tell Abonnements nsch« werden bei allen schweizerischen � Postbureaux, sowie beim Vertag und dessen bekannten Agenten r. entgegengenommen, und zwar zum -—- voraus zaizlbaron VierteljahrSpreib von: ., Fr. 2,— sürdieSchwciziilreuzband) SM. 3,- siir Deutschland«Couvert) fl. 1.70 sür Oesterreich(Couvert, .. Fr. 2,50 sür alle übrigen Länder des Weltpostvereins lKreuzband) :nea II Der oMemckrat Juserate die dreigespaltene Petitzeile 25 Cts.= 20 Pfg. M 28. Zentral-Krgan der deutschen Sozialdemokratie. Briefe an die Redaktion und Erpedition des in Deutschland und Oesterreich verbotenen.Sozialdemokrat� wolle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lassen. In der Regel schicke man uns die Briefe nicht direkt, sondern an die bekannten Deckadressen. In zweifelhaftcn Fällen eingeschrieben. Krschciut Wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz). Jerkag der Volksbuchhandlung Hottlngen, Zürich. Noftseudullgell franko gegen franko. Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz koste» Doppelporto. 8. Juli 1886. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Allgemeiner Unterstützungs-Fonds. (Anschluß an Nr. 28.) Im März und April gingen bei uns ein: Vesuvstock Nachtrag v. 12/1.(Fr. 2—) Mk. 1 60. St. Louis(25—) 26— von den Arbeitern des Kundenschneidergeschäfts A. Rieß durch Rp. Hdl. K.>St. bei S. 5 20. Dr. H. B. B. 1 50. Lodernde Flamme 2—. Spitzberg u. Gen. 10—. Ein Rother St. 4 55. C. A. B. V. London(2 Pfd. Stg.) 40 32. Kellinghusen 22—. C. M. Z. 2 40. Rother Holländer 1-. Itzehoe 10-. A. R. Bpst.(60 Cts.)—48. Ein Egoist aus Itzehoe 6—. C. K. B.— 80. Im Mai gingen bei uns ein: C. M. O. 27 76. Darmstadt 50—. Commerzienrath jr. u. Cie.— 10. Düsseldorf 7 40 gesammelt bei einer Konferenz v. Niederrhein i. Kaiser» garten. W. W. St.-K. 5—. Weimar 10—. A. Heims, Syrakuse(1 Doll.) * 08. H. Sch. Neuchatel(Fr. 1 35) 1 03. Im Juni gingen bei uns ein: A. Ps. Ff. 5 60. Lübeck 38—. Die Unverzagten vom Landgraben 12-. K. T. Zanzibar(Fr. 12 50) 10-. Vesuvstock(-50)-40. Insel Mainau, Kirchensammlung 1—. Dr. W. C. 4—. R. Zsg. Ch. — 6g. Mageburg II. 30—. Groß' Steinheim„Vorwärts" 5—. L. Dir. Dbg. 6 50. Strb. Obdrn.— 80. Zusammen in Nr. 26 quittirt: Mk. 2451 36. „ ,. 23„ Mk. 347 12. Jnsgesammt: Mk. 2708 48. Allgem. Wahl- und Diäten-Fonds. Im März und April gingen bei uns ein: A. L. Fbg. Mk.— 60. Gg. B. in Gg.— 60. Ebenso unstudentisch als bubenhaft und gemein(öwfl. 1 30) 2 08. B. in Bkst.(Fr. 1 20) � 06. Antwerpen(2 60) 2 08. Rother Holländer 1—. Lausig i/S. �. Crefelder Pioniere 0-77. Burgstädt 10—. Hartmannsdorf 5—. Dtsch. Leseclub Paris(50—) 40— Ueberschuß o. 1. Du. I. Marb. Ealins(—30)— 24. Durch Tauscher— 20 und(— 5)— 4. Im Mai gingen bei uns ein: Ohlau 10—. Dr. N. G.(öwfl. 5—) 8—. D., u. M. 3— pr. Afd. Kopenhagen 9 20. Hastedt-Hemelingen 12 50. Verden 20—. Groß- Auheim 12—. Brüssel(Fr. 6—) 4 80. Im Juni gingen bei uns ein: E. Weiland, Rio de Janeiro(Fr. 2—) 1 60. Adolfo Gnauck, Rosario be Vede(1 05)— 84. Newyork(25 Doll.) 101 28 in Wenigmann'L Eigarren Shop, ob es unehrbar ist oder nicht, sür Diäten gesammelt durch Berggreen. L. Sch. Dt.— 60. B. Bkst.(Fr. 2 85) 2 28. Strb. Dbdrn.— 30. Lodernde Flamme 2—. Neuschönefeld, rother Lump 2 50 und rothe Hochzeitsgäste 5—. Dose 1 60. Bukarest(26—) 20 28. Zusammen in Nr. 26 quittirt: Mk. 6494 40. .... 28 ,. Mk. 293 75. Jnsgesammt: Mk. 6793 15. An den Schandpfahl ttlit den Berliner Richtern, die Montag den 29. Juni 1886 sich zu Mitschuldigen und Hehlern des Polizeispitzels und Putt- 'amer'schen Agent Provokateurs Jhring-Mahlow gemacht haben! Wir haben schon manches schmachvolle Urtheil zu verzeichnen �habt, wir haben schon manchmal Gelegenheit gehabt, nachzu- Weisen, wie die Justiz in dem heutigen Klassenstaat sich pro- stituirt und den herrschenden Klassen die gemeinsten Hand- und Spanndienste leistet— aber ein so schamloses, jedem An- stand wie jedem Rechtsgefühl in's Gesicht schlagendes Urtheil ist uns noch niemals vorgekommen. Die Herren Schöffenrichter, °enen die Aufgabe zugefallen war, au dem Urlumpazius und �Nrauensmann des Puttkamer die juristische Mohrenwäsche vorzunehmen, brachten zu ihrer Aufgabe jenen Zynismus mit, dessen die heutigen Staatsl.enker bedürfen, wenn sie nicht vor Scham in die Erde sinken wollen— jenen Zynismus, den � meineidige Stöcker braucht, um noch auf die Kanzel zu »eigen; jenen Zynismus, den die Brodgeber des meineidigen Stöcker brauchen, um ihn noch in ihren Diensten zu behalten; Unen Zynismus, den der eisenstirnige Bismarck braucht, um sinen Sittlichkeitsverbrecher zu öffentlichen Ehrenämtern zu be- »stdern und sich für die millionengefüllte Tasche des vor fünf- Undzwanzig Jahren noch bettelarmen Krautjunkers eine frische Million als Zwangsalmosen vom„armen Mann" zu er- »reffen. In Bezug auf die Thatfachen, um welche es sich bei dem Prozeß handelte, kann nicht der leiseste Zweifel obwalten. Festgestellt ist durch Jhring-Mahlow selbst, daß er Spitzel >var. .Festgestellt ist durch Jhring-Mahlow selbst, daß er, mit Bewilligung seiner Oberen, das Gesetz verletzte und unter falschem Namen und verkleidet sich in einen Arbeiterverein ein- Festgestellt ist durch Jhring-Mahlow selbst, daß er nicht °lvs Spitzel, sondern auch Anstifter, Agent Provokateur war, Mosern er— laut seiner eigenen Zeugenaussage— 1) die �ofertigung einer geheimen Tinte, 2) eine Geheimschrift gelehrt und 3) sich über die Zubereitung von Dynamir„unterhalten" und auf eine verbotene anarchistische Broschüre, in der die Zubereitung von Dynamit gelehrt wird,„hingewiesen" hat. Kurz, alles Wesentliche, was über und gegen den Puttkamer-Mann Mahlow-Jhring behauptet worden, ist nach seinem eigenen Zeugniß richtig. Und doch sind die, welche es in erster Linie gegen ihn be- hauptet und für dieses Vergehen auf die Anklagebank gekommen sind, zu sechsmonatlicher Gesängnißstrase verur theilt worden. Auf welchen Vorwand hin? Sie hatten behauptet, Mahlow-Jhring hätte in seiner Eigen- schaft als Agent Provokateur ein paar Majestätsbeleidigungen verübt. Majestätsbeleidigungen pflegen nicht vor versammeltem Volk ausgestoßen zu werden; wer es in einer, mit Spitzeln so reich gesegneten Stadt wie Berlin thäte, würde sich sofort dem Verdacht aussetzen, ein Spitzel zu sein. Und das wußte Mah- low-Jhring, so gering sonst sein Denkvermögen,— und er suchte daher für seine Majestätsbeleidigungen Zeugen zu vermeiden. Das war nun der Strohhalm, nach welchem die Richter griffen, um die richterliche Mohrenwäsche zu ermöglichen. „Aussage gegen Aussage", wie schon Puttkamer im Reichs- tag sagte. Und die Aussagen von Sozialdemokraten, die vom Eid„nicht viel halten" und ein großes Interesse daran haben, die Verurtheilung des Jhring-Mahlow und damit, wie die „Kreuzzeitung" sehr richtig bemerkt, des ganzen Herr- schenden Systems zu erwirken, sind von vornherein ver- dächtig, wohingegen Jhring-Mahlow, nach dem Zeugniß seiner Borgesetzten, die in hellen Haufen, darunter der berüchtigte „Graf" Stillfried, herbeigeeilt waren, um dem bedrängten Mitstrolch aus der Patsche zu helfen— ein pflichttreuer Beamter, ein wahrer Mustermensch ist. Also den Sozialdemokraten wurde nicht geglaubr. Aber den biederen Herren Richtern schlug doch das Ge- wissen. Da kam ihnen ein rettender Gedanke, der in der Urtheilsbegründung mit einer gewissen— Naivetät enthüllt worden ist. Wir lesen da: „Was die angeblichen Majestätsbeleidigungen des Jhring betrifft, so hat der Gerichtshof die Meinung, daß dieselben ausgezeichnet erfunden sind, daß mit außerordentlichem Geschick ziemlich glaubhaft klingende Dinge behauptet worden sind. Aber an Einem Punkte ist der Charakter der Erfindung doch zu Tage getreten. Die erste Maje- stätsbeleidigung soll Jhring Mittags am Opcrnplatz zu Christensen geäußert haben. Aber der Erfinder dieser Behaup- tung hat nicht berüch'ichtigt, daß Jhring am hellen, lichten Tage sicher nicht am Opernplatz mit einem So- zialdemokraten herumgehen werde, denn er wäre jeden Augenblick inGefahr gewesen, daß ihn ein vorübergehender Schutzmann grüßte, und daß ihn sein Begleiter dann gefragt hätte, wie er zu dieser Begrüßung komme." Der Pfiffikus, der dieses Argument entdeckte, um die Justiz- schände zu bemänteln, hat nicht gewußt— was einem gewöhnlichen Menschen schon der gewöhnliche Menschenverstand gesagt hätte—, daß Schutzleute in Uniform ihre nicht uniformirten, auf einer Mission befindlichen Kollege» nicht grüßen dürfen! Und auf diesen fadenscheinigen, albernen Trugschluß ist das ganze Urtheil gebaut. Sonst nichts, absolut nichts, keine Spur eines Aguments, um dasselbe thatsächlich zu motiviren. Doch zur Brandmarkung der Mahlow-Jhring-Richter haben wir den Rest der Urtheilsbegründung— nach den Zeitungsberichten— hier mitzutheilen: „Die beiden anderen Majestätsbeleidigungen klingen ganz glaubhaft, aber es müsse doch erwogen werden, daß das Ma- terial gegen Jhring dem Abgeordneten Singer doch schon vor dem 18. Februar mitgetheilt worden, und daß, wenn jene Vorfälle wirklich passirt wären, die Verfasser der Information an� Singer dieselben doch gewiß schon damals mitgetheilt, nnd daß Ehristensen, der am 1. März vernommen wurde, auch diese Vorfälle gewiß schon mit angegeben hätte. Die Zeugen, welche diese Vorgänge eidlich bekundeten, haben auf den Ge- richtshof keinen glaubhaften Eindruck gemacht, sondern den Eindruck, als ob sie beeinflußt seien. Auffällig sei es auch, daß diese Zeugen nach Verlauf von so vielen Wochen noch die Majestätsbeleidigungen so ganz genau wissen wollen. Dies würde erklärlich sein bei Leuten, die vor solchen Aeußernngen zurückschaudern, während hier die Zeugen gesagt haben, daß sie sich bei diesen Aeußernngen seinerzeit nicht viel gedacht haben. Der Gerichtshof halte daher diese An s chul- digungen für Erfindungen wider besseres Wissen. Was die Dynamitaffäre betrifft, so habe der Gerichtshof nach der Beweiserhebung die Ueberzeugung erhalten, daß die dies- bezüglichen Gespräche und Unterhaltungen als unwesent- liche und scherzhafte aufzufassen seien und Jhring keines- wegs im Ernst an das Werfen mit Dynamitbomben gedacht habe. Was die Glaubwürdigkeit des Jhring be- trifft, so habe der Gerichtshof die Meinung, daß derselbe nicht persönlich animos gegen einzelne Personen vorgegangen sei, sondern sino ira et studio*) über die Dinge so be- richtet habe, wie er sie gesehen. Nach Meinung des Gerichts habe der Angeklagte Berndt eingesehen, daß seine Stellung bei den Sozialdemokraten durch seinen Verkehr mit Jhring unter- graben würde, wenn er nicht seinerseits den Jhring verderben würde, und deshalb habe er mit Christensen die Mittheilung an den Abg. Singer erstattet. Nach Meinung des Gerichts sei eine hohe Strafe auszusprechen, denn das Vorgehen der Angeklagten erinnere an das Stilet des Mittelalters: man sucht banditenmäßig die Gegner umzubrin- gen. Deshalb hat der Gerichtshof auf je sechs Monate Ge- fängniß erkannt." Der eigemhümliche Feuilleton-Stil der Begründung fällt sofort auf. Der Verfasser hat offenbar sich mit Kolportage- Romanen mehr beschäftigt als mit dem Corpus juris. Die spaßhafte Logik verdient keine eingehende Widerlegung. Der Verfasser hat jedenfalls Anlage zur Komik; und wahrhast glänzend ist die Stelle, wo er Jhring-Mahlow von der Ab- ficht freispricht,„im Ernst an das Werfen vonDyna- mitbomben gedacht zu haben." Seit wann denken Agents Provokateurs„im Ernst", d. h. mit der Absicht, es auszuführen, an das, wozu sie aufreizen? Selbst in Kolportage-Romanen, dächten wir, hätten die Jhring- Mahlow-Richter sich über diesen Punkt belehren können. Nur darüber noch ein Wort, daß die fraglichen MajestätS- beleidigungen von den Zeugen nicht früher mitgetheilt worden feien. Das hat seinen sehr guten und seinerzeit öffentlich von Singer im Reichstag ausgesprochenen Grund, nämlich daß das Gericht verhindert werden sollte, die betreffenden Zeugen in Anklagezustand zu versetzen und so ihre Zeugniß- fähigkeit zu vernichten. Genug— ein Nachspiel wird die schmachvolle Justizfarce noch haben; vielleicht mehr als eins. Für jetzt aber wenden wir uns ab von diesem Bubenstück, das die ganze Büberei des herrschenden Systems in seinen hohen und nieder» Trägern, in seiner Polizei und in seiner Justiz sonnenklar vor den Augen der Welt hat zu Tag treten lassen. Wir haben ja am allerwenigsten Ursache, mit dem Aus- gang dieses„ausgezeichnet" eingefädelten und„mit außerordentlichem Geschick geleiteten" Prozesses unzufrieden zu fein. Neben dem Puttkamer und seinem Mahlow- Jhring steht nun die preußische Polizeijustiz am Schandpfahl. Ermittlungen über die Lage der arbeitenden Klassen und über die Arbeit der Kinder in Belgien. (Eine Ferien-Studie von J. K.) III.**) „Die Tochter des Kohlengrubenarbeiters lernt in ihren ersten Jahren weder Grundsätze noch Beispiele kennen, die sie für die Zukunft als gute Frau und Mutter vorbilden könnten. Bis zum 10. oder II. Jahre besucht sie die Schule mehr oder weniger regelmäßig, zu dem einzigen Zweck, nach der Ansicht der Eltern, die erste Kommunion(Abendmahl) zu erlangen. Bald nachher nimmt sie das Arbeitszeug und vergißt das Wenige, was sie gelernt. Sobald sie aus der Grube zurückkehrt, trinkt sie, ißt und schläft, um bei Tagesgrauen wieder zur Grubenarbeit unter Tage zu gehen. Die Sorge um die Wirthschaft liegt ihr nicht ob, sie hat dazu keine Zeit. „Die meisten Mädchen sind noch nicht reif geworden, wenn sie schon ausgehört, Jungfrau zu sein. Und hat die Unsiltlichkeit Folgen gehabt, daß„ein Kind draus wird", so„paart man sich"— on s'accouple, lautet der übliche Ausdruck—, ohne davon übel zu denken, wie es alle Welt macht, bis die Einwilligung der Eltern oder die Befreiung vom Militärdienst es erlaubt, sich zu Heirathen. Meist befindet man sich in diesem anormalen Verhältniß so wohl, daß man gar kein Verlangen trägt, aus ihm herauszutreten, man befolgt das Gebot:„Wachset und ver« mehret euch", ohne sich um andere Dinge Sorge zu machen. Sind die Zeiten zu schlecht, den Miethzins zu erschwingen, so lebt man„als Frau und Mann" selbst bei den Eltern des Mädchens, ohne daß dies auf- fiele. Im Uebrigen, ob man sich heirathet oder nicht, das Leben bleibt sich gleich. Die Frau hat die Wirthschaft nie gelernt. Sie weih nichts von den tausend kleinen Arbeiten des Hauses, von jener Quelle der Ordnung, Behaglichkeit, Reinlichkeit; es ist viel bequemer, die Arme zu kreuzen, wie es die Eltern gemacht, wie eS einst ihre Kinder machen werden. Der Gatte, der schon früher die Schenke liebte, fühlt sich immer weniger zur Heimkehr geneigt; ein Theil seines Verdienstes bleibt auf dem Boden der— Gläser, die Frau ihrerseits macht Schulden bei ihren Lieferanten; dann gibt es Zank, Streit, fast täglich— Prügel, und sehr oft Trennung mit ihrem ganzen Gefolge von Elend und Roth."— „Ueberall, oder fast überall, aber besonders in den großen Mittel- punkten, als Seraing, Charleroi, Gilly, Dompremy, Quaregnon, Lode- linsart, gehören die schönsten Mädchen zuerst den Arbeitsherren und Aufsehern. Nachsicht jeder Art ist der Lohn ihrer Gunst. Man sagt uns, wie man diese erlangt." Und nun folgt die Beschreibung, mit welchem Raffinement die Herren dabei zu Werke gehen. Es heißt dann weiter: „Seht doch diese Mannweiber, mit hängenden Brüsten, gespreizten Schenkeln, schwankendem Schritte, schreiender Stimme, frechen Blicken, dreisten Bewegungen— sie sind es, die am meisten aufregen bei Volks- bewegungen, Revolten, Arbeitseinfiellungen, die zu M a r ch i e n n e, zu Chatelineau die Fahne der Emeute ergriffen und ihr vortrugen. Singend und aufreizend treiben sie die Männer zur Plünderung, die, *) Ohne Gehässigkeit und Voreingenommenheit. **) Siehe Nr. 23 und 24 des„Sozialdem." in falscher Scham(!) über den Vortritt der Weiber, schließlich die ärgsten Exzesse ausführten!— Die Kommission kam nun auf Grund dieser von ihr gesammelten Thatsachen zu dem Vorschlage: 1) Vom 1. Januar 1872 an sollen Frauen und Mädchen von den Grubenarbeiten unter Tage ausgeschlossen werden. 2) Vom 1. Januar 1870 an sollen die B-rgbautreibenden in den Kohlengruben Knaben nur im Alter von mindestens 14 Jahren und mit dem Nachweise ihrer Fertigkeit im Lesen, Schreiben und in den ersten Anfangsgründen des Rechnens zulassen dürfen. 3) Von derselben Frist an soll überhaupt Niemand zugelassen werden, wenn er nicht versehen ist mit einem ärztlichen, vom Gouverneur oder der Grubenverwaitung unterzeichneten Attest, daß seine Konstitution ihn zur Verwendung bei den Grubenarbeiten geeignet macht. Die Handelskammer von Lüttich war aber trotz dem und alledem der Ansicht:„daß die Ausschließung der Frauen und Töchter von den unterirdischen Grubenarbeiten eine Maßregel ist, deren Nothwendigkeit nicht aus moralischem Gesichtspunkte konstatirt werden kann, eine Maßregel, die viele Wirthschaften ihrer einzigen Einnahmequelle berauben würde." „Indem sie muthig zu dieser Arbeit greifen, ermgölichen viele Familien- mütter, die ihren Gatten verloren haben, die Erziehung der Kinder, und viele Töchter finden so die Subsistenz, die sie ihren schwachen Eltern gewähren. Wenn man sie(von der Grubenarbeit) ausschlösse, würde man sie zur Bettelei veranlassen, und vielleicht noch zu anderen Ver- gehen." Der Gesetzesvorschlag der Kommission war in den Tagen vom 15—21. Januar 1869 in der Repräsentantenkammer zu Brüssel der Gegenstand eingehender Debatten, die mit der Annahme eines Antrages des Abze- ordneten D'Elhoungne endigten, die über diesen Gegenstand eingegange- nen Petitionen dem Herrn Minister des Innern zu überweisen, mit dem Ersuchen, um weitere Aufklärung« n." Der damalige Finanzminister Fröre-Orban, Führer der Liberalen- betheiligte sich natürlich auch an der Diskussion. Er sagte u. A.: „Jede Reglementirung der Arbeit ist eine Form der Knechtschaft und nichts Anderes. Wenn diese Reglementirung unbeschränkt ist, so ist sie Sklaverei; wenn sie nur theilweise besteht, so ist sie Unfrei- heit und Dienstbarkeit. Wenn diese Reglementirung dahin kommt, daß sie der Freiheit des Menschen nur ein wenig mehr Raum gibt, so ist sie Korporation«-, Zunft-, Meisterwesen, und bis jetzt hatte ich ge- glaubt, daß es ein immenser Fortschritt für die Menschheit gewesen, sich allmälig von Sklaverei, Hörigkeit und Dienstbarkeit, Jnnungs-, Zunft- und Meisterwesen befreit zu haben, um endlich bei der vollständigen Befreiung des Menschen anzukommen, indem sie Freiheit der Arbeit proklamirt." Vergebens wurde von verschiedenen Abgeordneten auf den Bericht, aus dem wir Einiges mitgetheilt, hingewiesen. Der Minister des Innern bestritt, daß die beigebrachten Nachweise bezüglich der physischen und moralischen Verkommenheit der Bevölkerung, namentlich der Frauen in den Kohlenrevieren, genügten, um das Einschreiten der gesetzgebenden Gewalt zu rechtfertigen. Er kann„keinen Unterschied sehen zwischen dem Rechts des Mannes und dem Rechte der Frau. Diese Rechte sind iden- tisch, weil diese Rechte alle aus der unverjährbaren Unabhängigkeit der menschlichen Persönlichkeit fließen. Es ist unmöglich, einen Grund anzu- geben für die Unterscheidung zwischen Mann und Frau, soweit es sich um die freie Disposition Beider über ihre Arbeit handelt. Unter allen Bedingungen darf jedes menschliche Wesen im Alter der Vernunft sich der Arbeit zuwenden, die ihm konvenirt."— Stärker als es hier durch den Minister geschieht, kann wohl der manchesterliche Standpunkt nicht betont werden. Die Regierung sowohl wie die Bourgeoisie in Belgien stehen heute noch auf demselben Stand- punkt. Daß man sich auch jetzt wieder durch die Enquete nur über die „schlimme Zeit" Hinweghelsen will, ist klar. Nach Jahren vielleicht, wenn die Berichte der neu eingesetzten Kommissionen erscheinen werden, wird ein anderer Fröre-Orban auftreten und haarklein beweisen, daß die Kinder, wenn sie nicht in den Gruben und Fabriken zur Arbeit ange- halten werden, dem Bettel verfallen, und daß die Frauen und Mädchen eigentlich in den Gruben am besten aufgehoben sind, da sie andernfalls der Prostitution in die Arme getrieben würden. Als ob, wie gezeigt, nicht gerade durch die Arbeit der Frau diese prostituirt würde. Der Herr Minister wollte die Grubenarbeit der Frauen nur deshalb nicht beschränkt wissen, um nicht die Konkurrenz der weiblichen Arbeit in anderen Geschäftszweigen zu vermehren, wodurch der Lohn sinken würde. Er beklagt von Herzen, daß der Lohn in den Spitzenmacher-, Schneider- und Putzmacher-Werkstätten so gering ist, und ruft aus:„Ist es nicht in der That der Fall, daß viele Schneider- und Putzmacher-Werkstätten die Prostitution begünstigen"? -W\/XSA/V\r- Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 7. Juli 188«. — Daß das sogenannte Urtheil im Prozeß Jhring- Mahlow bereits vor der Verhandlung gesprochen war, ist eine ebenso offenkundige Thatsache wie das ganze politische System, als dessen Vertreter der„Schutzmann" Jhring offiziell auf der Zeugen-, that- sächlich aber auf der Anklagebank saß. Die„Kreuzzeitung", die in der Aera Bismarck-Bleichröder-Stöcker ihre Chimborasso- Gemeinheit wiedergefunden, gesteht das auch mit der Schamlosigkeit einer Kasernen- hure triumphirend ein.„Wäre die Entscheidung im entgegengesetzten Sinne ausgefallen ," schreibt das Organ des verlumpten Herrn von Hammerstein,„so ist nicht abzusehen, wie die nothwen- digeUeberwachungderSozialdemokratievonSeiten der politischen Polizei fortgesetzt werden könnt t." Christensen und Berndt mußten verurtheilt werden, und darum wurden sie verurtheilt und ihre sämmtlichen Zeugen trotz bisheriger Unbescholtenheit als Lügner, Jhring, trotz erwiesener Lügenhaftigkeit, als absolut glaubwürdig hingestellt. Denn es gibt noch Richter in Berlin, und Landgerichtsrath Barth isius ist eine Perle seines Berufs. Die famose, weniger an das„Stilet des Mittelalters" als an den Stil des Pitaval- Gödsche, zeugeneidlichen Angedenkens, erinnernde Urtheilsbegründung finden unsere Leser im Leitartikel dieser Nummer gebührend gekennzeichnet, doch wäre es Unrecht, würden wir nicht auch dem wunderbaren Verfahren des ehrenwerthen und hoffentlich auch Ehren empfangenden Barthisius während der eigentlichen Verhandlung die verdiente Anerkennung zu Theil werden lasse». Herr BarthistuS hat da wirklich Außerordentliches geleistet. Er hat die Rollenvertauschung zwischen Zeugen und Angeklagten in der Weise hinter dem grünen Tisch glücklich ergänzt, daß er, um den Reiz der Komödie zu erhöhen, eine Doppelrolle übernahm: Präsident und Staats- anwalt zugleich spielte. Der nominelle Staatsanwalt Wagner sank ihm gegenüber zum erbärmlichen Statisten herab. Der Aermste hatte nur ein Argument: Aus einer Notiz, die vor 4 Jahren, anläßlich der Freilassung Ibsens, in unserm Blatt erschien, die Unglaubwürdigkeit aller Sozialdemokraten zu deduziren. Dieser abgebrauchte Kniff hat aber jede Zugkraft verloren, der Prozeß hätte durchaus denselben Ausgang genommen, wenn Herr Wagner während der ganzen Prozedur den Mund gehalten hätte. Herr Barthisius verstand das Zeugen-Verdäch- tigen besser. Der wichtigste Zeuge war der Tischler Berndt, der mußte also um jeden Preis„vernichtet" werden. Hören wir, wie der ingeniöse Bar- thisius das anstellt. Berndt erzählt von einer Besprechung, an der Jhnng theilnahm, und in der er(Berndt) über die Luxusfrag- gesprochen habe. Vorsitzender:„Ist es der Beruf eines Tischlerge- sellen, über den„Luxus" zu sprechen?" Auf diese, den Geist des Patrons zur Genüge kennzeichnende Jmper- tinenz erhält er zur Antwort:„Der Beruf nicht, aber wir suchen unS gegenseitig zu belehren." Berndt erzählt, wie Jhring gesagt, man müsse Dynamitbomben in die Häuser werfen, die Bahnhöfe zerstören, die T-legraphenleitungen ver- Nichten rc. Vorsitzender(zu Berndt, nicht zu Jhring!): Glaubten Sie, daß Sie und Ihre wenigen Freunde dadurch etwas erreichen würden? Berndt: Wir hielten es für unmöglich. Vorfitzender:„Wohl nur taktisch, aber im Prinzip waren Sie einverstanden?" Durchaus nicht, war die ruhige Antwort auf diese perfide Unter- stellung. Als Berndt auf eine Frage des Staatsanwalts bemerkt, daß er viele Versammlungen besucht, fragt Barthisius auf's Neue protzig: Wie kommt ein Tischlergeselle dazu, sich immerwährend in Versammlungen herumzu- treiben? Berndt: Ich nenne das nicht herumtreiben. Für mich sind Ver- sammlungen eine Bildungsstätte. Er hätte noch hinzufügen können: Das Herumtreiben überlassen wir den akademisch gebildeten Saufbrüdern. Der Tapezier P ü s ch e l erzählt, daß Jhring bei einer Zusammen- kunft gesagt, wenn bei ihm gehaussucht würde, bekäme er mindestens zwei Jahre Zuchthaus, soviel Dynamit finde man bei ihm. Berndt habe das mitangehört. Vorsitzender: Angeklagter Berndt, warum haben Sie uns diese nette Geschichte nicht erzählt? Berndt: Das habe ich gethan. Vorsitzender: Ich erinnere mich nicht mehr, die Herren Schöffen haben ebenfalls nicht notirt. Vertheidiger Rechtsanwalt Freudenthal: Ich berufe mich auf das Zeugniß des Berichterstatters Fränkel. Vorsitzender: Run, es mag sein!!! Kommentar überflüssig. Dem redlichen Elfer, den Angeklagten und deren Zeugen Widersprüche nachzuweisen, entspricht das nicht minder redliche Bestreben, die Wider- spräche, in die sich Jhring-Mahlow verwickelt, zu übersehen. Der„glaubwürdige" Schutzmann, der sich unter falschem Namen in einen Verein einschleicht, sich als eifrigen Anhänger einer Sache auf- spielt, die er verrathen soll, der berufsmäßig lügt und heuchelt, leugnet vor Gericht, den Arbeitern die Anwendung von Dynamit ge- rühmt zu haben. Als aber der Tapezier P ü s ch e l mit äußerster Be- stimmtheit erklärt, daß Jhring ihnen die Zubereitung des Dynamit auseinandergesetzt, antwortet dieser, er habe auf eine dahin gehende An- frage„nur" gesagt, über die Dynamitverfertigung existirten ja Bücher, wie z. B. die„Revolutionäre Kriegswissenschaft", wobei er noch Marx und Most verwechselt haben will. Wir würden dies Geständniß der Unwissenheit gewiß glauben, wenn es nicht zu lächerlich wäre, daß ein Angestellter der politischen Polizei nicht ganz genau über Most und dessen Richtung unterrichtet sein soll. Aber davon abgesehen, wie kam denn Püschel dazu, gerade an Jhring die Frage zu richten, wenn dieser nicht vorher schon von Dynamit gesprochen und auf dasselbe hingewiesen? Zu dieser Frage findet sich der Vorsitzende auch dann nicht veranlaßt, als Jhring, in die Eng« getrieben, es für„schon möglich" erklärt, daß er gesagt, er habe Dynamit und Dynamitbomben in Masse in seiner Wohnung, da es ihm daran gelegen habe, daß die Leute nicht eher Klarheit über ihn erhalten, bis er sein Ziel erreicht. Diese ganzen Unterhaltungen über Dynamit sind in den Augen des Mannes des Gesetzes nur„scherzhafte Ge- spräche." Wie dann aber, wenn ein Arbeiter diesen„Scherz" falsch verstanden, sich das Buch von„Marx oder Most" angeschafft und danach zu arbeiten versucht hätte? Würde Herr Barthisius das auch nur für einen„Scherz" erklären? Er, der es„sonderbar" fand, daß der Arbeiter Büschel die chemischen Bestandtheile des Dynamit nicht im Kopf behalten hat?! Oder ist das Dynamitgesetz auch nur„scherzhaft" gemeint? Der Raum unseres Blattes verbietet uns, die ganzen Verhandlungen hier wiederzugeben, wir denken aber, schon das Mitgetheilte genügt vor- läufig. Auf andere Sonderbarkeiten behalten wir uns vor, später noch zurückzukommen. Soviel steht jedenfalls fest, dieser Prozeß übertrifft an Frivolität Alles, was von Justizkomödien jje-dagewesen. Schamloser ist noch nie Recht in Unrecht verdreht worden. Und der Ruhm, zwar nicht der Anstister. aber der hervorragendste Akteur in diesem Spektakelstück ge- wesen zu sein, gebührt unzweiselhaft dem Herrn Barthisius, Land- gerichtSrath am Landgericht ll zu Berlin. Der Herr kann zufrieden fein. Dieser Prozeß hat seine Person der bisherigen Dunkelheit entrissen und ihm einen dauernden Ruf gesichert. In der Geschichte der Korruption des verbismarckten deutschen Reiches wird der Name Barthisius mit an erster Stelle prangen. — rk. Der Reichstag ist geschlossen, und am letzten Tag kamen noch die sogenannten„Denkschriften" zur Besprechung. Der Schluß er- folgte mit Ueberstürzung. Während der Reichstag, und zwar auch die konservative Partei, mit einem parlamentarischen Streik drohte, wollte der eisenstirnige Kanzler um jeden Preis eine Nach- und Strafsession haben, in der ihm eine Schnapssteuer apportirt würde. Erst als der Seniorenkonvent sich Freitag den 25. Juni einstimmig für sofortige Erledigung der Schnapssteuer und unmittelbar darauf erfolgenden Schluß der Session erklärt hatte, gab der Eisenstirnige nach; und man kam überein, gleich den nächsten Tag— Sonnabend den 26.— „die Bude zuzumachen". Unter solchen Umständen mußten die Sozial- demokraten energisch auftreten, um die Besprechung der„Denkschriften" noch zu erwirken. Es bedurfte der Drohung, das Haus auszählen zu lassen. So wurde denn vereinbart, daß der Belagerungszustand vor der Schnapssteuer auf die Tagesordnung gesetzt werde. Natürlich war an eine längere Debatte nicht zu denken— die Mitglieder wollten fort, und hatten nur die Verwerfung der Schnapssteuer im Auge. Mit Aus- nähme der Fortschrittspartei, für die Eugen Richter eine Anstandsrede versprach, wollte keine Partei sich betheiligen. Und das wurde auch ein- gehalten. Singer, als der momentan am ärgsten Gefährdete, hatte sich die Ehre erbeten, den Puttkamer und die Puttkämerei an den Pranger zu stellen. Und er that es. Herr Bötticher vertrat seinen Kollegen Pqtt- kamer, der sich wohlweislich„gedrückt" hatte, bei einer späteren Geleqesi- heit aber der reichlich verdienten Züchtigung nicht entgehen wird. Herr Bötticher ist eine Art parlamentarischer Naturbursche, dabei jedoch ganz gerieben. Er ging natürlich nicht in die Sache ein, und begnügte sich mit allgemeinen Redensarten, war aber wenigstens nicht so verlogen und roh wie sein Kollege Puttkamer. Der ebenso stereotype als alberne Vorwurf, die sozialdemokratische Fraktion habe sich nicht an der gesetz- geberischen Arbeit betheiligt, wurde von F r o h m e widerlegt, nachdem Herr Eugen Richter gegen die Minister den banalen Vorwurf erhoben, sie zögen die Sozialdemokratie groß. Eine persönliche Bemerkung Hasen- c l e v e r s, der die Verhängung des Belagerungszustands über Sprem- berg einen Dummenjungenstreich nannte, wofür er den obli- gaten Ordnungsruf empfing— und die Debatte war zu Ende. Manchem der Herren, die vor drei Monaten für die Verlängerung gestimmt, schlug aber doch das Gewissen, als Singer die haarsträubenden Details der Ausweisung W e s e n a ck's erzählte. Freilich, das Gewissen der Herren ist so schwach, daß die Schläge desselben bald wieder auf- hören. Wesenack ifl seit längerer Zeit R-staurateur; er hat sich nie in der Bewegung hervorgethan. Den Zorn der Polizei zog er sich vor einigen Jahren dadurch zu, daß er das Anerbieten, die Gespräche seiner Gäste zu belauschen und darüber zu berichten, mit Entrüstung von sich wies. Man konnte ihm jedoch bis jetzt nichts anhaben. Vor 14 Tagen war endlich die Gelegenheit da. Bobkiew itz, der an der Lynchjustiz gegen Mahlow-Jhring Theil genommen haben sollte, vom Gericht aber freigesprochen worden ist, hatte bei Wesenack verkehrt. Dieser wurde nun vorgeladen und befragt, ob er nicht wisse, daß Bobkiewitz in seinem Lokal sich wiederholt gerühmt, den Mahlow- Jhring durchgeprügelt zu haben. Wesenack weigerte sich, der Polizei zu Liebe einen Meineid zu leisten, und weil er kein Stöcker hat werden wollen, ist er a u s g e w i e se n w o r d e n I So weit haben wir es gebracht im Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte.—— Der„Leipziger Belagerungszustand", der in der letzten Bundesrathssitzung ohne Diskussion erneuert wurde, war dem Reichs- tag noch nicht bekannt gegeben, konnte also nicht in die Debatte herein- gezogen werden.— Die Verwerfung der Schnapssteuer erfolgte einstimmig— allerdings eine bös« Ohrfeige für den Eisenstirnige»; die verschiedenen Fraktionen erachteten es nicht für nöthig, Grabreden zu halten; es wur« den nur kurze Erklärungen abgegeben. Im Namen der sozialdemokratische« �— Fraktion sprach K a y s e r. lleber die am 26. Juni beendigte Session werden wir in der nächsten Nummer ein kritisches Resüme geben. — Jetzt nach dem Schlüsse der ReichStagssessio« und nach- dem mit Hülfe eines Berliner Schöffengerichts dem Jhring-Mahlow die Tugendrose des p r eu ß i s ch e n Polizei- undKlasfen- staats überreicht worden ist, kann das Trifolium Puttkamer- Bismarck-Jhring-Mahlcw nach Herzenslust wirthschaften, und es kommt ein rascheres Tempo in die Ausweisungen. Natürlich ist nun auch Singer dafür bestraft worden, daß er an der Tugend des Jhring- Mahlow gezweifelt. Wenn wir hier Singer besonders erwähnen, so thun wir es nicht, weil wir glaubten, daß ihm mehr Unrecht geschehen sei als irgend einem Anderen. Im Gegentheil: bei der hervorragenden Stellung, welche er in der Berliner Bewegung einnahm, hatte er auch eine her vorragende Anwartschaft auf die Ausweisung. Daß er sich keiner Unge- setzlichkeit schuldig gemacht, daß er stets vor„Ausschreitungen" gewarnt — das kann selbstverständlich nicht in's Gewicht fallen, denn von allen anderen Ausgewiesenen läßt sich mehr oder weniger dasselbe sagen. Wen« wir seiner Ausweisung hier besonders erwähnen, so geschieht es wegen der eigenthümlichen, für das herrschende System charakteristischen Umstände, unter denen sie erfolgt ist. Singer erfuhr nämlich sein« Ausweisung nicht durch den üblichen Polizei-Ukas, sondern schon Wochen und Wochen vorher durch die infamen, von uns bereits gekennzeichneten, Denunziationsartikel der Stöcker'schen Polizeipresse, die für die damals bereits beschlossene Maßregel„Stimmung" zu machen beauf' tragt war. Diese Schandartikel— das wissen wir auf's Genaueste � waren auf dem Molkenmarkt geschrieben. Und der letzte schamlos« Hetzartikel in der„Kreuzzeitunz", der Allem die Krone aufsetzte und von Singer in der Belagerungszustandsdebatte gebrandmarkt ward, ist ist von keinem geringer» veranlaßt, als von dem kaiserlichen deutschen PolizeiministerPuttkamer inPerson, der ihn durch seinen Bruder(Puttkamer-Plauth) dem bankrotten Lumpazius Hammerflein souffliren ließ. Und nun mit zugehaltener Nase und sorgfältig emporge- hobenen Rockschößen weg von diesem Schmutz! »lfi «nd inPr« nlassi »ertro — Man schreibt uns aus Berlin: m. Ausweisungen in Berlin, Ausweisungen in Paris, der Monat Juni des Jahres 1386 wird als Ausweisungsmonat in der Geschichte einen dauernden Platz bekommen. Zwischen den Berlinel und Pariser Ausweisungen ist nur ein kleiner Unterschied: in Berli« sind es Arbeiter und Sozialdemokraten, die ausgewiesen wurden, in Paris Prinzen und Reaktionäre. Beide Ausweisungsarten ge« hören zu einander wie Anfang und Ende. Erst kommen die Kleine« und Unterdrückten daran, bis die Kleinen und Unterdrückten sich zu zäh«! len beginnen und entdecken, daß sie die Macht haben, wenn sie nui: wollen, und dann kommen die Großen und die Unterdrücker an di« Reihe. Frankreich ist uns Deutschen, namentlich uns preußischen Deut- schen durch seine Revolutionen politisch voraus, und erreicht so die ge-! schichtlichen Entwicklungs- Etappen etwas früher als wir. Die Putt-i kamer, Bismarck, Jhring-Mahlow und Genossen mögen hinüberblicke« nach Paris;— dort sehen sie ein Stückchen deutsche Zukunft. Ganz ebenso wirds ja bei uns nicht gehen; kein Kulturvolk kopirt dal andere, aber eins lernt vom anderen, eins macht sich die Erfahrung«« und Errungenschaften des anderen zu nutz, und das deutsche Volk hat von dem französischen schon so Vieles gelernt— sogar die Puttkamer, Bismarck und Konsorten mußten ihr Bischen Weisheit sich dort holen daß wir überzeugt sind, es wird, wenn denn einmal durchaus ausg«- wiesen werden will, von ihnen auch das richtige Ausweisen lerne«. Apropos, unsere Reptilblätter, denen die Pariser Ausweisungen ar« in die Glieder gefahren sind, machen es den Franzosen zum Vorwurf daß sie nicht gerecht handelten, denn die„ausgleichende Gerechtigkeit erheische, daß wenn Fürsten und Prinzen ausgewiesen würden, man au«? — Sozialdemokraten und„Anarchisten" ausweisen müsse. Nun— die Gerechtigkeit fängt zu Hause an, um ein bekanntes Sprich wort etwas modifizirt, aber dem Geiste nach korrekt zu zitiren. Unt wenn die„ausgleichende Gerechtigkeit" die Ausioeisung von SozialdeM«" kraten als noihwendige Ergänzung der Ausweisung von Fürsten Prinzen verlangt, dann verlangt sie nach unwiderleglicher Logil auch di« Answeisung von Fürsten und Prinzen als nothw endig« Ergänzung der Ausweisung von Sozialdemokraten und — nun, meine Herren, fangen Sie in Berlin an und besorgen S«« die nothwendige„Ergänzung"! An Ausweisungsobjekten fehlts dort j» nicht; es wimmelt nur so von Fürsten und Prinzen. Und wer weiß- ist in Berlin der Fürstenschub dem Sozialdemokratenschub gefolgt, da«« lassen die Franzosen sich vielleicht erweichen und arrangiren ihrerseits einen Sozialdemokratenschub nach dem Prinzenschub. Nur immer hübs«? gemüthlich und konsequent. Abent letzte ..D UM dl besetzt d» ta Nicht der* jene sehe ßch n sprech st«,. blass-l schwi, die E Parlo «acht lomm Als Berta teress- Un »eis nur svlgei »E 7 Mi Nehm «Ida gebl und süenc ßerei, � Al- des z Es Zeit» sollen Di vortr Ue mals Denk das ler u «ine iu dc °n d> über I- parla »ielt lich. heit — Aus Darmstadt wird uns geschrieben: Wie vorauszusehen war, hat der„sekrete" Erlaß des hessische' Ministeriums nicht nur in Darmhessen, sondern weit über die Grenzef hinaus gerechtes Aussehen erregt. Ein Theil der deutschen Presse w«s versucht, die Echtheit des Erlasses zu bezweifeln, und drückte den Wunss aus, es möchte recht bald dieser Erlaß seitens des Ministeriums offizie als„apokryph" bezeichnet werden. Mittlerweile recherchirt man nach dem, der das„Amtsgeheimniß" so schnöde mißbraucht hat; ob Erfolg, muß abgewartet werden. Die„Frankfurter Zeitung" bericht in dieser Sache: „Der von dem Zürcher„Sozialdemokrat" wiedergegebene Ministe, Erlaß wird bei dem Äiederzusammentritt der zweiten Kammer Gegef stand einer Interpellation bilden. Mehrere Abgeordnete, darunter hervorragender Ultramontaner, haben beschlossen, das Ministerium di über zu interpelliren, ob es bei dem Erlaß aus eigenem Antrieb geh- delt habe und wodurch es hierzu veranlaßt sei, oder ob das Zirkuli einer allgemeinen Weisung von Berlin seine Entstehung verdankt." Zweifelsohne werden unsere beiden Mainzer Landtagsabgeordneten Jös und Ulrich die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, die Initiative>' dieser„sekreten" Angelegenheit zu ergreifen. Material steht ja denselbe>! reichlich zur Verfügung, und wir werden nicht verfehlen, darüber berichten. Die Genossen wittern unter diesen Maßregeln die Vorbote' des kleinen Belagerungszustandes und ergehen sich schon in allerlei Koi«' binationen. Wie dem auch sei,«in enges Zusammenfassen aller Kräst' ist nöthig, die Opferwilligkeit unserer Leute muß, wenn der Schlag paW werden soll, auf die Spitze getrieben werden. Wir müssen zeigen, d«>? „jsie" nicht uns, sondern wir„sie" haben. Svea solle der- wahr inner tha Prov gerick line Ders- hatte Plan die i der, das ffi Dias strut schaß «rar hchte «n, 1 »efü! ®l« «icht« ttngi Nv s M— Die Art�und Weise, wie die preußische Regierung bei d«' Ausweisungen zu Werke geht, ist recht charakteristisch. Sie Hände« kaltblütig und mit raffinirter Methode. Als Herr von Puttkamer W Reichstag den famosen Ausspruch that, daß dem Jhring-Mahlow-Proz� eine Menge von Ausweisungen folgen würden, hatte die Polizei bereits mehrere hundert Personen für die Ausweisung notirt, von den«' jedoch die größere Hälfte vorläufig zurückgestellt wurde. Im Moment wo wir dies schreiben, liegen auf dem Berliner Polizeiprästdium unz« fähr 100 Answeisungsformulare, vollständig ausgefüllt bis auf da- Datum. Als Wesenack vor 3 Wochen auf die Polizei zitirt wurd« um di« Ausweisungsordre zu empfangen, wurde sein Formular an' einem dicken Stoß herausgenommen. Da die Formulare nach Namen alphabetisch geordnet sind, so lag sein Formular ziemlich unterst. Paßt es den Puttkamer» und Puttkamerlingen, dann wird Formular herausgezogen; aber nicht zu viel auf einmal. Die Wirl ist bei tropfenweisem Ausweisen nachhaltiger, meinen die Herren,*■ wenn mit einem einzigen Wolkenbruch Alles auf einmal abgemaV werde. Der erste Eindruck eines solchen Wolkenbruchs wäre gewaltige� allein auch der gewaltigste Eindruck verliert sich mit der Zeit, llw die Zeit der Ausweisungen soll recht lang dauern— damit d' Schrecken recht lang dauern. Nun— die Rechnung dürfte ein Los hcbei� Charakteristisch ist sie indeß jedenfalls. Uebrigens liegt die' ruhige, berechnende Grausamkeit ganz in der Hohenzollern'schen Nat� und Tradition. Man nehme nur die Badischen Standrecht« l»ien im Jahr 1849. Während die Oesterreicher nach Niederwerft deS ungarischen Aufstandes brutal mit Massenexekuttionen kamen, da«- aber auch mit dem Gemetzel aushörten, wurden die gefangenen Reich- verfassungskämpser in Rastatt, Mannheim und Freiburg einen nach de« anderen, Monate hindurch, mit kaltem Blut und raffinirter Grausamw erschossen. Mit «ebo: »er i dir welq gehe« Eozi «ird tau SS das E ejitai Und die( je« ten ich- ow !N- ;et» ;mt uch nz< iun M ng, iet< ge- cnt len enn gen he» ine hen� ten,! fü- mf' los« md «n ieni in cge- bei nei ritt in ge neu zähl nui die eiti» g- utb de« f; bai ,ge» hat n eti i S neu «J urfi eit' iu<$ >ri sprechung von Maßregeln, die auf die öffentliche Meinung zwar statt, aber nicht nachhaltig wirken. So wie die ersten Eindrücke ver- blassen— und in unserem Polizeistaate geschieht das nur allzubald— schwindet auch das Interesse, bie Gewöhnung wird Meister und stumpft die Geister ab. Wo aber das Land nicht rege ist, da vermag auch das Parlament nichts und bescheidet sich in dem Gefühl einer gewissen Ohn- wacht geschäftlich kurz die Sache abzumachen und darüber hinwegzu- lammen." Also wenn„vor Monatsfrist" die Debatte stattgehabt hätte, wäre der Perlauf ein würdigerer und lebhafterer gewesen, weil damals das In- t«esse noch nicht abgestumpft— meint die„Frankfurter Zeitung«. Und m demselben, Abendblatt, welches diese„Frankfurter Zeitungs"- Weisheit zu Tage fördert, auf derselben Seite, in der nächsten Spalte, »ur etwa 2 Zoll tiefer, veröffentlicht dieselbe„Frankfurter Zeitung" srigenbe Betrachtung ihres Berliner Korrespondenten: »Es war sehr hohe Zeit, daß die Reichstagssesston, die länger als 7 Monate gedauert hat, gestern geschlossen wurde. Es war kein ange- nehmes Bild, welches bie deutsche Vertretung in diesen letzten Tagen und auch schon in den letzten Monaten vor derVertagung geboten hat. Unlustund Mißmuthaufallen Seiten und offen zu Tage tretender Aerger über die Ausdehnung einer an- mengenden und kostspieligen Thättgkeit, deren Erfolglosigkeit von vorn- herein feststand." Also schon„vor Monaten" war jene Stimmung der„Unlust und des Mihmuths" vorhanden, mit welcher der Reichstag an seine Arbeit Schon„vor Monaten", b. h. zur Zeit, wo, nach der„Frankfurter Leitung", die Belagerungszustands-Debatte hätte anberaumt werden sollen. Die„Frankfurter Zeitung" wird von ihrem Berliner Korrespondenten »ortrefflich abgeführt. Uebrigens sei, um jeglichem Mißverständniß vorzubeugen, hier noch- mals bemerkt, daß die sozialdemokratische Fraktion die Besprechung der Denkschrift schon vor den Pfingstserien sicherlich erwirkt hätte, wenn das in ihrer Macht gewesen wäre. Es stand eben nicht in ihrer Wacht. Mit Ausnahme der Fortschritt- «r und Volksparteiler war jede andere Fraktion, d. h. mindestens eine Dreiviertelsmajorität des Reichstags gegen die Besprechung ZU damaliger Zeit. Und außerdem lag den Mitgliedern des Reichstags »n dem Tage, wo er vor Pfingsten in die Ferien ging, die Denkschrift «ber den Spremberger Belagerungszustand noch gar nicht vor. Jedenfalls kann nur Böswilligkeit und vollständige Unkenntniß des Parlamentarischen Lebens den Sozialdemokraten— und auf diese iselt die„Frankfurter Zeitung", wie aus früheren Bemerkungen erficht- lich— das als„Unterlassungssünde" anrechnen, was von der Mehr- �eit bestimmt und im Stärkeverhältniß der Parteien begründet ist. — Die guten Landleute. Das Landvolk ist bekanntlich das Ideal aller Staats-Erhaiter und Gesellschastsretter. Die städtische Be- »olkerung ist ihnen ein Greuel; hört man sie reden, so sind die Städter »er Inbegriff aller Schlechtigkeit, und nur auf dem Lande sind noch wahr« Tugend und Sitte zu finden. Daran wurden wir lebhast er- iNnert, als wir jüngst in den Zeitungen den Bericht über eine Mord- t h a t lasen, die in dem Dorfe Groh-Machnow bei Mittenwald in der Provinz Brandenburg passirt war und am 29. Juni vor dem Schwur- gericht Berlin verhandelt wurde. Die Ermordete war eine Dienstmagd, Karo- line Thenius, der Mörder ihr Bräutigam, der Knecht Heinrich Franke. Derselbe hatte beschlossen, sich seiner Braut, die von ihm ein Kmd hatte und mit einem zweiten schwanger war, zu entledigen, und diesen Plan mit bestialischer Rohheit ausgeführt. Eines Morgens fand man toe Leiche der Thenius einige hundert Schritte hinter dem Dorfe an der Chaussee auf einem Kieshaufen liegen, der Schädel war zertrümmert, das Gehirn herausgetreten, das ganze Gesicht bis zur Unkenntlichkeit Wellt, der Körper schwamm im Blute. Neben der Leiche lagen Bruchstücke eines armdicken Knüppels und ein Zaunpfahl von der Dicke und Länge einer Wagendeichsel. Augenscheinlich waren diese In- strumente zu dem Morde benutzt worden. Der Verdacht der Thäter- $aft, heißt es in dem Bericht,„lenkte sich sofort auf den Dienstknecht {franke, den man am Abende vorher mit der Ermordeten Arm in Arm jtfte das Dorf verlassen sehen. Er wurde verhaftet, man fand seine �eih«r buch st Üblich mit Blut getränkt, und er stand nicht die That mit zynischer Offenheit einzuräumen. Zur Leiche geführt, benahm der Mörder sich mit einem so empörenden Gleichmut!) und so beispielloser R o h h e i t, daß der Untersuchungs- Achter ihm Vorhaltungen machte, er hatte selbst das Blut seines »«glücklichen Opfers, welches ihm in's Geficht gespritzt war, »»ch nicht abgewafche n." Aergeres liest man auch nicht von dem abgebrühtesten Verbrecher der Hauptstadt, der Franke aber war ein Bursch von noch nicht 22 Jahren, «lit„fast kindlich zu nennenden Gesichtszügen", der auf dem Lande geboren und dort aufgewachsen war, ohne den verpestenden Einfluß »er großstädtischen Verführung. Seine Rohheit entsprang seiner Bor- « i r t h e i t, jener gesegneten Enge des Gesichtskreises, welche insbesondere unser Freund S ch ä f f l e an dem Landvolk so un- geheuer schätzt. Franke hatte von dem bösen Materialismus der Sozialdemokratte nie etwas gehört; er ging jeden Sonntag in die «irche, nahm regelmäßig das Abendmahl, und— ermordete die Mutter stmes Kindes, weil sie ihm unbequem war. Es war nicht die S�iweiflung über einen einmal begangenen Fehltritt, die ihn zu der Mordthat trieb, sondern der Verdruß über das Verlangen, er solle für Kind m i t s o r g e n. So sehen die„guten Landleute" in der Nähe aus, die man den Wrteten Proletariern der großen Städte als Muster gegenüberstellt. 7s«d mit Recht, denn diese bornirten Bauernschädel sind in der That Stützen der heutigen Ausbeuterordnung. ..�7 Kein Zweifel mehr an der Verrücktheit des Ex-Bayern- »«igs. Unter dem„Material", welches den Ständen vorgelegt worden, »w zu beweisen, daß der arme Ludwig wirklich geistesgestört war, figu- das Zeugniß eines Kammerdieners(vielleicht auch Chevauxlegers), berichtet, daß der„verstorbene" König eines Tags, als ihm ein w ch l a ch t g e m ä l d e, den letzten„heiligen Krieg" verherrlichend, zum «»tauf empfohlen wurde, dasselbe mit den heftigen Worten zurückgewie- "« habe:„Fort mit diesem Stück gemalten Elends!" .. Ein Schlachtgemälde„gemaltes Elend"(und meist auch elende Malerei), »w Schlacht selbst also etwas Elendes, eine Quelle menschlichen Elends jp kurz: menschliches Elend! Und das von den Schlachten des„heiligen ?»i«gs", die, wie uns die ganze Geschichts- und Zeitungsschreiberei, ja s?gar die ganze Pädagogik der neuesten Aera lehrt, die großartigsten «Äußerungen und Bethätigungen des menschlichen Geistes und der mensch- »chen Sittlichkeit gewesen sind! Ueberhaupt ist, nach dem herrschenden politischen Denkkodex, eine jede «chlacht, die auf allerhöchsten Befehl des kaiserlichen Kriegsherrn ge- plagen wird, eine gewaltige Kulturthat, wie sie erhabener, moralischer «'cht gedacht werden kann. And da erklärt dieser Bayernkönig eine Schlacht für etwas Elendes ein Schlachtgemälde für„ein Stück gemalten Elends"! Es war stellt'� �rit, daß seine königlich preußischen Minister ihn unter Kuratel — Gleiches«echt für Alle. In der Nähe von Würzburg fand am 1. Juli ein furchtbarer Zusammenstoß zweier Eisen« b a h n z ü g e statt, der neben anderen Verheerungen eine große Anzahl von Verlusten an Menschenleben, sowie mehr oder minder schwere Ver-\ stümmelungen von Menschen zur Folge hatte. Die Nothwendigkeit, daß in solchen Fällen sofort strenge Untersuchung nach dem oder den Schul- digen stattfindet, wird Niemand bestreiten, sie liegt im Interesse aller Betheiligten, sowohl des Publikums als aller derer, die mitverantwort- lich sind für die Sicherheit des Bahnverkehrs— vom höchsten bis zum niedrigsten Beamten. Es kann also auch Niemand etwas dagegen haben, daß der Weichensteller der Strecke, auf der das Unglück— eventuell das Verbrechen passirt, in Untersuchung gezogen wird. Wenn man aber, wie geschehen, den fraglichen Weichensteller sofort als S ch u l- digen behandelt und geschlossen nach Würzburg transportirt, wäh- rend die Schuld desselben nach der Sachlage gradezu als a u s g e- schlössen erscheint, vielmehr auf der Station Würzburg selbst gemacht sein muß, so zeugt solches Verfahren wieder einmal von einer wahrhaft empörenden Verletzung aller Begriffe von Recht und Billigkeit. Gegen den Proletarier glaubt man sich Alles erlauben zu können, er, der am schlechtesten Bezahlte und am längsten im Dienst Angespannte, wird von vornherein als„Verbrecher" behandelt. Sonst der Letzte, ist er da, wo es eine Verantwortung zu tragen gilt, der Erste, auf den sich Alles stürzt. Das ist die famose Gleichheit in der bürgerlichen Gesellschaft, dieser besten aller möglichen Gesellschaften. s.„Die Masse« gegen die Klassen" lautet der Wahlkampfruf Gladstone's gegen seine vereinigten Gegner. Wir wünschen Herrn Gladstone trotz seiner bösen Vergangenheit und trotz seiner vielen sehr unsympathischen Eigenschaften im gegenwärtigen Wahlkampf alles Glück, aber eine korrektere Devise hätte er doch annehmen können. Gehören die„Massen", an welche er sich wendet, etwa nicht zu einer „Klasse"? Bilden sie etwa nicht selbst eine Klasse? Die Klasse des arbeitenden Volkes, dem die Klasse der Ausbeuter gegenübersteht? Herr Gladstone ist ja schon sehr alt, aber er hat bewiesen, daß er noch lernen kann, und er sollte doch noch ein bischen sozialistische Welt- anschauung lernen. Es könnte ihm recht nützlich sein. — Königlich preußische Sozialreform. Puttkamers Erlasse haben Wunder bewirkt: Im ganzen Monat Juni sind in Berlin nur 22 Versammlungen verboten worden gegen»7 im Mo- nat Mai. Woher dieser Rückgang? Nun, die meisten Vereine ziehen es vor, sich den Unbequemlichkeiten und Scheerereien des Lokalbesorgens, Anmeldens und Jnserirens„für den König von Preußen" nicht erst auszusetzen, und ersparen so dem Herrn von Richthofen die Arbeit des Verbietens. So darf der strebsame Polizeipräsident der Hauptstadt des deutschen Reiches sich der begründeten Hoffnung hingeben, recht bald in die Lage seiner russischen Kollegen zu kommen, die gar keine Ver- sammlungsverbote zu erlassen brauchen. Aufgelöst wurden im Monat Juni S Versammlungen(3 gewerk- schastliche, 1 des fortschrittlichen Berliner Arbeitervereins, 1 des un- polittschen Vereins für Rechtsschutz und Justizreform), geschlossen 3 Organisationen, ausgewiesen 8 Personen. Außer Singer und dem deutsch-freisinnigen Gastwirth Jakobi wurde neuerdings ausgewiesen: der wegen„Verleumdung" des guten Jhring-Mahlow zu 6 Monaten Gesängniß verurtheilte Schrift- fieller Lauris Christensen. — Die Religio« muß dem Volke erhalten werden. In Wien wurde vor Kurzem eine Dienstmagd, die eine ihr bekannte Händ- lerin um weniger Gulden willen ermordet hatte, zu lebenslänglichem Zuchthaus verurtheilt. In der Verhandlung erzählte die Mörderin, sie habe am Tage nach verübter That zwei Kerzen gekauft, sei dann in die Kirche gegangen, habe dort die Kerzen angezündet und für das Seelenheil der Ermordeten gebetet! Aus der ganzen Verhandlung ging hervor, daß man es weder mit einer Heuchlerin, noch mit einer Wahnsinnigen zu thun hatte, sondern mit einer Person, der in Folge mangelhafter Erziehung jeder sittliche Maßstab für ihr Handeln fehlte. Nicht Leidenschaft, sondern Dummheit, bodenlose Dummheit, die ja einen Grad von Raffinement zuläßt, ver- leitete sie zur That. Aber sie war fromm, eine gute, gläubige Katho- likin. Sie ermordet eine Frau, um sich für das Geld derselben Putzsachen zu kaufen, und betet dann für das Seelenheil derselben. Drastischer kann die Nothwendigkeit, daß das Volk vor den Irrlehren der materialistischen Wissenschaft behütet und. zum frommen Glauben zurückgeführt werde, gar nicht bewiesen werden. Die Anna Pütz— dies der Name der Mör- derin— ist gewissermaßen das Muster einer Unterthanin nach dem Ge- schmack der Rückwärtsler. Sie hatte keine Ahnung vom Atheismus, ver- stand nichts von Politik, hegte keine staats- und gesellschaftsgefährdende Ansichten, sie fürchtete Gott, ehrte den König, respektirte die Obrigkeit, und wenn sie einen Mord beging, so geschah es, um sich ein neues Kleid kaufen zu können, befleibe nicht für eine Idee! Darum noch einmal, die Religion muß vor Allem dem Volke erhalten werden. Jesuiten zurück! Heiliger Vater in Rom, zeig' Du Deine Künste. — Bon Rah und Fern. Unsere belgischen Genossen laden im„Peuple" aus den 13. August, den von der Bourgeoisie gefeierten Jahrestag der Revolution von 1830, zu einer großen Stimm- rechts-Demonstration nach Brüssel ein. Sollte auch diese verboten werden, so künden sie die Organisation einer allgemeinen Arbeitseinstellung an. Der Aufruf schließt mit den Worten: „Wir wollen das allgemeine Stimmrecht haben, und wir werden es haben!"— Inder it a l i e nisch e n Kammer hat Andrea Costa den Minister Depretis wegen des gewalt- thätigen Vorgehens gegen die Arbeiterpartei interpellirt und zur Antwort erhalten, daß die Arbeiterpartei„staats- und gesellschaftsfeind- lich" sei und daher gegen sie vorgegangen werden müsse. Wenn dazu die Gesetze nicht ausreichen, so werde er Ausnahmegesetze ein- bringen! Man sieht, ein Bismarck macht viele.— Der Vorstand des Berliner Asylvereins für Obdachlose, nur aus Mitglie- dern der besitzenden Klaffen bestehend, hat am 2. Juli in einer außerordentlichen Sitzung ohne Debatte und einstimmig be- schloffen, keinen Antrag an den Verwaltungsrath wegen Neu- besetzung der Kuratorstelle des Vereins— die Paul Singer bisher vertrat— zu stellen, fondern„die hervorragenden Verdienste des Herrn Paul Singer für dem Männerasyl in mehr denn zehnjähriger opferfreu- diger Thättgkeit geleisteten Dienste und dem Asylverein im Allgemeinen dadurch anzuerkennen, daß sein Name im Vorstand weiter geführt und die Verwaltung des Männerasyls von einem andern Borstandsmitgliede geführt werde."„Das ist ein männlicher und schöner Entschluß, der beide Theile gleichmäßig ehrt, und den wir in unserer schlaffen, mantel- trägerischen Zeit doppelt freudig begrüßen," bemerkt dazu die Berliner „Volkszeitung". Gewiß; und zugleich ist das eine schallende Ohrfeige sür Puttkamer, die wir Seiner doppeltbezahlten Exzellenz von Herzen gönnen.— Im„G e h e i m b u n d s p r o z e ß" gegen Auer, Bebel«. hat nunmehr, da der Reichstag geschlossen, das Freiberger Land- gericht Termin zur abermaligen Verhandlung auf den 26. d. Mts. verlegt.— In Iserlohn wurde eine Versammlung, in der Genosse Schuhmacher über die„Branntweinpest im deutschen Volke und ihre Bekämpfung durch Monopol und hohe Steuern k." referiren sollte (o rühre, rühre nicht daran!) vom dortigen Bürgermeister verboten, in Groitzsch eine Versammlung, in der Genosse Viereck referirte, durch den Bürgermeister aufgelöst.— In Preußen find eine Anzahl neuer Lotteriekollekten eingerichtet und an Herausgeber von bismarckfrommen Zeitungen»c. vergeben worden. So wird die Tugend schon im Diesseits belohnt. Die Kosten zahlen die Klugen, die nicht alle werden.— Unsere Berliner Genossen haben bei der Abreise Singers der Polizei wieder einmal gezeigt, daß sie früher als sie aufzustehen wissen, und haben ihrem scheidenden Vertreter ein« ebenso demonstrattve wie gut organistrte Ovation darge- bracht. Hut ab vor den allezeit Unverzagten! Die Berliner Stellmachermeister machen sich den P u t t- k a m e r's ch e n Streik-Ukas dadurch zu Nutze, daß sie die im Frühjahr mit der Gehilfenschaft nach gemeinsamer Berathung getroffe- nen Vereinbarungen über Lohn und Arbeitszett einfach über den Haufen werfen! — Die„Neue Züricher Zeitung" hat auf unsere neuliche Beschwerde hin sich veranlaßt gesehen, die Beschuldigung betreffs der mysteriösen Proklamatton Ludwig II. zurückzunehmen, was hiermit kon- statirt sei. — DaS gute Gewissen. Am Tage, da die Ausweisungen Singers und des Fortschrittlers Jakobi aus Berlin veröffentlicht wurden, wurden in Spandau infolge einer von Berlin eingetroffenen Ordre Abtheilungen deS 4. Garderegiments in den Kasernen k o n s i g- nirt. Die Soldaten erhielten scharfe Patronen und mußten sich bereit halten, auszurücken. Wie der„Anzeiger für das Havelland" schreibt, hatte man höheren Orts Ausschreitungen aus Anlaß der Aus- Weisungen„befürchtet"— beileibe nicht gewünscht. Jedenfalls wissen die Burschen sehr gut, welche Stimmung ihre bru« talen Maßregeln in den weitesten Volkskreisen erzeugen müssen. Wenn es nicht zu den„gefürchteten" Ausschreitungen kam, so ist es nicht ihr Verdienst, sondern der geringen Neigung der Berliner Arbeiter, zu Schießexperimenten als Scheibe zu dienen, zuzuschreiben. Man kann da- her auf die Puttkämmerlinge nicht einmal den Satz anwenden:„Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun." Die wissen sehr gut, was sie thun. — AuS Amerika. In Chicago hat am 20. Juni der Pro« z e ß gegen die aus Anlaß der Bombenaffäre verhafteten Anarchisten begonnen. Die Zahl der auf Mord und V e r s ch w ö- rung Angeklagten ist auf acht zusammengeschmolzen, was zeigt, mit welcher brutalen Willkür die Maffenverhaftungen vorgenommen und wie schamlos in der Polizeipresse gelogen wurde, um Stimmung zu machen. Am ersten Tage der Verhandlungen stellte sich der bis da- hin flüchtige und von der Polizei vergebens gesuchte Mitangeklagte P a r s o n s ein. Er hatte fast die ganze Zeit über mitten in der Stadt in einer Druckerei unter falschem Namen gearbeitet. Von einem Reporter der„Newyorker Volkszeitung" über die Gründe befragt, weshalb er sich zum Prozeß gestellt, gab er zur Antwort: „Ich wollte der kapitalistischen Bande zeigen, daß alle ihre privaten und osfiziellen Schweißhunde nichts werth sind, wenn es sich um die Verfolgung eines Mannes handelt, den das arbeitende Volk in sein Herz geschlossen hat. Ich bin außerdem im Stande, die gegen mich und meine Kameraden erhobenen Anklagen zurückzuweisen, und sollte mir dies wider Erwarten nicht gelingen, so bin ich Manns genug, ihr Schicksal zu theilen." Außer Parsons sind angeklagt: August Spies, Michael Schwab, Sa« muel Filde», Oskar Neebe, Friedrich Engel, Adolf Fischer und Louis Lingg. Letzterer, ein junger Mensch von noch nicht 22 Jahren, soll der Anklage zufolge der Bombenwerfer sein. Der Gang der Verhandlungen ist ein äußerst langsamer, die Auswahl der Geschworenen macht viele Schwierigkeiten. Die Behandlung der Angeklagten in der Untersuchungshaft ist eine anständige. Korrespondenzen. Neustadt a/d. Hardt, im Mai. Auch wir halten es an der Zeit, wieder einmal etwas von uns hören zu lassen, um den Genossen zu zeigen, daß wir alten Genossen noch auf dem Posten sind, wenn es gilt, für unsere Sache einzutreten. Gewiß wird es Manchen interessiren, wie es in un- serer sonnigen Rheinpfalz zugeht, wo ehedem die Männer der Freiheit ihre Siätte aufgeschlagen, wo ehemals die Völker in Schaaken nach den Höhen des so herrlich gelegenen Hambacher Schlosses zogen, um gegen die Politik ihrer Bedrücker zu protestiren. Wenn wir die Ereignisse von damals an uns vorüberziehen lassen, und eine Parallele ziehen zwischen sonst und jetzt, so muß es den wirklich freiheitsliebenden Pfälzer mit Wehmuth über das geknechtete Volk, aber auch mit Haß gegen jene er« füllen, welche in schnödem Uebermuth die heiligsten Rechte des Volkes mit Füßen zu treten wagen, und jede freiheitliche Regung des Volkes zu unterdrücken suchen. So erfreuen wir uns der väterlichen Fürsorge eines sozialistenfresse- rischen Amtmanns, S i e b e r t ist sein Name— ein Pascha im wahren Sinne des Wortes. Auch sein Kumpan, Assessor Glaser, läßt in dieser Beziehung nichts zu wünschen übrig. Beide privilegirte Nichtsthuer schä- digen und bedrücken die Bevölkerung, wo sie nur immer können. Haupt« sächlich die Gastwirthe müssen ihre Faust sühlen. So wollten zu Ostern die Mitglieder der verschiedenen Hülfskassen einen Ball arrangiren, aber diese Patrone verfügten einen halben Tag vorher, daß der Ball nicht stattfinden dürfe, und zwar mit einer Motivirung, die eines Buben würdig ist, nicht aber eines Beamten. So ließen sie, als Genosse Schönlank in Lambrecht sprechen sollte, nicht weniger als 2 Dutzend grüner Jagdhunde mit aufgestecktem Bajonnett und versehen mit den obligaten blauen Bohnen gegen uns aufmarschiren, um das große deutsche Reich vor dem kleinen Schönlank zu retten. Die Tröpfe von Schand« Armen benahmen sich bei dieser Gelegenheit so frech und herausfordernd, so gemein und brutal, als ob sie es aus Thätlichkeiten geradezu abge- sehen. Sie trieben ihre Unverschämtheit so weit, daß sie Genosse Schön- lank sogar bis aus den Abtritt verfolgten, jedenfalls in der Meinung, derselbe wolle den darin befindlichen reichstreuen Unrath revolutioniren. Ueberaus amüsant war der Marsch durch Lambrecht: rechts und links die Schand-Arme Spalier bildend, an der Spitze S ch ö n l a n k, und hinterdrein eine Unmasse Arbeiter, welchen durch dieses Bild die deutsche Freiheit vor den Augen vordemonstrirt wurde. Nun, ihr beiden Herren in der Maximiliansstraße, geschadet hat uns dieser Aufzug keineswegs; aber fahren Sie nur so fort, dann werden Sie bald blaue Wunder erleben. Bis vor einiger Zeit hatten wir ein noch netteres Subjekt zu ernäh- ren: den Polizeikommissar Müller, gebürtig aus D ü r k h e i m. Ein elender Feigling und Handlanger der beiden Obengenannten, ein Mensch, der sich zu allen ungesetzlichen Handlungen gebrauchen ließ, nur um oben gut angeschrieben zu sein. Aber der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht; das mußten auch der Herr Kommissar und einer seiner miserabelsten Unterbeamten selbst fühlen. Denn beide wurden ihres Dienstes enthoben, resp. zum Teufel gejagt. Die Nemesis hat diese Brüder endlich erreicht, uuv wie man hört, soll noch mancher dieser Edlen die Klinke an der Thür« lassen müssen. Es war aber auch manch- mal haarsträubend, wie diese Soldknechte, unter Anführung von Joh. Bückler, genannt Schinderhannes, gehaust haben. So arrangirte Kom- missar Müller bei einem Vorstadter Einwohner eine Haussuchung, er« brach in dessen Abwesenheit Thür«, Kisten und Kasten, und— nach der Durchsuchung fehlten dem Betreffenden Löffel nebst 28 Mark in Baar! Die Löffel wurden der Frau wieder eingehändigt, aber das Geld war und blieb bis auf den heutigen Tag verschwunden. Ob nun einer dieser Brüder das Geld versoffen oder mit Weibsbildern durchgebracht, bleibe dahingestellt, aber feststeht, daß die Polizei unter Leitung des Kommissars einem Arbeiter 28 Mark wegge— haussucht hat. Nannte ja sogar der Herr Oberamtsrichter S ch m a h l auf die Beschwerde des Betreffenden diese Haussuchung einen„räuberischen Einbruch". Danach können sich die Leser einen Begriff machen, wie es hier mit den Stützen der Gesellschaft aussieht. Und dabei soll man noch Respekt haben vor der Behörde. O heilige Einfalt! Von Bedeutung ist auch ein Vorfall, welcher die Wahrheitsliebe dieser Polizeiseelen im hellen Lichte erscheinen läßt. Hatte da der Polizist Amling zu Weihnachten zwei Arbeiter dingfest gemacht, und zwar ohne Gründe. Wahrscheinlich glaubte er, Sozialdemokraten dürfe man jederzeit einsperren. Die jungen Leute wurden nun im Wachtlokale ge- hörig durchgebläut, und dann bei der damals herrschenden grimmigen Kälte bis Morgens ins Loch gesteckt, in Folge dessen der eine derselben eine schwere, sechswöchentliche Krankheit durchzumachen hatte. Früher hatten die Herren in ähnlichen Fällen die Sache durch Einschüchterung zu vertuschen gewußt, diesmal aber kamen sie an die Unrechten. Die Mißhandelten brachten zunächst andern Tags ihre Beschwerde vor den Polizeikommissar Müller, worauf dieser antwortete, sie sollten nach Hause gehen und arbeiten, es würde schon besorgt werden. Die Sache blieb so ungefähr drei Monate anhängig, ohne daß der Herr Kommissär irgend welche Thätigkeit entwickelte, bis die beiden Arbetter sich beschwerdefüh« rend an den Staatsanwalt wendeten. DieS zog. Aber was thaten die ehrenwerthen Brüder? Man schickte den Mißhandelten eine Vorladung zu wegen„groben Unfugs". Und hier haben sich nun der Herr Kom« missar nebst seinen Handlangern eine Blamage zugezogen, von welcher sie sich sobald nicht erholen werden. Trotz dem Diensteid des Nacht« Wächters und eines Polizisten Böckler wurden die Beschuldigten frei« gesprochen, und die Niederlage des Kommissars und feines Spieß- gesellen war eine vollständige. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich recht, wessen die Polizeiseelen fähig, welche Lügen und Gemeinheiten sie zu dichten im Stande sind, nur damit ihre Uebergriffe nicht an den Tag kamen. Nahezu sämmtliche Polizisten wurden vereidigt, ob die Betreffen- den geschlagen worden seien, und keiner wollte etwas gehört oder gesehen haben. Der Ausgang dieses Prozeffes war ein harter Schlag für die heilige Hermandad; wie arme Sünder schlichen sich die Burschen aus dem Sihungssaale. Es hatte nichts genutzt, daß sie die Angeklagten als en- ragirte Sozialisten bezeichneten, um die Richter zu beeinfluffen. Die Richter kannten ihre Pappenheimer. So hat Alles seine Zeit, und die- jenigen, welche uns im Polizeifrack so arg verfolgten, geben hinterher gewöhnlich die größten Lumpen ab. Denn betrachten wir Alle die fort- gejagten Beamten, Schandarmen u. f. w., so ist fast Keiner im Stande, sich ordentlich zu ernähren, weil die Meisten, die sich diesem edlen Be- rufe widmen, überhaupt zu faul zur Arbeit sind. Weiter hätte ich noch nachzutragen, daß der hiesige Bezirksfeldwebel Schultz für seine Diener(aktive Soldaten) eine Entfettungs- anstalt eröffnet. Die Madame füttert diese armen Burschen so erbärm- lich ab, daß es wirklich ein Skandal ist. Der Herr Feldwebel aber, ein beiläufig ziemlich grober Patron, der sich auch nicht an seine Bureau- stunden stört, ißt und trinkt sich voll und sieht überhaupt sehr wohl- genährt aus. Ich erlaube mir daher, den K o st z e t t e l seiner Burschen zu veröffentlichen in der Erwartung, daß er ihnen dann eine bessere Kost vorsetzt, daß wer zu dem Herrn kommt, nicht jede Woche seinen Leibriemen um einige Löcher zurücksetzen muß. Also: Morgens gibts Milch, sonst rein gar nichts, nicht einmal ein Stück Brod. Mittags Suppe und Kartoffeln, kein Fleisch, Abends Suppe oder Kaffee ohne Brod; von Frühstück oder Vesper ist gar keine Rede, das gehört ins Reich der Fabel. So ein armer Teufel, der dem Herrn Feldwebel in die Hände fällt, ist zur reinen Hungerkur verdammt, er braucht vor der Fettsucht nicht bange zu sein. Vorstehende Mittheilung wurde Schreiber dieses von einem Burschen, welcher dem Herrn Schultz zukommandirt war, speziell zur Veröffentlichung mitgetheilt. Was unsere Parteiverhältnisse betrifft, so geht es zwar langsam aber sicher vorwärts. Der Sozialismus ergreift immer weitere Kreise, und wird der Tag hoffentlich nicht mehr fern sein, wo auch unsere Ideen ihren siegreichen Einzug bei uns halten werden, wenn nur die Genossen einig und fest zusammenstehen und nicht ermüden, für unsere heilige, gerechte Sache zu arbeiten. Deshalb, Ihr Brüder, fest ans Werk, scheut keine Mühe, keine Arbeit, dann wird, dann muß der Sieg unser werden. Siebenpfeifer. Stuttgart, 3. Juni. Nachdem der alte Winter in seiner Schwäche sich in rauhe Berge zurückgezogen und einem fröhlicheren Leben den längstersehnten Platz eingeräumt hat, soll von hier aus wieder einmal „berichtet" werden und zwar zunächst über die von den vereinigten Fachvereinen veranstalteten Vorträge, denen das Prädikat„vor- züglich und belehrend" nicht immer ertheilt werden konnte. Da hat unter anderen ein speziell auserwählter freireligiöser Prediger ein Kolle- gium gelegen über„Ursache und Wirkun g", das als Gallimathias zu bezeichnen natürlich banaler Frevel wäre. So wurde beispielsweise die Entthronung des hannoverischen Königs als eine Wirkung hingestellt, die zu einer Ursache werden könnte. In derartigen wenn auch mit Sarkasmus gewürzten Redewendungen kann doch eine Darlegung des Begriffs von„Ursache und Wirkung" nicht erblickt wer- den. Eine solche muß sich auf anderem und zwar demjenigen Gebiete bewegen, zvo es sich darum handelt, die von der Masse als Ursache be- trachtete Wirkung zu beleuchten. Aber dem oberflächlichen Betrachter freireligiöser Ideen werden derartige Themata zur Sysiphus-Arbeit, die mit philosophafirischen Kreuz- und Quersprüngen beginnt, um mit Haus- backenen Anekdoten aus Selbsterlebtem zu enden. An dieser Stelle ge- nügt mit Rücksicht auf Raum und Leser die Andeutung und der Hin- weis, daß für derartige freireligiöse Allotrias die Arbeitergroschen wirklich nutzlos vergeudet werden. Dagegen ist ein Vortrag über Hahnemann und seine vielversprechende homöopathische Heilmethode mit ihrem Gefolge von Laienpraxis noch ein wahres Labsal, zumal ja Jedem freisteht, von dem Motto:„Probiren geht über Studiren" ausgiebigen Gebrauch zu machen.— Die„Materie im Weltraum" als Thema behandelt zu hören, war für den mit den neuzeitlichen Errungen- schaften der Naturwissenschaft betrauten Anwesenden ein Genuß. Schade, daß selbst ein mit Anmuth und Geschick verfaßtes Loblied auf alle Wissenschaft den Unkundigen und Wiffensdurstigen nicht befriedigt, d. h. nicht belehrt. Die am meisten ansprechenden, weil auf der Höhe der Zeit stehenden und mit wirklichem Fleiß ausgearbeiteten Vorträge zu besprechen, ist unnöthig, sie haben ihren Zweck errechit. Bon öffentlich stattgefundenen Versammlungen wäre zunächst in chro- nologischer Folge die der F r i e d e n s l i g a zu erwähnen. Unter dem Vorsitz des Herrn Oberbürgermeisters ging diese, aus überwiegend besser situirten Elementen zusammengesetzte Versammlung in friedlicher Weise vor sich. An Tautologien, Trugschlüssen und— unfreiwilligen Gottes- lästerunaen wurde wahrhaft Mustergültiges geleistet. Der Redakteur des„Schwäbischen Merkur", Herr Elben, bezeichnete den Krieg als ein von Gott für die Menschen ausersehenes Züchtizungsmittel. Trotz- dem erklärte sich Herr Elben mit den Bestrebungen der Friedensliga einverstanden und stellt sich demnach die Aufgabe, dem„Höchsten"— genannt Gott— und den„Allerhöchsten Herrschaften"— genannt: Kaiser, König, Fürsten und Prinzen— ins Handwerk zu pfuschen, dem lieben Gott gelegentlich„in die Ruthe" zu fassen.—„Wohl dem, der da wandelt im Rothe des Herrn." Auf die Reden der andern Friedensliguisten einzugehen, mag, wenn es im Interesse der Leser dies Blattes liegen sollte, einer sozialistisch-friedens- liguistisch geschulten Feder überlassen bleiben. Der für die große Mehrzahl hie- siger Parteigenoffen unerklärliche Beitritt eines sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten zur Friedensliga muß nur um d-ssentwillen hier erwähnt werden, weil das Programm der sozialdemokratischen Partei an sich schon die Grundbedingung zu einem Bölkerfrieden enthält, und zu- dem die bei allen kultursähigen Nationen rapid zunehmende Anhänger- schast der Internationale erfolgversprechender zu wirken versteht, wie die verschwindend kleine Zahl der, wenn gleich den„besseren Ständen" ange- hörenden Mitglieder der Friedensliga. Trachten wir zunächst darnach, den erbittertsten aller Kriege, der ohne Anwendung von Flinten, Säbel und Kanonen mit Tausenden von Leichen das Schlachtfeld bedeckt, den Krieg zwischen Ausbeuterthum und ehrlicher Arbeit zu beseitigen. Das weiß ja der Reichstagsabgeordnete Geiser ohne Zweifel auch. Den hiesigen Parteigenoffen ist es deshalb auch ein Räthsel, wie ein Sozialdemokrat sich in der Gesellschaft eines Elben bewegen mag, der„im Interesse des Friedens" fortgesetzt den Krieg gegen die Sozial- demokraten predigt und im„Schwäbischen Merkur" z.B. sein Bedauern ausdrückte, daß die unlängst in Eßlingen stattgefundene Ver- sammlung, in welcher Liebknecht sprach, nicht aufgelöst wurde. Die durch Ausnahmegesetze und liebevolle Behandlung ihrer Arbeitgeber fort- gesetzt erbitterten Arbeiter sind eben konsequenter als mancher Friedens- ziga-Theoretiker.— Eine zur Besprechung der Schnapsmonopolfrage ein« berufene Versammlung der V o l k s p a r t e i hat uns gezeigt, wie ge- schickt und sachkundig deren Agitatoren derartige Fragen zu Gunsten der Volkspartei zu behandeln verstehen. Da geräth keiner in Verlegenheit, wenn er von einem Bäuerlein interpellirt wird. Die sachkundige Be- Handlung solcher Fragen zu bekritteln, schädigt uns, nicht die Gegner, namentlich dann, wenn man mit ihnen trotzdem aufs Intimste ver- kehrt.— Gelegentlich des in den Tagen vom 23. bis 3». Mai hier tagenden „Freidenkerkongresses" hatte man Gelegenheit, die am Sonntag Nachmittag im Konzertsaale der Liederhalle stattgefundenen Vorträge zu hören und das Freidenkerthum an seinem Urquell kennen zu lernen.— „Ueber wahre und falsche Wunder" sprach Herr Büchner, der für die, welche sein Werk:„Kraft und Stoff" gelesen oder schon Vorträge von ihm gehört haben, absolut nichts Neues brachte. Dr. Specht aus Gotha führte uns in formvollendetem Vortrag die Nützlichkeit der Feuerbestattung vor Augen, zugleich einen historischen Rück- blick auf die bei verschiedenen Völkern verschieden angewendeten Leichen- bestattungSmethoden. Dann kam— programmgemäß— Schriftsteller Stern von hier, der den Freidenkern keinen geringen Schrecken ver- ursachte mit seinen scharf pointirten Ausführungen über„halbes und ganzes Freidenkerthu m." Religiös frei, politisch reaktionär, das sei die Devise jener halben Freidenker, als deren Urtypus der Verfasser des Lebens Jesu. David Strauß, gilt. Uebergehend auf die den Anforderungen eines ganzen Freidenkerthums entsprechende Kenntniß der sozialen Verhältnisse, wurde Stern nach erfolgtem allgemeinem Beifalle für eine besonders prägnant ausgesprochene Stelle seines Vortrages von dem„im Auftrag der Behörde anwesenden Beamten" zur Mäßigung ermahnt. Nachdem sah sich auch noch auf spezielle Intervention des Menschenthum- Redakteurs der 1. Vor- sitzende hiesiger Freidenkergemeinde veranlaßt, Herrn Stern zum Schluß zu ermahnen. Die zahlreich anwesenden Arbeiter hatten somit Gelegen« heit, theoretisch und zugleich praktisch„halbes und ganzes Freidenker- thum" kennen zu lernen. Rauschender Beifall wurde diesem vorzüglichen Vortrag gespendet. Eine am letzten Sonntag im Schützenhos abgehaltene Volksversamm- lung mit der Tagesordnung:„Die Koalitionsfreiheit der Arbeiter" nahm einen allgemein befriedigenden Verlauf. Genossen Stern als Referent, sowie dem zweiten Redner, Genoffen Wie- sing er, wurde durch Beifall der Anwesenden zu erkennen gegeben, daß sie im Sinne der Versammlung gesprochen hatten. Die unerläß- liche Resolution wurde, nach Ablehnung einer weniger geeignet er- scheinenden in der kurzen Fassung:„Die heutige Versammlung protestirt gegen jede Unterdrückung der Koalitionsfreiheit" angenommen. Zum Schlüsse noch ein Pröbchen edler gewerkvereinlicher Gesinnungstüchtigkeit. Als in diesem Jahre in Folge preu- ßischen Arbeiterunterdrückungsdeliriums auch an die Buchdrucker die abermalige Frage einer Reorganisation herantrat und dem hier weilen- den Zentralvorstand die gewiß schreckliche Alternative drohte, entweder mit Umzugskosten-Entschädigung nach Hannover überzusiedeln oder-- hier zu bleiben, da sah sich der 1. Vorstand Herr Sulz fürsichtig nach emer andern Stelle um. Der gestnnungstüchtige Ge- werkschaftsvorsitzende, der im Einverständniß mit seinen Episkopalen jeden als Verräther betrachtet, der nach Hunger- und kummervollen Mo- naten unter dem vereinbarten Tarif zu arbeiten ansängt, wollte als tapferer Kapitän zuerst das Schiff verlassen vor Beginn des Sturmes. Der Herr meldete sich in die gerade vakant gewordene Stelle des Orts- krankenkassenkassiers. Leider wurde dieses Anerbieten nicht berücksichtigt, und so sind denn die Buchdrucker in der beneidenswerthen Lage, diesen „Mustsr"-Vorstand wieder behalte zu dürfen, der„treu zu Kaiser und Reich" hält und zu Ehren des anwesenden Reichsoberhauptes in den Reihen des Fackelzugs würdevoll einherschritt.— sl- — Streikangelegenheiten. Der Streik der Schlosser und der Streik der Schuhmacher in Zürich sind noch nicht ausgetragen. Also Zuzug fernhalten! Unterstützung an die bekannten Adressen (auch durch uns). In Freiburg im Breisgau streiken die Schreiner für 10' ,- s.. �. cvr u c.1x2..TVi.' ri..... s* 1* � r.» stündige Arbeitszeit. Meister, die bereits bewilligt hatten, sind auf Betreiben der Innung zurückgetreten. Es wird dringend gebeten, Zuzug streng fernzuhalte». Briese k. an S. Bäuerle, Theater- platz 28. Aufforderung. a ch e r, wird Skpkditli« dt» Sizialdcmikrat. Dietzmann, Zigarrenmacher, wird gebeten, seine Adresse hierher mitzutheilen. Wiederholte Warnung. London, 7. Juli 1886. An die Genossen! Der Kommunistische Arbeiterbildungsverein in London sieht sich wieder- holt veranlaßt, an die Genossen im Reich und anderwärts, welche nach hier auswandern wollen, eine Warnung ergehen zu lassen. Mangel an Arbeitskräften ist hier in durchaus keiner Branche vorhanden. In den meisten Fällen hält es sehr schwer, für zugereiste Genossen Arbeit zu finden; dieselben müssen nicht selten nach wochenlangem, vergeblichem Warten wieder abreisen, was jedenfalls keine angenehme Sache ist. Wollen Genoffen dennoch hierherkommen, so sollen sie es nicht unter- lassen, vorher von unserem Vereine Erkundigungen über den Stand ihres Gewerbes einzuziehen. Bauhandwerker, Weber und Wirker, Sattler, Posamentirer und Töpfer haben durch- aus keine Aussicht. Wir wünschen nur, daß vorstehende Warnung von unseren Genossen in ihrem eigenen Interesse möglichst berücksichtigt werde. Mit sozialdemokratischem Gruße! Die Londoner Genossen. Immer wieder schärfen wir unseren Korrespondenten ein, unter Angabe des Datums in jedem Brief u. s. w. stets deutlich anzugeben, welche Korrespon- denzen, Sendungen k. bis zu Abgang eingetroffen waren. Bei Adreß- änderungen, Adreßlöschungen u. dgl. ist unbedingt Vorkehrung zu treffen, etwa Laufendes in sichereHand zu leiten. Alle Adreßmeldungen bitten wir in Deutsch- und Lateinschrift(behufs Kontrole) deutlich zu schreiben. Deckadressaten oder deren Angehörige sind zur Ablieferung sofort nach Empfangnahme strengstens anzuhalten. Weiterbeförderungen und Abholungen sind pünktlichst zu bewirken. Expedition des„Sozialdemokra t." Brieffaften der Expedition: Leipzig-Reudnitz: Flugblatt des(s 0- zialdem.) 12. und 13. Wahlkreises am 23/6. bfl. ab dort nebst quer- geschriebenem B l a u st i f t-„ P f u i" frdl. dkd. erh. Fünfzig Rappen Strafporto will ich gern berappen, spar ich doch,— was schwer dich narrt,— grimmes Nebel-Tappen! Daß der Kuh Muskate nützt, wie dem Pintsch die Scheere, uns zum Jux und dir zum Fux pfuist du's in die Quere.— XDZ.: Sdg. fort. Mehrbstllg. notirt. Bfl. Weiteres.- Neu- Schönefeld: Mk. 2 öl> v. rothen Lump, desgl. Mk. S— v. d. rothen Hochzeitsgästen pr. Dfds. dkd. erh.— Ahlemann: Mk. 2 SO ü Cto. gut- gebr. Adr. geordn. S bis auf Weiteres sistirt. 2 Beil. dkd. abgegeben.— Hansen: Mk. 3 60 Ab. 3. Qu. pr. Ggrchg. erh.— Fr. Sty. Stockholm: Fr. 5— Ab. 3. u. 4. Qu. erh.— Serlow: Fr. 2— Ab. 3. Qu. erh.— W. Sch. Lpg.: Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. erh.— K. M. Stg.: Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. erh. 14 u. IS mit 27 indir.— A. B. Hbg.: Mk. 8 80 Ab. 3. Qu. erh.— Gr. i. M.: Mk. 3— Ab. 3. Qu. erh. Beil. besorgt. — Dreibein: Mk. 6— Ab. 3. Qu. erh. Adr. geändert.— E. Sch. A.« B.-G.: Mk. 8 60 Ab. 3. Qu. erh. Warum kein ausführt. Bericht?— W. L. Chicago: Quttg. im Bsk. 2S. Bstllg. folgt. Dank für Nachr. k. — Die drei Gleichen: ffbd. dkd. erh.— N. H. Sch. Mz.: Mk. 12 20 Ab. 3. Qu. erh. Also pr. 4. Qu. gut Mk. 3 40.— Rhl. Httg.: Fr. 2— Ab. 3. Qu. erh.— F. S. Stg.-Mh.: Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. erh. Weiteres nach Wunsch.— Die alte Laura: Mk. 3 60 Ab. u. Schft. erh. Bstllg. mit 27 fort. Restiren noch Mk. 1 40 pr. 3. Qu.— R. U. G.: öwfl. 5— i Cto. Ab. u. Schft. erh. Bstllg. zc. nach Wunsch fort.— Schiffchen: Mk. 47 SO Ab. 6 dir. 3. Qu. u. Cto R. 2. Qu. F. P. dkd. benützt. Gruß!— Neckarschleimer: Mk. S 6S f. Schft. erh. Rekl. folgt. Weiteres beachtet.— Hallunke: Mk. 244 70 pr. 7 dir. 3. Qu. u. ä Cto Ad. w. erh. Mk. 9 60 in Ggrchg. gutgebr. Adr. geordnet. Weiteres am 30/6. pr. P.-K.— Dose: Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. erh. u. Mk. 1 60 pr. Afd. dkd. verw.— E. Sch. Pf.: Mk. 8 80 Ab. 3. Qu. erh. Bstllg.-c. notirt. Folgt unter Vergütung des Stfpt.— C. B. Albe: Mk. 5— Ab. 3. Qu. rc. erh.— I. B. Rsa.: Mk. 3— Ab. 3. Qu. erh.— Kyffhäuser: Mk. 12— Ab. 3. Qu. erh. Adr. notirt.— K. L. Dz.: Mk. 3- Ab. 3. Qu. erh.- L. K. I.: Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. erh.- Der Bekannte C.: Mk. 47 40 ä Cto Ab. 3. Qu. ,c. erh. Bfl. mehr.— P. Fl. 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Red.— Fritz: Mk. 10 60 ä Cto. SB sc. gutgebr.— Bürger Sanftmuth: Mk. 70— ü Cto Ab. sc. erh.' Ernesto Weiland in Rio de Janeiro: Fr. 2— von einem Genossen r- Agsd. dkd. erh. Auf ruhigem Weg erklärt sich Derartiges besser»l durch Drohung mit der Ruthe. Dazu sind wir doch zu alt. Bfl. mel — Landkreis C. a. Rh.: Mk. 150- erh.— Rother Apostel: Mk. 8 pr. Lk. gutgebr. Desgl. Mk. 143 65 lt. Aufstllg. v. 6/7. Bstllg. folg- — Jakobiner: Fürs Archiv von dort nichts eingegangen. Die Wähmaschinen-Kandtung von Ernst Friedrich in Crimmitschau(Thiemerstraße si und Emil Friedrich in Posterstein bei Nöbdenitz(S.-A.) lief« an Genossen und Freunde alle Systeme zu Fabrikpreisen und auf kleine Abschlagszahlungen.— Sendung frachtst« Illustrationen zu Diensten. sl 75) Soeben erschien und ist durch Unterzeichnete zu beziehen: Sozialdemokratische Bibliothek. Heft VIL Sozialpolitische Vorträge von I. D i e tz g e n.(Inhal! 1. N ati 0 n a l ö k 0 n 0 m i s ch e s. 2. Die bürge- liche Gesellschaft. Preis: 20 Pfg.— 25 Cts. Ferner sind bis jetzt erschienen Heft I. Gesellschaftliches und Privateigenthum. Ein»eitt-S zur Erläuterung des sozialistischen Programms. Preis 20 Pfg.--> 25 Cts. Heft II. Karl Marx vor den Kölner Geschwornen. Prozeß g den Ausschuß der rheinischen Demokraten wegen Aufruf zum bewaffneten Widerstand. Preis 20 Pfg.— 25 Cts. Heft HI. Die Zukunft der Sozialdemokratie. Von I. Dietzge- Btit einem Vorwort und Nachtrag. Preis: 15 Psg.— 15 Cts. Heft IV. Enthüllungen über den Kommunisten- Prozeß ff Köln. Von Karl Marx.(Mit einem Vorwott vo> Fr. En �e l s:„Zur Geschichte des„Bundes der Rot* munifien".") Preis: 45 Pf.= 60 Cts. Heft Y. Unsere Ziele. Von A. Bebe l. Preis: 30 Pf. 35 Cts. HeftYl. Die schlefische Milliarde. Von Wilhelm Wolff. einem Vorwort von Fr. Engels: Wolfs Biograph Zur Geschichte der preußischen Bauern. Preis: 35 Pfg.=- 40 Cts. Bestellungen auf die„Sozialdemokratische Bibliothek" werden erbete» Die Hefte werden auch einzeln abgegeben. Nolksbuchlfandlung und Erpeditioo des„Solialdemakrat" Hottingen-Zürich. karis vas Ysrlcslirslolcal lior deutschen Sozialisten ff Paris ist nunmehr: j°' 76 Eue Frangois Miron 76. Jeden Samstag Abend öffentliche Versammlung. Genossen wollen daselbst stets rechtzeitig nöthige Erkundiguni 1 in beruflichen Dingen einholen. Entsprechende Legitimation i«'"■ erforderlich. Par-ics„Deutscher Socialisten-Club." X dl lo 2 Eue de la Bastille 2. Jeden Sonnabend yon 9 Dhr Abends ab: Oeffentliche Zusammenkünfte. Sonnabend, den 26. Juni, begann eine Eeihe von Vorträgel über:„Der Sozialismus und seine Gegner".— Freie Diskussiot über politische und soziale Fragen.— Das Parteiorgan:„De� Sozialdemokrat" liegt aus und kann daselbst jederzeit abonnin werden. Zu zahlreichem Besuch der Verammlungen ladet ein Das Eomite.-! , Oommun. Arb.- Bildungs- Verein lo* MiWMltlUU 49 Tottenham Str. Tottenham Court Hoad W. lig� Die"Wirthschaft des Vereins ist geöffnet täglich yon Morgens Ii Uhr bis Abends 12 Uhr. Zureisende Genossen werden ersuobii(g' auf unsere Adresse genau zu achten. Der Vorstand. I J fcfati au Sozialistische Verkehrsstelle in Rewhorl empfiehlt sich die Freie Lesehalle mit Bibliothek 1X3 Achte St». Täglich, inklusive Sonntags, geöffnet von 9 Uhr Morgens bis 10 Uh-® 1 Abends. Gaben an Schriften und Büchern dankbar entgegengenommen- Acht Adreffe: Free Socialist Library, 148 Eigtb St. Hew-York. TJ. S- qzss -—--- H'änbi Schwei, erisch»»en-fi-nschafii-Buchdruilerei v»«i»g,n-z»rich