Abonnements werden bei allen i-hweiierischen Postbnreaux. sowie beim Verlag und dessen belannlen Agenten entgegengenommen, und swar zum vorauS lahlbaren Vierteljahrspreis von: Fr. S,— sür dieSchweiz(Kreuzband) M!. S,— für Teutschland sl. 1,70 sür Oesterreich — Die nationalliberale Presse leistet in der gegenwärtigen Hätz gegen die Sozialdemokratie wieder das Höchste und läßt sogar die ko n> s e r v a t i v e Preffe weit hinter sich. Daß die Nationalliberalen ganz besonders bös auf die Sozialdemokraten zusprechen sind, kann uns nicht Wunder nehmen, denn sowohl aus politischem wie auf sozialem Gebiet sind die Sozialdemokraten die vollständigsten Antipoden dieser reaktionären Bourgeois, die sich, mit der ihnen eigenen Verlogenheit „nationalliberale Partei" nennen. WaS nun die gegenwärtige Hätz an- belangt, so unterscheidet sie sich von den früheren blos durch die etwas größere Rohheit der Sprache— ein Umstand, der sich daraus erklärt, daß die sogenannte„öffentliche Meinung" gegen die Sozialdemokraten nicht im Mindesten aufgebracht ist, und man, um die bekannte 1878er Attentatsstimmung künstlich zu erzeugen, zu den schärfsten Mitteln des Schimpsens und Verleumdens seine Zuflucht zu nehmen für nöthig hält. Das bekannte„Du schimpfst, also hast Du Unrecht," paßt aus die nationalliberale Presse. Sie schimpft, weil sie Unrecht hat— sie schimpft, weil sie weiß, daß dem Feind, welchen sie fürchtet und deshalb mit alle« Waffen vernichten möchte, auf ehrlichem Wege nicht beizukommen ist. Durch ihr Schimpfen legt sie also ein unfreiwilliges Zeugniß zu Gunsten der Sozialdemokraten ab. Eine ganz besondere Gemüthsrohheit bekundet die nationalliberal« Presse bei Besprechung der Hamburger Verhaftungen. Ueber die- selben wird nicht nur in der unverschämtesten Weise gelogen— das wollten wir noch hingehen lassen— das Lügen ist ein„moralischer Defekt", für welchen der von ihm Behastete, aus die moderne Wissen- schaft gestützt,„mildernde Umstände" und beschränkte Verantwortlichkeit plaidiren kann— es werden auch noch obendrein die Opfer dieser Polizeirazzia, und das ist das Empörendste bei der Sache, in schamlos frecher Weise verhöhnt und verspottet. Daß man dem entwaff' neten, zu Boden geworfenen Feind mit achtungsvollem Anstand begez- nen soll, ist eine Regel, die selbst von wilden Indianern begriffen und befolgt wird. Indem dieses nationalliberale Preßgesindel diese»infachst« Regel des politischen Anstandes mit Füßen tritt, kennzeichnet es nur sick selbst und drückt sich das Brandmal der Infamie auf,- namentlich wenn man bedenkt, daß die angeblichen Verbrechen der Hamburger und anderer Genossen Handlungen sind, die— von der Verschiedenheit des Ziels abgesehen— von Mitgliedern einer jedenPartet begangen werden und begangen werden müssen, wenn überhaupt eine Partei und ein Parteileben bestehen soll. Beiläufig rühren die unverschämten Lügen über die Hamburger Affaire von dem berüchtigten Engel her, der aus der Mücke einen Elephant machen will, um sich als großer Staatsretter hin- zustellen. Daß es auch diesmal nichts mit der StaatSretterei ist, brauche» wir unfern Lesern gar nicht erst zu sagen. etwa Rege «inhi deru der näml »roß und Pro, Lani «eit und »olle übri, alle- der ten t-lle «Wie selbe Inte M von stai ,uf Fab! und Wels «hne der bleib Nicht der terui turr wint fforl das vor iapv Eige — DaS Monströse deS UrtheilS im Freiberger Prozeß besteht darin, daß es, von der juristischen Regel abweichend, statt auf That- fachen, sich nur auf Annahmen gründet, und obendrein aus rei» willkürliche und geradezu absurde Annahmen. Denn kei« Mensch mit seinen fünf Sinnen wird im Ernst glauben, daß die Führe« einer großen politischen Partei sich mit der Verbeitung verboten«« Schriften befassen oder gar diese Verbreitung zum Zweck haben. Rückblick hinter das„tolle Jahr" wird die kolossale Albernheit dies«« Freiberger„Annahme" klar machen. Vor 1348 wurde bekanntlich di« Verbreitung verbotener Schriften in großartigem Maßstabe betriebet weit großartiger als jetzt. Damals war es das B ü r g e r t h u m, de» eS durch die deutschen Preßverhältniffe unmöglich gemacht wurde, sei» Lesebedürsniß mit gesetzlich erlaubter Lektüre zu befriedigen. Es grifl also zur verbotenen Lektüre. Und damals kam das Sprichwort auf: Verbot ist das beste Mittel, einem Buch einen guten Absatz zu sicher» Wie wurden damals nun die verbotenen Schriften verbreitet? M»' schmuggelte sie aus dem Ausland herüber— ganz wie heute— um die Buchhändler besorgten den Vertrieb. Heute sind's keil» Buchhändler, weil diese durchweg der sozialdemokratischen Bewegunl feind sind. Heute wird das durch Andere besorgt— das ist d«« ganze Unterschied. Damals ist es aber Niemand eingefallen, die Hecker, Itzstein Matth y, Robert Blum u. s. w. für die Verbreitung der v«« botenen Schriften zur Strafe zu ziehen. Daß die Genannten an dies» Verbreitung ihre„Freude" hatten, ganz so wie die Freiberger Ang' klagten, das versteht sich von selbst, allein damals gab es noch kein Richter, die sich soweit in den mittelalterlichen Jnqusitionsprv z e ß hineingelebt hatten, daß sie, gleich jenem Freiberger Richter,» politische Angeklagte die Frage richten konnten:„ F r e u e n Sie si über die Verbreitung verbotener Schriften?" Oder„wünschen dieselbe?" Kurz, auf Grund einer willkürlichen und obendrein notorisch fal schen Annahme erfolgte das Freiberger Urtheil. Als im Jahr 1878 bei Berathung des Sozialistengesetzes von dess» Gegnern der Einwand erhoben ward:„Wenn die Sozialdemokrat» gegen das Gesetz verstoßen, dann bestrafe man sie nach dem Gesetz da" antworten die Väter und Geburtshelfer deS Sozialistengesetzes: 3i das Gesetz würde schon genügen, wenn nicht zu einer B e r u r t h e! lung auf Grund des gemeinen Rechts der juristis«� Beweis gehörte, der meist schwer, oft gar nicht zu erbringen» Für die Polizei- und Verwaltungsorgane genügt die bloße Annahm« deshalb bedürfen wir eines Polizeigsfetze S." Im Freiberger Urtheil ist ausdrücklich zugestanden, daß die„j u r i ß schen Beweise" fehlen; und ist ausdrücklich die Berurtheiln» auf bloße Annahme begründet. Der heiligste Rechtsgrundsatz ist durch die Freiberger Richter l' o p s«a t und die polizeiliche Willkür auf den Richte« strahl gesetzt worden! Darum ist dieses Urtheil gewissermaßen epochemachend und hat o" immer keinen berufenenBertheidiger gefunden. J«t>» mann fühlt, hier liegt nicht blos ein Justizmord vor, sondern n» ein Mord der Justiz.; Das amtlich« Organ der sächsischen Regierung versucht eS in ei»« charakteristischen Artikel wenigstens, eine Lanze zu brechen für die F«« berger Richter. Der Artikel, welcher durch zwei Rummern deS Bl«» geht und offenbar im Austrage des Veranstalters dieses traurigen zesses, des Herrn Abelen, verfaßt ist, sucht die Qualität durch Quantität zu ersetzen, bringt es aber nur zu einer Entschuldig»» welche zeigt, wie selbst den abgebrühtesten Bureaukraten— und nur«1 dbe solcher kann den Artikel geschrieben haben— das Gewiffen schlägt ange, em sichts einer so ungeheuren und ungeheuerlichen Beugung des Rechts. die Der Artikel ist gerade deshalb so interessant, so daß wir ihn in unserer nächsten Nummer noch einer eingehenderen Besprechung unterziehen ind tollen. — Die Scherge« habe« Eile. Den Verurtheilten des Frei- berger Prozesses ist die Abschrift des Erkenntnisses schon am 12. d. M. zugestellt worden, so daß die Frist zur Begründung der Revision schon am 19. ds. ablaust. Eine solche Geschwindigkeit, die allerdings keine Hexerei, ist in den Annalen der deutschen Rechtspflege unerhört. Auf diese Weise wird zu Ende September oder spätestens Ansangs Oktober das Reichsgericht seine Sanktion des von ihm selbst provozirten und präparirten Urtheils aussprechen können, so daß also die verurtheilten Abgeordneten schon vor Beginn der nächsten Session ihre Haft werden antreten müssen— worauf es ja abge- sehin war. — Sehr gut— gesagt. Wir lesen im Leitartikel der„Frankfurter ! Leitung" vom 21. August: .„Nicht durch Palliativmittelchen, am wenigsten durch Schnipseln am Lohne, kann die wirthschaftliche Krise dauernd geheilt werden, sondern »ur durch eine zweckmäßige Zusammenfassung und Rege- lung nach vernünftigen Grundsätzen von denjenigen Arbeitsmolekülen, »elche sich derzeit im planlosen, zersplitterten Durcheinander unter enormer Vergeudung von Kraft und Material bekämpfen und zum Theil ausreiben." Ganz recht. Kein Sozialist wird an dem Satze, so wie er hier steht, etwas auszusetzen finden. Denn zweckmäßige Zusammenfassung und Regelung der heute konkurrirenden Arbeitsmoleküle— besser Arbeits- «inheiten, das ist eigentlich nur eine Umschreibung der sozialistischen For- derung: Vergesellschaftung der Produktion. Jndeß hat die Sache bei der Franksurterin doch ihr Aber. Kurz vor dem obigen Satze heißt es nämlich im gleichen Artikel: „Trotzdem die sogenannte Ueberproduktion nur Minderkonsumtion der großen Massen ist, muh sie zunächst doch als erstere genommen werden, Und eine Besserung der Preise kann somit nur durch Verminderung der Produktion erreicht werden. Eine solche kann aber von keinem einzelnen Lande für sich vorgenommen werden; vereinzelt würde sie nur eine «eitere Steigerung der betreffenden Produktion im Ausland hervorrufen und einen Selbstmord der Industrie bedeuten, welche für sich allein diese Einschränkung durchführen wollte. Sie müßte entweder von Prohibitiv- Zöllen begleitet sein, oder sie müßte durch S t a a t s v e r t r a g mit den übrigen konkurrirenden Nationen vereinbart werden, also auf alle Fälle einen von Leroy-Beaulieu(dessen Abhandlung über„das Sinken d-r Preise und die Welthandelskrisis" gerade besprochen wird) verpön- ien staatssozialistischen Charakter tragen. Die zahlreichen Versuche, Kar- «lle, welche mehrere Staaten umfassen, auf dem Boden der freien Ver- «inigung zu bilden, haben eben durch ihre Fehlschläge bewiesen, daß die- salben nicht diejenigen Garantien der Stabilität gewähren, welche bei der Größe der hierbei in Frage kommenden wirthschastlichen und sozialen Interessen unbedingt erforderlich ist." Mit kurzen Worten: Verminderung der Produktion auf Grund u°n Staatsverträgen. Sehr schön— vom Unternehmer- standpunkte aus, wenngleich es ein artiges Kunstwerk sein dürfte, uuf dem Boden der bürgerlichen Gesellschaftsordnung den einzelnen Fabrikanten Vorschriften zu machen, wieviel sie fabriziren dürfen, Und die Errichtung neuer Fabriken zu verbieten, zwei Dinge, ohne welche das staatliche Fabrikationskartell dem Lichtenbergischen Messer °hns Stiel gliche, dem das Heft fehlt. Für die Arbeiter aber ist »er Vorschlag: Verminderung der Produktion, um beim Beispiel zu bleiben, ein zweischneidiges Messer gefährlichster Art, denn wenn er sich dicht in den Satz„gesetzliche allgemeine Verminderung berArbeitszeit" übersetzt, hieße er für sie immer nur: Verschlech- lerung chrer Lage durch Vermehrung der unter ihnen obwaltenden Kon- iurrenz, und Verlängerung ihres Elends durch Hinausschieben des Ter- «ins der Inangriffnahme von wirklichen Abhülfemitteln. Diese ganzen Kartelle— ob freie oder staatlich garantirte— sind weiter nichts als das indirekte Eingeständniß, daß den Herren Fabrikanten »or ihrer eigenen Gottähnlichkeit bange wird, daß es mit dem privat- kapitalistischen System nicht weiter geht, und man nur aus Furcht und Eigennutz mit ihm nicht zu brechen wagt. — Mißglückter ServilitätSbeweiS oder die Hochoer« rätherische Büste. „Und oben auf der Torte stand Aeneas, ganz von Butter"— fingt Blumauer in seiner bekannten Travestie bei der Schilderung des Gastmahls der Dido. Die hübsche Idee, den„frommen Held" in der symbolischen Materie darzustellen, hat neulich in Heidelberg ein Pendant gesunden, daS ebenso belustigend, wie sür den Grad des in Deutschland herrschenden Byzantinismus bezeichnend ist. Als auf dem zu Ehren der sürstlichen ic. Gäste veranstalteten Festbankett die Speisekarte soweit„erschöpft" war, daß zur Rubrik„Ge- srornes" übergegangen werden konnte, da trug der servirende Diener «it patriotischem Hochgefühl eine— Büste herein und setzte sie bedeu- tungsvoll„unserem Fritz" vor. Es war der alte Wilhelm in Eis. Gin gottvoller Gedanke, dem unglückseligen Kronprinzen Gelegenheit zu Leben, seinem Vater, der ihn nicht in's Geschäft läßt, wenigstens sym- bvlisch die Nase oder die Ohren abzuschneiden. Unser Fritz aber nahm die Sache schief und schob die Büste verdrießlich seinem Nachbar, dem Doktor der Gottesgelahrtheit Friedrich, Großherzog von Baden, zu. »Reinen Schwiegervater anbeißen? Nimmermehr!"— sagte dieser und schob die Büste weiter. Natürlich fanden nun auch die übrigen Gäste das Kunstwerk furchtbar unappetitlich, und der alte Wilhelm wanderte die ganze Tafel herum, ohne einen Liebhaber zu finden. Die Tischgäste wußten auf den Genuß des Gefrornen verzichten und die Büste des Kaisers wurde in die Mitte der Tafel gesetzt, um statt der Gaumen wenigstens die Augen der Gäste zu ergötzen. Aber ach, alles Irdische >st vergänglich und Eis ist kein Marmor. Je mehr sich die Hitze des "atrivUSmus der Bankett-Theilnehmer steigerte, umsomehr schmolz die ichste Personifikation desselben zusammen. Die Büste wurde immer einer und kleiner und nahm ganz majestätsverbrecherische Formen an, so daß man sie schießlich in aller Eile fortschaffen mußte. Ihr armer Fabrikant aber und mit ihm das Festkomite erntete statt des erhofften Ordens sür seine hyperloyale Idee nur Spott und Schande. Schade, daß eS nicht Allen, die Aehnliches und noch Schlimmeres auf bem Gebiete des Byzantinismus leisten, gleich ergeht. — Die Versimpeluug Deutschland» hält gleichen Schritt mit den„Erfolgen" der Bismarck'schen Politik. Daß in einem Land, wo da» höchste erlaubte Denken bewundernde Speichelleckerei und byzantini- scher Götzendienst ist, und wo das öffentliche Leben entweder durch Kasernenwände oder Gefängnihmauern beschränkt wird— daß in einem solchen Land diejenigen Staatsbürger, welche mit dem Strom schwimmen, geistig verkümmern und verkrüppeln müssen, liegt auf der Hand. Da es verboten ist, große und edle Ziele zu verfolgen, so richtet der Geist fich aus jämmerliche Kleinlichkeiten, wie daS seiner Zeit im byzantinischen Kaiserreiche der Fall war, dessen öffentliches Leben in verächtlichen Lirkusspielen aufging. Unser deutsches Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte hat statt des Zirkusspiels das etwas harmlosere Skat- spiel und ähnliche gleichwerthige Attribute. Sogar zu einem„Skat- Kongreß" haben wir es gebracht. Wir erwähnen das nur als Zeichen Ler Zeit. Das nächst« Jahr bringt uns vielleicht neben dem Gasteiner auch einen Schafskopf- Kongreß. —„Die rumäutfchen Minister unter fich," lautet die Ueber- schrift einer Notiz, welche jetzt durch die deutschen Zeitungen geht. Ein rumänischer Minister, dem ein anderer rumänischer Minister Fußtritte gegeben, hat diesem ein paar kräftige Ohrfeigen applizirt. Fein ist daS freilich nicht, allein ei gefällt uns doch noch besser als das Betragen anderer„Minister unter sich", wo zwarFußtrüte ausgetheilt werden, Und nicht wenig«, aber die Ohrseigen dann ausbleiben. Der rumänliche Minister, der für seinen ausgetheilten Fußtritt ein kräftiges Paar Ohrfeigen einheimste, wird künstig keine Fußtritte mehr austheilen-, der andere Minister aber, der sür jeden ausgetheilten Fußtritt mit einem Katzenbuckel belohnt wird, setzt natürlich daS Fuh- krittauStheilungSgeschSft nach Kräften fort. Es wäre sicher sehr gut, en vie zs- f- it ht er« 'st. zes en. alb ch- rer -if- am er- >es ind ird n- e- >atz in» znz cht eit, an» zas irt, teil Zel eln hig die Pst. len ;t? ale zie- oat her [ew keit lstt loi ist- leg' ind m sich lich er seit te n, e« die d-c jin- he» ieh> it- .-eis kei« >r-t nei Ei" -sei di' be» oei» i c ers JWf uiu eitii un! d-- -sst eP i e> w)' $ ati' ii� ;» wenn diese anderen„Minister unter sich" ebenso wären wie„die rumänischen Minister unter sich". — Gerechtigkeit. In einer und derselben Nummer der„Berliner Volkszeitung"(vom 13. August d. I.) finden wir folgende zwei Notizen: „Wegen Majestätsbeleidigung wurde heute dem Arbeiter Fer- dinand Mrozecki durch llrtheil der vierten Ferienstrafkammer des Land- gerichts I eine Gefängnißstrafe von anderthalb Jahren auferlegt. Der Angeklagte hatte sich gelegentlich einer ihn betroffenen Eist irung zu den gröbsten Schmähungen gegeu den Kaiser und den Reichskanzler hinreißen lassen." „Elbing, 11. August. Ein geradezu Entsetzen erregender Fall von Mißbrauch der Amtsgewalt kam gestern vor der hiesigen Straf- kammer zur Verhandlung. Der Arbeiter Kretschmann aus Marienburg, ein rüstiger Sechsziger, beging am 25. März d. I. die Unvorsichtigkeit — allerdings in einer Seitenstraße Marienburgs— daS auf der Straße zu thun, wofür man in größeren Städten eine genügende Anzahl von Austrittstellen errichtet hat. Eine solche mochte hier fehlen und Kretsch- mann sich unbeobachtet glauben. Er war es jedenfalls nicht, denn der Polizeisergeant Plehn trat heran und fragte ihn nach seinem Namen. Kretschmann verweigerte die Auskunft, worauf der Beamte ihn faßte, um ihn nach der Wache zu befördern. Es ist nicht festgestellt, ob Kretsch- mann hierbei zufällig oder absichtlich zur Erde fiel. Genug, der Beamte ergriff den daumendicken Eichenstock des Kretschmann und schlug auf den am Boden Liegenden ein. Als Kretschmann auch dadurch nicht zum freiwilligen Gang nach der Wache zu bewegen war, kommandirte der Polizeisergeant zwei Hausknechte zur Hilfeleistung, und deren vereinten Kräften gelang es, Kretschmann zur Wache zu befördern. Im Wachtzimmer war der Hilfspolizeisergeant Gottlieb Jagusch anwesend. Mit den Worten:„Wie sieht das Schwein aus!" versetzte dieser dem Kretschmann einen kräftigen Schlag unters Kinn, so daß er rücklings zu Boden stürzte. Kretschmann erhob sich wieder und setzte sich auf den Bettrand, was den hinzutretenden Äefängnißschließer Friedrich Reuter veranlaßt«, Kretschmann noch einmal zu Boden zu schleudern, einen bezogenen Draht- stock— sogenannten Ochsenziemer— der im Bett steckte, hervorzuziehen und nach Kretschmann(soweit sich feststellen ließ) einen kräftigen Hieb zu thun. Inzwischen hatte man dem Verhafteten Handfesseln angelegt; er blutete. Von einem Stuhle, auf den er sich hiernach setzte, stieß ihn Reuter herunter, indem er ihn anschrie:„Gesessen wird hier nicht!" Kretschmann erhob sich noch einmal und setzte sich— vielleicht in einem Schwächeanfall— auf eine Bank. Da trat der Polizeisergeant Plehn an ihn heran, und trotz des Wehrlosen Jammern und Bitten führte er, theils mit der Hand, theils mit der Faust, mindestens fünfzehn Schläge nach dessen Kopf. Das ging so weit, daß selbst einer der Beamten sagte: „So höre doch auf zu schlagen; Du zerschlägst Dir ja die Hände." Plehn antwortete:„Ich schlage den Hund auch gleich tod t." Blutüberströmt wurde Kretschmann nach der Haftzells abgeführt und dermaßen hineingestoßen, daß er wiederum zur Erde stürzte. Nach- dem Kretschmann dann noch um 6 Uhr Abends vom Polizeisergeanten Albrecht angekettet worden, streckte er sich auf die Pritsche. Hier fand ihn Albrecht bei einer Revision um 9 Uhr röchelnd und Schaum vor dem Munde. Er begnügte sich damit, die Ketten zu lösen, und ging wieder hinaus, Kretschmann während der ganzen Nacht in einem minde- stens Besorgniß erregenden Zustand sich selbst überlassend. Um 10 Uhr Morgens am anderen Tage sollte der Gefangene zum Verhör kommen. Man fand ihn bewußtlos, aber dem Anscheine nach noch lebend an der- selben Stelle. Nun erst wurde die Ueberführung nach dem Krankenhause angeordnet. Kretschmann verschied jedoch auf demTrans- port. Nach der gerichtlichen Obduktion steht unzweifelhaft fest, daß Kretschmann in Folge der ihm zu Theil gewordenen Behandlung gestor- ben sei. Die Schläge an den Kopf hatten eine Gehirnerschütterung zur Folge; es folgte ein Bluterguß ins Gehirn, Gehirnlähmung und so der Tod. Auf diesen sollen die am ganzen Körper vorhandenen, von Schlägen herrührenden blutunterlaufenen Stellen nach ärztlichem Gutachten keiner- lei Einfluß gehabt haben. Kretschmann war, was ebenfalls die Obduktion ergab, gesund, kräftig und gut genährt. Der Staatsanwalt beantragte je zwei Jahre Gesängniß gegen Plehn, Reuter und Jagusch, wobei er als strafmildernd erkannte, daß die Arbeiter der dortigen Gegend eine groß- Verrohung zur Schau tragen. Der Gerichtshof erkannte auf we- niger, nämlich gegen Plehn, wegen Mißhandlung vorbestraft, auf ein Jahr und acht Monate Äefängniß; gegen Reuter, wegen Mißhandlung mit drei Monaten Gesängniß vorbestraft, auf ein Jahr G e f ä n g n i ß und Unfähigkeit, in den nächsten drei Jahren ein öffent- liches Amt zu bekleiden; ferner gegen Jagusch auf neun Monate Gesängniß. Drei Monate Untersuchungshaft werden jedem der Ver- urtheilten aus die zuerkannte Strafe angerechnet."— Man vergleiche das Strafmaß in den beiden Fällen. Hier ein Mann, der in der Aufregung über ein wirkliches oder vermeintliches Unrecht ganz mechanisch in Bezug auf die Person eines Mitmenschen, der zufällig Kaiser ist und in dessen Namen das wirkliche oder ver- meintliche Unrecht verübt wird, einen von Leuten aus dem Volk häufig und ohne irgend ernsthafte Bedeutung gebrauchten drastischen Ausdruck fich entfahren läßt, zu anderthalb Jahren Gesängniß ver- urtheilt! D o r t drei Beamte, die einen unschuldigen Menschen mit bei- spielloser Barbarei ums Leben gebracht haben, der Hauptthäter mit nur zwei Monaten mehr, die Mitthäter mit weit geringerer Strafe belegt als dieser Majestätsverbrecher. Wo ist da die Gleichheit vor dem Gesetz? Wo die Gerechtigkeit? Welche frevelhafte Gleichgültigkeit für das Menschenleben, welche fetischdienerische Rücksicht aus die eingebildete Gottähnlichkeit eines simpeln Menschen! — Wahrheit tvider Willen. Die„Leipziger Zeitung", das Organ der sächsischen Regierung, das in neuerer Zeit die früher noch manch- mal bekundete Scham vollständig abgelegt hat, und in gemeiner Be- schimpfung und Verdächtigung der Sozialdemokratie es jetzt den natio- nalliberalen Blättern gleichthut, ist dieser Tage von einem eigenthüm- lichen Mißgeschick betroffen worden. Sie hat sich in einer unbewachten Minute für die Sozialdemokratie erklärt. Einen redaktionellen Artikel über großstädtische Misöre schließt nämlich das sozialistenfresserische Organ der sächsischen Regierung wie folgt: „Die Großstädte sind eben die Repräsentanten unserer modernen Entwicklung, die auf Massenverarmung einerseits und Ansammlung von Reichthum in immer weniger Händen andererseits lossteuer t." Ei! ei! Liebe Leipzigerin, das ist ja das sozialdemokratische Pro- gramm, wie es im Buche steht l Und wer dieser Anschauung huldigt und nicht demgemäß handelt, das heißt auf Beseitigung dieser schmachvollen Zu- stände hinwirkt, wie das die Sozialdemokraten thun, der ist ein ganz erbärmlicher Heuchler. Oder nicht, liebe Leipzigerin? Wie lautet doch das hübsche Verslein? „Wer die Wahrheit weiß und bekennt sie nicht, Der ist doch fürwahr ein erbärmlicher Wich t." Die Wahrheit bekennen, heißt aber sie bethätigen. Der oben zitirte Artikel der„Leipziger Zeitung" findet sich in der Nummer vom 9. d. M. — Wer si«d die Verbrecher?— so fragen wir. Die ehrlichen Arbeiter, welche ihre Klasseninteresseu zur Geltung zu bringen suchen, und um sich und ihren Mitmenschen ein menschenwürdiges Dasein zu verschaffen, mit der größten Selbstaufopferung ihre politischen Pflichten erfüllen und dafür von Denen, die diesen Bestrebungen aus niederster Selbstsucht feind sind, grausam verfolgt werden? Oder sind Diejenigen Verbrecher, welche die Erfüllung der Bürgerpflicht, und was mehr sagen will, der M e n s ch e n p f l i ch t zu einem Verbrechen gestempelt haben? Daß die herrschenden Klassen Alles, was ihren Sonderinteressen zum Nachtheil gereicht, für ungesetzlich erklären und als Verbrechen mit der Strenge des Gesetzes verfolgen, ist eine Thatsach«, welche in den ge- meinsten Instinkten der Menschennatur begründet ist und welche nicht auS der Welt zu schaffen sein wird, solange die Klassenherrschaft besteht. Aber gerade weil wir den Grund dieser Thatsach« begriffen haben, sagen wir auch im Hinblick auf die schmachvollen Verfolgungen unter dem infamen Proflriptionsgesetz, genannt Sozialistengesetz: „Ein Verbrechen ist es, Handlungen der Bürger- und Menschenpflicht künstlich zum Verbrechen ge- macht zu haben; und die, welche die« gethan, um ihrem niederen Egoismus und ihrer Brutalität zu fröhnen— sie sind die Ver« b r e ch e r. — DaS natto«alliberale Gelichter ist unausgesetzt an der Hetz- und Denunziationsarbeit. Nun, jedes Thierchen hat sein Plaisirchen. Und daß die gemeinsten Bedientenseelen, die sich ruhig jeden Fußtritt von Oben gefallen lassen, auch die brutalsten Hallunken sind, wenn sie glauben, ihr Müthchen ungestraft kühlen zu können, ist eine uralte Wahrheit. So fordert das amtliche Organ der„Partei", die„National- liberale Korrespondenz", jetzt die Regierung auf, die„Int elligen- zen" der Sozialdemokratie unbarmherzig„mate- riell zu vernichte n." Es gibt keine Kritik eines solchen Verhaltens. Solchem Pack spuckt man in's Gesicht. —„Ob katholisch geschoren, ob protestantisch gescheitelt." das kommt nach Altmeister Göthe stets auf dasselbe heraus: Pfaffe bleibt Pfaffe. Wir haben neulich Einiges aus den(katholischen)„Christ- lich-sozialen Blättern" zum Beweise dafür mitgetheilt, zu welchem sozialen Schwindel der Deckmantel der Religion herhalten muß, heut wollen wir unfern Lesern einige Müsterchen evangelischer Arbeiterbeschwinde- lung vorführen, die den christlichckatholischen Leistungen in dieser Bezie- hung nichts nachgeben. Vor einigen Wochen fand in Essen das zweite Verbandsfest des „Verbandes evangelischer Arbeitervereine Rheinland-Westfalens", einer Frucht der pfäffischen Hetzarbeit, statt. Auf diesem angeblichen Ar- beiterfest sprachen der Bauunternehmer Böhm, der Pfarrer Weber und der Pfarrer Lammers— die Arbeiter hatten das Zu- hören. Das war aber auch danach. Man höre nur(wir zitiren nach dem Festbericht des konservativen Fabrikantenwisches„Rheinisch Westfälische Zeitung"): Böhm(Vorsitzender des Verbandes):„Das Gefühl der Angst, wel- ches kürzlich unsere westlichen Nachbarn veranlaßte, ihre Prinzen auszu- weisen, kennen wir nicht, und wenns uns Angst wird, so kann es nur die sein, daß wir von unseren theueren vier Kaisern einen verlieren möchten." Es wäre auch wirklich schade drum. Was würde zum Beispiel aus dem deutschen Volke ohne den jüngsten„höschenbeschmutzenden der„theu« ren" vier Kaiser? Es würde elenoiglich zu Grunde gehen. Nicht einen einzigen der vier können wir missen, „vier der Könige, das ist viel, grade wie im Kartenspiel"— und bei der n a t i o n a l e n Bedeutung des Kartenspiels(s. Altenburg) wird man hoffentlich bald die Könige im Skat zu Kaisern erheben. Pfarrer Lic. Weber aus M. Gladbach:„Wir protestiren gegen die ebenso sinnlose wie gottlose Lehre, daß der Mensch, das Ebenbild Gottes, nur ein Staubtheil eines blinden Weltalls, nur ein Vetter des Affen sein soll, wir danken dafür! Unser lieber alter Generalsuperinten- dent Büchsel in Berlin hat einmal einen Jungen gefragt:„Mein Sohn, von wem stammt der Mensch ab?" und jener arme Junge, dem sein Vater es so vorgesprochen, antwortet:„Vom Affen." Da sagt Büchsel lächelnd:„Mein Kind, ich frage nicht, von wem Du abstammst, sondern von wem der Mensch abstammt." Ungeheuer geistreich, dieser christlich-liebevolle Kalauer. Ueberlaffen wir jedoch Herrn Weber und seinem„lieben alten Büchsel" die Genug« thuung, von Mördern und Blutschändern abzustammen, deren Ahnherr ein Dreckhaufen war, und hören wir weiter: „Wir kennen vor Gott kein Ansehen der Person und keinen Unter- schied zwischen den Menschen, da wir alle eines Blutes sind. Ein Ar- bester ist der König auf dem Thron, der erste Arbeiter seines Volkes, ein Arbeiter ist die treue Mutter, die ihre Kinder mit Aufreibung ihrer Kräfte pflegt und groß zieht, ein Arbeiter ist die Dienstmagd, die in Treue ihre Stuben kehrt, vor Gott gilt nur eins, ob man treu ist in der Arbeit, zu der uns Gott berufen hat. Hoch das Panier der Arbeit l nicht eine Last, nicht ein drückendes Joch, sondern eine Freude ist uns die Arbeit. Aber ich richte an euch alle die Bitte:„Leuchtet voran vor den Gliedern anderer Vereine durch das Beispiel gewissenhafter Treue in eurer Arbeit!" In Gruben und Schächten kann ein Menschenauge eureArbeit oft gar nicht prüfen, aber das wisset, daß einer euch sieht, vor dem auch die Nacht nicht Finsterniß i st." Alle Wetter, jetzt wird der liebe Gott gar noch Gruben-Aufpasser l „Arbeiter sind wir alle, wir arbeiten alle gern"— wir armen Pfaffen, die wir uns so schinden müssen, ganz besonders. Also schindet Euch auch in den Gruben; zahlts Euch die Grubenverwaltung nicht, so zahlts Euch der liebe Gott.— Wie die Fabrikanten geschmunzelt haben werden, als sie das gelesen! Der Weber, das ist ein rechter Kerl, der verstehts, den müssen wir p r o t e g i r e n. Schade nur, daß keiner der zuhörenden Arbeiter den Herrn Pastor fragte, wie so es denn käme, daß trotzdem dieser„einer" auch in den dunkelsten Schächten nach dem Rechten sieht, so viele Gruben- E x p l o- sionen paffirten, und ob es nicht besser wäre, wenn dieser„einer" sich mehr um diese als darum scheerte, ob die Arbeiter auch genug Profit für ihre Herren geschaffen? Er hätte gewiß noch manche belehrende Antwort bekommen. Jndeß, auch das Mitgetheilte genügt schon, wenig- stens für den, der lernen will und lernen kann. Es kennzeichnet den Zweck, dem die genannten Vereine dienen: der Verdummung und Entmannung der Arbeiter. Darum wird der„Kulturkampf" sortgesetzt, darum vom protestantischen Pfarrer wider den katholischen und umgekehrt gehetzt, damit die Arbeiter vor dem Streit über die beste Religion nicht zum Nachdenken darüber kommen, welches die besten Mittel sind, ihrer sozialen Nothlage abzuhelfen. Es ist immer das alt« „Eiapoppeia vom Himmel", womit man sie abfüttern möchte, auf daß sie„das Greinen" schließlich ganz verlernen. Zum Glück ist der Liebe Müh umsonst. Der erste kräftige Windstoß wirft den ganzen künstlichen Organisationsbau über den Haufen. — Während die bessere Gesellschaft i« Altenburg sich in den heiligen Skat vertiefte, eroberte die Sozialdemokratie bei der gerade stattfindenden Wahl zum altenburgischen Landtag in der dritten Wählerabtheilung den Sitz für ihren Kandi- daten, den aus Leipzig ausgewiesenen Buchbinder Buch- wald. Darüber große Wuth in der honetten Bürgerschaft, die am liebsten die Wahl umstoßen möchte. Es war auch wirklich nicht schön, die Feier des idealen nationalen Skatturniers durch einen prosaischen Wahlkampf zu stören. Interesse am politischen Leben? Pfui! Die Buben find jetzt Matadore in Deutschland, was ein guter Deutscher ist, hält zu ihnen. — Sie haben ihren Berns erkannt. Dem famosen Rund- schreiben des Herrn Landraths von Köller an die Offiziere (s. oben) lag nach einer Mittheilung der„Magdeburger Zeitung" e i n Statut des Vereins zurVerbreitung konservativer Zeitschriften bei, welches unterzeichnet war: v. Köller-Kammin, Mitglied des Reichstages, 1. Vorsitzender; Hauptmann v. Dewitz, 2. Vorsitzender; O b e r st l i e u t e n a n t z. D. v. Wasserschleben, Schatz- meister; Premierlieutenant Wolff, Schriftführer;— Oberst z. D. vom Berge-Herrendorf; Blume, Major z. D.; Budy, Pfarrer, Diestelkamp, Pfarrer; Krocker, Rittergutsbesitzer; Freiherr v. Minni- gerode, Mitglied des Landtages; Graf Pückler-Branitz; Schultz, General- superintendent. Wie man sieht, fast ausschließlich Angehörige der Gensdarmerie— streitbare Pfaffen und pfäffische Militärs— zu deren Geschäft eS gehört, für die Erhaltung(„Konservirung") alles Bestehenden, deS schreiendsten Unrechts, der schuftigsten Niedertracht einzutreten, jeder Re- form, jedem Fortschritt sich entgegenzustemmen, die den herrschenden Gewalten, deren allezeit dienstbare Schergen sie sind, von Nachtheil sein könnten. Einen andern Sinn hat das Wort konserativ als politi- scher Parteiname nicht, kann es nicht haben, denn die gesellschaftliche Entwickelung geht ohnehin langsam genug, als daß man sie im a l l g e- meinen Interesse aufzuhalten nöthig hätte. — Polizeiliche Bornirtheit«nd Dummdreistigkeit. Unser Genosse Bebel ist diesesmal auf seiner Geschäftsreise, namentlich in Karlsruhe und Mannheim, Gegenstand ausgesuchtester polizeilicher Ueber« wachung gewesen. In Karlsruhe, wo er zufällig mit Singer zusammen« ttaf, waren die großherzoglichen Polizeibummler und Tagediebe schier aus dem Häuschen. Sie belagerten während der Anwesenheit der beiden Genoffen daS Hotel, folgten ihnen auf Schritt und Tritt— Bebel so- gar bei feinen Geschästsbesuchen— und ließen nicht eher davon ab, als bis sie die beruhigende Gewißheit hatten, daß die beiden staatsgefähr- lichen Individuen das Stadtgebiet verlassen. Diese minutiöse polizeiliche Ueberwachung verhinderte freilich nicht, daß beide Objekte derselben es dennoch verstanden, sich namentlich die Abende vor den Augen der schnüffelnden Hermandad unsichtbar zu machen und sie nach ihrem Ge> schmack im Kreise von Genossen zu verbringen. Ebenso toll, nur womöglich noch tölpelhafter machte eS die Mannheimer Polizei unter Ansührung des berüchtigten Guggenbühler, Psorzheimer Angedenkens. Zeitweilig sprangen drei und vier toll ge- wordene Spitzel hinter Bebel drein, um festzustellen, wen er alles besuche. Auch wollen wir erwähnen, daß nach den letzten Besuchen Bebel's in Mannheim die Polizei die Unverschämtheit soweit trieb, sich bei seinen Geschäftsfreunden zu erkundigen, was er bei ihnen gesagt und gethan. Die Antworten, welche die langohrigen Diener der heiligen Hermandad bei dieser Gelegenheit verschiedentlich bekamen, hätte die spitzelnden Tagediebe zur Scham veranlassen müssen, wenn die Tugend der Scham- empfindung bei der deutschen Polizei überhaupt vorhanden wäre. Der eigentliche Zweck dieser Polizeischnüffeleien, namentlich bei den Geschäftsbesuchen Bebel's, ist nicht recht einzusehen, es sei denn, sie würden vorgenommen, um einigen der auf Bolkskosten lebenden Faul- lenzer eine kleine Motion zu machen und ihnen Gelegenheit zu geben, die Staats- und Stadtkassen um so und so viel Mark Extra-Diäten zu prellen. Pfui und abermals pfui über solche„Staatsretterei"! — Ans Oesterreich. Wahnsinnig oder heilig? Der österreichische Abgeordnete Schönerer hielt kürzlich in dem deutsch- böhmischen Dorfe Prackowitz eine Rede, in der er auch die sozialdemo- kratische Bewegung kritisirte. Auf einen Ausspruch über die Zukunft des Proletariats übergehend, meinte er, die Arbeiterführer, welche von den Arbeitern leben, wissen nicht, was sie wollen, und kein Programm haben, sei ein Unsinn. Er habe aber ein Programm. Es wäre überflüssig, an den Aussprüchen Schönerer'? Kritik zu üben. Schon Goethe hat dies gethan, indem er schrieb: „Mich dünkt, ich hör' ein ganzes Chor, Bon hunderttausend Narren sprechen." Und der Altmeister meinte gleichzeitig: „So schwätzt und lehrt man ungestört, Wer will sich mit den Narr'n befassen?" Buch wir haben keine Lust, den Führer der österreichischen Deutsch nationalen antisemitischer Kouleur ernst zu nehmen, und zwar aus Gründen, welche sogleich angeführt werden sollen. Für uns hat dieser Mann nur in kulturhistorischer und— medizinischer Hinsicht Bedeutung. In der letzten Nummer seines Organs:„Unverfälschte Deutsche Worte", auf dem er selbst, Georg Ritter von Schönerer, als Herausgeber und Eigenthümer zeichnet, finden wir folgende Briefkasten-Notiz:„Auf meh- rere Anfragen. Das sogenannte Sankt Georg-Bild, Schönerers Bildniß, kann bei dem Gesinnungsgenossen..... (folgt Name und Adresse) bezogen werden." Nun, wenn das kein Aus- bruch von Größenwahn ist, was darf man dann so nennen? Kein Zweifel, ein Mann, der in seinem eigenen Blatte sein eigenes Bild als das eines Heiligen bezeichnet, ist krank, hochgradig krank. Und dieser Mann, dessen Platz eine Zelle in einem Jrrenhause sein sollte, sitzt als Parteiführer im österreichischen Abgeordnetenhause. Dieser Mann, dem gerichtlich nachgewiesen wurde, daß er sein Haus in ein Bordell ver- wandelte, um seine Mutter daraus zu vertreiben, ist das Ideal der österreichischen Studenten. Dieser Mann, der mit Schmähungen über jeden herfällt, der an Bismarck das geringste auszusetzen wagt, und dessen Programm die reaktionärsten wirthschaftlichen Forderungen enthält, wird von seiner Partei als der freisinnigste Mann Oesterreichs erklärt. Wie das gekommen ist, ist charakteristisch für die Zustände des Habsburgerstaates. Die Erklärung dieser Thatsachen besitzt eine kultur- historische Bedeutung. Schönerer war eine geraume Zeit hindurch der einzige Abgeordnete, welcher offen und entschieden die Korruption in Oesterreich bekämpfte. Dieses Auftreten führte ihm Tausende von An- hängern zu. So verfault und verderbt sind eben die wirthschaftlichen Zustände Oesterreichs, daß ein großer Theil der Bevölkerung selbst einen Wahnsinnigen als Führer acceptirt, wenn nur dieser die Verkommenheit und Bestechlichkeit der Regierung, der Beamten und der Abgeordneten bekämpft. Mag er sonst noch anstreben, was immer er wolle, es ist einerlei. Es ist wahrhastig keine Uebertreibung, wenn Schönerers Zu- rechnungsfähigkeit in Zweifel gezogen wird. Thatsache ist auch, daß von bedeutenden Aerzten erklärt wurde, Schönerer bringe sich durch übermäßiges Trinken um seine Verstandeskräste und werde an äoliriam tremens zu Grunde gehen. Selbst als Schönerer noch im Vollbesitze seiner Geisteskraft war, hat er niemals große« Wissen oder scharfen Verstand besessen. Seine bedeutendste Eigenschaft war seine Rücksicht?- lofigkeit. Auch damals wäre es nicht nothwendig gewesen, auf des modernen St. Georg's oben zitirten Ausspruch, der eigentlich nur die Wiedergabe einer falsch verstandenen Behauptung seines„Gottsobersten" Bismarck ist, näher einzugehen. Dieser sagte bekanntlich, die Sozialdemo- kratie habe kein positives Programm für den sozialen Staat, der öfter- reichische„Heilige" aber meint, sie habe gar keines. Der„Unsinn" steckt also nicht bei den Arbeitern, sondern im Kopfe Schönerers. Ihn zu widerlegen wäre nutzlos, ihn zu bekämpfen lächerlich, das angezeigteste ist, ihn zu bemitleiden. Armer Heiliger! Leo XIII. — Frankreich. Erst jetzt kommt uns die Nr. 122 des„Proleta- riat", Organ der soz. Arbeiterfederation von Frankreich, zu Gesicht, in der wir, in einer Besprechung des Freiberger Prozesses, folgende, nach Stil und Inhalt den Ex-Anarchisten Paul Brousse verrathende— Liebenswürdigkeit finden. „Der deutsche Feudalstaat klagt die Führer der Sozialdemokratie an, in ihrer Partei eine„dauernde Orgamsation" zu unterhalten; davor werden sie sich wie vor dem Feuer hüten. Dank ihrem Talent, den Prozessen, die man ihnen macht, und ihrer Rolle hat man ihnen bei den deutschen Arbeitern eine derartige Popularität verschafft, daß sie die unbestrittene Regierung der Sozialdemokratie bilden. Man lasse den deutschen Arbeitern das Recht und die Freiheft, sich zu organisiren, und sie werden schnell eine Arbeiterpartei wie die französische bilden, die nicht parlamentarisch geleitet werden, sondern sich selbst leiten will. Sie werden dann Männer haben, die wie Joffrin und Chabert mit Recht bekannt und geschätzt sind, aber die Herrschaft der Deputirten wird ein Ende nehmen. Die deutschen Basly und Camelinat werden nicht mehr Macht haben wie ihre französischen Kollegen." Wir wissen wirklich nicht, was wir an dieser Stilübung mehr bewun- dern sollen: die Arroganz oder die Gemeinheit, die aus ihr spricht. Wir sind gewiß die Letzten, die da leugnen, daß das Ausnahme- gesetz Verhältnisse in dem Leben und Wesen unserer Partei geschaffen, die bei voller politischer Freiheit nicht da sein würden, aber das weiß und fühlt mit uns jeder Genosse in Deutschland, und die Abgeordneten nicht zuletzt. Uns das klar zu machen, dazu bedurste es wahrlich nicht erst der Weisheit des Herrn Brousse. Wenn er aber obendrein den deutschen Arbeitern die von ihm mit Ach und Krach zusammengehaltene Partei als ein Muster vorhalten will, denselben Leuten, die bereits eine zehnmal so starke, auf echt demokratischen Grundsätzen basirte Partei bildeten, als Herr Brousse noch anarchistische Revolutionen— auf dem Papier ausheckte, und sich die Miene gibt, zu glauben, es datire die Popularität unserer Abgeordneten nicht aus dieser Zeit her, dann ist das wirklich der Gipfel der Anmaßung. Ueber die geschmackvolle Art, wie Herr Brousse seine beiden Freunde Joffrin und Chabert auch hier wieder herausstreicht, verlieren wir kein Wort; selbst heute würde in unserer Partei eine derartige Reklame allgemeinste Opposition hervorrufen. Jedenfalls ist die Drahtzieherei, wie Herr Brouffe sie in seiner Partei übt, um nichts anmuthiger als es selbst die schlimmste Parteiregierung durch Abgeordnete wäre. Der Vergleich unserer Abgeordneten mit Basly und Camelinat ist im Munde des Herrn Brousse eine ganz besondere P e r f i d i e. Wir haben für die Haltung der beiden Deputirten innerhalb und außerhalb des Parlaments nur alles Lob, aber was sie sind, sind sie aus sich selbst, nicht als Vertreter einer wirklichen Arbeiterpartei. Sie sind aus Grund einer radikalen Liste gewählt, was ihnen grade im„Proletariat" immer und immer wieder vorgehalten wird, freilich mit wenig Grund, nachdem Herr Brouffe selbst im Herault Unterhandlungen mit den Radikalen wegen Aufnahme auf deren Liste gepflogen. Aber es geschieht, und weil es geschieht, protestiren wir gegen den Vergleich in dieser Ver- bindung, denn unsere Abgeordneten sind als Vertreter unserer Partei in den Reichstag gewählt, und zwar zum größten Theil gegen bürgerlich-radikale Parteien.*) � Wir achten den sozialistischen Arbeiterverband gleich jeder Arbeiter- i organisation, sei sie groß oder klein, und haben daher auch, obwohl wir wußten, wer dahinter stand, der Einladung zu der sog. internationalen Konferenz, die dieser Tage in Paris zusammengetreten ist, Folge ge- geben. Aber uns von einem Intrigante«, der in diesem Verband eine gewisse Rolle spielt, ungestraft Insolenzen gefallen zu lassen, soweit geht unsere internationale Höflichkeit nicht. Finden sich nicht in der eigenen Partei Leute, die Herrn Brousse das Handwerk legen, so werden wir ihm wenigsten« die Antwort nicht schuldig bleiben. — Amerika. In der Chicagoer Protestversammlung, von der wir in voriger Nummer berichteten, sagte Dr. Ernst Schmidt nach dem Bericht der Chicagoer„Arbeiterzeitung": W „Vor vierzig Jahren war es, da wohnte ich der ersten Arbeiter-Ver- sammlung bei, an der ich theilgenommen. In einem dumpfigen Keller kamen wir zusammen, verstecken mußten wir unS vor der Polizei, vor aller Welt. Die Arbeiter-Bewegung, welche damals ins Rollen kam, sie hat im Laufe weniger Jahrzehnte gewaltig um sich gegriffen, ihre Wogen gehen höher und immer höher, es gibt kein zivilisirtes Land, in welchem gegenwärtig die soziale Revolution nicht vor der Thür stände. Daß eine solche Bewegung immer friedlich, immer harmlos und unblutig verlaufen sollte, das ist unmöglich. Die Weltgeschichte beweist, daß alle großen Bewegungen, daß jeder Fortschritt, daß alle Errungenschaften mit Blut erkauft worden sind. Vor 2Sl) Jahren schlug man in Europa IS Mil- lionen Menschen todt. Weshalb? Weil man sich über einige religiöse Fragen nicht einig war. Heute könnte man derartige Fragen in leiden- schaftsloser Debatte binnen fünzehn Minuten lösen. Vor hundert Jahren, alS in Paris das nach seinen Menschenrechten ringende Volk zur Revo- lution schritt, fielen ZO.OOo Aristokratenköpfe unter dem Messer der Guillotine. Sind diese 80,(XX) Köpfe ein zu hoher Preis gewesen für das, was ein Volk, was die Menschheit dafür erkauft?(Dröhnende Rufe:„N e i n, n e i n!) Nein, sage auch ich. Der Preis ist nicht zu hoch gewesen. Und unter welchen Verhältnissen leben wir jetzt? Auch jetzt ist eine Umwälzung nothwendig, und diese Umwälzung muß kommen, sie wird kommen. Als es vor 25 Jahren galt, die schwarzen Sklaven zu befreien, da hatte man auch eingesehen, daß sich solche Fragen nicht durch Debatten lösen lassen. Hatte man nicht alle friedlichen Mittel erschöpft? Hatte man den Sklavenbaronen nicht angeboten, ihnen ihr „Eigenthum" abzukaufen? Was antworteten Jene? Wir wollen nicht. Wir verkaufen unser Ei genthum nicht! Es kam zum Kriege, zu einem Kriege, der Hunderttausende von Menschenleben, Milliarden von Dollars gekostet hat. Weshalb erledigte man diese Frage nicht auf dem Wege der Debatte? Es war nicht thunlich. Der„beson- de« Saft" mußte mitwirken, damit der Handel bindend werden konnte. Als wir die Befreiung der Sklaven zu jener Zeit befürworteten, waren wir nicht Verräther gegen die Gesetze der Bereinigten Staaten? Damals gab es noch ein Gesetz, welches einen Bürger, wenn er durch einen Ver- einigten Staaten Marschall als Gerichtsdiener aufgefordert wurde, einen entsprungenen Sklaven helfen einzufangen, bei nicht sofortiger Folge- leistung fünf Jahre Zuchthaus einbrachte, ja, ein Deutscher in Milwaukee ist sogar unter diesem Gesetz zu zwei Jahren Zuchthaus abgeurtheilt worden. Ich erinnere mich noch ganz genau der Zeit, als ich von meiner Office, die sich an der Ecke Madison und 5. Ave., da- malS Wells Street befand, über die Straße blickte. Damals stand auf der andern Seite eine kleine Holzbarracke mit einem Basement, in welche wir die auS Kentucky entlaufenen Schwarzen versteckt hielten, die wir acht Wochen lang füttern mußten, um sie vor den Detektives und Spürhunden dieses freien Landes zu schützen, damit sie nicht ihren grausamen Herren wieder zurückgeliefert werden konnten. Ich habe manchmal meinen letzten halben Dollar für diese Neger hergegeben, die Millionäre haben aber nichts gegeben. John Brown, in Begeisterung für die Befreiung der Sklaven, wagte mit 100 entschlossenen Männern den Sturm auf Harper's Ferry, eine unüberlegte That für jene Zeit, aber bereit, ihr Leben in die Schanze zu schlagen, für eine Sache, für die sie sich ein- mal verschworen hatten.(Bravo.) Mit 20 Männern machte er den An- fang und wurde dafür gehängt, wie ein Raubmörder. Als an jenem Abend nach dem 2. Dezember 1859 ein kleines Häuflein Deutscher— die Herren Amerikaner ließen sich nicht blicken— in der Kinzie-Halle zu- sammen kam, da mußte mir der damalige Mayor der Stadt eine Schutz- wache von Polizisten geben, damit ich von dem Pöbel nicht todtgeschlagen wurde, bevor ich zum Sprechen kam. Das, was im Süden die schwarze Sklaverei war, daS und noch schlimmer ist jetzt hier und überall die weiße Sklaverei.— Wenn man, wie ich, so lange unter den Arbeitern verkehrt, dann weiß man, daß der Arbeiter politisch nicht frei sein kann, bevor er nicht ökonomisch unab- h ä n g i g ist. Der Arbeiter kann sich nicht zum Kongreßmitglied, nicht in den Stadtrath wählen lassen, er kann den Preis für das Amt nicht bezahlen. Jetzt schon treten die Kaukusse für die im Herbst stattfindenden Wahlen zusammen. Die„Macher" kommen zusammen und„schmusen" und fixiren die Preise für die Kandidatenstellen. So steht es hier, so steht es überall. Seit einigen Wochen liest man in einer Nevadaer Zei- tung von einer für hunderttausend Dollars ausgeschriebenen Senator- stelle. Das ist natürlich ein Scherz, aber es ist ein bitterer Scherz, er entspricht den Thatsachen.— Heut« lese ich in einer Zeitung von dem fluchwürdigen Sklavenkontrakt, den zu unterzeichnen der Kohlenlord und Eisenbahnmagnat Wm. L. Scott von En«, Pa.,— der Mann ist Kon- greßmitglied— seine MinewArbefter gezwungen hat. Solche Hallunken sind die Bluthunde, das sind die Herauf- beschwörer der Revolution!" *) Die Perfidie der Zusammenstellung erhält noch dadurch eine be- sondere Illustration, daß im„Proletariat" ganz besondere Reklame ent- faltet wird für— Andrea Costa, trotzdem dieser ebenfalls auf Grund einer bürgerlichen Liste gewählt wurde. Aber Costa ist mit HerrnBrousse persönlich befreundet, das ist der Schlüssel des Geheimnisses. Wir sagen jedoch: Was Basly und Camelinat Recht, ist Costa billig, und umgekehrt. Korrespondenzen. Bromberg. Schon vor längerer Zeit kennzeichneten wir in diesem Blatt die Art, wie der hiesige erste Staatsanwalt Bartz die Staats- retterei betreibt. Der strebsame Herr möchte um jeden Preis dahinter kommen, wer eigentlich hier in Bromberg das sozialistische Gift aus- streut. Nachdem Genosse W. B o g s schon früher gerichtlich vernommen worden war, ob er wirklich nicht wisse, wer hier die sozialistischen Schriften betreibt, wurde er neulich, am 5. August, auf's Neue einem hochnotpeinlichen Verhöre unterzogen, das aber selbstverständlich wie das erste verlief: der Liebe Mühe war vergebens. Aber die Sache kostete 2 Mk. 50 Pf. Zeugengebühr, die dem sozialdemokratischen Wahl. sonds zu Gute kommen sollen. Wir sind hier nur wenige Genossen und unsere Mittel find sehr ge- ring, aber wir stehen treu und fest zur Sache und verfolgen mit Jnter« esse jeden Fortschritt, den die Bewegung macht, und sind bereit, in jeder Weise für die Sache einzustehen. Hier gibt es weder Versammlungen noch Diskussionen, nur die Propaganda von Mund zu Mund. Mögen es sich die Parteigenossen ins Gedächtniß einprägen: Ost- und West- preußen»c. werden viel Geld und Mühe kosten, aber sie werden einst dankbar sein und alle Opfer lohnen. Darum nur Geduld und festen Muth: wenn auch Pultkamer und seine Banditen glauben, durch brutale Gewaltmittel die Bewegung ein- dämmen zu können, gerade jetzt muß und wird es sich zeigen, auf welcher Seite daS Recht ist. D. a. L. -in- Leipzig. Probatum est. In Nr. 33 finden die Genoffen unter der Marke:„Auch neue Praxis" einige Zeilen über das Urtheil gegen die in der Fluglatt-Affäre angeklagten Genossen.*) Bekanntlich *) Siehe auch die vorige Nummer. Anm. d. Red. hatte man nun in Zwenkau. Dank der„Liebenswürdigkeit" eim ältlichen Herrn, gleichfalls vier Genossen erwischt. Diese hatten, nachdei seit dem Verhör eine geraume Zeit verstrichen, folgende Zuschrift« halten: „In der Strafsache gegen Sie und Genossen wegen unbefugter Vertheilung von Druckschriften werden Sie unte der Anklage, am 27. Juni 1886— also außerhalb der Wahlzeit- in hiesiger Stadt ohne polizeiliche Genehmigung Druckschriften s Wahlzwecken vertheilt zu haben, llebertretung gegen§ 43 Abs. 3 und 4 148 Nr. 5 der Gewerb ordnung, für welche als Beweismittel dienen: die vertheilten Druckschriften, Ihre Zugeständnisse, Handarbeitersehefrau Bertha Götze hier, Tischlermeister Gietzschebauch hier, Handarbefter Winkler hier, Geschirrsührer Liebold hier, zur Hauptverhandlung auf den 25. August 1886, Bormittags 9 M vor der Königliche Schöffengericht zu Zwenkau geladen." Stand dieser gesetzesgemäße Strafantrag schon im schroffsten Gege» satz zum Leipziger, so gibt der folgende Beschluß dem in der Seestad gefällten Urtheil eine noch kräftigere Ohrfeige: „Beschluß: Das Königliche Amtsgericht Zw enkau vom 11. August 1836. In Sache wider* und Genoffen, die unbefugte Bertheftung vo« Druckschristen betreffend, wird der auf den 25. August 1886, Vor mittags 9 Uhr, anberaumte Hauptoerhandlungitermin auf Antrag d« Königl. Amtsanwaltschaft hiermit aufgehoben. Otto. Will. Ausgefertigt am 12. August 1886. Der Gerichtsschreiber de« Königl. Amtsgerichts Zwenkau: Richter." Bis jetzt ist uns nichts Näheres darüber bekannt, ob ein später« Termin anberaumt ist oder was sonst nun geschehen soll. Doch da Eine bleibt Thatsache, daß da» Zwenkauer Amtsgericht über das Urtbe der Leipziger„Kollegin" nicht wenig— erstaunt ist. Die Leute wollet offenbar eine solche Schmach nicht auf ihre Schultern laden. Sind« doch zumeist Richter aus der sogenannten„alten Schule", in denen nol etwas mehr Rechtsgefühl steckt, als in den Zöglingen der neuer« Stteberschule. Welch' ein Unterschied: Häntzichel-Bartsch in Leipzig fü dasselbe Objekt 2—3 Monate Gefängniß, das Zwenkauer Amtsgerick Aushebung der Termine! Häntz'chel, lieber Häntzschel, erkundige dich doch gelegentlich nach de* Befinden des alten Herrn in Zwenkau, welcher unsere dortigen Genossel von der„Schenke" mit denunzirt hat. Wir können dir mittheilen da er noch täglich die„Rose" büßen läßt. Zweifelsüchttge Leute behaupte« aber, daß die Geschwulst von anderen Ursachen herrührt. Kommt Zeit, kommt Rath. Kommt ein alter Topf geflogen, Find't sich auch der Draht! Ueberleg's dir. Häntzschel, und sieh' dich bei Zeiten nach einer Streich frau um. Quittung. Die Leipziger Genossen quitttren hiermit dankend: Mk. 30— von Leimtiegel für verbrannten Leim erhallen und „ 2 45 von einer Landpartie zu bekanntem Zweck. Brieffasten der Redaktion: Einsendungen rc. sind eingetroffen au««er» lin, Berlin-Friedrichsberg, Leipzig, Mollis, Mün« chen, Stettin, Kassel. der Expedition:«. B. Cassel: Mk. 2 60 für die Opfer de» Freiberger Prozesses dkd. verw. Lesen Sie den ausgedruckten Wortlaui der D. Sch.— Plattkopf: fbd. dkd. erh. u. benützt.— Bürger Sanft muth: F. d. G. geeigneten OrtS abgegbn.— Sachen: Mk. 20— pr Ufd. dkd. erh.— Clara: Mk. 200— ä Cto Ab. rc. erh. Warum Eiw gänge nicht erwähnt?!— C. Grimm Porto Alegre: Fr. 26 85 pr. Ab 86 lt. Nota am 19/8. erh. Fr. 3 15 d. Ufd. dkd. zugew. Bücher-BstllS am 6/8. nochmals bei der„ M e t a l l a r b e i t e r Z e i t u n g" i i Nürnberg«klamirt.— Der Alte Lgz.: Mk. 4015 pr.«b.-Res> 2. u. 8. Qu. erh. ReklamirteS wahrscheinlich in Zwischenhand verhaue» Werden's ordnen.— Die 3 Gleichen: Mk. 100— ä Cto. Ad.»c. erh — Vom Deutschen ArbeiterbildungSverein Chur und dem„Frohsinn" in DavoS: Fr. 7 50 f. d. Opfer des Freiberger Prozesses, bei eine» Znsammenkunst in Arosa gesteuert, dkd. erh.— Rothe Erde: Mk. 20 i Cto Ab. ,e. erh. Bf. erw.— Ruprecht: Mk. 52 91 ä Cto. Ab.»c. erh.— A. F. Grotz: Mk. 5— f. vchft. erh.— Der alte Wilhelm: Mk. 2— Ab. Aug. u. Sept. erh. Derartige Formalitäten Ind zweck' los und unterbleiben besser, wie die Dinge heute liegen.— New-Haven:(20 Doli.) Fr. 101 25 f. d. Opfer des Freiberger Pro' gesammelt von I. Bollensänger, dkd. erh.— Ein zu lebenSlängllch- Heuchelei Verurtheilter sendet: Mk. 5— f. die Opfer des Freiber Prozesses.— I. H.: Mk. 96— i Cto Ab. rc. erh. Beil. besorgt. Weiteres.— Ungenannt in Höchst a/M.: Mk. 4— pr. Ufd. dkd. er,, — H. A. Stockholm: Mk. 7 45(Kr. 6 70) f. Schst. erh. Bfl. mehr.— Die rothen Wendelsteiner: Mk. 6— Ad. 3. Qu. erh. St. desorgt.-- Rothsack: Mk. 3— Ab. 3. Qu. erh.— Die rothen Wendelsteiner und Rothsack: Mk. 1— pr. Ufd. u. Mk. 1— pr. Dfd. dkd. erh.— H. Sch. G.: Mk. 9— Ab. 8. Qu. erh.— Der Alte Gzh.: Mk. 30— Ad. 3. Qu. erh. Bstllg.»c. folgt.— E. T. H.-Mn.: Mk. 5— Ab. 3. Qu. und Schst. nh.— Bürger Sanftmuth: Mk. 50—4 Cto. Ab. rc. erh. Adr. geordnet. Bstllg. folgt.— C. D. Glasgow: Fr. 32 40 Ab. 2. u. 3. Qu. erh. Weiteres betr. Sch. vorgemerkt.— Gracchus F.: Mk. 350— 4 Cto. Ab.»c. erh. Mk. 18 55 pr. Ggrchg. gutgebr.— Sommerfeld: Mk. 5— f. d. Opfer des Freiberger Prozesses dkd. verw. DeSgl. von Forst R.-L. Mk. 200—.— Gracchus W.: Mk. 50—4 Cto. Ab.»<• erh. Ggrchg. lt. Aufstllg. gebucht. Bstllg. ,c. notirt.— Winterthur: Fr. 20— f. d. Opfer des Freiberger Prozesses dkd. erh.— Hansen: 32 Pfg. f. Schst. erh.— Dreifuß in L.: P.-Ka. 28/3. erh. Verfahrennach Vorschr.— E. Vb. Gent: Statutenbücher d. Booruit dkd. erh. Gruß.— Qitftrb Samstag, den 23. August, Udends S'/, Uhr, in» OU4 lU.) C a f e R u t»e r(früher„Weiße,»ößli«) an der Schiff« lände, 1. Stock: Heschloffeue Versammlung der deutsche» Syjialiste». Tagesordnung: Wichttge Parteiangelegenheiten. Zu zahlreichem Erscheinen ladet steundlichst ein Der Lokalausschuß. Soeben erschien und ist durch uns zu beziehen: Sozialdemokratische Bibliothek. Heft vM.: Der todte Schulze gege« de« lebeude« Laffalle. Preis: 40 Pfg.— 50 CtS. Bestellungen auf die„Sozialdemokratische Bibliothek" werden erbeten- Die Hefte werden auch einzeln abgegeben. YoUtsbachliaadliuiK und Kxpedition de*„Sozialdemokrat". Ho ttlngea• Zfir ieh.