Wohl Abonnements I ä chi zurül« werden bei allen schweijerischen Postbureaux, sowie beim Verlag und dessen bekannten Agenten entgegengenommen, und zwar zum voraus zalzlbarcn LierteljahrSpreiS von: Fr. 2,— sllr die Schwei z lllrcuzband> SRI. 3,— für Teutschland sCouvert) ft. 1.70 siir Oesterreich(Couvcr» f. ic äge' isgiol .v" jnuir1 ts. bm 8«?( 26] i Parteiqenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Christlich-Soziales. Wir sollten eigentlich schreiben:„Katholisch-soziales", denn es liegt nicht in unserer Absicht, uns mit jenem schwindsüchtigen Wechselbalg zu beschäftigen, der, ein Produkt der Ver- bindung des stupiden protestantischen Orthodoxismus mit dem noch stupideren Krantjunkerlhum, nach mißglücktem Versuch, seine totale Impotenz durch marktschreierisches Gebahren zu ver- decken, schon längst unrettbar dahinsiecht. Wir wollen vielmehr jener Bewegung einige Betrachtungen widmen, die ebenfalls „christlich-sozial" genannt wird, hinter der aber der katho- tische Klerus steht, und der ihre Macher wenigstens den Schein größerer Lebensfähigkeit zu geben wissen. Diese katholisch-soziale Bewegung wird seit der famosen Enzyklika Leo's XIII. wieder stark zu poussiren gesucht. Es werden katholische Arbeitervereine gegründet, und wenn man den Angaben der katholischen Presse Glauben schenken darf, so zählen einige dieser Vereine bereits über tausend Mitglieder. Der ausgesprochene Zweck dieser Vereine ist, die kathv- tischen Vereine vor demGift der i1"s- sozialdemo- kratischen Verführung zu bewahren. Wir haben vor uns das zwölfte Heft des 19. Jahrgangs der in Neuß erscheinenden„Christlich-sozialen Blätter." In den Zeiten des Kulturkampfes wurden diese Blätter mit vielem Geschick von dem vor einigen Jahren verstorbenen Kaplan Bongartz redigirt. Seit seinem Tode ist mit dem Wechsel in der Person des Redakteurs auch ein Wechsel in der Hat- tung der Zeilschrift eingetreten. Der unabhängige und daher auch vielfach unbefangene Ton des Bongartz hat einer ängst- lich-tendenziösen Schreibweise Platz gemacht, überall wird das konfessionelle Moment in den Vordergrund gestellt, und auf dem Gebiet der eigentlich sozialen Frage Alles vermieden, was wie ein Angriff auf die bestehende Gesellschaftsordnung aussehen könnte. Die Verdonnerung des Sozialismus durch Leo XIII. hat, wie man sieht, ihre Wirkung nicht verfehlt. Jndeß, die veränderte Haltung der„Christlich-sozialen Blätter" ist selbst wiederum nur der Ausdruck dessen, was in der christlich-sozialen Bewegung überhaupt vorgeht. Antisozial- demokratisch war dieselbe immer, aber sie war es im Interesse des Katholizismus, der im Sozialismus seinen natürlichen Gegner erblickt. Jetzt aber ist sie auch antisozialdemokratisch fol Interesse der bürgerlichen Gesellschaft. Nicht nur die heilige katholische Kirche, sondern auch die heilige kapitalistische Ansbeutergesellschaft soll durch sie vor dem Antichrist gerettet werden. Wie Stöcker nach kurzem Gepolter sich als ein in's prote- stantisch-Orrhodoxe übersetzter Max Hirsch ausnahm, so er- weisen sich seine katholisch-geschorenen Kollegen(oder auch Rivalen, wie man's nimmt) jetzt als auch nichts Anderes denn simple Harmoniedndler. Weit entfernt, diese Entwicklung zu bedauern, freuen wir Uns ihrer vielmehr, genau so wie wir das Ende des preußischen Kulturkampfs begrüßten. Es ist richtig, als Staat und Kirche sich so recht heftig in den Haaren lagen, fiel für unsere Partei so mancher Vortheil ab, wir kamen außer Schußlinie und konnten uns ziemlich ungehindert entwickeln. Aber doch war die Situation eine ungesunde, insofern sich viele als Freiheitshelden gcberden �nnten, die thatsächlich die ärgsten Feinde jeder Freiheit sind. Wenn sie sich jetzt mit dem Staat gegen uns verbünden, so wacht uns das den Kampf zwar schwerer, aber dafür wissen wir, wissen die Arbeiter, woran sie sich zu halten, wessen sie sich von dieser Seite zu gewärtigen haben. Natürlich muß man das Verbünden nicht wörtlich nehmen. Es ist kein formelles Bündniß— man spielt immer noch den -.Unabhängigen", wie das gegenüber der„protestantischen Spitze" gar nicht anders sein kann—, sondern nur ein bewußtes Hand-in-Hand-arbeiten. Aber unsere Arbeiter sind heute doch zu gewitzt, um da nicht bald zu merken, was die Glocke geschlagen. Einmal von der Arbeiterschaft durchschaut, hört die Beweg- »ng auf, irgend welche Gefahr für die Sozialdemokratie zu sein. Und zählten die Mitglieder ihrer Vereine nach Zehn- wusenden, so würde uns das wenig oder gar nicht erregen: denn im gegebenen Moment werden diese Zehntausende ein kbenso großes Kontingent zur Armee des kämpfenden Prole- wriats stellen, als im Verhältniß die Rekruten, welche Dr. Max Hirsch für uns heranzuexerziren die Güte hat. Das festgestellt— und die Herren dürfen überzeugt sein, daß wir keine leeren Behauptungen aufstellen, sondern uns aus erwiesene That fachen stützen—, können wir ohne Leiden- schaftlichkeit aus dem erwähnten Heft der„Christlich-sozialen Blätter" Einiges zu Nutz und Frommen unserer Leser mit- seilen. Da ist zunächst ein sehr lehrreicher Artikel:„Sollen unsere Arbeitervereine katholisch-soziale oder christlich-soziale Vereine sein?" Lehrreich insbesondere wegen der Offenherzigkeit, mit der der Verfasser, der sich P.(ater?) O. zeichnet, darin aus- plaudert, wie wenig die frommen Herren ihrer Gläubigen sicher sind. „Unsere Arbeitervereine", ruft er aus,„müssen, wenn möglich, rein katholisch sein bd dürfen keine Andersgläubigen als Mitglieder ausnehmen." Warum nicht? Antwort:„Um dem Gedanken,„alle Religionen sind gleich gut", keinen Vorschub zu leisten." Ferner,„um der Zunahme der gemischten Ehen entgegenzuarbeiten und um dem Familien- Herde den konfessionellen Charakter zu wahren."„Das ist auch der Hauptgrund, weshalb wir den christlich-sozialen Vereinen entgegenarbeiten müssen, wo sich rein katholische Ver- eine gründen lassen."(O christliche Liebe!) Aber„es ist ohnehin geboten, in den Vereinen Alles, was an das Religiöse nur streift, mit der äußersten Vorsicht zu behandeln und die religiös enWahrheiten stark verzuckert und hübsch fein umwickelt fast unbemerkt verschlucken zu machen, da- mit die Arbeiter nicht untör dem Verwände: Da wird uns etwas vorgepredigt, dem Vereine den Rücken wenden."(Seite 355— 56). Dies Geständniß ist reizend, es spricht ganze Bände. Ebenso deutlich wie hier das religiöse Programm, wird in einem folgenden Artikel:„Ueber die soziale Bedeutung des Proletariats" das soziale entwickelt. Wir haben im vor- liegenden Heft nur den vierten Abschnitt einer ganzen Abhand- lung, welche diese Ueberschrift trägt, vor uns, aber dieser eine sagt genug. Es heißt da am Schlüsse: „Unser Proletariat zu erziehen, anstcut rohe und genußsüchtige Naturen, welche sür wenig Arbeit v i e j Bier und Branntwein nebst gebratenem Fleisch(Entsetzlich!) und anderen Delikatessen(Schauderhaft!) verlangen, entsagende, pflichtgetreue fleißige Menschen daraus zu machen, die in Geduld das harte Kreuz ihrer schweren Arbeit und geringen Nahrung schleppen, das versteht, das vermag nur die katholische Kirche, welche, gestützt auf die ezvige Wahrheit, die Schätzedes ewigen Lebens austheilt: und sür die von ihr ausgestellten W e ch s-- l ihre �.egiiilnoiio» vt,n Sttn-.: des Herrn der Ewigkeit klar und bündig nachweist.(Da habt Jhr's!) „Nichts ist erfahrungsgemäß gefährlicher, als einen knurrenden Löwen durch Streicheln und Leckerbissen zu beruhigen. In demselben Augen- blicke, wo ihr den letzten Leckerbissen, den ihr besitzet, ihm preisgegeben, springt er aus und zerreißt Euch. Nein, man soll allerdings dem Pro- letariat seine Lage, soviel es die gesunde Vernunft als möglich erkennen läßt, verbessern und erleichtern, ihm aber von Anfang an nicht verbergen, daß die materielle Hülfe, welche durch Arbeitsschutz und Unsallversicher- ung u. s. w. beschafft werden kann, nur eine sehr beschränkte ist, daß es durch die Natur der Dinge, oder, was dasielbe, nur besser und wahrer ausdrückt, durch denWillenGottes(!!)auf dreArmuth, die Entsagung, die harte Arbeit»angewiesen bleibt, daß da- gegen das zeitliche arme Leben den reichen Ueberfluß der ewigen Güter zur Folge hat, wenn jenes im rechten Geist getragen wird." Das heißen wir einmal offen reden. Und der Mann, der das geschrieben, ist keineswegs ein enkant terridle, sondern er weiß, was er will. Er könnte Windthorst heißen. Hat doch die kleine Exzellenz neulich in Dortmund vor den katholischen Arbeitern ganz dasselbe ans- geführt,„nur mit ein wenig anderen Worten", wie es sich halt vor Arbeitern schickt. Die Tendenz des Artikels läuft aus Zurückberufung der Klöster hinaus. Der Verfasser richtet sich vorzugsweise an die Fabrikantenwelt.„Die Ständigkeit des Arbeits- Verhältnisses", sagt er anderer Stelle,„bleibt der Aus- gangspunkt für eine zweckmäßigere Organisation des Proleta- riats." Darum sollte womöglich„die Freizügigkeit be- schränkt" werden, die„wie ein Alp auf unsere gesellschaftlichen Verhältnisse drückt." Aber da das nicht geht, muß man durch andere Mittel die Arbeiter seßhaft zu machen und sie auch in ihrem Privatleben persönlich zu beaufsichtigen suchen. Als Beispiel wird der Seidenindustrielle Metz in Freiburg genannt, der seinen Arbeiterinnen ein Logirhaus gebaut, wo die Mädchen unter Leitung einer zuverlässigen Hauswirthin wohnten.„Wem käme", heißt es dann,„wenn er dieses liest und die großen Erfolge der Metz'schen Seidenindustrie kennt, nicht sofort der Gedanke: Viel besser als eine zuverlässige Hauswirthin würden sich Klosterschwestern für dieDirek- tion eines solchen Logirhauses eignen? Und um gar keinen Zweifel über den hohen Werth der Klosterschwestern aufkommen zu lassen, wird ein Bericht der Münchener„Allgemeinen Zeitung" über die„Fabrik- klö st er"in Frankreich,— d. h. Fabriken, wo die Arbeite- rinnen vollständig unter der Aufsicht von Nonnen stehen, deren Unterhaltskosten ebenso wie die Kosten des obligatorischen Kultusdienstes ihnen vom Lohn abg ezog en werden(!!)— zitirt, und der nachstehende Satz gesperrt hervorgehoben:„Eine solche Disziplin der Fabrikarbeiterinnen soll in geschäft- licher Beziehung beträchtliche Vortheile gewähren, woraus die betreffenden Fabrikherren eine überlegene Kon- kurrenzfähigkeit schöpfen." Dazu bemerkt der Verfasser:„Für ein liberales Blatt wie die Münchener„Allgemeine Zeitung" liegt in diesem objektiven Bericht eine glänzende Anerkennung der klösterlichen Thäligkeit ausgesprochen."(S. 371.) In der That, eine„glänzende Anerkennung"! Diese Fabrikklöster sind nämlich die reinen Zuchthäuser, ja fast noch schlimmer als solche. Die Arbeiterinnen befinden sich dort in vollständiger Sklaverei, die geistige, das heißt geistliche Bevormundung dient als vortreffliches Mittel zur potenzirten Ausbeutung. Ans Schritt und Tritt sind sie von den lieben„Schwestern" überwacht, nur zweimal im Monal dürfen sie z. B. das Fabriketablissement ver- lassen,— und auch dann nur unter Aufsicht der Schwestern! So vortrefflich versteht man es, sie geistig zu dressiren, daß sie sich bei der Affäre von Chateauvillain von den Nonnen gegen die Gensdarmen, welche die Schließung der Kapelle vor- nahmen, in's Feuer schicken ließen. Die Unglücklichen kennen nichts anderes als das„alte Entsagungslied". Aber eben darum sind sie famose Ansbeutnngsobjekte, und welcher Fabrikant, und sei er noch so„liberal", wäre nicht mit dem Hinweis darauf zu ködern? So spekulirt unser „christlich-sozialer" Schlaumeier auch, und beweist damit', wie gut man es in jenen Kreisen versteht, den Mantel nach dem Winde zu drehen. Solange die nltramoptane Partei sich in entschiedener Op- Position zur Staatsregwrung befand, war sie auf die Massen angewiesen und kokettirte daher in erster Reihe mit diesen. Das Spiel war solange ungefährlich, als man eben Minorität war. Jetzt, wo in den höheren Kreisen sich der berühmte „Umschwung" vollzogen, sucht die katholische Kirche auch mit der Bourgeoisie Frieden zu schließen. Leo XIII. hat mit seiner Enzyklika gegen den Sozialismus den Ton angegeben, der heute in der ganzen katholischen Presse weiterklingt, und der da lautet: Gesellschastsrettung, Anfrechterhaltun der bedrohten Ausbeuterordnnng. Kein Zweifel, daß man in gewissen Kreisen damit Anklang findet, genau so wie in Frankreich die hohe Ausbeutcrwelt den Katholizismus nach Kräften protegirt. Anders mit der Arbeiterwelt. Man streichelt in der That nicht ungestraft den Löwen Proletariat. In dem Maße, da die Kirche die Vertreter des Kapitalismus gewinnt, in dem Maße verliert sie den Einfluß auf die Massen. Das Doppelspiel ist auf die Dauer nicht aufrechtzuerhalten, am allerwenigsten in Deutsch- land, wo„die Träger dieser furchtbaren Macht(des Prole- tariats) fühlende und denkende Menschen sind." Wir begrüßen daher mit Freuden diesen Umschwung im christlichen— pardon, katholischen Sozialismus. Je feindlicher er sich zu uns stellt, um so besser. Um ihn zu bekämpfen, brauchen wir ihn blos als das zu kennzeichnen, was er ist: als Befürworter einer neuen Form der Leibeigen- s ch a f t, als Anwalt einer Verewigung der Lohn- s k l a v e r e i. Und trotz aller katholischen Arbeitervereine ist es mit seinem Einfluß auf die Arbeiterklasse Mathäi am Letzten! —*AA/>(Sy\/W- Sozialpolitische Rundschau., Zürich. 2l. Juli 188«. — Aus Leipzig sind, seit Beginn der nenen Puttkamer» Jhring-Aera, fünf Arbeiter aus Grund des„kleinen" Belagerungs- zustandes ausgewiesen worden. Und diese fünf ausgewiesenen Arbeiter waren sämmtiich in der Fachvereinsbewegung thätig und standen der politischen Parteibewegung vollkommen fern. Es sind dies die drei Leiter des Metallarbeitervercins und die zwei deS Tischlervereins. Nicht Einem der fünf hat irgend eine ungesetzliche Hand- lung nachgewiesen werden können; gegen keinen ist sie auch nur be- hauptet worden. Nach der Ausweisung des Vorsitzenden des aufgelösten Tischlervereins theilten wir die Hauptpunkte des Auflösungs-Ukases mit und sahen, daß dieselben mit Sozialismus und Sozialdemokratie nicht das Mindeste zu thun haben— außer insofern der Klassenkampf, dem jede Arbeiter- organisation dient und mit logischer Elementargewalt dienen muß, allen Arbeiterbestrebungen und Arbeiterorganisationen einen sozialistischen Charakter aufprägt. Die letzten Ausweisungen aus Leipzig richten sich also direkt und ausschließlich gegen die Arbeiterbewegung als solche. Während der Debatten über das Sozialistengesetz im Jahre 187« wurde von Seiten der Väter und Geburtshelfer dieser gesetzgeberischen Infamie heilig und theuer versichert, diese Ausnahmemaßregel richte sich einzig und allein gegen„Ausschreitungen" und die gesellschaft- liche Ordnung bedrohende T h a t s a ch e n; sie richte sich entschieden nicht gegen die sozialdemokratischen Lehren und die Sozial« demokratie an sich, falls diese sich von„Ausschreitungen" fern halte; und unter gar keinen Umständen richte sie sich gegen die Arbeiterbewegung, der man im Gegentheil durchaus sym« pathisch sei. Die Praxis bewies sofort, daß die Väter und Geburtshelfer des Sozialistengesetzes gelogen hatten, als sie erklärten, dasselbe richte sich nicht gegen die sozialdemokratischen Lehren und gegen die Sozial- demokratie als solche. Im Gegentheil: ganz speziell gegen diese richtete eS sich: die söge- nannten„anarchistischen" Bestrebungen wurden unter der Herrschaft deS Sozialistengesetzes systematisch begünstigt und„Ausschreitun- gen" im detlarirten Sinn des Sozialistengesetzes systematisch pro» v o z i r t. Die lange Reihe der ertappten Puttkämerlinge, vom„ein- äugigen" W o l s bis zum Lumpazius Jhring-Mahlow lassen über diesen Punkt nicht den leisesten Zweifel zu. Gerade die keine„Aus- schreitungen" verübende, immer tiefer und weiter in die VolkSmassen eindringende, und entsprechend an Macht zunehmenoe Sozialdemokratie war den Puttkamer-Bismarck und Konsorten ein Dorn im Auge; nur diese fürchteten sie, während der die Massen abstoßende. mit brutaler Gewalt spielend zu unterdrückende sogenannte„AnarchiS- muS" die willkommenen Dienste des„rothen Gespenstes" leistete. Und nur diese sollte durch das Sozialistengesetz getroffen werden, was man natürlich nicht sagen konnte. Die Politik der Puttkamer, Bismarck und Konsorten ist eine so durch und durch gemeine, hat so niederträchtige Ziele und muß sich so niederträchtiger Mittel bedienen, daß sie, um mit dem Ches der sauberen Firma zu reden, das Tageslicht nicht vertragen kann, und in Bezug auf ihre Ziele und Mittel zu stetem Lügen gezwun- gen ist. Das System Bismarck ist die Lüge in Permanenz— wozu als nothwendige Ergänzung die Gewalt in Permanenz kommt. Alst) das war gelogen, schmachvoll gelogen, als die Väter und Ge- burtshelfer des Sozialistengesetzes„auf Ehre" betheuerten, daß es nur auf„Ausschreitungen" abgesehen sei. Aber als die ersten Jahre vorüber, blieb den Patronen wenigstens die Ausrede, zwischen sozialdemokratischen Bestrebungen und„Ausschreitun- gen" sei keine feste, sichere Grenze zu ziehen, Mißgriffe und Jrrthümer könnten vorkommen, allein soviel müsse doch zugegeben werden, daß die nicht politische Arbeiterbewegung geschont worden. Und in der That, die nicht politische Arbeiterbewegung nahm unter der Herrschaft des Sozialistengesetzes bald einen bedeutenden Ausschwung; Fachvereine schössen wie Pilze aus dem Boden, und besonders in Berlin, im Hauptquartier der Puttkamer, Bismarck, Jhring Mahlow, gedieh die Fachvereinsbewegung zu erfreulicher Blüthe, ohne daß die Polizei nen- nenswerth störte und hemmte. Dies Alles ist mit einem Schlag anders geworden. Jetzt ist es gerade die Fachvereinsbewegung, gegen welche in erster Linke die Wuth der Puttkamer und Puttkämerlinge sich richtet. Und iin„ge. müthlichen" Sachsen hat die Polizei sich das sehr anerkennenswerthe Verdienst erworben, den Bätern und Geburtshelfern des Sozialisten- gesetzes die letzten Fetzen der Maske herunterzureißen und auch in diesem Punkt ihre schmachvolle Verlogenheit vor aller Welt kundzuthun. Durch die fünf letzten Ausweisungen aus Leipzig ist über jeden Zweifel hin- aus, mit wahrhaft klassischer Deutlichkeit, festgestellt worden, daß die nicht politische Arbeiterbewegung als solche vernichtet werden soll. Die Leipziger Polizei hat hier ganz im Geiste des Puttkamer'schen Ukas gehandelt; und auch die Berliner Polizei hat in neuerer Zeit ihre Wuth vor Allem gegen die Träger der Fachvereinsbewegung gerichtet. In Berlin behauptete man, die Fachvereinsbewegung sei vielfach mit der allgemeinen politischen Bewegung derartig verquickt, daß sie nicht auseinanderzuhalten seien. In Leipzig ist selbst diese faule Ausrede nicht möglich. Die Gewerkschaftsbewegung hat sich dort von der allgemein politischen Bewegung auf's Sorgfältigste ferngehalten und nicht einen Moment lang einen Charakter getragen, der in dem ängst- lichsten Philister den Glauben an eine sozialistische Gefahr hätte erwecken können. Da gibt es gar keine Möglichkeit eines Jrrthums, eines Mißgriffes. Der Fall liegt klipp und klar: die Fachvereinsbewegung soll vernichtet werden. Und das so lange behütete Geheimniß, das freilich jedem halbwegs Eingeweihten schon längst von den Spatzen war zuge- pfiffen worden, ist endlich enthüllt: die Väter und Geburtshelfer des Sozialistengesetzes haben, eingedenk ihrer Mission als Vertreter des modernen Klassen st aats, den kühnen Plan gefaßt, die B o u r- geoisie von dem Alp der Arbeiterbewegung zube- freien und die Arbeiterbewegung aus der Kultur- geschichte auszustreichen. Die Arbeiterbewegung, diese Kullurbcwegung pur exoollonoe, aus der Kulturgeschichte ausstreichen— wahrhaftig, man muß über die Dumm- heit dieser traurigen Polizeiseelen fast noch mehr lachen, als man sich über ihre Niederträchtigkeit empören muß. Und in ihrer bodenlosen Dummheit leisten diese Jämmerlinge uns den größten Dienst, der uns überhaupt geleistet werden kann— sie treiben, wie wir das gleich nach Erlaß des Puttkamer'schen Ukases aus- führten, die gesammte Arbeiterwelt Deutschlands mit Gewalt unter die die Fahnen der Sozialdemokratie. So arbeitet das herrschende System, indem es sich das Brandmal ewiger Schande auf die Stirne drückt, uns zugleich direkt auf's Wirk- samste in die Hände. Und so ist's recht. — Klassenjustiz hüben, Klassenjustiz drüben. Um dieselbe Zeit, da sich in Berlin die schmachvolle Justizkomödie abspielte, die unter dem Namen Prozeß Ihring-Mahlow später noch als klassisches Beispiel für die tiefe Erniedrigung des öffentlichen Geistes in Deutschland unter der Aera Bismarck-Puttkamer dienen wird, um die- selbe Zeit spielte sich in N e w- A o r k ein Prozeß ab, dessen Ausgang «in nicht minder klassisches Beispiel dafür ist, wie das kapitalistische Ausbeuterthum unter jeder Regierung«- und Staatsform in der Person seiner Rechtswahrer sofort sich auf den Standpunkt der brutalen Gewalt stellt, sobald es seine Ausbeuterherrlichkeit ernsthast bedroht sieht. Wir meinen den Prozeß gegen die„B o y c c t t e r" des Kon- zertsalonwirths Geo Theiß in New-Dork. Im Frühjahr dieses Jahres brach zwischen dem genannten Wirth Geo Theiß und dem„Carl Sahm Klub", einem Musikerv.'rein, welcher der New-Dorker„Central Labor Union" �Zentraler Arbeiterbundj angehört, «in Konflikt aus, weil Theiß Unionsmusiker unter Beschimpfungen ent- lassen und dafür Nicht-Unions-Musiker angestellt hatte. Als der Versuch einer friedlichen Verständigung gescheitert war, wurde über das Theih'sche Lokal der B o y c o t t verhängt, an dem sich auch die Mitglieder der Kellner-Union betheiligten. Dank der großartigen Orga- nisation der Central Labor Union machten sich die Folgen des Boycotts bald so empfindlich bei Herrn Theiß bemerkbar, daß er seine„Bude hätte schließen müssen", wenn sich nicht sein Bierlieserant, der Brauereibesitzer Ehret, der sein Guthaben bei Theiß zu verlieren fürchtete, in's Zeug gelegt hätte. Er lud beide Parteien zu einer„Auseinandersetzung" in seine Bureaux ein, und dort kam es nach längeren Unterhandlungen schließ- lich auch zu einer Einigung. Theiß verpflichtete sich, von nun ab nur Unionsmitglieder anstellen zu wollen, und erklärte sich auf den Rath Ehrsts fernerhin bereit, die Kriegskosten im Betrage von 1000 Dollars — er hatte Arbeiter, die vor seinem Lokal vigilirten, verhaften lassen rc.— zu zahlen.*) Er gab dem Arbeiterkomite einen Check über die genannte Summe, aus welchen er aber wohlweislich bemerkt halte:„kor the espense of Boycott"(für Boycotikosten). Natürlich erhob die kapitalistische Presse sofort ein Zetergeschrei über die„Tyrannei" der Arbeiter, und unter dem Hochdruck der seit Aniang Mai eingetretenen Arbeiterhetze ward denn auch gegen die Arbeiter, die an jener Vereinbarungssitzunz theilgenommen, Anklage auf„Er- Pressung" erhoben. In dem Boycott erblickte die Anklage eine gesetz- widrige„Verschwörung", in der Forderung der 1000 Dollars eine ebensolche„Erpressung". Aus die Einzelheiten des Prozesses, der sich ziemlich lange hinzog, können wir hier nicht eingehen. Genug, die Herren Geschworenen, alles tugendhafte Geschäftsleute, stimmten dem Ankläger zu und erklärten die Angeklagten Paul Wilzig, Max Dannhäuser, Michael Stroh, A. Rosenberg, Schankwärter, und Hans Holdorf, Musiker, der„Erpressung" für schuldig. War nun dieser R chtsspruch schon eine Ungeheuerlichkeit, da festgestellt war, daß keiner der Angeklagten von dem Gelde etwas für sich ver- wendet oder überhaupt in eigennütziger Absicht gehandelt hatte, so erhält er seine rechte Illustration erst durch die Höhe der von dem Richter über die Angeklagten verhängten Strafen. Alle wurden zu S t a a t s gesängniß bei schwerer Arbeit verurtheilt, und zwar: Paul Wilzig zu 2 Jahre 10 Monaten Hans Holdors„2„ 10„ Michael Stroh„ 1„ 6„ A. Rosenberg„ 1„ 6„ Max Dannhäuser„ 3„ 8„ Jnsgeiammt 12 Jahre 4 Monate Zuchthaus! Nichts charakterisirt dieses Urtheil mehr als die Ansprache des Richters an die Angeklagten bei der Verkündigung. „Diese sozialistischen Verbrechen", heißt es da,„ausgeführt von AuS- lindern gegen Bürger dieses Landes(natürlich!), sind zu zahlreich ge- worden, als daß sie nicht eine strenge Strafe verdienten. Hinfort wird kein„Walking-Delegate"(Umschau-Delegirter) sich mehr ungestraft in die Angelegenheiten Anderer mischen oder Geld von ihnen verlangen. Sie werden im Verhältniß zur Größe und Schwere Ihres Verbrechens be- straft werden. Ihre Verurtheilung wird vielleicht andere Männer, die dieselben sozialistische» Ansichten wie Sie hegen, Achtung vor dem Gesetz und der öffentlichen Meinung lehren. Die öffentliche Meinung ist mäch- tiger als alle Unionen. Das Nehmen des Geldes von Theiß war offenbarer Raub. Ließe man Thaten, wie die Ihrigen, ungestraft, so würden wir bald in einen Zustand der W ild h eit zurückfallen. Das Vertheilen von Zirkulären, daS Ansammeln vor dem Lokal eines Geboycotteten, die Einschüchterung anderer Arbeiter stempelt Sie zu Verschwörern. In grausamer, herzloser Weises!) haben Sie Akte der Tyrannei ausgeübt. Trotzdem ist das Gesetz nicht hart gegen Sie. Vielleicht sind Sie durch die irrige Entscheidung eines Polizeirichters mißleitet worde».*) Vielleicht waren Sie schlecht berathen und der Berathe? ist dann ebenso schuldig wie Sie. Auch spricht zu Ihren Gunsten, daß Sie nichts von dem Gelde für sich gebraucht haben. Es freut mich daher, eine Basis zu haben, auf die hin ich Gnade üben kann." Wie die„Gnade" des salbungsvollen Patrons aussieht, zeigt das obig- Strafinaß. „Allgemeines Erstaunen", schreibt die„Newyorker Volksztg.",„üb?r die Schwere der auferlegten Strafen gab sich im Gerichtssaal kund, selbst ein alter, weißhaariger Geschworner, der zur Zeit neben dem Berichterstatter der„Volkszeitung" saß und fortwährend wie eine Gans schnatterte und auf„Ausländer",„Sozialisten",„Walking- Delegates" und„Lügner" wie ein Rohrspatz schimpfte, rief, als er das Urtheil gehört, erstaunt aus:„bly God, I did not think that!"(Mein Gott, das dachte ich nicht!) So niederdrückend eine solche Art von„Rechtsprechung" in einem Staate, der sich bisher den„sreiesten der ganzen Welt" nennen durfte. wirken muß, so erhebend wzrkt das kräftige Verhalten der Arbeiter- schaft gegen diesen, in Rechtsformen verhüllten Gewalt- streich. Am gleichen Abend, wo das Urtheil gefällt wurde, traten in den Geschäftsräumen des„Sozialist" das Exekutivkomite der Sozialisti- scheu Arbeiterpartei und die Vorstände verschiedener Gewerkschaften zu- sammen und beschlossen die Veranstaltung einer großenEntrüstungs- Versammlung im Cooper-Jnstitut, einem großartigen Eta- blissement mit Lele- ic. und Versammlungsräumen, das laut Vorschrift seines Stifters allen Parteien zur Verfügung steht. Das Meeting war auf den 7. Juli einberufen; über seinen Verlauf liegen uns noch keine Zeitungsberichte vor, und der Telegraph berichtet natürlich nur von folchen Dingen, welche die Bourgeoisie„interessiren". Daß es aber sich zu einer imposanten Demonstration gestaltet haben wird, geht aus der Aufnahme hervor, welche der„Spruch" des Richters Barret zwei Tage nach Fällung desselben in der Delegirtenversammlung der„Central Labor Union" gesunden hat. In dieser Sitzung wurden eine Anzahl von Reso- lutionen gefaßt, welche das Verfahren des Gerichts k aufs schärfste kennzeichnen, Sammlungen zur Unterstützung der Familien der Verurtheilten beschlossen, 125 Dollars Beitrag bewilligt zu den Gerichtskosten, um den Prozeß in der Appellinstanz weiter zu führen rc. ic. Gegen den Brauereibesitzer Ehret aber, in Bezug auf den alle Redner einig waren, daß er durch seine Zeugenaussagen das Meiste zur Verurtheilung beigetragen, obwohl er gewußt, daß die Angeklagten in keiner verbrecherischen Ab- ficht die Kosten für den Theiß'schen Boycott gefordert, wurde,„unter Hochrufen auf denBoycott" folgende Resolution einstimmig mit Enthusiasmus angenommen: „Da George Ehret sich in hervorragender Weift an der gerichtlichen Verfolgung von Arbeitern betheiligt hat, sei beschlossen, daß sämmtliche in der„Central Labor Union" vertretenen Organisationen aufgefordcrt werden, künftighin George Ehret's Bier nicht zu trinken und in keinem Lokal zu verkehren, in welchem besagtes Bier verkauft wird." „Dieser Boycott soll," heißt es im Bericht,„nicht ein zeitweiliger, von Erfüllung gewisser Bedingungen abhängiger sein, sondern ein permanenter Boycott, ein Boycott auf immer." Einen gleichen Beschluß, nur noch in schrofferer Form, faßten die „C-ntral Labor Union" von Brooklyn, der Nachbarstadt von New- Park, sowie eine Spezialoersammlunz der„Vereinigten Deutschen Ge- werkschoften", und eine ganze Reihe von Gewerkschaftsversammlungen rc. haben ihn bereits ratifizirt. Mit einem Wort, die Arbeiter lassen sich in keiner Weise einschüchtern, und das ist die Hauptsache. *) Diese IüuO Doll. waren, wie sich aus der Gerichtsverhandlung ergab, folgendermaßen verwendet worden: Kosten der Vertheidigung vor den Polizeirichtern Doll.2K4.—. Drucksachen D. 113.—. Annoncen D. ISI. 32. Löhne für die"...... M»■| von Theiß entlassenen Leute D. 273.13. Kosten des sto- mite« D. 115.53 und Ausgaben sür Pilets D. 32.—. —„Ausländer, Fremde sind es zumeist." In dem famosen Urtheilsspruch des Richiers Barret gegen die Theiß'schen„Boycotter" wurde mit besonderem Pathos hervorgehoben, daß es Ausländer seien, welche in so schnöder Weift die Gesetze des Landes, dem sie Gast- freundschaft schuldeten, mißachtet. Darauf antwortet die„New-Dorker Volkszeitung" in einem„Ein neues Knownothingthum"(Knownothing— Nichtswiffer, nennt man in Amerika die Hetzer gegen alles„Auslän- dische") überschriebenen Artikel u. A. wie folgt: „Die Gesetzesliebs der eingeborenen Amerikaner ist jenem berühmten Messer ohne Klinge zu vergleichen, an dem das Heft fehlt. Die meisten Gesetze sind hier zu Lande todte Buchstaben, und keine Nation kommt der anglo-amerikanischen in der Verachtung ihrer Gesetze gleich Die Be- weise h esür sind so zahlreich, daß die Gesetze, welche wirklich befolgt werden, zu den seltenen Ausnahmen gehören. Es wäre auch ein Wunder, wenn es anders wäre, da die Gesetzfabrikation eine der amerikanischen Landplagen ist. In Europa, wo man beim Gesetzgeben sorgfältig zu Werke geht, gibt es noch eine gewiss- Achtung vor dem Gesetze im Allgemeinen, in Ainerika ist eine solche Achtung nur höchst ausnahmsweise vorhanden, und die crsolgreichsten Gesetzübertreter, das heißt diejenigen, welche regelmäßig der Strafe entgehen, sind die geachtetsten Leute im Lande..... Europäer, welche hier einwandern, haben die schönste Ge- legenheit, die Verachtung der Gesetze hier erst zu lernen. Unter den be- rüchtigtsten Landesverräthern, wie Benedikt Arnold, Aaron Burr, Jesserson Davis, kann man nicht einen einzigen Eingewanderten nennen; und die Sklavenhalter-Rebellion ging nur von eingeborenen Amerikanern aus. Das Lynch verfahren, an sich ein Beweis davon, wie wenig das Gesetz im Lande geachtet wird, kommt nur unterEingebornen vor, und ist noch nie von Eingewanderten geübt worden..... Das Theeren und Federn von Frauen, selbst in Neu-England, die grausame Versolgung der Mormonen selbst in Illinois, die viehische Verfolgung der Katholiken und Jrländer in Philadelphia 1840, und während der Kvownothing-Bewegung 1854-185«, in Kentucky, Virginien und ander- wärts, die Rowdy-Äufflände in New-Dork, in Baltimore und wandern Großstädten, die Brandstiftungen und blutigen Straßen Balgereien der freiwilligen Feuerlösch Kompagnien— alles dies zu einer Zeit, da es noch äußerst wenig Einwanderung gab— sind ebensoviel Beweise, daß die Gesetzlosigkeit ein eingeborenes amerikanisches Laster ist." „... Die starke Einwanderung der Neuzeit hat ganz offenbar die Sitten der Bevölkerung gemildert: das Amerika der Neuzeit verdankt der Einwanderung un'äglich viel: Es verdankt ihr nicht nur fast allen seinen R-ichthum und eine ungeheuere Arbeitskraft, sondern auch einen Großthell seiner Erfindungen, seiner höheren Zivilisation, seiner refor- motorischen Ideen." ...„Diese Neueingewanderten bringen in der Regel jene Ehrlichkeit mit sich, welche des guten Glaubens ist, daß hierzulande eine neue Welt bestehe, in welcher das Wort noch gilt, waS es bedeutet.... Alt die Niedertracht der regierenden Klassen in Europa haben sie glauben ge- lernt; daß aber Menschen, die unter einer Republik leben, ebenso ver- darben sein können, als irgend welche europäische Despoten es sind, das müssen sie erst aus Erfahrung begreifen. Daß das handgreifliche Unrecht auch hier zu Lande w der Regel triumphirt, das müssen sie durch theure Erfahrungen lernen." Mit entsprechenden Modifikationen gilt das, was unser Bruderorgan hier den Stock-Amerikanern vorhält, die ja auch nur„Eingewanderte" sind, auch in anderen Ländern. Fast überall findet sich ein anmaßendes Nichtswiflerthum, welches bei jeder Gelegenheit bereit ist, eine Hetze gegen die schlechten Ausländer zu infzeniren, ganz unbekümmert darum, daß man kurze Zeit voi her eben dieselben Ausländer selbst ins Land gezogen, um sie gegen die„theuren Landsleute" auszuspielen. So importirt man in Deutschland an der einen Stelle massenhaft polnische Arbeiter, um zu derselben Zeit Maßregeln im Interesse des durch„die Polen bedrohten Deutschlands" zu treffen; so macht man es in Deutsch-Oesterreich mit den Tschechen, in Rußland und anderwärts mit den Deutschen»c. jc. Ueberall dasselbe Spiel in etwas anderen Formen, das zum Glück aber immer weniger verfängt, da in der Arbeiterklasse die Erkenntniß von der Solidarität der Arbeiterinteressen zu feste Wurzeln gefaßt hat und mit jedem Tage weiter um sich greift. Beiläufig. Was die„New-Dorker Volkszeitung" über die amerikanischi Gesetzmacherei und G-setzumgehung sagt, ist gegenüber den Amerikanern gewiß am Platze, doch haben die Rezierer des gesitteten Europa keinen Grund, sich dem gegenüber pharisäerhaft auf die gesetzliche und gesetz- liebende Brust zu schlagen. Es ist die verhältnißmäßige Jugend der amerikanischen Zustände, welcher das gesetzliche Chaos zuzuschreiben ist, in Europa hat sich die„Sond-rung des Festen von dem Flüssigen" längst vollzogen, so daß alles hübsch gesetzlich gemacht wird. Ist aber drum nicht schöner geworden. — Der Reichstruthahn wird immer kolleriger; die rothe Farbe hält ihn in so beständiger Aufregung, daß schließlich seine Gesundheit darunter leiden muß. Der rothe Regenschirm vom Greifen- stein(s. unsere Korrespondenz aus dem lg. sächsischen Wahlkreis) ist in frischem Gedächtniß— jeder Tag bringt Seitenstückchen aus Süd und Nord, aus Ost und West des großmächtigen deuCchsn Reiches. Apropos, ganz allmächtig ist der Reichstruthahn zum Glück noch nicht und es gibt doch, auch außerhalb der sozialdemokratischen Reihen, noch Leute, die den R-'chstruthahn auslachen. Passirte da neulich in Würzen(Sachsen) eine gar komische Geschichte. Eine ehrsam- Wift-i frau hängt in ihrem Kirschzarten ein rothes Taschentuch— wohl einen Zwilling des Spremberger— auf einen Baum— als Vogelscheuche. Tagelang hing das entsetzliche Ding dort, ohne daß es patriotischen Anstoß erregte, bis eines schonen Morgens ein Reichstruthihn in die Nähe kam, der sofort zu kollern anfing unv dann, so schnell seine fetten Beine ihn tragen wollten, auf die Bürgermeisterei eilte, um das„Sym- bot des blutigen Umsturzes" entfernen zu lassen. Der Bürgermeister scheint ein vernünftiger Mann zu sein; er erkundigte sich nach dem Sachverhalt, und nachdem die Eigenthümerin des rothen Tischentuchs ihn belehrt, daß die Spatzen und anderes Ungeziefer vor der rothen Farbe scheuen, und vor keiner anderen, beruhigte sich der Herr Bürgermeister, und das rothe Taschentuch hängt noch heute am Kirschenbaum, zur größten sittlichen Entrüstung der Svatzen, Truthähm und Reichsochsen. Wir Sozialdemokraten haben aber die Genugthuung, daß an unserer glorreichen Parteifarbe wieder eine nützliche Eigenschaft entdeckt wor- den ist. Und welch' herrliche Aussichten eröffnen sich uns, für die Zukunft, wenn einst nicht blas rothe Taschentücher,' sondern auch rothe Fahnen überall flattern werden: dann gib:'s keine Spatzen, keine Truthähne und keine Reichsochsen mchr— wenigstens können sie sich nicht, von wegen der verwünschten rothen Farbe, an die O e f f e n t l i ch k e i t wagen. nicht o reise dern v Herr l hatte, Lübeck- der ss N e s e veranli andern klären. den Lo sage, i würde, Temun sie erhi ßotnin. steideer . Da i b-iten � Kenten streb Kahr ße wü — Zur wahren Gosse des B-rliner P o l i z e i s ch m u tz e s ist die „Berliner Börsenzeitung" geworden, bekanntlich ein„Juden- organ" echten Kalibers, das aber mit dem Stöcker' und dem Molken- markt auf dem vertrautesten Fuß steht— ein Beweis, daß unseren Antisemiten die Antisemiterei nicht ernst und nur Mittel zum Zweck ist. Die plumpsten Jagdgeschichten über die Sozialdemokratie werden zuerst in der„Berliner Börsenzeitung" veröffentlicht, und gehen dann aus ihr in die„Norddeutsche",„Kreuzzeitung" und die übrigen Stöcker-Bismarck» und Puttkamer-Organe über." Die Mähr, daß Singer deshalb ausge- wiesen worden, weil er aus Frankreich bedeutende Geldsummen für die deutsche Sozialdemokratie erhalten, und sich so gewissermaßen zum Unterhändler zwischen der französischen Regierung— denn das war natürlich gemeint, sintemalen es eine notorische, von den deutschen Po- lizeiblättern wiederholt denunziatorisch erwähnte Thatsache ist, daß die französischen Arbeiter und Sozialdemokraten von den deutschen Sozialdemokraten Geld empfangen haben— und der deutschen � Sozialdemokratie hergegeben habe ,' diese zwar alberne, aber doch auch sehr perfide Erfindung wurde zuerst von der„Berliner' Börsenzeitung" veröffentlicht. Und so noch gar manche andere Gemein-! � � heiten, die auf gleicher Stufe stehen. Jetzt befindet sich die„Börsen- � zeitung" in einer charakteristiichm Polemik mit einem Korrespondenten � � der„Frankfurter Zeitung". Di-ftr Herr— beiläufig der Ernvecker des• iiti* tnSfro�frrn" hoS(Srrtimftft-otirtoOfcirä /f nnfo*t\—-_. Heimat� der Zu! Mittel � zirka 1 Lorrift Arbeit Wen dt dachte >u betr. klagen- Von stch im Herrn! blanker zwischen disses« g-rich- Heran«, ÖMben Mine dl Hdffentl Mit feir ohne je! christlich »echt i berhand stondess chnen p iur« u her brüs und m: Brüder ernten ®eftn h-rrs Nicht, d, Nun, -en w Planes zur„indirekten" Beseitizunq des Sofialistengesetzes(s. unten) hatte neulich einmal geschrieben, die.sozialdemokratischen Führer gäben sich alle erdenkliche Mühe, das Auskommen des Anarchismus in Deutsch land zu verhindern, das werde ihnen jedoch, Dank dem Sozialistengesetz und dessen neuester Handhabung, von Tag zu Tag ichwerer. Daß der Frankfurter-Zeitungs'Pfiffikus, der bekanntlich die Flöhe husten hört und das Gras wachsen sieht, sich hier, aus mißverstandenen Aeußerungen, eine phantastische Jagdgeschichte zurecht gemacht hat, brauchen wir unser« Lesern nicht zu sagen, die so gut wie wir wissen, daß es in Deutschland „Anarchismus", d. h. eine„anarchistische Bewegung", nie gegeben hat. Doch lassen wir das. Genug, in diese philosophische Betrachtung dei Frankfurter Zeitungs-Psiffikus verbeißt sich die„Börienzeitung", und meint:„Die Herren Abgeordneten aus dem sozialistischen Lager t h u« Unrecht, der Ausbreitung anarchistischer Ideen ent< gegenzuarbeiten. Man lasse Jeden zum Tollhäusler werden, der den Berus dazu in sich fühlt. Je mehr die Sozialisten Erfahrung dari« machen, wie man sich der Anarchisten erwehrt, desto besser für sie und den Staat. Gegen Anarchisten haben wir Kerker und Beile. Mögen die Herren Anarchisten stets Farbe bekennen. Staat ist stark genug, es mit ihnen auszunehmen." .."Di' die T!- �egeyde �traska, klrtheils sein. D di uhrrn geg «eseUsch iebrach: fc" Der, „ Wenn ?°uer bl fte*„c -öleichllj, �Mkbgr. I Der Skribent der Börsenzeitung entpupvt sich da als ein würdiger Schüler des Herrn Puttkamer, der es auch sehr bedauert, daß die_ Organisation der deutschen Sozialdemokratie den Anarchismus nicht auf- Uph kommen läßt. Und der seine sehr guten Gründe hat, es zu bedauern,� denn gegen den Anarchismus hat der Puttkamer, wie sein Schüler Justi. t over Kumpan in der„Börsenzeitung" sagt:„Kerker und Beil"— gegen Er. die Sozialdemokratie hat er aber gar kein Mittel und ist voll- �ayeln ständig rath- und Hülflos. Apropos— vielleicht veröffentlicht He». die„Berliner Börftnzeitung" nächstens ein Rezept, wie man aus einem säm m i Vollblut-Semiten über Nacht einen chrisilich-germani-iien p,� schen Baron machen kann. Bei Papa Otto, der ja seinerzeit viel sihrift, mit„jüdischen Stuten" und„christlichen Hengsten" zu thun hatte, wird i n ä d i er mit dem Rezept gewiß dankbare Aufnahme finden. Einstweilen sei Ii*,, j .• C. Sil � rt v*>, Sl\* CtX llul.-.....-/___? L-W____..,•. *) Der Polizeirichter hatte nämlich die wegen Boycott Verhafteten freigelassen!! der christlich-germanische Baron der„Börsenzeitung" mit dem Ohrläpp' tiej che» an die Thür« des Puttkamer-Jhring angenagelt. iha„,, deinen — Moderner Sklavenhandel. Man schreibt uns aus M e ckle n-«. bürg:„Das Amtsgericht inPenzlin, einem kleinen Städtchen in tfeilitzu Mecklenburg, hatte vor wenigen Wochen in einer Lohnstreitigkeit Es jo zu entscheiden, deren Entstehungsgeschichte«inen charakteristischen Beitrags, n � liefert zur Kritik der Arbeiterverhältnisse in der mit der Landwirthschaft!» treffe, verbundenen Industrie. toep„ er Auf dem in der Nähe von Penzlin gelegenen Rittergute Dambecklery«.., betrieb der Besitzer seit einigen Jahren eine Gemüsetrocknerei.dir wozu das ausschließlich weibliche Arbeitspersonal von zirka 40 J;iim.cn f Personen aus Polen und Westpreußen herbeigeholt wurde. Die Arbei-«brigen terinnen trafen im Oktober ein, um zunächst bei der Einerntung de« toi» f�n Gemüfts beschäftigt zu werden, und reisten, da die Trocknerei nur im�itr« Re Winter betrieben wurde, im Laufe des März wieder in die Heimat zu-«drach! rück— mit Ausnahme von 10—12, welche für Arbeiten beim Gemüse-'>lh bau und bei der Ernte engagirt und demgemäß während des Sommers auf den umfangreichen Gütern des Besitzers jener Trocknerei beschäftigt � jj, wurden. Auch im Ottober vorigen Jahres trafen einige 30 Polinnen Ichjnerj zur Trocknenarbeit in Dambeck ein. Im Laufe des November vor. Js.fichen verpachtete nun der Besitzer die Gebäude der Trocknerei an die Lübecker 8»�,, e Konservenfabrik, vormals D. H. Carstens in Lübeck, welche in DamberfNete L eine Zweigfabrik für alle möglichen Gemüft- und Fleisch-Konftroen ein-�richl", richtete. Maßgebend hierbei war wohl sür die Lübecker Gesellschaft nebe«„Sg j billigem Einkauf der Rohprodukte auch der geringe Arbeitslohn, tieztg denn die polnischen Arbeiterinnen erhielten neben primitiver Beköstigungp lieser, und dito Unterkommen pro Tag ganze 40 Pfennige Tagelohn. � i ik«, Die Gesellschaft übernahm vom Gutsbesitzer die Arbeiterinnen für ihreNNaar Hg Betrieb, ohne einen eigenen Kontrakt mit denselben zu machen; über-Dä,,� Haupt wurden sie, die durchweg entweder gar nicht oder nur sehr wenig Bei B, deussch reden konnten; über den Wechsel in den Personen der Unter-, nehmer so wenig unterrichtet, daß sie nach wie vor den Gutsbesitzer undNann� v nicht jene Gesellschaft für ihren Arbeitsherrn hielten. Da« trat zu Tage,. Beim als die Arbeiterinnen Ende März d. I., wo in der Fabrik der BetriebjSeu x � wegen Umbauten eingestellt wurde, ihren Lohn, der ihnen im Wintel�rdri mcht ausbezahlt worden war, um sie vom vorzeitigen Ab- reisen zurückzuhalten(!), nicht von der Lübecker Gesellschaft, son- dern von dem Gutsbesitzer, der sie geworben hatte, forderten. Dieler Herr beabsichtigte aber, seinen Gemüsebau bedeutend auszudehnen, und hatte, um die dazu nöthigen Arbeitskräfte billig zu gewinnen, mit der Lübecker Gesellschaft dahin ein Abkommen getroffen, daß nur ein Theil der Fabrikarbeiterinnen durch Auszahlung des Loh- N« s entlassen, einige 20 aber durch Vorenthaltung desselben veranlaßt werden sollten, sich zur Uebernahme von Gemüsebau- und andern landwirthschaftlichen Arbeiten auf seinen Gütern bereit zu er- klären. Demgemäß händigte die Lübecker Gesell chaft dem Gutsbesitzer den Lohn von zirka 25 Arbeiterinnen aus und erhielt ihrerseits die Zu- sag«, daß ihr von diesen Arbeiterinnen die nölhige Anzahl überlaffen würde, wenn sie im Laufe des Sommers zum Einkochen von frischen Temülen einige gebrauchen sollte. Den Arbeiterinnen wurde eröffnet, sie erhielten den im Winter verdienten Lohn zugleich mit dem für den Kommer noch erst zu verdienenden, wenn sie nach Vollendung der Gs- ikeideernte vom Gutsbesitzer entlassen würden. Da nun die Arbeiterinnen erklärten, auf dem Gut nicht mehr ar- deiten zu wollen, und die Auezahlung ihres im Winter so sauer ver- dienten Lohnes verlangten, so wurde der Versuch gemacht, ihr Wider- streben durch Hunger zu brechen. Sie erhielten nämlich keine Nahrungsmittel mehr verabfolgt, und es wurde ihnen erklärt, ste würten nicht eher zu e s s g n bekommen, als bis sie die an- Kewiesene Arbeit ausnähmen. Einige der Unglückliche erhielten aus der Heimat, wo die aus der Fabrik Entlassenen wohl inzwischen die Roth der Zurückgebliebenen den Angehörigen mitgetheilt haben mochten, Geld- Mittel und reisten ab, ihren sauer erworbenen Lohn im Stiche lassend; zirka l.°> dagegen wurden nach Verlauf von 4— S Tagen, wo die letzten Vorräthe aufgezehrt waren, durch den Hunger zur Ausnahme der Arbeit auf dem Gut gezwungen. Die in die Heimat Entkommenen nah- wen dort die Hilfe eines Rechtsanwalts in Anspruch. Derselbe machte zuerst den Versuch, von dem Gutsbesitzer den vorenthaltenen Lohn >u betrkiben, bis er endlich hinter den wahren Sachverhalt kam und nun nagend gegen die Lübecker Gesellschaft vorging. Von j nen 15 aus dem Gut zurückgebliebenen Arbeiterinnen entfernten stch im Lause des April noch weitere 4, welche auf dem Gute G. eines Herrn Pogge, eines Bruders des srühern Reichstagsabgeordneten Pogge- Vlankenhof, landwirthschaftliche Arbeiten übernahmen. Diese müssen in- zwischen nun über die wirkliche Natur ihres winterlichen Arbeitsverhälthisses aufgeklärt worden lein, denn sie verklagten im Mai beim Amts- 8«ich» in Penzlin die Dambecker resp. Lübecker Konservenfabrik auf Herausgabe des Lohnes. Da das Amtsgericht die Berechtigung dieser vmderunz anerkannte, so zahlte die Lübecker Gesellschaft sofort im Ter- Mine da-' Geld auS und übernahm auch die Deckung der Gerichtskosten. Hoffentlich wird der Posen'sche Rechtsanwalt bald einen ähnlichen Erfolg Mit seiner Klage erzielen! L-r. i. M. Letz eres hoffen auch wir im Interesse der armen weiblichen Arbeitssklaven. «ber weich bezeichnendes Schlaglicht wirft das Gebahren des zweikels- ohne sehr christlichen und konservativen Gutsbesitzer? und der nicht minder christlichen Lübecker Gesellschaft auf die Begriffe von Recht und Un- �cht in jenen Kreisen! Da werden Menschen hinterrücks wieThiere Oerhandelt; wählt man doch mit Vorliebe solche Arbeiterinnen, welche die Landessprache nicht verstehen und daher zu allen Gemeinheiten, die man chnen zukügt, stumm sein müssen. Die eigenen Landeskinder treibt man kür Auswanderung und importirt dafür S l a v e n, und hinter- hn brüstet man sich mit seiner echt deutsch-nationalen Gesinnung M>d macht in„Entrüstung" über die„Unterdrückung" der„deutschen Vrüdcr" in Böhmen jc., die jetzt die Früchte für ein gleiches Vorgehen Muter. Deutlicher kann gar nicht gezeigt werden, daß die nationale Gesinnung dieser Herren nur so weit geht, als die Interessen der herrschenden Klasse es erfordern. Das Volk zählt bei ihnen Mcht, das ist Arbeitsvieh, das zu gehorchen hat. doch■, Nun, auch diesen Patronen wird das Handwerk gelegt werden, auch iner' nen wird die wachsende Erkenntniß in Arbeiterkreisen„Mores" lehren. er rn ld ;n m tz' er st. ist m b- -it r- ist üd ich !N, in �tt- ;en he. ien Die en j alter ein h? )en oer am hn» Vit or- aft, aeil hne von iit die »en- teiv ireN ist- >srst ihr irck- sge« 'ür zum war Po- ist, che« che« Ein Optimist. nten äb-n itich- zesetz! der und igen, sser« laud hat. de! und h u n ent» . der ,aria und und Der liger JDer Rechtsanwalt(und Reich stags abgeordnete) "ahlow-Jhring-Prozeß neben Freu u n ck e l, der in dem � � � 0 e n i h a l als V rtheidiger sungirte, hat für die„Nation" einen Ar- ,e& Ui» V4yv»v/köv», lAiiyu.-,,' 44«- v»r.„viuitui tiutll _ nltel Uber diesen beispiellosen Prozeß geschrieben, der wie folgt schließt: „Die Sache ist in erster Instanz erledigt, der Nutzen einer zweiten, die Thatsachen frei prüfenden Instanz kann deutlicher, als durch die vor- iiegende Sache, kaum dargelegt werden. Die Beurtheilung seitens der Strafkammer wird eine völlig freie, weder durch den Inhalt des ersten ststhnls, noch durch die demselben widerfahrene Beurtheilung beeinflußte mn. D e n Jrrthum aber wird sie sicherlich beseitigen, �aß die gegenwärtige Gesellschaftsordnung auf den uhring-Mahlow's alS ihren Grundsäulen beruhe. Die gegenwärtige Gesellschaft, welche von den Sozialisten, als von einer 'Oisellschaft der Zukunft, bekämpft wird, würde in eine nachtheilige Lage sebrachl und der Sieg der Sozialisten geradezu vorbereitet werden, Menn jeuer Jrrthum in der That als eine Wahrheit anerkannt werden Der„Jrrthum?" I st es denn Jrrthum? Wenn Herr Munckel die„gegenwärtige Gesellschaftsordnung" sich ge- MlUer betrachtet, so wird er finden, daß sie der Jhring- Mahlows als fhmr„Grundfäulen" bedarf. Ohne die Jhring Mahlows kein Bismarck sSleichos-l wie er heißt), kein Polizei- und Klassenstaat, und ohne Polizei- Klassenstaat ist auch die„gegenwärtige Gesellschaftsordnung" un> Mkbar. 1 k'/ r Deutschland im 19, Jahrhundert. Das bayerische„Gesetz- aus- und Verordnungsblatt" Nr. 33 enthält solgende Bekanntmachung: JigL Staatsministerien des königl. Hauses und des Aeußern, der 5* Mi, des Innern beider Abtheilungen, dann der Finanzen. Im Namen R Majestät des Königs. Se. k. Höh. Prinz Luitpold, des Königreichs ' ,lil Verweser, haben sich allergnädigst bew �"yern Verweser, haben sich allergnavign vewogen gefun- ilichl« e n, � bestimmen, daß während der Dauer der Regentschaft die inewl ........ ichen Eingaben(Begnadigungsgesuche w.) an Se. k. Höh. n»-«en Prinzregenten in nachstehender Weise zu formuliren sind. Ueber- v'.el»hijst.„Allerdurchlauchtigster Prinz und Rezent, Aller- wirb Gnädigster Regent und Herr!" Im Kontexte:„Euere König- a s-'>> ch e K o h e i t... Allergnädigst... Allerhöchst ,c..... äv?' sn tiefster Ehrfurcht Eurer Königlichen Hoheit allerunter- ihänigst, trengehorsamster....." Dies wird hiermit zur allge- deinen Kenntniß gebracht. München, den 12. Juli I88K. Dr. Frhr. e N' j|. Lutz Dr. v. Fänstle. Dr. v. Riedel. Frhr. v. Crailsheim. Frhr. v. en intseilitzsch« g�it. Es ist wirklich gut, daß Ludwig Börne schon nahezu 50 Jahre tobt itrag J«,»t, net die niederträchtige deutsche Zopssprache in seinem„Tagebuch" ch�fllstreffend in ihrer Abgeschmacktheit blosstellte. Was würde er sagen, ?enn et sehen müßt«, wie in Deutschland die Lächerlichkeit— weit ent- '. Pj" zu tödten, gerade erst recht konseroirend wirkt? Da haben : e r ,u»r Deutschen nun 1843 endlich eine Revolution gemacht, aber nicht u tü niiuiai st,sche Albernheiten wie die obigen, die kein Welch in eine der rbei,!°rigen modernen Sprachen übersetzen kann, weil diese für solchen Blöd- deS feine Worte haben, konnten wir loswerden. Dazu werden wir eine r iat�ttra Revolution machen müssen, sonst bringen wir sie nicht aus unserer i sU, Ebrach- heraus— es müßten denn die allerhöchsten Herrschaften sämmt- nüse-'ty allergnädigst sich allerhöchstsclbst zu ersäufen geruhen.-iuM mer» W'fl'l Neber die Berdrangung geschickter Arbeit durch Ma- nnealchinerie entnimmt die„Rewyorker Bolkszeitung" dem jüngsten a m t- • e n Bericht des Arbeitskommissars der nordamerikanischen ,5lhu0n e'ne Reihe äußerst lehrreicher Zahlen, die wir, weil auch für mbeck Nsere Leser interessant, hier folgen lassen. Sie sind in dem erwähnten eiiVerichi auf S. 81 ff. zu finden: rede«„B i Fabrikation von Ackerbauwerkzeugen würden 2145 ohn,'>elseitig geschickte Handwerker nöthig sein, um soviel Produkt gung Museen, als jetzt mittelst Maschinen von ganz einseitig ge- - Ickten Tagelöhnern, 999 an der Zahl, geliefert wird. E i n rhre«»ar Hände arbeiten also so viel, wie früher im Mittel 3.75 Paar uber«vande. oenig. Bei Verfertigung kleinerer Feuerwaffen verdrängt jetzt« i n uter-?»»n, welcher den hölzernen Stock mit Maschinerie macht, 44— 49 r unb«tanri, welche früher diese Arbeit ohne Maschinerie besorgten. M®!'* Dein, Ziegelmachen werden jetzt 10 Prozent und beim «uerziegelmachen 40 Prozent der früher nöthigen Hände ünter'erd rängt. In der Schuhmacherei werden jetzt Frauenstiefelchen von 199 Menschen gefertigt, wozu früher 599 nöthig waren. Bei einer anderen Art Schuhwaare werden die Hälfte verdrängt. In einer\ Fabrik macht jetzt ein Mann dreimal soviel Maare als noch vor Karzem. Mit Goodyers Nähmaschine an turnsä adoss thut j-tzt ein Mann soviel wie früher 8. Mit Mc Kay's Maschine wird 99 Mal mehr Produkt fertig. In anderen Zweigen diefer Industrie verdrängt jetzt e i n Mann 19 Mann. Bei der B e s e n m a ch e r e i verdrängt e i n Mann mit Maschinerie 3 Mann oder 4. Beim Wagen- und Kutschenbau verdrängt ein Mann 9'/, Mann. Bei der T e v v i ch m a ch e r e i, und zwar beim Spinnen, thaten früher 75—199 Mann, was jetzt Einer thut, und beim W-ben 19 Mann das Werk von Einem; beim Messen und Bürsten machten 15 Mann, was jetzt Einer mit Maschine thut. Die Schneiderei besorgt jetzt das Zuschneiden von Hüten, Kap- pen und Kleidern mit sechs- bis neunmal weniger Hände« als früher. Das Weben baumwollener Maaren mit Dampfkraft hat dreimal soviel Weber verdrängt an einem Webstuhle, als früher nöthig, und e i n Weber kann damit 2 bis 19 Webstühle bedienen, während früher Einer nur einen bediente. Binnen den letzten 10 Jahren allein ist die Hälfte der Arbeiter überflüssig geworden für das gleich- Produkt. Beim Spinnen geht dies noch weiter. E i n Arbeiter thut, wozu noch vor wenigen Jahrz chnten neun bis zehn oder mehr noch- wendig waren. Bei der Müllerei sind jetzt je drei unter vier Arbeitern überflüssig geworden, bei einigen Zweigen der Glasmacherei je fünf unter sechs, und beim P-�tent-Ledergerben eine Hälfte. In allen Holzwaareng.-schäften herrscht bedeutende Erstrnrniß von Händen, beim Dauben-Zuschneiden thut eine das Werk von fnnfcn. In der Stellmacherei thut ein Tagelöhner so viel wie früher 19 Handwerker. Ein Knabe hobelt soviel Holz wie früher 25 Mann." „Und so geht", schließt die„Volkszeitung",„die Liste der Ersparnisse von Arbeitern noch viel weiter fort, wobei immer zu bedenken ist, daß es allseitig g e s ch i ck t e und i nt e l l i g e n t e Berufs arbeiter sind, welche von ganz einseitig geschickten und nicht n o t h- wendig intelligenten Tagelöhnern ersetzt werden. Und das ist nur deswegen ein großes Unglück, weil die Maschinen nicht den Arbeitern gehören." Will selbstverständlich heißen, der Gesammtheit, da unserem amerikanischen Bruderorzane nichts ferner liegt, als kleinbürgerliche Utovisterei. Es ist schade, daß wir den vorstehenden Zahlen nicht die entsprechen- den europäischen, bezw. festländischen an die Seite setzen können. Die ent- sprechende Statistik liegt eben bei uns noch sehr im Argen. Für so etwas hat man in Miliiärstaaten kein Geld. Es würde sich beim Vergleich wahr- scheinlich herausstellen, daß sich zwar bei uns dieselbe Entwicklung vollzieht, aber weniger rapid und umfassend, was keineswegs eine günstige Er- scheinung ist, weil die üblen Folgen für die Arbeiterklasse sich darum nicht etwa minder hart geltend machen, sondern nur schleppender und infolgedessen noch verheerender. Diese langsamere Entwicklung ist eine Folge davon, daß bei uns der Preis der menschlichen Arbeitskraft ein niedrigerer ist als in Amerika. Die hohen Löhne Amerikas haben die Entwicklung des Maschinenwesens in Amerika so gefördert, daß Amerika heute nicht nur Produkte, sondern bereits auch Maschinen nach Europa exportirt. — Ein tapferer Mann. Auf dem letzten Parteitag(lucua a non lucendo: war weder„Partei" v.rhanden, noch Hat'S getagt) der„natio- nalliberalen Partei" Sachsens sagte der„Generalsekretär" besagter „Partei", Bebel und Liebknecht feien Feiglinge, weil sie sich nicht offen zum gewaltsamen Umsturz und Anarchismus bekennten. Vor 15 Jahren sagte ein Parteigenosse des besagten Herrn, der ver- schollene Handelskammer!. kretär E r a 6:„Die Kathedersozia- listen seien Feiglinge, weil si- sich..�r zu Bebel und Liebknecht be- kennten." Das klang etwas anders. Jndeß die Zeiten haben sich geändert, der Puttkamer braucht Anarchisten, die Sozialisten wollen ihm den Gefallen nicht thun, und die Herren Nationalliberalen sind ja nur noch folg- same Jagdhunde— oder lassen wir unsertwegen das„Jagd" weg und sagen schlechtweg Hunde— des eisenstirnigen Otto und seines Vetters Putty. Wie sagte doch Bamberger. als er noch nationalliberal war? „Hunde sind wir ja doch." Der fragliche Herr„Generalsekretär", der den Sozialdemokraten in die Waden fährt, weil sie nicht dem Putty zu Liebe Anarchisten sein wollen, heißt Jerusalem und hat trotz seines unchristlichen Namens die christliche Langmuth doch schon bei zwei Gelegenheiten so weit ge- trieben, daß er sich in einem Wirthshau? auf die linke Backe ohrseigen ließ und dann lamfromm auch noch die rechte hinhielt, ohne zu mucksen. — Ei» Pfiffikus, wie er im Buch steht, ist der famose Ber. liner Zeitungskorrespondent, welcher den„indirekten Weg" zur Ab- schaffung des Sozialistengesetzes entdeckt und dadurch unseren Genossen und uns selbst manche heitere Stunde bereitet hat. Seine„geniale" Idee läßt ihn noch heute nicht schlafen, und noch heut jammert er, daß sein„Plan" keine Gnade vor den Augen der Sozialdemokraten gefunden hat, und bedauert— denn er ist ein gar gutmüthiger Mann— die armen Sozialdemokraten, die so dumm gewesen, sich nicht von ihm retten zu lassen. In einer seiner letzten Korrespondenzen in dem Moniteur Sonnemanns kommt er wieder auf den unglücklichen„Plan" zu sprechen, und erzählt bei dieser Gelegenheit, wie ihm von einem„konservativen Mann"(der sich natürlich„in den leitenden Kreisen" bewegt) die Güte seines„Plans" und die Richtigkeit seiner Rechnung bescheinigt worden sei: Fürst Bismarck sei allerdings entschlossen gewesen, sür den Fall der Annahme der Windihorst'schen Milderungsanträge das so amendirte Sozialistengesetz dem Reichstag vor die Füße zu werfen und nicht aufzulösen. Leider vassirt nun unserem Pfiffikus ein kleines Malheur. Cr läßt nämlich seinen„konservativen Mann" sagen, Fürst Bismarck habe darauf gerechnet, daß der Reichstag dann sehr bald in der Stim- mung sein würve, ein noch viel schärferes Gesetz anzunehmen. Und zwar warum?„Es wäre geschossen worde n." Sehr schön. Ganz unsere Auffassung. Aber merkt denn nun der Frankfurter Zeitungs-PsiffikuS nicht, wie vollständig er die AMurdität seines„Planes" selbst nachgewiesen hat? Die entscheidenden Abstimmungen über die Verlängerung des Sozialistengesetzes fanden Ende März und AnsangS April statt. Das Soziaiistengesetz war damals noch in Kraft bis zum 30. September, also noch auf volle 8 Monate. Und„bald" erwartete Bismarck die Umstim- mung des Reichstags durch eine Schießerei. Wie viel Tage— das fragen wir hiermit unfern Pfiffikus- wie viel Tage hätte Jhring- Mahlow oder ein beliebiger seiner zahlreichen Doppelgänger gebraucht, um seinen Schießauftrag auszuführen? Merkt unser Pfiffikus nun endlich, wie wunderbar pfiffig er gewesen? Oder glaubt er, die Jhring-Mahlows hätten ihren Auftrag nicht ausgeführt? Für so naiv halten wir ihn doch nicht. — Zwei Ausweisungen. Der Stadtrath von Crimmitschan hat den Weber Anton Behr aus Böhmen aus dem Königreich Sachsen ausgewiesen, weil derselbe einen— Freidenker- verein gegründet hat. v aufgeklärtes Jahrhunderl, das einen solchen Verbrecher nicht gleich lebendig verbrennt! Die hessische Regierung hat die aus Preußen gebürtige Frau G u i l l a u m e- S ch a ck, die sich in Hessen angekauft hatte, um das hessische Staatsbürgerrecht zu erwerben, plötzlich ohne Angabe des Grundes aus dem Großherzogthum Hessen ausgewiesen. Kurz bevor diese Maßregel sie erreichte, hatte Frau Schack an einer Konferenz des britisch-kontinentalen Bundes zur Bekämpfung der gesetz- lichen Prostitution theilgenommen. Sollte nicht hierin ihr Ver- brechen liegen? Wo bliebe da Sittlichkeit und Ruhe in Deutichland, wenn die Prostitution nicht mehr gesetzlich„beschützt" werden dürste!? — Allerhand SozialreformatorischeS auS Deutschland. Der„Arbeiterbezirksverein für den Osten Berlin s", in dem Ehren-Jhring-Mahlow sein provokatorisches Unwesen trieb, ist, da er solche Subjekte in seiner Mitte nicht dulden will, polizeilich geschloffen worden. Dasselbe Schicksal ereilte den Arbeiterbezirks« verein„Unverzagt" im fünften Berliner ReichStazswahlkreise. Ein polizeiwidriger Titel das,„Unverzagt"! Im Boraus verboten wurden eine Versammlung in A ch i m bei Bremen, in der Genosse Harm, eine Versammlung in S ch w a b i n g, in der Genosse V o l l m a r, eine Versammlung in Krefeld, in der der demokratische Schriftsteller Gilles reseriren sollten, sowie eine Versammlung der Maurer Berlins. Aufgelöst wurde eine Versammlung in Görlitz, in der der Ber« liner sozialistische Stadtverordnete G ö r k i referirte. Haussuchungen fanden statt in Hamburg bei verschiedenen Ar- beitern, die einem verstorbenen Genossen das letzte Geleit gegeben, in Flensburg beim Vorsitzenden und Schriftführer des Maurerfach- Vereins. Resultat hier wie dort: Gesucht und nicht gefunden. Druckschriftenverbot.„Die Krisen und die Sozialreform", ein Bortrag von Dr. Bruno Schönlank. Ausweisung. Der Baumeister Keßler ist als„bestraftes Subjekt" auch aus Brandenburg und Braunschweig aus- gewiesen. Er war nämlich vor 15 Jahren wegen eines gering- sügizen Vergehens, das nicht einmal seine Entlassung aus dem Staats- dienste zur Folge hatte, zu einigen Tagen Hast virurtheilt worden. Sonst erlischt die Wirkung solcher Strafen mit der Zeit, da Baumeister Keßler aber sür die A r b e i t e r i n t e r e s s e n eintritt, so w ä ch st sie. Deutschland, Deutschland über Allles! — Bon Nah und Fern. In Pieschen bei D.esden sind 80 Arbeiter der Glasfabrik Siemens entlassen worden, weil sie sich der Anordnung, daß die wöchentliche Arbeitszeit schon Sonntags Abends 7 Uhr wieder anfangen sollte, nicht einver- standen erklärten. Die unverschämten Faulpelze behaupteten, daß ihnen dadurch der ganze Sonntag verdarb m würde. Nun, und was schadete ihnen das?— In Ronneburg, Großherzogthum Altenburg, ist G eoss e H ü t t i g, Zeugarbeiter, in den Landtag gewählt worden. Bravo.— Der russische„Nihilist" S a v i n e, der von der französischen Regierung an Rußland ausgeliefert werden sollte, weil er angeblich an Brandstif- tungen theilgenommen, ist auf dem Transport durch Deutschland bei Duisburg entwischt. Das wird Väterchen in nicht geringe Wath versetzen.— — Berichtigung. Aus Kiel schreibt man uns, daß der in Nr. 23 unseres Blattes veröffentlichte Artikel:„Graf Baudissin der Kolonial« Politiker" entschieden auf einem Jrrthum beruhen muß, da von den beiden in der Marine dienenden Baudissin'S keiner eine geborne Gräfin Papxenheim zur Frau habe. Eine solche sei vielmehr die Frau deS Grafem von Hauckwitz, und dieser, ebenfalls ein höherer Marine- Osfiziea, habe allerdings seine lanzjährige Geliebte, die sogar einen Knaben von ihm hat, schnöde sitzen lassen. Indem wir von dieser Berichtigung Notiz nehmen, bemerken wir, daß der in Rede stehende Artikel uns seinerzeit von einer Seite zugegangen war, deren Zuverlässigkeit sür unS außer Zweifel steht. Es handelt sich wahrscheinlich nur um eine Namensverwechselung, die aber insofern bereits bedauerlich genug wäre, als ste zu unbegründeten An- griffen Veranlassung gegeben. Wir benutzen diese Gelegenheit, unsere werthen Korrespondenten und Mitarbeiter auf's Reue dringend zu ersuchen, sich in ihren Einsendungen an unser Blatt der größten Gewissenhaftigkeit zu befleißigen. Gerade weil der„Sozialdemokrat" die Stimme aller Unterdrückten sein soll, die Tribüne, wo alle Korruption und jeder Mißbrauch rück- sichtslos gebrandmarkt wird, gerade deshalb müssen wir sorgfältig dar- über wachen, daß die Gegner nicht in die Lage kommen, die Wucht unserer Angriffe dadurch entkräften zu können, daß sie uns entgegen« halten: Da und da und da habt ihr gelogen. Wir sind von hier aus nicht in der Lage, die Richtigkeit aller uns zugehenden Korrespondenzen zu prüfen, sondern müssen sie auf Treue und Glauben hinnehmen. Dies und dex weitere Umstand, daß wir unter allen Umständen mit Bezug aus die Einsender strengste Diskretion beobachten, legt diesen uns gegenüber die Verpflichtung auf, streng bei der Wahrheit zu bleiben und dem Parteiorgan die Schmach zu ersparen, mit gewissen Skandalblättern in Vergleich gezogen zu werden. Korrefpondenzei». Gera. Am zweiten Pfingstfeiertag gegen Abend oblag den hiesigen Sozialiflen die traurige Pflicht, einen ihrer bewährtesten Genossen, den Schankwirth Florenz Krause, zur letzten Ruhestätte zu geleiten. Seit 20 Jahren stand Krause treu zu unserer Sache, der er b-t vielen Anlässen öffentlich und im Geheimen vorzügliche Dienste erwieS. Dabei erfreute er sich nicht nur bei Genossen, sondern auch in der Bürgerschaft des besten Rufes. Leider vermochle seine kräftige Körperkonstitution einem hitzigen Nervenfi-ber nicht Stand zu halten und so trat nach 3wöchent- lich-m Leiden der Tod ein. Die Betheilizung der Genossen bei der Be- erdigung war trotz der ungünstige Tageszeit eine allgemeine; nach gegnerischer Schätzung folgten dem Sarge gegen 1000 Männer und Frauen, die sich fast ausnahmslos demonstrativ mit rothen Rosen und andern Abzeichen geschmückt hatten, so die Feierlichkeit des Aktes er- höhend, welcher aus die Gemüther der in den Straßen harrenden Zu« schauermenge einen tiefen Eindruck machte. Voran dem Zuge trugen Genossen ein weißseidenes Kissen, auf dem ein Bouquet rother Rosen lag, und zwei Lorbeerkränze mit riesigem Umfange mit mächtigen rothen Schleisen. Die Polizei spielte dabei nur die Rolle der Zuschauer, sodaß das Ganze einen ungestörten Verlauf nehmen konnte. Kurze Zeit vorher hatten wir ebenso feierlich einen andern braven Genossen begraben: den Weber Carl Lange. Dieser hat. gleich dem vorigen, in allen Stürmen treu zur sozialdemokratischen Partei gehalten, bis ihn jene sür die heutigen Zustände typische Seuche, die allen Lohn- sklaven in Aussicht stehende Lungenschwindsucht, ergriff und zu jahrelangem Leiden verdammte. Aber trotzdem war Lange bei allen Parteimanifestationen einer der ersten und rührigsten, bis er, seiner letz'en Kräfte beraubt, von qualvollem Leiden gebeugt und von bangen Sorgen um die Zukunft seiner Familie gemartert, dem Leben freiwillig Valet sagte. Man fand ihn in seiner Wohnung erhängt vor. Lange war er als tüchtiger Sozialist von allen Genossen geschätzt, und als fleißiger Arbeiter unter seinen Kollegen hochgeachtet, während seine AuS- beuter und deren Zuchtmeister, die ihr redlich Theil der Schuld an seinem frühzeitigen Tode tragen, es nicht wagten, diesem charakterfesten Prole- tarier die Achtung zu versagen. Selbstverständlich wurden die Tobten besonder« dadurch geehrt, daß sie jeder einen Kranz mit rother Schleife im Namen der deutschen und einen ebensolchen im Namen der hiesigen Parteigenossen mit ins Grab erhielten. Bei beiden Begräbnissen spuckte aber leider auch der Geist des ModerS in Gestalt eines Gesalbten des Herrn, als Folg- einer weitverbreiteten Unsitte in der hiesigen Bevölkerung, die auf die Lehren eines Geistlichen nicht mehr gibt, wie auf einen schief getretenen„Latschen", stch aber von diesen Gebräuchen nicht losmachen zu könne scheint. Jene Kunden verstehen es aber auch vorzüglich, sicki bei den vor Trauer und Schmerz gebeugten Hinterbliebenen einzuschleichen. Der„alte Trautmann",— der Leichenbitter kommt, die Schmerzersüllten zu trösten, nimmt ihnen für ein der Feierlichkeit des Ereignisses entsprechendes Trinkgeld die herzbrechende Arbeit der Bekanntgab« des Falles und der Danksagung durch Annonce ab, so daß dem Ansinnen, einen Geistlichen für die L-ichenpredigt zu miethen, schon gar nicht mehr widersprochen werden kann. Man kann das den leidtragenden Frauen und Kindern als Schwachheit entschuldigen— aber kaum glaublich will es klingen, daß Parteigenossen als Gesangvereinler, meistens die sogenannten„guten" Sänger, in die Todtenkapelle förmlich stürzen, um ein Kirchenlied, u. A. „Jesus meine Zuversicht", vorzutragen. Unsere beiden Tobten hätten ei ihnen bei ihren Lebzeiten mit Hohnlachen. gelohnt. Wo bleibt da Prinzipientreue und Selbstvertrauen? Dazu bildet diese Heuchelei eine prinzipielle Verleugnung de» todten Genossen. Der fromme Sliigiangs- und ebenso der KindtausS- und Ge- vatterschastsunfuo nimmt wieder einmal recht überhand, so daß ihm energisch entgegengetreten werden muß, wenn die gerade jetzt recht zahl- reich in unseren Reihen vertretene jüngere Generation durch solche Bei- spiele nicht korrumpirt werden soll. Eine Geditchtnißrede bei solchen Angelegenheiten zu halten, ist uns hier leider„verboten". Unser Stadtrath hat da aus seiner Weisheit Untiefen heraus beschlossen, daß zu jeder Ansprache bei Begräbnissen vorher seine Erlaubniß nachgesucht werden müsse. Dies kommt einem Verbot für uns gleich, wenn wir da nicht unter polizeilicher Ueberwach- ung reden und die Rede höchst servil ausgarniren wollen. Wir halten es aber unserer unwürdig, die Stadtrathsmarionetten einiger hiesiger Ka- pitalsgrößen als Vormund anzuerkennen. Gera ist das Eldorado einer wucherischen Ausbeuter-Klique, und letztere übt die Herrschaft bis in alle polizeilichen Details hinein, das Vetter- und Gönnerschastswesen erreicht hier seine höchste Vollendung und zeitigt ganz absonderliche Früchte. So rafften sich kürzlich unsere Stadtväter zu einem heroischen Beschlüsse auf, gegen jene verwegenen „Strolche", die angeblich allnächtlich den reichen Villenbesttzern die festen Mauern und Eisengitter, die zur Schmückung und Sicherung ihres wohl- erworbenen Eigenthums dienen, immer wieder einrissen und demolirten. Von der„Geraer Zeitung", einer national-servilen Aktiengründung, die als Preßorgan nur als Ableger des„Leipziger Tagblatts" rangirt, wurde die Sache wenigstens so darge- logen. Also unsere aufgehetzten Weisen der Stadt beschlossen feierlichst, jeden solchen Missethäter vor ein pein- liches Gericht zu ziehen und hinfort 24 Feuerwehrmänner als freiwillige Bürgerpolizisten in eidliche Pflicht zu nehmen, damit sie des Nachts aus- gingen,»m die geängstigten Millionäre zu hüten und die Bösen einzu- fangen. Die Leute waren zumeist arbeitslose Weber, es gefiel gerade den Schlotbaronen, hunderte ihrer Arbeiter in unfreiwillige Feiertage zu schicken. Da das noble Amt aber mit S Mark pro Nacht honorirt wurde, so fanden sich der Muthigen viele, die ihre Nächte der Ruhe nnd Sicherheit bedrängter Kapitalisten opfern wolllten. Die neubackenen Polizisten mit zerrissenen Hosen verhafteten flott drauf los, die vorhan- denen Räume sollen oft zur Aufnahme der Delinquenten nicht ausgereicht haben. Kein Mensch war des Nachts vor der Verhaftung sicher, denn Jeder, der einem Paar dieser„Beamten" in die Gesichtsweite lief, sah sich von ihnen wie von seinem Schalten verfolgt. Es kamen da lustige Arre» tirungen vor. So arretirten sie u. A. Einen, der auf seinem eigenen Kartoffelfeld„gezischt" hatte, wie man hier sagt. Die an Vielarbeit Gewöhnten leisteten ganz Erdenkliches im Einsperren, nur die„Strolche", die Verwüster der Mauern und Monumente waren nirgends zu ent- decken. Als sich endlich herausstellte, daß die„bodenlose Roheit" in einem Falle von Handelsschülern, also von Bourgeoissöhnchen begangen worden war, daß die Hetze der„Geraer Zeitung" nur der Sucht entsprungen war, die beschäftigungslosen Arbeiter mit den Strol- chereien der eigenen Brut zu beladen, da hob der weise Rath sein neues Sicherheits-Jnstitut eiligst, jedoch in aller Stille wieder auf, nach- dem er so das Stemrbudget der Stadt um einige Tausend weggewor- fener Markstücke belastet hatte. Den armen Interims< Polizisten a. D. werden sie in der Zeit der Roth freilich gut bekommen sein, und Nie- mand lacht heute über die Naivität unserer Stadthäupter mehr wie sie. Im Auflösen und Verbieten von Zeitungen, Vereinen und Versamm- lungen entwickeln unsere Behörden schon eine größere Virtuosität wie ein Verwalter. Das ist auch leichter. Dabei gibts rein gar nichts zu verantworten, das Sozialistengesetz ist eine bequeme Rückendeckung. So haben sie kürzlich eine Organisation der Zimmerer verboten, nachdem sie sich kaum gebildet und nicht das leiseste Lebenszeichen gegeben hatte. Erst der auflösende Ukas gab von der kurzen Existenz Kunde. In öffentlichen Maurerversammlungen lassen sie schon seit Jahren keinen relen, der nicht mit kalkbespritztem Hute erscheint. Maurer und Zim- merer sind nun aber gerade diejenigen, die sich politisch am wenigsten hervorthun, und jeder fragt sich verwundert, warum denn über diese meist indifferenten Leute solche Maßregeln verhängt werden. Aber hier spielt eine gewisse Schlauheit, der In t e r e s s e n i n st in k t, die trei» bende Kraft. Die Bauhandwerker beziehen hier die traurigsten der in diesem Gewerbe in Deutschland gezahlten Löhne, und diesen schönen Zu- stand wollen die beamteten Kreaturen des Nepotismus aufrecht erhalten. Dazu haben sie nicht nur Auftrag von den ohne Unterlaß bauenden Bourgeois, die in einem fort auf die Faulheit der Maurer schimpfen, sondern billige Löhne sind ihnen auch angenehm in Hinsicht auf st ä d- tische und staatliche Bauunternehmungen. Die unserem„fürst- lichen" Landbaumeister Weiß unterstellten Arbeiter und Beamten, Chausseewärter rc. wissen bei ihrem Mk. 1. 20 Tagelohn einen Text auf diese Melodie zu pfeifen. Endlich sind alle Beamten, von der Exzellenz bis herunter zum Polizeidiener Hausbesitzer, alle haben also den gleichen Jnstinlt und jeder thut sein Möglichstes, um die„unverschämten Forderungen" der Bauhandwerker zu bekämpfen. Ja, Puttkamer, Du bist spät aufgestanden; wahrscheinlich kommt Dein Rezept aus dem Lande der glücklichen Reußen.(Schluß folgt.) Leipzig-Land, im Juli 1886. Was die Polizei sich heute Alles erlauben darf, das grenzt nachgerade an's Unglaubliche. Den Genossen im Reich ist sicher noch der Streik der Leipziger Former in Erinnerung, dessen Genosse Viereck vor einiger Zeit im Reichstag erwähnte, und es wird daher auch für sie von Interesse sein, zu erfahren, wie dieser Kampf von Arbeitern gegen ihre Unter- drücker in seinem letzten Stadium verlausen ist, und welche schurkischen Eingriffe, bez. Provokationen die Wächter für Recht und Gesetz sich dabei zu Schulden kommen ließen. Wenn schon zu Beginn des Streiks die Polizei alles Mögliche aufbot, um den Streikenden die Erlangung ihrer Rechte unmöglich zu machen, so war das doch nur erst ein schwacher Vorgeschmack von dem, was zu Ende deffelben geleistet werden sollte. Nachdem die Verordnung des Amtshauptmanns erschienen, war sür unsere Ordnungs- und Polizeimeute das Signal zur Arbeiterhetze ge- geben; Leute, welche nach vollbrachter Arbeit ruhig ihres Weges zogen, wurden wegen Betretens der Straße verhaftet, im Gefängniß mit den gemeinsten Schimpfnamen belegt unv zu 20 Mk. Geldbuße oder Gefängniß verurtheilt. Die ganze Schaar der Lindenauer und Plagwitzer Ordnungsrüpel, denen mau es deutlich ansah, daß sie nach Blut lechzten, war aufgeboten worden, um die für ihr gutes Recht kämpfen- den Proletarier zu knebeln und, sobald es nur irgend anging, niederzu- säbeln. Die Palme in diesem edlen Beginnen gebührt unbedingt dem dortigen Brigadier, welcher, nachdem er mit den ihm untergebenen Bütteln bei dem Lenker der ganzen Fabrikantenklicke, dem genugsam be- rüchiigten Sack,*) seine Aufwartung gemacht und die nöthigen Jnstruk- tionen erhalten, zu glanzvollen Thaten ausrückte. Dieser Patron, der, als ihm die Gewerbeordnung vorgehalten wurde, erwiderte:„Was scheert uns Eure Gewerbeordnung und Euer Gesetz? Wir brauchen keine Gewerbeordnung und kein Gesetz!" dieser saubere Bursche, sür den der Titel„Oberbandit" durchaus nicht zu stark»st, war es auch, der unseren Genossen S ch i e m a n n, blos weil er aus der Straße stand, am Arm packte und zu Boden schleuderte. Hatte dieser Hallunke geglaubt, Schiemann werde sich, durch diesen Angriff erregt, zur Wehre setzen, und nun die ganze Bande Gelegenheit erhalten, die Säbel in Gebrauch zu setzen, so hatte er sich getäuscht. Unser Genoffe ertrug auch diese Schmach, um dem rohen Gesindel das Spiel zu ver- derben. Als würdiger Kumpan dieses Burschen zeigt« sich ein gewisser B r u st e l, der sich Wachtmeister in P l a g w i tz schimpfen läßt. Dieser spitz— findige Bursche leistete das Menschenmögliche, um einen Straßenkr awall herbei- zuführen. Konnte doch hierbei so manche Uhr oder so manches Porte- monnaie in seine Hände gelangen. Aber auch der schon öfter in diesem Blatte genannten Leipziger Polizeiblüthen dürfen wir nicht vergessen. Nachdem das Streikkomite aufgelöst war, hatten die Arbeiter die Füh- lung unter einander verloren, eine Versammlung wurde nicht erlaubt, und als nach langem Warten sich doch ein Kollege fand, welcher den Muih besaß, eine solche einzuberufen, wurde er sofort nach dem Refe- renten gefragt, bei welcher Gelegenheit es sich zeigte, welche Angst die Polizei vor G ö r k i hatte, der gar nicht referiren sollte. Als der Ein- berufer, dazu gedrängt, den nachmaligen ersten Vorsitzenden Zuck- s ch w e r d t als Referenten angab, da kannte die Wuth der Polizei keine Grenzen.„Zuckschwerdt, dieser sozialistische Agitator?" schrie der Kom- missar Den ecke,„der, sowie alle Andern sind schon längst reis zur Ausweisung." Seit dieser Zeit begann eine ordentliche Hetzjagd gegen unfern Genossen. Was man nicht im Guten herauskriegen tonnte, das mußte auf andere Weise geschafft werden. Zunächst mußte das Protokoll ♦) Der Ehrenmann hat wiederholt veranlaßt, daß Kollegen, welche Arbeit erhalten hatten, auf die Straße geworfen wurden. Obwohl dies in öffentlicher Versammlung konstatirt worden, hat sich doch kein Mann des Gesetzes gefunden, der ihn dafür am Kragen gepackt hätte. „Was kümmert uns Euer Gesetz?"(S. oben.) gefälscht werden, um unserm Genossen etwas am Zeuge zu flicken, und nur der Energie desselben gelang es, sich von der Anklage frei zu machen. Als dieses Mittel nicht zog, suchte man die Genossen Zuckschwerdt's gegen denselben ins Feld zu führen, aber auch hier war der Liebe Müh' umsonst. Da alles nichts fruchten wollte, so mußte schließlich zur größten Gemeinheit geschritten werden. Ein ergebenes Subjekt mit konfiSzirtem Gesicht, welches erst imFachverein derMetallarbeiter etwas Bildung gelernt hatte, wurde bestimmt, die Bersamm- lungen des Vereins zu überwachen. Und diesem Individuum gelang es, durch Niedertracht und Schurkerei unserm Genossen Worte unterzuschie- ben, welche derselbe, wie aus dem Protokoll ersichtlich, niemals gebraucht hat. So hatte denn die edle Gesellschaft gesiegt. Zuckschwerdt, D e u m e r und Johannes wurden ausgewiesen, und bei den übrigen sucht die Polizei die Prinzipale zur Entlassung aufzustacheln. Die Leipziger Arbeiter aber haben ein vernichtendes Urtheil über die Hallunken gefällt, indem dieselben ihre ausgewiesenen Kollegen zirka 4000 Mann stark begleiteten. Brutus. AuS dem 19. sächsischen Reichstagswahlkreise. Die Wiedereroberung des 19. Wahlkreises hat den Verkehr unter den Genossen nicht wenig gefestigt. Der Geist der Solidarität ist im Wachsen, so daß man auch gemeinsam seine Feste feiert. Ein solches war der Ausflug der Genossen aus den Orten des Kreises nach dem romantischen, mit einem Sagenzauber umgebenen G r e i f e n st e i n bei G e y e r. Aber nicht aus dem 19. allein, sondern auch aus dem 20., 21. und 16. Wahl- kreise waren Genossen erschienen, so daß nach und nach die Menge auf über 1000 Personen schwoll. Eine humorvolle Findigkeit hatte die Ge- nossen Vergnügungsspiele verschiedener Art ersinnen lassen, um den Tag, dem das Wetter günstig, zu einem fröhlichen zu gestalten. Damit aber auch unfern Vergnügungen die Kehrseite nicht fehle, ver- übte die Polizei wieder einmal eine solenne Staatsretterei, die freilich in einem Akt unfreiwilliger Komik, die an Effekt nichts zu wünschen übrig läßt, endete. Nicht mehr als 37, schreibe siebenunddreißig Gensdarmen und Polizisten, darunter 5 in Zivil, waren zur Ueberwachung der Menge aufgeboten. Wenn aber die Wohllöbliche ge- meint hatte, sie könne durch solch' unsinnige Vorkehrungen die Genoffen verblüffen oder das Vergnügen stören, so irrte sie auch diesmal. Ebenso vermochten die üblichen Provokationen, die sich in dreisten, unberechtig- ten Anfragen äußerten, nichts zur Rettung des Staates beizutragen. Schlimmer konnte ein Zwischenfall ausgehen, der sich zutrug, als die Chemnitzer Genoffen mit unserm Abgeordneten Friedrich Geyer eintrafen. Die Chemnitzer, mit einem riesigen rothen Schirm— unter dem eine Kalkulatorfamilie bequem Platz hätte— ausgerüstet, wurden wie alle übrigen Gruppen schon aus den Zugangswegen zum Restaurant von der Gensdarmerie herausfordernd empfangen. Das ließ jedoch die Genossen kalt. Dagegen machte der Anblick des rothen Schirms einige der Staats- retter in Uniform kopfscheu. Die Blicke fühlten sich geblendet und wag- ten nur in verstohlenem Aerger zuweilen den Schirm zu streifen. Einer mochte aber zu lange darauf verweilt haben, die rothe Farbe that ihre Wirkung, der Staatsretter, der diesen verhängnißvollen Blick gethan, stürzte auf den Träger des übrigens nicht ganz rothen, sondern an dem Stiel schwarz-weiß-rothen Schirmes zu und forderte barsch dessen Schließung. Der Träger that dies, und der Zug marschirte, mit seiner komischen Kapelle an der Spitze, unter herzlichen Begrüßungen in die Menge. Der Aerger über das Mißlingen der ganz frechen Provokation sowie über die Festfreude unserer Genoffen spornte nun den Obergens- darm und feine Helfershelfer zu weiterer That. Sie vertheilten sich unter die Menge, der Obergensdarm drängte sich an den Träger des Schirmes heran und suchte ihm denselben zu entreißen. Genosse R i e- mann aus Chemnitz vereitelte das Manöver und nahm den Schirm an sich. Ein kurzer Wortwechsel legte sich schnell, allein der rothe Schirm ließ den Staatsrettern absolut keine Ruhe. Während die Genossen sich niedergelassen hatten und man bereits an Stillung körperlicher Bedürf- niffe dachte, schlich sich der Obergensdarm abermals an den Tisch, wo der Schirm lag, griff über Riemann's Achsel, um das augenschmerzende, aufreizende Objekt zu— stehlen. Genosse Riemann hielt jedoch die Hand fest auf den Schirm, und der Diebstahl würde verhindert worden sein, wenn nicht von entgegengesetzter Seit- ebenfalls ein Gensdarm zuge- griffen hätte. Ein Strauchdieb zerrte hüben, einer drüben, Genosse Rie- mann hielt das Mitteltheil— eine köstliche Situation. Allein dieselbe wurde schließlich ernster, denn die Gendarmen, in Wuth ausbrechend, suchten das bekannte Endergebniß herbeizuführen, und um dies zu ver- hüten, empfahl Genosse Geyer, den Schirm fahren zu lassen, man werde ihn schon wieder herausgeben müssen. Einer der Gensdarmen forderte dann überflüssiger Weife Geyer auf, für Ruhe zu sorgen, worauf ihm erwiedert ward, dies sei nur gegenüber den Gensdarmen nöthig, denn außer ihnen sei die Menge ruhig. Obwohl Viele über die Frechheit der Ordnungs- und Sicherheits- beamten empört und erregt waren, einigte man sich doch auf Wunsch einflußreicher Genossen dahin, die Affäre mehr satyrisch zu behandeln, und gab sich schließlich dem Zweck der Zusammenkunst, dem gemüthlichen Beisammensein, hin. Erwähnt mag noch sein, daß man eine Polonaise durch die verschiedensten Waldgänge arrangirte, natürlich unter Beglei- tung eines Detachements Gensdarmen, und daß abermals ein rother Sonnenschirm von einer Dame vorangetragen wurde. Seitens der Gens- darmen mochte man wohl inzwischen das Verrückte in der Konfiskation des Ulkschirmes erkannt haben und angesichts der unverwüstlichen Heiterkeit der Genossen eine gewisse Beschämung empfinden; schüttelte doch sogar ein herumgeführtes, tadellos kostümirtes Kameel den Kops vor den Gensdarmen. Neben der humoristischen ist aber auch die ernste Seite der Sache zu betrachten. Bei den Arbeitern ein wenig solcher Un— besonnenheit, wie die Gensdarmen zeigten, nur der leiseste Anflug von Widerstand— und wie leicht konnte der Säbel hauen, wie viel Unheil angerichtet werden! Sind nun vielleicht auch die Gensdarmen nicht geradezu von der Ober- behörde zu Provokalionen aufgefordert worden, so müßte dieselbe doch, wenn es ihr Ernst ist um Ruhe und Ordnung, jetzt Veranlassung neh- men, für alle Zeit Anweisung zur Unterlassung derselben zu geben. Freilich thut sie das Letztere nicht. Denn wenn„die Flinte schießt und der Säbel haut", blüht der Weizen der Puttkamer in allen Rangstufen. (Wann werden die Reichsgründer so ehrlich sein, den braven Puter- Hahn statt des diebischen Adlers zum Reichswappenthier zu ernennen? Red. d.„S.-D.") Warnung. Die Genossen von Spremberg werden vor dem st ä d t i s ch e n Nachtwächter Schmidt gewarnt. Derselbe steht im Dienste der hiesigen Polizei und verkehrt mit Vorliebe in Arbeiter-Lokalen, um zu spitzeln. Die Genossen wollen solche Lokale, wo Schmidt verkehrt, meiden, bei dessen Erscheinen das Lokal sofort verlassen und namentlich Gespräche mit dem Menschen vermeiden. Spremberg, 20. Juli 1836. Die Vertrauensleute. Briefkasten der Redaktion: Einsendungen sind eingetroffen aus Gotha, Crimmitschau, Steele.— Dessau mußte Raummangels halber noch einmal zurückgestellt werden. der Expedition: Köln a/RH.: Mk. 5 60 bei Gelegenheit einer Hochzeit aus Veranlassung des Bräutigams für die Gemaßreqelten ge- sammelt, pr. Usds. dkd. erh.— Rother Blutfink: Mk. 47— ä Cto. Ab. rc. gutgebr. Bfl. Weiteres.— K. Werner jr.: Mk. 100— ä Cto. Ab. rc. erh. Adr. geordn. Warum so spät erst notifizirt? Bfl. mehr.— Rebus: Mk. 12— Ab. Mai u. Juni erh. Adr. eingerenkt.— Lustige Brüder i. Elf.: Mk. 24— pr. Ab. 3. Qu. erh.— Freiburg i. B.: Mk. 4— f. d. streikenden Schuhmacher in Zürich dkd. erh. u. abgelfrt.— Ror- schach D.. B: Fr. 3— Ab. 3. Qu. pr. Z. erh., Fr. I 35 Part.-Beittg. Mk. Mge., u. Zp. pr. AfdS. dkd. verwendet.— Halle-Gbst.: Mk. 50— pr. Spremberg; Mi. 50— pr. C.; Mk. 50— pr. Ufds. dkd. erh.— Merseburg: Mk. 5— aus R. erh.— Die 3 Gleichen: Mk. 50— ä Cto. Ab. tc. erh. Adr., Bflllg. rc. notirt. Bldr. unterwegs.— A. N. Vlg.: Mk. 3— Rest P. u. f. Schft.-rh.— Claudus: Mk. 77— ä Cto. Ab. u. Schft. erh.— E. St. Lp: Mk. 6- Ab. 3. Qu. L. u. P. erh.- Frohburg: Mk. 3— pr. Ufds. dkd. erh.— Veilchenstein: Mk. 55 46 Ab. 3. Qu. pr. Dir. erh. Adr. u. Bstllg. notirt. Bfl. Weiteres.— Cottbus: Mk. 25— pr. Dfds. dkd. erh.- E. A. Thm.: Mk. 3— Ab. 3. Qu. erh.— Sauhirt: Mk. 30 12& Cto. Ab. u. Schft. erh. Mehrbstllg. folgt.— E. P. Biel: Fr. 30— Ab. 3. Qu. erh.— Postillon Lehmann: Mk. 7 25 Ab. 3. Qu. u. Schft. erh.— Im. Wn.: öwfl. 1 70 Ab. 3. Qu. erh.— I. H.: Mk. 200— h Cto. Ab. rc. erh. Bstllg. rc. notirt.— R. K. Bbg.; Mk. 25— Ab. 3. Qu. u. Schft. erh. Adr. vorgem. Nota folgt.— Louise: Mk. 24 10 Ab. 3. Qu. u. Schft. erh. Adr. eingereiht. Jrrthum in Zwischenhand. Bstllg. rc. folgt.— Hannibal: Mk. 57— ä Cto. erh. Bf. erwartet.— O. S. i. Hövii: Fr. 5— Ab. 2. u. 3. Qu. erh.— I. Vogel, Nueva Helvetia: Fr. 5 75 Ab. 2., 3. und 4. Qu- Arbst. für Ggy. erh. Gruß!— I. Sgbrtl. Vinona: Fr. 5— Ab. 3. u. 4. Qu. erh. u. Fr. 5 12 pr. Ufds. dkd. verwendet.— K. B. Altstttn.: Fr. 2— Ab. 3. Qu. erh.— Laubfrosch: Mk. 4 30 Ab. 3. Qu. W. erh Beil. besorgt. Bf. v. Nflgr. am 20/7. eingetroffen. Soll ebenso wie bis- her quittirt werden?— Alte Tannen: Mk. 7 40 Ab. 3. Qu. u. Schft. erh.— Der alte Rothe: Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. M. u. M. 19 95 ä Cto. erh. Weiteres bfl. am 16/7. Flgbl. d. Arch. zugew.— Fiskus V.Venedig: Fr. 9— Ab. 2. u. 3. Qu. erh.— R. Ftn. Mm.: Mk. 6— Ab. 3. u. 4. Qu. erh.- A. E. Davos Pl.: Fr. 2- Ab. 3. Qu. erh.- Allg. A.-V. Lausanne: Fr. 34 30 Ab. 2. Qu. u. Schft. erh.— Rother Kaplan: Mk. 7 15 Ab. 3. u. 4. Qu. u. Schft. erh. Mk. 1 85 pr. Dfds. dkd. verm, — Der Bekannte: Mk 5— Ab. 3. Qu. B. erh., pr. 4. Qu. 60 Pfg gutgebr. Bf. folgt.— Rother Boigtl.: Adr. ,c. notifizirt,„Winke" noi nicht fertig.— Veritas: Bstllg. notirt. Weiteres lt. Nachricht v. 19/7.� Cato: Adr. u. Bstllg. vorgem. Bfl. am 20/7. betr. Ell.— Bruno: Adr. u. Bstllg. notirt,„Winke" noch nicht lieferbar.— Dr. Clemm: Bf. v. 15/7. am 17. beantw.— Feuerblume: Adr. eingerenkt. Bfl. am 19/7. mehr.— Nazl: Bf. v. f am 20/7. u. Ihrigen nebst Adr. ,c. am 21/7. erh. Inhalt beachtet. Weiteres erwarten schleunigst.— Unverbssser- licher: Mk. 100— k Cto. erh. Betreffdr. Buchstabe war unleserliih von W. geschrieben. Sie sollten Aufschluß schaffen.— A. B. Hg.: Mk. 17 60 Ab. 3. Qu. erh.— E. V. E.: Mk. 3— Ab. 3. Qu. erh Alles fort.— Paul Sp.: Mk. 100— ä Cto. erh. Weiteres besorgt. L. W. Z.: Fr. 15— Ab. 2. Qu. erh. ivnden tzostbui und> «utgege vo 3 St.2,- V». 3,- il. 1,70 8t. 2,51 Wki feit Pai lviede: gejeig för d Mehr laubei vor einem Herrn Heinrich v. Stablef IvUllllll(oder Stapler), angeblich aus D ü s s e l d o r und Schreiber von Beruf. Er macht zur Zeit die Rheingegend unsiche« und beruft sich auf alte Genossen in Elberfeld, Mannheini, Hamburg, Bremen, Hannover, die ihn nicht kenne»- Besonders Gewerkschaften schnüffett er nach Dingen ab, die de> Polizeispitzel verrathen. Personalien rc. in nächster Nummer. Nachrichten, wo er si sonst zeigt, rc. erbeten. Jtt Belgien brandschatzt ein gewisser Maler Zachmann(ali� S a n n e m a n n), mit verschiedenen Papieren ausgerüstet, die Genosse»- Er ist Süddeutscher und in der Bewegung bekannt, aber ieit längerer Zeit Abenteurer und Schwindler, der Vereine und Genosse» ausschlachtet. Er hat keinerlei Ansprüche an die Partei. Srptditli» dt» Sijialdemidrat. Soeben erschien und ist durch Unterzeichnete zu beziehen: Sozialdemokratische Bibliothek. Heft VlI. Sozialpolitische Borträge von I. Dietzgen.(Inhalt 1. N ati o n a l ö k o n o mi s ch e s. 2. Die bürger« liche Gesellschaft. Preis: 20 Pfz.— 25 Cts. Bestellungen auf die„Sozialdemokratische Bibliothek" werden erbet«»-! Die Hefte werden auch einzeln abgegeben. Nolksbuchliaudlung und Eipcditimt des„Aoiialdemokrat" Hottingen-Aurich. Di Ruß Di dem: Rieer Mand es nc Verdi Matie lands schäm Nc Nach! ginge Haiti artigc solanl Viomlon Commun. Arb.-Bildungs-VereÜ1 49 Tottenbam Str. Totteab&m Court Road T. Die"Wirthschaft des Vereins ist geöffnet täglich von Morgen» Uhr bis Abends 12 Uhr. Zureisende Genossen werden ersuch* auf unsere'Adresse genau zu achten. [150] Der Vorstand. u United Socialist Societies of London. Sonntag, den 1. August d. I.(Bank Holleday): Demonstration und 2. AuSslug nach„Epping Forest"(Robin Hood) Morgens 9 Uhr: Abmarsch der Westend- Vereine nach Liverpool Station.— Ausstellung: Tottenham St. und Ch»* lotte St. Vf. Morgens 9'/« Uhr: Abmarsch der Ostend- Vereine nach Liverpool& Station. Aufstellung: 23 Prinzeß Square E. 10 Uhr 40 Min.: Abfahrt nach Longthon Station.(Bahnbillet 1 Shilling.) Der Ueberschuß ist zum Besten der sozialistischen Bewegung' Amerika bestimmt. Zur Betheiligung laden alle Londoner Freunde und Genossen ein [4—] DieDelegirte». ttne l Dstev thun irgen auch wird Ri seine Zu Z auf i der � sein. ihm 0 P' sich t Bat» Vera Verl! gewis S Mits Vl es kc lich i dersd nicht Dins Ruß deuts Die zösisc Ruß hetzei land /�bonnsmsnts auf den„Sozialdemokrat" werden ausser beim Verlag und dessen bekannten Agenten— wohl auf einzelne Monate als ganze Quartale— jederzeit entgege» genommen bei folgenden Filialen und V erkaufsstellen: Zürich Tolksbnchhandlnug, Casinostrasse s, Hottingen, o»' Deutscher Verein. Winterthnr Deutscher Arbeiterverein, Haidenstrasse. Aaran E. Gennert, Vordere Vorstadt 668. Basel Deutscher Verein, Sohwancngasse 4 und Deutsche Sosi* listen, Barfüsslerplatz 2. Bern Restaurant Schmutz, Aarburgerstrasse 52. Deutscher Verein. Biel E- Poppitz, Deutscher Verein. Chur F. Pflaum, Buchdruckerei Manatschal& Ebner. ICraaenfeld Deutscher Verein. St,«allen J. Zach, Handlung, Brühlgasse 46. <*enf Deutscher Verein. St. Imier Deutscher Verein. L-aasanne Allgem. Arbeiter-Verein,„CafÄ National«, � * St. Laurent I. Stock. l-nzern V. Wagner, Hofstrasse 41 a. Ufenenbnrg Deutscher Arbeiterbildungsverein. Schaffhausen A. Freihardt, Feinschleiferei. Zug J. Marbach, im Allgem. Arbeiterverein. San; Nach stihri I von Pari Rech Rßp- Husi V tebet Der Rist, garif Mi fchiid dran Uiuti Fleif Zu j, .. D über «»w