Abonnements tonbtn bei allen schweiierischen Postbureaux, iowie beim Verlag and d-sien belannten Agenten entgegengenommen, und zwar zum »orauS zahlbar«« VierteljahrSpreiS von: Fr. 2,— für dieSchweizikreuzbandj Ml. 8,— jiir Deutschland(Soudcrt) II. 1,70 für L esterreich(Couvertj Fr. 2,50 für alle übrigen Linder de» Weltpostvereins iltreuzband) ?» s e r a t e. die dreigespaltene Petitzeil« 25 Cii.= 20 Pfg. Der lüinlöfiiiolmu Jentrat-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie. KrsHjeiut wö ch ent l ich einmal in Zürich(Schweiz). Berlag der 0alrbbuchhandl«ng Hottingen-Zürich. poßselldllugtil franko gegen franko. Gewöhnlich« Briefe nach der Schweiz kosten Doppelporto. M 26. Briefe an die Redaltion und Erpedition de? in Deutschland und Oesterreich verbotenen.Eozialdemolrat' wolle man unter Beobachtung äußerster Vorficht abgehen lasten. In der Regel schicke man uns die Briefe nicht direlt, sondern an die bekannten Dcckadresten. In zweifelhaste» Fällen eingeschrieben. 24. Juni 1886. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Hlnsern in- und ausländischen Arief-& Kreuzband- Abonnenten zur Yachricht. Alle Einzelabonnements bei uns, welche vor � Ablauf Juni nicht erneuert sind, werden mit ii I.Juli gesperrt. Bei Bestellung durch Vertrauens- 1 leute erneuere man dieselben dort gleichfalls vor diesem � Termin. uw Alle direkten und indirekten Briefsendun- -» gen sind vorauszahlbar. * Durch Paketbezüger bei uns angewiesene Briefexem- plare liefern und b e l a st e n wir für nächstes Quartal auf � deren Conto weiter, wenn Abbestellung nicyt vor Anfang Juli erfolgt. Einzelbezügern wird kein Conto eröffnet! Abonnements für die Schweiz werden mit Nummer 27 , nachgenommen, dafern Einsendung des Abonnementsgeldes nicht „ Zuvor erfolgt. «' Sie Ezspeditio« des„Ssstaldemakrat". le> lsti .n- xd ;»■ « ilK ist » i 19' Allgemeiner Unterstützungs-Fonds. Im März und April gingen ein: Rother Schöffe Berlin Mk. 3—. F. Dresden 10—. Deutscher in Bens 140—. Fr. Gr. Großenhain 50—. Sch. Berlin 12—. Augsburg 20—. Durlach 10—. A. B. Plauen-Dresden 100—. Bielefeld 50—. Halberstadt 100—. G. v. V. München 60—. Schwerin 10—. »G.- 100—. Schwabach 6—. München 47 26. Deflau 6 60. Stuttgart 21 70. Oederan 4 50. Bamberg 10 25. Zwickau 25 60. Chemnitz 51—. Brandenburg 20—. Würzburg 2 50. G-n. Stuttgart 2—(für Wahl im 19. sächs. W.-Kr.)' Kaffel 30 90. Karlsruhe 15 50. Würzburg?—. Bayreuth »0 55. Sommerfeld 7—. Löbtau 31—. Fürth 20— Hagen 7 50. �tariendorf 2—. Benninghausen 10 50. Werdau 5 50. Nürnberg 30—. Vhlau 410. Neumünster 15 50. Brandenburg 15—. Deffau 5 50. Glauchau 10—. Dresden 100—. Liegnitz 21—. Merseburg 11—. Köln 60—. Iserlohn 10 50. Itzehoe 61 50. Löh b. Hilgen 5 50. Rons- M 10 50. Spremberg 21—. Peine 28—. Stuttgart 20 50. Neu- »Änster 18—. Leipzig, Einigkeit macht stark 15-. Braunschweig 140-. B. M. beißen 39—. Altgersdorf 12—. Berlin„rother Karl 5 75. Im Mai gingen ein: �Martendorf Mk. 5 50. Kaffel 31—. Kiel 29-. Gaarden 8 60. Minterbeck b Kiel 10—. Rendsburg 3 15. Hamburg 250—. Ohlau Apolda 31-. Brandenburg 25-. Bayreuth 15 50. Potsdam 17—. Aus dem Potsdamer Kreis 10—. Schleswig 3 50. Frankfurt der Oder 6 50. Forst i/L. 20 50. Spremberg 10 50. Wilhelmshafen 10 50. Bielefeld 20—. Baden-Baden 5—. Iserlohn 10 50. Danzig l3 50. n Brandenburg, von den Geächteten an der Havel 20—. Eisenach 4—. genannt 100—. Hannover 100—. Allgem. Wahl- und Diäten-Fonds. � Im März und April gingen ein: ». Hartha„schwarze Hand" Mk. 10—. Solingen B. K. 7 50. Solingen � 38—. Görlitz 50—. W. Eschwege 6—. Dresden-Neustadt 50—. Arfurt„Das Banner hoch" 25—. Alte Tannen 16—. H. Hamburg '0—. D. Uli Berlin 10-. Cottbus 10-. Reuß a/Rh. 1 10. Rons- ijotf 30—. G. R---- A. 10—. Gaarden 40—. Augsburg 20—. 12—. Zeulenroda 16—. Bielefeld 50—. Berlin "nL00—. Dresden-Neustadt 50—. Mühlhausen i/Thür. 10—. Unter- Farmen 5—, Asch-rSl-ben 15—. Alloa(Schottland) 10 20. Für den , Wahlkreis s.-d. Wahl 1884: 25—. Meißen 8-. Chemnitz U2S0. . Frankfurt a/M. B. 15—. Berliner Buchdrucker 25—. Aschersleben -rP—. Bremen 36—. Bon 11 Cigarrenmachern vor dem bunten Thor JPJ Bremen 15—. F. in K. 10—. Hamburg 1000—. H. D. Stgrt. -tstv**0. Darmstadt 60—. Wolsenbüttel 20—. Augsburg 16—. Han- "'"«er 100—. Bremen 150—. Ronsdorf 30—. Bon Leipzig Stadt Land mit dem Motto: Bismarck zum Trotz 500-. Berlin, Buchecker 50—. Johanngeorgenstadt 41 90. Ungenannt 1500—. Bayreuth Neumünster 100—. Nürnberg 180-. Forchheim 10-. Nürn- 8 120—. Fürth 80-. (Fortsetzung folgt in Nr. 27.) S Eine Antwort. ei��nser Artikel in Nr. 23, in welchem wir den Herren -«Mtkamer und Konsorten die Frage vorlegten, was sie sich Deutlich mit ihrer, neuerdings gegen die Arbeiterbewegung "geschlagenen Ausweisungs- ,c. Praxis zu erreichen einbildm, ir-i" dieser Artikel scheint in gewissen Kreisen sehr unangenehm .. uhrt zu haben. '" Wir haben nämlich darin, und zwar, wie wir gleich be- !�ken wollen, mit vollem Bewußtsein der Tragweite unserer einen Punkt berührt, in dem die herrschenden Kreise . Deutschland sehr empfindlich sind: die Frage des "kriotismus „Bilden sich die Herren gar ein", fragten wir,„durch Streik-Ukase und ähnliche Polizeibrntalitäten werden sie den deutschen Arbeitern Patriotismus beibringen?" Und an andrer Stelle wiesen wir darauf hin, daß im gegenwärtigen Moment, wo jeden Augenblick ein europäischer Krieg ausbrechen kann, „für die Regierenden alle Veranlassung gegeben ist, sich mit den Regierten gut zu stellen.� Das hat einem bekannten Ofstziösen Veranlassung gegeben, indem konservativen Hamburgischen„Korrespondmt" mit einer wahren Berserkerwuth über uns herzufallen. „In der einen Nummer, ruft er in einem„Sozialdemokratische Droh- ungen" überschriebenen Artikel pathetisch aus,„wird das„Recht zur Rebellion" erklärt, in der daraus folgenden dieses selbe„Recht" für den Kriegsfall in aller Deutlichkeit, nur mit anderen Worten, förmlich rekla- mirt, dies alles in demselben Athemzuge, in welchem fort und fort di» Friedfertigkeit der sozialdemokratischen Bewegung betont wird, dies Alles in dem offiziellen Parteiorgan— fürwahr, das scheint das Maß dessen, was der einem gewaltsamen Umsturz abholde Theil der Sozialdemokratie von einem Blatte, für dessen Inhalt er mitverantwortlich ist, allenfalls noch hinnehmen kann, weit zu übersteigen! Wir haben nicht bloß das V er- trauen, nein wir sind überzeugt, daß die weitaus größte Mehrheit der in der Sozialdemokratie vertretenen deutschen Arbeiter trotz der systematischen Verhetzung gewissenloser Agitatoren so weit noch nicht von der Allerweltsduselei angekränkelt ist, daß sie Einem, der mit Gedanken wie den von dem vaterlandslosen Sozialistenblatt hier entwickelten ihnen ins Haus käme, nicht entschieden die Thüre wiese. Eine Spekulation auf Verrath— und nicht viel Anderes predigt hier der„Sozialdemokrat"— findet in deutschen Herzen niemals ein Echo, auch nicht unter dem Wammse des Arbeiters, und wenn er selbst zur sozialdemokratischen Partei gehört, der er sich angeschlossen haben mag, weil er von ihr die beste Vertretung seiner Interessen erwartet, nicht aber, um ihr- sein nationales Ehrgefühl zu verkaufen."....„Man müßte niemals unter Arbeitern verkehrt haben, um zu glauben, daß sie, von einzelnen Fanatikern abgesehen, einer Verführung zugänglich seien, wie jetzt in Ausbeutung der Unzufriedenheit der„Sozialdemokat" eine zu versuchen nicht übel willens schei.it." Wenn letzteres der Fall, wenn das, was wir in unserem Artikel versucht haben sollen, Co ganz aussichtslos ist, wozu, fragen wir, dann eigentlich dep Lärm? Dann wäre es doch viel mehr angebracht, uns ob unserer Einbildung zu verhöh- neu. Daß der Offiziosus das nicht thut, sondern Zeter und Mordio schreit und„die Arbiter und diejenigen, welche schon einmal gegen die da« Regiment führende Klique das Wort genommen haben", auffordert,„im eigensten Arbeiterinteresse" gegen unsere Ausführungen Verwahrung einzulegen, deutet jedoch darauf hin, daß es ihm mit seiner großen Sicherheit selbst nicht ganz geheuer vorkommt. Wie dann nun, weither Offiziosus, wenn nicht nur„die das Regiment führende Klique", sondern unsere gesammte Partei so denkt, wie in dem genannten Artikel ausgeführt? Sehen Sie, Ihr Artikel ist in den Kreisen der Sozialisten Hamburgs sicherlich viel gelesen und erörtert worden. Unsere Hamburger Genossen, in ihrer Festigkeit und Opferwilligkeit der Stolz der Partei, sind nun in ihrer großen Mehrheit nichts weniger als Himmelsstürmer. Es sind ruhige, bedäch- tige Leute, was man so gemäßigt nennt. Aber trotz Ihrer Aufforderung ist uns von Hamburg noch keinerlei Verwahrung gegen den bösen Artikel, der Ihren Zorn erregte, zugegangen. Und so wenig fürchten wir, daß uns von irgend einer Seite in der Partei eine solche Verwahrung zugehen könnte, daß wir Ihrer Aufforderung dazu sogar durch wörtlichen Abdruck die weiteste Publizität in den Reihen der Genossen geben. Also— in unseren Worten liegt eine„Spekulation auf den Verrath", wir verlangen von den deutschen Arbeitern, daß sie uns„ihr nationales Ehrgefühl verkaufen". „Nationales Ehrgefühl"— wer lacht da? Wenn in den deutschen Arbeitern bisher etwas von dem vorhanden war, was Ihr als„nationales Ehrgefühl" bezeichnet, dann seid Ihr es gerade, die es mit Euren Aechtungs- gesehen und Unterdrückungsmaßregeln systematisch in ihnen er- tödtet! Glaubt Ihr, das Ehrgefühl ist eine Sache, die sich, je nachdem man sie braucht, beliebig konstruiren und diri- giren läßt? Tretet einen Menschen mit Füßen, behandelt ihn wie einen Hund, den man heute sweichelt und morgen peitscht, und dann verlangt Ehrgefühl von ihm! Was er davon be- sitzt, wird sich gegen Euch kehren, und nicht gegen den, auf den ihn zu hetzen es Euch jeweilig beliebt. Ihr habt den deutschen Arbeitern das Versammlungsrecht genommen, Ihr habt ihnen das Recht der Rede- und Preß- freiheit gemeuchelt, Ihr raubt ihnen das Koalitionsrecht, Ihr diskutirt mit rücksichtsloser Unverfrorenheit die Mittel und Wege, wie Ihr ihnen am bequemsten das Wahlrecht eska- motiren könnt, und Ihr bildet Euch ein, daß die Arbeiter für all' diese ihnen zugefügte Unbill, für all' diesen Schimpf kein Gefühl haben, daß sie sofort aufspringen und freudig ihr Blut verspritzen würden, wenn eS Euch einfällt, ihnen zuzu- rufen: Der Feind rückt an!? Noch einmal, wofür haltet Ihr die deutschen Arbeiter? Soviel laßt Euch gesagt sein: Die deutschen Arbeiter sind weder Hunde, noch sind sie Bedienten, sie haben Ehrgefühl, Dank der sozialistischen Agitation sogar ein sehr stark ent- wickeltes Ehrgefühl. Ihre internationale Gesinnung verhindert sie auch keineswegs, sich als Angehörige einer bestimmten Nation zu fühlen. Aber sie sind keine Mordspatrioten, welche die Erstgeburt ihrer politischen und wirthschaftlichen Rechte um das Linsengericht nationalen Kriegsruhms hergeben. Mit Puttkamer'schen Streik-Ukasen und Richlhofen'schen Aus- weisungs- und Auflösnngs-Dekreten werdet Ihr das zu aller- letzt ändern. Der französische Chauvinismus hatte wenigstens insofern eine gewisse Berechtigung, als die Franzosen bis in die neueste Zeit sich einbildeten, sie schlügen sich für die großen Prinzipien der französischen Revolution, für die Sache der Freiheit und der Zivilisation. Es war eine Einbildung, aber ihr lag doch eine große Idee zu Grunde, die Viele begeisterte. Woran soll sich aber der deutsche Arbeiter begeistern, wenn an ihn der Ruf ergeht: Auf nach Westen, Süden, Norden oder Osten— mit welchem„Feind" es Bismarck gerade beliebt, anzubinden? Etwa an der tröstlichen Aussicht, die Welt für das Sozia- li st engesetz und die Koalitions verböte zu erobern? Wir möchten sehr bezweifeln, daß ihn dieser SiegespreiS lebhaft entflammen wird. Diese ganz natürliche Erwägung war es, der wir im vori- gen Artikel Ausdruck gegeben. Es war eine Warnung an die Regierenden in Deutschland, des Momentes zu gedenken, wo sie nicht nur mit der Schlagfertigkeit des herrlichen Kriegs- Heeres, sondern mit der Gesinnung des gesammten Volkes zu rechnen haben werden. Will man es eine Drohung nennen— auch gut. In jeder Warnung ist eine Drohung enthalten, und es fällt uns gar nicht ein, zu leugnen, daß, indem wir die Regierenden an ihr Interesse mahnten, für uns dabei nicht dieses, sondern das Interesse der Regierten, des arbeitenden Volkes maßgebend war. Also darüber streiten wir nicht. Nun sollen wir aber auch eine„Spekulation auf Verrath" gepredigt haben. Häßliches Wort: Verrath. Und in Niemandes Ohren hat es einen häßlicheren Klang als in den unseren. Lassen wir uns aber durch den Klang nicht abhalten, die Sache zu untersuchen. Worin kann der„Verrath" bestehen, den wir gepredigt— nein, auf den zu spekuliren wir gepredigt? Darin etwa, daß die deutschen Arbeiter als Soldaten entweder in Masse deser- tiren oder die deutschen Heerführer im Rücken angreifen möchten? Nun, wir erinnern uns, gelesen zu haben, daß der Lenker der deutschen Reichspolitik im Jahre 1866 mit dem ungarischen Revolutionär Klapka Unterhandlungen gepflogen und ihm mehrere Millionen Thaler zu dem Behufe angewiesen, er solle die ungarischen Offiziere veranlassen, ihren Fahnen- cid zu brechen und dem Heere des Kaisers von Oesterreich, ihres Herrn, in den Rücken zu fallen. Ein ärgerer Verrath ist gar nicht denkbar, und auf einen solchen blos zu spekuliren, kann doch kaumein schlimmeres Verbrechen sein, als einen solchen anzustiften. Selbst wenn wir also so schwarze Pläne hegten, handelten wir nicht nur nach sehr berühmten, sondern auch nach in Deutschland sehr hoch- geehrten Mustern. Oder meint der Offiziosus etwa, daß wir auf eine Revo- lution infolge eines unglücklichen Krieges, nach Art der fran- zösischen Erhebung vom 4. September 1871, spekulirten— nicht doch, zu spekuliren predigten? Nun, dann erinnern wir ihn daran, daß im Jahre 1866 in verschiedenen deutschen Staaten das Volk seine bisherigen Regierungen nur Dank eines von diesen unglücklich geflihrjen Krieges los wurde, und daß diese„Befreiung" vollführt wurde mit Hilfe Seiner Majestät des Königs von Preußen und seiner erlauchten Räthe. Wird er diese alle der Beihilfe zum Verrath beschul- digen? Sind die Herren v. Bennigsen, Miquel, Münster-c. in seinen Augen nichtswürdige Verräther, weil sie ihre bis- herige Regierung beseitigen halfen? Wenn nicht, dann behalte er auch seine Entrüstung hübsch für sich. Aber, hören wir hier einwenden, diese Beseitigung geschah im nationalen Interesse, sie war geheiligt durch das hohe Ziel der Schaffung eines einigen Deutschland. Je mm, das sind schließlich nur Ansichten. Die Begrün- dnng eines freien Deutschlands ist doch wohl auch ein hohes Ziel, und sie ist nach Ansicht vieler Leute auch ein natio- nales Ziel. Wenn es also auf das Ziel ankommt, um für die Völker das Recht auf die Anwendung derjenigen Mittel zu reklamiren, welche die Regierenden für ihre Zwecke nicht verschmäht haben, so ist jede Diskussion überflüssig. Denn ob ein Ziel berechtigt ist oder nicht, darüber entscheidet nach der neupreußischen Staatsrechttheorie lediglich der Erfolg. Selbst wenn also unsere Ausführungen den Sinn gehabt hätten, den der Offiziöse des Hamburgischen„Korrespondenten" ihnen unterstellt, so läge immer noch keine Veranlassung vor, uns einer besonders verworfenen Gesinnung zu zeihen. Nun haben wir aber weder gesagt, daß die Dinge so kom- men sollen oder kommen möchten, sondern wir haben lediglich angedeutet, was kommen kann. Und ist selbst das heute schon ein Verbrechen? Ja, das ist es allerdings. In der Frage des„PatriotiS- mus" verstehen unsere Regierenden keinen Spaß. Patriotis- mus heißt in ihren Augen blinde Unterwerfung der Völker unter die Führung ihrer Herrscher. Auf diesen Patriotismus ist ihr System ausgebaut, und der Gedanke, daß er einmal in die Brüche gehen könnte, ist ihnen unerträglich. Hier ist die Stelle, wo sie verwundbar, und darum auch am empfind- lichsten sind. Wir wissen das, und gerade weil wir es wissen, haben wir sie an dieser Stelle gepackt. Die niederträchtigen Polizeibruta- litäten, welche sie in dem gegenwärtigen Moment über die deutschen Arbeiter ergehen lassen, haben dieselben aufs äußerste erbittert und in ihren Reihen eine Stimmung erzeugt, wie sie gespannter zu keiner Zeit unter dem Sozia- list engesetz bestand. Würden wir dieser Stimmung durch Aufforderung zu Widersetzlichkeiten x Ausdruck gegeben haben, so hätten wir gerade das gethan, was die Puttkamer und Konsorten wollen. Sie wünschen Widersetzlichkeiten, um sie mit brutaler Gewalt niederschlagen zu können. Die Polizei- und Militärmacht, über welche sie verfügen, macht heute jeden Ver- such der Arbeiter, sich durch die Kraft ihrer Fäuste Recht und Genugthunng zu verschaffen, anssichtslos. Auf ein bischen Blutvergießen kommt es den Pnttkämerlingen ja nicht an, auch einige Dynamitbomben nehmen sie gerne in den Kauf, wenn sie dadurch nur Gelegenheit erhalten, ihre staatsretter- liche Aktion zu beginnen. Wir aber experimentiren nicht mit Arbeiter- blut. Und gerade darum haben wir es für nöthig gehalten, die Herren Puttkamer und Konsorten daran zu erinnern, daß das Volk denn doch noch nicht so machtlos ist, als sie sich einbilden, daß der Augenblick kommen kann, wo ihre ganze Existenz, ihre ganze Herrlichkeit daran hängt, wie sich die große Volksmasse zu ihnen stellt. Als in den sogenannten Freiheitskriegen von 1813 und 15 das deutsche Volk sein Blut für die Freiheit seiner Fürsten verspritzt hatte, da beschenkten es diese wenige Jahre darauf mit den berüchtigten Karlsbader Beschlüssen, die den erwachten Geist des Volkes in Fesseln schlugen. Kaum daß der„glor- reiche Krieg" von 1870/71 vorüber, wo das deutsche Volk sein Blut für die Einheit Deutschlands unter preußischer Spitze verspritzt, da schmiedete man von dieser Stelle aus drakonische Ausnahmegesetze gegen die Arbeiter. So tragen die Herrschenden in Deutschland den Dank an ihre Völker ab. Und dabei wundern sie sich noch und geberden sich höch- lichst entrüstet, wenn Jemand dem Gedanken Ausdruck gibt, das Volk könnte es müde werden, ewig der Geleimte zu sein. Und doch ist Alles, was wir ausgeführt, nur ein schwacher Widerhall von dem, was man in weiten Kreisen der deut- schen Arbeiter heute denkt und fühlt. So steht's, ihr Herren! Und nun fahrt mit Euren Maßregeln fort, wenn Ihr es besser wißt. Herr Ludwig Bamberger. Wer nicht die SiegeSgewißheit seiner sozialdemokratischen Ueberzeugung aus ihren, auf dem Grunde unüberwindlicher wifsenschastlicher Wahrheit ruhenden Prinzipien schöpft, und wer kleinmüthig und verzagt bleibt trotz des berauschenden Triumphzugs der sozialistischen Ideen durch alle zivtlistrten Länder, der wird seine letzten Zweifel schwinden sehen, wenn er die Gegner beobachtet und die verzweifelten Anstrengungen, mit denen sie des Sozialismus Herr zu werden sich bemühen. Herr Ludwig Bamberger ist einer der eifrigsten literarischen Wider- sacher der Sozialdemokratie. In einer Reihe von Schriften ist er unse- rer Partei entgegengetreten, und wenn man seinen Lobrednern glauben darf, gehört er infolge seiner tiefen ökonomischen Studien, seiner ge- nauen Kenntniß des Sozialismus zu dessen gefährlichsten Gegnern, um so mehr als seine gründliche wissenschaftliche Schulung unterstützt werden soll durch eine seltene Schärfe und Grazie des Geistes zugleich. Unter diesen Umständen ist es sicherlich unsere Pflicht, die Leser auf die neueste von ihm veröffentlichte Schrift:„Die sozialistische Gefahr, Berlin, Simion, 1886", aufmerksam zu machen. Dieselbe gibt sich als ein Nachwort zu den letzten Reichstagsverhand- lungen über das Sozialistengesetz und soll dazu dienen, den ablehnenden Standpunkt, den Herr Bamberger gegen die erneute Verlängerung des Gesetzes eingenommen, noch nachdrücklicher, als es im Reichstag geschah, zu begründen durch den Beweis, daß die sozialistische Gefahr eigentlich viel weniger von der Sozialdemokratie ausgehe als vom Staatssozia- lismus und seinem Spiel mit den Schlagworten des Kommunismus, das Sozialistengesetz darum auch ein Mittel sei, das seinen Zweck voll- ständig verfehle. Diese Auffassung ist ein Resultat langsam gereister Erkenntniß: bekanntlich gehört Herr Bamberger selbst zu den Vätern des Sozialistengesetzes, das nicht zuletzt auf seine eifrige Fürsprache hin ins Leben trat, und er verfocht es auch noch zu einer Zeit, als der von ihm so sehr gefürchtete Staatssozialismus sein Treiben längst schon be- gönnen hatte. Im Gegensatz zu seiner früheren Ansicht ist Herr Bamberger jetzt um Gründe gegen die Zweckmäßigkeit des Sozialistengesetzes nicht verlegen. Er findet sogar, daß der Satz: Ideen können nur mit Ideen bekämpft werben(S. 31), eine Wahrheit sei, die schon zum Gemeinplatz geworden ist. Jndeffen wird es wohl trotz der in den Vordergrund geschobenen Argumente nicht unrichtig sein, anzunehmen, daß das Motiv, das Herrn Bamberger zur Ablehnung des Sozialistengesetzes veranlaßte, weniger in derartigen philosophischen Betrachtungen zu suchen ist, als vielmehr in einer ganz ordinären egoistischen Rücksicht. Unbeabsichtigt verräth sich dieselbe auf S. 5. Es heißt dort: „Ist es doch unbestreitbare Thatsache, daß das Sozialistengesetz viel mehr dahin gewirkt hat, die liberale Partei zu erdrücken und einer rück- läufigen Wirthschastspolitik Bahn zu brechen, als die Ausbreitung sozia- listischer Ideen einzudämmen." Bei einem Theil der Bamberger'schen Fraktionskollegen, von denen sich gewiß nicht alle zur Höhe seiner Auffassung emporgeschwungen haben, dürfte übrigens ein viel einfacherer Grund die verneinende Abstimmung herbeigeführt haben: die außer jedem Zweifel gestandene Gewißheit, daß das Sozialistengesetz eine Majorität im Reichstag finden würde. Diese Thatsache wurde von der deutsch- freisinnigen Partei eifrig benützt, um den fadenscheinig gewordenen Ruf ihres„Freisinn?" frisch verbrämen zu können. Und Herr Bamberger hat sogar schon den Muth, die frei- sinnige Partei als die wesentlichste Stütze zu bezeichnen, die durch ihren Widerstand gegen die reaktionären Versuche zur Untergrabung des Ein- fluffes und der Existenz des Reichstags,„diese Zuflucht für die Bil- dung einer öffentlichen Meinung" beschützt und in ihrem Bestände sichert. „Daher diese nimmer ruhende gehäffige Nörgelei gegen die Freisinni- gen", heißt es S. 7,„darum das unablässige Bemühen, sie als Feinde des Vaterlandes hinzustellen. Man weiß: hat man sie stumm gemacht, so verstummt die öffentliche Meinung." Potztausend, ist das ein Selbst- gefühl! In Wirklichkeit täuscht sich aber Herr Bamberger sehr wesentlich über den Einfluß seiner Partei. Was den Reichstag schützt und ihn davor bewahrt, das Opfer zu werden eines despotischen Regiments, das jede Scheu und Schum verloren, das ist allein der sehr wohlbegründete Schrecken dieses Regiments vor einer Revolution, die der Beseitigung des Reichstages auf dem Fuße folgen würde. Die freisinnige Partei hat damit sehr wenig zu schaffen. Herr Bambcrger freilich ergeht sich über die Möglichkeit einer Revolution in den ironischesten Betrachtungen. Nach ihm ist die„Aera der städtischen Barrikaden" vorüber sS. 9),„die Vervollkommnung nicht blos der Kriegswerkzeuge und der Taktik, son< dern der Disziplin im modernen Heerwesen haben der bewaffneten Macht zu ihrer schon srüher thatsächlich vorhanden gewesenen Ueberlegenheit ein Bewußtsein dieser Ueberlegenheit eingeflößt, welches den Ausschlag gibt, indem es die Gewißheit der Ueberwindung nur vom Maß der angewen- deten Energie abhängig macht", sagt er wie zu seiner Beruhigung Seite 10. Und sehr charakteristisch heißt es auf derselben Seite: „Die Romantik der Revolution, welche in den Julitagen von 1880 und den Februartagen von 18t8 für Frankreich, in den Märztagen sür Wien und Berlin ihren Höhepunkt erreichte, hat ihre Zauberkraft vor dem nüchternen Realismus unserer Tage verloren. Sie war auch nur denkbar in Verbindung mit den idealen Freiheitszielen des Bürgerthums." In dieser letzten Bemerkung erweist sich Herr Bamberg« als ein ganz ungewöhnlicher Blagueur. Wir wollen darüber hinwegsehen, daß er sich so anstellt, als wären die„Freiheitsziele" des Bürgerthums ein absolutes Ideal, hinter dem die Bestrebungen des Proletariats verblassen, er wird für jene niemals weder Berständniß noch Empnndung gewinnen, und über solchen Ma.igel kann man nicht rechten. Aber daß Herr Bamberg« in den Bourgeois die Romantiker der Revolution von 1848 erblickt, das heißt um der Selbstoerherrlichung willen der Wahrheit direkt ins Gesicht schlagen. Wer waren die todesmuthigen Vorkämpfer, die Helden der Barrikaden im Jahre 1848? In erster Linie Arbeit« und neben ihnen Studenten. Und wer war es, der in der deutschen Bewegung von 1848 die Rolle der erbärmlichsten Feigheit spielte? Das Bürgerthum. Für dieses ist allerdings die„Romantik der Revolution" und die„Aera d« Barrikaden" vorbei, aber nur weil sie für dasselbe eigentlich nie bestanden hat. Das deutsche Bürgerthum, dieser kraftlose Spätling in der Familie der europäischen Bourgeoisie, hat niemals wirkliche revolutionäre Energie besessen, und das ist auch der Grund, warum es bis heute in Deutsch- land zu einer politischen Herrschaft nicht gelangte, und Deutschland we- niger als irgend ein moderner Staat mit den Ueberresten des Feudalis- mus fertig zu werden vermochte. Jndeffen muß man Herrn Bambergers historische Betrachtungen über die Revolution nicht allzu wichtig nehmen. Dieselben sind viel mehr dar- auf berechnet, den sprühenden Esprit und den bezaubernden Styl ihres Verfassers in einem glänzenden Licht zu zeigen, als daß sie seine auf- richtige Ueberzeugung zum Ausdruck brächten. In der That steckt Herrn Bamberger die Furcht vor einer Revolution in allen Glie- dern. Wie ein Angstschrei, der aus tiefstem Herzen herausdringt, klingen die Worte auf S. 11:„Die Gefdhr, die wahre Gefahr, die welthisto- rische, bedroht ein Reich in der Gestalt eines unglücklich gssührten Krieges, wenn er zusammentreffen wurde mit der inneren Demoralisation der Gebildeten und Besitzenden, mit der Erschütterung ihres Glaubens an ihr gutes Recht auf die bestehenve Gesellschaftsordnung." Und einem sich selbst ertheilten Trost gleichen die Sätze auf S. 12:„... Sichert uns andererseits die Wehrhastigkeit der Armee gegen eine europäische Koalition, wie sollte sie uns vor sozialdemokratischem Aufruhr zittern machen? So lange der bürgerlichen Gesellschaft nicht die Erkenntniß abhanden gekommen ist, daß die sogenannte Lösung der sozialen Frage ihr Sein oder Nichtsein in Frage stellt, birgt selbst eine kriegerische Katastrophe nur vorübergehende, wenn auch noch so grausame Gefahr in ihren Falten." Dieser Trost ist aber, wir sagen es mit der schmerzlichsten Bewegung, ein sehr unzulänglicher. Die bürgerliche Gesellschaft weiß freilich, wenn sie auch sonst gar nichts weiß,«daß mit dem Siege der Sozialdemo- kratie ihr Nichtsein außer Frage gestellt wird. Das fieberhaste Treiben, der orgiastische Taumel, mit dem die Besitzenden das Heute zu genießen suchen, ungewiß ob nicht schon morgen ihre Herrlichkeit in Trümmer sinkt, zeigt auch der äußerlichen Betrachtung, wie diese Klaffe einerseits mit allen Fasern an der Erhaltung und Ausnutzung der bestehenden Zustände hängt, und wie aber andererseits trotzdem zugleich das Bewußt- sein von der Unsicherheit der Lage sich ihrer bemächtigt hat. Und das ist leicht zu erklären. Die„innere Denwralisation der Gebildeten und Besitzenden", die nach Herrn Bamberger in der Zukunft drohen soll, herrscht heute schon in einem außerordentlichen Maß. Der französische Adel des 18. Jahrhun- derts hat kein schlimmeres Bild sittlicher Verwilderung und geistiger Oede, keinen vollständigeren Bankerott an allen Idealen und, trotz alle- dem, immer noch nicht die widerwärtigen Züge moralisch« und intellek- tueller Abgelebtheit so deutlich an der Stirne getragen, wie das moderne Großbürgerthum. Und diese Klaffe ruft Herr Bamberger auf zu ihrem Glauben an ihr«gutes Recht", auf die bestehende Gesellschaftsordnung. In Wahrheit ein eitles Bemühen! Und auch all der Muth, den Herr Bamberger sich selbst und seinen Klassengenoffen mit dem immer wieder- holten Hinweis auf die«bestexerzirte und bsstdiSziplinirte Armee" zuspricht, er wird die wohlbegründete Furcht nicht zu bannen vermögen. Allerdings hat Herr Bamberger Recht, heute bildet die Ar-.iee einen zuverlässigen Schutz der herrschenden Klasse, aber wenn die sozialistischen Ideen während des nächsten Menschenalters in demselben Geschwindschritt wie bisher im Volke sich verbreiten, was wird das Institut der allge- meinen Wehrpflicht dann anders sein als das Mittel, mit dem die„best- exerzirte und bestdisziplinirte Armee" der Revolution geschaffen sein wird, für den Fall, daß nicht bis dahin der friedliche Weg gründlicher Reformen eingeschlagen sein sollte? Und Herr Bamberg« mag in noch so geistreichem Plauderton von der Willkürlichkeit des Staatssozialismus und der scheinbar aus dem Belieben einzelner Minist« entspringenden sozialistischen Phraseologie der regierenden Kreise sprechen, in Wirklichkeit sind auch sie nichts als das Ergebniß der blassen Angst, die mit ihren betrügerischen Kunststückchen die ernsten und dringenden Forderungen des Volkes wegeskamotiren zu können wähnt. Aber freilich das Eine ist richtig: Dieser Staatssozialismus mit all seinem Treiben,« ist nicht d i e„sozialistische Gefahr", aber er v e r st ä r k t sie ungemein. Denn eine Wirkung hat er ohne allen Zweifel gehabt: in die weitesten Kresse auch der Besitzenden hat er die Anerkennung der Unerttäzlichkeit des Fortbestandes unserer gesellschaftlichen Verhältniffe getragen, und er hat einen großen Theil heute noch stumpf und theilnahmlos der sozialistischm Bewegung gegenüberstehende Kreise von Bauern und Arbeitern aufmerk- sam gemacht. Dank der absoluten Unfähigkeit, mit der er sein Wesen trieb, hat er sie zugleich noch überdies in einer überraschend kurzen Zeit auf das Gründlichste von der Werthlosigkeit und Unfruchtbarkeit der staatssozialistischen Maßnahmen überzeugt und sie in die Arme der Sozialdemokratie gedrängt. Das Sozialistengesetz, in dessen vollkommene Praktizirung wir allem Anschein nach«st jetzt recht hineinkommen, hat zu allem übrigen den Klassengegensatz zu einer Schärfe entwickelt, wie er für die besitzenoe Klasse gefährlicher sich nicht auebilden tonnte. Dies« Umstände in Ver- bindung mit der unaufhaltsam fortschreitenden sozialdemokratischen Agi- tation und d« rapiden Entwicklung der kapitalistischen Produklionsweise, des treibenden Springquells aller dieser Erscheinungen, bereiten die Um- Wandlung der bestehenden Zustände in einer so gründlichen Weise vor, daß an einem Siez der sozialdemokratischen Ideen nicht gezweifelt werden kann.(Schluß folgt.) -'VAA/TSA/VV--' Sozialpolitische Rundschau., Zürich, 23. Juni 188«. — MitBezug auf das Ende Ludwig'S II. schreibt man uns aus Deutschland: Ein König von GottesGnaden als gemeingefährlicher Narr vom Throne gestoßen und unter Kuratel gestellt, wie ein einfach« Bettler-, ein König von Gottesgnaden Mörd« und Selbstmörder— wie ein gemeiner Verbrecher plebejisch« Herkunft— das ist ein hart« Schlag für das Gottesgnadenthum. Und wohlgemerkt, es ist j-tzt amt- lich festgestellt, nachdem es vorhernur den Eingeweihten bekannt gewesen war, daß der unglückliche Monarch, der am ersten Pfingsttaz als Mörder und Selbstmörder im Starnberger See endete, von seiner frühesten Jugend an geisteskrank war. Ein König von Gottesgnaden als gemeingefährlicher Narr vom Thron gestoßen! Nicht durch Sozialdemokraten od« sonstige Umstürzler. Nein, durch seine eigenen Verwandten und„Brüder", durch seine eigenen Minister, durch die sämmtlichen gesetz- und verfassungsmäßigen Träger der Re- gierungsgewalt. Das verzehnfacht noch die Wucht des Schlag«, der hier gegen das Gottesgnadenthum geführt worden ist. Erlaubte Entthronung. Gesetzliche, verfassungs- mäßige Entthronung! Entthronung durch Diejenigen, welche sich sür die berufenen Wächter des Staates und der Gesellschait ausg-ben. Entthronung durch Diejeni- gen, welche das Königthum von Gottesgnaden mit einem Wall drako- nischer Gesetzesparagraphen, wie mit einer Hecke von Seibschüffen und gegen ftrährlsi »lgende «Di das A Streik, Sie sp die Pc charakt mißbrc wortui Gesetze rssche Presse Bekäm liefert. Ein Fußangeln, umzäunt haben und bei jeder passenden Gelegenheit die bösen Umsturzbestrebungen eifern. Umsturzbestrebungen! Gegen wen, gegen was sich richtend? Vertritt nicht der König von Gottesgnaden mit seiner gesalöten Per- son die gesammte gesellschaftliche und staatliche Ordnung der Ding«; und ist nicht jeder Angriff auf seine geheiligte, geweihte Person eine „Umsturzbestrebung" in konzentrirtester Form? Setzen wir den Fall, eine Schaar Sozialdemokraten hätten sich nach Hohenschwangau verfügt, den König von Gottesgnaden im öffentlichen Interesse abgesetzt, in eine Kutsche gepackt und so weit«. Kann man sich einen entsetzlicheren Hochoerrath und Umsturz denken? Von der Majestätsbeleidigung ganz abgesehen. „Ja, werden die Götzenpriester des Gottesgnadenthums uns im Stil Junker Alexander's antworten— ja, das ist etwas ganz andres. Wenn' zwei dasselbe thun, ist es nicht dasselbe. Die Absetzung des gottbegnadeten,! jedoch leider trotzdem gemeinschädlichen Wittelsbachers«folgte eigentlich erstens im gebieterischen öffentlichen Interesse; und zwei- icher Oi tens erfolgte sie nach den, für derarttge Fälle vorsorglich gemachten mitten s Verfassungs- und Gesetzesbestimmungen." Spitze, n Je nun, das ist keine genügende Rechtfertigung, mein« Herren Götzen->n»ttchirt priest« des Gottesgnadenthums. Gunsten 1) dreht es sich um die Begriff des„Gemeinschädlichen" und deS paff „öffentlichen Interesses". Mben a> Der arme Wittelsbacher war gewiß verrückt— wir hegen nach dieser:** Syn Seite hin nicht die geringsten Zweifel, obgleich in Bezug aus ihn ent-??, der setzlich geflunkert worden ist; ab« wir kennen Monarchen, die nicht einj?*"- li, Haar breit mehr Verstand haben, ja manchen, der noch viel weniger d hat, und die dessenungeachtet ruhig sortregieren, von den Reptilblätterir* V«! als Ausbunde aller Weisheit gepriesen und von den Pfaffen auf der, J» hl Kanzel für überirdische Wesen erklärt und in den Himmel erhoben� bei werden. flrovoka „Doch seine Verrücktheit äuß«te sich„gemeinschädlich"; sie äußerte �cht- sich in Handlungen und Thaten, die dem„öffentlichen Interesse" z«'««"""» widerliefen." Es kommt, wie gesagt, Alles darauf an, was man unter„gemein-7?"s*lich schädlich" und unter„öffentlichem Interesse" versteht."Wlst 5 Wir kennen Monarchen, die zwar keine 25 Millionen in Schlösser und andere überflüssige Baracken verbauten, dagegen Milliarden unt» Milliarden verpulvert haben und verpulvern für noch überflüssige, Bauten, z. B. für Kasernen, für Massenmord und Maffenmord-Jnflr mente;— die Eroberungszüge gegen fremde Völker, Raubzüge gegl das eigene Volk organisiren oder organisiren lassen. Und unserer„u> maßgeblichen Meinung nach"— um uns recht parlamentarisch auszs-- drücken— ist ein solcher Monarch hundertmal„gemeinschädl licher" als der arme gottbegnadete Narr von HoheH��ssS s ch w a n g a u, und würde demnach seine Entfernung hundertmal inehi. fss1"?6 dem„öffentlichen Interesse" entsprechen, als die des armen gottbegnadetet Narren von Hohenschwangau.(4>" Und ad 2) was die gesetzlichen Formen betrifft, so ist das eine rein Kinderei. Nachdem die Herren Ordnungsvertreter uns so hübsch gezeij haben, wie man einen gottbegnadeten König entthront, kann jeder b�jehej, � liebige Plebejer es, ohne den geringsten Verstoß gegen die Form, lei# nachmachen. Wir verbürgen unseren Kopf, daß wir auch nicht das Tüpfel'�— L chen üb« dem i weglassen und uns die vollste Anerkennung, wenn aul! Reichski vielleicht nicht ungemischte Zufriedenheit, unserer hochgebornen und hoch der ZaI gestellten Lehrer erwerben würden. j�aut Kurz— wir danken für die nützliche Belehrung— doppelt nützlit Bezirke, in einer Zeit wie der unserigen, wo derartige Belehrung auf sruch* isfchen baren und wohlbestellten Boden fällt.—*ftts he Und als Mörder und Selbstmörder ist der König von Gottet Eingabe gnaden gestorben. Genau wie— nun, wie wer? Erinnnt man sifunfallv« �nnen, Ichaft hf Di-P ,1 U-berha !,!U weit noch de«„Auswurfs der Menschheit", der, in ähnlicher Geistesverfassun-�o steh wie der unglückliche Wittelsbacher, sein Leben wegwerfen, aber„no..prakti Infamie gesichert hat. Liegt nicht ein bischen Nemesis in dem Moä benams, und Selbstmord des Reichsgründers und Königs von Gottes Gnadew Und Der Nachweis der Absurdität der gottbegnadeten Unverletzlichkeit uo Fußtrit des unverletzlichen Gottesgnadenthums; das Walten der Nemesis, V Nun den Träger eines der ältesten Königsgeschlechter zu einem Mörder u-' ältes Z Selbstmörder gemacht hat; die Entthronung eines gottbegnadeten, f salbten, geweihten Herrscher? sind indeß nicht die einzigen Lehren, d>,* wir aus dieser Katastrophe zu ziehen haben. Die beispiellose Jmmoralität und Gewissenlosigke der herrschenden Personen und Klassen ist, von grellste Lichte beleuchtet, zu Tage getreten. Der unglückliche Wittelsbach«, d am letzten Pfingstsonntag seinen Arzt tödtete und sich dann selbst ertränkt! 1 hat in den Fluthen in des Starnbergers Sees auch ein düster«' diplomatisches Geheimniß begraben. Diii Der Gottbegnadete, der am Pfingstsonntag als Mörder und Selb jj'8!"01 mörder endete, war notorisch schon seit seiner frühesten Jugend geisV krank, seit mindestens 11 Jahren vollständig geistesgestört.„A6 Warum hat man ihn so lange regieren lassen? J�J: Warum hat man ihn, nachdem Anderes beschloffen, so rück ficht1 los behandelt, daß der Mord und Selbstmord möf lich war?- d�T Im Volk laufen die wunderbarsten, abenteuerlichsten G«üchte u» dank/'. Gewiß ist, daß Ludwig II-, König von Gottes Gnaden, das O p s/ und der„Staatsraison" geworden ist, und daß dabei v e r s ch i' dene seiner gottbegnadeten Herren Kollegen ei« höch st verdächtige Rolle gespielt haben, mit der«' Ziecht� gelegentlich uns näher befassen werden. Für heute möge die Andeutu» g°"Ug-n. — Zürich war vorigen Sonntag der Schauplatz einer Mass«'?,V'� demonstratio», wie es sie großarttg« seit Langem nicht gesef� � N Es handelte sich um einen Protest gegen den in voriger Numtf*___, bereits erwähnten Erlaß der kantonalen Justiz- und Po�auzf zeidirektion in Sachen der streikenden Schlosser, der von �Dar Arbeitern, und nicht nur von diesen, als eine ungesetzliche Maßr«? � und einseitige Parteinahme für die Prinzipale aufgefaßt wurde.? die«-• Fernern war die Demonstration gerichtet gegen die Polizei, dett Organe sich zum Theil Brutalitäten ärgster Art gegen Arbei«° herausgenommen hatten. Da die V«sammlungslokale, welche den» itd«.. beitern in Zürich zur Verfügung stehen, schon in den letzten V«san« �. 1 feiMrtjvs rnotfom-tttAf h»P Wonoo So*» SAotneSo*»•*«.... lungen bei weitem nicht ausreichten, die Menge der Besucher zu fast' nebm so wurde auf Sonntag eine Versammlung unter frei« Himmel einberufen, und zwar auf den großen Freiplatz südlich- 88 Tonhalle.,->- Dw Zahl der Theilnehmer überstieg alle Erwartungen. Wir glauf* nicht zu übertreiben, wenn wir sagen, daß nach unserer Ansicht der*„ richterstatter des konservativen„Genfer Journal" eher zu niedrig' Dazu hoch gegriffen hat, wenn er sie aus 10,000 angiebt. Diejenig««onigi welche die Demonstration von 1877 zu Gunsten deS Fabrikgesetzes n>«Mzlei gemacht, bestätigen übereinstimmend, daß dieselbe lange nicht so«;«che 5 Theilnehmer gezählt habe, von den späteren Demonstrationen gar»i- Hnen zu reden. Und die kolossale Menschenmenge legte, getreu der von* omt«i Organisationen ausgebenen Parole eine bewundernswürdige Ruhe! Scheir den Tag. Selbst die Gegner müssen zugeben, daß auch nicht die klei«' festig Störung vorkam. Man wollte lediglich zeigen, wie allgemein der � Eins« wilbe üb« die Polizeimaßregeln sei. 28 I. Demgemäß war auch das Programm der Demonstration auf d Darm Nothwendigste beschränkt. Ein Genosse des Grütlivereins Außersthl,- Most E. Graf, machte die Anwesenden in kurzen Worten mit dem Z*?uldix der Versammlung bekannt. Hierauf sprach der Redner des TageS, H-«wzel Redakteur Locher vom Winterthurer„Landbote", kritisirte ümg«! allgemeinem Beifall das Verhalten der Behörden und wies die U«- wer setzlichkeit deS Spiller'schen Erlasses nach, d« mit dem verfassungsmi''«nn. Per- mge; eine (ätten 1 n im zeiter. nken? t Stil Wenn beten, gegen«währleisteten Rechte in striktem Widerspruch stehe. SllJbann wurde °Igende Resolution zur Wstimtnung gebracht: „Die heutige Massenversammlung verurthestt aufs Entschiedenste das Austreten der städtischen und kantonalen Behörden gegen die Streikenden, das geradezu einen provokatorischen Charakter annahm. Sie spricht ihre tiefe Entrüstung aus über das Blutvergießen, welches die Polizei durch Schießen gegen das Publikum verschuldet hat. Sie charakterisirt die Spiller'sche Verfügung als Verfafsungsbruch und Amts- mißbrauch und erklärt, die Schuldigen vor dem Richter zur Verant- wortung zu ziehen, um an Stelle der jetzigen Willkürherrschaft die Gesetze wieder zur Geltung zu bringen. Sie brandmarkt die zürche- rische Journalistik, die durch ihre Entstellung und Tendenzberichte der Presse des Buslandes willkommenes Material zur Verhöhnung und Bekämpfung unserer republikanischen Institutionen und Freiheiten liefert." Ein unabsehbarer Wald von Händen erhob fich dafür, womit die :folgte eigentliche Versammlung zu Ende war. Die Menge löste sich alsbald in zwei-ß-ster Ordnung auf. die Mitglieder der Arbeiterorganisationen aber for- achte« diirten sich zu einem imposanten Zuge, der, ein Mustkkorps ander Spitze, mit wehenden Fahnen durch die Stadt nach der Bürgliterrafse lötzen- warfihjrte, wo der deutsche Arbeiterverein eine gesellige Unterhaltung zu Gunsten der streikenden Schlosser abhielt. Aus den Straßen, die der ld des�S passirte, bildete das Publikum Spalier, und wenn es auch in dem- selben an grimmigen Gesichtern nicht fehlte, so waren doch die Zeichen ies-r�er Sympathie vorherrschend. Als der Zug die Polizeiwache passirte, n ent-�or der sich im Laufe der letzten Woche die stürmischen Szenen abge- cht einölt, ließen es fich die Masten nicht nehmen, der Polizei ironische Ovo. leniget J�den darzubringen, sonst bewegte sich der Zug in derselben Ruhe, die laitern'e Versammlung auszeichnete...„. uf der, 3» hiesigen und auswärtigen Blättern ist vielfach davon dle Rede, .{■oben°°ß bei den Tumulten vor der Zürcher Hauptwache unsaubere Elemente, Provokationsagenten»c. die Hand im Spiele gehabt. Wir sind nicht der �erie Ansicht. Es sind ja bei allen Straßenszenen Elemente zugegen, die am e«.«.Kärmmachen ihre Freude haben, im Großen und Ganzen war, nach Allem, was wir gehört, namentlich in den beiden ersten Tagen, die emeinM�liche Erregung über das Niederschießen des Arbesters Fischer der einzige Provokationsagent. Arbeiter, die sonst zu den Ruhigsten gehören, waren in jenen Tagen in einer Stimmung, von der man sich kaum eine Vorstellung macht. Umsomehr ist die musterhaste Disziplin anzuer- kennen, welche am Sonntag unter den Auspizien der organisirten Arbetter- stystt herrschte. ucuw. Die Polizei war vernünftig genug, sich vollständig pastiv zu verhalten. r u» überhaupt scheint man maßgebenderseits eingesehen zu haben, daß man au'sz«? weit gegangen und besteht wohl nur noch Anstands halber auf seinen chäd' �in K p tzV. obe» nm 8. Juli wird der Spiller'sche Erlaß im Züricher Kantonsrath zur l ineb> Sprache kommen. Da die Mehrheit defielben aus Liberal-Konservativen tabeSWt, so ist eine Mißbilligung des Erlastes von dieser Körperschaft nicht zu erwarten. Warten wir daher den Erfolg des von der Arbeiter- . fän't eingeschlagenen Rechtsweges ab. e new um zum Schluß noch einmal auf die Demonstration zurückzukommen, geze'fiso erklären wir nur noch, daß der würdige Verlaus derselben Zürich in , lei� ieber Ziehung zur Ehre gereicht. Tüpse»— Lakonisch.„Der Resolution des Reichstags, den m au«! Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß die Vermehrung d hoch eer Zahl der mit der Beaufsichtigung der Fabriken de. trauten Beamten, unter thunlichster Verkleinerung der Aufsichts- nützlij bezirke, überall da herbeigeführt werde, wo sich das Bedürfniß einer fruch» solchen Maßregel zur vollkommenen Erreichung der Ausstchtszwecke be- rests herausgestellt hat oder noch herausstellen wird— sowie einer Gottes Gingabe wegen Befreiung der gewerblichen Töpfereibetriebe von der ran siis Unfallversicherungspflicht, wurde keine Folge zu geben beschlosten." cfassui>!«o steht wörtlich in dem offiziösen Zeitungsbericht über die letzte Sitz- ;„nolfung des Bundesraths vor Pfingsten. a hättzi Dem— obendrein ganz harmlosen und wischiwaschigen— Beschluß i l i n>bes Reichstags über die Fabrikinspektoren, ziemlich der einzigen ttbegnw„Frucht", die aus den Arbeiterschutzgesetzdebatten hervorgegangen, wurde -- natürlich auf Antrag des Schnapsjunkers Otto— von der Lakaien- .thaberrgesellschaft, genannt Bundesrath,„keine Folge gegeben". an dw Einfach in den Papierkorb geworfen. Notivi« Hätte es sich um ein Almosen für die preußischen libseWS chnapsjunker gehandelt, so wäre das Resultat ein anderes ge< it aui Wesen. Aber hier handelte es sich»m einen kleinen Brosamen, der den Name« Arbeitern hingeworfen werden sollte— und da wurde von den keit d*„praktischen Christen" und„Sozialreformern, wie sie sich selber so gern n Mols benamsen,„keine Folge gegeben." inade« Und dann juckte es dieses Schnapsjunkervolk, dem Reichstag einen keit u» Fußtritt zu versetzen. isis, V Nun— wer Fußtritte empfängt, der verdient sie auch, sagt ein der u-i"lies Sprichwort. Und hat es Recht oder Unrecht? 'ten' p.- Andere Zeiten nnd- Phrasen. Vor 10, IS Jahren, als dem Reichsrausch noch nicht der Reichskatzenjammer gefolgt war, pflegten iake'� Reichsmeier und Reichsreptilien zu prahlen!„Ohne die Erlaubniß zrellste> deutschen Reiches kann kein Kanonenschuß in Europa abgefeuert ber il Verden." rttänB Gs war das eine stehende Lieblingsphrase, die dem biederen Michel si e r e iym Frühstück, Mittagsbrod und Abendeffen aufgetischt wurde. „ Inzwischen ist es anders geworden. Und dieser Tage war in der gut jjismarck'schen„Leipziger Zeitung«, dem amtlichen Organ der sächsischen Regierung, wörtlich zu lesen: „Es wird leider immer klarer, Rußland will Europa sen? �dht zur Ruhe kommen lassen, und es gibt keine licbt �a cht, welche es daran hindern kann." > m S i Also das großmächtige deutsche Reich, ohne desten Erlaubniß vor ' Wenigen Jahren noch kein Kanonenschuß in Europa abgefeuert werden ... bürste, ist jetzt nicht im Stande, das milstärisch. politisch und finanziell Dv s i �otte Rußland an der Störung der europäischen Ruhe zu hindern . i S,;; Ulld zur Raison zu bringen! „ Ti» m®in kläglicheres Eingeständniß können wir uns nicht denken; und im w rf Z°rbeigehen bemerkt, enthält dieses klägliche Eingeständniß die glänzendste ..yjl Rechtfertigung der sozialdemokratischen Abgeordneten, die nach dem logenannten„heiligen Kriege"— unter dem wiehernden Gelächter der steichsmeier— im Reichstage nachwiesen, daß durch die Annexion von a s s e« Elsaß-Lothringen der politische Schwerpunkt des Festlandes von Europa gefep" Nicht nach Berlin, sondern nach Petersburg verlegt worden ist. Num»«__, Pol'---- Wie S von ren, ) Sei ' 8«i| ____ gemacht wird. Unter dem Motto:„Das Neueste dem Polizei-Telephon" schreibt man unS aus Hessen- Darmstadt: de II.. Währenddem sich das bayerische„Volk" über den Tod seines Königs i deck. Kopse zerbricht oder auch zerschlägt, werden in unserm Hesten- Srbei« f nbe und dem preußischen Regierungsbezirk Wiesbaden die Arbeiter den t f11 Allgemeinen und die Sozialdemokraten im Besondern gut thun, Uber die folgende Bekanntmachung, in die uns ein hessischer -.w"reisrath(Gott verzeihe ihm seine polizeiwidrige— Unschuld) Einsicht "; Uehmen ließ, gehörig nachzudenken und sie sich gründlich einzuschärfen. idlich k Das Schriftstück lautet: „DaS Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz an sämmtliche Kreisämter. „S e k r e t"! Betreff: Handhabung des Sozialistengesetzes. —„ Das Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz und die iejenig« Königliche Regierung in Wiesbaden haben mit Zustimmung des Reichs- che» ick kgnzlers folgende Maßnahmen in rubrizirtem Betreff vereinbart: Sämmt- jt so v«che Polizeiorgane haben genaue Listen zu führen über alle gar»'• j-hnen bekannten Sozialdemokraten und dieselben in, von den Kreis- von tz«totem noch näher zu bestimmenden Zwischenräumen, nach beigegebenem Ruhe: Schema einzusenden. Die Listen sind dann zu vervielfältigen und gegen- :e kleick festig auszutauschen.(Das beigegebene Schema, von dem wir ebenfalls der � Ginsicht genommen, lautet:„Franz Maibach, Schloffer, ledig, katholisch, J®.8 Jahre alt, arbeitet in der Zentralwerkstatt der Main-Neckar-Bahn in auf b Darmstadt, war vor vier Jahren nach Amerika ausgewandert, dort mit «sthl,' Most befreundet, lehrte 1885 zurück, seitdem Anarchist. Eltern leben noch, em Zs« huldigen sozialistischen Bestrebungen." Die reine Proskriptionsliste!) Die iges, H?«nzelnen Personen sind scharf zu überwachen, und alle Wahrnehmungen cte«ck Umgehend höhern Orts mitzutheilen. Es ist besonders dabei zu bemerken, die U«- wer agitatorisch thätig ist, oder nur als Anhänger betrachtet werden ngsin® kann. Die Wirthschasten, die von Sozialdemokraten geführt werden, oder glaubj der! edrig> in denen Sozialdemokraten verkehren, sind der Obhut der Aufsichts- behörde besonders zu empfehlen; ebenso habe man ein wachsames Auge auf die Leiter der Fachvereine und deren Beziehungen zu den Sozial« demokraten. Im Weitern ist bei Festlichkesten, Versammlungen und Be- erdizungen ein vorheriges Verbot einer Auflösung vorzu- ziehen, und zwar unter steter Anwendung des§ 9 rubrizirten Gesetzes. Femer wird den Kreisämtern aufgegeben, die in Hesien erscheinenden sozialdemokratischen Blätter, als:„Offenbacher Tageblatt",„Offen- bacher Beobachter" und„Darmstädter freie Preffe" zu abonniren und sobald Anhaltspunkte zu einem Verbote rubrizirten Betreffs sich ergeben sollten, dieselben höhern Orts sofort zu berichten." Soweit der Erlaß, der sich selbst kommentirt, und geeignet ist, in ganz Deutschland zu denken zu geben über das Thema:„Wie wir es herrlich weit gebracht". Wir freuen uns, daß wir zeitig wieder einmal hinter die Schliche gekommen sind. In Darmstadt haben die Genoffen schon einen Theil des„sekreten" Erlasses zu kosten bekommen, es fanden nämlich dort am 11. Juni bei zirka 35 Sozialdemokraten zu gleicher Zeit Haussuchungen statt; gefunden wurde nichts. Wenn wir dies erwäh- nen, so geschieht es nicht, um zu triumphiren, sondern die Genoffen allerorts zur Vorsicht zu mahnen, nichts aufzuheben, woran freche Polizei- nasen schnüffeln können. Wird das beherzigt, so werden wir, wie wir aus das Sozialistengesetz gepfiffen haben, auch aus den„sekreten" Erlaß pfeifen. ll-d-l. Der Einsender hat Recht: der Erlaß kommentirt sich selbst, denn was soll man zu diesem„Dokument von unserer Zeiten Schande" noch hin- zufügen? Höchstens daß es schwerlich für Heffen allein geschaffen wurde — man holt hier nur nach, was in Preußen schon längst geübt wird. Das preußische Spitzelsystem wird unter der Hand Reichs fache, der Jhring-Mahlow vollendet die moralische Eroberung Deutsch- lands, er fügt den Schlußstein zum Gebäude der herrlichen, heiß ersehn- ten deutschen Einheit. In ihm verkörpert sich das neue deutsche Reich, von dem einer der besten Einfälle der Weltgeschichte es gefügt hat, daß derjenige, der den offiziellen Anstoß zu feiner Schaffung gegeben, wie jetzt amtlich festgestellt ist, ein Verrückter war. Und dazu sagen auch wir: Kommentar überflüssig. — Herr Meyer(Kirchhofs-Meyer, auch Rother Meyer) ist von dem König von Preußen und Kaiser von Deutschland b e g n a- digt worden. Und nicht blos begnadigt, sondern auch wieder in sein früheres Amt eingesetzt. Und nicht nur wieder eingesetzt, fon- dem auch mit erhöhtem Gehalt wieder eingesetzt. „Unglaublich", ruft vielleicht ein Naiver aus, der sich nicht denken kann, daß eine solch blutdürstige, durch einen Richterspruch gebrand- markte Kanaille der Allerhöchsten Gnade theilhaftig geworden sein könne. Es muß ein sehr Naiver sein, der so denkt. Im Gegentheil— der Frankfurter Kirchhofs-Meyer hat ja in den Augen der Hohen, Höchsten und Allerhöchsten nur das eine Verbrechen begangen: die Frankfurter Sozialdemokraten nicht vor die Bajonnette und Flinten gebracht zu haben. Und dieses Verbrechen läßt sich ja möz- licherweise noch gut machen. Er wird wohl versprochen haben, das nächste Mal es besser machen zu wollen. Und warum sollte er nicht auf Er- folg hoffen? Hat man ihm nicht den Original-Jhring Mahlow zu Hülfe geschickt, der zwar nominell als Gefängnißbeamter fungirt, in Wirklichkeit aber seine alte Beschäftigung forttreibt? Putty, Putty ist wirklich ein verflixt pfiffiger Kerl, der„seinen Leuten" Gelegenheit gibt, sich auszuzeichnen. Schade nur, daß die Frankfurter so böse Spiel- verderber sind. u. Die Puttkirmerlinge an der Arbeit: Ausweisungen aus Berlin; Haussuchungen überall; Vereinsauflösungen überall; Versamm- lungsverbote überall; Feldzug gegen die Fachvereine überall. Zeitungen verboten; friedliche Arbeiter überfallen, mißhandelt, eingesperrt— kurz, wahre Polizei-Orgien. Weshalb das Alles? Um die Arbeiterbewegung und die Sozialdemokratie„todtzumachen"? S o dumm sind die Puttkamer und Puttkämmerlinge doch nicht. „Ein sonst sehr ruhiger Arbeiter",— so schreibt man uns aus einer größeren deutschen Stadt—„der bisher zwar mit der Sozialdemokratie sympathisirt hatte, aber nicht thätig für sie eingetreten war, meinte dieser Tage, als gerade von der Auflösung seines Fachvereins die Rede war: Ich habe es immer für eine Uebertreibung gehalten, wenn unsere Abgeordneten im Reichstag die Regierung beschuldigten, sie wolle Putsche provoziren. Jetzt bezweifle ich es nicht mehr. Das Vor- gehen der Regierung wäre sonst völlig unbegreiflich. Man will A n a r- chisten züchten und die Arbeiter vor die Bajonnette treiben!" Und so denkt die Maffe der deutschen Arbeiter. Daß wir diese Auf- saffung für richtig halten, das wissen unsere Leser. Das bankrotte Schnapsjunkerthum weiß keinen Ausweg mehr. Wird nicht bald„ge- hauen, geschaffen und gestochen"— die einzigen Regierungskünste, auf welche sich dieses Volk versteht— so ist es am Ende seines Lateins. Also— — ES lebe der Fortschritt! Die Verwaltung der Oberschlesischen Eisenbahnen hat auf der Strecke von Habelschwerdt nach Mittel- walde weibliche Hülfs-Bahnwärter eingestellt. Dieselben haben die Barrieren zu schließen und das Signalisiren zu besorgen, wäh- rend den Bahnwärtern die Revision der Bahnstrecken obliegt, die zugleich erheblich verlängert worden sind. Dank dieser Einrichtung können eine ganze Anzahl von Bahnwärtern entlassen werde«, was für die Verwaltung eine hübsche Ersparniß ergibt, denn die eingestellten Frauen erhalten für Ivstitndige Dienstzeit(von früh K bis Abends 10 Uhr) einen T a g e l o h n von— man höre!— 35 Pfennig! Und da sage man noch, daß Preußen nicht ein Staat des Fortschritts ist. In andern Ländern deklamirt man von Frauenrechten und Frauen- emanzipation, in Preußen aber wird gehandelt! Ein neuer Beruf nach dem andern wird der Frau eröffnet. Es ist wahr, die höheren Berufe hält man der Frau verschloffen, aber das geschieht nur, weil sich dieselben nicht mit der edleren Weiblichkeit vertragen, keines- w?gs aber, weil man in jenen Sphären sich eine unbequeme Konkurrenz vom Leibe halten will. Behüte! Um sich einem wiffenschaftlichen rc. Beruf zu widmen, dazu ist die Frau zu zart konstruirt, dazu entbehrt sie der Energie des Charakters, darum begnüge sie sich damit, Steine zu schleppen, Erde zu graben, Maschinen zu bedienen und über Eisen. bahnzüge zu wachen. Solche Beschäftigung verträgt sich mit ihrer physi- schen und geistigen Konstitution und namentlich auch mit den Gesetzen der— Billigkeit. So löst man in Preußen spielend die schwierigsten sozialen Probleme und macht noch hübschen Profit daisti. Man ist eben nicht umsonst Sozialreformer ersten Ranges. Stimmt darum ein mit uns, ihr aus- rangirten Bahnwärter, in den begeisterten Ruf: Es lebe der Fort- schritt! — Wo die Polizei ist, nnd wo fie nicht ist. Am Himmel- sahristag fand in Rixdorf bei Berlin eine heftige Feuersbrunst statt, welche von Spitzbuben zu großartigen Diebereien benutzt wurde— die Polizei glänzte durch Abwesenheit. An demselben Tag machten einige Berliner Sozialdemokraten einen Ausflug in den Grunewald und hier glänzte die Polizei durch A n- Wesenheit. Einige Dutzend Exemplare der Menschenspezies genannt „Schutzmann" stellten den ganzen Tag lang tiefsinnige Forschungen an über die Zahl der geleerten Seidel, über die Qualität der verspeisten Schinkenportionen, und über die musikalische Veranlagung der einzelnen Spaziergänger und Spaziergängerinnen. Inzwischen waren die Spitzbuben in Rixdorf thätig. Der Zusammenhang zwischen der Grunewalder Polizei-Thätigkeit und der Rixdorfer Polizei- U n thätigkeit ist so in die Augen springend, daß sogar das„Berliner Tageblatt" ihn bemerkt hat. Es schreibt: „Wenn bei dem beklagenswerthen Vorkommnisse(dem Brande in Rix dorf) die Behörde sich so gänzlich außer Stande zeigte, die Ordnung aufrecht zu erhalten, so hat man dies auf den unglücklichen Zufall zurüll- zuführen, daß der größte Theil der vorhandenen Gens- darmen grade an diesemTage zurVerhinderungeiner von denSozialdemokraten imGrunewald geplanten Versammlung dorthin abkommandirt war, die Berliner Schutzmannschaft aber nicht berechtigt ist, außerhalb des Weichbildes der Stadt ihre Wirksamkeit zu entfalten." Unsere Leser wissen, daß wir schon bei früheren Gelegenheiten auf die Vortheile hingewiesen haben, welche das Sozialistengesetz den kleinen und auch großen Spitzbuben gewährt. Ob die Urheber des Schandgesetzes diese Vortheile beabsichtigt haben, das wollen wir dahingestellt sein lassen. Gewiß ist, daß sie nur im Geiste der von ihnen vertretenen Staats- und Gesellschaftsordnung gehandelt haben, indem sie den Spitzbuben groß und klein auf so wirksame Weise Vorschub leisteten. Der Diebstahl und die Ausbeutung bilden so recht eigentlich den Zweck der heutigen Ordnung der Dinge. Der Regel nach sind frestich die großen Diebe sehr schlecht auf die kleinen zu sprechen; indeß warum sollte denn nicht einmal das Solidaritätsgefühl bei ihnen zum Durchbruch gekommen sein, und die dicke Kruste der Heuchelei gesprengt haben? Jedenfalls haben die Väter und Geburtshelfer des Sozialistengesetzes stch im richtigen Klaffeninstinkt um die Langfinger sehr ver» dient gemacht. Und wir sind überzeugt: die Berliner„Schutzleute", die am vorigen Himmelfahrtstag den Spitzbuben zu einer so reichlichen Ernte verhalfen, werden dafür nicht bestraft, sondern im Gegentheil noch belobt und vielleicht belohnt werden. — Ein österreichischer Jhring-Mahlow. Man schreibt uns aus Wien: In der Debatte über den ersten Theil des österreichischen So- zialistengesetzes, durch den die Geschwornengerichte für sozialistische An- geklagte abgeschafft werden, gab der Abgeordnete Kronawetter folgendes Histörchen zum Besten: „Im Jahre 1884 hat sich in Wien ein Hochverrathsprozeß abgespielt. Ein Arbeiter soll Dynamit zu sozialistischen Zwecken erzeugt haben; ein Arbeiter war aber mit Wissen der Polizei Derjenige, der das Dynamit gemacht hat, der die Arbeiter unterrichtet und die Anderen dazu verführt hat. Dieser Agent provocateur hätte wegen Mit- schuld angeklagt werden müssen, und nach den Grundsätzen über die Mit- schuld hätte auch jener Polizeibeamte angeklagt werden sollen, welcher ihn zu diesem Zwecke gedungen hat.(Rufe links: Frankl!) Ich werde gefragt, ob das der Frankl war. Ich weiß das nicht; nur so viel ist gewiß, daß auf Veranlassung dieses berühmten Mannes— um mich nicht eines anderen Ausdruckes zu bedienen— eine Abolition stattgefunden hat. Man hat durch kaiserliche Gnade diesen ganzen Prozeß niedergeschlagen. Ich fordere die Regierung und den Justizminister auf, zu sagen, ob das wahr ist oder nicht; und wenn es wahr ist, frage ich, sind gegen die schuldtragenden Polizeibeamten Maßregeln ergriffen worden, oder haben die viel- leicht auch dreißig Vorgänger präterirt(im Avancement übersprungen), wie es bei Frankl der Fall war?" Der Justizminister antwortete auf diese Anklage in sehr reservirter Weise: „Es ist richtig, daß im Jahre 1834 es allerdings gelungen ist, einem Komplotte auf die Spur zu kommen, welches die Absicht gehabt hat, Dynamit zu erzeugen und damit mehrere öffentliche Gebäude in die Luft zu sprengen. Es ist wahr, daß einer der Mitschuldigen derjenige war, der die Handlung selbst— ich glaube(!), es geschah von Reue(!!) ergriffen— der Behörde angezeigt hat. Es ist aber durchaus nicht rich- tig, daß irgend ein Verkehr zwischen der Polizei und diesem Menschen stattgefunden hat, ihn zu verleiten und zu dingen, als Agent provoca- teur bei diesem Attentate aufzutreten, und daß er als solcher überhaupt handelte. Er. war eben ein Mitschuldiger wie viele andere Verleitete. Es ist weiters richtig, daß aus siraspolizeilichen und anderen Gründen, nachdem der Aufenthalt des Urhebers und Hauptschuldigen, welcher ent- flohen war, nicht ermittelt werden konnte, der Strafprozeß gegen die übrigen Betheiligten, die in Untersuchungshaft waren, eingestellt worden ist, und zwar im Wege der Abolition." Die Bethsuerungen des Ministers wurden selbstverständlich von Nie- mandem ernst genommen. Es ist ja rein lächerlich, daß in Oesterreich Dynamitattentäter nur aus dem Grunde begnadigt werden sollten, weil der Hauptschuldige nicht erwischt wurde. Das soll in Oesterreich, in dem Lande vorkommen, wo brave Arbeiter wegen Verbreitung sozia- listischer Schriften zu 12 bis 20 Jahren schweren Kerkers verurthestt werden! Nimmermehr. Die Begnadigung erfolgte nur deshalb, weil das plumpe Spiel des österreichischen Jhring-Mahlow rechtzeitig durchschaut wurde, und weil man keinen Skandal heraufbeschwören wollte. Was aber liegt dem Ministerium Taaffe daran,.daß diese bodenlose Gemeinheit und Niedertracht seiner Kreaturen jetzt öffentlich konstatirt wurde? Es legt diese Schmach in Ruhe zu den übrigen. Minister und Esel haben dicke Häute. Und die Spitzelwirthschaft gehört zu den gehei- liztsten Einrichtungen des Staates und der Gesellschaft— in Oesterreich wie in Preußen. — Immer nur hübsch gerecht! In Schweidnitz in Schlesien wurde der Gefängnißinspektor Papst, der einen Gefangenen, de« er für einen Proletarier hielt, trotz wiederholter Hilferufe einem in der Zelle ausgebrochenen Feuer zum Opfer fallen ließ, zu einem Jahr Ge« fängnih verurthestt. Wem diese Strafe für eine grobe fahrlässige Tödtung zu gering erscheint, dem bemerken wir, daß der Staats, a n w a l t— F r e y t a g ist der Name des Wackeren— auf vier Wochen Gefängniß plädirt hatte. Du liebe Zeit, so ein Beamter ist ja doch auch nur ein Mensch, und es liegt durchaus nicht im Beruf des Staatsanwalts, hohe Strafen zu beantragen. Er soll nur dem Recht Genugthuung verschaffen: vier Wochen Gefängniß für ein Vergehen, das mit Gefängniß bis zu f ü n f I a h r e n bedroht ist, das ist ja über- reichlich genug. Einen Menschen dem Verbrennungs- oder Erstickungstod überlassen, ist ja keine Majestätsbeleidigung. Hätte Papst sich einer solchen schuldig gemacht, dann würde es ihm 'wahrscheinlich noch schlechter ergangen sein wie dem Harmonikabouer Johann Wafferab in Breslau, der in der gleichen Woche wegen Majestätsbeleidigung zu iJahr 6 Monaten G e f ii n g- n i ß verurtheilt wurde. Die Majestätsbeleidigungsprozesse scheinen überhaupt wieder blühen zu wollen. Wenige Tage zuvor war in Breslau der ehe- malige Eisenbahn. Expeditions Assistent Grunwald, der den Kaiser und den Prinzen Wilhelm beleidigt haben sollte, ebenfalls zu 1 Jahr und 6 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. In Berlin wurde am 19. Juni ein l8jShriger Kausmannslehrling(amerikanischer Bürger) wegen einer in der Trunkenheit und Erregtheit ausgestoßenen Majestätsbeleidigung zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt. Als De- nunziant funzirte einer seiner Kollegen. Schade, daß der Name dieses hoffnungsvollen Staatsbürgers in den Berichten nicht mit angegeben ist. Er hat seine Zeit begriffen! — SozialreformatorischeS. Herr von R i ch t h o f e n, Pütt- kamer's gehorsamster Spezial- Lakai, hat den Buchbinder Friedrich M i ch e l s e n und den Maurer F. W i l k e, Expedienten des„Bauhand- werker", auf Grund des Schandgesetzes aus Berlin ausgewiesen, den„Verein zur Wahrung der Interessen der Tapezierer Berlins", sowie die mit Herausgabe einer„Tapezierer-Zeitung" beauftragte Kommission ausgelöst. Ferner wurden von Puttkamer's Hand- langern verboten: Die in Offenbach erscheinende„Staatsbür- gerin", Organ des Arbeiter-Frauen- und Mädchen-Unterstützungs- Vereins, redigirt von Frau Guillauzne-Schack, die in Mainz erscheinende„Deutsche Gerberzeitung", sowie eine ganze Anzahl von Arbeiterversammlungen. In Magdeburg haben die Komites der Maurer undZim« mermeister ein Rundschreiben an die auswärtigen Innungen ergehen lassen, in welchem sie die Vertrauensmänner der Arbeiter, mit denen sie wegen der Forderung eines Minimallohnes von vier« zig Pfennig per Stunde im Konflikt liegen, als Rädels« s ü h r e r bezeichnen, die„werthen Kollegen" bitten, diese„Rädels- f ü h r e r" nicht zu beschäftigen, und sie ihrer Bereitwilligkeit zu Gegendiensten versichern. Natürlich finden weder Puttkamer noch irgend ein Staatsanwalt an der Korrektheit dieses Rundschreibens irgend etwas auszusetzen. Dasselbe ist vielmehr im höchsten Grade geeignet, den öffentlichen Fr>eden, ins« besondere die Eintracht der Vevölkerungsklassen in jeder Weise zu ge— pardon, zu befördern. Alle Preußen sind vor dem Gesetze gleich, Standesvorrechte finden nicht statt. Wer's nicht glaubt, studire die von Puttkamer, Richthofen, Arnim und Konsorten„so wahr mir Gott helfe" beschworne preu- ßische Verfassung. — In München wurden am 19. Juni nach mehrtägiger Verhandlung nicht weniger als 26 Sozialisten wegen„Geheim- b ü n d e l e i" verurtheilt, und zwar die Genossen Löbenberg, Schönlank,-W. Ernst, Winterblum(Schreiner). Lieber- mann(Messerschmied) und Urban(Spengler) zu je sechs Mo- n a t e n, die Genossen Andrä(Vergolder), Kapp(Kaufmann), Soers- mann, Dotter und Mühlbauer(Schneider), I. Bauer, Klein- hönig, Ullmann undEifele(Schuhmacher), Weindl(Sieb- macher), Pollinger(Schmied), Böttger, Püttig, Othmer und Poth(Schreiner), Erichsen(Schriftsetzer), Birk(Bierwirth), Angermeier(Maurer), Griepentrog(Schlosier), sowie Frau Urban zu je drei Monaten, zusammen also zu 96 Monaten Gefangniß! Wie das„Recht auf Arbeit" mittheilt, befinden fich unter den Verertheilten 15 Verheiratete mit theilweise sehr starker Familie. Sechs Angeklagte wurden freigesprochen. Soweit die Einzelnheiten des Prozesses ein besonderes Jntereffe in Anspruch nehmen, wird uns ein Spezialbericht zugehen, für heute sei nur konstatirt, daß die Anklage vorzugsweise auf die Angaben der Polizeikommifsäre Gehret und Auer, die auf Grund des famosen Dienstgeheimniffes ihre Gewährsmänner zu nennen verweigerten, sowie auf die protokollarisch aufgenommenen Aussagen eines gewissen Lutz begründet ward, der sich als Genofle gerirt hatte und auch mitangeklagt war, aber im Laufe der Untersuchung gestorben ist. Ferner fungirten als Belastungszeugen zwei in ihren Liebesgefühlen verletzte Frauen rc. Der ganze Prozeß gualifizirt sich als ein Tendenzprozeß, wie ihn die Hausknechte des biederen Feilitzsch schän öfter inszenirt, um den verrückten Ludwig von ihrer Unentbehrlichkeit zu überzeugen. Da Bayern von Friedrichsruh aus regiert wird, so ist nicht zu befürchten, daß der Tod Ludwigs eine Aenderung in dieser Polizeiwirthschaft zur Folge haben wird. — Preußen marschirt voran. Einer von der„Berliner Volks- zeitung" veröffentlichten Statistik über das Fabrikinspektions- wesen in Preußen und dem übrigen Deutschland entneh- men wir folgende charakteristische Zahlen: Es kamen 1884: In Preußen ein Fabrikinspettionsbezirk auf Quadrat- kilometer Revisionen durchschnittlich pro 1000 Quadratkilometer Im übrigen Deutschland 1g.33K 3,130 18.7 70 (im Kgr. Sachsen 483). aus denen genauere In acht preußischen Jnspektionsbezirken, Berichte vorliegen, wurden 1884 nur der zehnte Theil der zu be- aufsichtigenden Anlagen besichtigt, während in Sachsen 50 Prozent derselben zur Besichtigung kamen, was bei der Größe der preußischen Jnspektionsbezirke kein Wunder nehmen kann. Als aber neulich die vom Reichstag beschloffene Resolution auf Ver- mehrung der Fabrikinspektorate im Bundesrath zur Verhandlung kam, da beschloß(s. o.) diese erleuchtete Körperschaft kurzerhand, über die Resolution zur Tagesordnung überzugehen. Auf weffen Antrag— nicht doch— Befehl dieser Beschluß gefaßt wurde, brauchen wir nicht erst zu sagen: es ist Preußen, das Bismarck'sche Preußen oder das Preußen Bismarcks oder Bismarck von Preußen, dem die Fabrikinspektion nicht paßt. Polizei allüberall, Spitzel hier und Spitzel da, in jede Versamm- lung, in jede Zusammenkunft von Arbeitern, die ihre gewerblichen In- tereffen besprechen, in jede Schenke, wo Arbeiter verkehren, hinter jeden Politiker, der nicht vor Bismarck bauchrutscht, überall Polizei, nur keine Beaufsichtigung der F a b r i k e n, die kann der Schnapsbrenner, Papier- fabrikant und Sägemüller nicht leiden— in diesem Punkte will er Freiheit, volle unbeschränkte Freiheit, da läßt er Preußen voranmar- schiren, wie ja auch unter seinem glorreichen Regiment Preußen noch dahin kommen wird, auch auf dem Gebiet des Schulwesens nicht nur die übrigen deutschen Staaten, sondern auch Frankreich, England, Italien ic., auf die man in Preußen ehedem so geringschätzig herabsah, weit hinter sich zu laffen— was nämlich die Zahl der von jeder einiger- maßen genügenden Schulbildung„frei" Gebliebenen anbetrifft. Holland. Unser Genoffe F. Domela Nieuwenhuis ist vom Gerichtshof im Haag wegen Beleidigung des Königs von Holland und Schmähung eines Beamten, begangen durch die Preffe, zu einem Jahr Gefängniß und 50 Gulden Geldstrafe verurtheilt worden. Die Haltung Nieuwenhuis' vor Gericht war eine überaus würdige und feste. Als ihn der Vorsitzende wiederholt in seiner Vertheidigungsrede unterbrach, erklärte er, auf jede Vertheidigung ver- zichten zu wollen. Politische Preßprozesse gehörten bisher in Holland zu den unbekannten Dingen, denn Holland ist ein„Verfassungsstaat". Daß man sie jetzt aus der Rumpelkammer heraussucht, beweist, daß man anfängt, den Sozia- lismus zu sürchten. Und daß es Nieuwenhuis ist, der für eine zwar scharfe, aber in gemeffenen Ausdrücken gehaltene Kritik in's Gefängniß muß, ist die osfizielle Anerkennung von der Wirksamkeit seines Auf- tretens. Wir grawliren ihm dazu von Herzen! Korrespondenzen. Brannschweig. Wir haben schon kurz an das Parteiorgan berichtet, wie die hiesige Polizeidirektion den Puttkamer'schen Ukas zur Ausführung bringt. Wörtlicher hat wohl bis jetzt selbst keine preußische Polizeibehörde den famosen Erlaß zur Ausführung gebracht. Den traurigen Ruhm, die Herrn Puttkamer offiziell unterstellten Satrapen an Liebedienerei noch überboten zu haben, hat sich unzweifelhaft die biedere braunschweigische Polizeidirektion erworben. Doch laffen wir kurz das Wesentlichste über den Maurerstreik hier folgen: Die Maurergehilfen beschloflen in mehreren, zu diesem Zwecke abgehaltenen Versammlungen, mit folgenden Forderungen an ihre Prin- zipale heranzutreten: 1) Ein Minimallphn von 35 Pf. pro Stunde; 2) gleiche Kündigungsfrist für Arbeiter und Arbeitgeber; 3) Auszahlung des vollen Lohnes am Wochenschluffe; 4) an den Tagen vor den großen Festen eine Stunde früher Feier- abend ohne Lohnabzug. Falls diese Forderungen nicht bewilligt werden sollten, beschloß man, partielle Streiks in Szene zu setzen. Auf diesen Beschluß erließ Namens der Baugewerken-Jnnung der Obermoister oerselben in den amtlichen „Braunschw. Anzeigen" folgende Bekanntmachung: Eine anonyme Strike-Kommiffion hiesiger Maurergesellen hat mit Um- gehung und Mißachtung des gesetzmäßig gewählten Gefellenausschusses den Beschluß gefaßt und zur Ausführung gebracht, die Geschäfte der hiesigen Maurermeister durch partielle Strikes lahmzulegen, um auf diese Weise die Inhaber der bedrohten Geschäfte zu zwingen, sich zur Zeit ganz unerfüllbare Forderungen ausbürden zu laffen. Um dieser Bedroh- »ng der einzelnen Geschäfte wirksam entgegenzutreten, hat die hiesige Baugewerken-Jnnung beschloffen, daß am Mittwoch, den 2. Juni e. in sämmtlichen, der Innung angehörigen Maurergewerken die Gesellen ent- laffen werden, sobald in einzelnen Geschäften am Sonnabend, den 29. Mai, von den Gesellen die Arbeit niedergelegt und damit die ange- griffenen Geschäfte gesperrt werden. Die hiesige Baugewerken-Jnnung beginnt mit diesem Beschluffe einen schweren Kampf um die Ausrechterhaltung der bedrohten gesellschaftlichen Ordnung. Der Kampf ist um so schwerer, weil dem Publikum theils die Ausgangspunkte zu fern liegen, theilS auch so durchaus technisch-geschäft- sicher Natur sind, daß sich nur dem Fachmann ein völlig klares Bild der Lage entwickeln läßt. Und doch bedarf die Innung zur Durchführung dieses Kampfes der Gunst der Behörden(!) und des Publikums in hohem Maße. Diese Gunst zu erbitten, ist der Zweck der vorstehenden Bekannt- machung. Braunschweig, den 28. Mai 1886. Hochachtungsvoll Die Baugewerken Innung zu Braunschweig. I. A.: Albert Rieß, Obermeister. Hat man jemals eine frechere und gehässigere Sprache gegen- über so mäßigen Forderungen, wie die oben ftizzirten. gelesen? Ganz unumwunden wird die Behörde aufgefordert, die Herren Jnnungs- meister in ihrem Kampfe gegen die Arbeiter zu unterstützen. Und das Publikum wird graulich gemacht mit den Worten: Durch den Maurer- streik sei die gesellschaftliche Ordnung bedroht! Man sieht, daß die hiesige Baugewerken-Jnnung, deren Hauptvertreter der Zimmer- meister Albert Rieh ist, nach berühmten Meistern arbeitet. Hier sei er- wähnt, daß dieser Obermeister einer der niederträchttgsten und zehäffig- sten Sozialistenfreffer ist. Auf diese Bekanntmachung erließen die Maurer im„Braunschweigi- schen Unterhaltungsblatt" eine Abwehr zur Klarstellung, in der die For- derungen der Gehilfenschaft dem Publikum unterbreitet wurden. Von den Inhabern der Baugeschäste wurde hierauf eine öffentliche Versamm- lung einberufen, und zu dieser auch ein Theil der Arbeiter eingeladen, um eine Verständigung mit denselben zu erzielen. Zu einer solchen kam eS aber in der Versammlung nicht, da die Maurer darauf bestanden, daß die Jnnungsmeister und Inhaber von Baugeschästen nur mit der von ihnen gewählten Kommission verhandeln, wogegen sich der Hochmuth derselben sträubte. Ferner wollten aber auch die Herren die Forderungen der Maurer nicht bewilligen, sondern nur zu Punkt 2 und 3 eine Verständigung„anbahnen". Es wurde nun von Seiten der Ar- beiter eine neue Versammlung einberufen, und diese Versammlung ist eS, welche auf Grund des Sozialistengesetzes verboten ward. Die Verbotsverfügung lautet: „Auf die Eingabe vom 7. d. Mts. eröffne ich Ihnen, daß die auf den heutigen Abend zur Verhandlung über Streikangelegenheiten angemeldete öffentliche Versammlung der Maurer und Steinhauer auf Grund des § 9 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 hiermit verboten wird. Das Ergebniß der am 5. d. Mts. stattgehabten Maurer- und Stein- hauer-Versammlung, in welcher die Forderungen der Gesellen seitens der Meister im Wesentlichen(!) gewährt sind, hat den Charakter der Streik- bewegung geändert. Verbesserung der Arbeitsbedingungen ist nicht mehr Zweck des fortgesetzten Streiks; dem durch sozialdemokratische Agita- toren veranlaßten weiteren Streik liegt vielmehr nur noch die Absicht zu Grunde, sozialdemokratische Umsturzbestrebungen zu fördern. Die Ver- sammlungen der Streikenden können daher ferner nicht geduldet werden. Braunschweig, den 8. Juni 1883. Herzogliche Polizeidirektton: Orth. Gleichzeitig erläßt die Polizeidirektion noch folgende Bekanntmachung: Mit Bezug auf K 10 N. 6 des die Bestrafung der Polizei-Uebertretungen betreffenden Gesetzes vom 27. November wird hiedurch verboten, durch öffentliche Blätter oder durch Sammlung in den Häusern zur Leistung von Beiträgen zur Unterstütz- ung der streikenden Maurer und Bauarbeiter aufzu- fordern. Das von der Polizeidirektion vorgeführte braunschweig. Gesetz be- droht mit Strafe,„wer durch öffentliche Blätter oder durch Sammlung in den Häusern zur Leistung von Beiträgen zu Zwecken der Wohlthätigkeit oder zu anderen gemeinschaftlichen Unternehmungen auffordert, nachdem solches durch die Polizeibehörde verboten ist." Man sieht, auf welche Weise heute den Arbeitern das Koalitionsrecht Seitens der Polizeibehörden illusorisch gemacht wird. Freilich darf es Wunder nehmen, wenn von Oben herab die Parole dazu ausgegeben wird? Es wird aber auch hiermit die im„Sozialdemokrat" ausgespro- chene Meinung bestätigt, daß Herr Puttkamer zwar nominell nur preu- ßischer, aber thätsächlich Reichspolizeiminister sei. Wenn etwas geeignet ist, die Arbeiter mehr zu verbittern, so ist es dieses brutale Vorgehen der Polizei. Dieses Vorgehen öffnet aber auch den indifferenten Arbeitern die Augen, und erweckt in denselben die Ueberzeugung, daß die einfachsten Rechte der Arbeiter mit Füßen ge- treten werden. Dadurch werden aber die Reihen der Sozialdemokraten nur verstärkt. Für die Stärkung unserer Partei sorgen unsere heutigen Gewalthaber, ohne es zu wollen. Noch zwei allgemeine Arbeiterversammlungen wurden hier verboten. Die erste Versammlung, in der der Abgeordnete B l o s über die Thä- tigkeit des Reichstags referiren wollte, wurde mit dem Hinweis ver- boten, Bios habe früher Bücher geschrieben, aus denen unzweifelhaft her- vorgehe, daß er eine revolutionäre Gesinnung habe, und weiter habe derselbe auch die in Hamburg erschienene, und später auf Grund des Sozialistengesetzes verbotene„Gerichts-Zeitung" redigirt, die diese Auf- faffung nur bestätige. Also was Blas früher gesagt und geschrieben hat, ist maßgebend und dient als Grund dazu, heute eine Versammlung zu verbieten, in der derselbe in seiner Eigenschaft als R e i ch s t a g s a b- geordneter seinen Wählern Bericht erstatten will. Die zweite Ver- sammlung mit der Tagesordnung:" c Koalitionssreiheit der Arbeiter, wurde kurz und bündig auf Grund.>es Sozialistengesetzes verboten. Dies beweist aber zu Genüge, daß hier eine jede allgemeine Ar- beiteroersammlung verboten wird. Nur immer so weiter, wer aus diesem Kampfe einst als Sieger her- vorgehen wird, das wird die Zukunft lehren. Lr. Zürich.(Nachruf.) Am 21. Juni bestatteten wir hier einen braven Genoffen, den Zinngießer Franz Siegle aus Weil der Stadt in Württemberg. Siegle'/ der nur 41 Jahre alt geworden, gehörte unserer Partei seit 1837 an. In den Jahren 1873 und 1874 und später war er in Straß bürg für unsere Sache sehr thätig; 1881 wurde er aus Befehl Manteuffels von dort ausgewiesen. Er ging nach Z u g in der Schweiz und organifirte dort eine Mitgliedschaft, deren Seele er war. 1834 begab er sich nach Eßlingen und entwickelte da- selbst bei der Wahlkampagne 1884 eine unermüdliche Thätigkeit, die ihm die Anerkennung der Eßlinger Genoffen in hohem Grad erwarb. 1885 etablirte er sich in Küßnacht am Zürichsee und zog Neujahr 1883 hieher, wo ihn der Tod gerade in dem Moment ereilte, als es ihm mit großer Mühe gelungen war, sein Geschäft existenzfähig zu machen. Als Genosse war Siegle selbstlos und opfermüthig wie wenige. Er war einer von den Soldaten, die ruhig arbeiten, ohne viel Aufsehen zu machen, deren Namen nicht in weitere Kreise dringen, die aber um so höher von denen geachtet werden, die Zeugen ihres Wirkens sind. Aber nicht nur in seiner Parteithätigkeit bewährte sich Siegle, son- dern auch in seinem Privatleben. Er verzichtete auf Gründung einer eigenen Familie und sorgte seit einer Reihe von Jahren für eine Schwester mit ihrem Kinde, während die übrigen, sehr bigotten Familienmitglieder, darunter ein Bruder, der Pfaffe ist, sich nicht um sie kümmerten, und ihn als einen„Schandfleck" der Familie betrachteten. Jetzt, nachdem er todt ist, wollten sie aber trotzdem den Pfaffen an seinem Grabe haben, zu welchem Zwecke eine Schwester extra hergereist kam. Seine hier be- findliche Schwester und die Genossen sorgten aber dafür, daß dem Todten diese Schmach, die er be: Lebzeiten bitter empfunden haben würde, erspart blieb. Genoffe T a u s ch e r sprach einig» warm empfundene Worte am Grabe unseres Freundes und legte im Nomen der Zürcher Mitgliedschaft einen Lorbeerkranz mit rothcr Schleife au, dasselbe nieder. Wir werden das Andenken des Dahingeschiedenen in Ehren halten. G«itt«ng. Von den rothen Internationalen in Samaden(Engadin) für die streikenden Schlosser in Zürich Fr. 14 20 erhalten zu haben, bescheinigt dankend Für die Streikkommission: PH. H., Kassier. Briefkasten der Redaktion: Einsendunzen eingeftoffen aus: Dresden Stuttgart, Offenburg, Stadthagen. Haß: Mskrpt. em- pfangen. Dank. Verwendung baldigst. Mainz: Erklrg. empfangen. Antwort brieflich. Rosenbg. in New- York: Bf. empfangen, Bespr. der gesandten Schriften in nächster Nummer. der Expedition: Ferd.: Bf. pr. Beil. am 22/3. erh. Betr.Mz. andrer Meinung.— Ch. Pommer Limeira: Bf. v. 24/5. am 20/3. erh. N. W. II abgsdt., ebenso Bldr. Weiter Gewünschtes separat unmög- lich, ins Ganze zu kostspielig. Gruß!— Falken: Wird noch kommen. Zwischenhand sehr schwerfällig. Jsf. wohlbehalten angelegt und längst weiter. Forts, folgt dir.— Dr. Clemm: Mk. 15 90 pr. Verlag gutgebr. Erfragtes unterwegs.— O. E. H. a. S.: Ihr Verlangen vom 17/6. haben am 19. geeigneten Orts vorgelegt.— I. G. Wbdn.: Mk. 5— f. Bldr. u. Porto erh. Sdg. am 17 3. fort.— An der Eule: Mk.87— f. Ab. u. Schft. erh. Bstllg. folgt nach Wunsch.— Sch. H. B. i. O.: Mk. 4 30 Ab. 3. Qu. erh.— Appollos: Mk. 3— Ab. 3. Qu. u. Schft. erh.— Rothfärber: Mk. 130 ä Cto. Ab. ic. erh.— Verrina: Mk. 650— ä Cto. Ab. u. Schft. pr. Frd. erh.— Ahlemann: Mk. 1322 03 ä E Ab. u. Schft. desgl. erh.— Zaun-Eisen: Mk. 7— Ab. 3. Qu. u. Sch erh. Mit Nr. 26 Weiteres berichtet.— Bukarest: Fr. 100— am I81 erh. Bf. erwartet.— Fuchs: Mk. 500—& Cto. Ab. u. Schft. o Adr. geordnet. Bfl. mehr.— Rothe Fahne: Mk. 14 29 Ab. 2. Qu. erh.- P. Rhl. Schi.: Mk. 3— Ab. 3. Qu. erh.— Beelzebub: 1 4 50 Ab. 3. Qu. u. Schft. erh. Bstllg. nach Wunsch. Schreiben Sie W direkt an ihn.— F. B. Jnterlaken: Fr. 1— ä Cto. Ab. ab Mitte Z< gutgebr.— K. Sch. B.: Mk. 37 45 ä Cto. div. Ab. erh. Bfl. mehr. Hannibal: Mk. 4 30 Ab. 3. Qu. erh. Beil. tc. besorgt. Benützte# gut.— Landkreis Köln a/Rh.: Mk. 100 ä Cto Ab. tc. erh.— RoV Apostel: Bf. v. 14. am 17/3. beantw.— Zug: Fr. 10— ä Cto. i erh.— Dr. P. SB. T.: Mk. 4 50 f.'Schft.»c. erh. Sdg. abgg.—! Rp. tldf.: Mk. 3- Ab. 2. Qu. erh.— G. Mr. Kp.: Mk.— 40 si 1 S.-D. erh.— S. W. C. a. R.: Mk. 6 05 f. Schft. erh. Sdg. ab! — C. Fl. Ndf.: Mk. 3- Ab. 3. Qu. erh.— Roderich: Das 3. C wird hiermit zur Quittung in Nr. 4 nachträgt, als bezahlt nachgetrag« Weiteres am 22/3. bfl.— Jürgeln: Adr. G. gelöscht. Alles fort l» P.-K. v. 21/6.— Albr. Thierfldr. N.-York: Bf. v. 11/6. erh. u.- übermitteln lassen. Srse. weniger, aber die Arbeit drüben* entscheidend. Pr. sibd. Einiges allerdings sehr problematisches. Grui — W. Adfhr. Baltim.: Betr. Bbthk. Näheres später. Dtzg. schwerli Ersatz 20 mit 26 fort. Gruß!— I. G. Kbg.: Mk. 8 60 Ab. 3. u. 4. D erh.— Fritz: Mk. 79 78 ä Cto. Ab. tc. erh. Bf. erwartet.— Best stock: Fr. 5— Ab. 3. u. 4. Qu., Fr. 2 50 Bbth. I-VQ u. Fr.-j pr.Ufds. dkd. erh. Sdg. fort am 23/3.— F. K. Wdf.: Mk. 4 30 l 3. Qu. erh. Ers. mit 23 fort.— Fvy.: Mk. 5— Ab. 3. Qu. u.& erh.— K. Hgr. Gnkl.: Fr. 2— Ab. 3. Qu. erh.— Rup. Hdl.£ Louis(75 Cents) Fr. 3 85 pr. Bldr. tc. erh.— Insel Mainau: Mk. l" Kirchensammlung pr. Ufds. dkd. erh.— Rother Voigtländer: Mk. 40- Ab. 2. Qu. ,c. erh. u. besorgt. Adr. geordnet. Bstllg. folgt.— O. I Vlg.: Mk. 2 40 f. Schft. erh.— C. S. B.: Mk. 4 30 Ab. 3. Qu.«ri — E. Gg. Rvmw.: Mk. 5— pr. Ab. 3. Qu. ic. gutgebr.— Dr. S?' Pb.: Mk. 1- f. Schst. erh. Sdg. mit 23 fort.- Haß: Alles erh.< wird willkommen sein.— I. H. Sydney: An P. Mücke seither alle vi Wochen pünktlich geliefert. Hat hierher nicht regulirt. Stockung uitf klärlich.— Rübezahl: Bs. v. 21/3. erh. Frankatur gegenseitig. P Mk. 3— waren frankirt.— Neu-Dork:(25 Doll.) Fr. 126 30 ob* „unehrbar" ist oder nicht— als Diäten für unsere Abgeordneten,«> Weningman's Cigarren-Shop durch R. Berggren gesammi am 23/3. dkd. erh. Gruß!— I. F. Paris: Fehlte n u r in Ihren Expit welche schon fort waren. Sonst in der ganzen Auflage erschienen, i Bukarest; Gewünschtes folgt lt. Bf. v. 20. ds. Bitten H. um Ausstelli» zu seiner Zahlung v. 14 6.— Durstge Seele: Mk. 11 40 lt. Vorslf pr. Ab. 3. Qu. erh. Beigabe dkd. verwerthet.— Nazl: Mk. 105 20 Cto. Ab. erh. Bfl. Weiteres.— werden Postbu und entgige vo Fr. 2,- M. 3, fl. 1,7« Fr. 2,5 W-l die Auf mehrfache Aufragen: Der Drechsler Theodor Taschner aus Straubing(BayeB, zuletzt in Schaffhausen, gehört schon seit 1378 nicht mehr zu unst! Partei. Seit man ihm im Offenbach, Dieburger Wahlkreis das Hand««« des Beutelschneidens und Schwindelns gelegt, bekämp' er uns mit allen Mitteln der Lüge und Verleumdung, als Mostisch! Agent. Seine anarchistische Thätigkeit in der Schweiz ist bekaw durch den Berner Prozeß. Daß er also Unterstützung« ansprüche als„Gemaßregelter der Partei" habe,' Schwindel. Offenbar rechnet er bei seinen süddeutschen Besuchen dar»«' daß er nicht in der„schwarzen Liste" steht, und der wir ihn hi* mit einzuverleiben dringend auffordern. Hüte man sich alle« wärts vor diesem Hallunken und Beutelschneider und geb Kenntniß von seinem Treiben, wo er sich zeigt. Die Expedition des„Sozialdemokrat". Di> nachdt vorlac über des<3 klein ei des T genom ruhige nach.i über! Di< und S Wider werdei Richte Werth, Puttkc Anwei Jnsbe redte zu. j alle di »rgani alle E werdei Dei Aufforderung. und L sicht a Wir ersucheu können B. Beer, aus Lüttich ausgewiesen,! Prozef seine Angelegenheit mit uns innerhalb 14 Tagen zu regeln; andernfal ist— werden wir weitere Schritte thun. Bc�eid Paris, 22. Juni 1883. I Njon Die G e sch ä f t� k o m m i s s i o n. _ J fassen. I. F., Sekretär. ä Der Skandinavische Lese-«nd DiSknssionSverei« Dai i v Paris hat fein Lokal: Catt öftal, Rue de Riyoli 56 1 Und A yis-i-yis de 1' Hotel de Yille(früher Cafd de la Tille, Rue de?>' lieben TOli 78). Cfn;' Blätter verschiedener Sprachen liegen daselbst zu jeder Zeit aus. y." Jeden Montag Abend 9 Uhr öffentliche Versammlung mit Vortr»°MNjj und Diskussion. daraus Gratis-Unterricht in Sprachen und verschiedenen anderen Fächern wü' böte" daselbst-rtheilt. �chte Wie "P-rnio Das Verkehrs lokal der deutschen Sozialisten f tun JL ClilO"Pot-ici iaf rrnnrn ohr• � Mtsch Paris ist nunmehr: 76 Rue Franyois Miron 76. Jeden Samstag Abend öffentliche Versammlung. j. Genossen wollen daselbst stets rechtzeitig nöthige Erkundigusf ll> in beruflichen Dingen einholen. Entsprechende Legitimation W Und erforderlich. wisttj —1 UNlvilp United Socialist Societies of London. ✓wwv-t/v Sonntag, den 4. Juli d. I.: Demonstration und Ausflug nach„Epping Forest"(Robin Hood)- Morgens 9 Uhr: Abmarsch der Westend-Vereine nach Liverpool S« Station. Aufstellung: Tottenham St. und Ch««' lotte St. W. Morgens 9'/, Uhr: Abmarsch der Ostend- Bereine nach Liverpool St Station. Aufstellung: 23 Prinzeß Square E. 10 Uhr 40 Min.: Abfahrt nach Longthon Station.(Bahnbillet 1 Sh- Zur Betheiligung laden alle Londoner Freunde und Genossen ein Die Delegirten. Serieth uusein sie füh es kost der S Dal D, eutsc wenn 3ebvre> deren Sie -H den n s Sozialistisches Kauptquartier in WewyorÜ- Freie Lesehalle mit Bibliothek 143 Achte Str. Täglich, inclusiv« sich rn Sonntags, geöffnet von 9 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends. Gabe« � an Schritten und Büchern dankbar entgegenommen.— Adresse: Ers«' Socialist Library, 148 Eigth St. New- York. U. 8.(4-4) S 3 Unfern Abonnenten in der Schweiz swd u ?fubeit« fhreLe zur gef. 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