Abonnements werden bei allen schweijerische« Postbureaux, sowie beim Verlaz und dessen besannlen Agenten entgegengenommen, und zwar zum voraus»ahldara« LierteljahrspreiS von: Fr. 2.— für die Schweiz(Krenjbond) MI. 3,— für Teutschland(Couderi) sl. 1,70 sür Oesterreich sCouver«) Fr. 2, SV für alle übrigen Linder de» Weltpostverein»(Kreuzband) Zuserate die dreigespaltene Petitzeile 25«Eil.= 20 Psg. Der oiialöcmolirnl Jentral-Hrgan der deutschen Sozialdemokratie. Krschcint Wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz). Aerkag der »olUSbuchhaudlwug Hottiugen, Zürich. Noststlldullgeil franko gegen frank». Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz toste» Doppelporto. M 44, Briefe an die Redaktion und Erpedition des in Deutschland und Oesterreich verbotenen»Sozialdemokrat" wolle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lasten. In der Regel schicke man uns die Briefe nicht direkt, sondern an die bekannten Deckadresten. In zweifelhaften Fällen eingeschrieben. 28. Oktober 1886. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgtm und Gemaßregelten nicht! (Schluß der Fondsquittuugen folgt in Nr. 45.) KabinetspolitiZ und Völker interessen. „O Schicksal der Völker, wovon hängst du ab!" So ist man versucht, mit Scribe's Bolingbroke auszurnfen, wenn man die Vorgänge verfolgt, welche sich augenblicklich aus Anlaß der bulgarischen Vorgänge in der diplomatischen Welt ab- spielen. Ist es erhört, daß ein, laut Eingeständniß seiner Anhänger, von allerhand„Idiosynkrasien"(krankhaften Vorurtheilen) besessener„Staatsmann", gestützt auf. die Gunst eines vor Altersschwäche kindisch gewordenen Monarchen, maßgebend ent- scheidet über die Geschicke des deutschen Volkes? Ist es erhört, daß das Schicksal ganz Europas, d. h. nicht blos des offiziellen, durch eine Handvoll Potentaten und ihre Subjekte repräsentirten, sondern des wirklichen, des Europas der Völker, abhängt von den Launen eines halbwahnsinnigen Despoten? Ist es erhört, daß dieses brutale Ungeheuer, das seine Ne- gierung mit Mordakten begonnen, dessen Hände noch befleckt sind von dem Blute des von ihm in wahnsinniger Feigheit hingemordeten Adjutanten Reutern, nur einen Wink zu geben braucht, um einen Weltkrieg zu entfesseln, der Hundert- tausende von Menschenleben kosten, Millionen von Menschen ihr Lebensglück rauben wird? Ja, es ist erhört, so sehr sich auch unser Gefühl dagegen empören mag, denn es ist unbestrittene und unbestreitbare T h a t- fache. Nicht die Völker entscheiden über Krieg und Frieden, sondern dje Kabinette, ,md � in den Kabinetten entscheiden die Souveräne oder ihre Vertreter, die Diplomaten. Freilich, auch ihre Macht hat eine Grenze, leider aber viel weniger im Willen ihrer Völker, die sich vielmehr noch immer weit zu wil- lig von ihnen lenken lassen, als in der Lage ihrer Finan- zen, ihren ökonomischen Machtmitteln. Aber welcher Spielraum bleibt ihnen noch innerhalb dieser Grenzen! Kriege kosten Geld, und das ist gut. Denn kosteten sie blos Menschen, wir kämen wahrscheinlich aus den Kriegen gar nicht mehr heraus. Was kommt es Väterchen auf ein paarmal- hunderttausend Menschen an? Von dem Material hat er im Ueberfluß. Aber keinen Ueberfluß hat er, richtiger die Staats- lasse, an G e l d. Sonst hätte er wahrscheinlich Bulgarien schon besetzt und es.ruhig darauf ankommen lassen, ob Oesterreich ihm in die Quere gekommen wäre. Aber nachdem ihm klar gemacht worden, daß die bloße Besetzung des kleinen Bulgariens das Sümmchen von 60 Millionen Rubel kosten werde, Rußland aber unmittelbar vor dem Bankrott stehe, ist er friedfertig geworden und hat erklärt, Buloaricn sich selbst überlassen zu wollen. In den Biömarck'schen Reptilienblättern wird für die deutsche Regierung, d. h. Bismarck, das Verdienst dafür reklamirt, daß die bulgarische Frage in das Fahrwasser friedlicher Bcsprech- ungen unter den Mächten gelenkt worden. Das ist aber nichts als leere Renommisterei. Erstens ist es noch gar nicht sicher, daß es nicht doch zum Kriege kommt, zweitens sucht Väterchen selbst möglichst um den Krieg herumzukommen, und drittens hat Bismarck allerdings insofern zum Frieden beigetragen, daß er Rußlands Ansprüchen in demonstrativer Weise Vorschub leistete uud damit Deutschlands Zukunft in unerhörtester Weise kompromittirte. Rußland, d. h. das offizielle, von Väterchen repräsentirte Rußland, hatte drei triftige Gründe, es nicht auf einen Krieg ankommen zu lassen..„„.,.. Einen davon haben wir bereits betont: die trostlose Lage der russischen Finanzen. Jndeß würde Rußland auch vor einem veritablen Bankrott nicht zurückschrecken, wenn nicht seine politische Lage ihm verböte, mit den Chancen des Krieges Hazard zu spielen. Eine militärische Niederlage würde sowohl m der inneren als auch in der äußeren Politik von tödtlicher Wirkung für das Zarenthum sein. In der inneren Politik würde sie unausbleiblich eine Revolution nach sich ziehen, die dem Selbstherrscherthum den Garaus machte, in der äußeren Politik würde sie ihm den Balkan geradezu verrammeln. So sehr Väterchen die beiden letzten Eventualitäten zu fürchten hat, so sehr Haidas deutsche Volk Ursache, sie zu wünschen Der finanzielle Ruin Rußlands könnte ihm gleich- qiltig sein wenn nicht Bismarck dafür gesorgt hätte, den deutschen Markt mit russischen Papieren zu überschwemmen. Nicht zwei Milliarden, wie wir in der vorletzten'Nummer schrieben sondern über fünf Milliarden russischer Papiere befinden sich in deutscheu Händen, zum großen.theile von ») Denn daS zusammengeraubte Familien Vermögen Väterchens ist »norm. kleinen Leuten, die aus den Rath der Börsenblätter ihre Er- sparnisse in russischen Fonds angelegt haben. Es fragt sich aber, ob mit dem Opfer dieser Summe die Befreiung Deutsch- lands bezw. Europas von dem Joch des Zarenabsolutismus wirklich zu theuer bezahlt wäre. Oder vielmehr fragt es sich nicht, denn früher oder später wird der Krach doch nicht ausbleiben. Eine wirklich nationale, d.ch. den Interessen des deutschen Volkes dienende Politik würde also, bei aller Friedfertigkeit, mindestens jede Stärkung Rußlands zu vermeiden suchen. Was thut statt dessen Bismarck? Er leistet Rußland in jeder Weise Vorschub, unterstützt es in allen seinen Aktionen, nicht nur aus alter Russenfreund- schaft, sondern auch um seinen„Idiosynkrasien" zu fröhnen. Da ist jüngst sein fanatischer Polen haß. Statt sich die Polen zu Freunden zu machen, die Deutschland nie gefährlich werden können, hat er Alles gethau, sie Deutschland zu ent- fremden. Die natürlichen Al.iirten Deutschlands hat er zu dessen Feinden gemacht, sie dem geschwornen Feind Deutsch- lands überliefert. Die zweite Idiosynkrasie ist sein E n g l ä n d e r h a ß, zn dessen Erklärung es wohl heißen muß: LhsrdiöZ! l'Anglaise— man suche die Engländerin. Wer sie findet, darf Viktoria rufen. Die„Kölnische Zeitung" hat es neulich unverholen aus- geplaudert, daß der Battenberger fallen mußte, weil in seiner Person„insofern etwas für Deutschland Bedrohliches gelegen, als dieselbe der englischen Staatskunst möglicherweise eine Handhabe bieten konnte, um die deutsch-russischen Beziehungen in Zukunft, wenn die deutsche Politik einmal in minder festen Händen liegen würde, mittelst dynastischer Beziehungen zu ver- wickeln." Deutlicher kann man nicht reden, jedes Schulkind weiß, wer mit den„minder festen Händen" gemeint ist. Und da Bis- marck, wo seine Idiosynkrasien in Frage kommen, keine Rück- sichten kennt, so wurde der unglückselige Battcnberger, der das Pech hat, einen Polen zum Großvater, und das noch größere, die deutsche Kror�.-l Zessin zur Schwägerin ZU haben, in der„Norddeutschen Allgemeinen" in einer Weise herunter- gehunzt, als wäre er ein beliebiger Arnim oder Laster. Aus reinem Privathaß unterstützte der Lenker des deutschen Staates die russische Aktion gegen einen Mann, der, soweit seine persönlichen Beziehungen mitsprechen, gerade ihretwegen vom deutschen Standpunkt aus der geeignetste Kandidat sür den bulgarischen Thron sein müßte. Die Wuth Väterchens gegen den Battenberger ist begreiflich, denn er hat die Pläne des Selbstbeherrschers aller Reußen durchkreuzt, Bismarck's Parteinahme gegen ihn ist, vom persönlichen Standpunkt be- trachtet, gemein, vom politischen ein Stück Landesverrath. Nun kommen die Generalschlaumeier, für die Bismarck über- Haupt nie irren kann, und sagen: Ja gewiß, den Battenberger hat Bismarck fallen lassen, aber beileibe nicht im russischen Interesse, sondern nur um durch diese Konzession Rußland von Größerem abzuhalten. Man höre nur die Katkow und Konsorten. Das ist eitel Flunkerei, genau so wie das Geschrei der Katkow und das Säbelrasseln der Meschtscherski. Bismarcks Hülfe hat Väterchen die Okkupation Bulgariens erspart, so steht die Sache. Und noch mehr. Gerade in dem Moment, wo die Katkows am lautesten schrien, wurde, was Kaulbars in Sofia verdorben, in aller Stille in Konstantinopel wieder eingeholt. Rußland, das in der Wahl seiner Mittel niemals skrupulös war, schickt den Sultan, den Ungläubigen", den„Erbfeind des christlichen Europa", vor, um die„befreiten Brüder" zur Räson zu bringen. Und dieser entsendet in seiner Eigenschaft als Souzerän(Oberlehensherr) Bulgariens einen Kommissär nach Sofia, Gaoban Effendi, von dem alle Welt weiß, daß er seit Jahren an Rußland verkauft ist, und der sich auch richtig sofort dem Stabe des Kaulbars anschließt, mit Karaweloff und den Zankowisten gegen den Zusammentritt der Sobranje protestirt, und mit der Besetzung Bulgariens durch türkische Truppen droht, wenn die Bulgaren Väterchen nicht nachgeben. Es liegt auf der Hand, daß Rußland ein solches Auftreten weder dulden, noch die Türkei es wagen würde, wenn nicht geheime Abmachungen zwischen Beiden existirten. Und dies scheint in der That der Fall zu sein. Die Zankowisten, die noch stets über die Pläne Rußlands sehr gut unterrichtet waren, erzählen in Sofia ganz offen, daß zwischen Rußland und der Türkei eine Vereinbarung stattgefunden folgenden In- Halts:„Der Zar garantirt dem Sultan die Unverletzlichkeit seines jetzigen Besitzes, ermäßigt die noch schuldige Kriegsent- schädigung, und erhält dagegen das Recht, die Dar- danellen zu befestigen und mit Garnisonen zu versehen. Mennes die Situation erfordert, besetzt die Türkei Ostrumelien und Rußland gleichzeitig Bulgarien." Wem dieser Kontrakt unwahrscheinlich vorkommt, der sei daran erinnert, daß die Türkei schon einmal einen ähnlichen mit Rußland geschlossen: der am 8. Juli 1833 inH unkiar- Skelcssi abgeschlossene Vertrag enthielt in einer geheimen Klausel die Bestimmung, daß die Dardanellen für die Kriegs- schiffe, der übrigen Mächte verschlossen, dagegen für die russischen geöffnet bleiben sollen. Nachdem England in Egypten, Oesterreich in Bosnien sich ihm als dieselben Räuber an der Türkei gezeigt als die Russen, und bei der notorischen Unter- stützung Rußlands durch Bismarck, während Frankreich seit 1871 wenigstens an keiner russenfeindlichen Aktion thcilnimmt, ist die Sache für den Sultan, der widerstandslos sich dem in \ die Arme wirft, der ihm momentan am meisten verspricht, gar nicht so ungeheuerlich. Väterchen aber hat mit dem Recht der Besetzung der Dardanellen alles, was er will. Das Schwarze Meer gehört ihm und Konstantinopel ebenfalls, so- bald er es für opportun hält. Offiziell wird die Abmachung natürlich bestritten, und in der diplomatischen Welt gibt man sich auch die Miene, nicht an sie zu glauben, die Einen, um nicht als Mitschuldige zu erscheinen, die Andern, um nicht zum Losschlagen gezwungen zu sein. Namentlich Oesterreich scheint seinem historischen Be- rufe treu bleiben zu wollen und alle ihm unbequemen Thatsachen zu vertuschen, bis die Russen wirklich Miene machen, die Dar- danellen zu besetzen, d. h. bis es zu spät ist. Von dem Sultan, ihrem offiziellen Oberherrn, bedrängt, werden die Bulgaren Rußland schließlich in allen wichtigen Punkten nachgeben müssen. Rußlands Ansehen auf dem Balkan ist wiederhergestellt. Wider die Russen kein Kraut ge- wachsen ist, bleibt die Parole. Die Balkanhalbinsel wird that- sächlich eine russische Provinz, bis sie es auch von„Rechts- wegen" wird. Sitzt Rußland aber am Balkan fest, hat es am Bosporus freie Hand, dann kann es sein Spiel im Norden und Westen von Neuem beginnen. Während der größten offiziellen Infi- mität mit Deutschland hat die russische Presse nicht aufge- hört, gegen Alles, was deutsch ist, zu hetzen, von Drangsa- lirungen der deutschen Ostsceprovinzen ganz zu schweigen. Der gute Nachbar, der„Erbfreund", genirte sich gar nicht, mit dem russisch-französischen Bündniß zu drohen, die„warme Freundschaft" hinderte ihn keinen Augenblick, durch fortgesetzte Erhöhung der Zölle die preußischen Ostprovinzen in einer Weise„kaltzustellen", daß für Königsberg und Memel von wirthschastlichem Standpunkt die russische Annexion keine Schrecken hätte. Man kann daraus schließen, wie sich die Dinge gestalten werden, wenn Väterchen es nicht mehr für nöthig hält, Freundschaft für Deutschland zu heucheln. Und diesen Zeit- Punkt beschleunigt zu haben, dem wahnsinnigen Despoten auf Rußlands Thron zu einer Machtstellung verholfen zu haben. welche die Interessen des deutschen Volkes in jeder Beziehung gefährdet, das ist das große Werk der großartigen Politik des größten aller lebenden und gelebt habenden Staatsmänner.' So, deutsches Volk, wird mit deinem Wohle gespielt, wer- den deine Lebcusinteressen den persönlichen Neigungen und Interessen eines Einzelnen aufgeopfert. So werden deine Rechte, wird deine Freiheit verrathen, verrathcn von Dem, in dessen Hände die Unzurechnungsfähigkeit eines neunzigjährigen Monarchen und die Unfähigkeit deiner erwählten Vertreter die Wahrung deiner Interessen gelegt. Wann wirst du endlich erwachen und, unbekümmert um daS Geschwätz vom großen Staatsmann, jener verruchten KabinetS- Politik ein Ende machen, die noch stets zum Fluch für die Völker geworden?! Die Kabinette waren von jeher die Brutstätten des Völker- verraths. Zur bayerischen Landtagswahl. Die demokratische„Hamburger Bllrgerzeltung" briagt in einer Män- chener Korrespondenz eine Nachrichl, die wir tin'erm Lesern nicht vorenthalten dürfen. Sie schreibt. d»i> anllhuch der»eocist-henb.i! baye» rischen Landtagswahlen auch unsere Genossea in«lNdn rreUn, wat sicher von allen Seilen nur gebilligt wird Do» flu."»emerlr ober weiter: Die Liberalen werden hier vereinigt in«!« Wahlsch.achl ziehen, und wird behauptet, man sei in diesen Kreisen bereit, den Soztaldemo- kraten ein Kompromiß anzubieten, wenn letztere so viel Wahlmänner durchbringen, daß mit ihrer Hilfe die Liberalen den Sieg einheimsen können. Zu einem Kompromiß gehören bekanntlich zwei, und wir haben zu unseren Münchener Genossen das feste Vertrauen, daß sie sich niemals zu einem so schmachvo llen Kompromiß, wie es ihnen unter st ellt wird, hergeben werden. Ein solches Kompromiß widerspricht allen Traditionen der Par- t e i, die bisher ihre Stärke und ihre Ehre darin gesucht hat, im Gegensatz zu allen Parteien als Prinzipien- und klassenbewußte Partei in den Wahlkampf zu treten. Es ist bisher die erste Forderung aller Parteikongresie gewesen, daß die Parteigenosten s e l b st st ä n d i g in den Wahlkampf eintreten sollen und daß sie sich nicht zu Verbindungen hergeben dürfen, bei der unsere Partei als Anhängsel oder Kampfgenoste irgend einer anderen Partei erschint. Im vorliegenden Falle handelt es sich obendrein in München um eine Partei, die bisher sich als die ärgste Feindin unserer Partei, als die eigentlicheGeburtshelserin des So- zialistengesetzes gezeigt hat, um die nationallibe- r a l e Partei, denn der Münchener Liberalismus ist, abgesehen von ganz unerheblichen Bruchtheilen, ausgesprochener gemeiner Nationallibe- ralismus. Einer solchen Partei bei den Landtagswahlen zum Siege ver- helfen zu wollen, wäre Parteiverrath, wäre selbst dann Parteiver« rath, wenn das nationall. berale Gesindel unseren Genoffen als Gnaden- brocken ebenfalls ein Mandat anzubieten die Frechheit haben sollte. Bisher haben unsere Genosten, wo immer sie sich an den Landtags- wählen betheiligten, in Sachsen, in Hesten, in Württemberg, in den thüringischen Staaten, getreu dem Parteiprogramm und der traditionellen Parteitattik sich als selbststündige Partei, die gegenüber allen anderen Parteien selbstständig in den Wahlkampf eintrat, gezeigt. Die Partei darf erwarten, daß die Münchener Genoffen, wie fchmsich- lerisch auch der Versucher an sie herantreten möge, ebenso handeln und den Gegner, dessen Vertreter im Reichstag uns den Strick des Sozialistengesetzes um den Hals gedreht haben und dessen Vertreter im bayerischen Landtag bisher zu allen Polizeiniederträchtigkeiten, die in Bayern gegen unsere Genossen verübt wurden, schwiegen oder gar Beifall klatschten» mit Verachtung abweisen. L,„ Können die Parteigenoffen in Bayern ein oder mehrere Mandate für sich erobern, so sollen sie alle Kräfte einsetzen, und die ganze Partei wird sich freuen, wenn ihnen dies gelingt. Aber nie und nimmer darf ein solcher Sieg durch die Gnade der Gegner erfochten werden, ein solcher Sieg muß nothwendig lähmend auf die Thätigkeit eines so ge- wählten Vertreters wirken, der in gewisien Momenten stets sich vor- halten wird, w e m er den Sieg verdankte, und er wirkt korrum- pirend auf die Parteigenossen, die schließlich alle? Gefühl verlieren für die Grenze, die sie sich ziehen müssen. Heute ein Kompromiß mit den Liberalen, morgen eines mit den Kon- servativen oder den llltramontanen, ganz wie es der Vortheil der Mandatjäger erheischt, das würde die logische Konsequenz solcher erbärm- lichen Taktik sein. Wir hoffen, daß unsere Münchener Parteigenoffen sich vor dem Be« treten der schiefen Ebene hüten werden, eingedenk des stch hundertfach bewährt habenden Satzes unseres Parteiprogrammes: „Gegenüber der Sozialdemokratie sind alle Parteien eine reaktionäre Masse." Parteigenossen, seid auf der HutI Mordspatriotische Pädagogik. Herr Pastor N i n k von der Anscharkapelle in Hamburg, gewesener Massenmordprediqer alias„Militärpfarrer", Erzmucker, der nur knieend oder mit verhülltem Angesicht das„Vaterunser" vor seiner Gemeinde betet, hilft die„christliche Jugend" bilden und erziehen durch Herausgabe einer monatlich erscheinenden illustrirten Jugendschrift, benamset„Der Kinderfreund." Zu den Mitarbeitern an diesem echt„christlich-germani- schen" Bildungsunternehmen gehört auch der verfloffene„ A d m i r a l" Werner, seinerzeit das Entzücken und die Wonne des liberalisirenden Philisterthums. Von ihm rührt folgende, in ihrem„Schluß" auszugs- weise wiedergegebene„literarisch-erzieherische That" in Nr. 10 vom Juli 1886 her, deren Festnagelung an dieser Stelle wir uns umsoweniger versagen mochten, als fie einen Beweis liefert für die wundersame Dehn- barkeit, mit der sich diese Herren das 5. Gebot, das doch keine zweierlei Deutung zuläßt, nach ihrem Bedarf zurechtzuziehen erlauben. Die Erzählung ist betitelt:„Ein tapferer Schiffskapitän". Der Lübecker Kapitän V o ß, deffen Brigg von einem algerischen Kapitän gekapert worden/) und der dieselbe nun unter Aufsicht des türkischen Prisen- Meisters nach Algier führen soll, beschließt unterwegs, die Türken zu überlisten und das Schiff zurückzuerobern. Daran ist an sich nichts aus- zusetzen, höre man aber, wie der„tapfere Schiffskapitän" und seine Leute dabei vorgingen. Fünf Mann der Mannschaft deS Kapitän Voß, sowie der Steuermann waren auf daS algerische Schiff übergeführt worden, während Voß mit dem Rest seiner Bemannung— fünf Matrosen— auf derselben verblieben. Dem Prisenmeister standen 10 Türken zur Seite. Um das Ver- trauen des Ersteren zu gewinnen, zeigte sich Voß „auf jede Weise freundlich zuvorkommend, ja, oft servil und kriechend, während er seine eigenen Leute rauh, fast brutal behandelte", — unzweifelhaft sehr tapfer. An dem Tage, an welchem der Streich ausgeführt werden sollte, läßt Voß durch den das Amt eines Schiffkochs versehenden Matrosen Steffens den Salat gehörig versalzen und schenkt alsdann den Türken brav Grog «in, so daß diese das Bedürfniß eines ordentlichen Nachmittags- schlafs empfanden.„Darauf hatten die Deutschen gerechnet." Gleich nach Tisch ladet Voß den Priscnmeister ein, mit ihn: in der Kajüte die Absetzung des Schiffsortes auf der Karte vorzunehmen. Obwohl sehr müde, folgt ihm dieser ahnungslos. Steffens macht sich in der Kajüte scheinbar mit dem Wegräumen der Eßgeschirre zu schaffen, kaum aber hat sich der Prisenmeister über die Karte geneigt, so spricht Voß das Losungswort und „in demselben Augenblick stürzte der Türke, durch einen B e i l h i e b von Steffens im Nacken getroffen, lautlos zusammen." Ermordung eines Alkoholbetäubten— ebenfalls sehr tapfer. Voß und Steffens bemächtigten sich nun der Waffen des Prisenmeisters, elfterer schießt den am Ruder stehenden, letzterer gleichzeitig den an der *) Es liegt uns nur der Schluß der Erzählung vor, aus dem nicht mit Sicherheit hervorgeht, unter welchen Umständen die Kaperung erfolgt war. Nach einigen Andeutungen zu schließen, muß sie während irgend eines Krieges erfolgt sein, an dem Rußland betheiligt war, die Brigg war nach Riga zuständig. Die Redaktion deS„Sozialdemokrat." Feuilleton. Der ungtückkiche Hrßprwz. (Ein Märchen.) Es wurde einmal ein Erbprinz geboren und der hieß Mensch. Dem war alle Macht und Herrlichkeit der Erde versprochen, und er sollte in fie eingesetzt werden an dem Tage, an dem er sich mit der gleichalterigen Prinzeffin Freiheit vermählen würde. Die Erziehung dieses Erbprinzen vertraute der liebe Gott einem Ehepaare an, das schon von Ewigkeit be? im Himmel gewohnt hatte, dem Onkel Staat und der Tante Kirche. Das war aber ein böser Onkel und eine böse Tante. Sie haßten die arme Prinzeffin Freiheit, und weil sie gern selber alle Macht und Herr- lichkeit besessen hätten, so wollten sie auch dafür sorgen, daß der Erb- prinz nie aus den Kinderschuhen herauskäme und daß er die Prinzeffin Freiheit nie kennen lerne. Das war eine ganz merkwürdige Geschichte: der Prinz war schon ein großer, starker Junge, er hätte schon gern Braten gegessen und Wein getrunken, aber man ernährte ihn immer noch mit Schassmilch; er wäre gern auf Bäum« geklettert und durch den Fluß geschwommen, aber man hatte ihn immer noch eingebütschelt und eingewickelt wie«in ganz kleines Kind, und wenn er strampelte und schrie, so drohte man ihm mit dem schwarzen Mann oder man steckte ihm den süßen Lutschbeutel der Geduld■ in den Mund. Nun hatte Tante Kirche eine Magd angenommen, die hieß Wissenschaft und that gar unterthänig, aber eigentlich war sie auch eine Prinzeffin und treu ergeben ihrer Schwester, der Freiheit. Einst fragte der Prinz: wie alt bin ich denn? Da sagte ihm die Magd: schon viele viele tausend Jahre. Das hörte die böse Tante, und die arme Magd wurde hart ge- schölten und geschlagen und in die dunkle Kammer gesperrt; dem Knaben aber wurde alle Tage vorgesagt, obgleich er ein Erbprinz war: du bist und bleibst ein dummer kleiner Junge. Die gute und getreue Magd aber wurde ihrer Leiden satt und entfloh aus dem Hause und ward in der frischen Luft immer größer und schöner, und des Nachts schlich sie sich heimlich zu dem Prinzen ein und lehrte ihn lesen und erzählte ihm von dem weiten Himmelszelt und vielen an- deren schönen Dingen. Da erkannte eines Tages Prinz Mensch seine Stärke, er zerriß die Wrckelbänder, und ob sie ihn auch hart straften mit der Ruthe des Ge- vorderen Kajütenöffnung stehenden Posten meuchlings nieder, worauf stch die übrigen deutschen Matrosen, alle vorher benachrichtigt, der Waffen der beiden Posten bemäcktigen. Nun entspinnt sich der eigentliche Kampf zwischen Deutschen und Türken. Elftere decken stch an der Hinterwand des Roofs. Erst als die Türken ihre Ladung verschossen hatten, stürzen fie hervor. „Wiederum"— heißt eS dann—„schlug der riefige Danziger wie ein Goliath mit der Handspeiche darein, und em wüstes Kamps- getümmel erfolgte. Voß schoß einen der Türken nieder und spaltete einem anderen mit dem Säbel den Kopf, als dieser gerade sich an- schickte, einem der Matrosen einen Dolch in die Brust zu stoßen. Ein Korsar sprang vorn von der Back über Bord, ein anderer wurde vonden erbitterten Deutschen kopfüber in die Vorderlucke hinuntergestürzt." Der Widerstand hatte aufgehört, der Kapitän befahl, das Steuerruder, daS durch ein Geschoß zerschnitten war, zu repariren, aber „die Leute waren in solcher Aufregung, daß sie erst gehorchten, nachdem fie alle Türken, todtoderlebendtg(!), über Bord geworfen hatten." Noch ein Korsar, der stch im Roof verborgen gehalten, nimmt, einer gegen drei, den Kampf auf. Natürlich wird er überwältigt. „Abermals that die Handspeiche des Danzigers ihre schreckliche Schuldigkeit, und der Korsar lag entseelt am Boden. Zehn nervige Fäuste hoben den Leichnam über die Schanzileidung; er flog über Bord, seinen Kameraden nach in die Fluthen— daSwardaS Ende des schweren, ruhmvollen(l) Kampfes. Der brave Voß hatte sein Schiff wiedergewonnen, und sich seiner Ahnen und eines deutschen Seemanns würdig gezeigt." Aber die Heldenthaten der Deutschen sind noch nicht zu Ende. „Als dann das Deck von Blut gereinigt werden sollte und man zu diesem Zwecke Waffer von außenbords ausschlug, ertönte von der Back vorn abermals der Ruf her:„Ein Türke, ein Türke!" Alles lief natürlich sofort zusammen, aber diesmal gab ei keinen Kampf. Der gleich anfangs über Bord gesprungene Korsar hatte sich an einem außerbords schleppenden Tauende fest- gehalten. Jetzt bat er um Pardon, aber ehe noch der herbei- eilende Kapitän diesen zu gewähren vermochte, hatte einer von den Matrosen bereits d a s T au d u r ch s ch nit» ten, und der Unglückliche sank unter, um nicht wie- der emporzukomme n." Und nun segeln die Deutschen nach Lissabon, und als sie dann glücke lich in portugiesischen Gewässern angelangt sind, war es „das Erste, daß Kapitän Voß die Leute auf das Hinterdeck berief und mit ihnen eine Andacht hielt, der alle mit dankbarem Herzen zuhörten." So die christlichen Deutschen. Wie aber waren die Heiden mit ihren Gefangenen umgegangen? Von den auf der Brigg Gebliebenen wollen wir nicht reden, man könnte voraussetzen, daß sie zum Bootsdienst ge- braucht wurden. Hören wir jedoch, wie es den auf das Korsarenschiff llebergeführten ging.„Zuerst", heißt es in dem von Werner zitirten Tagebuch des Kapitän Voß, „zuerst schien sich ihr Loos erträglich zu gestalten, als aber der Dey Nachricht von meinem glücklichen Kampfe erh'elt, gerieth er in großen Zorn. Man warf meine Leute mit Ketten beschwert in einen finsteren Kerker und behandelte sie grausam. Erst nach langjährigem Leiden wurden sie auf Verwendung des Kaisers Alexander o. Ruß- land in Freiheit gesetzt." Das heißt: die Türken ließen ihre Gefangenen leben, sogar noch leben, als fie von der Ermordung ihrer eigenen Leute erfuhren. DaS wird aber in der Erzählung ganz unberücksichtigt gelassen, ihre ganze Tendenz ist, �die Heldenthat des, bezw. der Deutschen zu verherrlichen, die stch höchstens durch die Zwangslage begreifen läßt, die aber nichts weniger als rühmlich war. So wird uns Jeder zugestehen, daß z. B. der Prisenmeister nicht gelödtet zu werden brauchte, sondern es genügt hätte, ihn zu feffeln. Von der Abschneidung des Taues ganz zu schweigen, die einfach eine Bestialität war. Hat man jemals eine frechere Verhöhnung de« stets so ganz besonders salbungsvoll betonten ChristuSworteS:„Liebet eure F inde!" erlebt, als sie durch die Verherrlichung einer.s>.scheußlichen Meuchelmörderei in einer„christlichen Jugendschrift" geleistet wird? Wie sicher muß sich doch das Rabengezücht im„Reich der Gottesfurcht und from- men Sitte" fühlen, daß es wagen darf, der„deutschen Jugend" eine solche Schandthat als„rühmenswerth" anzupreisen. Doch worüber wun- dert sich unser naives Sozialistengemüth eigentlich noch, wenn eS sich die grausigen Schlachttage von 1870/71 vergegenwärtigt, wo der„Helden- greis von Gottes Gnaden" unter dem Stöhnen und Todesröcheln der auf seinen Wink brudermörderisch hingemetzelten besten Volkskrast die sattsam gewürdigten Telegramme losgelassen, mit dem berühmten Refrain:„Welche Wendung durch Got'es Fügung"? Aber einer gewissen schadensrohen Genugthuung kann man sich doch nicht verschließen bei dem Gedanken daran, daß der„Mann von Blut und Eisen" solcher Bundesgenoffenschast, wie den biederen Pastor Nink, nicht entbehren kann. Ja, er muß sie sich wieder holen, alle die Jesuiten verschiedenster Kouleur, muß ihnen den wärmsten Platz am Herd einräumen, mit lächelnden Komplimenten zucken unter ihren Krallen. Feinde ringsum! Doch darum nicht verzweifelt, sie fressen stch gegen- seitig auf— „'s ist der Geschichte eh'rnes Muß!" Und nun, lieber Leser, urtheile selbst, ob nicht gerade diese Werner'sche „Kindergeschichte" als Etappe auf dem Wege zu dem„ehernen Muß" unsere Beachtung verdient. Wo solche Früchte gedeihen, da muß die Nothwendigkeit der Umkehr bald auch dem Geduldigsten einleuchten. setzes, er ließ sich nicht mehr bändigen, er erzwang sich die ersten Hosen und die Erlaubniß, im Garten spaziren zu gehen. Da sprach der böse Onkel zu der bösen Tante: er fühlt seine Kraft, wir müssen ihm etwas zur Beschäftigung geben. Da machten sie einen Streifen an seine Hosen und gaben ihm einen bunten Rock und einen Säbel. Nun konnte er nach Herzenslust anrennen gegen Bäume und Fels- blöcke und Nebelgewalten. Und wenn er sich dabei traf mit dem eigenen Schwert und zu Boden fiel, daß er sich arg weh that, dann belobte ihn der Onkel Staat, denn er dachte: so kann ich ihn immer im Zaume halten. Wenn der Prinz aber die h.�e Mauer erklettern wollte, welche den Garten von dem Reiche der Pr. izeflin Freiheit trennte, dann wurde er immer wochenlang wieder in die Wickelbänder eingeschnürt, so hart, daß sie ihm ins Fleisch schnitten und er gelobte, er wolle es nicht wieder thun. Die Tante Kirche aber gab ihm, damit er nicht gar zu wild wurde, und da er nun doch einmal lesen gelernt hatte, ein Zauberbuch in die Hand, das Jeden, der es dreimal liest, blind macht und lahm. Nun war aber ein Blatt in dem Buche, welches einen Gegenzauber enthielt, und das hatte die böse Tante auszureißen vergessen, und dieses Blatt las der Erbprinz lieber denn alle anderen Blätter des Zauberbuches, denn es handelte von der Lieb«. Ich will eine Geliebte, ich will heirathen, sprach eines Tages Prinz Mensch zu dem alten bösen Ehepaar. Darüber erschrocken sie gewaltig, denn sie wußten wohl, daß ihrer Herrschast Gefahr drohe. Da sandten sie dem Prinzen, der schon lange ein großer, starker Jüngling geworden war, gleich drei Jungfrauen ins Gemach, die hießen Glaube, Liebe, Hoffnung.' Aber wenn sie auch gar schön gen Himmel schauen konnten, so hatten sie doch weder Fleisch noch Knochen, und unser Prinz wandte sich traurig von ihnen ab. Zur selben Zeit begab es sich, daß die beiden Alten oft gräulichen Streit hatten über die Abgaben und das Edelgestein, das dem Erbprinzen von Rechtswegen gehörte, und als fie sich wieder einmal arg in den Haaren hatten, da erklomm der Prinz geschwind einen hohen Baum und schaute über die Mauer. Ach, was sah er da! Sonnen und Monde leuchteten und funkelten zu gleicher Zeit, die Vögel sangen Jubellieder von allen Bäumen, riefen- große Blüthen hauchten wundersüßen Dust aus, und in all' der Herr- lichkeit wandelte Prinzessin Freiheit, nackt von Goldhaar umflossen, aus ihren großen, stolzen Augen ging ein leuchtender Flammevstrom in das Herz des Erbprinzen. Schwester Wissenschaft berührte mit dem Zauber- stab die kennende Mauer, die stürzte mit Gekrach, über die Trümmer hin schwang sich der Jüngling mit kühnem Satz und umschlang die Verrath, meuchelmörderischer Ueberfall, scheußlichste barbarische Ler nichtung um Gnade flehender„Feinde"--- Hurrah Germania! .... Im sieggekrönten Morden Bist Du das erste Land der Welt geworden." „Denn so will's Gott!" Nicht wahr, Herr Pastor Nink? 2. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 26. Oktober 188«. — Nette Geständnisse. Herr Oechelhäuser, Direktor der Dessauer Gasgesellschaft und national-liberaler Abgeordneter, hat ein Büchlein über die„Arbeiterfrage" verfaßt, in welchem er seinen, heute von jedem, der«ine politische Rolle spielen will, anstandshalber z« liefernden Vorschlag zur Lösung der sozialen Frage zu Tage fördert. Daß derselbe darauf hinausläuft, den kapitalistischen Pelz zu waschen ohne ihn naß zu machen,— Herr Oechelhäuser will einen„U-bergang zur Altersversorgung" dadurch schaffen, daß ein Fonds gegründet wird, zu dem die Unternehmer ein Prozent, die Arbeiter ein halbes Prozent dei Lohnes beitragen, und aus welchem die Arbeiter, wenn sie ein ge- wiffes Alter erreicht, unterstützt werden dürfen, ohne ein Recht auf Unterstützung zu haben,— diese grundsätzliche Halbheit war bei der Parteiftell'.mg des Herrn vorauszusetzen. Aber Herr Oechelhäuser müßte kein Nationalliberaler sein, wenn er nicht auch gleichzeittz seine Bereit- willigleit, oder besser Fähigkeit dokumentirte, die von ihm so heißgeliebten Arbiter gehörig— sagen wir einzuseifen. Es ist das die andere Seite des Nationalliberalismus und sie äußert sich bei dem braven Gasanstallsdirektor in einer begeisterten Lobrede aus das Sozialisten« g e s e tz. Wer da sagt, das Sozialistengesetz sei bisher unwirksam ge- wesen, beweist nach Herrn Oechelhäuser nur seine Ignoranz.„Wer von dem Gesetz", sagt er,„erwartete und nur deshalb dafür stimmte, daß binnen einigen Jahren die sozialdemokratischen Führer auf der Tribüne erscheinen und xater peecari sagen, daß ihre geheimen Ver« bindungen sich von selbst oder durch polizeilichen Zwang lösen, daß beim geheimen und allgemeinen Stimmrecht die Zahl der abgegebenen Stim» men und der gewählten Vertreter sich in absehbarer Zeit verminder« würde, der hat nur für seine eigens politische Kurzsichtigkeit, für seinen Mangel an Menschenkenntniß, nicht für die Un- Wirksamkeit des Gesetzes Zeugniß abgelegt." Schön gesagt, und um so schöner als es niemand anderen trifft, als die eigenen Parteigenossen des Herrn Oechelhäuser. Niemand hat bei Schaffung des Schandgesetzes lauter dieser Hoffnung Ausdruck gegeben als gerade sie, allen voran der große Historiker der Partei, Herr Treitschke. Man lese nur dessen berüchtigtes Pam« phlet„Der Sozialismus und der Meuchelmord".„Diese Demagogen", heißt es da,„leben von den Sparpfenigen der menschlichen Massen; sie werden brodlos, wenn die Vereinsbeiträze und die Zei'ungseinnahmen hinwegfallen". Zweifelsohne schloß der eitle Schönschwätzer von seinen am Reptilienfonds gemästeten Kampfesbrüdern. Weiter:„Wohl wahr, die Presse und die Versammlungen schaffen wenig, sie bringen lediglich an den Tag, was in den Köpfen und Herzen bereits lebendig ist. Doch diese Regel gilt nur sür die gebildete»Parteien". Da haben wirs, die Arbeiter sind natürlich ungebildet und werden sich sofort von der Partei abwenden, sobald die sozialistische Presse und Versammlungen unterdrückt sind. So vortrefflich verstand der große Geschichtschreiber seine Zeit, so unterrichtet war er über den Geist deS modernen Proletariats, über den Charakter der deutschen Arbetter.„Von der geheimen Wühlerei der Sozialisten steht nicht allzuviel zu befürchten; daS Treiben verliert seinen Reiz für die Masse— bedankt euch für das Kompliment, ihr Arbeiter— wenn die Freuden der Fest« und Aufzüge, der öffentlichen Schreierei und Prahlerei aushören". Sa heutte damals Herr Treitschke und mit ihm der ganz« Troß des Nationalliberalismus, und sitzt kommen dieselben Leute und wolle» in ihrer anmaßenden Manier den Leuten weiß machen, sie seien von Ansang an die Gescheidtefien der Gescheidten gewesen, denn sie sind ja so ipso die weitsichtigen Politiker, nur die Gegner des Sozialisten« gesetzes waren so kurzsichtig zu glauben, daß dasselbe unserer Partei den Garaus machen werde. Immer frech die Thatsachen aus den Kopf gestellt, dadurch beweist man, daß man einen staatsmännischen Sinn besitzt, diese jedem Nationalliberalen von der Natur gespendete schöne Gottesgabe. Wozu war aber denn eigentlich das Sozialistengesetz geschaffen worden? Ei, wer kann da noch fragen. Um„Zeit und Raum für eine friedlich« Weiterarbeit auf sozialem Boden zu gewinnen." Nacht muß es sein, wo Friedlands Sterne strahlen: Die nationalliberale Reformseele kann nur da ihren Flügelschlag frei entfalten, wo der Kritik Daumschrauben an« gelegt sind. Als ob früher irgend jemand die Herren gehindert hätte, „soziale Reformarbeit" zu verrichten, oder als ob unsere Partei früher sür soziale Reformvorschläge taub gewesen wäre! Gerade das Gegen« t h« i l ist der Fall. Eher konnte man damals den deutschen Sozial« demokraten den Vorwurf machen, daß sie den verschiedenen Reform- schwätzereien häufig viel zu leichtgläubig entgegen kamen. Das ist jetzt viel besser geworden, dank dem P o l i z e i g e s e tz. Es hat den kritischen Sinn der Partei geschärft. Früher hätte sich mancher durch den salbungsvollen Ton der Oechelhäuserei beirren lassen, heute fällt Niemand darauf hinein. Prinzessin und küßte sie und hielt sie so fest an's Herz gepreßt, daß er schier meinte, fie seien für immer eins geworden. Aber schon waren auch Onkel Staat und Tante Kirche in höchster Wuth herangerast und, die Luft verfinsternd, umgab sie das kolossale Heer der Mönche und Ritter und Beamten und Büttel und Professoren und Soldaten, kurz alle die häßlichen dämonischen Geister, welche daS böse Ehepaar zum Schutze seiner unrechtmäßigen Herrschaft im Solde hielt.— Wehe! Wehe! Welch' ein heilloses Kämpfen! Was halfen dem Prin« zen Mensch seine krästigen Fäuste, was hals der Freiheit ihr flammende? Schwert! Von hinten hockt, n sie ihnen auf den Nacken, mit Stricken umschlangen sie die edlen L iber, mit Wnhravchdämpfen betäubten st« ihnen die Sinne und mit Szeptern zerschlugen sie ihnen die edlen Glieder. Nun warf man den Prinzen ins dunkelste Verließ, und wenn ihn Onkel Staat nicht mit spitzen Ruthen schlug, so predigte ihm, und das war noch viel schlimmer, Tante Kirche. Die Wissenschast, auf einmal klein und erbärmlich geworden, verdingte sich wieder als Magd, und die Freiheit war blutend, mit dem Schmutz des Hohnes besudett, weit, weit ab in die Verbannung geflohen, verdorben, gestorben. Gestorben? Nein, zuweil, n in stillen Nachtstunden, wenn der Erbprinz Mensch in bttteren Schmerz,« lag und über sein Elend nachdachte, dann sang ihm die Nachtigall das Lied von der verrathenen und verkauften Prinzessin Freiheit, und bei dem süßgewaltigen Ton schmolz ihm das Herz in Thränen sehnsüchtig, r Liebe. Und manchmal drang ein freudiger Sonnenstrahl durch des Gefängnisses Gitter und oerkündete ihm: die Freiheit lebt und wird gesu' den, und du sollst sie doch noch dein eigen nennen; dann jubelte sein Herz, und in Fesseln sang er ein stolzes Lud von der Zukunft. Das ist aber ein trauriges Märchen, sagte daS Kind, dem ich es er« z> hlt, da ist ja nicht einmal eine Hochzeit drin. Ja, mein Kind, und viel trauriger ist eS noch, daß es schon mehr als einmal passirte und immer wieder passirt. Hat es gar k>n Ende? fragte das Kind. O ja, stzp dich und mich. Wenn wir im Grab« liegen, ann ist das Märchen aus. («Der arm- Teufel,") NichiS betsufl bte LScherlichkiit der OschklhZuIer Ich'» B-Hauvlung drastUcher, als die ReichsiZüsreden der soi>alislir.msnka unter Kooperativgenoflenschaften versteht, genau entsprechen. Und ebenso wie Schulze-Delitzsch es that, legen auch die Trades-Uniontsten w e.,n üanz besonderes Gewicht auf die Cooperativ Stores •Ii-km>>umv�eine, die den kapitalistischen Produktionsprozeß gar mcht direkt treffen. Wenn der gesammte Groß- und Kleinhandel durch Konsumvereine ersetzt würde, würde die Ausbeulung und Aussaugung der Arbeiter durch den Kavitalismus noch ungeichwächt forldauern können; und wenn der Kapitalismus sonst unberührt bliebe, würde eine allge- meine Einführung der Konsumvereine nur die Herabdrückung der Löhne um den Betrag der durch die Konsumvereine ersparten Summen zur Folge haben— so daß also die Arbeiter thatsächlich gar nichts gewonnen hätten. Das, worauf es ankommt, ist die Beseitigung der kapitalistischen Produktion, welche den Löwenantheil des Ertrags der Arbeit in die Taschen der Kapitalisten bringt, den Arbeiter zu einer proletarischen Exi- stenz verurtheilt, und die Urquelle all jener schmachvollen Zustände und Ungerechttgkeiten bildet, deren Ausrottung sich der Sozialismus zur Auf- gäbe gesetzt hat. Produktiv- Assoziationen können allerdings dem Kapitalismus gefährlich werden, jedoch nur unter der einen Bedingung, daß sie auch solide genug fundirt sind, um die Konkurrenz mit der kapi- talistischen Großproduktion auszuhalten. Sind aber die Arbeiter im Stand, die hierzu nöthigen Mittel durch freiwillige Beiträge zu beschaffen? In Deutschland ist die Frage zur Genüge ventilirt worden, und wir wissen, daß es nicht der Fall ist. Es gibt nur eine Möglichkeit: daß die Ar» beiter, um den Bismarck'schen Ausdruck zu gebrauchen, die Klinke der Gesetzgebung in die Hand nehmen, und zwar kräftig, und für die rich« tige„Staatshülfe" aus den Taschen der Herren Kapitalisten selbst sorgen. Mit kleinen Experimenten ist da nicht gedient. Und das ist es, was die englischen und anglo-amerikanischen Arbeiter noch nicht begriffen haben und was ihnen begreiflich gemacht werden muß. — Aus den Zeitungsnachrichten, die uns jetzt über die zweite Auf- läge des Chicagoer BombcnprozesseS vorliegen, geht hervor, daß es sich um den Antrag der Angeklagten auf Gewährung eines neuen Prozesses handelte. An Stoff zur Begründung des Antrages fehlte es nicht, aber da die Entscheidung über den Antrag nach dem eigenthüm« lichen amerikanischen Gebrauch in den Händen desselben Richters liegt, der den ersten Prozeß leitete, ihm also zugemuthet wird, selbst einzu» gestehen, daß er Fehler begangen oder mindestens passiren ließ, so ist ein solcher Antrag schon unter gewöhnlichen Umständen in 99 von 100 Fällen aussichtslos, um wie viel eher in diesem Falle, wo der Richter es gar nicht für nöthig hält abzuleugnen, daß es sich um einen reinen Tendenzprozeß handelte. So sagt er in seiner Begründung der Zurückweisung des Antrages wörtlich:„Es erfolgte die Verurtheilung auch nicht auf den Grund hin, daß die Angeklagten direkt an der That betheiligt waren, welche den Tod des Polizisten Degan zur Folge hatte, sondern auf Grund, wie auch in den Instruktionen erläutert wurde, daß die Angeklagten durch Reden und Zeitungs» artikel die Volksmassen zur VerÜbung von Mord und Gewaltthaten aufreizten und die Zeit, den Ort rc. zur Ausführung derselben dem persönlichen Willen der Betreffenden überließen, und daß in Folge dieser Aufreizungen, schlechten Rathschläge k. und dadurch beeinflußt, irgend eine Person die Bombe warf, welche den Tod von Michael Degan veranlaßte. „Jeder derjenigen, welche in jener aufgeregten Zeit am Heumarkt durch Reden, in welchen die Massen abermals zur Gewaltanwendung aufgefordert wurden, die Aufregung auf's Höchste steigerten, so daß beim Herannahen der Polizei eine Person, ob nun identifizirt oder nicht, in dem Uebermaß der Au'rezung die verderbenbringende Bombe warf, jeder dieser Redner ist erst recht des Mordes schuldig. Wenn irgend etwas durch Umstandsbeweise«»wiesen wurde, so war es dies» daß der Bombenwerfer die That in Folge des Einflusses beging, den die von den Angeklagten gehaltenen aufreizenden Reden und die in den von denselben redigirten Zeitungen enthaltenen Brandartikel auf ihn ausübten. Die Lehren dieser Angeklagten waren es somit, welche diesen Bombenwurf erzeugten. Es steht dieser Fall beispiellos da und ist daher ein Berufen auf richterliche Entscheidungen bei demselben nicht möglich; es ist der e r st e Fall dieser Art." So wörtlich der Richter und Ehrenmann Gary. Ja, beispiellos, das ist in der That das richtige Wort, denn beispiellos ist es, Leute wegen der Tendenz ihrer Reden als Mörder hinzurichten. Was haben nicht schon Anhänger der bürgerlichen Parteien in Amerika in pun'io Aufreizung zum Morde geleistet! Und doch ist es keinem eingefallen, sie zur Verantwortung zu ziehen. Das Horrende dieser Art Rechtsprechung kommt daher auch immer weiteren Kreisen zum Bewußtsein, so daß selbst die„Illinois Staatszeitung" sich veranlaßt sieht zuzugestehen, daß„nicht nur unter der eingewanderten, sondern auch unter der eingeborenen Bevölkerung die Zahl der- jenigen, welche eine Umwandlung des Todesurtheils in Strafgefangen- schast wünschen, täglich zunimmt. Davon kann sich Jeder über» zeugen, der Ohren zum Hören hat. Wir sprechen hier nicht von Kom» munisten oder Sozialisten, sondern von streng konservativen Leuten, welche das Urtheil der Geschworenen im Prinzip durchaus billigen, aber dennoch seine Milderung durch den Gouverneur wünschen." Und das bürgerlich-konservative Blatt fährt fort: „Es sei Unrecht", sage man in jenen Kreisen,„nur die Anarchisten zu hängen, während so viele erbarmungslose Monopolisten und Blutsauger in allen Theilen des Landes ungehängt, ja ungestraft bleiben. Es sei unbillig, sieben Schüler Johann Mosi's zu hängen, während Most selbst in New Jork mit einer kurzen Freiheitstrafe davongekommen sei, und während es, nach der Erklärung des Richters Gary selbst, nicht in der Macht des Staates Illinois stehe, ihn seinen hiesigen Opfern beizu» gesellen. Wieder Andere sagen: Nach dem Strafgesetze der meisten anderen Staaten würden die Chicagoer Angeklagten, da keinem von ihnen eine unmittelbare Mitwirkung bei den scheußlichen Mordthaten auf dem Heumarkt nachgewiesen worden sei, der Todesstrafe, wenn auch nicht der Gefängnißstrafe, entgangen sein und es sei allzu hart, gerade in Illinois den Galgen in einem Falle walten zu lassen, in welchem anderswo die Strafanstalt walten würde." Die Haltung der Verurtheilten vor Gericht verdient im allgemeinen volles Lob. Sie haben sich sämmtlich als gesinnungstüchtige Männer erwiesen und keine Spur von Schwäche gezeigt. Gegenüber den Schim- pfereien der kapitalistischen Presse halten wir uns verpflichtet, das aus- drücklich anzuerkennen. Von den Schlußreden ist besonders die Spies'sche hervorzuheben, und wir denken im Sinne unserer Leser zu handeln, wenn wir dieselbe in der nächsten Nummer zum Abdruck bringen. Natürlich verlassen sich die Verurtheilten nicht auf einen Gnadenakt, sondern werden an das Obergericht des Staates Illinois, bezw. an das Oberbundesgericht gehen, um ihr R e ch t zu erkämpfen, ohne sich freilich darüber Illusionen hinzugeben, was sie von diesem Kollegium zu erwarten baben.„Das Obergericht des Staates", sagt das„Illinois Tagbl.",„ist jedenfalls nicht weniger, sondern eher mehr identifizirt mit den Geldsacks-Jnteressen und die Schmiegsamkeit deS höchsten Bundesgerichts ist zu bekannt, als daß man erwarten dürfte, es werde sich dem Willen der herrschenden Klasse widersetzen." Man wird sie durch alle Instanzen verurtheilen und dann zu lebens» länglicher Einkerkerung„begnadigen". Auf diese Weise beruhigt man zugleich den Geldsack und das Gewissen. — Der arme abgebrannte Bismarck hat eine Erbschaft gemacht. Ein in Mexiko kürzlich verstorbener Deutscher. Namens Philipp Muth, hat, nach dem„Börsen, Courier", in seinem Testament u. A. auch dem Reichskanzler Fürsten Bismarck die Summe von dreitausend Dollars vermacht. Der Verstorbene wird als ein etwas sonderbarer Hagestolz geschildert, der jeden Cent sparte, sehr nothdürftig lebte und sich jeden Genuß entzog, obgleich er sich nach seinem Ver- mögensstande ein sehr behagliches Leben hätte schaffen können.—„Sollte," fragt die„Freisinnige Zeitung",„der Verstorbene bei gesunden Sinnen gewesen fein?" Ei, warum nicht? Geizhälse vererben am liebsten an Leute, von denen ste wissen, daß sie den Werth des Geldes zu schätzen wissen. — Auch eiue„Beleidigung". In Reichenbrand beiChem» nitz hat ein dortiger Sttumpswirker bei Gelegenheit einer Armen» vereinLsitzung den anwesenden Pfarrer Koch einfach mit Herr Koch angeredet, wofür ihn dieser wegen„Beleidigung in Ausübung seines Berufs" verklagt hat. Muß ein recht d e m ü t h i g er Christ sein, dieser empfindliche Pfaffe. Wir würden es an des Beklagten Stelle einmal versuchen und ihn mit dem, seinem Berufe entsprechenden Titel— Pastor ist lateinisch und daher nicht mehr zeitgemäß— Herr Schafhirt anreden. — Von Rah und Fern. Vom alten Wilhelm hieß es dieser Tage, er sei am Sterben. Dem ist aber nicht so. Als Beweis, daß er lebt und seinen Regentenberuf verrichten kann, hat er, wie der Tele- graph berichtet, am 25. Oktober in Blankenburg 19 Stück zu Tode ge- hetztes Hochwild und 9 dito Sauen abgestochen.„Nun danket Zllle Gott!"— Der bayerische Minister Lutz und seine Komplizen haben in der vorigen Woche 7 Redakteure— S Katholiken und 2 Demokraten— welche das Verhalten dieser Streber gegenüber dem Wahnsinn Ludwig II- zu bekritteln gewagt, wegen Beleidigung zu Gefäugnißstrafen bis zu 4 Monaten verurtheilen lasten. Wo bliebe auch die staatlich- Ordnung, wenn jeder Minister eines unzurechnungsfähigen Monarchen ungestraft vor der Oeffentlichkeit zur Rech nlchaft gezogen werden dürste! — Die Aufhebung des offiziellen Charakters unseres Blattes durch die Erklärung der sozialdemokratischen Fraktion des deutschen Reichstages hat der Presse Veranlassung zu allerhand Kommen- taren gegeben. Am präzisesten äußert sich die„Elberfelder Zeitung", in- dem sie sagt:„Das Blatt und seine Freunde bleiben natürlich auch in Zukunst die Alten." Stimmt!— In Hamburg sind auf die An- gaben eines rachsüchtigen Frauenzimmers hin der Arbeiter Bitz, vier Arbeiter und ein Soldat, die bei Bitz verkehrt hatten, verhaftet worden, ferner- ist ein Freund des Bitz, der in Lübeck seine Mili« tärzeit abdient, auf telegraphische Anweisung von Hamburg dort ver- haftet und nach Altona übersührt werden. Es sollen nämlich— man entsetze sich nicht!— bei Bitz„sozialistische Schriften gelesen worden sein, wozu sich seine Bekannten immer eingefunden haben." Und deswegen stellt man ehrliche Arbeiter auf Wochen in Untersuchungshaft. Die Schurken werden immer frecher.— Die italienische Regie- rung hat den Arbeiter Emilio Kerbs, den sie, weil absolut nichts gegen ihn vorlag, aus der Untersuchungshaft entlassen mußte, a u s g e- wiesen. Wie sagte doch Cavour?„Mit Ausnahmegesetzen kann jeder Hanswurst regieren."— Letzteres scheint sich der K ö n i g von Schweden zu Herzen genommen zu haben, denn er bereitet, angesichts des Fortschritts der sozialistischen Bewegung, ein„Ausnahmegesetz nach deutschem Wuster" vor. Vielleicht lernt er mit Hülse des- selben das Regieren, bis jetzt konnte er nur schlechte Verse machen.— Professor A d o l s Wagner, der es mit der G e l d m a ch t verdorben, weil er den Staatssozialismus nicht vollständig schwindelhaft nahm, hat dafür von der Bismarck'schen„Post" den bekannten Fußtritt erhal- ten, desgleichen sein Busenfreund Stöcker, der nicht mehr„zieht" und deshalb gehen kann. Wer kommt jetzt dran? — Die Agitationstour unserer Genossen in Amerika ist von so unerwartet großem Erfolg, daß die Gegner der Arbeiiersache in ihrer ohnmächtigen Wuth gar nicht mehr wissen, was sie thun sollen. Ter Versuch, durch einen Polizeikoup gleich von vornherein die Kam- pagne zu vereiteln, ist schmählich mißlungen, und ebensowenig ist es ge- lungen, die Amerikaner durch das Gespenst des Anarchismus ins Bocks- Horn zu jagen. Für dieses doppelte Fiasko rächen sich nun die Gegner dadurch, daß sie in die europSischePresse die verlogensten Berichte bringen, wobei das berüchtigte Reuter'sche Telegraphenburcau nebst seinem Berliner Reptilbiuder die Hauptdienste leistet. In diesen Berichten wird die Wahrheit in der schamlosesten Weile auf den Kops gestellt— die Sozialisten werden mit den„Anarchisten" zusammen- geworfen, Liebknecht, der bei jeder Gelegenheit die grundsätzliche V r. schiedenheit des Sozialismus mit Anarchismus betont, zu ein m wüihen- den Anarchisten gemacht; Frau Marx-Av-ling zu einer wahnsinnigen Petroleuse, die von der Rednerbühne herab schreit: Der Sozialismus muß ein Ding des Todes und des Schreckens werden— und so weiter. Natürlich gibt es in Europa Zeitungen, die den Blödsinn ruhig ab- drucken, und wohl auch einige Dumme, die ihn glauben. Und daß die deutsche Polizei Kapital daraus zu schlagen sucht, versteht sich von selbst — sie kann auch ihr eigenes Kind nicht verleugnen, denn die Lügen- Telegraphenbureaux sind einfache Polizeianstalten. Für uns hat die Sache nur insofern ein Interesse, als sie einen neuen Beweis der geistigen und sittlichen Verkommenheit unserer Gegner liefert. — Italien. Einen seit Langem vermißten Kameraden dursten wir in diesen Tagen zu unserer Freude wieder bewillkommnen: das„?asoio Oxarajo«, das seit der schmachvollen Verhaftung aller seiner Redakleure wie überhaupt der hervorragendsten Mitglieder der Arbeiterparlei durch die Depretis'sche Bande sein Er cheinen einstellen mußte, ist, nachdem die Gefangenen nach achtzigtägiger Untersuchungshaft freigelassen worden. nunmehr wieder erschienen. In seiner ersten Nummer bedankt es sich für die zu Gunsten der Verhafteten in der Zwischenzeit geleisteten Spen- den, und gedenkt dabei auch ganz besonders des Beitrages, den unser Blatt seinerzeit dem italienischen Unterstützungsfonds zugewendet. Indem wir von dieser Anerkennung Akt nehmen, versichern wir unsere italieni- schen Genossen, daß wir uns freuen, wenn die geringe Summe— die wir gern verdoppelt hätten, wenn unsere Partei nicht seilst eine unter- drückte wäre— dazu beigetragen hat, das Band der Solidarität zwischen den klassenbewußten Arbeitern Italiens und Deutschlands zu festigen. Korrespondenzen. Leipzig. In Nr. 41 des„Sozialdemokrat" befindet sich ein Bericht über die Demonstration bei derAusweisungSchumanns, der mehrere Unwahrheiten enthält,») und halte ich s deshalb für meine Pflicht, mit kurzen Worten über dieselbe sachgemäß zu berichten. Schumann hatte Sonnabend den 2S. September seine Ausweisung erhalten und beabsichtigte Sonntag den 2ß. September den Bannbezirk zu verlassen. Da er nun neben seiner Parteithä'iqkeit auch in dem ehe- maligen Tischler-Fachverein saus Giund des Schandgesetzes aufgelöst) eine ziemlich rege Thätigkeit entwickelt hatte, so fanden sich wohlan 399 Personen, theils Gesinnungs- theils Fachgenossen, im neuen Schützenhaus ein, um ihm das Geleit zur Stadt hinaus zu geben. Anfangs wurde beabsichtigt, die Stadt zu meiden, schließlich aber ging man davon ab. und so bewegte sich der Zug zunächst in aller Ruhe durch die Frank- furterstraße, Neustädter-Steinweg, Psassendorserstraße nach Gohlis zu. Erst als der Zug am Ausgang der letztgenarnten Straße angelangt war, ließen es sich Einige nicht mehr nehmen, eine rothe Fahne aufzuhissen und die Marseillaise anzustimmen. Der Zug zog unter Gesang weiter, da kam am Exerzierplatz bei Gohlis ein Pferdebahnwagen gefahren und als derselbe den Zug erreichte, sprangen vier Individuen herunter und stürzten sich ohne Weiteres, gleich wilden Thieren, in den Zug, um die Fahne zu erhaschen. Das aber ging nicht so schnell, im Nu waren all- Vier gepackt und auf den Straßendamm geworfen, worauf der Zug seinen Weg weiter marschirte; doch bald richteten sich diese Kerle auch wieder auf, zogen Revolver hervor und drohten zu schießen. Jetzt erkannten erst Einige, daß diese vier Wütheriche Spitzel waren; jedoch ohne noch irgend etwas zu thun, zog man ruhig weiter, da man den Zwischeniall für erledigt hielt. Aber weit gefehlt, denn als der Zug das Dorf Möckern erreichte, sah er sich von der inzwischen ausgebotenen und hinzugeeilten Schutzmannschaft swohl 199 an der Zahl) und einer Militärpatrouille eingeholt und nun ging das Verhalten los. Fünf Arbeiter, alles ganz unschuldige Leute, und an dem„Exzeß" durchaus gar nicht betheiligt, wurden verhastet und unter starker Schutzmanns- Eskorte nach der Stadt gebracht, wo sie in Haft behalten und andern TagS an die Staatsanwallschaft abgeliefert wurden. Doch nicht genug damit, die Verhaftungen wurden fortgesetzt, und am Montag den 27. noch weitere sieben Mann geholt, und auch das ge- nügte noch nicht. Wo man von irgend jemand herausspioniren konnte, daß er am genannten Tage sich auf dem Wege befunden, der wurde noch nachträglich verhaftet. Mit der Zeit muß man sich aber doch der Lächerlichkeit und Brutalität der Polizei bewußt geworden sein, und sind daher eine Anzahl wieder auS der Haft entlassen worden. Immerhin befinden sich aber noch neun unschuldige Opfer(darunter ein Familien- vater) im Gefängnih und sieht man hier mit Spannung ihrem Schicksal entgegen. So der wahre Sachverhalt über diese Affäre. Denkt man über sie etwas nach, so muß wohl Jeder zu der Ansicht gelangen, daß thatsäch- lich die Polizeischurken die Anstifter waren, denn die Schläger laufen herum und Unschuldige sperrt man ein. Dazu kommt noch, daß, wie wir hier genau wissen, die Schläger und Radaumacher gar nicht zu uns *) Wir haben ihn auch sofort als Polizeimache gekennzeichnet. D. Red. gehören, sondern uns ganz unbekannt sind und sich erst auf dem Weg« uns angeschlossen hatten. Am 12. Oktober erhielt wiederum einer unserer besten Genossen die Ausweisung, nämlich der Cigarrenmacher Franz Hoffmann in Stötteritz. Zugleich wurde demselben dabei erklärt, daß er für jed- wede etwaige Demonstration verantwortlich sei, was er jedoch mit aller Entschiedenheit ablehnte. Wie nun Jeder aus Nachstehendem ersehen wird, beabsichtigten die Polizeischuste bei dieser Gelegenheit ihrem Treiben die Krone auszuletzen. Es war Donnerstag den 16. dieses, als sich die Genossen in Stötteritz im Gasthof zum deutschen Haus einfanden, um das letzte Glas mit ihrem Bruder zu trinken. Es hatten sich wohl an 2999 Mann eingefunden, und Hunderte mußten umkehren, weil kein Platz frei geblieben war. Mann an Mann gedrängt standen die Genossen, Niemand konnte durchkommen. Aber sie sollten nicht lange allein bleiben. Ein halb neun Uhr rückte der ersteZug Schutzleute. 4V Mann» unter Führung des Hauptmanns v. Roßbach-Leibnitz heran und nahm direkt vor dem Lokal Aufstellung, während die ganze Bezirks-Gensdarmerie, etwa 29 Mann stark, auf und ab patrouillirte und öfters den Versuch machte, in den Saal zu kommen(natürlich aber umsonst). Doch das war noch nicht Alles, jeder Ein- oder Ausgang zum Dorf war mit starken Schutzmannsposten besetzt und außerdem— man höre und staune!— manövrirten zwei Kompagnien Soldaten» mit scharfen Patronen versehen, in der Nähe. Hiesige Blätter schreiben, daß 250 Schntzlente in Uniform(ohne das Heer von Spitzeln) aufgeboten waren, den Staat zu retten— abgeblitzt, denn zu retten gab es diesmal nichts. Die Genossen verhielten sich ebenso ruhig wie selbst- bewußt, und so mußte das ganze bewaffnete Banditenheer, von denen man es den Meisten anmerkte, daß sie förmlich nach Blut lechzten, un- verrichteter Sache wieder abziehen. Wie erwünscht ihnen ein Blutbad gewesen wäre, zeigte recht deutlich der Ausspruch eines dieser Ordnungs- Helden, den ich Gelegenheit hatte, mit anzuhören. Zwei Gäste in der Gaststube hatten einen kleinen Wortwechsel, schon rasselten die Säbel, als ein dortiger Spießbürger in seiner Unschuld zum Wachtmeister beruht- gend sagt:„Haben Sie nur keine Angst, ich glaub« nicht, daß hier irgend etwas passirt."—„W a s," brüllte dieser,„Angst?! Euch Kerlen wollen wir's schonanstreichen!" Nun, zu streichen gab es leider nichts, und Säbel und Revolver mußten in Scheide und Tasche bleiben Die Genossen aber haben gezeigt, daß sie sich trotz aller Gewaltthaten und Schuftereien weder einschüchtern noch provoziren lassen, sondern den Poli»?!manöoern gegenüber ihre Vorkehrungen treffen, und das ist recht so. Im großen Ganzen entwickeln die Polizeischufte hier eine Thätigkeit, als gelte es eine Verbrecherbande auszuspüren. Sind doch außer den hiesigen noch 2SSpitzel vonBerlin hierher dirigirt, wovon 3 in Plagwitz stationirt sind. Der eine dieser Jammerburschen gab sich für einen schweizerischen Genossen aus, fand aber keinen Glauben, denn der Jhring-Mahlow blickte zu deutlich durch. Auch der hiesige Wachtmeister Brüstet gibt sich alle erdenkliche Mühe, den Sozialdemokraten auf den Pelz zu kommen, steckt er sich doch sogar hinter alte Waschweiber(Gleich und Gleich gesellt sich gern), aber auch diese werden ihm nicht helfen können, denn die Genossen werden den Burschen scharf im Auge behalten. Genug für heute; mögen die Genossen aus dem Mitgetheilten die Lehre ziehen und sich durch keinerlei Provokationen hinreißen lassen. Es geht ja schnell vorwärts, und wenn unser Tag hereinbricht, werden wir alle diese Lumpenstreiche in Abrechnung bringen, und die Hallunken sollen durchaus nicht zu kurz kommen, dessen können sie versichert sein. Die rothe Elsterwache. Ohlan. Wenn wir diesmal den Raum des Parteiorgans in Anspruch nehmen, so geschieht es, um das Ableben eines unserer besten Genossen zu konstatiren. Am 14. September starb hier der Cigarrenarbeiter K a r l Meißner im Alter von 26'/, Jahren an der Berufskrankheit. Wir verlieren an ihm einen Mann, der, so lange er konnte, unermüdlich für das Wohl der arbeitenden Klasse eingetreten ist, und wir sagen nicht zu viel, wenn wir ihn für die Seele unserer ganzen Bewegung hierorts be- zeichnen. Sein ehrlicher und uneigennütziger Charakter machte ihn bei Jedermann beliebt, nur nicht bei den Kapitalisten und der Poli>e> Man ging in diesen Kreilen so weit, zu erklären, Meißner habe sich seine Krankheit durch Saufen und Bummeln selbst zugezogen. Natürlich, wenn ein Arbeiter die Schwindsucht kriegt, so bat er sie vom Saufen, ein Reicher dagegen erhält sie vom Couponabschneiden. Wir, die wir den Verstorbenen kannten, betrauern ihn ausrichtig, und werden sein Andenken zu ehren wissen. Da wir wußten, daß sich die Polizei zur Beerdigung einfinden und uns zum Friedhofe begleiten werde, damit uns auf dem Wege kein Leid geschehe, so war beschlossen worden, keine rothen Ab- zeichen zu tragen, üb.rhaupt Alles zu vermeiden, was die Kampfeslust der Polizei anstacheln könnte. Ein einfacher Kranz mit weißer Schleife wurde dem Sarge vorangetragen, als„Ehrenwache waren zwei Polizisten und zwei Gensdarmen erschienen, die den Zug vorbeidefiliren ließen, und als wir aus dem Friedhofe anlangten, waren alle vier Hüter des Gesetzes auch schon anwesend. Da der Verstorbene aus der Landeskirche ausgeschieden war, so gab es kein Pfaffengewäsch. Als der Sarg hinab- gesenkt war, wozu eine Musikkapelle ein passendes Musikstück gespielt hatte, wollte Genosse Paul Fläschel aus Breslau dem Verstorbenen ein paar warmempfundene Worte nachrufen, er war jedoch kaum über die Anrede hinaus, als schon der Polizist Anders wie ein Tiger gesprun- gen kam und ihm j-des Sprechen verbot. Fläschel wußte sich fügen und warf noch einige Blumen in das Grab. Man sah aber, wie sich die Ent- rüstung über diesen Gewaltakt auf den Gesichtern aller Anwesenden ab- spiegelte, und die Polizei bekam Aeußerungen zu hören, die gerade nicht sehr schmeichelhaft waren. Hinterher meinte der Polizist Anders zu Fläschel, es thue ihm leid, daß er habe einschreiten müssen, aber er könne nicht dafür, er sei beauftragt, so zu handeln; das Begräbnitz sei recht schön und würdevoll gewesen u. s. w. Wir glauben es der Polizei, daß sie manches nicht gern macht, wozu sie kommandirt wird, wir kennen aber unsern Spürhund Anders besser, als er glaubt. Man bildet sich jetzt hierorts ein, nachdem Meißner todt ist, sei die Bewegung auch todt. Wir wollen die Leutchen auch dabei lassen und im Stillen tüchtig weiter agittren, um neue Anhänger zu ge- Winnen, die nächsten Wahlen sollen es beweisen. Nachträglich ist von Breslauer Genoffen ein schöner Lorbeerkranz mit rolher Schleife auf das Grab Meißners gelegt worden. D-r-H. Genf. Samstag den 9. Oktober fand im Deutschen Arbeiterverein Versammlung statt mit der Tagesordnung:„Ist die nationale Organi- sation der Arbeiterparteien noch genügend gegenüber den reaktionären internationalen Bestrebungen der Regierungen? Wenn nicht, in welcher Form kann eine internationale Verbindung der Arbeiterparteien geschassen werden?" In Anbetracht, daß mittlerweile diese Frage vom„Sozial- demokrat" in die öffentliche Diskussion gebracht worden, beschloß die Versammlung, das Ergebniß ihrer Erörterung im Parteiblatt zu ver- öffentlichen. In Bezug auf die erste Frage pflichteten alle Redner den AuSfüh- rungen des„Sozialdemokrat" bei. Dagegen war man auch allgemein der Ansicht, daß ein Modus gefunden werden müsse, welcher eine engere Verbindung aller Arbeiterparteien ermögliche. ES wurde in dieser Hin- ficht vorgeschlagen, daß der nächste internationale Arbeiterkongreß ein Kongreßkomite zu ernennen habe, welches beauftragt wird, den nächst- jährigen Kongreß zu organisiren. In diesem Kongreßkomite wäre der Zentralpunkt einer internationalen Verbindung geschaffen. Dort laufen alle Korrespondenzen ein und von dort wird b-richtet, was vorgeht. Die Vortheile einer internationalen Verbindung brauchen im„Eozialdemo- krat" nicht erst auseinandergesetzt zu werden, dagegen wollen wir die einer solch lockeren Verbindung-rwähnen. Es wurde hervorgehoben, daß bei dem Fehlen eines einheitlichen Programmes allen Arbeiter- Verbindungen die Hand geboten werde, und daß die Selbständigkeit der- selben vollkommen gewahrt bleibe. Ebenso ist eS möglich, durch Aufstellung der nächstliegenden wirthschaftlichen Fragen(Fabrikgesetze ,c.) all« Arbeiter zu interessiren. Wird aber das Interesse geweckt, so werden sie auch kommen, und sind erst diese Generaldiskuffionen erreicht, so haben wir gewonnen Spiel. Denn so gut wie die Selbsthilfler Sozia- listen wurden, so gut wie die T r a d e s U n i o n s sozialistischer werden, so gut werden auch andere zurückgebliebene Elemente von der Erkennt- niß des modernen Sozialismus mitgerissen werden. Eine solch- Verbindung, entgegnete ein Redner, die nur sozusagen auf den Kongreßarbeiten beruhe, sei eine gar zu lose. Darauf wurde erwidert, daß gerade in Folge ihre« ungezwungenen Charakters die Verbindung sympathisch begrüßt werden wird. Will ma n- j nachdem der Anfang gemacht, später in geschlossener Weise marschiren, ' so sei das dann leichter zu erzielen als von vornherein mit einer strengen Disziplin, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil dann durch die gemeinsamen Arbeiten die Leute einander näher gerückt sind. Die Resultate einer solchen Verbindung würden vor der Hand beschei» dene sein, aber durch die immer größere Annäherung der Arbeiter aller Länder dürfte sich eine Macht entwickeln, mit der man überall rechnen müßte. Schließlich empfahl man die Beschickung des von den englischen Ar» beitern projektirten internationalen Kongresses von Seiten der deutschen Sozialdemokratie, ebenso daß bei Gelegenheit der hun« dertjährigen Revolutionsfeier ein solcher in Paris statt« fände, um dort auf dem klassischen Boden das Verbrüderungsfest aller Arbeiter zu feiern. Briefkasten derRedaktion: Einsendungen ,c. sind eingetroffen auS B e r« lin, Blankenburg, Braunschweig, Fallersleben, Han- nover.— Fink in Paris: Nachdem der„Soc." die Notiz gegen H. zurückgenommen, hätte eine Erkl. in unserem Blatte gar keinen Sinn. Bitte, setzen Sie das dem Gen. H. auseinander.— Lemgo: Wir werden Ihrem Wunsche gerne entsprechen und Ges. hinzufügen.— Breslau: Ihre Korr. ist in unserem Besitz, aber da ein Theil der« selben(Beerdigung M.) bereits behandelt, haben wir sie zur gelegentl. Benutzung zurückgelegt. der Expedition: B. 299: Mk. S 29 Porto pr. 86 u. l. Qu' 37 erh. Da Domizil zweifelhaft, Sdg. ab 39 sistirt. Am 19/19. nach' geliefert.— Pstmstr. Oe.: Mk. 43 49 Conto F.»c. conform gebucht' D-Sgl. Mk. 3— pr. 4. Qu. E. St. Weiteres besorgt.— X 3 B.: Mk' 25— i Cto Ab. 4. Qu.»c. erh. Bfl. mehr.— M. Sch. Rg.: Mk. 4 39 Ab. 4. Qu. erh.- DZ: M-Hrbstllg. fort.- N. H. Sch. M.: Mk. 4 30 Ab. 4. Qu. C. S. erh.- X. S. H.: Mk. 3- Ab. Nov. De,. 86 und Janu. 87 erh.— I. vk. Asihl: Fr. 2— Ab. 4. Qu. erh.— I. I. Dg.: I Mk. 12— Ab. 4. Qu. erh. Sdg. fort.— Verein Vorwärts Buenos« Aires: Fr. 599— h Cto Ab. u. Schft. erh. am 12/19. Bstllg. besorgt. Bfl. Weiteres.- Allg. A.-V. Zug: Fr. 19 29 f. Schft. u. Nachlfrg. S.-D. pr. N. N. erb.— v. L. Esd.: Fr. 5 49 Ab. 4. Qu. erh.— Dr. H. Zch.: Fr. 4— Ab. 4. Qu. 86 u. I. Qu. 87 erh.— Rother Maul- wurf H.: Mk. 9— Ab. 4 Qu. erh. Weiteres geordnet.— Hainichen und Freiberg i/S.: Mk. 19— für die Opfer des Freiberger Justiz. mordes dkd. erh.— Luise: Mk. 6 75 Ab. 4. Qu. u. Schft. erh. Bfl: mehr.— R. K. Ngs.: Mk. 6— Ab. 4. Qu. K. u. N. erh.— H. S. I.: Mk. 39— ä Cto Ab. 3. Qu., Schft. rc. erh. Bstllg. folgt.— Hannibal: Mk. 59— i Cto. Ab. ic. erh. Bfl. mehr.— A. Sch. Stg.: Mk. 4 39 Ab. 4. Qu. erh.— I. W. Ottensen: Mk. 21 95 für die Opfer deS Freiberaes Prozesses dkd. erh.— Rothbart: Mk. 79— h Cto Ab. jc. erh. Bfl. mehr. Bstllg. fort.— Paris D. S. C.: Fr. 39— P.-Beitr. pr. 3. Qu. dkd. erh. Weitere» nach Wunsch vorgemerkt. Bstllg folgt mit 44.— Dtich. Verein Genf: Fr. 63— ä Cto Ab. ic. pr. F. erh.— Dtsch. Ver. Bern: Fr. 25 59 Ab. 3. Qu. erh.— K. R. Lhr.: Mk. 3— Ab. 4. Qu. erh.— H. K. Dpltz.: Fr. 3— Ab. 4. Qu. erh.— Faullen« z-r B.: Mk. 3— Ab. 4. Qu. L. erh. Warum nicht zu den Andern ge« wiesen? Mit Ende 86 hat dies zu erfolgen. Reklamation geeignete» Ortes bewirkt.— Knurrhahn: Bdr. waren bereits fort. Weiteres folgt also separat. Rekl. unterwrgs.— Brodwinsel: Adr., Bstllg.»c. notirt. Fr. G. ist gegenwärtig in London. Weiteres bfl.— Dante: Bstllg. für Ht. erh. u. besorgt.— Rebus: Reklamirtes ist unterwegs. Beilage abg. Bfl. am 26/19. mehr.- Rother Hahn: Adr. geordn.— A. R. Efd.: Mk. 4 49 Abt. Dst. f. d. Opfer d. Freiberger Prozesses dkd. verw. Qltg. 41 demnach geändert.— Ahlemann: Bf. v. 22/19. erh. Weiteres be« sorgt. Hoffen«, glückt es bald.— Exleutenant B.: Bf. v. 23/19 erh. u. besorgt.— Paris Frau Elsa: Alles am Ort der Bestimmung nieder», gelegt Weiteres durch E. Gruß!— W. St. L.: Mk. 4— f. div. S.-D. erh. Weiteres geeign. Orts milgetheilt.— B. M. Gth.: MI. 4 49 Ab. 4. Qu. erh.— E. Fbg. B.: Mk. 24— ä Cto erh. Bfl. mehr.— X.?). 1 Blu.: Mk. 29 29 erh. und hievon pr. Ab. 4. Qu. Mk. 4 49, Rest ä Cto Schft. verw. Ihre Ausstllg. nicht genau. Briefliches entsprechend noti« i fizirt.— Rothe Feder: Mk. 619 Schft. I. erh. Bfl. mehr.— Lausigk: Mk. 5— pr. Ufds. u. Mk. 5— pr. Dfd. dkd. erh.— Zu lebenslängl.! Heuchelei Verurtheilter: Mk. 29 95 f. Schft. erh. Sdg. unterwegs.— Morgenroth N.: Mk. 15— ä Cto Ab. erh. Bf. erw.— F. D. N.: Fr. 199— durch E. B. pr. Asds. dkd. erh. Anzeigen. Gesuch. Ein Genosse in England sucht Familienverhältnisse halber seine» jetzt 2 Monate alten Jungen aus ein oder mehrer« Jahr» zu einem Genossen nach Deutschland in Kost und Pflege zu geben, welcher eine ruhige Familie oder erwachsen» Tochter hat. Monatlich 15—29 Mark können für gute Pflege vergütet werden! etwaige ärztliche Behandlung extra. Offerten erbeten an die (3 59) 2 Expedition des„E.-D." Geschäftsbetheiligung. Einem(kaufmännisch erfahrenen) Genoffen, der über 3—4999 Mart verfügt, ist Gelegenheit geboten, sich an einem neuen, nachweise bar rentablen Unternehmen zu bethetligen. Zuschriften vermittelt Die Expedition d. Bl« [1 59] pr. 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