it Abonnements Di Serben bei allen schweizerischen Postbureaux, sowie beim Verlag r und dessen bekannten Agenten entgegengenommen, und zwar zum sk vorauS zahlbaren ttt Vierteljahrspreis von: esii Fr. 2,— für dieSchweiz(Kreuzband) Att. 3,— für Deutschland(Couvert) fl. 1,7V für Oesterreich(Couvert) Fr. 2,50 für alle übrigen Länder des eist Weltpostvereins(Kreuzband) d-— Der otialDeiiiolirnt | n f tr o 1 1 bi» brrigespaltene Petitzeile 25 CtS.= 20 Pfg. M 25. Jentral-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie. Briese an die Redaltion und Erpedition bei in Deutschland und Oesterreich verbotenen.Sozialdemolrat' wolle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lasten. In der Regel schicke man uns die Briefe nicht direkt, sondern an die belannten Deckadresten. Zn zweifelhafitn Fällen eingeschrieben. Erscheint wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz). Jerkag der 0olr»buchha«»l««s Hattingen' Zürich. Nostseudungr» sranlo gegen franko. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz kosten Doppelporto. 17. Juni 1886. £ Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten tHii s i« und Gemaßregelten nicht! Ire Unfern in- und ausländischen Arief-& Kreuzband- Abonnenten zur Yachricht. � Alle Einzelabonnements bei uns, welche vor Ablauf Juni nicht erneuert sind, werden mit � Juli gesperrt. Bei Bestellung durch Vertrauens- � leute erneuere man dieselben dort gleichfalls vor diesem (J Termin. ** W Alle direkten und indirekten Briefsendun- r gen find vorauszahlbar. � Durch Paketbezüger bei uns angewiesene Briefexem- & place liefern und b e l a st e n wir für nächstes Quartal auf deren Conto weiter, wenn Abbestellung nicyt vor t. i Anfang Juli erfolgt. � Einzelbezügern wird kein Conto eröffnet! Abonnements für die Schweiz werden mit Nummer 27 nachgenommen, dafern Einsendung des Abonnementsgeldes nicht � Zuvor erfolgt. Die Expedition des„Sostaldemokrat". „Von Gottes Gnaden." tu-__ itiff 11» »e> " Bor mehr als zwei Jahren— in unserer Nummer vom )?2l. Februar 1884— veröffentlichten wir einen Artikel über Ludwig H. von Bayern, worin es hieß: ist„Ludwig II.... ist in Wirklichkeit ein Wahnsinniger. »S'Er ist, um den Kunstausdrnck der Irrenärzte zu gebrauchen, �.erblich belastet", das heißt, in seinem Geschlecht sind bereits geisteskranke gewesen, und diese furchtbare Erbschaft lastet ans � ihm und dem Volke.... Ludwig II. leidet an hochgradi- a�gem Verfolgungswahnsinn, dessen Hauptsymptom... " die drückende Angst vor eingebildeten Gefahren ist. Auf dieser Ah Thatsache ruht die ganze Macht der geriebenen Oberparasiten, -tzi- die in den Ministersesseln sich breitmachen---- Die verbreche- m tische Thätigkeit dieser„Stützen der Ordnung und Sittlichkeit" iv"ährt geradezu den schon hoch genug emporlohenden Wahnwitz ,(des Königs____ Ist er in München, so haust er abgesperrt d» in der Residenz, nur in geschlossenem Wagen und in rasendem rgj salopp durchsaust er den Hofgarten, in dem während der "'j Anwesenheit des Königs überall die Pickelhauben der Gens- darmen zu sehen sind. Denn seine Minister haben ihm„zum jef Schutze gegen die Sozialdemokraten", man höre ojl und staune, diese Ueberwachung als nothwendig nachgewiesen. [glicht zufällig ist es, daß seine vertrautesten Inpiltäthe stets höhere Polizeibeamte und Staats- PpUnwälte gewesen sind." A Das, und Spezielleres über die geschlechtlichen:c. Exzesse L"udwigs II., Exzesse, die bei gewöhnlichen Leuten mit Gefäng- zfl. Hiß und Zuchthaus geahndet werden, veröffentlichten wir, wie irt gesagt, vor mehr als zwei Jahren. Und wenn der Wahnsinn � Ludwigs II. damals nicht schon längst„öffentliches Geheimniß" J Ul München gewesen wäre, so hätte er es durch diesen Artikel ilß. iverden müssen, der i, allen Kreisen Münchens verbreitet und besprochen wurde.•'S® u Aber was nutzte»z- Publizirung der Thatsache in eineni rd'. auswärtigen Blatte? Man las es, freute sich im Stillen, daß 14 hier einmal klar und nett der Stand der Dinge dargelegt sei $ r öffentlich aber machte man in pflichtgemäßer Entrüstung u aber den„unqualifizirbaren" Schimpfartikel, und ließ Alles »u'«im Alten. Nicht ein Abgeordneter— fast hätten wir ge- »-«lagt, Volksvertreter— hatte den moralischen Muth, dem �ebot der Pflicht zu folgen und die Sache in den Kammern — w Sprache zu bringen. Ludwig II. blieb ungestört weiter gierender König„von Gottes Gnaden". Neuerdings endlich, nachdem Ludwig keinen Rcgierungsakt mehr Unterzeichnete, sich nur auf seine stupid-treuen Gensdarmen ver- If/'iiß und mit dem Mutterwitz, der Wahnsinnigen oft eigen ist, ''°ie Ministerposten an wirkliche Dienstboten austheilte, jetzt Üblich ist man am 10. Juni„auf verfassungsmäßigem Wege" Zugeschritten und hat Ludwig unter Kuratel gestellt. Mit j�lchem Resultat, ist unseren Lesern bekannt. Der für Unheil- verrückt Erklärte hat, nach offizieller Darstellung, > Istnen Arzt überlistet und sich und diesen in den Wellen des Starnberger Sees ertränkt. " Damit ist die Person Ludwigs für uns der Debatte ent- Ii j�ckt. Wir hätten zwar gegenüber dem Gerede von dem edlen, ?°chsinnigen Charakter Ludwigs, wie eö jetzt fast in der ge- — lammten Presse angestimmt wird, im Interesse der Wahrheit urauf hinzuweisen, daß diese Eigenschaften, deren früheres Vorhandensein wir nicht bestreiten wollen, schon seit Jahren ganz anderen, nichts weniger als idealen gewichen waren, doch wollen wir es unerörtert lassen, wie viel davon auf Konto des im Entstehen begriffenen Wahnsinns, wie viel auf Konto der alten Erfahrung kommt, der Goethe in dem bekannten Distichon Ausdruck gegeben: Jeden Schwärmer schlagt mir an's Kreuz im dreißigsten Jahre, Kennt er nur einmal die Welt, wird der Betrogne der Schelm. Und Niemand wird wohl eher„ein Schelm", Niemand wird wohl eher von idealisüscher Schwärmerei in Bezug auf die Menschen geheilt, als ein König„von Gottes Gnaden", dem sie sich von ihrer niederträchtigsten Seite präsentiren. Der Schwärmer Ludwig wurde Menschenfeind und Selbst- anbeter. Jndeß lassen wir die Person und kommen wir zum System. „Von Gottes Gnaden"— nie hat diese heuchlerische Phrase zur Verbrämung eines heuchlerischen Systems eine drastischere, vernichtendere Kritik gefunden, als in diesen Tagen. „Bon Gottes Gnaden" war Ludwig II. König von Bayern. Nun, von diesem König heißt es im einstimmigen Gut- achten der Aerzte: „Bei dieser Form der Krankheit, ihrer allmäligen und fortschreitenden Entwicklung und schon sehr langen, über eine größere Reihe von Jahren sich erstreckenden Dauer ist Seine Majestät für unheilbar zu erklären." Hier wird mit dürren Worten gesagt, was im obigen Artikel ausgeführt, daß Ludwig schon seit einer ganzen Reihe von Jahren wahnsinnig ist. Und dieser Wahnsi«- nige regierte„von Gottes Gnaden" über ein Land von 5 Millionen Einwohnern!„Gottes Gnade" verlieh einem Wahnsinnigen jahrelang den verhängnißvollsten Einfluß über die Geschicke von fünf Millionen Menschen! Sage man nicht, der Wahnsinn sei ja doch gemerkt wor- den. Gewiß war er das. Aber wie lange er dauerte es, bis er als solcher anerkannt wurde? Wie viel Unheil hätte der Wahnsinnige inzwischen nicht über das Volk, das„Gottes Gnade" in seine Hände geliefert,, bringen können? Wenn es in Bayern verhältnißmäßig glimpflich abging, so ist das Gottesgnadenthum unschuldig daran. Es geschah vielmehr trotz des Gottesgnadenthums, im Widerspruch mit dem Gottes- gnadenthum, wenn dem Bayernvolke größere Katastrophen er- spart geblieben sind. Sage man auch nicht, heutzutage könne ja das Königthum überhaupt nur noch einen verhältnißmäßig geringen Einfluß auf den Gang der Entwicklung des Volkslebens ausüben. Gewiß, das Königthum ist zum Glück nicht allmächtig, es ist dafür gesorgt, daß auch seine Bäume nicht in den Himmel wachsen. Aber erstens ist diese Beschränkung selbst wiederum ein Widerspruch gegen das Prinzip des Gottesgnadenthums, und zweitens bleibt innerhalb des Rahmens dieser Beschrän- kung dem Einzelnen noch ein gewaltiger Spielraum, Schaden anzurichten. Die Kunstschwärmerei und Mondscheinduselci Lud- wigs hat nur ihm und einer Handvoll Leuten geschadet, wie viel Unheil kann aber z. B. nicht ein König über ein Land bringen, wie verhängnißvoll die Entwicklung des Volkes hem- men, der an religiösem Wahnsinn leidet! Und merke man wohl: der Wahnsinn kann bei jedem Menschen sich ziemlich lange in scheinbar harmlose Formen kleiden, bei Niemand aber wird er später bemerkt als gerade bei regierenden Personen. Es ist das eine Folge ihrer widersinnigen Stellung. Sie sind ja„von Gottes Gnaden", nur„Gott" verantwortlich, und darum sieht man ihnen von Anbeginn an in jeder Weise durch die Finger, findet ihre Albernheiten witzig, ihre Einbildungen interessant, ihre Narren- streiche genial. Sie müssen es schon sehr arg treiben, bis sich Leute finden, die es wagen, an ihrem Verstände zu zweifeln. Bis sie anerkannt unzurechnungsfähig sind, regieren sie— unverantwortlich. „Bou Gottes Gnaden!" Der gewöhnliche Sterbliche wird mit dem vollendeten 21. Jahre mündig; erst in diesem Alter erkennt man ihm die Fähigkeit zu, über sein Wohl und Wehe selbst zu entscheiden. Um aber über das Wohl und Wehe eines ganzen Volkes entscheiden zu können, dazu braucht man in Bayern, in Preußen jc. nur 18 Jahre alt zu sein. „Von GottesGnaden!" Der gewöhnliche Mensch ver- liert nach dem Urtheil fast aller Psychologen nach dem sieben- zigsten Lebensjahre die volle geistige Herrschaft über sich, das Gedächtniß läßt ihn im Stich, seine Verstandeskräfte nehmen ab. Um aber als Kaiser über 45 Millionen Menschen zu re- gieren, dafür sind nicht nur 70, sondern auch 80 und 90 Jahre nicht zu viel. „Von Gottes Gnaden!" Ludwig H. hat Schwärmereien gehuldigt, die dem hausbackenen Philister fern liegen, und die demselben daher manches Kopfschütteln über den ab- sonderlichen Geschmack ablockten. Wenn aber ein beliebiger König seinen Regentenberuf darin erblickt, allen möglichen Spießbürgergelüsten zu fröhnen, so wird er mit diesem Stumpf- sinn sogar noch ein beliebter, populärer Monarch. Welcher Grad von Idiotismus mit dem Gottesgnadenthnm verträglich ist, hat der liebe Nachbar zur Linken des Bayernkönigs gezeigt. „Bon Gotres Gnaden verrückt!"— soll Friedrich Wilhelm IV. von Preußen einmal verzweifelt ausgerufen haben, als ihm in einem lichten Moment sein Wahnsinn zum Bewußtsein kam. In diesen Worten ist das System gekennzeichnet. Und doch blüht und gedeiht es noch im deutschen Vaterland— verrucht, wer es wagt, diese geheiligte Institution anzugreifen! Die Bauern von Hohenschwangau, die ihren verrückten König mit Mistgabeln gegen die Deputation der Räthe, Aerzte jc. ver- theidigen wollten, sie sind keineswegs lächerliche Personen, sie sind die Mustertypen des deutschen Unterthanen, wie er uns im Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte auf Schritt und Tritt begegnet— im schwarzen Oberbayern und in der hellen, lichthellen Haupt- und Residenzstadt Berlin. Ueberall beugt man sich in Ehrfurcht vor jedem Gottesgnadenträger, und wäre er der größte Schurke oder wäre sein Kopf so hohl als�Geßler's Hut. So können wir eigentlich dem Bayernvolk dazu gratuliren, daß es das„Prinzip" wenigstens gründlich zu genießen be- kommt. Ludwigs Bruder Otto ist anerkannt unheilbar ver- rückt, nichts desto weniger ist die Königswürde von Gottes Gnaden auf ihn übergegangen, die„Allgemeine Zeitung" nennt ihn offiziell„Seine Majestät, den nunmehr regierenden König", in seinem Namen wird fortan Recht gesprochen— kurzum, der Irrsinnige, der in Schloß Fürstenried seinen eigenen Koth frißt, kann mit Lear von sich sagen:„Jeder Zoll ein König! Das ist das Gottesgnadenthum in seiner höchsten Blüthe. Das alte„Der König ist todt, es lebe der König" übersetzt sich in: Der König ist verrückt, es lebe der König! —»bAA/XSA/V� Sozialpolitische Rundschau., Zürich, 1k. Juni 188«. — Die deutsche OrdnuugSpresse weiß nicht genug in s i t t« licher Entrüstung zu machen über die von der französischen Kammer beschlossene Ausweisung der Thronprätendenten. Wenngleich auch wir von dieser Maßregel keineswegs sehr erbaut sind/ in der wir mit unfern französischen Genossen eine große Halbheit er- blicken, so müssen wir doch entschieden das pharisäerhafte Gebahren brandmarken, wie es sich insbesondere in den sogenannten liberalen Blättern vom Schlage der„Kölnischen Zeitung" breit macht. Dieses Gelichter, das dem Jesuitenaustreibungsgesetz zujubelte, das die Gewalt- Maßregel gegen den Herzog von Cumberland in jeder Weise beschönigte, das die Ausweisungen auf Grund des Sozialistengesetzes voll- ständig in der Ordnung findet, auch wenn sich dieselben als die schnö- besten Willkürakte charakterisiren, das die schmachvollen PolenauStrei- bungen sanktionirte, dieses Gesindel ist zu allerletzt befugt, sich darüber auszuhalten, wenn die französische Republik sich ihrer Todfeinds auf dem Wege zu entledigen sucht, den das Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte ihr alle Tage vormacht. Aber in keinem Lande der Welt wird heut die H e u ch e l e i so weit getrieben als in dem verbismarckten Deutschland. — In Berlin geht'S mit der AnSweiserei schon lo». Puttkamer hatte im Reichstag versprochen, er würde bis zum Austrag des Jhring-Mahlow- Prozesses warten. Natürlich hat er sein Wort nicht gehalten. Das erste Opfer ist der Maurer B e h r e n d, bekannt durch seine Thätigkeit in der Fachvereinsbewegung. In einem Abschiedswort an die Berliner Arbeiter versichert er, daß er stets darnach gestrebt, die Bewegung auf gesetzlichem Boden zu halten. Und das ist auch richtig. Aber grade das ist sein Verbrechen. Hätte er Attentats-Rezepte gemacht und das Bombenmachen gelehrt wie Ehren-Mahlow-Jhring — er wäre noch heut in Berlin. Inzwischen wird ihm wohl ein Licht über die Aera des Puttkamer und der Puttkämerlinge aufgegangen sein. Der zweite Ausgewiesene ist der Regierungsbaumeister a.D. Keßler, ein Mann, der sich zwar zu sozialdemokratischen Ansichten bekannte, aber an der politischen Bewegung keinen Antheil nahm. Sein Verbrechen ist, daß er die Fachvereinsbewegung organisiren half und das Organ der Maurer, der„B a u h a n d w e r k e r", redigirte. Die Ausweisung ist eine rein persönliche Chikane, aber wozu ist der kleine Belagerungs- zustand da, wenn man ihn nicht zu solchen kleinen Scherzen ausnützen sollte? Was man hat. muß man benutzen, sagt Exzellenz Puttkamer, und steckt 9000 Mark Miethsentschädigung in die Tasche. — Zur Kritik der Bivmarck'schen WirthschaftSreform. Bismarcks Größe in der inneren Politik offenbart sich bekanntlich in dreierlei Gestalt: als WirthschaftS-, Steuer» und Sozial- Reformer. Wenn wir uns vorzugsweise mit den beiden letztgenann- ten Eigenschaften des großen Staatsmannes, um den Europa uns be« neidet, beschäftigten, so wäre es doch unbillig, die Kritik des Wirth- schasts-Reformers— weil anscheinend mehr Sache der interessirten Bourgeoisie— dieser vollständig zu überlassen, denn thatsächlich stnd eS auch hier die Arbeiter, welche die Kosten für die— Genialitäten der Herrscher zu tragen haben. " Geben wir also heute einmal einem Einsender das Wort, der von rein objektivem Gesichtspunkte aus einige der wohlthätigen Folgm der BiSmarck'schen Wirthschaftsresorm beleuchtet. Derselbe schreibt unS: „S o l i n g e n, den 7. Juni. Das Schutzzollsystem treibt immer häßlichere Blüthen, zeitigt immer mehr verderbenbringende Früchte. Einer Repres- salie des Auslandes gegen Deutschland folgt die andere, ohne daß vorab an eine Umkehr zu denken wäre. So berichteten vor einigen Tagen die Zeitungen, daß bei einer von der schwedischen Staats- Verwaltung ausgefchriebenenSubmissionvonlS, ovo Tonnen Stahlschienen die deutsche Industrie nicht zugelassenwurde. Weshalb? Run, im Jahre 1384 wurde der EingangSzoll auf schwedische Zündhölzer, bekanntlich einer der blühendsten Fabrikationszweige Schwedens, bedeutend erhöht, wosür die Staats- Verwaltung des genannten Landes sich heute zu rächen sucht. Und nicht allein durch die Nichtzulassung der deutschen Industrie bei der Bergan- tung von Staatsaufträgen, sondern auch durch Gegenzölle hat Schweden Rache an Deutschland geübt. Thatsächlich datirt auch die Schutzzollpolitik Schwedens erst seit der Zeit, als Deutschland durch die verhängnißvolle Berbündung ultramontaner und protestantisch-konserva- tiver Landjunker auf die schiefe Ebene der Absperrungspolitik gerieth. Wir halten es für die unabweisbare Pflicht aller, die an der Beseitigung ungesunder Wirthschaftsverhältniffe ein Interesse haben, darauf hinzu- wirken, daß das künstlich beförderte Zlbsperrungsfieber, welches schon so viel, Unheil herausbeschworen hat, abgekühlt werde. Und das können wir am besten, wenn wir rückhaltlos alles veröffentlichen, was geeignet ist, der Politik, die im Großen und Ganzen nur auf die Entzweiung der Nationen hinausläuft, den Garaus zu machen. Gibt es doch sogar Fabri- kanten, die mit ihrem Geschäft auf das Ausland angewiesen sind, welche trotzdem die Institution der Schutzzölle verlängern helfen. Als z. B. im Jahre 1879 der erstere größere Anlauf der deutschen Schutzzölle erfolgte, und Frankreich mit Repressalien auf Solinger Stahl- waaren antwortete, glaubte sich eine hiesige Firma ganz besonders ge- schädigt. Man versprach einschlägiges Material zur Veröffentlichung zu liefern. Das Versprechen blieb aus, denn das Gegentheil war eingetre- ten, der Absatz des betreffenden Fabrikanten nach Frankreich war größer geworden als vorher. Was war geschehen? Der Mann hatte einen „geschäftskundigen, intelligenten Mann" in Paris gefunden, dem bei der Verzollung„reiche Erfahrungen" zu Gebote standen. Die feinere Waare wurde nämlich in eine andere Tarifklasse eingereiht, den französischen Zollbeamten einige Goldstücke in die Hand gedrückt, und dadurch noch mehr als 100 Prozent billiger nach Frankreich befördert als vorher. Wird aber, so fragen wir vom Standpunkte des Industriellen aus, bei einer solchen Handlungsweise eine Industrie gefördert? Diese Frage müssen wir ganz entschieden mit Nein beantworten, denn der reelle Fabrikant oder Kaufmann, welcher den vollen Zoll bezahlt, wird dadurch in eine Lage versetzt, die ihn mitunter zwingt, entweder zu kaum an- nehmbaren Preisen zu veräußern, oder dem Zolldefraudanten das Feld zu räumen. Wir wollen uns im Interesse der gesammten deutschen Industrie, im Interesse Deutschlands, herzlich freuen, wenn den Leuten, die die Beamten befreundeter Nationen korrumpiren und den reellen Exporteur zwingen, die Segel vor dem Unreellen zu streichen, tüchtig auf die Finger geklopft würde." Wie man sieht, Korruption allüberall, wo Bismarck nur seine Hand im Spiele hat. Wir würden ihn den umgekehrten Midas nennen, wenn er nicht zugleich auch das Goldmachen so gut verstände. — AuS der besten der möglichen Welten. Aus Karlsbad in Böhmen wird der Wiener„Neuen freien Presse" geschrieben: „Unter den Spitzenklöpplerinnen des Erzgebirges herrscht wieder große Roth. Der Wochenlohn einer geübten Klöpplerin beträgt gegenwärtig 1 fl. 20 kr. bis höchstens 1 fl. 50 kr. Dem Schreiber dieses wurde von einer Wittwe gesagt, daß sie schon wochenlang keinen Bissen Fleisch gegessen habe und ihren Kindern nur halb so viel wie früher an trockenem Brot geben könne. Dazu muß man noch bedenken, daß gegenwärtig die Kartoffeln— das Brot des Erzgebirges— theurer und schlechter sind als im Herbste und Winter. Man fürchtet allen Ernstes, sosern nicht bald eine Wendung zum Bessern eintritt, in den Klöppeldistrikten den Ausbruch wirklicher Hungersnoth." Traurig, nicht wahr? Doch können wir unfern Lesern auch eine er- freuliche Nachricht aus Karlsbad berichten. Die Zahl der Badegäste, welche an der berühmten Sprudelquelle ihre im Laufe des Winters übermäßig beschäftigten Verdauungsorgane wieder- herzustellen wünschen, ist bereits eine sehr große. Die Saison verspricht eine außerordentlich günstige zu werden, und die Badeverwaltung hat nichts gescheut, sie auch zu einer überaus genußreichen zu gestalten. Alleweil fidel, fidel, fidel! Traurig fein gibt's halt nit, hier auf der Welt, juchhe! denn— das Volk hat lange Ohren. Armes Packthier, wie lange wirst Du Dich noch schinden lassen?! — x. I. Der Absolutismus liebt eS, sich gemüthlich zu machen. In Rußland führt der Knuten- Czar den Namen„Väterchen"; in Oesterreich wurde von Metternich und Genossen das„patriarcha- lische" oder„väterliche Regiment" ausgetiftelt, und im deutschen„Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte" nennt das agrarische Junkerthum seine Raubritterpolitik„praktisches Christenthum" und faselt von einem „Voltskönigthum" oder„sozialen Königthum", welches berufen fei, die soziale Frage zu lösen nach dem bekannten Hohenzollernspruch: Suum cuique, Jedem das Seine— nämlich nehmen! Ganz besonders„gemüthlich" gibt sich aber der Absolutismus und die Polizeiwillkür in dem Lande des„Blümchenkaffees", in dem ganz be- fonders„gemüthlichen" Sachsen. Dort wird„gemüthlich" ausgewiesen, „gemüthlich" hausgesucht,„gemüthlich" konfiszirt,„gemüthlich" ruinirt, kurz, alles wird„gemüthlich" betrieben. Am„gemüthlichsten" ist die Polizei, welche sich offenbar in ihrer Würde als eigentliche Vertre- terin des Staats, als klassischer Ausdruck des Staatsgedankens fühlt, und das Ideal des patriarchalischen Polizeistaats, wie ihn Metternich geträumt, zu verwirklichen bemüht ist. Und— was mehr sagen will— theilweise schon verwirklicht hat. Zum Beispiel auf dem Gebiet des Versammlungslebens. Der Tölpel Puttkamer erläßt einen Ukas, und zertrümmert, pur oräro äu Moufti, mit plumper Faust das Versammlungsrecht, was große Aufregung hervorruft, viel böses Blut setzt und den bösen Sozialdemokraten, denen eine Waffe ge- nommen werden soll, nur neue und wirksamere Waffen in die Hand drückt. So plump und tölpelhaft ist die„gemüthliche" sächsische Polizei nicht; sie tastet das Versammlungsrecht nicht an— ei Herrjeses, nein!— sie macht es nur„gemüthlich", wie das einer„gemüthlichen" Polizei im „gemüthlichen" Sachsen ziemt. Gleich jenem französischen König, der sich Feuilleton. Die Religion des Kapitals.*) Originalbericht des„Sozialdemokrat". ZHe Hebete des Kapitalisten. 1. Das Gebet des HErrn. Unser Vater Kapital, der Du bist von dieser Welt, allmächtiger Gott, der Du den Lauf der Flüsse veränderst und Berge durchstichst, der Du Erdtheile von einander trennst und Nationen zusammenkettest, Schöpfer der Waaren und Quelle des Lebens, der Du Königen und Unterthanen, Arbeitern und Unternehmern befiehlst. Dein Reich werde errichtet auf Erden. Gib uns Käufer in Menge, oie unsere Waaren abnehmen, die guten wie die schlechten. Gib uns nothleidende Arbeiter, die ohne Murren die härteste Arbeit und den niedrigsten Lohn anneh. men. Gib uns Gimpel, die auf den Leim unseres Prospekte gehen. Gib, daß unsere Schuldner ihre Schulden vollständig an uns abzahlen.**) Führe uns nicht in das Zuchthaus, sondern befreie uns von dem Bankerott und verleihe uns ewige Renten. Amen! 2. Glaubensbekenntniß. Ich glaube an das Kapital, den Beherrscher der Körper und der Geister. Ich glaube an den Profit, seinen eingebornen Sohn, und an den Kredit, den heiligen Geist, der von ihm ausgeht und in ihm angebetet wird. Ich glaube an Gold und Silber, die, geschmolzen im Tigel und zerhackt in der Münze, geschlagen im Prägstock, als klingende Münze zur Welt kommen, aber, nachdem sie auf Erden gewandelt und zu schwer *) Vergleiche Nr. 5, 6, 12, 13, 18, und 19 des„Soz.-Dem." **) Das katsr nostor der Chriflen, redigirt von Bettlern und Vaga- bunden für arme Teufel, die beständig bis über die Ohren verschuldet waren, richtete an Gott die Bitte um die Erlösung von den S ch u l d e n: climitte nobis debita nostra, sagt der lateinische Text. Als jedoch die Besitzenden und Wucherer sich zum Christenthum bekehrten, stießen die Kirchenväter den ursprünglichen Text um und übersetzten unverfroren dobita, Schulden, mit Schuld— Sünde. Tertullian, ein Kirchen- gelehrter und Großeigenthümer, schrieb eine ganze Abhandlung über das Gebet des Herrn, um festzustellen, daß das Wort Schulden in dem Sinne von Sünden zu verstehen sei, die einzigen Schulden, welche den Christen erlassen werden. Die Religion des Kapitalismus, als ein Fortschritt gegenüber dem Katholizismus, muß nun die volle Bezahlung der Schulden verlangen, da der Kredit die Seele der kapitalistischen Bethätigung ist. der Rebellen gegen seine Autorität dadurch erwehrte, daß er sich an die Spitze der Rebellion stellte, so stellt die Polizei sich an die Spitze der der Versammlungen. Mit dem„U-berwachen" ist ihr nicht genügt— sie weiß sehr wohl, daß die einfache polizeiliche Ueberwachung nur zu un- gemüthlichen Kollisionen führt— sie übernimmt die Leitung der Versammlungen. Nicht daß sie den Vorsitz beanspruchte— das wäre nicht„gemüthlich", aber sie hilft gemüthlich dem Vorsitzenden die schwere Last seines Amts tragen, sie belehrt ihn väterlich, wenn irgend etwas gegen die parlamentarische Polizeiordnung verstößt, sie ertheilt väterliche Ermahnungen, wenn ungemüthliche Reden gehalten werden; sie gebietet natürlich Schweigen, wenn ein Redner das polizeilich erlaubte Maß von Redefreiheit überschreitet— kurz sie sorgt nach allen Richtungen für die äußerste Polizeigemüthlichkeit. Am weitesten hat es in dieser Beziehung die urgemüthliche Polizei der schönen Seestadt Leipzig gebracht, wo ein Polizeikommissar D e n n i ck e— der Name des Mannes verdient in den weitesten Kreisen bekannt zu werden— fast allabendlich den Stein der Weisen vor versammeltem Volk findet und spielend das Problem löst, das Versammlungsrecht mit der Polizeiwillkür gemüthlich zusammen- zureimen. Die sächsische Polizei hat in der That den Weg des Heiles entdeckt. Aehnlich wie die Frage des V-reinsrechts könnte auch die Frage der Pretzfreiheit gelöst werden. Konfiskationen, Preßprozesse, Zeitungs- verböte sind gar zu ungemüthlich, machen Lärm und schaden den Bs- Hörden. Warum nicht festsetzen, daß der Chefredakteur eines jeden Blattes ein Polizeibeamter sein muß? An das liberale Blatt würde ein liberaler, an das Fortschrittsblatt ein fortschrittlicher, an das konservative Blatt ein konservativer, an das sozialdemokratische Blatt ein sozialdemokratischer Polizeibeamter kommandirt, der dafür zu sorgen hat, daß nicht über die Schnur gehauen und das polizeilich approbirte Maß von Redefreiheit genau eingehalten wird. Konfiskationen, Preßprozesse, Zeitungsverbote— alle derartigen Unliebsamkeiten wären vermieden, und ein Zustand idealer Gemüthlichkeit und sozialen Friedens hergestellt, um den uns die Chinesen beneiden würden. Wende man nicht ein, daß es keine liberalen, keine fortschrittlichen, keine sozialdemokratischen— kurz keine oppositionellen Polizei- beamten gäbe. Das ist nicht richtig. Wenn bisher solche Polizeibeamte nicht an die Oberfläche der Oeffentlichkeit gelangt sind, so liegt dies einzig und allein daran, daß sie keine entsprechenden Ordres erhalten haben. Der Polizeibeamte an sich hat gar keine G esinnung. Wird morgen früh die sozialdemokratische Republik proklamirt, so haben sich morgen Vormittag schon neun Zehntel— was sagen wir? neun und neunzig Hundertstel sämmtlicher Polizei- beamten bei der neuen Regierung gemeldet und, unter Betheuerung ihres sozialdemokratischen Eifers, ihre Dienste angeboten. Also an liberalen, fortschrittlichen, demokratischen, sozialdemokratischen Polizeiredakteuren würde es nicht fehlen. Sogar für anarchistische Redakteursstellen würden sich die passenden Polizeileute finden. Und grade erst recht. Die Polizeisympathien für den Anarchismus sind ja notorisch. Und wir sind überzeugt, wenn Puttkamer unter seinem Mahlow- Jhring-Korps zu Freiwilligen-Meldungen für die Redakteurstelle der „Freiheit" aufforderte, er würde einen förmlichen Wolkenbruch von An- erbietungen erleben. Also dieser Einwand ist hinfällig. An den geeigneten Polizeiredak- teuren würde kein Mangel sein. Und nun nehme man die unsäglichen Wohlthaten eines solchen Arrangements. Bon dem Wegfallen geräusch- voller, aufregender, dem Polizeistaats-Zweck nicht förderlicher Aufregun- gen haben wir bereits gesprochen. Das wäre indeß nur das geringste. Der Hauptvortheil bestünde darin, daß die herrschende Polizeistaats- Weisheit zur absoluten Herrschaft über dasDenkenund Fühlen der Menschen gelangen, und jede dem Polizeistaats- Zweck und Polizeistaats-Jnteresse zuwiderlaufende Denk- und Gefühls- Regung im Keime erstickt würde. Die Zensur, wie sie von der alten despotischen Monarchie erfunden worden, war die reine Stümperei verglichen mit der von uns vorge- schlagenen Einrichtung. Und wir empfehlen unseren Vorschlag ganz ernst- hast dem„genialen" Junker Otto von Bismarck, dem wir Gelegenheit geben wollen, wenigstens einmal in seinem Leben etwas zu thun, was nicht seinen zwei Lehrmeistern: Napoleon dem Kleinen und Metternich dem weiland Großen abgeguckt ist. Vielleicht warten wir ihm bald wieder einmal mit ähnlichen Vor- schlügen auf. Jedenfalls aber— um zu unseren Leipziger Polizeihämmeln zurück- zukommen— hat die gemüthliche sächsische Polizei sich um das Vater- land verdient gemacht, und einen tüchtigen Baustein gelegt für den Polizeistaat der Zukunft. — In Leipzig wurde vor Kurzem Genosse K e i n i tz vom Land- gericht zu zwei Monaten Gesängniß verurtheilt, weil das Gericht„zu der Ueberzeugung" gelangte, daß eine von auswärts gekommene Kiste mit verbotenen Druckschriften für ihn bestimmt gewesen sei. Das Bemerkenswerthe bei diesem Prozeß war, daß Staatsanwalt sowohl als Gerichtshof ausdrücklich zugaben, daß eigentlich juristische Beweise gegen Keinitz nicht vorlägen, daß aber„aus der ganzen Art und Weise seines Benehmens"„in Verbindung mit sei- ner notorischen sozialdemokratischen Gesinnung" die Ueberzeugung von seiner Schuld genommen werden müsse. Bisher waren wir immer der Ansicht, daß die„Ueberzeugung" ohne juristische Beweise wohl befunden worden, hinabfahren in die Keller der Bank, um als Papier- geld wieder aufzuerstehen. Ich glaube an die Rente, an die 5-prozentize, an die 4-prozentige und die 3 prozentige, sowie an die Notirungen des Kurszettels. Ich glaube an daS System der Staatsschulden, welches das Ka- pital versichert gegen das Risiko in Handel, Industrie und Geld- geschästen. Ich glaube an das Privateigenthum, die Frucht der Arbeit Ande- rer, sowie an seine Dauer bis ans Ende aller Zeiten. Ich glaube an die Nothwendigkeit der Roth, der Lieferantin von Lohnsklaven und der Mutter der Mehrarbeit. Ich glaube an die Ewigkeit des Lohnsystems, das den Arbeiter befreit von allen Sorgen des Besitzes. Ich glaube an die Verlängerung des Arbeitstages und an die Herabsetzung der Löhne, sowie an die Verfälschung der Produkte. Ich glaube an das geheiligte Dogma: billig kaufen und thcuer verkaufen, und somit an die Grundsätze unserer allerheiligsten Kirche, der offiziellen Nationalökonomie. Amen! Geschwornen, nicht aber Berufsrichtern genügen könne. Und das Bedenkliche des Verurtheilens auf bloße Ueberzeugung hin ath bisher stets als ein Nachtheil desSchwurgerichts im Gegen- satz zu den Gerichtshöfen ständiger Berufsrichter gegolten. Und wenn im Reichstag den Puttkamer und Konsorten entgegengehal- ten wurde, daß die gewöhnlichen Gesetze hinreichten, um alle Aus- schreitungen zu fassen, gegen welche das Sozialistengesetz sich richte, daf dieses also ganz überflüssig jei— dann lautete die Antwort regelmäßig, das gemeine Recht genüge deshalb nicht, weil der Richter juri- stische Beweise brauche, die nicht leicht zu beschaffen seien, wäh- rend bei der Polizei die„Ueberzeugung" ausreiche. Man sieht, unsere deutschen Richter sind glücklich so weit gelangt, nach Polizeigrundsätzen zu verurtheilen. Die„juristischen Be- weise" sind der„Ueberzeugung" geopfert, und die„Ueberzeugung" ist ein Gummisack, in den man Alles hineinstopfen kann. Wir hielten es für nöthig, diese neueste„erzieherische Wirkung" bei Sozialistengesetzes zu verzeichnen. Und noch einer zweiten charakteristischen Thatsache müssen wir ia Zusammenhang mit dem Keinitz'sch-n Prozesse erwähnen. Keinitz wurde sofort nach Entdeckung der verdächtigen Kiste in Unter suchungs- Haft genommen, und mußte auch lange— wenn wir nicht irren, sieben Wochen lang— sitzen. Das ist nichts Merkwürdiges. Persönliche Freiheit ist ein Ding, welches in Deutschland keinen Werth hat. Merk- würdig ist aber die Motivirung der Untersuchungshaft:„weil Keinitz imFall seiner zu erwartendenBerurtheilung auch sicher seiner Ausweisung entgegenzusehen Hai und also der Flucht verdächtig erscheint." Hier ist zweierlei zugegeben. Erstens, daß jeder Sozialdemokrat, den das Gericht verurtheilt, auch ausgewiesen wird, und Zweitens, daß das Gericht die Aussicht auf die Ausweisung all Grund zur Verhängung der Untersuchungshaft betrachtet. Letzteres zeugt weder von Logik noch von Humanität, und Ersteres verräth so recht drastisch das intime Verhältniß zwischen Gerichten und Polizei, die in Kompagnie dieMenschenjagd betreiben nicht, liefern unsere Auf dmZ recht i 26 M anbete 3. Der englische Gruß(Ayo Miseria). Gegrüßt seist Du, Roth, Du bist voll der Gnaden. Du erdrückst und bändigst den Arbeiter, Du marterst feine Eingeweide durch unablässigen Hunger, und verdammst ihn, sein Leben und seine Freiheit für ein Stück Brod zu verkaufen. Du brichst den Geist der Empörung und weihst den Proletarier, sein Weib und seine Kinder der Zwangsarbeit in den kapi- talistischen Zuchthäusern. Heil Dir, Gebenedeite unter den Weibern. Heilige Jungfrau, die du gezeuget hast den kapitalistischen Profit, fei gesegnet, Göttliche, Du marterst die erniedrigte Klasse der Lohnarbeiter. Liebevolle und begnadete Mutter der Mehrarbeit, Erzeugerin der Renten, wach über uns und unsere Kinder. Amen! 4. Anbetung des Goldes. Gold, wunderbare Waare, die Du in Dir ttägst alle übrigen Waaren, Gold, erstgeborne Waare, die alle anderen Waaren zu sich bekehrt, Gott, der Alles zu wägen und zu messen weiß; Du, die vollkommenste, idealste Verkörperung des GotteS Kapital; Du, das edelste, großartigste Element in der Natur; Du, das weder Wurm, noch Schimmel, noch Rost kennt; Gold, unveränderliche Waare, flammende Blume, glänzender Strahl, leuchtende Sonne, Du stets jungfräuliches Metall, das, den Eingeweiden der Erde, der ehrwürdigen Mutter aller Dinge, entrissen, Dich abwen- dest, Dich in den Geldschränken der Wucherer und in den Kellern der Bank vergräbst, und aus dem Versteck, da Du aufgeschichtet ruhst, Deine Kraft auf gemeines, elendes Papier überträgst, auf daß es sie verdop- pele und verzehnfache; Gold, ttäges Metall, das die Welt bewegt, vor Deiner glänzenden � Gerechte Strafe. Infolge der Spremberger Krawalls wird sich auch bei der dortigen Polizei eine Reinigung vollziehen. Der schuldige Polizeisergeant ist, da er unmöglich geworden, um sein« Pensionirung eingekommen.„Ein schuldiger Polizeisergeant unmöz-� lich? Unmöglich!" ruft hier ein zweifelsüchtiger Leser aus. O doch- verehrter Thomas, diesmal wird Ihre hämische Zweifelsucht gründlich abgettumpft, die Thatsache steht fest, bombenfest. Der schuldige Sergeant Schilling ist um seine Pensionirung eingekommen. Was murmeln Sie da? Der Schuldige hieß gar nicht Schilling, sondern Hubrich? Ber- ehrtester, Sie träumen. Erinnern Sie sich doch! Schilling hatte a« 30. April den jungen Rekruten in einer so lächerlich un polizeimäßigen Weise zugeredet, daß sie beinahe friedlich und unbehelligt nach Haus«! gegangen wären, wenn nicht zum Glück Sergeant Hubrich noch schleu- nigst mit dem Säbel dreinzehauen und damit Gelegenheit gegeben hätte, den schändlichen Geist der spremberger Arbeiter zu entlarven. Hubrils hat auf diese Art den Staat gerettet, den Schilling durch polizeiwidrif ruhiges Benehmen in die größte Gefahr gebracht, und darum muj Schilling gehen und Hubrich bleibt. So will es die Gerechtigkeit. J4| Schilling kann von Glück sagen, wenn er überhaupt noch Pension kriegt! von Rechtswegen sollte er mit Schimpf und Schande davongejagt werdeu Ein Polizeisergeant, der zuredet statt zu schnautzen, der besänftigt statt dreinzuhauen— es ist ein Skandal! — Der Streik von Decazeville ist zu Ende. Haben die str«' kenden Bergarbeiter auch nicht alle Forderungen durchgesetzt, so hab«l sie doch die Gesellschaft zum Nachgeben gezwungen, und auch da« ist schon ein Sieg. Bisher hatten fast alle Bergarbeiterstreiks>' Frankreich mit der Niederlage der Arbeiter geendet. Nach wenige Wochen stellte sich Hunger und Elend in einem solchen Grade ein, dai die Arbeiter in ihrer Verzweiflung zu Gewaltthätigkeiten schritten unt so ihrem Feinde die erwünschte Gelegenheit boten, von der bewaffnetet Macht Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung zu verlangen. Wen» es diesmal nicht dazu kam, so ist das in erster Reihe der außer- ordentlich reichen Unterstützung zuzuschreiben, die den Streikenden vv« Nah und Fern zustoßen— wir konstatiren mit Genugthuung, dai unsere deutschen Genossen auch bei dieser Gelegenheit ihr international«� Solidaritätsgefühl bekundet haben, und daß die sozialistische Pr-' Frankreichs diese Thatsache wiederholt rühmend hervorgehoben— fei aber der aufopfernden agitatorischen und organisatorischen Thäti- Baslys. Der schlichte Mann, der im Parlament so muthig für Sache seiner Arbeitsbrüder eingetteten, deren Leiden er 18 J> durchgemacht, erndtet jetzt die Genugthuung für alle Beschimpfungen mit denen ihn die kapitalistische Presse überhäuft. Wir gönnen ihk diesen Triumph von Herzen, denn wir sind überzeugt, daß er ihn n» veranlassen wird, um so fester zur Sache der Emanzipation der Arbeit«! zu stehen. Wunde Ten- daß 1 diesem thun> reine! Lerhä Reh l Mk. gering noch- eine u höchß Aeistei häufig Wal a beit g- tonn i firbeil mit ei dringe erklär Arbeit er de, gewiß ziemli, Die delegt. 'st ni thätig- »achst- Kindei arbeiti schein Lohne Ankoi Och wurde es je Nämli 'st. je und, Rix welch- bei e aber 1 Lech trof »end. betrac iugegs wie e Da d ihn a >uge ?- stiem er sott j er r hatte! So — Revolutionäre Wanderbilder. Ein Arbeiter schreibt un» „Nachdem ich in verschiedenen Blättern über die schlimme Lage d« Arbeiter in Galizien gelesen habe, daß dort die Arbeiter ihren Ausbe« tern am Zahltag noch Geld schuldig bleiben, und ich fast überall daß« bemerkt fand, das könne nur geschehen, weil die galizischen Arbeit« ====�==========J »eröfs aus � **'P Dlüth witzig dffent lan! wäd wich Wnis vrag- welch stand rntge wrack Majestät beugen sich die lebenden Jahrhunderte und beten Dich d müthig an: Verleihe Deine göttliche Gnade den Getreuen, die Dich anrufen, u» die, um Dich zu besitzen, Ehre und Tugend, die Achtung der Männ« und die Liebe des Weibes ihrer Seele und der Kinder ihres Blut«' preisgeben und vor der Verachtung ihrer Selbst nicht zurückschrecken!- ».» KaP der 5? Gold, allerhöchster, unüberwindlicher Gebieter, Du ewig Siegreiche vernimm unser Gebet! Erbauer der Städte und Zerstörer der Reiche, Polarstern der Moral, Der Du die Gewissen trägst, Der Du den Nationen Gesetze vorschreibst und Könige und unter Dein Joch beugst, Vernimm unser Gebet! Du, der Du den Gelehrten die Wissenschaft fälschen lehrst, die Mutter überredest, die Jungfräulichkeit ihres Kindes zu verkauft und den freien Mann zwingst, die Sklaverei der Fabrik auf sich I nehmen, Vernimm unser Gebet! Du, der die Entscheidungen der Richter und die Abstimmungen d< Deputirten kauft, Vernimm unser Gebet! Du, der Du Blumen und Früchte hervorrufst, welche die Natur ni» kennt, Der Du Laster und Tugenden verbreitest, Der Du die Künste und den Luxus ins Leben rufst, Vernimm unser Gebet! Du, der Du die unnützen Tage des Müssiggängers'verlängerst& die Jahre des Arbeiters verkürzest, Vernimm unser Gebet! Du, der Du dem Kapitalisten in seiner Wiege zulächelst und& Proletarier schon im Schooße seiner Mutter mißhandelst, Vernimm unser Gebet! He- Dr Dr All wach, UNS! Do gebüh De «ebül De Bo Dö UNS! F° uns! . Gi flir t Z; Dr »U u, Dr Wähe Gold, unermüdlicher Wanderer, der Du an Schurkereien und C nerkniffen Gefallen hast, erhöre uns! Dollmetscher aller Sprachen, Gewandtester aller Kuppler, Unwiderstehlicher Verführer, Ekchmaß für Menschen und Dinge, erhöre uns! Bote des Friedens, Begünstiger der Zwietracht, Der Du Muße und Ueberarbeit vertheilst, Beistand der Tugend und der Korruption, erhöre unS l Gold, verflucht und angerufen in unzähligen Gebeten, verehrt Kapitalisten und geliebt von Kourtisanen, erhöre uns! Befreier von Gütern und von Uebeln, Unglück und Glück der Menschen, , Dr 'wir listtn 0 Und Und r. lasser �rm> „.Ho Nicht Ka nicht unterrichtet wären, so möchte ich durch Nachstehendes ein Beispiel liefern, daß solches nicht nur in Galizien und Belgien, sondern auch in unserem so hoch zivilisirten Deutschland vorkommt. Auf der zum Hörder Berg- und Hüttenverein gehören- den Zeche Schleswig wurde kürzlich ein für die Arbeiter wirklich recht trauriger Lohntag abgehalten. Ein Arbeiter erhielt für 21 Schichten 28 Mk. Lohn, einem anderen blieben noch 10 Mk. Rest, wieder ein inderer bekam eine 0, und so könnte ich 50 derlei gradezu erbärmliche Bezahlungen der Arbeiter vorführen. Es ist allerdings nicht zu ver- wundern, wenn die Löhne so jammervoll schlecht ausfallen, denn der Generaldirektor genannter Werkschast sprach sich dahin aus, daß 1 Mk. 80 Pfg. für einen Arbeiter reichlich genug wären. Bei diesem Lohne könne der Arbeiter noch Zucker in seinen Kaffee thun und sich täglich 20 Plg. e r s p a r em. Diese Bemerkung ist der reine Hohn auf die Wirklichkeit, wie jeder zugeben muß, der die hiesigen Berhältnisse kennt. Nehmen wir zunächst den ledigen Arbeiter. Derselbe muß hier l Mk. 20 Pfg. bis 1 Mk. 30 Pfg. pro Tag bezahlen, was bei dem Seringsten Preise per Woche 3 Mk. 40 Pfg. ausmacht; hierzu kommen noch 50 Pfg. Krankengeld und 25 Pfg. Steuer, macht also zusammen eine wöchentliche Auslage von 9 Mk. 15 Pfg., bei einer Einnahme von höchstens 10 Mk. 80 Psg. Da es aber vorkommt, daß der Arbeiter Meistens noch eine Schicht in der Woche feiern muß, oder gar, wie es häufig geschieht, um 2 Mk. bestrast wird, so reicht sein Lohn nicht ein- Mal aus, seine Nahrung zu bestreiten. Er muß somit eigentlich zur Ar- i-it gehen, wie er auf die Welt gekommen ist, denn bei diesem Lohn kann er sich unmöglich Kleider anschaffen. Kann sich aber der ledige Arbeiter kaum ernähren, wie soll sich dann der verheiratete Mann Mit einer Familie, die oft 6-8 arbeitsunfähige Personen zählt, durch- bringen? Der genannte Herr aber, welcher diesen Lohn für einen hohen erklärt hat, bezieht für sich allein täglich daffelbe Gehalt, was zirka 60 Arbeiter zusammen verdienen. Wir möchten ihn deshalb fragen, was er denn übrig haben muß, selbst vorausgesetzt, daß er für seine Person gewiß nicht wie ein Arbeiter lebt, und obendrein die Bedürsniffe eines Ziemlich gewichtigen Körpers zu bestreiten hat? IX. A. w. g. Die Arbeiter auf genannter Zeche werden furchtbar viel mit Strafen belegt. Wohin diese Strafgelder verwendet werden, ist mir unbekannt. Es heißt zwar, dieselben werden zu wohl- thätigen Zwecken verbraucht. Daß sie aber dazu nicht dienen, zeigt nachstehender Fall: Ein Arbeiter dieser Zeche, Vater von vier kleinen hindern, verunglückte bei der Arbeit, so daß er auf mehrere Wochen arbeitsunfähig wurde. Er erhielt freilich von der Zeche einen Krankenschein ausgestellt, wonach ihm ein Krankengeld von der Hälfte seines Lohnes, also höchstens 1 Mk., ausbezahlt wurde; da ihm aber bei diesem Ginkommen das Bestreiten seiner Bedürfnisse nicht möglich war, wendete � sich an die genannte Gewerkschaft, um Hülfe zu schaffen. Diese Hülfe Murde ihm nun zu Theil, aber auf eine solch niederträchtige Art, daß rä jedem anständigen Menschen zum Ekel gereichen muß. Er erhielt nämlich von seinem Vorgesetzten ein Schreiben, wonach er angewiesen ist, seine selbst in größter Roth schmachtenden Kollegen anzubetteln und von ihnen den letzten Blutspsennig herauszuholen. Kürzlich war wieder einmal-in Arbeiter auf dieser Zeche verunglückt, welcher jedoch nicht direkt bei derselben in Arbeit stand, sondern nur bei einem auf der Zeche beschäftigten Unternehmer arbeitete. Da er »ber dadurch verunglückte, daß von Seiten der genannten Zeche die r i ch ti g e n S i ch e r h e it s m a ß r e g e l n nicht ge« ioofsen waren, so wurde diese, als an jenem Unglück schuld tra- Send, herangezogen, um dem Verunglückten den ihr zustehenden Unfalls- betrag zu bezahlen. Bei der Untersuchung wurde ein bei dem Unglück ZUSegen gewesener Arbeiter als Zeuge vernommen. Der Mann sagte, wie es ja doch seine Pflicht als Zeuge ersorderte, die Wahrheit aus. Da dieses Zeugniß aber nicht zu Gunsten der Zeche ausfiel, so forderte ihn am andern Tage der Betriebsführer aus, nach dem Amte hin- Zugehen und zu erklären, daß die Aussage, welche er Sestern gemacht, gänzlich gelogen fei. Da der Mann seiner Ehrlichkeit halber dieses aber nicht thun wollte, so wurde ihm so- sort gekündigt und er nach 14 Tagen entlassen, trotzdem er ii Jahre hindurch auf genanntem Werke geschafft hatte! So geschehen in Preußen, dem Staate der S o z ia l r e f o r m. — Französische Spionenriecherei. Unter dieser Spitzmarke »eröffentlicht die„Tante Voß" in Berlin nachstehende Korrespondenz aus Paris: „Paris, 7. Juni.(Priv.-Mitth.) Die Spionenriecherei treibt auch Blüthen, welche mehr Heiterkeit hervorzubringen vermögen, als die witzigsten Einfälle der Komiker. Hier eine Probe. Die„France" ver- bffentlicht aus ihrer ersten Seite, unter der fetten Ueberschrift:„Deutsch- i a n d i n P a r i s", und der zweiten:„Kellner und Blumen- w ä d ch e n", folgende Enthüllungen: Vor einigen Wochen befand ich wich mit einem Offizier in einem Kaffeehaus unweit eines wichtigen Ministeriums. Wir sprachen von einer sehr delikaten militärischen �stage, als der Offizier plötzlich innehielt und auf den Kellner zeigte, welcher zwei Schritte vor uns, anscheinend in's Blaue hineinsehend, da- stand, aber die Ohren spitzte, um sich kein Wort unserer Unterhaltung k>Ugehen zu lassen. Als er sich bemerkt sah, ging er weg. Ich war sprachlos; mein Freund erzählte nun: Vor einigen Tagen habe ich hier Heiler der Kranken und Balsam für die Schmerzen, erhöre uns! Du, der die Welt verzaubert und die menschliche Vernunft verwirrt, Du, der die Häßlichkeit schön macht und die Ungeschicklichkeit schmückt, All-Friedensstister, der die Schande und Ehrlosigkeit achtungswerth wacht und den Diebstahl und die Prostitution zu Ehren bringt, erhöre uns! Du. der die Feigheit mit dem Ruhm beladet, welcher der Tapferkeit g-bührt, Der der Häßlichkeit die Huldigungen zuwendet, welche der Schönheit gebühren, Der der Hinfälligkeit die Liebe verschafft, die der Jugend gebührt, Boshafter Zauberer, erhöre uns! Dämon, der den Mord anstistet und den Wahnsinn entfacht, erhöre uns! Fackel, die die Wege des Lebens erleuchtet, Führer und Beschützer und Heil der Kapitalisten, erhöre uns! * �«ld, König des Ruhms, Sonne der Gerechtigkeit, stlold, Kraft und Feuer des Lebens, erlauchtes Gold» komm' zu uns j Du Liebenswürdiger für den Kapitalisten, Du Furchtbarer 'Ur den Arbeiter, komm' zu uns! � Ipiegel der Genüsse, Du. der dem Nichtsthuer die Früchte der Arbeit zuwendet, komm' w uns! Du, der die Keller und Speicher Derer füllt, die weder ackern, noch "Jien, weder graben noch säen, komm' zu uns! jp Befreier von der Arbeit, die den Menschen entwürdigt und seme �»ffe verdirbt, komm' zu uns! . Du. die Stärke und das Wissen und die Einsicht des Kapitalisten, 0wtn' zu uns! „Du, die Tugend, der Ruhm, die Schönheit und die Ehre des Kapita- stwn, komm' zu uns! „ p komm' zu uns, verführerisches Gold» höchste Hoffnung, Anfang 7» Ende aller kapitalistischen Thätigkeit, alles kapitalistischen Denkens »b alles kapitalistischen Fühlens! Amen. Klage« Kioö Rothschilds, des Kapitaliste«. I Kapital» mein Gott und mein Gebieter, warum hast Du mich ver- fcs[?n? Was habe ich verbrochen, daß Du mich von den Höhen des d Arrnuch? �"�bstürzest und mich erdrückst unter der Last der harten Habe ich nicht gelebt nach Deinem Gebot? Waren meine Handlungen o recht und gesetzlich? »nnst Du mir vorwerfen, daß ich je gearbeitet? Habe ich nicht alle einen Kellner auf der That ertappt. Natürlich beeilte sich der Geschäfts- inhaber, ein grundehrlicher Mann, den Burschen sofort zu entlassen. Er gestand mir, daß er ihn erst am Tage vorher eingestellt hatte. Es gibt dieser Burschen mehrere Hunderte in Paris. Jedes bedeutendere Kaffeehaus, jedes bekannte Restaurant beherbergt ein solch' räudiges Schaf. Dem Wirth wie den andern Kellnern ist es nicht leicht möglich, sie zu entdecken. Das beste Mittel, sie an ihrem nichtswürdigen Ge- schäfte zu hindern, besteht darin, nicht laut zu sprechen. Mein Freund befindet sich in bester Stellung, um die Sache zu kennen, versichert der Verfasser und fährt dann fort:„Die Mädchen, welche Abends Blumen in den Kaffeehäusern, auf dem Boulevard feilbieten, arbeiten für die- selbe Sache, nur etwas anders. Bis auf wenige Ausnahmen sind sie alle deutsche Jüdinnen. Sie bilden unter sich eine Art Verein, kennen sich Alle und �überwachen sich gegenseitig. Jede hat ihr Arbeitsfeld, diese die Kaffeehäuser zwischen der Rue Lafitte und dem Faubourg- Montmartre, jene die der Boulevards Poissonnisre und Saint-Denis. Von Zeit zu Zeit erscheint eines dieser Mädchen, welches eine Stunde vorher bei dem Opernhause gesehen wurde, auf dem Place de la Republigue. Es ist eine Busseherin, die Oberspionin der anderen Spioninnen. Diese Mädchen schöpfen aus mehreren Quellen. Sie gehören gleichzeitig zur deutschen und zur französischen Polizei, welche letztere sie gelegentlich zu gewissen niedrigen Diensten gebraucht. Bei Beobachtung dieser schmutzigen Welt ist mir oft die Kameradschaft auf- gefallen, welche zwischen diesen Blumenmädchen, den Wirthen und Bs- sucherinnen der verdächtigen Kaffeehäuser, sowie den Polizisten besteht. Eine hübsche Gesellschaft, nicht wahr?" Dem geängstigten Patrioten, welchen diesen Nothschrei ausstößt, kann man ohne weiteres zugestehen, was er über die französische Polizei sagt. Er muß es ja am besten wissen und gewisse Gerichtsverhandlungen und Enthüllungen lassen in dieser Hinsicht gar Vieles glaublich erscheinen. Aber um alles in der Welt, was sollen deutsche Spione und Spioninnen unter der Gesellschaft von zum Theil ausländischen Lebemännern und lüderlichen Dirnen, welche in allen feinen Pariser Kaffee- und Speisehäusern vorherrschen? Wenigstens wäre man in Deutschland nie auf den Einfall gekommen, zu glauben, daß die lüderlichen Dirnen, welche jetzt allabendlich die Boulevards wie die Heuschrecken überfluthen, in die Geheimnisse der französischen Kriegskunst eingeweiht sind. Doch hier ist am Ende Alles möglich." Soweit die Korrespondenz der„Vosstschen Zeitung". Ganz so spaß- Haft ist die Sache nun allerdings nicht; sie hat im Gegentheil einen sehr ernsten Hintergrund, sonst würden wir die Notiz nicht abgedruckt haben. Ob die preußische Polizei in P a r i s mit Hülfe der Kellner operirt, das wissen wir freilich nicht, aber das wissen wir— und ge- legentlich der schmachvollen Auslieferung Deuts ch-Bulighins brachten schon eine dahin zielenoe Warnung— aber das wissen wir, daß die preußische Geheimpolizei sich mit Vorliebe der Kellner be- die nt; d aß z a h lr e i che K e l lner i m S o ld e der preußi- schen Polizei stehen, und daß unter den Kellnern wirkliche, in regulärem Dienst stehende Polizei- b e a m t e sind. Der Kellner in Freiburg, durch welchen Bulighin denunzirt wurde, stand im Dienste der Polizei; und in allen Städten Deutschlands, wo es ein organisirtes Spitzelthum gibt, arbeiten Kellner für die Polizei. Am ärgsten ist das in Berlin, wo Hunderte von Kellnern Spitzeldienste verrichten. Und der„Vossischen Zeitung" sollte das nicht unbekannt sein. Oder hat sie etwa des famosen, gegen einen an- gesehenen Künstler gerichteten Majestätsbeleidigungsprozesses vergessen, in welchem ein Kellner als Denunziant fizurirte? Es steht überhaupt den deutschen Zeitungen sehr schlecht an, sich über die französische Spionenriecherei lustig zu machen. Einer Regierung, die im eigenen Lande, zur„Ueberwachung" der eigenen„Unter- thanen", notorisch eine ganze Armee von Spitzeln und azsiit- provooateura besoldet, kann man doch wahrhaftig auch zutrauen, daß sie zur Ausspionirung fremder Staaten, namentlich desjenigen, welchen sie durch ihre Preßreptilien tagtäglich als„Erbfeind" erklären läßt, dieselbenMittel anwendetwie«m eigenenLand. Oder glaubt etwa die„Vosstschs Zeitung", die Brodgeber der Jhring- Mahlow, Schmidt, Friedemann, Weih und Konsorten hätten Gewissens- bedenken, die Franzosen ebenso zu behandeln wie die d e u t- schen Staatsbürger? Zum Schluß sei noch bemerkt, daß wir sehr gute Gründe haben, die Materie jetzt zur Sprache zu bringen. T. Der erste Theil des österr. Sozialistengesetzes(die Aufhebung der Schwurgerichte für sozialistische— pardon, anarchistische Vergehen it.), wurde mit kolossaler Majorität angenommen. Die Abstimmung erfolgte in derselben Wesse, wie sie von uns vorhergesagt wurde. In zweiter Lesung wurde das Gesetz mit 179 gegen 39 Stimmen, in dritter Lesung mit 186 gegen 46 Stimmen, also stets mit der erforderlichen Zweidrittel-Majori- tät angenommen. Nicht weniger als 140 Mitglieder hatten sich absen- tirt(auf deutsch„gedrückt"). Der deutsch- österreichische Klub hielt geradezu fulminante sozialistische Reden, stimmte aber mit wahrer Todes- Verachtung für das Gesetz. Der jungtschechische HanSwurst G r e g r erklärte sich und das ganze österreichische Parlament für Sozialisten, erkannte in dem Sozialismus eigentlich nur den Kampf gegen Hunger und Roth und rief schließlich pathetisch aus, daß er„vielleicht" Genüsse gekostet, welche meine Millionen und meine Sinne mir erlaubten? Habe ich nicht Männer. Frauen und Kinder Tag und Nacht bis zur Erschöpfung und darüber hinaus in meinen Dienst gespannt? Habe ich ihnen je mehr als einen Hungerlohn gegeben? Hat mich die Nolh und Verzweiflung meiner Arbeiter je gerührt? Kapital» mein Gott, ich habe die Maaren, die ich verkaufte, ver- fälscht, ohne mich darum zu kümmern, ob ich die Konsumenten vergifte. Bis auf die Haut habe ich die Gimpel gerupft, die auf den Leim meiner Prospekte gegangen. Ich habe nur gelebt, um zu genießen und mich zu bereichern, und Du hast meine tadellose Aufführung, mein des Lobes werthes Leben gesegnet, indem Du mir gewährtest Frauen und Kinder, Hunde und Knechte, die Freuden des Leibes und die Freuden der Eitelkeit. Und jetzt habe ich Alles verloren und bin ein Ausgestoßener geworden. Meine Konkurrenten freuen sich über meinen Ruin und meine Freunde wenden sich von mir ab; sie verweigern mir sogar Vorwürfe und un- nütze Rathschläge, sie kennen mich nicht mehr. Meine Mätressen bespritzen mich auf der Straße mit den Karossen, die ich ihnen mit meinem Gelde gekauft. Das Elend legt sich um mich, und gleich den Mauern eines Gefäng- nisses trennt es mich von der übrigen Menschheit. Ich bin allein und Alles in mir und außer mir ist trübe. Meine Frau, die kein Geld mehr hat, um sich zu schminken und ihr Gesicht zu verkleiden, erscheint vor mir in ihrer ganzen Häßlichkeit. Mein Sohn, erzogen zum Nichtslhun, begreift nicht einmal die Tragweite meines Unglücks— Idiot, der er ist! Die Augen meiner Tochter fließen wie zwei Bäche in der Erinnerung an die versäumten Heirathspartien. Aber was sind die Leiden der Meinigen gegen mein Unglück? Da, wo ich als Herr befohlen, jagt man mich fort, wenn ich mich als Unter- gebener anbiete! Alles ist Koth und Stank für mich in meiner Höhle. Mein von der Härte meines Lagers zerschundener und von Wanzen und schmutzigen Insekten zerbissener und zerstochener Körper findet keine Ruhe mehr; meine Seele kostet nicht mehr den Schlaf, der Vergessenheit bringt. O wie sind die Elenden glücklich, die von jeher nur Armuth und Schmutz gekannt! Sie wissen nicht, was zart und lieblich ist, ihre dicke Haut und ihre abgestumpften Sinne empfinden keinen Ekel. Warum inich das Glück kosten lassen, um mir nichts zu lassen als die Erinnerung, blinkender denn eine Spielschuld? Besser wäre es gewesen, o Herr, mich in Elend geboren werden zu lassen, als mich zu verdammen, darin zu verkommen, nachdem Du mich im Reichlhum erzogen. Was kann ich thun, um mein armseliges Brod zu erwerben? Meine Hände, die nur Rinae getragen und mit Banknoten zu thun gehabt haben, können keinerlei Werkzeug Hantiren. Mein Hirn, welches sich nur damit beschäftigte, die Arbeit zu fliehen, von den Ermüdungen des Reich- thums auszuruhen, die Langeweile des Nichtsthuns loszuwerden und über den Ekel der Uebersättigung hinwegzukommen, ifi nicht fähig zu der Aufmerksamkeit, die erforderlich ist, Briefe abzuschreiben und Zahlen zu addiren. gegen das Sozialistengesetz stimmen werde. Die Pritsche dem Narren! Durch die Bemühungen der Opposition wurde aus dem Sozialisten- gesetze ein Anarchistengesetz gemacht. Mit der Namensänderung ist aber so viel wie gar nichts gethan worden, da es den Richtern vorbehalten bleibt, von Fall zu Fall zu entscheiden, was unter Sozialismus und Anarchismus denn eigentlich zu verstehen sei. Und dessen sind wir sicher, ist es einem von„oben" mal bestimmt, im k. k. Kerker sitzen zu müssen, und wäre es selbst ein Mann wie der selige Schultze-De- litzsch, so würde die österreichische Justiz ihm die schrecklichste anarchi- stlsche Gesinnung nachzuweisen in der Lage sein. — le roi de Prasse hat das Leipziger Reichsgericht gearbeitet, als eS den Leipziger Reichsagitator, Professor Birnbaum aus den Maschen des gerichtlichen Erkenntnisses befreite, das ihn wegen ganz besonders unwürdigen und gemeinen Schwindels zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt hatte. Ein Jahr Gefängniß für einen Reichs- agitator und Sozialistenfresser, der jahrelang als Säule der Staats- und Gesellschaftsordnung gepriesen worden, das war freilich eine fatale Thatsache, die, wenn irgend möglich, aus der Welt geschafft werden mußte und allen Scharfsinn des Leipziger Reichsgerichts herausforderte. Und richtig, vermittelst einer besonders guten Lupe wurde auch ein winziges Formfehlerchen gefunden und vermittelst desselben in die Maschen des Erkenntnisses ein gehöriger Riß praktizirt. Ehren-Birnbaum war zwar noch nicht frei, aber eS war ihm doch ein Rsttungsseil hin- geworfen. Leider verlorene Liebesmühe. Ehren-Birnbaum konnte vom Rsttungsseil keinen Gebrauch machen, weil er bei Begehung der ihm zur Last gelegten Schwindeleien mit kolossaler Ungeschicklichkeit operirt und sich jeglichen Ausweg verrammt hatte. Und so half ihm denn der vom Reichsgericht freundlich dargereichte Rettungsstrick nichts: das Dresdener Landgericht mußte den reichstreuen Schwindelagitator und Ordnungsheld ebenso verurtheilen, wie das Leip- ziger Landgericht es vorher gethan hatte. Herr Birnbaum kann nun ein Jahr lang über das Problem der Staats- und Gesellschaftsrettung nachdenken. Vielleicht findet er beim biederen Otto noch einen Unterschlupf. — Belgien. Der für Pfingsten an Stelle der verbotenen Demon- stration nach Brüssel einberufene Kongreß der belgischen Arbeiterpartei war von zirka 500 Delegirten besucht, die folgende Beschlüsse faßten: 1) Einstweilen die gesetzliche Agitation für Erlangung des allgemeinen Stimmrechts fortzusetzen; 2) von einer allgemeinen Arbeitsein st ellung als Antwort auf das Verbot der Demon- stration zunächst abzusehen; 3) auf den 15. August, den belgischen Nationalfeiertag, eine neue Manifestation einzuberufen. Die Stimmung auf dem Kongreß, sowie auf einer Tags darauf einberufenen Volks- Versammlung war eine enthusiastische. Die Ruhe wurde in keiner Weise gestört. Die abgeschmackten Vorsichtsmaßregeln(es wurde massenhaft Militär konsignirt), die der liberale Bürgermeister Buls im Verein mit dem klerikalen Minister Bernaert getroffen, und in denen sich das schlechte Gewissen der Bourgeoisie offenbarte, erwiesen sich als durchaus überflüssig. Wenn die Liberalen ihren Haupttrumpf gegen das allge- meine Wahlrecht ausspielen wollten, so behaupteten sie bisher stets mit Emphase, sie seien nur deswegen gegen dasselbe, weil es, bei oer Unwissenheit des Volkes, die Ultramontanen an das Ruder bringen würde. Nun, am 8. Juni hat sich die Richtigkeit dieses Arguments wieder glänzend bewährt. Bei den an diesem Tage vorgenommenen Ergävzungswahlen haben die hochgebildeten und uneigennützigen Zen- s u s- Wähler den Klerikalen eine Majorität geliefert, wie sie dieselben seit 1830 in der Kammer nicht besessen. Sie haben jetzt die � 3 Majorität und können ungehindert im Lande schalten und walten. Hoffentlich thun sie ihren Gefühlen keinen Zwang an, damit dem Volke immer mehr die Augen ausgehen. Da sie nicht so dumm sein werden, ein Wahlrecht, das ihnen so schöne Früchte gebracht, freiwillig abzuändern, so mindern sich aber auch immer mehr die Aussichten auf eine friedliche Durchsetzung der Forderungen des Volkes. Jndeß, so oder so, es muß auch in Belgien „doch Frühling werden". — Bon Nah und Fern. Wahrscheinlich um die Herren von der Finanz für die Ausweisung der Prinzen zu entschädigen, hat die fran- zösische Regierung die Sozialisten Guesde, Lafargue, Dr. Susini, sowie Louise Michel wegen ihrer Ausführungen in einer am 3. Juni in Chateau d'Eau stattgehabten Versammlung in Anklage« zustand versetzen lassen. Guesde und Lafargue haben sich namentlich dadurch den Zorn der Geldmächte zugezogen, daß sie die Rothschilds als die Seele der monarchistischen Verschwörung bezeichneten und hinzu- fügten, daß man diesen Leuten zu Leibe gehen müsse, wenn man die Republik sichern wolle. Daß die Rothschilds it. gegen die Republik kon- spiriren, weiß in Paris jedes Kind, aber— heilig ist das Kapital und Rothschild ist sein Prophet.— In London spielte sich in diesen Tagen wieder ein Konflikt um das Versammlungsrecht auf offener Straße ab. Ein Polizist hatte in Stratsord, einem kleinen Vorort Londons, eine Anzahl Menschen, die auf dem Broadway dem Vortrage eines Mitglieds der sozialistischen Liga zuhörten, unter vem Vorwand, sie verübten eine Störung des Verkehrs, zum Auseinandergehen ausgesordert, und, weil sie nicht Folge leisteten, den Redner und zehn Andere zur Wach- ststirt. Daraufhin waren sie vom Ist es denn möglich, Herr, daß Du einen Menschen so erbarmungslos schlägst, der nie auch nur einem Deiner Gebote ungehorsam war? O es ist schlecht, es ist ungerecht, es ist unmoralisch, daß ich die Güter verliere, welche die Arbeit Anderer so mühsam für mich auf« gehäuft hatte. Wenn die Kapitalisten, meine ehemaligen Genossen, mein Unglück sehen, so werden sie erfahren, daß Deine Gnade Laune ist, daß Du sie gewährst ohne Grund, und sie zurücknimmst ohne Ursache. Wer wird dann an Dich glauben wollen? Welcher Kapitalist wird verwegen, sinnlos genug sein, Dein Gesetz anzunehmen, sich im Nichtsthun, im Prassen und Schlemmen zu verweich- lichen, wenn die Zukunft so unsicher, so bedrohlich ist? Wenn der leiseste Wind, der an der Börse weht, die bestangelegten Vermögen fortbläst? Wenn nichts Bestand hat? Wenn der Reiche von heute der Bettler von morgen sein kann? Die Menschen werden Dir fluchen, Gott-Kapital, wenn sie meine Er« niedrigung betrachten, sie werden Deine Macht leugnen, wenn sie die Tiefe meines Sturzes berechnen, sie werden Deine Gunst zurückweisen. Um Deines Ruhmes willen setze mich wieder in meine verlorene Po- sition ein. Erhebe mich aus meiner Versunkenheit, denn mein Herz füllt sich mit Galle, und Flüche drängen sich auf meine Lippen l Wilder Gott, blinder Gott, stupider Gott, hüte Dich, daß die Reichen nicht endlich ihre Augen öffnen und bemerken, daß sie sorglos und un- bewußt am Rande eines Abgrunds wandeln! Zittere, daß sie Dich nicht hineinwerfen, um ihn zu füllen, daß sie sich nicht mit den Kommunisten verbinden, um Dich zu stürzen. Doch welche Gotteslästerung stoße ich aus? Mächtiger Gott, vergib mir diese thörichten und verbrecherischen Worte. Du bist der Meister, der die Güter austheilt, ohne nach dem Verdienst zu fragen, und sie nach Deinem Gefallen zurücknimmst. Du weißt, was Du thust. Du zerschmetterst mich in m-i.nem Interesse, zu meinem Wohle prüfst Du mich. O holder und liebenswürdiger Gott, schenke mir Deine Gunst wieder I Du bist die Gerechtigkeit, und wenn Du mich schlägst, so habe ich unbe« wüßt irgend einen Fehl begangen. O Herr, wenn Du mir meinen Reichthum wieder gäbest, so gelobe ich, Deine Gesetze noch strenger zu befolgen. Ich werde die Lohnarbeiter mehr und besser ausbeuten, die Konsumenten noch listiger �betrügen, die Aktionäre noch vollständiger rupfen. Ich krieche vor Dir, wie der Hund vor dem Herrn, der ihn prügelt. Ich bin Deine Sache: Dein Wille geschehe! Wortgetreue Abschrift bescheinigt Schluß l Paul Lafargue. Polizeirichter auf Grund der Aussagen deS Polizisten zu verschiedenen nicht unbedeutenden Geldstrafen verurtheilt worden. Aber sie erklärten, ihr Recht nicht aufgeben zu wollen. Am nächsten Samstag hielten sie an gleicher Stelle dort ein Meeting ab, auf welchem Dr. A v e l i n g, W. Morris u. A. sprachen, und das statt 100: WO Personen zählte. Und die Polizei überzeugte sich, daß der Verkehr nicht gestört wurde, und ging ihrer Wege.— Die Polizeidirektion des Kantons Zürich hat am 10. Juni einen Erlaß verfügt, der den streikenden Schlostern sogar verbietet, ihren arbeitenden Kollegen auf der Straße zum Niederlegen der Arbeit zuzureden. In einer am 12. Juni im Saale des alten Schützenhauses zu Zürich abgehaltenen großen Versammlung wurde zwar, nachdem Conzett und mehrere andere Schweizerbürger den Erlaß als einen Nebergriff scharf gekennzeichnet, ein energischer Protest gegen denselben beschlossen, die Polizei fuhr aber in ihrer einmal einge- schlagenen Praxis fort, in deren Folge es am 15. Juni zu ernsteren Zusammenstößen zwischen der Polizei und den erbitterten Arbeitern kam. Wir können den Kommentar zu diesen Vorgängen unsern schweizerischen Genoffen um so eher überlaffen, als sie den festen Willen dokumentirt haben, jedem Versuch, ihre Rechte zu verkümmern, entschloffenen Wider- stand zu leisten.— Herr von Richthofen, der Verl in erPolizei- Präsident, hat die Zentral-Reise-Unterstützungsiasse für wandernde Töpfer Deutschlands für einen politischen Verein erklärt und auf Grund des preußischen Bereinsgesetzes a u f g e- l ö st.„Laß sie betteln gehen, wenn sie hungrig sind."— Die Braun- schweizer Polizei hat eine V e r f a m m l u n g vonMaurern, die mit ihren Meistern in Lohnkampf lagen, unter der schlauen Motivi- rung verboten, daß die Meister einen Theil der Forderungen ja bewilligt hätten, was aber die Arbeiter darüber hinaus verlangten, sei sozialistische Agitation und verfalle dem Schandgesetz. Auch Sammlungen von Geldern für die Streikenden wurden untersagt. Ihr naht Euch wieder, Tage der väterlichen Volizeifuchtel!— In Paris, GreifSwald und Budapest gab es in den vorigen Wochen Studentenkrawalle. In den ersten beiden Fällen handelte es sich um Demonstration gegen zu strenge Profefforen, in dem letzteren um eine chauvinistische Demonstration. Für Anderes entflammt sich unsere akademische Jugend nicht mehr. In Budapest ließen sich leider auch Arbeiter zur Theilnahme an der Demonstration verleiten. Zur Be- lohnung dafür wurden sie, als die Studenten sich zurückzogen, weil die Polizei ernsthaft einschritt, Gesindel rc. getauft.— Aus Rußland wird eine Anzahl von Arbeiterverhaftunzen gemeldet, geheime Arbeiter- Verbindungen sollen entdeckt worden sein rc.:c. Dafür scheint aber die neueste Generation der ruffischen Studenten sich vollständig nach dem Muster ihrer westeuropäischen Saufkommilitonen zu entwickeln. Ein Zeichen der Zeit! — AnS Dänemark. Der politische Kampf, welchen wir nun schon feit Jahren mit dem Ministerium Estrup zu bestehen haben, dient selbstverständlich unserer Sache auf das beste. Das zeigt sich jedes Mal, sobald wir bei einer oder der andern Gelegenheit die Waffen, welche sich unserer Partei angeschloffen haben, in Bewegung setzen. Schon voriges Jahr berichtete ich Ihnen von einer sozial-demokratischen Massenversammlung, an welcher nach ziemlich genauer Schätzung 60,000 Personen theilnahmen. Heute nun kann ich Ihnen berichten, daß an dem Feste, welches wir am 5. Juni d. I. zur Feier der Ein- führung des Grundgesetzes auf dem Nörresälled ab- hielten, jene Zahl noch bei weitem überstiegen wurde, daß man die Theilnehmer auf mindestens 80,000 schätzen konnte. Sie werden diese Zahlen vielleicht für sehr übertrieben finden, doch kann ich Ihnen mit Bestimmtheit versichern, daß wir 40,000 Festzeichen hatten an- fertigen laffen, diese aber bevor noch der Umzug, von dem ich weiter unten sprechen werde, eingetroffen war, bereits vollständig vergriffen waren, so daß wohl die Hälfte der Festtheilnehmer ohne Festzeichen verbleiben mußten. Wie jedes Jahr am 5. Juni arrangirten wir auch dieses Jahr wieder einen Umzug bestehend aus sämmtlichen sozial'demokratischenWähler- undFachvereinen. Die Theilnehmer an demselben wurden von vier hiesigen Tagesblätter aus zirka 3 0,000 geschätzt. Der Sammelplatz war das ausgedehnte Nörre-Boulevard, welches sich des Mittags zwischen 1 und 2 Uhr mit einer unüberseh- baren Menschenmenge füllte. Zwanzig Minuten nach 2 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. An der Spitze marschirte das Festkomite sowie die zwei sozial-demokratischen Abgeordneten Holm und H ö r d u m; dann kamen die Mitglieder der Redaltion des hiesigen„Sozial-Demo- kraten"; nach diesen zwei prächtige rothe Fahnen, von welchem die eine der früheren„Internationale" angehörte, und dann 13 7 Vereine, be- gleitet von 20 Musikkorps und einer Unmaffe rothen Fahnen; auch eine Masse alter Jnnungs- und Dannebrogs-Fahnen waren vertreten. Allgemeine Aufmerksamkeit erregte es, daß die Frauen dieses Jahr eine eigene Abthetlung bildeten, welche über 2000 Theilnehmer zählte. Um an einem bestimmten Punkt vorbei zu kommen, brauchte der Zug 1 Stunde 15 Minuten. Nach und nach, als der Zug auf den Festplatz eintraf, wurden die Fahnen auf und um die Rednertribüne plazirt, welche dadurch ein überaus malerisches Aussehen erhielt. Gegen 6 Uhr des Abends wurde die Kopf an Kopf gedrängt stehende Versammlung vom Vorsitzenden des Festkomites P. K n u d s e n, eröffnet, worauf der Folkethingsabgeordnete Genoffe P. Holm den Vorsitz übernahm. Genoffe C. H ö r d u m war der erste Redner, welcher über „das Grundgesetz und die Freiheit" sprach und in scharfen Worten die sreiheitsfeindlichen Bestrebungen der Regierung und ihrer Anhänger geißelte. Der zweite Redner, Journalist Eh. Meyer, sprach über den S o z i a l i s m u s und der dritte osstzielle Redner, Maler I. I e n s e n, über die Organisation. Sämmtliche Reden wurden mit großer Begeisterung aufgenommen. Nach Schluß des offiziellen TheileL vertheilten sich die Festtheilnehmer auf dem überaus großen Fefiplatz, um ihr mehr oder weniger frugales Abendeffen einzunehmen, wozu namentlich die Theilnehmer an dem ermüdenden Umzüge in hohem Maaße drängten. Im Laufe des Tages liefen eine Maffe Telegramme von Nah und Fern ein, welche als ein Zeichen dafür betrachtet werden können, daß die Genossen allerorts begreisen, welche ungemein hohe Bedeutung dieses Fest für die sozial-demokratische Bewegung Dänemarks besaß. Denn selbstverständlich benutzen wir die Einführung des Grundgesetzes nur als agitatorisches Mittel und nicht des Gesetzes wegen.?. K. In Sachen§. A. Schramm contra den Verfasser der Artikel:„KW moralischer Kritiker und seine kritische Moral.« Auf Wunsch deutscher Freunde*) gebe ich hiermit die nachstehende Erklärung ab, mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß nur die Rücksicht auf den unangenehmen Eindruck, den ein EhrenbeleidigungSprozeß zwischen Sozialisten zweifelsohne hervorbringen würde, mich dabei geleitet hat. Erklärung. Herr C. A. Schramm hat verschiedenen Genoffen gegenüber erklärt, er werde von der gegen mich eingeleiteten Klage Abstand nehmen, falls der gegen ihn im„Sozialdemokrat" erhobene Vorwurf, er habe Zi- täte gefälscht, öffentlich zurückgezogen werde. Darauf habe ich Folgendes zu erklären: Ich kann schon deshalb den Vorwurf der Zitatenfälschung nicht zurück- nehmen, weil ich ihn nicht erhoben. Ich habe Herrn Schramm vorge- warfen, daß er unrichtig zitire, und habe vor falschen Zi- taten in seiner Schrift gewarnt. Aber unrichtiges Zitiren braucht nicht nothwendigerweise eine Frucht bewußten Fälschens zu sein, und *) Unter Andern schrieb mir Genoffe Liebknecht: Lieber Freund! Du weißt, daß ich mit dem Inhalt Deiner Artikel über die Schramm'sche Broschüre voll und ganz einverstanden bin; aber um einen Prozeß zu vermeiden, den D u zwar gewiß nicht zu fürchten hättest, der aber sicher nicht im Interesse der Sache wäre, bitte ich Dich doch. Schramm die von ihm verlangte Bescheinigung auszustellen, daß Du mit dem Ausdruck:„falsche Zitate" ihn nicht als Fälscher im krimi- n e l l e n Sinn« des Wortes hast hinstellen und seine bürgerliche Ehre nicht hast angreifen wollen. Das kannst Du thun, ohne Dir irgend-> wie etwas zu vergeben rc. Dein W. L. grade mit Rücksicht darauf habe ich absichtlich nicht von gefälschten, son- dern nur von falschen Zitaten gesprochen. Wenn also Herr Schramm im Interesse seiner bürgerlichen Ehre Werth darauf legt, daß ich erkläre, den Ausdruck falsch nicht im kriminellen und ehrenrührigen Sinne des Wortes„gefälscht" ge- braucht zu haben, so sei diese Erklärung hiermit abgegeben. Weiter zu gehen bin ich jedoch nicht in der Lage, sondern halte im Uebrigen Alles aufrecht, was ich in meiner Rezension über die Schrift des Herrn Schramm geschrieben habe. Leo. Korrespondenzen. VscherSleben, Provinz Sachsen. Durch das Branntweinsteuergesetz soll, wie jedes Kind weiß, den armen Gutsbesitzern und den Schnaps- brennern auf die Beine geholfen werden. Unter solchen Umständen ist es sicher doppelt interessant zu erfahren, wie es bei einem solchen armen hilfsbedürftigen Schnapsbrenner zugeht. Ein Bild solchen selbständigen Gutsbezirks genügt, um sie alle zu kennen. Im hiesigen Kreise liegt u. A. der selbständige Gutsbezirk Haus Nienburg, deffen Besitzer natürlich bei einer Zuckerfabrik be- theiligt ist und auch Brantweinbrennerei betreibt. Bei der Reichstagswahl geben sämmtliche Gutsinsaffen mit lobens- werther Einmüthigkeit ihre Stimmen ab. Im Bericht lesen wir stets: Haus Nienburg: Wahlfähig Abgegebene Stimmen Konservativ Liberal Sozialdemokr. 30 30 80—— Früher ließ der Amtmann Petsch manchmal nationalliberal stimmen. Der Amtmann ist Wahlvorsteher; jeder Wähler, ob Inspektor, Diener, Gärtner, Brenner, Knecht u. f. w. erhält einen Zettel, den er abgeben muß, und dann ist die Sache gemacht. Vor 5 Jahren meinte ein nationalliberaler Inspektor einmal, als er den konservativen Zettel erhielt, ganz schüchtern: Wir haben doch voriges Mal nationationalliberal gewählt?—„Und diesmal wählen wir konservativ, verstanden?" schnauzte ihn Petsch an. Und der Inspektor verstand ihn. Petsch ist unverheirathetet. In früheren Jahren war er jeder Schürze nachgelaufen, allein leider kam er einmal übel an, und ein Leiden, das er nie ganz los wird, ist die Folge davon gewesen. Seitdem beschränkt er die Beweise seiner Liebe aus drei Schwestern, welche sämmtlich Kinder von ihm haben. Die erste mußte der Gärtner Heirathen, der Beglückte darf sich aber nur nebenbei erlauben, sich als Gatte zu betrachten. Zu den andern beiden Schwestern hat sich nun kein Ehemann mehr gefun- den, mehrere undankbare Inspektoren haben sich dem Glück, so verhei- rathet zu werden, durch plötzliche Aufgabe ihrer Stellung zu entziehen gewußt. Wer nicht in allen Stücken parirt, ist auf Haus Nienburg schlimm daran. Aber die Unschuld der Jugend wird zum Glück durch die drei Schwestern geschützt, die den bald nicht recht kranken, bald nicht recht gesunden Amtmann Petsch nicht aus den Augen lassen. Petsch verstand es auch, aus der Brennerei einen großen Nutzen zu ziehen, leider wurde die kolossale Betrügerei entdeckt und, nicht etwa Petsch, wohl aber der Brennmeister unter Anklage gestellt. Der Brennmeifier nahm Alles auf sich und wurde zu 80,000 Mk. Strafe oder 2 Jahren Haft verurtheilt. Diese Haft hat er angetreten, da er Vermögen nicht besitzt; doch soll, wie man hört, dem armen Brennmeister die Strafe bis auf 3 Monate im Gnadenweg erlassen worden sein. Daß der vielgeplagte Amtmann Petsch die Frau des Brennmeisters auch gleich 2 Jahre lang trösten sollte, wäre bei bewandten Umständen sicherlich zu viel von ihm verlangt gewesen. Es lebe die Gerechtigkeit! Fenerbach bei Stuttgart. Es ist das erste Mal, daß wir den Raum des Parteiorgans in Anspruch nehmen, und diese erste Korrespon- denz soll einer Schilderung der hiesigen Arbeitsverhältnisse gewidmet sein. Alles in Allem ist die Lage der Arbeiter hier wie überall: lange Arbeitszeit und schlechte Löhne! Unsere Fabrikpaschas ver- stehen es sehr gut, den Leuten das Geld aus der Tasche zu praktiziren. Wir haben hier meist chemische Fabriken, in denen ja die Ge- sundheit der Arbeiter am schnellsten ruinirt wird. Es könnte zwar, wenn die Herren Ausbeuter ihre Arbeiter mit den nöthigen Schutzmitteln ver- sehen würden, viel Abhilfe geschaffen werden, aber das würde Geld kosten, und für den Arbeiter zum Schutze seiner Gesundheit Geld aus- geben— Unsinn! Diese Waare kann man ja billig genug bekommen, sie liegt zu Tausenden auf der Landstraße. Nun zu den Besitzern dieser Zuchthäuser, denn eine andere Be- Zeichnung kann ich für die Etablissements der biedern Wohlthäter der Menschheit nicht finden, unter denen ich eine kleine Blumenlese halten will. Die größte der hiesigen chemischen Fabriken gehört einem gewissen Hauff. In dieser Fabrik mußten die Arbeiter bis vor kurzer Zeit täglich 16— 13 Stunden arbeiten, wofür sie einen Lohn von Mk. 2.50—3.50 erhielten. Eine sehr gute Bezahlung für 1'/, Tage Ar- beitszeit, denkt dieser Biedermann; denn zu was sind die Arbeiter anders da, als um den großen Haufen weiter anhäufen zu helfen? Ehren-Hauff versteht es jedoch, feine 18 Stunden-Schmach mit dem Mantel der Arbeiterfreundlichkeit zu decken. Er hat nämlich einigen Arbeitern Häuser bauen lassen, die sie ihm freilich auch theuer genug bezahlen müssen; ferner brauchen seine Arbeiter kein Krankengeld zu bezahlen, denn der gnädige Pascha sagt: Wenn meine Arbeiter krank werden, dann bezahle ich ihnen ihren vollen Lohn. Das ist doch gewiß genug? Ganz recht, betrachten wir aber die Kehrseite der Medaille. Der Arzt, ein Geschäftsmann trotz Hauff, läuft täglich zweimal zu den Kranken, und da er für jeden Gang eine Mark verlangt, der Patient auch noch die Apotheke zu zahlen hat, so kann man leicht ausrechnen, was dem armen Arbeiter von dem„vollen Lohn" übrig bleibt: nämlich nichts. Der Name des klugen Heilkünstlers ist Z e l l e r. Nun zu dem zweiten Musterfabrikanten. Es ist dies ein Herr Vögten- berger, ebenfalls Besitzer einer chemischen Fabrik, ein Leuteschinder, wie er im Buche fleht. Dieser bezahlt seinen Arbeitern täglich Mk. 1.40 bis 2.40. Die Beschäftigung in seiner Fabrik ist so gesundheitsschädlich, daß den Arbeitern in 2-3 Jahren am ganzen Körper Löcher aufbrechen, aber sobald es so weit ist, wird der Arbeiter vorsichtig— auf das Pflaster geworfen! Dann kann er zusehen, in welchem Winkel er verhungern muß, denn von seinem Ausbeuter hat er nicht das Mindeste zu erwarten. In allen diesen Fabriken werden übrigens nur solche Leute genommen, welche beim Militär waren, denn diese sind ja an todten Gehorsam gewöhnt. Bei seinem Eintritt in die Fabrik muß der Arbeiter sich durch Unterschrift verpflichten, innerhalb 3 Jahren nach seinem Austritt aus dem Geschäft in keinem ähnlichen Geschäfte wieder in Arbeit zu treten. Ferner wird den Arbeitern in Gestalt eines Prämienscheines eine Kette an die Füße gelegt, daß sie keine Bewegung machen können, die ihrem Ausbeuter nicht gefällt. Die Sache verhält sich so: dem Ar- beiter werden täglich 20 Pfg. abgezogen, und wenn dann das Jahr um ist, wird ihm der Betrag mit etwas Zins ausbezahlt. Der Fabrikant macht ihm dann weiß, der Mehrbetrag des Geldes sei eine Prämie von ihm für treugeleistete Dienste. Läßt sich nun der Be- sitzer eines solchen Scheines das kleinste Versehen zu Schulden kommen, so wird er einfach hinausgeschmissen— natürlich ohne sein Prämiengeld, das behält dann der Ausbeuter zurück. Klagen kann der Arbeiter nicht, denn er hat ja in seiner Einfalt das famose Schriftstück unterschrieben, das ihn dem Arbeitgeber gegenüber völlig wehrlos macht.(Schluß f.) — Möbelarbeiter, insbesondere Schreiner, aufgepastt! ES treiben stch in Deutschland und Frankreich Agenten herum, um Arbeiter Eurer Branche nach Nordamerika zu engagiren. Es handelt sich, Eure dortigen Kollegen, die sich im Kampfe um die achtstündige Arbeitszeit besinden, lahm zu legen. Laßt Euch daher nicht hinter's Licht führen. Habt Ihr erst Eure Schuldigkeit gethan, so heißt es hinterher: der Mohr kann gehen. Insbesondere wird vor dem Inhaber der Firma Trimby, Hunt st Cie. gewarnt, der sich zur Zeit in Paris befindet und Arbeiter für seine in Philadelphia gelegene Fabrik zu engagiren sucht! N a ch r« f. Am Dienstag, den 1. April, starb hier unser langjähriger Genosse W. L o h r e y, Schneidermeister, im Alter von 50 Jahren nach schweren Leiden an der Proletarier krankheit. Wir bringen dies, durch unliebsame Verhältnisse verspätet, erst heute zur Kenntniß der Genossen. Ehre seinem Andenken! Die Genossen von Gießen und Umgegend. weri Post und n>tg » Fr.! «l. st- 1. Fr.! V Warnung. Der Schriftsetzer Karl Herrmann(alias llnger) aus Mag de« bürg(in Schönebeck neuerdings öffentlich abgethan), setzt ver- muthlich seine Schwindeleien und Anzapfereien anderwärti weiter fort. Im Mai 1835 wurde er hier flüchtig; er gab vor, als Anarchist wegesti Verbreitung der„Freiheit", wurde aber wegen gemeine» Diebstahls verfolgt. In Zürich und Basel suchte er parteigenössische Kreise auf und! wurde Anfangs Juni in Basel wegen erwähnten Diebstahls ver» Pfl haftet und bestraft, worauf er seinen Schwindel abermals i» parteigenöfstschen Kreisen praktizirte. Wir warnen ausdrücklich vor diesem Gauner. Dersell« ist mittelgroß, schlank, hat blondes Haar und Schnurrbart, frische<3t> sichtsfarbe und einschmeichelndes Benehmen.__ Empfange man ihn, wo er sich zeigt,„feierlichst" und gebe unt sofort Kenntniß von feinem Aufenthalt und Treiben. Die Züricher und Magdeburger Genossen.. H A Abl Zur dauernden Beachtung! Alle Einsendungen für die Redaktion, ebenso alle ge' T"' schäftlichen Mittheilungen an die Expedition bitten wü-J niemals auf ein und dasselbe Briefblatt, fondern stett leut jedes für sich auf ein besonderes Blatt �rn zu schreiben. Redaktionelle Mittheilungen in Geschäfts briefen müsse» wir sonst extra abschreiben, was unnöthigeArbeit, mitunter aui Verzögerung der Aufnahme verursacht. Die SlptdUiuit des„Sojialdemodrat". Briefkasten der Redaktion: Einsendungen sind eingetroffen: aus Pfaff! rath, Stockholm, Stuttgart, Wien. Aufnahme baldigst. � S. in G.: Antisemittka in einer der nächsten Nummern.— Ha«' bürg: Mit dem Korrespondenten werden wir in der nächsten Nummds ein Wörtchen reden. derExpedition: W. Sch. Philadelphia Tagblatt: Warnung fül Paris am 12/6. erh. u. sofort den deutschen und französischen Gen- daselbst zugesandt. In der Presse und allen Shops ic. daselbst pr. Z iri kuläre gewarnt. Gruß und Glück auf!— Jakobiner: Mk. 450 erh Näheres bfl.- H. St. St. Gallen: Fr. 1150 ä Cto Schft. erh. E. G. Aarau: Fr. 1 85 f. Schst. erh. Weiteres folgt.— K. T.' bar: Fr. 7 50 pr. Ab. bis Ende Juni u. Fr. 12 50 pr.Ufd.dkd. vei Im Rot Genf 20 " halber Adr. D. längst unbrauchbar.— Ruprecht: Mk. 3256 ä Cto erh. Ahlemann: Mk. 4 40 z Cto. erh. Adr. nottrt. Bfl. Weiteres.— I.■. WJ, Mk. 93 13 pr. alt Rst., Mk. 6 87 ä Cto gutgebr. Adr. geordn. Bstllg- fort. Weiteres lt. Bf.— W. Adfn. Baltimore:(2 Doll.) Fr. 10 k Cto erh. Desgl.(4 Doll.) Fr. 20 25 an Bsthl. Brn. besorgt. Weiter«.*t)etc dkd. unter Sg. Bstllg. ic. besorgt. Seeger Baltimore:(6 Doll.) Ff- 80 55. Aatiei 30 37 vr. Adf. k Cto. erh.— W. Langner Chicago:(7 Doll.) 37 95 k Cto. Ab. ic. erh.— T. Mann Cstd.: Mk. 40— i Cto 1. Qu. erh.— M. Gbr. Bsl.: Fr. 3 75 Ab. 1/6—30/9 erh.— d. Berner Genossen: Fr. 113— f. d. nothleidenden B elgier Ausdruck der internationalen Solidarität pr. Std. F. dkd. erh. u. sorgt.— I. Hz. Bkst.:— 50 f. Schft. erh. Sdg. nebst Katalog abg Ob„Erotikas" bei uns zu bekommen? Solange wir nicht H o f buw m,. Handlung firmiren, nicht.— L. Lgr. Fkbg.: Mk. 5— Ab. 3. Qu. uiü"i" ä Cto 4. erh. Ihr Schreiben ging rechtzeitig an kompetente Adr. � Knurrhahn: Irrig verspätet. Am 15/6. Bldr. fort. Bfl. Wetteres. I. K. Gz.: öwfl. 160 Ab. 3. Qu. erh.— TemeSvar A. C.: Adr- Im geordn. Weiteres besorgt.— sif-f Himmel--: Bf. v. 10/6. hier. Arg- Mai ,c. besorgt. Gewünschtes am 16/6. abg.— Gracchus F.: Bf. v. 8. un> Winter 14/6. eingetroffen. Adr. geordn. Avisirtes erwartet, im Weiteren ei" 4< verstanden.— Rother Apostel: Bs. v. 14/6. erh. Lo. krank. Weitere» 1? bfl.— Berrina: Adr. nottrt. Bstllg. folgt.— Sauhirt: Bericht bei» an der E. G. erh. Regulirung nothwendig. Bstllg. nottrt.— Bruno: Bf.» IO50. 9/6. erh. u. Bstllg. ic. besorgt.— Braunschweig: Mk. 50— f. Decazevill«%x'm sind als direkt, v. Bschwg. dahin abges. hier gemeldet.— D. R. F.: Bf»" v. 7. u. 12/6. erh. u. inhaltlich notifizirt.— Clara: Warnung ic.» 8/6. besorgt. Bstllg. folgt. In D. ein Einspr.— Schwarzer Taug» nichts. Nachr. v. 8/6. hier. Weiteres wird besorgt.— Einsiedler: Dura neue Zwischenhand verrattert. Aber zum Ausreißen ist das noch lang' nicht.— Mbg. II.: Adr. am 10/6. erh. u. nottrt. Weiteres pr. Bf. �dgeni 5 A« die Bestellex der Rath sch tage für das politische Leben. Da die ersten beiden Auflagen total vergriffen sind, so können nach Fertigstellung der Neu-Auflage weitere Lieferungen aus werden. Im .Hart il 38' Arfurt Tolkabuhhudlanc and txpedltlon des„Jos." Hottlngen-Iürlch, �arme, 3 s-ichs. U2S0 10� __-ro-. ylurirh Samstag, den 19. Juni, Abends 8'/, Uhr. i»izz� �)UrtU) E a f e R u t t e r(früher„W-iß-S Rößli") an der Schishu,,,� lande, 1. Stock: Heschkossme Versammlung der deutschen Sozialisten. Tagesordnung: Wichtige Parteiangelegenhetten. Zu zahlreichem Erscheinen ladet freundlichst ein Der Lokalausfchuß. > La Net ieT- 91 "tto 1 *S 12 Der Skandinavische Lese-«nd Disknffionsverei� �nsk �ttriv Paris hat fein Lokal: Cafd Göral, Rae de Riyoli 56»sRtttcil vis-i-Tia de l'Hötel de Tille(früher Cafd de la Tille, Rae de Mgentli voli 78). lopirf. Blätter verschiedener Sprachen liegen daselbst zu jeder Zeit aus. � Jeden Montag Abend 9 Uhr öffentliche Versammlung mtt Vortr«! oie, und Diskussion.., �uhrt Gratis-Unterricht in Sprachen und verschiedenen anderen Fächern wi» PZj,. daselbst erthellt. J�fen ______— «»»«i,erts»e«en»II,ns«aft»-»uch>>r-4tret voMnim-ZIri«. 6vrte. ? De, "tri