Abonnements werden bei allen schweiierischen Pastbureau;, sowie beim Verlag und dessen belannten Agenten entgegengenommen, und zwar zum voraus zahlbaren , LierteljahrSpreiS von: Kr. 2,— für di«Schweiz Sil. 3,— für Teutschland sCoubert) st. l,70 sllr Oesterreich Kr. 2,S0 fstr alle übrigen Länder de» Weltpostverein» Inserute die dreigespaltene Petitzeile 25 6i§.= 20 Psg. Der oMdemkral Jentrat-Krgan der deutschen Sozialdemokratie. Erscheint wo ch entlich einmal in Zürich(Schweiz). Merlag der »olstSbuchhandlnng Hottingen»Zürich. N-Sselldungell franko gegen franko. Oewbhnliche Briefe nach der Schweiz losten Doppelporto. M 33. Briefe an die Redaktion und Erpedition de3 in Deutschland und Oesterreich verbotenen.Sozialdemokrat� wolle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lasten. In der Regel schicke man uns die Briefe nicht direkt, sondern an die bekannten Deckadresten. In zweifelhaften Fällen eingeschrieben. 11. August 1886. Für die Opfn des Fmdergtr Pmklsts gingen ein: Mk. 2300— von einem Brasilianer. Mk. 24—(Fr. 30—)-uom Arbeiter» Unterstützungsverein La Billette- Paris für die kämpfenden Brüder in Deutschland. Mk. 30 SO für die Opfer des Freiberger Justiz- mordes gesammelt von Berliner Bourgeois. Mk. 13 50„Es gibt noch Richter in Deutschland." Mk. 1000— von der Administration des »Sozialdemokrat". Die Admimltration des„Ssstaldemlikrat". Ein Rechtsspruch und ein Rechtsbruch. Wozu preußische Gerichtshöfe— das Elberfelder und das Kieler Landgericht— und wahrscheinlich auch das Oberlandesgericht in Düsseldorf, sowie die Strafkammer des Landgerichts der nationalliberalen Hochburg Leipzig sich nicht hergaben, was das Landgericht Chemnitz nach mehr- teigiger Verhandlung als unmöglich aufgab, das hat nunmehr das Landgericht Freiberg glücklich zu Stande gebracht: es hat Männer, denen nichts nachgewiesen werden konnte als die Bethätigung ihrer Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei, für schuldig erklärt, einer strafbaren Verbindung anzugehören, einer „Verbindung, zu deren Zwecken oder Beschäftigungen gehört, Maßregeln der Verwaltung oder die Vollziehung von Gesetzen durch ungesetzliche Mittel zu verhindern oder zu entkräften." Wenn je von einem richterlichen Erkenntniß, so kann von diesem mit besonderem Recht gesagt werden: die Geschichte seiner Entstehung ist seine beste Kritik. Wozu es in unseren Tagen, wo die Gerichtshöfe in Bezug auf Alles, was sozialdemokratisch heißt, gewiß nicht blöde sind, so langer Vorbereitung, der Ueberwinduug so vieler vergeblicher An- läufe bedurfte, das kann nicht der Ausdruck des wirklichen Rechtes sein, die Sache muß unbedingt ihren gewaltigen Haken haben. Und den hat das Freiberger Erkenntniß, der„Rechtsspruch" des Freiberger Landgerichts, in der That. Bis weit in die Kreise unserer entschiedensten Gegner hin- ein herrscht darüber nur eine Stimme. Da uns die Urtheilsbegründung, deren Verlesung über eine Stunde in Anspruch nahm—„man schreibt nicht so ausführ- lich, wenn man im Rechte ist", parodirt mit treffendem Witz „Züricher Post"— erst im Auszüge vorliegt, so gehen wir auf ihre Einzelheiten heute noch nicht näher ein, sondern beschäftigen uns vorerst nur mit den bereits bekannt ge- wordenen Schlußfolgerungen desselben. Das Haupt-— nicht doch, das einzige Argument des Freiberger Gerichtshofes ist die Verbreitung des„Sozialdemo- krat". Die Verbreitung des„Sozialdemokrat" ist verboten, die Angeklagten gehörten einer Verbindung an, die„zu dem Zwecke geschaffen worden ist, den„Sozialdemokrat" und an- bere verbotene Schriften zu verbreiten", will sagen, das Ber- bot der Verbreitung des„Sozialdemokrat"„durch ungesetz- lichc Mittel zu verhindern oder zu entkräften." Das ist Alles. Mit der Richtigkeit dieser Annahme steht Und fällt der ganze künstliche Bau des Urtheils. Nun ist merkwürdigerweise noch kein Einziger der An- geklagten und jetzt Verurtheilten bis dahin je wegen Ver- breitung des„Sozialdemokrat" verurtheilt worden oder auch nur in Untersuchung gewesen. Es ist auch nicht einmal der Versuch gemacht worden, ihnen eine Theilnahme an der Ver- breitung verbotener Schriften nachzuweisen, sondern einzig und allein aus ihrer Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei, von der der Gerichtshof zugeben muß, daß das Band, welches sie verbindet, nur ein geistiges ist, folgert er ihre Theilneh- werschast an einer�verbindung zur Verbreitung des„Sozial- deuiokrat". Für die Existenz einer solchen hat er aber wieder nur einen Annahmebeweis. Die systematische Art der Ver- breitung des„Sozialdemokrat" führt„zu der Annahme, daß �ine solche Verbindung bestanden hat" zc. Unsere Genossen sind also verurtheilt worden wegen ihrer muthmaßlichen Theilnahme an einer muthmaßlichen Verbindung zur Verbreitung deS„Sozialdemokrat" und anderer verbotener Schriften. Worauf stützt sich nun diese muthmaßliche Theilnahme? Auf die Thatsache der Anwesenheit aus sozialdemokratischen Kongressen, auf denen über den Stand und die Verbreitung des„Sozialdemokrat" Mittheilung gemacht wurde. Die be-- eiskräftige„konkludirende Handlung", welche das Reichs- gericht verlangt, besteht in dem— Änpökttt eines Be« dichtes!! Ist eine fadenscheinigere Beweisführung denkbar? Schon das erste Argument derselben ist hinfällig. Die Verbreitung de«„Sozialdemokrat" ist verboten, das Abonnement auf den- selben dagegen nicht. Es ist also keineswegs so absolut noth- Mendig, daß eine Verbindung zur Verbreitung des„Sozial- Demokrat" innerhalb der Partei bestanden hat, die Genossen können sich denselben auf dem Wege des direkten Abonnements Schaffen, genau so wie eine Anzahl hervorragender Politiker aller Parteien, wie verschiedene namhafte Gelehrte und ge- %te Institute, Bibliotheken zc.:c. Jedenfalls, fehlt selbst der Schatten eines Beweises dafür, daß irgend einer der verur- theilten Genossen zu einer strafbaren Verbreitung des„Sozial- Demokrat" auch nur angerathen habe. Wie sehr die Herren Richter selbst herausgefühlt, daß ihre ganze Beweisführung in der Luft schwebt, geht aus ihrem krampfhaften Versuch hervor, dem harmlosen, in ganz Süd- deutschland und der Schweiz gang und gäben Ausdruck Ad- ministration Gewalt anzuthun. Hinter diesem Wort muß nach ihrer Darstellung Fürchterliches stecken. „Augenscheinlich bedeutet das Wort Administration diejenige Zentralleitung, die mit den Parteigenossen Deutschlands behufs Verbreitung des„Sozialdemokrar" in Verbindung stand." Augenscheinlich, verehrte Herren, bedeutet das Wort: Ad- ministration Verwaltung, wie Sie sich u. A. aus Nr. 29 Jahrgang 1884 und Nr. 30 Jahrgang 1885 unseres Blattes selbst über zeugen können, wo beide Worte als gleichbedeutend gebraucht werden. Doch wozu mit Leuten rechten, deren böser Wille so klar auf der Hand liegt? Sie haben nicht verurtheilt, weil sie nach formalem Recht verurtheilen mußten, sie haben verurtheilt, weil sie verurtheilen wollten. Selbst das famose Reichs- gerichtserkenntniß, welches das freisprechende Erkenntniß des Chemnitzer Landgerichts aufhob, konnte sie nicht zwingen, sich über die Lücken ihres Bcweismaterials hinwegzusetzen, es bot ihnen nur die Brücke dazu. Und sie benutzten sie mit größter Bereitwilligkeit. Sie sind nicht die vom Reichsgericht Gezwun- genen, sie sind die Mitschuldigen des Reichsgerichts. Das beweist das unerhört hohe Strafmaß, das in ganz Deutschland und im Ausland einen allgemeinen Schrei der Entrüstung hervorgerufen hat. Selbst wenn die Angeklagten das gethan, dessen sie beschul- digt waren und weswegen sie verurtheilt wurden, so hatten sie es seit nahezu 7 Jahren offen und vor aller Welt gethan, ohne daß bisher irgend ein Gericht sich bemüssigt gesehen� einzuschreiten. Nicht nur ihnen, sondern auch hervorragenden Juristen, Richtern, Staatsanwälten fehlte das Bewußtsein von der Strafbarkeit der ihnen zur Last gelegten Handlungen. Die Niederschlagung des Prozesses Oppenhcimer und Genossen mußte diese Auffassung noch bestiHen. Alles Umstände, welche im höchsten Grade strafmildernd in's Gewicht fallen mußten. Statt dessen erkennen die Richter bei einem Straf- Maximum von einem Jahr— ein Minimal-Zeitmaß ist gar nicht gesetzt, es Heißtim§ 129 nur: Gefängniß bis zu einem Jahre— auf sechs, beziehungsweise neun Monate Gefängniß! Nun, wir wissen, welche Faktoren da mitgesprochen, wir wissen, wer Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, daß das Recht gebeugt werde, wir wissen, daß der Prozeß auf Betrei- ben der preußischen und auf Geheiß der sächsischen Regierung unternommen und von dem sächsischen Justiz- minister Herrn Abelen von Anfang an persönlich geleitet wurde. Ein neuer Beweis für die Demoralisation der Justiz durch das Sozialistengesetz ist geliefert worden— nicht juristischer Geist, sondern der Geist der jetzt allmächtigen Po- lizei spricht ans diesem Erkennwiß. Er hat es diktirt, auf daß es ihm zu Gute komme. Es ist von jeher eines der letzten Auskunftsmittel der poli- tischen Reaktion gewesen, auf dem Wege der„Gesetzes aus- legung" sich neue Handhaben zur Verfolgung unbequemer Gegner zu schmieden, wenn man sie von der Gesetzgebung nicht erlangen konnte. Was dem zweiten Kaiserreich des Louis Bonaparte die„gemischten Kommissionen", das ist dem ersten Kaiserreich des Otto von Bismarck das Reichsgericht. Verschiedene Blätter haben die Vermuthung, beziehungsweise Befürchtung ausgesprochen, daß mit diesem Rechtsspruch, ein Rechts bruch im ureigensten Sinne des Wortes, eine neue Praxis gegen unsere Partei werde eröffnet werden. Mag man es versuchen, wir sind auch darauf vorbereitet. Die Sozial- demokratie hat noch stets die Konsequenzen der Situation zu ziehen gewußt, und wird es auch diesmal thun. „Im Namen des Gesetzes" ist das Gesetz mit Füßen getreten, die Gesetzlosigkeit zum Gesetz erhoben und die Gesetzlichkeit in die Acht erklärt worden. Wer dabei gewinnt und wer verliert— das haben die Richter von Freiberg und ihre Hintermänner in ihrem „beschränkten Unterthanenverstand" schwerlich begriffen. Die Sozialdemokratie und die Frage der Frauenarbeit.*) �Ein Beitrag zur Programmfrage. Bei der Umarbeitung unseres Programms dürfte die Forderung des Verbots aller die Gesundheit und Sittlichkeit schä« digenden Frauenarbeit einer der Punkte sein, die nothwendig einer Prüfung unterzogen werden müssen. Daß die Frage des Schutzes *) In Nr. 31 d. Bl. hatten wir im Anschluß an die Ausführungen eines Mitarbeiters einen Artikel über unsere Stellung zur Frage der Frauenarbeit angekündigt. Inzwischen ist uns von einer Parteigenossin ein Aufsatz über das gleiche Thema zugegangen, den wir nun zunächst zum Abdruck bringen, um erst nach seiner Verössentlichung unseren eige- nen Standpunkt zu der Streitfrage zu entwickeln, in der, wie man sieht, die Meinungen in der Partei noch recht weit auseinandergehen. der Arbeiterinen keine leicht zu lösende ist, beweist die Meinungsver schiedenheit, die in dieser Beziehung innerhalb unserer Partei herrscht, wo der Standpunkt der allgemeinen Gleichberechtigung der Geschlechter ziemlich einstimmig vertreten wird. Bon den aufrichtigsten, ehrlichsten Vertretern der bürgerlichen Gleich- berechtigung der Frauen wird das Problem der Schutzgesetzgebung zu Gunsten der Frauen einfach als ein noch zu lösendes Problem hinge- stellt, wie aus der folgenden Klage eines Mannes hervorgeht, der seit einem Vierteljahrhundert für die Gleichberechtigung der Geschlechter bei jeder Gelegenheit auf das Energischste eingetreten ist. In einer Korre« spondenz an das Woman's Journal(Frauenzeitung) in Boston, Ver- einigte Staaten, veröffentlicht den 26. Juni 1880, schreibt Colonel Higginson von Massachussetts: ... Als ich Mitglied der Gesetzgebung unseres Staates war, ver- ursachte mir keine Frage mehr Schwierigkeiten, als diejenige der ge- setzlichen Beschränkung der Frauenarbeit. Die damals in dieser Bezieh« ung gemachten Vorschläge waren mannigfach, sie schloffen in sich ein sowohl Verkürzung des Arbeitstages, wie das Verlangen, daß für Verkäuferinen in den Läden Sitzplätze eingeführt werden. In einigen Fällen gingen diese Vorschläge von den besten Freunden der Frauen aus. Es wurde hervorgehoben, daß ihre physiologische Konstitution besondere Rücksichten erheische, und daß das allgemeine Wohl des Staates verlange, die Gesundheit seiner Frauen zu schützen. In anderen Fällen liefen Vorschläge ein von Personen, welche wirklich nur die Beschäftigung der Frauen erschweren wollten, jedoch dieselben Argumente der Sicherheit und Gesundheit geschickt ausnützten. Und es war nicht leicht, den Konflikt zwischen diesen Motiven nach irgend welchem klaren Prinzip zu erledigen. Jede sogenannte Schutz- Maßregel für Frauen hat in der That ihre Schattenseite, solange die Frauen auf dem Arbeitsmarkte mit den Männern zu konkurriren haben. Zwingt einen Händler, für jede weibliche Person, die er ein- stellt, einen Sessel anzuschaffen, und ihr liefert ihm einen Grund, Männer vorzuziehen, für die er keine Sessel anzuschaffen braucht. Beschränkt die wöchentliche Stundenzahl der Frauenarbeit, und ihr bringt den Unternehmer in Versuchung, Personen des anderen Ge- schlechts anzustellen, in Bezug auf welche diese Beschränkung nicht gilt. Allgemein ausgedrückt, darf man behaupten, daß jeder gesetzlich garan« tirte Schutz für die Frau als ein Nachtheil für sie als Konkurrentin auf dem Arbeitsmarkte wirken muß. Nun, welche Seite soll der Gesetzgeber da berücksichtigen? Ich gebe zu, für mich ist dies eines der ungelösten Probleme dieser großen Frage. Hier in Amerika haben die besonderen Vertreter der bürger- lichen Rechts der Frau keinen klaren, konsequenten Standpunkt in Bezug auf das Prinzip, das hier in Frage komint, eingenommen, und die Frage ist weder je erledigt, noch auch endgiltig objektiv besprochen worden. Ich gestehe es zu, ich bin noch im Zweifel in Bezug auf das allge- meine Prinzip. Indessen scheint es mir im Ganzen weniger gefährlich, gesetzgeberisch zu wenig einzugreifen als zu viel. Ich bin der M«i> nungi daß das, ivas von einem tüchtigen Schriftsteller in Bezug auf die Arbeiter neulich so lebhaft betont wurde, von den Arbeiterinen noch mehr gilt, daß man ihnen nämlich nicht helfen darf dadurch, daß man ihren Abhängigkeitsstun vergrößert, sondern nur dadurch, daß man versucht, ihr Unabhängigkeitsbewußtsein zu erhöhen." Ich aber bin der Meinung, daß es eine prinzipiell richtige Stellung hier gibt, ohne daß man an das Gerechtigkeitsgefühl, noch an das Ge- fühl der Empörung über die Ausbeutung der Frauen, der Mütter der zukünftigen Geschlechter, noch an irgend welche andere Gefühle appellirt. Ich will diese unsere Forderung des Verbots„aller die Gesundheit und Sittlichkeit schädigenden Frauenarbeit" vom Standpunkt des Sozialismus prüfen; und ich glaube den Beweis erbringen zu können, daß sie von uns nicht gestellt werden darf. Schon ihrer Form nach ist diese Forderung ein Kautschuk-Paragraph schlimmster Art. Was sind denn alle die Gesundheit und Sittlichkeit schädigenden Frauenarbeiten? Welchen Maßstab soll man dafür anlegen? Oder welche Branche ist bei der Art, wie heute überhaupt gearbeitet wird, denn ohne schädliche Wirkung sowohl für Männer wie für Frauen? Freilich fällt es Niemand ein, die Männer aus einer Branche aus- schließen zu wollen, ausgenommen in solchen Fällen, wo man die Branche aus allgemein menschlichen Rücksichten ausrotten kann, um den betreffen- den Gegenstand aus eine ganz andere Weise herstellen zu lassen, wie z. B. bei der Zündhölzchenindustrie. Wollte man den Vorschlag machen, alle Arbeiter aus allen die Gesundheit und Sittlichkeit schädigenden Branchen auszuschließen, so würde die utopistische, sowie die Kautschuk« Natur einer solchen Forderung sofort Jedem in die Augen springen. Die moderne Gesellschaft kann gar nicht alle die Gesundheit und Sitt- lichkeit schädigenden Frauenarbeiten verbieten. Man denke nur an die Textilindustrie und die Rolle, welche in derselben die Frauen- und Kinder- arbeit spielt. Nun aber verlangt unsere Forderung, wie sie dasteht, das Verbot so ziemlich aller Frauenarbeiten, da es äußerst schwer ist, zu beweisen, daß irgend ein Arbeitsgebiet heutzutage keinen Schaden für die Gesundheit und Sittlichkeit mit sich bringt. Wie kann jedoch unsere Partei ein« solche Forderung stellen angesichts der Thatsache, daß die Frauenarbeit ebensosehr wie die Kinderarbeit ein integrirender Theil des modernen wirthschaftlichen Entwicklungsprozesses ist? Unsere Forderung unterstellt, daß die Arbeitsgebiete, die heute ge- sundheits- und sittlichkcitsschädigend sind, es auch ihrem Wesen nach bleiben müssen, ohne Rücksicht zu nehmen auf den beständigen Fortschritt der Technik, ungeachtet des unaufhörlichen Wechsels, der das Wesen der modernen Produktion ausmacht, wie schon im kommunistischen Manifest (S. S) dargethan wurde. Da heißt es: „Die Bourgeoisie kann nicht existiren, ohne die Produktionsinstru- mente, also die Produktionsverhältnisse, also sämmtliche gesellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutioniren. Unveränderte Beibehaltung der alten Produktionsweise war dagegen die erste Existenzbedingung aller früheren industriellen Klassen. Die fortwährende Umwälzung der Pkoduktion, die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zu« stände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnen die Bourgeois- epoche vor allen früheren aus. Alle festen, eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neu gebildeten veralten, ehe sie verknöchern können." Dieser Revolutionirungsprozeß sorgt schon selbst dafür, daß Bran« chen, die gestern den Frauen verschlossen waren, ihnen heute zu« gänzlich werden, um ihnen morgen wieder entzogen und von Kindern oder verbesserter Maschinerie besetzt zu werden, wie es in vielen Branchen der Baumwollindustrie schon längst geschieht. Hier ist die Wirkung der Gesetzesparagraphen verschwindend klein im Vergleich zu der Gewalt des Entwicklungsprozesses selbst, und keine Gesetzgebung kann in irgendwie entscheidendem Maße die Frauen dem einen Gebiete zu« weisen und von dem andern ausschließen, aus Gesundheits-, Sittlichkeits« oder irgend welchen anderen Rücksichten. Hier entscheiden die Konkurrenz und die Technik. Was sind heutzutage die die Sittlichkeit schädigenden Franenarbeiten? Man dürfte wohl diejenige Beschäftigung als eine ganz besonders die Gesundheit und Sittlichkeit schädigende betrachten, welche durchgängig mit Unterleibskrankheiten verbunden ist, den größten Prozentsatz unver- heiratheter Frauen in die Gebäranstalt liefert und das Hauptrekrutirungs» gebiet der Prostitution bildet. Legt man aber diesen Maßstab an, so stellt sich an die Spitze der die Gesundheit und Sittlichkeit schädigenden Frauenarbeiten das Dienstbotenthum. Zu den elendesten Berufen gehört ferner sprichwörtlich derjenige der Näherinen, besonders der Weißnäherinen. Nirgends vielleicht sind Unter- leibskrankheiten und Schwindsucht mehr zu Hause, als bei den Weiß- näherinen, doch fällt es Niemand ein, unsere Forderung dahin aus- zulegen, daß die Frauen von der Beschäftigung als Dienstboten und Weißnäherinen zu Gunsten ihrer Gesundheit und Sittlichkeit auszu- schließen seien. Was aber ist denn eigentlich unter der Forderung des Verbotes aller die Gesundheit und Sittlichkeit schädigenden Frauenarbeit zu verstehen? Ich meine, daß diese zwei Beispiele zur Genüge beweisen, daß die For- derung mit der Gesundheit und Sittlichkeit nichts zu schaffen hat, son- dern vielmehr bedeutet: Verbot der Frauenarbeit dort, wo sie den Män- nern schädliche Konkurrenz macht. Und diese ursprünglich egoistische Absicht, eine unbequeme Konkurrenz zu beseitigen, sowie die utopistische Hoffnung, zu diesem Zweck eine Stufe des wirthschaftlichen Entwicklungsprozesses ausscheiden zu können, ist am klarsten erkennbar, wenn wir die Geschichte der Forderung ver- folgen und die heutige Stellung der Partei vergleichen mit ihrer Stel- lung vor siebzehn Jahren. Auf dem Eisenacher Kongreß von 18KS wurde beantragt, in einem Para- graph zu fordern Abschaffung der Frauen- und Zuchthausarbeit— eine Verbindung, aus welcher die Absicht erhellt, die Abschaffung zweier un- bequemer Konkurrenzsorten zu verlangen, ohne Rücksicht auf die totale Undurchsührbarkeit einer solchen Forderung im Rahmen der heutigen Gesellschaft und ebenso ohne Rücksicht auf die Wirkung einer solchen Maßregel auf die Frauen und die Zuchthäusler, die übrigens schließlich beide in überwiegendem Maße der Arbeiterklaffe angehören. Der Antrag- steller änderte später seinen Antrag dahin, Verbot der Frauen- und Kinderarbeit zu verlangen, der Kongreß aber verwarf den einen wie den andern und stellte eine Forderung auf, welche lautete: Verbot der Kinderarbeit. Einschränkung der Frauenarbeit in industriellen Etablisse- ments." Dieser Wortlaut wird sich wohl als zu nichtssagend herausgestellt haben, denn im Jahre 1875 wurde auf dem Kongreß zu Gotha die jetzige Forderung aufgestellt. Neuerdings jedoch, bei der Zusammensetzung des Arbeiterschutzgesetzentwurfes, wo es sich darum handelte, die im Pro- gramm stehende Forderung zu berücksichtigen, zugleich aber Maßregeln vorzuschlagen, welche in der heutigen Gesellschaft durchführbar sind, schrumpfte der Paragraph in Bezug auf die Frauenarbeit so zusammen, daß er dieselbe nur auf drei Gebieten angreift und lautet: „Für Arbeiterinen jeglichen Alters und männliche Arbeiter unter sechszehn Jahren ist die regelmäßige Nachtarbeit verboten. Auch dürfen Arbeiterinen jeglichen Alters weder auf Hochbauten noch unter Tage beschäftigt werden." Man sieht, wie weit der Weg von dem Eisenacher Antrag auf Verbot der Frauenarbeit überhaupt und von der Gothaer Forderung nach Verbot aller die Gesundheit und Sittlichkeit schädigenden Frauenarbeit bis zu diesem Gesetzentrburfparagraph ist, der eigentlich als Sanitätsverwal- tungsmaßregel aufgefaßt werden kann. Denn in diesen Branchen spielt in der Wirklichkeit die Aussicht, eine unbequeme Konkurrenz zu beseitigen, eine verschwindend kleine Rolle. Die verdrängten Frauen würden zweifelsohne in deutschen Bergwerken und auf deutschen Hoch- bauten ebenso rasch durch Maschinerie ersetzt werden, wie sie in englischen Bergwerken und auf amerikanischen Hochbauten schon durch Maschinen ersetzt wurden, und würde daher ihr Verschwinden von diesen Arbeitsgebieten durchaus keine vermehrte Arbeitsgelegenheit für Männer zur Folge haben. Bei unserer Programm-Forderung aber, die noch immer in der alten Gothaer-Form dasteht, bleibt die alte Absicht, eine unbequeme Kon- kurrenz zu beseitigen, in voller Kraft, so wenig sie ausgesprochen ist und so schön sie durch die angebliche Rücksicht aus Gesundheit und Sittlichkeit verdeckt wird. Lassen wir also die Frage der Sittlichkeit und Gesundheit vorläufig bei Seite und betrachten wir unsere Forderung mit Rücksicht aus den Punkt, um den es sich eigentlich handelt, nämlich auf die Konkurrenz, welche die Arbeiterinen den Arbeitern machen. Sozialpolitische Rundschau. Kraftausdruck, die heftigste Drohung unsrerseits nur abschwächend wirken. Wir haben den obigen Ausführungen nichts hinzuzusetzen als: Isaws— Du sagst es. j Zürich, 11. August 1886. — Die Namen der braven Freiberger Richter, welche sich durch die Verurtheilung unserer Genossen so außerordentlich um Staat und Gesellschaft verdient gemacht, haben unbedingt Anspruch darauf, dem Dunkel der Vergeffenheit entriffen zu werden. Wir laffen sie daher zu Nutz und Frommen aller gutgesinnten Bürger hiermit folgen: Vorsitzender: Landgerichtsdirektor Bollert. Beisitzer: Landgerichtsrath Bnrsian. „ Jacobi. „ Oeser. „ Riebold. Hoffentlich begegnen wir diesen Namen bei der nächsten Ordensver- leihung wieder. — Die Entrüstung über das skandalöse Urtheil des Frei» berger Landgerichts ist eine ganz außerordentliche. Von allen Seiten gehen bei uns Zuschriften ein, welche sich in den s ch ä r f st e n A u s- drücken über diesen Akt schmachvoller Klaffenjustiz ergehen, und in allen wird betont, daß man nicht nur in Parteikreisen, sondern auch bei den Gegnern in entschiedenster Weise den Entscheid des Freiberger Land- gerichts verdamme, der zu den oerhängnißoollsten Konsequenzen führen müsse. Eine Anzahl Zuschriften von Genossen in der Schweiz geben überein- stimmend dem Wunsch Ausdruck, daß hier, wo man wenigstens das freie Wort hat, Versammlungen stattfinden mögen, um denjenigen, die noch ein Gefühl für Recht und Freiheit haben, Gelegenheit zu geben, ihre Meinung über den Prozeß rückhaltlos zu äußern. Wir können den Brief- schreibern sowie den Genossen überhaupt in Be,ug darauf die Mitthei- lung machen, daß der Landesausschuß der deutschen Sozialisten in der Schweiz die Frage bereits erörtert hat, und daß die Züricher Genossen wahrscheinlich schon in den nächsten Tagen in dieser Richtung vorgehen werden.» vH8 Kurz, eine Thatsache steht heute schon fest: das Freiberger Urtheil'hat eine wahrhaft saszinirende Wirkung auf die Genossen gehabt— man konnte die Personen schädigen, die Sache hat man aber nur g e> stärkt. Der Sozialdemokratie kommt ihr auf diese Weise nicht bei! — Die liberal-konservative„Neue Züricher Zei- tung" schreibt im Leitartikel ihrer Nummer vom 5. August über das Urtheil im Freiberger Prozeß: „Doch die juristische Seite des Urtheils zu prüfen, ist nicht unsere Sache..... Beklagenswerth bleibt in jedem Falle die politische Bedeutung des Urtheils. Nach demselben ist fortan kaum ein Angehöri- ger der sozialdemokratischen Partei und jedenfalls kein sozialistischer Führer und Abgeordneter mehr vor Anklage, Verurtheilung und Ein- kerkerung sicher, denn die Theilnahme an einer geheimen Verbindung nach der Freiberger Auffaffung wird man jedem derselben nachweisen können, solange eben noch eine sozialdemokratische Partei besteht und eine sozialdemokratische Agitation vorhanden ist. „Der Ausnahmezustand, unter dem heute der deutsche Sozia- lismus steht, wird gewaltig verschärft, und damit die H e f- tigkeit des Kampfes vermehrt und der Fanatismus der Massen zu v ölliger Unbedenklichkeit in Bezug aus Zwecke und Mittel gesteiger t." Wenn bereits ein streng bürgerliches Blatt Solches als die natur- gemäßen Konsequenzen der neuerdings in Deutschland allgemein üblichen Rechtspraxis voraussieht, so kann dem gegenüber selbst der schärfste — Richtigstellung. Wir erhalten von Genosse Auer folgende Zuschrift: Geehrte Redaktion! In der Nr. 32 Ihres Blattes bringen Sie nach der„Bürgerzeitung"" einen Bericht über einen Vorgang im Verlaufe des Freiberger Prozesses, wobei eine Aeußerung von mir über Ihr Blatt nicht richtig wieder- gegeben ist. Es ist mir nicht erinnerlich, daß ich, wie es in der„Bür- gerzeitung" heißt, auf die Frage des Vorsitzenden, ob ich die Verbreitung des„Sozialdemokrat" wünsche, erklärt habe:„wenn die Redaktion eine bessere wäre, dann würde auch ich für die Verbreitung sein." Meines Wissens habe ich erklärt: „Mit der Einschränkung, daß die häufigen und gehässigen Angriffe gegen einzelne bekannte Parteigenossen im„Sozialdemokrat" fortbleiben, wünsche ich dessen weiteste Verbreitung." Den Wunsch nach einer besseren Redaktion konnte ich um so weniger äußern, als ich mit der prinzipiellen Haltung des„Sozialdemo- krat" von jeher einverstanden war und noch bin. München, den 8. August 1886. I. Auer. — Die Schlußworte Bebels vor dem Freiberger Laud- gericht, in denen er die Unwahrscheinlichkeit geheimer ungesetzlicher Ab- machungen in Kopenhagen mit dem Hinweis darauf begründete, daß man in jeder größeren Gemeinschast gewärtig sein müsse, faule Elemente oder solche Leute in seiner Mitte zu haben, die unter gegebenen Um- ständen zu Verräthern werden können, diese Schlußworte sind auf Grund der etwas ungeschickten Wiedergabe in den Zeitungsberichten Gegenstand allerhand abenteuerlicher Kombinationen geworden. So will der bekannte Münchener Korrespondent der„Elberfelder Zeitung", der bekanntlich das Gras wachsen hört, in ihnen ein„Mißtrauensvotum" Bebels gegenüber seinen Mitangeklagten erkennen und bereits wissen, daß man in München„die Spitze dieser Bemerkung in der Richtung auf Viereck und Auer sucht". Dem gegenüber sind wir in der Lage zu erklären, daß Genosse Bebel nichts ferner gelegen hat als eine solche indirekte Verdächtigung irgend eines seiner Mitangeklagten, und daß auch keinem einzigen derselben es in den Sinn gekommen ist, noch nach dem Wortlaut der Bebel'schen Aussührungen überhaupt in den Sinn kommen konnte, ihnen eine solche Deutung zu geben. Das war schon dadurch ausgeschloffen, daß Bebel, als er seinen Gedankengang exemplifizirte, von„uns neun Angeklagten" sprach, also seine eigene Person ausdrücklich in das Beispiel mit hineinnahm. Und für diejenigen, die etwa darin einen rhetorischen Kunstgriff suchen möchten, sei weiterhin bemerkt, daß Bebel auf eine Anfrage, wie es mit der vom Korrespondenten der„Elberfelder Zeitung" berichteten Aus- legung stehe, geantwortet hat, er würde sich schämen, bei solcher Ge- legenheit und in solcher Form eine derartige Verdächtigung gegen irgend eine bestimmte Person auszusprechen und weise dieseAuffassung seiner Worte entschieden zurück. — Internationales Sozialistengesetz— das ist die neueste Idee unseres Junkers Otto, oder richtiger, eine in neuester Zeit wieder ausgetauchte alte Idee, denn gleich allen Ideen des„genialen" Otto ists eine alte Idee— die alte dumme Idee, welche der„Heiligen Allianz" zu Grunde lag, in Metternich ihren Hauptvertreter fand und— nachdem sie ungefähr dreißig Jahre lang die Welt unsicher gemacht und ihren Vertretern überreiche Gelegenheit zur Bethätigung ihrer Bornirtheit und Niedertracht gegeben— im Jahr 1848 unter all- gemeinem Gelächter und allgemeiner Verachtung in den Versenkungsraum der Geschichte für einige Zeit untertauchte. Aus diesem Versenkungs- räum, der zu gleicher Zeit eine Senkgrube ist mit allem möglichen Abfall und Quark, wurde die famose Idee des internationalen Gedanken- und Freiheitsmordes von der wieder auf- lebenden„Reaktion" hervorgeholt, und schließlich von dem„genialen" Otto, dessen Hirn eine Zentralkloake für allen derartigen Abfall und Quark ist, mit Wollust aufgegriffen. Schon zu Anfang der 70er Jahre, als ihm der Größenwahnsinn den letzten Rest von Selbstkriiik raubte, faßte er die verrückte Idee, die Rolle nicht blos des S ch i e d s r i ch- ters, sondern auch des Polizeidieners der Welt zu spielen, und unter den Fittichen des Reichsadlers oder Reichstruthahns alle Staaten der Welt zu versammeln und einen internationalen Kreuzzug gegen die Demokratie und den Sozialismus zu organisiren, in welchem Feldzug natürlich„das Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte", wie immer, an der Spitze der— Reaktion marschiren sollte. Damals scheiterte der Plan an dem Widerstand Englands, der Vereinig- ten Staaten, Frankreichs und der Schweiz. Sogar I t a- lien verhielt sich ablehnend. Nach der Hinrichtung des„milden Väterchens" Alexander II. von Rußland wurde der Plan von Neuem aufgenommen, und scheiterte aber- mals— obgleich jetzt die italienische Regierung sich anschloß. Vor drei Jahren— auf dem berüchtigten Dreikaiser-Kongreß von S k i e r n i w i c e, wo so viel andere Attentate auf die Menschheit und den menschlichen Fortschritt ausgeheckt wurden, tauchte der sonderbare Plan zum drittenmal auf, und scheiterte zum drittenmal. Jetzt denkt nun Junker Otto, der günstige Augenblick sei endlich gekommen. Die Engländer sind, wie er meint, durch die irischen Dynamitarde mürbe gemacht; die Amerikaner durch die„ h i m m- lische" Chicagoer Bombe, und nun kommen, nachdem das europäische Bngstmeierthum schon durch die französischen(De- cazeville), Londoner und belgischen„Blutszerzen" hübsch vorbereitet worden, die Amsterdamer Krawalle mit ein haar Dutzend ungelogenen Todten und ein paar Hunderten von ungelogenen Verwundeten. Wenn das nicht hilft, denkt Junker Otto, dann hilft nichts! Und er schmiedet, schmiedet das Eisen, so lange es noch heiß ist. Auch diesmal wird er„für den König von Preußen arbeiten", der brave Junker Otto; und da er ja ein so eifriger Diener seines Herrn ist, muß ihn das eigentlich sreuen. Den Engländern fällt es nicht ein, in den Sumpf des Bismarck'schen Reichsspitzelthums herabzusteigen — die Franzosen pfeifen auf Bismarck und sein Reichsspitzelthum, und was endlich die Amerikaner betrifft, an deren Bekehrung der „geniale" Otto in seinem Pommer'schen Junkerverstand geglaubt hat, so werden sie ihm ebensalls etwas pseisen. Und wir haben nur die ange- nehme Pflicht, das interessante Faktum„anzunageln", daß ein Mensch, der in dem Ruf steht, ein„großer Staatsmann" zu sein, die unglaub- liche Naivetät besitzen kann, amerikanische Bürger mit preußischen Land- räthen zu verwechseln. Genug— der geniale Otto wird auch diesmal mit langer Nase ab- ziehen müssen. — Zur Charakteristik unserer Zeit. An einer Stelle im„Ka- pital" bemerkt Marx zu dem Ausspruch John Stuart Mill's:„Es ist fraglich, pb alle bisher gemachten mechanischen Erfindungen die Tages- mühe irgend eines menschlichen Wesens erleichtert haben,"(— Mill hätte sagen sollen, irgend eines menschlichen Wesens, das nicht von Anderer Arbeit lebt.„Denn." setzt er hinzu,„die Maschinerie hat unstreitig die Zahl der vornehmen Müssiggänger sehr vermehrt." An diesen Ausspruch werden wir unwillkürlich erinnert, wenn wir die Berichte lesen über den Andrang zu den verschiedenen in letzter Zeit ab- gehaltenen B u m m e l f e st e n, d. h. zu jenen Festen, die keinem andern Zweck dienen, als dem durch mehr oder minder anständige Vorwände gedeckten höheren— will sagen kostspieligeren— Bummel. Wir, als Vertreter einer dem fröhlichen Lebensgenuß nichts weniger als feindlichen Weltanschauung, gönnen gewiß einem Jeden sein Ver- gnügen, aber wenn wir in einer Zeit, wo man überall von Lohnreduk- honen und Arbeiterentlassungen wegen schlechten Geschäftsganges liest, andererseits vernehmen, welch' geradezu wahnsinniger Luxus z. B. auf der Heidelberger Jubelfeier der dortigen Universität bei den Umzügen k. getrieben wurde, wie sich zu dem Festkommers derselben 8000— sage achttausend— Theilnehmer einfanden, da hört denn doch für uns der Spaß auf. Man komme uns nicht mit der Ausrede, daß es in Heidel- berg ja einem idealen Zweck galt, das ist leere Redensart. Wurde auf dem ganzen, sich wochenlang hinziehenden Festrummel auch nur ein ein- ziger fruchtbarer Gedanke zu Tage gefördert? Wurde irgend etwa« ge- schaffen, der Grund zu irgend einer Neuerung gelegt, welche die Eni- Wickelung der Menschheit, das Wohlsein des Volkes förderte? Selbst die ' begeistertsten Festberichterstatter wagen das nicht zu behaupten. Es wurden Reden gehalten, wie sie an jedem offiziellen Winkelfest nicht farbloser gehalten werden können, und deren Inhalt fünf Sechstel aller Theilnehmer erst aus den Zeitungen erfuhren; im Uebrigen gab es zu essen, zu trinken und zu sehen. Selbst ein so tiefer Denker wie Helm« holz wurde von der Stimmung des Tages hingerissen und förderte in einem Toast Plattheiten von einer wahrhaft fürstlichen Oede zu Tage. Aber der Heidelberger Festbummel hatte wenigstens einen anständigen Titel, auf den ein, wenn auch noch so geringer Prozentsatz der Theil- nehmer wirklich hineingefallen sein mag. In seiner wahren Größe zeigte sich aber der Geist, der unsere besitzenden Klaffen beseelt, auf dem zur gleichen Zeit in Altenburg abgehaltenen Skat-Kongreß. Fünf« zehnhundert Menschen aus allen Theilen Deutschlands sollen sich zu dieser albernen Farce eingefunden und unter dem Vorsitz eines Amtsgerichts- r a t h s mit einem Eifer, als handle es sich um die heiligsten Interessen der Menschheit, über die Regeln des— Skatspiels debattirt haben. Den Geist dieser erleuchteten Versammlung kennzeichnen die gefaßten Beschlüsse: Abschaffung der französischen Karten, der Fremdwörter rc. jc. Mit solchen läppischen Dingen vertreibt sich die„bessere" Gesellschaft die Zeit, die sie den Arbeitern stiehlt, und hat dann obendrein die Frechheit, den Arbeitern, wenn sie sür Verbesserung ihrer Lage eintreten, Schimpfworte wie Faullenzer und Tagediebe entgegenzuschleudern. Wahrlich, wenn es noch eines Beweises bedurfte sür die Durchführbarkeit einer vernünf« tigen Gesellschaftsordnung, in der Niemand zu darben, Niemand sich in lleberarbeit abrackern muß, so liefern ihn uns das sich mit der Roth- läge der Arbeiter täglich mehrende Heer der vornehmen Tagediebe! 4 sie d und wir Ctät gehai x. Offiziersehre. Für die Leutchen, nach deren Begriffen der Mensch erst beim Lieutenant anfängt, gibt es bekanntlich eine aparte „Offiziersehre". Dieselbe erheischt, daß man die Gesetze gegen Mord und Todtschlag verletzt und aus den geringfügigsten Gründen seinen Mitmenschen ums Leben zu bringen sucht; sie erheischt, daß man den„gemeinen" Soldaten, der sich die Insolenz eines ihm„vorgesetzten" Maulaffen in Uniform nicht lammfromm gefallen läßt, sofort mit de« Degen durchbohrt; sie erheischt, daß wenn ein uniformirter Schuft unsre Familienehre antastet, wir, statt ihn mit einem Fußtritt ins Zuchthaus zu spediren, uns zur Zielscheibe seiner Pistole machen; sie erheischt end- lich— von noch anderen schönen Dingen abgesehen— daß wir Hand- lungen begehen, die nach dem„gemeinen" Ehrenkodex die Hand- lungen eines Schuftes sind. Nach dem„gemeinen" Ehrenkodex, das heißt nach dem Ehrenkodex aller anständigen Menschen, gleichviel welcher Nation, Partei oder Lebensstellung sie angehören, ist — um ein Beispiel zu geben— das Spioniren und D e n u n> ziren ein schuftiges Handeln und Handwerk. Ob der kürzlich verstorbene Maler P i l o t y ein großer Künstler war, unterliegt vielen Zweifeln; es unterliegt aber keinem Zweifel, daß er ein Schurke war— denn er hat zur.Bethätigung seiner niedrig-servilen Gesinnung den Denunzianten gespielt, und sich dadurch die Un- sterblichkeit der Infamie gesichert. Lange nachdem der Maler Pilot? vergessen ist, wird der Denunziant Pilot? im Gedächtniß der Men- schen leben als klassische Verkörperung der Niedertracht, die in der Aera Bismarck gezüchtet ward. Und diese Niedertracht zu üben, ist der Offizier durch die„Offiziersehre" gebunden! Schon oft hatten wir das in der„Kreuzzeitung" und der„Norddeutschen Allge- meinen" gelesen— doch sonst nirgends— so daß die Vermuthung nicht ganz ausgeschlossen war, man habe es mit einer spezifisch preußisches Sumpfpflanze zu thun. Jetzt hat aber die„Leipziger Zeitung", das amt- liche Organ der sächsischen Regierung, in einer ihrer letzten Nummer» amtlich die Denunziationspflicht der Offiziere fest- gestellt, und bei dieser Gelegenheit einigen leider ungenannt geblie- denen Offizieren der L e i p z i g e r G a r n i s o n das Brandmal ihres Lobs aufgedrückt, weil sie vor Kurzem, bei Vertheilung eines sozialisti- schen Flugblattes, diese Denunziationspflicht an einige» braven Arbeitern erfüllten, und sich dadurch vor dem ge' meinen bürgerlichen Publikum unterschieden, das so pflichtvergesse» war, nicht zu denunziren.-- Wir konstatiren die Thatsache, reihen sie unserem kulturhistorische» Archiv ein und sagen einfach, der Zustimmung jedes anständigen Mensche» gewiß: Pfui diese Offiziere! Pfui diese Offiziers' ehre!— finn Deut Nister lichen Dritt schast leine. hurr nnpf. Na die(5 Fried niehr Verdi »orge der? In und an, u doliti Bism »unse chis, reptil O tu Fritz" nian blicke. der s, n>en, gedrü j>«d 'st ei) undi °>e et Zweck r-chti. und tz S-se tefott --Fühi Zur v 3le; kann Rie l°s n >nzzx ein « ol' und r �ism w. Verde. i-blgitc Und d werde. k-? birrlii —„Die Danziger, welche sich wahrscheinlich einbildeten, daß die Hje 1 Könige Ungeheuer wären, waren so bezaubert, einen zu sehen, der ihre Kinder nicht fraß, daß sie so enthusiastisch wurden rc. rc." So spöttisch schrieb vor netto hundert Jahren in eine« offiziellen Bericht Mirabeau von Berlin aus an den damali- gen französischen Minister Calonne über die Anjubelung eines beiläufig in mehrerlei Gestalt— gekrönten Hauptes durch das servil« Spießbürgerthum. Was würde der geistreiche Franzose erst schreiben, wenn er Zeug« wäre der hyperloyalen Anhochungen von Kaisern, Königen, Fürsten. leeren Hofwagen— wir würden Letzteres für unmöglich halte». wenn wir es nicht selbst mitangesehen—, wie sie heute in Deutschlaad üblich sind und sich in den letzten Tagen in Augsburg, München, Gaste.», Heidelberg rc. bis zum Erbrechen wiederholt haben? »lonta was bände. Uumer der Das. gesell offenh jmd d — Bei der am 26. Juli stattgehabten Nachwahl tm S. württeM' bergischen Wahlkreis erhielt der Kandidat unserer Genossen, Ap»' theker Lutz, 1 3 4 4 S t i m m e n. Bei der vor zwei Jahren statte habten Hauptwahl hatte Geiser 2488 Stimmen erhalten. Dana? wäre anscheinend ein Rückgang der sozialistischen Bewegung zu verzeich nen, doch darf nicht übersehen werden, daß diesmal die Volkspart«' mit ihrem früheren Abgeordneten Retter am Wahlkampf theilnahw- während sie sich 1884 der Wahl enthalten hatte. Gegen die Wahlen vo» 1878 und 1881 weistdie letzte Wahl vielmehr eine wesentliche Zu na hm« der sozialistischen Stimmen auf, denn bei jenen war die Zahl derselbe» nur 932 bezw. 1065 gewesen. — Kaum ist das Urtheil im Freiberger Prozeß gesprochen, so ist ufi — schreibt man uns aus Hamburg— schon wieder ein ähnlich� Prozeß in Aussicht gestellt. Es sind nämlich am Abend des 4. Aug»» acht hiesige und Altonaer Genossen bei einer angeblich geheimen Z»' sammenkunft„überrascht" worden, und soll bei ihnen verschiedenes kow' promiltirendes schriftliche Material gefunden worden sein, was, i»'! hiesige Blätter melden, die Basis zur Erhebung der Anklage wegen heimer Verbindungen bilden werde. Hören wir, was die hiesige..Refon» über die Sache schreibt: «atizle "fluih auch Ijfito jiche 3 -.über, pd e. °I- Ul "Wt chten hoch t belte, die, „Es war der Polizei bekannt, daß in der früheren Groß'schen, jetzig iL?' üÄttit'ffBc.n SftUrtMrfmft in tnhXrnthp Ii*» Utecht vonta Wji m Wie Kinkel Mnch Richhr'schen Wirthschaft in der Thalstraße zahlreiche Sozialdemokrat«» verkehren und daß vorgestern Abend eine Versammlung mehrerer Sozi«»' demokraten daselbst stattfinden sollte. Infolge dessen begaben sich vos' gestern Abend etwas nach 10 Uhr mehrere hiesige und Altonaer P»Ü' zisten in die erwähnte Wirthschaft. Sie überraschten daselbst acht Sozial demokraten, die eine geheime Sitzung abhielten. Sämmtliche Persone». sowie auch der Wirth, wurden sofort verhaftet; eine ungewöhnlich groß« Menge von Sammellisten, Abrechnunzen und sonstigem Material, welche* weitgehende Ausklärung über die sozialdemokratische Bewegung g$' wurde beschlagnahmt. Eine sehr große Zahl von hiesigen Sozialden.� kraten erscheint durch das vorgefundene Material schwer kompromitti." Die Verhafteten wurden gleich den beschlagnahmten Papieren nach Alto»» gebracht. Allem Anscheine nach scheint man das Z-ntrallager entdeckt k» haben, von welchem aus die sozialdemokratische Bewegung in Hamburg Harburg, Altona und Ottensen geleitet wurde. Nachdem nämlich � Laufe des gestrigen Tages die beschlagnahmten Schriftstücke gesichtet u»' die Personalien der Verhafteten festgestellt waren, glaubt man behbr»' licherseits, da unter den Arrestaten je zwei aus Hamburg, HarburS- Altona und Ottensen sich befinden, die Häupter der Sozialdemokratie ff diesen vier Städten festgenommen zu haben. Das schriftliche Mater.» ist»in so umfangreiches und soll so klar das Bestehen einer geheim«» Verbinvung dokumentiren, daß der zu erwartende Strasprozeß den f' eben beendeten Freiberger in Bezug auf das allgemeine öffentliche Int«»' esse noch bei Weitem übertreffen dürfte. Wie es heißt, würde in dies� S. -hze. lüdet ü Ht A°r «ttit, Setti Mt. * Sfhi !?»' Ä itmci ,uiyunij»i uytet IN Altona, Apefior(Stunoerg, em«eryor zu"«tx.' stehen, welches um 9 Uhr Vormittags begann und bis 3 Uhr NachM-f JjW tags dauerte. Infolge dieses Verhöres wurden Haftbefehle gegen sämM» V 3 liche Arrestaten erlassen und dieselben ins Jusiizgefängniß abgesührt.' he»� So die„Reform". Wir bezweifeln, daß sie, sowie die Polizei, v»' der sie doch bedient ist, genau über die Stellung der Verhasteten in � Partei unterrichtet sind, glauben vielmehr, daß die Genossen, trotzd� ?t ir u u n e. n U te ir f« er s- jn 'N e: ch m te :S if' in h- er ■te :b en ZN t'1 :M [re us ib« ld- w- 's ii i» n« lefl tti •in en in« >t? ;n« ZSl 5« oft g«< icht en nt> -ni st' lw< ret ist- e« gf sehen he« die ihre leoi ali« oUi uz« ieiV teil. aick ein. lp-! Ä -'iti! t«' hm. vo- w' ib«- uni S ZU« oin' W'' 5 NN iz«" ite« ,i-l' oor-j ioli' ftab! ne-« :oV che« # M-' tirt- of' t»« nrg- i>- u-t Sri' arS- ri-> nie" f ite? -s� ile- de>- he« mV' int' H oo" d- b««1 sie diesen Vorfall bedauern, doch aus die Heldenthat der Polizei pfeifen und schon die etwa entstandene Lücke ausgefüllt haben. Bemerken wollen wir noch, daß bei mehreren Genossen in verschiedenen holsteinischen EtSdten, deren Adressen bei den Verhafteten gefunden sind, gleichfalls gehaussucht wurde. — In Gastei« ist es in diesen Tagen hoch hergegangen. Knechts- sinn und sonstige Niedertracht feierten wahrhafte Orgien. Wilhelm von Deutschland und Franz Joseph von Oesterreich waren mit ihren Mi- »isterii zusammengekommen, um sich zum xten Male ihrer unverbrüch- »chen Freundschaft zu versichern, und wurden dabei auf Schritt und Dritt von der Creme, zu Deutsch: dem Abhub der„guten Gesell- schaft", der in jenem Badeort herumlungert, angehocht. Sie konnten «inen Schritt aus ihren Wohnungen setzen, ohne mit dem obligaten Hurrahgebrüll aus den Kehlen hysterischer Weiber beiderlei Geschlechts «npfangen zu werden. Nach den Behauptungen der Offiziösen in Wien und Berlin bedeutet tt« Gastemer Zusammenkunft eine neue Garantie für den europäischen Frieden. Merkwürdig, daß dieser Friede um so wackliger aussieht, je -lehr er garantirt wird. Ueberall wird mit doppelter Intensität gerüstet, werden neue Bewaffnungen eingeführt, Erhöhungen des Militär-Etats vorgeschlagen, und Alles nur, weil Dank unserer vortrefflichen Regierer Friede so außerordentlich gesichert ist I Inzwischen stänkert Rußland wieder munter auf dem Balkan herum -nd stiftet eine Bewegung zur Befreiung der mazedonischen Bulgaren -n, um mittels dieser den bereits befreiten Bulgaren, die seiner Orient- Politik im Wege sind, den Strick um den Hals legen zu können. Und Bismarck und Kalnoky sehen ruhig zu, denn der Friede ist gesichert und »unsere Beziehungen zu Rußland sind die herzlichsten".„Alle monar- Mischen Regierungen wollen den Frieden," schreibt das Berliner Ober- «eptrl. So ist entweder Frankreich oder die Schweiz der Friedensstörer. tugendhaftes monarchisches Europa! Beiläufig ist preußischerseits zu der Gasteiner Enttevue nicht„unser oritz.sondern dessen Sohn Wilhelm hinzugezogen worden, während -J?" Ersteren nach Heidelberg„repräsentiren" schickte. Das läßt„tief W- Ulan etwa mit der Absicht umgehen, den armen Fritz, schon so lange wartet, gar nicht auf den heißersehnten Thron kom- �on, ihn gegebenenfalls womöglich„lutzen" zu lassen? — Pfiffikusse. Die deutsche Reichsregierung, oder, persönlich aus- itdrückt, Fürst Bismarck, ist keineswegs so beschränkt -Nd kurzsichtig, wie die bösen Sozialdemokraten behaupten. Es •ft ein tiefer, echt staatsmännischer Plan in der ganzen Sozialreform, und in dem Sozialistengesetz— verkündet die„Norddeutsche Allgemeine", o« es doch wissen muß. Die Sozialreform— so orakelt sie— hat den «weck, Gerechtigkeit zu üben auf Erden und,„durch Erfüllung der be- •'chtigten Forderungen der Arbeiter, diese mit der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung auszusöhnen". Der Zweck des Sozialisten- �l-hes, das eigentlich nur die nothwendige Ergänzung der Sozial- °s°rm ist, besteht darin, die deutschen Arbeiter von den demagogischen "Führern" soder„Agitatoren") zu befreien, durch welche sie künstlich ° u Unzufriedenheit erzogen und in ihr Unglück gestürzt werden.— Neu ist diese Weishett zwar nicht, aber auch in der Wiederholung nicht verfehlen, Heiterkeit zu erwecken. In« iz ist. daß man die sozialdemokratischen„Agitatoren" erfolgreich ins!meti,en n>ürde. wenn man eine wirkliche, echte„Sozialreform" j» Werk setzte. Das ist genau ebenso richtig, wie daß Junker Bismarck �n roßer Staatsmann sein würde, wenn er die„Sozialreform" uns■ e unl> wüßte, was„Sozialreform" i st. Leider weiß er es nicht, Nd will sie auch nicht. Und sintemalen und alldieweilen der Junker fnsmarck weder den„sittlichen" Willen noch die intellektuelle Fähigkeit *«. wirkliche sozialreformatorische Maßregeln ins Leben zu führen, Werden die sozialdemokratischen„Agitatoren" nach wie vor die besten Schafte machen. Es gibt nur zwei Mittel, der sozialdemokratischen »Agitation" die Spitze abzubrechen: Ehrlichkeit und Verstand. 'p-d daß diese zwei Mittel nicht gegen uns in Anwendung kommen ®irden, dafür bietet uns Junker Bismarck die sicherste Bürgschaft. . k. In Bayer«— schreibt man uns— trägtdas System Lutz-Feilitzs ch »errliche Früchte. Die bayerische Presse überbietet sich geradezu in Lei- Mg«r, welche die ausgiebigst« Volksverdummung zum Ziele haben. OU Knechtseellgkeit der liberalen eisrn mit der TinMiigken der ultra- l-wntanen Organe der„öffentlichen Meinung", um Alles zu ersticken, p>as etwa noch an männlichem Selbstgefühl im politischen Leben vor- «nden sein sollte. So befestigt sich die Herrschaft des Systems Lutz �nner mehr; dieses System aber ist nichts anderes als die Erhebung °*r Charakterlosigkeit zum Regierungsprinzip. JJ-s ist nun freilich nichts Absonderliches innerhalb unserer„göttlichen" �isellschastsordnung und kommt wohl anderwärts auch vor. Allein so "Ifenherzig, so drastisch wird das System kaum irgendwo geübt werden, "nd deshalb läßt es sich in Bayern auch am besten studiren. Man hat schon öfters unfern Ministerpräsidenten Lutz den„kleinen Bismarck" »«»annt. und es läßt sich nicht bestreiten, daß dieser dem„eisernen -pzler" in manchen Dingen„über" ist. So z. B. hat Lutz seinen Kulturkampf" viel energischer inszenirt als Otto, aber er verstand es °uch. ihn zu so geeigneter Zeit wieder einzustellen, und zwar so recht- rsj'g und rasch, daß er, wenn auch keinen Christusorden, so doch päpst- Anerkennungsschreiben über die Lage der Kirche in Bayern erhielt. Ministerium Lutz galt einmal, wie die ältesten Leute versichern, als »liberal", seither hat es sich von diesem Verdachte gründlich gereinigt, M erfuhr in der liberalen Presse die härtesten Angriffe. Aber auch jk Illtramontanen— bei uns durch die Partei Semmelschmarrn, auch Patrioten" genannt, vertreten— betrachteten„dieses Ministerium" als größten Feind und versuchten es zu„stürzen". Als aber jüngst M der„großen Katastrophe" im Starnberger See es sich darum han- Jp". die Lutz'sche Regentschaft zu stürzen— sieh-, da zeigte es sich erst. i*.«segensreich" das System Lutz- die Korruptton- schon gewirkt iM-„Wir wollen gar keinen Systemwechsel," erklärte der„patriotische" Jfchredner Walter in der Kammer. Und bald darauf schrieben die Hod»»nt'"™de weil das Ministerium Lutz nicht liberal und nicht ultra- lein"ft' verbürgt es eine gute Regierung. Unser Volk will gut regiert hÄ Üne Ruhe haben!" *0»«;*! muß sich da der große Otto fühlen, der solche Erfolge �™ auszuweisen hat und sich höchstens der Sympathien seiner ter irnl.""'»•"""I'-" V"* I"T 7—».— JKfi" uno«er wedelnden Nationalliberalen erfreut, während doch die Dw«Neuesten Nachrichten" auf dem„linken Flügel" marschiren. ljtf|. l-e» wem Ehre gebührt! Meister Lutz hätte seine Erfolge näm- dicht zu so durchschlagenden gestalten können, wenn er sich nicht Wb'g"nen wackeren Gehilfen ausfindig gemacht hätte. Einen solchen 'ib,** in 11 em vormaligen Polizeipräsidenten Münchens, Baron Fei- tzjz I ch. dem er daS„Innere" übertrug. Dieser Beamte vereinigt alle ir»r gasten in sich, die einen„Staatsmann" von heute ausmachen: fcL°�ige Unwissenheit und Brutalität. Feilitzsch ist wegen h," durch völlig« Abwesenheit glänzenden Kenntnisse bei allen höheren sn"-"�achtet gewesen— bis seine Erhebung auf den Ministersessel W®"dachtung in Furcht umwandelte. Der avancirte Polizist blieb lijJ* Polizist. Er ordnete ein Spionirsystem am, wie es niederträch- doch nirgends und niemals existirte. Auf allen Bureaux ist ein dbta � p"-„Wächter" deS andern. Natürlich handelt es sich da nicht Ich. UW«ine Konttole der Fähigkeiten oder bei Arbeitsfleißes, sondern fy, um die Ueberwachung der Lebensweise, der Gesinnung u. f. w. tz,,"tosen, noch nicht so korrumpirten Beamten warten daher nur den lU�JwIick ab, wo ihre Pension chnen einen leidlichen Lebensunterhalt Lj'• um in den„Ruhestand" zu treten, was wieder zur Folge hat, Di,??8 kleine Bayern eine horrend hohe Ziffer von Pensionisten befitzt. Dh�vstellungen in der Landeihauptsiadt werden fast nur Strebern zu �h,s""k diese wissen, daß sie„etwas leisten" müssen, um rasch höhere zu erklimmen. Leider hat diese Korruption auch den Richterstand ?' und der letzte Münchener Sozialistenprozeß mgte die Nieder- „ s"r Sippe im grellsten Lichte, denn das gefällte Urtheil war l». eilt, �.._w•momn-r für die furiftisrfie Beaabun, pi-r uiih o6 w"•ft5on"wähnt-„Patriot" Waller, r-anvrag-avg-vri,. d�'gen«! 9�richtsrath, im erkennenden Senat saß und mit seinem i�ttttieirf 0 1 8« l sich insbesondere für die hohen Strafen der « no»� verwendete. Aus Stteberthum! Denn dieser Bursche wäre .is,'m Schatten einet Bauerndorfes bei irgend einem obskuren ig, wenn er eS nicht verstanden hätte, seine ulttamontane Parteiangehörigkeit und die ihm übertragene Stelle eines Chefs der Parteipresse dem System Lutz zur Verfügung zu stellen. Wahrlich, der ersäufte Ludwig der Päderast muß doch noch lichte Augenblicke gehabt haben, mindestens damals als er geruhte, seine Minister zum Durch- peitschen zu verurtheilen. Leider wurde der Befehl nicht vollzogen, viel- mehr war das System Lutz stark genug, den gegen dasselbe revoltirenden König ins Wasser zu treiben, wohin er noch einen„Bertteter deutscher Wissenschaft" mitnahm, leider den einzigen, dessen Knechtsseligkeit gebüh- rend belohnt ward. Bayern hat jetzt einen König in der Zwangsjacke— den verrückten Otto im Schloß Fürstenried— und einen„Regenten", der das Joch des Systems Lutz-Feilitzsch trägt, welches ihm nach fürstlich reichskanz- lerischer Genehmigung um den Hals gehängt wurde. Er wird es nicht allzuschwer empfinden, der Prinzregent, denn seine persönliche Begabung geht nicht über das Niveau der Wittelsbacher, bei denen man erst dann Verstandesvorrath konstatiren kann, wenn sie ihn verloren haben. Aber er taugt für die Stelle, die man ihn spielen läßt, und ist damit zufrie- den, denn sie sichert ihm ein sürstliches Einkommen und seinem ältesten Sohn, der jetzt schon fast ein Dutzend Kinder hat, den Thron. Das „Volk" aber ist zusrieden, und das hauptstädtische sogar glücklich, denn es sieht wieder das Erwachen des Hoflebens, und die Krämer Münchens freuen sich schon auf bessere Geschäfte. Das ist die gegenwärtige Situation in Bayern, und der Streit in der Presse findet im„braven" Volk keine große Beachtung. Das Blatt, welches die Stimmung in Bayern am besten oersteht, ist das„Bayerische Vaterland" des Dr. Sigl in München. Dieser Prachtkerl ist ein politi- sches Wetterglas. Schon mehrere Wochen vor jeder Aenderung spürt er dieselbe in seiner Feder, und seine Leser sind somit in der Lage, immer schon vorher zu wissen, was für Weiter am polittschen Horizont zu er- warten steht. Angeblich„extrem-katholisch", weiß der Mann jeder Wind- richtung zu gehorchen und gilt deshalb als der tüchtigste Journalist Bayerns. Sein Blatt wird viel gelesen und er weiß es immer„inter- essant" zu machen. Sein Grundsatz ist: Es lebe die Charakterlosigkeit! Er ist also der würdigste Vertheidiger des„Systems Lutz", und er be> sorgt diese Vertheidigung meisterhaft.I — Aus dem Herzogthum Laueuburg, wo bekanntlich H e r- bert Bismarck sein Reichstagsmandat irdischer Vortheile halber niedergelegt hat, wird uns geschrieben:„Zu der am 21. August stattfindenden Nachwahl haben unsere Genossen den aus Hamburg-Altona u. s. w. ausgewiesenen Zigarrenarbeiter Hermann Molkenbuhr als ihren Kandidaten dem konservativen Grafen von Bernstorf und dem„freisinnigen" Berling gegenübergestellt. Da vor- auszusehen ist, daß unsere Genossen eine rege Agitation entfalten, so wird man annehmen können, daß wir es am Wahltag« zu einer ziem- lichen Stimmenzahl bringen werden. Letzteres ist um so mehr nothwen- big, da die Reaktion immer kühner das Haupt erhebt und zu Hand- lungen greift, die unbedingt einer den Unwillen der Bevölkerung kund- gebenden Beantwortung bedürfen." Wir rufen den Genossen dazu ein herzliches Glückauf zu! — Die Servilität deS deutschen SclehrteuthumS hat bei dem Heidelberger Universitätsjubiläum wieder herrliche Früchte gezeitigt. Nicht zufrieden damit, vor allen den hohen und allerhöchsten Herr- schaften, welche aus Langeweile oder Popularitätssucht das Fest mit ihrer Gegenwart„beehrten", trotz Berusslakaien um die Wette zu scharwenzeln, prostituirten sich die Herren Vertreter der Wissenschaft so weit, daß den gegenwärtigen und den zukünftigen Landesfürsten von Baden um die Ehre anbettelten, sie zu Ehrendoktoren der Heidelber- ger Universität allerunterthänigst ernennen zu dürfen. Ehre, Ehre und wiederum Ehre. Je ehrloser heute eine Sache ist, um so geflissentlicher spricht man dabei von Ehre. Natürlich gaben sich der Großherzog von Baden und sein hoffnungs- voller Sprößling, die ja berufsmäßig an dergleichen gewöhnt sind, zu der Komödie her, und so ist der Vater Ehrendoktor der theologischen und der Sohn Ehrendoktor der juristischen Fakultät. Gegen Ersteres hätten wir wenig einzuwenden, wir zweifeln nicht, daß sich Friedrich von Baden hohe Verdienste um die Religion als Wissenschaft erworben hat; das bringt das Gottesgnadenthum so mit sich. Weniger leuchten uns die Verdienste des Thronerben um die Rechts- und Staatswissen- kchaft ein- es sei denn, die hohe Fakultät hätte in ihrer unergründ- lichen Weisheit die Zukunft bereits vorweggenommen und ihren Dank für die sicher eintretende Gelegenheit zu Abhandlungen über moralische Unzurechnungsfähigkeit, Vormundschaftsfragen tc. in Form der Wid- mung deS Doktorhutes abgetragen. So könnte man wenigstens mit gewissem Recht sagen: Es liegt ein tiefer Sinn im kind'schen Spiel. — Zu den von der Universität Heidelberg anläßlich ihres Jubi- läums zu Ehrendoktoren Ernannten gehört auch Herr Rudolf Bennigsen. Ob für die geniale Führung der nationalliberalen Partei in den Sumpf der Heidelbergerei, ob dafür, daß er seine Partei im Moment, wo die Sache am schiefsten ging, im Stich ließ und sich auf seine Güter zurückzog, haben wir leider nicht erfahren können. — So sicher wie die Bibel auf dem Altar sind vier Briefe an den Grundbesitzer Otto Singer aus Kraupisch. kehmen— aufgehoben. Der gute Mann, der jüngst im B a d Oynhausen in Westfalen weilte, wohin sich Genosse Paul Singer nach seiner Ausweisung gewendet, hat sie nämlich nicht erhalten. Warum hat er auch gerade so einen ausreizenden Namen? ""—"Auch neue Praxis. In Leipzig sind am 7. August 1K Genossen, welche am 27. Juni bei Verbreitung eines Flugblattes über die Erneuerung des kleinen Belagerungszustandes und die Ausweisung zweier Arbeiter abgefaßt wurden, wegen Beleidigung der Leipziger Polizei zu je zwei Monaten Gefängniß, ein weiterer gar zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt worden— d. h. da das Flugblatt zur Zeit der Verbreitung noch nicht verboten war, machte man sie für den Inhalt verantwortlich. Wie kann man eS auch wagen, die Behörden zu tadeln! Loben soll man sie und Gott dem Herrn danken, daß man sie hat. So ziemt es sich für den deutschen Musterbürger. — k. Eine Doppelhinrichtung fand am 4. Aug. in Münch?» statt. Der neugebackene Prinzregent ließ die Guillotine arbeiten, um einen Beweis seiner wahrhaft christlichen Gesinnung zu geben. Wir ver- abscheuen gewiß den Mord aus niedrigen Motiven, aber so raffinirt niederträchtig handelt doch der gemeinste Raubmörder nicht, wie der Staat dies„von Rechtswegen" thut. Wie das Raubthier seine lebend erreichte Beute nicht sofort tödtet, sondern so lange ängstigt, bis der hervortretend- Todesschweiß dem Opfer den„baut xoiU" verleiht, so wird der zum Tod V-rurtheilte drei Tage lang der Todesangst ausge- setzt, bis er, gebrochen an Geist und Körper, ein willenloses Wesen, zum Fallbeil geschleppt wird. Daß die Pfaffen dabei nicht fehlen, ist selbst« verständlich. Diesmal gehörten von den Delinquenten einer der„allein- seligmachenden", der andere der„protestantischen" Kirche an, und so drückten ein Kapuzinerpater und ein„Diener des reinen Worts" diesem Barbarismus den Stempel religiöser Weihe auf. Einige Zeitungen be- richteten, der Scharsrichter Kißlinger sei nach der ersten Abschlachtung „sehr ergriffen" gewesen— das wäre noch das einzige erbauliche Wo- ment. Die Obduktion der Leichen ergab, daß das eine Schlachtopser ein zu kleines Gehirn— zirka 300 Gramm unter dem Mittel—. das an- der« ein Normalgehirn von zirka 1500 Gramm Gewicht hatte. Der Schlächter der Beiden— Prinzregent Luitpold, königliche Hoheit— ist derweilen auf die Jagd gefahren. Das Morden ist ein königlich Ver- gnügen!— lieber die Hinrichtung des einen der Verurtheilten, des nahezu kvjährigen Raubmörders Stich schreibt der„Bayer. Kur.": „Die Kapuziner zogen ihn sanft vom Stuhle empor und nahmen ihm das Kruzifix aus der bebenden Hand, während ihm die zwei Gehilsen den schwarzen Halskragen abnahmen, den Nacken entblößten, eine Binde vor die Augen legten und die Hände auf den Rücken schnürten. In diesem Augenblick begann das Zügenglöcklein zu wimmern. Da knickte Stich zusammen. Die zwei Gehilfen mußten ihn unter den Armen fassen und über die drei Stufen hinauf in den Gang tragen, der auS dem inner» Hof« hinaus unmittelbar an das Schaffst führt. Auf diesem kam Stich völlig gebrochen an. Er hatte nicht mehr die Kraft, die Gebets- worte nachzusprechen, die ihm die inzwischen auf ihre Kniee niedergesun- kenen Kapuziner vorsagten. Ans Fallbrett hingeschleppt, vermochte der arme Sünder nicht einmal den Kopf mehr so weit zu erheben, daß er in die richtige Lage gebracht wurde; er mußte daher langsam unter das Fallbeil geschoben werden." Eine bessere Verurtheilung der Todesstrafe, bemerkt zu diesem Bericht die„Frankfurter Zeitung", ist undenkbar. Stimmt, wenigstens für Leute, welche den in der Aera Bismarck obli- gatorischen Grad von Brutalität noch nicht erworben. Was ein echter Bürger des Bismarck'schen Reiches deutscher Nation sein will, der darf aus dem Bericht nichts herauslesen als die erfreuliche Thatsache, daß die Todesstrafe auf viele Leute doch noch einen„heilsamen Schreck" ausübt. — Was Energie«nd Ausdauer vermöge«, hat sich vor einiger Zeit in Wien gezeigt. Wir lesen darüber in unserem wackeren Bruder- organ, dem Brünner„Volksfreund": „Lange tobte der stille Kampf zwischen den Wiener Genossenschaften und der Regierung bezüglich der Statuten. Diese wurden eingereicht, von der Behörde unbestätigt zurückgewiesen, worauf der Gehilfenausschuß seine Mandate niederlegte; die Regierung mußte eine neue Wahl aus- schreiben, aus welcher der alte Ausschuß abermals hervorging, der die alten Statuten wieder einreichte, welche von der Statthalterei von Neuem zurückgewiesen wurden. So ging das Spiel fort; die Arbeiter sagten sich:„wir können warten; wollen sehen, wer's länger aushält." Da wurden eines schönen Tages die Gehilfenobmänner jener Genossenschaf- ten, die konsequent und unermüdet den Kampf geführt hatten, aus den Magistrat berufen, woselbst ihnen eröffnet wurde, daß sie nur ihre Sta- tuten einreichen sollten, da nunmehr den Wünschen der Gehilfen ent- sprachen werden sollte, obgleich es eigentlich„eine Caprice" der Gehilfen sei, so starr auf ihren Forderungen zu bestehen. Nun, diese Caprice hat ihre Früchte getragen. Hätten alle Genossenschaften so einmüthig und konsequent ihre Sache verfochten, wäre der Sieg noch früher und reicher eingetreten. Die Organisation jener einzelnen Genossenschaften aber hat ihre Wirkung nicht verfehlt, sie hat ihre Schuldigkeit gethan." Zum Verständniß des Streitobjekts bemerken wir, daß die Statuten deshalb nicht genehmigt worden waren, weil sich laut denselben die(Ge- Hilfen-) Genossenschaften— was ihnen im sonst äußerst reaktionären öfter- reichischen Genossenschaftsgesetz ausdrücklich zugesprochen ist— die Be- schäftigung mit der Regelung der Lohn-, Arbeitszeit- tc. Frage vorbe- halten. Die„Caprice"(Laune) war also sehr am Platze. — r Demokrätzige Fartcatcherei. In der demokratischen „Frankfurter Zeitung" des Herrn Sonnemann vom 31. Juli findet sich folgende fettgedruckte„Privatdepesche": „Nürnberg, 31. Juli 5 Uhr 20 Min. Fürst Bismarck, der heute unsere Stadt passirte, sah wunderbar frisch und heiter aus. Während eines halbstündigen Aufenthalts blieb er im Waggon. Das zahlreich zusammengeströmte Publikum begrüßte denFürsten l e b h a f t." Und wie befanden Sich Seine Exzellenz der Reichshund, liebe Frankfurterin? Geruhten Seine reichshundliche und reichshündische Ex- zellenz auch,„wunderbar frisch und heiter" auszusehen und im Waggon zu verbleiben? Welcher Art das zusammengeströmte Publikum war, das den Besitzer des Reichshundes„lebhaft begrüßte", kann man sich denken. Jedenfalls gehörte der Autor des Frankfurter Zeitungs-Telegramms dazu. Uebrigens war der Perron abgesperrt, und außer den 23 Spitzeln, die mit Bismarck und Seinem Tyras zu reisen pflegen, waren nur Empfänger von Eintrittskarten zugegen. — AuS Amerika. Chicago, 20. Juli. Die Redaktion des „Sozialdemokrat" dürfte einem alten Freunde wohl Aufnahme einer Korrespondenz aus dem fernen Westen gestatten, umsomehr, da wir hier gerade unter dem Eindruck sensationeller Ereignisse uns befinden. Wir haben soeben eine Achtstundenbewegung hinter uns, welche zu einer der großartigsten Erhebungen der versklavten Masse gehört, die bisher stattgefunden, und dennoch nur mit den ersten Tönen eines Liedes zu vergleichen ist, das von einem Männerchor angestimmt wird. Wie wird dies Lied erst brausen, wenn der grandiose Chor im Verlauf der Dinge seiner Einheit, seiner Macht und Schulung sich bewußt wird und der tieferen Bruststimme freien Lauf, sie frisch und ohne jeden Rückhalt ausströmen läßt?! Der I. Mai ist bald drei Monate hinter uns, und das Schiffchen der Bewegung geht momentan im Wogenstrom wieder abwärts. Eine ziemliche Anzahl von einzelnen Fabrikanten und Konsortien von Fabrikanten, die im ersten Anlaufe das Zuge- ständniß achtstündiger Arbeit gemacht hatten, ziehen jetzt rückwärts und zwingen ihre Arbeiter, welche durch die vorhergegangenen Kämpfe mehr oder minder Geld und Streitlust verloren haben, wiederum, wie vormals» zehnstündig zu schaffen. Indessen ist doch noch Manchem und sogar einzelnen ganzen Gewerk« schaften der achtstündige Arbeitstag als Erfolg verblieben; für all« aber die vertiefte Kluft zwischen der herrschenden und der ausgebeuteten Klasse. Nun zur Hauptsache: das ist der schwebende und tagende Anarchisten- Prozeß oder viemehr der Chicagoer Anarchismus. Wohl ist die allgemeine Arbeiter- und die spezielle Achtstunden-Bewegung mehr Hauptsache als die hiesigen Anarchisten; jedoch in der relativen Weise, in der wir Menschenkinder nun einmal sprechen müssen, wo Haupt- und Nebensache sich je nach Zeit„und Ort relativ verhält, steht diesmal in Chicago der Prozeß und der Anarchismus im Vordergrund. Wie hier am 1. Mai Abends eine Bombe unter die Polizisten ge« warfen, 7 davon getödtet und 26 verwundet wurden, daraufhin am andern Morgen die Redaktion der„Arbeiterzeitung" nebst vielen ande- ren Anarchisten verhaftet wurden und jetzt acht der Verhafteten unter Anklage des Mordes vor Gericht gestellt sind, drei Wochen lang an den Geschwornen ausgewählt worden ist, endlich die Verhandlungen begonnen haben und es immer noch wochenlang dauern kann, bevor das Resultat erfolgt— das will ich nur flüchtig erwähnen. Von dem, was geschehen ist und nächstens geschehen wird, bringen ja die Tagesblätter immer schnellere und genauere Kunde, als ich es vermöchte. Dagegen glaube ich den Freunden im alten Vaterlande und hierherrückwirkend auch den Freunden in Amerika durch eine Darstellung der eigenthümlichen Be- schaffenheit des Chicagoer Anarchismus mich in etwas nützlich erweisen zu können. Die deutsch-amerikanischen Anarchisten sind sozusagen eine Gründung des nunmehr von der Reaktion übermäßig bestraften Johann Most. Dieser Most gehörte bekannter- und anerkanntermaßen früher der deut« schen Sozialdemokratie an. Was ihn später in Gegensatz zu unserer Partei gebracht, sind Persönlichkeiten, die wenig interessiren. Das einzig Bemerkenswerthe ist, daß es eben Persönlichkeiten waren, die den Johann Most seinerzeit so verbitterten, daß er sich zu seinen alten Ge- »offen in Gegensatz stellte. Er wollte revolutionärer sein als die Revo- lutionäre. In dieser Stimmung machte er in den Ver. Staaten, auf dem günstigsten Boden der Sektirerei, Propaganda für seine Sekte, die er„Anarchisten" nannte. Dieser Most'sche Anarchismus hat mit dem romanischen, der sich an P r o u d h o n und B a k u n i n anlehnt, auch hin und wieder unter den Amerikanern englischer Zunge spuckt,- den Namen gemein und die leidige Beschränktheit, unter den Mitteln zurFörderung der sozialistischenZu- kunst ausschließlich die Gewalt und die gewaltige u Worte zu pflegen. Alle diejenigen, denen mit dieser Skizze des Chicagoer Anarchismus zu viel oder zu wenig gesagt ist, bitte ich, zu erwägen, daß mit dem Namen Anarchismus sowohl als Sozialismus eine sehr mannigfaltige Sammlung verschiedenster Gruppen und Personen gegeben sind, die exakt mit Worten zu zeichnen, eine perfekte Unmöglichkeit ist. Ich hebe die anarchistische Gewaltseinseitigkeit hervor, in- dem ich zugleich erkläre, daß dies ausschließliche Steifen auf Gewalt und Gewaltsmittel mehr«ine vergangene Tradition als das treibende Element der heutigen Anarchisten Chicago' s ist. Gegenwärtig nennen sich die deutschen Anhänger der proletarischen Sache hierorts Anarchisten, weil unter diesem Titel bisher marschirt worden ist und sie es nicht der Mühe werth finden, sich an irgend einem Namen zu stoßen. Es gibt aber noch ein halbes Hundert, die daran Anstoß nehmen, die unter sich wiederum gespalten sind, und wovon em Theil den Titel: Sektion der „Sozialistische Arbeiter-Partei" und ein anderer Theil gar keinen Titel führt. ! Kurz vor der gefallenen Bombe hat mein„Privat-Schicksal" mir Chicago für einstweilen als Wohnort angewiesen. Ich hatte vorher in New�Dork gelebt und dort die„Sozialistische Arbeiter-Partei" kennen gelernt. Wie ich hier einzelne Genossen finde, deren Gesinnung nach anarchistischer Einseitigkeit hinneigt, so fand ich unter den Newyorker Sozialisten mehrere sanfte Heinriche von solch' kleinbürgerlicher Befangen- heit, daß sie nach meiner unmaßgeblichen Meinung verdient hätten, mit Entziehung deS sozialistischen Titels bestraft zu werden. Zur Erhaltung des lieben Friedens habe ich Abstand genommen, an einen ähnlichen Antrag auch nur zu denken. Ebensowenig soll es mir in Chicago ein- fallen, soviel Anstoß an der Extravaganz einzelner Anarchisten zu neh- men, daß ich deshalb der großen Maffe gutwilliger und verständiger Genoffen zumuthen möchte, ihren Titel zu ändern. Es ist ein wahres Leiden so vieler braver und guter Streiter der Arbeitersache, daß sie sich in solche Nebensächlichkeiten so gern verbeißen und dabei die Hauptsache, die Beschränkung auf die allgemein anerkann- t-n und wiffenschaftlich feststehenden Punkte, versäumen. Es fehlt gar sehr an der rechten Toleranz für den Freund und ebensosehr an der nöthigen Intoleranz für den Feind. Die Chicagoer Anarchisten find in ihrem Thun und Denken ganz dieselben wohlgesinnten, strebsamen Ar- beiler wie auch die Newyorker Sozialisten, mit dem Unterschied vielleicht, daß hier einige heißblütige Temperamente die angesehensten und belieb- testen Genossen sind, während dort extravagante Friedensmichel sich durch andere lobenswerthe Eigenschaften ein verdientes Ansehen erworben haben. Ich habe geglaubt, dieser Sachverhalt dürfe mich nicht abhalten, in Chicago unter den Anarchisten ebenso gut mein Licht leuchten zu lassen, als in Newyork unter den Sozialisten. Die Differenz ist merklich am Schwinden, und wenn nächstens eine große politische Partei der ameri- konischen Arbeiter sich aufthut, verschwindet der ganze deutsch-amerika- nische Krakehl wie Schnee vor der Sonne. Hinter dem Namen Anarchist und Sozialist versteckt sich so etwas das Thema vom Individualismus und Kommunismus, von der Spezialität und Generalität, ein recht schwieriges und dunkles Thema, das aber gerade deswegen der Besprechung bedarf, und dessen Ausklärung gerade für die sozialistischen Arbeiter von großer Bedeutung ist. Ich werde, wenn erlaubt, in einer nächsten Korrespondenz mehr davon zu erzählen haben. Diesmal schließe ich mit der Versicherung an meine Freunde, daß der„Anarchismus", dem ich hier diene, mir nur zur Gelegenheit dient, im Sozialismus der Alte zu bleiben. I. D i e tz g e n. Wir glauben, um keine Mißverständnisse über unfern eigenen Stand- punkt in dieser Frage aufkommen zu lassen, den Aussührungen Freund Dietzgens eimge Worte anfügen zu müssen. Wir sind mit Dietzgen vollständig einverstanden, daß man Namen keine übergroße Bedeutung beilegen, sich durch sie in seinem sachlichen Urtheil nicht beirren lassen soll, doch halten wir es sür zu weit gegangen, sie als politisch ganz bedeutungslos zu behandeln. Dem Privatmann steht es frei, sich unter den verschiedenen Bezeichnungen das zu denken, was ihm beliebt, der Politiker ist an den Sinn gebunden, den sie historisch erlangt haben. Thut er das nicht, so läuft er Gefahd, arge Verwirrung zu stisten. So hat das Wort Anarchist heute einen ganz bestimmten Sinn erhalten, ist es mit einer bestimmten Auffassung des Ziels, der Kampf- weise rc. verbunden, und bei aller Toleranz gegen Andersdenkende hal- ten wir es für nützlicher, das recht deutlich hervorzuheben, als es zu verwischen oder zu ignoriren. Das Bewußtsein des prinzipiellen Gegen- satzes schließt die Toleranz nicht aus, man kann beides gleichzeitig pfle- gen, wie gerade Dietzgen durch sein Verhalten beweist. Aber nicht alle Menschen sind Dietzgens oder so weit im Denken wie Dietzgen, und darum ist es doch wohl besser, man hält die Unterschiede recht deutlich auseinander, damit jeder sie erkennen und danach handeln lernt. Aufruf. An alle Freunde und Gesinnungsgenosse« richte ich die dringende Bitte, alle Kritiken in- oder aus l'ändischer Zeitungen über das famose Urtheil im bekannten Freiberger Prozeß unter Kreuzband an meine Adresse, Planen-DrcSden, senden zu wollen. Zürich, den 9. August 188K. A. Bebel. Korrespondenzen. Berlin, 4. August. Die gemein- Kampfesweise der Gegner, sowie die herrschende Denunziationswuth und Polizeibüttelei wird durch nach- folgendes Beispiel wieder ziemlich deutlich gekennzeichnet. Der Maschinenbauer G. I. wurde am 31. Juli von der bekannten Firma W. Spindler hier aus deren Fabrik in Spindlersfeld bei Köpenick entlassen, weil man erfahren hatte, daß betreffender Arbeiter ein S o z i a l- d e m o k r a t und kürzlich aus Leipzig ausgewiesen sei. Derselbe hatte nicht die geringste Agitation dort entfaltet oder sich sonst etwas zu Schulden kommen lassen, vielmehr heißt es im Abgangsschein wörtlich: .Derselbe hat sich während dieser Zeit gut geführt und waren seine Arbeiten zufriedenstellend." Der Geschästsführer der Firma erklärte direkt, daß man derartige Leute prinzipiell nicht in dem Etablissement dulde. Mitg-theilt war die„Staatsgefährlichkeit" des betreffenden G. I. der Firma von der Köpenicker Behörde, der es wieder vom Leipziger Polizeiamt gemeldet war. Hauptsozialistenfresser der Firma ist der I n g e n i e u r H i n z, der auch die Entlassung des Betreffenden veranlaßt hat, stets freundlich gegen die Arbeiter ist, um so besser horchen zu können und durch De- nunziationen seine Stellung zu sichern. Er sei der allgemeinsten Hoch- achtung empfohlen. Sprcmberg, 19. Juli.(Etwas aus einem belagerten P r o v i n z st ä d t ch e n.) Das Singen der jungen Leute, welches das Signal zu der so berühmt gewordenen„Revolution von Spremberg" gab. hat bekanntlich in ganz Deutschland die Puttkämerlinge sehr ver- schnupft. Leider müssen wir den Verdruß der Braven noch steigern. Die ganze Schuljugend singt jetzt hier das umstürzlerische:„Wohlan, wer Recht und Wahrheit achtet." Woran mag das wohl lie- gen? Der General-Superintendent Dr. Braun und der Vize-Superinten- dent aus L ü b b a n waren doch hier und hatten die Schulen revidirt, um zu sehen, ob auch hier„die Religion dem Volke- rhal- t e n" ist. Der hiesige Ortspfarrer hat nun neulich etwas aus der Schule geplappert. Es handelte sich um Ausstellung eines Taufschein« behufs Verheirathung, und da der betreffende Heirathskandidat von einer kirch- lichen Trauung leider absolut nichts wissen wollte, meinte der Herr Pfarrer, nachdem er sich vergebens bemüht, den Verstockten zur Kirche zurückzurufen, daß er wahrscheinlich vomMagistrat dazu gezwungen werden würde. Der Herr General-Superintendent hätte es sehr bedauert, daß Spremberg in der Religion so tief gesunken ist und habe angeordnet, daß die Religionsgesetze hier streng gehandhabt werden sollen. Möchten, wie es scheint, am liebsten wieder Scheiterhaufen ausrichten. Nur zu, ihr Nachtvögel! �. Die Bewachung der Stadt ist um zwei Gensdarmen bereichert worden. so daß wir nun fünf solcher Kerl- hier haben. Dazu vier Polizei-Ser- aeanten' Die Kerle lausen herum und wissen faktisch nicht, was sie machen sollen. Die Lokale, in welchen Arbeiter verkehren, werben streng bewacht. Alle Sonnabend und Sonntag sitzt man neben solchen„Leuten " M-�wir fräber"(hon berichteten, sind hier fünf Arbeiter wegen V-r- breitung verbotener Schriften angeklagt; mehrere Haussuchungen haben noch stattgefunden, alles wird auf Konto von K r e i l und Genossen gesetzt. Den Verhören nach zu urtheilen, will man hier ein so ähnliches Dina wie in München herausfinden, was aber b,s jetzt noch nicht ge- lungen ist. Di- Genossen sind hier wirklich nicht so dumm, wie die Polizei— glaubt..,,„. Die angeklagten 40 Auftührer, welche eingesperrt waren, sind zum Theil bereits wieder entlassen. Aus der ganzen Geschichte wird wohl nicht viel Gescheidtes werden. Die Zahl 40 wird aus ein sehr kleines Häuflein zusammenschmelzen. Bemerkenswerth ist, daß der Untersuchungs- richter zu einzelnen jungen Leuten sagte:„Solche jungen Leute wollten Politik treiben und der Stadt Vorschriften machen?" Gräßliches Ver- brechen, das den Staat in allen seinen Grundvesten erschüttert. Unsere greisenhafte Gesellschaft verträgt in der That nichts weniger als die Sprache der Jugend. Bayreuth, im Juli. Auch bei uns macht die Arbeiterbewegung er- freuliche Fortschritte. Vom Abhalten einer öffentlichen Versammlung mußten wir allerdings bisher abstehen, da nach dem Grundsatze„Brutale Gewalt geht vor Recht" jede angemeldete Versammlung von der Be- Hörde im Voraus verboten wurde; an persönlicher Agitation lassen wir es jedoch nicht fehlen. Der Regierungspräsident von Oöerfranken, v. B u r ch t o r f f, unter dessen Aegide als MünchnerPolizeidirektor die„berühmten" nackten Bälle im Wittelsbacher Palais stattfanden, ein abgefeimter Polizeifuchs in des Wortes gemeinster Bedeutung, hat eine Weisung an sämmtliche Magistrate und Bezirksämter des Kreises ergehen lassen, daß das Sozialistengesetz mit äußerster Schärfe gehandhabt werden soll. Es ist deshalb nicht zu verwundern, wenn namentlich der Magistrat der Kreishauptstadt Bayreuth in dieser Beziehung sein Möglichstes thut und eifrigst den Arbeitern seine Macht fühlen läßt. Sind doch zu diesem Zwecke dortselbst recht würdige Hausknechte angestellt, wie man sie so bald nicht schöner zusammenfinden dürfte. Da ist vor Allem ein gewisser Rechtsrath Schützinger, in Arbeiterkreisen unter dem Namen „Lümmelmeyer" bekannt, der an Grobheiten und Flegeleien Arbeitern gegenüber schon Erhebliches geleistet hat, während er sich nach oben und bei den Gemeindebevollmächtigten in schwänzelnder Unterwürfigkeit ein- zuschmeicheln sucht, auf daß er nach Ablauf seines dreijährigen Provi- soriums auch ja definitiv gewählt werde. Ihm zur Seite steht sein Schiidknavpe oder Hofnarr, der Rottmeister Wunderlich, eine so interessante Figur, daß es sich wohl verlohnen dürfte, etwas länger bei ihm zu verweilen. Sein schiefwinkeliger ab- normer Schädel, sein roßhaariger Kopfschmuck, sein vergarbter Stoppel- bart, sowie seine langen Ohren geben ihm das Aussehen sinsS besonders beachtenswerthen-G— enies. In seiner frühen Jugend widmete sich Wun- derlich der ehrsamen Beschäftigung des Gänsehütens, da er aber hierbei keine Gelegenheit fand, seine phänomenale Begabung zu entfalten, so ging er zur Polizei, und dort lächelte ihm der Glücksstern holdseliger, denn er brachte es zum zweiten Rottmeister. Von dieser Zeit an bemäch- tigte sich seiner ein ungeheurer Stolz: mit dem langen Schleppsäbel ein« Hermarschiren, das kann sich nicht jedes Menschenkind bieten. In Bay- reuth hat er allgemein den Spitznamen„Schleppsäbel". Wenn er sozia- listischen Arbeitern, die ihm bekannt find, begegnet, geht er direkt auf sie zu; er glaubt wahrscheinlich, dieselben fürchten sich vor ihm, was er sich ja nicht einzubilden braucht. Bei Ausflügen, bei Leichenbegängnissen von Arbeitern, bei Fachvereinsversammlungen— überall ist die wichtige Figur des„Schleppsäbels" vertreten. In Werkstätten zieht dieses Sub- jekt Erkundigungen ein, was für Zeitungen die Arbeiter lesen, und sucht sie dann— natürlich möglichst tölpelhaft— bei ihrem Meister zu ver- leumden. Die eigentliche Polizeimannschaft ist ebenfalls größtentheils korrum- pirt, schon ihrer Zusammensetzung nach. Ausrangirte, davongejagte Unteroffiziere und sonstige Vagabunden, die nichts gelernt haben, auf Grund dessen sie sich redlich ernähren könnten, sind hier in ziemlicher Anzahl vorhanden. Unser Reichstagsabgeordneter F e u st e l, der nationalliberalen Partei angehörig, ist ein schofler Emporkömmling, der sich selbstverständlich über das moderne polizeiliche Willkürregiment unbändig sreut, was sein leb- hastes Eintreten für das Sozialistengesetz beweist. ES ist dies der außer- eheliche Sohn einer Wäscherin, der nicht einmal weiß, wer sein Vater gewesen ist, also eigentlich nach Abkunft eher tolerante Neigungen haben sollte; er hat sich durch Gründungs- und Börsenspekulationen sowie durch sonstige einträgliche Geschäftspraktiken zum Erzausbeuter und Unterdrücker des arbeitenden Volkes emporge— arbeitet. Sein Freund, der Fabrikpascha K o l b, hat gleichfalls auf Kosten seiner armen Arbeiter, die er in verschiedenen Redensarten schon mit Thieren auf gleiche Stufe stellte, sein Schaf im Trockenen. So ungefähr sieht es mit den Stützen der„Ordnung" hier aus. Doch kehren wir noch einmal zu dem Eingangs erwähnten Regierungs- Präsidenten v. Burchtorff zurück. Was das für ein liebenswürdiges Herrchen sein muß, erhellt schon daraus, daß der deutschfreisinnige Ab- geordnete Regierungsrath Dr. Papellier zu wiederholten Malen Stänkereien von seiner Seite ausgesetzt war, so daß er sich veranlaßt sah, beim Ministerium über den Präsidenten Beschwerde zu führen, die schließlich von Erfolg war. Den Sozialdemokraten gegenüber ist der Patron natürlich noch viel ingrimmiger, und es schwillt ihm schon der Kamm, wenn er nur von ihnen reden hört. Aber— rufen wir ihm und seinen Mitstrolchen zu— das schreibt Euch hinter die Ohren: jeder polizeiliche Willkürakt ist für uns ein Sporn zu weiterer unermüd- licher Agitation und führt der Arbeitersache zahlreiche neue An- Hänger und Freunde zu. Also fahrt getrost fort mit Euren elenden Chi- kanen; Ihr werdet bald genug finden, wie erfolgreich, wie emsig Ihr für unS gearbeitet habt! Die goldenen Früchte Euerer Saat werden wir einheimsen. Hoch die Sozialdemokratie! Die rothen Bayreuther. — Wir erhalten die nachstehende Zuschrift mit der Bitte um Ver- öffentlichung: „Bus der am Montag, den 2. August, abgehaltenen sechsten Jahres- konferenz der Sozialdemokratischen Federation wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die sechste Jahreskonferenz der Sozialdemokratischen Federation, als Vertreterin der revolutionären sozialdemokratischen Partei in Großbritan- nien, sendet den sozialdemokratischen Genossen in Deutschland, Frank- reich, Belgien, Holland, Dänemark, Schweden, Oesterreich, Spanien, Italien und den Vereinigten Staaten ihre besten Grüße, sie versichert sie ihrer Sympathie mit allen Denen, welche in den verschiedenen Län- dern Verfolgungen für die gerechte Sache erleiden, sie beglückwünscht sie zu dem starken Wachsthum der Partei in allen Ländern und freut sich mit den Lohnarbeitern aller Nationen auf das sichtbare Nahen einer zweck- und zielbewußten internationalen sozialen Revolution. London, im August 188K. H. W. Le e, Sekretär." Sprechsaal. Aus Magdeburg erhalten wir zur Veröffentlichung im„Sozial- Demokrat" folgende, mit 02 Unterschristen versehene �Erklärung. „Wir erklären heute(und zwar zum vierten Male), daß wir mit Herrn Karl Tchneidt hier durchaus nichts gemein haben, am allerwenigsten aber seine Parteifreunde sin d." Der Einsender bemerkt dazu in einer Schlußnote:„Vier der Mit- unterzeichneten und zwei nicht Unterzeichnete pflegen mit Schneidt zwar Umgang, haben aber im Prinzip nichtsmit ihm gemein und sind als gute Genoffen bekannt." Magdeburg, Anfang August 1886. Die Beauftragten. Ludwig Hcuberger, Steindrucker und Korbmacher aus Degenau in Baden, zuletzt Gastwirth und Reporter in Basel, hat sich mittelst einer gefälschten Parteikarte bei uns eingeführt und darauf- hin bei Genossen Unterstützung erschwindelt. Er wurde deshalb von den Unterzeichneten ausgeschlossen und ergeht zur Verhütung von weiteren Mißbräuchen diese öffentliche Be- kanntgabe. Lausanne, 3. August 1886. Der Allgemeine Arbeiter-Verein und Die Sozialdemokratische Mitgliedschaft. Xö. Hellberger bekleidete bis vor zwei Jahren mehrfache Ver« trauensstellungen in Basel, auf die er sich gerne beruft, um Ver- trauen zu erwecken. Seinem Busschluß in Basel kam er damals nur durch„freiwillige" Austrittserklärung zuvor. Seine Ein- führung in Lausanne mit gefälschter Parteikarte spricht für| alles Weitere. toetbi tzoftt rnd eutge v Briefkasten der Redaktion: Einsendungen rc. sind eingetroffen aus Brom- berg, Hamburg(konnte nur zum Theil noch für diese Nummer benutzt werden, da Dienstags Redaktionsschluß), München.— C. S. in A.: Karte und Brief erhalten. Werden nach Ihrem Wunsche ver- fahren.— Fr. 2 v».- «. 1. Kr. 2 Po 8. nach Nati ftaot Gew der Expedition: K. L. Dzg.: Mk. 295 f. Schst. erh. Bstllg. ic. abg.— H. S. I.: Mk. 20—& Cto Ab. und Schst. erh. Bstllg. fort. Aufstllg. stimmt.— Von Jnterlaken Fr. 1 10 f. Schft. erh. Fr. 1 SV f. d. streikenden Schlosser dkv. abgel. Weiteres geordnet.— Hbr. am Neckar: Ein recht nettes Dr— uckerzeugniß dieser„Deutsche B ü r> g e r f r e u n d" aus Eßlingen. Lesen Sie den mit Nase-Zuhalten? Dank trotz alledem.— Commerzienrath jr.: Mk. 3— Ab. 3. Qu. erh. F. besorgt. Mit 32 Weiteres.— Rothfärber: Mk. 5— Ab. 3. Qu. S. erh. Beil. nach Vorschr. verw.— Barmen: Mk. 10— von einem Ge- «offen pr. Ufd. dkd. erh.— E. Gsky. St. Paul: Fr. 5 05 Ab. 3. und 4. Qu. erh.— X 3 V.: Mk. 30— ä Cto. Ab. rc. erh. Bf. erw.-- Der rothe Hohenzoller: Fr. 2— pr. Agfd. dkd. verw.— Dr. H. Q Stkhlm.: Fr. 2 50 Ab. 3. Qu. erh.— X. S. Hsl.: Mk. 3— Ab. Aug Sept. Okt. erh.— B. L. Lpg.: Mk.— 40 Ab.-Rest 3. Qu. erh. Mi» dem angeblich„Geschriebenen" irren Sie sich.— I. M. Riesbach: Fr. 2— Ab. 8. Qu., erh.— Unverbesserlicher: Mk. 6 60 Ab. 3. Qu. Ble. und Schft. I. erh. Wefteres bfl.— Waldemar D.: Mk. 58 61 ä Ct». Ab.:c. erh. Bf. erwartet.— Bbg. Zeugengebühr: Mk. 2 50 pr. Wfd. dkd. erh.— Schwalbe: Mk. 6— Ab. pr. Juni erh. Qftg. in Nr. 2l gilt pr. Mai. Adressen nottrt.— Ahasverus: Gewünschtes folgt. Beil! tztofc besorgt. Na und ob!— E. W. Rio de Janeiro: P.-K. und Bf. vom- 15/7 erh. Letzteren 3 Tage später als K. Beides kreuzte mit unsere« i Bf. v. 8/7. Bstllg. ic. folgt.— Mercurius: Ausstllg. des Laufende am 9/8. pr. P. K. durch M. berichtet. Warum keinen Ers. u. Antw. a« unsere Anfrage vom 17/5?!— Dr. K. Bpsst: Bstllg. v. 6/8. folgt Grüße!— W. Adfhr. Baltimore: Betr. S. einverstanden. Jnzwische Dank für Besorgung— Rother Voigtländer: Mehrbstllg. u. Nachlfp j,;" w. fort. Liegt nicht an uns.— Rother Apostel: Bf. v. 8/8. erh. um inhaltl. notifizirt bis auf Weiteres. Gut. Betreffende Fdszhlg. bekam» Qttg. später. Bfl. mehr. Mk. 92 20 pr. Ggrchg. gutgebr.'— Verrin« Mk. 500- h Cto. Ab. ic. pr. Frd. u. Mk. 4 30 Ab. 3. Qu. K. er Weiteres nach Wunsch besorgt. Bstllg. folgt.— Schwöb. Heiland: M 14 40 Ab. 2. Qu. erh.— A. Pf. Ff.: Mk. 3 80 Ab. 3. u. 4. Qu. ers Mk. 1 20 pr. Ufd. dkd. verw.— H. Pfr. Bln.: Mk. 3— Ab. pr. Qu. am 10/8. retourgesandt.— P. a. a. a.: Fr. 13 45 pr. Ab.! Qu. S. u. 2. u. 3. Qu. A. erh. Er». 31 ic. am 10/8. ab. Sie Hab« nun Fr. 1 55 pr. 3. Qu. S. zu gut.— W. Eberhdt. Charleston: D« Buch ging pr. s-bd. am 29/5. ab. Am 10/8. Ersatz eingeschrieben foä — Stadtrath: Mk. 8— pr. Afd. dkd. verw. u. Mk. 8— ä Cto. g« gebracht. Weiteres nach Vorschrift. S. Anlangendes unbekannt seit 18.— La Billette Paris: Bstllg. ic. folgt. Weiteres nottrt. Quttg. d Fr. 30— an anderer Stelle.— Dr. Clemm: Zur Ansicht unr gli Müssen Derartiges selbst gegen Baar fest kaufen. Näheres bfl. de«» nächst. Mk. 6 20 pr. Ggrchg. gutgear.— Bruno: Adr. und Bstllg. 1 Bf. v. 8/8. nottrt.— Rother Oberhesse: Adr. eingetr. Alles unterweF Katalog folgt.— Der alte Rothe: Mitthlg. erh. Auftr. ic. besorgt.' Clara: Auszg. fte mit Bf. v. 6/8.— Rother Blutfink: Nachr. b«� B. dkd. erh. u. beachtet. Bs. von da auch erh.— Pestbeule: Mit- Alles fort.— Hannibal: Mk. 6 50 pr. Ggrchg. gebucht. Adr. ic. nottf Erfragtes kreuzte mit Bf. v. 4/8. Benützte Adr. stets gut.— Jürgel« Liegt an Zwischenhand. Bstllg. nottrt. Größere Zahlung unerläß lich, sonst Sperre unabwendbar.— I. H.: Mk. 100— ä Cto Ab. nf). Bch. ist bereits fertig. Bf. folgt. Weiteres besorgt.— Mauerbrech« e Mk. 3612 ä Cto. Ab. 2. Qu. und pr. 1 dir. Ab. 3. Qu. erh. 33 Jus Weiteres.— jjj� Zum icrzi igu �0* gleiii land und Bo, Und klasss Just T ten preu Bru biete trach und T Gl »uf �UNch � Samstag, den 14. August, Abends 8'/, Uhi�. Cafe Mutter(früher„Weißes Rößli") an der Schi lande, 1. Stock: Hesiestttch« Ansammlung der deutsche« Sozialisten Tagesordnung: Die bürgerlichen Gerichte gegenüber der ArbeiterbeweguSi Referent: Bgr. Fischer. Zu zahlreichem Erscheinen ladet freundlichst ein Der Lokalausschuß- Jedermann hat Zutritt. Paris Vom I.August an befindet sich das Lot desArbeiter-Nnterstützungsveren Nr. 2 nie d'Allernagne, Ecke Blvd. Villette. Der Schriftführer Soeben erschien und ist durch uns zu beziehen: Sozialdemokratische Bibliothek. Amt auf noto Den Gest "Uni enbf tcr, Gest Und Und Nge, ln Zh metf gade unin der habe Fre Heft VIII.: Der todte Schulze gegen den lebenden Lafia� �iß Preis: 40 Pfg.— 50 Cts. lre Ferner sind bis jetzt erschienen Ein Beit>s Ülar Heft I. Heft n. Gesellschaftliches«ud Privateigenthum. zur Erläuterung des sozialistischen Programms. Preis 20 Pfg.=- 25 Cts. Karl Marx vor den Kölner Geschwornen. Prozeß den Ausschuß der rheinischen Demokraten wegen Aus zum bewaffneten Widerstand. Preis 20 Pfg.— 25 Cts. H-ftm. Die Ankunft der Sozialdemokratie. Von I. Dietzg' Mt einem Vorwort und Nachttag. Preis: 15 Pfg.— 15 Cts. Heft IV. Enthüllungen über den Kommunisten» Prozei Köln. Von Karl Marx.(Mt einem Vorwort Fr. Engels:„Zur Geschichte des„Bundes der& munisten".") PreiS: 45 Pf.= 60 Cts. Heft Y. Unsere Ziele. Von A. Bebel. Preis: 3« Pf.---»5 Cts. HestYl. Die schlefische Milliarde. Von Wilhelm Wolff Uur d�m einem Vorwort von Fr. Engels: Wolffs Biogra Zur Geschichte der preußischen Bauern. I Preis: 35 Pfg.— 40 Cts. Heft Yll. Sozialpolitische Borträge von I. Dietzgen.(Jn� 1. Nationalökonomisches. 2. Die bürg» lich- Gesellschaft. Preis: 20 Pfg.— 25 Cts. Bestellungen auf die„Sozialdemokrattsche Bibliothek" werden erb«� Die Hefte werden auch einzeln abgegeben. üb an j Diäi des bot ist d "last höcf Hefe , C Jüiet rn Vi bitte! I" er; es TolkabnchliandliuiK und Expedition des„Goxialdeaaokrnt"- Hottingen■ Zürich. 'st j. Gei CUs L