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Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Die Nlnstuczbestrebungen der vereinigten Reaktionäre gegen das allgemeine Stimmrecht dauern fort. Es kommt Methode in die Sache; und die Ber- schworenen fühlen sich schon so sicher, daß sie ungescheut in den Spalten eines amtlichen Regierungsorgans ihr Wesen zu treiben beginnen. Freilich noch nicht im„Reichsanzeiger". Aber doch in der„Leipziger Zeitung", die für das Königreich Sachsen dieselbe Bedeutung und Stellung hat wie der„Rcichsanzeiger" für das Reich, und die zu derartigen Verrichtungen bereits mehrfach gebraucht worden ist. Man erinnere sich nur der Wollust, mit der bei verschiedenen Ge- legenheiten die sächsische Regierung dem Fürsten Bismarck Lakaicndienste geleistet hat. Unter der Neberschrist: „Das allgemeine Wahlrecht— nicht zu entbehren?" veröffentlicht die„Leipziger Zeitung", wohlgcmerkt: das offizielle— nicht offiziöse— Organ der sächsischen Regierung, einen längeren Leitartikel, der an einen Artikel Delbrück'« in den„Preußischen Jahrbüchern" anknüpft. Delbrück hatte dort ausgeführt, daß das allgemeine Wahl- recht zwar manche Unbequemlichkeiten mit sich bringe, daß diese Unbequemlichkeiten aber durch die Vortheile weit überwogen würden. Das allgemeine Wahlrecht zwinge die Sozialdemokratie, indem es ihr einen Theil an der Gesetzgebung einräume, zur Mitarbeit an der Sozialreform; und durch die Mitarbeit der Sozialdemokratie würde auch die Bourgeoisie aus ihrer rein wanchesterlichen Negation herausgerissen und zur sozialrefor- matorischen Thätigkeit gedrängt. Das allgemeine Stimmrecht verbürge die friedliche Haltung der Arbeiterklasse, welche darin ein Mittel' Habe, ans gesctz- geberischem Weg ihre Forderungen zu verwirklichen, und welche zu gleicher Zeit durch die Wahlen den ziffernmäßigen Beweis erhalte, daß sie gegenüber den anderen Gesellschaftsklassen sich in der Minorität befinde, also die Macht zu gewaltsamer Um- gestaltung der Dinge nicht besitze. Nehme man den Arbeitern das Stimmrecht, so mache man die Sozialdemokraten einfach zu Nihilisten. Und der Artikel schließt mit den Worten: „Die Verdrängung der Sozialdemokratie aus dem Reichstag durch eilte Aenderung des Wahl- rechts wäre daher eine Gefahr und ein Unglück." Wir wollen des Näheren nicht ans die Argumentation ein- gehen— soviel steht fest, daß der Schluß, zu welchem sie ge- langt, von unanfechtbarer Richtigkeit ist. Wvhlan, diesen Artikel zu widerlegen, hat sich die„Leipziger Zeitung", das amtliche Organ der sächsischen Regierung, in ihrer Rummer vom 4. d. M. zur Aufgabe gesetzt. Und wie fängt sie eS an? Sie schleicht wie die Katze um den heißen Brei und, zu feig, den Stier bei den Hörnern zu fassen, gibt sie bedin- gungs weise mit bittersüßer Miene die Nichtigkeit der That- fache zu, daß es nicht wünschenswcrth sei, die Sozialdemo- kratie aus dem Reichstag zu entfernen. Aber, so fährt sie mit pfiffigem Lächeln fort, bedeutet denn die Einschränkung des Wahlrechts die Entfernung der Sozial- demokratic ans dem Reichstag? Wir in Sachsen haben für die Landtagswahlen ein eingeschränktes Wahlrecht, und doch i st in unserem Landtag die Sozialdemokratie vertreten— im Verhältniß zu den anderen Parteien ziemlich in derselben Stärke wie im Reichs- tage, und wenn die Anwesenheit der Sozialdemokratte in den Bolksvertretungskörpern vom öffentlichen Interesse geheischt wird, so kann dieser Zweck, wie das Beispiel Sachsens beweist, auch bei eingeschränktem Wahlrecht erreicht werden. Lr�o— das wird allerdings nicht ausgesprochen, ergibt sich jedoch aus der ganzen Argumentation— ergo würden wir der Vortheile des allgemeinen Wahlrechts nicht ver- lustig gehen, wenn wir für das Reich ein ähnliches Wahlrecht cinfiihrten, wie es in Sachsen besteht, und wir würden gleich- Zeitig die Unbequemlichkeiten des allgemeinen Wahlrechts loswerden.-- Des Menschen Wille ist sein Himmelreich; und wenn die reaktionären Umsturzmänner, zu deren„Mundstück" sich der Staatsweise des sächsischen Regierungsorgans gemacht hat, durchaus das geplante Attentat auf das allgemeine Wahlrecht ausführen wollen— nun, dann mögen sie auf ihre Gefahr hin es thun. Wir haben den Herren schon wiederholt gesagt, daß nicht wir es sind, die bei der Beschränkung oder sagen wir rich- tiger: der Abschaffung des allgemeinen Wahlrechts— denn jede Beschränkung kommt der Abschaffung gleich, ist Abschaffung— etwas zu verlieren haben. Wir wollen blos die Schiefheit und das Fadenscheinige dieser staatsweisen Sophistereien kurz darlegen. Das Beispiel des sächsischen Landtags ist nichts weniger als zutreffend. Zunächst ist es sehr fraglich, ob die sächsische Sozial- demokratie sich ohne das allgemeine Wahlrecht für den Reichs- tag überhaupt an den Landtagswahlen betheiligt hätte oder be- theiligen würde. 1 Wir glauben es n i ch t, und das aus dem einfachen Grunde, weil die Beschränkung der parlamentarischen Thätigkeit auf einen Einzellandtag, und obenbip« den Landtag eines so kleinen Staats, wie Sachsen es ist' und von sonstigen Landtagen kann ja bei den herrschenden Lch, desWahlgesetzen die Rede nicht sein— zu einer Berzwergung und Berkrüppelung unseres Programms führen müßte, welche der allge- meinen Parteientwicklung sicher nicht zuträglich wäre. Doch der Staatsweise der„Leipziger Zeitung" will ja das sächsische Landstagswahlgesetz für das deutsche Reich haben. Ein prächtiges Geschenk, das er da in petto hat! Wozu uns da ereifern? Würden wir denn nicht, wie er uns huldvoll versichert, ebensoviel Mitglieder in den Reichstag wählen kön- nen, wie mit dem allgemeinen Stimmrecht? Rein— das würden wir nicht; und der Mann, der es behauptet, ist entweder ein Pinsel, oder er treibt frechen Spott. Die Anwendung der sächsischen Verhältnisse ans das ganze deutsche Reich ist ganz und gar unberechtigt. Sachsen ist das wirthschaftlich entwickeltste Land In dem deutschen Reiche; und die Zustände sind der sozialdemokratischen Propaganda so günstig, daß auch der vorhandene Zensus nicht alle Anhänger der Sozialdemokratie auszuschließen vermag. Die neun Zehntel des Lohnproletatiats, welche ausgeschlossen sind, werden theilweise ersetzt durch Angehörige des proletari- sirten Kleinbürger- und Kleinbauernthums. Solche Zustände haben wir aber in keinem anderen Staate des deutschen Reiches; und sie finden sich nur noch in einzelnen Provinzen und Städten. Die Einführung des sächsischen Landtagswahlrcchts für das deutsche Reich würde unsere Agitation auf vereinzelte Theile des Reiches lokalisiren— an eine umfassende, das Ganze in's Auge nehmende Agitation wäre nicht mehr zu deuten.• Die meisten Wahlkreise, in denen wir jetzt die Majorität oder starke, sie verheißende Minoritäten haben, würden uns verloren gehen, und selbst in Sachsen würden wir die meisten unserer jetzigen Sitze nicht behaupten können, weil die Kreise, in denen wir bei den Landtags- wählen gesiegt haben, für die Reichs tags wählen mit Be- zirkcn verbunden sind, in denen der Zensus seinen Zweck erfüllen und unsere Niederlage herbeiführen würde. Der Staatsweise des sächsischen Regierungsorgans verkennt vollständig das Wesen und die Natur der deutschen Sozial- demokratie. Wir haben ein Programm, welches zu verwirklichen wir entschlossen sind. Wenn wir zur Waffe des allgemeinen Stimmrechts gegriffen haben, so thaten wir das nicht, um einem Redebedürfniß zu genügen, sondern weil wir der Ueberzengung sind, daß das allgemeine Wahl- recht uns die Möglichkeit gibt, für unser Programm prak- tisch zu wirken, es der Verwirklichung zuzn- führen oder wenigsten« näher zu führen. Wir sind keine parlamentarische Schwatzpartei: wir wählen nicht, um ein paar Personen für europäische oder auch nicht europäische Reden eine Tribüne zu verschaffen; wir wollen praktische Vortheile, wir wollen greifbare Erfolge! Ist uns durch einen Zensus die Welt unserer Agitation mit Brettern vernagelt, sind gerade diejenigen Schichten der Bevölkerung, auf welche wir rechnen, und die allein un- seren Prinzipien den Sieg erringen können, von dem Wahl- recht ausgeschlossen, dann hat das Wahlrecht keinen Werth mehr für uns. Statt eines Werkzeugs zur Emanzipation des arbeitenden Volkes, wäre es nur noch ein Spielzeug für redelustige Gecken, ehrgeizige Demagogen, ausbeutungslustige Geschäftspolitiker. Und bei solch' frivolem, verbrecherischem Spiel spielen wir nicht mit. Möge der Staatsweise der„Leipziger Zeitung" und mögen seine Hintermänner sich das überlegen! Jeder ist seines Schicksals Schmied. Und wir hindern Nie- mand, seines Schicksals Schmied zu sein! Wie es den Herren beliebt! Stehen sie ab von dem geplanten Attentat, so ist es gut für sie. Und verharren sie dabei, so ist es nicht schlimm für uns! Die Chicagoer Unruhen. Während in allen übrigen Städten der Union weder die am l. Mai stattgehabte Demonstration der Gewerkschaften für den achtstündigen Arbeitstag, noch die darauf folgenden Streiks zu nennenswerthen Störungen der öffentlichen Ordnung führten, ist es in Chicago zu ernsthaften, blutigen Konflikten gekommen. Nach der Darstellung in den telegraphischen Berichten der Bourgeoispreffe liegt natürlich alle Schuld dafür einzig und allein auf Seiten der Demon- strirenden— hier also der Anarchisten—, während die Polizei das arme, unschuldige Opferlamm der terroristischen Wuth dieser„unsauberen Elemente" ist, wie die sehr reinliche„Frankfurter Leitung" sich auszudrücken beliebt. Für Jeden aber, der die amerikanischen Verhältnisse kennt und der sich durch einseitige Darstellungen nicht beirren läßt, geht sogar aus den tendenziös gefärbten Berichten hervor, daß die Chicagoer Polizei, wenn nicht die alleinige, so doch die ganz erhebliche Mitschuld an dem Blutvergießen trägt. Im Gegensatz zu Most hatten sich die Chicagoer Anarchisten der Acht- stundenbewegung angeschlossen. Wenn sie das in der stille» Hoffnung thaten, es werde sich im Verlauf dieser Bewegung Gelegenheit bieten, die„Propaganda der That" praktisch zu bethätigen, so kanu man ihnen an sich daraus keinen Vorwurf machen; sie haben da nichts anderes gethan, als was alle anderen Parteien auch zu thun pflegen. Fühlte sich das bürgerliche Element durch die ganz unverhüllt betriebene Agi« tation bedroht, so war es seine Sache, die geeigneten Gegenmaßregeln zu seinem Schutze zu ergreifen. Die Polizei aber durfte nur dann ein- schreiten, wenn wirklich der Versuch gemacht wurde, zu Thätlichkeiten überzugehen. Die Gesetze der Vereinigten Staate» garantiren die volle Versammlungs-, Rede- und Preßfreiheit, jeder Versuch einer Beeiniräch- tigung derselben ist ein Bruch der Verfassung, von Seiten ange« stellter Beamten doppelt strafbar. Was ist nun geschehen? Die Demonstration vom l. Mai verlief ohne Störung, obwohl sich, nach gegnerischer Zählung, mindestens 30, 000 Personen an derselben betheiligt hatten. Augenscheinlich schien es der Polizei nicht rathsam, mit einer so großen Menge anzubinden. Gegen 60,000 Arbeiter verschiedener Berufe, deren Prinzipale die Einführung des achtstündigen Arbeitstages abgelehnt, stellten die Arbeit ein. Wie bei jedem Streik, so scheint eS auch bei diesem im weiteren Verlauf zu Demonstrationen der Streiken- den vor einigen Fabriken gekommen zu sein, wo zu den alten Bedingun- gen weitergearbeitet wurde. Bei einer derselben, der Mc. Cormick'schen Fabrik sür landwirthschaftliche Maschinen, kam es am Dienstag, 4. Mai, zu einem Zusammenstoß mit der Polizei, in deren Verlauf diese auf die Streikenden mehrere Salven abgab und eine große Anzahl Arbeiter verwundete— nach einigen Berichten sollen sechs Arbeiter getödtet worden sein. Nun muß man das Gesindel kennen, aus welchem sich speziell in Chicago die Polizei rekrutirt, um sich von der Brutalität oerselben eine Vorstellung zu machen. Auch in Europa sind es ja nicht immer die saubersten Elemente, welchen der Schutz der bürgerlichen Gesellschaft obliegt, in Chicago aber hat man von jeher den Abschaum des „ L o a f e r t h» m s"(Messerhelden der Straße) dazu genommen, sür den es kein größeres Vergnügen gibt, als Wehrlose niederzuknüppeln. Es ist sür uns daher noch sehr fraglich, ob die Polizei, als sie auf die Arbeiter feuerte, wirklich im Stande der Nothwehr handelte, jedenfalls erscheint die Erschießung von Arbeitern uns nicht so geringfügig, daü wir es nicht für sehr begreiflich und gerechtfertigt halten, wenn Diejen" gcn, welche sich für die berufenen Anwälte der Arbeitersache hielten, nicht geipillt warep, die Sache mit Stillschweigen zu überqehen. Es wurde also auf den Abend des gleichen Tages eine Versaßimlung auf den alten Heumartt einberufen, zu der sich nach den Berichten der Kapitalistenpresse gegen 1500 Mann einfanden. Der brave Berichterstatter, dessen Bericht jetzt die Runde durch die ganze Europäische Presse macht, sah es ihnen natürlich an, daß sie„verkommene Individuen" waren, muß aber selbst zugestehen, daß sie sich„durchaus ruhig"*) verhielten und nur die Anarchistensührer bei deren Erscheinen jubelnd be- grüßten— was hoffentlich kein Todesverbrechen ist. Ferner heißt es in dem gleichen Bericht, daß die Reden von S p i e s, P a r s o n e s u. s. w. k e i n e r l e(/„Erregung" und Enthusiasmus erregten, die Menge sich vielmehr, während der Anarchist F i e l d i n g sprach,**) schon zu zerstreuen begann, als die Polizei mit Verstärkung ankam und die Ve: sammelte», wozu sie absolut kein Recht hatte, da die Ruhe in keiner Weise gestört war, zum Auseinandergehen aufforderte. Nach Darstellung der Kapitalistenpresse sei nun von Seiten der Anar» chisten das erste Zeichen zum Kampfe gegeben worden, indem von ihnen aus eine Dynamitbombe mitten in das Polizeidetachement geschleudert wurde, die sofort explodirt sei, 5 Polizisten getödtet und eine ganze An- zahl von Polizisten und Sozialisten verwundet habe, und daraus erst habe die Polizei ihrerseits mit einer Salve geantwortet. Ist dem so, so wird kein vernünftiger Mensch das Wersen der Bombe billigen können, aber eine Behauptung von so augenfällig parte.ischer Seite ist für uns noch kein Beweis, und ehe uns nicht authentische Berichte von beiden Seiten vorliegen, werden wir mit unserem Urtheil noch zurückhalten. Dem allgemeinen Geschrei gegenüber aber, das jetzt wider die Anarchisten erhoben wird, halten wir es für unsere Pflicht, zu konsta- tiren, daß sich dieselben— von der Bombe abgesehen— i n d u r ch- aus legitimer Vertheidigung ihres guten Rechtes befanden. Im Bericht der„Franks. Ztg." heißt es weiter: „Der Mob(natürtich!) wuide durch den Anblick des fließenden BluteS wild, hielt sich standhaft und gab Salve auf Salve gegen die Polizei ab. Die letztere focht tapfer gegen die große Masse und zerstreute die» selbe fchließlich." Die Gesammtzahl der Getödteten und Verwundeten soll 5l auf Seit« der Polizei und 34 auf Seite der„Aufrührer" betragen. Für Ecstere u.w ihre Familien wird überall gesammelt, Letztere werden von der aesammten bürgerlichen Presse, inklusive der demokratischen, auf's Aergste beschimpft. Wehe den Besiegten! Im Laufe des solzenden Tages sollen noch mehrere Zusammenstöße mit der Polizei stattgefunden und die Menge einen— Drog"e»ladeir geplündert haben, es scheint aber nicht so schlimm gewesen zusei», denn die Polizei erklärte, ohne die Hilfe der Milizen fertig zu weroen und ist auch ohne dieselben fertig geworden. Bei den nun folgenden Haussuchungen soll die Polizei im Redaktions- bureau der„Arbeiterzeitung" Dynamitbomben und bei vielen Anarchisten allerhand Explosivstoffe und Waffen gefunden haben. Eine ganze Anzahl bekannter Anarchisten, sowie die Redakteure und das ganze Personal der *) Vergleiche den an Voreingenommenheit nichts zu wünschen übrig lassen» den Artikel in Nr. 127 der„Franks. Ztg." **) Folgendes sind die Worte, welche den Polizisten den Vorwand zum Einschreilen gaben: „Die Zeitungen haben den Sozialisten Feigheit vorgeworfen; dieselben seien diese Nacht am Platze, um diese Lüge zu widerlegen und zu beweisen, daß sie Willens seien, ihr Leben sür ihre Sache zu lassen. Es sei rühmlicher, wie ein Held zu sterben, als sür SO Cents täglich zu verhungern. Von dem durch Arbeit hervorgebrachten Reichthum erhalte der Arbeiter 15 Cents von jedem Dollar, den er erarbeite, während die Kapitalisten, die nichts thäten, die übrigen 85 Cents einsteckten. Die Luft sei erfüllt von Furcht und die Kapitalisten wüßten es. Denselben kjar zu machen, daß es für sie unsicher sei an einem Platze, wo die Arbeiter unzufrieden sind, sei des Arbeiter einzige Hoffnung. Dieser Tag werde auch sicher kommen." Das reicht nicht entfernt an die„Ausreizungen" heran, die in Amerika alltäglich sind. „Arbeiterzeitung" wurden verhaftet, scheinen aber mindestens zum Theil wieder frei zu sein, da die„Arbeiterzeitung", wenn auch in kleinerem Format, bereits wieder erschienen ist. Gegen die Redakteure und Angestellten der„Arbeiterzeitung" soll Anklage auf Mord erhoben werden. Dies das Thatsächliche, soweit der Telegraph nicht übertrieben. Alles in Allem haben wir den Eindruck, daß die Sache, so schlimm sie war, doch bedeutend aufgebauscht worden ist, und zwar diesmal nicht aus bloßer Sensationssucht, sondern in der bestimmten Absicht, die Acht- stundenbewegung, diesen Gräuel vor dem Herrn, möglichst zu kompromittiren. Die Herren Amerikaner haben noch ganz andre Straßenkämpfe gehabt, ohne sich sonderlich darüber aufzuregen und so- fort, wie jetzt die„New Jork Times", Gesetze gegen die„Ausländer" zu verlangen— sie, die, wie Jules Guesde im„Cri du Peuple" treffend bemerkt, ja selbst nur Ausländer sind. Denn die wahren Eingebor- uen sind, mit Verlaub, die Rothhäute. Aber wo das heilige Ausbeuterrecht in Frage steht, da werden auch die abgebrühtesten Millionendiebe empfindsam. Wurde doch von Leuten, welche womöglich Jubelhymnen anstimmten, wenn sie von den Erfolgen der irischen Mondscheinbanden hörten, auch der„Boycott" eine„ver- wünschte ausländische Erfindung" genannt! Vielleicht kommen sie noch dahin, eines Tages auch die Buchdruckerkunst für eine verwünschte aus- ländische Erfindung zu erklären. Der Märzmonat 1886 in Belgien. recht.... Was ist das Gesindel anders als der trübe Niederschlag un- serer gesellschaftlichen Einrichtungen? Glaubet Ihr, es gäbe einen Menschen auf der Welt, der die ganze Gesellschaft nur haßt und befehdet, um zu Haffen und um zu befehden, wenn nicht seine Feinde selbst ihn durch Elend oder schlechte Erziehung zum Paria verdammt hätten! Nein! Kein Mensch(CretinS und Kranke kommen hier nicht in Betracht) wird schlecht und böse geboren. Er wird ein Miffethäter durch die Umstände, und die Umstände machen wir. Nun wohl! Die heutige Gesellschuft hat das Gesindel erzeugt... so erleide sie denn auch die Ausschweifungen ihrer Zöglinge.... Gewiß, ich rathe niemand den Diebstahl an; der Sozialist muß durch sein Betragen und feinen Charakter für die Ehre der rothen Fahne eintreten. Welche strengen Forderungen wir aber auch an Die stellen mögen, welche die Aufnahme in unsere Mitte, in unsere Vereine verlangen, so wollen wir doch nicht vergessen, daß der Lumpen- Proletarier auch ein Proletarier ist!... Gar so schlimm war es in Lüttich übrigens nicht zugegangen.„Die Hölle ist ausgebrochen!" schrien zwar die zitternden Kapilalisten, weil man für zwanzigtausend Franken Fensterscheiben zertrümmert und Ju- «elen mitgenommen hatte, die das gethan hatten, waren aber doch ziem- lich harmlose Teufel, sie haben niemand ermordet. Die schlimmeren Teufel erschienen erst am 20. März, wo die Truppen kamen, um eine Ruhe herzustellen, die schon längst hergestellt war. Der Putsch vom 18. März, an dem die Arbeiter nicht theilgenommen hatten, war vor- über. Ob bei demselben die Regierung oder, was dasselbe ist, die Jesuiten die Hand im Spiel hatten, ist nicht bewiesen, aber durchaus nicht un- wahrscheinlich: seit einigen Wochen hatten die katholischen Wohlthätigkeits- Anstalten ihre Unterstützungen herabgesetzt(und das in solchen Tagen des Elends!) aber merkwürdigerweise lief man in Lüttich an den katholischen Häusern vorbei, ließ die reichen Kirchen und Klöster in Ruhe, zerschmetterte dagegen z. B. einen Kiosk von liberalen Zeitungen. In Brüssel war der nämliche Streich, wie in Lüttich, nicht gelungen: zwei notorische„axcmta provocateura" hatten zwar aufwiegelnde Reden gehalten, aber vergebens; unter den Wenigen, die ihnen folgten, fand man 41 Spitzbuben, welche zusammen nicht weniger als 123 Mal ver- urtheilt waren. Auch hatte man provokatorische Plakate, betrügerischcr- weise„Parti ouvrier" unterzeichnet, angeschlagen— doch alles umsonst! Fragt man, wem diese Krawalle hätten nützen können, so leuchtet es ein, daß der Regierung alles daran gelegen sein mußte, die starke Pro- paganda des Sozialismus zu hemmen, und einen Grund zu haben, die gefürchtete Manifestation von Pfingsten zu verbieten, und daß sie nicht ungern unter den Sozialisten ein Blutbad angerichtet hätte. Wie dem aber auch sei, ob wirklich die Regierung selbst den Funken in das Pulver- saß geworfen hat oder nicht, so ist so viel gewiß: daß der Lütticher Krawall nichts mit der Arbeiterbewegung zu schaffen hatte, daß die Sozialisten nicht in die gestellte Falle gingen, und daß nur das schreck-- liche Elend die Ursache war, daß den Tag darauf die Arbeiter von Lüttich und Umgegend die Arbeit einstellten, und so erst nach dem „Gesindel-Puts ch" ein Arbeiterstreik entstand... Die Arbeiter verlangten Erhöhung des Lohnes, aber nur, weil die Kapitalisten ihn herabgesetzt hatten. Hätten diese auch nur etwas zugeben wollen, dann wäre jeder sogleich wieder an die Arbeit gegangen. Aber ihren Arbeitern räumten sie nicht einmal das Recht ein, nach 12 Stunden unterirdischer Arbeit, wenn sie ermüdet und schweißbedeckt herausgehen wollten, sofort nach oben befördert zu werden. Eist sollen die Kohlen heraus; die Arbeiter können einstweilen in den seuchtkalten Gruben- gänzen die Keime tödtlicher Krankheiten in sich ausnehmen! Man hatte ja die Truppen in der Nähe, und es schien, als ob in Belgien wieder die Zeit gekommen war, um die Harmonie von Kapital und Arbeit durch etwas Flinten-Musik zu beleben. Grade in diesen bewegten Tagen setzten die Fabrik- und Gruben-Be- sitzer vielfach den Lohn herab, und zwangen so ihre Arbeiter, ohne Orga- nisalion, ohne Widerstandskaffen Streik anzufangen. Die Truppen, die Sklaven des Kapitals, forderten die hungernden Arbeiter heraus, und reizten die darbenden Lohnsklaven.„Die Arbeitergruppen waren stille," schreibt das Bourgeoisblatt„I-a Beforme" vom 23. März,„trübe, fast wild, kein Gesang, kein Schrei ließ sich hören, sie sprachen kaum unter einander. Aber alle diese Leute sind gewohnt, ihr Leben zu wagen, und wenn man sie durchaus schlachten will, so wird man das erreichen, aber sie werden ihre Haut theuer verkaufen." Leider konnten sie das nicht, und sie mußten sich ruhig hinschlachten lassen. Ueberall gehetzt, hatte eine Gruppe Arbeiter mit ihren Frauen und Kindern auf einer Brücke Platz genommen, welche über die Eisenbahn von Jemappe lag; hier waren sie durch Truppen umringt. Da ergriff sie die Verzweiflung.... Im Grunde wäre es doch besser, jetzt auf einmal durch eine Kugel, als nach und nach vor Hunger zu sterben! Sie rissen sich die Wämser auf, zeigten ihre nackte Brust den Prätorianern der Bourgeoisie und riefen: „Tirez, läodss!�—„Schießt, Feiglinge, schießt!" Und die Feiglinge schössen! Ein« Frau und ein Kind fielen todt nieder, und noch immer riefen die gehetzten Märtyrer:„Schießt, Feiglinge, schießt!" Kein ein- ziger wich vom Platze, eher wollten sie sich ruhig ermorden lassen. Eine zweite Salve wurde losgebrannt, aber auch dieses Mal waren es nur Revolverkugeln von den Offizieren und Unteroffizieren, welche trafen; die Soldaten hatten nicht oder zu hoch gefeuert. Wie tief muß das Elend diese tapfern Naturen herabgedrückt haben, daß sie nicht einmal mehr sich vextheidigen wollten, sondern wie wehr- lose Schafe sich hinschlachten ließen. Dies ist nur eine Episode aus dem „Bourgeois-Schrecken". Die Anführer der Soldateska waren wie toll: man ließ auf Jeden schießen, der über eine Brücke kam, auf Jeden, der in einem Kahn vorbeifuhr, auf jeden Nicht-Bourgeois, der Abends auf die Straße trat. Man erschoß in Lize einen S3jährigen Mann Namens Jakob, weil er am Fenster saß. Die feile Preffe hat letzteren Mord zu entschuldigen gesucht, indeni.sie sagte, daß dieser Jakob mit einer feilen Dirne lebte. Wenn aber das ein genügender Grund zur Erschießung eines Menschen wäre, würden wir bald von einer großen Anzahl kapita listischer Ausbeuter befreit sein. Jeden Tag fielen neue Opfer, jede Stunde fanden Verhaftungen staU, und die Ausregung legte sich nicht eher, als bis man die Truppin nicht mehr durch die Straßen spazieren ließ. Sobald die Herausforderung aufhörte, nahm das Blutoergießen ein Ende. Am 25. März war in Lüttich und Umgebung alles wieder still oder, wie man es nannte:„Tont ötait apais«?!"— alles war beruhigt. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 12. Mai 1886. — Per Dampf über Canosfa nach Rom, das ist jetzt die Parole in Preußen- Deutschland. Mit Kurierzugsgeschwin- digkeit werden die glorreichen Maigesetze— eines nach dem anderen— rückwärts revidirt, fällt eine nach der anderen jener Stützen, ohne die, nach Bismarcks srüherm Ausspruch, der moderne Staat gegen die Anmaß- ungen der römischen Hierarchie,„mit ihrem Programm, das dem des Staats schnurstracks entgegensteht",(Rede Bismarck's vom 16. April 1375) nicht aufkommen könne. Für Diejenigen, welche von vornherein wußten, daß es sich in dem Streit des„modernen Staates" der Bismarck und Konsorten wider die Kirche keineswegs um das Prinzip der geistigen Freiheit, sondern um reine Macht fragen handelte— und zwar hüben wie drüben,— kann das Schicksal der Gefetze, welche die Machtfrage zu Gunsten des reak- tionären Junker- und Polizeistaates entscheiden sollten, ziemlich gleich. giltig sein, immerhin ist es intereffant, auf welche Rechte der preußische Staat, der seine Nase bekanntlich in Alles steckt, der den kleinsten, harmlosesten Arbeiterverein nicht ungeschoren läßt, einer Kirche gegenüber verzichtet, deren Programm, wie Bismarck in obenerwähnter Rede ebenfalls ausführte,„dem Papst, wenn er in Preußen zur vollen Herrschaft gelangte, die Glaubenspflicht auferlegte, mit der Mehr- heit der Preußen, der evangelischen, vollständig aufzuräume n." Nach der K i r ch e n v o r l a g e, die gegenwärtig im preußischen Land- tage durchgepeitscht wird, ist in Zukunft zur Bekleidung eines g e i st- h i ch e n Amtes keine wissenschaftliche Staatsprüfung mehr nothwendiz. Die zukünftigen Pfaffen dürfen in speziell k i r ch- lichen Seminaren herangezüchtet werden, wo sie nicht der Ver- suchung ausgesetzt sind, die Vorlesungen eines f-f-s- Ketzers zu besuchen, sowie vom Knabenalter an in Konvikten von jedem Umgang mit Andersdenkenden ferngehalten werden. Die Staatsaufsicht über diese Konvikee wird aufgehoben, der königliche, d. h. st a a t- l i ch e, Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten wird a u f g e- hoben, womit die unbedingte Herrschaft des römischen Papstes über seine Kirche in Preußen wiederhergestellt ist. Der Vor- sitz im Vorstande des Kirchenrathes ist fortan in jeder Gemeinde, wo er nicht vor 1875 einem weltlichen Mitglied zustand, dem Pfarrer oder deffen kirchlichem Stellvertreter gesetz- lich zugesichert. Nicht wahr, eine nette Reihe von Konzeffionen? Und alles das für eine so winzige Gegenleistung, daß die Niederlage des Polizeistaates nur um so eklatanter zu Tage tritt. Aber der gegenwärtige Papst ist ein vertrauenswürdiger Mann— sagt Bismarck, denn er schimpft nicht wie sein Vorgänger, sondern er schmeichelt so zart wie ein harmloses Kätzchen. Warum soll man sich nicht mit ihm vertragen? Hat er nicht einen Hirtenbrief gegen den bösen Sozialismus erlaffen? Nicht die Preßfreiheit für Teuselswerk er- klärt? Einem solchen Mann kann man nichts abschlagen, der läßt mich nicht in Canoffa frieren, sondern behängt mich mit dem warmen Christusorden. Ist das noch kein Fortschritt gegen das finstere Mittel- alter? Und so wird man binnen Kurzem auch die Jesuiten zurückberufen, die ja ebenfalls sehr liebe, ausgeklärte Leute sind. In einem linksliberalen Blatt berichtete neulich ein Spaßvogel von einem Komite, das die Kanossasäule auf dem Harz in einen— Leichen st ein umzuändern beabsichtige. Der Witz ist nicht schlecht, aber besser ist es doch, das Denkmal an den famosen Kanzlerausspruch bleibt stehen. Es hat auch noch heute seinen Sinn. Vergleicht man die Konzeffionen von Staat und Kirche mit einander, verfolgt man den Gang der Unterhandlungen, so wird man bald inne werden, daß„wir" in der That nicht nach Canoffa gehen.„Unser" Kurierzug hält sich bei diesem Nest nicht lange auf, Dtte" nach Rom, das ist die Parole. — Zu den Chicagoer'Nnruhen schreibt man uns aus Deutsch- land, datirt vom 7. Mai: Die Nachrichten aus Amerika sind zwar noch sehr unvollständig und größtentheils auch offenbar entstellt, allein soviel steht fest, daß wenig- stens an einem Punkte die sogenannten„Anarchisten" oder„Revolu- tionäre der That" in die Aktion eingegriffen haben, und zwar ohne Erfolg. Fern sei es von uns, hier Vorwürfe aussprechen oder eine nörgelnde Kritik üben zu wollen. Im Gegentheil, wer im Kampf für die Sache, der er sich gewidmet hat, mit seiner Person einsteht, sein Leben auf das Spiel fetzt, versichert sich dadurch unserer Ach- tung— umsomehr, wenn die Sache, um welche es sich handelt, wie dies hier der Fall, dem Ziel nach unsere eigene ist. Aber daß wir aus der Niederlage, welche die„Revolutionäre der That" in Chicago erlitten haben, die Lehre ziehen, und daran die Verkehrtheit der befolgten Taktik nachweisen, das ist unser Recht, ja unsere Pflicht. Wir haben die Taktik jener„Revolutionäre der That" stets für eine sinnlose erklärt und sind deshalb häufig der„Feigheit" beschuldigt worden. Warum erklärten wir diese Taktik für sinnlos? Weil sie einerseits von einer kolossalen Ueberschätzung der physischen, mechanischen Gewalt, anderseits von einer ebenso kolossalen Unterschätzung der Hilfsmittel ausgeht, über welche der heutige Staat und die heutige G e- f e l l s ch a f t verfügen. Daß die physische, mechanische Gewalt eine Macht repräsentirt— wer wollte es leugnen? Allein erstens ist die Gewalt an sich nicht Macht. Das hat sich klassisch in dem„Kulturkampf" ge- zeigt, wo der im Besitz aller physischen und mechanischen Gewaltmittel befindliche Staat, vertreten durch den Gewaltmenschen Bismarck, vor der aller physischen und mechanischen Gewaltmittel vollständig baar« si'tiei Kirche demüthig die Segel streichen mußte. besser Es gibt also noch andere Macht mittel, als die der rei» der! mechanischen physischen Gewalt— und auf diese anderen Macht- Zelot mittel, die wir für die stärkeren halten und deren größere Stärk« onsch- in tausend geschichtlichen Beispielen zu Tage getreten ist, stützen wir mit s Sozialdemokraten unsere Taktik, wenn es uns nutürlüh Besch auch nicht einfallen kann, die physische, mechanisch- Gewalt außer Rech �ern nung zu laffen. uikun Diese Gewalt berechnen wir aber. Und die„Revolutionäre der Kloste That" thun es nicht— das ist ihr zweiter großer Fehler. Kein Zweifel, daß durch einen kühnen Handstreich irgend eine poü„~ tische oder industrielle Hauptstadt— Paris, Lyon, Chicago— übel- rumpelt und unter die Hercschast sozialistischer Arbeiter gebracht werde» J"*"1 kann. Was ist jedoch damit erreicht? Im Februar 1848 siegten di>'chli Pariser Arbeiter— und trotz des Heldenmuths, den sie dann i« � der Junischlacht entwickelten, erlagen sie der kolossalen Uebermach boliti der verbündeten Bourgeois- und Reaklionsparteien. Und das Schickst I?us der Kommune? Ging das Pariser Proletariat nicht an der Gleich t!"1™ giltigkeit oder Feindseligkeit der ungeheuren Majorität de« rj*' Bevökerung zu Grunde? J*" d Wir sagen: solang« die ungeheure Mehrheit der Bevölkerung de» i Sozialismus feindlich ist, kann die sozialisiische Partei durch den Appel an die physische, mechanische Gewalt sich blos blutige Niederlagen hole»» Ms" welche die Partei zurückw rfen. i 4i0lläl Die physischen und mechanischen Gewaltmittel befinden sich gege»! wärtig noch zum bei weitem größten Theil in den Händen unsere«~ Feinde, und ein Appell a n d i e p h y s i s ch e, m e ch a n i s chs Gewalt kann unter solchen Umständen nur unsere»?■ Feinde ti zu Gute kommen.> Das wissen sie auch; und darum suchen die europäischen Gewalthab« überall das sozialistische Proletariat z» Putschen und sonstige«**te,c Gewaltstreichen zu reizen, die Wasser aus die Mühle der Genxü»®® f Haber wären. Die Mahlow-Jhring sind eine stehend« Figur in der modernen Reaktionsgeschichte. In den Vereinigten Staaten giebt es freilich kein„herrlichel g Kriegsheer"; und es ist nicht unwahrscheinlich, daß die„Revolutionär der That" dies in Betracht genommen haben. U in so stärker i? mit t dort die bürgerliche Gesellschaft. Wäre Chicago die Haupi- menia stadt eines monarchisch-militärischen Musterstaats, wo das entmündigt � Bürgerthum von der Polizei am Gängelband geführt wird und jedO ttaen Selbständigkeit und jeden Charakters entbehrt, dann würde eine Uebe? P�sen rumpelung viel leichter gewesen sein. Von der riesigen Macht gleich- entfaltung, deren das amerikanische Bürgerthum fähig ist, konnten wi> uns während des Kampfs gegen die Sklavenstaaten einen annähernde» seilen Begriff machen. Und solange der Sozialismus sich nicht in Amerika d« vortre Massen erobert hat, und solange er aus eine winzige Minorität b» h,; schränkt ist, wird er sich bei jedem einzelnen Appel! an die Gewalt einer erdrückenden Uebermacht gege» übersehen. In despotischen Ländern, in Staaten mit persönlichem Regime«» zgi und ohne Bürgerthum, wie Rußland, da läßt sich duri Handstreiche von Mann gegen Mann, durch Verschwörunzen ui»— Putsche die Regierungsmaschine zum Stocken bringen, ja zerbrechen � sich hi in einem politisch und wirthschaftlich hoch entwickelten Lande geht da« zu vei nicht; und von allen Ländern der Erde sind die Vereinigten Staut«««eis dasjenige, woesamwenigstengeht. � Tro Solange dort die Anwendung der auf die Dauer unwiderstehlich«« M b moralischen und i n t e l I e k t u e l l e n M a ch t m i t t e l so l e i ch- si« wie bis jetz! ist, schneidet sich der in's eigene Fleisch, der ohne Roth??rert Gewaltmitteln greift, oder gar zu Zerstörungsmitteln, die durch ihr«« t,efe> grausamen Charakter an sich bereits den Unwillen, nicht blos der Parte» Js* gänger des Kapitalismus, Heraussordern.>(«iklus Wird die Lehre beherzigt, so ist das in CH-cago vergossene Blut nich umsonst geflossen. Wir wollen es wünsch- n. �ber Tagen — Wo alles liebt, kann HanS allein nicht Haffen. Hau« T S ch e r r, der weiland streitbare Kämpe für„Freiheit und Aufklärung vorbei der in den glorreichen Tagen der Eröffnung des Bismarckischen Kultu» kampfes es fertig bekam, in der Person des Redakteurs Paul Lindau 2) vom Berliner Stadtgericht wegen Religionsverspottung zu Gesängn«! verurtheilt zu werden— und dazu gehörte für einen Liberalen damu>« 3) sehr viel— hat jetzt, wo jene Gesellschaftsklassen, die sich selbst d« besseren nennen, weil es keine schofleren gibt, wieder fromm werden, au« feinen Weg nach Damaskus gefunden. In seinem neuesten Buch, ei» „Gestalten und Geschichten" betttelte Kollektion von halb schöngeistii 4) halb im Kannegießerton geschriebenen Aufsätzen erzählt uns der bra» b) Hans, wie er mit seiner Familie einen Ausflug nach dem Wallfahrtso» In Maria Einsiedel» gemacht, und wie es ihn dort plötzlich vor dem Marie» Vjmml bilde wie eine Art Offenbarung überkam. Und mit dem Eifer ein» k Neubekehrten legt die alte Vettel, halb im altgewohnten Fischweiberto» ii>gter halb salbungsvoll augenverdrehend, wie folgt los: � j, „Ist nicht ein wahrhaftes und wirkliches Wunder die ganz unbezweif»«ort. bare Thatsache, daß Hunderttausende, Millionen von mühseligen und b- 9"en tadenen Menschen, auf den Steinfließen vor der Gnadenkapelle knieeiü min> der schwarzen Mutter Gottes ihre Roth und ihr Leid geklagt haben u»|fnu8 erleichtert, getröstet und gebeffert weggegangen sind? Stehen diese Arm«« Tage im Geiste menschlich und sittlich nicht berghoch über den halbgebildet«» Lewuß oder ganz bildungslosen Pöbelhaufen der großen Städte, welche nur no» �nso an das von dünkelhasten Asterweisen gepredigte, rohinaterialistische Dogm» �»usl „Der Mensch ist auch nur ein Thier," glauben und daraus die Ruf �de anwendung ziehen, daß sie sich bestialisch aufführen müßten und dürste» Ü» st e Ich meine, wir haben es sattsain schaudernd miterlebt, wie die losg«.. Nu- lassen« Menschenbestie zu wüsten und zu wüthen vermag. Von dem, w« hä in der Seele des Volkes vorgeht, des wirklichen und wesenhuften Volke» Um welches mit dem in der Sudelküche kommunistisch-anarchistischer Hetzer« �lol zurechtgemachten Abstraktuin„Volk" nichts gemein hat, haben die Herr» Materialisten nicht die entfernteste Vorstellung."""en Wenn's nicht der große Hans Scherr gesagt hätte, so könnte es Her ünd C Stöcker oder irgend ein anderer Kapuzinerpfaffe gesagt haben. Das«! H. die alte, tausendmal abgeleierte Weise von der beseligenden„Armuth i< Geiste", die ja, wenn sie vor dem Heiligenbild kniet, für den in d«»>aueri Verdauung eines vortrefflichen Diners begriffenen Bourgeois, und wä« ,-Kc er Professor der Kulturgeschichte, einen sehr erquicklichen und erbaulich» �«de Anblick gewähren mag, die aber, wenn sie„getröstet und gebeffert" heü»! gekehrt ist, bald ihr ästhetisches Gesicht verliert und sich von dem„hast Halt, gebildeten Pöbelhaufen" der großen Städte nur durch die größere Roi. heit unterscheidet. Diese„Armen im Geiste" sind es, welche bei all» Volksaufständen die wildesten, fanatischsten Elemente geliefert haben �. trotz des„erhebenden" Einflusses der Kirche. Man muß nationalservil»'�ik Kulturhistoriker sein, um diese allbekannte Thatsache frech zu ignorire» Wer aber der Kirche solche Wunderwirkung der Besänftigung der G« v- r müther andichtet, die sie zwar auszuüben vorgibt und, wo ihre Int« z, J" reffen mit denen der Reichen zusammenfallen, auch auszuüben versuch« � die sie aber nie auszuüben vermocht hat— sie konnte nur die Geist« echten— der muß natürlich auf der andern Seite den bösen Materi» listen alles möglich- Schlechte nachsagen. Und weil ein„Fanatiker d« Materialismus"— der Philosoph Ueberweg— den albernen Au« z," spruch gethan, et„sehne" sich nach Gleichgesinnten, die„mit Wonne d«» R" katholischen und protestantischen Christen sammt den Rationalisten niede« m � kartätschen, wenn es noth thut, dreißig Jahre lang", wegen dieses eine«£feif Mannes ruft Basilio-Scherr denunziatorisch-aug-nv-rSreh-nd aus: „Also auf inquisitorisch« Großthaten, aus Maffenabschlachtungen lies Jre das materialistische Kakangelium�) hinaus? Bielleicht merken sich da tz-" unsere Bildungsphilister, die gewohnt sind, jeder Narrethei, welch« si> P1 für Fortschritt ausgibt und in die Mode zu bringen versteht, ihre den« m.'" träge Zustimmung zu geben." � Als ob nicht jede geistige Bewegung ihre Fanatiker, ihre Zerrbild« tv 1,6 gehabt hätte. Aber diese Kampfesweise ist noch bei allen Renegaten b«. liebt gewesen. Um ihre Fahnenflucht zu bemänteln, jammern sie üb« q, 0 Intoleranz, wie Herr Scherr über„Pfaffen" und„Orthodoxie des U« glauben«". Die„Pfaffen des Unglaubens" haben noch Keinen weg« Rl'1 feines Unglaubens„niederkartätscht", Herr Scherr, sie laffen Jeden na«__ _ der SD dünge *) Kak-angelium= schlechte Botschaft, im Gegensatz zu Eo-angeliu> diill =- gute Botschaft. Solche Wortkunststückchen sind eine Spezialität d« folgen Herrn Scherr, die er übrigens andern abgeguckt hat.»D :en seiner Fa�on— Bücher fabriziren und sie dem Publikum, das es nicht besser verdient, für schweres Geld anschmieren. Auch wenn ein Mann, Ii« der die Wissenschaft zu vertreten vorgibt, noch so gifüg mit dem ht< Zelotismus eines Kapuzinermönches die ihm verhaßte moderne Welt- rlt anschauung verdreht, verleumdet, in eine Karrikatur umlügt, blos um sie il mit so viel Koth, als sein Arsenal nur hat, zu besudeln, tragen die so ich Bischimpften keineswegs Holz zu einem Scheiterhausen zusammen, son- ch> dern begnügen sich, dem Herrn Professor am eidgenössischen Polytech- nikum in Zürich den freundschaftlichen Rath zu ertheilen: Geh' in ein iet Kloster, Hans, geh' in ein Kloster! gj>— Die Dresdener Polizei hat wieder einmal einen echt sächsischen jp Polizeistreich verübt: sie hat den in Dresden gegründeten Arbeiter inen- ,01 Verein für einen p o l i t i.s ch e n Berein erklärt und als solchen g e- ji, schlössen, weil nach dem gemüthlichen sächsischen Vereinsgesetz Frauen in nnd Mädchen keinem politischen Verein angehören, ja nicht einmal in * Politischen Versammlungen anwesend sein dürfen. Wir hätten des Vor- falls gar nicht erwähnt— derartige Polizeistreiche sind ja in dieser a Aera Puttkamer-Jhring Mahlow so häufig wie Brombeeren im Herbst— e, Ä-r es kam uns darauf an, die vorsündfluthlich-monströse Bestimmung des sächsischen Vereinsgesetzes einmal an's Licht der Sonnen zu ziehen Und festzunageln. � Und die Polizei in Deutschland ist jetzt überall auf der Suche nach ähnlichen Vorsündfluthlichkeiten, die aber in unserer Zeit der wüsten Polizeiorgien wieder ganz zeitgemäß geworden sind. fi— Der Puttkamer'sche Mas hat wieder einmal so recht Hand- ai greiflich die Dummheit unserer herrschenden Reaktionäre gezeigt. .Man soll nie unnütz Lärm machen", ist eine alte, Namentlich auch für die Politik geltende Regel. Durch den Ukas wird gar nichts, aber auch H0 Nicht ein Titelchen über dem i erreicht, was nicht auch ohne Ukas zu e, erreichen wäre, ja vor demselben bereits zum großen Theil erreicht jjz war. Alles, was die Polizei jetzt nach dem Ukas thun kann und thun h, Niird, konnte sie auch schon vorher thun, und hat es zumeist schon gethan. Zur Anbahnung der schärferen Praxis bedurfte es keiner weit- ,. käufigen, der Kritik nothwendig die schönsten Handhaben bietenden hi- Schreibübung— ein einfacher Wink genügte. Und der Wink war durch ?? die Puttkamcr'schen Sozialistengesetz-Reden gegeben— ein wahrer Wink Mit dem Zaunpfahl oder Scheunenthor— ein Wink, den auch der ff venigst scharfsinnige Polizist nicht mißverstehen konnte. W Wenn Puttkamer trotzdem diesen Ukas vom Stapel ließ, so ist, abge- . sehen von s-iner komischen Eitelkeit, welche ihn die literarischen 'if P°sen ebensosehr lieben läßt wie die rhetorischen— beide mit P gleichem Erfolg— die kolossale Beschränktheit des Mannes Schuld daran. Unfähig, die Wirkungen seines Handelns zu berechnen, gab er ■r seinen brutal-junkerlichen Instinkten freien Lauf und merkte nicht, welch' f vortreffliche Waffe er seinen Feinden in die Hand spielte. Hoffentlich ist's nicht die letzte! Es wäre in der That ein großes Unglück für uns, wenn der Putt- et kämet eines schönen Tages zur— Selbsterkenntniß gelangte, und„in ' seines Nichts durchbohrendem Gefühle" sein Amt niederlegte. uS®'c müßten Trauerkleider anlegen. urt— Die unverschämten Arbeiter. Bis zu welcher Frechheit " sich heutzutage die von gewissenlosen Agitatoren aufgehetzten Arbeiter M zu versteigen im Stande sind, dafür liegt uns heute ein drastischer Be- litt weis aus der Stadt Cottbus, Provinz Brandenburg, vor. Traten da vor Jahresfrist die Tischlergesellen dieser Stadt zusammen che« Und bildeten einen Fachverein. Nun sollte man doch meinen, Arbeiter, ch! oie sich den Luxus eines Vereins gestatten können, müßten Gott und , jt ihren Meistern aus den Knieen dafür danken, statt dessen aber murrten ,re» riefe Unersättlichen noch, sprachen von trauriger Lage, obwohl sie— ilsi- Man höre!— bei 76—8« Sinnden Arbeitszeit pro Woche (inklusive Sonntagsarbeit) einen Durchschnittslohn von Mk. 9 50 ficht erhielten, und der Minimallohn sogar 6 Mark bis 6 Mk. 50 Pf. betrug. W'er nicht nur, daß sie gottloser Weise murrten— nein, vor einigen Tagen sind sie sogar zusammengetreten und haben, um ihre Faulheit n« und Völlerei bis auf den Gipfel treiben zu können, folgende unerhörte ig' Forderungen ausgearbeitet: tun k) Minimallohn von 20 Pf. pro Stunde!!! M 2) Abschaffung der Akkordarbeit oder, wo dies nicht möglich, 25 ,N>i Prozent Preiserhöhung. i,al! 3) Möglichste Einschränkung der Ueberzeit- und Sonntagsarbeit— d» ja, das glauben wir, ihr Faullenzer!— wo dieselbe aber unbe- aui dingt erforderlich ist, 10 Pf. pro Stunde mehr, im Lohn sowie eiK im Akkord(zum Versaufen, das kennt man). .stiz 4) Benutzung des vom Fachverein eingerichteten Arbeitsnachweis. rai b) Wöchentliche Auszahlung des Lohnes. got In ihrer Schamlosigkeit luden die Arbeiter die Meister zu einer Ver- je« sammlunz ein, um mit ihnen gemeinsam diese Forderungen zu diskutiren int(das könnte noch fehlen!), sie hatten sich aber verrechnet, die Meister to» Zeigten ihnen, daß sie es unter ihrer Würde halten, mit dem Arbeiter- pack in ein und derselben Versammlung zu unterhandeln, und blieben -ist fort. Statt sich aber durch diese verdiente Lektion belehren zu lassen, i b gaben sich die Arbeiter noch immer nicht zufrieden und unterbreiteten iepl nun ihre Lohntarise sch. istlich den Meistern. Il von 72 waren schwach uit genug zu unterzeichnen, aber auch von diesen zogen noch am gleichen me Tage drei ihre Unterschrist mit dem Bemerken zurück, sie hätten nicht icte gewußt, was die anderen Meister beschlossen. Diese haben nämlich den not ebenso verständigen wie humanen Beschluß gefaßt, die Gesellen durch m« Aushungern zur Raison zu bringen. Und dies wird das Ende vom liul kicbe sein, denn die Arbeiter haben jetzt thatsächlich die Arbeit ein- ten gestellt. isgi Nun, haben wir zuviel gesagt? Verdient eine solche Frivolität nicht w«"ie härteste Strafe? 20 Pfennige Lohn pro Stunde— es ist unerhört! fiel Unerhört, in der That— unerhört, daß Arbeiter um solchen Jam- jeji»rerlohn erst noch streiken müssen, unerhört, wie nicht achtend, wie von irr« �b?n herab das protzige Pack der Meister die Arbeiter behandelt, von deren Schweiß und Blut sie sich mästen. Unerhört die Bescheidenheit her Und Geduld der Arbeiter— der Arbeiter, über deren Unbotmäßigkeit z il die Herren Meister nicht müde werden zu klagen— am Wirthshaustisch, h i« dein, Frühschoppen, dessen Normalsaufzeit von 9 Uhr bis Mittag zu pr dauern pflegt. Mjjr„Kollegen, Arbeiter,— schließt der uns zugegangene Aufruf— Ihr ich« werdet alle einsehen, daß wir in unserem Rechte sind. Wir sind unserer 1 20, die sich im Ausstand befinden. Laßt uns nicht untergehen! halb Haltet Zuzug fern und unterstützet uns nach Kräften! i a s. Gelder sind zu richten an den Kassirer des Fachvereins: Gustav ggei Kallöne, große Mauerstraße 100. n' KB. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden gebeten, von diesem „ist«treik Notiz zu nehmen. 'M..— Auch ein Monopol. Es gibt heute eine Anzahl von Leuten, vnt, die sich den Kopf darüber zerbrechen, welche Gewerbszweige im deutschen uchi««ich monopolisirt werden könnten. Die Ablehnung zuerst des Tabaks-, eist« n des Schnapsmonopols hat auf sie eher anfeuernd als abschreckend eri« Wir wollen ihrem Witz zu Hilse kommen, indem wir einen ! Vorschlag wieder erneuern, den 1780, neun Jahre vor der großen Re- Aul 5?iution, der Generaladvokat in Frankreich machte: nämlich Verstaut- di�'chung der Presse und des Buchhandels. Sämmtliche ede> Buchhandlungen und Druckereien des Landes sollten in Staatseigenthum lrtei Ubergehen und jedes Druckerzeugniß verboten sein, das nicht von einer �taatsdruckerei gedruckt oder von einer Staatsbuchhandlung verkauft iies worden. w Der Pfiffikus, der diesen Vorschlag machte, meinte dadurch nicht nur . n! Ji« Finauznoth des Staates zu kuriren, sondern auch jede Opposition den immer unmöglich zu machen. Wir erneuern diesen Vorschlag. Wenn schon ein Gift verstaatlicht ifild» werden soll, warum der narkotisirende Nikotin oder der verdummende hl Fusel? Warum nicht lieber das viel gefährlichere Gift der Aufklärung üb« � des Wissens? Der erste Schritt dazu ist ja schon durch die famose . � Gewerbeordnungsnovelle vom Juli 1883 gethan. „ege Also nur zugegriffen! �— Cln wildgewordener Knltnrkämpfer schreibt in Nr. IIS der Münchener„Allgemeinen Zeitung" über die unverschämten Ableug- düngen Bismarcks in Bezug auf den„Kulturkampf"— der Unfehlbare eliu'will eS nach Bubenmanier jetzt natürlich nicht gewesen sein— in i d« folgender Weise: „Die Entschuldigung des Reichskanzlers, er habe damals den Minister Falk machen lassen, er sei zur Zeit der Einführung der Zivilehe krank gewesen, er habe nicht vier Ministerportefeuilles aufs Spiel setzen können, i st doch nur soviel werth, als man unter Brüdern'. dafür gibt. Erledigte Portefeuilles sind dem Kanzler niemals nahe gegangen; die Galerie von Exministern Preußens ist eine ganz erkleck- liche. Was die Debatte über die Zivilehe betrifft, so glauben wir uns zu erinnern, daß der Kanzler derselben mit gesundestem Humor beiwohnte. Vor allem aber, wo bleibt die Verantwortlichkeit des preußischen Premiers und deutschen Reichskanzlers? Was die von ihm berufenen Kollegen gethan, das ist in seinem Namen geschehen." Für ein so zahmliberales Blatt etwas starker Tabak. Eine Entschul- digung des hochgefeierten Kanzlers nur so viel werth als man„unter Brüdern" dafür gibt! Mit andern Worten gar nichts werth. Der Kanzler wird als Lügner, als ganz gemeiner Flausenmacher hingestellt. In der„Allgemeinen Zeitung", dem Professorenblatt pur excellence! Darauf gebührt unbedingt eine Klage wegen Kanzlerbeleidigung. Der Artikelschreiber wird ja doch seine Frechheit nicht so weit treiben, den Beweis der Wahrheit anzutreten. Also nur frisch zugegriffen zum For- mular, schwer beleidigte Durchlaucht. — Recht so. Im„Württembergischen Staatsanzeiger" veröffentlichte das Hofmarschallamt des Prinzen Wilhelm von Württemberg neulich folgende Aufforderung: „Zufolge zahlreicher bezüglicher Anfragen sieht das unterzeichnete Hof- marschallamt sich veranlaßt, alle diejenigen Personen, Vereine, Kor- porationen u. s. w., welche ihre Geschenke zur Vermählung Ihrer Königlichen Hoheiten Prinzessin und Prinz Wilhelm von Württemberg persönlich übergeben wollen, hierdurch zur baldigen An- Meldung anfznfordern. Di» Entgegennahme wird nur am 27. d. M. von 10 Uhr an in alphabetischer Reihenfolge der Angemeldeten stattfinden. Bei Vertretung von Vereinen, Korpora- tionen u. s. w. wird thunlichste Beschränkung der Deputationen auf drei Personen erbeten. Größere Gegenstände sind, falls deren Aufstellung im Empfangszimmer gewünscht wird, bis zum 28. Abends im Palais a b z u l i e f e r n." H Der demokratische Stuttgarter„Beobachter" hielt sich über den Ton dieser Aufforderung auf, die so laute, als ob es sich um den Tribut einer unterworfenen Völkerschaft handle." Ja, benehmen sich denn die biederen, speichelleckenden Geschenkgeber anders? Hunde redet kein Mensch per Sie an. — xrodutum«st. Um sich von seiner Ueberanstrenzung zu erholen, soll Herbert Bismarck demnächst seinen Posten als Unterstaatssekretär niederlegen und dafür zum— Staatssekretär avanciren. Eugen Richier meint zwar in der„Freisinnigen Zeitung", das Avancement stärke doch an sich nicht die Gesundheit und verleihe auch keine größere Arbeitskraft, aber der Bullenbeißer der Fortschrittspartei beurtheilt eben die Angelegenheiten der höheren Politik vom Standpunkt eines„Land- pfarrers." — Früher bewarfen sie sich mit Dreck, jetzt beschenken sie sich mit Speck. Kaiser Wilhelm hat dem Papst ein von Brillanten und Rubinen strotzendes„Pectorale"(Brustschild) aus massivem Golde geschenkt, und der Statthalter Jesu, dessen„Reich nicht von dieser Welt" ist, soll bereits ein nicht minder reiches Gegengeschmk für seinen„er- habenen Bruder" bestellt haben. Die Kosten dafür zahlen die— Gläu- bigen, die nicht alle werden. Frage: Wobei stehen sich die Völker schlechter: Wenn ihre Beherrscher sich Ketzer und Antichrist schimpfen, oder wenn sie gleich Verliebten sich zärtliche Billets-doux schreiben und einander Schmucksachen schenken? — Was unseren katholisch-geschorenen Konkur- renten Recht, ist uns billig, denken die protestantisch-ge- scheitelten Augenoerdreher und fordern, wie Stöcker's Freund D i e tz in der„Neuen Wests. Volksztg." ausführt, nichts Geringeres als: 1) Mitwirkung, d. h. entscheidende Stimme bei der Besetzung der evangelisch-theologischen Lehrstühle an den Uni- v e r s i t ä t e n(adieu Bibelforschung!) 2) Mitwirkung(s. o.) an der Besetzung aller Stellen der Re- ligionslehrer an allen S ch u len, von der Dorfschule bis zum Gymnasium. Auch muß die Kirche in ihrem General- Synodal-Vorstande einen entscheidenden Einfluß haben auf die Besetzung nicht blos der Stellen der Konsistorialräthe und General-Superinten- denken, sondern auch der Stellen im Oberkirchenrath, mögen selbe nun durch Geistliche oder Laien auszufüllen sein. 3) Ebenso richtig und berechtigt(natürlich!) erscheint das Verlangen, daß der Verkehr mit dem Könige— als dem suimnus episeopus (höchsten Bischof)— fernerhin nicht mehr durch den Kultus- minister zu vermitteln, sondern direkt geschehen soll. Ist es über- Haupt in der Ordnung, daß die Kirche von Juristen regiert wird? Als Beirath sollten die Juristen uns immer für die evangelische Kirche will- kommen sein, aber ihr Regententhum verstößt durchaus gegen das Wesen der Kirche, welches nicht welllicher, sondern geistlicher Art ist. 4) Man sieht, das ist etwas viel auf einmal, aber es ist noch nicht einmal alles, was der evangelischen Kirche gehört. Die V e r w i l- ligung einer Dotation seitens des Staates an die Kirche ist einfach eine Pflicht der Gerechtigkeit und des staatlichen Anstände s." So, und wenn dieses Programm durchgeführt ist, dann sind wir Pfaffen die unumschränkten Herren— nicht doch, die demü thigen Diener Gottes, die ihren Blick einzig und allein auf den Himmel richten und die rechte Hand nicht wissen lassen, was die linke in die Tasche steckt. Nun, je toller sie es treiben, desto besser. — Puttkamer'S Mann, der biedere Jhring-Mahlow, wird am 15. d.M. seinen Prozeß haben— als Ankläger. Der Beweis wird über und über erbracht werden, daß der saubere Patron ein Lum- pazius ist, wie er im Buche steht. Natürlich— tel maitre, tel valet. — Eine Friedensschalmei. Aus London geht uns von einem, offenbar anarchistischen Klub„zur Morgenröthe" ein Aufruf zur Ver- öffentlichung zu, der die„Arbeiter deutscher Zunge" zu einer gründ- lichen Reform ihrer Presse auffordert. Diese sei nämlich an allen Zerwürfnissen in der Arbeiterbewegung schuld. Durch sie wurde das „einige Prinzip v i e l f ä l t i g", jedes Blatt habe„eine eigene Partei- Hierarchie entwickelt", einzelne Individuen werden„förmlich zu Autori- täten erzogen", und damit gehe natürlich„des einzelnen Genossen freie und unparteiische Reden durch das Blatt zu Ende". Die Presse, wie sie heute ist, sei schuld, wenn die Reaktion heute, sich fast passiv verhaltend, ihre ehemaligen größten Feinde sich gegenseitig.... selber unschädlich machend sieht." Allem diesem soll dadurch abgeholfen werden, daß von jetzt ab jeder Arbeiter selbst oder mit Genossen als„Mitarbeiter an seiner Presse auftrete." Dadurch werde„mehr und Besseres als Per- sonenkultus, kleinliche Wortklaubereien«c. sich ergeben", der„Autori- täten-Dusel von selbst schwinden", die Presse von„allen unsaubern Ele- menten frei", dann werden wir auch„gewiß nicht mehr fern von frei- willigen und unentgeltlichen Redakteuren und Expediteuren sein."„Weg mit dem Personenkultus! Weg mit jedweder Autorität!" Dies in Kürze der Inhalt des Aufrufs, den wörtlich abzudrucken der knapp bemessene Raum unseres Blattes nicht gestattet. Er ist ein spre- chender Beweis von der merkwürdigen Konfuston, welche die anarchisti- schen Schlagworte in den Köpfen der Leute anzurichten vermögen. sKein Zweifel, daß auch in der Arbeiterpresse heute viele Uebelstände vorhan- den sind— und grade die Anarchisten dürften in dieser Beziehung die schlimmsten Erfahrungen gemacht haben, weil die heilige Anarchie die Willkürherrschast desjenigen Redakteurs herbeiführt, dessen Blatt zufällig aus irgend welchen Gründen das Monopol hat— aber die Presse als den Sündenbock für alles Schlechte hinzustellen, ist mehr wie naiv. In der Presse spiegeln sich schließlich auch nur die Verhältnisse wieder, wie sie in der Partei selbst bestehen, und daß Zerwürfnisse auch ohne die Mitwirkung der Presse entstehen können, zeigt jeder noch so kleine Verein, jede noch so kleine„Gruppe". Es heißt den Einfluß der Presse über- schätzen, wenn man sie für alles, was geschieht, verantwortlich macht, es heißt ihn unterschätzen, wenn man, wie die Einsender, die Herstellung der Zeitungen dem Zufall überlaffen will. Nicht dadurch befestigt man die Uebelstände, daß man gegen„Autoritäten" und„Personen- kultus" vonnert, sondern dadurch, daß man durch bestimmte Maßregeln jeden Mißbrauch des persönlichen Einflusses unmöglich macht oder wenigstens nach Kräften paralystrt. Freiwillige Mitarbeiter, deren unser Blatt in gewiß erfreulicher Anzahl besitzt, können die Redaktionsarbeit nicht ersetzen, und von„unentgeltlicher Expedition" kann höchstens bei Blättern die Rede sein, die ihre Abonnenten nach Dutzenden, nicht aber bei solchen, die sie nach Tausenden zählen. Weise man Jedem seinen Posten und damit sein Stück Verantwortlichkeit zu, das ist ein viel besseres und sichereres Mittel, als um der schönen Phrase willen eine unverantwortliche polnische Wirthschaft als Ideal zu proklamiren. Was dann die gegenseitigen Beschimpfungen«c. anbetrifft, so freut es uns sehr, grade von Anarchisten den Wunsch nach Einstellung derselben zu vernehmen. Wir wollen nur hoffen, daß die Einsender bei den anar« chistischen Redaktionen das rechte Verständniß dafür finden. Von uns dürfen sie überzeugt sein, daß wir nach wie vor an unserm Grundsatz festhalten werden, Ansichten, die wir für falsch und verderblich halten, sachlich zu bekämpfen, Niemand aber wegen einer von der unfern ab- weichenden Meinung zu beschimpfen oder zu verdächtigen. Daß damit die Kennzeichnung von, sich unter falscher Maske in die Reihen der Arbeiter schleichenden ehrlosen Abenteurern, die Brandmarkung von feigen Agents Provokateurs nicht ausgeschlossen ist, versteht sich von selbst. — Nachrichten von Nah nnd Fern. Die vereinigten Groß- mächte haben über den größten Theil der griechischen Küste B l o k a d e verhängt, weil Griechenland der Aufforderung, abzurüsten, nicht nachgekommen. Offiziell ist Rußland dabei, unter der Hand schürt es natürlich die Griechen.— In Serbien sind bei den Wahlen zur S k u p s ch t i n a, trotz infamstem Druck der Regierung, fast ebensoviel Oppositionelle als Regierungsleute(59 gegen 62) gewählt worden. In dem einst so hyperloyalen Belgrad siegten die Radikalen mit großer Majorität.— Die Bergarbeiter von Decazeville beharren der Gesellschaft gegenüber aus ihren Minimalforderungen. Der Streik dauert fort.— Der Berliner Maurerstreik nimmt einen er- freulichen Verlauf; 218 Meister haben bereits die Forderungen der Ar- beiter bewilligt.— In Z ü r i ch streiken die Schlossergehilfen für den zehnstündigen Arbeitstag. Zuzug fernhalten! Der B a i e r n k ö n i g soll den Verstand verloren haben, weil seine llnterthanen nicht so verrückt sind, seine Schulden zu bezahlen.— Der König von Schwaben ist ebenfalls hochgradig nervenkrank, eine Abnahme seiner Verstandeskräste ist aber nicht zu befürchten.— Die Jhring-Mahlow-Wäsche wird fortgesetzt. Der neulich von der Anklage, den falschen„Genossen" durchgeprügelt zu haben, freigesprochene Tischler B o b k z e w i c z und dessen Zeugen sind unter der Anklage des Meineids verhaftet worden. Jhring Mahlow kann nicht lügen, folglich müssen alle andern falsch geschworen haben.— In Freiburg im Breisgau hatte ein strebsamer Polizeirichter, Namens Wiener, sechs Glasergehilfen, die sich mit ihren Meistern in Lohndifferenz befan- den, wegen„Arbeitsscheue und Vagabondage" zu je sieben Tagen Haft verurtheilt. Fünf davon ließen sich leider diese bubenhaste Gemeinheit gefallen, der sechste— Arnold, Vorsitzender des Fachoereins— legte Einspruch ein und ist neulich vom Amts- gericht, vor das die Sache kam, kostenlos freigesprochen wor- den. Und der Justizstrolch Wiener?— In der„fröhlichen Pfalz, Gott erhalts" hat es. anläßlich der Anwesenheit des Genossen Schön- l a n k, wieder Versammlungsverbote geregnet.— Das B e r- liner Polizeipräsidium hat Heft 6 der„Sozialistischen Biblis- thek":„Die s ch l e s i s ch e Milliarde" von W i l h. W o l f f verboten. Das war in der Ordnung, denn in dieser glänzenden Schrift wird der Diebstahl, den die schlestschen Junker am Volk begangen, ziffernmäßig nachgewiesen, und wo bliebe der preußische Staat, wenn er es duldete, daß die Spitzbübereien seiner Lieblinge ungestraft bloßgestellt würden?— Ferner wurde verboten: die dritte u n v e r- änderte Auflage des bisher unverbotenen„Es werde Licht. Poesien von Leopold Jacobi". Auch in der Ordnung, denn schon der Titel ist eine Verhöhnung des Kulturfriedens.— In Wien hat am 9. Mai eine von über 5000 Personen besuchte Volksversamm- l u n g, in der die Abgeordneten Kronawetter, Pernerstorser tc. sprachen, einem geharnischten Protest gegen das neue Sozialistengesetz durch ihren Beifall— abgestimmt durste nicht werden— demonstratio zugestimmt.— Das Naumburger Oberlandesgericht hat nun auch Hasenclever zur Herausgabe der von der Partei empfan- genen Diäten verurtheilt. Da Hasenclever angibt, über 1500 Mark empfangen zu haben, wird nun auch das Reichsgericht Gelegenheit bekommen, seine Unterwürfigkeit unter Durchlaucht Fiskus zu bekräftigen.— Eine von 1500 Personen besuchte Volksversammlung in Köln nahm am vorigen Sonntag unter stürmischem Beifall einstimmig folgende Resolution an:„Der Erlaß des Ministers v. Putt- kamer ist mit den Ideen der gesetzlichen Bestimmung über die KoalitionS- freiheit der Arbeiter nicht in Einklang zu bringen. Wir ersuchen daher den Reichstag, energischen Protest gegen eine derartige Berge- walligung der Koalitionsfreiheit, die durch den Reichstag in der Gewerbe- gesetzgebung geschaffen, zu erheben. Indem wir hiermit gegen jede Be- schränkung der Koalitionsfreiheit protestiren, ersuchen wir, den Minister von Puttkamer in seine Schranken zurückzuweisen." — HnmoristischeS. Hans Most jammert in der neuesten Num« mer der„Freiheit": „Aufgepaßt! Was wollen Bebel und Liebknecht in Amerika? Wollen sie uns zeigen, wie man sich am besten bewaffnet? Wollen sie uns zur sozialen Revolution anspornen? Wollen sie die Interessen der„Internationalen Arbeiter-Assoziation" fördern? Nichts von Alledem! Was wollen sie also? Sie wollen über ihre parlamentarischen Bocksprünge quatschen. Sie wollen für ihre parlamentarischen Klopffechtereien betteln. Sie wollen uns übers Ohr hauen. Sie kommen mit solchem Schwindel zu spät. Die Arbeiter von Nordamerika stehen soeben im Begriffe, sich für die kommenden Kämpfe zu wappnen. Da ist kein Raum für die Agitation elender Abwieglet. Wir fordern die Genossen im ganzen Lande auf, schon jetzt jeder Agitation für diese Burschen entgegenzuwirken. Was wäre das Beste, das da zu thun wäre? So fragt man uns Wir antworten: das Beste wäre, wenn man die Kerle todtschlüge, sobald sie sich hierzulande blicken lassen." Selber machen, Hans! — Schweiz. Der in fortgesetztem Aufschwung begriffene sch w ei- zerische Grütliverein hält am 26. Juni seine diesjährig« Delegirtenversammlung ab. Auf der Tagesordnung derselben stehen u. A.: Erweiterung der Haftpflicht und obligatorisch« Unfallversicherung, staatliche Regelung der A l t e r s- und Invalidenversicherung, Vermehrung der Fabrik- Inspektoren mit Erweiterung derKompetenzen der- selben, obligatorische staatliche Krankenversicherung, Anbahnung einer Bundesrevision im Sinne des obligatorischen Referen- d u m s und der Initiative, sowie die Einführung von S t a a t s- Monopolen für Eisenbahnen und Banknoten, einheitliche Zivil- und Strafgesetzgebung, Versicherung gegen Elementarschäden rc. Ferner wird Professor V ö g e l i n einen Vortrag halten über die Frage der internationalen Fabrikgesetzgebung und Neuanregung derselben bei den ausländischen Regierungen und Redakteur C u r t i über die soziale Frage in der Schweiz referiren. Glück auf! Frankreich. Ein Pariser Korrespondent, der das Gras wachsen hört» erzählt in deutschen Blättern, Rochesort, Guesde«c.„bereuen jetzt bitter- lich, den Redakteur Roche als ihren Kandidaten aufgestellt zu haben, da nachträglich bekannt geworden ist, daß Roche 1871 in der Versailler Armee freiwillig gegen die Pariser Kommune kämpfte und von der Re- gierung wegen seines dabei gezeigten Eifers befördert wurde". Das ist einfach lächerlich. Roche war im Jahre 1871 ein junger Mensch von 13 Jahren, und wenn er damals noch kein Sozialist war, so liegt, nach- dem er inzwischen über 12 Jahre lang in uneigennützigster Weise für dre Sache der Arbeiter gewirkt,„absolut kein Grund vor, ihn für Handlungen verantwortlich zu machen, deren Tragweite er zur Zeit nicht beurtheilen konnte, und bei denen er nicht der Führer war, sondern zu den Geführ« ten gehörte. Ueber die Bedeutung der letzten Wahl schreibt uns«in französischer Genosse—„Guesdist", wenn man will: „Die radikale Partei, unser gefährlichster Feind, ist heute in zwei Theile gespalten: das ganze bürgerliche und reaktionäre Element hat sich um Clemenceau und die übrigen Führer, die nur Opportunisten unter falscher Firma sind, geschaart, das Arbeiter- und das durch Instinkt oder Gefühl sozialistische Element hat sich uns angeschlosien, um mit uns ge- meinsam den Wahlkampf zu führen. Diese bisherigen Soldaten des Radikalismus waren voller Mißtrauen gegen uns, aber viele ihrer Vor- urtheile sind gefallen, seitdem sie mit uns zusammen gearbeitet haben. Jetzt gilt es, sie ganz für unsere kommunistischen Grundsätze zu gewinnen, die sie um so mehr fürchteten, je weniger sie sie kannten. Das ersordert viel Arbeit und Geduld, aber wir denken, es wird uns gelingen." — England. Die Erklärungen zu Gunsten von Gladstones irischerReformbill nehmen täglich zu. Worauf wir von Anfang an aufmerksam machten: die Einflußlosigkeit der großen Londoner Presse aus die große Masse der Wähler, hat sich als durchaus richtig heraus- gestillt. Las man die Londoner Telegramme, so mußte man glauben, ganz England verurtheile Gladstones Politik, mit einer Ausnahme waren ja alle „Weltblätter" Englands dagegen. Jetzt hat sich aber gezeigt, daß die englischen Wähler nicht nur den großen Zeitungen, sondern, was noch erfreulicher, auch ihren Abgeordneten gegenüber ihr selbständiges Urtheil bewahrt haben. Eine ganze Anzahl von Wahlkreisen, deren De- putirte Mene machten, gegen die Gladstone'sche Bill zu stimmen, haben denselben Zurechtweisungen ertheilt und sie aus Saulussen zu Pau- lussen gemacht. Wir sind beiläufig keineswegs für die Gladstone'sche Bill eingenommen, sie kann Sozialdemokraten durchaus nicht befriedigen. Nur ein Umstand spricht bei uns für sie, nämlich der, daß die Jrländer damit vorläufig zufrieden zu sein erklären. Dieser Tage hat Gladstone ein Manifest an seine Wähler erlassen, in welchem er sich über die Chancen des Gesetzes äußert. Darin heißt es unter Anderm: „Aus der einen Seite sind unter den Gegnern der Regierung, wie ich kummervoll eingestehen muß, der Reichthum, sozialerEinfluß, Stellung, Titel zu finden, mit einem Wort, der Geist und die Macht einer Klasse; diese bilden das Gros der feindlichen Heerschaaren. Doch diese mächtige Armee ist im großen Ganzen dieselbe, welche in den großen politischen Schlachten der letzten sechszig Jahre gekämpft hat und geschlagen wurde. Wir haben große Kontroversen zuvor gehabt- über Freihandel, freie Schifffahrt, öffentlichen Unterricht, religiöse Gleichheit in bürgerlichen Angelegenheiten, Ausdehnung des Wahlrechts bis zu dessen gegenwärtiger Basts; über diese und viele andere große Fragen haben jene Klassen jederzeit auf der unrechten Seite gekämpft und sind jederzeit durch den rechtschaffenen Sinn der Nation geschlagen worden." „... Wir debattiren jetzt nicht den Betrag der irischen Beisteuer an das Reich, oder die Zusammensetzung der legislativen Körperschaft, oder die Beibehaltung der repräsentativen Verbindung mit Westminster. Ueber diese und viele andere Fragen mögen wir nicht übereinstimmen; aber augenblicklich erörtern wir die große und größte aller Fragen, welche alle andern absorbirt, nämlich, ob Sie dem Flehen Irlands um die Verwaltung seiner eigenenAngelegenheiten durch Irland selber Gehör schenken wollen oder nicht. Dies und nichts anderes ist es, was das Unterhaus unverzüglich zu entscheiden hat. Es ist wenig, meine Herren, was ich in dieser ernsten Sache thun kann. Es ist nichts weiter, als die letzten verfügbaren Tage meines Lebens mit Freudigkeit dieser Sache zu widmen; aber lassen Sie mich in diesen Schlußworten meine Ansicht über meine eigene geehrte Wählerschaft hin- aus ausdehnen und sagen: Sie, meine Landsleute in Schottland und England, können viel thun. Bei Ihnen wesentlich, und nicht bei irgend einer Person oder Klasse oder Sektion unter Ihnen, liegt es, das große „Ja" oder„Nein" auszusprechen----" Das klingt doch etwas anders als die Bismarck'schen Jeremiaden über den„blöden Hödur" und die sonstigen Ehrentitel für die'Wähler des allgemeinen Wahlrechts. Michel D i v i t t erklärte in einer längeren Ansprache an die Berg- leute im Rhondda Thale talist zu werden. X-b— s. Sonneberg i Thrg., 3. Mai. Wir haben am Palmsonntag den Rostocker Apotheker, den dicken Witte, in einer Versammlung glänzend abgeführt. So eine Niederlage har sich der Herr Reichs- tagsabgeordnete nicht vermuthet. Desgleichen Habens die Pößnecker Genossen dem Herrn Witte auch desorgt. Wir hoffen, den zweiten Meiningischen Wahlkreis, wenn« zum Wahlkampf kommt, bald„locke zu machen".— Die Geschäfte gehen hier sehr flau, alle Hoffnungen ruhen auf der heule angegangenen Leipziger Messe, und das geht nun feit Jahrzehnten so fort. Wem da die Augen noch nicht aufgehen, der verdient Laskerlebens Wahlkreis als Erwerbs-Elysium angewiesen zu bekommen, mit der Z w a n g s o r d r e, hier auf ehr- LttdlvigShafe« sPfalz). Die Untersuchung gegen unseren brave» Polizeikommissar Gschwind ist noch immer nicht geschlossen. Die Zahl, sowie die Ungeheuerlichkeiten der Vergehen, die gegen diese» Gauner vorliegen, sollen gradezu unerhört sein und dürsten in der K' minalgeschichte einzig und allein dastehen. Die Untersuchung wird natüi lich sehr geheim geführt, es ist deshalb nicht gut möglich, jetzt schoi Einzelheiten mitzutheilen. Wenn es wahr ist, daß der hiesige Bürgl meister K u t t e r e r sowie der Vorstand des nationalen Vereins, Ko merzienrath Dr. C l e m m, durch die Affäre Gschwind in Mitleidenschä gezogen sind, so ist es leicht erklärlich, wer die 80,000 Mark Kautio» — von denen die Zeitungen unlängst berichteten— stellen wollte. Aü den Ausgang des Prozesses ist hier Alles gespannt. Welche Angst man hier von den-j-s-s- Sozialdemokraten hat, geht aui der Thatsache hervor, daß als Genosse Liebknecht am 4. April hier spr« chen sollte— die Versammlung wurde nachträglich verboten— zirkl 100 besitzende Bürger von hier beeidigt wurden, der P o lizei eventuelHülfsdie nste zu leisten, während in Spei«! und Germersheim das Militär marschbereit stand. Wir wollt« das erst nicht glauben, aber von Parteigenossen im bunten Rock wurt» uns das Unglaubliche bestätigt. Die Zustände werden immer heitere» M. M e l c. werden Pastbu und «ntgeg, vo ! Fr. 2.- Ml. 3, «. 1,7C Fr. 2,5 wel d>, Nachruf. Par Am 2. d. Mts. Mittags starb nach langem Leiden an der Lungen' Tuberkulose, der Proletarierkrankheit, unser treuer und unermüd lich thätiger Genosse, Friedrich Banm, Maschinenmeister, im 32. Lebensjahre. Der leider so frühzeitig Verstorbene wird nament lich den Genossen in Leipzig, von wo er 1881 ausgewiesen wurde, noch in guter Erinnerung sein. Als Ausgewiesener hierhergekomme«, setzte er seine Thätigkeit im Interesse und zur Förderung unserer e» habenen Sache in rastloser Weise fort, bis er auf das Krankenlaz« geworfen wurde, das er leider nicht mehr lebend verlassen sollte. Wenig« Tage vor seinem Tode noch war er erfüllt von Hoffnungen auf Wiedel genesung und von Sehnsucht, wieder in unserer Mitte thätig sein z» können; leider ging dieselbe nicht in Erfüllung. Die Beerdigung am S. Nachmittags gestaltete sich zu einer wenige durch ihre Großartigkeit, als vielmehr durch ihren würdevollen Verla« imposanten Kundgebung der hiesigen sozialdemokratische' Partei. Schon lange vor der angesetzten Frist hatten sich die Genossen ei» gefunden, selbstverständlich auch die„Hochlöbliche und eine Anzahl vö Neugierigen. Nachdem der Sarg ins Grab gesenkt, hielt Genosse B o dem Verstorbenen einen warm empfundenen eindrucksvollen Nachruf, b< dessen Schlußworten er einen mächtigen Lorbeerkranz mit einer roth« Schleife auf das Grab legte. Einen zweiten und dritten legten weiter Genossen und der Gesangverein„Frohsinn", dem unser verstorben« Genosse mitangehörte, sodann die Genossen von Erfurt, Arnstad und Weimar aufs Grab. Hierauf sang der Gesangverein ein Grat lied, womit die Feier beendet war. Der würdige und musterhafte Verlauf der erhebenden Feier ist ei neuer Beweis, wie unnöthig bei derartigen Anlässen ein Eingreife der Polizei ist, das immer nur provozirt; zugleich ist damit aber au die gegnerische Verleumdung von der leeren Demonstrationssucht de Sozialdemokraten widerlegt. Unserem Genossen aber rufen wir noch nach: Ehre Deinem Andenken! Gotha. 6. Mai 183S. Die Parteigenossen. He' ruchtii blickt, der d minist Da 8 28 Bestin denen Berlii seien 48 S zuhole Wo gegen und i zMeifci den L nächst m sei, lichen, sreuen Fleisch Allen Freunden und Genossen bringen wir hiemit die Trauernachriiht daß unser treubewährtes Mitglied Christian HSgclr, Schmied aus Harlachen(Württemberg), im Alter von 40 Jahren nach schweren Leiden der Proletarierkran kh«i erlegen ist. Ehre seinem Andenkenl Frauenfeld, 14. April 1886. Na kleine, Staat Deutscher Arbeiterverein. gesetzli lungsi Melche Theil von d dem e Wel Briefkasten ge Di< wird Haupts fallent Da der Redaktion: Einsendungen sind eingetroffen aus: F e u e l dach, Burgstädt, Frankfurt a/M., Zwickau(Aus d», sächsischen Er, gebirg).— Kr. in Breslau: Mskrpt. empfangen. V» feigem wendung baldigst. Besten Dank. Mmml der Expedition: Felix II.: Mk. 4450& Cto. Ab. und Sch� �Vch c erh. Adr. geordn. Bstllg. folgt.— Spr. Äugst.: Mk. 2 40 Ab. 2. O> gen m erh.— Düsseldorf: Mk. 7 40 gesammelt bei einer Kons. v. Ndrrh. il Und n Kaisergarten pr. Ufds. dkd. erh.— Knurrhahn: Mk. 60 30 Ab. 1. 0» ! keichep : der a, 1 dir. 2. Qu. u. Schft. erh. Bstllg. flgt.— S.-D. Club E'hfn.: 10 80 Ab. 1. Qu. erh.— Hansen: Mk. 6 04 Ab. 1. Qu. u. Schft. pr. Ggrchg. geordn.— Massenarmuth: Bf. vom 7/5. inhaltl. erledig — Hj. B. Stockholm: Fr. 3 03 Ab 2. Qu. erh. Gut auf 3 Qu. b' AuSnr ots.— Falken: öwfl. 3— i Cto. Ab. 2. Qu. erh. Stets Willkomms Rebus: Mk. 18 80 Ab. März, April u. Schft. erh. Weiteres notisiziä;~t( Bstllg. folgt.— Ohlau: Mk. 10— pr. Dfd. dkd. erh.— Schweizerin Es S.-D- Partei Zürich: Fr. 2— Ab. 2. Qu. erh.— Deutscher Vere? Zllg i Neuchatel; Fr. 2 10 Ab. 2. Qu. u. Porto erh.— I. Kz. Mz.: Mk. 1 5s Un-nfi f. Schft. erh. Sdg. bes.— Dr. U. G.: öwfl. 5— pr. Dfd. und öws h; m 5- pr. Afds dkd. erh.— Rübezahl G.: Mk. 18- Ab. 2. Qu. rry.„ Roland II: Mk. 49 66 äCto Ab. erh.- E. St. Bukst.: Fr. 2 75 s. Schft e«l um I11 Alte Tannen: Mk. 6— Ab. 2. Qu. u. Mk. S— f. Schft. erh.- ZXUnd 2 Alte Rothe: 24 SO_ä Cto. Ab. erh Adr. geordnet. Die 10 waren fbesindi reit« an H. fort. Ab hier Alles stets prompt besorgt. Beil. abggb.'totnU, Mk. 5— pr. Ufö. dkd. erh. Weiteres bfl.— Alte Gar'»«. «ry. neueres»zr.— aire vfaiu-, Adr. ,c. vorgem. Gruß!— v'ang Stifts-Keppel: Mk. 36— ä Cto Ab. pr. G. gutgebr, H. Bdbg.: Mk. 3— Ab. 2. Qu. erh. Deckadr., sobald wir wissen, ff Die wen?— Leipzig: Mk. 160— sür Decazeville(Motto: Proisk«w* rier aller Länder, vereinigt Euch!) dkd. erh. u. besorgt.— AhlemamjL.''s Adr. geordn. Weiteres veranlaßt. Bfl. am 11/ü. geantw.— SchwÄ.s'cht l Heiland: Mk. 14 40 Ab. 2. Qu. erh. Alles fort.- W. L. Chicag«Und l Dank sür„Besagten". Oregon- Ersatz war schon abgesandt.„Damei'sH� nicht aufzutreiben. Weiteres angenehm.— tts-himmel---: Bei"-' v. 8. u. 10/5. erh. F. hier nicht eingg., also einfach. Bruder Schlaz.,.. maier gehört nicht zur Mitgliedschaft."'s' Achter ir 'Orient: Soeben erschien und ist durch Unterzeichnete zu beziehen: Sozialdemokratische Bibliothek. In 'Mix b Ritual Heft VI. Die schlesische Milliarde. Von W i l h e l m W o l s f.«f r9t, i einem Vorwort von Fr. Engels: Wolff's BiographiKm(Jj Zur Geschichte der preußischen Bauern.>>h l a Preis: 35 Pfg.— 40 Cts. Mein * Volksbuchhandlung; e** und. Dat Expedition des„»oslaldeniokrat". da Hottlncen- Zürich. U(c j usb «n>»q'nI»aU»-Buchdruen«> H»Mng»».ZIrich erun Diet