«ich tuit Abonnements toetlun bei allen schweizerischen Pvftbnreaux, sowie beim Verlag l<>! and dessen bekannten Agenten Ndls mtgegengenommcn. und zwdr zum N>ill dorauS zatzlbar-n -ige! Vierteljahrspreiz von: lza� Fr. 2,— filrdieSchweiz'sKreuzband) dort 3.— sllr Teutschland(CouBrrt) ui fl- 1,70 sttr Oesterreich(Cour er!) Ve? Fr- 2,S0 für alle übrigen Linder de» leps Weltpostvereins(Kreuzband) !IU>-- uif Illseratt af[tf die dreigespaltene Petitzeile keif 25 llts. 20 Psg. iuft ob«___ lach Der ojialöfiiiflkrnt Aentral-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie. Erscheint wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz). Aerkag der volkSbuchhandluttg Hottiugen- Zürich. Voßsellbllllgtll franko gegen franko. Gewöhnliche Briese nach der Schweiz koste« Doppelporto. M 23. Briefe an die Redaktion und Erpediiion des in Deutschland und Oesterreich verbotenen.Sozialdemokrat'«olle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lassen. In der Regel schicke man uns die Briefe nicht direkt, sondern an die bekannten Deckadressen. In zweifelhaften Fällen eingeschrieben. 3. Juni 1886. Des Auffahrlftstes wegen geht diese Z Nummer einen Tag früher in die Presse. Eine Frage. im«! Es ist zwar ein sehr undankbares Geschäft, sich den Kopf foif �s Gegners zu zerbrechen, zumal wenn besagter Gegner sich m- kines Kopfes von erprobter Dicke erfreut, aber doch können __ b>ir nicht umhin, hier einmal einer Frage Ausdruck zu geben, welche in diesen Tagen der Polizei- Ukase sicher den weiften unserer Genossen vorgeschwebt hat. Der Frage nämlich: was bilden sich unsere Gegner eigentlich ein? '.e4' In einer Zeit, wo es sich in der Arbeiterschaft der gesamm- 1 wn Kulturwelt regt, wo das Streben nach Befreiung vom i Druck der sozialen Knechtschaft ein so allgemeines ist, wie nie ! iuvor, in einer Zeit, wo die Erkenntniß, daß die Wurzel des Bebels in der auf Ausbeutung beruhenden anarchistischen Pro- duktionsweise liegt, nicht nur in der Arbeiterklasse, sondern bis weit in die bürgerlichen Schichten hinein Boden gefaßt |flJ hat, in einer solchen Zeit erläßt ein Minister des„Staates ot der Intelligenz" unter dem Jubel der konservativen und libe- l d> raten, d. h. der Junker- und Kapitalisten-Partei, einen Ukas, � der den Arbeitern die letzte Möglichkeit nimmt, ihre Lage auf .ß dem Boden der heutigen Gesellschaftsordnung in etwas zu ver- itgf bessern, beginnt man von Neuem damit, Bereine aufzulösen, l oß Blätter zu verbieten, Arbeiter auszuweisen, inaugurirt man, gt.' nicht nur in Berlin oder auch nur in Preußen, sondern gleich 6''m ganzen Reich— denn Puttkamer ist zwar nominell nur �preußischer, thatsächlich aber R e i ch s- Polizeiminister— die J s Icharfe Praxis der Jahre 1878— 81. '(t Was bilden sich die Herren eigentlich ein? 3*. Als man im Jahre 1878 das infame Ausnahmegesetz 'chmiedete, da konnte man sich wenigstens mit der Ausrede � entschuldigen, man wolle einen Versuch machen, ob es möglich sei, mittelst drakonischer Maßregeln der Hydra des Sozialis- Mus den Kopf zu zertreten. Aus der Geschichte zu lernen, ist nicht Jedermanns Sache, und hatte zudem nicht gerade der � � e s ch i ch t s Professor Treitschke mit bellendem Pathos erklärt Z'siehe dessen famoses Pamphlet:„Der Sozialismus und der M Meuchelmord"), man brauche nur die sozialistischen Bcrsamm- f n limgeu eine Zeitlang zu verbieten und die sozialistische Presse " i in unterdrücken, dann werden die sozialistischen Schreier, ünK bie Bebel, Liebknecht zc. schnell ihren Einfluß bei den Massen taj verlieren? ein„Staatsmann", der die Geschichte„macht", ver- tl Wchtet, mehr von der Geschichte zu verstehen, als ein Pro- Ji stssor, der Geschichte lehrt? Ganz gewiß nicht. Also lassen tost hie Entschuldigung gelten. Man hat es auf den Versuch >.. Mtfommen lassen wollen. Schön. Aber der Versuch ist ®(lIs"agljch mißglückt. Mißglückt, obwohl er unter Umständen� an- i« gestellt wurde, wie sie günstiger gar nicht sein konnten. Es e tl M sich gezeigt, daß auch der Geschichtsprofessor aus der Ge- %'chlchte absolut nichts gelernt hat, sie noch weniger versteht, ftä � selbst ein Bismarck. Mit dem„Zertreten" war es nichts. üb' Und nachdem diese Erfahrung vorliegt, kommen die Herren in einem Moment, wo der sozialistische Gedanke stärker � m den Massen wurzelt als je, wo er aus dem Gange der so« b>irthschaftlichen Entwicklung täglich neue Kraft zieht, und , ff sollen ihm dadurch zu Leibe gehen, daß sie die gesetzliche Ar- i beiterbewegung drangsaliren. Was bilden sie sich eigentlich ein? In der vorletzten Nummer unseres Blattes ist an dieser stelle der Vermuthung Ausdruck gegeben worden, der Putt- tamer'schx Ukas sei planmäßig darauf berechnet, die Arbeiter �Gewaltakten zu reize«, nur ein Glied in einer Ketie .on Maßregeln, die alle darauf berechnet sein werden, gewalt- wnc Ausbrüche des Volkszorns und der Volkserbitterung her- Miznnzst� um alsdann mit brutaler Faust dreinschlagen, wo- Abglich einen„Aderlaß" in größerem Stile vornehmen zu �uen. Die seitdem regierungsseitig getroffenen weiteren 1 Maßregeln strafen diesen Verdacht in keiner Weise Lügen, son- bekrästtgen ihn noch. Die AuflösungSverfügnngen, Kon- j Mionsversuche:c. sind nur zu geeignet, die höchste Erbst- ; ,>9 hervorzurufen, und wie sehr man in der preußischen .Legierung nach Gewaltakten- seitens der sozialistischen Arbeiter- :itf J'h'ft lechzt, zeigt die Aufbauschung des Sprembcrger Rekruten- �ults zur„schrecklichen" Haupt- und Staatsaktion. � �lso selbst diesen Zweck zugegeben, was bilden sich denn die Herren ein, daß sie dadurch erreichen werden? �«genommen, die deutschen Arbeiter ließen sich wirklich zu •«�brüchen ihrer gerechten Erbitterung hinreißen, die Stimme � er Vernunft von der der Leidenschaft übertönen, es käme zu clttjü i.'stigen Konflikten, und die Puttkamer, die Engel, die Richt- ft. V Hofen. die Paul und Konsorten fänden endlich die erwünschte ■J-r nach Herzenslust niedermetzeln, einstecken, deportiren rönnen— wie wenig wäre für sie damit erreicht, von wie urzer Dauer würde ihre Freude sein! Noch kürzer wahrschein- die schönen Tage von 1878—1881, wo man seinen 'stnch-feudalen Launen fröhnen und den antisemitisch-mucke- rischen Hexentanz aufführen konnte. Denn sie können Tausende, Zehntausende von Sozialisten„unschädlich" machen, mit den Hunderttausendcn sind sie darum noch lange nicht fertig. Für eine Zeitlang mögen sie sie vielleicht durch Einschüchterung niederhalten können, aber da sie inzwischen die Verhältnisse weder ändern können, noch wollen, so würde diese Zeit der„Ruhe" überraschend kurz ausfalle�. Nach der Pariser Kommune dauerte es sechs Jahre, bis sich die französische Arbeiterwelt wieder regte. Das ist nun just kein Menschenalter, so doch immerhin eine Galgenfrist. Aber erstens waren die Jahre nach der Kommune wirthschaftlich sehr günstige gewesen, es ging den Arbeitern wenigstens materiell er- träglich, und für ihre politischen Forderungen kämpfte inzwischen der bürgerliche Radikalismus. Zudem waren in der Kommune die damaligen Sozialisten nicht nur militärisch, sondern auch — wenn der Ausdruck gestattet ist— theoretisch besiegt worden. Ihre kleinbürgerlichen Theorien hatten sich nicht be- wahrt und mußten nun erst in den Köpfen überwunden werden, es bedurfte auch einer theoretischen Wiedergeburt. Dann aber, und darauf machen wir die deutscheu Staatsretter in sps ganz besonders aufmerksam, hatte Frankreich eben einen großen Krieg hinter sich, der dem gesammten Volk viele Kräfte abge- zapft. Alles das erklärt die sechsjährige Pause der Agitation in Frankreich. Bilden sich die Herren etwa ein, daß diese Pause auch in Deutschland 6 Jahre dauern müsse? Dann vergessen sie, daß die deutsche Sozialdemokratie ein festes Programm mit bestimmten Forderungen hat, so daß, wenn sie heute niedergeworfen würde, sie morgen schon wieder aktionsfähig ist; dann vergessen sie oder dann wissen sie nicht, und sie scheinen wirklich keine Ahnung davon zu haben, daß Deutsch- land in seiner wirth schaftlichen Entwicklung nicht nur dem Frankreich der 7()er Jahre, sondern auch dem heutigen Frankreich um ein gutes Stück voraus ist, daß die So- zialdemokratie das naturgemäße Produkt dieser Entwicklung ist— das Produkt einer Proletarisirung der Massen, wie sie Frank- reich nicht gekannt hat. Daß wir hentt in der Aera der per- peluellen Ueberproduktion leben, einer" chronischen Geschäfts- krisis, welche die Lage der Arbeiter zu einer unerträglichen gestaltet, sie zwingt, auf Besserung zu sinnen, mit aller Energie für Schaffung besserer Zustände einzutreten. Und während Frankreich den Krieg hinter sich hatte, hat Deutschland— Dank dem großen, unübertrefflichen Reichs- kanzler— den Krieg vor sich. Bilden sich die Herren gar ein, durch Streik-Ukase und ähn- liche Polizeibrutalitäten werden sie den deutschen Arbeitern Patriotismus beibringen? Jedes Ding hat seine zwei Seiten, auch die Staatsretterei, Exzellenz Puttkamer! Die deutsche Sozialdemokratie wird nicht so thöricht sein, zu einem Experiment die Hand zu bieten, dessen Kosten in erster Linie die Arbeiter zu tragen hätten, ohne daß für die Arbeiterklasse etwas dabei herausschaute. Wir haben nicht nöthig, Arbeiterblut aufs Spiel zu sehen, wir sehen die Frucht reifen, wir können warten. Ihnen aber und Ihren Spieß- gesellen können wir nur dringend anempfehlen, sich zu ver- gegenwärtigen, was Sie bei dem Experiment riskiren, und wie außerordentlich problematisch der Nutzen ist, den Sie sich von demselben versprechen. Oder bilden Sie sich wirklich ein, mittels des Säbels, der haut, und der Flinte, die schießt, die Entwicklung der Dinge zurückschrauben zu können? Die Zeit ist wahrlich nicht dazu angethan, daß Sie und Ihresgleichen es auf solche gefährliche Versuche ankommen lassen sollten. Die Unsicherheit der wirthschaftlichen Verhält- nisse, unter denen die Arbeiterklasse zwar am schwersten, aber nicht allein zu leiden hat, hat in weiten Kreisen der Bevölke- rung einen Pessimismus erzeugt, eine verzweifelte Stimmung, mit der nicht zu spaßen ist. Der Glaube an Besserung ist sehr gering, für die Arbeiterklasse reduzirt er sich auf die Hoffnung, dprch Ausnutzung des Koalitionsrechtes wenigstens die äußersten Konsequenzen der heutigen Wirthschaftsordnung von sich abhalten zu können. Da fahren Sie mit brutaler Faust dazwischen und geben auch dieser Hoffnung den Todesstoß, nachdem Ihre Klassengenossen soeben die Hoffnung geraubt, mittelst der Gesetzgebung durchgreifende Reformen zu erlangen. Und das in einem Moment, wo der politische Horizont keines- wegs mit Rosenwölkchen bekränzt ist, sondern es an allen Ecken und Enden wettert und blitzt, wo jeden Augenblick der von den weisen und erleuchteten Staatsmännern Europa'S aufge- häufte Explosionsstoff sich entladen, Deutschland in einen euro- päischen Krieg verwickelt werden kann, dessen Ausdehnung und Dauer unberechenbar sind, wo also für die Regierenden alle Veranlassung gegeben ist, sich mit den Regierten gut zu stellen! Bilden Sie sich ein, darauf verzichten zu können, weil Sie die Bajonette haben? Fürwahr, es hält schwer, auf diese Fragen eine Antwort zu geben, welche nicht auf den altm Erfahrungssatz hinausläuft: Wen die Götter verderben wollen, dem nehmen sie den Ver- stand. Die Götter aber sind alte Praktikusse. Wenn sie Je- mand den Verstand nehmen, so ist das ein Zeichen, daß seine Sache ohnehin schlecht steht. Mit andern Worten: Wer den Boden unter den Füßen wanken sieht, der greift in der Angst zu den verkehrtesten Mitteln, sich zu retten. Statt ihn aufzuhalten, befördert er selbst seinen Sturz. Sie haben die Bajonnette, Exzellenz Puttkamer. Wenn Sie sich einbilden, sich auf dieselben setzen zu können, so können wir Sie von dem Versuch nicht abhalten. Wir rathen Ihnen nur, sehen Sie sich vor, daß Sie sich nicht schneidern Ermittlungen über die Lage der arbeitenden Klassen und über die Arbeit der Kinder in Belgien. (Eine Ferien-Studie von I. K.) I. Unter obigem Titel erschien im Jahr 1848 ein dreibändiger Bericht, enthaltend die Resultate einer durch königliche Verordnung vom 7. Sep- tember 183(?) errichteten Enquete-Kommission. 20 Jahre später erschien ein zweiter Bericht, erstattet von der Kom- Mission, welche beaustragt war, die Frage der Verwendung von Frauen in den Bergwerken unter Tage zu studiren. Dieser ist datirt vom 28. November 1868 und an die kgl. medizinische Fakultatät in Brüssel gerichtet. Beide Berichte wurden veranlaßt durch Arbeiterunruhen, durch Streiks, welche Dank der Hartherzigkeit der Bourgeoisie in Belgien gegen die Leiden der arbeitenden Bevölkerung daselbst zu Revolten sühren mußten. Im Februar 1867 und im März 1868 kam eS zu MarchienneS und Charleroi in Belgien infolge von Streiks zu heftigen Arbeiter- unruhen, die nur durch Waffengewalt unterdrückt werden konnten. Ge- legentlich einer Besprechung über die Ursachen der Revolte sagte das unter L i e b k n e ch t' s Redaktion stehende, zu Leipzig erscheinende„De- mokratische Wochenblatt": „Es ist kaum eine traurigere Lage denkbar, als die eines belgischen Kohlenarbeiters. Zur industriellen Maschine herabgewürdigt, hat er auf- gehört, gesellschaftliche Rechte und Pflichten zu besitzen. Er ist nur noch eine Sache, die in dem Inventar der Grubenbesitzer neben den Pferden, Eseln und dem sonstigen Arbeitsmaterial figurirt. Das ist eine That- fache.-- Unter allen Arbeiterklassen trägt die der belgischen Kohlen- arbeiter das Zeichen der Sklaverei am deullichsten an der Stirne." Nach wiederum zwei Jahrzehnten brachen im März dieses Jahres abermals Arbeitseinstellungen in denselben Bergwerksdistriklen aus. Sie entstanden aus denselben Ursachen wie alle vorhergehenden. Die bereits erhobenen Ermittlungen der früheren Jahre lagern noch jetzt in den Archiven, denn die im Schlepptau der Bourgeoisie befindlichen Regie- rungen, liberale sowohl wie ultramontane, sahen sich nie veranlaßt, die Leiden der belgischen Bergarbeiter durch gesetzliche Maßnahmen zu lin- dern. Die sozialen Zustände Belgiens sind seinen Staatslenkern kein Geheimniß geblieben. Trotzdem überwog jederzeit das bekannte Prinzip des laissee faire, laissee aller. Im Jahre 1876 wurde von einigen neugewählten Abgeordneten der Antrag gestellt, die Verwendung von Kindern unter 14 Jahren in den Kohlengruben zu verbieten. Die Kammer zeigte damals ein gewisses Ver- fiändniß für diese Frage und nahm den Gesetzentwurf an, aber— die Millionäre des Senats verwarfen ihn. Allerdings kein Wun- der! denn 10 Franken direkter Steuer bilden in Belgien die Grundlage des G-meindewahlrechts, 40 Fr. jene des legislativen Wahlrechts, und die passive Wahlfähigkeit für den Senat ist gar an die unglaubliche Taxe von 2000 Franken direkter jährlicher Steuer geknüpft! Im Lütticher Kohlenrevier betrug im Jahr 1885 der Jahresverdienst »38 Fr., die Arbeitszeit ist ungebunden und betrug im Jahre 1868 15—18 Stunden. Sowohl Verdienst als Arbeitszeit sind nicht besser geworden. Im Jahr 1868 betrug der Verdienst für Männer unter Tage jd. h. in den Gruben) pro Tag Fr. 3,25, über Tage Fr. 2,34; jener der Frauen unter Tage Fr. 1,76, über Tage Fr. 1,23. Dabei aber sind alle Lebensmittel seit dieser Zeit bedeutend im Preise gestiegen.„Im Jahre 1885", sagt der Brüsseler Korrespondent„M. Allgem. Ztg.", „gewann dasselbe Kohlenrevier einen Reingewinn um ein Drittel mehr, als im Jahr 1883, und der Arbeitslohn ist von 1017 Fr. auf 938 Fr., seinen jetzigen Stand, herabgesunken." In dieser Thatsache findet er den besten Beweis dafür, daß die Erzielung der Dividenden nahezu aus- schließlich auf Kosten der Arbeiter erfolgt.„In diesen wunderlichen Verhältnissen liegt der Knotenpunkt der ganzen jüngsten Bewegung." Diese jüngste Bewegung hat, ebenso wie die früherer Jahre, für die Regierung nichts weiter zu thun gegeben, als daß sie ebenfalls wieder Enqueten veranstalten will, während sie nur auf die Ergebnisse der früheren Enqueten über die Arbeiterverhältnisse des Landes ihr Augenmerk zu richten braucht, um zu den richtigen Mitteln zu gelangen, wie solchen Vorkommnissen abzuhelfen und zu steuern ist. Man will eben nur Zeit gewinnen, um die Frage„auf unbestimmte" Zeit" verschleppen zu können. Lassen wir indeß diese neuen Kommissionen nun ihre Arbeiten verrichten und sehen wir, welche Resultate die Ein- gangS genannten Kommissionen aus den Jahren 1843 und 1868 ergeben haben. Bei diesen Erhebungen handelte es sich in erster Linie um Frauen und Kinder, die im Joch der Grubenarbeit seufzen. Die Frauen werden in der großen Industrie zu einer Aenge von Arbeiten verwendet, die sie dem häuslichen Heerde entreißen, um sie in die Werk- und Fabrikstätten zu schleudern. Diese Tendenz ist allgemein geworden, seitdem die Maschinenarbeit die Handarbeit ersetzt, seitdem die Konkurrenz die Industriellen veranlaßt hat, auf jede Weis- ihre Preise herabzusetzen, sowohl für die Rohprodukte als auch für die Fabrikate. Bevor durch§ 154 der deutschen Gewerbeordnung die Beschäftigung von Arbeiterinen in Bergwerken, Gruben, Salinen u. s. w. unter Tage verboten wurde— Zuwiderhandlung wird mit Geldstrafe bis zu 2000 Mark, im Unvermögensfall bis zu 6 Monaten Gefängniß bestrast— bestand für den linksrheinischen Theil des Oberbergamtöbezirks Bonn mit Ausschluß des Oberbergamtsbezirks Meisenheim eine Polizeiverord- nung vom S. Februar 1827 betreffend die Entfernung der Frauensper- sonen von der Grubenarbeit. Später ist dies Verbot jedoch generalistrt und zunächst in die Allgemeine Bergpolizei-Verordnung für den ganzen Oberbergamtsbezirk zu Bonn vom 8. November 1867 aufgenommen worden, wonach„bei Arbeiten unter Tage weibliche Arbeiter nicht be- schästigt werden durften." Nachdem auch in O b e r s ch l e s i e n in den Steinkohlengruben Frauen und Mädchen unter Tage zur Arbeit eingestellt worden, erging ein all- geineines Verbot dagegen in der Bergpolizeiverordnung deS OberbergamtS zu Breslau vom 26. Oktober 1868. In beiden Verordnungen ist die Beschäftigung von Frauenspersonen unter Tage mit Geldstrafe bis zu S0 Thlr. bedroht worden. Gegen dieses Verbot hat sich besonders in Oberschlesien die Kohlen- Industrie erhoben und verwahrt und namentlich der Bergpolizei die gesetzliche Kompetenz zum Erlaß so unbedingter und allgemeiner Arbeits- verböte ausgesprochen, indem sich dieselbe nur auf Erlaß von Anord- nungen erstrecken soll, welche Leben und Gesundheit der Bergarbeiter, männlicher wie weiblicher, gegen Gefahr und Schädigung sicher stellen. Ein gänzliches Verbot der Frauenarbeit unter Tage könne nur im Wege der Gesetzgebung ergehen. In Belgien reichen die betreffenden Diskussionen, Enqueten, Peti- tionen u. s. w. über diesen Gegenstand schon bis in den Anfang der vierziger Jahre zurück. Zunächst kam die Frauenbeschäftigung unter Tage bei der Enquete zur Untersuchung, mit welcher durch königliche Verordnung vom?. Sep- tember 1843 eine besondere Sachverständigen-Kommiffionen beauftragt wurde. Die Resultate dieser Enquete sind später zusammengestellt und veröffentlicht worden in dem Werke, betitelt:„Ermittelungen über die Lag« der arbeitenden Klassen und über die A r b« i t der Kinder."(Brüffel. Druck von Th. Lesigne. 1848.) In der„Zeitschrift des Berg- und Hüttenmännischen Vereins" in Oberschlesien vom Jahre 1363 hat Herr Adolf Fr an tz, Sekretär dieses Vereins, in einer hochwichtigen Arbeit:„Die Beschäftigung der Frauen und Mädchen beim Bergbau unter Tage" Mittheilungen sowohl aus dieser Enquete als auch aus dem an die königlich medizinische Aka- demie zu Brüffel gerichteten Bericht, datirt vom 23. November 1368, veröffentlicht, aus welchen hervorgeht, daß bei diesen Untersuchungen nicht nur die sanitäts- und sittenpolizeiliche Seite der Frage dabei zu genauester Untersuchung gekommen, sondern auch die soziale und poli- tische und namentlich auch die Kompetenzsrage der Gesetzgebung und Polizei bezüglich des Emschreitens gegen die freie Frauenbeschäf- t i g u n g. Herr Frantz, der in seinem oben bezeichneten Aufsatz Vieles aus den angegebenen Untersuchungen mittheilt, wovon wir weiter unten Einiges auszüglich wiedergeben, sagt:„Alle diese Schilderungen bringen uns übrigens nichts Neues; dieselben Klagen, die bei uns heute noch verlauten(daß es in neuerer Zeit anders und Keffer geworden, bleib dahingestellt) über den Bergarbeiter, über seine Mängel und Fehler, über seine Trunksucht, seine Liebe zu Müssiggang und Zerstreuung, seine Vor- liebe für Kirmessen und Märkte, sein Leichtsinn und seine Verschwendung in der Anwendung seines Lohnes, seinen Umgang mit Mädchen und Frauen, seine schlechte Ernährung, Wohnung und Kleidung, alles wie bei uns— tont comme chez nous!" „Der belgische Bergarbeiter scheint hiernach mit dem oberschlesi- s ch e n, namentlich dem polnischen Arbeiter, eine wahrhaft über- raschende Aehnlichkeit in Sitten und Gewohnheiten, im Innern und Aeußern zu haben, und diese Aehnlichkeit der Zustände und Verhältnisse ist es, welche die Vorgänge in Belgien bezüglich der zur Entscheidung und Erledigung stehenden Arbeiterfragen für Oberschlesien ebenso lehr- reich als maßgebend erscheinen laffen. Wie die Uebel in Leben und Lage des Bergarbeiters, so sind auch die Ursachen derselben in Belgien und Oberschlesten fast dieselben: Unwissenheit, Aber- und Unglaube(?); leibliche, sittliche, geistige Verwahrlosung in der Kindheit; eine Unzahl von Schänken und Schnapshäusern; Verführung zum leichtsinnigen Kreditnehmen; Uebertreibung und Ausbeutung des Wuchers seitens der Kreditgeber: Schädlichkeit der Arbeit und des Ausenthalts in schlecht ventilirten und feuchten Gruben und Zimmern bei Nacht und bei Tage; Vereinigung beiderGeschlechter während derArbeit und Ruhe, beim Kommen und Gehen: das sind die Hauptursachen des Verkommens und Verderbens des belgischen Bergarbeiters." Die Handelskammer von Möns(Belgien) berichtet 1843, nachdem sie die Häufigkeit der außerehelichen Gemeinschaft beider Geschlechter (ooncnbinaAe) beklagt hat, über deren Ursachen: „Die Sittlichkeit der jungen Arbeiterinnen muß natürlich den Einfluß der allgemeinen Verderbniß verspüren lassen, und diese Verderbniß ist um so tiefer, je enger Frauens- und Mannspersonen bei den Arbeiten vereinigt sind, entzogen jeder Ueberwachung seitens des Familienober- Hauptes. Die Mädchen, welche in den Kohlengruben arbeiten, haben ost eine Meile Weges zu machen und zwar während der Nacht, um zur Arbeit oder nach Hause zu gehen. Diese Wege werden gemeinschaftlich mit den nämlichen Bergarbeitern zurückgelegt,.mit denen sie häufig die Schänken besuchen, und diese alltägliche Vertraulichkeit gibt offenbar zu fortwährenden Unordnungen Anlaß. Ehe sie in die Gruben fahren, wechseln die Mädchen ihren Anzug gegen Mannskleider, und obgleich sie hierzu ein besonderes Lokal haben, so ist doch die Achtsamkeit der Auf- seher nicht so groß, daß man sicher wäre, daß dort Alles nach den Geboten der Sittlichkeit und des Anstandes herginge." Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 2. Juni 1886. — Dummheit ist Macht. Jedermann kennt den hübschen, trost- reichen Satz:„Wissen ist Macht"; Jedermann, der den Gang der modernen politisch- sozialen Bewegung verfolgt, weiß aber auch, daß die Thatsachen dem Satz auf's Bedenklichste widersprechen. Es fällt uns natürlich nicht ein, die Macht, welche in dem Wissen liegt, welche durch das Wissen gewährt wird, ableugnen oder auch nur unterschätzen zu wollen, aber soviel steht fest, wenn wir unter Macht die Herrschaft in Staat und Gesellschaft verstehen, und uns die heutigen Machthaber betrachten, so muß das„Wissen ist Macht" uns als ein seltsam opti- mistisches Paradoxon erscheinen. Greifen wir uns nur den pommer'schen Krautjunker und Reichsgrün- der Otto von Bismarck heraus, der anderthalb Jahrzehnte lang für den größten Staatsmann der Gegenwart, wo nicht aller Zeiten gehalten wurde und von einigen nationalliberalen Bierphilistern noch heute ge- halten wird— wie oft hatten wir nicht unser Staunen über die geradezu phänomenale Unwissenheit dieses Menschen kundzuthun, der von Ratio- nalökonomie und Gesellschaftswissenschaft nicht die leiseste Ahnung hat, und vor den einfachsten wirthschaftlichen Vorgängen wie der Stier am Berge steht. Und die kolossalen Böcke, welche in den— in Bezug auf ihre Materie so simplen— Arbeiterversicherungsgesetzen geschossen worden sind, be< weisen, daß die Unwissenheit sich nicht auf die Person des deutschen Reichskanzlers beschränkt, sondern auch seinen Gehilfen und Werkzeugen anklebt. Und doch übt diese Sippe von N i ch t s w i s s e r n, von rohen Knownothings, eine Macht aus, deren Unbeschränktheit das diame- trale Gegentheil der in jeder Bethätigung dieser Macht sich bekundenden geistigen Beschränktheit ist. Das ideale, optimistische:„Wissen ist Macht" wird da durch die„brutalen Thatsachen" brutal umgestoßen, auf den Kops gestellt und in das reale, pessimistische:„Unwissenheit ist Macht" verwandelt. Kein Zweifel: die Unwissenheit ist Macht— die Unwissenheit hat die Macht und ist die Macht. Freilich— und hier fällt ein Lichtstrahl in diese pessimistisch-realistische Finsterniß— die Unwissenheit, welche die Macht hat,.und die Unwissen- heit, welche die Macht i st, sind zwei sehr verschiedene Dinge; und die Macht der unwissenden Macht Haber würde sofort zur vollständigen Ohnmacht werden, wenn jene andere Unwissenheit verschwände, welche die Quelle ihrer Macht ist— nämlich die Unwissenheit der Be- herrschten, der Ausgebeuteten oder, wie die Arbeiter-Mar- seillaise ausdrückt:„der Unverstand der Masse n." Dies« Unwissenheit bildet die Macht der unwissenden Machthaber. Kein Zweifel: D u m m h e i t i st M a ch t, wie wir es au die Spitze dieser Ausführungen gesetzt haben. Das heißt: die Dummheit des Volkes ist die Macht der politischen und sozialen Machthaber. Diese Dummheit zu bekämpfen, ist unsere Aufgabe. Indem wir sie bekämpfen, führen wir den wirksamsten Krieg gegen die heutigen Macht- Haber. Es gibt zwar ein Dichterwort:„mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens"; das soll uns jedoch nicht beirren. Was den Göttern, die selber nur Kinder der Dummheit sind, nicht gelungen ist und nicht gelingen kann, ist für uns gottlose Menschen ein erreichbares Ziel. Unv der ganze Gang der menschlichen Kulturentwicklung ist eine Kette von Siegen, welche der„staubgeborne" Mensch über die Dumm- heit, die blöde Mutter der Götter und Götzen— lebendigen wie todten— erfochten hat. Jeder Schuß, den der kecke Menschengeist in die Nacht der Dummheit hineinfeuert, ist ein Schutz ins Schwarze, der die Machthaber trifft; jeder Fußbreit Land, der Dummheit abgerungen, mindert die Domäne der Volksausbeuter: jeder Schlag gegen die Dummheit ist„ein Stoß ms Herz" des herrschenden Staats- und Gesellschaftssystems, und der Tag wird kommen, wo die Dummheit nicht mehr der Fußschemel bru< taler, unwissender Gewalthaber ist. Dann wird das Motto am Tempel der Klassenherrschaft:„Dumm- heit ist Macht!" zugleich mit diesem Tempel verschwinden, und das gute, alte„Wissen ist Macht" hört auf, eine gedankenlose Redens- art oder bewußte Lüge zu sein. — Gleiches Recht für Alle. In Spremberg sagen einige Arbeiter einem Flegel von Beamten die Wahrheit, der sie mit:„Dumme Jungen!" und anderen Liebenswürdigkeiten traktirt hatte;— bindet ein Arbeiter ein rothes Taschentuch an einen Stock, und sollen einige junge Leute die Arbeiter-Marseillaise gesungen haben. Deshalb Prozeß wegen Aufruhr und Proklamirung des kleinen Belagerungs- zustande s.— In Elbing überfallen(Oktober 1884) Volkshaufen eine Wählerversammlung, sprengen dieselbe, widersetzen sich den Behörden, verüben die furchtbarsten Exzesse, so daß das Militär einschreiten muß und— ein paar Leute erhalten geringfügige Strafe wegen„groben Unfugs". Die Exzedenten waren Konservative.— In Greifs- wald kommt es(vorigen Juli) zu einem furchtbaren Tumult; die Polizei wird durchgeprügelt, ein Polizist schwer verwundet, viel Eigen- thum zerschlagen, die Ruhe der Stadt einen Tag lang gestört. Von den Urhebern dieses Krawalls wurden soeben die meisten freigesprochen, zwei bekamen kleine Geldstrafen, einer zehn Tage Haft— auch wegen„groben Unfugs". Nichts weiter. Die Krawaller waren Studenten. Die Moral ist: Wenn Zwei dasselbe thun, ist es nicht dasselbe. Was beim Studenten und Konservativen ein harmloser„Unfug" ist, das ist beim Arbeiter und Sozialdemokraten ein Auf- rühr. Studenten und Konservative werden mit kleinen Geldbußen oder «in paar Tagen Haft bestraft— Arbeiter und Sozialdemokraten mit jahrelangem Gefängniß oder gar Zuchthaus. Und wenn Studenten und Konservative die Thäter sind, ist das Gemeinwesen von keiner Gefahr bedroht; wenn aber Arbeiter und Sozialdemokraten die Thäter sind, dann muß der Staat durch Belagerungszustand und andere schöne Mittel ä la Eisenbart„gerettet" werden. Kurz— nicht auf die That kommt es an, sondern aus den Thäter. Und das nennt sich:„Gleichheit vor dem Gesetz" und ist die„politische Moral" unserer Feinde. — Ein unverdächtiger Gewährsmann. In der Reichstags- sitzung vom 21. Mai hatte Exzellenz Puttkamer auch Stellen aus unserm Leitartikel in Nr. 19 zitirt als Beweis, daß wir die„Mord- brennereien" und sonstigen Greuelthaten in Chicago gebilligt hätten. Nun war erstens dieser Artikel, wie für jeden ersichtlich, der lesen kann und lesen will, vor Eintreffen der Nachrichten über die Chicagoer Ereignisse geschrieben, zweitens enthält weder er, noch einer der seither erschienenen Artikel unseres Blattes eine Entschuldigung der in Chicago verübten Greuelthaten. Im Gegentheil, kein europäisches Blatt hat die- selben, d. h. die wirklichen Greuelthaten, schärfer verurtheilt als wir. Der Minister hat also mit seinen Zitaten eine doppelte— Korrektur der Wahrheit verübt. Jndeß, es wurde in dem erwähnten Artikel doch als die Ursache der größeren Kraft der amerikanischen Lohn- it. Bewegung die U r w ü ch- s i g k e i t, d. h. die g e w a l t t h ä t i g e Form, in der dieser Kamps viel- fach noch geführt wird, bezeichnet. Wir haben damit freilich noch keine Empfehlung dieser Form des Kampfes ausgesprochen, sondern nur eine zeitgeschichtliche Erscheinung zu erklären versucht, indeß, wir haben uns nicht über diese urwüchsige Form des Kampfes in der gebührenden Weise„entrüstet", wir haben ihn sogar als unter gewissen Umständen kleineres Uebel für die Arbeiterklasse bezeichnet, und auch das muß ja eigentlich schon ein Verbrechen in den Augen jedes guten Bür- gers sein, dem der Polizeistaat im Kopf steckt. Wenigstens lollte man es nach den Aeußerungen nicht blos der„Norddeutschen Allgemeinen", sondern auch mancher, sich höchst„unabhängig" geberdender Blätter meinen.„ Da gereicht es uns denn zum doppelten Vergnügen, in der Berliner „Volkszeitung" einen Gewährsmann für unsere Ausführungen zitirt zu finden, so unverdächtig, wie nur irgend denkbar. Nämlich den biedern, lammfrommen Herrn Wilh. Thukydides Roscher, königlich sächsischer Geheimrath— man denke!— und Professor an der Leip- ziger Universität. Im Leitartikel seiner Nummer vom 28. Mai schreibt das bürgerlich-demokratische Blatt: „Nun sind wir weder berufen, noch verpflichtet, jenen Artikel des „Sozialdemokraten" zu vertheidigen, aber ein eigenthümlicher Zufall will es, daß der konservative Professor Roscher, ein Altmeister der national- ökonomischen Wissenschaft, diese Aufgabe schon seit mehreren Jahrzehnten erfüllt hat. Auf Grund der amerikanischen Erfahrungen kommt auch er zu folgenden Sätzen, die sich nur durch die akademische Form von dem Gedankengange des„Sozialdemokraten" unterscheiden:„Neben den reellen Segnungen des hohen Arbeitslohnes läßt sich ein gewisser, oft unbequemer äußerlicher Trotz der niederen Klassen, welcher damit verbunden zu sein pflegt, schon mit in Kauf neh- m e n. Er ist für die höheren Klaffen gradezu eine sittliche Schule; für die niederen doch gewiß eine kleinere Sünde, als die feigen, tücki- schen Laster der Unterdrückte n." So Herr Roscher, und es nimmt der Richtigkeit seiner Aeußerung gewiß nichts, daß dieselbe vor Jahrzehnten geschrieben. Die feigen, tückischen Laster der Unterdrückten— merkt Euch diese Worte, deutsche Arbeiter. Möge es Euren Feinden und falschen Freun- den nie gelingen, sie in Euch großzuziehen. — Deutschlands Schmach. Unter dem Datum des 20. Mai haben die Vertreter der P h i l o l o g e n- V er e i n e— meist Gy m- nasiallehrer— Rheinlands und Westfalens eine Avresse folgenden Inhalts an Bismarck gerichtet: „Durchlauchtigster Fürst! Hochgebietender Herr Reichskanzler! Als Vertreter der beiden, nahezu die gesammten akademisch gebildetenLehrer an den h ö h e r e n Unt errichtsanstaltejn von Rheinland und Westfalen umfassenden Philologenvereine bitten die unterzeichneten Vorstände derselben Ew. Durchlaucht, den Ausdruck des tiefsten Dankes entgegennehmen zu wollen für die Ueber- weisung der H ö ch st i h n e n(!!!) zu Ihrem 70. Geburtstage von der deutschen Nation dargebrachten Ehrengabe zur Begründung der„Schön- hauser Stiftung" für Beflissene des höheren Lehramts. Ew. Durchlaucht haben dadurch unser» Stand nicht nur aufs ehrenvollste aus- gezeichnet, sondern auch ein Werk geschaffen, welches auf ferne Zeit hin demselben äußerlich zur Wohlthat, geistig zum Segen gereichen wird. Unser Dankgefühl aber wird noch erhöht durch die Worte, mit welchen Ew. Durchlaucht die Aufsicht über jene Stiftung dem jeweiligen Ersten Präsidenten des Herrenhauses überwiesen haben! Daß diese den höhern Lehrerstand ehrenden, die ihm innewohnende Bedeutung würdigenden Worte von dem nächst unserm Kaiser verehrtesten Manne Deutschlands, von dem Mitschöpfer deutscher Einheit gesprochen worden sind, verleiht ihnen das höchste Gewicht. Wie wir erfreut sind über die von Em. Durchlaucht damit bekundete Anerkennung unserer Berufsarbeit, so ent- nehmen wir ihnen auch für alle Zukunft Antrieb und Sporn, in Amt und Beruf als die Träger idealer Gesinnung und Pfleger des natio- nalen Gegankens bei der Jugend uns zu erweisen und so auch an un» serm Theile zur Befestigung und Erhaltung deö nationalen Werkes bei- zutragen, dessen Gründung und Aufrichtung Ew. Durchlaucht Ihr Leben gewidmet haben. In größter Ehrerbietung Ew. Durchlaucht gehör- samste Diener u. s. w." Gehorsamste Diener, der Ausdruck ist richtig. Lakaien, die ein Trink« geld erhalten, können sich nicht kriechender bedanken als die gebildeten Herren Gymnasiallehrer für den ihnen hingeworfenen Bettelpfennig. Ehren soll er ihren Stand? Wissen die Herren nicht, wie dieses Geld- geschenk zusammengebracht worden, daß gemein st er Betrug unv Erpressung an ihm kleben? O hätten sie nur einen Funken von dem im Leibe, was man Ehre nennt, sie würden sich dieses Korrup- tionsfonds schämen, da sie ja nicht den Muth haben, ihn abzulehnen. Aber die Ehre dieser Herren, die zum größten Theil Reservelieutenants sind, hat mit wirklicher Mannesehre nur den Namen gemein, eS ist nichts als Dünkel und Aufgeblasenheit, diese untrennbaren Korrelate des Lakaienthums. Und das sind die Leute, welche unsere zukünftigen Richter, Lehrer, Aerzte ic. heranbilden! Welche Gesinnung sie ihren Pflegebefohlene« einträufeln, das sehen wir am heutigen Studententhum, das mit wenigen. sehr wenigen Ausnahmen an Rohheit der Gesinnung und Rohheit de! Benehmens kaum von dem verkommensten Straßengestndel übertroffe» wird. Der Gesellschaft hat der Korruptionsfonds grade noch gefehlt.! Schon das erste Stipendium aus dem Bismarckpfennig hat eine üb«' aus bezeichnende Verwendung gefunden. Es ist einem Gymnasiallehra Raidt in Ratzeburg zuertheilt worden, dessen Verdienste u» die Wissenschaft darin bestehen, daß er bei der letzten Reichs-! tagswahl als Hauptagitator für Herbert Bismart. fungirt hat. Dem Verdienste sein— Trinkgeld. Machts ihm nach Philologen! Die vorstehende Notiz war bereits gesetzt, als wir in verschieden« Zeitungen lasen, daß der biedere Vorstand der Philologen-Vereine an! eigene Faust gehandelt, die Adresse den Mitgliedern nicht erst vor gelegt hat. Um Niemand Unrecht zu thun, konstatiren wir das aut» drücklich, wenngleich wir nach früheren Proben im Voraus sicher such daß die etwaigen Proteste gegen die Adresse sehr dünn gesäet sei»- mit de, raiso Hoch Zeit! werden. — Auf höheren Befehl abgesagt. Im Einverständniß mit de« klerikalen Staatsminister Bernaert hat der liberale Bürger- meister B u l s von Brüssel die von unser» belgischen Genossen aus Pfingsten einberufene Manifestation zu Gunsten des allgemeine» Stimmrechts untersagt, angeblich weil er über nicht genügen« militärische Kräfte verfügt, um etwaige, gegen den Willen der Einberufer entstehende Unruhen niederhalten zu können. Es ist ein offenes Gehei m- niß, daß dieser Beschluß von Berlin aus soufflirt worden ist. G» wisse Nerven können es nicht vertragen, daß noch irgendwo in eine« Lande ein freier Hauch sich regt. Man lese nur, wie die Reptilienpresse, die sogenannten Witzblätter voran, über die Vereinigten Staaten herfäll» und der Union unter Hinweis auf die Chicagoer Bombe denunziatorisch- schadenfroh zuruft:„Seht, das ist die gerechte Strafe dafür, daß cht politischen Verbrechern Asyl gewährt, daß Ihr keine Ausnahmegesetz« habt wie wir!" Und eine Massendemonstration zu Gunsten des allgemeine« Stimmrechts, in demselben Moment, wo man sich in Berlin den Kops- darüber zerbricht, auf welche Art man diese fatale Einrichtung im Reich wieder los werden könnte, im benachbarten Belgien ruhig mitansehen! Undenkbar, das geht nicht, das darf nicht sein. Schnell, ein Waffe« strahl nach Brüffel, aber an die richtige Adresse. Und für den, der d« weiß, wessen Posten im gegenwärtigen Moment in Belgien am meiste»! erschüttert ist, kann auch kein Zweifel darüber bestehen, welchen Weß dieser Strahl genommen. Ueberdies, wer gern tanzt, dem ist leicht gepfiffen.! Unsere belgischen Genossen werden also nunmehr, gemäß den in Gen! gefaßten Beschlüssen, statt der einen großen nationalen Manifestation solche in den Provinzialhauptstädte»�abzuhalten suchen. Wer- den auch diese verboten, so wird ein großer allgemeiner Arbeitet- k o n g r e ß nach Brüssel einberufen werden, gegen den die Polizei g« nichts thun kann, da sie nur bei Demonstrationen unter freiem Himm«! ein Wort mitzureden hat. Wie sich aber auch die Sache gestalten möge- moralisch haben unsere Genossen bereits den Sieg errungen. Das Bei- bot der Demonstration ist die beste Bestätigung, wie tief die Beweguitz bereits im Volke sitzt. Man verbietet nicht, was man nicht fürchtet. Ab die belgischen Sozialisten vor fünf Jahren für das allgemeine Wahlrech demonstrirten, kümmerte sich kein Teufel um sie. Man ließ sie in all« Ruhe ihren Umzug machen, und die Sache war abgethan. Heute vfl bietet man ihren Umzug, und die Sache ist nicht abgethan. Das bei- zische Volk wird die Konsequenzen aus dem Verhalten seiner Regier« schon zu ziehen wissen. — Puttkamer an der Arbeit für uns. AuS Berlin schreib« uns eine Genossin: „Ueber die Fachvereinsorzanisationen der Berliner Arbeite- rinnen hat die Presse so vielfach berichtet, daß wir die Vorgäng« innerhalb derselben als bekannt voraussetzen dürfen. Ob diese Verei« in der Lohnbewegung»c. nicht bessere Erfolge erzielt hätten, wenn meh> sozialdemokratische Elemente in denselben vertreten gewesen wären, wolle« wir hier nicht erörtern, obwohl es wahrscheinlich ist. Thatsache aber ist- daß dieselben nur zum kleinen Theil darin vorhanden waren, und meisten der Führerinnen überall der sozialistischen Bewegung entgegen- traten. Nun kommt der Puttkamer'sche Erlaß, über den die Sozial- demokraten, die weiblichen wie die männlichen, lachen, und der wie ei« Blitz aus heiterem Himmel alle die unschuldigen Gesinnungstreuen, dene» die Arbeiterinnen sogar erst die Liebe zu Stöcker austreiben mußtest getroffen hat. Alle Arbeiterinnenversammlungen werden verboten, d« Vereine selbst sind geschlossen worden. Geht das Ausfegen der B« wegung weiter fort, was bleibt dann den Arbeiterinnen übrig, u«-' was können sie anders thun, als sich der geheimen Bewegung d« Sozialdemokratie anzuschließen? Sie haben sich zum Theil redlich gege> das sozialistische Prinzip gesträubt, aber Puttkamerchen, Puttkamerche« Du hast einen goldenen Löffel gesunden, um es ihnen einzugeben. WÄ rend sie vor Entsetzen über Dich den offenen Mund zu schließen ve« gessen, steckt man es ihnen ohne Schwierigkeit hinein. Die geheime B> wegung ist frei, und es ist noch viel Platz darin. Was scheren uns � die Bourgeoisgesetze oder Mmisterialerlasse! Aus ruffische Maßregel' gehört eine russische Antwort; nur so weiter, und die deutschen Frau«' werden dieselbe ebenso gut zu geben wissen als ihre russischen Scha« stern. Stehen die Frauen erst einmal auf unserm Boden, dann wii* die Arbeiterbewegung noch einen ganz andern Aufschwung nehmen jetzt, und das kommt mit Hülfe solcher Erlasse, wie der Deinige. Ei> HuiÄth für Dich, Puttkamerchen!" sich na» hier üb der n« dazu se nur e i schuftig stellt. Tisch Dies- bekannt stund lc hauptu: von all der Po gewich: standen Angenc Person- Nomme Vereins listenge kratie j bestrebi von de- g-setzes erklärt, zum Zi Nun bew e stberhm müßte Beweg: »Abe handha Zi hebt m 'erei vorliege vielen Der verübt nung, Ried Urhe iu z« '«gt sind! Und tischen Rgitire Das genug »nd Al .. Dazi dickfelli Aberta schlösse- stander solche I Doq des Fa gesellsä Und« Mo er die Ka den al Mußte. brech Dieb z «öpz au», Die gessen , Die letzige schas ?kutig( Dar — Väterchen schwillt der Kamin. In Sebastopol hat« in emer Ansprache auf die„großen Thaten" hingewiesen, welche d« russischen Kriegsflotte im Schwarzen Meer bevorstehe» und in Moskau hat er sich von dem Metropoliten eine Ansprache hall« lassen, worin der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß das griechist katholische Kreuz bald wieder auf der heiligen Sophia in Konstantinops erglänzen werde. Der russische Autokrat hält es also gar nicht metz für nöthig, sein panslavistischen Pläne zu verbergen. Er fürchtet d« Widerstand der Großmächte so wenig, daß er ihnen auf die unzw« deutigste Weise zu verstehen gibt: ich pfeife aus Euch. Er läßt es a« einen Krieg ankommen, ja, er wünscht einen solchen, denn er hat« nöthig, den Blick des russischen Volkes nach Außen zu lenken, b« nationalen Chauvinismus in jeder Weise zu schüren, um die politisch' Freiheitsbestrebungen zu ersticken. Ob aber die Völker Europa's dazu da sind, sich dem Despot»' Alexander zu Liebe die Köpfe blutig zu schlagen, ist eine andere Frag' Wenn ihnen diese Eventualität in absehbarer Zeit in Aussicht steht,« haben sie sich dafür bei jenen Staatsmännern zu bedanken, die den& lüften des Zaren allen möglichen Vorschub geleistet, die dafür gesorjf haben, daß eS„kein Europa" mehr gibt. Der Friede und die Freiheit Europas haben nur einen Verbündete' in Rußland, und der heißt Nihilismus. Und den haben uns«« maßgebenden Politiker schmachvoll verrathen. Echild »einen stch d. gesitte Allsbe »Ii von? vrei tz — m.„Der bayerische König soll einem bedeutenden Grade v« Irrsinn versallen sein; er trägt z. B. gegenwärtig das K l e i h ein« Mandarinen und soll gewillt sein, die chinesische Etikett an seinem Hofe einzuführen, und zwar so, daß die Dien«! schast künftig auf dem Bauche zu Füßen Sr. Majestät! kriechen hätt e." So schreibt Ende Mai ein ultramontanes schweiz' Blatt. „Irrsinnig" nennt man hiernach den deutschen Monarchen, d« lediglich seiner Zeit um einige Pferdelängen vorausgeeilt?! Das Bauchrutschen der Nationalliberalen, das allerge ho> samste Ersterben des preußischen Betteljunker- und Bureaukrat� thums, das K a n z l e r w e d e l n vor seinem„Herrn und Gebiete» das P u t t k a m e r' sche Rippenbrechen an den„Grundrechten" deutsch „U n t e r t h a n e n", und zu guter Letzt die feierliche A u f h ä n g u« des� päpstlichen Pantoffels durch Windthorst und Genoß' zuoberst der deutschen Reichsregierunzsmaschinerie— was ist das and»» als die Jnaugurirung der mongolischen WeltHerrscher-Jdee? Der Stechschritt auf den militärischen Schinderangern, der v«' nunftbegabte Männer gleich dresfirten Gockelhähnen vor ihren Peinig«' herumhüpfen lehrt, ist nichts Anderes als eine Vorübung dei geistig' Stechschritts, den Junker und Pfaffen dem geknebelten Volk vorhüp''' um endlich in Europa das famose Taikum- und Mikado spi' -o ru treuge schw Fabri über Brust Vera» üb«, ders »U v, Ue> schied- solgte dlejen M de! Arref Wen tzierbe iu-r «tust fce zi her der q QU blick, alsda sucht ihm I »uerß «igst sein, Mit, Schi- Etrei der j Bdli, CK, neu jen, bei ff-» iw ta um ri ach ntt auf lOP u» fni feil jev .et. aut ec ade fei iw G- et» ff-. iOi ich- ih' ep na op! eilt m! 'S fi« Bef H' letv jifll' ei« me« lieft b« B- u«: b- egf che» Bat sei A- :Sb i Huf wie' «' Mit dem freiwilligen Bauchrutfchen und Bauchaufschlitzen zur Staats- raison zu machen. Hoch Ludwig II., der zielbewußte Bahnbrecher einer neuen Zeit! Drum, wer noch Händ' und Füße hat, Der übe sich im Rutschen. Bei starrem Sinn wird Keiner satt, Auch fährt mit steifem Rückengrat Kein armer Teufel Kutschen! — Aus Leipzig wird uns geschrieben: Unsere Polizei tanzt natür- lich nach der Berliner Pfeife.„Die schärfere Tonart" macht sich auch hier überall geltend. Es fällt mir nicht ein, einen vollständigen Bericht der neuesten Heldenthaten unserer heiligen Hermandad geben zu wollen, dazu fehlt es mir an Zeit und Ihnen wahrscheinlich an Raum. Ich will nur eine That herausgreifen, die durch ihre Nichtswürdigkeit sich den schuftigsten Polizeistreichen der Schandjahre 1878 bis 1881 an die Seite stellt. Ich meine die Schließung des Fachvereines der Tischler. Dieser Verein soll sich„sozialdemokratischer Umtriebe" im Sinne des dekannten Schandgesetzes schuldig gemacht haben— was eine durchaus grundlose, mit den Thatsachen in schroffstem Widerspruch stehende Be- hauptung ist. Der fragliche Verein hielt sich strikt von aller Politik und «an aller Agitation fern, wie Niemand bester weiß, als die Herren von d-r Polizei. In dem Auflösungsukas wird beshalb auch das Haupt- gewicht darauf gelegt, daß Sozialdemokraten an der Spitze des Vereins standen, und daß dieser zahlreiche sozialdemokratische Mitglieder hatte. Eingenommen, daß dies richtig sei— ich bin nicht genügend über die Personen unterrichtet, um ein sicheres Urtheil zu haben— also ange- Nammen, daß dies richtig sei, ist dadurch die Schließung des Tischler- Vereins auf Grund des Sozialistengesetzes gerechtfertigt? Das Sozia- listengesetz richtet sich seinem Wortlaut nach nicht gegen die Sozialdemo- kratre überhaupt, sondern gegen„sozialdemokratische rc. Umsturz- bestrebungen", welche den Staat und die Gefellschaft bedrohen. Und von den Vertretern der Regierung wurde bei Berathung des Sozialisten- gesetzes ausdrücklich und mit dem Aufwand des sittlichsten Pathos -rklärt, gegen sozialdemokratische Bestrebungen, die nicht den Umsturz tum Ziel hätten, soll das Sozialistengesetz sich nicht richten. Nun wird aber doch Niemand behaupten können, die F a ch v e r e i n s- Bewegung sei eine auf„Umsturz" hinzielende Bewegung. Sie ist Überhaupt keine sozialdemokratische Bewegung— denn sonst wüßte England mit seinen Trades-Unions die größte sozialdemokratische B-wegung haben. »Aber hat denn die Polizei jemals das Sozialistengesetz loyal ge- handhabt?— höre ich mir entgegenrufen; ist es nicht gerade Wesen Und Zweck dieses Schandgesetzes� daß es die Willkür auf den Thron hebt und der Polizei einen Blankowechsel für jede Schur- -er ei und Niedertracht ausstellt? Und ist etwa in dem vorliegenden Fall das Verfahren der Polizei ein anderes, wie in so vielen früheren Fällen?" Der Einwurf ist nicht ohne Berechtigung. Aehnliches ist schon früher verübt worden, und mehr als einmal. Gewiß. Allein ich bin der Mei- vung, man muß jede Gelegenheit benutzen, um die Niederträchtigkeit dieses Gesetzes, sowie seiner Urheber und Vollstrecker an das Licht der Sonnen tu zerren, damit Verachtung und Haß in Allen er- -egt werde, d i e n o ch ei n e s si tt li ch e n G e f ü h l s fähig lind! � Und die Wiederholung ist das große Geheimniß der agitato- fischen Wirkung— sagte schon der Engländer Cobden, der sich aufs «gitiren und aufs Geschäft vorttefflich verstand. Das Lied von der Niederträchtigkeit unserer Feinde kann nicht oft genug gelungen werden, bis es zuletzt wie Sturmes gebraust anschwillt und Alles vor sich niederwirft. Dazu kommt, daß die„öffentliche Meinung" heutzutage nicht mehr so dickfellig ist wie in den ersten Jahren der Attentats-Aera. Taufende und Abertausende, deren Ohr damals der Stimme der Gerechtigkeit ver- Waffen war, weil sie unter dem Banne des„Rothen Gespenstes" standen, werden heute von Enttüstung und Ingrimm erfüllt, wenn sie solche Schandthaten des herrschenden Systems erfahren.—— Doch ich bin mit meinem Bericht noch nicht zu Ende. Die Auflösung des Fachvereins war ein zu platonischer Erfolg für die staats- und «fellschaftsretterische Polizei— sie wollte etwas Greifbares haben. Und als gute Jünger des Junkers Bismarck, der„das Geld nimmt, wo er es findet", griffen die Wohllöblichen nach der K a s s e. Doch ach! die Kaffe war leer. Die Leiter des Vereins waren früher aufgestan- den als die Leipziger Polizei. Das war ein Frevel, der gerächt werden wußte. Und nun kommt der würdige Schlußakt. Wegen des Ver- brechen s, die Leipziger Polizei an einem fetten Diebstahl verhindert zu haben, wurdender erste und derzweite Vorsitzende des Fachvereins: Weber und �öpps, beides verheirathete Männer, aus Leipzig ausgewiesen und ins Elend gestürzt. Die Genossen werden's zu dem Uebrigen schreiben. Nur nichts ver- g-ffen! . Die Genoffen werden aber auch keinen Augenblick vergessen, daß die l-iige„scharfe Praxis" den Zweck hat, Ausbrüche der Leiden- ' ch a f t hervorzurufen, durch welche das bankrotte Herrschaftssystem der b-utigen Machthaber wieder Lebenskraft zu gewinnen hofft. Darum Vorsicht! — Was die Bourgeoisie alles darf. In dem gut bürg er- Richen„N e w- A o r k e r Herold" finden wir unterm 12. Mai eine tt( Schilderung eines Konfliktes zwischen einem Chicagoer Fabrikanten und d«!- wen Arbeitern, aus der wieder einmal recht deutlich hervorgeht, was ehe» stch der„ruhige Bürger-' alles erlauben darf, ohne die Entrüstung der alt« gesitteten Welt hervorzurufen, wenn er nur Fabrikant ist, d. h. der hisi Ausbeuterwelt angehört. Man höre: top«»In der an Division-Straße belegenen großen Möbelfabrik mef von B r u s ch k e& Si i ck e hatten sich während der letzten 10 Wochen • b« jttei Streiks ereignet, und da die Streiker während des letzten dieser zw« Ausstände angeblich mit Gewaltthätigkeitcn drohten, so hatte sich C. I. i a« Bruschke, der Chef der genannten Firma, sowie 14 seiner ihm t treugebliebenen Ange st eilten als Spezialpolizisten ein- schwören lassen. Eines Abends hatten sich nun in der Nähe der Fabrik eine Anzahl Streiker angesammelt, die sich in lauten Schmähungen vb-r dix Fabrikbesitzer und die bei ihnen arbeilenden„Scabs" ergingen. �-uschke, der ein Heißsporn zu sein scheint, fühlte sich in Folge dessen veranlaßt, aus dem Fabrikgebäude herauszutreten und auf der gegen- ,, vberliegenden Seite der Straße einen Mann, der ihm beson- i& verz durch seine lauten Schmähungen und Drohungen aufgefallen war, ]oxf tu verhaften. Ueber die sich jetzt abspielenden Vorgänge gehen die Versionen ver- Wiedener Augenzeugen ziemlich weit auseinander. Nach einer Verston folgten Bruschke und seinem Arrestanten eine Anzahl Streiker, unter "lesen auch Aloys Tragseiler und Frank Adler, die früher w der erwähnten Möbelfabrtk angestellt gewesen sein sollen. Als Bruschke's ; v« Arrestant dann den Versuch machte, sich seiner Verhaftung zu widersetzen, ein« wllen ihm Tragseiler und Avler zu Hülfe gekommen und Tragseiler werbet mit Bruschke handgemein geworden sein. Bruschke soll dann von �-agseiler zu Boden geworfen worden sein und, um sich seiner Angreifer tji erwehren, zum Revolver gegriffen haben. Die erste Kugel aus Bruschke's Revolver drang Tragseiler in dieKinnbacke und we zweite durchbohrte Adler's Brust dicht oberhalb des H-rzenS. Nach der andern Version hatten Tragseiler und Adler mit "er ganzen Affäre überhaupt nichts zu thun, sondern paffirten unbetheiligte Zuschauer das Fabrikgebäude in dem Augen- blick, als Bruschke die erwähnte Verhaftung vornahm. Bruschke soll sich ... alsdann sofort gegen Adler gewandt und auch diesen zu verhaften ge- lisch' sucht haben. Als Ädler stch diesem Vorgehen widersetzte und Tragseiler u« lhm hierbei zur Hülfe eilte, soll es zwischen den drei Männern— der pserst Verhastete hatte den allgemeinen Wirrwarr benutzt, um sich schleu- n-gsi aus dem Staube zu machen— zu einem Handgemenge gekommen s-w, in dessen Verlauf Bruschke seinen Revolver zog und von demselben vl't dem bereits erwähnten Resultat Gebrauch machte. In Folge dieser Schießerei stieg die Erbitterung der von allen Seiten herbeieilenden �foeifet auf das Höchste, und Bruschke wäre unzweifelhaft ein Opfer iipf-'"et Lynchjustiz geworden, wenn nicht in diesem Augenblick eine Anzahl p i' Wolijisten auf dem Schauplatze erschienen wären und Bruschke unter b« isch' r-g' 't-J; bei« nse« et« ien« t i veiz' t, t* h o» cot« ete� itofi' nd« t v« tigrf istig' Bedeckung nach der nächsten Polizeistation eskortirt hätten, wo er als Arrestant in einer Zelle untergebracht wurde. Die Verwundungen Adler's. wie Tragseiler's sollen schwer, wenn nicht lebensgefähr-s l i ch sein. Beide wurden in einem Polizeiwagen nach dem Hospital be- fördert. Winnie Kelly, ein zehnjähriges Mädchen, welches sich unter der Menschenmenge befand, wurde durch Pulverkörner aus dem Revolver Bruschke'S verwundet." Also Herr Bruschke zieht ohne jede zwingende Veranlassung seinen Revolver und verwundet zwei Arbeiter— ob unbetheiligt oder nicht, ist gleichgültig— lebensgefährlich, und doch ist er nicht etwa ein„blutgieriges Scheusal", ein„Mörder" oder dergleichen, nein, er ist nichts weiter als ein„Heißsporn".— Im Grunde ist es ja nur eine lie- benswürdige Schwäche, wie der Vertheidiger des Mannes sagte, der seiner Frau aus Eifersucht mit einem glühenden Schürhaken die Augen ausgebrannt.„Herr Bruschke scheint ein Heißsporn zu sein," und da- mit ist dieser Zwischenfall abgethan. Hätte aber der so brüsk und ohne jeden Grund verhaftete Arbeiter den Revolver gezogen, welches Ge- schrei über Rohheit und Verwilderung hätte stch da nicht erhoben! Bei- läufig wirft die ganze Affäre auch ein charakteristisches Schlaglicht auf die Art, wie die Herren Fabrikanten drüben den Kamps führen. Da läßt sich der Herr Chef mit einer Knüppelzarde als Spezialpolizisten ,,e i n s ch w ö r e n" und verhaftet dann kraft seiner neuen Wurde, wer ihm nicht paßt. Ein reizendes System. Hängen Sie sich, Exzellenz Pult- kamer, darauf wären selbst Sie nicht gekommen. b-ü. Graf Baudissi«, der Kolonialpolitiker; zugleich ein Musterzeuge für die Heiligkeit der Ehe. Wie die Zei- tungen Berichten, bringt zur Freude aller nationalgesinnten Christen- menschen im gegenwärtigen Moment Graf B a u d i s s i n, als Marine- gewaltiger, den Negern im Bismarckarchipel die Elementarbegriffe der höheren Kultur und Sitte durch Füsilladen bei. Ganz natürlich, denn Bismarck und Erschießungen gehören zusammen,-und kein berufener Kulturträger als Graf Baudissin. Wer ist Gras Baudissin? hören wir hier den Leser fragen. Graf Baudissin, lieber Leser, ist der beste Hörnerträger unter den Marine-Offizieren und der beste Marine-Osfizier des gesammten Horn- viehs. Blättern wir ein wenig in der Lebensgeschichte dieses interessanten Grafen! Es war im Sommer 1880 in Kiel aufBellevue, dem Vergnügungs- ort der Kieler Aristokratie. Der Herr Graf war abkommandirt zu einer Seereise, obwohl, d. h. weil er seit acht Tagen verheirathet war. Verheirathet mit der Gräfin Pappenheim! Diese Dame, eine Schönheit ersten Ranges, ein Stern erster Größe am Himmel der Berliner Hof-Demimonde, war an den uradligen Grafen verkuppelt worden par ordre du moufti. Und dieser Mufti war der Kronprinz des deutschen Reiches,„unser Fritz." Unser Fritz", der schon lange ihr, der Hosdame seiner„skrophulösen" Viktoria, den Hof gemacht. Er trieb mit ihr der heimlichen Minne, entzückt von ihren„schönen Formen kolossaler Weiblichkett". „Unser Fritz", der Biedermann mit der Tabakspfeife, der Zotenbruder, fand es schließlich für passend, seiner Geliebten eine angemessene Partie zu verschaffen. Das Recht der ersten und vieler folgenden Nächte hatte er ja bereits ausgeübt. Sie ward also Baudisstns„ehelich W e i b." Aber Baudissin brachte dieser Gattin, der kronprinzlichen Mätresse, ein Opfer. Jahrelang hatte er mit einem jungen, bildhübschen Mädchen im Kon- kubinat gelebt. Sie hatte ihm Alles geopfert, Jugend, Ehre, Schönheit. Sie hatte ihn, als er am Typhus schwerkrank darniederlag, mit Lebens- gefahr aufopfernd gepflegt. Was Wunder, daß die Proletarierin, die sich dem geliebten Manne gänzlich hingegeben, aufs Pflaster gesetzt wurde, sobald er die E hre hatte, eine kronprinzliche Dirne zu seiner„Gemahlin" zu machen! Second-Hand-Waare, Artikel aus zweiter Hand zwar, aber jeder Zoll eine königliche Metze! So mußte denn die außer Brod Geworfene, verachtet von der Bour- geoisie, die sie bisher beneidet, sich prostituiren; und die Kieler Stu- deuten erzählen noch heute schmunzelnd von der falschen Gräfin Baudissin. Der Herr Graf aber konnte nicht lange ein Tänzlein wagen mit der Neuvermählten. Er stach in See. Inzwischen fuhr Se. k. k. Hoheit„unser Fritz" in den Hafen des Baudiffin-Pappenheim'schen Eheglückes ein; der Kurier- zug Berlin-Kiel expedirt ja sehr schnell, und selbst die eifersüchtige Vik- toria läßt sich- bemogeln. Und wenn Hoheit Kiel verließ, so traten die Marine- und Landoffiziere in die höchsten Rechte ein als Vizegatten. „Frau Gräfin hatte viele Knechte, Und jeder hatte seine Rechte." Eitel Lust und Seligkeit für die Offiziere und für die M e s s a l i n e von Kiel. So hieß sie, das war sie. Und dazu erzog sie auch ihreSchwägerin, un verehelichte Gräfin Baudissin. Beide gekleidet wie Pariser Kokotten, die Kleider hochgeschürzt, die Busen enthüllt, durchbrochene Seidenstrümpfe, oben und unten zu kurz, so lagen, nicht saßen sie auf Bellevue. Das ist das aristokratische Dirnenthum! Graf Baudissin, der Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft seiner Frau kennt, er ist ein junkerlich-privilegirter Louis. Wir kennen unsere Pappenheimer. Nicht wahr, Sie praktischer Kalo- nialpolttiker und Kulturmissionar, Edler Graf zu Baudissin?! — Bon Rah und Fern. Da die französischen Krön- Prätendenten, insbesondere der Graf von Paris, ihre monar- chistische Agitation gar zu rücksichtslos betrieben, hat stch die französische Regierung nun doch entschlossen, einen Ausweisunzsantrag einzubringen. Basly und Genossen haben den Gegenantrag eingebracht, die der Nation gestohlenen Güter der Herren denselben wieder abzunehmen, sie selbst aber laufen zu lassen. Darüber große Entrüstung bei allen ehr- baren Bürgern, denn was würde aus der Heiligkeit des Eigenthums, wenn man gestattete, ihm nachzufragen, ob es gestohlen oder nicht?— Im österreichischen Reichsrath wies bei Berathung des Un- fallversicherungsgesetzes der Abgeordnete N e u w i r t h nach, daß auf den Gütern des„arbeiterfreundlichen" Fürsten Schwarzenberg und des G r a f e n T a a f f e wahre H u n g e r l ö h n e gezahlt wurden: 20—35 Kreuzer Tage lohn! Ganz wie bei uns.— Gleich seinem belgischen„lieben Bruder" fühlt sich auch der König vonHolland beleidigt, und hat unfern Genossen DomelaNieuwenhuis wegen „Majestätsbeleidigung" in Anklagezustand versetzen lassen.„Recht voor Allen" antwortet darauf mit folgender Wochenrechnung für Wilhelm 1.: Geleistet: Nichts sauf Reisen gegangen, dinirt, soupirt tc.). Dafür empfangen: 20,000 Gulden swird fortgesetzt)."— Der wegen deS K» m- plotts gegen Alexander von Bulgarien Mitangeklagte Ex-Kapitän Rambokow ist aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Warum? Nun, weil er„getreuer Unterthan Er. Majestät des Zaren" ist.— Der bei seiner Gastrolle als Spitzel verunglückte Gens- darmeriesergeant Z ä n g e r l e ist schleunigst von Ludwigs- Hafen in den entlegensten Winkel der Pfalz— nach Wattenheim bei Grünstatt— versetzt worden. Auch Jhring-Mahlow ist versetzt worden, aber in keinen entlegenen Winkel, sondern nach Frank- furt am Main, als Gesängnißaufseher. Preußen ist Bayern doch noch um ein gutes Stück in der Kultur voraus. Wie sagt doch der brave Valentin von der Schande?„Wächst sie aber und macht sich groß, dann geht sie auch bei Tage bloß, und ist doch nicht schöner ge- worden."— Staatsanwalt Lenz in Eßlingen ist zum Ober- staatsanwalt ernannt worden und hat deshalb sein Reichstags- mandat, das er nur der Feigheit und Faulheit der dortigen„Volks- parteiler" verdankte, niederlegen müssen. Unsere Genossen sind entschlossen, mit allen Kräften in den Wahlkampf einzutreten und treffen bereits ihre Rüstungen. Glück auf!— In Spremberg stnd Polizei- und Gens- darmerie-Verstärkungen eingetroffen. Fürchtet man Zusamme nstöße oder w ü-nf ch t man Zusammenstöße? fragt stch die überraschte B Ürger- schaft. Naive Frage! Beides. rlc. Am 25. Mai ging der Reichstag in die Ferien, nachdem er das Schnapsgesetz in eine Kommission verwiesen hatte. Sobald diese mit ihren Arbeiten fertig ist, hat der Präsident die nächste Sitzung an- zuberaumen, und man glaubt, daß sich dann in acht bis zehn Sitzungen die nothwendigen Arbeiten erledigen lassen, so daß der Sesstonsschluß erfolgen kann. Die Interpellation der Sozialdemokraten kam am 20. Mai zur Verhandlung; sie wurde begründet von Hasenclever und Meister. Unsere Genossen geißelten den berüchtigten Ukas gegen das Koalitions- recht, und die Schwindel-Sozialreform der deutschen Reichsregierung wurde schonungslos an den Pranger gestellt. P u t t k a m e r, der auch von Bamberger scharf angegriffen wurde, verlor im Lauf der De- batte die Maske philosophischer Ruhe, hinter der er sein junkerliches Polizeigesicht zu verbergen sucht, und griff in seiner Unfähigkeit, Gründe vorzubringen, zu dem stereotypen Polizeikniff, verstümmelte und g e f ä l s ch t e Z i t a t e aus dem„Sozialdemokrat" zu bringen— und stellte sich so das Armuthszeugniß aus, ohne welches der große Reichsspitzelminister sich nun einmal an keiner Debatte mehr betheiligen kann. Die Debatte über denSpremberger Belagerungszustand und die Aufhebung des Versammlungsrechtes für Berlin und Umgegend wird weitere Gelegenheit geben, unsern Puttkamer in seiner ganzen„sittlichen" und intellektuellen Größe zu zeigen. Die zwei letzten Tage vor den Pfingstferien waren der Schnapskon- sumsteuer gewidmet. Der Standpunkt unserer Partei wurde von Genosse B o ck in längerer, als sachlich und treffend auch von den Gegnern an- erkannten Rede dargelegt und die„Heuchelei" der Bismarck'schen Sozial- reform verdientermaßen gebrandmarkt. In die Schnapskommission hat die sozialdemokratische Fraktion Heine und K a y s e r gewählt. — Frankreich. Die französische Deputirtenkammer hat am 2g. Mai die Interpellation Michelin-Planteau über das Verhalten der Regierung im Streik von Decazevile in ähnlicher Weise„verabschiedet", wie der deutsche Reichstag die Interpellation Hasenclever-Meister. Man nahm nicht einmal die sehr zahme Resolution des opportunistischen Deputirten Bamberger— pardon: L a u r an, der die Unthätigkeit der Regierung gegenüber der Gesellschaft „bedauerte", sondern ging mit 369(davon ca. 200 Monarchisten!) gegen 171 Stimmen zur Tagesordnung Über. Basly, der einen Antrag eingebracht, daß die Regierung einen Kredit von 500,000 Franken zu Gunsten der Streikenden auswerfe, be- gründet denselben in einer ebenso kräftigen wie gedrungenen Rede, in der er namentlich die Unterbrechungen der Rechten in schlagferttgster Weise zurückwies. Unmittelbar nachdem die Kammer bewiesen, daß sie nichts gegen die Orleanisten der Gesellschaft zu thun gewillt, reiste Basly sofort nach Decazeville zurück. Bravo! — Italien. Das„Fascio Operajo" bringt in seiner neuesten Nummer eine Zusammenstellung der von der Arbeiterpartei bei den Wahlen erlangten Resultate. Danach hat dieselbe im Ganzen 17,061 Stimmen erhalten. Eine anscheinend geringe Zahl, doch ist zu berücksichtigen erstens die Jugend der Partei und ihre Unerfahrenheit im politischen Kampf, und zweitens, daß das Wahlrecht immer noch ein beschränktes ist. Die günstigsten Resultate weisen auf: C r e m o n a 3359, Mailand III (Distrikt von Monza) 2950*) Mailand II(Busto) 1558, Neapellll 2083, Turin I 1649, Alessandria III(Casale) 1495 ic. tc. Zu diesen 17,000 Stimmen rechnet das„Fascio Operajo" noch hinzu die zirka 5000 Stimmen, die Oswaldo Gnocchi-Viani in Parma und Reggio Emilia erhalten hat. Gnocchi-Viani, der langjährige Redakteur der„Plebe", ist vielen Parteigenossen sicher noch aus seiner Mitarbeiterschaft an der„Berliner freien Presse", der„Zu- kunft" und dem Richter'schen„Jahrbuch" in Erinnerung. Wie viel Stimmen die, namentlich in der Romagna und den Marken stark vertretenen Sozialisten(die Arbeiterpartei ist nicht aus- gesprochen sozialistisch) erhalten haben, läßt sich schwer zusammenstellen, da dieselben vielfach mit den republikanischen Demokraten zusammen- gingen. Daß Andrea Costa in Ravenna gewählt ist, berichteten wir schon in voriger Nummer; wie es heißt, ist er auch in Macerate gewählt, und in I m o l a seine Wahl so gut wie sicher. Sehr zu begrüßen ist die Wahl des„Zuchthäuslers" Cipriani, da dieselbe hoffentlich dazu beitragen wird, den tapfern Streiter für die Pariser Kommune aus dem Zuchthaus zu befreien, in welche? man ihn Dank einer skandalösen Justizfarce geworfen. „Die mit imponirender Stimmenzahl erfolgte Wahl des Zuchthäuslers Cipriani— schreibt ein, das Zeichen des Krebses führender Korrespondent der Münchener„Allgemeinen"— in F o r l i und Ravenna wird viel besprochen. Sie ist ein unverkennbares Zei- chen eines rapiden Anwachsens der verfassungsfeindlichen und anarchisti- schen(?) Elemente in der Romagna und den Marken. 4200 Stimmen hat der von der(s o g e n a n n t e n, d. Red.) Gesellschaft Ausgestoßene in Ravenna davongetragen, wo der Exminister und Pentarchist Baccarini mit 5245 Stimmen gewählt worden ist, von denen er etwa 2000 den Radikalen, die übrigen den Ministeriellen verdankt. Zu Genossen der Liste hat er außer Cipriani den Sozialisten C o st a und den Radi» kalen Pantano. Costa steht nur um 10 bis 15 Stimmen hinter Baccarini zurück, der im Jahre 1832 als Depretis' Kollege eine vierfache Wahl davontrug." Bravo! Es geht vorwärts. *) Wozu noch zirka 1100 eines Formfehlers halber für u n g i l t i g erklärte Stimmen kommen. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Korrespondenzen. Hannover. Heute möchte ich im Parteiorgan einen Gegenstand zur Sprache bringen, der zwar dem Gesichtskreis der Genossen im Allge- meinen fern liegt, aber doch nicht ohne Interesse für sie sein wird, in- sofern er volkswirthschaftlich von hervorragendster Bedeutung ist. Ich meine den Stand der Pferdezucht in unserm, seit einem Jahrhun- dert wegen seiner Leistungen auf diesem Gebiete berühmten Hannover- lande. Kaum kommt der Mai ins Land, so kündigt auch der Rennsport die Eröffnung der Saison an, und obwohl er sich in den verheißungs- vollen Mantel„Berein zur Förderung der Hannoverschen Pferdezucht" hüllt, sieht jeder Kenner der Verhältnisse durch die Löcher deffelben die nackteste In te r e s se n p o lit i k hindurchschimmern. Auch auf diesem Gebiet übt die Profitmacherei ihren korrumpirenden Einfluß aus. Wir behaupten: die mit allen möglichen Subventionen(Staatspreisen, Lotte- rien u. s. w.) geförderten Pferderennen haben die Landespferdezucht nicht im mindesten gefördert, sondern sind ausschließlich Einrichtungen e ch t bourgeoismäßigerProfitmacherei. Nicht der Pferdezüchter tritt heute mit seinem Material auf der Rennbahn auf, sondern der kapitalkräftige Spekulant, der durch Anlage in Rennpferden sein Kapital höher zu fruktifiziren weiß als auf andern Ausbeutungsgebieten. „Nur Geld machen" ist die Parole, und hier in Hannover sind trotz der hocharistokratischen Firmen auf den. Programmen die Rennen thatsächlich so weit herunter, daß sie eigentlich nur noch an I a h r m ä r k t en uud Schützenfesten stattfinden, um der dazu von allen Seiten herbei- geströmten schaulustigen Menge die Eintrittsgroschen abzunehmen. Ja. sie sind so weitherunter, daß zeitweilig sogar ein Hunde Wettrennen zur Abwechslung eingeschoben werden muß. Die Ausführung der Pferde- rennen selbst ist vollends jahrmarktsmäßig. Am letzten Sonntag erwies sich die Reitkunst so erbärmlich, daß z. B. in einem Rennen fast alle Pferde reiterlos wurden und einzelne sogar mehrmals zu Falle kamen. Doch je toller, um so besser macht sich die Farce bezahlt. Und das ist ja die Hauptsache, der selbst zweijährige Pferde in ganz irrationeller Weise zum Opfer gebracht werden, denn der pseudo-darwinifiische Vor- wand, durch solch vorzeitige Anstrengung die widerstandsähigen Thiers auszumitteln, ist zur Deckung der Busbeuterblöße gar zu fadenschemig. Nur Profit machen! Sehen wir von Wetten, Buchmacherei und Totalisator auch ganz ab, so müffen wir die Pferderennen in ihrer gegenwärtigen Gestalt für durchaus verwerflich erklären und zu unserm Bedauern dem ver- dammenden Urtheile über die Rennen ein abfälliges Urtheil über den Niedergang unserer heimischen Pferdezucht anreihen. Aber wie soll es auch anders kommen? Betrachtet doch der herrschende Nepotismus die verantwortungsvollen Stellen von Gefiütsleitern, für die nur die aus- gezeichnetsten Sach- und Fachkenner eben gut genug sein würden, ledig- lich als Sinekuren zur Unterbringung anderswo gescheiterter Vettern vom hohen Adel, und es ist wahrlich nicht zu verwundern, wenn solche Schützlinge, deren Kenntnisse offenbar nur in ihren Epauletten ihren Sitz haben, vom unheilvollsten Einfluffe sind. Ein Blick auf die Ver- werthung der Landbeschäler und ihre Bewerthung auf den einzelnen Stationen würde nur mitleiderregend für die Urheber sein, wenn— eben nicht Millionen anNationalvermögen undSteuer- g r o s ch e n zu Grunde gerichtet würden. Doch kommen wir von den Pferden auf ein anderes großes Thier, nämlich den Inhaber derReichstagsabgeordneten-Fahr- karte I 6 0. Diese Säule der Ordnung und Stütze der nationallibe- ralen Partei fährt jetzt täglich von Hildesheim nach Hannover zur Pro- vinzialausschußsitzung. Als Oberhaupt der alten Bischofsstadt bezieht er auskömmliches Gehalt fauch wenn er durch seine Abwesenheit seine Ab- kömmlichkeit zu beweisen bestrebt ist), als Mitglied des Provinzialaus- schuffes sicherlich dazu Diäten und Reiseentschädigung, entblödet sich aber nicht, aus seine Karte als Freipaffagier zu fahren. Benützte mal ein Arbeitervertreter seine Fahrkarte zur Erfüllung der oft mühseligen Pflicht der Rechenschaftslegung seinen Wählern gegenüber, so schreit die Herr- schende Klicke denunziatorisch über„Mißbrauch zu Agitotionszwecken". Nun— der juristische Oberbürgermeister Struckmann aus HildeSheim findet es nicht„wider die Ehrbarkeit" fvgl. Diätenprozeffe), stch solchen pekuniären Vortheil durch seine Fahrkarte zuzuwenden. Solch sp— arsame Stadthäupter sind offenbar unbezahlbar. Als Gegenstück nur der Hin- weis, daß selbst unteroeordueten Polizeiorganen ähnliche Sparsamkeit s- anwandlungen anders gerechnet werden. So hat z. B. ein Gensdarm im Dienste bei Begleitung eines Gefangenentransportes das Recht, bei Eisenbahnfahrten ein Militärbillet zu benutzen und Deiner nicht vergessen." Ehre seinem Andenkenl Die Parteigenossen von Augsburg! und Umgebung. I Di durch die A cago Brieftaften der Redaktion: Leipzig(Eine deutsche Mutter): Ihr recht gut gemeintes Gedicht bedarf noch vieler Feilung und starker Kürzung- Doch wollen wir sehen, Ihrem Wunsche zu entsprechen.— G e n o s s i in Berlin: Zuschriften via B. erh.„Fideles Begräbniß" in nächst« Nr. Besten Gruß und Dank. einer mit o d er Exp ed ition: Angler: öwfl. 30— Ab. I.Qu. u. Schft. erh-. Bstllg. mit 21 theils fort. Zwischenhand hatte einigen Aufenthalt.— H. Genf: Fr. 1 65 f. Schft. erh.— I. K. Jaffy: Fr. 2 50 Ab. ab 1/i bis 1/8 u. Fr.1 50 f. Schst. erh. öwfl. 2— Fr. 4— somit verw. Rothbart: Mk. 88—5 Cto. erh. Mk. 312— f. Schft. d. Mtgl. gebucht. Bstllg. mit 22 fort. Bfl. Weiteres.— Heinrich: Mk. 15— Ab. 2. Qu- u. Mk. 3— f. Schft. erh. Bstllg. folgt. Preise in beiliegendem Katalogs — Dr. Clemm: Mk. 25—5 Cto erh. Adr. nottrt. Weiteres pr. P.-K-i — Bruno Brg.: Mk. 446 25 Ab. 1. Qu. ic. erh. Ers. C. M. folgt ist Bblthk. Wb. werden an W. besorgen. Bfl. Weiteres.— Veilchenstein! Mk. 300— 5 Cto erh. Mk. 8 50 pr. Verl. gutgebr.— Ungenannt El> berfeld: Mk. 5 60 pr. Ufd. dkd. erh.— Dpi. B. G.: Mk. 100— wie früheres erh. und gutgeschr.— B. I-VI.: Mk. 500— 5 Cto Ab.-c. erh.— Ungenannt Newyork:(2 Doll.) Fr. 1012 für Decazeville; des' gleichen von Megging Newyork:(50 Cents) Fr. 2 53 dkd. erh.— Arb. Wchk. B'pest: Fr. 5 98 Ab. 2. Qu. erh. Fr. 2— an„Abtst." abgg- Folgen 2 Arbst. u.'4S..D. nebst Nchlfg.- Brüssel: Fr. 6— P.-Beftr. u. Fr. 42 15 Ab. 2. Qu. und Schft. erh. Bstllg. folgt.— F. Stkbrg- Genf: Fr. 2 85 s. Schft. erh. Weiteres pr. Red.— Jürgeln: Mk. lOÖ 5 Cto. Ab. erh. Bf. erw.— Moritz: Mk. 18— Ab. 2. Qu. erh. Adr- geordnet.— Unverbesserlicher: Mit Bf. v. 30/5. erwähnte Mk. 5— lagen nicht bei. Couvert unbeschädigt. Betr. E. halten Sie sich direkt an Bl.— Presto: Mk. 24 70 pr. Verl. gutgebr. Warum rufen Sie nicht kompetentere Leute an betr. E.?— Rother Blutfink: Mehrbstllg. notirt- Hier Alles rechtzeitig fort.— Schwöb. Heiland: Alles fort. Weiteres beachtet.— Nazl.: L. richtiggestellt. Liegt unzweifelhaft an dem betreff- Empfänger. Adr. notirt.— X 3: Schft. bereits unterwegs. Umtausch also unmögl. Adr. u. Weiteres notifizirt. Bfl. mehr.— Ii.; Mehrbstllg- u. Adr. notirt. Verlg. bitten mit Zhlg. zu berechnen. Bf. kostet 25 Cts- Strafporto, da statt mit 20 nur mit 10 Pf. frankirt.— Roth« Franz: Bf. v. 29/5. und 2 Beil. erh. Nachr. über Z. sobald thunlich erbeten. Bf. flgt.— Cttbs: Bf. v. 27. am 29/5. beantw. Alles beachtet. — Paul Sp.: Nachr. hier u. besorgt. Weiteres pr. C.— Clara: R- unerilärlich, da Alles bis 22 laufend prompt ging. Ihriges ebenso- Wahrscheinl. durch Zwischenhand verknotet. Recherchirt. G. benachr. � Vorposten an der Grenze: Bs. v. 29/5. hier. Stesan's Schnüffelgardt werden Sie derart nicht bekehren. Warum nicht in die Nachbarschaft und trotz Allem ebensoviel? Bs. flgt.— C. S. Payerne: Gut. Aber Sie schreiben doch aus B.?— Nz. Z.: Denken nicht daran. Der Freh- und Saus-Major zählt unter die Unheilbaren. Soeben ist erschienen und durch die Volksbuchhandlung, sowie die Expedition des Sozialdemokrat in Hottingen-Zürich z« beziehen: amr vierte aufläge,-mm Die Irau in der Vergangenheit. Gegenwart und Zukunft. Bon «. Bebel. Preis: Bei Bezug von mindestens 5 Exemplaren Mk. 1.50(Fr. 1,90) Einzeln Mk. 2,—(Fr. 2,50). Zahlreichen Bestellungen sehen entgegen V olksbnelihandlnnff und Expedition des„Soslaldemokrat". Hottlngen- Zürich. Sl rikas benim Zelne lassen Meitei errun mszen Möbe auch Meist furcht Dt Chical Sitzu, -Zeitui geben. an, ir durch den, o die nc Au- Bourl beiterl überai Die von A die D ändert Meism Zahl! besiudl Mssud: gierige gelväh; lautet) , Ueb bekaun gebniß nicht t s über d �Neb Gehörs brutale Den durch einer\ ' �ewyo Mit D ligkeite -Iah Ken D Seine der Si x? M �onat .Naci <1 CJimrfl»«»?»«, b.n 5. Suni, 9V, ttv,>»> (yjUilU/ Cafe Mutter(früher„Weißes Rößli") an der Schiff'" fvl lände, 1. Stock: Heffenttiche Nerfammlnng der deutsche» S-zialiste«. Tagesordnung: Die Ereignisse in Amerika. Referent: Bgr. Schlüter. Zu zahlreichem Erscheinen ladet freundlichst ein Der Lokalauischuß. Jedermann hat Zutritt. W* ;■<; y Bus C""U tzA-n. �hurie, � Sie K in 5� Sozwtistisches Kauptquartier in Newyork. kKK Freie Lesehalle mit Bibliothek 143 Achte Str. Täglich, inclusiv- ' �-—•- Gabe« � Sonntags, geöffnet von 9 Uhr Morgens bis 10 llhr Abends.... an«chriften und Büchern dankbar entgegenommen.— Adresse: Free Socialist Library, 148 Eigth St. Xew-York. U. 8.(4-2) --« L« Schvxiz-ri!»-«enogenlchasts- Buchdruck!«! HoMagen-Zckrich.