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Dezember 1886. Wnn wird unsere Lebendige» mufier» Zlnd Wenige Zfeinesgteiche» finden. Hupfer und treu in Kämpfen und ASthen, Dater, Druder und Kührer für Jede«, Jugendfrisch vis zum Hodesschacht, Kofinungsfroh hast Z>u das Werk vollbracht t (Inschriften auf dem im Namen der deutschen Sozialdemokraten auf Becker's Grab niedergelegten Kranz.) Wa« wird unsere Hodten rufen Dnd Dich allezeit unter den ZZefien nennen. Johann Uhilipp Wecker. Wiederum hat der Tod eine Lücke gerissen in den Reihen der Vorkämpfer für die proletarische Revolution. Johann Philipp Becker ist am 7. Dezember in Genf gestorben. Geboren 1809 zu Frankenthal in der bayrischen Pfalz, be- theiligte er sich, kaum den Kinderschuhen entwachsen, schon in den zwanziger Jahren an der politischen Bewegung seiner | Heimath. Als nach der Julirevolution, Anfangs der dreißiger Jahre, diese Bewegung einen republikanischen Charakter an- nahm, war Becker einer der thätigsten und entschiedensten Theilnehmer. Mehrmals verhaftet, vor die Geschwornen gestellt, freigesprochen, mußte er endlich vor der siegenden Reaktion flüchten. Er ging in die Schweiz, ließ sich in Biel nieder, erwarb das Schweizer-Bürgerrecht. Auch hier blieb er nicht unthätig; nach der einen Seite beschäftigten ihn die Angelegen- heiten der deutschen Arbeitervereine und die Revolutionsver- suche der deutschen, italienischen, überhaupt europäischen Flucht- linge; nach der andern der Kampf der schweizer Demokratie um die Herrschaft in den einzelnen Kantonen. Man weiß, wie dieser Kampf, namentlich Anfangs der vierziger Jahre, ver- mittelst einer Reihe von bewaffneten Einfällen in die aristo- kralischen und � klerikale» Kantone gefühlt wurde. In die Mehrzahl dieser„Putsche" war Becker mehr oder weniger verwickelt und wurde schließlich deswegen zu zehnjähriger Ver- bannung aus seinem Heimathskanton Bern verurtheilt. Diese kleinen Kriegszllge gipfelten endlich 1847 im Sonderbundskrieg; Becker, der der schweizerischen Armee als Offizier angehörte, trat an seinen Posten und führte während des Marsches auf Luzern die Vorhut der Division, der er zugetheilt war. Die Februarrevolution 1848 brach aus; ihr folgten die Versuche, Baden' durch Freischaarenzüge zu republikanisiren. MS Hecker seinen Zug machte, bildete Becker eine Flüchtlings- legion, konnte aber erst an der Grenze erscheinen, nachdem Hecker schon wieder zurückgeschlagen war. Diese, später großen- rheilS in Frankreich internirte Legion lieferte 1849 den Kern für einige der besten Truppentheile der Pfälzer und badischen Armee. Als im Frühjahr 1849 in Rom die Republik proklamirt wurde, wollte Becker aus dieser Legion ein HülfskorpS für Rom organisiren. Er ging nach Marseille, bildete die Kadres, und traf Anstalt, die Mannschaft zusammenzuziehen. Aber wie bekannt, schickte sich die französische Regierung an, die römische Republik zu erdrücken und den Papst zurückzuführen. Es ver- stand sich von selbst, daß sie die Ueberführung von HülfStrup- Pen für ihre römischen Gegner verhinderte. Becker, der schon ein Schiff gemiethet, wurde kategorisch bedeutet, man werde sein Schiff in den Grund bohren, sobald eS Miene mache, den Hafen zu verlassen.. Da brach die Revolution in Deutschland los. Becker eilte sofort nach Karlsruhe, die Legion folgte nach und nahm später unter Böning'S Führung am Kampf theil, während ein ande- res Stück der alten 1848er Legion, von Willich in Besanyon ausgebildet, dem Willich'schcn Freikorps als Kern diente. Becker wurde zum Chef der gesammten badischen Volkswehr, also aller Truppen außer der Linie, ernannt, und ging sogleich an die Organisation. Hier stieß er sofort auf den Widerstand der von der reaktionären Bourgeoisie beherrschten Regierung und ihres Führers Brentano. Seine Befehle wurden durchkreuzt, seine Forderung von Waffen und Ausrüstungsgegenständen unbeachtet gelassen oder direkt abgeschlagen. Der Versuch am 6 Juni die Regierung durch die revolutionäre bewaffnete Macht zu intimidiren, ein Versuch, an dem Becker sehr stark betheiliat war, endigte unentschieden; aber Becker und seine Truppen wurden nun schleunigst von Karlsruhe an den Neckar, gegen den Feind geschickt.. Hier hatte der Kampf schon nn Kleinen begonnen, und die Entscheidung nahte heran. Becker mit seinen Freischaaren und Bolköwehren besetzte den Odenwald. Ohne Geichntz und Reiterei, mußte er seine wenigen Truppen zur Besetzung des ausgedehnten und schwierigen Gebiets verzetteln und behielt nicht genug in der Hand, um angreifend vorgehen zu können Trotzdem be- freite er am 15 Juni durch em brillantes Gefecht seme im Schloß von Hirschhorn durch die Peuker'schen Reichstruppen umzingelten Hanauer Turner. Als Mieroslawski den Oberbefehl der Revolutionsarmee übernahm, erhielt Becker das Kommando über die 5. Division — lauter Volkswehr und lauter Infanterie— mit dem Auf- trag, dem Peuker'schen Korps, das ihm mindestens sechsmal überlegen war, Widerstand zu leisten. Aber gleich daraus kam der Rheinübergang der ersten preußischen Korps bei Germers- heim, der Zug MieroSlawski's ihm entgegen, die Niederlage von Waghäusel am 21. Juni. Becker hielt Heidelberg besetzt; von Norden drängte das zweite preußische Korps von Gröben, von Nordosten das Korps Peuker's, jedes über 20,000 Mann stark, im Südwesten standen Hirschfeld's Preußen, ebenfalls über 20,000 Mann. Und nun wälzten sich die Flüchtlinge von Waghäusel, d. h. die ganze große Masse der badischen Armee, Linie und Volks- wehr, nach Heidelberg, um durch's Gebirg auf einem enormen Umweg den ihnen in der Ebene verlegten Weg nach Karls- ruhe und Rastatt zu finden. Diesen Rückzug sollte Becker decken— mit seinen eben aus- gehobenen ungeübten Leuten und wie immer ohne Reiterei und Geschütz. Nachdem er den Flüchtlingen hinreichend Vorsprung gelassen, zog er am 22. Abends 8 Uhr von Heidelberg nach Neckargemünd, wo er ein paar Stunden rastete, kam am 23. nach Sinsheim, wo er angesichts des Feindes in Schlacht- ordnung wieder einige Stunden ruhen ließ, und denselben Abend nach Eppingen, und am 24. über Bretten nach Durlach, wo er Abends 8 Uhr ankam, um auf's Neue in den ungeordneten Rückzug der jetzt vereinigten pfälzisch-badischen Armee verwickelt zu werden. Hier erhielt Becker ouch noch den Befehl über die Trümmer der Pfälzer Truppen"und sollte nun nicht nur den Rückzug MieroSlawski's decken, sondern auch Dnrlach solange halten, bis Karlsruhe geräumt war. Wie immer ließ man ihn auch jetzt wieder ohne Artillerie, denn die ihm zugewiesene war bereits abmarschirt. Becker verschanzte Durlach, io gut es in der Eile ging, und wurde gleich am nächsten Morgen(25. Juni) von zwei preußischen Divisionen und von den Peuker'schen Reichstruppen von drei Seiten her angegriffen. Er wies nicht nur alle An- griffe ab, sondern ging wiederholt selbst zum Angriff über, trotzdem er das Geschützfeuer des Feindes nur durch Schützen- feuer erwidern konnte, und zog nach vierstündigem Kampfe, unbehelligt von den ausgesandten Umgehungskolonnen, erst dann in bester Ordnung ab, nachdem er die Nachricht erhglten, daß Karlsruhe geräumt und sein Austrag erfüllt sei. DieS ist wohl die glänzendste Episode im ganzen badisch- pfälzischen Feldzug. Mit Leuten, die der Mehrzahl nach kaum 14 Tage bis 3 Wochen eingestellt, die, ganz rohe Rekruten, von improvisirten Offizieren ui.o Unteroffizieren kaum noth- dürftig eingeübt waren und die von Disziplin kaum eine Spur besaßen, machte Becker als Nachhut der geschlagenen und halb aufgelösten Armeen in 48 Stunden einen Marsch von über 80 Kilometern oder 11 deutschen Meilen, der gleich mit einem Nachtmarsch begann, und brachte sie mitten durch den Feind nach Durlach in einer Verfassung, daß sie am nächsten Morgen den Preußen eines der wenigen Gefechte des FeldzugS liefern konnten, in denen der Gefechtszweck auf Seite der Revolntions- armee vollständig erreicht wurde. Es ist das eine Leistung, die alten Truppen Ehre machen würde und die bei so jungen Sol- baten im höchsten Grade selten, und ehrenvoll ist. _ An der Murg angekommen, kam Becker mit seiner Division östlich von Rastatt zu stehen und nahm ehrenvollen Antheil an den Kämpfen des 29. und 30. Juni. Das Resultat ist bekannt: der sechsfach zahlreichere Feind umging die Stellung durch württembergisches Gebiet und rollte sie dann vom rechten Flügel an auf. Der Feldzug war nun auch formell entschieden, und endigte nothgedrungen mit dem Uebertritt der revolutio- nären Armee auf schweizer Gebiet. Bis dahin war Becker vorzugsweise als einfacher demokra- tischer Republikaner aufgetreten; aber von nun an geht er einen bedeutenden Schritt weiter. Die nähere Bekanntschaft mit den deutschen„reinen Republikanern", und namentlich mit den süddeutschen, und seine Erfahrungen in der 1849er Revo- lution bewiesen ihm, daß die Sache in Zukunft anders angefaßt werden müsse. Die starken Sympathie» für das Proletariat, die Becker von Jugend an hegte, nahmen nun eine festere Gestalt' an; eS war ihm klar geworden, daß wenn die Bour- geoisie überall den Kern der reaktionären Parteien bildete, so nur das Proletariat den Kern einer wirklich revolutionären Macht bilden könne. Der Gefühlskommunist wurde bewußter Kommunist. Noch einmal versuchte er die Bildung einer Freischaar; eS war 1860, nach dem siegreichen Zug Garibaldi's nach Sizilien. Er ging von Genf nach Genua, um im Einverständniß mit Garibaldi die Vorbereitungen zu treffen. Aber die raschen Fortschritte Garibaldi's und die Einmischung der italienischen Armee, die die Früchte des Sieges für die Monarchie ein- heimsen sollte, brachten den Feldzug zum Abschluß. Jndeß erwartete man allgemein einen neuen Krieg mit Oesterreich im nächsten Jahr. Es ist bekannt, wie Rußland Louis Napoleon und Italien benutzen wollte, um die 1859 unvollendet geblie- bene russische Rache an Oesterreich zu vervollständigen. Die italienische Regierung schickte einen hohen Generalstabsoffizier zu Becker nach Genua und trug ihm den Oberstenrang in der italienischen Armee, glänzendes Gehalt und Diäten, und das Kommando über eine von ihm zu bildende Legion im erwar- teten Kriege an, falls er in Deutschland Propaganda für Jtalisn gegen Oesterreich machen wollte. Aber der Proletarier Becker schlug rund ab; mit Fürstendienst wollte er nichts zu thun haben. Das war sein letzter Versuch als Freischärler. Bald darauf wurde die Internationale Arbejter-Assoziation gegründet, und einer ihrer Gründer war Becker; er war gegenwärtig auf dem berühmten Meeting in St. Martins Hall, von dem die Jnter- nationale datirt. Er orgauisirte die deutschen und eingebornen Arbeiter der romanischen Schweiz, gründete als Organ dieser Gruppe den„Vorboten", war auf allen Kongressen der Jnter- nationale gegenwärtig und stand im Vordertreffen des Kampfes gegen die bakunistischen Anarchisten der Alliance de la Dämocratie socialiste und des schweizer Jura. Nach dem Zerfall der Internationale bot sich Becker wem- ger Gelegenheit, öffentlich hervorzutreten. Aber er blieb den- noch stets mitten in der Arbeiterbewegung und übte durch seine ausgedehnte Korrespondenz und die häufigen Besuche, die ihm in Genf wurden, fortwährend seinen Einfluß auf ihren Gang aus. 1882 sah er Marx auf einen Tag bei sich, und noch im September dieses Jahres unternahm der Siebenundsiebzrg, jährige eine Reise durch die Pfalz und Belgien nach Londmr und Paris, auf der ich die Freude hatte, ihn vierzehn Tage bei mir zu haben, und über alte und neue Zeiten mit ihm zu sprechen. Und kaum zwei Monate später meldet der Tele- graph seinen Tod! Becker war ein seltener Mann. Ein einziges Wort bezeichnet ihn ganz— das Wort: kerngesund; an Körper und an Geist war er kerngefmid bis zuletzt. Ein Hüne von Gestalt, von riesiger Körperkraft, dabei ein schöner Mann, hatte er seinen ungelehrten, aber keineswegs ungebildeten Geist, Dank glücklicher Anlage und gesunder Thätigkeit, ebenso harmonisch entwickelt wie seinen Körper. Er war einer von den wenigen Menschen, die nur ihrer eigenen instinktiven Natur zu folgen brauchen, um richtig zu gehen. Daher wurde es ihm auch so leicht, mit jeder Entwicklung der revolutionären Bewegung Schritt zu halten und im achtundsiebenzigsten Jahre noch ebenso frisch in der ersten Reche zu stehen wie im achtzehnten. Der Knabe, der 1814 schon mit den durchziehenden Kosaken gespielt und 1829 Sand, den Erdolcher Kotzebue's, hatte hinrichten sehen, entwickelte sich vom unbestimmten Oppositionsmann der zwanziger Jahre immer weiter und stand noch 1886 vollstän- dig aus der Höhe der Bewegung. Dabei war er kein finsterer Gesinnungslümmel wie die meisten„ernschten" Republikaner von 1848, sondern ein echter Sohn der heitern Pfalz, lebens- lustig, liebte Wein, Weib und Gesang trotz dem Besten. Er- wachsen auf dem Boden des Nibelungenliedes, um Worms, sah er noch auf seine alten Tage aus wie eine der Gestalten aus unserem alten Heldengedicht: heiter und spottvoll den Gegner anrufend zwischen den Schwerteshieben, Volkslieder dichtend, wenn eS nichts zu schlagen gab— so und nicht anders muß er ausgesehen haben, Volker der Fiedelerl Seine bedeutendste Befähigung war aber unbedingt seine militärische. In Baden hat er entschieden mehr geleistet als irgend ein Anderer. Während die übrigen Offiziere, in der Schule stehender Heere erzogen, hier einen wildfremden, für sie fast unlenkbaren Soldatenstoff vorfanden, hatte Becker seine ganze Organisationskunst, Taktik und Strategie in der hane- büchenen Schule der schweizer Miliz gelernt. Ein Volksheer war ihm nichts Fremdes, seine nothwendigen Mängel nichts Ungewohntes. Wo die Anderen verzagten oder sich erbosten, blieb Becker ruhig und fand einen Ausweg über den andern, wußte seine Leute richtig zu behandeln, belebte sie wieder mit einem Witzwort und behielt sie schließlich in der Hand. Um den Marsch von Heidelberg nach Durlach mit einer Division von fast lauter ungeübten Rekruten, die aber dennoch fähig blieben, sofort ein gut unterhaltenes Gefecht aufzunehmen, kann ihn mancher preußische General von 1870 beneiden. Und in demselben Gefecht brachte er die ihm zugetheilten Pfälzer, mit denen Niemand etwas machen gekonnt, in's Gefecht und sogar zum Angriff auf freiem Feld. In Becker haben wir den ein- zigen deutschen Revolutionsgeneral verloren, den wir hatten. Das war der Mann, der an den Freiheitskämpfen von drei Generationen ehrenvoll Theil genommen. Die Arbeiter aber werden sein Andenken treu bewahren als das eines ihrer Besten! London, 9. Dezember 1886. Friedrich Engels. Aphorismen aus Ioh. Phil. Becker's Glaubensbekenntniß. In dem,„Standpunkt" überschriebmen Vorwort zu seinen„Neuen Stunden der Andacht", die hiermit den Genossen bestens in Erinnerung gebracht seien, hat Ioh. Phil. Becker in 103 Thesen eine Art Glaubens« bckenntniß hinterlassen,«uS denen hervorgeht, daß er die Fragen der Zeit in emer Tiese erfaß.e, wie man fie bei einem„Mann der That" sonst nicht zu suchen pflegt. Wir glauben eS dem Andenken unseres alten Vorkämpfers schuldig zu sein, einig« dieser These» hier folgen zu lassen: » „Die Menschheit allein ist Herrin der Erdenwelt; sie verfügt nicht blos frei über Alles, was auf Erden geht unv steht und in ihrem Echooße ruht und tost, als Genußmittel, sondern sie versteht es und lernt es täglich besser verstehen, zur Vermehrung und Veredlung dieser Mittel die Kräfte der Natur an ihre Produktionsmaschine und ihren Fortschrittswagen zu spannen und, indem sie„Gott" und„Himmel" des mystischen Gewands entkleidet, setzt sie sich nach und nach als W i r k- ltchkeit an den Platz der Vorstellung von göttlicher Allmacht und Allwissenheit, Bllgegenwart und Bllgerechtigkeit— was Alles in dem Maße geschieht, als sie den„Gott", der aus Nichts erstanden und aus Nichts die Welt erschaffen, wissenschaftlich und kulturgeschichtlich in fem Nichts auflöst." » „Je mächtiger die Menschheit die Naturkräfte beherrschen und je wissenschaftlicher geordnet sich das Leben bewegen wird, desto mehr wird die Gewalt der Umstände, durch immer größeren Entzug ihrer Willkür- lichkeiten, beschränkt und dadurch umsoweniger das, was man Zufall nennt, in der Welt möglich werden." * „Idealismus und Realismus, Theorie und Praxis verhalten sich zu wirksamem und fruchtbarem Leben wie Leib und„Seele" zu einander, und in der ersten Wahrnehmung eines Dinges und der Erkennung der Beschaffenheft eines Wesens liegt auch der Geburtsmoment des ersten Gedankens und des Bedürfnisses zu Schlußfolgerungen und sachgemäßen Handlungen. Aber nur durch richtiges Erkennen de? Thatfächlichen werden richtige Schlußfolgerungen, und durch klares Erkennen der Ursachen klare Blicke in die Zukunft, zuverlässige VorauSsagung über die Wirkungen der Ursachen gewonnen und somft die Verwirklichung des hierauf gegründeten Idealismus ermöglicht." * „ES gibt keine absolute Vernunft, sondern nur eine ewig sich ent- wickelnde menschliche Vernünftigieft und daher auch eine unsterbliche menschliche Dummbeit, die beide sich wie Licht und F nsterniß, Erarbeitetes und Ererbtes, Bewegtes und Erstarrtes zu einander verhalten und immer von relativer Größe sind." « „DaS, was da ist, naturgemäß da ist, richtet sich nicht nach der Ver« «unst, der einzig in der Welt vorhandenen, menschlichen Vernunft, son» dern eben diese alleinige Vernunft richtet sich nach dem, was existirt, wie eS existirt und wie es wirkt, und gerade in dem ilarbewußten Erkennen der Dinqe und Wesen, wie sie sind und wirken u. s. w., und in dem erleuchteten Sichrichten nach denselben liegt die, immerhin nur relative, Lernunft— erworbene Vernünstigkeit— der logische Begriffserwerb von der realen Welt mit allem Werden, Dasein und beziehungs- weisen Verschwinde n." » „Solange Gott mit dem Voftsbewußtsein und Standpunkt der Wissen- schaft in Uebereinstimmung geblieben war, konnte er auch als eme Wahr- heit gelten, die aber allmälig in gleichem Maße zur Lüge und damit zur Quelle vielen Uebeli geworden, als er sich mit der Wissenschaft und dem ent- wickelteren Volksbewußtsein in Gegensatz gestellt, so daß er jetzt als ge- heiligt« Spitze der Dummheit und Unwissenhit und als absoluter Glau- bensaebieter, namentlich vermöge seiner stellvertretenden Priesterschaft, gleichsam des Teufels— seine Antithese— geworden ist." „Nicht die NivellirungS-, Egahsirungs- und Uniformirungstendenz, welche Unterdrückung beoingr, nur Einseitiges leisten und nur Bruchstückarbeit vollbringen kenn, sondern die harmonisch wechselwirkende Regsamkeit aller mar.nigsältigen Elemente, welche ein freies Walten zur Voraussetzung hat, vermag ein fruchtbares, allgemein bekr-edigendeS Werk— ein einheitliches Ganzes zu schaffen." � „Die Gle'chberechftgung alle» Menschen am Lebensgenuß schließt die Gleichberechtigung aller Men>chen an Freiheit in sich ein; aber ebenso mannigsali g das Bedürfniß nach dem Grade und Maße deS Lebens- Senusses, so mannigfaltig das Bedürsniß nach dem Grade der Freihert. lb-.: gerade die Mannigfaltigkeit und Verschiedenheit im Bedürfniß nach Lebensgenuß und Freiheit nur allein macht die Durchführung der Gleich- derech'-gung Aller am Lebensgenuß und an Freiheft gut möglich." * „Ohne die Manigfaltigkeit, Verschiedenheit und Ungleichheit von Allem, was war, ist und wird, und die wie Zeit und Raum unendlich sind, könnt« die Welt weder physisch noch moralisch bestehen und also auch nicht vorwärts gehen. Wollten alle Menschen, um nur von diesen zu reden, das Nämliche genießen, so müßten sie aus Mangel an hin- reichendem Erhaltungs- und Belebungsstoff elendiglich Hungers sterben. Könnte man aber auch annehmen, die Natur würde das Eine und Gleiche zur Ernährung aller Menschen in genügendem und befriedigen- dem Maße produzften, so wären sie eben keine Menschen mehr, sondern nur Wesen primitivster Stufe— sofern überhaupt Entstehung und Existenz von Organismen ohne die Zusammenwirkung und Nahrungs- bietung verschiedenartiger Stoffe uns Kräfte möglich wäre. Wollten, ferner abgesehen von Obigem, alle Menschen das Gleiche denken und machen, so würden sie alle zusammen, selbst wenn ihnen, was keines- wegs der Fall, das«ine und selbe hiezu benölhigte Material im lieber- fluße geboten wäre, nur ein einseitiges, an Umfang zu großes unv an Werth zu winziges Bruchstück vom Ganzen des Kutiurwerks zu Stande bringen.— Ohne unendliche Manigfaltigkeit, Verschiedenheit, Ungleich- heit, Abwechselung und Wechselwirkung der Stoffe und Kräfte kein Leben, kein Lebensreiz, kein Lebensgenuß und kein Lebenszweck!" * „Die bezeichnete Verschiedenheit und Ungleichheft ist also auch eine absolut« Roth wendigkeit, und wird sich bei genauerer Erkcnntniß der- selben und steigendem Entwicklungsgange das Wesen der Demokratie in seinen Normen, Formen und Maximen bedeutend inodifiziren und eS mehr und mehr als selbstverständlich betrachten, daß Ober- und Unterordnung unerläßlich und daß jedem Menschen-in, seinen Kräften und Fähigkeiten entsprechender Einfluß und Wirkungskreis eingeräumt werden muß— ohne jedoch dabei zu vergessen, daß die Gesammtheit gescheidter als der gescheidteste und geschickter als der geschickteste Mensch." * „Die absolute Verschiedenheit und Ungleichheit der Leiber bedingt die» selbe Verschiedenheit und Ungleichheit der Seelen, und somit ebenso im Denken und Fühlen, Thun und Lassen der Menschen. Könnte doch eine Staatsgesellschaft von Leuten der gleichen Begabung, und selbst wenn sie alle sammt und sonders geniale Staatsmänner wären, durchaus nicht bestehen. Und so kommt man denn durch diesen Umstand zur tiefsten moralischm und materiellen Begründung deS Prinzips der Toleranz, wonach jeder Mensch das Recht hat, Toleranz zu fordern, und die Pflicht hat, Toleranz zu üben. Bosheit, Schlechtigkeit und alle anderen gemein- schädlichen, Laster genannten Eigenschaften sind eben einsach Krankheiten, die jedoch nur durch bessere Erziehung und veredeltere Zustände, wenn auch nicht immer völlig gehellt, doch wesenllich unschädlich gemacht wer- den können." „Eine schlechte Ordnung ist immer noch besser als gar keine, und noch besser ist, das Staatsgebände wird von einem grundsätzlichen und auf- richtigen Absolutismus zu einem Zuchthaus, als durch einen grundsatz- losen, lügenhasten Konstitutionalismus zu einem Nattenhaus gemacht. Sklaven brechen die Ketten, Narren spielen damft l". * „Gegenüber der Theorie wird die Praxis stets reakttonär erscheinen, well der Gedanke der Entwicklung thatsächlicher Verhältniffe naturgemäß immer vorauseilt, wogegen die Praxis ihre Wirksamkeft an die zurück- gebliebene Wirklichkeit halten und sich nach derselben richten muß. Daher ist in allem Leben: die Weisheit ohne Klugheft eine Dummheit und die Klugheit ohne Wetsheft eine Gemeinheit." -- „Die Theorie hat sich weniger nach der Praxis, ihrem Kinde, als die Praxis nach der Theorie, ihrer Mutter, zu richten; ehe man den Ham- mer, die Feile, den Hobel zur Hand nimmt, muß man wissen, was man und wie man hämmern, seilen und hobeln will und soll. Liegt doch in Hammer, Feile und Hobel, wie in allen Werkzeugen und sonstigen In- dustrie- und Kunsterzeugnissen eine in die Wirklichkeft übergegangene Theorie— ein durch die That verkörperter Gedanke." * „Alle geistigen und sachlichen Errungenschaften, idealen und materiellen Werthe und Genußgüter sind das Ergebrnß der Gesammtbestrebungen und Leistungen der Menschen und Völker aller Orte und aller Zeiten, somft sammt allen Naturschätzen Aller und Jedes Gemeingut, und es folglich vernünftiger, gerechter und allgemein deglückender Weise keinerlei Privateigenthltm geben, sondern nur ein von der Gesammtheit sanktionirte» und legalisirtes Privat nutznießungsgut, beweglicher und unbeweglicher Art, Geltung erlangen kann." * „Der von der Bourgeoisie immerhin beeinflußte, durch ihr Klassen- Interesse möglich gewordene, sie zum Dank dafür stets demllihigende Militärstaat kann aber du, chaus nicht die kirchliche Autorität vernichten, sondern sie nur zur Befestigung seiner Stellung, als folgsame Dienst- magd brauchen wollen, während dagegen die sich ihrer Unentbehrlichkeit bewußte Kirche solchen Staats gelüsten nicht nur Trotz bietet, sondern, ihres„göttkichen" Ursprungs eingedenk, ganz logischer Weise die Ober- Hoheit auf Erden anstrebt und hiebei den profanen Staat als frommen Knecht zu verwenden bezweckt."(Zur Zeit des preußischen„Kultur- kampfs" geschrieben.) » „In einem gesunden, wohlbehaglichen und allbefriedigenden Staats- organismus— Gemeinkörper— muß, erfahrungsgemäßen Vernunft- gesetzen entsprechend, Selbstbewußtsein, Selbstthätigkeit seiner Organe an den rechten Platz gestellt sein. Kann ja doch auch in sonst keinem orga- Nischen Wesen, sei es Mensch oder Büffelochs, das Ganglion die Funkttonen des Hirns, die Lunge die des Magens, die Leber die der MUz, der Rückgrat die der Pulsader, die Haut die des Blutes, die Drüse die der Befruchtungswerkzeuge u. s. w. verrichten." * „Hätten alle derzeit aufgeklärten Menschen den Muth ibrer Ueber- zeugung, die Bollzugskraft ihrer Meinung, die Opferwilligkeit ihrer selbst- süchtigen Interessen, das Bewußtsein der Menschenwürde und das Scham- gesühl der Selbsterniedrigung, sy würde eine zeitgemäße Umgestaltung der Zustände gewiß viel leichter und schmerzloser zu bewerkstelligen sein." Zum Schluß noch zwei Stellen aus dem vortrefflichen offenen Brief, den Becker vor 4 Jahren, gelegentlich des fünfzigjährigen Gedenktages des Hambacher Festes, an unsere Genossen in der Psalz ge- richtet: „Als aber dort(bei Hambach) Nachmittags 4 Uhr die Revolution(die Becker damals, wie er schreibt, mit naiver Zuversicht erwartet hatte) immer noch nicht verkündet war und eben ein Redner lang und breit über die Zweckmäßigkeit der Petitionen und Protestationen sprach, riß mir der Geduldsaden und ich schwang mich auf ein hohes umgestülptes(freilich ausgetrunkenes) W infaß neben der Rednerbühne, den llustemilieu- Bpostel geradezu niederzuschreien. Unter rauschendem Applaus betonte ich vor Allem die Nothwendigkeit allgemeiner Volksbewassnung, unter Anderem sagend: „Hinter den Verordnungen der Regierungen stehen Kanonen und Ba- jonette, drum werden sie besolgt; hinter unfern Petitionen und Prote- stationen steht nichts, und darum bleiben sie auch in den Augen der Regierungen nur lächerliche Borstellungen. Wollten wir daher, daß un< sere Protestationen Erfolg haben, so müssen wir auch Kanonen und Bajonetts dahinter stellen. Also zur Volksbewaffnung!" Außer dem stürmischen Beifall meiner erhitzten Zuhörer hatte ich auch noch später durch das nüchterne Urtheil eines iönigl. bayerischen Unter- suchungsrichters Genugthuung geerntet, indem er sagte:„Sie allein haben in Hambach eine praktische Rede gehalten." Müßte ich unter bewandten Umständen in Deutschland nicht ganz ähnlich reden und würde dies nicht, ohne der Sache viel zu nützen, noch schlimmere Folgen als vor fünfzig Jahren für mich haben? Wohl weiß ich jetzt, daß die gemäßigte Haltung der meisten der damaligen Wort- führer viel Berechtigung hatte, denn sie wußten, daß das übrige Deutsch- land bei Weitem nicht so revolutionsbereit war, wie die Psalz. Nun, ich meinerseits habe eben der Stimmung der nothleidenden Volksklaffe Ausdruck verliehen. Ueberhaupt versteht sich das Volk nur aufGrund- s ä tz e und denselben entsprechendes Handeln, und nicht auf politisch- Bedenken und diplomatische Rücksichten. Auch ich begriff damals noch nicht, daß sich Revolutionen weder Herdekretiren, noch wegdisputiren lassen, sondern daß sie eben auSdemSchooß der geschichtlich wirkenden Thatsachen unaufhalt- sam herauswachsen und sich, wenn sie reis, gleichsam von selbst erfüllen. Auch ist zu bedenken, daß es in den dreißiger Jahren, wie 1348 und 4g, zunächst galt, die Herrschaft der Bourgeoisie zum Durch- bruch zu bringen, was jedoch bis heute noch nicht gelungen ist, da sie, namenftich in Deutschland, dem monarchisch n Staat, besonders in poli- tischer Beziehung, den Löwenantheil der Macht überlassen und dann sich für die von demselben allergnädigst erhaltenen Fußtritte unterthänigst bedanken muß. Es geschieht ihr recht!" Die Sozialdemokratie, so jung sie noch ist, nimmt schon eine impo- nirende Stellung ein, und seitdem sie mannbar geworden, machen ihr nach einander alle Herrschaften die Kur; der Fürsten- und der Geld- herrenstaat, die alleinseligmachende Kirche, arbeiterfreundliche Bourgeois- gruppen, alle möchten sie gerne heimführen und— in die Haushaltung schlachten. Sie wird sich aber weder durch Schmeicheleien sangen, noch durch Bedrohungen einschüchtern lassen, sondern grundsatztreu und ledig bleiben. Darum wird sie auch nichts mehr aus die, wenn auch noch so ernstlich und wohlgemeinten Reformen halten, weil, bis deren„gute" Wirkungen fühlbar werden, die kapitalistische Furie in- zwischen im Schooße der Gesellschaft wieder so große Verwüstungen an- gerichtet, daß der Reformsegen immer und immer zu spät kommt. Nur Radikalkuren können helfen! Nicht nur politische Freihett und Gleichheit vor„Gott" und dem Gesetz sind hinreichend, sondern auch die ökonomische Unab« hängigkett— die Gleichheft vor den Menschen— müssen wir haben. Wenn es in den 20sr und 40sr Jahren noch längerhin unter der Gemeinverbindlichkeit aller Stammverwandtschaften der Wiedergeburt Deutschlands galt, so gilt es heutzutage unter der Solidarität und Ver« brüderung aller Kulturvölker die Wiedergeburt der Menschheit— wobei die Sozialdemokratie Geburtshülfe leisten und, wenn eS Roth thut, auch den Kaiserschnitt nicht scheuen wird." So schrieb, so dachte und dementsprechend handelte Becker. Kein Himmelsstürmer und doch voll echter Leidenschast, ruhig und besonnen, aber doch vom wahren Feuer der Begeisterung durchglüht— mit einem Wort: ein Mann! Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 15. Dezember 1886. — AuS Berlin erhalten wir von gut unterrichteter Seite folgende Zuschrift: „In Ihrer letzten Nummer erwähnen Sie eine Kuppelgeschichte aus Berlin, betreffs deren Ihnen vielleicht einige nähere Einzelnheiten willkommen sind. Anläßlich einer Haussuchung bei einer hiesigen Dirne „feineren" Ranges wurde ein Brief von einer Frau Heuser in der Wilhelmstraße gefunden, in welchem dieselbe besagte Dirne aufforderte, Abends in dem Restaurant von Dressel— neben dem Poppen- berg'schen„feinstes" Restaur ant Unter denLinden, abernalür- lich ebenso wie Poppenberg, Hiller u. s. w. in den oadinots soparä, schmutziges Bordell— in einer„geschlossenen" Gesellschaft von„Kavalieren" gegen ein„Honorar" von öOOMark zu erscheinen. Der haussuchende Polizeilieutenant nahm diese Spur auf und es gelang ihm, in der Wohnung der Frau Heuser ein luxuriös ausgestattetes Hurenhaus zu entdecken, in welchem die noch üppige Wirthin und ihre jugendlich zarte Tochter das einträgliche Gewerbe der Courtt- sanen mit dem noch einträglicheren Gewerbe der Kupplerinnen ver- banden. Von der„Vornehmheit" der männlichen Besucher mag es einen Begriff geben, daß eine„G e s ch ä f t L k a s s e" von 30, Ovo Mark b a ar vorgefunden wurde. Glücklich über diesen Fang hoffte jener Beamte auf eine ehrende Anerkennung seitens d«S Ziegenbärtigen, aber er fiel aus allen seinen Himmeln, als er von dem Polizeipräsidenten v. Richthofen mit einem fürchterlichen Rüffel wegen seinem„Mangel an Takt"u. s. w. empfangen wurde. Denn die in die Unter- suchungshaft abgeführte Frau Heuser hatte sich inzwischen als auf ihre„vornehmste" Referenz und einen klassischen Zeugen ihrer Unschuld auf— den Staatssekretär des Auswärtigen Amte», Grafen Herbert Bismarck, berufen. Vor diesem Sesam, öffne dich! sprangen die Pforten des Moabiter Untersuchungsgefängnisses sperrangelweit auf, und so wenig ein Staatsanwalt wie ein Richter wird dem„kupplerischen Weibe" an den— in diesem Falle freilich nicht „dürren"— Leib gelangen. Die schmierige Geschichte geht hier von Mund zu Mund; die Frechheit ver Frau Heuser, welche im Ver- trauen auf ihre„hohe Gönnerschaft" in der That nicht gehen will, es sei denn, daß diese„hohe Gönnerschaft" sich— freikauft, hält den Skandal in vollem Athem. Erinnert sei noch daran, daß der U n- schuldSzeuge der Frau Heuser der nächst oder neben dem Reichs- kanzler höchst besoldete Beamte des Reichs ist; er bezieht jährlich St, vvv Mark, 18,000 Mark mehr als die sonstige« Staatssekretäre, anscheinend zur würdigen„Repräsentatton in den Sälen der Frau Heuser". Soweit der Einfender. Seine Mittheilungen klingen erbaulich genug. Daß die politische und wirthschaftliche Korruption in Deutschland unter Bismarck dem Vater zu einer Höhe— oder sollen wir sagen Tiefe?— entwickelt worden ist, wie sie bis dahin trotz mancher dunklen Punkte in der Geschichte des Staates der Gottesfurcht und frommen Sitte un- erhört war, ist bekannt; die Herren Söhne des großen Vaters scheinen es sich nun zur Aufgabe gemacht zu haben, ihr Möglichstes für die moralische Fäulniß im niederftächtigen Kaiserreich Sorge zu tragen. Fürwahr, eine nette Dynastie, diese Bismarck Puttkamer Sippe. Ehren-Putty läßt sich doppelten Ministergehalt zahlen und bringt seinen Jesko mit dem guten Geschmack als Kanzler in Kamerun unter, Bis- marck, der Alte und Reichdottrte, arrangirt einen Entrüstungssturm für den dritten Sekretär im auswärtigen Amt, auf daß Herbert ein fett« bezahltes Pöstchen erhalte. Und der deutsche Michel läßt sich von dieser Gesellschast und ihren Handlangern immer wieder hineinlegen, denn st« kennen seine Schwächen und wissen sie vortrefflich zu benutzen. Bald muß es das Kriegsgespenst, bald das rothe Gespenst thun, gegen welche sie natürlich einzig und allem die unfehlbaren Retter und Helfer sind. Freche Charlatane, die die Reklame aus dem ff verstehen, und sich im Stillen über die Dummen lustig machen, die auf den Leim ihrer groß- spurigen Redensarten gehen. Und so ein Putty wagt eS noch, den„Agitatoren der Fachvereine" vorzuwerfen, daß sie sich von den Arbeitergroschsn„mästen". Der„Fall Heuser" zeigt, wer sich von Arbeitergroschen„mästet" oder mit Arbeftergroschen gemästet wird. Dasür hat aber Tugenv- Putty keine Augen, zu derselben Zeit, wo er die Schließung des ArbeiterinnenvereinS gerichtlich sanktioniren läßt, weil derselbe unmoralisch genug war, durch Hebung der materiellen Lage der Arbeiterinnen der Prostitution ent- gegenzuwirken, rüffelt er einen Polizeilieutenant, wie er dazu käme, ein vornehmes Bordell zu behaussuchen als wäre es ein simpler Arbeiter- fach oerein. So ist die Moral dieser Tugendhelden beschaffen, sie ist ihrer Fähigkeit und Intelligenz würdig. Run, jede Zeitepoche hat diejenigen Heroen, die sie verdient. Und es ist vielleicht nicht zufällig, daß gerade heut sich dies« Schmarotzer- gesellschast so breft machen darf. Wäre das herrschende Bürgerthum innerlich gesund, es würde sie mit Entrüstung von sich stoßen, aber«S ist selbst innerlich angefault und daher der moralischen Kraft bar, die dazu gehörte, das zersetzende Element aus dem Gesellschaftskörper aus- zuscheiden. Und so frißt die Fäulniß immer mehr um sich und wird die heutige Gesellschaft mit jedem Tage widerstandsunfähiger, bis sie an ihrer eigenen Haltlosigkeit zu Grunde geht. Dazu nach Kräften beigeträgen zu haben, ist ja auch ein Verdienst,— da« Verdienst d«S GährungspilzeS, der die faulende Kartoffel in Sprit umsetzt. —„Die Briefe find auf der Post fo sicher als die Bibel auf dem Altar"— erklärte Exzellenz Stephan seinerzeit pathetisch im Reichstage. Wie sicher muh dann die Bibel auf der Post sein! Bekommt da vor Kurzem der fromme Geheimerath v. N. N. in X. ein größeres Postpacket in sehr defektem Zustand zugestellt, obschon es doppelten Umschlag solidester Sorte trug. Ungnädig befragt er den Postboten, wie denn so etwas bei der deutschen Reichs- post möglich sei, das Ding sei ja offenbar„aus Muthwillen zerfledert". Man öffnet in Gegenwart des Postbeamten und— findet vollzählig und friedlich beieinander einen Pack B i b e l ch e n zur Weltverbesserung. Der Postbote erhält nebst einem Rüffel daS oorpus äolioti(die zerfetzte Emballage nämlich)„geschenkt" und verläßt— ein stiller Mann— die fromme Stätte des geheimen Ehristenthums. Grollend über das erlittene Unrecht hegt er den Wunsch, den Rüffel wenigstens an seine richtige Adresse weiterzubestellen. Er nützt den ersten freien Augenblick, sich zu überzeugen, durch welche Finger denn das arg malträttrts„fromme Mänlelchen" gegangen sei. Umsonst— denn dieses Packet ist„außer der Postkarte"(— nicht registrirt—) am Bestimmungsort angelangt und— bei näherer Betrachtung trägt die zerfetzte Emballag e „an geeigneter Stelle" einen rothen Zettel mit derAufschrift „Verdächtig!" Das Räthsel ist gelöst. Er klagt einem ältern Kollegen sein Leidä„Ob das am A u s g a b e o r t geschehen ist?"—„Beileibe," amwortet der Aeltere,„solchen Fang hätte man sich dort nicht entgehen lassen— und väterlich tröstend flüstert er dann oem Jüngeren zu:„DaS ist der fahrende Postmarder, wie die Rothen sagen, der auch mitunter aus unserm Bureau seine Einkehr hält. Und, ein eintrSgliches Geschäft, Freundchen, wenn wir nur hätten, waisonst noch bei »er Arbeit an den Fingern ungesehen hängen bleibt!" Es knisterte hinter den Poststücken und eiligst steckte ich das Steno- «ramm dieses Zwiegesprächs in den nächstbesten bibelfesten Brief- beutel hinein an„die unverdächtige Adresse des„Sozialdemokrat". Was meinen Sie dazu, Exellenz Stephan? Wie schade, daß die Weltgeschichte um ein hohes geflügeltes Wort dadurch ärmer wird. Die B i b e l ist auf dem deutschm Postaltar nicht mehr sicher, natürlich aus purer„Dienstfrömmigteit!" Das rothe Mäuschen. — Wie Kaiser Wilhelm das Geschäft versteht. Unter der lleberschrift:„Zwei Berliner Bankiers" veröffentlichte die Nr loyale„Straßburger Post" neulich ein Feuilleton über Herrn„von v l e i ch r ö d e r" und den„Freiherrn" von C o h n— der Erstere bekannt- lich Bismarck's Leibjude(„das goldene B des eisernen B"), der Letztere der Hofbankier des„Heldengreises". Ueber Bleichröder, der neuerdings wieder viel von sich reden gemacht, ein andermal; heute intereffirt uns ein Passus über den„Freiherrn" von Cohn, den getreuen Verwalter des kaiserlichen Vermögens. Ueber ihn heißt eS: „Eine ganz andere Figur ist Seine Excellenz der Wirkliche Geheime Rath Freiherr v. Cohn. Die Beziehungen des Dessauer Bankiers Cohn zum Kaiser datiren aus dem Jahre 1848, als der Prinz von Preußen Berlin verließ und nach England ging. Damals mag Cohn sich irgendwie nützlich gemacht haben. Der Prinz von Preußen hat jedoch niemals Schulden gehabt. Er war in diesen Dingen stets außer- ordentlich gewiffenhast: bekannt ist, daß, als sein einfaches Palais Unter den Linden nach Schinkels Entwurf gebaut wurde, er die ge- plante reichere Ausstattung der Fagade strich,„weil er kein Geld dazu habe und es seinen Anschauungen zuwider sei, Schulden zu machen." Cohn besitzt das dankbare Vertrauen des Kaisers in hohem Grade, aber bei den Charaktereigenschaften des Monarchen war es auch für seinen Bankier leicht, die Finanzen Kaiser Wilhelms nicht nur in guter Ord- nung zu erhalten, sondern ungeachtet des großen Reprä'entationsauf- wandes, welchen der für seine Person außerordentlich bescheidene Kaiser als seine fürstliche Pflicht gegen sein Land erachtet, sogar zu blühenden zu machen. Des Kaisers Privatvermögen wird auf 40 Millionen ge- schätzt. Dem Kaiser persönlich gehört z. B. das Gebäude in London, in welchem sich die deutsche, früher preußische Botschaft befindet. Eines Tages, zu Anfang der sechsziger Jahre, beantragt- das Ministerium des Auswärtigen beim Landlage eine Erhöhung der Kosten bei der Londoner Botschaft. Als nach den Gründen gefragt wurde, erhielt der betreffende Abgeordnete zur Antwort:„Weil der Botschafter in der Mielhe gesteigert worden"(die allerdings noch immer billig genug ist)." Ob Letzteres richtig ist, sind wir im Augenblick nicht in der Lage zu untersuchen, jedenfalls ist und bleibt eS charakteristisch, daß der Hohenzoller in London die Miethe steigern und in Berlin den Landtag auffordern läßt, den höhern Betrag aus dem Steuersäckel deS Volkes zu bewilligen. Bei einem gewöhnlichen Menschenkind würde man das Mißbrauch nennen, den Verüber mit Schimpf und Schande aus Amt und Würden jagen. Beim alten Wilhelm ist's nichts als ein er- neuerter Beweis für sein« außerordentliche— Sparsamkeit, in der er seinen Unterthanen mit gutem Beispiel vorangeht. Von London und aus dem Jahre 1848 datirt also die Freundschaft des jüdischen Geldmannes mit dem christlich> germanischen Prinzen. Merkwürdig! 1848 war es auch, daß Wilhelm, damals noch Prinz von Jlreußen, den bei Nacht und Nebel aus Berlin fortgeschleppten pren tzi- chen Staatsschatz in London unterbrachte, der seitdem spurlos verschwunden ist. Sollte Herr von Cohn, Excellenz, vielleicht das Geheimnih des Verbleibs dieses Geldes zu bewahren haben? Das würde den„Wirklich Geheimen Rath" mehr wie rechtfertigen. Und nun, Ihr Herren Slöcker, Wagner und Cremer, und wie die Anti- semiten sonst noch heißen, habt Ihr das Wort. Jetzt zeigt einmal, daß Ihr ganze Kerle seid. Hier habt Ihr einen Juden und einen Juden- genossen, bei denen manches„nicht ganz richtig" ist— nur zugegriffen und nachgeforscht, damit an der„Verjudung Deutschlands" ein Exempel patuirt werd». — A«S dem Reichstage. Folgende zweiAnträge sind femer von der sozialdemokratischen Fraktion eingebracht worden: „l. Nach§ 121 der Gewerbeordnung nachstehenden§ 121a einzuschieben: Die Arbeitszeit für alle in gewerblichen Unternehmungen ve- schäftigten, über I« Jahre alten Arbeiter und Hilfspersonen darf, ausschließlich der Pausen, täglich höchstens zrhu Stunden, am Sonn- abend höchstens acht Stunden währen. Für verheirathete Frauen, beziehungsweise Wittwen, hat am Sonnabend der Schluß der Arbeitszeit bereits um zwölf Uhr Mittags einzutreten. Bei Arbeiten unter Tag(in Bergwerken, Salinen u. s. w.) oder in Betrieben, in denen ununterbrochen Tag- und Nachtarbeit stattfindet, darf die tägliche Ar- deitszeit acht Stunden nicht überschreiten. Kürzere Arbeitsschichien sind der freien Verabredung beider vertragschließenden Theile überlassen. Ferner soll§ ISS(Frauen- und Kinderarbeit) in der jetzigen Fassung wegfallen und an Stelle desselben folgender neuer§ 135 treten: Die gewerbsmäßige Beschäftigung von Kindern unter vierzehnJahren ist verboten. Jugendliche Arbeiter und Hilfsarbeiter im Alter von 14 bis 1« Jahren dürfen täglich nicht über acht Stund eu beschäftigt werden. Wöchnerinnen dürfen während drei Wochen nach ihrer Nieder- kunft nicht beschäftigt werden.« II. Der Reichstag wolle beschließen: Der Bundesrath wird aufgefor- dert, baldmöglichst eineu Gesetzentwurf einzubringen, nach welchem die Bestimmungen der Zivilprozeßordnung vom 30. Januar 1877 über die Zwangsvollstreckung derart abgeändert werden, daß namentlich: •») die in" den 5§ 715 und 749 aufgeführten Gegenstände bezw. Forderungen, welche derPfändung nicht unterworfen sein sollen, vermehrt und. soweit erforderlich, noch genauer spezialisirt werden, und b) das Z u r ü ck b e h al tung srecht der Vermiether und Verpächter an den sonst von derPfän- dung befreiten Gegenständen ausgehoben werde." An der Debatte über das famose Zirkular derHerrenvon Köller und Konsorten, in welchem die Offiziere zur Theilnahme an den konservativen Bestrebungen aufgefordert wurden, betheiligte sich sozialistischerseit« Kayser und erklärte, dem preußischen KriegSminister, der in dem Zirkular nichts Gesetzwidriges erblicken wollte, unter der »edinaung zuzustimmen, daß was dem Offizier recht, dem Unteroffizier und dem gemeinen Soldaten billig sei, was Herrn Bronsart v. Schellen. darf natürlich nicht einleuchten wollte. Wie bei der Handhabung der «ereinsaesede so steht'« auch in Bezug auf das Verbot der Theilnahme der Mitalieder der Armee an politischen Bestrebungen: die B e s ch r ä n> »ung gilt nur für solche Politik, die der Regierung nicht genehm ist. Da« ist zwar eine alte Geschichte, kann aber dem Polle Nicht ost genug zum Bewußtsein gebracht werden. Selbst die ele- mentarsten Grundsätze de« modernen Verfassungsstaates sind in Preußen- oirmusj-o n zur B-rathung der Militärvorlagen erklärte(nach dem„Berliner Volksblatt«) Hasen«leo er-«, 11. Dezember:„die aeaenwärtiae Vorlage nütze nichts zur Vertherdlgung des Vaterlandes, «enn Eefabr im Verzuge sei. Wenn aber eine direkte und unmittelbare «esabr sür das Vaterland überzeugend nachgewiesen würde, dann seien er und seine Freunde jederzeit bereit, diejenigen Gesetze und Mittel zu bewilligen, welche geeignet seien, dieser Gesahr wirksam entgegenzutreten." —«ravo l Mit Genugthuung konstatiren wir, daß sich die f r a n- »»sticken Sozialisten immer rückhaltloser gegen dieJdee der Revancke« aussprechen. Zwar waren sie zu keiner Zeit Anhänger derselben aber vielfach begnügten sie sich bisher damit, ,n das Geschrei der Dtto'ulede und Konsorten nicht mit einzustimmen. Wenn sich aber �t imm» mehr Stimmen finden, die Revanche-Jdee offen und unzwei- deutia.?�ettmvf-n. s- ist das ein recht erfreuliches Anzeichen dafür. daß diese P.oA bei der großen Masse des Volkes immer mehr An- vorige Woche, bei Gelegenheit der Ministerkrisis und im Hinblick aus die Thatsache, daß die Kandidatur des Radikalen F l o q u e t »um Ministerpräsidenten als eine Schädigung e.ner russ.sch.französischen Allianz bezeichnet worden war. Ed. Fourn.öre im„Cri du peuple": „Einerseits gibt man Hrn. Grevy respektwidrig zu verstehen, daß er das Land nicht ohne Ministerium lassen dürfe, und anderseits, wenn er sich an den einzigen Mann wendet, der den Math besitzt, die Trümmer des Kabinets zu sammeln, beraubt man ihn eines, an diplomatischen Em- pfangstagen Effekt machenden Figuranten. „Es ist wahr, der Bruch mit dem Zaren hätte die Abreise des(russi- schen Gesandten) Herrn v. Mohrenheim zur Folge. Dieser Bruch zerstörte auch das Projekt eines Schutz- und Trutzbündnisses mit Rußland und ließe uns für den nächsten Krieg ohne Bundesgenossen. „Um so besser! Wenn wir keinen Bundesgenossen haben, werden wir keinen Krieg führen. Das mag Herrn Deroulöve mißiallen, aber im Bunde mit Despoten führt man keine Kriege für die Humanität. „Um des Ruhmes einer fragwürdigen Revanche gegen Deutschland willen kämen wir dahin, die Absichten des Zaren gegen die heldenhaften Balkanvölker zu unterstützen; ja wir gingen bei dem Henker der sozia- listischen Republikaner Rußlands um die Besetzung unserer Regierung betteln!" Das ist gewiß sehr treffend bemerkt, und mehr geeignet, dem franzö- fischen Namen im Auslande Sympathien zu erwerben, als alle mit Hilfe des Zaren oder sonst eines Despoten erlangten diplomatischen Erfolge. Noch entschiedener drückt sich unser, von jeher in dieser Beziehung un< erschrockener Genosse Jules Guesde im„Cri du peuple" vom 14. Dezember aus. Er sagt dort, nachdem er die ablehnende Haltung der sozialdemokratischen ReichstagSfraktion gegenüber der Erhöhung des Militäretats hervorgehoben: „Auf dieses„kiou volumu,"(wir wollen nicht) des arbeitenden Deutschland, das sich weigert, in die Fußtapfen seiner franzosenfresseri- schen Malborough's zu treten, muß das arbeitende Frankreich dadurch antworten, daß es durch den Mund seiner sozialistischen Deputirten gegenüber den kriegerischen Projekten seiner ReoanchardS kategorisch erklärt: Wird nicht mitgemacht. „Aber eS bedarf noch mehr: Auf beiden Seiten der Grenzlinie muß sich aus der Mitte der arbeitenden Klassen selbst der gleiche Protest er- heben gegen einen brudermörderischen Kampf, dessen Kosten, ob Siezer ober Besiegte, die Proletarier hier wie dort gleichmäßig zu tragen hätten. Die produzirenden Klassen des Westens haben Besseres zu thun als sich sür den Ruhm oder sür die Ruhe ihrer verschiedenen Aussauger gegenseitig abzuthun: sie haben sich gemeinsam zu emanzipiren durch solidarisches Vorgehen gegen ihren gemeinsamen und einzigen Feind: den Kapitalismus und seine Sachwalter, ob Monarchisten oder Repu- blikaner. Für diesen Kampf um's Leben, um die Freiheit und daS Wohl der ganzen Menschheit müssen und wollen wir alle unsere Kräfte, unser ganzes Blut reserviren, und keinen einzigen Tropfen desselben sür aus- wältige Kriege, diese« Spiel der Fürsten— oder der Bourgeois— verspritzen. Das soll man oben wissen, weil, wenn man es wissen wird, wenn die Untern laut und entschieden genug gesprochen haben werden, um von Allen verstanden zu werden, feudales Kaiserreich wie Bourgeoisrevublik sich zweimal besinnen werden, ehe sie sich— und uns— in ein Unter- nehmen hinreißen, das mit der Revolution nicht erst enden, sondern ansangen wird." Diese muthigen Worte werden bei den deutschen Arbeitern sicher unge- theilten Beifall finden. x. Ein Pfaffe, wie er im Buch steht» ist der amerikanische Pfaffe B e e ch e r, der, nachdem er ein paar Monate lang England un> sicher gemacht hatte, Mitte November nach Amerika zurückkehrte und am „Dankjagungstag"(TWnlcgmngsckalr)— dem 25. November— eine ergötzliche Kapuzinade gegen Sozialisinus, Nihilismus und Anarchismus losließ. Herr Beecher ist ein recht guter Schauspieler; die Kanzel ersetzt ihm„die Bretter, welche die Welt bedeuten", und Alles, worauf es ihm ankommt, ist Beifall und— Geld. Denn Herr Beecher ist ein Geschäfts- mann, der sich sein Christenthum gut bezahlen läßt, und morgen Mar- mone würde, wenn es sich verlohnte. An den mormonischen Neigungen fehlt es ihm bekanntlich nicht. Daß Herr Beecher die Sozialisten in seinem christlichen Pfaffeneifer mit den Titeln: Wölfe, Vipern, Tiger, Klapperschlangen u. s. w. be- ehrte, die ausgerottet werden müßten, das erwähnen wir nur der Voll- ständigkeit halber, denn eS versteht sich bei einem so frommen Manne von selbst. Was uns zu dieser Notiz veranlaßt, ist eine Behauptung, welche der psäffische Schauspieler und der schauspielende Pfaffe im Lauf seiner Predigt aufstellte. Er erklärte nämlich, indem er sich dabei welsch- hahnartig in die Brust warf:„Der Sozialismus erstrebt ein väterliches Regiment(a patorna! govsrnmont); und ein väterliches Regiment führt mit Naturnothwendigkeit zum Despotismus, zur Monarchie, und folglich zur Vernichtung der Republik. Der Sozialismus will alle Macht in den Händen der Regierung konzentriren, er will alle Menschen be- Vormunden, während in einer Republik der Staat bloS die Verpflichtung hat, den Schwachen zu beschützen." Zunächst wollen wir dem Pfaffen Beecher nur bemerken, daß die„Be- schützung des Schwachen" gerade ein Grundgedanke des Sozia- li smus ist; und wir wollen den Pfaffen Beecher des Weitern daran erinnern, daß er selbst einstens für die Abschaffung der Negerskla- verei eingetreten ist, und daß sämmtliche Argumente, die sich gegen die Negersklaverei vorbringen ließen, sich auch gegen die L o h n s k l a- verei vorbringen lassen, deren Abschaffung der Sozialismus erstrebt. Und nun zur Hauptsache: zur Behauptung, der Sozialismus führe zum Despotismus. Gleich Allen, die diesen Einwand erheben— und nur, weil er von Vielen erhoben wird, gehen wir auf ihn ein— verwech- seit Herr Beecher die Begriffe Regierung und Verwaltung. Eine starke Regierung ist allerdings eine Gefahr für die Freiheit, und erstrebte der Sozialismus eine starke Regierung, so müßte er aller- dings vom demokratischen Standpunkte aus verurtheilt werden. Das fällt aber dem Sozialismus gar nicht ein, und kann ihm feiner ganzen Natur nach nicht einfallen. Im Gegentheil, er will und wird die Ge- sellschaft so demokratisiren, daß von einer Regierung als einer zu dem Volk im Gegensatz st e h e n d e n Organisation nicht mehr die Rede s e i n k a n n. und die Regierung einfach zur Verwaltung wird. Dies ist der Grund, warum, manche Sozialisten, welche sich einen Staat ohne Regierung nicht denken können, auf den Gedanken ver- fallen sind, daß für die sozialistisch organisirte Gesellschaft der Name „Staat" überhaupt nicht mehr passe. Eine bloße Verwaltung, demokrattsch gebildet, kann aber nimmermehr einen dem demokratischen Prinzip zuwiderlaufenden Einfluß ausüben. Und in der sozialistischen Gesellschaft werden wir außerdem weit weniger Verwaltung haben al« in der heutigen anarchistischen Gesell- s ch a f t. Wer daS auf den ersten Blick nicht einsehen kann, der braucht blos eine bestimmte Arbeitsbranche herauszugreifen, und er wird sich sofort von der Richtigkeit deS Gesagten überzeugen. Oder wird Jemand leugnen, daß eine— sagen wir Baumwollensabrik, die 5000 Arbeiter beschäftigt, mehr„Verwaltung" nöthig habe, als 10 Baumwollenfabriken mrt ze 500 Arbeitern zusammengenommen? Das Gegentheil »st der Fall, und die relative Zahl der zur Verwaltung gehörigen Per- sonen steht im umgekehrten Verhältnisse zu der Größe der indu- strrellen Anlagen. Je kleiner die Anlagen, desto größer relativ die Zahl der AerwaltungSbeamten. Herr Krupp mit seinen 10,000 Arbeitern hat vielleicht 20 mal so wenig Verwaltungsbeamte als 100 Eisenfabriken mit durchschnittlich je 100 Arbeitern zusammen haben würden. Und wenn die ganze Eisenindustrie unter Einer Verwaltung organistrt und konzentrrrt wäre, wie dies der Sozialismus erheischt, so würde die Ver- waltung eine entsprechend einfachere werden und eine entsprechend größere Ersparmß an Verwaltungskräften stattfinden. Statt alberne Reden zu halten und pfäffisch zu schimpfen, sollte Herr Beecher sich auf die Hosen setzen und die Anfangsgründe deS Sozialis- mus— nein, nur der Nationalökonomie studiren. Doch Herr Beecher ist ein Pfaffe, und er wird nichts lernen, well er nichts lernen will. <_— Beerdigung I. Ph. Beckers fand am Freitag den 10. Dez., Nachmittags 3 Uhr, statt. Trotz dem, namentlich für Arbeiter höchst ungünstigen Zeitpunkt, und trotzdem es bis kurz vor Ausbahrung der Leiche stark geregnet, war die Betheiligung an der Bestattung unseres Genossen eine zahlreiche. Mehr als sechshundert Personen, meist den Arbeitervereinen Genfs angehörig, folgten dem mit Kränzen und Blumen reich geschmückten und mit rothen Fahnen drapirten Sarge durch die Stadt, an deren Grenze sich die größere Mehrheit ablöste, während die engeren Freunde und Genossen des Verstorbenen den Weg nach dem über eine Stunde weit entlegenen Begräbnißplatz St. George fort« setzten. Am Grabe hob zunächst ein von Friedrich Engels, W. Lieb» knecht und Paul Singer von London aus mit deren Vertretung beauf« tragter Genosse im Namen der Sozialdemokratie Deutschlands die Ver« dienste Beckers um die Sache der Unterdrückten und Verfolgten hervor, und legte einen großen Lorbeerkranz mit den, Eingangs unseres Blattes veröffentlichten Widmungen auf sein Grab nieder. Ihm folgten Bürger Toggweiler im Namen der Grütlianer Genfs, Bürger Horitier im Namen der Genfer sozialistischen Jugend; Vertreter der russischen und der polnischen Sozialisten und Revolutionäre, des Arbeitervereins von Lausanne, des deutschen Arbeitervereins in Genf und zum Schluß Bürger C h a t e l a n als Vertreter der organistrten Arbeiterschaft Genfs. Der Landesausschuß der deutschen Sozialisten in der Schweiz, daS Aktionskomite des Schweizerischen Arbeitertages, sowie die vorgenannten Körperschaften hatten außerdem für reichen Kranzesschmuck gesorgt, desgleichen natürlich die Familienangehörigen Beckers, die, obwohl nicht sämmtlich mit seinen Ansichten einverstanden, sich doch in entgegen- kommenster Weise damit einverstanden erklärt hatten, daß er so beerdigt werde, wie er gelebt und gewirkt— als Sozialdemokrat und Revolu« tionär. Kein kirchliches Abzeichen, kein Pfaffe störten die Harmonie der Beerdigungsfeier, kein Gebet um fein Seelenheil wurde ihm in'S Grab nachgeschickt, wohl aber Gelübde, festzuhalten an der Sache für die er gewirkt, fortzukämpfen in seinem Sinne, die Saat, die er gesäet, zu hegen und zu pflegen, bis die Zeit der Ernte gekommen. — Einen intcrcffanten Beitrag zur Rechtsgleichheit in Deutschland— lesen wir in der Hamburger„Bürgerzeitung"— lie» fert folgender Zug. Bekanntlich ist den gefangenen Reichstagsmitgliedem in Zwickau und Chemnitz Selbstbeköstigung gestattet. Nun sollte man doch denken, Herr Frohme, der seine Strafe in Frankfurt„verbüßt", sei gerade kein schlimmerer Sünder als die Andern, wenigstens kein eifrigerer Freund des Züricher„Sozialdemokrat", könne deshalb auch nicht schlechter als die Andern behandelt werden(denn die Freundschaft für den„Züricher" ist ja gerade das Verbrechen, um dessenwillen die Abgeordneten Pein leiden müssen). Aber weit gefehlt I Solche Folge« rungen sind sür die Praxis im„Heiligen Reiche" ohne Bedeutung. Hier geht es wie in der Natur selbst,„aus der Wolke ohne Wahl zuckt der Strahl". Herrn Frohme ist— wie aus einem uns eingesandten Briefe der Frau Frohme vom 7. d. Mts. hervorgeht— bis dahin„Selbst- beköstigung nicht gestattet". Verstehst Du das, lieber Leser? Doch welch' thörichte Frage! Braucht denn irgend etwas für den„beschränkten Unter- thanenverstand" verständlich zu sein? Raul halten! Ordre pariren l Bumms!" r. Zwei historische Zugestiindniffe des Feldmarschalls Moltke für die Lehren der Sozialdemokratie. In der Reichstagssitzung vom 4. Dezember d. I. sagte Graf Moltke: „Ganz Europa starrt in Waffen; wir mögen uns nach recht? oder links umdrehen, so finden wir unsere Nachbarn in voller Rüstung, die selbst ein reiches Land nur schwer er« tragen kann— das drängt mit Naturnothwen« di gleit auf baldige Entscheidung hin!" Weiter: „Ein unglücklicher Krieg zerstört auch die beste Finanzwirihschaft, die Finanz(das Kapital) muß eben durch die Armee gesichert sein." Beides sind naturgemäße und naturnothwendige Erscheinungen im Entwicklungsgang unserer politisch-ökonomischen Verhältnisse und Zu« stände, welche von der Sozialdemokratie schon vor zwanzig Jahren vor» hergesagt sind. Siehe Karl Marx,„Kapital" Bd. I. S. 765, wo es heißt: „Wenn auf dem Kontinent von Europa der Einfluß der kapitalisti« schen Produktion, welche die Menschenrasse unterwühlt, durch Ueber» arbeit, Theilung der Arbeit, Unterjochung unter die Maschine, Verkrüp« pelung des unreifen und weiblichen Körpers, schlechtes Leben u. f. w. sich wie bisher Hand in Hand entwickelt mit der Konkurrenz in Größe der nationalen Soldateska, Staatsschulden, Steuern— eleganter Kriegs» führung u. f. w., möchte die vom Halbrussen und ganzen Moskowiter Herzen so ernst prophezeihte Verjüngung Europas durch die Knute und obligate Infusion von Kalmückenblut schließlich doch unvermeidlich werden." Qui yirra verra! — AuS England erhalten wir folgende Zuschrift: London, 4. Dezember. Die sozialistische Bewegung macht reißende Fortschritte in diesem Lande. Der wunderbare Erfolg unserer Demonstration im Trafalgar Square am 2l. November hat uns ein gutes Stück weiter gebracht. Eine solche Demonstration ist nie zuvor im Trafalgar Square abgehalten worden. Mehr als 100,000 Menschen waren versammelt. Der Platz war buchstäblich bepackt mit menschlichen Wesen, während unzählige Mengen noch die benachbarten Straßen füllten. Die Begeisterung war außerordentlich und die ruhige aber feste Art, mit der unser« Leute auf und von dem Platz marschirten, machte einen großen Eindruck auf die Zuschauer und zeigten die Macht und Disziplin unserer Organisation. Beim Beginn des Meeting« wurde eine Deputation nach der Wohnung des Lord Salisbury in Arlington Street abgesandt. Natürlich war der Tory-Ministerpräsident nicht zu Hause und die Deputation zog sich mit einem Protest gegen die Abwesenheit Lord Salisbury'« bei einer so wichtigen Angelegenheit zurück, nachdem sie eine Denkschrift hinterlassen hatte, welche die Vorschläge der Sozialdemokra« tischen Federation zur Abhülfe des gegenwärtigen Elendes enthielt. Zur Versammlung, welche unterdessen weiter tagte, zurückgekehrt, begab sich die Deputation zu den verschiedenen Rednertribünen und berichtete über die Vorgänge in Arlington Street. Die Ankündigung, daß Lord Salisbury vorgezogen hatte, einem„Diner" in Hatfield beizuwoh» nen, anstatt persönlich die Abgesandten der unbeschäftigten Arbeiter zu empfangen, wurde mit lauten Zurufen der Entrüstung von den Tau« senden von Anwesenden begleitet und eine Resolution in diesem Sinne angenommen. Die Polizeimacht zu Fuß und zu Pferde war in voller Stärke vertreten, aber da sie sich nicht einmischte, kamen keine Ruhe» fiörungen vor. Soldaten und Kanonen, welche zuerst beordert waren, sich in Bereitschaft zu halten, waren nicht ausgerückt. Es ist eine Thatsache, das Gelächter, welches sich erhob, als unser Brief an Sir Charles Warren von der Presse veröffentlicht wurde, in welchem w'r diese Maßregel lächerlich machten, und in welchem wir un« erboten, eine sozialdemokra« tische Wache zu stellen, im Falle die Kanonen zerspringen sollten, zwang die Behörden, ihre erste Absicht abzuleugnen. Die Antwort S a l i S b u r y's auf die Denkschrift, welche einige Tage nach Ueberreichung der letzteren erschien, war der Klaffe werch, deren Vertreter er ist. Nach seiner Meinung würde die Beschaffung nützlicher Arbeit, durch welche die verhungernden Beschäftigungslosen wenigstens zeitweise ihr Leben fristen könnten, die Reduzirung der Arbeitszeit auf acht Stunden in allen Regierungswerkstätten, die Inangriffnahme von unkultivirtem Lande, die Errichtung von Arbeiterwohnungen aus leeren Baustellen u. f. w. nur noch das herrschende Elend vergrößern!! Wir sind jetzt im Begriff, ein Manifest abzufassen, welches diese ungeheuerliche Behauptung des Ministerpräsidenten zurückweist. Die Mitglieder der Londoner Zweigveretne der Sozial- demokratischen Federation(wir haben deren jetzt 20 in voller Thätigkeit) haben es unternommen, in den ärmeren Vierteln Haus für Haus zu besuchen, um statistisches Material der Beschäftigten und Un- beschäftigten zu sammeln. Bewaffnet mit den zuverlässigen Jnforma- tionen, welche wir dadurch gewinnen, werden wir auf's Neue unsere Agitation sür die Beschäftigungslosen beginnen. Auch in der Provinz machen wir stetige Fortschritte. Einer unserer besten Redner, T. M ann S, der Verfasser einer Broschüre„über den achtstündigen ArbeitSta g", wurde nach Birmingham und Um- gegend geschickt. Es gelang ihm, einen starken Zweigverein der Sozial- demokratischen Federation in diesem wichtigen Zentralpunkte zu gründen und hat er höchst enthusiastische Meetings dort abgehalten. Ebenso veran- staltete er Versammlungen m Wolverhampton, Willenhall und anderen Stäoten in der Nachbarschaft. Ueberall wurde er mit großer Wärme empfangen. Von Glasgow aus, dem großen industriellen Mittelpunkte Schottlands, haben unsere Genossen Vereine in Ed in« burgb, Coatbridge, Greenock und P a i t l e y gegründet. In Northampton entfalten die Genossen eine große Energie bei der Agitalton sür die Arbeitslosen. Sie haben dem Magistrat, dem Bürgermeister, den Stadträthen, den Kirchenvorstiinden ihre Aufwartung gemacht, lim das Recht der Opfer unserer heutigen kapitalistischen Ge- sellschast, durch nützliche Arbeit zu leben, zu erzwingen. Während die Entscheidung der Lokalbehörde noch aussteht, veranstalteten die Genossen eine Sammlung zumBesten derUnbeschäftigten. Einige von denen, welche daran Theil nahmen, wurden ungesetzlich und will- kürlich verhaftet„als— Landstreicher"(!!!), und zwar aus Befehl des Polizeipräsidiums. Es wurde Befehl gegeben, alle die- jenigen, welche für die Arbeitslosen kollektirten, sofort zu verhaften und wie Landstreicher zu behan- dein. Aber nichts geschieht gegen die, welche täglich Haus für Haus absuchen und die Mildlhätigkeit anrufen für Wohlthätigkeitsanstalten der Mittelklasse. Der Grund hiefür ist klar. Die herrschende Klasse fürchtet weniger den Eindruck, den wir als Mildthätige machen, sie'ürchtkt uns vielmehr ali die Vertheidiger und Ausbreiter der sozialdemokratischen Lehren und Grundsätze. Schwere Zeiten stehen Irland bevor. Die Torv-Regierung, getreu ihrer aristokratischen Ueberlieserung, gedenkt die Forderungen der Land- junker mit Gewalt durchzuführen. Versammlungen werden verboten, Verhaftungen werden vorgenommen, kurz, die Gewalt herrscht! Der Generalrath der Sozialdemokratischen Federation hat eine Reso- lvtion gesaßt, in welcher dieselbe den Jrländern ihre Sympathie ausspricht und sich verpflichtet, sie mit aller Kraft in ihrem Kampfe gegen ihre Unterdrückung durch das Tory-Ministerium und ihre AuSsaugung durch die Landjunker zu unterstützen. H. W. Lee, Sekretär der Sozialdemokratischen Federation. SoziaNstische �Presse«nd Literatur. Dr. Viktor Adler, die Arbeiterkammern und die Arbeiter. Der aus dem Gebiete der Fabrikgesetzgebung durch be- sondere Sachkenntniß ausgezeichnete Verfasser unterzieht in der vor- liegenden Broschüre den von der liberalen Partei des österreichischen ReichsratheS eingebrachten Antrag auf Errichtung von Arbeiterkammern vom sozialistischen Standpunkt aus einer scharfen Kritik, an deren Schluß er zu folgendem Resultat gelangt: „Wir glauben in dem Gesagten auch die Frage erledigt zu haben, die man heute häufig hören kann: Werden die Arbeiter die Arbeiter- kammern annehmen oder nicht? Sie werden sie ausnützen— nicht annehmen, am wenigsten mit Dank. Sie werden sie ausnützen, wie sie jede Spur von Rechten ausnützen, die irgendeine, wenn auch die geringste Wahrscheinlichkeit darbietet, der Klassenbewegung zu nützen. Welche Taktik aber die Arbeiter dem fertigen Gesetze gegenüber seinerzeit einschlagen werden, darüber sich schon heute zu äußern, haben sie keinerlei Grund. Der Feldherr wäre nicht klug, der dem Gegner den Plan seiner Schlachtordnung zur freundlichen Einsichtnahme vorher übermitteln würde. Nun kommen wir auf die eingangs zitirten Worte von Engels zurück. Die Arbeiter können nichts Anderes thun, als die Liberalen in Be- ziehung auf Liberalismus und ihren Freisinn beim Worte nehmen. Ob die Heiren auch Wort halten? Das hat sich erwiesen, als sie gleich müthig zusahen, wie den Arbeitern in der Praxis Stück für Stück jede Gelegenheit zur öffentlichen Diskussion genommen und schließlich der durch die Ausnahmeverordnungen geschaffene Zustand möglich wurde. Der besprochene Gesetzesentwurf zeigt wieder, was für eine Art von liberaler Partei wir in Oesterreich haben. Die Arbeiter in Oesterreich wissen, daß sie nicht nur in dem eigentlichen Klassenkampfe, sondern auch in dem Kampfe um die politische Freiheit ganz allein auf sich selbst angewiesen sind. Ebensowenig, wie die feudal-klerikalen Parteien das Proletariat in semem ökonomischen Kampfe ernstlich unterstützen, ebensowenig ernst ist eS dem österreichischen Liberalismus mit den Prinzipien der politischen Freiheit. Was die österreichischen Arbeiter je erreichen werden, werden sie ausschließlich sich selbst, ihrem eigenen Klassenbewußtsein, ihrer eigenen Energie, ihrer eigenen Fähigkeit zur Organisation verdanken müssen." %* Aus Wien erhalten wir die Probenummer der„Gleichheit, sozial- demokratisches Wochenblatt", herausgegeben von Dr. B i k t o r Adler unter der verantwortlichen Redaktion von L. A. B r e t- s ch n e i d e r.„Die offene Absicht und der einzige Zweck" dieses in- haltlich reich ausgestatteten Blattes— dasselbe erscheint achtseitig mit Bei- läge— ist, wie es in der RedaktwnSeiklärung heißt,„der Ardeiter- schaft ohne Rücksicht auf Fraktionsunterschiede eine nun in Wien schon lange und schwer entbehrte Waffe im Kampfe für ihr gutes Recht und die von ihr erkannte Wahrheit zuzuführen." Dazu kann man dem Unternehmen um so eher Glück wünschen, als die Person d«S Herausgebers für die Jnnehaltung dieser Richtschnur die beste Bürgschaft leistet. Wir begrüßen den neuen Kampfgenossen auf's Wärmste. Korrespondenzen. von der Weser, Anfangs Dezember. Endlich wird es auch für unS Zeit, ein Lebenszeichen zu geben. Wir beginnen zunächst mit dem, was eigentlich bereits der Vergessenheit angehört. Es war am 27. November 188S, als wir, wie«in Blitzstrahl aus heiterem Himmel, die Segnungen des§ IS des Schandges-tzes praktisch kennen lernen sollten. Der Cigarrenarbeiter W e n tz e l und Lederhändler E. Anders wurden plötzlich verhastet, unter Anschuldigung, den in Zürich erscheinenden„Sozialdemokrat" über ganz Deutschland verbreitet zu haben. Ein beim hiesigen Postamte amtirender Langfinger lieferte der Polizei eine ziemliche Anzahl Doppelbriefe auS, welche bereits mit Adressen ver- sehen waren, und die Behörde glaubte, an W e n y e l den Absender ent- deckt zu haben. Da Wentzel nun bei Anders wohnt, hielt die Polizei den Letzteren für den Mitwisser und Begünstiger und ordnete dessen Verhaftung mit an. Da Wentzel nun im Vorverhör als wie auch beim Untersuchungsrichter sich als Hersteller der Briesadressen bekannte, und die Wltwiffenschaft deS Ander» entschieden in Abrede stellte, so wurden beide Angeklagte innerhalb 4 Tagen auS der Untersuchungshaft entlassen. Gegen Anders wurde das Verfahren eingestellt und Wentzel hatte sich am IS. Januar 1888 vor dem Schöffengericht zu verantworten. Die Verhandlung an sich war schon deshalb interessant zu nennen, «eil keine Zeugen geladen waren, und man vor Beginn dieser Verhand- lung die überaus starke Zuhörerschaft„behufs Lüftung der Räume" von der Theilnahme ausgeschlossen hatte. Rur Wenigen war eS vergönnt, der Verhandlung beizuwohnen. Nachdem der Richter, auf die von der Staatsanwaltschaft eingebrachte Anklage, den Angeklagten befragt, ob er Sozialdemokrat sei, und wie er zur Anklage stehe, erklärte Wentzel offen, daß er Sozialdemokrat sei, stellte aber entschieden in Abrede, zu den„Führern" der Partei zu ge- hören. Kr blieb auch im Uebrigen trotz aller Querfragen und An- zapfungen, um den Austraggeber herauszubekommen, auf dem ablehnenden Standpunkt seiner Aussage flehen. Der Staatsanwalt beantragte für 5 Fälle erwiesener Vergehen gegen§ 19 des S.-G. eine Gesammtstrafe von 8 Wochen und Tragung sämmtlicher Kosten. Der Einwand des Angeklagten, daß er ja keine selbständigen Handlungen betreffs Verbreitung u. s. w. begangen habe, sondern nur als Beaujttagter verfuhr, als er, ohne zu wissen, was die Packete enthielten, die Adressen schrieb, demgemäß auch nicht strafbar sein könne, veranlaßt« den Staatsanwalt, seinen Antrag zurück- zuziehen, aber den Angeklagte» der Beihülfe für erwiesen zu erachten. Er beantragte 14 Tage Gesängniß und Tragung sämmtlicher Kosten, was auch die Richter bestätigten. Seitdem bis zum 29. August d. I. waren wir unbehelligt geblieben. An diesem Tage fand ein allgemeines Gewerkschastsfest statt, zu welchem sich die heUige Hermandad auch eingefunden hatte, um zwei Mann (Knöpfel und Baust) zu verhaften. Weil dieselben aber da nicht auf- zusinden waren, mußte sie sich in die Stadt auf die Suche begeben und verhaftete sodann im weiteren auch die Schuhmacher Möder und Lah- mann. Alle 4 sind angeschuldigt, den in Zürich erscheinenden„Sozial- demokrat" verbreitet zu haben, und zwar Möder und Baust am Platze, während Knöpfel nach auswärts versandt habe, waS durch aufgefangene Briefe, welche durch Knöpfels Hand adressirt sein sollen, erwiesen sei. Lahmann wurde als Packetempsänger belastet, weil bei ihm ein mit 678 Nummern deS„Sozialdemokrat" K. versehenes Packet, nachdem ihm dasselbe durch die Post ausgehändigt, gleich darauf von der Polizei be- schlagnahmt worden. Alle Angeklagten blieben bis zum Termin, der vor dem hiesigen Schöffengericht seine Erledigung fand, i n h a f t i r t. Zu diesem Termine war die Oeffentlichkeit ausgeschlossen worden. Der Staatsanwalt beantragte, das„Schuldig" über sämmtliche Angeklagten auszusprechen, indem er ganz besonders die Gemeingefährlich- keit der Verbreitung eines Blattes wie der„Sozialdemo» krat" hervorhob. Schon der bloß» Empfang eines PacketS, welches verbotene, zur Verbreitung bestimmte Schriften enthält, sei strafbar. Er- schwerend falle für Knöpfel ins Gewicht, daß derselbe in mehreren Fällen Blätter versandt habe. Die aufgefangenen und von Knöpfels Hand adressirten Packete erweisen dies, ebenso sei Knöpfel auch als Aufgeber deS bei Lahmann beschlagnahmten Packeis zu erklären. Ueberhaupt könne man nicht wissen, wie lange schon Knöpfel diese ver- botene Thätigkeit betrieben habe und sei dieserhalb aus ihn die ganze Schärfe des Gesetzes in Anwendung zu bringen. Der Vertheidiger Dr. Pralle hält die der Anklage zu Grunds ge- legten Motive nicht für erwiesen und erwiederte dem Staatsanwalt, daß man in der Beurtheilung dieses Falles sich nicht auf Annahmen stützen dürfe. Hier kommen nur in Betracht die zur Verhandlung stehenden Fälle. Knöpfel gebe zu, die von hier versandten Packete adressirt zu haben, aber ohne den Inhalt zu kennen. Es könne dies den Umständen nach ganz gut gewesen sein. So lange dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden kann, daß er auch die Packete abgesandt habe, sei aus Freisprechung zu erkennen. Das Urtheil lautete gegen Möder und Lahmann auf Frei« s p r e ch u n g, gegen Knöpfel und Baust aus 1 Monat Ge- fängniß, welcher durch die erltttene fünfwöchentliche Untersuchungs- Haft als verbüßt erachtet worden. Der zweite Punkt der Anklage, den Packetempfang betreffend, welcher sich auf Knöpfel und Lahmann bezieht, hatte dem Staatsanwalt Veranlassung gegeben, Revision zu beantragen, und sür beide Ange- klagte für diesen Fall 6 Wochen Gesängniß zu verlangen, der nach seiner Ansicht bei der Strafausmessung gar nicht in Betracht gezogen sei. Das Landgericht, dem dieser Fall zur Beurtheilung vorlag, konnte sich den Gründen, welche der Staatsanwalt vorbrachte, nicht anschließen, bestätigte vielmehr das Urtheil erster Instanz, womit Revision abge- lehnt war. In diesem Falle hat der Staatsanwalt die Erfahrung gemacht, daß es noch Richter gibt, welche ihren Stand und ihr Gewissen zu wahren, ein streng objektives, sachlich gehaltenes Urtheil ohne „höheren" Beigeschmack zu fällen den Muth haben. Neuerdings wurden abermals der Genosse Bruhns, der Wirth Höppner und fünf andere Personen angeklagt„wegen geheimer Verbindung, Vertrieb des„Sozialdemokrat" k." Die Verhandlung steht noch bevor. Ferner ist der Stuhlmacher G o tz k t inhaftirt und noch nicht wieder aus freiem Fuß. Grund zur Verhaftung ist ein an seine Adresse ge- sandtes Packet. Auch dieser Fall steht noch zur Bei Handlung aus, und ist die Polizei noch immer eifrig auf der Suche nach weiteren Ent- deckungen. Charakteristisch für die hiesigen Postverhältnisse bleiben die mit diesen Fällen offenkundig gewordenenThatsachen, daß die Post Leute unterhält oder duldet, welche auf der Suche nach Staatsgesähr- llchem ihr Langfingergewerbe an manchem biederen Fünfmarkschein ebenso wacker praktiziren dürsten wie ihren Polizeidienst. Dem korrespondirenden und die Post sonstwie benützenden Publikum, beson- ders dem„kleinen Manne", der„aus Ersparnißgründen" manches Märk- che» in Papiergeld oder Briefmarken in unversicherter Versandt« weise der Post anvertraut, dürste hiernach klar werden, wie eS mit dem Briefgeheimnißre. im deutschen Postdienste wirklich auS- steht. So werden jene Desraudanten und Spitzbubenbeamten in der praktischen Schule der Staatsrettung und Soziatistenhetze staatlich ausgebildet, welche zu Zeiten unsere Gerichtssäle zieren und frei« lich so verhäitnißmäßig selten ins Zuchthaus wandern. Das Institut der Po st polizei deckt sich mit demjenigen der Postdiebe. Eine glän- zende Ergänzung des moderne» RingeS der deutschen„Reichs-N>be- lungen". B-utelschneidende Junker, ausbeutende Bourgeois, meineidige Büttel und Pfaffen, langfingernde Postbeamte rc. Welch wunderbare Wirkung wonnevoll wabernder Weltweisheitl Die rothe Wacht an der Weser. Genf. Nachruf. Am 7. Dezember schied unser alter Veteran JohannPhilippBecker aus unserer Mitte, nachdem er 54 Jahre, von 1882 an sHambacherfest), unausgesetzt, bald mit dem Schwerte, bald mit der Feder oder organisatorisch wirkend für die Unterdrückten und Verfolgten gekämpft. Diese lange Lausbahn seines Lebens und Wirkens zu beschreiben, ist hier nicht möglich; es wird das an anderer Stelle geschehen, wo die großen Verdienste de» Hingeschiedenen entsprechend gewürdigt werden. UnS, den deutschen Sozialisten Genfs, ist in Becker gleichsam ein Vater durch den Tod entrissen. Er war uns Rathgeber und treuer Helfer in allen Nöthen, Niemand wäre jemals ohne Rath und Trost von ihm gegangen. Stets anfeuernd und aufmunternd, sprach er namentlich den jungen Kämpfern Begeisterung zu, noch im hohen Alter durch seine Ausdauer und die Siegeszuversicht anregend. Wir, die bis zuletzt mit unserm Papa Becker verkehrten, können mit Recht sagen, daß sein ganzes Sein den Unterdrückten uneigen- nütz ig gewidmet war. Nicht seiner Person» sondern der Menschheit galt all sein Wirken. Seine Beerdigung fand am Freitag den 10. Dezember unter leb- hafter Betheiligung von Seiten der Freunde und Anhänger der von ihm vertretenen Sache statt. Vertreter aller Nationen umstanden sein« Gruft und gelobten sich, den Kamps, den der Dahingeschiedene unent- wegt geführt, rastlos fortzusetzen, bis zum endlichen Siege, von dem der Verstorbene fest überzeugt war und den er als nahe bevorstehend bezeichnete. Die Nekrologe, die die hiesige Presse ihm weiht, enthalten insgesammt die Bemerkung, daß Becker in den letzten Jahren sehr zurückgezogen gelebt habe. Was die lokalen Verhältnisse anbetrifft, so ist das richtig, das Alter gebot ihm Konzentrirung seiner Kräfte; desto mehr arbeitete er aber bis zur letzten Stunde für die Bestrebungen der Arbeiterpartei aller Länder. Vater Becker war«in Kämpfer für die Unterdrückten aller Nationen, ein echter internationaler Streiter. Zeigen wir uns seiner würdig, durch Verbreitung von Belehrung und Aufklärung, durch Bethäligung unserer Solidarität mit allen Unterdrückten. Sollte uns je Muthlosigkeit anwandeln, so erheben wir uns an seinem Beispiele, und der Geist des Hingegangenen wird unS stärken im Kampfe gegen unsere Feinde, bis da», was er erstrebt, er- reicht ist: die soziale Revolution! Vater Becker, dein Andenken wird in uns nie erlöschen, sondern uns Kraft verleihen im herben Kampfe bis zum Siege. Für die deutschen Sozialisten Genfs: Der LokalauSschuß. Auf Wunsch notifiziren wir hiermit Mk. 50—, welche in Sprem- berg sür lokale UnterstützungSzwecke gesammelt und daselbst verausgabt sind. Von Leipzig'? sozialistischen Frauen sür die Streikenden von Viea:zon Mk. 100—.♦) (Dieser Beweis internationaler Solidarität hat. wie man uns a u S Paris schreibt, in den Kreisen der dortigen Sozialisten einen ganz außerordentlichen Eindruck gemacht. Die hochherzigen Geberinen dürsen des Danks der französischen Genossen gewiß sein) Im Pariser„Socialiste" vom 14. Dezember quiltirt. Warnung. Der Photograph Hermann Reinhardt von Nordstrantz (Schleswig-Holstein) beschwindelte verschiedene Genossen um beträchtliche Summen, unter dem Vorgeben, Parteigenosse:c. zu sein. Wir warnen deshalb allerwärts vor ihm. Lausanne, 12. Dezember 1886. Allgemeiner»rbetztarverein. Briestasten der Redaktion: Einsendungen»c. find eingetroffen auS Biels» f e l d, H a m b u r g, L o n d o n, W i« n.—». St. in B.: Kritik au« FreundeSmund ist uns immer erwünscht, sie regt zum Mindeste« zum Nachdenken an. Im Uebrigen Dank und Gruß! Eingesandte» in nächster Rummer. der Expedition: Bukarest: Fr. 12S25 Ab. 4. Qu. u. Schst- u. Fr. 23 43 P.-Beitr. ic. pr. Sept. Okt. Nov. dkd. erh. Bfl. Weitere». — E. M. Lgu.: Fr. 30— Ab.-Rest 1. Qu. 87 erh. u. 60 CtS. pr. Usd. dkd. verw.— R. H. Lyon: Fr. 2 50 Ab. 1. Qu. 87 erh. u. Fr. 2 50 pr. Wfds. als„wenig aber gerne" dkd. verwendet. Adr. geordn.— Fernando: Mk. 32 40 k Cto Ab. ic. erh. Bfl. Weitere».— Von einem alten Bekannten: Mk. 2— f. d. Opfer d. Freiberger Justizschurkerei dkd. erh. Desgl. Mk. 6— zum gleichen Zweck o. d. Rothen im Werra» thale.— Rother HanS: Mk. 140— ä Cto. Ab.»c. erh.— F. S. St. Jmier: Fr. 1 50 f. Schft. erh.— Achim: Mk. 25— f. d. Opfer de» Frbg. Justizmordes,.Puttkamer und seinen feigen Schergen zum Trotz, dkd. erh.-- r: Bstllg. folgt k 25 Pfg. pro Stück. Adr. geordnet.— Kgsr. Mch.: Mk. 18 80 Ab. pr. 87 u. Schft. erh. Mk. 8 40 d. Ufd. dkd. zugewiesen.— Rothsärber: Mk. 1 1— ä Cto Ab. 4. Qu. erh. Fehlen noch Mk. 2 20.— Frd. Päpk. Rio de Jan.: Fr. 70— Ab. ab 1. Okt. 86 bis 1. Okt. 87 erh. Alles am 9/10. abg. Erinnern uns wohl. GrujU — W. F. Lodi: Fr. 2 50 ab 1. De,. 86 bis 1/3 87. erh.— S. Zeugen» gebühr: Fr. 2— pr. Uid. dkd. erh.— C. G. Bchrd.: Fr. 3— Ab. 4. Qu. u. Schst. erh. Bstllg. fort— Roderich: Sog. v. 11/12 erh. und dkd. besorgt.— Claudius: Anfrage besorgt. Antwort kommt direkt von Ch.— Rother Apostel: Einverstanden. Ggr. gutgebr. Bstllg. folgt.— Rotherbusch: Adr. u. Bstllg. notirt. Weiteres beachtet.— A. Hz. St. Gll.: S. geht nach Borschrift.„W. I." folgt an neue Adr.— Schwäb. Gmünd: Mk. 27— v. d. P.-Gen. ges. f. d. Frbzr. Berurtheilten dkd. erh.— Wahrer Jakob: Mk. 3 60 Ab. 4. Qu. u. Mk. 5 10 Rest 3. Qu. u. k Cto erh. Bfl. Weiteres.— Dtsch. Ver. Horgen: Fr. 2 10 Ab. 4. Qu. erh. Nachlsrg. fort.— N-wyork:(25 Doll.) Fr. 126 60 v. Wenig- man's Cig..Shop durch Berggren pr. Wsd. ic. dkd. erh.— I. K. Z. W.: Mk.—80 f. Schft. erh. Sdg. abg.— Wiesbaden: Mk. 3 20 o. der rothen Geburtstagsfeier f. d. Opfer d. Frbgr. Justizmordes dkd. erh.— Plattkops: Mk. 16 80 k Cto Ab. u. Schft. erh. Bfl. Gewünschtes.— Fvy: Mk. 5 50 Ab. 1. Qu. 87 u. Schft. erh. Weiteres nach Wunsch. — Bürger Sanftmuth: Mk. 50—& Cto Ab ic. erh. Bstllg. folgt. Re- klamirtes steckt in Zwischenhand. Abermals recherchirt.— Felix l: Mk. 8 80 Ab. I. u. 2. Qu. erh. Mk. 42 40 pr. Fx. II k Cto. gutgebr.— Beelzebub: Mk. 4 40 Ab. 1. Qu. 37 erh. Ers.d. Reklamirten am 14/12. abgesot.„Unregelmäßigkeiten" siehe Postmarder oder in nächster Nahe. — Paul Sp.: Mk. 100— k Clo Ab. ic. erh. Bstllg. ic. folgt lt. Bf. Weiteres notifizirt.— Qt'tviAx Samstag, den 18. Dezember, Abend» 8'/, Uhr, im Cafe Mutter(früher„Weiße» Rößli") an der Schiff» lande, 1. Stock: Hesieutliche Versammlung der deutsche» Sozialisten. Tagesordnung: Die französische Arbeiterklasse beim Ausbruch der«evolutto» pou 1780» Referent: Bgr. T a u f ch e r. Zu zahlreichem Erscheinen ladet freundlichst ein Der Lokalauifchuß. Jedermann hat Zutritt. Samstag, den 25. Dezember, im«asino Hottiugeu: Wcihuachtsftier der deutschen Sozialisten, bestehend in: Aeklamatloncn, Aestrede, Wusikvorträgen«ud HaSen-Ae�oosung. Geschenke zur Gabenverloosung werden entgegegenommen bei: E. Beck, Augustinergasse 12; Schuhmacher Kästle, Häringsstraße 15; A. Wanz, Zähringerstraße, und in der Volksbuchhandlung in H o t t i n g e n. Die Genossen und Freunde der«rbettersache ladet zu zahlreichem Besuche em Da» Festkomite. Zur rechtzeitigen Kenntnitznahme. Mit Neujahr 1887 und von da an laufend müssen sämmtliche Briefabonnements baar vorausbezahlt werden. Belastungen auf Tonto-Juhaber finden sonach nicht mehr statt. Allen Bestellungen auf direkte oder indirekte Brieflieferung ist ohne jede Ausnahme die volle Baarzahlung beizulegen. Sämmtliche Besteller wollen dies künftighin ein für allemal festhalten. Abonnements für die Schweiz erheben wir per Nachnahme, dafern Zahlung nicht uüt jedem Quartalbeginn voraus geleistet ist. Einzel-Kreuzbandsendungen ins Ausland sperren wir mit Quartalsablauf, sofern Neubestellung und Geld bis dahin ausbleiben. * tiftiititu de» SifitUoikitL ««»eiMI«,•ra>Rra|4af».»u4li(iu(mt