorzuschlagen und zu ergreifen, um die internationale Arbeits- gesetzgebung auszudehnen. 2) Zusammenberufung eines i n t e r n at i o na l e n Kongresse s im Monat September, zu welchem alle Vertreter der Arbeiter von Amerika und Europa eingeladen werden, im Interesse der Emanzipation der Arbeiter aller Länder." Ob sie mit diesem Vorschlag bei den Engländern Erfolg haben werden, bleibt abzuwarten. Bis jetzt haben diese ihren Ruhm darin gesucht, bei den Bourgeois als brave Kinder zu erscheinen; vielleicht paukt die Logik der Thatsachen auch ihnen die Erkenntniß ein, daß sie noch mehr zu thun haben, als im Parlament um Flickreformen zu feilschen. Ganz ohne Rückwirkung wird das Beispiel ihrer Kollegen im französischen Parla- ment sicher nicht bleiben. In Frankreich selbst hat natürlich das Auftreten von Basly und Ge- nassen bei der Arbeiterschaft überall freudige Zustimmung gefunden. Jeder Tag bringt neue Zustimmungsadressen von Vereinen, Syndikats- kammern rc. aus allen Theilen des Landes. Fänden heute Neuwahlen statt, sie würden ein ganz anderes Resultat ergeben, als jene vor vier Monaten. So haben wir alle Ursache, uns deS Ganges der Dinge in Frankreich zu freuen. Glück auf, es geht vorwärts! -aaATGAAA*- Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 3. Mär, 1886. — Bo» Sieg zu Sieg! Im Augenblick, da unser Blatt in die Press« gehen soll, erhalten wir telegraphisch die Nachricht, daß am 2. März der IS. sächsische Wahlkreis für unsere Partei wiedergewonnen wurde. Mit 8S4S Stimmen gegen 7467 Stimmen wurde Genosse Geyer gewählt. Hoch die Sozialdemokratie! — Wie unendlich groß steht die kleine Schweiz dem großen deutschen Reich gegenüber da, und wie erbärmlich klein das deutsche Reich— rief am 18. Februar Genosse Bebel im Reichstag aus, indem er den Bericht des Bundesanwalts Müller über die Anarchistenagitation in der Schweiz mit den Motiven zur Ver- längerung des Sozialistengesetzes verglich. Zu einem ähnlichen Ausruf fühlt man sich veranlaßt, wenn man die Antwort liest, welche jüngst der schweizerische Bundesrath einem Fabrikanten in Schaffhausen zu Theil werden ließ, der sich über den Fabrikinspektor N Ü s p e r l i beschwert hatte. Herr Nüsperli, lesen wir darüber im„Grütlianer", der tüchtige und wohlgesinnte Inspektor des III. Kreises, hatte einem Ar- beiter jenes Geschäftes, als dieser verunglückte, zu einer Haftpflicht- entschädigung zu verhelfen sich bemüht, und auch bezüglich des Verhält- nisses der Arbeiterkrankenkasse zum Etablissement intervenirt, was Alles den Fabrikbesitzer so aufbrachte, daß er Herrn Nüsperli in Bern ver- klagte. Da ist nun freilich der Herr bös abgeblitzt; der Bundesrath hat ihm rundweg erklärt, Herr Nüsperli habe ganz recht und in der Ord- nung geamtet. Die bundesräthlichen Motive lauten: „Es muß den Fabrikinspektoren zur Ausübung ihres Amtes das R e ch t zustehen, und es ist ihnen in ihren Dienstinstruktionen auch ausdrücklich gewahrt, den Arbeiter über Dinge, welche die Ausführung der gesetz- lichen Vorschriften über Fabriken und Haftpflicht betreffen, zu befra- gen, und sie haben nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, in sol- chen Fällen, wo sie ihn in seinenRechten verkürzt glauben, sich setner anzunehmen, ihn zu belehren und ihm zu denselben zu verhelfen, wobei es nicht darauf ankommt, ob sie, ihren guten Glauben vorausgesetzt, richtig oder unrichtig dachten, da hierüber einzig die kompetente Behörde zu entscheiden hat. Es ist namentlich grade das Haftpflichtgesetz, welches bis jetzt wegen der Unkenntniß der Ar- beiter, des Einflusses der Arbeitgeber auf letztere rc., nur eine mangel- hafte Vollziehung gefunden hat, und es ist daher nothwendig, daß die Inspektoren ein aufmerksames Augenmerk darauf richten, daß seine Bestimmungen eine genügende Vollziehung finden. „Ebenso haben die Fabrikinspektoren das Recht und die Pflicht, sich um das Kranken- und Unterstützungskassenwesen in den. industriellen Etablissementen zu bekümmern. Namentlich bringt es ihr Amt, welches darin besteht, die Vollziehung der gesetzlichen Borschrif- ten zu kontroliren, mit sich, daß sie nachforschen, ob, wie es nicht selten vorkommt, die Lasten der Haftpflicht in ungesetzlicher Weise auf die Arbeiter übertraaen werden, und wo sie dies zu finden glauben, ans Abhülfe dringen. ES ist ihnen auch unbenommen, außer beim Arbeitgeber auch bei Arbeitern Erkundigungen über solche Dinge einzuziehen, und sie müssen sogar im Zweifelsfalle beide Parteien hören, da sie nicht an der Seite der einen oder andern, sondern über denselben stehen sollen. Kommt ihnen dabei auch keineswegs ein bindendes Urtheil zu, so haben sie doch immer die Pflicht, die Vollziehung der gesetzlichen Vorschristen zu überwachen." Daraus ist zu ersehen, daß die Arbeiter an den Fabrikinspektoren eine zuverlässige Stütze haben sollen und haben und sich also vertrauensvoll an diese wenden dürfen, wenn sie etwas, das auf den Vollzug von Fabrik- und Haftpflichtgesetz Bezug hat, drückt. Wir brauchen nicht bei- zufügen, daß der Entscheid des Bundesrathes durchaus dem Geiste und den Intentionen des Fabrikgesetzes entspricht; es ist aber gut, und muß anerkannt werden, daß die Behörde unumwunden und fest sich zu der vorstehenden Erklärung entschlossen hat." Soweit der„Grütlianer". Man vergleiche mit der kräftigen Sprache deS bundesräthlichen Entscheides die Lamentationen des grrroßen Sozial- reformers Bismarck über die„Belästigung der Industrie" durch die Fabrikinspektion! Wahrlich, auch in der„freien Schweiz" ist nicht Alles Gold, was glänzt, aber die Pharisäer des„Musterbeamtenstaates" haben keine Ursache, hochmüthig auf die kleine Republik herabzusehen und ihr vorzuwerfen, sie führe ihre Gesetze nicht durch. Es gäbe eine recht aus- führliche Liste, wollten wir alle Gesetze und Verordnungen aufzählen, die in Preußen todter Buchstabe geblieben. — Ueb-r den skandalösen Prozeß Kückelhahn schreibt man uns aus Altona: „Wenn ich heute zur Feder greife, so geschieht es, um über eine von deutschen Richtern verübte Schandthat zu berichten, welche recht deutlich zeigt, daß unsere Justiz zur„feilen Dirne der Po- lizei" sich erniedrigt hat, was nicht laut genug in die Welt hinausgeschrieen werden kann. Kaum mag ich es wiederholen, was an- der« Blätter bereits in einem gleichgültigen Tone geschrieben haben, daß Altonaer Richter unser» braven Genossen, den Zigarrenarbeiter Aug. Heinrich Kückelhahn, 29 Jahre alt, wegen Verbreitung von ver- botenen Schriften auf Grund§9 des Sozialistengesetzes zu S',, Jahren und mit ihm die Genossen Paßburg und Lipphold wegen Beihütse zu dem konstruirten Vergehen zu 5 resp. 3 Monaten Gefängniß verurtheilt haben, weil mir die Schamröthe darüber in» Gesicht tritt, daß wir in diesem„aufgeklärten" Zeitalter noch derartige Richter unter. uns dulden. � Was haben denn die Genannten gethan, wofür sie so hart büßen sollen? Kückelhahn sagte in der Verhandlung:„Ich habe sechs Monate hindurch im Auftrage eines Andern, den ich nicht nenne, den„Sozialdemokrat", bei welchem sich zuweilen einige Schriften be> fanden, für die Versendung in ein von Paßburg gemiethetes Zimmer verpackt, wovon dieser nichts wußte; verschickt habe ich gar nichts. Lipphold, der nach seiner Verurtheilung wegen an ihm wahr- genommener Geistesstörung aus dem Gefängniß vorläufig entlassen ist, erklärte, er habe, was er in der Untersuchung bestritten, drei Kisten für Kückelhahn expedirt, aber nicht gewußt, was darin sei. Paßburg that dar, daß er von aar nichts wisse und Alles erst durch die Untersuchung erfahren habe. Bezüglich des Letzteren thaten die Polizeikommissare Engel und Niendorf ihr„Bestes". Sie bekundeten eivlich, daß Paßburg mit Kückelhahn zusammen am Abend des 15. November v. I. um 10 Uhr in dem fraglichen Zimmer gepackt haben, was, wie ich bestimmt weiß, erlogen ist. Denn erstens konnten sie in das Zimmer, wel- ches in der dritten Etage sich befindet, nicht hineinsehen, und daß sie auch nicht hineingesehen hatten, beweist der Umstand, daß sie, als sie das Zimmer mit Sturm einnahmen, erst alle Etagen im ganzen Hause durchsuchten, bis sie das richtige fanden. Der Staatsanwalt vtroschuff(könnte heißen: Groß-Schuft) war der Meinung, daß Kückelhahn ein halbes Jahr hindurch jede Woche eine Sendung expedirt und dafür 13 Jahre Gefängniß verdient habe, nach dem Wortlaut des Gesetzes, wo von Verbreitung„eine r" verbotenen Druckschrift die Rede sei, eigentlich aber noch viel mehr;— er wolle aber menschlich han- deln(hört! hört!) und deshalb nur(!) sechs Jahre Gefängniß beantragen. Paßburg und Lipphold, meinte er, seien wohl mit 6 resp. 4 Monaten Gefängniß genügend bestraft. Dr. Türkheim führte die Ver- theidigung. Er kritisirte scharf die Aussagen der beiden Polizeikommissare und bekämpfte die vom Staatsgewalt vertretene Rechteanschauung, wo- bei er dem Sozialistengesetz als solchem seine volle Würdigung a»ge- deihen ließ. Seine Ansicht war,, daß Kückelhahn wegen einem fortgesetz- ten Vergehen, aus welchem man aber nicht so und so viele Fälle kon- struiren könne, sondern das als Ein Fall angesehen werden müsse, mit höchstens 6 Monaten Gefängniß bestrast werden könne, daß Paßburg und Lipphold aber wegen ungenügenden Beweises freizusprechen seien. Die Richter erkannten im Sinne deS Staatsanwalts, doch er- mäßigten sie das Strafmaß dahin, wie oben angegeben, rechneten aber Keinem die Untersuchungshaft an, selbst Lipphold nicht, den sie durch eine ISwöchentliche Untersuchungstortur so verwirrt gemacht haben, daß er ein„Geständniß" ablegte. Zu ihrem„Edelmuth" sind die Richter deshalb gekommen, weil sie bezüglich Kückelhahns angenommen, er sei durch Verführung in das Parteigetriebe der Sozialdemokraten hin eingerathen und zu Handlungen verleitet, worüber er sich gar nicht richtig klar geworden sei. Dieses nun so schmachvolle Urtheil vom Rechtsstandpunkte aus zu kri- tisiren, halte ich für thöricht, weil es in Deutschland kein Recht gibt und der Wortlaut unserer Gesetze so mangelhast gestellt ist, daß er jedes Urtheil zuläßt, was berühmte Rechls Nasen-Drechsier ä la Opvenhoff nachgewiesen haben; bemerken aber will ich, daß seit Erlaß des Sozialisten- gesetzes im Sinne dieses Urtheils bisher noch kein Urtheil gefällt und uns dadurch der deutlichste Fingerzeig gegeben ist, aus welchem Loche jetzt der Wind weht. Was die eingelegte Revision beimReichs- g e r i ch t nützen wird, kann man nicht wissen, daß aber auch dieses Ge- richt urtheilen kann, wie es soll, das beweisen die Fälle Scupin und Schlüter. — Berichtigung. In der„Berliner Volkszeitung" vom 26. Februar finden wir eine Notiz, welche im Wesentlichen den Inhalt der in Nr. 8 unseres Blattes veröffentlichten Zuschrift aus London rekapitulirt und als Verfasser derselben Fr. Engels nennt. Es ist natürlich Jedermanns Recht, seinen Vermuthungen über den Verfasser irgend einer Enunziation freien Lauf zu lassen, aber von einem ehrenhaften Journalisten sollte man doch erwarten dürfen, daß er in einem solchen Falle zu erkennen gibt, daß es sich nur um eine Ver- m u t h u n g handelt. Da der betreffende Redakteur dies nicht für nöthig hielt, so sind auch eine ganze Anzahl von anderen Blättern auf diese Notiz hereingefallen. Wir halten uns deshalb verpflichtet, zu erklären, daß Fr. Engels nicht der Verfasser jenes Briefes ist. — Nach längerer Unterbrechung ist kürzlich wiederum eine Nummer der„Rarodnaja Wolja" erschienen— die Doppelnummer 12 und 13. Dem uns vorliegenden Exemplar sieht man auf den ersten Blick an, unter welch' schwierigen Umständen sie hergestellt werden mußte. Daß sie aber, trotz der enormen Verluste, welche die Brutalität der russischen Regierung der Partei zugefügt, trotz der unausgesetzt be- triebenen Verhaftung und Deportirung„Verdächtiger", überhaupt her- gestellt werden konnte, ist ein erhebender Beweis von der Opferfreudig- keit und Elastizität der russischen Revolutionäre, und als solchen be- grüßen wir das Wiedererscheinen des tapferen Kampforgans auf's Freudigste. Aus seinem Inhalt werden wir in nächster Nummer das Bemerkenswertheste mittheilen. — Seit der„Sozialistendebatte" leidet der Reichstag an chro- nischer Beschlußunsähigkeit. Erst wenn daS S ch n a p s m o n o p o l zur Verhandlung kommt, wird es im Reichstag wieder lebhafter zugehen. Herr von Puttkamer hat sich auf seinem Platz noch nicht wieder sehen lassen. Trotz seiner„Abgebrühtheit" soll ihm die Blamage des 18. und IS. Februar doch in die Glieder gefahren sein, so daß er krank ist. Nun— auf„edlere T h e i l e" kann daS Uebel bei diesem adligen Musterjunker nicht geschlagen sein— das ist wenigstens ein Trost. — In der Arbeiterschntzgesctzkommission des deutschen Reichs- t a g e s ist die Ausdehnung des Verbots der industriellen Beschäftigung von Kindern unter 1 2 Jahren auf H a u s i n d u st r i e und Gewerbe, sowie das Verbot der Beschäftigung von Kindern unter 1 4 Jahren in Fabriken gegen die Stimmen der Nationalliberalen und K o n- servativen angenommen worden. Natürlich ist dieser Beschluß für das Plenum noch nicht maßgebend. Da wird'S wohl auch aus Zentrum ,c. UmfallS-Vertreter geben. —'Pnttlämerchen hat seinen„Sozialdemokrat" gut studirt. Er hat die Lektion, welche wir ihm vorsagten, gut auswendig gelernt. Genau wie wir vor vier Wochen schrieben, hat er e r st e n s das„Rothe Ge- spenst" herumgeführt, und, w e-i t e n s seine Duldung der sozialdemo- kratischen Presse herausgestrichen. Hätte er nur die Lektion etwas besser gelernt! Jedenfalls ist es ein hübscher Witz der Geschichte, daß Puttkamer seine Vertheidigung gegen die Sozialdemokraten erst vom„Sozialdemokrat" lernen muß. — Aus Berlin schreibt man uns: „Die Affäre Jhring- Mahlow wird nicht so gemüthlich ver- laufen, wie Herr Puttkamer sich eingebildet haben mag. Die Entlarver dieses Lumpen haben die Sache dem Staatsanwalt übergeben, und zwar unter Vorsichtsmaßregeln, welche es absolut unmöglich machen, die Sache todtzuschweigen oder in ein harmloses Fahrwasser zu lenken. Wir wissen, mit wem wir es zu thun haben; und Herr Puttkamer wird finden, daß wir mindestens so früh aufstehen als er selber. Beiläufig liegt Jhring-Mahlow noch im Hospitale. Das M a t u r i- t ä t S z e u g n i ß, das ihm vor vier Wochen seitens der Sozialdemokraten ausgestellt wurde, war Fraktur geschrieben, und mit blauer und r o t h e r Tinte, die sich nicht leicht verwischt." Vorstehende Notiz war bereits zur Druckerei gewandert, als uns mit der neuesten Post die Nachricht wird, daß Puttkamer ein wahres Meister- stück an Eselei verübt hat. Nachdem er sich von den moralischen Ruthenstreichen, die er am 18. und 19. Februar im Reichstag erhalten, soweit erholt, daß er überhaupt einen Gedanken fassen konnte, ist er aus die, Leuten seines Kalibers sehr naheliegende Idee verfallen, durch dop- pelte Frechheit zu verblüffen und dann die Rolle der gekränkten Un- schuld weiter zu spielen. Er hat gegen die beiden Zeugen, die ihm Singer im Reichstag zur Bekräftigung seiner Aussagen über Ehren-Jhring gemacht, Anklage wegen Beleidigung erheben lassen. Aber— der brave Puttkamer vergißt ganz, daß er sich dadurch nur immer mehr mit dem säubern Jhring Mahlow identisizirt, und daß ihm selbst eine Verurtheilung wegen Beleidigung, wenn er ste erzielen sollte, absolut nichts nützt. Die Frage der Beleidigung ist formell, hie' �r e aber handelt es sich um die S a ch e. Und wenn die Beiden den Jhrinj ieere todtgeschlagen hätten und daraufhin zum Tode verurtheilt würden, st besesse nützte diese Verurtheilung dem Reichsspitzelminister nicht die Bohne. Er Grenz wird den Mahlow damit nicht los. Der Prozeß wird i« gen h, Gegentheil nur dazu dienen, den Skandal zu vergrößern, das Syst e» nur a immer schärfer bloszustellen. Ueberschlau sein wollen, ist immer ei« spuckt. Fehler. Hände Eouvi — lleberall das gleiche Rindvieh. In Stettin wurde a« eine d 7. Februar der Schlosser Richard Pindter, ein wackerer und eifrig« nicht> Genosse, unter starker Betheiligung seitens der Sozialisten von Stetti« und Umgebung begraben. Gegen 300 Leidtragende hatten sich einge-— funden, dem tobten Freunde die letzte Ehre zu erweisen. Natürlich fehlte welche es aber auch nicht an R— ettern des Staats und der Gesellschaft. Nicht Deuts> weniger als 20 Schutzleute, ein Kommissar und der Polizeiinspektol Ssbt e David hatten sich eingefunden, deren erste Sorge war, alles, was ro th N aussah, zu entfeinen. Vom Sarg und von den Kränzen mußten die"J™' rothen Schleifen entfernt werden, da? Tragen von rothen Bändern od«®,e G Nelken im Knopfloch wurde verboten, sogar diejenigen, welche nach dor- währe tiger Sitte ein rothes Taschentuch in der Seitentasche ks jetz trugen, mußten dasselbe unsichtbar machen. Und so Du war, wenn auch nicht der Staat, so doch Stettin gerettet. Denn da Dum, die Beerdigung auf einem Vorort stattfand, so kamen, sofort als der �utein Zug das Stadtgebiet hinter sich, die Stettiner Polizei also„nix mehr stoht, to seggen hedde", die rothen Abzeichen wieder zum Vorschein. Und Most. merkwürdig, das ländliche Rindvieh wurde nicht„wild". Die Be- 3 erdigung ging ohne Zwischenfall von Statten. Erst als sie vorüber war, wirkli kam ein größeres Gensdarmerie-Aufgebot in drei Droschken angefahren; W i leider gabs nichts mehr zu retten. Sie trösteten sich damit, daß es ein uorsch, altes Schicksal der G e n s d a r m e r i e ist,„immer zu tpät")" 9 a 6 e kommen.-- Ei das st — �Deutschlands gebildete Jugend. Von der Geistesverfassung jj" bi, der Jugend, welche nach Ansicht der Stöcker, Treitschke und Kompagnie haberi eine Bürgschaft ist für die Verewigung der Bismärckerei in Deutschland, ieugt zeugt folgender Vorfall, der sich vor wenigen Tagen in dem„wieder- �° r gewonnenen" Straßburg abgespielt. Wir folgen der Darstellung. Ä w im Sprechsaal der nationalliberalen„Straßburger Post": Dieser „Am Sonntag Abend betrat ein der katholischen Studenten- Verbin- �suschr dung„B a d e n i a" angehöriger Studiosus in Begleitung zweier älter«'"cht, Herren den Luxhof. In, Begriffe, an einem Tische Platz zu nehmen,' e 9 r erschien der Wirth und eröffnete dem die Farben seiner Verbindung stempe tragenden Badenen:„Die Corps beantragen, daß Sie das Lok-ü Da! verlassen." Hierauf begab sich die ganze Gesellschaft zum Büffet, w» wenn die beiden älteren Herren, die sich als akademisch gebildete Beamte be- Ich n i zeichneten, dem Wirth den Standpunkt klar machten. Die Frau des 9kit n Wirthes erwiderte:„Der Herr hätte bleiben können, wenn er die Mütze wach abgenommen hätte". Hervorgehoben muß werden, daß die Mitglied« �tei einer andern studentischen Verbindung mit ihren farbigen Mützen iw Wa Saale ungenirt anwesend waren. Der Baden« mit noch zwei jungen Herren zog sich zurück. Sie waren noch nicht an der Thür« angelangt, R e, als schon eine Kellnerin nachkam und dem Badenen sagte:„Herr X- meb hat, den züchtigt er. In jüngf — tw{. Daß der große Otto auch dankbar sein kann, hat dru» neulich der Reichs-Stephan erfahren. Bekanntlich war der Otto- Spitz Bettel von den großen Börsen- unv Geldbaronen inszenirt und der fljne größte Theil der Summe von ihnen aufgebracht. Diese gegenseitige solche Handwaschung— die Gewährung des Otto-Douceurs— war jedoch zu und durchsichtig und behagte daher dem großen Manne nicht. Nun that Mittl zwar das nationalseroile Gesindel in den Städten das seinige, um auch DurS das„Voll" zur Beisteuer zu veranlassen, allein immer noch fehlte das dann platte Land. Da schlug sich Ehren-Stephan in's Mittel, verfügte er näml doch über den ausgiebigsten Beamten-Apparat in ganz Deutschland. Do, Nicht nur, daß alle Post Unterbeamten(Briefträger, Postillone, Land- mus boten«.) angewiesen wurden, jeder wenigstens 25 Pfennige zur Unter« b r e stützung des großen, armen Mannes beizutragen, die L a n d p o st b o t e n in R, wurden extra kommandirt, die Sammellisten auf Bew« dem Lande zu kolportiren. Da diese Beamten jedes Dorf besor täglich mindestens einmal besuchen, überall bekannt und gern gesehen u-bei sinv, so versprach diese Art des B e t t e l s den besten Ersolg, denn Wi Jeder gab, mehr dem Sammler als dem großen Otto zu Liebe, seinen Hsijhei kleinen Beitrag, und der Postbote ward von seinen Vorgesetzten am darü! besten angesehen, je mehr er Unterschriften und Beiträge brachte. Wel- sie ti chen Spott über den„Bettel", wie ihn der Bauer nannte, die armen, und geplagten Stephansjünger oft auf dem Lande hören mußten, davon hat ijsie mir manch einer derselben auf meinen einsamen Wanderungen erzählt, dadu Da» Verdienst des großen Stephan um den Staat und seine noble Leute G. sinnung erheischten aber Belohnung, und so strahlt er jetzt vorn in weiß Hellem Adelslichte, während der schwärzliche Schimmer hinter ihm nur ttnte, die patriotische Ergänzung der Hohen, ollern'schen Haussarben darstellen x j* hilft. S o füllt das„dankbar e« Volk"„freiwillig" den Bettel- Sss-u sack mit dem neufürstlichen Wappen, dessen passendster Spruch allezeit viel» wäre:„Hon ölet!" Most — Zafarcnwahnsinn. Der Staat bin ich— dieses hoch- müthige Wort Ludwig» XIV., den seine Zeitgenossen bewundernd den_ „Großen" nannten, und von dem heute nichts berühmt ist als seine bodenlose Eitelkeit, wird jetzt von Bismarck noch übertrumpft. Der Zj' französische Despot wollte mit seinem Ausspruch nur sagen: mein aller« dem höchstes Interesse ist Staatsinterefl« und das Interesse des Staates ist( mein Interesse; Bismarck aber erklärt: Das Reich bin Ich, aber nur � t so lange ich w i l l. Wenn Ich, der große Bismarck, nicht will, so ist, das Reich überhaupt nicht. Und so droht er jetzt durch den Mund seiner Offiziösen, auch die Regelung der Kolon, alangelegenheiten dem Reich—> d. h. dfc Einrede des Reichstags zu entziehen und dem König von Dutze Preußen zu übergeben, der sich— wie es früher im alten Bund Sitte wicht gewesen— auf dem Wege des V e r t r a g e s mit den Einzelregierungen d-mo verständigen werde. Weil das Reich mir nicht auf den Buchstaben pa- Sieg. rirt, darum soll es lieber gar nicht sein. j(a Nun, uns schrecken solche Drohungen sicher am wenigsten, mag diese« theilu Reich bismarckischer Fabrik in Trümmer gehen, um so besser vielleicht ■r für ein wirklich freies Deutschland, und zudem find es wirklich nur! iä leere Drohungen. Sind die A n s p r ü ch e des vom Zäsarenwahnfinn ss besessenen Kanzlers auch bodenlos, so hat seine Macht doch sehr reale r Grenzen, an denen er sich schon wiederholt hart den Schädel aufgeschla- » gen hat und noch öster aufschlagen wird. Wir erwähnen sie daher auch a nur als symptomatisch für den Geist, der zur Zeit im Kanzlergehirn n spuckt. Wahrlich, die Regierung Deutschlands ist in den denkbar besten Händen. Ein 89jähriger, vor Altersschwäche halb unzurechnungsfähiger Souverän und ein vor Größenwahnsinn übergeschnappter Kanzler— « ein« drastischere Propaganda für die Republik können wir uns gar * nicht wünschen. e>— Dumme Jungen-Streiche. Es gibt ein lateinisches Sprichwort, te welches da lautet! Luvt puori pueri, pueri pnerilia traotant. Zu ji Deutsch: Jungen sind Jungen, und Jungen machen Jungenstreiche. Nun t gibt es verschiedene Sorten von Jungenstreichen: einfache Knabenstreiche, h die Niemand ernstnehmen und tadeln wird: dumme Jungenstreiche, die st man nicht so ruhig hinnehmen kann, und endlich Bubenstreiche, bei denen tt die Gemüthlichkeit aushört und die Peitsche in Requisition treten muß, (( während für die Dummen Jungenstreiche die Ruthe genügt. Wir haben e's jetzt mit einem Dummen-Jungenstr eich zu thun. o Dumme Jungen sind dumme Jungen, und dumme Jungen machen Dumme, Jungem Streiche— so variiren wir in der Uebersetzung das ■x lateinische Verschen. Und einen Dummen�Jungenstreich, wie er im Buch r u'hl, finden wir in einer der letzten Nummern der„Freiheit" des Hans d Most. Herr Hans Most tischt uns da nämlich auf, Lieske sei mit Fug v und Recht zum Tode verurtheilt worden, denn er habe den Rumpss r, wirklich erstochen. >! Wenndieswahrwäre, so würde Herr Hans Most als Mit- n verschworener Lieske's, wofür er sich ja ausgibt, dies für sich u haben behalten müssen, und zwar aus zwei Gründen. Einmal— und der einfache„revolutionäre" Instinkt müßte ihm das sagen— weil es sich nicht schickt, dem Feinde Alles auf die Nase ,g zu binden und ihm einen Gefallen zu thun. Und daß es den Gewalt- st habern und den Werkzeugen, die von der Schuld Lieske's nicht über- d, Zeugt waren, sehr angenehm wäre, wenn der Verdacht eines Justiz- r< Mords von ihnen genommen würde, das liegt auf der Hand. iz Zweitens durfte Most es nicht sagen aus Rücksicht auf Lieske. Dieser hatte die Thäterschaft g e l e u g n e t, mit der Betheuerung seiner it> Unschuld legte er den Kopf auf den Block- begreift Herr Hans Most er"'cht. daß er Lieske. mit dessen Freundschaft er sich brüstet, einen n, lehr schlechten Dienst leistet, indem er ihn zum L ü g n e r ,g stempelt? al Das Benehmen des Hans Most erscheint aber noch mel unverzeihlicher, ,o Wenn wir bedenken, daß er— aufgeschnitten hat— a u f g e. v schnitten in der einzigen Absicht, durch seine erlogene Vertraut- eS heit mit Lieske für seine Bumbum, Person Reklame,» »e Machen. er Lieske hat nicht den Rumpf getödtet. in Was immer man von Lieske denken mag, er war ein Mann von tn außerordentlichem aRuthe und außerordentlicher it N e r v e n st ä r k e. Mit diesen Eigenschasten verträgt es sich absolut x. nicht, daß er die That, wegen deren das Frankfurter Schwurgericht ihn z. zum Tod verurtheilt, bis zuletzt geleugnet hätte, voraus- er« e s e tz t, daß er sie begangen. Daß er vor Gericht leugnete, so lange noch Hoffnung auf Frei- ■, sprechung war, das erklärt sich; allein daß der Urheber eines politischen n Verbrechens auch im Angesicht des sicheren Todes leugnet, das ist eine psychologische Unmöglichkeit. Und im Falle Lieske's liegt noch so manches Andere vor, was für die Unschuld des � Mannes spricht. n Doch lassen wir das. .Genug, in seinem kindischen Größenwahn hat Hqns Most, blos um � für seine Person Bumbum-Reklame zu machen, den Mördern und Hen- kern Lieske's einen großen Gefallen gethan und Lieske als verlogenen „, Feigling hingestellt. je' Waren wir nicht zu mild, diese Leistung des Hans Most in die ;ge Kategorie der Dummen-Jungen-Streiche zu bringen? aß Mehr in die Kategorie der Knabenstreiche gehört folgendes Stück« irt chen, das der fettgewordene Hans jüngst in seinem Blatt verübte, und en das wirklich zu lustig ist, als daß wir es unfern Lesern vorenthalten sollten. Hänschen ist zwar ein geschworener Feind allen Eigenthums, aber hte einen ganz besonderen Haß hegt er gegen das literarische Eigen- nd thum. Und er müßte kein Anhänger der Theorie von der P r o p a- ien ganda der That sein, wenn er diesemHaß nicht durch praktische hte B e t h ä t i g u n g den kräftigsten Ausdruck gäbe. Er hat sich das Nach- In- drucken, den literarischen Diebstahl— man verzeihe den veralteten >es Ausdruck— so angewöhnt, daß es ihn die größte Ueberwindung kostet, che Nicht zu stehlen. Und da man nicht ausschließlich von Weitling, — von den alten Jahrgängen des„ V o l k s st a a t", der„Neuen die Welt", der„Sozialpolitischen Blätter" leben, nicht ien die ganze Nummer mit Gedichten aus der Sammlung„Vorwärts" füllen as kann, so ist der arme Hans schließlich— nicht er hat die Scheere, son- ist der» die Scheere hat ihn— auf f-ff unser Blatt verfallen. Man ei stelle sich unsere Rührung vor, als wir so einen lieben Bekannten eines ien Tages hanseatisch übers Meer zurückkommen sahen; es war ergreifend. rlb Damit aber begnügt sich Hänschen nicht. Er ist nicht bloS ein Mann, :m der eine Scheere besitzt, er hat auch Grundsätze. , In Nr. 3 unseres Blattes fand er einen Originalbericht über den längsten Warschauer Sozialistenprozeß. Ihn einfach ab- hat drucken— natürlich ohne Quellenangabe— das mag gewöhnlichen to> Spitzbuben genügen, aber Hänschen ist kein Stümper; nichts halb, ist >er seine Devise. Er redigirte ihn„um", indem er— man staune über ige solche geistige Arbeit— überall statt Sozialisten Anarchisten schrieb, zu und versah ihn mit folgender genialen Anmerkung:„Die vorstehenden hat Mittheilungen sind von Warschau aus nach der Schweiz versandt worden. uch Durch eine Indiskretion soder Dummheit) des Uebersetzers gerieth so- >as dann leider der ganze Aussatz in ein durchaus anti-revolutionäres Blatt, er nämlich in den sogenannten„Sozialdemokrat". Dieses scheußliche ad. Demagogenorgan hatte denn auch die Stirn, stets Anarchis- ad- mus mit Sozialismus zu übersetzen, obwohl die redaktionelle V e r- er« brecherbande jenes schuftigen Blattes gut genug weiß, daß es e n m Ruhland und Polen lediglich Anarchisten innerhalb der revolutionären u i Bewegung gibt. Wir haben die nöthige Richtigstellung in dieser Hinsicht ort besorgt. Mögen künftighin unsere politischen Freunde bei Auswahl ihrer ;-N Uebersetzer vorsichtiger sein!" «n Wenn sich diese Prachtleistung knabenhafter Eitelkeit nur gegen uns ien»scheußliche Demagogen" richtete, so würden wir natürlich kein Wort am darüber verlieren. In dieser Beziehung wirkt sie nur erheiternd. Aber !el< fix richtet ihre Spitze auch gegen die polnischen und russischen Sozialisten en- und Revolutionäre. Man kennt das Bestreben der russischen Regierung, hl» ihre skandalösen Gewaltmaßregeln gegen die Revolutionäre ihres Landes hlt. dadurch zu beschönigen, daß sie dieselben als Anarchisten hinstellt, als s e Leute, welche die berüchtigte Mord- und Diebstaktik praktiziren, man 'n weiß auch, wie energisch diese selbst sich wiederholt gegen eine solch infame 'ur Unterstellung verwahrt haben— erst neulich haben Lawroff und T i ch o mir o w in französischen Blättern eine solche Erklärung ver- t«t' öffentlicht— und insofern verliert die Sache ihre harmlose Seite, oder jert vielmehr, sie würde sie verlieren, wenn überhaupt noch Jemand Hans Most ernst nähme. Dafür, daß das nicht der Fall, hat er zum Glück ,ch- unt anerkennenswerthem Geschick gesorgt. den— Aus Weimar schreibt man uns:„Weißenfels, 8. Februar. üne Gestern Nachmittag wurde der Führer der hiesigen Sozialdemokratie, , Zigarrenhändler Kuno, mit sozialdemokratischem Gepränge und unter dem Zulauf von Tausenden beerdigt. Kuno gehörte zu den aus Berlin auf Grund des Sozialistengesetzes ausgewiesenen Agitatoren und hatte "s? sich vor der letzten ReichStagSwahl hier niedergelassen. Seitdem war «in sehr erhebliches Wachsthum der Sozialdemokratie Hierselbst bemerk- "er bar, während noch vor drei Jahren die Arbeitgeber sich rühmen konn- ten, daß dank der gesunden Verhältnisse der hiesigen Industrie nicht ein Dutzend von dieser Partei vorhanden sei. Gegenwärtig gilt es schon Nicht für unmöglich, daß bei der nächsten Reichstagswahl ein Sozial- Sen demokrat für den Naumburg-Weißenfels-Zeitzer Kreis aus der Urne als P®' Sieger hervorgehen könnte." ,. Kann es wohl einen schöneren Nachruf geben als die vorstehende Mit- icht des hiesigen, nicht bloS national-, sondern in jeder Beziehung miserablen, von einem sozialistenfresserischen, käuflichen und bauch- rutschenden Subjekte redigirten,„Deutschland" genannten Blattes aus „W e i ß e n f e l s"? Alle Nachrufe der Parteigenossen sprechen nicht so viel als die Korrespondenz der Gegner! Ehre dem Sozialdemokraten, dem solcher Nachruf wird! Es zeigt aber diese Mittheilung auch, wie sehr die Ausweisungen aus Berlin rc., wenn sie auch die einzelnen Personen schwer geschädigt haben, der Sozialdemokratie an sich förderlich gewesen sind. Es bestätigt die gegnerische Korrespondenz die Thatsache, daß der große Otto nebst seinen Trabanten der größte Förderer der Ausbreitung der sozialdemokratischen Ideen gewesen ist. — Die Genossen in Locke senden uns ebenfalls einen schneidigen Protest gegen die Polenausweisungen, die sie als einen„Schandfleck für Deutschland" erklären,„von dem sich anders Nationen mit Eni- rüstung abwenden." Desgleichen haben Versammlungen von Deutschen in H o r g e n und in Schafshausen, sowie die sozialdemokratisch- Mitgliedschaft'in St. Gallen ihre volle Zustimmung zu der Züricher Resolution aus- gesprochen. — In Decazevikle ist der Streik von Neuem ausgebrochen, hauptsächlich weil die Gesellschaft den Ingenieur B l a z y wieoer einsetzen wollte, der bei den Arbeitern sich ebenso verhaßt gemacht als Watrin und sich vor dem Schicksal desselben seinerzeit nur durch schleunige Flucht gerettet hatte; außerdem hat die Gesellschaft einen neuen Lohntarif auf- gesetzt, der nach Ansicht der Arbeiter einer Lohnherabsetzung gleichkommt. Natürlich hat die Regierung sofort Truppen hingeschickt, um die„Ruhe" aufrecht zu erhalten, aber das genügt den Herrschaften noch nicht. Weil die Regierung nicht offen für die Ausbeuter Partei ergriffen, schreien sie durch den Mund des„Journal des Debats", dieses elenden Speku- lantenblattes, das trotz seiner notorischen Beziehungen zu den Finanz- leuten der Orleanistischen Clique in deutschen Redakttonsstuben als „republikanisch" gilt— über unbefugte Einmischung in ihre Rechte. Der Präfekt hat nämlich die Anschlagung eines Plakats der Gruben- Verwaltung verhindert, das die Wuth der Arbeiter aufs Aeußerste treiben mußte. Den Interessen der Herren hätte es besser entsprochen, wenn es zum Blutvergießen gekommen wäre. Wozu hat man denn ein „herrliches Heer"? Basly und Camölinat sind sofort an Ort und Stelle gereist, um ihren Kameraden mit Rath und That beizustehen, was ihnen Seitens der Bourgeois furchtbar übel genommen wird. Besonders infam benimmt sich das Chauoinistenblatt„Paris". Ganz recht. So wird den Arbei- tern am deutlichen bewiesen, was sie von diesen„Patrioten" zu erwar- ten haben. An der Arbeiterfrag« muß die Revanchepolitik zerschellen— hüben wie drüben. tz. Roch einmal Herr Maximilian Schlesinger. Es sind uns auf Grund des Herrn Schlesinger betreffenden Notizen in Nr. 5, 7 und 8 unseres Blattes sowohl eine Anzahl auf die Streitfrage bezügliche Schreiben, als auch das in dem Windthorst- Prozeß ergangene Erkenntniß vom 9. Oktober 1884 zugegangen, aus welchen wir uns genöthigt sehen, Einiges mitzutheilen, was allerdings geeignet sein dürfte, Herrn Schle- singer in recht ungünstigem Lichte erscheinen zu lassen, für uns aber außerdem die polizeiersprießliche Thätigkeit dieses Mannes erweist. Indem wir einige Stellen aus dem genannten Erkenntniß folgen lassen, heben wir ausdrücklich hervor, daß, wie uns weiter mitgetheilt wird, Herr Schlesinger und kein anderer die darin erwähnten Mittheilungen gemacht haben kann. Unter der Rubrik:„Durch die Beweisaufnahme ist folgender Sach- verhalt erwiesen," heißt es auf Seite 4 deS Erkenntnisses: „Die sozialdemokratische Partei in Breslau besaß unter dem Namen: „Schlestsche Volksbuchdruckerei H. Zimmer& Sie." eine eigne Druckerei. Indem die Firmainhaber und Verwalter Zimmer&©türmet gegen ein fixirtes monatliches Gehalt engagirt waren, ist die genannte Partei der Eigenthümer der Druckerei, welche bereits im Jahre 1877 durch unter Mitgliedern der sozialdemokratischen Partei veranstaltete Sammlungen, über deren Beträge den Einzahlern Darlehensscheine gegeben wurden, gegründet wurde. In dieser Druckerei sind bis in die neueste Zeit fämmtliche Preßerzeugnisse im Interesse der Partei, namentlich Zeitungen und Flugblätter, insbesondere Wahlflugblätter, welche letztern in Deutsch land zur Verbreitung gelangten, unentgeltlich hergestellt worden. Von dem Buchdrucker Zimmer wurden bis Ende des Jahres 1882 zur Förderung der sozialdemokratischen Agitation Beiträge eingesammelt, welche mit der Kasse der Druckerei vereinigt und zu allerlei Agitationszwecken und zur Unterstützung sozialdemokratischer Agitatoren verwendet worden sind. In den zur Druckerei gehörigen Lokalen haben wiederholt geheime sozialdemokratische Versammlungen stattgefunden, in denen nicht nur hiesige, sondern auch auswärtige Leiter der Partei, sowie sozialdemokra- tische Reichstagsabgeordnete behufs Besprechungen und Abhaltung von Versammlungen zusammengekommen sind." Unserer Ansicht nach müßte die Breslauer Druckerei sehr gut fundirt gewesen sein, wenn sie Zeitungen und Flugblätter unentgeltlich hergestellt hätte. Das thut nun, beiläufig gesagt, keine Druckerei, und insbesondere die Breslauer hat, wie uns mitgetheilt wird, sehr oft in arger Klemme gesteckt, so daß, wie wir aus einer„Erklärung" ersehen, der Bankrott derselben mehr wie einmal vor der Thür stand, sie also schon deshalb so generös nicht handeln konnte. Aus dem Umstind, daß Gesinnungs- genossen Geld zur E-richtung der Druckerei geliehen, zu folgern, die Druckerei gehöre deshalb der Partei, ist übrigens eine feine Logik. Da- nach müßte aller Besitz und alles Vermögen, was einzelne Parteigenossen besitzen, der Partei gehören. So weit sind wir aber noch nicht, und zudem müßte auch erst, festgestellt sein: wer ist die Partei. Daß der Richter sich daraus gar nicht einließ, ist nur dadurch erklärlich, daß er sich auf eine zeugeneidliche Aussage stützte. Jedoch abgesehen von alledem, kam es uns so vor, als ob wir diese Stelle des Erkenntnisses schon irgendwo gelesen hätten. Und siehe da, wir finden eine deutsche Zeitung, worin das Verbot der Breslauer Druckerei abgedruckt ist. Und wie lautet es da?„In Erwägung, daß erweislich die gedachte Druckerei, welche im Jahre 1877 durch freiwillige Beiträge sowie durch Sammlungen der sozialdemokratischen Parteigenossen begründet worden ist, bis in die neuest- Zeit sämmtliche Preßerzeugnisse im Interesse der sozialdemokratischen Partei unentgeltlich hergestellt hat, von denen die nachgenannten Druckschriften durch die Landespolizeibehörde verboten worden sind." Und nun werden fünf Zeitungen und neun andere Druckschriften aufgeführt, welche dem Verbot erlegen sind. Wie gesagt, daß fünf Zeitungen unentgeltlich hergestellt, den Kolporteuren resp. Lesern unentgeltlich überlassen, d. h. geschenkt worden sein sollen, scheint für uns nicht glaublich und müßte doch wohl die Unwahrheit solcher Behauptung durch die Bücher, Kolporteure und Leser festgestellt werden können. Wir glaubten bisher, die Polizei hätte das Verbot auf bloße Annahme der vorgeführten Behauptungen hin erlassen, allein auf die obenerwähnten Zeugenaussagen hin konnte sie so handeln. Es kommt, wie gesagt, alles darauf an, wer diese Aussagen gemacht. Sodann heißt es in dem Druckereiverbot wörtlich weiter:„In fernerer Erwägung, daß die Erträge zu Agitationszwecken und zur Unterstützung sozialdemokratischer Agitatoren verwendet worden; sowie daß in den zu der Druckerei gehörigen Lokalen wiederholt geheime sozial- demokratische Versammlungen stattgefunden haben, in denen über oie Mittel und Wege, wie den Lehren und Bestrebungen der Partei in wei- teren Kreisen Eingang zu verschaffen, berathen wurde, wird das hier- ortS bestehende Buchdruckerei- und Verlagsgeschäft k. hiermit verboten." Das Verbot ist, wie zu ersehen, einfach aus dem Erkenntniß a b g e- schrieben, und es fragt sich blos: wie kommt Saul unter die Pro- pheten, d. h. Herr Maximilian Schlesinger unter die Zeugen in dem Prozeß gegen Windthorst und Genossen— er, der schon jahrelang nichts mehr mit unserer Partei zu schaffen hatte.*) Dabei ist zu erwähnen, *) Es wird uns ferner mitgetheilt, daß, als die Druckerei geschloffen war und unser Genosse Kräcker die Beschwerde dagegen erhob, die kon- servatioe„Schlesische Zeitung" es war, welche gegen Kräcker dieserhalb po.emisirte, worauf ihr die„Breslauer Morgen- Zeitung" antwortete, sie solle erst abwarten, da die Sache noch nicht ganz klar sei, denn die Maßregel basire auf einer Reihe auf Eigennutz beruhender gemeiner Denunziationen.„Und obwohl das Blatt keinen Namen nannte, juckten diese paar Worte Herrn Maximilian Schlesinger doch so gewaltig, daß er darob in seiner Zeitung die„Breslauer Morgen Zeitung" barsch an- fuhr und derselben vorwarf, sie verstehe überhaupt nichts, und was der- gleichen Schmeicheleien mehr waren." daß, wie man uns gleichfalls mittheilt, Herr Schlesinger die früheren Inhaber der Druckerei, die seiner Zeitung gegenüber ein Konkurrenzblatt gründeten, schon einmal mit einem Prozeß, der auf Betrug gerichtet war, beglückte, jedoch kein Glück damit hatte, Wir bemerken übrigens aus- drücklich, daß wir gar keine Ursache haben, für diese früheren Inhaber der Druckerei eine Lanze zu brechen, denn diese stehen uns mit ihrem Blatt genau so fern, wie Herr Schlesinger mit seinem Blatt; beide Blätter sind nur dazu angethan, die Parteigrundsätze hintanzuhalten und haben bestenfalls nur den Zweck, den beiderseitigen Besitzern ein gutes Leben zu sichern. Beiderseitig mögen sich die Herren aber merken, daß unsere Partei in Breslau trotzdem bestehen wird, ohne sie und trotz alledem. Eine andere Stelle des Erkenntnisses lautet wie folgt:„Dem Ange- klagten Windthorst war ferner die Verwaltung und Beaufsichtigung der der sozialdemokratischen Partei gehörigen Kassen anvertraut. Er führte die Aufsicht über die Kasse der Volksdruckerei Zimmer& Sie. rc." Nach eingezogenen Erkundigungen aber wird uns versichert, daß Windthorst weder mit der Druckerei noch mit deren Kasse je etwas zu thun gehabt, daß es ihm unerfindlich sei, wie solche Bekundungen gemacht werden konnten, und daß er höchstens zwei- oder dreimal die Lokale der Druckerei besucht und nie länger als einige Minuten darin verweilt habe. Die Einrede der Angeklagten, daß Wesely, der„sich zum Denun- zianten seiner früheren Parteigenossen hergegeben habe, nicht glaubwürdig sei, endlich daß dem Zeugnih des Redakteurs Schlesinger aus demselben Grunde kein Gewicht beigelegt werden könne, indem er sich infolge einer mit dem Firmeninhaber der Volksdruckerei Zimmer entstandenen Diffe- renz, welche zu verschiedenen Prozessen mit demselben Anlaß geworden, von der sozialdemokratischen Partei, welcher er früher angehörte, losge- sagt habe, hat das Gericht als schwerwiegend einer eingehenden Beur- theilung unterworfen." Nachdem nun in dem Erkenntniß die Gründe mitgetheilt werden, daß und warum das Gericht der Aussage Wesely Glauben schenken müsse, heißt es sodann weiter:„Dasselbe gilt von dem Zeugniß des Redakteurs Schlesinger, gegen dessen Wahrheitsliebe trotz seiner jetzigen Stellung zur sozialdemokratischen Partei sich nicht der geringste Zweifel, va er sich in jeder Weise korrekt und bestimmt ausdrückte, geltend machen läßt." Nun sind wir mit Herrn Schlesinger fertig und wünschen ihm viel Glück zu seiner Thätigkeit bei der neuen demokratischen Partei. Auch dieser Partei wünschen wir Glück zu dieser schätzbaren Aquisttion. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß die Polizei die Druckerei nach Erlaß des Sozialistengesetzes sieben Jahre lang bestehen ließ, woraus wohl hervorgeht, daß sie erst auf Grund der im Prozeß Windthorst und Genossen gemachten Aussagen auf die Fährte gebracht wurde und nun natürlich auch zugriff. — Aus London erhalten wir folgende Resolution zur Ver- öffentlich ang: „Der kommunistische Arbeiter-Bildungsverein, 49 Tottenham Street, erklärt sich hiermit mit der Taktik der„Social-Democratic Fedation" in Sachen der Arbeitslosenbewegung in England einverstanden, und hält sich für verpflichtet, unsere englischen Genossen nach Kräften zu unter- stützen." Beschlossen in der Versammlung vom 20. Februar. In der gleichen Zuschrift wird Beschwerde darüber geführt, daß der „Sozialdemokrat" in letzter Zeit mehrfach„tendenziös entstellte" Berichte über die Ereignisse in London gebracht und persönliche Verdächtigungen über Hyndmann und Genossen nachgesprochen habe. Es wird daher der Redaktion empfohlen, nur mit Unterschrift v!rsehene Berichte aufzunehmen oder in zweifelhaften Fällen sich an den Kommunistischen Arbeiter-Bil- dungsverein zu wenden. Ferner schreibt uns in gleichem Sinn ein Londoner Genosse: „Wenn der Schreiber des Berichtes in Nr. 8 des„Sozialdemokrat" Parteigenosse wäre, so müßte er wissen, daß mit dem Eingeständniß Hyndmann's, durch die Annahme des Geldes zu Wahlzwecken einen tak- titchen Fehler gemacht zu haben, diese Angelegenheit in der sozialdemo- kratischen F-deration erledigt war, und ausdrücklich anerkannt wurde, daß sämmtliche daran Betheiligten in durchaus uneigennütziger Weise ge- handelt, und ihr Bestes für die Bewegung glaubten gethan zu haben. Im Uebrigen sieht Schreiber dieses noch lange keinen Fehler in dem Bekämpfen des einen Feindes mit den Mitteln des anderen, wenn nur Beiden, welche uns gegenüber eine reaktionäre Masse sind, Schaden zugefügt wird. „Wenn der Einsender meint, die Theorie und Praxis von Hyndmann und Konsorten(womit er wahrscheinlich die sozialdemokratische Federation meint), rechtfertigen den Verdacht, Hyndmann stehe mit den Konserva- tiven im Bund, so ist diese Behauptung einsach absurd und erinnert so recht an die Vorkommnisse in der deutschen Partei vor 20 Jahren. Ge- rade die„Theorie und Praxis" der sozialdemokratischen F-deration, ihr fortwährendes öffentliches Agitiren in Dutzenden von Versammlungen unter freiem Himmel, Woche für Woche, haben ihr einen starken Anhang. verschafft, und wenn sich die sozialdemokratische Federation nicht der I Arbeitslosen angenommen hätte, so würde man wahrscheinlich heute schon nicht mehr viel davon lesen." Der Schreiber empfiehlt daher der Redaktion, Korrespondenzen mit solchen Angriffen die Ausnahme zu versagen oder wenigstens vor der Aufnahme beim Vorstand des Kommunistischen Arbeiterbildungsvereins Anfrage zu halten, dann werde das Parteiorgan davor bewahrt sein, bei Mißbilligung„gewissenloser oder rachsüchtiger Korrespondenzen" mit- genannt zu werden. Wir haben daraus Folgendes zu erwidern: Von Leuten, über deren Zuverlässigkeit wir im Zweifel sind, nehmen wir Korrespondenzen überhaupt nicht auf— es kann sich also höchstens um eine abweichende Beurtheilung bestimmter Thatsachen handeln. Die Thatsachen aber, die unser Korrespondent uns berichtet, stehen unbe- stritten fest; scheint dem Kommunistischen Arbeiterbildungsoerein die Beurtheilung unrichtig, so steht es ihm frei, seine gegentheilige Ansicht ebenfalls im Parteiorgan zum Ausdruck zu bringen. Eine weitergehende Verpflichtung kann die Redaktion aus leicht begreiflichen Gründen nicht übernehmen, sie muß sich das Recht vorbehalten, von den ihr zugehenden Zuschriften denjenigen Gebrauch zu machen, der ihr im Interesse der Sache geboten erscheint. Dafür, daß sie dieses Recht nicht mißbraucht, ist sie der Partei verantwortlich. Was speziell den Fall Hyndmann ,c. anbetrifft, so beharren wir, mit dem Schreiber des in Nr. 8 veröffentlichten Brieses, auf der strengsten, nicht nur taktischen, sondern grundsätzlichen Verurtheilung des von diesen Leuten bei der letzten Wahl eingegangenen Handels, deffen verderb- liche Folgen sich übrigens gerade bei der jetzigen Gelegenheit so deut- lich gezeigt haben. Er hat die sozialistische Partei um ihren Kredit in der öffentlichen Meinung gebracht; und wenn heute die liberale und radikale Presse die Sozialisten als die Handlanger der Tories hinstellt, wenn der Arbeiterdeputirte Cremet am 26. Februar im Parlament mit Bezug auf die Sozialisten erklärt, er„sei im Stande zu beweisen, daß der edle Lord, Vertreter für Paddington, in gewisser Verbindung stehe mit den Beförderern des Meetings von Tcafalgar Square", so gewinnen diese Beschuldigungen durch den Hinweis auf das notorische Wahlgeschäft zwischen Hyndmann ,c. und den Tories vor dem Publikum sofort den Schein der Berechtigung. Weiter aber hat unser Korrespondent nichts gesagt. Er hat seinem, nach unserer Ansicht durchaus berechtigten Unmuth darüber Ausdruck verliehen, daß solche Angrisse erhoben werden können, ohne daß sie sich von vornherein als elende Tendenzlügen kennzeichnen. Und darin müssen ihm selbst Diejenigen zustimmen, die in dem bewußten Handel „nur einen taktischen Fehler" erblicken. Soviel für heute. Näher aus die Personenfrage einzugehen, verbietet uns der Umstand, daß Hyndmann und Champion zur Zeit unter Anklage stehen. — Oesterreich. Im Lande der Niederträchtigkeit und Hen- chelei»st man im gegenwärtigen Moment daran, ein Sozialistengesetz zu schmieden, als ob in diesem Lande, wo schon jetzt die Presse, daS Vereins- und Versammlungsrecht in einer wahrhast unerhörten Weis« geknebelt sind, noch ein Ausnahmegesetz nothwendig wäre! Aber Taaffe»st nicht- umsonst Bismarcks«-mtsbruder. Hat Bismarck sein Ausnahmegesetz, so muß er auch eins haben, natürlich ins Oesterreichische, oder sagen wir lieber ins Habsburgische übersetzt. Hören wir, wie unser Bruderorgan, derBrünner„V o lk Sfreund", sich darüber äußert: „Nicht nur wir, sondern jeder halbwegs einsichtige Politiker hat sich zu wiederholtcnmalen die Frage vorgelegt, ob es in Oesterreich über- Haupt nothwendig ist, ein Ausnahmegesetz zu erlaffen, durch welches die Arbeitervereine, die Arbeiterpreffe, überhaupt jede Bewegung der Ar- beiter hintangehalten werden soll. So kann z. B. nach den bestehenden Gesetzen die Bildung eines jeden Vereines auf Grund des§ K des Vereinsgesetzes ver- boten werden. Laut desselben Gesetzes muß jeder politische Verein jedes neu eintretende Mitglied sosort der Behörde anmelden. Auch kann jeder bestehende Verein aus Grund des ß 24 des bestehenden Vereinsgesetzes ebenfalls aufgelöst werden. Auf Grund des§ K des Versammlungsgesetzes kann die Abhaltung jeder Versammlung verboten werden. Unsere liebe Preßfreiheit ist ollgemein bekannt. Da haben wir die K a u t i o n, den Z e i t u n g s st e m p e l, das famose objektive Verfahren mit den vielen Konfiskationen. Das soll in Zukunft aber noch um Vieles ver schärst w.rden durch das letzthin vorgelegte Sozialistengesetz.§ 1 desselben lautet:„Die Bildung von Vereinen, bezüglich welcher durch Thatsachen die Annahme gerecht- fertigt ist, daß sie sozialistischen, auf den gewaltsamen Umsturz der be- stehenden Staats- oder Gesell>chaftsordnung gerichteten Bestrebungen dienen werden,«st zu untersagen. K 2. Vereine, welche in Gemäßheit der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen gebildet worden sind, sind aut- zulösen, wenn sie den im ß I bezeichneten Bestrebungen dienen. Die Bildung eines neuen Vereins kann untersagt werden, wenn sich derselbe sachlich als der früher bestandene auf Grund der Bestimmung des vor- hergehenden Absatzes aufgelöste Verein darstellt." „Vereine, welche die gegenseitige Unterstützung ihrer Mitglieder be- zwecken, sind nach diesem Gesetze nicht sofort aufzulösen, sondern unter eine besondere staatliche Kontrole zu stellen und die Kassen in Verwahrung und Verwaltung zu nehmen, ß 10 lautet:„Wer als Mit- glied eines Vereines, welcher in Gemäßheit der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen gebildet worden ist, jedoch den im § 1 angeführten Bestrebungen dient, wissentlich an diesen Bestrebungen theilnimmt, macht sich eines Vergehens schuldig und ist mit strengem Arrest von drei Monaten bis zu zwei Jahre», womit Geld- strafe von 100 bis Svvfl. verbunden werden kann, zu bestrafen." Nach § 11 macht sich Jener eines Vergehens schuldig, der Mitglieder zu einem auf Grund dieses Gesetzes aufgelösten Vereines anwirbt und ist mit Arrest von sechsMonaten bis zu dreiJahren zu bestrafen. In diesem Sinne geht es weiter fort. Periodische Druckschristen, welch« den bezeichneten Bestrebungen dienen, können, wenn sie bereits zweimal in Gemäßheit des§ 1 dieses Gesetzes konfiszirt wurden, gänzlich einge. stellt werden. Der Schluhtext der meisten Paragraphe lautet: von sechs Monaten bis drei Jahre." Mittels dieses Gesetzes will die österreichische Regierung die sozialistische Bewegung ausrotten, und daß es in seinen wesentlichen Punkten durchgeht, dasür sorgt die Niedertracht der klerikalkonservativen Majorität und die Feigheit der sogenannten„liberalen" Minorität des österreichi- schen Reichsraths. Mögen sich die österreichischen Arbeiter die Namen derjenigen wohl merken, welche an diesem Schandgesetz direkt und in- direkt Mithülfe leisten, die Zeit wird nicht ausbleiben, wo sie mit ihnen werden Abrechnung halten können. Für diese Leute gibt es absolut keine Enttchuldigung, sie haben nicht einmal die Ausrede, daß sie vor der Nothwendigkeit standen, zwischen zwei Uebeln das kleinere zu wählen. Soweit sie nicht selbst Anhänger dieses Gesetzes sind, verrathenfle die einzigen der Arbeiterklasse noch gebliebenen Rechte um einen Judas- lohn. Eins so verächtlich wie das andere. Korrespondenzen- Sommerfeld, Niederlausitz, Dezember 188S. Seit Bestehen des Parteiorgans ist wohl noch kein ausführlicher Bericht über hiesige Partei- Verhältnisse an dasselbe gelangt, so daß die Genossen im Reiche glauben könnten, daß die Bewegung hier ganz darniederliege, weil entweder die hiesigen Genossen schlafen oder die Arbeitsverhältnisse nur glückliche sind. Doch keines von Beiden ist der Fall. Seit 1873 hatten wir keine öffentliche Versammlung gehabt, erst in diesem Jahre haben wir zwei in kurzer Zeit aufeinander folgende Versammlungen abgehalten. Die erste, am Sonntag den 6. September, mit der Tagesordnung: Petition an den deutschen Reichstag, betreffend das Arbeiterschutzgesetz, in welcher Genosse R. G l e y aus K o t t b u s referirte. Dieselbe war sehr zahl- reich besucht und nahm einen ruhigen Verlauf. Bemerkt sei hier, daß uns zwei Wirthe den Saal zu dieser Versammlung trotz Zusage kurze Zeit vorher absagten, so daß wir uns mit einem kleinen Saal begnügen und die Arbeiter durch Posten davon benachrichtigen mußten. Genosse Gley erntete nach Beendigung seines anderthalbstündigen Vortrages oll- gemeinen Beifall; wir konnten mit dem Resultat dieser ersten Versamm- lung zufrieden sein. Die zweite Versammlung, welche am Montag den 14. Dezember in dem besten hiesigen Saal, der über 1000 Personen faßt und bis auf den letzten Platz gefüllt war, stattfand, und in welcher Stadtverordneter F. Ewald aus Brandenburg(Berliner Ausgewiesener) über die Tages- ordnung:„Die Arbeiter und die Presse" referirte, nahm gleich zu Ansang einen sehr stürmischen Charakter an. Der Einberufer fragte die Ver- sammlung, ob dieselbe mit dem amtirenden Bureau zufrieden sei oder eine Wahl stattfinden solle. Die Herren Fabrikpaschas, welche zahlreich erschienen waren, verlangten eine Neuwahl, jedoch die Majorität entschied für Beibehaltung des Bureaus, so daß dasselbe in unfern Händen blieb. Ich will hier gleich die Namen der Hauptskandalmacher nennen. Es waren dies die Herren K. Hendschke und M. I o h n.(Dem Lebens- laus des Ersteren werde ich weiter unten einige Zeilen widmen.) Ge- nosse F. Ewald kritisirte zu Anfang seines Referats das Verhalten der deutschfreisinnigen Presse und Partei in scharfen Worten und ging dann zum Arbeitcrschutzgesetz über. Als Referent nun zum Kapitel Normalarbeitstag kam, da waren die Herren Paschas wie vom Teufel besessen und machten einen wahren Höllenspektakel, und als Ewald nun gar die Hungerlöhne von 6—8 Mark einer scharfen Kritik unter- zog, da war so zu sagen dem Faß der Boden ausgeschlagen. Die Wahr- heit können und wollen diese Hallunken und Menschenschinder nun ein- mal nicht hören, der Lärm und Tumult brach von Neuem loS: A u f- lösung! Auflösung! schrie die Bande in einem fort, trotzdem der Vorsitzende energisch zur Ruhe aufforderte und die Arbener eine dro- hende Haltung annahmen. Statt daß nun der überwachende Stadt- Wachtmeister, Niederhausen ist sein Name, die Ruhestörer zur Räson gebracht hätte, löste derselbe, trotz energischen Protestes des Re- ferenten und der Arbeiter, ohne einen Grund anzugeben, die Versamm- lung aus. So manchem Arbeiter ballte sich bei diesem Willkürakt un- willkürlich die Faust, und die Herren mußten Redensarten wie: Faul« lenzer, Ihr lebt nur von unsern Knochen! mit nach Hause nehmen. Nur sehr langsam leerte sich der Saal. Daß das Vor- gehen dieser Hallunken ein planmäßig verabredetes war, ist das allge- meine Tagesgespräch, und selbst von Leuten, bei denen wir nicht auf Sympathien rechneten, wurde dieses Verhalten flegelhast genannt, und erntete Genoffe Ewald, trotzdenr er nur kurze Zeit gesprochen, unge- theilten Beifall. Zu wundern braucht man sich freilich über dieses flegelhaste Benehmen nicht. Vormittags war beim Ausbeuter Henschke Schweinschlachten dort ist den ganzen Tag gesoffen und der Plan ver- abredet worden. Nun, Ihr Herren, grade das Gegentheil von dem ist eingetreten, was Ihr durch das Sprengen der Versammlung bewirken wolltet. Fahrt nur so fort, für uns zu agitiren und zu arbeiten, wir werden unsre Schuldigkeit auch thun und maulwurssartig den Boden unterminiren— die nächste Reichstagswahl wird Zeugniß dafür ablegen. Nun einige Worte über diesen ehrenwerthen Pascha K. Henschke. Bei diesem Herrn zeigt sich recht deutlich, daß Emporkömmlinge die brutal- sten und niederträchtigsten Hallunken sind. Früher Tuchmachergeselle, wurde derselbe von seinem Arbeitgeber zum Buchhalter ausgebildet. Später, während der Gründerperiode, wurde er Direktor einer Aktien- Fabrik, und hier hat Herr Henschke sich seinen Pelz angezogen. Die Gesellschaft ging bankrott, und ein oder zwei Jahre später kaufte sich dieser saubere Herr eine im Konkurs befindliche Tuchfabrik. Run zeigte sich sein wahrer Charakter. Als vor einigen Jahren im Winter das Geschäft stockte, äußerte Ehren-Henschke: Jetzt werde ich das Weberpersonal aushungern lassen. Wenn die Arbeiter srüh Morgens vor S Uhr auf Arbeit gehen, so kann man diesen Helden mit seinem Zechkumpan M. John seiner Wohnung zusteuern sehen, natürlich wie«in Schiff auf wogender See. Hat derselbe nun seinen Rausch einigermaßen ausgeschlafen, dann wehe demjenigen Arbeiter, wel- cher sich eines Fehlers schuldig gemacht hat!' Dann kann man Redens- arten hören, wie sie sonst nur bei den Lehrmeistern der Moltke'schen Bildungsanflalt im Gebrauch sind. Auch über den sittlichen Lebens- wandel dieses Hallunken kursiren sehr charakteristische Geschichten. Doch wozu sie erst erzählen, wir brauchen nur an Meerane zu erinnern! Pascha hier, Pascha da. Nun, der Krug geht so lange zu Waffer, bis er bricht. Hoch die Sozialdemokratie! Der rotheWächter an derLubst. Sprechsaal. Im Sprechsaal der Nr. 8 bekennt sich Herr Bruno Schönlank als Verfaffer eines Artikels im„Bayerischen Landboten", aus welchem Artikel ich ein Zitat in meiner Schrift über Rotberts, Marx und Laffalle gebracht habe.ss Die betreffende Stelle lautet:„Kaum ist nun Marx gestorben,' so finden sich auch Epigonen des großen Mannes und predigen den Ar- beitern einen unfehlbaren Marxismus." Dazu machte ich folgende An- merkung:„Als Beweis, daß sich schon ein Marxistisches Psaffenthum gebildet hat, welches den Marxismus als Religion, als Evangelium, als Dogma betrachtet und den Arbeiter anpreist, diene eine Stelle aus dem „Bayerischen Landboten" vom 22. Oktober 1885. Dort predigt ein Jünger dieser schwarzen Zunft die Unfehlbarkeit der Lehre und versteigt sich dabei bis zu folgender Leistung: Der Marxismus ist und bleibt das Evangelium des Proletariats. In diesem Zeichen wird es siegen." Nachdem ich mich dann gegen den Rodberwsianismus ausgesprochen habe, sage ich ferner: „Ich habe mich vor langen Jahren betheiligt an der Opposition gegen den doktrinären Lassalleanismus, weil ich diese Ausartung der Ver- ehrung eines bedeutenden Mannes für falsch und sür verderblich hielt; ich habe mein bescheiden Theil dazu beigetragen, um den Arbeitern die hohe, wiffenschaftliche Bedeutung von Karl Marx zum Verständniß zu bringen,— wenn man mir aber jetzt mit dem Dogma des Marxismus kommt, so pfeife ich auf diesen Marxismus, wie ich auf den Lassalleanis- mus und Rodbertusianismus pfeife." Herr Bruno Schönlank beschwert sich nun darüber, daß ich nicht den ganzen Satz zitirt habe, welcher lautet: „Für die Anhänger des demokratischen Sozialismus gibt es zur Unter- scheidung von anderen Richtungen kein„Marx und Rodbertus", sondern klipp und klar wird die Frage gestellt: Marx oder Rodbertus. Wer für Rodbertus ist, m ö g e r e ch t s g e h e n, der Marxismus ist und bleibt das Evangelium des Proletariats. In diesem Zeichen wird es siegen." Herr Bruno Schönlank behauptet also, für die Arbeiter gebe es nur ein: Marx oder Rodbertus! Das ist es ja gerade, was ich Psaffenthum nenne! So schwört der Lutheraner auf Luther, der Calvinist auf Calvin, der Muhamedaner auf Muhamed! Die deutschen Sozialdemokraten haben ein Programm, in dem steht aber kein Wort von Marxismus oder Rodbertusianismus. Aber seit einigen Jahren predigt man ihnen die Unfehlbarkeit des„Ma-xismus" und sagt, wie Herr Schönlank, der Marxismus sei das„Evangelium". Ein Evangelium hat man nicht zu prüfe», sondern zu glauben. Die Prediger dieses Evangeliums habe ich „Pfaffen" genannt. Wer Luther's Lehre als Evangelium betrachtet, ist in meinen Augen ein Lutherischer Pfaffe. Wer der den Marxismus sür ein Evangelium hält, ein Marxistischer Psaffe. Pfaff bleibt Psaff, ob er mit schwarzer, weißer oder rother Kravalte umherläuft. Wer von den Lesern kennt den Inhalt des Evangelium Marx»? Wer von ihnen ist der Partei auf Grund dieses Evangeliums beige- treten? Ich erkenne als gemeinsamen Boden nichts an als daS Programm. Hat mir Jemand einen Verstoß gegen das Programm vorzuwerfen? Wenn nicht, so ist meine Meinung mindestens so berechtigt wie die des Herrn Bruno Schönlank! Aber es sällt mir nicht ein, meine Meinung den Arbeitern als Evangelium anzupreisen. Ich sage in meiner Schrift, unmittelbar hinter der oben zitirten Stelle: „Selbst lesen, selbst prüfen, selbst denken— das allein führt zur selbstständigen und unerschütterlichen lleberzeugung." Herr Schönlank dagegen kommt den Arbeitern mit einem„Evangelium". Ist die Partei schon dahin gekommen, daß nicht mehr das Partei- Programm der gemeinsame Boden ist, auf dem die Genoffen stehen, sondern ein Evangelium Marx, das wir nicht kennen und dessen Inhalt uns erst von Heirn Bruno Schönlank gepredigt werden muß? Ist Herr Bruno Schönlank schon berufen, über die Rechtgläubigkeit der deutschen Sozialdemokraten Gericht zu halten und zu entscheiden, wer sich nach rechts zu aus der Partei hinauszuscheeren habe? Da sind Fragen, die sich jeder ehrliche und unbefangene Mann selbst beantworten mag. Ich kann den Arbeitern nur zurufen: Lest selbst, denkt selbst, urtheilt selbst— laßt Euch aber keine neuen Dogmen, keinen neuen Glauben, kein neues Evangelium aufschwatzen. C. A. S. Warnung. Die hiesigen Maschincnsticker sind mit ihren Arbeitgebern in Lohn- differenzen und de- halb theilweise im Streik. Da nun bekannt wurde, daß einer dieser Herren— Freitag ist sein Name— durch einen Schweizer Namens Thiemeyer in Buchs(Schweiz) sofort neue Leute anzuwerben sucht, so wird jeder Sticker hiermit nachdrücklichst gewarnt. Der Lohn— 4 Dollars selten übersteigend— ist einfach zum Leben nicht mehr hinreichend. New york, Jersey City, im Februar 1886. Die Maschinensticker. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck ersucht. P a ch r« f. Am 2. März starb an einem Lungenleiden im hiesigen Kantonsspitale unser Freund und Genoffe Johann Klemp, Schuhmacher aus Heide(Holstein). Der Verstorbene gehörte seit Anfang der 70er Jahre der sozialdemo- kratischen Partei an, und besonders in Dresden und Umgebung ent- wickelte er eine rege Thätigkeit innerhalb der Partei und Gewerkschaft, sür welche er auf verschiedenen Kongressen als Delegirter fungirte. Als Redakteur des Dresdener Parteiorgans, des„Volksbote", wurde ihm die Ehre zu Theil, daß ein König gegen ihn Strafantrag siellte. Nach dem Tode des Königs Johann von Sachsen erschien in der„Franksurter Zeitung" eine Serie von Artikeln, in denen die„Ver- dienste" dieses„hohen Herrn" gebührend gewürdigt wurden. Der„Dres- dener Volksbote" machte durch Abdruck diese Artikel den„geliebten sächsischen Unterthanen" zugänglich, und dieses Cypressenblatt aus den frischen Grabhügel seines„in Gott ruhenden" Vaters veranlaßt« den König Albert, die Ehre desselben dadurch reinzuwaschen, daß er gegen Klemp als verantwortlichen Redakteur Strasantrag stellte. Der drohen- den Verhaftung und einer langen Gelängnißhast entzog sich Klemp durch die Flucht nach der Schweiz, wo er sein Wirken für die Sache der Ar- beiter fortsetzte. Möge ihm das kämpfende Proletariat ein treues Andenken bewahren. Die Genossen von Winterthnr und Umgebung. (Verspätet eingesandt.) Am 4. Februar starb hier unser bewährter Genoffe, der aus Berlin ausgewiesene Spengler Richard Kunow. Er war, obwohl noch jung an Jahren, einer unserer tüchtigste» Streiter und erfreute sich allgemeiner Beliebtheit. Dies zeigte die groß« artige Theilnahme bei seiner Beerdigung. Die Menge, welche seinem Sarge folgte, wird auf mehrere Tausend geschätzt, darunter viele Ge> nossen von auswärts. Auf seinem Sarg, der mit Bändern und Kränze» auf's Reichste geschmückt war, standen die Worte:„Es lebe die Freiheit!" Nach der Beerdigung begaben wir uns in ein größeres Lokal, wo noch mehrere feurige Ansprachen gehalten wurden und der Beschluß ge« saßt ward, dem Verstorbenen einen Denkstein zu setzen. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Weißenfels a/S., im Februar 1886. Die Parteigenossen. Immer wieder schärfen wir unseren Korrespondenten ein, unter Angabe des Datums in jedem Brief u. s. w. stets deutlich anzugeben, welche Korrespoiu denzen, Sendungen k. bis zu Abgang eingetroffen waren. Bei Adreß« änderungen, Adreßlöschungen u. dgl. ist unbedingt Vorkehrung zu treffen, etwa Laufendes in sichereHand zu leiten. Alle Adreßmeldungen bitten wir in Deutsch- und Lateinschrist(behufs Kontrole) deutlich zu schreiben. Deckadressaten oder deren Angehörige find zur Ablieferung� sofort nach Empfangnahme strengstens anzuhalten. i Weiterbeförderungen und Abholungen sind pünktlichst zu bewirken. Briefiasten der Redaktion: Einsendungen sind eingetroffen aus Leip« zig, Gerresheim, Frankfurt am Main, Merseburg.— Genossen in Halle: Ihre sehr intressante Einsendung hatte« wir zur Benutzung bei passender Gelegenheit zurückgestellt. Da Sie es aber wünschen, wollen wir dies Thema schon in nächster Nummer be« handeln. der Expedition: Pestbeul: Adr. geordnet. Künftig deutlicher schreiben.— Vorposten a. d. Grenze: Allerdings an G. Mit Schsstbstg. folgt. Ergänz.— Cato: Gut. Plttkps. nennt das direkt, daß er bfl. selbst bestellt u. regulirt. Weiteres stets pr. Beipack.— Calembourg: Unserer strengsten Diskretion sind Sie sicher. Also? Weiteres nach Ihrem Vorschl.— Rothe Fahne: Mk. 14 60 ä Cto. Ab. 1. Ou. erh. Lt. Bk. Weiteres besorgt.— H. Rkw. London: Fr. 25— pr. Lk. gut« gebr. Bfl. mehr.— Feuerblume: Mk. 90— ä Cto Ab. u. Schst. gut« gebr. Bestellung flgt. Bfl. Näheres.— Brauner Bär: Adresse geordnet. H. hier gänzlich unbekannt. Also pr. S. recherchiren.— Brennus: Adr. geordnet. Betr. S.-B. Nöthiges veranlaßt.— B. Bern: Fr. 80— Ab. 4. Qu. baar und Ggr. erh.— C. F. Bkhn.: Mk. 1 25 f. Schst. erh. Sdg. ab.— Mauerbrecher: Mk. 10— ä Cto. Ab. erh. Bfl. Weiteres. — Forst 31/2.: Mk. 100— pr. Usds. dkd. erh.— Sorau: Mk. 10—; pr. Ufd. u. Ml. 10— pr. Dfd. dkd. erh.— Gracchus F.: Mk. 180— ä Cto. Ab. ic. erh. Mehrbstllg. flgt.— Von Mainzer Genossen: Ml. 20— pr. Aids. dkd. erh.— D. G. v. Niederrhein: Bfe. vom 26/2. kreuzten. Ml. 4 40 Jf. Schst. erh. Bstllg. folgt indirelt. Gebundene Lieserfrist bei größeren Sachen unmöglich.— Mönus: Adr. geord« net. Erfragtes mit 8 unterwegs. Brf. also hier.— X. D. Z. Berlin: Mk. 47 40 nach Vorschr. verw. März 3 rc. prompt besorgt. Mk. 2 60 pr. Asd. dkd. verw.— Neckarspitze: Mk. 10 60 Ab. 1. u. 2. Qu. und Schst. erh. Mk. 2 20 pr. Usd. u. Mk. 2 20 f. d. Wahl im 19. sächsischen W.-Kr. Stollberg-Schneeberg dkd. erh.— G. H. W.: 35 Pf. f. Schst. erh. Sdg. ab.— Bdk. E. a. R.: Mk. 20— ä Cto. Ab. erh.— Vo« der violetten Bude in C.: Fr. 2 50 für die Wahl im 19. sächsischen Wahlkreis dkd. erh.— Postillon Lehmann I.: Mk. 1— pr. Dfd. dkd. erh. Bstllg. k. folgt. Alles ab hier zur rechten Zeit fort. Jndir. braucht stets länger. Adr. geordn. Betr. Zahl bedeutet Mark.— F. R. Jgis: Fr. 2 50 ä Cto Ab. 1. Febr. bis Ende Mai erh.— G. E. Fbg.: Mk. 38 20 f. Schst. erh.— F. d. Sanftmüthige; Mk.>92— Ab.-Rest. erh. — Moritzbura: Bf. v. 24/2. erh. Bstllg. folgt. Erfragtes ist glatt biS 1. Jan.— Bruno: Bstllg. notirt. Glückwunsch zum frohen Vorhaben! — Ahlemann: B. besorgt. Fehlen kann nichts, da stets mehrere Zählexpl. beiliegen. Sofort nach Einlauf selbst nachzählen. Bfl. Weiteres.— Gänseleber: Adr. und Fehler geeigneten Orts notifizirt.— I. H. wird besorgt. Ms. eingetr. C. benachrichtet. Bfl. Weiteres.— — Luise: Daniel längst vergriffen. Weiteres folgt. N. wurde damals so oerlangt.— Bäff: Soll heißen:„1 Jahr 86". Setzerteufelei. Bfl. mehr.— O. S. Höviks: Fr. 6 20(Mk. 5—) in der Fabr. gesammelt f. d. Wahl im 19. sächs. Wahlkreis dkd. erh. Fr. 6— ä Cto. gutgebr. 10 Kr. hier nur mit Fr. 12 25 abzusetzen. Bstllg. folgt.— Verrinna: 2 Jndir. ab 1/3.— Ende Mai erh. Weiteres ad noiarn genommen. Von Sch. u. H. dkd. erh.— Veilchenstein: Broschüre dkd. erh.— B. I-YI: Mk. 761 90 ä Cto Ab. erh.—-d.: P.-K. eingetr. Gut.— Ch. Pommer Limeira:„N. W. 85/86 sosort(am 15/1.) bei der Vbchhdlg. für Sie reklamirt. Weiteres befreundeterseits erwartet.— Winterthur: Fr. 5 10 vom Dtsch. Verein für die Stollberger Wahl dkd. erh.— Locle: Fr. 6 70 von der Mitgliedschaft der deutschen Sozialisten für die Wahl im 19. sächs. Wahlkr. dkd. erh. Erkl. besorgt.— Genf: Fr. 15— für die Stollberger Wahl vom Dtsch. Ver. dkd. erh. Qttg. ä Cto. in Nr. 9 so« mit als irrthümlich erloschen.—„M.": öwfl. 10— f. Schst. erh. Sdg. abg.— Anzeigen. IMT Zur Aufklärung in der Brannttveinmonopolfrage empfehlen wir: Fr. Engels, Preußischer Schnaps im deutschen Reichstag. Preis: 15 Pf.(15 Cts.) 100 Expl. Mk. 8—(Fr. 10.) Soeben erschien und ist durch Unterzeichnete zu beziehen: Sozialdemokratische Bibliothek. Heft IV. Enthüllungen über den Kommunisten- Prozeß z« Köln. Von Karl Marx.(Mit einem Vorwort von Fr. Engels:„Zur Geschichte des„Bundes der Kam- munisten".") Preis: 45 Pf.— 60 Cts. Ferner sind bis jetzt erschienen: Heft l. Gesellschaftliches und Privateigenthnm. Ein Beitrag zur Erläuterung des sozialistischen Programms. Preis 20 Pfg.--- 25 Cts. Heft II. Karl Marx vor den Kälner Geschworue«. Prozeß gegen den Ausschuß der rheinischen Demokraten wegen Aufrufs zum bewaffneten Widerstand. Preis 20 Pfg.— 25 Cts. Heft ill. Die Zukunft der Sozialdemokratie. Von I. Dietzg en. Mit einem Vorwort und Nachtrag. Preis: 15 Pfg.— 15 Cts. BeMungen auf die„Sozialdemokratische Bibliothek" werden erbeten. Die Hefte werden auch einzeln abgegeben. Volksbuchhandlung. »»westerisch-»m-gmschafts-Buchdruil-rti HoUlnge».Z»ri»