, � Abonnements Bonden bei allen schweizerische« � Hostbureaux, sowie beim Verlag wld dessen bekannten Agenten eye» tNtgegengenommen. und zwar zum S«'»««aus»ahldar«« viirtkljahripreiZ von: tnW D». 5,- sSr dieSchwkij<«r«ujbauv) nttiS 3.- silr Deutschlonv(Souverl) nur»"• l.'v iUr Oest-rieich tSoudert) > Art?«. 3, SS für alle übrigen Länder ve> Ktllpofivntin» chnrt, -lag» Jnfttate I. Ut dreigelpallen« P-titj-ile Ki&l* 25 OlS.= 20 Psg. Der Sfliialiicmokrat Argan der Sozialdemokratie deutscher Junge. Erscheint w»ch««tltch ZSrich(Schweiz). Merkag te« »«»»«»uchhau»»«»« P»ßst»di»,ni frnnlo gegen frank«, Gewöhnliche Briefe Nach der Schwei» losten Doppelporto. te. M 13* Brief« an die Redaltion und lirpedition de» in Deutfchland und Oesterreich verbotenen.Eoiialdemolrat' wolle man unter Beobachtung öuß erster Vorsicht abgehen lasten. Zn der Regel schicke man un» die Briese nicht direlt, sondern an die belannten Deckadresten. Zn»weiselhasten Fällen eingeschrieben. 25. März 1887. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Zur rechtzeitigen Kenntnitznahme. Seit Neujahr 1887 und von da an lausend »M- müssen sämmtliche Briefabonnements-MW baar vorausbezahlt werden. Belastungen auf Conto-Inhaber finden also nicht mehr statt. Allen Bestellungen ans direkte oder indirekte Brieflieferung ist ohne jede Ausnahme die volle Baarzahlung beizulegen. IW Alle nicht ausdrücklich wiederbestellten Brief- Abonnenten werden mit Nr. 14 gesperrt. Ersatz für Bersandtverluste liefern wir nur gegen Einsendung des Porto bei Reklamation. Sämmtliche Besteller wollen dies künftighin ein für allemal festhalten. Wo anderweitige Bezugsgelegenheit geboten ist, fwd Briefabonnements unzulässig. Abonnements für die Schweiz erheben wir per Nachnahme, wenn Zahlung nicht mit jedem Quartalbeginn vorausgeleistet ist. Einzel-Krenzbandsendungen ins Ausland sperren wir mit Quartalsablanf, sofern Neubestellung und Geld bis dahin ausbleiben. Skptdtti»« de» SstziatttNikrat. Wahlfonds-Quittung. Zum Widerstand bis zum„letzten Mann und letzten Groschen" weiter erhalten: S. Sch. Gchwdn.(Fr. 2—) Mk. l SO. H. St. u. W. M. Prenzlau 2 70. fcmdon »eihung, daß wir uns noch einmal mit ihr beschSstigen— zieht aus unserem Satz, daß wir auf parlamentarischem Weg nicht zum Ziele gelangen können, den Schluß:„folglich find die Sozialdemokraten für en gewaltsamen Weg." Nun, daß dies ein Fehlschluß ist, haben wir der Leipziger Zeitung" schon gesagt, und sie gleichzeitig gebeten, unseren Artikel, in welchem jener Satz vorkommt, zu lesen. Heute wollen wir nur eine Gegenfrage stellen. Wenn die„Leipziger Zeitung" wirklich glaubt, daß es außer dem Larlamentarischen Weg nur den„gewaltsamen" gibt— is heißt, um es ganz scharf zu präzisiren: die vorbereitete„blutige" Revolution— und wenn die„Leipziger Zeitung" wirklich, wie sie stch de» Anschein gibt, den„gewaltsamen Weg" verabscheut und darin «in Unglück für die innere Entwicklung Deutschlands erblickt, warum bietet die„Leipziger Zeitung", und warum bieten ihre Brodgeber und deren Komplizen und Handlan« ger denn alles Mögliche und Unmögliche auf, um unsre Partei von der parlamentarischen Thätigkeit auszuschließen? Daß wir den Weg gesetzlicher, sozusagen parlamentarischer Agitation zu schätzen wiffen, das haben wir fett jetzt vollen 20 Jahren durch die That bewiesen. Und wenn die Möglichkeit geboten wäre, den Sozialis- mus auf dem parlamentarischen Weg zu verwirklichen, würden wir sicher- lich mit allen zehn Fingern darnach greifen. Aber ist denn jetzt diese Möglichkeit geboten? Diese Möglichkeit wäre geboten und wäre einzig und allein geboten durch die Garantie absoluter Freiheit der Wahl. Hätten wir absolute Freiheit der Wahl, mit anderen Worten: wäre das allgemeine Stimmrecht eine Wahrheit, und könnte es voll und ungehindert zur Geltung kommen, so könnte— wir stehen nicht an, dies rückhaltlos auszusprechen— der Gedanke an den sogenannten ge- «altsamen Weg nur in dem Hirn eines Tollhäuslers oder eine« Ver- brechers entstehen. Allein haben wir denn jetzt Freiheit der Wahl? Rur im Scherz oder aus Hohn kann die Frage bejaht werden. Selbst Herr Stöcker, auf seinen Eid oder richtiger Meineid befragt, würde stch zweimal besinnen, ehe er ein stöckerisches Ja l herausbrächte. Bon den unerläßlichen Bedingungen einer freien Wahl sind nicht weniger als alle jetzt unerfüllt. Wir haben keine Preßfreiheit und wir haben kein freies Versammlungsrecht. Durch ein schand- bares Ausnahmegesetz ist unsere Partei an Händen und Füßen gebun» den, und gegen unS ist Alles erlaubt. Alle Freihetten und alle Rechte nur für unsere Feinde, nur für die Feinde des Volkes. Unsere Preffe zerstört und das Bischen Versammlungsrecht, welches man uns hier und da während der Wahlzeit zum Schein gewährt hat, noch weggegaunert durch die zu einem System, ja zur Staatseinrichtung erhobene Praxi? unserer Feinde, die Besitzer von Sälen oder sonstigen, zur Auf- nähme größerer Volksmengen geeigneten Lokalitäten derart zu beein- stufen, daß die Oppositionsparteien, namentlich die Sozialdemokraten, gar keine Versammlung abhalten können. Und wie sieht's endlich mit dem Wahlgeheimniß aus, diesem Grund- und Eckstein der Wahlfreiheit, ohne den bei der politischen und «irthschastlichen Abhängigkeit, in welcher neunundneunzig Hundertstel der Menschen heute leben, eine freie Wahl überhaupt nicht denkbar ist. Nun— die Wahlprüfungskommission des Reichstags kann die Antwort geben. In allen Wahlkreisen, wo scharfgeschiedene Parteien einander gegenüber- stehen und die Klassengegensätze scharf zugespitzt sind, finden wir die Partei der Besitzenden und Machthaber bemüht, durch tausenderlei Kniffe und Manipulationen das von der Reichifaffung proklamirte Geheimniß der Stimmenabgabe illusorisch zu machen. Und Dank der Jämmerlichkett und Lückenhaftigkeit des RnchswahlgesetzeS sind diese Bemühungen auch Mit so gutem und gründlichen Erfolge gekrönt worden, daß der thatsächliche Zustand wesentlich kein anderer sein konnte, wenn das Reichswahlgesetz die öffentliche, statt der geheimen Stimmabgabe forderte. Insbesondere »ach den Erfahrungen der soeben verübten ReichstagSwahl müßte Putt- kamer«in vollendeter Idiot sein, wollte er noch durch eigenes Gesetz die OeffenUichkeit der Wahl einführen. Sie ist eingeführt; und die paar AnstandSschranken, welche von den zwei letzte« Reichstagen errichtet wurden, existiren nicht für die jetzige Mameluckenmehrheit, die mit diesen letzten Resten parlamentarischer Scham bald aufgeräumt haben wird. Also die Voraussetzungen einer normalen parla« mentarischen Entwicklung sind in Deutschland nicht vorhanden. Wind, Sonne und Waffen sind ungleich vertheilt. Der Wind, die Sonne und die Waffen stnd für unsere Todfeinde; wir � haben Wind und Sonne im Gestcht, und unsere Waffen find uns ge- raubt worden. Und einen unter solchen Bedingungen geführten Kampf sollten wir über unser Schicksal entscheiden lassen? Da müßten wir ja verrück sein! Und nun wiederholen wir unsere Frage: Wenn da» Boll der„Leipziger Zeitung" will, daß die Sozialdemo« kratie den parlamentarischen Weg wandle, warum hat es ihr diesen Weg abgeschnitten? Und an diese Frage fügen wir zum Schluß noch die andere an: Hält das Volk der„Leipziger Zeitung" die Sozialdemokraten für verrückt? Ja oder nein? Im erster«» Falle würde natürlich alles Argumentiren aushöre« und müßten wir es uns gefallen laffen, mtt dem Maßstab« der„Leipziger Zeitung" gemeffen zu werden. Im andern Falle aber möchten wir die „Leipziger Zeitung" doch bitten, uns mit Argumenten und Behauptungen zu verschonen, die wohl für reichstreu-patriotisches Stimmvieh am Platz sein mögen, allein für Menschen im Besitze ihrer fünf Sinne stch nicht eignen, und höchstens als Gradmeffer der Bildung und des geistigen »ermögenS ihrer Urheber eine gewiff« Bedeutung beanspruchen können. Wie eS bei der Wahl in Freiburg zuging. «i»«ulturbild aus dem letzten Liertel deS IS. Jahrhunderts. Wohl nirgends im ganzen deutschen„Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte" ist in Bezug auf Wahlbübereien Stärkere« gelerstet worden als im b. Wahlkreis des«liberalen Musterstaates« Baden. Der Hauptort dieses Wahlkreises ist das schöngelegene Freiburg ,m Breisgau, zwar UniverMtsstadt, aber alles Andere eher als eine„freie Burg der Geister." Der enoberzlgfie Kastengeist beherrscht daS Bürger- thum dieser Stadt, und nicht zum Geringsten grade die„akademischen" Elemente deffelben. In Freiburg war«», wo«in Schurke von Staatsanwalt, der berüchttgte Streber von Berg, den ruffischen Freiheitsmann B u l y« g hin- Deutsch, der jetzt in den sibirischen Bergwerken hingemordet wird, der Henkerregteruvg des Zaren in die Hände spielen durfte, ohne von der Bürgerschaft mtt Schimpf und Schande gemieden zu werden, in Freiburg war es auch, wo bei der letzten Wahl in Stadt und Umgebung«in TerroriSmui gegenüber unseren Genossen ausgeübt wurde, wie er höchstens noch im Land der Knute seinesgleichen findet. Obwohl sich«ine detaillirte Schilderung deS mehr wie schamlosen Vorgehens der Gerichts- und Verwaltungsbehörden, die sich nicht als Hüter de« Rechts und deS Gesetzes, sondern als bloße Agenten der Ausbeuterpartei gerirten, wirklich der Müh« lohnte— schon um der Gesellschaft zu zeigen, daß es noch ein« Instanz gibt, bei der ihre Macht sie im Stiche läßt, wollen wir doch mit Rücksicht auf den knappen Raum des„Sozialdemokrat" heute darauf verzichten, und laffen daher im Nachstehenden nur eine summarische Zusammenstellung der hauptsächlichsten, von dem Ordnungsbanditenthum der Hauptstadt des BreiSgau's begangenen Verbrechen gegen Recht und Gesetz folgen. In Freiburg hatten unsere Genoffen einen Arbeiter-Wahl- verein gegründet, um, wie e« in seinen Statuten heißt,„zur Zeit der Wahlen auf dem gesetzlichen Wege denJntereffen der Arbeiterschaft Geltung zu verschaffen." Dieser Verein, der dem Gesindel schon deshalb ein Dorn im Auge war, weil er die Arbeiter über ihre politischen Recht« aufklärte, mußte zuerst aus dem Wege ge« räumt, seine Leiter, deren Intelligenz und Umsicht man fürchtete, mußten für die Dauer der Wahlzett„unschädlich" gemacht werden. Die bequeme Handhabe dazu bot— wozu haben wir eS sonst?— das Schandgesetz. Am 2S. Januar wird mtt einer Haussuchung bei dem Vor- sitzenden des Wahlvereins, dem Schuhmacher F r. H a u g, und dem Kaffirer K. Rausch begonnen. Zu Hang wurde gleich ein Schlosser mitgenommen, und auch richttg ein Koffer, der einem früher bei ihm beschäftigten Arbeiter gehörte, aufgebrochen. Man fand nichts als Einzelexemplare verbotener Broschüren rc. Nichtsdestoweniger wurden Tags darauf H a u g und Rausch verhastet und von da ab von der Außenwelt geradezu abgeschlossen. Niemand erfährt, was fie verbrochen haben sollen. Am 7. Februar wird in Lesen bei Freiburg eine Wahlversammlung unter Auf- bietung von S Gensdarmen und 1 Polizist verboten; am 13. Fe- bruar wird eine in den Kornhaussaal in Freiburg einberufene Wähler- Versammlung von der Stadtdirektion verboten. Am 14. Februar Massenhaussuchung, man befürchtet ein Wahlflugblatt. Abends werden 1 2 Arbeiter verhaftet. Am 15. Februar wird der A r b e i t e r< Wahlverein verboten. Vorwand: Die seitdem als grundlos erwiesenen Beschuldigungen gegen Haug. Am 17. Februar wird die von dem Kandidaten der Arbeiter, Ad. Geck in Offenburg, heraus- gegebene Zettung, der„Volk»freund", nachdem bereits Nr. 11 und 12 desselben verboten worden waren— erster« wegen Abdrucks des in vielen deutschen Blättern vorher unbeanstandet publizirten Wahl- manifestes der sozialdemokratischen Reichstagssraktion— überhaupt verboten. Am IS. Februar wird der ebenfalls von Geck heraus- gegebene„Rheinbote" verboten; obwohl derselbe schon fett längerer Zett erscheint, wird er von der Hochlöblichen nämlich als„Fortsetzung des Volksfreund" betrachtet. Außer den bereits erwähnten 14 Eingesperrten wurden noch weitere vier Personen verhastet, von denen aber drei bald auf freien Fuß gesetzt wurden, weil man ihnen auch nicht einmal den Schein eines Ver- gehens andichten konnte.*) Von ihnen nennen wir den Kandidaten A d. Geck, der am 22. Februar auf den Rath deS Oberamtmann Rasina in Offenburg nach Freiburg gereist war, um beim LandeSkommiffar H e b t i n g wegen Verbots seiner Zettung persönlich Beschwerde zu süh- ren. Neber diese Verhastungsaffäre wird uns speziell Folgendes mit- getheilt: „Gegen Geck wurde auf protokollarische Meldung eines Freiburger KriminalschutzmanneS RamenS Hensier(?), welcher einen langen fchrtft- lichen Bericht erstattete, wegen„Verbreitung verbotener Schriften" ein Haftbefehl erlaffen. In der aussührlichsten Weise schilderte der Diener der Hermandad einen Vorgang, der sich angeblich Samstag lg. Febr. in der Restauration Kalnbacher in Freiburg zugetragen habe. Dort sei Geck im Kostüm eines Arbeiters mtt einem Reisesack mit ver- boten«» Schriften eingetroffen, habe dieselben an die dort versammelten Austräger vertheilt und die schleunige Austheilung befohlen, da eS verbotene Waare sei. So der Kriminalbericht. Geck war vom 2. bis 21. Februar Abends nicht mehr in Freiburg. An letzterem Abend wurde er vor dem Hause des Landeskommiffärs Hebting verhaftet und vom Montag bis Freitag in Hast behalten, obschon er sofort sein Alibi geltend machte. Seine Gesellschaft in der Zelle bestand auS zwei Verbrechern, die vors Schwurgericht kommen." So viel über die unter dem Scheine deLRecht« vorgenommenen Gewaltmahregeln. Diese genügten dem Ordnungspack aber noch nicht. Die an Händen und Füßen geknebelte, ihrer eifrigsten Anhänger, ihrer besten Kräfte beraubte Arbeiterpartei mußte auch noch direkt ver- gewattigt werden. In Haslach wurden die zur Vertheilung gelangten Stimmzettel für Geck von GenSdarmen hinterher eingesammelt, ebenso in Denzlingen. (Ein aus dem Lande leider sehr erfolgreiches Manöver.) In Waldkirch wurden die Arbeiter von den Fabrikanten mit Entlassung bedroht, wenn sie für Geck stimmten. In Emmendingen nahm der Polizeiwacht- meister unserem Austräger die Stimmzettel kurzerhand fort und bedeu- tete ihm, er solle schleunigst zur Bahn zurückgehen,„damit ihmnichtS passire." In Betzingen wurden unsere Austräger von dor- tigen OrdnungShelden in scheußlichster Weise mißhandelt, mit Stößen zum Bürgermeister getrieben, und bedeutet, sie sollten froh sein, daß e» Tag sei, sonst kämen sie nicht mehrganzaus dem Ort hinaus. An andern Orten, so in St. Georgen, sorgte die Polizei für L o k a I s p e r r e; in genanntem Orte ging der Polizist zu allen Wirthen und verkündigte ihnen, fie dürsten ihr Lokal den Sozialisten nicht geben. Das ist ein Bild, wie im konstitutionellen Lande Baden das „freie Wahlrecht" respektirt wurde. Wenn unter solchen Umständen die in Freiburg noch so junge Partei am 21. Februar nicht nur keinen Rückgang gegen früher erlitt, sondern noch einen kleinen Zuwachs ver« zeichnen konnte, so ist daS ein wahrhaft überwältigender Beweis von der Leben ssähigkeit unserer Sache. Eine Partei, die solche Gewaltmaßregeln ungeschwächt erträgt, ist in Wahrheit unüberwindlich. Wie kläg- lich aber muß es um ein« Gesellschaft bestellt sein, die solcher Mittel bedarf, um srch aufrecht zu erhalten. Ein kräftiger Windfloß, und die ganz« Herrlichkeit bricht zusammen. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 22. März 1887. — Neber daS Petersburger Attentat, deffen polittsche Bedeutung wir im Leitartikel erörtert, entnehmen wir der Berliner„National- Zeitung" folgenden Bericht: „Petersburg, ib. März. Sonntag Mittags 1 Nhr wurde eine Tobten- meffe in der Festungskathedrale für die kaiserliche Familie und die Hof- chargen abgehalten. Nach dem Gottesdienst sollte der kaiserliche Zug in die Newski Perspektive durch die große Worskaja und den WosnesezenSki Prospekt zum Warschauer Bahnhof und von da durch Spezialtrain nach Gatschina gehen. Eine große Zahl von Geheimpolizisten bewegte stch in *) Auch die Andern sind jetzt endlich, wie der„Fr. Ztg." berichtet wird, auf freien Fuß gesetzt. Natürlich ohne jede Entschädigung für die ihnen durch die erlittene Untersuchungshaft erwachsenen Verlust«. den Straßen, daS Wetter war so hell und klar mit scharfem Frost mif an einem anderen schicksalsschweren Sonntag vor sechs Jahren. Wich» rend die Majestäten in der FestungSkirche waren, die der Sisgürtel de? gefrorenen Newa umgibt, waren einige Detektive? eineup Paar verdächtiger Studenten gefolgt, die früher auS der Rechtsschule ausgewiesen worden waren und die auf der großen Nor«-' kaja schlenderten. Der Eine mtt einem großen Buche unter de« Arm, der Andere mit einer Art von Sack oder Schulbeutel über der Schulter. Di« Thatsache, daß fie aneinander wiederholt vorbei passirten, ohne mtteinander zu sprechen, erhöht« den Verdacht ihrer Vev» folger. In dem Augenblick, als sie mtteinander sprachen, legte die Po- lizei gleichzeitig die Hand auf beide Männer und bracht« fie auf da» Polizeibureau. Rur wenige Personen fanden irgend etwa« Auffallende» an der Arrettrung, und kein Jntereffe oder Neugierde ward in bau Schaar«» der Passanten erregt, da auch von den zwei Gefangenen auf ihrem Wege zum Haftlokal kein Widerstand versucht wurde. Erst mch dem Polizeipräsidium fand man, daß Buch und Sack Höllenmaschine« enthielten, stark genug, um selbst die nächsten Häusermauern in d« Morskaja einzutreiben. Sin dritter Manu wurde später arrettrt, de» man für einen Muschik(Landmann) aus Pultawa hielt. Später wurde« noch drei Männer eingezogen; alle verweigerten die Rennung ihrer Namen und Stellungen. Die Polizei kannte indeffen bereits ihre Motz- nungen auf der sogenannten Petersburger oder Rordsette der Newa. Bei den dort gehaltenen Haussuchungen sollen noch mehr Höllenmaschine» gefunden worden sein. Die zwei Hauptschuldigen scheinen zusammen go- wohnt zu haben oder doch wenigstens sehr nahe zusammen. Unmittelbar nach der Arrettrung telephonirte die Polizei nach der Festung, und Sonera! Greffer, der Polizeipräsident, meldete alsbald dem Zaren de« Vorgang. Der Zar verbot, der Kaiserin«in Wort zu sagen und enthielt stch selbst, mit der Kaiserin darüber zu sprechen. Eine andere Route wurde dann durch den kaiserlichen Zug nach der Statton eingeschlagen. Der Kaiser und der Thronfolger fuhren zuerst m einem Schlitten, die Kaiserin folgt« im Wagen. Erst als der Zug nach Gatschina abgegange» war, brach der Kaiser seiner Gemahlin gegenüber das Stillschweige», die sich während der ganzen Fahrt aus das Tiefste davon ergriffen zeigt» Wie der Kaiser selbst darüber denkt, weiß Niemand, nach dem was ma» aus Gatschina vernimmt, ist bei allen Angehörigen deS Hofes eine große Niedergeschlagenheit bemerkbar." Das Letztere wollen wir meinen. Im Nebrigen bedürfen noch manch« Punkte des Berichts der Aufklärung. Wie das sensattonslüsterne Ber» liner„Tageblatt" wissen will, habe die Berliner Geheimpolizei«i» Hauptverdienst an der Signalistrung der Attentäter. Ist dem so, so de» dienen die betreffenden„Beamten" wegen Landesverraths prozeffirt z« werden. Jndeß das Polizei intereffe geht vor dem polttischen, und zudem handelte eS sich ja um Angehörige der goldenen Intern ati«» nale. Die find bekanntlich immer gute Freunde, liebe Brüder und Vettern tc* wenn auch die ihrer Fürsorge anempfohlenen Völker sich aus ihr G«h«ß gegenseitig zerfleischen. — Zur Raturgeschichte der herrschenden Korruption. Di« Vermehrung der Friedenspräsenzflärke bedeutet nicht blo» eine Stärkung des Milttarismus und damit des vornehmsten direkten Machtmittels unserer Gewalthaber— fie vermehrt auch deren in- direkte Machtmittel', und zwar in sehr beKSchttichem Maße. Wt» wollen das durch ein Beispiel erörtern. In Sachsen befindet sich ein Städtchen, dessen Bewohner bisher fried« lich neben einander wohnte» und nicht daran dachten, einen ander» Denkenden zu verlästern oder gar zu ächten. Die Wirthe gaben ihre Säle gern zu Versammlungen her, ohne nach der Parteistellung d« Einberufer zu fragen, und alle Versammlungen nahmen den friedlichste» Verlauf. Jetzt auf einmal sind die Wirthe bockbeinig geworden, und die Phi- lister brüllen mitunter die Wacht am Rhein, wozu sie früher zu anständig waren. Woher dieser Wechsel? Die Wahlbewegung hat ihn nicht herbeigeführt. Von de« Kriegslügen haben sich nur wenige Spießbürger betölpen laffen, und di« Gemeindebehörden stnd anständige Männer, die auf die Wirthe keine« Druck ausgeübt haben. Der Schlüffel des Räths-ls ist: Besagte Stadt soll aus den neuzugründenden Truppentheilen eine Garnison bekommen. Und da will kein Wirth Anlaß geben, daß sein Lokal dem Militär verboten wird, und die Spießbürger schwelge« im Vorgenuß der„Arbettergroschen", die fie den Soldaten und Osfi- zieren abnehmen können.— Und die« Beispiel läßt stch verhundertfachen, vertausend« fachen. Die Armee ist thatsächlich eines der großartigsten Korruption«» Werkzeuge der Neuzeit, und als solches den Machthaber« fast ebenso nützlich wie als Rordwerkzeug. — Eine vergleichende Kulturstatistik. Während der letzte« Wahlkampagne im„Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte" ver« boten: 147 fozialdemokrattsche Flugblätter und zwei Arbeiterzeitu«- gen; über 2 Orte der Belagerungszustand proklamirt; auSgewiese» etliche Dutzend, verhaftet etliche hundert Reichsbürger. Das ist eine Seite der Medaille. Und nun die andere: Festschriften zur Feier des bevorstehenden St). Geburtstage? de» allergnädigsten Herrn und Kaisers 37S; Gedichte zur Feier deffelbige« Ereignisses in runder Summe 10 Rillionen, denn die Schulkinder wer- den schon auf den Servttttäts-PegasuS gesetzt; sonstig« Aeußerunge« patriotischer Speichelleckerei: unzählig. Wo ist der Tacttus unseres Zäsaren-MorasteS? — Dem Reichstag find die sogenannten„Denks chrift«»" über den Belagerungszustand in Stettin und Offen« dach rechtzeittg zugegangen. Dagegen hat Herr Puttkamer sich nicht bemüßigt gefunden, die sogenannten„Denkschriften" betteffend Ham« burg-Altona, Berlin und Frankfurt a. M.. welche in d« letzten Session in Folge der Auflösung nicht mehr zur Verhandlung kamen, nochmals vorzulegen. Den Buchstaben des Gesetzes hat Herr Putttamer dabei allerdings für sich; denn im Eifer, das Sozialisten» gesetz unter Dach und Fach zu bringen, bestimmte der Reichstag i» Jahr der Schande 1878, daß ihm von der Verhängung de»„Kleinen" jedesmal„Anzeige" gemacht werden müsse— und„Anzeige" ist durch Vorlegung der Denkschriften in der letztes Session unzweifelhaft gemacht. Und von einer Diskussion oder Debatte der Denkschriften steht nichts im Sozialistengesetz- Jndeß, wann wäre Herr Puttkamer mit seiner Sippe je in punkto des Gesetzes skrupulös gewesen? Wir kenne« unsere Pappenheimer, und wenn ste sich diesmal so gewiffenhast-pedan« tisch an den Buchstaben de« Gesetze« klammern— fie, für die das G»« setz sonst blos da ist, um, wann und wo es ihnen beliebt, mit Füße« getreten zu werden— so wissen wir sehr genau, daß diese scheinheilige Gesetzesachtung blos der Furcht ihren Ursprung verdankt. Abgebrüht, wie Herr Puttkamer ist, hat er doch in gewissen, von ihm eingebrockten Suvpen ein Haar gefunden, z.B. m derJhring-Mahlow-Se« schichte, in der Frankfurter«irchhof-Affäre, und dem letz. ten F r a n k f u r t e r P r o» e ß. Diese drei unangenehmsten Episode« der Puitkamer'schen Polizeithätigkeit würden aber bei DiSkuffion der Denkschriften über Frankfurt und Berlin zur Sprache kommen. Daher die Puttkamer'schen GesetzeSftrupel. Sie werden ihren Zweck steilich nicht erreichen. Unsere Genoffen werden den Antrag stellen— di» nöthigen Unterschriften sind ihnen gesichert— die in der vorigen Seffio« nicht erledigte« Denkschriften dem Reichstag nochmals vorzulegen. Und wird die Mameluken-Mehrhsit auch den Antrag natürlich ablehnen, f» bietet die Begründung des Antrags doch die Möglichkett, jene Putt- kamer'schen Infamien zu geißeln. Di« neuen Denkschriften(Off-nbach und Stettin) zeichnen sich da« durch au», daß auch nicht der leiseste Versuch einer Motioirung gemacht ist. Es kst die nackte, auf daS dürstigste Feigenblatt verzichtende Polizei. wirthschast. Punktum. Car tel est notre plaisir. ES hat unS beliebt und damtt — Herr Miqnel, das polttisch« Jnfusorium, welches durch eine« BiSmarck'fchen Aufguß(die bekannte gelbliche Flüssigkeit?) aus dem biS« T herigen Rumienzustand wieder in's politisch« Leben gerufen worden ist®uf und jetzt im Reichstag fem tartellbrüderlicheS Wesen tteibt, hat. wie unS««« I wie Wich» -l dar n««» i der RotJr de« litt otdct See» i P» da» mdeS da« «»L bester Quelle mitgetheUt wird, die Absicht, zu der Gesetzesvorlage, welche die Ausweisung der Umstürzler aus dem Reichsgebiet betrifft, ei« Amendement zu stellen, das die rückwirkende Kraft des Gesetzes auf lv Jahre beschränkt. Es ist das«ine gesetzgeberische THStigkeit pro domo. Der— mit Bennigsen fich in diese Ehre theilende— Oberpudel dei reichstreuen Pudelthums hat nämlich seinerzeit sehr heftig in Umsturz gemacht, und es existiren, von seiner staatsmännischen Hand geschrieben, Echriften so umstürzlerischen und aufteizenden Inhalts, daß die Sprache des„Sozialdemokrat" daneben als das reine Zuckerwaffer er- scheint. Namentlich finden fich in diesen Schriften auch höchst bedenklich« Aeußerungen über ein« gewiffe hochgestellt« Person vor, die damals den Haß und die Verachtung des Herrn Miguel im höchsten Maß« erregte, Sbi« er aber bei den letzten Wahlen«ine solche Verehrung empfand, er, um ihr„betrübtes Herz" zu erfteuen, dem deutschen Michel sein« »letzte Kuh aus dem Stall" holte, und andere Hanswurstenstreiche und Schelmenstücke verübte, die allerdings auch das„betrübteste Herz" zum Auflachen bringen konnten. Jetzt begreift man, warum Herr Miguel sein Amendement für noth- wendig hält. Er hofft nächstens deutscher Polizeiminister an Stelle des Puttkamer zu werden, und da märe es doch gar schlimm, wenn ihm diese hübsche Karriere verdorben, und uns die Sera der Riguelei «ach der Aera der„Puttkamerei" vorenthallen würde. � Immer nobel. Ein« wahrhaft verblüffende Notiz durchlief vor einigen Tagen die Zeftungen. Bismarck, hieß es, habe der Stadt Osnabrück, die ihn zum Ehrenbürger ernannt, die Summe »an Ivo, ovo Mark geschenkt— man verstehe unS richtig, geschenkt, nicht etwa abkollektirt. Run, daß dies« Angabe nicht richtig fem konnte, stand für Jeden, der die generös« Art des Vertreters des„praktischen Christenthums" kennt, von vornherein fest. Bismarck ist nicht der Mann, der etwas zu theuer kauft. Es mußte also ein Druckfehler sein, etwa eine, zwei oder drei Nullen zu viel— zehn Mark für einen Bogen Pergament ist ja «uh schon etwas für einen Mann, der vor zwei Jahren noch den Pfennig nicht verschmäht hat. Jndeß auch diese Annahme hat fich als übertrieben herauegestellt. Die„Schenkung" vismarck's an die Stadt Osnabrück beschränkt fich, wie«ine berichtigende Notiz lautet, darauf, daß der durchlauchtigste Ehrenbürger„seinen Einfluß geltend gemacht hat, um der Stadt für den Bau eines MuseumS eine Unter- stützung aus staatlichen Fonds zuzuwenden." Doch nicht etwa aus dem— Welsenfond?! — Aus Magdeburg schreibt man uns: Ueber den hier schwebenden Geheimbundprozeß kann ich nur »enig Neues berichten. Es find folgende Personen noch immer seit dem 7. Februar in Hast: Jul. B r e m e r, Privatmann, W i l h. K l e e«. selbstständiger Zigar- «enmacher. Wilhelm Habermann, Schneidermeister, C. Erb, «. Reuter. H. Gärtner. M.»etg«, B. Hager. O. Neu- »ern, I. Berger, I. Moldenhauer.«. Schulz, A. Det- loff, R. Detloff, E. Greiner, C. Lanka», I. Kräber, Galling, C. Keller, R.»ietfch. O.«och. T. Königs. st e d t, Außer den nach achttägiger Hast Entlaffenen, worüber ich bereits be- richtet, find keine Angeschuldigten mehr in Freiheit gesetzt. Außer den «sie» Dreien find säinmtliche Obgenannten Arbeiter— meist in der Maschinenindustrie beschäftigt. Fast ausnahmslos sind sie verheirathet, und die Familien müsien unterstützt werden. Unsere hiesigen Genoffen fühlen sich mit den Jnhaftirten solidarisch und bringen entsprechende Opfer. Allein auch die entlaffenen fieben anderen Arbeiter sind noch «hne Arbeit und werden schwerlich hier wieder Arbeit erhalten. Nun ist auch die Miethszahlung vor der Thür. Ich möchte daher auch die Genoffen allerorten zum Beistand aufrufm. Sendet Unterstützungen an die Expedition des„Sozialdemokrat" oder an Frau Klee», Zigarrengeschäft, Martinstraße Nr. 10, Buckau bei Magdeburg. Unseren W a h l f o n d hätte die Polizei bei der allgemeinen Razzia auch gern ergattert; leider wußte der Bnräther Rud. Speck nicht, wer im Besitz des Geldes war, und Herr Fiskus konnte daher «cht» besehen. Speck, welcher wegen unserer Sache nur einen Tag in Haft war, ist nunmehr wegen Unterschlagung von Mündelgeldern ebenfalls in Hast genommen. Speck war der Einzig«, welch« sofort nach seiner Entlastung wieder m sein« Arbeit bei Echäffer und Buddenberg eingetreten war; nachdem jedoch seine Schurk«eien bekannt geworden waren, gettaute er sich aicht mehr über die Straße. Daß seines Bleiben? hier nicht lange sein «nnte, sah« wohl selbst ein, und mag er daher wohl geplant haben, sich von hier zu— verabschieden. Allein als sein Mündel, das vor eini- gen Wochen majoren geworden, sein kleines Vermögen von einigen hundert Mark von Speck»«langte, fand es sich, daß nichts vorhanden war. Die Sache wurde angezeigt, und der Judas wanderte dahin, wo- hin« so vielen unser« bravsten Genoffen verHolsen. Run, welches auch ihr Schicksal vor Gnicht sein möge, die Sym- pathie aller rechtlich Denkenden beglettet sie. Den Schurken Speck ab« wird» auch wenn er seine eventuelle Strafe„»«büßt", nach wie vor die allgemeinste Verachtung treffen. - Gereimter Schwindel. In den unzähligen Kaisergedich. U n, welche am 22. Rär, die deutschen Blätter unsich« machten, ist ein« solche Fülle von Blödsinn enthalten, dag«s eigentlich bilt« Um recht ist, irgend eine Einzelleistung davon herauszugreifen und besond«s anzunageln. Wenn wir S hiermit dennoch thun, so deshalb, weil der ««über des Blödsinns in der literarischen Welt einen Namen hat und, wenn wir nicht inen, Mftglied deS B-rwaltungsrathes oder preisgekrönte« Mitglied d« Schillerstiftung ist. Herr Julius Grosse besingt w d« München«„Allgemeinen" die„Neunzig Jahre" des Heldm« KeifeS in Knüttelversen, von denen man nicht einmal sagen kann, daß wildgewordene Prosa seien, denn selbst dazu sind sie zu— ledern. Man höre nur, wie daS Jahr 1848, diese Klippe für alle Byzanttner von Wilhelmbiogrophen, abgethan wird: „Trunk'ne Seh«, edle Häupter(I) meinen schon den Tag _ zu schauen, »afc Germania kürt den König, wie der Mönch LehninS Alle Zeichen wollten stimmen, doch es trüge�Menschen- Zungen. Schimmernd schwebte schon die Krone ob dem Hohen- zollernhause, Doch umbrandet noch von Wogen, noch umtost vom Volks« gebrause"— JBollsgebraus" ist allerdings scheußlich, deshalb„galt es diesmal" ...... noch zu entsagen, diesmal galt'», sich zu bezwingen. Bis der Tag kommt, da die Fürsten selb« einst die Krone bringen." Stimmt, 1870—71 haben wir es Alle«lebt. Die Krone, die die Fürsten höchsteigenhändig selb« bringen, ist natürlich viel mehr werth, «ls eine Krone, die„BolkSgebraus umtost". Weit«: „Du d« Einz'g«, der g«ath«n zum Entschluß und zur Ermannung". Wem g«athen? Etwa Friedrich Wilhelm IV.? Dann heißt die„Er- wannung" Riederschieße« der„Kanaille", wie Jed« weiß, der dttMemoiren Barnhagen'« gelesen hat. H«r Grosse schweigt fich klüglich aa« die näheren Umstände aus. und fährt dann fort: „Fernh« kamst Du,"— «uß w°hl ein Drucksehl« sei» für:„Fernhin flohst Du". „... warst betroffen vom Geschick« d« Verbannung, Und Du ging und leertest männlich auch dm Becher dies« Leiden"- 3tv wissen wir doch, was männlich ist. In London stch aus megunentsunkoste« gütlich thun. -Erntest wahre Heldengröße von«träumt« unter» scheiden,"-- . P« Reim ist gut. Worauf et fich bezieht, wissen die Sött«. Etwa vurichtet?� die Wilhelm nach seiner Rückkehr in Lade« Das Blech, das Herr Grosse über 1368 zum Besten gibt, übergehm wir, indem wir uns mit der Versicherung begnügen, daß auch ihm damals„das Herz geblutet" und„vas Herz geschlagen" hat. Wehr kann man nicht verlangm. Bon 1871 erfahren wir» daß im Versailler Spiegeisaale „Jubelrufe hunderttönig aus d« Schaar d« Helden schallen."— Die meisten dieser„Heldm" hattm zwar überhaupt kein Pulver ge- rochen, aber es waren ja Fürsten, bezw. d«en Minister, und die find auf alle Fälle Heldm. Man sieht's an ihren Orden. Natürlich kann Herr Grosse nicht umhin, uns zu versichern, daß die Raben, die um den Kyffhäus«„fliegm"— nicht etwa flogen, denn das reimt sich nicht auf„Siegen"— verschwunden sind: „Auferstandm mtt dem Kais« ist das Glück der alten Zeiten,"— Nun, das ist dann jedenfalls nicht weit her, „Schirmend sich die Friedenszweige ob Europas Völkem breiten." Ab« recht dünne Zweige, und obendrein sehr theu«, He« Grosse! Das genirt den Dichtergenius jedoch nicht, waS gehm ihn That- fachen an? Und so schließt er im Dithyrambus: „Deutschland, Deutschland üb« Alles, Heil ihm als dem Fnedenshüt«, Hort der Freihett,"— und des kleinen Belagerungszustandes, der Zettungsverbote ,c. ...„Hort der Sitte'"— und d« Heuser'schen Stammgäste, ...„Hort gesammter Geistesgüter"— Die gibts natürlich nur in Deutschland, „Heil dem Frieden, Heil den Völkttn, Heil den Fürstm allzugleich,"— Die Fürsten dürfen natürlich nicht fehlen, „Heil dem Kaiser— Gott«halt' ihn lange noch dem deutschen Reich!" Und damit Amen. Herr Grosse hat seinen Antheil an den Festgaben zur Jubelfeier beigetragen, einen handgreiflichen Beweis geliefert, wie tief in der„glorreichen Aera" des neuen Kaiserreichs der K n e ch t S s i n n um sich gefressen. Man sieht es seinem Machwerk hi« und da an, daß « fich eigentlich noch hatte mäßigen wollen, aber es ging nicht, er mußte kriechen,« mußte fälschm, er mußte Blödsinn dichten, denn Wahrheit und Mannesmuth sind mit dem, waS heute als Patrio- tismus gilt, nicht vereinbar, sie sind Reichsfeind« geworden in Deutschland, also nichts für Festdichter, heißen sie Grosse, Heise oder— Queva, welch« letzt«e d« beliebteste ist unter den Berliner Leier- kastenpoeten. — Wenn unsere„Rationalen" und Nationalitätsdusel« etwas lernen wollten und könnten, so müßtm ihnen beim Anblick der Dinge in Elsaß-Lothringen die Schuppen von den Augen fallm. Wir haben dort eine rein deutsche Bevölkerung, oder sagen wir lieb«— da es mit der Reinheit seine Haken hat— eine so rein deutsche Bevölkerung wie in Deutschland selbst, und trotzdem wollen die Elsaß- Lothring« nichts von d« Zusammengehörigkeit mit dem deutschen Reich wissen, wehren sich heftig gegen die Liebesküsse der Mutter Germania, und haben bei der letzten Wahl lauter„Protestler" fgegen besagte Liebes- küsse) in den deutschen Reichstag geschickt. Und während die ihrer„Ratio- nalität" nach unzweifelhaft deutschen Elsaß-Lothringer jede Gelegenheit benützen, um dem deutschen Reich ihre Abneigung zu erkennen zu geben, benutzen sie auf der anderen Seite jede Gelegenheit, um ihre Sym- pathien für das„welsche", also eine„fremde" Rationalität enthaltende Frankreich auszudrücken. W« nur irgend denkfähig ist, aus den Thatsachen Sqlüsse zu ziehen vermag, muß auS diesem Verhalten den Schluß ziehen, daß es noch ein mächtigeres Völkerbund gibt als die sogenannte Nationalität oder Stammesverwandtschast. Was die Elsaß-Lolhring« an Frankreich bindet— wir haben es schon früher einmal gesagt— es ist, um mit dem Worte eines ftanzöstschen Geschichtsschreibers zu reden, die R e v o l u t i o n. Die Revolution von 1783 hat den Elsaß-Lothringern Schätze gegeben, welche das deutsche Polizeireich ihnen nicht bieten kann. Hat Deutschland einmal sein 1789, dann wird auch die elsaß-lothrin- zische Frage eine andere Gestalt annehmen. — Was man für das Geld, das Kriege kosten, anfangen könnte.„Der Krieg," lesen wir in der Gent«„Toekomst",„wird allge- mein verabscheut, aber doch wirken seine Berdonner« mit, ihn zu ver- ewigen. Friedensfreunde in England haben einst ein Flugblatt heraus- gegeben, in dem ziffernmäßig nachgerechnet wurde, waS man mit dem Geld, daS ein einziger Krieg, der Krimkrieg, ein« einzigen Macht, näm- lich England, gekostet hat, hätte einrichten können. Die Summe bettägt 1,280,000,000 Guide n.*) Dafür hätte man haben können: Gulden 6 Museen für schöne Künste 87,500,000 20 Fach- und 20«ckerbauschulen, mit Stipendien für arme Schüler 25,000,000 200 öffentliche Gärten mit Turnplätzen 12,500,000 200 Schulen mit allem Zubehör 12.500.000 200 öffentliche Parts 125,000.000 200 Bibliotheken 25.000,000 500 Garküchen 25,000,000 200 öffenUtche«ade- und Waschanstalten 12 500.000 20 Waisen- und 10 Blindenanstalten 13,750,000 20 Spitäl« für Augenkranke und 10 für Taubstumme 18.750,000 20 Armenhäus« 6,125,000 40 Hospitäl« 25.000,000 40 Spttäler für mit ansteckenden Krankheiten Behaftete 12,500.000 100 schwimmende Spitäler für Seeleute 12,500,000 30 Spitäl« für Rekonvaleszenten 18,750,000 20 Seebäder und 20 Erholungsanstalten 25,000,000 50 Unterkunftsanstalten für entlassene Sträflinge 6,250,000 1000 Fischerboote und 1000 Rettungsboot« 18,750,000 Rosien de« Landausenthalls von 100,000 Arbeftern 12,500,000 100,000 Wohnungen mtt Gärten sür Arbett« und Wittwen 250,000.000 100,000 Wohnungen gegen eine Rieth« von 125 Gulden 250,000,000 Sine JahreSpenfion von 125 Gulden an 25,000 Arme und Gebrechlich« 125,000,000 Urbarmachung von 1 Million Actes Land 162,000,000 10,000 kleine Bauernhöfe von je 10 Acre« Land 125,000,000 „Wahrhaft fürchterlich, wenn man darüb« nachdenkt," bemerkt dazu uns« Brudnorgan.„Und doch fahren die weisen und gelehrten Regierer mit ihren Kriegen fort, ja scheint man darauf auszugehen, einen allge« meinen europäischen Krieg in Szene zu setzen. „Wann wird das einmal ein Ende nehmen? Wenn da« Volk mtt seinem beff«en Rechtsgefühl« daS Rud« des Staates in die Hand be- kommt." Wir haben dazu nur z« bemerken, daß, auch ohne daß eS zum Kriege kommt, die Ausgaben für KriegSrüstungen ,c. in Deutschland in wenigen Jahren ebensoviel»«schlingen alS die obige Summe. Ob ab«, auch wenn da» nicht d« Fall, dafür ähnlich« KulturauS- gaben wie die obenangeführten gemacht würden, das ist, solang« die Gesellschaft nach AuSbeutergrundsätzen wirthschaftet, freilich mehr wie zweifelhaft. - Man schreibt unS:„Ehrlichkeit ist die beste Politik"- von d« Richtigkeit dieses englischen Sprüchleins werden sich die H«ren Fortschrttll« jetzt in einer, für sie sehr unangenehmen Weise überzeugen können. D« Kandidat, welchen sie in dem mtt Hülfe unser« Genoffen «ob«ten und durch die Doppelwahl Rickert'« vakant gewordenen Oldenburger Wahlkreis aufgestellt haben, wird bei der Nachwahl wahrscheinlich mtt Glanz durchfallen. Es ist dies die wohlverdiente Straf« für das skandalöse Verhalten d« Fortschrittler bei den Stich- wählen. Prinzipiell« od« taktische Gründe, die unS bestimmen könnten, Gnade für Recht zu üben, liegen in diesem Augenblicke nicht vor. Auf *) Wahrscheinlich holländische Gulden i 1 Ml. 70 Pf. «inen Kartellbruder mehr oder weniger kommt eS jetzt nicht an— au diesem Reichstag ist nichts zu verderben. Beiläufig war daS Verhalten der Forts chrittter noch skandalöser, alS ich beim Schreiben meines neulichen Briefes geglaubt. Nicht in einem einzigen Wahlkreis haben die Richter'schen Mannen dem fozialdemokra« tischen Kandidaten ihre Stimmen gegeben; überall zogen sie es vor, den Kartellbrüdern zum Sieg zu verhelfen. Die Sozialdemokraten haben überhaupt, mit einer einzigen Ausnahme, in diesem ganzen Wahlkampfe von keiner Partei irgend welche Unterstützung erhalten. Sie waren ganz allein auf sich selbst angewiesen. Und das ist g e n u g. Und das ist d a s B e st e— auch für die Zukunft. Die einzige Ausnahme ist Frankfurt a. M., wo die„Volkspartei" unS die Kartellbrüder überwinden half— was hiermit anerkannt sei. Wundern kann das Verhalten der Fortschrittspartei uns freilich nicht. Schon in der Mitte d« 60« Jahre, als der„große Konflikt" entbrannt war, wurde den Herren ForischriUlern von sozialistischer Seite zuge- rufen:„Ihr werdet in diesem Kampfe«liegen; denn Ihr fürchtet das Proletariat mehr als den Bismarck, und die Revolution mehr als die Reaktion." Und das hat stch ersüllt. Soweit die Zuschrift. Um g«echt zu sein, wollen wir zugeben, daß eS manchen d« fort- schrittlichen Führ« mit der Befürwortung des Eintretens für den sozial- demokratischen Kandidaten Ernst gewesen sein mag, aber diese wurden eben von dem GroS ihrer Partei, das aus Spießbürg«» besteht, im Stich gelassen. Haben doch auch in Frankfurt a m Mai» von den demokratischen Wählern, wie sich ziffernmäßig nachweisen läßt, höchstens die Hälfte für Sabor gestimmt— die Mehrzahl davon katholische Arbeiter, während die andere Hälfte theils zu Hause blieb, theils für den„Ordnungs"mann stimmte. Diese Desertion ihrer Anhänger kann aber die anständigen Elemente der freifinnigen Partei höchstens insoweit entschuldigen, als e« sich um ihre Personen handell, für die Partei ist das Urtheil um so vernichtender. In dem obgenannten Oldenburger Wahlkreis werden uns«« Genossen, wie wir deutschen Arbeit«blä!tern entnehmen, an Stelle de» früheren Kandidaten den Schlosser Paul Hug, 2. Beigeordneten d« Gemeinde Bant, aufstellen. ES soll damit Hug eine eklatante Genugthuung bereitet werden für seine, nach der erstenWahl von der Kaiserliche« Marineverwaltung ohne Angabe eine« Grundes verfügte Entlassung, trotzdem Hug seit sech» Jahren aus der Werfte beschästtzt und als guter und tüchtig« Arbett« bekannt war. „Was man mit dieser Maßregelung erreicht hat, heißt eS da, ist nur, daß aus dem bisherigen stillen, bescheidene» Streiter ei» öffentlicher geworden ist." Wohl bekomm's. Die Kandidatur Hug wird den Bismärckern und Fortschrtttlern hoffentlich zu schaffen machen. — Weitere Stimme« der ausländische« Arbeiterpresse üb« den Wahlsieg der deutschen Sozialdemokratie: Die in Brünn erscheinende„Arbeiterstimme" schreibt, nach Fest« stellung der Verluste an sozialistischen Mandaten: „Was kann denn der deutschen Sozialdemokratie daran liegen, wenn sie einige Sitze einbüßt, da sie sich doch nicht einbildet, in dem heutigen Parlamente segensreich wirken zu können? So viel Sitze erobert sie, um im Reichstage eine Fraktion zu bilden*) und alS solche selbstständig Anträge einbringen zu können, welche von den vereinigten Gegnern so wie so verworfen werden und der Sozialvemokratie nur die Gelegenhett bieten, darauf Hinzuwersen, wie wenig das arbeitende Volk von diesen Leuten in Wahrheit zu erwarten hat, welche sich so gerne als die söge- nannten Erbpächt« aller Staats- und Regierungsweisheit geberden. Die Sozialdemokratie faßt das Wählen lediglich als Agitation, al« Heerschau auf, und von diesem Gesichtspunkte aus beurtheilt ist sie dem Fürsten Bismarck auch nach der Wahl und nach den verlorenen neun Mandaten noch dankbar, daß er ihr durch die üb« das Knie gebrochen« Auflösung des Reichstages Gelegenhett gab, eine derartige Musterung ihrer Bataillone zu hallen; denn diese Musterung ist in Bezug aus die Zahl so günstig ausgefallen, daß den Gegnern der Schrecken nicht wenig m die Glied« gefahren ist. Ein solches Anschwellen der Stimmen hatten sie nicht erwartet; die deutsche Sozialdemokratie sollte gebrochen w«- den, allein sie ging neu gestärkt aus diesem Kampfe hervor und spottet nunmehr als Partei, der die Zukunft gehört, ihrer Feinde."... „Alles in allem zusammengefaßt, müssen wir sagen: durch die Wahl am 21. Februar ist bewiesen worden, daß der Sozialismus seit 1884 abermals gewaltige Fortschritte in Deutschland gemacht hat, waS auch uns ermuthigen muß, auszuharren und ununterbrochen thätig zu sein im Interesse unser« gerechten Sache." — Deutschland, ein Rarrenhau».„In einem hiesigen Gym« nastum," schreibt die Berliner„Vollezeitung",„sagten die Schül« d« Quinta vor einigen Tagen dem Lehr« beim Schluß der Schul« wie üblich„Adieu!" Der Lehrer hieß die Kind« bleiben und«klärte ihnen, sich in Zukunft beim Abschied nicht mehr des ftanzöstschen Gruße« „Adieu I", sondern des deutschen Grußes„Grüß' Gott!" zu bedienen." Nun kann es natürlich nicht mehr fehlen. Lieb' Baterland, magst ruhig sein! — Die Znsammensetzung des Parteivorstande» ist dieselbe geblieben wre vor den Wahlen. Er defleht aus den Abgeordnete» Grillenberge r. Hasenclever, Meister und Singer und dem nicht«ied«gewähtten Liebknecht. — Berichtigung. Aus de« Wahlkreise Raumburg-Zeitz schreibt man uns: „Wie kommen Sie zu dem falschen Wahlresultat von hier? Unser Kandidat heißt Robert Weber, Tischler in Schkeuditz, nicht Kühn. Der letztgenannte ist freifinnig. Das Stimmenresultat beträgt 1887: 5471 und nicht 412 6. Stimmenzuwachs gegen 1884 also nicht blos g06, sondern 1851. Wir haben gehörig geackert!" Eine sollye Berichtigung lassen wir uns gern gefallen. *) Hat sich bekanntlich nicht bewahrheitet, worüb» uns«« Genossen jedoch keineswegs übermäßig betrübt find. — Anfrns für Schneider. AuS Leipzig wird un» geschrieben, daß nachdem die dortigen Schneidermeister es rundweg abgeschlagen haben, mit den Gehilsen über einen von d« Tarifkommission derselbe« entworfenen Lohntarif in Verhandlung zu treten, diese beschloffen habe», am 19. März die Arbeit niederzulegen. Es geht daher an die Kollegen allerorts da» dringende Gesuch, Zuzug unter alle« Umstände» fernzuhalten, sich namentlich nicht durch falsche Gerüchte«. täuschen zu lassen, und die Streikenden nach Kräften materiell zu unterstützen. Adresse: August Dören, PeterSsteinweg 21. Alle arvetterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Korrespondenzen. Königsberg, im März. Das Resultat der Stichwahl an unserem Ort ist den Genoffen bekannt. 10,280 für Godau, 12,468 für Bürger» meist« Hoffmann, Kandidat der nationalliberal-konservativ-deutschsrei- finnigen Dreieinigkeit. Im ersten Wahlgange erhielt Godau von allen drei Kandidaten mit 7 3 37 Stimmen die höchste Stimmenzahl. Seit 1884 hat fich die Stimmenzahl für den Kandidaten unser« Partei bei« nahe verdoppett und das, trotzdem alles gegen un« war, und mit allen Waffen gegen uns gekämpft wurde. An der Spitze d« liberal-konser« vativen Wahlmacher stand der mehrfache Millionär Dr. Simon. Der Kandidat deS Mischmasches, Bürgermeister Hoffmann, ist nur ein Stroh« mann, welch« dem streberhaften Geldprotzen Dr. Simon die Wege ebnen soll, damtt er für die Folge selber kandidiren kann. Dr. Simon ist ein Bruder deS, seinerzeit wegen Betruges zu vier Monaten Gefängniß ver> urthettten und vom Kais« begnadigten 2Sfachen Millionärs, Banki««! und geheimen Kominerzienraths Simon(feine Familie!). Diesem Dr. Simon gehört die ihrer Billigkeit wegen von den meisten kleinen Leuten gehaltene„Allgemeine Zeitung". Ferner ist Simon HauptaktionSr bei der konservativen„Ostpreußischen Zeitung", welche an und für fich ein Reptil ist. Drittens ist er im Aussichtsrath und Besitzer der meisten Aktien der. bis zum Tage der Wahl deutschfreistnnnig thuenden„Har> tungschen Zeitung". Gleich am ersten Tage nach der Hauptwahl hatte Dr. Simon eine längere„Unterredung" mit dem Chefredakteur der „Hartungschen", Dr. Michels, und am selben Tage fordert« auch schon das Abendblatt der Zeitung die Deutschfreistnnigen auf, die Kultur und das Vaterland zu retten und deshalb für Hoffmann und gegen Godau zu stimmen. Je näher der Tag der Stichwahl heranrückte, desto schäm- loser wurden die feilen Soldschreiber des Geldsacks. Vertraulich herum- gesandte Zirkulare theilten mit, daß Godau wegen Majestätsbeleidigung „gefeffen" habe. Später machten große Plakat« diese schauervolle That dem Publikum bekannt. Am Wahltage schrieb die„Allgemeine" wörtlich: ...„Sollte aber wirklich noch Jemand fein, dem die Entscheidung schwer fällt, den wollen wir in dieser letzten Stunde noch daran erinnern, daß Schloffer Godau gerichtlich bestrast worden, weil er in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise die ar- bettenden Klaffen der Bevölkerung zuGewaltthätig« leiten gegen die Besitzenden öffentlich angereizt hat. Und einem solchen Manne sollte auch nur ein guterBürger unserer Stadt seine Stimme geben?" Daß der ganze Magistrat, das ganze städtische Beamtenthum für Hoff- mann arbeiteten, war selbstverständlich, ebenso that die gesammte Polizei- macht, denn für den neuen Polizeipräsidenten, ehemaligen Landrath, Herrn von Brandt, war dieses die erste günstige Gelegenheit, sich alS gesinnungstüchtigen,„energischen" Beamten hervorzuthun. Die Flug- blätter wurden zum Theil von der Polizei gestohlen, und wenn wir glücklich einen Posten aus der Druckerei herausgeschmuggelt hatten, so wurden die Austräger verhaftet(einige hat man geknebelt!) und die Berbreitung auf jede Weise hintertrieben. Die Namen sämmtlicher Zettel- verlheiler an den Wahllokalen wurden notirt und was der Scheerereien mehr waren. Daß die Hungerpeitjche über jeden, der für Godau«in- trat, unbarmherzig geschwungen wurde, braucht wohl kaum besonders erwähnt zu werden. Hunderte, ja man kann sagen Tausende von Ar- beitern gingen ihres Wahlrechts verlustig, weil in den Geschästen ein- fach tagüber durchgearbeitet wurde. Vornehmlich thaten sich die großen Getreidefirmen, z. B. K a st e l l, darin zuvor. Ebenso erhielten die Erd- arbeiter an den Forts keine freie Zeit, um ihr Wahlrecht auszuüben. Den Tag nach der Hauptwahl sollte gegen Godau die Hauptverhand- lung seiner Agitationsbroschüre wegen stattfinden. Selbstverständlich war der Angeklagte von all den Strapatzm während der Wahl so ange- griffen, daß eS für ihn ganz unmöglich war, mit regem Geist einer voraussichilich mehrstündigen Gerichteverhandlung beizuwohnen, jedoch genügte dem Staatsanwalt das von Godau's Arzt eingereichte Attest nicht und wurde sein Gesundheitszustand auf Antrag von einem Stadt- phystkus untersucht, welcher aber das erste Attest bestätigen mußte. Auf diese Krankheit fußend, sprengten die Gegner systematisch das Gerücht aus, Godau sei todt. Hunderte von Menschen stiömten daraufhin nach der Wohnung Godau's, um sich vom Gegentheil zu überzeugen, jedoch durfte unser Genoffs während der Zeit bis zur Stichwahl das Zimmer nicht verlaffen. Dafür war Kayser Nus Dresden gekommen, ebenso trat der aus Steltin ausgewiesene Genoffe Werner als Redner energisch in die Agitation ein. Für den Mischmalchkandidaten Hoffmann waren am Wahltage Hunderte von„freiwilligen" Zuschleppern thätig. Wehe dem Kneipwirth, der auf die Anfrage des Revierschutzmannes, ob er nicht als Vertrauensmann für den Herrn Bürgermeister am Wahltage thätiq sein wolle, eine abschlägige Antwort gegeben hätte l Genug, alles was man gegen uns thun konnte, hat man gethan, und das Resultat? Trotz- dem der Fieisinn nur zu gern der Parole des Soldschreibers und Ge- finnungslumpen MichelS folgte und in hellen Haufen in's Lager der Realtion marschirte, trotzdem alle«, alles gegen uns war, halten wir in der Stichwahl einen Zuwachs von 2233 Stimmen. Das war die Antwort, welch« die Königsberger Arbeiter dem Ordnungspack auf all die im Wahlkamps angewandte Niedertracht ertheilten. Hier ist die Situation jetzt vollständig gellärt. Der Rest der Frei- finnigen oder Fortschrittspartei, welcher, mit Möller an der Spitze, unter anderen Verhältniffen vielleicht doch noch eme gewisse Zeit lang eine dominirende Rolle gespielt hätte, ist weggefegt. Wer ehrlich ist, muß Sozialdemokrat werden, und die übrigbleibenden Lumpen gehen hin, wohin sie gehören: zum Ordnungebrei. In der Provinz regt es sich ebensalls. Elbing und Marienburg spe- ziell, in welchem Kreise Godau bei drei abgehaltenen Versammlungen und einer mit sehr geringen Mitteln und Kräften speziell von Elbinger Genoffen betriebenen Agitation gleich im ersten Anlauf 2144 Stimmen erhalten hat, verspricht zum nächsten Mal dem Gegner ebensalls viel zu schaffen zu machen. Es geht eben überall vorwärts. Deshalb rufen auch wir Königsberg«! den Genossen allüberall im Reich zu: Vorwärts und Glückauf zur weiteren Agitation zur Ausbreitung unserer Idee. Hoch lebe die Sozialdemokratie! Spandau. Anknüpfend an den Artikel des„Sozialdemokrat" in Nr. 42 deS vorigen Jahres über die Zustände in der hiesigen königlichen (d. h. staatlichen) Gewehrsabrik, sei noch Folgendes deroor- gehoben. Direktion und Meister wirthschasten nach Herzenslust. Die von der Gewehrsadrik zur Restaurirung der Arbeiter ausgesetzten 31)0» Mark waren, wie es in den Zeitungsberichten hieß, von der Direktion zur Landpartie und Sedanseier geschenkt, d. h. von dem ihr zu Gebot« stehenden Etat genommen, in Wirklichkeit aber mit eingerechnet bei den 5000 Mark für unvorhergesehene Ausgaben, wie sich bei Abschluß der Kranken- undJnvalidenkasse herausstellt- und was auch von zuverläffiger Seite bestätigt wurde. Dieser Jahresabschluß war überhaupt recht lehrreich. Die Versammlung findet bei solcher Ge- legenheit in völlig ungenügendem Räume unter Vorsitz eines Lieutenants statt, der ebenso wie seine maffenhaft in der Fabrik herumlungernden „Kollegen", als da sind: Direktor, Subdirektor, Oberstlieutenant und Hauptmann, Premi-rlieutenants, nebst einem Schock von Sergeanten und Unteroffizieren»c., von den Arbeitergroschen der Fabrikkaffe zum „Traktem-nt" einen größeren oder kleineren Zuschuß bekommt, während ein Invalide, der 30 Jahre lang in der Fabrik thätig war und ebenso lai.ge außer 6 M. Einschreibegeld alle 14 Tage 78 Pfg. Penstontzuschuß gezahlt hat, sage und schreibe ganze St M. monatlich Hungergeld bekommt. Sieventausend und einige hundert Mark waren eingekommen durch eine Biersteuer, welch« die Pächterin der zur Fabrik gehört- gen Kantine in der Zeit von ungefähr April bis September 1886. also in noch nicht einem halben Jahre, entrichtet hat. Vorher halte die Päch- terin, Frau E h l e, eine frühere Kellnerin, jährlich nur eine Kiethe von 50 Thalern bezahlt. Jndeß die Herren Offiziere haben ja ein empsäng- liches Gemüth, und Sinn für liebevolles Entgegenkommen, und Frau Ahle ist nicht häßlich; so hat sie fich denn jetzt mit enormem B-rmögen vom Geschäft in ihre Villa zurückgezogen. Arbeit bringt Segen! Jetzt hat e»n F e l d w e d e l— natürlich!— die Kneipe bekommen, der in spätestens acht Jahren ebensalls e,n reicher Rann ist, statt daß man dieselbe durch einen zuverläffigen Mann verwalten ließe und den lleber- schuh für die Jnvalioen oder sonst für einen guten Zweck verwendete. Jnd.ß, die arm« Direktion ist ja schon ohnedies mit Geschästen über- haust, und eS ist ja auch Schuld der Ardeiter, daß fie eine derartige Institution nicht anregen, da ja alle an der Verwaltung der Kaffe de- theiligt find. Diese Betheiligung besteht darin, daß die Arbeiter entweder, wie schon oben erwähnt, zwischen den Frarjebänken de« Drehsaals ober gar unter freiem Himmel zusammengerufen werden, wo nur die vorder« sten etwas, die hintersten aber gar nichts verstehen. Man hört nur recht hohe Zahlen, worunter Dotationen an die Inhaber von Ehrenämtern »«» der Kaffe, die von der Direktion vorgeschiagen werden und gewählt find, nachdem von dem Leiter der Beisammtung gefragt, ob Jemand etwas dagegen einzuw-nden habe; was s.lbstverständlich nie der Fall, da Niemand Lust hat, seine Stelle zu verlieren. Direktion und Meister gehen natürlich Hand in Hand und wirthschaf- ten nach Kräften in ihren Geldbeutel. BiS Februar 1886 mußte man fich Lampe und Petroleum mitbringen. Dann wurde Gas eingerichtet uno dem Arbeiter hiefür im Anfange nach Bedarf von dem einen Meister, B a r t h o l d mit Namen— der größte Schuft mtt aus der Fabrik— 7 Mark per Rann und Monat, von den andern mehr oder weniger abgezogen. Die Kontrole des M-isterS ist sehr schwer, da seme Leute weder Lohnbuch noch Zettel detommen. Da nun in Folge der Nachtschicht an emer Flamme für«inen Schraubstock zwei Mann jeder mit 7 Mark per Monat betheiligt find, so brachte«ine Flamme 14 Mark de« Monat ein. Nach einiger Zeit hieß es, jetzt wird von der Arbeit abgezogen und Gas wird nicht bezahlt. Trotzdem wurde noch 1 Mark bis 3.50 Mark bezahlt, und nachdem allmälig das Gasgeld wieder bis 5.50 Mark gestiegen, wiederholte sich daffelbe Spiel. Größere oder kle!« nere Spitzbuben stnd fast sämmtliche Meister mitsammt ihren Kolonnen- sührern. Der Ausschuß wird den Arbeitern höchst reichlich abgezogen, während derselbe zu Jnstruktionsgewehren verwendet und den Meistern bezahlt wird. Da nun nur die völlig fertige, von der Revision geneh- migte Arbeit bezahlt wird, so benutzen dies die Herren Schilling, Barthold und Andere, unter Beihülfe ihrer Kolonnensührer und Vorarbeiter, dazu, ihre Leute um den Lohn ihres Schweißes zu betrügen. Außer dem Kommunegeschäst der Kolonnenführer mit den Meistern betreiben Erster« noch andere einträgliche Geschäfte, da sie mit durch- schnittlich 60—70 Thalern monatlich nicht bestehen können. Infolge ihres Einfluffes drehen fie ihren Arbeitern Uhren, Ringe, schöne Zigarren, Feuer- und andere Versicherungen an. Dabei sind sie natürlich gegen ihr« Untergebenen brutal, gegen ihre Vorgesetzten Kriecher, Speichellecker und Denunzianten. Jndeß darf man fich darüber eigentlich nicht wun- dern, einer siehts vom andern, und wird das System ja in der Gewehr« fabrik, wie überhaupt im preußischen Musterstaat, von oben her förm- lich gezüchtet. Vor einigen Tagen stand Nachmittags die Maschine früher wie ge- wöhnlich. Einige Arbeiter jubelten vor Freude, für den Rest des Tages aus der stänkigen, ungesunden Luft zu kommen.(Ventilation ist ja für den Arbeiter zu schade nnd kostspielig: stirb, du Hund, von deiner Sorte gibt es mehr.) Da trat aber sofort von den grade anwesenden Offizieren der Hauptmann heran, winkte gebieterisch einen der Arbeiter herbei, der bei allen seinen Kollegen beliebt ist, und herrschte ihn an, die„Schreier" zu nennen, und als er erklärte, dies nicht zu können, da er mit dem Rücken nach den„Uebelthätern" gewendet angestrengt gearbeitet habe, so verdonnerte der Hauptmann ihn und die 27 Mann aus derselben Ecke zu je 3 Mark Strafe. Da der Betreffende unschuldig war, so wei- gerte er sich jedoch zu bezahlen und seine Kollegen zu nennen, denn etwas mehr Anstandsgefühl hätte dem Herrn Hauptmann selbst gesagt, daß ein Arbeiter seine Kollegen nicht verräth. Natürlich stnd unter den Herren der Direktion und Meister auch per- nünstigere Leute wie z. B. Meister V. Ilm die Wahlen zu beeinflussen oder aus Prahlerei äußerte er sich zu einigen Arbeitern aus Berlin, als diese sich ihm gegenüber in einer Angelegenheit rechtfertigten:„Aha! Ihr seid auch aus dem sechsten Wahlkreis, Ihr seid Rothe. Kortoffeln und Salz eßt Ihr schon, aber Ihr kommt nicht zur Erkenntniß." Das ist nun wohl weit vorbeigeschossen, selbst unsere Spandauer lernen eingehen, was ihnen Roth thut. Hier am Orte hat sich die Stimmenzahl der Sozialdemokraten gegenüber 1384, wie überhaupt im Potsdam-Osthavel- ländischen Kreis, verzehnfacht. Auch bei uns nützt die Unter- drückung der politischen Meinung und des Denkens überhaupt, wie es die königlichen Fabriken mit Gewaltmaßregeln anstreben, nicht mehr. So wurde ernem Mann gekündigt, der 31 Jahre in der Fabrik und notorisch liberal»st. 30 Arbeiter aus dem 4. und 6. Berliner Wahl» kreise oder sonst gesinnungstüchtige Leute wurden in der Gewehrfabrik sowie in den übrigen königlichen Werkstätten direkt und indirekt ent- lasten. Jndeffen fahret nur fort, Ihr werdet zu spät sehen, wem Ihr am meisten geschadet. Wir wünschen nur, daß die Siimmenzahl der Auf- geklärten so im Wachsen bleibe wie seit kurzer Zeit. Es lebe, blühe und wachse die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit! Linnich, 23. Februar. Wahlresultat vom 21. Februar im Wahlkreis Düren-Jülich: 21,623 23 21,533 Abgegebene Stimmen Ungiltig erklärt Rest Davon erhielten Stimmen: Regierungsrath Alfred Graf von Hompesch(Zentrum) 13,670 Jungbluth(Septennatskandidat) 1,714 Aug. Bebel(Sozialdemokrat) 178 R-st zersplittert. Bei der letzten Wahl hatte Bebel S Stimmen! ES geht auch hier vorwärts. Wahlkreis Darmstadt-Groß Gerau. Hier ging eS bei der Wahl- ka npagne recht bunt zu; nie had-n wir den Polizei- Apparat in Stadt und Land so sunktioniren gesehen, aber auch noch niemals haben die Gegner mit so niederträchtigen Mitteln gearbeitet als diesmal, und dies obendrein unter der Protektion der Regierung. Leider war aber zugleich hier nie die Zahl der kampfeemuthigen Genossen so zusammenge chrumpst. In O f f e n b a ch hat der„Kleine" seine Schuldigkeit thun müssen, und in Darmstadt die Polizeiwillkür. Die Wirthschasislokalitäten der Ge- nassen Müller und Cramer waren während der Wahlkampaane von Po- lizisten vollständig belagert; besonders in der Wirthschaft Müllers benahm sich die Polizei mehr wie flegelhaft. Der Bizekommlssar Hofferbarth stolzirte tägliq wohl sünfundzwanfigmal durch daS Gastzimmer, sah den Gästen frech in's Gesicht, unv die, welche er nicht kannte, mußten sich legitimiren oder ihm aufs Polizeirevier folgen. Ein« diesbezügliche recht«. anwaltliche Beschwerde wurde mit einer nichtssagenden Antwort adge- wiesen. Genosse Liebknecht, der unS kurz vor der Wahl einen Besuch ab- stattete, hatte sich derselben Lieb nswürdigkeit zu erfreuen, doch legiti- mirte er sich nicht, sondern folgte dem Polizisten aufs Hauptpolizeiamt und da er dort den Poliz-idir-ktor nicht sprechen konnte, übersandte er demselben ein- kräftige B-schw-rdeschrift. Aber auch diese blieb erfolglos. Erst am 21. Februar Nachmittags, als der oroßartige Sieg der Ratio- nalliberalen besiegelt war, änderte sich der Zustand. Die bekanntesten Genoffen hatten fich schon währeno der Wahl einer in respektvollster Entfernung sich haltenden Begleitung zu erfreuen gehabt. Zw-, Genossen. die sich hier niedergelassen hatten, und deren Mithülfe uns in der«gi- tation sehr noth that. wurden nach kurzer Thätigkeit»erhaftet. Der eine Kapp, behufs Strafverbüßung. der andere. G r i m p e. unter der Beschuldigung, V-rsaff-r des zweiten Wahlstugblattes zu sein, wegen dessen obendrein-in Prozeß gegen 31 Personen erhoben ist..... Auf dem Lande wiederum hatten die Bürgermeister dafür gesorgt, daß un« kein Lokal zur Verfügung stand. Eine Rassenhaus'uchung in der Stadt und aus dem Lande hatte ihren Einfluß auch nicht versehlt. Un- sere Stimmzettelverthe.ler wurden fast überall von den Wahllokalen weg- gejagt und bei der Wahlhandlung die frechsten llmtnebe verübt. Dabei haben die Nationalliberalen bei verschlossenen Thüren gehetzt, geschimpft und gelogen. Wo sich ein Genoffe in ihren Versammlungen blicken ließ, wurde er hinausgeworfen. So wurde der harmloseste Landmann zum verbissensten Sozialist-nfreff-r aufgehetzt; Wahlbeeinfluffungen und Stimmenkauf wurden auf offener Straße getrieben. In Riffel« heim, in der Obel'schen Nähmaschinenfabrik, rief man die Arbeiter aus« Komp- toir, wo man sie aufforderte, einen nat.on-lliberat-n Wahlaufruf zu unterzeichnen. Dreißig, die sich weigerten, wurde sofort gekündigt. In mindestens vier Fällen wurden die Arbeiter, mtt Ullrichszettel versehen, zur Wahlurne getrieben. -In Pfungstadt, dem Wohnort des nationalliberalen Strohmanns, hatten wir am 15. Februar eine Versammlung einberusen, die auch von den Anhängern der Kandidatur« ü l l- r zahlreich besucht war; wir mußten jedoch von der weiteren Abhaltung der Versammlung abstehen, um nicht ein kleines Stettin heraufzubeschwören. SS hatten fich nämlich vor dem Versammlungslokal em großer Hausen„Besoffener'�8� der, ganzen Tag Freibier in der Brauerei de« Herrn Ullrich- meisten« Brauerknechte deS Herrn Ullrich, eingefunden und drohten, mit Knup- veln bewaffnet, die Versammlung ,u sprengen. Daher die Stimmenzahl: 763 für Ullrich und IIS für Müller. Doch da» war hoffentlich der lest« Trumpf, den die Reaktion ausgespielt hat. W»r werden bei diesem Reichstag nicht protestiren, obwohl wir schon genügend Material in Händen haben,»der wir werden uns zu rächen wissen. Wir theilen die Freud« über da« Slimm-nresultat im Allgemeinen. Sin«»an, besondere Genugthuung ist«» un«, daß w»r das kriminelle Fluablatt tro» der großartigen Ueberwachung ,n 20,000 Exemplare« im ganzen Wahlkreis oervre.tet halten, bevor d,e heilig« Hermandad dahinter kam. Nicht umsonst ist der SlaatsaAwall über sein« Leute so ��Wir�haben nun leider gegen da« vorige«al einen Rückgang von 800 Stimmen zu verzeichnen. Doch liegt dies, wie die Genossen au» Voistehenvem ersehen, nicht daran, daß wir nicht jeder voll und ganz gethan, was in unfern Kräften steht. Es fehlten uns aber nicht n«» einige tüchtige Genossen, die theils abgereist, theils inzwischen gestorben stnd, sondern eS ist uns auch in der Person unserS inhaftirten Kandi» daten Genosse Müller eine bedeutende Kraft entzogen gewesen. Freilich muß auch konstatirt werden, daß sich einige, sonst tüchtige Genoffen dies« mal in den Schmollwinkel zurückgezogen haben. Doch das ist vorüber» gehend, wir werden die Scharte schon wieder auswetzen. H— b— 1 Chicago, 23. Februar. Ein dreifach donnerndes Hurrah den brave» deutschen Sozialisten, und ein dreifach donnerndes Hoch der Solidarität der Arbeiter aller Länder I Brüder, stehet fest im Vordertreffen, wir stehen in geschlossenen Kolonnen hinter Euch. Im Auftrag der am 22. Februar in Zeps'S Halle staitgefundenen Volksversammlung: C. F. Hoffmann, Sekretär. Sprechsaal. München, im Mär, 188?. Ein Matth. Ehlen, früher angeblich Weißwaarengeschäftsinhabe» hier, Theresienstr. 146/1, hat sich kürzlich in Bern auf uns berufen« und will von hier auS politischen Gründen geflohen sei». Der Mann ist uns gänzlich fremd, seine sonstigen Angaben be« ruhen auf Schwindel, womit er Geld erlangen will. Wir warnen vor ihm. Die Münchner Genossen. NB. Von Bern ist Ehlen spurlos verduftet. Die Expedition des„Sozialdemokrat". Alle Arbeiterblätter werden gebeten, unserem amerika« nischen Parteiorgan, dem„Sozialist", 172 First Avenue, New-Dork City, ein Tauschexemplar zukommen zu lassen. Briefkasten der Redaktion: Einsendungen ,c. find eingetroffen au» Cell«, Forst i/L., Halle, Mainz, Merseburg.— GracituS: Ein« derartige Verpflichtung existirt nicht, daS Reichswahlgesetz weiß weder von anerkannten Parteien noch von deren Kandidaten etwas. der Expedition: Hansen: Mk. 1 23 f. Schft. erh. Ggrchg gutg. — A.«g. Schffhs.: Fr. 6 10 f. Schft. N. N. erh.- F. Th. Eaux Vives: Fr. 4— Ab. 1. u. 2. Qu. erh. Nachlfg. komplet abg.— Der arme Conrad: Rk. 70— ä Cto Schft.»c. erh. Bstllg. folgt. Alle» unterwegs.— Morgenroth N.: Mk. 50— ä Cto Ab. erh.— T. Mann Cstdt.: Mk. 50— ä Cto Ab.»c. erh. Adr. u. Bstllg. notirt.— Ber« rina: Bf. v. 13/3. hier. Adr. geordn. Weiteres demnächst.— F. Sch. Marfala: Fr. 2 50 Ab. 1/3-1,6. erh.— Bimbam: Mk. 10— ä Cto Ab. Bum 87 erh. U. Rum. geordnet. Grüße allseits I— L. 1865 Dpltz.i Fr.— 75 f. Schft. erh. 35 Cts. retournirt.—«. Agst. Schffh».: Fr. 5 50 Ab. 2. Qu. erh.— Schwalbe: Mk. 12— Ab. Nov. u. Dez. pr, Wfd. ausgegl. Weiteres am 16/3. bfl.— Rothe Taube: Mk. 100— ä Cto Ab. tc. erh. Bstllg. tc. folgt. Theils länger unterwegs.— Dtschr. Ber. Bern H.: Fr. 23 50 Ad. 4. Qu. u. Schft. erh.— E. S. Sb.: Mk. 3— Ab. 2. Qu. erh. Beil. desorgt.— F. Sch. Ddf.: Mk.»— f. Schft. erh. Weiteres später.— Verem Vorwärts Buenos-Aire«: Fr. 220— f. d. Frbgr. Opfer u. Fr. 154— pr. llsds. dkd. erh. Qttg. in Nr. 11 somit erledigt. Signatrsirtes angenehm.— A. Lg. Fbg. o. S.: Mk. 4 40 Ab. 2. Qu. u. 60 Pf. pr. Ufds. dkd. erh.—«. Sk. Ntch.: Mi. 2 50 f. Schft. erh. Sdg. abg.— Weißbier mit Eierkuchen:«k. 2— Ad.-Rest 1. Qu. erh. Prosit!— Bon einem verschämten P.-Gen.! Rk. 1— pr. llsds. dkd. erh.— Maßkrug: Alles sofort nach Bstllg. besorgt. Verzögerung rn Zwischenhand mitunter unvermeidl. Dank für BerichliteS.— C. M. 3 S.: Mk. 3— Ab. 2. Qu. erh. Warum extra? — N. N. in N.: Ml. 20— pr. Ad. 87 erh. Hiervon Ml.» 60 pr. 1« Qu. 88 gutgebr.— Der Alte Lgz.: Mk. 30— ä Cto Ab.»c. erh. Adr. geordn.— Dr. Clemm: Mk. 100— ä Cto. Ab. ic. erh. Adr. notirt. Bfl. mehr.— C. K. H.-St.: Mk. 4 40 Ab. 2. Qu. pr. Hgw. erh.— P. Gf. Bsl.: Fr. 2— Ab. 2. Qu. erh.— Zürrch Schützenha».sv«rs.: Fr. 1 10 f. Schst. erh.— Rarat: Eingetroffenes v. 21,3. besorgt.— Wahrer Jakob: Mk. 18— ä Cto Ab. 1. Qu. tc. erh. Adr. geordnet. — Beelzebub: Mk. 4 60 Ab. 2. Qu. u. Portoers. erh.— L. Sch. Ddt.: Mk. 4 40 Ab. 2. Qu. u. Mk.— 60 pr. Aso. dkd. erh.— Allg. Aib.« Ver. Zug: Fr. 10 50 ä Cto Ab. 1. Qu.»c. erh.— Schwäb. Hans: Mk. 5 70 Ad. 1. Qu. u. Schft., sowie Ml. 2— pr. UfbS. dkd. erh.— H. Ph. A B. K. a. Rh.: Mk. 4 40 Ad. 2. Qu. erh.— Pater Plazilmsl öwst. 2 78 Ad. 2. Qu. S. u. A. pr. W. erh.— Rostock: Ml. 100— pr. llfd. dkd. erh.— Knurrhahn: Wflbl. dkd. erh. Bstllg. folgt. Weit«» r«S unterwegs.— R. Tz. Z.: Fr. 2— ä Cto Ad. erh. Durch Unterzeichnete ist zu beziehen: Pretzstimmen über das Freiberger UrtheU wider die Angeklagten Auer, Bebel, Dietz, Froh»ch H e i n z e l, Müller, Ulrich, Biereck und Bollma«. Preis: 50 Pf.(75 St».) Porto extra. Zahlreichen Bestellungen sehen entgegen ßillistllchtzalldllllli bs* Sistkditiis des..s»sialdt«»kr»t" Hottiugen-Zürich. O<4* Samstag, den 26. März, Abend» 8'/, Uhr, im Ca?« «OUnty Mutter(früher„Weißes Rößli") a« der SchiflltaM 1. Stocks, beschlösse«« Attsamml»«g der dnltsche» Sopalissea. Tagesordnung: Anträge zur Konferenz und Delegirtenioahl. Zu zahlreichem Erscheinen ladet freundlichst«in De» Lokalau»sch»ß. Die zur Aufnahme Angemeldeten find hierdurch»um Besuch d« Bn» sammlung«ingelaben. Zur Beachtung. Wenn die gegenwärtig««irthichastliche Lage ohnehin nicht geeignet ist, die Hoffnungen, mit denen Mancher sein Ziel nach Frankreich richtet, zu erfüllen, so möchten wir besonder» Diejenigen warnen, welch« Ä'" Handwerker stnd. In allen Fällen empfehlen wir Jedem, fich vorher schristltch un» zu wenden. Dcntscher sozialdemokratischer Leseelnb in 76 ruo Fravyoi» Miron: Di« Seschästskommissio». NB. Di« öffentlichen Versammlungen finden jeden Samstag S Uhr statt. Zutritt für Jedermann. L13,,v,i3 D-r Skandinavische Lese-«nd Dtsenfft»»«« «püllv gZereiu Pari» Out sein Lokal: Ca 14 da Oanomoetz, nie St. Hovore(Tis-a-Tis des Magasina du Lou-re). Blätter ve zchuotnet Spruch n liegen daselbst zu jeder Zeit au». Jeden Montag Abend» Uhr öffenttlch-«-rzammlung m.t Bottvoj UNd DiSluffi»!-. Gratis, itnierricht in Sprachen und verschied« neu anderen Fächer« I daselbst erthettt, eveus»».derlei Ruth und Austuust.