AboAvemeuts tonten bei'allen Ichtoelierlschen Vostbureaux., sowie beim Verlag und dessen belannten Agenten entgegengenommen, und zwar zum dorauS zahlbaren Lintelsahrspreis von: Jft. 2,— s«r dieEchweiz sikreuzband) Vit. fllr Deutschland sCouver» sl. 1.70 sitr Oesterreich Hattingen- Zürich. Nosts»tUÜ,t» sranl» gegen srant«. Gewöhnliche Briese nach der k ch w e t z lost«» Doppelport». M 40. Briefe an�ie Redaktion und Erpedition de» in Deutschland und Oesterreich verbotenen.Sozialdemokrat' wolle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lasten. In der Regel schicke man uns die Briefe nicht direkt, sondern an die bekannten Deckadresten. In zweifelhaften Fällen eingeschrieben. 1. Oktober 1886. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Der Trades-Uniovs-Kongreß in Hull. „Mit Zittern und Zagen", schreibt James Blackwell, Mitglied deS Londoner Schriftsetzervereins, in der„Justice", „hat der Gcwerkschasts-Kongreß, der vorige Woche in Hull tagte, eine oder zwei Resolutionen gefaßt, die einen unbestritten gesunden und fortschrittlichen Gedanken ausdrücken, der größte Theil seiner Debatten war dagegen der Diskussion von Flick- tverkreformcn gewidmet, von denen mehrere an sich ganz gut sein mögen, die aber gegenüber der großen sozialen Frage, die «S zu erörtern galt, sich sehr abgedroschen ausnahmen. Die systematische Ueberzeit- Arbeit wurde als schädlich für die in Arbeit Stehenden und als«ine Ungerechtigkeit gegenüber dem großen Heer der Beschäftigungslosen verurtheilt und eine Re- solution angenommen, welche unverzügliche gesetzliche Maß- regeln zu Gunsten der arbeitslosen Lohnsklaven verlangt. Das ist freilich recht gut, aber was sollen wir von der Weigerung deS Kongresses halten, dem Grundsatz der Nationalisirung des Grund und Bodens, sowie den auf der jüngst stattgehabten Internationalen Konferenz in Paris gefaßten Resolutionen zu Gunsten der Achtstunden-Arbeit und eines Minimal-Lohues zuzustimmen? „Die Eröffnungsreden der Präsidenten waren sonderbare Mischungen von Wahrheit und Täuschung. Herr Maudsley gab z. B. ein gutes Stück angewässerten Sozialismus zum Besten und schloß dann mit der absurden Behauptung, daß in Frank- reich die sozialistischen Ideen in den Hintergrund treten, wäh- rend er sehr gut weiß, daß mit Ausnahme der englischen alle Delegirten auf der internationalen Konferenz Sozialisten waren. Ebenso brachte Herr Maddison erst einige schlagende Argumente gegen die heutige Gesellschaftsordnung und zu Gunsten des Boykottens sowie des Achtstimden-Arbeitstages vor, um leider mit der Empfehlung des„Drei Becker und eine Kuh"-Systems (Ideal der englischen kleinbürgerlichen Philanthropen) zu schließen. Und als die kapitalistische Presse seine Rede ab- sprechend beurtheilte und ihr Bedauern darüber ausdrückte, daß der Vorsitzende des Trades-Unionskongresses eine so sozia- listische Rede gehalten, benutzte Herr Maddison die erste Ge- legenheit, um zu erklären, daß er durchaus nichts Böses über die Unternehmer im Allgemeinen habe sagen wollen, sondern nur die gemeint habe, die geringere Löhne zahlen als die Trades-Unionssätze. Das hinderte aber den Kongreß nicht, eine Resolution anzunehmen, in der er sein Bedauern aus- drückte über den Tod eines Mannes, der durch die Ausbeutung von„Schwitzenden" zwei Millionen Pfund Sterling ange- häuft hatte. „Es ist möglich, daß das Arbeiter-Wahlkomite, dessen Bil- dung vorgenommen wurde, und in dem Herr Threlfall(der Borsitzende deS vorjährigen Kongresses, dessen geradezu auS- gesprochen sozialistische Ansprache damals großes Aufsehen er- regte. Anm. d. Red.) und andere vorgeschrittenere Männer sitzen, einen guten Einfluß ausüben wird. Von den Mitglie- dern des alten Parlamentarischen Komites kann man sicherlich nicht viel erwarten, namentlich da Herr Henry Broadhurst, der liberale Karrengaul, wieder zum parlamentarischen Sekretär ernannt wurde. Aber das neue Komite mag sie ein wenig aufrütteln und ihren reaktionären Projekten entgegenwirken, besonders dadurch, daß es die kapitalistische Presse mit der Verachtung behandelt, die ihr gebührt, statt Herrn Maddison'S Aengstlichkeit nachzuahmen. Schon schwatzmeiert der Feind über die„selbstmörderische Politik" der Arbeiter, die nach wirklicher Vertretung im Parlament streben. Es wird für das neue Komite sehr gut sein, im Gedächtniß zu behalten, daß eine große, sich täglich mehrende Anzahl von Trades-Unionisten sich fragt, warum blos die Arbeiter im nationalen Parlament nicht vertreten sein sollen. „Es wurde auch von einer Federation der Gewerkschaften gesprochen, aber kein Schritt gethan. die Sache in Fluß zu bringen. Welch' gewaltige Macht eine solche Organisation aus- üben könnte, hat der berühmte amerikanische, aus qualifizirten und nichtqualifizirten Arbeitern zusammengesetzte Bund, die Arbeitsritter, gezeigt. Es ist unzweifelhaft nur dieser Organi- sation geschuldet, daß der Boykott in den Vereinigten Staaten so große Erfolge aufzuweisen hat. Daß mit einer ähnlichen � Organisation das Boykottsystem, wie Herr Maddison es dar- gelegt, hier m England Erfolge erzielen würde, steht außer ! Frage. „Alles in Allem kann der jüngste Kongreß als ein Fortschritt gegenüber dem vorigen bezeichnet werden. Kein Zweifel, die sozialisttschen und revolutionären Ideen dringen immer mehr in die Reihen der qualifizirten Arbeiter ein. Wir marschiren heutzutage sehr schnell. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der nächste Kongreß einen so großen Fortschritt gegenüber dem diesmaligen darstellen, daß unter den Delegirten viele sich mit Stolz als revolutionäre Sozialdemokraten bezeichnen werden. die sich nicht fürchten, unverblümt die Interessen ihrer Klasse zu verfechten. Das konservativ-offizielle Element mag sich dann vorsehen, denn die TradeS-Unionisten Englands werden, was die aufgeklärten Arbeiter aller anderen Länder bereits gethan, sich dann für die soziale Revolution erklären." So Blackwell.• Seine Ausführungen haben deshalb für unS eine besondere symptomatische Bedeutung, weil er selbst sich mitten im ge- werkschaftlichen Leben befindet. Und daß, was er über den Huller Kongreß gesagt, keineswegs zu Gunsten des Sozialis- mus übertrieben, geht aus den Klagen der kapitalistischen Blätter über die bedenkliche Verirrung der bisher so artigen Kinder hervor. „Bedenkt man,"— schreibt der konservativ- ministerielle „Standard"—„daß die Geschäfte lange gestockt haben und die Löhne niedrig sind, daß die Klagen der„Unbeschäftigten" wirklich sehr begründet sind und mehr oder weniger von allen Klassen der industriellen Bevölkerung empfunden wurden, und daß verderbliche und revolutionäre Doktrinen neuerdings mit beispielloser Energie und Rücksichtslosigkeit dem„Proletariat" gepredigt wurden, so ist es nicht verwunderlich, daß die Ver- treter der Gewerkvereine gelegentlich vergaßen, vorsichtig und verständig zu sein." Und der„Economist", der die kapitalistischen Interessen ohne Rücksichten auf taktische Parteimanöver, die bei dem Standard mitreden, zum Ausdruck bringen darf, schreibt: „Die ganze Ansprache des Borsitzenden, obwohl meist ge- mäßigt in der Form, athmet einen Geist, der das genaue Gegentheil des Geistes der alten Trades-Unions und(schreck- lich!) nichts anderes ist als der Geist des Sozialismus. Alles das ist sehr betrübend, da es zeigt, daß die gefährlichste, weil praktischste Form des festländischen Sozialismus— der Kollektivismus— unter den englischen Arbeitern eine große An- ziehungskraft ausübt." Allerdings hatte sich Maddison zu folgendem, etwas schlecht gewählten, aber in der Tendenz nicht mißzuverstehenden Bilde verstiegen.„Die Arbeit", sagte„ist der Baum, das Kapital, die Genußgüter, sind die Früchte dieses Baumes. In der Na- tur beherrscht der Baum die Frucht, in der Gesellschaft wollen die Kapialisten die Arbeiter beherrschen. Elend und Verbrechen sind die Resultate dieser Verleugnung der Naturgesetze." Welche— Verirrung I Daß der Kongreß die Resolution der Internationalen Pa- riser Konferenz nicht annahm, liegt nach einer Korrespondenz deS„Proletariat" an dem Passus, der von dem Minimal- lohn handelt. Dieser rief allerhand Bedenken hervor, und deshalb beschloß man, die Sache gar nicht zur Abstimmung zu bringen, sondern einem nach London einzuberufenden Jnter- nationalen Gewerkschaftskongreß zur Berathung vorzulegen. Im Prinzip stimmte man indc� allseitig den Beschlüssen zu. Für die Verstaatlichung deS Grund und Bodens erhoben sich 42 Stimmen, dagegen 47 Stimmen. Vor zwei Jahren, in Nottingham, stimmte nur ein Drittel der Delegirten für, und zwei Drittel dagegen. Die diesmalige Abstimmung ist also eine bedeutend günstigere. Mit einem Wort, es geht auch in England tüchtig vor- wärts. In einem Lande mit so ausgebildeten politischen Par- tcien war unmöglich zu erwarter., daß der Sozialismus über Nacht eine bedeutende Armee um sich gruppiren werde. Eine so festgefügte Körperschaft, wie die der Trades Unions, kann nicht durch Ueberrumpelung, sondern nur durch unablässig an- gestrengte Arbeit gewonnen werden. Daß sie aber gewonnen werde, ist nach unserer Ansicht unerläßlich. Es ist wahr, sie repräsentirt nur die Aristokratie der englischen Arbeiter, aber nicht die schlechtestsituirten, sondep' die bessergestellten Arbeiter sind eS auch anderwärts, welche ie politischen Rumpfe ihrer Klasse führen. Es handelt sich nur darum, daß sie die Soli- darität der Arbeiterinteressen in ihrem vollen Umfange begrei- fen lernen, daß sie den Zunfthochmuth ablegen, der sie noch hier und da zu beherrschen scheint. Blackwell rühmt nicht um- sonst an den amerikanischen ArbeitZrittern das Zusammengehen von qualifizirten und nicht qualifizirten Arbeitern(„sicillvd and unskilled workers"). Hier liegt in der That der Hase im Pfeffer. Die ganze moderne Entwicklung geht darauf hinaus, diesen Unterschied zu verwischen. Die strenge Abtheilung der Berufs- fächer ist vielfach gar nicht mehr aufrecht zu erhalten. DaS eine greift in das andere hinüber, und der Berufswechsel wird eine immer häufigere Erscheinung. Das und die Allgewalt der Krisen, die alle selbsthülflerischen „Maßregeln der Vorsorge" zunichte macht, mußte und muß in den Gewerkschaftlern den Glauben an die Unfehlbarkeit ihrer bisherigen„praktischen" Kampsesweise erschüttern. Der Zweifel aber ist der Weg zur Erkenntniß. So dringt, Dank der nebenhergehenden sozialistischen Agitation, da» sozialistische Gift langsam aber sicher in ihre Reihen ein. Auf rein äußer- liche Erfolge werden die Sozialisten Englands vorläufig noch zu verzichten haben, sie müssen sich mit der anstrengenden, aber darum doch dankbaren Rolle begnügen, der Sauerteig der Bewegung zu sein. Wie oben gesagt, beschloß der Huller Kongreß auch die Ein- berufung eines internationalen Kongresses nach London. DaS zeigt, wie lebhaft heute das Bedürfniß eineS Hand in Hand Gehens der Arbeiter aller Länder empfunden wird. Man hat die„Internationale" unterdrücken können, aber ihren Geist zu tödten, das wird man nimmermehr zu Stande bringen. Und das ist die Hauptsache. Der Wunsch unserer belgischen Genossen, die„Internationale" auch der Form nach wieder in's Leben zu rufen, wird sich unter den heutigen Verhältnissen wohl schwer realisiren lassen, oder doch nur unter Berücksichtigung der inzwischen gemachten Ersah- rungen. Jedenfalls ist diese Frage wohl einer Erörterung Werth, und da wir ohnehin unfern Lesern noch einen Schlußarttkel über die Pariser Konferenz schulden, so werden wir uns in nächster Nummer eingehender mit beiden Angelegenheiten beschäftigen. Die Lage der Arbeiter in Pennsylvanien. Von Henry George(Verfasset von„Fortschritt und Armuth"). Deutsch von G. M. L Der nachstehende Artikel aus der Feder Henry George'S ist der „North American Review", einer der verbreitetsten amerikanischen Monatsschriften, entnommen. Er enthält wahrhaft überraschende Mit- theilungen über die Arbeiterverhältnisse in einem der vorgeschrittensten Staaten des„stetesten Landes der Welt". Bei den immer stärkerm Wechselbeziehungen zwischen Amerika und der alten Welt geht der Ueber» setzer sicher nicht fehl, wenn er annimmt, daß der Artikel auch für die Leser de«„Sozialdemokrat" von Interesse sein wird. Nach dem letzten Zensus betrug die Einwohnerzahl von Pennsylvanien 4,282,891. Das Verhältniß der männlichen zu der weiblichen Bevölke» rung ist gleichmäßiger als in den meisten amerikanischen Staaten, näm- lich 213: 214, das der im Lande Geboreneil zu den Ausländern wie 36: 6, der Weißen zu den Farbigen wie 419: 8. Das Verhältniß der Geschlechter ist gleichmäßiger als in den angrenzenden Staaten, die Pro» portion der Ausländer kleiner als in New- Jersey, New-Jork oder Ohio, und die Proportion der Farbigen kleiner als in Maryland oder West-Virginien. Die Bevölkerung ist auf einem Areal vertheilt, da? ein Drittel größer ist als Irland und ein Siebentel größer als England, und zählt im Durchschnitt 95 Einwohner auf die englische Quadratmeile gegenüber 159 in Irland und 484 in England. Demgemäß kann von keinem zu dichten Zusammensein die Rede sein; solch' eine Bevölkerung auf diesem Areal sollte im Stande sein, guten Lohn zu verdienen, es sei denn, die Natur sei ausnahmsweise karg. Aber angesichts der Thatsachen mag e» bezweifelt werden, ob es aus der Erde noch ein Gebiet von 43,0elnen Stationen bestehen vorderhand nur aus B r e t t e r h ü t t e n oder Filz- zelten; viele Stationen entbehren noch immer selbst des für die Maschinen nothwendigen Wassers, ohne von dem fühl- baren Mangel an Brennmaterial zu sprechen, da die Depots für Petro- leumhese(Astatki), womit die Lokomotiven geheizt werden, noch lange nicht gebaut sind." Des Weitern weist Vambery nach, daß eS um den zweiten Punkt, aus dem die Uebermacht und Kriegsfertigkeit Rußlands hergeleitet wird: die Sicherheit seiner Stellung in Zentralasien, auch nicht so sehr glän- zend aussieht, wie in den England feindlichen Kreisen behauptet wird. In B o ch a r a steht die Ruhe keineswegs auf festen Füßen, die feind- liche Stimmung der gesammten Bevölkerung gegenüber Rußland äußert sich lebhast in dem Widerwillen gegen den, nach ihrer Ansicht sich Rußland viel zu unterwürfig zeigenden Emir Abdul-Ahad. In der Provinz Ferghana, dem ehemaligen C h o k a n d, gährt es, ebenso in E h i w a, wo die Oezbsgen und Turkomanen nur aus den geeigneten Moment warten, an Rußland Rache zu nehmen, und in Afghanistan hat die Stimmung trotz des russischen Rubels vollständig zu Gunsten der Engländer umgeschlagen. Der russische Uebersall bei Pendschdah im vorigen Jahre, von den jstussen in das Gegentheil umgelogen, dieses Blutbad, bei welchem die''russischen Helden den an einen Angriff gar nicht denkenden Afghanen an Zahl vierfach überlegen waren, hat diese wie auf einen Zauberfchlag urplötzlich in einen Russenfeind umge- wandelt.„Die englischerseits erfolgte Armirung und Befestigung Herats wurde afghanischer- und auch hcraterseits mit einem Freudentaumel begrüßt und auf's kräftigste unterstützt. Wo immer- sich ein Engländer zeigte, wurde er vom Volke umjubelt, und der ehemalige verpönte Feind wird heute als Wohlthäter begrüßt und ge- feiert." ....„Nicht nur ist jeder Hintergedanke bezüglich einer englischen Eroberung beseitigt, sondern selbst der Bau einer Eisenbahn bis in die Nähe Kandahars hat die bereitwilligste Beistimmung der afghanischen Regierung und des afghanischen Volkes gefunden. Der Bau dieser Bahn bis nach Pischin, die Befestigung des Chodschakpasses und die Instandsetzung der ganzen Vertheidigungslinie am Hilmend wird mit wenig Lärm, aber mit großer Energie betrieben. Wir übertreiben nicht im mindesten mit der Behauptung, daß die Lage der Engländer im Nordwesten des indischen Reiches von Tag zu Tag an Festigkeit zu- nimmt." So Vambery. Auch wenn er in einigen Punkten zu optimistisch sehen sollte, so steht doch so viel fest, daß den Prahlereien der Katkow u. f. w. gegenüber ein kühles„Bangemachen gilt nicht" durchaus am Platze ist. Das überlaute Säbelrasfeln hat nur den Zweck, die den Eingeweihten sicher wohlbewußte zweifelhaste Sachlage zu verdecken. Natürlich werden sich die Engländer ebenfalls hüten, zum Krieg zu provoziren, und wenn sie ihre Passivität in der Bulgarischen Affäre damit begründen, daß es keineswegs im ausschließlichen Interesse Eng- lands liege, dem Vordringen Rußlands auf dem Balkan entgegenzu- wirken, so haben die jüngsten Vorgänge in der politischen Welt Oester- reich-llngarns gezeigt, daß diese Auffassung keine falsche ist. Die Ueber- treibung der Machtstellung Rußlands ist nur das Feigenblatt sür die Liebedienerei Bismarcks gegenüber dem Zaren. � Einer uns aus Deutschland zugehenden Korrespondenz über die Extrasession des Reichstages, über die wir bereits in voriger Nummer berichtet, entnehmen wir noch folgende Betrachtungen: Daß durch die rohe, nichtswürdige Unterdrückung jeder gewerkschaft« nchen Bewegung die Regierung sich in den Dienst der Arbeitgeber und Unternehmer stellt, daß durch die von dem Oberkommandanten Pütt« kamer inszenirten Streikoerbote, Auflösung von Lohnkommissionen u. s. w. die Arbeiter wehrlos der kapitalistischen Ausbeutung überliefert werden, ist von uns schon oft festgestellt worden, aber es ist durch das fcham- lose Auftreten der Puttkamer und Konsorten in den letzten Wochen jetzt auch schlagend bewiesen, daß die herrschende Gesellschaft— Regie- rung und Bourgeoisie— das„infame Ausnahmegesetz" dazu benutzt, um vre gesammte Arbeiterbewegung todtzuschlagen. Wir haften daher vollkommen Recht, als wir die ganze Bismarck'sche Sozialreform als„einen elenden Schwindel" bezeichneten. Daß Zentrum und Liberale wieder einmal vor dem großen Otto in's Mauseloch krochen und trotz aller durch die offiziöse Meute verübten Anzapfungen für die„Bulgarerei" kein Wort fanden, wollen wir neben« bei erwähnen. Es war denn auch den Sozialdemokraten nicht möglich, die Inter- pellation, welche die ruffische Politik Bismarck's zum Gegenstand einer Besprechung machen sollte, einzubringen, weil die tapferen Helden von den Volksparteilern bis zu den Polen nicht die Kourage hatten, ihre Unterschristen herzugeben. Schade darum, es wären dabei vielleicht die„materiellen Gründe" der BiSmarck'schen Friedenspolitik einmal gründlich gewürdigt worden, es hätte sich gezeigt, daß„Väterchen an der Newa" bei seiner„Welt- Mission" der deutschen Hülfe nicht entbehrt, und daß der„brave Michel" draus und dran ist, zum„Kosaken" zu avanciren. Die Arbeiter aber werden aus diesem Vorgangs die Lehre ziehen, bei den nächsten Wahle« die Zahl der Sozialdemokraten im Reichstage so zu vermehren, daß die-! selben auch nach dieser Richtung selbständig vorgehen können und nicht die Unterstützung irgend einer Partei brauchen, um die schwer bedrohten Volksinteressen zu wahren. — Etwas zum Nachdenken für Malthusianer. Wir lesen im Pariser„Socialiste": Die Statistiker haben in Frankreich eine Abnahme der Geburten fest- gestellt, die in verschiedenen Departements mit der Zahl der Grund- eigenthümer im Zusammenhang steht. Die Oekonomen, die Moralisten und die Politiker, welche in allen Tonarten die siltlichkeitsfördernden und sonstigen schönen Eigenschaften des Eigenthums gesungen, sehen sich gezwungen, einzugestehen, daß das- selbe die Fortpflanzung der Gattung, die Entwicklung der Familie und der Nation beeinträchtigt. Es ist hart, so etwas feststellen zu müssen. Aber es scheint, daß das Eigenthum nicht der alleinige Schuldige ist, noch zwei Ursachen wirken auf eine Aonahme der Geburten hin, und leider sind diese Faktoren ebenfalls von den Herren Oekonomen und Moralisten aller nichtkommunistischer Schulen empfohlene Tugenden. Ein finnländifcher Gelehrter, Herr Talqvist, hat in HelsingsorS eine Abhandlung veröffentlicht:„Statistische Untersuchungen über dieTendenz zu einer geringerenFruchtbarkeit d e r E h e n", in welcher er feststellt, daß in Frankreich und in der Schweiz die Fruchtbarkeit der Ehen in einem direkten Verhältniß steht zu der Zahl der Sparkassenbücher und der Ehekontrakte. Zahl der Departments Zahl d-r Sparkagenbucher Ekburlen 22 20 18 10 8 8 von 44 72 114 144 196 256 18,46 18,76 17.75 16,20 15,46 14,06 10 bis 49„ 75„ 115„ 156„ 203„ Man sieht, je mehr Sparkassenbücher in einem Departement, um so geringer die Fruchtbarkeit der Ehen. Dieselbe Erscheinung hat man in der Schweiz beobachtet. Die zweite Reihe der nachfolgenden Zusammenstellung zeigt die Zunahme der Zahl der Einleger in den Sparkassen(von 1852 bis 1872) unter 100 Ein- wohnern, die dritte die Vermehrung oder Abnahme der Geburten auf je 1000 verheirathete Frauen an: Kantone Zunahme der Zahl der Einleger Differenz der S-burtsziffer 7 6.4-f- 6 9 17— 5 Wo die Zahl der Einleger langsamer zunimmt, nimmt hier die Zahl der Geburten zu, wo sie rapider zunimmt, sinkt die Zahl der Geburten. In Preußen, in England, in Dänemark und in Norwegen ist das Ver« hältniß ein gleiches. Zieht man nun statt des Sparens die Ehekontrakte, die ja Beweise ehelicher Vorsicht sind, in Betracht, so stößt man in Frankreich auf die gleiche Erscheinung: Zahl der Departement» Zahl der«ontralte aus Ivo Ehen FruchtbarleitSzlffer 9 2—9 bis II 23,75 35 12„ 42 17.07 34 45„ 70 16.54 3 72„ 82 15.49 In de n Maße, als die Zahl der Kontrakte zunimmt, nimmt die Zahl der Kinder ab. Das Eigenthum, das Sparen und die Kontrakte wirken sämmtlich auf die Abnahme der Familie und unserer Art hin. Der Kommunismus, der die Kontrakte beseitigt, das individuelle Sparen überflüssig macht und das Privateigenthum durch das gesellschaftliche Eigenthum ersetzt» wird auch die Fruchtbarkeit der Art wiederherstellen, diesen Hauptfaktor aller Entwicklung und Vervollkommnung." So der„Socialiste". Seine Schluhbemerkung, die für Frankreich sicher am Platze ist, möchte für Deutschland überflüssig erscheinen, sintemalen sich dieses ja, zum großen Schmerz aller Malthusianer, noch einer Be- vöikerungszunahme erfreut, welche ihm in sehr vielen Beziehungen eine Ueberlegenheit über Frankreich verschafft hat. Die französischen Patrioten würden heule glücklich sein, könnten sie ihre Landsleute veranlassen, mehr Kinder zu zeugen, aber man erzieht nicht ungestraft ein Volt jahrzehntelang„zu Vorstchtsmaßregeln", zum vollendeten Kleinbürger- thum. Mit Ausnahme weniger Departements, wo das Proletariat über- wiegt, helfen alle Ermahnungen nichts, die Leute wollen Pfahlbürger bleiben. Sie haben sämmtlich Sparbücher, sie verheirathen sich spät und bekommen nur zwei Kinder— ein wahrhaft idyllisches Leben, nur mit dem kleinen Unterschied, daß Frankreich dabei wirthschaftlich und politisch — zurückbleibt. — Ebenfalls für Malthusianer beherzigeuswerth. Auf dem deutschen Naturforscher- Kongreß, der vorige Woche in Berlin tagte, sagte Herr Werner Siemens:„Es erscheint sogar sehr wahrscheinlich, daß es der Chemie im Bunde mit der Elektro- technik dereinst gelingen wird, aus der unerschöpflichen Menge der überall vorhandenen Elemente der Nahrungsmittel diese selbst herzu« stellen, und dadurch die Zahl der zu Ernährenden von der schließ« lichen Ertragsfähigkeit des Bodens unabhängig zu mache n." Herr Siemens hat zwar in der betreffenden Rede später« den Beweis geliefert, daß man ein sehr bedeutender Elektrotechniker und zugleich ein sehr unbedeutender Nationalökonom sein kann— worüber wir ein andermal mit ihm reden werden— die vorstehende Bemerkung des Fachmannes verliert aber dadurch keineswegs an Gewicht. Vor Fach- leuten, wie sie in der betreffenden Versammlung anwesend waren, würde er sich gehütet haben, seinen wissenschaftlichen Ruf durch Aussprechen eines Satzes preiszugeben, der mtt dem gegenwärtigen Stande der Wiffenschaft in Widerspruch stände. Genug. man kann sagen, daß absolut kein Grund vorliegt, daran zu zweifeln, daß es der kommenden Generation gelingen wird, die Nahrungsmittelerzeugung mit dem Steigen der Bevölkerung weiter zu entwickeln. Die malthusianistischen Befürch- tungen in dieser Beziehung sind nichts alsGespensterseherei. — Sig gehören zusammen. In einer badischen Korre- s p o n d e n z der„Frankfurter Zeitung" lesen wir: „Vor einigen Jahren war die Lage der Dinge so, daß man von so- genannten„gemischten" Kandidaturen,„ullramontan-konservativ demo« kratischen" sprach und in einem gewissen Sinne auch sprechen konnte, weil jene drei Richtungen der einen nationalliberalen gegenüberstanden und darauf angewiesen waren, Kompromißkandidaten aufzufinden und aufzustellen. Heute ist die Sachlage allerdings eine andere. Die konser- vaiivs und demokratische Partei ist isolirt; die nationalliberale hat ihre Bundesgenossen in den kleritalenOpportunisten gefunden. Borausstchtlich wird daher in Bälde eine neue Parteir chtung hervortreten. Der Kleriko-Nationalliberalismus wird die Signatur unserer badischen Zeit bilden, und die Klerikal-Natio- nalliberalen oder Nationalliberal Klerikalen werden stch von dem einfachen Staatsretterthum zum S t a at s k i r chen> und Religi ons- retterthum emporschwingen. Eine herrliche Ausgabe für die Frak- tion Kiefer-Lender! Die Zeit des herzlichen Einverständnisses zwischen Staat und Kirche rückt heran, und was von Baden gilt, hat auch für das übrige Deutschland seine Bedeutung. W r haben eine solche Periode — die Zeit der großen Gesangbücher— schon einmal durchgemacht, und Land und Boll wird zu erproben haben, welches System für seine In- teressen, seine Freiheit und Selbständigkeit, insbesondere aber für seine geistige Entwicklung zuträglicher ist, das des gegenseitigen Schmiegens und FügenS, oder das der Trennung beider Gebiete aus gesetzlicher Grundlage. Inmitten des heftigsten Kulturkampfes haben einzelne Stimmen die letztere Lösung als die einzige bezeichnet, welche Aussicht auf dauernden Bestand gewährt. Trotz deS gegentheiligen äußeren Scheins wird die Zukunft ihnen Recht geben. Die heutigen Friedens. bestrebungen zwischen Staat und Kirche beruhen lediglich auf dem Ein- flusse bestimmter hochgestellter Persönlichkeiten und find daher vergänglicher Natur. Unterhalb dieser Kreise stehen sich aber Kräfte init entgegengesetzten Interessen gegenüber, die sich vorübergehend beugen, niemals aber in ihren Bestrebungen brechen lassen, das ist auf Seiten des Staates die Bureaukratie, auf Seiten der Kirchs die Hierarchie. Die Geschichte hat hinlänglich bewiesen, daß zwischen beiden Kräften kein dauernder Frieden möglich ist." Nun, was die letztere Behauptung anbetrifft, so erlauben wir uns doch einige Zweifel an der Richtigkeit derselben. Bureaukratie und Hier- archie haben sich in verschiedenen Ländern, wo ihr Interesse sie darauf verwies, sehr gut vertragen, und das werden sie auch in Deutschland thun Der Kleriko-Nationalliberalismus ist eine ganz natürliche, in dem Charakter beider Richtungen begründete Erscheinung: die nationalliberalen„Kulturkämpfer" mußten beim Pfaffenlhum enden, — dasselbe zeigt sich in Frankreich bei den Opportunisten, obwohl da die �hochgestellten Persönlichkeiten" nicht in Frage kommen— und die ultra- Montane Mischmaschpartei mußte, sobald die Hitze des Kampfes abge- kühlt, auf den Nationalliberalismus kommen. Wir haben die Letzteren schon vor Iahren die katholisch schillernden Nationalliberalen genannt. Sie'gehören zusammen, die ehedem so feindlichen Parteien, und sie werden zusammengehen, um in friedlicher Nebeneinanderarbeit die geistige Und materielle Knechtung der„niederen Klassen" um so wirksamer be> sorgen zu können. Wir begrüßen dieses Bündniß. Die Sache, die wir »ertreten, ist heute star! genug, den Kampf gegen die verbündeten Feinde auszunehmen, diesen wirklichen Kulturkampf gegen Alles, was sich der Zerbrechung des Joches der Lohnsklaverei entgegenstemmt. — Ueber Edward Aveling, der Mann der jüngsten Tochter von Karl Marx, die beide jetzt gemeinsam mit Liebknecht die Azitationstour durch die Vereinigten Staaten abhalten, finden wir in der New-Iorker »Voltszettung" folgende biographische Mittheilungen: „Unter den Rednern und Schriftstellern der Sozialisten in England nimmt Dr. Aveling einen hervorragenden Rang ein. Er wurde am 2g. November 18Sl in London von irischen Eltern geboren. Er b-> suchte zuerst mehrere Privatschulen, um dann in Harrolds Schule, welche von den Söhnen der Aristokratie Londons als Borbereitungsschule für die Universität besucht wird, geschickt zu werden. Hierauf studirte er Medizin am University Kollege in London, machte einen praktischen Kursus am Taunton County Hospital durch und erwarb sich dann den Doktortitel. Aber die ärztliche Praxis behagte dem strebsamen jungen Manne nicht und er wandte sich aufs Neue dem Siudium der Natur- Wissenschaften zu. Er warf sich mit großem Eifer auf Botanik und Zoologie, und es wurden ihm auf der Londoner Universität für Fleiß und Auszeichnung in diesen Fächern mehrere Preise zu Tbeil, welche ihn zu mehrjährigen Regierungs Stipendien berechtigten. Bald darauf wurde ihm der Titel eines„ljaolrolor ok Science" zuerkannt. Dann etablirte er sich an der Universität zu Cambridge als Privatdozent und sungirte längere Zeit als Assistent des berühmten Professors der Phy- fiologie, Michael Foster. Hierauf acceptirte er einen Ruf als Dozent In dem bekannten Mädchen< Seminar der Miß Büß in London, einer Mufieranstalt dieser Art in England. Während seiner Thätigkeit in dieser Anstalt versuchte sich Dr. Aveling zum ersten Male auf dem Ge- biet der Journalistik und des öffentlichen Vortrages, wobei er in hohem Grade erfolgreich war und sich einen in die weitesten Kreise dringenden Ruf erwarb. Sein Forschungstrieb hatte ihn längst in's Lager der Darwinisten geführt und von dort war es für ihn nur ein Schritt zum Atheismus. Er schloß sich den Freidenkern an und wurde eng befreundet mit Bradlaugh. Aber alles dieses genügte ihm nicht. Er sah ein, daß die Freigeisterei an und für sich nicht zur Emanzipation des darbenden, arbeitenden Volkes führen würde, und deshalb begab er fich aus das Gebiet der national-ökonomischen Forschung. Durch das Studium der Schriften und des großen Werkes„Das Kapital" von Karl Marx wurde er schließlich ein durch und durch überzeugter So- iialist. Er begann selbst, sozialistische Werke zu verfassen und verfocht in Wort und Schrikt die großen Lehren des Altmeisters der Sozial- demokratie. Persönlich ist er mit Marx nur ein einziges Mal in seinem Leben zusammengeti offen, und zwar nach einem Vortrage, den er gehalten Und den Marx zu hören gekommen war, nachdem er von dem jungen Gelehrten vieles Gute gehört halte. Marx sprach sich sehr günstig über dm Vortrag aus und erklärte später wiederholt, Dr. Aveling berechtige tu den schönsten Hoffnungen als erfolgreicher sozialistischer Agitator. In den Versammlungen der Partei machte er die Bekanntschaft Eleonores, der jüngfien Tochter von Karl Marx. Die Beiden fühlten sich zu einander hingezogen und verlobten sich kurz vor dem Tode des großen Gelehrten. Erst als Marx aus der Todtenbahre lag, hat Aveling ihn wiedergesehen. Einige Zeit nach dem Tode des Vaters wurden Aveling und Leonore Marx Mann und Weib." Den Verehrern der freie« Konkurrenz in'S Stamm- buch. Für die Stickerei-Jndustrie der Ostschweiz besteht seit einiger Zeit ein Verband, der in Bezug der Arbeitszeit, Akkord- sätze rc. Bestimmungen festsetzt, nach denen sich sämmtliche Angehörige des Verbandes streng zu richten haben, so daß in diesen Punkten die„persön- liche Freiheit" für sie geradezu aufgehört hat. Aber weit entfernt, sich darüber unglücklich zu fühlen, sind die Angehörigen des Verbandes mit dem neuen Zustand der Dinge durchaus zuftieden. Wie der„St. Galler Gtadtanzeiger" berichtet, wird aus allen Bezirken des Kantons ge neidet, daß der Verband außerordentlich wohlthätig wirke, indem «r der Raubwirthschaft der Einzelsticker einen Riegel schob, die unbarm- herzige Ausnutzung der Arbeiter, namentlich auch der Frauen und Kinder, durch die Reduktion der Arbeitszeit einschränkte.„Der Ver- band hat sür die G e s u n d h e i t d e s V o l k e s so viel gethan, wie «in halbes Hundert Doktoren, die Sittlichkeit und Moral gefördert, wie eine Kapitelskonferenz von Geistlichen."*) Wir verkennen natürlich die Gefahren, welche den Bestand der An- »rdnungen deS Verbandes und dadurch diesem selbst durch die inter- Nationale Konkurren, und die technische Entwickelung der Industrie drohen, keineswegs, aber selbst wenn sie über kurz oder lang wieder zu seiner Auflösung führen sollten, so würde doch die Thatsache bestehen bleiben, daß selbst in Unternehmerkreisen immer mehr der Glaube an die alles heilend- Kraft der ungefesselten Konkurrenz schwindet, und daß der Gedanke der gesellschaftlichen Regelung der Produktion fich heute den Köps-n quasi von selbst aufdrängt. Denn man beachte Wohl, der Stickereiverband hat absolut nichts mit mittelalterlicher Zünst- lerei zu thun, er ist eine moderne Echöpsung, ein zwar mit Halbheiten aller Art arg behafteter Versuch, aber doch ein Versuch, den Kampf Ums Dasein innerhalb der Gesellschaft um ein wesentliches Element abzu- schwächen, und insofern ein wesentlicher Schritt in der Richtung des Sozialismus, der die vollständige Aufhebung des Kampfes ums Dasein Unter den einzelnen Gesellschastsmitgliedern aus seine Fahne geschrieben. — Znr Beachtung sür Auswanderer. Die New-Dorker »V o I k s- Z e i t u n g" enthält in ihrer Nummer vom lO. September salzende Notiz, die wir aus Wunsch hiermit zum Abdruck bringen: �___ *) Beiläufig bemerkt, der Herausgeber deS St. Galler„Stadtanzeiger" ?h. Wirth, ist oder war bis vor Kurzem selbst ein Geistlicher— freilich '«iner ä la Stöcker. .„Entrüstete Emigranten. Ein Th-il der Zwischendecks- Passagiere, welche gestern mit. dem Dampfer„W e st e r n l a n d" hier eintrafen, haben, bevor sie ausgeschifft wurden, eine öffentliche Er- klärung erlassen, in welcher es u. A. heißt:„Wir, die Unterzeichneten, erklären hiermit, daß die Versprechungen, welche die Red Star Line uns gab, als wir an Bord kamen, nicht gehalten worden sind. Statt des„Jrish Stew", den wir bekommen sollten, hat man uns Kar- toffelwasser gegeben. Statt Brod gab man uns Zwieback von der schlech- testen Sorte, und das Trinkwasser war warm und schlecht. Ebenso hatten wir nicht genügend Platz an den Eßtischen, da ein großer Theil der Passagiere stehend ihre Mahlzeiten einnehmen mußten. Ferner waren für die weiblichen Passagiere nicht genug Schlafstellen vorhanden, und mehrere von ihnen mußten die Nächte auf dem Fußboden zubringen. Den Stewart trifft übrigens kein Tadel; er hat für uns Alles gethan, was in seinen Kräften stand." — Die Zeitunaen hatten in der letzten Zeit allerhand Schauer- märchen aus Chicago berichtet. Wir haben indeß keine Notiz davon genommen, einmal weil wir ohnehin gegen solche Nachrichten schon sehr mißtrauisch sind, und zweitens weil speziell diesen Berichten der Charakter der Sensationsmache unverkennbar anhaftete. Wie Recht wir mit unserer Vermuthung gehabt, geht aus den inzwischen eingetroffenen amerikani- scheu Zeitungen hervor, die entweder von diesen Schauermeldungen gar nichts wissen oder sich über sie lustig machen. So lesen wir im„Chica- goer„Vorbote": „In die Ferne muß man gehen, wenn man etwas über heimische Vorgänge erfahren will. Erzählt z. B. die Cincinnati„Freie Presse" ihren von Furcht und Grimm erfaßten Lesern:„In Chicago wurden gestern wieder drei Anarchisten, sämmtlich Deutsche, von den Sicherheits- behörden verhaftet. In ihrem Besitz fand man ein ganzes Arsenal von Waffen, einschließlich sogar zweier österreichischer Feldge- schütze. Befragt, was es mit diesem erstaunlichen Waffenvorrath für eine Bewandtniß habe, blieben sie die Antwort schuldig, woraus ihre Festnahme unter der Anklage, stch zur VerÜbung einer ungesetzlichen Handlung verschworen zu haben, ersolgte." Also Feldgeschütze, und noch dazu österreichische Feldgeschütze hat die hiesige Polizei erobert. Zum Verwundern ist das nicht. Schon im Mai „eroberte" sie eine Anzahl von Fahnen, Standarten und Bannern, da dürfen die Kanonen nicht fehlen. Bei dem„erstaunlichen Waffenvorrath" würde es Niemand in Erstaunen setzen, wenn nächstens auch noch große Belagerungs- Kanonen aufgestöbert werden. Dann kann man klapp- hörnen:, Zwei Anarchisten kamen her, Der Andre hatte ein Gewehr. Der Eine mußt' sich schwerer plagen: Zwei Krupp-Kanoncn that er tragen. Zur Beruhigung unserer Leser können wir mittheilen, daß jene„schwer bewaffneten" Anarchisten, nämlich die Herren Guhl, Klodt und Betzoldt, heute Vormittag von Kadi White frei von Schuld und Fehle befunden worden sind. Polizei Lieutenant Shepard blieb die versprochenen Beweise wie gewöhnlich schuldig." — Sehr richtig. Die Wiener„Konstitutionelle Vorstadt- Z e i t u n g", ein nichts weniger als sozialistisches Blatt, schreibt mit Bezug auf den famosen Rechenschaftsbericht der sächsischen Regierung über die Verlängerung des kleinen Belagerungszustandes über Leipzig zc.: „Was der Rechenschaftsbericht sonst enthält, bestätigt nur den Miß- erfolg der Gewaltpolitik gegen die Sozialdemo- k r a t i e. Um deren Gefährlichkeit darzuthun, wird behauptet, die Partei verlege sich jetzt vorwiegend auf die Fachvereine unter möglichst unauf- fälliger Form, sie habe sich ferner der Lohnbewegung bemächtigt, sie in- szenire Streiks u. s. w. Wir haben oben schon gesagt, daß man in Ber- lin hinter jedem Fachverein, hinter jeder Arbeitseinstellung Hochverrath zu finden sich den Anschein gibt. An und für sich haben Fachoereine und Arbeitseinstellungen mit den Sozialdemokraten nichts zu schaffen; aber selbst wenn letztere wirklich, wie behauptet wird, dabei die Hände im Spiele hätten, thut der Staat wohl daran, gegen Bestrebungen aus- zutreten, die dem Gesetze nicht zuwiderlaufen? Die Gewerkschaften stehen unter behördlicher Kontrole, es liegt kein Grund vor, sie aufzulösen, ehe sie etwas Gesetzwidriges geihan, selbst dann nicht, wenn ihre Mitglieder Sozialdemokraten sein sollten. Ebenso bedenklich ist es, Streiks gewalt- sam zu verhindern. Sieht einmal der Arbeiter, daß er auf legalem Wege seine Lage nicht verbessern kann, daß es ihm verwehrt ist, sein Recht gegenüber dem Arbeitgeber geltend zu machen, dann muß er sich den Terroristen anschließen und mit diesen einer Sozialpolitik den Rücken kehren, die ihm fort und fort mit der Peitsche droht." Das ist durchaus zutreffend, und ja auch schon oft durch Thatsachen bewiesen worden. Trotzdem halten die Gewalthaber an ihrer Unter- drückungspolitik fest— in Oesterreich wie in Preußen. Ist die Ge- schichte wirklich nur da, um nichts aus ihr zu lernen? Man sollte es in der That glauben. — Aufgepaßt! Aus Braunschweig schreibt man unS: Der berüchtigte Polizeispitzel Jhring-Mahlow treibt sich seit vier Wochen hier herum. Zu welchem Zwecke, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich will derselbe die hiesige Polizei in Berliner Schurkereien einweihen und belehren. Nun, die hiesige Polizei ist übereifrig genug, die Braunschweiger Ar- beiter haben schon oft Gelegenheit gehabt, dies zu erfahren. Trotzdem wird aber in Braunschweig ebensowenig wie in Preußen der Sozialismus durch Jhring-Mahlow's aus der Welt geschafft. Gut wäre es aber doch gewesen, wenn die Berliner Genossen schon früher eine ausführliche Personalbeschreibung dieses Polizeispitzels im Parteiorgan veröffentlicht hätten. Wir sind zur Zeit noch nicht im Stande, diese ausführlich zu geben. Sobald dies der Fall, wird Veröffentlichung erfolgen. Im Auftrag der Braunschweiger Genoffen: Lothar. — Nach einer im Chicagoer„Vorbote" veröffentlichten Aufstellung waren bis zum 30. August für den Prozeßfonds der im Bomben- Prozeß Augeklagten 5570 Dollars 80 Cents, d. h. gegen 24,000 Mark eingegangen. Damit sind aber noch nicht einmal die Kosten der ersten Instanz gedeckt, es fehlen vielmehr zur Deckung derselben noch 755 Dollars 33 Cents, d. h. etwas über 3200 Mark. Für die Ver- theidigung allein mußten bisher 5400 Dollars(zirka 23,000 Mark) ver- ausgabt werden. Es kann uns natürlich nicht einfallen, aus diesen Zahlen irgend eine Folgerung sür die Richtigkeit, bezw. Unrichtigkeit der anarchistischen Lehren herleiten zu wollen, wohl aber sind sie eine drastische Jllustra- tion für die Tiraden der Verehrer der Bomben- und Dynamit- Taktik, welche nie genug die Billigkeit ihres Universalheilmittels gegen- über der verruchten„gesetzlichen Agitation" zu preisen vermochten. Die„himmlische Bombe" erweist sich als ein recht kostspieliges Ding. Der Paßt in die Familie. Bismarcks Schwiegersohn, Graf Rantzau, verlor, nach dem„Hamburger Fremdenblatt", kürzlich auf dem Hamburger Bahnhof eme Brieftasche, in welcher sich Papiere von be- deutendem Werthe befanden. Zwei Bahnangestellte fanden die Brieftasche wieder, lieferten sie ab, und in seiner Freude unbeschreiblichem Gefühle sandte der Schwiegersohn deS mindestens zehnfachen Millionärs die enorme Summe von— w, sage zehn Mark für die Finder ab. Das war zu viel. Der Stationsvorsteher beschlagnahmte das Geld und über- lieferte dasselbe dem Betriebsamt in Hamburg, da nach seiner Meinung Bahnangestellte solche Belohnungen nicht annehmen dürfen. Vor ewigen Tagen nun hat das Betriebsamt die lo Mark wieder nach Hamburg gesandt mit der Anweisung, den Betrag den beiden Findern auszuzahlen. Wie werden die Beglückten aber jetzt prassen! — Ein Besuch auf der kommunistischen Kolonie Neu-Jkaria (im Staate Iowa der nordamerikanischen Union). Für Leser der in voriger Rummer von uns angekündigten Hepner'schen Schrift über„die Ikarier in Amerika" und auch sonst wird es nicht uninteressant sein, den Be- richt eines Korrespondenten zu hören, der in jüngster Zeit eine der ikarischen Kolonien besucht. In demselben heißt es(nach der„New- Jorker Volkszeitung"): „Der Korrespondent.... wurde von dem Koch der Kolonie, Herrn Marchand, an Stelle deS abwesenden Präsidenten der Kolonie, Herrn Eugene Brittains, freundlich in Empfang genommen. Herr Marchand \ ist ein Greis von 72 Jahren mit schneeweißem Kopfhaar und Bart. Er ist korpulent, wie fast jedes Mitglied der Gesellschaft, tritt aber fest und elastisch auf wie ein Mann von 50 Jahren. Er spricht französisch, deutsch und englisch, und hat auf der Schule das übliche Latein und Griechisch gelernt.... Es war gerade Mittagszeit. Die Männer kamen mit ihren Gespannen von ihrer Arbeit von dem Felde, und eine Anzahl kleiner Burschen mit bloßen, braunen Füßen war gerade dabei, im Garten ein Hornissennest auszuheben. Der Korrespondent bot einem vierjährigen Mädchen ein» Orange dar, welches Geschenk mit einem niedlichen«nix und den Worten „Merci, monsieur" in Empfang genommen wurde. Die ganze Szene bot ein wohlthuendes Bild des Friedens dar. Der Gast folgte Herrn Marchand in die Küche, an welche sich der große Speisesaal schließt.... Alles in der Küche deutete darauf hin, daß dem Kochdepartement in der Kolonie bedeutende Aufmerksamkeit gewidmet wird. Das Speisezimmer ist groß und einfach mit blankem Flur aus Eichenholz ohne Teppich und mit weißgetünchten Wänden. An dem«inen Ende steht eine große Orgel, auf welcher eine der Damen an Sonntage» für die Tänzer Musik macht.... An der Wand zwischen den zwei Fen« fiern befindet sich ein kleines Büchergestell, aus welchem sich offenbar vielbenutzte Bücher, wie die Werke von Gaboriau, Dickens, George Elliot, George Sand, Viktor Hugo u. A. befinden. Früher pflegten alle Mit- glieder an einem gemeinsamen langen Tische zu essen, jetzt aber sind mehrere kleinere Tische aufgestellt, an denen sich die Speisenden nieder» lassen. Die Kinder haben einen Tisch für sich, desgleichen die junge» Männer und Frauen; an einem dritten Tische sitzen die Patriarchen, und an dem vierten diesmal Herr Marchand mit seiner Gattin und de» Gästen. Bei Tisch erzählte Herr Marchand, es gebe in Iowa noch eine Kom- munisten-Kolonie, nämlich die Amana-Gesellschaft in Iowa County, wo auch vollständige Gütergemeinschaft herrsche, dieselbe stehe jedoch unter Leitung einer„inspirirten Prophetin" und sei auf religiöser Grundlag« errichtet, während in Jkaria eine vollständig freie Lebensanschauung herrsche. Herr Marchand zeigte bei dem Tischgespräch, daß man in Jkaria Henry Georges Aufhebung des Grundeigenthums für nicht aus» reichend erachtet; der Kommunismus sollte auf alle Güter dieser Welt, und nicht nur aus das Land allein, ausgedehnt werden. In Be» zug auf Johann Most sagte der alte Kommunist, er sei besser als die Kapitalisten, denen er an den Hals gehen wollte. Marchand redete fich in einen förmlichen Feuereifer hinein und schrie förmlich, als er sagte: „Die Kapitalisten sind schlimmer als der Adel, sie sind grausamer gegen die Arbeiter als der Adel vor der Revolution gegen die Bauern war." Nach dem Mittagsmahl führte Herr Marchano seinen Gast überall umher und zeigte ihm die Käsesabrik, die prächtigen Obst- und Gemüse» gärten, den Weinberg, die hübschen, buntbemalten Häuschen der Mit- glieder mit ihren kleinen Gärten und die Bibliothek, welche über 2000 Bände französischer und deutscher Werke enthält. Ueberall herrscht Ruhe und Ordnung und sichtbarer Wohlstand." Diese Miltheilungen stoßen natürlich die Hepner'schen Schlußfolgerunge» über den geringen— praktischen wie theoretischen— Werth der kom» munistischen Kolonien nicht um, aber sie sind doch geeignet, manchem Gegner den Mund zu stopfen, der nur von Mißerfolgen dieser Kolonie» zu wissen vorgibt, welche beweisen sollen, daß der Kommunismus der „menschlichen Natur" widerstreitet. — Frankreich. Wieder einmal eine gute Nachricht: Guesde, Lafargu« und Dr. Susini sind am Freitag von der Anklage der Aufforderung z» Mord, Plünderung ,c. von dem Gejchwornengericht freigesprochen worden. Da unsere Genossen bei der Vertheidigung ihren revolutionären Standpunkt in schärfster Weise betonten, so bedeutet der Spruch der Gejchwornen eine der Republik würdige Auffassung des Rechtes der freien Rede. Im Weiteren bedeutet der Spruch nicht nur die Aushebung des Urtheils der ersten Verhandlung, soweit es die oben genannten dm Genossen anging, sondern auch in Bezug auf Louise Michel, die damals vor Gericht erschienen war und daher„rechtskräftig" zu sechs Monaten Gesängniß verurtheilt wurde. Daß ihre Amnestirung durch die Logik der Dinge geboten ist, erkennen nunmehr selbst bürgerliche Blätter an. Wir bedauern sehr, daß uns der knappe Raum unseres Blattei verbietet, die wahrhaft brillanten Vertheidigungs-, resp. Anklagerede» unserer Genossen hier wiederzugeben. Lafargue's Rede war eine fulminante, mit reichem Material belegte Anklage der hohen Finanz, speziell des Hauses Rothschild(er sollte gesagt haben:„Man muß die Hand auf das Eigenthum legen, Rothschild die Taschen leeren und ihn selbst in Mazas einsperren.").„Sie können die Macht der Finanzier? an dem Sturze Gambetta's berechnen," rief er aus.„Die hohe Finanz hat ihn gestürzt, weil er, um Bismarck nachzuahmen und die Eisenbahne» für den Krieg zu organisiren, sie den Finanzleuten entreißen und in den Händen des Staates zentralisiren wollte. Die Finanzleute sind die Her- ren des Nationalvermögens, über dessen Verwendung sie besttmmen." Sehr wirksam war der Schluß der Guesde' schen Rede.„Wenn Sie sich nicht anmaßen", rief er den Bourgeois-Geschwornen zu,„die Revolution zu monopolisiren, wie Sie bereits das Eigenthum monopo« lisirt haben, so sehe ich nicht ein, woraufhin Sie dem Proletariat die Anwendung der Waffe zu seiner Befreiung verbieten wollen, die Sie Jhrerzeit befreit hat! „Daß dieses Eintreten der Arbeiterklaffe in den Kampf um die poli« tische Gewalt ebensowenig nach dem Geschmack der heutigen Machthaber ist als die Enteignung der Kapitalisten, von der sie nur die Vorrede ist, das ist möglich. Aber es fällt nicht in den Machtbereich Ihrer Straf- gesetze. Sie haben dagegen keine Waffen. Um den revolutionären Sozia- lismus, wie ich ihn Ihnen dargelegt, und wie wir ihn propagiren, zu treffen, brauchen Sie neue Gesetze, die Sie übrigens fabriziren können. Ahmen Sie Herrn v. Bismarck nach: führen Sie in das republikanische Frankreich den kleinen Belagerungszustand des deutschen Kaiserreichs ein. Es wird alsdann der aller heuchlerischen Freiheiten der Presse und der Rede ledige Kampf einer Klasse sein, die sich vertheidigt, gegen ein« Klasse, die angreist. Sie können uns schlagen, und wir werden uns nicht beklagen. Aber— mit der Bedingung der Revanche." Der Hinweis auf die deutschen Ausnahmegesetze hat nach dem Pariser Korrespondenten der„Frankfurter Zeitung" großen Eindruck auf die Geschwornen gemacht. Desto besser. Nachzutragen haben wir noch, daß D u c- O u e r c y und Roch«, die aus Grund ihres durchaus legalen Auftretens in Decazeville von einem reaktionären Gerichtshof zu je 15 Monaten Gesängniß verurtheilt worden waren, nunmehr vom Präsidenten der Republik begnadigt wor- den sind. Das Eintreten weiter Kreise der Pariser Wähler sür die Ver- urtheilten hat sicher dazu beigetragen, daß die Regierung sich entschloß, das skandalöse Urtheil durch einen Gnadenakt aufzuheben. Aber welche Motive auch maßgebend waren, jedenfalls hat die Maßregel der Republik in den Augen der Arbeiterklasse, der einzigen, aus die sie im Nothfall rechnen kann, nicht geschadet. Soziattstische presse«ad Literatur. „La Revue socialiste"(Paris), Heft 21(September 1886) enthält u. A.: J. Pinaud, le rachat des chemins de fer. B. Malen, la morale sociale(fin). Ä. Chirac, l'agiotage de 1870 ä 1884. CK Kouanet, le travail des femmcs et des cnfants(fin). L. Pagese, commission beige du travail. Catbelinat, comment los legendes s'etablissent etc. etc. „Our Commonwealth"(Unsere Republik) ist der Titel eines Wochenblattes, das seit etwa einem Vierteljahr in Adelaide(Süd- Australien) erscheint und unter Redaktion von Ignatius Singer lür demokratische und soziale Reformen, letztere wesentlich im Sinne von Henry George, eintritt. Wir wünschen ihm bestes Gedeihen. Korrespondenzen. Provinz Ostvreutzen. Ein Agitationsbericht aus der„düster» Ecke", wie ein Hamburger Genosse unser Ostpreußen unlängst nannte, steht jedenfalls das erste Mal im Zentralorgan, ist es doch überhaupt das erste Mal, daß die Partei versucht hat, dort Boden zu gewinnen. Auch eine„Frucht" des Ausnahmegesetzes. Am Sonntag den 12. September hatten Plakate die Jnsterburger Arbeiter und Bürger zu einer Volksversammlung«ingeladen. Zirka 100—150 Personen(für eine Stadt mit 23 000 Einwohnern zwar wenig, da aber weder Tagesordnung noch Referent angegeben waren, doch ge- nügend) hatten sich eingesunden. Nachdem Zimmerer Niemeier aus Ham- bürg, welcher zufällig des Verbandes wegen dort war, zum Vorsitzenden gewählt worden, zwei Jnsterburger und der Tvchlsr Etomke aus Königsberg das Bureau vervollständigt hatten, erhielt Schlossermeister Godau aus Königsberg das Wort zum Vortrag über„die politischen Parteien und unsere wirthschastliche Lage". Selbstverständlich wurde die Versamm- lung nach viertelstündiger Dauer ausgelöst, trotzdem von„Umsturzbestre- bungen" u. s. w. noch keine Rede war. Godau war nur bemüht, den Nachweis zu führen, daß die Parteien Klasienvertretungen und nichts weiter sind, wobei er selbstverständlich betonte, daß die Klaffe der Ar- beiter, kleinen Gewerbetreibenden des Mittelstandes überhaupt nur von der auS ihrem Schooße hervorgegangenen Partei der Sozialdemo- kratie vertreten werde. Eine sich deutschsreisinnig nennende„Jnster- burger Zeitung" meinte indeß in ihrem Bericht, nachdem sie sich im Brust- ton der Ueberzeugung gegen das Oktobergesetz erklärt hatte, die Aus- lösung der Versammlung wäre gerechtfertigt, da gleich aus den ersten Sätzen zu ersehen gewesen sei, daß Redner nur für die Sozialdemokratie Propaganda zu machen nach Jnsterburg gekommen sei. Ob der Mann, der den Blödsinn niedergeschrieben hat, vielleicht vor der Versammlung geglaubt hat, die Sozialdemokraten seien nach Jnsterburg gekommen, um Betstunden abzuhalten, wissen wir nicht,«S scheint aber so zu sein. Ja gewiß, liebe„freisinnige Zeitung", die Leute kommen nach Jnsterburg, um Boden zu gewinnen, und sie haben ihn gewonnen, da» wird Euch und Euren Klaffengenossen die Zukunft zeigen. Ihr werdet Euch dann ebenso die Augen reiben und hinter den Ohren kratzen, wie seinerzeit Eure Königsberger Kumpane bei der 1884er NeichStagswahl. Montag sollte inGumbinnen eine Versammlung stattfinden. AlleS war besorgt, da zog der Wirth des LokalS(MieSner) seine Zusage unter einigen gesuchten Vorwänden zurück. In Gumbinnen waren des alten John Reitenbach Spuren sehr leicht aufzufinden. Auch hier wurde gethan, was gethan werden konnte, und wird für die Zukunft gethan «erden, was sich thun läßt. In Tilsit hat keine öffentliche Versammlung stattgesunden. AuS leicht erklärlichen Gründen kann nicht Alles, was mittheilens- «erth war, mitgetheilt werden, nur Eins wollen wir noch zum Schluß sagen. Ostpreußen wird nicht die Vendee Deutschlands sein, der ost- preußische Arbeiter und Bauer, aus dessen individualistischen Schädel Herr Schäffle so sehr baut, ist den modernen Anschauungen ebenso zu- xänglich wie der industrielle Fabrikarbeiter, es fehlt ihm nur die nöthige Aufklärung, und ihm die beizubringen ist nicht so schwer wie man glaubt. Man findet in den Kreisen mehr Entgegenkommen und Verfiändnih, als man voraussetzt. Was uns in Ostpreußen fehlt, das sind Kräfte. In Königsberg hat die Partei an Breite erheblich zugenommen, alle vor- handenen Kräfte werden aber dort gebraucht. Könnten Einige nach ein- zelnen Städten in der Provinz übersiedeln, so würde eS leicht sein, schon bei der nächsten Wahl selbständig in den ländlichen Wahlkreisen vorzu- gehen. Doch was gemacht werden kann, wird gemacht. Frisch aus, beginnen wir den Reigen, Ist auch der Boden rauh und hart, heißt es nicht umsonst in unserer Marseillaise. Der Reigen ist begonnen, der Boden, wäre er noch so rauh und hart, wird bestellt werden, und die Saat wird ausgehen und Früchte tragen. AuS dem Leipziger Landkreise. Zu was unsere Pfaffen zu gebrauchen sind, und was alles noch aus ihnen werden kann, dafür heute nur einige Beispiele. lieber den Pfaffen Schmidt, welcher im vergangenen Jahre seinen Einzug in P l a g w i tz gehalten, ist den Genossen schon mehrmals be- richtet worden. Da aber der genannte Knecht Gottes(alias S-eelen- Hirt) immer noch mit der gewohnten Frechheit sein Haupt erhebt, so glauben wir recht zu handeln, wenn wir dieses Subjekt noch einmal unter die Loupe nehmen. Kaum war Ehren-Schmidt ins Amt eingetreten und in den Ort eingezogen, so war es auch, als hätte nicht ein S- eelen- Hirt, sond-rn, um einmal kirchlich zu reden, der Teufel selbst seinen Einzug gehalten. Die erste That, welche das neue Säulein der nunmehr neu zu erbauenden Kirche zu Gottes Ruhm und Preis, und jedenfalls auch, damit seines Namens und seiner Thaten im Grundstein der K>rchs gedacht werde, in Plagwiy leistete, war, daß er unsere Genossen fälsch- lich d e n u n z i r t e und, getreu seinem würdigen Vorbild Judas Jscha- rioth, welchen er fast alltäglich von der Kanzel herab vor den gläubigen Schafen verflucht, und seinem würdigen„Bruder in Christo" Stöcker, diese Denunziation durch einen Meineid bekrästigte. Durch diese„That", welche beregtes„Säulein" nach der christlichen Lehre in die Peripherie„Seiner höllischen Majestät" bringen müßte, hat es sich ein Verdienst um den Staat erworben, welches nur durch„Er- höhung", und sei es selbst an den Thurmknops, gebührend belohnt werden könnte. Dank diesem Meineid, welcher den Denunzirtcn 5 resp. 7 Tage Gesängniß einbrachte, hat sich auch wieder einmal klar herausgestellt, weß Geistes Kinder heute im Staat regieren. Trotzdem der betreffende Schuldige(d. h. schuldig im Sinne des Pfaffen) sich stellte und er- klärte, daß nicht Marschner, sondern er es gewesen, welcher den ver< maledeiten Kranz getragen, trotzdem selbst Zeugen bekundeten, daß Marschner gar nicht zugegen gewesen, hielt das Gericht das llrtheil aus- recht.(Wie wir hören, hat Marschner die Sache gar nicht weiter ver- folgt, sondern die Strafe abgebüßt.) Vor Palmarum d. I. hörte man hier vielfach die Meinung ausspre- chen, daß die Eltern der Konfirmanden ihre Kinder von diesem Meineids- psaffen gar nicht wollten konfirmiren lassen, was wohl das einzig Rich tige gewesen wäre, da aber„des lieben Friedens wegen" sich Keiner unnöthige Unannehmlichkeiten machen will, so blieb es beim Alten, und so kommt es, daß dieser Mensch heute noch hier sein Unwesen treibt Solch ein meineidiges Subjekt maßt sich an. die Gemeindeschäflein sür das bessere Jenseits vorzubereiten! Will dasselbe vielleicht dadurch, daß es von Haus zu Haus zieht und die Leute zum Nachholen der kirchlichen Trauung und Tause auffordert, den richtigen Begriff von der Bedeutung und der Heiligkeit des Mein— Eides in die Massen bringen? Fast scheint eS so. Wo bleiben aber Sie, Herr Oberstaatsanwalt Hofmann? Wo Sie, Herr schneidiger Staatsanwalt H ä n tz s ch e l? Glauben Sie vielleicht, der höllische Schutzgeist des Psaffen werde Sie beim Schopf nehmen, wenn Sie Ihre Hand an den„Gesalbten des Herrn" legen? Den Plag- witzer Einwohnern und ungläubigen Schäflein aber, welche von solchem S— Hirten geleitet werden, rufen wir zu: Der Wols ist in der H e e r d« I Fort mit dem Hirten l Brutus. ?.S. Noch habe ich nachzutragen, daß betreffender Pfaffe, da das Seelenhirtenthum doch etwas in Verfall zu kommen scheint, gleichzeitig das Amt eines Gemeindespitzels und Polizeispions bekleidet, um wenigstens den schönen Staatsgehalt nicht ganz umsonst einzustreichen. Dazu sind derartige Individuen eben zu gebrauchen, und dazu haben sie auch das„nöthige Geschick", wo sie ankommen. Wie wird sich der Nazarener freuen, wenn dereinst dieser Held das himmlische Elysium be< tritt, dieser„allergeringste Knecht", welcher im Dienst und Weinberge des Herrn brav gearbeitet! Wie aber werden die applizirten Ohrseigen durch den Himmelsraum schallen, und die Teufel mit offenen Klauen und sreudegrinsendem Gesicht nach erfolgtem Krach mit Dir Fangball spielen! Und dazwischen der gellende Ruf:„Geht hinweg von mir, Ihr Verfluchten!" u. s. w. Wer solchen Moment durchleben könnte! Ein ganzes Erdenleben sür solchen Augenblick! Wie gefällt Ihnen diese Phantasie, Herr Schmidt I Ja, es gibt wirk- lich noch Fromme in meiner Heerde! Brutus. Großenhain» im August.(Situationsbericht.) Unsern hie- sigen Gegnern mag es schon lieb sein, wenn längere Zeit nichts von hier im Parteiorgan verlautete, denn ihre Thaten, richtiger Unthaten, ver- tragen die öffentliche Besprechung schlecht. Wie der„Sozialdemokrat" den oberen Puttkämerlingen verhaßt ist— neuester Beweis: Freiberger Rachrichterei— so sitzt er auch, hinsichtlich seiner Situationsberichte aus den einzelnen Orten, den Gemeindevälern wie ein Sporn zwischen den Rippen. Und so sehr man auch über die Form dieser Berichte rechten mag, sie haben doch die Wirkung einer guten Desinfektion, sofern sie sich in den Grenzen der Wahrheit halten. Letztere Mahnung im Auge, wollen wir die Situation am Orte un- verblümt schildern. Wir haben jetzt unter dem Drucke einer siegreichen Lokalabtrei« b u n g zu agitiren, zu der unsere schlauen Stadtgrößen, Pfiffigerweiser mit Uebergehung ihrer eigenen Personen, die auf solche Weise höchst unschuldig erscheinen, niemand Geringeren erkoren haben als den Ko m- m a n d e u r des hier garnisonirenden Husarenregiments. Mit ihm durfte man es schon wagen; sein Geist zeichnet ihn ebenso wenig auS wie sein Name: Schulze. Nur eine Eigen schast zeichnet ihn aus: die Eitelkeit. Eine unnennbare Eitelkeit besitzen, dazu den Namen Schulze tragen und außerdem Pantoffelheld sein zu müssen, das ist frei- lich eine Ironie des Schicksals, über die weder ein Majorstitel, noch— die Erfolge einer S aal ab tr eib un g aus die Dauer zu trösten vermögen. Diese Schicksalstücks erzeugt vielmehr die absonderlichsten Ideen und den unwiderstehlichen Drang, sich möglichst zu blamiren. Ist beispiels- weise unserem besäbelten Helden zur Freude der übrigen Gesellschasts« retter die Saalabtreibung gelungen, so doch unter so Hausknecht- mäßiger Entwürdigung seiner ausgeblasenen Person, daß wir, anstatt ihn zu hassen, uns an seiner tragikomischen Person ergötzen. Sein erster Versuch, seine Karriere aus ungewöhnliche Art zu fördern, wurde beim Wirth des Gesellschaftshauses angestellt. In dessen Saale hatte Bebel vor einer Versammlung, zu welcher sich auch Offiziere eingestellt hatten, einen Vorttag gehalten. Als Antwort aus den Erfolg der Versammlung wurde die Entziehung des MUitärbesuches von Schulze dekrettrt. Wir wollten darauf dem Wirth„zur goldenen Krone" unsere Ver- sammlungen zuwenden; allein auch dahin lenkte pp. Schulze seinen— Ritt, denn als Major— den plebejischen Namen scheint er bei solchen Dingen gerne zu vergessen— kann er unmöglich so einen bürgerlichen Gafiwirth zu Fuß beehren. Er ritt also vor des Gastwirths Haus, ließ denselben zu sich aus die Straße befehlen und eröffnete ihm seinen staats- retterischen Entschluß, der, wie einst der Eselskinnbacken in Simson's Hand, Alles traf, die Fachvereine k. Traurigen Herzens— ob der Einbuße schöner Einnahmen— nahm der Gastwirth unterwürfig den Entschluß ernst und verweigerte sortan sein Lokal den Arbeitern zu Versammlungen. Nun hatten die Arbeitervereine nur noch im Schützenhaus eine Zuflucht, denn der Wirth— wie schrecklich!— war ein Mann, der sich durch Drohungen nicht einschüchtern ließ. Zur Strafe ordnete der stell- verttetende Kommandeur— Schulze war abwesend— sür das Schützen- fest im Jahr 1885, ganz im Geiste Schulze's handelnd, den großen Belagerungszustand an. Zum Erstaunen der Feflbesucher und zu unsrer höchsten Belustigung war der Festplatz mit einer Postkette Husaren be- setzt, die mit blankem Säbel einherginzen. Kein Husar durste den Fest- platz besuchen. Sogar die Posten schämten sich ob dieser Kinderei, deren Odium aus Schulze fiel, der in Befriedigung seiner Eitelkeit darin ein Wachsthum seines Ruhmes gesundm haben mag. Man glaube nicht, daß wir übertreiben. Zum Beweis sür diese Eitelkeit wollen wir nur einen drastischen Fall anführen. Als am ersten Pfingstmorgen dieses Jahres unser Schulze von einem Ritt in Zivilkleidern heimkehrte, begegnete ihm in der Nähe des Ber- liner Bahnhofs, der vor der Stadt liegt, ein Husar, ohne von ihm, da Schulze eben in Zivilkleidern war, Notiz zu nehmen. Diese Nichlbeach- tung wurmte Schulze. Er drehte sich im Sattel um, rief den Husaren, der Müller heißen soll, zu sich heran, und es entspann sich nun zwischen Beiden vor Ohrenzeugen folgender Dialog: Schulze: Kennen Sie mich?— Müller: Nee.— Schulze: Sie kennen mich also wirklich nicht?— Müller: Nee, ich kenne Sie nich.— Schulze: Na, dann lausen Sie zum Teufel, wenn Sie mich nicht kennen.— Müller gina und freute sich über den gelungenen Streich gegen die ihm bekannte Eitelkeit Schulze's. Aehnliche Stückchen wären mehr zu berichten, doch sei nur noch be- merkt, daß man sich auch in Osfizierskreisen über den Pantoffelhelden Schulze lustig macht.(Verbürgt.) Schulze aber hofft, daß man ihn um seiner Staatsretterei willen bald avanciren lassen wird, wie ja auch der Idiot v. Weißenbach, seines Zeichens Amtshauptmann, jüngst dekorirt wurde. Genannter v. Weißen- dach, der, beiläufig bemerkt, kein Gesetz richtig lesen kann, macht den Saalabtreiber aus dem Lande, wie Schulze in der Stadt. Eine wahre Spottfigur, dieser v. Weißenbach, körperlich und geistig reduzirt. In politischen, sowie wegen des Krankenkassengesetzes einberufenen Versamm- lungen suchte sich v. Weißenbach als Redner einzuführen, aber nur, um sich mit seiner pyramidalen Unfähigkeit unsterblich zu blamiren. Und das soll dem Landvolk ickponiren und Respekt vor den Gesetzen schaffen! Wahrhastig, Geßler's Hut mag ingeniöser gewesen sein! Ist die Deko- ration solcher Idioten nicht die köstlichste Persifflage der heiligen OrdenS-Jnstitution? Uebrigens dürste es wohl der erste Fall sein» daß lür Saalabtreibung ein Orden verliehen worden ist. Dafür hat sich aber auch der Dekorirte dabei der Gesetzwidrigkeit schuldig gemacht, insofern als er in höchsteigener Person aus die Dörfer fuhr, wo Ver- sammlungen abgehalten werden sollten, und dort unter direkter Droh- ung mit Entziehung der Erlaubniß für bestimmte Vergnügen, ja sogar unter Androhung ungesetzlicher Härten, sür die jeder Andere mit Ge- fängniß bestrast würde, die Wirthe veranlaßt«, die Saalbewilligung zur rückzuziehen. So dreist war der Patron im nahen Wildenhain und anderwärts. Zu solch' ungesetzlichem Treiben hält der mumienhafte Todeskandidat — seines Bleibens„aus dieser schönen Erde"«st nicht mehr lange— auch seine Unterbeamten, die Gensdarmen, an; einige machen von diesem Befehl wohl übereifrigen Gebrauch, andere aber, die Ungesetzlichkeit und Ilnwürdiakeit desselben erkennend, entledigen sich solcher Befehle in schonendster Form. Alles das geschieht nur, damit die Sozialdemokratie unter der Land- bevölkerung nicht noch mehr Anhänger gewinne. Es wäre entsetzlich, wenn auch noch die Bauern Sozialdemokraten würden! Und doch hat unser Kreis, in dem die Landbevölkerung vorherrscht, ein ganz besrie- digendes Resultat aus den 1884er Wahlen auszuweisen. Vor den nächsten Wahlen bangt auch schon unseren Gewaltigen. Als der verstorbene Redakteur unseres Amtsblattes die Wahl des Genossen Geyer zum Landtag erfuhr— das Reichstagsmandat sür den neun- zehnten Wahlkreis folgte hinterher— that er vor Schreck den bezeich- nenden Ausspruch:„Na, da wird er(Geyer) auch das nächste Mal bei uns in den Reichstag gewählt." Thatsache, liebes Amtsblatt! Es ist dieser Busspruch zugleich ein gutes Zeugniß sür die Thätigkeit der Genossen. Ja, ja! Wenn man meint, die Saalabtreibung werde den endlichen Sieg unserer Sache aushalten, so irrt man sich. Was eben nicht über Tage gemacht werden kann, wird unter Tage gemacht. Die horrenden Gesängnißstrasen der neuesten Zeit werden hieran ebenfalls nichts ändern. Die Furcht ist im Weichen begriffen, zum Theil durch die massenhaften Verdonnerungen selbst. Aber auch andere Faktoren, resp. Personen wirken wider ihren Willen sür die Verbreitung unserer Ideen und die Stärkung unserer Partei. Vor Allen die P s a f s e n. Dank ihrer Thaten kommt das„religiöse Gefühl" zum Schwinden. Der lügnerische und verleumderische Heuchler Archidiakonus Peter, schwindelt bei seinen„Privatbesuchen in kirch- licher Mission" so offenbar und fällt so gemein über Privatpersonen her, ja selbst bei Grabreden sröhnt dieser Gottesmann in so abstoßender Weise seiner schlechten Leidenschaft, daß alles Andere eher erzeugt wird als Andacht. Außerdem gehen diese Herren zur Ermahnung für unterlassene Trauung oder Taufe ganz dreist auf die Arbeitsstätten der Betr-ffenden, um so auch den Arbeitgeber aus den„Bösewicht" aufmerksam zu machen. Andere Arbetter sollen dann aus Scheu vor solcher christlichen Denun- ziation sich in Botmäßigkeit der Kirche unterwerfen. Denn Gewalt sinnt auch diese Sippe.— Großer Jubel herrschte hier, als die amerikanischen Boykotters so horrend verknurrt wurden; hochauf spritzte der bürgerlich moralische Eifer, und alle Lokalgrößen sonnten sich im Scheine der richterlichen Weisheit der praktischen Amerikaner. Wenn aber diese Tugendbolde, die als Hauptakteure der Konservativen dekorirt oder in Stadtämter«c. geschoben wurden, mit gleichem Maße gemessen werden sollten, so würden sie bald eine andere Melodie an- stimmen. Ist es nicht Boykott, wenn diese Sippe bei passenden Zusammenkünften warnt, bei solchen Geschäftsleuten zu kaufen, die zur Opposition ge- hören? Nicht blos Juden haben dies empfunden, sondern auch Genoffen von unS. Ein Individuum Namens Richter, Gastwirth und Stadtverordnete denunzirte, daß die Frau eines Polizisten im Schankzelte unseres G Nossen Börner mit thätig war, und brachte es durch seine Hetzereien dahin, daß Börner beim Schützenfeste auf diese Thätigkeit Verzicht leisten mußte. Auch ein anderer Stadtverordneter, Namens Hugo Hoffmann, nahm einst einen Rentier ins Gebet: es lei eine Schande, daß er bei bekannten Sozialdemokraten Waaren kaufe. Kurz, eine ganze Klicke treibt aus Brodneid und Schlechtigkeit Verrufserklärung, Boykott in mehr oder minder offener Weise, freilich ohne das gewünschte Resultat zu- erzielen. Die nationalliberale Charakterlosigkeit und Rohheit:„Man muß die Gegner materiell vernichten", zeichnet auch diese Klicke auS. Zum Glück wirkt solch' ekelhafteS Treiben abstoßend, so daß wir hoffen dürfen, unsere Anhängerschaft werde in Erkenntniß dieser Dinge immer mehr wachsen. Die nächste Wahl wird voraussichtlich die Stimmenzahl sür uns vermehren. Wir geben uns durchaus keinen Illusionen hin, denn der Apparat unserer Gegner ist übermächtig; allein«in gutes Zeichen für uns ist es, daß für die nächsten Wahlen der jetzige Vertreter unseres Kreises, Herr von Carlowitz, eine Kandidatur nicht wieder annimmt. Stimmfähig für all« reaktionären Beschlüsse des Reichstages ist er wohl, jedoch so wenig redefähig, daß der Herr 1884 in einer öffentlichen Versammlung, bei Hinweis auf unseren Atheismus(huhu!), durch einen Zwischenruf ganz außer Fassung gebracht wurde und sich unter dem betäubendem Gelächter der großen Versammlung setzen mußte. Und doch wurde der Unfähige gewählt. O Michel! An Stelle deS Herrn v. Carlowitz soll nun das nächste Mal ein nichtadeliger Bauer kandi- diren, damit die Bauern lebhaft für ihn stimmen. Nur zu! Auch Novitäten stumpfen ab, und eS wird doch die Zeit kommen, wo kein Konseroattver mehr zieht, selbst wenn man ihn sü» den„Herrgott" ausgäbet Wider Thorheit und Lüge siegt doch endlich die Wahrheit. Genf, 11. September. Lassalle-Feier. Der deutsche Arbeiter« verein feierte am 27. August das Andenken an das Hinscheiden det großen Kämpfers, und zwar an der Stätte, wo er den Tod gefunden. Mittags um 2 Uhr marschirten wir nach B e ss e y am Fuße des Saläve� die Betheiligung war eine zahlreiche, mehrere Lausanner Genossen waren zu der Feier anwesend, sowie auch eine Anzahl Grütlianer. Bei der Ankunft eröffnete unsere Gesangssektion mit dem Liede„Der Völker Freiheitssturm" nach kurzer Rast die Feier. Hierauf ergriff ein Genosse das Wort und wies in kurzen Worten auf die Bedeutung des großen Meisters hin, der vor 22 Jahren an dieser Stätte gefallen. Er wolle nicht in eine Detail-Biographie übergehen, da dies« wohl allen bekannt sei, dafür wies er jedoch aus verschiedene wichtige Begebenheiten vor der öffentlichen Agitation hin und gab dann ein Bild der Agitatton von 1863 bis zum 31. August 1864, dem Todestage, und schilderte de» großen Erfolg, den Lassalle in der kurzen Zeit erzielt, den größten, de« je ein Mann der Wissenschaft bei Arbeitern errungen. Sodann wurde noch der Kämpfe sowie der Kämpfer vor und nach Laffalle gedacht, die hervorragend gewirkt, sowie auch derer, die im Stillen, ohne zu glänzen, ihre Arbeit geleistet zum großen Befreiungswerke der Menschheit. Zum Schluß wies unser Genosse noch auf die Kämpfe in der Gegenwart hin und forderte zur moralischen wie pekuniären Unterstützung auf, sowie zur Ausdauer. Dann wechselten Gesänge und Deklamationen, an denen sich unser« Lausanner Genoffen unter großem Beifall betheiligten. Eine bewährte Genossin trug das Gedicht„Herwegh an Lassalle's Tod" vor. Bei einbrechender Dunkelheit, nachdem eine Sammlung zu Gunsten der Gemaßregelten vorgenommen und ein Schlußlied gesungen, ging es mit Gesang nach der Stadt, wo wir noch lange mit den Lausanner Ge- nossen bei Gesang und Deklamation verweilten. Dieses Fest hat sicher neuen Muth zur harten Arbeit eingeflößt. I.A. DerLokal-Ausschuß. Briefkasten der Redaktion: Einsendungen ,c. sind eingetroffen aus Förch- heim, Amsterdam, Spandau, N e w y o r k.— Kr. in Br.: Di« betr. Artikel sind zu Ende; sie war»» übrigens nicht von Frau S. Art. der Red. baldigst.— O. in N.: Für diese Nummer leider zu spät.- Gr. in N.-D.: Desgleichen. der Expedition: Scheibe: Mk. 80 80 pr. Abon. 4. Qu. erh� Näheres betr. Verwendung, sobald beiderseits ausgeblieben« C.-Adr. durch dritte Hand vermittelt ist.— C. L. Sch. Dg.: Mk. 3— Ab. 4. Qu. erh.— Massenarmuth: Mk. 3— Ab. 4. Qu. erh. Betr. Nummern von 85 kosten Mk. 4 50, Reklamirtes folgt gratis.— H. J- Stg.: Mk. 4 40 Ab. 4. Qu. erh. Bstllg. folgt.- Appollos: Mk. 7 40 Ab. 4. Qu. und Schft. erh.- Rothe Taube: Mk. 40— i Cto Ab.»c. richtig erh. Mehrbstllg. notirt. Weiteres unterwegs.— Fliegender: Mk. 17 32 Abts. pr. 3. u. 4. Qu. erh.— O. R. Efd.: Mk. 4 50 Ab. 4. Qu. erh.— H. Lpe. C.: Mk. 4 40 Ab. 4. Qu. erh.— H. N. Paris- Fr. 5— Ab. 3. u. 4. Qu. erh. Näheres durch P.-K.— Oncel: Mt 16 20 Ab.4. Qu. erh. Weiteres nottfizirt.— Zeugengebühr in eine« Schurkenprozeß: Fr. 2— pr. llsds. dkd. erh.— R. Z. Eh.: Mk. 8 80 Ab. 4. Qu. 86 und I. Qu. 87 erh. Mk. 1 20 pr. Ufd. dkd. verw.— Königsberg: Mk. 100— f. die Opfer des Freiberger Justizmordes dkd. verw.— Stf. Lüttich: Fr. 2— Abon.-Zuschlag pr. 86 erh.— Spenglerfachverein Zürich: Fr. 2— Ab. 4. Qu. erh.— Serlow: 2 Fr. Ab. 4. Qu. erh.— Emil Condor: Mk. 18— ä Cto Ab. u. Schft. erh. Bstllg. folgt.- E. G. Rvw.: Mk. 5— Ab 4. Qu. erh.- N. Fr. Press- Chicago: Fr. 810 Ab. 4. Qu. erh. Hievon 60 CtS. pr. I. Qu. 87 gebucht.— Th. Dttr. Luzern: Fr. 6 75 f. Schft. erh.— G. W. Dg.'• Mk. 6 75 Ab. 4. Qu. u. Schft. erh. Bstllg. folgt.— Dr. B. M. ffl.j öwfl. 3— pr. Ab. 4. Qu. und Schft. gutgedr. Adr. notirt.— L. H- Fthl.: Mk. 3- Ab. 4. Qu. erh.- L. Sch. D.: Mk. 4 40 Ab. 4. Qu. erh. 60 Pfg. pr. Afds. dkd. notirt. Grüße allseits erwidert.— C. B- Olbn.: Mk. 4 40 Ab. 4. Qu. erh. 70 Pf. pr. Ufd. dkd. verw.— Pater Placidus: öwfl. 2 78 Ab. 4. Qu. erh.— I. M. 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Afi». erloschen. Mk. 5— F.-P. gebucht. Bfl. am 28/9. Weiteres. Aufforderung. Der Töpfer Przhtulsky, aus Berlin ausgewiesen, wird hiermit aufgefordert, umgehend hierher zu melden, ob er die ih« besreundeterseits nachgesandte Ausweiskarte erhalten hat. Säsikditi»» des Siiiildmidrat. Unser« Abonnenten in der Schweiz zur gef. Kenntniß, daß wir diejenigen bisherigen Abonnenten, welche die Annahme unseres Blattes mit Beginn dieses Quartals nicht ablehnen, auch für das laufende Quartal als Abonnenten vortragen und Nachnahme sofort nach Ausgabe von Nr. 40 erheben werden, sofern die betreffenden AbonnementsbeträgS nicht schon eingesandt wurden.