Avannements toerbfn b«i um iiBeijftifdjtn Siofii,-«iuj, fcmii blim Verlag unb befim brfanntm Agenten entgegengenommen, unb jtoat zum v», r a» S zahlbaren VierteljahrSpreiS bin: Fr. für bie Schweiz(Kreuzbnnb) m. 8,- für T-utschlanb(Goubtrt) ff. 1,70 für Oesterreich(lloi bert)' Fr. 2,.'Z skr alle übrigen Länb-r beb Weltpostvereins lkreuzbanb) Zuserate die breigespaltene Petitzeile 25 Eli.-- 20 Pfg. Der mialbenuhrat Jenlral-Argan der deutschen Sozialdemokratie. Krscheint wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz). Derkag ber valtSbuchhandlnng Hattingen- Zürich. pogseudungell franko gegen frank». Gewöhnliche Briefe nach ber Schweiz losten Doppelporto. JV. 42. Briefe an die Redaktion und Erpedition des in Deutschland und Oesterreich verbotenen.Sozialdemokrat' wolle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lassen. In der Regel schicke man uns die Briefe nicht direkt, sondern an die bekannten Deckadresten. In zweifelhaften Fällen eingeschrieben. 14. Oktober 1886. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Für die Opfer des Freiberger Justizmordes gingen ferner ein: W. Freiberg SDH. 10—. Verl. Buchdrucker 50—. Elberfeld 200—. Elberfeld 40—. Ferner bei uns eingegangen: Von den Gen. in Königsberg i/Pr. M. 100—. Magdeburg II 40—. T. B. Bukarest(Fr. 3—1 2 40. X. Y. Rdgd.{4 60) 3 68. Bierbauch — 40. Romeo u. Julia in Dingsda 20—. Von einem Bauersmann im Schutterwald 3—. Von den Engadiner rothen Internationalen(10—) 8—. Fritsche in Z.(— 76)— 60. Hastedt-Hemelingen 30—.«lrbeiter- iund Bafel(10—) 8—. Von der Donau(öwfi. 20—) 32—. Der Nordische 22—. Dessau 6—. In Nr. 39 quittirt Mk. 4006 84 .... 42.. 585 08 Zusammen: Mk. 4591 92 Allgemeiner Unterstützungs-Fonds. Im August gingen ferner ein: F.B. Mk. 20—. Von 15 Rothen 1143. Dr. B. 100—. Dr.«. 3—. Im August und September gingen ferner ein: Braunschweig 100—. Frankfurt a M. 400—. Pforzheim 12—. Gaarden 25—. Ellerbeck und Nellingdorf 9—. Berliner Buchdrucker »0—. Mephistopheles Berlin 20—. Frankfurt a/M. N. N. 100—. H. 30—. Dresden-Altstadt 150—. Von den rothen Brüdern aus dem Osten 10—.„Streber" aus Osten 10—. Ronsdors 30—. H. in Metz 24—. Hannover 50—. Cassel 50—. B. Berlin 20 50. Stollberg i/S. 10—. Echaaskops-Remscheid 3—. Erfurt,„Das Banner hoch!" 20—. Allgem. Wahl- und Diäten-FondS. Im August und September gingen ferner ein: Zülchow Mk. 3—. Glauchau 20—. Meerane 13—. P. Meerane 3■ N. N. Berlin 50—. Kassel 150—. Plauen i/V. 50—. (Fortsetzung und Schluß in Nr. 43.) Die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften. Unter diesem Titel veröffentlicht der von uns bereits ge- kennzeichnete Münchcner Korrespondent der nationalliberalen „Elberselder Zeitung" in der Nr. 274 des genannten Blattes 4. ä. 6. Oktober einen Artikel, der an Schiefheit nichts zu wünschen übrig läßt. Anlaß bietet ihm eine im„Recht auf Arbeit" erschienene Artikelserie über die„Arbeiterschutzgesetzgebung vor dem deutschen Reichstage". In diesen Artikeln war nach einer akten- lnäßigen Darstellung der von der Regierung und den maß- Zebenden Parteien des Reichstags beliebten Verschleppungstaktik zegenüber den Arbeiterschutzgesetzanträgen die Vermuthung aus- gesprochen worden, daß die sozialistischen Abgeordneten in der liächsten Session von der Einbringung des Gesammtentwurfs in seiner jetzigen Gestalt als einheitlicher Antrags Abstand nehmen, denselben vielmehr wahrscheinlich in einzelne Theile zer- legen werden, um auf bestimmte Forderungen zeitweilig mit ganz besonderem Nachdruck einzutreten. Als eine solche Forderung, lmd zwar als die, welche wohl am dringendsten der gesetz- lichen Verwirklichung bedürfe, wurde dieErreichung einer gesetz- lichen Grundlage für die Berussvereinigungen der Arbeiter bezeichnet: Beseitigung aller beschränkenden Gesetzesvorschriften für Vereinigungen, welche den Zweck haben, die Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu regeln, die gewerbliche lind geistige Ausbildung ihrer Mitglieder zu betreiben, sowie llnterstützungskassen für arbeitslose oder invalide Mitglieder su bilden. Diesen Vereinen sollen auf Verlangen Korporations- rechte verliehen werden können. Diese Petition, die sich mit dem in der gewerkschaftlichen Petition am Schlüsse ausgesprochenen Wunsche deckt, soll nach dem Grundsatz:„Die beste Form der Vertheidigung ist der An- Jtijf" in den Vordergrund der parlamentarischen Aktion der Anhänger der Arbeiterschutzes gestellt werden. Schließlich jeißt es im„Recht auf Arbeit": „Ein- wirkliche Arb-iterschutzg-setzg-bung kann nur gedeihen, wenn die Ktdeiter selbst das treibende Element dazu bilden. Das ist aber wieder wr möglich, wenn diesen ein gesetzlicher Boden für ihre Organisationen Uteaffen wird. Heute fehlt dieser Boden in den meisten deutschen Staa- «n. diesen ,u schaffen und die reaktionären Gelüste, welche den Arbeitern Mch noch die geringen Rechte auf diesem Gebiete rauben wollen, zurück- Udrängen. dürfte für die nächste Zukunft die Hauptausgab« der Arbeiter- auf dem Gebiete der Arbeiterschutzgesetzgebung sem. Man kann über die diesen Ausführungen zu Grunde liegende Auffassung der Situation verschiedener Ansicht sein, man kann ie als mit den Zeitverhältnissen im Widerspruch stehend bekämpfen, >as aber wird Niemand einfallen, dem Verfasser das Aus- sprechen derselben zum Vorwurf zu machen. Um so lächerlicher ist es daher, wenn der Leitartikler der Elberfelderin in der Veröffentlichung der erwähnten Artikel einen„unzweifelhaften Beweis" erblicken will, daß die„gemäßigte" Hälfte innerhalb der sozialdemokratischen Fraktion mit ihren„praktischen" Zielen ... eine gewisse„Ellenbogenfreiheit" erlangt hat! Diese praktischen Ziele sollen nämlich, wie vorher ausgeführt wurde, einen Vercinigungspunkt zwischen den, den deutschen Gewerkschaften angchörigen Arbeitern und der Sozialdemo- kratie bilden, und somit habe bei dem in den letzten Fraktions- sitzungen beiden Richtungen gegenseitig zugestandenen freien Spielraum in dem öffentlichen Auftreten die gemäßigte Rich- tung einen Vortheil vor der radikalen errungen. So der„gemäßigt-sozialdemokratische" Vertrauensmann der Elberfelderin, dessen Mandat, für irgend welche Richtung in unserer Partei das Wort zu nehmen, wir stark zu bezweifeln alle Ursache haben. Wir haben schon früher einmal darauf hingewiesen, daß wir von der ganzen Eintheilung unserer Partei in„Gemäßigte" und Radikale" nicht viel halten. Sie trifft gewöhnlich nur die Form und nicht die Sache. Unterschiede in der Auffassung der Situation und selbst in prinzipiellen Fragen zu leugnen, fällt uns nicht ein, sie haben immer bestanden und werden immer bestehen, und sie haben immer die„Ellenbogenfreiheit", sich geltend zu machen, genossen und werden sie immer genießen, aber sie decken sich keineswegs immer mit dem Begriff„ge- mäßigt" und„radikal", so wenig wie sich z. B. in der Praxis „gemäßigt" und gesetzlich und„radikal" und gcwaltthätig, die man gewöhnlich zusammenwirft, decken. Die sogenannten ge- mäßigten Parteien haben sich in der Geschichte oft als die intolerantesten und gewaltthätigsten erwiesen. Man erinnere sich nur an den„gemäßigten" Herrn Thiers und die„gemäßigten" Nationalliberalen, diese Befürworter aller Gewaltmaßregeln und Ausnahmegesetze gegen die Arbeiterklasse. Nirgends ist aber die Anwendung der landläufigen Begriffe „radikal" und„gemäßigt" weniger angebracht als in Bezug ans die Stellung unserer Parteizur gewerkschaftlichen Bewegung. Gewiß, über den schließlichen Nutzen der gewerkschaftlichen Be- wegung für die Arbeiter gehen die Meinungen heute vielfach auseinander, wenn auch lange nicht so heftig als in früheren Jahren— wir erinnern nur daran, daß eine große Fraktion der Sozialdemokraten früher von den Gewerkschaften gar nichts wissen wollte— über die Stellung unserer Partei zu den Ge- werkschaften herrscht jedoch in derselben nur eine Stimme. Gerade in diesem Moment liegt uns ein klassisches Beweisstück dafür vor in einer Rede, die unser Genosse Liebknecht, in den Augen des Vertrauensmannes der Elberfelderin einer der Radikalsten der Radikalen, in einer Riesenversammlung im Cooper Institut in New Aork über das Thema„Die Gewerk- schaften und die Sozialdemokratie" gehalten. „Ich habe stets." heißt es da,„der Meinung opponirt, daß die Gewerkschaften als etwas Nebensächliches zu betrachten seien. Die Gewerk- schaftvbewegunz ist nicht allein von allergrößter Wichtigkeit, sie ist sogar unumgänglich nöthig. Sie ist und muß sein der breite Unterbau der politischen Organisation." Und weiter: „Eine gesunde soziale Bewegung ist ohne die Grundlage der Gewerk- schasten nicht denkbar, doch dürfen letztere nicht vergessen, daß ihre heutigen Ziele nicht zugleich die Ziele der Arbeiterbewegung sind, daß das soziale Problem nur durch den Sozialismus gelöst werden kann." „Die englischen Gewerkschaften sind unübertrefflich in ihrer Art. Wenn die Gewerkschaften mit den von ihnen fast ausschließlich angewandten Mitteln sähig wären, die Arbeitersrage zu lösen, so mühte das in Eng- land bereits geschehen sein. Trotzdem ist drüben die Arbeiterklaffe in einem Dezennium um kein Haar weiter gekommen. Es ist ihnen nicht einmal gelungen, die Arbeitszeit so weit zu verkürzen, daß dadurch die sogenannte„Ueberproduktion" beseitigt werde. Ich brauche den Ausdruck „Ueberproduktion", trotzdem ich wohl weiß, daß derselbe nicht wissen- schastlich, nur weil er einmal landläufig geworden ist. Jene Vereini- gungen waren nicht im Stande, die riesenhaften elementaren Kräfte, die ihnen gegenüberstanden, zu besiegen. Sie waren ihtten gegenüber macht- los und haben hierdurch den Bankerott des einseitigen Gewerk- schaftS-PrinzipS konstatirt." Jedoch verfehlt Liebknecht nicht, an anderer Stelle hinzuzu- setzen: „Wenn meine Freunde in Deutschland manchmal geringschätzig von den englischen Gewerkschaften sprachen, antwortete ich ihnen stets, daß jene zwar unsere Ziele noch nicht erkannt haben, sollten aber einmal unsere Lehren in denselben festen Fuß gefaßt haben, sollte wieder ein Geist, wie der Geist der Charlistenbewegung es war, über sie kommen, dann ist auch die Macht, die in ihnen verborgen liegt, ein Hebel, der stark genug ist, den Kapitalismus aus den Angeln zu heben." So Liebknecht. Und er oder irgend einer seiner Gleichge- sinnten sollte in einer Aktion, die den Zweck hat, den Arbeitern die Möglichkeit einer gewerkschaftlichen Organisation zu sichern, einen Nachtheil für den von ihm vertretenen Standpunkt er- blicken? Wer das voraussetzt, beweist damit nur, wie wenig er von dem Wesen unserer Partei versteht. Wo eS sich um die Er- kämpfung von politischen Rechten für die Arbeiterklasse, wie überhaupt um die Wahrung von Arbeiterinteressen gehandelt hat, da hat eS in unserer Partei immer nur eine Richtung gegeben. Die Sozialdemokratie hat keine von den Interessen der Arbeiter getrennten Interessen, und wenn die Förderung der gewerkschaftlichen Organisation im Interesse der Arbeiter- klaff- liegt, so liegt sie auch im Interesse der Sozial« demokratie. Dies unsere prinzipielle Stellung zu dem im„Recht auf Arbeit" entwickelten Vorschlag. Ucber die Einzelheiten und die Frage der Zeitgemäßheit desselben ein andermal. Die Lage der Arbeiter in Pennsylvanien. Von Henry George(Verfasser von„Fortschritt und Armuth"). Deutsch von G. M. III. Und nicht allein bei dem, was man sieht, sondern auch bei dem, waS man hört, drängen sich diese Parallelen auf. Solche Erzählungen, wie ich sie an einem Platze vernahm, daß der Eigenthümer einer unermeßlichen Strecke unbewohnten Landes selbst den Platz für eine kleine Hütte ver- weigerte, welche die Kameraden einem verkrüppelten Bergmann bauen wollten, der den Krieg mitgefochten hatte, erinnern an die Erzählungen, die man in Europa vernimmt, wenn man auf die Klagen des Volkes hört. Die Kluft zwischen den Landbesitzern und den Armen ist noch nicht ganz so weit, denn unser Kontinent ist groß und noch nicht vollständig ein- gezäunt; doch ist genug vorhanden, um zu zeigen, wie der Mann, der das Land besitzt, auf dem andere Menschen leben müssen, schließlich in jeder Beziehung ihr Herr und Meister wird und auf sie als Reichthum erzeugende Thier« herabblickt. Die Gewalt des Landbesitzers befähigt den B-rgwerkbesitzer oder den Superintendenten(Betriebsleiter), jede Kontrole auszuüben, wie er sie wünscht und für klug hält. Er mag Hundegesetze, Ziegen- gesetze, Hühnergesetze, Schnapsgesetze oder irgend andere Gest tze erlassen, wie es ihm beliebt, solange sie keine allgemeine Revolution hervor- rufen, gelten sie; er kann den Handel reguliren und die Vergnügungen kon- troliren. Keine Läden werden erlaubt, die etwa den„Ruvf'mich"-Läden Konkurrenz machen könnten, und in einem Falle, der mir bekannt wurde, vertrieb man eine Wittwe aus einem Hause, das von einer früheren Kompagnie erbaut war, aber später verlassen wurde, weil die Frau sich durch den Verkauf von Zuckerwerk, Band, Zwirn und Schuhbänder das Leben gefristet hatte. An verschiedenen Orten ist«S Niemand erlaubt, zu leben, wenn er nicht für die Kompagnie arbeitet, und ein junger Mann, der dort ge- boren ist und bei seinen Eltern wohnt, wird gezwungen, abzureisen, sollte er sich unterstehen, anderswo Arbeit zu nehmen. Das Postamt und das Telegraphengebäude befinden sich im Kompagnie» laden, und viele von den Bergleuten haben daher nicht den Muth, Ar- beiterzeitungen zu kaufen oder gar über Arbeiterfragen zu telegraphiren. Irgend eine anstößige Person kann schnell beseitigt werden, ohne daß es nöthig ist, auch nur den geringsten Grund anzugeben. Z. B. erzählt« mir ein Bekannter in C a r b o n C o u n t y vor einigen Jahren, daß er in das Dorf, wo er geboren, zurückgekehrt war und bei einem alten Freund Logis genommen hatte. Empört über eine Handlung des Super- intendenten, die er für einen tyrannischen Akt hielt, ging er eines Mor- gens an demselben vorbei, ohne ihn zu grüßen. Als er Abends nach Hause kam, fand er seine Wirthsleute in Bestürzung, da dem Mann die Mittheilung geworden, daß er nicht länger mehr benöthigt sei und in fünf Tagen das Haus, worin er acht Jahre lang gewohnt, zu verlassen habe. Kein Grund war angegeben und sie konnten sich auch keinen den« ken.„Ich kenne die Ursache und will die Sache in Ordnung bringen"» sagte mein Bekannter. Er traf die nöthigen Vorkehrungen zu seiner Abreise, ging am nächsten Morgen aufs Bureau und sagte zu dem Superintendenten:„Es ist nicht nöthig, daß Sie die Leute um meinet- willen strafen, ich werde den Ort sofort verlassen." Er reiste ab, und der Mann und Frau wohnen noch jetzt da. Diese Gewalt, die ganze Einwohnerzahl nach fünftägiger Kündigung aus ihren Wohnungen zu vertreiben, ist eine fürchterliche Waffe, im Falle eines Streiks Gehorsam zu erzwingen, und führt zu solchen Droh- ungen, wie sie ein Kohlenkönig vor einigen Jahren bei einem Streik ausstieß: Ich werde diesen Streik brechen oder Shuylkill County in eine heulende Wildniß verwandel n.*) Obwohl«S öfters angewandt wird,— und während ich schreibe, finde ich in einer Zeitung einen Bericht von einer Engros-Austreibung in Illinois, wo dasselbe System herrscht— greift man doch nicht so oft in großem Maße nach diesem Mittel, als man annehmen sollte. Die Erklärung dafür scheint die zu sein, daß die Herren, selbst wo mildere Maßnahmen nichts helfen, davor zurückschrecken, die Leidenschaften zu erregen, die eine Gesammtaustreibung erzeugen würde, bezw. fürchten, daß die Ar» beiter, wenn einmal fortgetrieben, schwieriger zurückzubekommen sei» würden. Was immer der Grund sein mag, die Macht der Austreibung scheint in Pennsylvanien vorzugsweise dazu angewandt zu werden, miß» liebige Personen zu vertreiben und die E i n z e l n e n dem Jntereffe der Besitzer förderlicher zu erhalten. Obwohl fast überall Kompagnie-Häuser vorherrschen, so doch nicht auf allen Werken. Und wo sie sind, da wird jetzt den Italienern und Un» garn, die in großer Zahl in den Minendistrikten zu finden sind, hier und da erlaubt, gegen Bezahlung einer Grundrente kleine Holzhütten zu bauen, mit der Bedingung, für die Kompagnie zu arbeiten. Und an manchen Orten, wo angrenzendes Land für Bauplätze zu verkaufen ist, ist es ihnen erlaubt oder werden sie auch dazu ermuntert, solches zu kaufen; der Preis ist gewöhnlich 100— 150 Dollars per Platz.*») Aber der Besitz eines Hauses ist aus leicht ersichtlichen Gründen nicht allge» mein erwünscht bei Leuten, die zu jeder beliebigen Zeit ihrer Beschäf« tigung beraubt werden können; er macht sie meistentheils nur noch ab» hängiger, als wenn sie in einem Kompagnie-Hause wohnten, da sie, wenn aus irgend einem Grund arbeitslos geworden, auch noch das Heim zu verlassen oder zu opfern haben.***) Um dies zu vermeiden, fügt der Arb-iter li-ber seiner Tagesarbeit noch einige Meilen Marsch von und nach der Grube hinzu. Und wenn er selbst in einer nicht sehr entfernten Grube Arbeit findet, so ist er oftmals gezwungen, zu Hause zu essen und in einem Kompagnie-Hause zu wohnen oder die Rente dafür zu bezahlen, od er da wohnt oder nicht. Die Rente wird von den Kompagnien als ein Rabatt an den Kosten der Arbeit betrachtet, aus den sie von Rechtswegen Anspruch haben. In England erhält der Bergmann seine Kohlen für den Hausbedarf kostenlos, was auch früher in Pennsylvanien der Fall war. Jetzt jedoch muß er dafür bezahlen. An manchen Plätzen werden dem HauszinS *) Er„brach" den Streik. **) Es ist auffallend, wie in diesen kleinen Dörfern der Preis des Landes für Bauzwecke den Werth für ander« Zwecke übersteigt; er ist eher als eine Spekulations- oder Monopol-, denn als eine ökonomische Rente zu bettachten. ***) Ein Kohlengräber schreibt dem Statistischen Arbeits-Bureau von Pennsylvanien, daß er in einem Jahre fünfmal ziehen mußte, um Arbeit zu finden. 1 Dollars, auch 2 Dollars per Monat für Kohlen zugeschlagen, und hierzu kommen noch(50—75 Cents für das Fortbringen derselben. Es scheint allgemeiner Gebrauch zu sein, daß Pulver, Zündschnur, Oel, Baumwolle u. s. w im Kompagnie Laden gekauft werden muß. Und die Bergleute sagen:„Gehst Du anderswo hin, Dein Pulver zu kaufen, mußt Du anderswo hingehen, es zu verbrennen." Und eS scheint allgemein üblich zu sein, den Arbeitern von 20 bis 200 Proz. über die gewölnlichen Preise zu berechnen. Die großen Kompagnien, wie die R e ä d i n g- und die L e s i g h V a l l e y Company, die so viele einzelne Besitzer verdrängt haben, bewahrheiten das Sprichwort: Löwen fangen keine Mäuse, denn ob sie nun mehr Gewissen haben oder diesen Nebenverdienst verschmähen, oder ob ihre Verwalter zu sehr mit große- ren Methoden der Ausbeutung beschäftigt sind, sie haben bis jetzt keine Kompagnieläden eröffnet und erlauben ihren Arbeitern, ihre Lebensmittel zu lausen, wo eS ihnen gefällt. Mit diesen Ausnahmen aber sind die Kompagnie- oder, wie die Bergleute sie nennen, die„Rupf-mich">Läden in den pennsylvanischen Kohlenrevieren allgemein zu finden. Der„Rupf-mich"-Laden wird nicht immer von der Kompagnie gehalten, sondern ist oftmals an andere Firmen abgegeben, in welchen der Super- intendent oder andere Mitglieder der Kompagnie Interessen haben. Diese „Rups-mich">Läden scheinen den Namen, den die Arbeiter ihnen gegeben haben, wohl zu verdienen, da die Preise, die in denselben berechnet werden, 15—100 Proz. höher sind als die gewöhnlichen Detailpreise. Die Qualität steht dafür ebensosehr oft im entgegengesetzten Verhältniß zum Preise. Ein Bergmann klagte mir bitterlich, daß sie für Butter, „stark genug, eine Karre den Berg hinauszuziehen", 45 Cents iMk. 1 90) per Pfund bezahlen müßten, während man anderswo die beste frische Butter für 25 Cents kaufen könne. Mag sein, daß einige Kompagnie- Läden sich mit gewöhnlichen Preisen begnügen, ich habe in meinen Unter- Haltungen mit Bergleuten aus allen Distrikten nur von einem gehört. In diesem Fall war nämlich der Laden auf die Frau eines verstorbenen Mitgliedes der Firma übertragen worden, und sie, die in Newyork wohnt, hatte den strikten Befehl gegeben, nur nach allgemeinen Preisen zu ver- kaufen. Frauenarbeit und Frauenstimmrecht. (Auch ein Beitrag zur Programmfrage.) Am 28. September referirte in Bern ein Genosse über die Frauen- frage, unter besonderer Berücksichtigung der obigen Punkte. An der Hand der von Bebel in seinem Buche:„Die Frau ic." niedergelegten Anschauungen und Thatsachen gelangte er zu nachstehenden Schluß- solgerungen: Wenn wir sehen» daß die Ehe als natürliche Versorgung der Frau nicht ausreiche, da sie nur einem Bruchtheil der Frauen mög- lich sei; die Ehe im Klassenstaat aber(speziell für die für uns in Betracht kommende überwiegende Mehrzahl aller Frauen, die Proletarier- frauen) eine Versorgung nicht darstellen könne, die Frage der Frauenarbeit also überhaupt nicht aus der Welt schaffe; ferner ein Verbot der die Gesundheit und Sittlichkeit schädigenden Frauenarbeit allerdings(wie die Verfasserin des in Nr. 33 ff. des „Sozialdemokrat" enthaltenen Artikels ausführt) eine Kautschuk- bestimmung sei und ein Verbot jeder Frauenarbeit ausdrücke, da man wohl bei jedem Industriezweig etwas die Gesundheit oder Sittlichkeit Schädigendes herausfinden könne; wir Sozialisten schließlich auch von dem uns einzig angemessenen Standpunkt der Gleichberechtigung Aller aus(denn dieser Stand- punkt ist die Grundlage aller sozialistischen Agitation, aller zuküns- tigen sozialistischen Organisation) den Frauen, die arbeiten müssen oder wollen oder können und Arbeit finden, das„Recht auf Arbeit" keinesfalls absprechen können; fo folge daraus, daß Punkt 5 des Programms in Bezug auf die Frauenarbeit gestrichen werden müsse. Hand in Hand damit müsse eine kräftige Agitation gehen, den a r- bettenden Frauen die ihrem B-rufszweige ent- sprechenden Gewerkschaften, resp. Arbeiter- oder Arbeiterinen-Vereine(gesetzlich und statutarisch) zugänglich zu machen und unter den Frauen für den Eintritt in solche, resp. zur Gründung eigener zu wirken, um so dem Lohndruck, der gegenseitigen Lohnschraube, nach Kräften entgegenzuwirken. Wenn außerdem gesetzlicher Schutz für schwangere und stillende Frauen verlangt werde, etwa zwei Monate vor und zwei Monate nach der Ent- bindung, resp. bis zur Beendigung des Stillens, ein Arbeitsverbot ein- treten solle, so verstoße das nicht gegen den Standpunkt der Gleich- berechiigung Aller, sondern decke sich mit der Forderung von Arbeiter- schütz überhaupt, um der wachsenden Degeneration entgegenzuwirken. Bezüglich des Stimm- und Wahlrechts derFrauen stand der Referent logischerweise auf demselben Standpunkt der Gleichberech- tigung Aller und vertrat die Forderung, daß dieses Begehren in unserem Programm klipp und klar auszusprechen sei. Er führte jedoch ein- schränkend aus, daß dem praktischen Jnslebentreten dieser Berechtigung vor allen Dingen vorausgehen müsse die Gewährung völliger K o a l i- tionsfreiheit, damit den Frauen erst Zeit und Gelegenheit zu politischer Schulung geboten sei, serner eine rege Agitation von Män- nern und Frauen, um letztere zu einem starken Bruchtheile zu dem Verlangen des Wahlrechtes(aktiv und passiv)— etwa wie die belgischen Arbeiter— zu bringen, da, wie er meinte, ei» richtiger oder auch nur ausgiebiger Gebrauch von dem Wahlrecht nicht gemacht werden würde, wenn es den Frauen als ein Geschenk in den Schooß fiele. Wenn man übrigens bedenke, ein wie geringer Theil von Männern erst klassenbewußt vom Wahlrecht Gebrauch mache, trotz langer politischer Schulung, so sei erst recht zu verlangen, daß nicht gleichzeitig mit dem Fallen so vieler für die Frauen noch bestehender Fesseln auch dieses Recht gewährt werde. Er ezemplifizirte hiebei aus die Negersklaven in Nordamerika, die auch von ihrem Wahlrecht den denkbar schlechtesten Gebrauch machen und oft ihre eigenen Unterdrücker wählen, wie es ja bei uns viele Arbeiter auch nicht besser machen. Schließlich warnte er davor, auf das Wahlrecht der Frauen für unsere Sache große Hoffnungen zu setzen, da dasselbe sich, namentlich im Be- ginne, sehr leicht gegen uns gebrauchen lassen werde, was uns natürlich nicht abhalten dürfe, dasselbe zu verlangen, ohne es jedoch(gerade wie mit der Bekämpfung der Religion, die auch in der Hauptsache Denen zu überlassen sei, die nur diese, nicht aber auch die soziale Ungleichheit bekämpfen) zu einem besonders wichtigen Punkte unserer Agitation zu machen, und zwar hauptsächlich, um unsere Kräfte nicht zu zersplittern und von der Hauptfrage: Befreiung der Arbeit, abzulenken, sodann aber auch, weil das Frauenstimmrecht neben uns ja von Berufenen und Un- berufenen genug gefordert werde und es uns auch nicht in den Sinn kommen könne, unsere Kräfte daran zu setzen, Schulden zu bezahlen, die Jahrtausende hindurch von allen Generationen aufgehäuft wurden. Dieses Referat scheint uns zur Klärung der Ansichten in dieser Frage Einiges beizutragen, weshalb es vielleicht gut wäre, demselben im „Sozialdemokrat" Raum zu geben. \/\v0yjwv- Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 12. Oktober 1S8S. — Das Reichsgericht hat seine Schuldigkeit gethan und die von unfern Genossen gegen das berüchtigte Freiberger Urtheil eingelegte Revision verworfen. Dieses Ende des schmachvollen Tendenzprozesses wird Niemand überraschen. Seit seinem Bestehen hat der„höchste Gerichtshof des deutschen Reiches" nicht ausgehört, sich alS ein jederzeit williges Werkzeug der politischen Reaktion zu be- thätigen, dem leisesten Winke von Berlin allerunterchänigst Folg« zu leisten.„Die ihr in politischen Dingen an uns appellirt, lasset jede Hoffnung fahren," sollte man über die Pforte des Gebäudes schreiben, in welchem das Kardinalskollggium des deutschen Rechtspfafsenthums seine„unfehlbaren" Sprüche zusammenleimt. Sie sprechen nicht Recht, sie machen Recht— aus allerhöchsten Befehl. Nun, unsere verurtheilten Genossen haben nichts anderes erwartet, wenn sie überhaupt Revision einlegten, so geschah es nur, um den Ten- denzcharakter des gegen sie eingefädelten ProzeffeS nach allen Richtungen hin festzustellen, dem Volk zu zeigen, w:e es mit der Rechtsprechung unserer Tage beschaffen ist. Nichts wirkt revolutionirender als die Unter- grabung des Rechtsbewußtseins im Volk, und von diesem Standpunkt aus kann man dem Reichsgericht die Anerkennung nicht versazen, seiner Mission als Förderer der Untergrabung der heutigen Staats- und Ge- sellschaftsordnung treu geblieben zu sein. So hart daher die von dem edlen Dioskurenpaar Pattkamer-Abeken angezettelte Rechtsschurkerei die Einzelnen der Verurtheilten trifft, und es hieße die Schurkerei abschwächen, wollten wir das leugnen, so wird unsere Partei den gegen sie geführten Streich nicht nur ungeschwächt aushalten, sondern sogar neue Kraft aus ihm ziehen. Eine Anzahl un- serer in den vordersten Reihen kämpfenden Streiter wandert ins Ge- fänzniß, aber sie nehmen das erhebende Bewußtsein in dasselbe mit, daß die Armee darum doch um keinen Augenblick im Kampfe einhält, sondern rastlos vorwärts dringt, entschlossen, nicht nachzulassen, bis der Feind besiegt am Boden liegt. Dem Gegner aber, der geflissentlich bemüht ist, uns zu s ch ä d i g e n, wo er nur kann, töne von jetzt ab als Devise unserer Kämpfe ins Ohr: Rache für Freiberg! — In Bulgarien wirthschastet sich Rußland gründlich ab. Der „diplomatische Agent" K a u l b a r s hatte geglaubt, durch rüpelhaste Unverschämtheit auf der einen und mit zynischer Offenheit betriebene Bestechungen auf der anderen Seite die bulgarische Regentschaft voll- ständig lahmlegen und einen Aufstand zu Gunsten Rußlands anzetteln zu können. Er hat aber weder das Eine noch das Andere erreicht. Die Handvoll bulgarischer„Patrioten", die sich von ihm haben kaufen lassen, entgehen, wo sie sich zu zeigen wagen, nur mit Mühe der Steinigung, und die Regentschaft hat in dem wesentlichsten Punkte: Hinausschiebung der Wahlen, nicht nachgegeben. Die Wahlen zur großen Nationalver- sammlung haben am 11. Oktober stattgefunden, und über das Resultat derselben besteht gar kein Zweifel: die übergroße Mehrhett der Ge- wählten wird der Regentschast gegenüber den russischen Zumuthungen entschieden zur Seite stehen. So hat der Unabhängigkeitssinn des bulgarischen Volkes der europäischen Diplomatie wieder einmal aus der Putche geholfen und namentlich Bismarck aus der Verlegenheit befreit, in die ihn feine Nachgiebigkeit gegenüber Väterchen gebracht. Hört man die Bismarck'schen Lohnschreiber, so hat ihr Herr und Meister natürlich alles schon vorher gewußt, wie es kommen werde— nach ihnen war er über die Gesinnung jedes einzelnen Bulgaren im Voraus unterrichtet— aber das ist selbstverständlich eitel Flunkerei. Die zwei Milliarden russischer Staatspapiere, die sich in deutschen Händtn, und zwar fast ausschließlich in den Händen seiner Klassengenossen und seiner Freunde von der hohen Finanz befinden, spielen für den alten Zyniker von Friedrichsruh- eine ganz andere Rolle als die Unabhängigkeit des Bulgarenvolks. Erklärte er doch erst neuerdings wieder in seinem„Botschafter". Organ den „Streit zwischen Kaulbars und der Regentschaft", d. h. die Agitationen des Lümmels Kaulbars zur Herbeiführung einer militärischen Besetzung Bulgariens, für einen häuslichen Streit in der— slavischen Völker- familie. Slavische Völkerfamilie ist sehr nett, es ist der Lieblings ausdruck der panslavistischen Hetzpresse, für die der„Selbstbeherrscher aller Reußen" das geborene Väterchen dieser Familie ist. Wir haben schon zu häusig nachgewiesen, welche Gefahr für die Frei- heit der westeuropäischen und der slavischen Völker selbst in jeder Aus- dehnung der Machtstellung des zaristischen Rußlands liegt, als daß wir es noch nöthig hätten, darauf eingehend zurückzukommen. Wie tief diese Ueberzeugung Gemeingut des deutschen Volkes ist, hat die Haltung der großartig besuchten Volksversammlung in Dresden am K. Oktober bewiesen, in der Genosse Bebel über„Deutschland und die bulgarische Frage" referirte. Gegen 3500 Personen lauschten im Saale, über 1000 im Vorhofe des Lokales seinem Nachweis, daß und warum deutsche Interessen, entgegen den Behauptungen der Reptilien- presse, aus dem Balkan in Frage kommen, und nahmen am Schluß der- selben einstimmig folgende Resolution an, der wir uns nur voll und ganz anschließen können: „Die Versammlung erklärt, daß sie jede Erweiterung der Machtstellung Rußlands auf der Balkanhalbinsel als eine schwere Schädigung der Interessen Deuschlands ansieht und darin zugleich eine Gefahr für die gesammte westeuropäische Kuliurentwickelung erblickt, sie erachtet es daher als eine Hauptaufgabe der deutschen Politik, den Bestrebungen Rußlands nach Machterweiterung auf der Balkanhalbinsel mit allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegenzutreten." Hinge die Versammlungsfreiheit in Deutschland nicht von der Willkür der Polizei ab, so würde allüberall im Lande dem Beispiel Dresdens gefolgt werden, ein wahrer Sturm sich gegen die russischen Anmaßungen erheben. Aber den Herren Staatslenkern paßt es nicht in den Kram, die Volksstimme zum Ausdruck kommen zu lassen, und N'emandem weniger als Bismarck. Das Volk soll ruhig mitansehen, wie der Karren in den Dreck gefahren wird, dafür bleibt ihm hinterher das Vergnügen, ihn mit Ausopferung seines Gutes und Blutes wieder herauszuziehen. Ihm die Kosten und seinen Regierern die Ehre, das ist die Devise. Und sie wird es auch solange bleiben, bis das Volk sich endlich aufrafft und der Zwingherrschast einer Handvoll Intriganten ein Ende inacht. — Seit Bismarck in den Belcidignngsprozcsfen ein Haar ge- funden, Stöcker sogar eine ganze Kollektion von Haaren, würden die politischen Beleidigungsprozesse im deutschen Reiche in Gefahr sein, gänzlich einzuschlafen, wenn— der Jhring-Mahlow nicht wäre. Dieser Biedermann, der mit Bismarck und Stöcker die Wahrheitsliebe theilt, th-ilt mit seinen hochgestellten Vorbildern auch die Eigenschaft eines Ehrgefühls von so feiner Verfassung, daß es bei dem geringsten Angriffe Schaden leidet. Und so ist er denn schon jetzt nicht nur der glaubwürdigste, sondern auch der leichtestbeleidigte Mann im deutschen Reiche. Das hat dieser Tage wieder der Tischler B e r n d t erfahren. Derselbe hatte es sich bei einem Ausfluge mit Kameraden nicht versagen können, in das Fremdenbuch des am Teufelssee bei Köpenik gelegenen Wirths- Hauses den in Berlin sehr populären Vers: „Den Sozialismus in seinem Lauf Hält weder Ochs noch Esel aus" einzuschreiben und mit„Jhring-Mahlow-Puttkamer" zu unterzeichnen. Darin fand Biedermann I h r i n g eine Beleidigung seiner persönlichen Ehre— er ist ja zweifelsohne tiesinnerlich überzeugt, daß jeder Ochs und Esel den Sozialismus in seinem Lauf aufhalten kann— und er stellte daher Strafantrag gegen Berndt. Der Staatsanwalt— Jhring ist ja„Be- amter"— beantragte denn auch, den Berndt für seine Frevelthat zwei Wochen hinter Schloß und Riegel festzusetzen, das Köpenicker Schöffen- gericht fand aber diese Strafe angesichts des„gemeingefährlichen Trei- bens" der Sozialdemokratie in der sonst so idyllischen Köpnicker Gegend für zu gering und verurtheilte Berndt zu vier Woche.n Ge- fängniß! Hoffentlich läßt es sich jetzt Niemand beikommen, in dem verhängniß- vollen Fremdenbuch Betrachtungen darüber anzustellen, ob, was weder Ochs noch Esel möglich, vielleicht von den Köpeniker— Schöpsen durch- gesetzt werden kann. — Ein Vertreter der Wissenschaft über die heutige Ge- sellschaft. llcber die Ursachen des Jrrseins schreibt i» berühmte englische Irrenarzt Henry Maudsley in seiner I8K7 publizirten und 1870 von Böhm ins Deutsche übersetzten Schrift„Die Physiologie und Pathologie der Seele"(S. 213 und 214) folgend« mit dem Arbeiterprogramm übereinstimmende Ansichten: „Eine weitere und sicherlich nicht die geringste von den üblen Folgen, welch« aus gewissen, durch unsere gegenwärtig« Zivilisatton ge- schaffenen Zuständen hervorgehen, ist die allgemein verbreitete Furcht und Abscheu vor der Armuth, und das leidenschastlicheStre- ben, reich zu werden. Das praktische Evangelium unserer Zett, das überall mit Worten und Werken bekannt wird» ist daS des Gelderwerbs; die Menschen werden hauptsächlich nach dem Grad ihres Wohlstandes geschätzt, und diese Rücksicht de- stimmt auch ihren sozialen Rang, demzufolge wenden sie auch all' ihre Kraft auf, das zu erreichen, was ihnen Achtung und Einfluß verschafft. Di« Folge davon ist, daß in den höheren Schichten von H a n- del und Verkehr Spekulationen aller Art eisnzst betrieben werde», und daß viele Wenjchen durch die Schwankungen des Geldmarkts in einer beständigen Aufregung und Angst erhalten werden. In den niederen Schichten des Handels ist dieselbe hastige Begierde auf geringen Gewinn gerichtet, und die beständige Absorbirung der Seele durch diesen geringfügigen Gewinn erzeugt eine Kleinheit der Seele und eine Dürftigkeit d e S Geistes, wo sie nicht zu wirklicher Ehrlosigkeit führt, die man nirgends in bedauerlicherem Grade finden kann als bei gewissen kleinen Handelsleuten. Die Beschäftigung eines Menschen verfehlt nicht ihren modifizirenden Einfluß auf seinen Charakter, und die Rückwirkung, die ein Leben, das sich das einzige Ziel gesteckt hat, Reichthümer zu erwerben, auf die Natur eines Individuums ausübt, ist eine äußerst verderbliche. Es sind nicht Wogen innerer Aufregung, die die Seele des Kaufmanns verwirren und zu rasereiähnlichen Ausbrüchen führen— obwohl auch dies zuweilen vor- kommen kann— es ist nicht ein Fehlschlagen auf der Höh- einer Geld- krisis, das seine Kraft lähmt und ihn tiefstnnig macht— wiewohl auch dies manchmal zutrifft— sondern die Ausschlietzlichkeit seines Lebenszieles und seiner Beschäftigung ist es, die nur zu oft das moralische oder altruistische Element seiner Natur untergräbt, ihn zum theilnahmlosen Egoisten und Pedanten macht und in seiner Person die menschliche Seite der Natur zu Grunde richtet. Was ist die Konsequenz hiervon? Wenn irgend eine Ueberzeugung in meiner Seele durch Be- obachtungen und Beispiele fester geworden ist als eine andere, so ist es die, daß es ä'u Herst unwahrscheinlich ist, daß ein solcher Mensch gesunde Kinder erzeugen wird, im Gezentheil, es ist in hohem Grade wahrscheinlich, daß die von ihm erworbene Korruption seiner Natur als ein verhängnißvolles Erbgut auf seine Kinder übergehen wird. In verschiedenen Fällen, wo ein Vater sich aus Armuth zu großem Wohlstand aufgeschwungen hatte mit dem Ziel und der Hoff- nung, eine Familie zu gründen, habe ich eine geistige und phy- i sischeVerkommenheitseinerNachkommen erfolgen sehen, die zuweilen so weit ging, daß sie zum Aussterben der Familie im dritten oder vierten Grade führte. „Wenn, vielleicht durch den günstigen Einfluß einer Mutter, das Ver« derbniß nicht bis zum Jrrsein oder zur Lasterhaftigkeit führt, so zeigen sich doch Spuren davon in einer instinktiven verschlagenen Schlauheit und Falschheit und einem hohen Grade von Selbstsucht— Naturen, die keiner wirklich moralischen Empfindung, keiner wohlwollenden Gefühle fähig sind. Was auch andere, erfahrenere Beobachter hierüber denken mögen, ich muß nach dem, was ich gesehen habe, die Ueberzeugung aus- sprechen, daß eine übertriebene Leivenschaft für die Erwerbung von Reich- thümern, die die ganze Kraft des Lebens absorbirt, zu geistiger Degene- ration der Nachkommen den Grund legt— entweder zu Unmoralität oder zu sittlicher oder intellektueller Mangelhaftigkeit, oder endlich, unter ge- wissen Lebensverhältnissen, zum Ausbruch positiven Irrsinn s." Was Maudsley hier von den Wirkungen des leidenschaftlichen Stre- bens nach Reichthum auf die geistige Verfassung der Menschen und ihrer Nachkommen sagt, gilt in unfern Tagen— und das mögen sich die Herren Darwinianer hinter die Ohren schreiben, die stets nur von der Verooll«! kommnung der Menschen durch den Kampf ums Dasein zu erzählen wissen— in noch weit größerem Maße als zur Zeit, da die obigen, Zeilen geschrieben wurden. Die von allen Aerzten konstatirte Zunahm« der Nervenkrankheiten ist zum großen Theil auf Rechnung des gesteiger« ten Kampfes ums Dasein innerhalb der heutigen Gesellschaft zu schrei- ben, der fo zu einem Faktor der Entartung wird. So erklärt sich auch der geringe Einfluß deS so ungeheuer angewachsenen Wissensstoffes auf die Intelligenz der heranwachsenden Generationen. Das Lehr« Material ist reicher als je, die Lehrmittel zweckmäßiger als je, und die Jugend ist heute dümmer als je. Dem Verkommen der Menschheit da- durch entgegenzuwirken, daß der verderbliche Kampf ums Dasein durch eine höhere Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens ersetzt wird, ist die Kulturmission des Sozialismus. k. Bei der Begründung des Leipziger BelagerungSzn« stan des durch den sächsischen Kommissar, Herrn von Ehrenstein, wurde u. A. behauptet, daß ein Bruder des hingerichteten Reinsdorfs vom Drucker der„Freiheit" engagirt und in der Expedition der„Frei- heit" beschäftigt sei, ferner, daß dieser Bruder zuvor bei einem bekannte» Sozialisten in Leipzig gewohnt habe. Obgleich diese Behauptung, selbst wenn wahr, gar nichts zu Gunsten der Verhängung des kleinen Belage« rungszustandes über Leipzig bewiese, wie Herrn von Ehrenstein im Reichstag auch zur Genüge klar gemacht wurde, wollen wir zum Ueber- fluß noch konstattren, daß ein zweiter Bruder des Reinsdorff aus Pegau einem der bekanntesten unserer Parteigenossen schreibt, daß beide Angaben des Herrn von Ehren st ein aus UnlvahrheU beruhten. Der in Frage kommende Bruno Reinsdorff hat in Leipzig mit einem jungen Menschen aus Pegau zusammengewohnt, einem Schreiner, der weder als Sozialist noch sonst irgendwie„bekannt" ist, und in der Expedition der„Freiheit" war und ,st er auch nicht thätig. Die Herren in Dresden mußten in großer Verlegenheit sein, daß sie solchen Klatsch als„Gründe" für die Fortdauer des„Kleinen" über Leipzig am führten. Bei dieser Gelegenheit möchten wir den Herren in Dresden wie in Leizig einen andern Rath geben: sie sollen sich einmal offen klar machen, wie die Zustände in Leipzig und Umgebung vor der Verhängung deS „Kleinen" beschassen waren gegen heute, und wenn die Herren sich nicht selbst belügen und betrügen wollen, müssen siesichsagen, daßeinzigundallein ihre unterund feit dem Belagerungszustand getroffenen Maß- nahmen e s v er s chulden, wenn heute unter unseren Genossen im B e l a g er u n g sz ust and s g e b i et eine Er« bitterung und eine Empörung herrscht, wie sie vor- dem nie gekannt war. Nirgends in Deutschland hat sich die gegentheilige Wirkung der angeblich im Interesse der öffentlichen Orb- nung und Sicherheit erlassenen Polizeimaßregeln und getroffenen Chi« kanen so dem blödest-n Auge sichtbar gezeigt als in Leipzig und Um- gebung, nirgends ist ein größeres Maß von Verbitterung zwischen der Polizei und der sozialistisch gesinnten Bevölkerung anzutreffen, das habe» die Vorgänge der letzten Wochen und Monate zur Genüge gezeigt. Hieße Regieren die Anordnung weiser und gerechter Maßregeln zu» Beruhigung und Befriedigung der Bevölkerung, wie unsere Gegner ge- wöhnlich behaupten, vernünstige Staatsmänner Hütten nichts Eiligeres zu thun, als solche, Erregung und Erbitterung erzeugende Maßregeln» wie ben kleinen Belagerungszustand, aufzuheben. Wir wissen aber, daß Regieren heißt: Klasseninteressen wahren, Klassenjustiz üben, und f« wird fort„belagerungszustandelt". Es gibt Niemand, der mehr auf den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaft«- ordnung in einer den Frieden und die Eintracht de» Bevölkerungsklassen untergrabenden Weise hin- arbeitet, als unsere Gegner. Das ist zwar schon oft gesagt und bewiesen worden, aber es kann nicht oft genug gesagt und bewiesen werden. — In der vorletzten Nummer unseres Blattes berichteten wir über den Schweizerischen Stickcreiverband und den günstigen Erfolg desselben für die in der Stickerei beschäftigten Arbeiter. Nun, dieses Verband ist, wie wir aus einem neueren Eingesandt im„Grütlianer' ersehen, bereits wieder in der Auflösung begriffen. Ursache: die heilige, unantastbare„freie Konkurrenz." „Die Kaufleute", heißt es da,„sind nur darum in den Verband ge- treten, well es ihr Nutzen war. Dieselben hatten, bevor der Verband ifl Kraft trat, ganze Haufen Waar« auf Lager. Durch Ein' schränkung der Ueberproduktion und durch Ansehung eines Minimal- lohnes stieg dann der Preis der Waare, so daß sie dieselbe t h e u e r verkaufen konnten. Man sagt von einer Firma, sie habe für 2 Millionen Franken Lagerwaare gehabt und dann durch das Steigen des Preises daran eine halbe Million Franken gewonnen. Die meistenLag«' sind jetzt leer, und darum möchten die Kaufleute wieder billig Waare baben. Das erreichen sie nur durch Sprengung des Vel- bandet, woran sie wacker arbeiten. Es heißt bereits, einige de> größten Geschäfte wollen diesen Winter austreten. Die Einzslstia(- und Fabrikbesitzer mühten dann ebenfalls austreten, wenn sie Arbe>' wollten. Biel« Einzelsticker wären sogar froh, wenn der Verband au! gelöst würde; sie könnte» dann wieder IS Stunden per Tas arbeiten und würden dadurch natürlich die Löhne herabdrücken. Aber die den Bismarck, Windthorst, Richter ,c. so überaus theu� „wirthfchaftliche Freiheit" wäre wiederhergestellt. — Die durch die deutsche Presie gegangene Nachricht, daß Singer's Wirthin in Dresden ersucht worden sei, dessen Thätigkeit und dessen Umgang zu überwachen, und sich die Polizei zeitweilig bei ihr Bericht holen wolle, sowie daß die Polizei Sinzer der Wirthin als einen„gefährlichen Wühler" d-nunzwts, natürlich nur in der freundlichen Absicht, daß ihm das Logis gekündigt werde, hat die Dresdener Polizei durch ihr Organ, die„Dresdener Nachrichten" als Erfindung bezeichnen lasien. Daß Singer scharf über- wacht werde, mußte auch das edle Blatt zugeben. Natürlich ist die Nach- richt der Presse, die offiziell zu widerlegen die Polizei sich wohl hütet, vollkommen der Wahrheit entsprechend, auch entspricht diese kleinliche Taktik ganz den Gepflogenheiten der Dresdener Polizei, die ihre Ziele auf möglichst krummen Wegen zu erreichen sucht. Neuerdings hat sich der Wirth der Radeberger Brauerei in Neustadt- Dresden, in der Genofie Kaden seit vielen Jahren regelmäßig jeden Tag verkehrte, den ferneren Besuch defielben höflichst verbeten. Kein Mensch in Dresden zweifelt, daß auch dies in Folge von Machinationen und Drohungen der Polizei erfolgte, da kein äußerer Anlaß für diesen Schritt des Wirthes vorlag Welch' noble Kampfesweise! — ES gibt noch Richter in Berlin. Die 5. Strafkammer des Landgerichts I in Berlin hat den Tischler B o b k i e w i c z, weil er an der Durchprügelung des Jhrinz-Mahlow theilgenom- men haben sollte, zu zwei Monaten Gefängni« verurtheilt. Vom Schöffengericht war Bobkiewicz frei gesprochen worden, weil Jhring- Mahlow als Zeuge wenig glaubwürdig erscheine, die Juristen der Straf- kammer— Borsitzender Landgerichtsrath H u m b e r t— fanden aber, daß„die Glaubwürdigkeit des Jhring durch die Entlastungs- zeugen nicht alterirt worden, daß vielmehr der Entlastungsbeweis als mißlungen zu betrachten sei, da die Zeugen ziemlich unzuverlässig er- schienen und es nicht a u s g e s ch l o s s e n(!) erscheine, daß Bobkiewicz vorübergehend an der Sch'äzerei theilgenommen." Also muß Bobkiewicz zwei Monate brummen, und Jhring- Mahlow ist mn ehrenwerther Mann. Nun, tel nmltro, toi yalet— wie der Jhring» so seine richterlichen Ehrenretter. — Zur Beförderung reif ist der Staatsanwalt in Hirschberg in Schlesien. Dieser Biedermann— schade, daß uns der Name nicht gemeldet wurde— hat einen dortigen Arbeiter auf Verbreitung vcr- botener Druckschriften durch Anstiftung(!) nach Z 19 des Hödel- gesetzeS und§§ 48 und 74 deS Reichsstrafgesetzbuches in Anklage versetzt, weil derselbe— man höre!— den„Sozialdemokrat" und Heft 4 und 5 der Gedichtsammlung„Vorwärts" bei der Expedition des„Sozialdemo- krat" in Zürich bestellt, den Betrag in Marken eingesandt und so— laut Anklage— durch sein Abonnement den Verleger„Volksbuchhandlung in Hattingen bei Zürich" angestiftet hat, verbotene Schriften zu verbreiten. Außerdem soll er„einer Verbindung angehören, welche es fich zur Aufgabe gemacht hat, verbotene Schriften über ganz Deutschland zu verbreiten".„Mit einem Wort, die Anklage ist eine wahre Wuster- le istung", schließt unser Korrespondent,„sie ist es werth, für all Zeiten aufbewahrt zu bleiben als Beweis, wie herrlich es doch in der Aera Bismarck in Deutschland war." Indem wir die„Musterleisiung" hier gebührend zur allgemeinsten Kenntnißnahme mittheilen, hoffen wir, uns ein ganz besonderes Verdienst um den ingeniösen Urheber derselben zu erwerben. Ein solches Talent darf nicht länger im Verborgenen blühen. Es muß anerkannt, befördert, belohnt werden. Ja. wir gehen noch weiter. Wenn der strebsame Staats- anwalt mit seiner Anklage vor Gericht Glück haben sollte— und in Preußen-Deutschland gibt es auch Musterrichter— so versprechen wir, feiner staatsretterlichen Thätigkeit zu Hilfe zu kommen und ihm nach- einander alle Mitschuldigen des jetzt Angeklagten namhaft zu machen, alle, die gleich ihm durch direktes oder indirektes Abonnement aus unser Blatt die Volksbuchhandlung zur Verbreitung desselben an- stiften. Natürlich werden wir dabei von oben anfangen— Ehre dem Ehre g-bührt— und zwar in der Art, daß sobald beispielsweise Exzellenz Puttkamer ins Loch wandert, wir Herrn von Richthosen nennen werden und die Mittelsperson, durch die er den„Sozialdemokrat" be, zieht, die er also ebenfalls zur Berdreiwng desselben„anstiftet". Sobald das Reichsspitzelministerium sitzt, folgen dann etliche deutsche Fürsten, Gmfen und Barone, dann Mitglieder der Bureaukratie, des höheren O sisierkorps, Volksvertreter, Profestoren, Prediger, und so immer weiter abwärts in der Rangstellung— die Proletarier müssen bis zuletzt warten. Es wird eine hübsche Liste werden, aber alle, die auf ihr stehen, .müssen ins Loch, denn alle Preußen, Sachsen, Bayern tc. sind vor dem -Gesetze gleich, Standesunterschiede finden nicht statt. Nicht wahr, Herr Staatsanwalt? — Der jüngst in Lütt ich abgehaltene Belgische Katholiken- ckongrc« veranlaßt den Pariser„Socialiste" zu folgenden treffenden Bemerkungen: In dem Maße, als die kapitalistische Zivilisation sich entfaltet, ver. tingert sich alles, entwickelt sich alles in der Richtung des Mittelmäßi- gen.... Nie war der Schatz des angesammelten Wissens so reich, aber nie waren auch die Gelehrten so in ihren Spezialfächern verkretmisirt. In dieser Epoche der Mittelmäßigkeit, wo Pygmäen das große Wort sführen, hatte der Katholizismus das Vorrecht, grandios zu bleiben. Er war in der Abgeschmacktheit erhaben. Er wagte es, der verblüfften Welt als Dogma aufzubinden, daß die Mutter eines kleinen Jesus eine Jung- /fxau gewesen und daß ein kindisch gewordener Greis unfehlbar sei. Mit Bezug aus die sozialen Probleme erklärt« er anmaßend, die Menschheit müsse rückwärts geleitet und in die Zeiten zurückgesührt werden, wo der 'Adlige und der Pfaffe über fromme und zitternde Leibeigene als souve- räne Gebieter herrschten. E« gehörte Muth dazu, inmitten der bürgerlichen Mittelmäßigkeit -solch' idiotisches Zeug zu proklamiren. heute aber hat der Katholizismus den Ton herabgestimmt. Er beschäftigt sich weniger mit der Jungfernschaft der Maria und spricht möglichst wenig von der päpstlichen Unfehlbarkeit. In Bezug auf die soziale Frage haben sich die Katholiken jedoch zu ihrem Unglück nicht mit dem Schweigen begnügt. Die Unglückseligen reden, und so zeigt eS sich jetzt, was für Jammerkerle diese De Mun, diese M-rmillod, diese Korum, das Licht und die Hoffnung der katho- tischen Sozialresorm, sind. Sie sind Bismarck's Papageien. Die katholischen Reformer sind den kapitalistischen Oekonomen und Politikern überlegen, sie erkennen an, daß es eine soziale Frage gibt, daß man„den Unzufriedenen des Elends, die in Revolutionen voran Marschiren, ein neues Feld eröffnen muß"— wie sich der Bischof von Malines ausdrückte. (Folgen noch einige Zitate aus den Reden des Abbve Winterer und des Rektors der Universität Löwen. Dann heißt es weiter:) Die Gefahr ist demnach schrecklich, drohend. Und was fordern nun diese lärmenden Reformatoren? Die Bildung einer Liga für die strenge Durchführung der Sonntagsfeier. Im Chorus proklamirten sie die Schließung aller öffentlichen Anstalten, Läoen, Geschäfte. Wirthshäuser und Cafes an Sonn- und Feiertagen. Nur die Kirchen, diese Lügen- geschäjte und Verdummunzsanstalten, des Sonntags offen zu haften, das ist die grrroße Reform des Katholizismus. Und da ihnen diese Reform an Reiz zu mangeln und wenig geeignet er- schien, ihnen die Arbeitermassen zu gewinnen, welche die Ungläubigen von Sozialisten ihnen tagtäglich entreißen, so haben sie sich noch auf den Bismarck'schen Staatssozialismus und die Arbeiterverstcherungskaffen geworfen. Der Katholikenkongreß war nichts als eine Verherrlichung Bismarck's und seines aus brutalen Unterdrückungen und heuchlerischen Reformen zusammengesetzten Systems. Die christlichen Reformer hatten einen Augenblick Illusionen erweckt, Man hielt sie für einsichtsvolle und ernsthaste Leute. Herr de Mun hat vor versammeltem Parlament die kapitalistische Welt mit einer Heftig. kgft angeariffen, wie es ein Sozialist nicht besser hätte thun können. Andere Käthosiken in Deutschland und Oesterreich thaten desgleichen... Ihre Resormvorschläge waren zwar absurd und lächerlich, aber es war doch schön etwa»— der erste Schritt zum Sozialismus— die moderne Ge- fellfchait schlecht zu finden. Naive Gemüther hofften, daß sie schließlich doch einsehen würden, daß man die Gesellschaft nicht dadurch reformrrt, daß man sie umdreht, sondern dadurch, daß man den Kommunismus, den sie in ihrem Schooße trägt. zur Welt fördern Hüft. Dm lathol.schen zzesormer aber haben erklärt, daß man nicht die kapitalistische Gesellschaft �stören, sondern Palliativmittel schaffen müsse, um sie zu vervoll- kommnen, und sie in alle Ewigkeit— in soooula saeculornm— zu erhalten suchen müsse. Der Kongreß der christlichen Sozialisten wir die Beerdigung des christlichen Sozialismus. Um so besser. — Sehr demokratisch und geschmackvoll drückt sich der Pariser X-Korrespondent der„Fcanksurter Zeitung" in einer Korrespondenz über die, anläßlich eines Streiks in V i e r z o n ausgebrochenen Unruhen aus. Man höre nur: „Ueber die Unruhen in Vierzon, die sich gestern und heute nicht mehr wiederholt haben, erfährt man noch einige interessante Einzelheiten. Bei den handgreiflichen Demonstrationen gegen die in der Fabrik arb itenden Arbeiter waren nicht die Streikenden der Fabrik, sondern Arb.i'er an- derer Fabriken in erster Linie betheiligt. Unter den 18 Verh len befand sich kein einziger der streikenden Arbeiter der Ackergeräthei'brik. Es beweist das recht deutlich die von den sozialistischen Wühlern lünst- lich gemachte Agitation.(Mit Verlaub, geehrter Herr, das beweist ledig- lich, daß die Gesammt-Arbeiterschaft Bierzons für die Streikenden Partei nahm.) Was den verhafteten Generalraih B a u d i n betrifft, so wollen wir ihm das Zeugniß nicht vorenthalten, daß er gewissermaßen das Opfer seiner Ritterlichkeit wurde. Eine Megäre hatte eben einen Stein auf die Gendarmen geworfen und sollte verhaftet werden. Da sie zu entwischen suchte, ergriff ein Gendarm sie unsanft beim Schopf. Baudin fühlte sich nun verpflichtet, für diese Vertreterin des schönen, aber nicht immer sanften Geschlechtes einzutreten und wurde dabei selbst verhaftet." „Sozialistische Wühler" wollen wir noch gelten lassen, wir verlangen von Sozialistensressern keine Liebeserklärungen, aber der Ausdruck„Megäre" für eine von der Entrüstung hingerissene Frau, blos weil sie eine Pro- l e t a r i e r i n ist; die hämische Freude über das„unsanft beim Schopf fassen" d. h. brutal Mißhandeln von Seiten des Gendarmen; der Versuch, über das lobenswerthe Eintreten Baudin's für die Arbei- terin zu wltzein, weil die Arbeiterin vielleicht nicht schön war,— das zeugt von einer Rohheit des Denkens, wie sie wahrlich überall eher am Platze wäre als in einem demokratischen Blatte. Aber freilich, die Demo- kratie der Frankfurterin ist recht alt und schwach geworden, aus sie könnte man das Wort Megäre beim besten Willen nicht anwenden. — Rothschcu und RechtSscheu. Manschreibtuns: Am24. Sep« tember wurde vor dem Schöffengericht zu Chemnitz unter Vorsitz des Amtsrichters Junghanns die berühmte„r o t h e Regenschirm- Affäre" verhandelt. Wie wir schon mittheilten, waren acht Mann an- geklagt, an einem öffentlichen Aufzug theilgenommen und durch Vor- antragung eines großen seuerrothenRegenschirmes Aergerniß erregt zu haben. Belastungszeugen waren Kriminal- schutzmann R e s ch- Chemnitz, Obergensdarm E n ß l i n g e r> Annaberg. Geusdarm Große- Gelenau und zwei Thumer Bürger. Aber alle Zeugenaussagen hätten günstig lauten müssen, wenn sie der Wahrheit gemäß gemacht wurden. Die wahrheitswidrigen Angaben der Gensdarmen dagegen boten den ersehnten Anlaß zur Verurtheilung der Genossen R ie m a n n- Chemnitz und G e y e r- Großenhain zu einer Geldstrafe von je Ig Mark und 3 Tagen Hast. Den Gensdarmen kam bei dem energischen Widerspruch Geyers und verschiedener Angeklagten die Unwahrheit ihrer Aussagen augenscheinlich so recht zum Bewußtsein, allein die Sucht, uns eins auszuwischen, herrschte vor. Der Falsch- Eid ist ja durch die Siöcker'schen Eideshelfer zu einer deutschen Rechts- institution erhoben worden, die ihrem Erfinder alle Ehre macht. Was nun aber die R e ch t s s ch e u des Amtsanwalts und der famosen Amtsrichter anlangt, so sei hervorgehoben, was Geyer schon in seiner Vertheidigung bemerkte, daß die Komretenz des Gerichtes mehr als zweifelhaft war, da erstens in der Anklage die von dem Gensdarmen geschilderte Affäre, die aus Ehrenfriedersdorfer Revier sich abgespielt hatte, gar nicht berührt war, obgleich die Gens- darmen schon vor Stellung der Anklage ihre falschen Angaben gemacht hatten, zweitens aber die Angelegenheit vor das Amtsgericht Ehrensriedersdorf gehörte, in dessen Sprengel die Sache passirt war. Doch was scheert sich so ein Sozialistenfresser um Kompetenz- bedenken! Wenn er nur der Verknurrungsfucht fröhnen kann. Beiläufig, es konnten weder der Träger des Schirmes noch andere Theilnehmer identifizirt werden, darum Freisprechung der übrigen sechs Angeklagten. Weß Geistes Kmder aber das Ehrenfriedersdorfer Amts- gericht birgt, darüber gibt Folgendes Aufichluß. Der Maurer Kr a gl- Chemnitz hatte vom Balkon der Greisenstein-Restauration herab aus einer Blechtrompete die Sachsenhymne geblasen, weshalb ihn diese Richtersipp schaft zu vierWochcnGeföngniß verurtheilt«, und zwar behaup- tete der Amtsrichter, K r a g l habe das aus Hohn gethan, denn er sei ein Böhme. Als Kragl protestirend seine Naturalisatlonslegitimation auf dem Gerichtstisch niederlegen wollte, fiel dieselbe daneben. Kragl entschuldigte sich, allein der tolle Amtsrichter erklärte dies Herunter- fallen für„ungebührliches Betrage n", wofür Kragl b e s o n- der« Abbitte leisten müsse. Das that er nicht, und erhielt deshalb n o ch 8 Tage Haft, zu deren Verbüßung er sofort abgeführt wurde. Gegen die andere Richter-Tollheit wird Kragl Berufung einlegen. Wegen Vortragung der Sachsenhymne vier Wochen Gefängniß! O heiliger Ben Akibal — In Meißen in Sachsen wurde dieser Tage der dortige Arbeiterschutzverein aus Grund des Schandgesetzes aufgelöst und dabei von der Polizei die Summe von 40 Mark Kassengelder gestohlen. Wie— harmlos, für die Langsinger überhaupt noch etwas hinzu- legen! Eine Anzahl Haussuchungen, die gleichzeitig stattfanden, blieben ohne den gewünschten Erfolg. — Das Bezirksgericht in Zürich hat am 7. Oktober 9 Personen, davon 8 Arbeiter, die anläßlich des S ch l o s s e r st re i k s mit der Polizei in Konflikt geriethen, zu G e s ä n g n i ß st r a f e n bis zu sechs Monaten, Tragung der Kosten tc. verurtheilt. Wie man selbst in gemäßigten Arbeiterkreisen diesen Rechtsspruch aufnimmt, geht aus nach- stehender Notiz des„Grütlianer" hervor: „Wenn die zürcherischen Arbeiter von den Gerichten eine unbe- fangenere und für sie gerechtere Beurlheilung der Vorgänge anläßlich des Schlosserstreiks erwarteten, als sie ihnen von den politischen Behörden und der Polizei zu Theil geworden, so brachten ihnen die seitherigen Ersahrungen sozusagen nur Enttäuschung. Das Bezirksgericht scheint vielmehr die Handlungen der Polizeidirektion und ihrer Organe noch überbieten zu wollen. Sein neuestes Urtheil gegen den Schreiner F i s ch e r ist wohl das Stärkste, was im ganzen Handel überhaupt ge- leistet wurde. „Dieser Fischer wurde, wie bekannt, bei dem Auflauf im Selnau brutal niedergeschossen und lag infolge dessen mindestens drei Monate krank darnieder; wenn er also sich in etwas vergangen, so hätte er dies gebüßt genug. Was thut aber das Bezirksgericht? Es diktirt ihm obendrein noch zwei Monate Gefängniß und krönte damit die Brutalität der Polizei mit einer neuen! „Außer Fischer standen noch acht weitere Arbeiter, alle wegen„Unge- horsam",„Widersetzlichkeit",„Anreizung zu Aufruhr", einer auch wegen „Versuch der Befreiung eines Verhafteten", vor Gericht. Nur zwei da- von sind Schlosser und doch sagte man damals, die„Schlosser" hätten randalirt, vor der Hauptwache, im Sellnau und überall. Das Gericht, nur Fehler auf der einen Seite sehend und daS provokatorische Ver- halten der Polizei nicht berücksichtigend, urtheilte nach deutschen Mustern; alle Angeklagten wurden verknurrt: die mildeste Strafe lautet auf 3 Wochen, die stärkste auf K Monate Gefängniß, bei den Ausländern überdies auf Landesverweisung. Das Bezirksgericht hat augenscheinlich ein Exempel statuiren, den souveränen„Unterthanen" demonstriren wollen, daß Ruhe und Gehorsgm des Bürgers erste Pflicht auch dann sei, wenn die Staats- und Polizeigewalt Ungesetzlichkeiten begeht und das Recht der Bürger mit Füßen tritt... Klassenjustiz l" - Bon Nah«ud Kern. Aus W i e n wird offiziös gemeldet. daß die Polizei daselbst eine aus verschiedenen Sektionen bestehende Verschwörergesellschast aufgehoben habe, welche Brand. stiftung, Raub. Falschmünzerei und ähnliche Verbrechen systematisch vorbereitet, zum Theil sogar bereits betrieben habe. Ob es sich dabei wirklich um ein« nach einheitlichem Plan operirende Gemein- schuft handelt, und ob politische Motive irgend welcher Art dabei «ine Rolle gespielt— die Polizei-Notiz spricht von einer anarchisti« schen Verschwörung— wird die gerichtliche Untersuchung ergeben. Dieselbe wird auch hoffentlich über die Rolle, welche die Polizei bei der Affäre gespielt, einiges Licht verbreiten. Uns kommt es wenigstens sonderbar vor, daß die Polizei behauptet, bereits seit geraumer Zeit(!) von der Verschwörung genau unterrichtet gewesen zu sein, es aber ruhig zuließ, daß diese noch am 27. vorigen Monats in Maria« Lanzendorf eine Brandstiftung verüben durste. Wollte man die Entdeckung bis zu dem Moment hinausschieben, bis sie politisch zu verwerthen war? Dann ist die Polizei bezw. sind ihre Agenten Mit« schuldige.— Das Gesuch der Vertheidigung der Chicagoer Verurtheilten um Einleitung eines neuen Prozesses ist abgeschlagen worden. Verschiedene Blätter melden, daß bereits der Tag der Hinrichtung festgesetzt sei. Da muß der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen sein, denn unsres Wissens kommt der Prozeß jetzt erst vor die Apellinstanz zur Revision.— In Belgien herrscht unter den Arbeitern der Jndustriebezirke von Charleroi, dem Zentrum, der Borinage»., große Erbitterung über die Verwerfung der Apvellation der zu zwanzigjähriger Zuchthausstrgfe ver« urtheilten Arbeiter Falleur und Schmidt. Trotz der großartigsten Demonstrationen der Arbeiter zu Gunsten der Amnestie macht die Regie- rung keinerlei Miene, denselben Folge zu geben. Wenn sie in ihrer ab- lehnenden Haltung gegenüber den Arbeitern fortfährt, kann sie bald selbst in die Lage kommen, um Amnestie bitten zu müssen.— Das Schöffen- gericht Berlin hat die wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt, verübt am sogen. Himmelfahrtstag d. I. auf einem Ausflug nach dem Vorort Grünau, angeklagten Arbeiter freigesprochen. Ein Beweis für die in der Berliner Bürgerschaft herrschende Mißstimmung über die infame Polizeiwirthschaft.— Herbert Bismarck ist Staatssekretär des Auswärtigen und Vize-Bismarck geworden und Lothar Bucher hat den Staatsdienst q u i t t i r t.„Wenn der Vater mit dem Sohne tc., dann ade Schatz, lebe wohl."— In A l t e n b u r g ist an Stelle des Genossen B u ch w a l d, dessen Wahl für ungültig erklärt worden, weil er nicht wahlberechtigt sei, Genosse Friedrich gegen die vereinigte Ordnungspartei, und zwar ohne Ueberrumpelung beim Skat, in den Landtag gewählt worden. — Ans Amerika. N ew-Do rk, 25. September. Die Aufstellung Henry George's als Kandidat für das Mayorsamt von New-Dork ist am Donnerstag erfolgt. Eine Anzahl von Arbeiterorganisationen, die zusammen über mehr als die ausbedungenen 30, Ovo Stimmen verfügen, haben sich für die Kandidatur ausgesprochen, und es scheint gewiß, daß Henry George am Tage der Wahl, wenn auch nicht siegen, doch über eine sehr ansehnliche Stimmenzahl verfügen wird. Was seine sogenannte „Platsorm"(Programm) anbelangt, so läßt dieselbe in mancher Beziehung zu wünschen übrig; sie bringt die Halbheit und Unklarheit, welche wir an dem Kandidaten kennen, zum Ausdruck— geht den eigentliche» Prinzipienfragen aus dem Weg, schießt an deren Kern vorüber und be« schränkt sich auf verschwommen formulirte Nebenfragen— wie daS Jeder, der die Schriften des Mannes gelesen hat, natürlich finden wird, allein immerhin ist ein Stück Sozialismus in dem Programm enthalte», und die Kriegserklärung an die herrschende Korruption und das Land- Monopol der Kapitalisten und Schwindler muß von jedem Arbeiter und Sozialisten unterschrieben werden. Da von der Ausstellung eines streng- sozialistischen Kandidaten mit irgend welcher Aussicht auf Erfolg unter den obwaltenden Verhältnissen nicht die Rede sein kann, werden die Sozialdemokraten für Henry George eintreten, obgleich sie sich nicht verhehlen, daß Henry George im Falle des Siegs schwerlich für die Arbeiter Ersprießliches leisten würde. Jedenfalls ist der Schritt etwas gewagt, denn wird es auch der Ar- beitersache Vorschub leisten, wenn Henry George eine imposante Stimmen« zahl auf sich vereint, so ist auf der anderen Seite doch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß es den Jntriguen der beiden großen Parteien, der demokratischen und der republikanischen, schließlich doch noch gelingt, ein schädigendes Fiasko herbeizuführen. Parsons, einer der Verurtheilten des Chicagoer Prozesses, hat sich in einem Brief an seinen Freund Schwab in New-Dork darüber be- schwert, daß Liebknecht in der großen Versammlung in Cooper's Hall irrige Ansichten über den Anarchismus geäußert, er sei dazu wohl durch die verlogene Bourgeois presie verleitet worden. Liebknecht, dem dieser Brief durch Schwab mitgetheilt ward, hat daraufhin an Schwab geschrieben, dersilbe möge doch Parsons wissen laflen, daß er— Liebknecht— in Cooper's Hall überhaupt nicht über„Anarchismus" gesprochen habe, wohl aber mit aller Energie für die juristi-che Unschuld der Chicagoer Verurtheilten eingetreten sei; daß er— Liebknecht— bis jetzt noch nicht habe ermitteln können, was Anarchismus sei. daß aber das, was Parsons in seiner Rede vor dem Schwurgericht gesagt habe, im Wesent« lichen nichts anderes als Sozialismus sei, und daß er— Liebknecht— nicht einsehe, warum man den Sozialismus nicht lieber mit seinem alten ehrlichen Namen nenne, statt mit einem Namen, der sowohl seinem Ur» sprung als seiner gebräuchlichen Anwendung nach etwas dem Sozialis« mus Entgegengesetztes bedeutet. Die Agitationstour, welche nun im Ernste begonnen hat, ist eine fort- lausende Reihe von Erfolgen. Die deutsche Parteibewegunz nimmt einen prächtigen Aufschwung, und das englische Element zeigt sich mehr und mehr sympathisch. — Neber den Orden der Arbeitsritter(Knights of Labor) — so schreibt man uns— sind die widersprechendsten Angaben und Meinungen verbreitet. Während von den Einen die Stärke des„Ordens" auf 350,000 geschätzt wird, schätzen Andere sie auf 1'/, Millionen. Während nach den Einen die Organisation eine sehr feste ist und sozia» listische Ziele verfolgt, ist sie nach'den Anderen sehr lose und verfolgt Ziele, die über die gewöhnlichen amerikanischen Gewerkschaftsziele nicht Hinausgehen. Bei der Geheimnißkrämerei der Arbeitsritter und ihrer Behörden ist es sehr schwer, der Wahrheit auf den Grund zu kommen. Folgendes, das auf genauen Nachforschungen beruht, dürfte der Wahr, beit so ziemlich entsprechen. Die Zahl der Ordensritter beträgt ungefähr 400,000, wobei die kanadischen Mitglieder eingerechnet sind, denn der Orden erstreckt sich offiziell über Amerika— beschränkt sich jedoch nicht auf die neue Welt, sondern hat auch in England einige, jedoch un, bedeutende Zweige oder„Versammlungen"(assomblios). Von einer ge- wöhnlichen Gewerkschaft unterscheidet sich der Orden dadurch, daß er Arbeiter aller Berufs arten aufnimmt und zwar ohne die,', selben in gesonderten Gruppen zu vereinigen. Er nimmt auch ganze Trabes Unions(Gewerkschaften) aus und beläßt ihnen ihre selbständige Organisation. Und ebenso können einzelne Tradesunionisten in den Orden eintreten. In Bezug auf den Beitritt ganzer Gewerkschaften und-m, zelner Gewerkschaftsmitglieder ist viel geflunkert worden; von große» Gewerkschaften, aus denen nur einzelne Mitglieder dem„Orden" bei« traten, wurde behauptet, sie seien mit aller Mannschaft eingetreten; und so entstanden die übertriebenen Angaben betreffs der Mitgliederzahl deS „OrdenS". Die Organisation, welche eine zwiefache ist: eine geheime und eine öffentliche, wird von glaubwürdigen Mitgliedern als eine sehr feste geschildert; die Beiträge würden pünktlich gezahlt und bedeutende Geld- mittel seien vorhanden. Jndeß hat die Organisation sich noch zu be- währen. Was die geheime Organisation angeht, so ähnelt sie der- jenigen der Freimaurer. Das erscheint uns Deutschen etwas seltsam, ja lächerlich, man muß aber bedenken, daß die englischen Trades Unions, aus deren Schultern der Orden der Arbeitsritter steht, sämmtlich dieses freimaurerische Zeremoniell hatten, zum Theil noch haben, und daß das, selbe aus den mittelalterlichen Gesellenverbänden stammt, deren Fortsetzung die Trades Unions sind. Dieses Zeremoniell ist nicht dem des Freimaurerordens nachgeäfft, sondern entspringt nur der nämlichen Quelle. Thatsache ist, daß dieses halbreligiöse Zeremoniell der englischen Anschauungsweise zusagt, und einen nicht zu verachtenden Kitt bildet, der freilich, unsers ErachtenS, durch Besseres und Vernünftigeres ersetzt werden könnte und sollte. Wie gesagt, die Organisation ist eine zwiefache— eine öffentliche und eine geheime. Dem entsprechend ist auch daS Programm ein zwie- faches— neben dem gedruckten eines, welches nur den Eingeweihten mit- getheilt wird, und von ihnen nicht veröffentlicht werden darf. Zuver- lässigen Mittheilungen nach ist dieses geheime Programm— und das ist wichtig— viel weitergehend als das öffentliche. ES geht davon aus, daß die Arbeit die Quelle alleS Reichthums ist, und verlangt außer der„Nationalisation" des Landes, der B-rgwerke, Eisen» bahnen und Telegraphen, die Abschaffung des Lohnsystemi und die allgemeine Einführung der genossenschaftlichen Arbeit. Ist dieS richtig— und wir haben allen Grund, die Information sür zutreffend zu halten— so dürste der„Orden" der Knights of Labour zu einer wichtigen Rolls im Emanzipationskampf des arbeitenden Volkes berufen sein Sojialillische Wrelse und Literatur. Oesterreichischer Arbeiter-Kalender für das Jahr 1887. Bed:ulenv umfangreicher als in früheren(128 Seiten gr. Lexikonformat) prn(e«tirt sich uns diesmal der Kalender unserer österreichischen Ge- Nossen. Trotz der Schwierigkeiten, welche die jammervollen Preßverhält- n>iie de« Landes der Niedertracht und Heuchelei ihrem Unternehmen entgegenstellen, haben unsere Genossen es verstanden, den prinzipiell sozial- demolratischen Charakter desselben in jeder Beziehung zu wahren. Aus dem reichen Inhalt desselben seien solgende Aufsätze erwähnt: Die Gewerbe-Jnspektion in Oesterreich(Heinrich M-l.), Produktion und Gesellschaft(K. S.), Sozialreform(Karl Kautsky), Gleichheit(eine soziale Skizze, aus dem Schwedischen übersetzt von Emil Kralik), lleber den Hungertyphus(S. R.j, Die Organisation der Gesellen in den altenJnnun- g e n(E. B.). Ferner eine sozialpolitische Rückschau auf die Jahre 1884—1886, eine ansprechende Erzählung aus der Feder des Genossen Jos. Hämisch, Plaudereien. Humoresken, Gedichte, sowie die üblichen Kalendernotizen. Der Arbeiter Kalender wird für den Preis von 70 Pf. von der Ex- pedi'-on des„Volkssreund" in Brünn, Josesstadt, unter Kouvert verschickt. Wir wünschen ihm die weiteste Verbreitung. Korrespondenzen. Spandau, September. Einen drastischen Beweis dafür, wie man in den der preußischen Regierung am nächsten stehenden Kreisen über Sozialresorm und Arbeiterschutz denkt, liefert unsere hiesige königliche Gewehrfabrik, in der gewissermaßen das Programm der Regierung ins Praktische übersetzt ist. Ich will von den vielen Ar- beitSsälen derselben, die alle nach einem Schema eingerichtet sind, nur den größten herausgreifen, in welchem ungefähr täglich 400 Maschinen in Betrieb sind, von denen ein Arbeiter bis zu 6 Maschinen zu bedienen hat. Außerdem sind noch in diesem Saal an 90 Feiler beschäftigt, so daß die Gesammtsumme der in demselben beschäftigten Arbeiter nahe an 300 beträgt. Die Maschinen stehen so eng aneinander, daß, da die meisten mit freiliegenden Selbsttransporteuren versehen sind, es als ein wahres Wunder erscheint, daß es nicht täglich neue Krüppel gibt. Hierzu kommt noch, daß von den Maschinen nur der kleinste Theil befestigt sind, die Mehrzahl aber bei jeder Riemenziehung verrücken. Di- Schmierung der Werkzeuge wie Fräsen u. s. w. geschieht durch das schlechteste Oel, von dem täglich 3 Tonnen ä 500 Liter verbraucht werden. Rechnet man nun die kolossale Verdunstung des Oels und die Ausdünstung und Ausath- mung von zirka 300 Arbeitern, so kann man sich von der herrschenden Atmosphäre einen Begriff machen, denn von Ventilation ist so gut wie nichts vorhanden(10 Kappen& 0,75 Quadratmeter, Thüren und Fenster gehen zum Theil nach andern Sälen). Bei Regen u. f. w. werden auch diese noch geschlossen, und so kommt es denn vor, daß Arbeiter ohn> mächtig werden. Doch halt, es ist ja Fürsorge getrosten. In einem Nebensaal ist ein Sanitäts-Spind aufgestellt, natürlich auf Kosten der Krankenkasse. Hier werden Hoffmanns- und Choleratropfen verabreicht, ebenso Verbandzeug. Den Schlüssel zu diesem Spind, das für sämmtliche Arbeiter bestimmt ist. hat ein gewisser D ü r b e r g(nebenbei gesagt, In- haber der ihm von Sr. Majestät huldvollst verliehenen Verdienstmedaille — wofür? Für Schurkereien, wie Denuvziren u. f. w.j. Braucht man nun etwas aus dem Spind, so muß man die ganze Fabrik absuchen, jedoch meist ohne Erfolg. So ist es vorgekommen, daß ein Arbeiter, der sich die ganze Hand am Fräser zerrissen, 20 Minuten weit in die Stadt zum Arzt gelaufen ist, und bei seiner Rückkehr war der Patron noch nicht gefunden. Vor einiger Zeit verunglückte ein Schleifer, weil der Treibriemen ihm die Maschinen aus den Leib warf. Der Mann ist ein halber Krüppel, und wird jetzt mit leichter Arbeit auf dem Hofe beschäftigt, verdient jedoch höchstens die Hälfte seines ehemaligen Lohnes. Schutzvorrichtungen aber— kosten Geld. Voriges Jahr ver- unglückte ebenfalls ein Schleifer, und die Ursachen seines Unglücks sind noch heute nicht abgestellt l Was den Verb.eusi anbelangt, schwankt derselbe zwischen 24 und 80 Mark pro'/, Monat; doch kommt es vor, daß 24 Mark noch nicht er» reicht werden. Der Durchschnitt beträgt nicht über 4 Mark pro Tag. Die Arbeitszeit beträgt bei Wechselschicht 10 Stunden, bei Spandauer Arbeitern ohne Wechselschicht 12—13 und 14 Stunden täglich. Auch wird Sonntags gearbeitet. Die Meister verdienen allerdings ganz anders; ihr Verdienst beziffert sich im Durchschnitt pro Monat aus 300 Mark!!! Vor einiger Zeit kam die Bestimmung, es sollten 1000 Jnstruktionsgewehre angefertigt werden. Hierzu wurden nun Aus- schutztheile verwandt, die den Arbeitern mit vollem Arbeits- und Mate- rialwerth abgezogen waren, mithin auch von Rechtswegen ihr Eigenthum waren, aber— die Meister bekamen sie mit dem vollen Werths bezahlt, inklusive des Arbeitslohnes, und die Arbeiter schnappten Rauch. Es beziffert sich diese Summe auf mehrere tausend Mark, um welche die Ardeiter betrogen wurden. Doch, etwas haben die Arbeiter ja gehabt, nämlich eine Landpartie, zu welcher von der Direktion 3000 Mark für 2000 männliche und 500 weibliche Arbeiter„ausgeworfen" wurden. Doch die Direktion besann sich schnell eines andern und verwahrt- die Hälfte zur Sedanseier. Die Meister, die den Raub eingesteckt, gaben nun einige Tonnen Bier, von 1—5 Tonnen pro Meister; eine rühmliche Ausnahme machte nur Herr Louis Schlegelmilch, der auf 130 Arbeiter 10 Tonnen Bier gab und 150 Mark zu Verloosungsgegenständen. Be- treffender Meister hat auch keinen Antheil an dem Raube. Der das Meiste geschluckt, ein gewisser Valentin, that sich auch durch Staatsretterei hervor. Der saubere Patron hatte nämlich bemerkt, daß einige Arbeiter Rosen als Schmuck trugen, die zufällig die verpönte Farbe hatten. Bei Gelegenheit eines, von einer Hülsskasse arrangirten Vergnügens, drohte besagter Leuteschinder, der in einer Weise nach oben kriecht und nach unten tritt, daß es selbst seine Vorgesetzten anekelt:„Laßt nur nicht die rothe Fahne zu lang'raushängen, sonst werde ich Euch bald das Geschäft legen." Ein andermal sagte er zu seinem Kolonnensührer, er werde dafür sorgen, daß seine Leute den ganzen Tag zu thun hätten und nicht mehr wie 4 Mark verdienten.(Es hatten einig- 6 Mark im Durchschnitt erreicht.) Er hat Wort gehalten, und geht mit der größten Raffinirtheit daran, den Lohn zu drücken und damit Ar- beiter überflüssig zu machen. Em Berliner Kollege wagte es, in einer Versammlung zu berichten, daß Lohnabzüge stattfänden. Die Hochlöbliche löste auf und berichtete an die Direktion; der Kollege wurde entlassen, aber man konnte absolut keinen Grund für die Entlassung anführen. Ich könnte noch ganze Bände über die Schurkereien berichten. So wurde hier Jemand entlassen, weil er kein Geld zu seines Meisters Ge- burtStag hergeben wollte. Doch genug. Das einzig Erfreuliche, das ich berichten kann, ist, daß zirka zwei Drittel sämmtlicher hier beschäftigter Arbeiter für die Sache der Emanzipation der Arbeiter kämpft. Dem alten General sein Sohn. Burgstädt i/Sachsen, 28. September. Wir können nicht unterlassen, auch einmal in der Oeffentlichkeit etwas von uns hören zu lassen. Am 24. August wurde nämllch wieder einmal hier gehauesucht, und wir würden gewiß den Raum des Organs nicht in Anspruch nehmen, wenn nicht die Hochlöbliche gar so dumm und tölpelhaft dabei vorgegangen wäre. Es wurde— man höre!— bei einem hiesigen Genoffen Fol- gendes beschlagnahmt: 1 Liebknechts Fremdwörterbuch, eine An- zahl Postquittungen der Tischler-Krankenkasse zu Hamburg, und zum dritten und letzten: eine Anzahl Packpapier und Schnürlappen, denn-s war ja sicher, daß der„Sozialdemokrat" darin verpackt gewesen sein mußte. Die Lappen und das Papier waren aus der Schweiz oder dem Elsaß von 30er Garnspinnereien. Wir wollen es nun unserer Polizelstppe offenbaren, von wo die So- aalisten eigentlich ihr- Blätter beziehen. Es sind nämlich aus unserem teu Kirchhof noch alte Erbbegräbnisse, die sich ganz gut dazu eignen, e rbotene Druckschriften aufzubewahren, ebenso befindet sich auf dem hie» sizen Friedhof eine ziemlich lange Mauer, und wenn die Polizei da tüch- tig sucht, so wird sie vielleicht nach den Worten der Schrift auch„finden", denn bei den gottlosen Sozialisten ist Hopfen und Malz verloren. Der rothe Polizist. Krefeld, im September. Auch du, Brutus? Dieses klassische Wort können wir jetzt hier unserer früher so anständigen Polizei zurufen. Die geheimen Kabinetsordres des Spitzel-Ministers haben auch hier gewirkt. Früher erfreuten wir uns in Krefeld einer verhältnißmäßigen Duldung. Nicht daß die Ordnungshelden uns weniger wie anderswo haßten— bewahre, der Grund lag vielmehr in der Stellung der hier dominirenden Parteien. Die Haute-Volöe, die Seiden-Barone mit ihrem sklavischen Gefolge von Werkmeistern und Kommis sind national- liberal, das Kleinbürgerthum und der größte Theil des Proletariats stehen unter dem Einfluß der Dunkelmänner. Da wir nun naturgemäß durch unsere Agitation das Proletariat in Bewegung bringen, so rech- nete die nationalliberale Klicke in ihrem eitlen Wahn, daß die sozial- demokratischen Wölfe nicht im Stande wären, auch in ihre Schafhürde einzubrechen, darauf, daß der klerikalen Partei viele Stimmen entzogen werden(bei Wahlen), und sie selbst so in ihrer alten Stärke schließlich ihren Kandidaten zum Siege bringen würden. Die Seidenbarone, hier„Krefelder Krüngel" genannt(bedeutet einen Ring nach amerikanischem Muster), beeinflußten die Polizei, und so kam es, daß wir in zahlreichen Volksversammlungen den zahlreichen Besuchern (manchmal über 1000) Wahrheiten in die Ohren donnern konnten, welche irgendwo anders sicher eine Auflösung herbeigeführt hätten. Schöne Zeiten, wo seid ihr geblieben? Bei der letzten Landtagswahl rechnete die Bismarck-Gemeinde auf ein gutes Bruchstück der 1183 beider letzten Reichstagswahl für Grillenberger abgegebenen Stimmen. Doch die bösen Sozialdemokraten proklamirten Wahlenthaltung, und der Sozia- listenfresser Seyffardt plumpste durch. Kein Wunder, daß die Servilen die„schärfere" Anwendung des Schandgesetzes durch die hiesigen Putt- kamer'schen Schergen mit Jubel begrüßten, während die ultramontane ..Niederrheinische Volkszeitung", echt jesuitisch, auf der einen Seite des Blattes die harten Maßregeln beklagt, wahrend sie auf der andern Seite Leitartikel gegen die Sozialdemokratie bringt, welche aus der Feder irgend eines bes— eeligten DorspfarrerS zu kommen scheinen, da sie von Gift, Galle und— Unkenntniß strotzen. Natürlich, nun sind die Versamm- lungen, wo wir gewöhnlich sie und ihr Zentrum an den Pranger stell- ten, verboten wie überall, ist unsere so feurig verlangte Vernichtung in die besten d. h. verrufensten Hände gelangt. Da nämlich der Polizeiinspektor schon zu alt ist,„höher" zu steigen, hat man unsere Massakrirung an den Diebsfänger, alias Kriminal- kommissar VerHülsdonk übertragen(dem seinerzeit die Wahl gestellt wurde zwischen der Korrektionsanstalt oder freiwilligem Eintritt beiden Jägern). Dieser saubere Patron, welcher den schönen Spitznamen„Krott" führt, hat mit dem Einfangen von Seidendieben sich schon zwei eigene Häuser zusammengestrapazirt, und wünscht jetzt auch etwas sür die „Ehre" zu thun. Treu ihm zur Seite steht sein Wachtmeister Zacher, früher beim Militär„der steinerne Gast" genannt, welcher, wie sein berühmter Namensvetter, die Leute gerne plötzlich in ihrer Wohnung übersällt, und, wie man unten sehen wird, sich fleißig im„Pick-Pockst" und Einbruch übt. Ueber diese streckt sich schirmend die mächtige Hand des Beisitzers(Vize-Bürgermeister) Affessor Schüller aus, welcher seine Nächte in den Bordells und seine Tage damit zubringt, die freien Hülfskassen zu chikaniren, JnnungSreden zu halten und dem oben er- wähnten„Krefelder Krüngel" guten Rath zu ertheilen, damit er die Kosten seines Nachtlogis bezahlen kann. Unter den Klängen des nationalmiserablen Leibliedes„Gummi Elasti- kum" und dem heißen Fürgebet eines Dutzend Pfaffen begann der Feld- zug. Nachdem Genosse Wesch wegen öffentlicher Beleidigung der Aus- beuter-Firma Krahne»& G o b b e r s tüchtig etwas aufgebrummt bekommen, zeigte oben erwähnter„steinerner Gast" seine Kunst als Taschendieb: in einer öffentlichen Wirthschaft holte er« in plötzlichem Griff, einem Genossen einige Zeitungen aus der Tasche. Dieses Kunst- stück verdutzte den Betreffenden so sehr, daß er ganz vergaß, dem Lump die verdiente Ohrfeige zu geben. Dadurch kühner gemacht, haussuchte dieser Patron, im Auftrag seines Ober-Lumpen, vorigen Monat bei unfern Genossen Wesch und Schmitz, und nahm verschiedene Exem- plare de«„guten Gottlieb" mit, leider kein einziges Doppel- Exemplar. Weiter ging die Exkursion diesmal nicht, da genannte Genossen den Spürhunden offen erklärten, daß die„Andern" sie unbedingt ebenso ruhig erwarteten. Darauf Vernehmung durch den„Krott", welcher aber sein Theil zu hören bekam. Zum Todtlachen muß das lange Gesicht des Diebssängers gewesen sein, als Genosse S. zerknirscht bekannte,„früher" sehr viel Exemplare des„Sozialdemokrat" verbreitet zu haben, und auf die lebhafte Frage: Wann? antwortete: Vor 1878. Sechsmal hinter einander wurden bereits von uns angemeldet« Ver- sammlungen verboten, und werden auch wohl fernere dieses Schicksal haben, und unterdessen gehen VerHülsdonk und sein Satellit brüllend herum, um Alles zu verschlingen. Zum Schluß das letzte Stückchen des steinernen Gastes„Zacher". Derselbe verfügte sich zu dem Wirth des Verkehrslokals des Schneider- Fachvereins und suchte denselben zu überzeugen, daß an die Adresse dieses Fachvereins eine geheimnißvolle Kiste angekommen sei. Dies wurde entschieden zurückgewiesen. Doch der Herr Wachtmeister, hörend, daß der Verein einen Koffer besaß, holte nicht den Vorstund, sondern einen Schlosser, ließ den Koffer ausbrechen und durchwühlte— n a t ü r- lich ohne Resultat— den Inhalt. Die zwei eigenen Häuser seines säubern Patrons stechen ihm in die Nase, daher diese— Freiübungen. Unsere„Ruh" ist jetzt hin, doch das wird hoffentlich ein Sporn sür unsere Genossen sein, sich sester anzuschließen. Wir sind hier auf einem schwierigen Vorposten. Das Weberproletariat, größtentheils gleichgültig und von den Pfaffen beherrscht, das liberale F a b r i- kantenthum, stets bereit, die Maßregelungspeitsche zu schwingen, und wir zum Schweigen verdammt. Doch entmuthigt sind wir darum nicht. Fsinker, eindringlicher wird jetzt die Agitation fortgesetzt, und die Zeit wird lehren, daß alle Versuche, uns zu vernichten, das Gegentheil bewirkt haben. Die nächste Wahl soll hiervon bereits Zeugniß geben. E. R. M. Briefkasten der Redaktion: Einsendungen-c. sind eingetroffen aus Celle, Hamburg, Leipzig, Lemgo, Wien der Expedition: Haß: Mt. I 40 Portonachzhlg. erh. Weiteres nach Wunsch.— Verrina: Mk. 600— ä Cto Ab. u. Schft. pr. Id. erh. — XY.: Bf. erh.— Ahlemann: Mk. 1360 95 pr. Ab. und Schft. erh. Bf. v. 8/10. mit Adr. rc. hier. Sdg. folgt.— Clara: Mk. 15— zu Ihren Lasten an Gfst. ausbezahlt. Adr. notirt.- A. Zck. Z,.: Mk. 4 30 Ab. 4. Qu. erh.— El. Fl. Nf.: Mk. 210 f. Schft. u. div. S.-D. erh. Sdg. abg. mit 41.— Fuchs: Mk. 200— ä Cto Ab.-c. erh. Bfl. am 3/10 Weiteres. Bstllg. geordn.— Schwarzer Taugenichts: Mk. 50— ä Cto Ab.»c. erh. Weitere Einspännerei durchaus unzulässig. Rekla- mation R. berichtet.— Die Rothen H. H.: Mk. 40— ä Cto Ab. k. erh. Beil. besorgt. Bfl. mehr.— Bon Fntschen: Fr.—75 f. d. Opfer d. Freiberger Proz. dkd. erh.— Kampshahn: Mk. 10— pr. Ab. 4. Qu. gutgebt. Adr. geordn.— Hastedt-Hemelingen: Mk. 30— f. d. Freibrgr. Opfer dkd. erh.— E. Bz. Zch.: Fr. 2— Ab. 4. Qu. erh.— F. Rhl. Httg.: Fr. 2- Ab. 4. Qu. er�- L. C. Jsl.: Mk. 10 40 Ab. 4. Qu. u. Bbthk. erh. Bstllg. folgt. Anders unmögl.— K. A. Fkh. Thg.: Mk. 6- Ab. 4. Qu. erh. Benützte Adr. genügt.— E. B. L.: Mk. 3— Ab. 4. Qu. erh.— Rothe Taube: Mk. 20— ä Cto. Ab.»c. erh. Mehrbstllg. notirt. Allerdings glänzend Wort gehalten. Bravo!— H. G. O.: Mk. 3— Ab. 4. Qu. f. K. erh.— W. Sch. Lp.: Mk. 4 30 Ab. 4. Qu. erh.— Seesturm: Rk. 3— Ab. 4. Qu. erh.—?öro Duchesne: Mk. 110— ä Cto Ab. u. baar u. Mk. 70— Cto Slg. durch Frdshand erh. u. gutgebr.— Spr. Äugst.: Mk. 4 40 Ab. 4. Qu. erh. — I. M. Rsbch.: Fr. 2— Ab. 4. Qu. erh.— Wgr. Luzern: Fr. 2— Ab. 4. Qu. erh.— Club Soc. Slave Ostr.: Fr. 2— Ab. 4. Qu. erh. — Alte Tannen: Mk. 10— Ab. 4. Qu. u. Schft. erh.— Der alte Rothe: Mk. 3— Ab. 4. Qu. M. und Rk. 33 57 ä Cto Ab. ,c. erh. Mehrbstllg. notirt. Unsererseits geschieht da« Möglichste.— Mühlhausen in Thüringen: Mk. 9 50 pr. Wfds. dkd. erh.— C. Schi. Asihl: 2 Fr. Ab. 4. Qu. erh.— P. P.: Mk. 3- Ab. 4. Qu. O. O. erh.— H. K. Mrb.: Rk. 3— Ab. 3. Qu. erh.— Nr. 681: Mk. 4 40 Ab. 4. Qu. erh.— Lodernde Flamme: Mk. l 30 Ab. 4. Qu. u. Mk. 2— pr. Dsd. dkd. v-rw.— Die 3 Gleichen: Mk. 100— ä Cto. H. G. erh.— Dr. B. Rom: Fr. 2 50 Ab. 4. Qu. erh.— Von einem Bauersmann im Schutterwald bei Offbg. Bd.: Mk. 3— f. d. Opfer des Freiberger Pro- zeffes dkd. erh.— Commerzienrath jr.: Mit Mk. 150 Cto ausgeglichen. — PH. M. Dt.: Mk. 4 30 Abon. 4. Qu. erh.— Groß-Auheim: 20 Mk. pr. Ufds. dkd. erh.— O.: Bis jetzt nichts von— u. eingez.— A. S. Gp.: Mk. 4 40 Ab. 4. Qu. u. Mk. 4 30 f. Ldrbr. erh. 80 Pf. d. Ufd. dkd. einverleibt. Adr. geordnet. Weitere Einspännerei unzulässig.— Rother Zaun: Mk. 4— Ab. 4. Qu. 86 u. ä Cto. 87 erh. Adr. notirt. — I. Dsm. Chur: Fr. 2 30 f. Schft. erh.— V. d. Engadiner rothen Internationalen: Fr. 10— für die Opfer des Freiberger Justizmorde» dkd. erh.— R. H. St. Moritz: Fr. 5— Ab. 4. Qu. Schft. u. Porto erh. Bstllg. folgt. Grüße erwidert. Mit K. haben wir nichts mehr zu thun.- F. S. St.: Fr. 2 50 Ab. 4. Qu. u. Schft. erh. Sdg. folgt, lt. Karte.— P. E. Samaden: Fr. 20— pr. Ufd. dkd. zurück-rh. 10 Fr. pr. Asd. dkd. notirt. Ab. 4. Qu. E. u. N., sowie Schft. mit weiteren Fr. 10— bezahlt. Bstllg. k. folgt. O. werden zu ermitteln suchen. Gruß!— E. B. Hg.: Mk. 17 60 Ab. 4. Qu. B. L. T. S. erh. Es bleibt bei unserem Entschluß.— A. G. Bwg.: Mk. 3 80 Ab. 4. Qu. H. u. K. erh. Weiteres bfl. am 8/10. Archivalien dkd. abgegeben.— -atore: Mk. 32 80 Ab. 3. u. 4. Qu. D. A. F. u. W., sowie Mk. 5 50 f. Wk. erh. Wann wird denn endlich die alte Ordnung wieder? Gruß! — I. K. Schffhsn.: Fr. 2— Ab. 4. Qu. erh.— Antwerven: Fr. 11 50 Lb. 4. Qu. u. Schft. u. Fr. 2 10 pr. Asds. dkd. erh. Bstllg. folgt.— P. H. Zch.: Fr. 2— Ab 4. Qu. erh.— Carl Werner jr.: Mk. 200— ä Cto Ab. ic. erh. Adr. geordnet. Bfl. Weiteres.— Rother Maulwurf Gz.: Mk. 100— ä Cto. Ab. jc. erh. Antworten müssen pünktlicher erfolgen, sonst Sperre trotzdem.— Glkl. Rlg.: Mk. 22— Ab. 4. Qu. erh.- W. a. d. I.: Mk. 3— Ab. 4. Qu. erh. Weiteres durch Spft. berichtet. Der„aufgegangene" ist allerdings ein f e h r e dunkler— Seifensieder.— A. R. Bpst: öwfl. 3— Ab. 4. Qu. erh. Gewünschtes mit 41 fort. 87 kr. Ihnen gutkommend.— Heilbronn a/N.: Mk. 15 20 f. d. Opfer d. Freiberger Justizmordes dkd. erh.— C. S.: Mk. 8 80 Ab. 4. Qu. erh. Adr. abgelöst.- C.«. B. V. London:(5 Pfd. St.) Fr. 126— ä Cto Ab. tc. erh. Weiteres beachtet.— Arbeiterbund Basel: Fr. 10— f. d. Opfer d. Freiberger Prozesses dkd. erh.— Sch. Gd.: Mk. 32 62 ä Cto Ab. 3. Qu.-c. erh. Bfl. Weiteres.- Mauer. brechet: Mk. 30 12 ä Cto Ab. sowie Bf. v. 7. ds. erh., auch Mk. 410 v. E. K. dorten gutgebr., worüber bfl. Näheres.— Die rothen Calen- b-rg-r: Mk. 25— ä Cto Ab.-c. u. I dir. pr. 4. Qu. erh. Bstllg. folgt. Beil. vorgemerkt.— E. St. Lzu.: Mk. 6— Ab. 4. Qu. P. ic. erh. Weiteres besorgt.— I. K. Stg.: Mk. 12 90 Abon. 4. Qu. erh.— Paul der Gute: Mk. 10— f. d. Chicagoer Prozeßfd. dkd. erh.».besorgt. — Ahlemann: Jstrk. am 11/10. dkd. erh.— V.d. Donau: öwfl. 20— f. d. Fbgr. Opfer dkd. erh. u. öwfl. 80— ä Cto Ab. u. Schft gutgebr. Bstllg. folgt.- G. L. Cognac B.: Mk. 3- Ab. 3. Qu. erh.- S. S. Fbg.: Mk. 3— Ab. 4. Qu. erh. Mk. 2— pr. Ufd. dkd. verw.— Waldemar D.: Mk. 56 93 ä Cto Ab. u. Schft. erh.— I. K. Gz.: öwfl. 1 70 ä Cto Ab. 4. Qu. erh.— Der Nordische: Mk. 3— Ab. 4. Qu. u. Mk. 22— sür die Opfer des Freiberges Prozesses dkd. erh.— Schblr. Klsbch.: Mk. 4— Ab. 4. Qu. erh.— Spitzberg: Mk. 9— Ab. 4. Qu. erh. Adr. geordn.— I. M. B.: Mk. 4 40 Ab. 4. Qu. erh. — Brauner Bär: Mk. 24 60 Ab, 4. Qu. erh. Bstllg. besorgt. Alle» bisher stets nach Vorschrift quittirt.— Dessau: Mk. 5— pr. Ufd., Mk. 5— pr. Dfd. u. Mk. 5— f. d. Fbgr. Opfer dkd. erh.— Ahasverus: Dank f. Mitthlg. v. 11. ds. Winke beachtet. Gruß!— Kirchhosshöhe: Am 12/10. bfl. geantw. Anzeigen. Geschäftsbetheiligung. Einem(kaufmännisch erfahrenen) Genossen, der über 3—4000 Mar? verfügt, ist Gelegenheit geboten, sich an einem neuen, Nachweis» bar rentablen Unternehmen zu betheiligen. Zuschriften vermittelt Die Expedition d. Bl. (1 50) 2 pr. Volksbuchhandlung. 8tocKI»oIn» Arbeiter-Bildungsverein. Wir machen hiermit allen Genossen bekannt, daß wir einen Sozial« demokratischen Verein deutscher Sprache gegründet haben. Alle zureismden Genossen sind hiermit freundlichst zum Anschluß eingeladen. Unser Lokal befindet sich: Zvartwallsgatan Nr. 11, Calo International. 3 Der Vorstand. Abonnements auf den„Sozialdemokrat" werden ausser beim Verlag und dessen bekannten Agenten— sowohl auf einzelne Monate als ganze Quartale— jederzeit entgegengenommen bei folgenden Filialen and Verkaufsstellen: Zürich Tolksbnehhandlnng, Casinostrasse 8, Hottingen, and Deatscher Verein. Winterthar Deatscher Arbeiterverein, Haidens trasse. Aaran E. fiennert, Vorlere Vorstadt 668. Batiel Deatscher Verein, Sohwancngasse 4 und Deutsche Soxia- listen, Barfüsslerplatz 2. Bern Best&ar&nt Schmatx, Aarburgers trasse 52. Deatscher Verein. Biel E. Poppitz, Deutscher Verein. Chur P. Pflaam, Buchdruckerei Manatschal& Ebner. Frauenfeid Deatscher Verein. St.(wallen J. Sach, Handlung, Brühlgasse 33. (üenf Deatscher Verein. Lausanne Allgem. Arbeiter-Verein,„Cafd National", ra* St. Laurent I. Stock. Lusern W. Wagner, Eisengasse 283. Nenenbnrg Deatscher Arbeiterbildungsverein. tschaffhausen A. Freihardt, Feinschleiferei. Paris J. Finkeimeyer, No. 76 rue Frangoig Miron, im Ver. kehrslokal der deutschen Sozialisten. Kopenhagen K C. Hördam, Römersgade 22 Stuen. E. Bolz, Skjoldsgade 5. 3 Sal. Brüssel(bei bekannten Adressen) und dem Zeitungahändler A U Croix de fer, Grand Place. Ltöjge Cafe des qaatre Rations, rue Chapelle des Cleres. Ter vlers Charles Plcreaax, 20 rue de Laxemboarg, AndrimonU Amsterdam J. A. Fortniyn, Boekhandel, Tuinstraat 54. Antwerpen A. Reevelsteen, Dieppestraat 146. H. Backen, 32 Charlotte Street Fitzroy Square W. Mr. Schveltzer, 38 Church Lane, Court Boad. London Mr. H. Ichackwltz, Friseur, 10 Featherstone Str., City. Mr. Taube, Edward Street, Soho. J. W. sioedbloed, Tobacoonist, 29 Foley Street, S Cleveland Street. Conunonlstlscher Arbeiter-Büdangsvereln, Tottenhans Street, Tott. Court Boad 49. W. Die Expedition des„Soritldemokrat". «chwetzertich«•auffeafchafts.enitbtrtmi Hyiiiagea-Zikich.