Abouuements knbtn b«i all!» schwit,»>!<«» Hokburiau;, sowte beim Berlaz «id deHen belannten Agentin Mgegengenommen. und jwar zum »«rau» ,at>id«r«n Lierteljahrdpreii von: Gl. fite di,Schwe>t(»reutban>> Wl.>,- für Teutschland(Sauden» «. 1,70 für Oesterreich(Sauden» St, 8,50 für alle übrigen Länder des WeUpastdereini(itreu,b»nd». Illftlstt die dreigesp allen« Petitzeil« '' 85 St».-- 20 Psg. Der Zgiialdemokral Hrgan der Sozialdemokratie deutscher Zunge. ttfätM »<«»««»»« Zürich(Schweiz), Aers«G de» »«»»»»uchchamdl«»« H-»»»«««. Zürich. Doßseüdllüze» franl» gegen frani». Bewbhnlich« VNefe »ach der«ch».,, laß«, TappelpaNa. Jtö. 14» Briese an die üiedaltian und Erpeditian de» in Teutschland und Oesterreich verdatenen.Satialdemafra«'«alle man unter veadachtung äußerster o a r sich» abgehen lassen. In der Regel schicke man uns die Briese nicht dirett, sondern an die bekannten Deckadresse». Zn jweiselhasten Fällen eingeschrieben. 1. April 1887. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Hochverrath am deutschen Volke. Ein Deutscher, welcher sich mit emer ausländischen Regie« rung einläßt, um dieselbe zu einem Kriege gegen das deutsche Reich zu veranlassen, wird nach§ 37 des deutschen Reichs- Strafgesetzbuches mit Zuchthaus nicht unter fünf Jahren, und wenn der Krieg ausgebrochen ist, mit lebenS- länglichem Zuchthaus bestraft. Und ein Deutscher, der vorsätzlich ein ihm von Seiten des deutschen Reiches oder von einem Bundesstaate aufgetragenes Staatsgeschäft mit einer anderen Regierung zum Nachtheil dessen führt, der ihm den Auftrag erthcilt hat, wird nach§ 93 Absatz 2 ebendesselben Reichsstrafgesetzbuches mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bestraft. Staat und Reich, Reich und Staat— gibt eS kein Straf- gesetzbuch, welches das deutsche Volk gegen Hochverrath schützt? Gegen Hochoerrath, begangen, in schmachvollem Mißbrauch ihrer Stellung, von den höchsten Beamten des deutschen Reiches? Denn ein wahrer Hochverrath am deutschen Volke ist die Art, wie Bismarck jetzt den Papst als Bundes- genossen aufruft zum Kampf wider die politischen Rechte, Wider alle Freiheitsbestrebungen des deutschen Volkes. Man lese die Rede, mit der der unübertreffliche Staats« mann am 24. März im preußischen Herrenhaus den weiland so pomphaft geführten„Kulturkampf wider Rom"— nicht begraben, denn das war er schon längst, nein, wieder aus- gescharrt und seine Asche zu Ehren der römischen Kirche und des„friedliebenden PapsteS"— wer lacht da?— verbrannt und in alle Winde zerstreut, die Herrschaft Rom» über den gesammten katholischen Klerus als crstrebenSwertheS Ziel ge- Priesen hat, und man beantworte uns dann die Frage, ob «in nichtswürdigeres, frivoleres Spiel mit den Volksinteressen, als es da mit zynischer Offenheit proklamirt wird, noch denk« bar ist. Wir sind gewiß die Letzten, die daS Ende des„Kulturkampfes", den wir von Anfang an bekämpft haben, bedauern. Wir wußten, daß er in der Art, wie er begonnen und von der Seite, von der er ausgmg, geführt wurde, nie zum Heile des wirklichen Kultnrfortschrittes ausfallen konnte. Nicht das Aufgeben der Kampfgesetze, der„HoheitSrechte des Staates", sondern der Preis, um den der Handel abgeschlossen wird, verdient die schärfste Brandmarkung. Bismarck ruft den Papst zum Bundesgenossen auf im Kampfe gegen die politischen FreiheitSbestrebungen in Deutschland. Er stärkt die Macht des Papstes, des größten Feindes der geistigen Freiheit, nur um mit seiner Hilfe den politischen AbsolutiS- mus zu kräftigen. „Papst und Kaiser", ruft er pathetisch,„haben in dieser Beziehung das gleiche Interesse und müssen gegen Anarchie und Umsturz gleichmäßig Front machen. Handelte es sich wirklich um„Anarchie und Umsturz", so würden wir ein solches Bündniß für zu selbstverständlich halten, um darüber auch nur ein Wort zu verlieren, aber nach Bis- marck's eigenen Worten sind wir ja„soweit noch nicht." Für ihn, der immer nur mit den nächstliegenden Dingen rechnet, Handell es sich um die„demokratischen Tendenzen", daS heißt, um das Bischen politischer Freiheiten, die das deutsche Volk noch voll 1848 und auS den Tagen her besitzt, da es fein Gut und Blut einsetzen mußte für daS Zustandebringen der deutschen Reichsherrlichkeit. Diesen letzten Rest auszurotten und jeden Versuch, eine Erweiterung der Bolksrechte anzu- bahnen, im Keime zu ersticken, dazu soll der Papst jetzt die Hand bieten. Es ist ein Gegenstück zu den verrätherischen Umtrieben Ludwigs XVI. mit den auswärtigen Höfen gegen das eigene Volk. Wie damals der„innere Feind", wie daS französische Volk auf solche hohe Politik antwortete, ist bekannt. DaS deutsche Bürgerthum aber liegt anbetend vor seinem großen Staats« mann auf dem Bauch und ruft, mit Bezug auf die ihm einst so theuren Kulturkampfgesetze, mit Hiob, seinem hebräischen Ur- bild:„Der HErr hat's gegeben, der HErr hat'S genommen, der Name des HErrn sei gelobt." Bor vier Jahren begeisterte Lutherfeier, und jetzt VerHerr« lichung de«„friedliebenden PapsteS". Hat aber Leo XIII. den SyllabuS, der alle religiöse Toleranz verflucht, aufgehoben? Mit nichten. Hat er überhaupt in irgend einem Rundschreiben seinen„kriegerischen Vorgänger" deSavouirt? Mit nichten, er hat lediglich seine Werke sortgesetzt. Die Friedensliebe bezieht sich nur auf den Verkehr mit den Regierungen. Mit seinen Enzykliken gegen den Sozialismus, gegen die Preßfreiheit zc. hat sich Leo XXII. bei den Regierungen beliebt gemacht, flch als den Papst erwiesen, wie sie ihn heutzutage brauchen können, und darum wurde er von ihnen zum friedliebenden Mann gestempelt. Leo XHX wäre ein Narr, wenn er eine Rolle, die ihm so viele Vortheile eingetragen, nicht mit Seelen- ruhe sortspielcn wollte. Als Oberhaupt der römischen Kirche sucht er eben aus der Situation den größten Vortheil für diese herauszuschlagen, und entspricht so nur den Traditionen derselben. Aber im Lande der Reformation den Papst als Schiedsrichter anzurufen in der äußeren wie in der inneren Politik, aber im fände der Reformation den Ka« davergehorsam der Jesuiten als die harmloseste Kleinigkeit von der Welt hinzustellen, und doch ein so aufrichtiger und frommer Protestant zu sein, wie es Bismarck be- kanntlich— zu sein behauptet, dazu gehört allerdings, um mit Herrn Gueist zu reden, die Gesinnungstüchtigkeit eines politischen Seiltänzers. Jndcß freilich, nicht nur bei den Jesuiten heiligt der Zweck die Mittel. Und außerdem, wozu wäre die äußere Politik da, wenn sie nicht für jede Niedertracht, die gegen daS eigene Volk ausgeheckt wird, die bequemste Ausrede böte? Sie mußte auch diesmal herhalten, dem„Friedenswerk" eine höhere Weihe zu geben. Bismarck wies auf Oesterreich hin, mit dem der Kulturfriede das deutsche Reich in bessere Beziehung bringen werde, und überließ es Jedem, der die europäische Lage keUnt, diese eine„Andeutung weiter durchzudenken". Für den echten Nationalservilen genügt das, den schwarzen, Mann deS deutschen Philisters wieder aufmarschiren zulassen: Frankreich. DaS Bündniß mit dem Papst stärkt die Position Deutschlands gegen Frankreich, ergo: ES lebe der SyllabuS! O sie haben Recht, die genialen Festdichter, von Herrn HauS Hopfen bis zum Hans oder Peter Hoppstätter, die am jüng« sten„Jubeltage der Nation" die Art, wie 1848 das deutsche Volk sich die Einheit durch die Freiheit zu erkämpfen suchte, verspotteten gegenüber der großartigen Art und Weise, wie Bismarck und Wilhelm die Einheitsfrage auf dem Schlacht- felde lösten. Das deutsche Volk wird an dieser welthistorischen „Lösung" noch lange zu kauen haben. Sie hat ihm seine politische Freiheit gekostet, und sie wird ihm jetzt auch die Pfaffenherrschaft bringen. Die Pfaffen werden in'�-Lond gerufen, um den demokra- tischen Geist in der katholischen Bevölkerung zu ersticken, und sie werden in dieser Beziehung ihr Möglichstes thun. Sie er- halten ihre Privilegien zurück, ihr Verdummungsmonopol, man wird ihnen die Schulen— nnd in dieser Beziehung war der Hinweis auf Oesterreich allerdings sehr am Platze— wieder ausliefern, und wenn es nach Bismarck ginge, schließ- sich auch noch die Universitäten, um die es zu drei Vierteln allerdings nicht einmal schade wäre. Und das Pfaffenthum wird dagegen bei jedem Altentat auf die politischen Rechte des Volke» hilfreiche Hand lessten. Die Abstimmung deS Zentrums in der Septeunatsfrage machte den Anfang, wir werden noch ganz andere Rückzüge erleben. Die Bourgeoisie kann das mit Seelenruhe ansehen, sie ist es ja nicht, die die Kosten des schimpflichen Handels zu tragen haben wird, ist sie doch selbst zur frömmelnden Betschwester ge- worden, es ist die große Masse des arbeitenden Volkes: die Arbeiterklasse ist eS, auf deren Nacken beide Theile die Kosten des Friedensschlusses abladen werden: die materiellen wie die geistigen. Die Pfaffen sollen ihren Einfluß aufbieten, die Arbeiterklasse geistig zu entmannen, sie von der Geltend- machung ihrer politischen und sozialen Forderungen abzuhalten, ihre Augen von dem Kernpunkt der Frage abzulenken, sie gegen das„gottlose" Frankreich zu Hetzen, und das Uebrige besorgen der Militärdrill und die Kriegervereine. Das ist der Plan, und an Machtmitteln, ihn durchzuführen, fehlt es sicherlich nicht. Alle Faktoren, über welche Bis- marck und Leo gebieten, alle KorruptionSmittel, die namentlich Ersterem zur Verfügung stehen, werden aufgeboten werden, das schöne Ziel, das sie im Auge haben, zu erreichen: die Unterdrückung der„Revolution", d. h. der EmanzipationS- bestrebungen der Völker. Aber zum Glück gibt eS einen Faktor, der stärker ist als Papst und Kanzler, und der heißt: der Einfluß der ökonomischen und technischen Entwicklung. Weder Bismarck noch Leo können diese aufhalten, sie können die Demokratisirung der Natur« Wissenschaften nicht verhindern, weil sie die Ansprüche der modernen Technik ohne sie nicht befriedigen können. Im Jnter« esse seiner selbst muß der Militärstaat hier eine wirkliche Kulturmission erfüllen: die Technik ist es, die heute die Kriege entscheidet. Und alS Förderer der Technik zerstört er selbst die VervummungSarbeit, die er von den Pfaffen in der Schule ausüben läßt. Den Rest besorgt die ökonomische Ent« Wicklung. Laugst zum Klassenbewußtsein erwacht, werden sich die deutschen Arbeiter mit allen Künsten der pfäfflschen Dialektik nicht mehr einschläfern lassen; in dem Bewußtsein, daß sie die Träger der Zukunft sind, werden sie den Gedanken der politischen und sozialen Emanzipation als ihr höchstes Gm hoch»alten und sich durch keine Gesetze aus ihrem Herzen reißen lassen. Jin Gegen- theil, je stärker die Reaktion, je schwerer der Druck von oben, je größer die Schaar der Feinde, um so fester werden sie an ihm hallen, um so mehr für seine Propaganda wirken, um so rühriger den Boden der heutigen Ausbeuterordnung unter- wühlen, bis der Tag, der uuausdleibliche Tag kommt, da alle Künste der modernen Staatsweisheit nicht« mehr helfen und daS Gebäude des Klassenstaates in seiner ganze» Hohlheit zu- sammenbricht. Dann aber werden hoffentlich Diejenigen zur Rechenschaft gezogen werden, die heute die Hand dazu geboten, das deutsche Volk, das Volk der Lessing, Kaut nnd Herder, an den romischen Papst zu verkaufen. Material für Sozialist.«,; au» den Werken anerkannter Statistiker und Nationalökonomen. Die von Frau« n n i e B e s a n t(der bekannten Mitarbeiterin de» Malthufianisten Bradlaugh, die sich aber neuerding» zu sozialistische» Anschauungen entwickelt hat) herausgegebene Monatsschrift„Our Corner* (Unser Winkel) bringt in ihrer MSrznummer folgende interessante statistische Skizze, die obwohl englische Verhältnisse betreffend, doch auch für deutsche Leser von Nutzen sein wird. Sind doch die sozialen und wirthschaftlichen Verhältnisse heute in allen Industriestaaten so ziemlich die gleichen, nur ist die Einkommens-:c. Statistik in Deutschland noch zu unentwickelt, um ein gleich übersichtliches Bild des VerhäUniffeS zwischen der reichen, bezw. wohlhabenden Klasse der Bevölkerung und der großen Masse der mehr oder minder nolhleidenden Klassen zu gestatten. Was aber in dieser Beziehung auS Einzelstaaten, so z. B. Preußen bekannt geworden, zeigt, daß daS Rißverhältniß dort keineswegs geringer ist als in England, sondern eher noch schlimmer. V Die folgenden Notizen sind zum Nutzen der Mitglieder der Fabier» Gesellschaft*) und anderer Vertheidiger des Sozialismus aus den Werke« anerkannter politischer Oekonomen und Statistiker, sowie auS offizielle» Veröffentlichungen zusammengestellt. Ueberall sind die Quellen vollständig und genau angegeben, doch ist zu bemerken, daß keiner der Schtiftsteller, deren Werke wir zitiren, in irgend einer Weise, weder sür die Form, noch für den Geist dieser Zusammenstellung, noch sür irgend»twaS, waS über die thaisächlichen Zitate hinausgeht, verantwortlich ist. Wir glauben» die authentischsten Zahlen zu geben, die zur Zeit zu ermitteln sind, aber eS ist klar, daß ihr Werth ein sehr verschiedener ist. Einige beruhen auf genauen Berechnungen, während andere nur Schätzungen sind, die auf mehr oder weniger Kenntniß von Verhältnissen bastren, die noch nie exakt untersucht worden sind. l. Wie groß ist daS Nationaleinkommen? DaS jährliche Einkommen deS vereinigten Königreichs wird von nach« stehenden Fachleuten auf zirka 12—1300 Millionen Pfund Sterling geschätzt oder, da die Bevölkerung im Jahre 18S4 sich aus SS Millionen belies, auf 35 Pfund per Kopf, bezw. 1«0 Pfund aus den verheiratheten Rann. Im Jahre 1840 waren es 20'/, Pfund und 1880 28'/, Pfund per Kopf.(Mulhall,„Statistisches Lexikon"**) S. 24b): Pfund Sterling Sir Lonii Mallet(Angestellter de! Indischen Amti und Mitglied des Cobden Clubs, tn seiner Schrift:„Nationalreichthum und Steuerleistung", 1883/84..... 1,289,000,00$ Professor Leone Levi(vom King'» College, London) in der„Times", 13. Januar I88S. 1,2740,00,000 M. R. Gissen(vom Handelsdepartement) in„Auf» sähen über Finanzwesen", 2. Bd. S. 480/472, Februar 1884..... 1,270,000,000 Mr. Mulhall,„Statistisches Lexikon", 1888 Veite 245...... 1,247,000,000 Prof. A. Marshall(von der Universität Cam« bridge) in„Bericht der Industriellen Lohnkon« serenz", S. 194. Januar 1885.. 1.175.000.000 Diese Zahlen, welche nur au» den Einkommensteuerlisten und den Schätzungen der durchschnittlichen Lohnhöhe gewonnen sind, besagen, daß der Geldwerth der im Laufe eines Jahre« im Lande hervorgebrachte« Waaren und verrichteten Dienstleistungen sich aus 140 Pfd. sür de« erwachsenen Rann beläust. Die meisten dieser Waaren und Dienst« leistungen werden in dem gleichen Zeitraum zum llnterhatt der 35,000,000 Einwohner ausgebraucht, und nach Mr. Gissens Schätzung werden höch« st-n« 200,000.000 jährlich„gespart"(„Finanzwissenschasttiche Essay«", Bd. 2, S. 407). Das Gros dieser„Ersparnisse" existirt in Form von neuen Eisenbahnen, Häusern, Wegen, Maschinerien und anderen Hilf«« mitleln für künftige Arbeit. Für die folgenden Vergleich« behalten wir al» Gesammtztffer bei die Summe von:___ Pfd. 1,230,000,000. II. Wer p r o d uz i r t e S? Die nothwendigen Waaren und Dienstleistungen, die in dieser unge» Heuren Summe entHallen sind, werden einzig und allein durch die„An» strengungen und Ausopferungen"(Lairnee) sei«S der Muskeln oder de« Geiste« de» arbettenden Theil« der Gesammtbevölkerung, unter ZuhUfe» nahm« der Natur, hervorgebracht,»dam Smith„»«igte, daß Arbeit die alleinige Quelle de« ReichthumS ist---- CS ist also die Arbeit, und nur die Arbeit, der der Mensch alle«, wa» er an vertauschbarem Werth be« sitzt, verdankt."(RcCulloch,„Prinzipien der politischen Oekonomie", 2 Th., 1. Abschn.)„Kein Reichthum irgend welcher Art kann ohne Ar« beit hervorgebracht werden."(Professor Henry Fawcett[Cambridges, „Handbuch der polittschen Oekonomie", S. 13.) „Die nutzbringende Seite, die einig« gelehrt« Schriftsteller i» den ver« fchwenderischen Ausgaben de» nichtsthuenden Reichen entdeckt zu habe« glauben, erweist flch auf einmal al« bloß« Illusion. Die politisch« Oekonomie liefert keinen derartigen Deckmantel sür maßlos« Selbstsucht. Nicht al« ob ich-in Wort gegen die Heiligkeit von Verträgen sagen wollte. Aber ich hatte es sowohl au« moralischen wie aus ökonomischen Gründe« sür wichtig, darauf zu bestehen, daß kein öffenUicher BortheU irgend welcher Art au« der Existenz einer nichl»thu«nd«n reichen«lasse stammt. Der Reichthum,«elcher von ihren«orsatzten und Anderen für sie aw »)„Gesellschaft der Fabier" nennt sich«In sozialistischer»erei« in England, der sich folgende« Motto al« Richtschnur feine« Borgehens gewählt:„Auf den richtigen Moment müßt Ihr warten, wie e« Fabiu«, al« er gegen Hanmbal tämpste, mit so außerordentlicher Geduld gethan, obwohl viele fem Zaubern tadelten Aber wenn die Zeit kommt, so müßt Ihr wie Fabiu» kräftig losschlagen, sonst wird Euer Warten umsonst und ohne Nutzen gewesen ,«>«." **) Im Inte:«'« der deutsche« Leser find überall auch die Titel de» Werk« in'« Deutschs ürerzetzt.(D. Ueberf.) -gehaust worden ist, würde, wenn er all Kapital angewandt würde, ohne Zweifel dazu beitragen, die Industrie zu fördern; aber daS, was sie in LuxuS und Faulheit aufbrauchen, ist nicht Kapital, und hilft zu nicht» weiter als zum Unterhalt ihre» eigenen nutzlosen Dasein». Unter allen Umständen müflen sie ihre Renten und Jntereflen haben, wie»S in ihrem Schein geschrieben steht; aber laßt sie nur ihren besonderen Platz al» Drohnen im Bienenkorb einnehmen und sich vollstopfen bei einem Schmause, zu dem sie nichts beigetragen haben."(John Eliott CairneS, Profeffor,„Einige Grundprinzipien der politischen Oekonomie," S. SS, London 1S74) III. Wer die Arbeiter sind. Diejenigen Individuen, welche erklären, daß st« in irgend einer Weise an der gesellschaftlichen Arbeit mitwirken, zersallen nach dem letzten Industrie �Landwirthschaft 'Handel Dienende Sonstige Berufe Unbeschäftigte unter j 20 Jahren ■ Unbeschäftigte über • 20 Jahren j(Zusammengestellt nach dem Zensus von 1881; Zensus für England und Wale», Z.— 3,797; Schottland, 3.-3,657; Irland, Z.— 3,365.) Unter den als Arbeiter Aufgeführten sind natürlich viele, deren Be- ischäftigung rein nominell ist. Die betreffenden Zahlen werden durch die Sogenannten„stillen Theilnehmer", die undiplomirten Juristen, Invaliden, 'PauperS, Gefangene und Psründner aller Art künstlich erhöht. Viele Tausende liegen außerdem Beschäftigungen ob, die nutzlos oder auch für die Gemeinschaft positiv von Schaden sind; andere arbeiten ehrlich, aber pn der Eigenschaft von Dienstboten oder gewerblich Angestellten zum Beispiel) für den persönlichen Komfort von Faullenzern, und muffen i'daher, soweit die Produktion in Betracht kommt, selbst als unthätig ... angesehen werden. Ij Nichtsdestoweniger waren es im Jahre 1881: 407,169 erwachsene .Männer(einer auf einundzwanzig), welche nicht einmal den Schatten .«wer Beschäftigung zu haben behaupteten. Der größte Thetl dieser bilden 'das Grs« der faulen Reichen,„das große soziale Uebel einer nicht arbeitenden Klaffe".(I. St. Mill.) !' IV. Wie die faulen Reichen leben. „Woher stammt ihre Kauskraft? Sie steigt nicht vom Himmel zu Ihnen herab, noch ist sie per unterirdischen Telegraph von Kalifornien «der Australien erlangt; ebensowenig ist ihr Entstehen erschöpfend nach- bewiesen durch das Vorhandensein gewiffer Zahlen auf der Kreditseite ihrer Rechnungen in der Büchern ihrer Bankiers."(Prof. Cairnes.) „Sie leben hauptsächlich von den Theilen des NationalproduklS, welche fwon Rente und Interessen nennt, und die auf der, ihnen ge- .setzlich gewährten Garantie an den Früchten der Arbeit und Enthaltsam- cleit Anderer beruhen, die ihnen ohne eigenes Verdienst und Arbeit zu- . fallen.(I. St. Mill.) '■„Es ist augenscheinlich, daß die Rente die Wirkung eines Monopols ist.«(I. St. Mill.) „DaS Monopol in allen seinen Formen ist die Besteuerung des Fleißes itzum Unterhalt der Faulheit, wenn nicht deS Raube»."(S. St. Mill.) (Fortsetzung folgt.) Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 29. März 1387. — Man soll vom Feinde lernen, lautet ein alte» und sehr -weiseS Sprichwort. ES wird un« durch die in verschiedenen Zeitungen .,u findende Nachricht in'S Gedächtniß gerufen, die WahlkomiteS ider Ordnungsparteien wollten sich nicht auflösen, son- den» in Permanenz bleiben und ihre agitatorische und organi- satorische Thätigkeit mit Rücksicht auf die künftigen Reichs« t a g S w a h l« n fortsetzen. Da« ist ein vortrefflicher Plan. Und wir rufen den Herren Ordnung»- ktzarteilern ein aufrichtiges Bravo zu. Um so aufrichtiger, alS e» eigent- lich un» selbst gilt. Denn dies« Idee stammt von den S o z i a l d e m o> traten, ist in den Parteiorganen wiederholt befürwortet worden und war auch«ine Zeitlang durchgeführt, ist aber in �neuerer Zeit etwas in Bergeffenheit gerathen, allerdings unter Umständen, welche«S sehr be« greifltch und verzeihlich erscheinen laffen. Schon zu Anfang der 70er Jahre schrieb der„Volksstaat", nicht» könne thvrichter sein, als die Wahlagitation blo» auf die Wahlkampagne im engeren Sinn« zu beschränken. Schlachten werden in der Regel nicht «uf dem Schlachtfeld gewonnen, Kampagnen nicht während der Kam- pagne. Der Sieg muß durch die Vorbereitungen„organistrt" «erden. DaS Schicksal der Schlachten und Kampagnen ist— von seltenen Zufällen abgesehen— schon entschieden, ehe die Armeen sich gegen- überstehen. Rur Kinder und Köhlergläubige glauben noch an das Mär» chen von dem„genialen" Blick wunderbarer Feldherren, die, wie mit Zauberet, durch ihr persönliches Eingreisen im Nu das Schlachtenglück wenden und verlorene Schlachten zu gewonnenen machen. Wer etwa« von Militärwiffenschast und Kriegsgeschichte versteht, weiß, daß Der- 'jenige siegt, welcher die meisten, die besiverpflegten und bestausgerüsteten Truppen an einen gegebenen Punkt bringen kann. Und da« ist Sache der Vorbereitung. Und darum haben die Franzosen mit Recht Earnot, der nie eine Armee befehligt, aber für die V orberei- t u n g e n zu den Schlachten und Feldzügen gesorgt hat, den„Organi- lsator der Siege" genannt. In genau derselben Weise haben auch die Wahlschlachten und Wahlfeldzüg« vorbereitet zu werden. i So ungefähr sprach sich schon vor anderthalb Jahrzehnten der„Volks- • staat" au», und ähnlich hoben mehr al» einmal die Parteiorgane sich i seitdem ausgesprochen. Und unser« Partei hat auch diese Erkenntniß in . die P r a x i» umgesetzt und ihren agitatorisch>propagandistischen Beruf außer Augen gelaffen. Allein jetzt, wo unsere Feinde, durch unS belehrt, die ausschlaggebende Wichtigkeit der Agitation und Organi- sation auch außerhalb der eigentlichen Wahlzeit eingesehen haben, ist unsere Aufgabe wesentlich gesteigert— das bisherige Maß der«gita- tion, Propaganda und Organisation genügt nicht mehr,— eS . muß, den»erhältniffen ent,prechend, vermehrt und erhöht werden. Die Senoffen in Deutschland sind sich deffen sehr wohl bewußt; und die Vorbereitungen für die nächsten Wahlen haben bereits in allem Ernste begonnen. Natürlich wird uns die Sache nicht so leicht gemacht wie den Herren Ordnungsparteilern. An verschiedenen Orten hat die Polizei schon die sozialdemokratischen WahlkomiteS aufgelöst, und weitere Maßrege- lungen in dieser Richtung sind zu erwarten. Was einem OrdnungSmann recht ist, ist einem Sozialdemokraten nicht billig, im Reich der Gottes- furcht und frommen Sitte— trotzdem sämmtliche Verfaffungen der deutschen Bundesstaaten die Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetze al» Grundlage de» Staatswesen» hinstellen. »ei dieser Gelegenheit fällt unS ein, daß vor denWahlen in konservativen Zeitungen, u. A. auch in der„Leipziger Zeitung". dem amtlichen Organ der sächsischen Regierung— das beiläufig auf unsere verschiedenen Anfragen noch nicht geantwortet hat— Organi- sationS- und Agitationspläne veröffentlicht wurden, die, hätte ein sozialdemokratisches Blatt sie veröffentlicht, unbedingt eine Anklage auf Grund der Paragraphen 128 und 129 nach sich ge- zogen hätten. Jndeß wie dem sei, wir kennen die Gerechtigkeit unserer Polizei und unserer Herren Richter und— wir werden un» die Freiheit nehmen, nach unserer Faxon selig zu werden, d. b. unsere Parteigeschäste so zu besorgen, wie e» für unsere Partei am heilsamsten ist. — Zur Raturgeschichte der deutsche« Studeuten. Bei der letzten ReichStagSwahl ließen sich die Studenten mehrerer Universitäten, namentlich der Leipziger, von den„Ordnungsparteien" als Bediente und Schlepper gebrauchen. Bierselig und von Zeit zu Zeit die„Wacht am Rhein" johlend, holten sie„saumselige Wähler" aus den Häusern, bedrohten furchtsame Wähler an den Wahllokalen, kurz, spielten eine her- vorragende Rolle bei dem ReichS-Radau, den die OrdnungSparteiler anstellten. Zum Lohn hatten sie Freibier am Wahltag und durften nach der Wahl sich auf Regimentsunkosten einen reichstreuen Siegesrausch mit obligatem Kater anschassen. In Leipzig vollzog sich das Alles unter Direktion de» berühmten Sparig, der, wie wir schon früher mit- theilten, bei einer solchen patriotischen Sauferei das Amt des Ehren« prästdenten erhielt. Mit diesen deutschen Studenten, die auS der Servilität ein Geschäft machen und sich für die künftige Anstellung einen rothen Rock verdienen wollen— mit dieser ideallosen, im Knech'sinn verkommenen Jugend der Bourgeoisie vergleiche mmi die Jugend des Proleta- riats, die jungen Arbeiter, die, von der Polizei gejagt und verfolgt wie wilde Thier«, den Taglohn preisgebend, oft hungernd und frierend, für die Partei der Unterdrückten wirkten, Stimmzettel und Flugblätter vertheilten, den Rohheiten und Drohungen der Gensdarmen, Polizisten und ordnungsparteilichen„GentlemenS" spottend Trotz boten, ihre Frei- heit, Gesundheit und Existenz opferfreudig aufs Spiel setzten und durch ihre hingebungsvolle, rastlose, zielbewußte Arbeit das glorreiche Ergeb- niß der letzten Wahl ganz wesentlich herbeiführten. Wer von wahrer Größe, von wahrem Geistes- und HerzenSadel einen Begriff hat, kann, vor die Alternative gestellt, ob der Jugend des Pro- letariats oder der Jugend der Bourgeoisie die Palme zu reichen sei, auch keinen Augenblick schwanken. Und in der Jugend liegt die Zukunft. Eine Nation, eine Klaffe, deren Jugend verkommen ist, geht unrettbar dem Untergang entgegen; und der Nation oder Klaffe, deren Jugend den Blick auf daS Ideale gerichtet hat und voll begeisterten Schwunges hohen Zielen zustrebt, ist ein blühendes Leben gesichert, gehört die Zukunft. Der Bourgeoisie ist der Verfall sicher— ihre Jugend bürgt dafür. Dem Proletariat ist der Sieg sicher, die Arbeiter« jugend bürgt dafür. Vorstehendes halten wir gerade geschrieben, als uns die wunderliche Rede zu Gesicht kam, welche der alte Wilhelm in Berlin an die Stu> dentendelegation hielt, welche ihm zu seinem 90. Geburtstag gehuldigt hatte. Psychologisch ist der Erguß insofern von einer gewissen Bedeutung, als er uns zeigt, wie der unglückliche HeldengreiS bearbeitet wird. Die Auflösung de« Reichstag? war ein schwerer und unerfreulicher Entschluß" — aber die Bearbeitung dauerte solange, bis der Entschluß doch gefaßt war. Und daß die neuen Wahlen das Herz deS Beschlußfaffers erfreuen mußten, versteht sich nach der vorangegangenen Bearbeitung eigentlich von selbst. Wichtiger ist das Lob, welche» den deutschen Studenten für den jetzt auf den Universitäten Herrichenden Geist und für die Thä- tigkeit bei den letzten Wahlen gezollt wird. Der auf unseren Universitäten Herrichende Geist ist der Geist viehischer Völlerei, rohester Rauflust und niedrigsten Streberthum». Und dieser Geist wird vom Aller-Allerhöchsten Munde gepriesen! Der Kaiser hat seinem Kaiserreich den Werth- stempel aufgedrückt. Und die Thätigkeit der Studenten bei den letzten Wahlen! Sie waren, wiederholen wir, die„Schlepper" und Handlanger der Ordnungsbanditen, freiwillige Polizisten, Spitzel und Denunzianten, Kolporteure der Kriegslage— kurz, die Werkzeuge von Subjekten wie S p a r i g und Konsorten! Indem der Kaiser den Studenten für diese Wahlthätigkeit dankt, hat er den letzten Wahlen den Werthstempel auf« gedrückt. Beiläufig glaubt man in Berlin vielfach, daß vie vom„ Reich Sanzeiger" dem Kaiser in den Mund gelegten Worte gar nicht von ihm gesprochen worden seien. Und daS ist auch keineswegs unglaublich, ändert indeß nichts an der Thatsache, daß das herrschende System die studirende Jugend, das heißt die künftigen Beamten, methodisch zur Brutalität und Servilität erzieht, und daß jede Gelegen- heit, auch die am wenigsten geeignete— und welche könnte ungeeigneter sein als jetzt die Feier des Geburtstages eines dem Grabe zuwankenden Greises?— dazu benutzt wird, diesen Geist zu pflegen.— Was nun den Festrummel selbst betrifft, so ist er genau so aus- gefallen, wie er ausfallen mußte. Der Knechtsinn hat die unglaublichsten Purzelbäume geschlagen, und mit Ausnahme der S o z i a l d e m o- traten haben alle Parteien sich an dieser Orgie hündischer Niedertracht betheiligt. Auch die demokratische. So schreibt z. B. die„Frankfurter Zeitung" des Herrn Sonnemann am Vorabend des„großen Natwnalfestes": „DeS Deutschen Reiches Grenzen werden morgen, in« Unge- messen« erweitert, sich mit dm Grenzm der bewohnten Welt decken; soweit die deutsche Zunge klingt, wird man den Tag festlich begehm, an welchem der erste Kaiser des Deutschen Reiche» daS neunzigste Lebensjahr vollendet, wird man dem Greise huldigen, deffen Haupt in gleicher Pracht und Fülle der Lorber deS Krieges und des Friedens schmückt. Die Geschichte hat kein Fest dieser Art zu verzeichnen, das Blatt, das ihr damit zu Theil wird, ob eS wohl jemals wieder seines Gleichen haben wird?. �. „Bon der Feier und Huldigung wird sich keine Partei aus« schließen wollen, sie hat nichts mit den Kämpfen des TageS, nichts mit den politischen und sozialen, mit den konfessionellen oder nationalen Gegensätzen zu thun, und schwer würde sich an der Feier selbst, wie an der Person des Gefeierten versündigen, wer dem Tage das Gepräge einer einseitigen Parteirichtung geben wollte. WaS unS zur Ehrfurcht zwingt, was Freude und Stolz in un» wachruft, ist etwas rein Menschliches und darum etwas All« gemeines; wir ehren das seltene Alter eines Greises, dem es beschieden ist, der Stolz seiner Nation, ein leuchtendes Vorbild für die ganze Welt zu sein. „Ein Vorbild inibesondere für treue Pflichterfül« l u n g i n st e t e r A r b e i t, für die glänzende Erfüllung des Wortes, daß der Fürst und Herrscher der erste Diener des Staate« ist. Ein Hohenzoller war es, der damit dem modernm Königthum seinen hohen Beruf vorgezeichnet, von allen seinen Nachfolgern hat keiner diesen Beruf in seiner Ausdehnung und Tiefe so e»-« faßt wie Kaiser WUHelm." Und so weiter. Daß der Mann, mit welchem so ekelhafter Götzendienst getriebm wird, am 13. März 1348 das unbewaffnete Volk von Berlin aus dem Hinter- halt überfallen ließ; daß er 1849 die Vorkämpfer des deutschen Frei- heits- und EinheitsgedankenS niedermetzeln und fiandrechteln ließ; daß er 1866«inen schmachvollen Bruderkrieg begann und im dynastischen Jntereffe Deutschland zerstückelte, daß er durch die Zerstückelung Deutschlands 1 870 den Krieg mit Frankreich herbeiführte, der Hunderttausenden den Tod, Millionen Trauer, Elend und Ruin gebracht hat; daß er der g e g e n- wärtigen«era de« Sozialistengesetze,, deS Spitzel. regimentS, der Korruption das Siegel seines Namen» ge- geben hat— da» Alles schetnt der„Frankfurter Zeitung" unbekannt zu sein. Nun, w i r haben e» nicht vergessen, wir wollen un» aber auch nicht ereifern. Wenn die Servilität solch- Blüihen treibt und die Monarchie derartige hyperbyzantinische Anbetung heischt, dann geht eS schon stark abwärts m»t der Monarchie und dem Gesindel, deffen st« zu ihrer Existenz bedarf. Urbrigen» braucht man blo» die Schilderungen der Geburtstage Napoleon», des sogenannten Dritten, zu lesen, und man wird sin- den, daß unsere deutschen Skribenten und Poeten, verglichen mit den französtschen, doch noch armselige Stümper sind. Selbst beim Speichel- lecken bewahrt der Franzose noch eine geiv fs>« anz, während der Deutsche dabei die eckigen Manieren des S.ur knechts jat. Und was sagt man heute— ISJahre nachseiue« Tod— von Napoleon? Undwa« wird man in ISJahren von seinem deut� schen Nachfolger sagen? — Prozeutpatriote«. Wenn man die naiionalservilen deutsche« Blätter lieft, so sollte man meinen, eS gebe keine tug endhaftere« Patrioten auf der Welt, als die d e u t s ch e n Offiziere. So ein deutscher Offizier ist der verkörperte Ehrbegriff; allen materielle« Einflüssen unzugänglich, läßt er von allem seine Hände, wa» in Punkt» Ehre, Patriotismus und gute Sitte nicht ganz reinlich und zweifelsohne — wenn wir nämlich dem glauben, was wir im politischen, feuilleto« nistischen k. Theil dieser Blätter lesen. Run gibt e» aber eine Abtheilung, wo die sonst allmächtige konventionelle Lüge einem mächtigere« Herrscher sich gegenübersteht, und ihm gegenüber das Feld räumen muß, sobald die beiderseitigen Interessen kollidiren. Dieser Gegner heißt: der G e l d p u n k t, und da? Schlachtfeld der H a n d e l S t h e i l. Vor de» Geld, dem allmächtigen Herrscher unserer Zeit, bestehen keine Vorurtheile, keine Standesunterschiede, vor Gott Mammon geben sich die Mensche«, wie sie sind. Und wenn Gott Mammon seine Stimme erhebt, so schont er auch keinen Nimbus, keine Traditionen, die mit seinen heiligen Jnter« essen im Widerspruch stehen. Dann kennt er nichts al» die Wahrheft, die reine, unverfälschte Wahrheit. Im Handelstheil der sehr loyalen Münchener„Allgemeinen" stieße« wir vor einigen Tagen auf einen Artikel, überschrieben„Der O f f i- zier al« Kapitalist", in welchem bitter darüber Klage geführt wird, daß sich die deutschen Offiziere nicht mit den tugendhaften 3'/, und 4 Prozent solider deutscher Kapitalanlagen begnügen, sondern in höchst bedenklicher Weise sich nach den 5 und mehr Prozent auswärtiger An« leihen gelüsten laffen. „Es wird nunmehr," lesen wir da,„soweit uns bekannt, von de« Offizieren vor Ertheilung der HeirathSerlaubniß lediglich der Nachweis verlangt, daß sie«ine bestimmte Rente genießen oder eine gewisse Summe von Werthpapieren besitzen. Bei der erstmaligen Vorlage oder Bezeich- nung solcher wird allerdings auf ihren„Charakter" gesehen, und es sind un» Fälle bekannt, daß sich militärische Behörden bei Handelskammer» Aufschlüsse über verschiedene Werthpapiere erholten— aber damit ist die Sache erledigt. Was dann mit„diesen" Werthpapieren geschieht, ob sie nicht schon in der nächsten Stunde gegen höher ver« zinsliche vertauscht werden, entzieht sich einer Kontrole. So ist un« ein Fall bekannt, in welchem sich 4"/„ige bayerische Staatsobligationen und 3'/,"/„ige Reichsanleihe in kürzester Zeit in rus- fische, serbisch« und portugiesischeObligationen ver- wandelten____«in Umstand, der dem betreffenden Besitzer erfreu« licherweise schon bei dem allerersten kleinen Rückgange dieser„Werth«" Kopfzerbrechen verursachte. Wie dieser eine Fall, liegen wohl mehrere, und wir müflen mit Bedauern konstatiren, daß sich viel>» viel fremde Papiere in den Besitz unsererOffiztere eingeschlichen haben. Für den aktiven Offizier nun eignen sich Anlage« in ausländischen und besonder? exotischen Papieren am allerwenigsten. Abgesehen von dem meist nicht vorhandenen und wohl auch nicht zu ver« langenden Verständnisse bei der Auswahl derselben ist der Offizier nicht einmal im„Frieden" in der Lage, den Bewegungen der einzelnen Pa- piere zu folgen.... Und gar erst in kritischen Zeiten, im Falle eine» Krieges! Wenn überhaupt Zeit und Gelegenheit vorhanden ist,„diese" Papiere zu verkaufen, so kann es nur mit ungeheuren Opfern geschehen, wenn nicht, so zieht der Offizier ins Feld, und die vom Staat aus be« rechtigten Gründen verlangte, finanziell sichergestellte Lage seiner Offi« ziere oder deren Angehörigen hat mit einem Male eine sehr„uner« wünschte" Gestalt angenommen.... Wir haben absichtlich nur„prak« tische" Gesichtspunkte für die von uns geäußerte Ansicht WS Feld geführt, e» Anderen überlassend, die ebenso wichtig« politisch« und patriotisch« Seite der Angelegenheit zu beleuchten; wir haben überhaupt nur eine Anregung gegeben und die Aufmerksamkeit der kompetente» Kreise auf einen offenbar vorhandenen„Mißstand" lenken wollen." So weit der praktische Handelspolitiker, der zweifelsohne fein« sehr guten Gründe hatte, die Aufmerksamkeit der„kompetenten Kreise herauszufordern. Wir wollen aber auf diese sehr naheliegenden Motivs nicht welter eingehen, sondern begnügen un« mit der Annagelung de» von ihm„mit Bedauern konstatirlen" Thatsache. Recht nett, nicht wahr« diese Geschichte von den Offizieren, die„in kürzester Zett" ihre nationale» Papierche's in internationale verwandeln? Der christltch-ger» manische Charakter de» deutschen Offizierkorp», auf den da» Ge« lichter von der„Kreuzzeitung" rc. nicht genug pochen kann, erscheint dadurch in ganz eigenthümlicher Beleuchtung, die frettich nur den über« raschen kann, der sonst nie Gelegenhett hatte, hinter die Kouliffen zu schauen. Wer aber Zeug« gewesen, wie die blaublütigsten, mit Titeln und Orden überladensten Herrschasten in den Zimmern knoblauchduftend«« Kommerzienräthe in kordialster Weise verkehrten, nicht etwa, um Swn- dung von Schulden zu erlangen— da» wäre ja noch daS Wenigste— sondern um mit Herrn Ephraimsohn ein Geschäftchen in Fond» oder Produkten zu«ntriren, wer e» miterlebt, wie Grafen und Baron« aus der intimsten Umgebung de»„Allerhöchsten" gegen«in gute« Trinkgeld für Silderstein, Goldberg und Kompagnie begehrt« An- leihen subskribirten,— die hohen Herren werden bei der Zeichnung natürlich stets bevorzugt— dem sagt der obig« Artikel absolut nichts Reue». So irrt sich der Artikelschreiber sehr, wenn er meint, daß die Offi- ziere nicht im Stande seien, den Bewegungen der einzelnen Papiere zu folgen. Die Herren sind keineswegs die unschuldig Verführten, al» die er sie hinstellen möchte. ES gibt wahre Moltke'S des Kurszettel» unter ihnen. Und so antisemftisch„Kreuzzeitung",„Reichsbote" ,c. sich auch geberden, sie haben so gut ihrm Börsentheil wie die freifinnige „Judenpreffe". Außerdem läßt auch grade die Börsenpress« a« Loyalität nichts zu wünschen übrig. Die Börsenzeitung de» Herrn Killisch gereicht keinem Milttärkasino zur Unehre. Statt patriotischer bayrischer 3'/, Rentenbriefe 6% Russen, in der That allerliebst. Bei der gespannten Situation zwischen Deutschland und Rußland laffen sich hübsche Verse darauf machen. So z. B.:„Ein rechter deutscher Mann kann keinen Russen leiden, doch ihre— Zinse» nimmt er gern" rc.»c. Oder sollte doch«in patriotischer Sinn i« kind'schen Spiele liegen, und unsre Offiziere nur dazu russische Papier« kaufen, um auS ihnen, für spätere Fälle— russisch zu lernen? —„O diese abscheuliche« Sozialdemokraten k Sich polittsche» Widersachern gegenüber so boshaft zu zeigen l Man steht doch gleich, daß die Sozialdemokraten schlimmer sind als andere Menschen!" So, wen« auch nicht wörtlich, doch genau dem Sinne nach winselt daS„Leipziger Tageblatt", weil die Sozialdemokraten einiger Vorstadtdörfer bei Leipzig mehreren Wirthen, die stch während der letzten Wahl unanständig be« nommen haben, ihre— Kundschaft nicht mehr zuwenden wollen. O diese abscheulichen Sozialdemokraten l Daß in S a ch s e n allein ein paar tausend Arbeiter wegen ihrer Thättgkeit in der letzten Wahlkampagne von Ordnungsparteilern auf« Pflaster geworfen und auf die„schwarze Liste" gesetzt, also positiv zum Hungertod verurtheilt worden sind, da» ist natürlich ganz in der Ordnung. Denn e» sind ja„OrdnungS« parteiler", die diese Schandthaten verübt haben. Und was die Orb« nungspartetter thun, ist wohlgethan. Ja, diese abscheulichen Sozialdemo« traten! sie find so boshaft, bei Wirthen, die ihnen ihre Säle für Ver« fammlungen abgeschlagen, und in Wahlausrufen mit ihrer Unterschrift jeden Sozialdemokrat für«inen VaterlandLverräther und sonstigen Verbrecher erklärt haben— kein Bier mehr trinken zu wollen I Ganz teuf« lisch, diese Handlungsweise der Sozialdemokraten. WaS aber wird da« „Leipziger Tageblatt" erst sagen, wenn diese Schandbuben von Sozial- demokraien in da» bis jetzt vereinzett gebliebene Vorgehen Methode brin« gen und e» verallgemeinern? Und nun Scherz bei Seite: Wir sind— und daS haben wir schon früher gesagt— keineswegs der Rei« nung, daß polittsche Gegnerschaft zu persönlicher Feindschaft, und zu« Abbruch de» persönlichen Verkehrs, also auch deS Verhältnisses von Käufer- und Verkäufer führen soll. Und wir würden e» sehr beklagen, wenn einem Geschästsmann, der nicht unserer Partei angehört, aber sonst«in ehrlicher Mann ist und sich anständig benimmt, seitens unserer Parteigenoffen die Kundschaft entzogen würde. Allein ander» steht die Sache, wenn der politisch« Gegner sein« Gegner« schaft m gehässiger und unanständiger Weise bekundet. Und ein GefchäslSmann, welcher unsere Partei durch unehrliche und un« anständig« Mittel(wie Saalverweigern oder Saalabtreiben) zu schädigen sucht, und der un» in pöbelhafter Weise beschimpft, ka I kann auf Rücksichtnahme keinen Anspruch machen— er hat nur den verdienten Lohn für seine Handlungen, erntet nur, waS 4 et gesäet hat. Und er muß ein doppelt erbärmlicher Bursche sein, wenn er hintennach noch jammert und winselt. Wer uns schlägt, den schlagen wir wieder, und, wo irgend möglich, mit zwiefacher Wucht. Und die I Burschen, an welchen unsere Genossen in den Leipziger Vorstadtdörfern * jetzt ein Cxempel statuirt haben, verdienen ihr Schicksal im vollsten ' Biaße. Daß sie von den„Brbeitergroschen" leben, das hätten sie sich » früher sagen sollen; das ll n k l u g- ihres ThunS— von der Moral ' gar nicht zu reden— ist ihnen rechtzeitig vorgestellt worden. Und wer < nicht hören will, muß fühlen. Unsere Genosien würden sich einer wahr- ' Haft sträflichen Schwäche schuldig gemacht haben, hätten sie anders * gehandelt. Brutalen Gegnern muß man seine Macht zeigen. Und * das Interesse der Partei erheischtes, daß wir den unan- t ständigen Gegnern durch ein nicht mißzuverstehendes arAumsntam c»ädominsm den Nachweis liefern, daß gewisie Waffen zweischneidig * stnd, und daß wir keine Lust haben, uns als AmboS und Prügel- - jungen gebrauchen zu lasten. » Wir bedauern nur Eines: daß unsere Genossen ' dies noch nicht genügend begriffen haben, und daß » sie ihre sauer erworbenen„Arbeitergroschen" noch ' in zahlreichen Fällen Personen zuwenden, die in frivolster Art unsere Partei verunglimpfen und zu � gu schädigen beflissen sind. Wenn die Arbeits? zusammenhalten, können sie mit Leichtigkeit •«inen großen Theil der niederirächiigen Praktiken, unter denen sie ' jetzt leiden, und namentlich bei der letzten Wahl zu leiden hatten, zu * Nichte machen— eS gibt sehr wenige Wirthe und Ge» ' jchäftsleute, die nicht von der Arbeiterklasse ab- iängig wären, und m dieser Thatsache liegt eine gewaltige tacht der Arbeiter, von der vollen und systemati« g jchen Gebrauch zu machen, nicht nur daS Recht, son« e d e rn die Pflicht jede« Parteigenossen ist. - Zu dieser Forderung der Taktik kommt die Forderung deS ein- 3 jachsten Selbstgefühls. Kann ein Arbeiter, der ein Fünichen von r Rannesstolz besitzt, der Gast oder der Kunde eines Mannes sein, k der ihn aus das Schmählichste beschimpft und in seinen Jntereffen zu i hchädigen sucht? ' Wer dies nicht einsieht, stellt sich da« denkbar ungünstigste > HeugnißauS. ' Und noch Gins: ' Befinden wirunSjetztnichtimKriegSzustand? Sind wir ' nicht dem Treiben der Feind« gegenüber durch die einfachsten Regeln * der Rothwehr zu Repressalien gezwungen? Können wir ' dieses Schwert aus der Hand geben? Würde daS„Leipziger Tageblatt" V nn« nicht ob so alberner Sentimentalität auslachen? t. Rein, die Genoffen der Leipziger Vorstadt-Dörfer haben Recht, und t wir wollen blos hoffen, daß ihr Beispiel überall, wo Ber an- » tzassung vorhanden ist, Nachahmung finden möge. i. Und auch hier gilt das: die ckat, qni cito dat. Je rascher der Schlag * geführt wird, desto besser. Je rascher und je kräftiger! '— Nationalliberale Unverfrorenheit. In der„Nationallibe- '»alen Korrespondenz" heißt es, die reichsseindlichen Klagen, daß bei der tzetzten Wahl auffallend viel Unregelmäßigkeiten und Ungesetzlichkeiten vorgekommen seien, entbehrten jeder Begründung. ' Beweis: es sind weniger Wahlproteste eingelaufen als das letzte ' Mal. * Die letztere Thatsache ist richtig, hat aber ihren Grund darin, daß ' gerade in Folge der kolossalen Beeinflussungen in J«nanchen Wahlkreisen die Kartellbrüder so bedeutende Majoritäten er- • langt haben, daß die Wähler ei— zumal bei der servilen Majorität dieses Reichstags— für aussichtslos hielten, einen Wahl- * Protest nach Berlin zu schicken. Der angebliche„Bew.'iS" der„Nationalliberalen Korrespondenz" be- ' weist also genau daS Gegentheil von dem, waS er be. " weisen soll. Uebrigens wollen wir doch den Genossen in denjenigen Wahlkreisen, * welche keinen Protest erlassen haben, den Rath geben, die Haupt- « Dahlskandale festzustellen und in Gestalt von Petitionen " dem Reichstag zur Kenntniß zu bringen, von jeder solchen Petttion '«der einem soztaldemokratschem Abgeordneten eine» b« » fchrift zukommen zu lassen. So wird wenigstens die Brandmar« � v u n g de« Ordnunqsgesindeis ermöglicht. Die Petittonen müßten Anträge auf Abänderung deS Mangel- " haften Wahlgesetzes und auf Erlaß von Gesetzen zum . Schutz der Wähler und zur Bestrafung derEingriffe ® k» die Wahlfreiheit tc. enthalten. v— Wozu man in Preußen noch immer heidenmäßig viel Geld hat. Bei Arbeitern, Invaliden k. sieht man in Preußen bekannt- s Ach sehr scharf darauf, daß st« ja nicht doppelte Einnahmen bezw. Unter- « Stützungen erhalten. Der Staat braucht Geld und muß sparen. EtwaS « andere« ist natürlich, wo eS sich um Minister, Bischöfe-c. handelt; da v haben wir noch immer„heidenmäßig viel Geld". Wie Puttkamer für seine g unschätzbaren Dienste nicht nur doppeltes Ministergehalt einstreicht, son- z. kern auch MiethSentschädigung für eine Amtswohnung, die er gar nicht , braucht, wenn er sich nicht einen Doppelgänger zulegt, wissen unsere „ Leser, und würdigen daher das«ngstgeschrei, das der arme Tugendbock « jetzt in der Befürchtung ausstößt, daß ihm die Beute von seinem Kartell- 0 vruder Miguel, der von der Diskontogesellschast her auch für so « etwas„Geschmack" hat, entrissen werden könnte. Aber die Puttkamer'schen f 3 x 86,000 Mark stehen nicht allein da in Preußen. So bringt der ,,«b des Kultursriedens wildgewordene„Altkatholische Bote" in einer h seiner letzten Nummern folgende interessante Enthüllung aus der Diözese *„Man erinnert sich, daß, als Herr Melchers nach Rom versetzt wurde, d in der Erzdiözese Köln eine Geldsammlung stattfand, um ihm einen seiner n Stellung entsprechenden Unterhalt zu verschaffen. Nach einiger Zett lieh n«r in der Kirche verkündigen, durch eine Fügung der göttlichen N Vorsehung sei es geschehen, daß er solcher Unterstützung nicht be- , dürfe; er werde das bereits gesammelt- Geld zu wohlthätigen Zwecken verwenden. Ich weiß jetzt, worin die Fügung bestanden hat. Die römische j Kurie erklärte, den neuen Kardinal nicht besolden zu können und tt auf eine Entfernung desselben von seinem erzbischöflichen Stuhl« nur ß.«inzugehen, wenn die preußische Regierung ihm seine n 86,000 Morl, auf die er als Kölner Erzbischof An- * spruch habe, belasse. Die Regierung ging darauf ein g und der Handel kam zu Stand«: Melchers 36,000, Krementz 86,000, v«acht zusammen 72,000 Mark. Der preußische FiikuS bezahlt also jetzt se zwei Erzbischöfe, oder, wenn Sie wollen, einen nicht im preußi- S scheu Etat stehenden Kardinal mit dem Gehalte eines Erzbischoss, it»a« er in Rom imJnteresfe deSVatikans verzehren darf." fi Recht nett, in der That. Jndeß, wie gesagt,„wir Habens ja dazu," >, und„wir" brauchen mcht einmal die Volksvertretung zu fragen. Im I« preußischen Etat findet sich nämlich, wie die„Frankfurter Zeitung" kou- x Katirt, kein Titel für Herrn MelcherS, aber— eS gibt da allerlei D i s- x politionSfondS, von deren Verwendung„Niemand nichts c« s verß".„Sollte etwa," frägt das volksparteiliche Blatt,„die Fügung ft der göttlichen Vorsehung Herrn MelcherS da untergebracht c« haben? Darauf wird die wellliche Vorsehung, Regierung genannt, Ant- f« wort zu ertheilen haben." i Wenn es ihr paßt. Sonst nicht, denn fi« ist ja für diese Disposttions- b-fonds Niemand verantwortlich. v Ein Kardinal, der au« dem Topf deS Reptilienfond« gefüttert ir wird, das ist in der That eine„wunderbare Wendung durch GotteS » Fügung". Freilich, schon Altmeister Göthe sagte:„Die Kirche hat einen « guten Magen" und„kann ungerechtes Gut verdauen". n bekomm'S, rufen wir, und mit unS hoffenllich Exzellenz— ir, Wlndlhorst. tt «. Bravo! Offenheit ist unter allen Umständen eine schätzbare Eigen- jchast, und so begrüßen wir ei denn auch mtt aufrichtiger Freude, wenn r« unter dem Schutz der Bismarck'schen Polizei- und Militärmacht— denn rd»onst hätten sie schwerlich den Muth dazu— die deutschen Schornstein- n«- onrone und ihre Mameluken offen und rückhaltlos den Grundsatz pro- |U»amtren, daß der Arbeiter mit seiner Arbeitskrast zugleich auch sein t,-Veisttge« Ich, seine Ueberzeugung verkauf«, auf das Recht einer selbständigen Meinung keinen Anspruch habe. DaS ist mit dürren Worten der Refrain, der jetzt durch die ganze Re- gierungs- und Fabrikantenpresse geht, als Antwort auf das mit jedem Tag sich häufende Beweismaterial für die beispiellose Entfaltung deS» eeinfluf fung S ap par ate S bei der letzten Reichs tagswahl. Aus den vielen Beschönigungsversuchen— nicht doch, Beschönigung klingt noch viel zu sehr nach Entschuldigung— auS den vielen derarti- gen PronunziamentoS des Ausbeuterabsolutismus, die uns vorliegen, wollen wir für heute nur eine herausgreifen. Sie betitelt sich:„DaS Hausrecht des Industriellen" und ist enthalten rn der „Deutschen Eisenzeitung", osfizrelles Organ deS„Vereins deutscher Eisenindustriellen". Den Artikel eröffnet eine objektiv sein sollende Betrachtung über die allgemeine Art des Wahlkampfes, daß jede Partei einen möglichst großen Einfluß auf die Stimmen der Arbeiter auszuüben suche, die bösen Sozialdemokraten selbstverständlich durch„große Versprechungen", denen der„Arbeitgeber" machtlos gegenüberstehe, wenn er nicht von seiner Freiheit, seine Arbeitskräfte nach Belieben auszuwählen, den nöthigen Gebrauch machte. Denn„die wirkliche Freiheit kann unmöglich eine einseitige sein." Man sieht, die„Freiheit" muß auch hier eine Rolle spielen.„Freiheit, die ich— d. h. der Geldprotz— meine." Und wie sieht diese Freiheit aus? „Es wäre eine gänzliche Verkennung der thatsäch« sächlichen Verhältniss e", plaudert da» Unternehmerrevtil weiter, „zu behaupten, daß politische Anschauungen nnd Bcthätigun- gen etwas völlig Getrenntes von dem eigentlichen Arbeitspensum der Arbeiter seie n." Natürlich nicht, ist doch auch das Arbeitspensum eines Reptils von seinen politischen Anschauungen und Bethätigungen nicht getrennt.„Weß Brod ich esse, deß Lied ich singe." Weiter: „Die Erfahrung lehrt, daß die polttische Richtung dem Arbeitgeber sehr verhängnißvoll werden kann. Wir erinnern"— man höre!—„an die zerstörten Fabriken in Belgien, an die Arbeiter- unruhen in Frankreich und Amerika, und an die ge- lindeste Form dieser Bewegung, die Streiks." Prachtvolle Begründung! Keine einzige dieser„Bewegungen" hat mit politischen Anschauungen und Bethätigungen etwas zu thun. Für das Unternehmerrepttl ist aber wahrscheinlich Alles, waS nicht willen- lose Unterwerfung unter das Arbeitsjoch heißt,„Politik". Und fo schwingt es sich denn schließlich zu dem, die innersten Gefühle seiner Auftraggeber charalterisirenden Ausspruche auf: „Es ist daher die Beeinflussung der Arbeiter sei- tens ihrer Brotherren genauso gerechtfertigt, wie diejenige, welche durch Wahlversammlungen oder durch die Reden, welche in den parlamentarischen Körperschaften zum Fenster hinaus gehalten wer- den, oder die jenrge, welche durch Wahlflugblätter seitens der einzelnen Parteien geübt wird." Bravo! rufen wir noch einmal, bravo, Reptil! Dank für die Offen- Herzigkeit, sie soll dir und deinen„Brotherren" unvergessen bleiben. Mit ehernen Lettern werden diese Ergüsse ungezügelten HochmuthS in die Herzen der Arbeiter eingetragen werden, unoergeffen soll sie euch bleiben, diese freche Verkündigung«ureS Ausbeuterabsolutismus, dieses schamlose Pronunziamento brutaler Sklavenhaltergestn« n u n g! Von„Brotherren" schwatzt ihr, die ein„Recht" auf die politische Be> einfluffung habensollen? Sehr schön! Ihr destäligt damit nur, was wir seit Jahrzehnten den Arbeitern predigen: daß sie solange nicht politisch frei sein werden, solange sie ökonomisch von Ausbeutern abhängig sind, die sich ihre„Brotherren" nennen, weil sie als Herren von dem Brot leben, das die Arbeiter mit ihrem Schweiß für sie schaffen! Der Arbeiter, der sich bis heute noch gegen die Rich- ttgkeit unserer Argumentation verschlossen hatte, ihr habt ihm vollends die Augen geöffnet mit eurer Alternative: Entweder willen- loser Sklave oder vogelfrei. Ja, ihr habt Recht:„Wenn daher die Arbeiter volle Freiheit für sich beanspruchen, wenn sie ihre meist sehr nebelhaften und unklaren politischen Ansichten frei vertreten wollen, so steht ihnen nichts im Wege, ihre Arbeitgeber, welche anderer Ansicht sind, zu verlassen und selber produzirende Vereinigungen zu bilden, wie dieS vielfachen den Ver. Staaten und stellenweise sonst nicht ohne Erfolg versucht wurde." Den Hohn, die Arbeiter, nachdem ihr ste von ihrem Eigenthum expro- priirt, auf die„produzirenden Vereinigungen" zu verweisen, schenken wir euch, sei eS auch nur um des Kö nleins Wahrheit willen, das in diesem Vorschlag liegt, um de« kostbaren Zugeständnisses willen, daß,„wenn die Arbeiter volle Freiheit für sich beanspruche n," sie diese im heutigen Arbeitsoerhältniß nicht haben können. Wir können keine freien Männer brauchen, wir wollen Sklaven — so ruft das Unternehmerthum in der„Eisenzeitung" den deutschen Arbeitern zu. Aber seht einmal, ihr weisen, unbenebelten Herren, ist euch dabei gar nicht in den Sinn gekommen, daß die Arbeiter sich eines Tages der Worte erinnern könnten, die ein deutscher Dichter, dessen Patriotismus ganz unverdächtig ist, ihnen zugesungen: Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte!? Das Sozialistengesetz über— Ernst Moritz Arndt! — Die WahlPriifnugSkommisstou de» Reichstag»— schreibt man uns— hat ihre Arbeiten begonnen und wird sie— nicht vollenden. Die kartellbrüderliche Mehrheit steht auf der Höhe ihrer Aufgabe: den schmachvollen Ursprung des Reichstags, des Produkts der Angst, Lüge und Niedertracht, zu verbergen; und jeder Versuch, diesen Plan zu vereiteln, ist aussichtslos. Unsere Partei ist in der Wahlprüfungskom- Mission nicht vertreten und wird nicht vertreten sein. Die Polen, mit denen wir ein Abkommen behufs der Erwählung von Kommissionsmit- gliedern für möglich gehalten hatten, sind selber keine Fraktion, und die Kartellbrüder, die ihre Majorität aufs Aeußerste auszunutzen entschloffen sind— lang wird die Herrlichkeit ja nicht dauern— dulden nicht, daß kleinere Gruppen(von weniger als 15 Mi! gliedern) sich, wie das im vorigen Reichstage geschah, zu einer„Fraktion" zusammenthun und die Rechte einer„Fraktion" erlangen können. Die Elsaß-Lothringer, welche vielleicht bereit gewesen wären, unfern Genossen zu einem Sitz in der Wahlprüfungskommission behülflich zu sein, sind, obgleich sie die erforderliche Zahl haben, gar nicht zu einer„Fraktion" zusammengetreten, «eil sie, um ihren negirend-protestirenden Standpunkt in vollster Schärfe ausrecht zu erhalten, an den Kommissionsarbeiten sich prinzipiell nicht bethefligen wollen. — Bon einer Wahlkreis-Geometrie haben wir Alle gehört, daß es aber auch eine Wahlkreis-Arithmetik gibt, dürste für Viele neu sein, obgleich die Thatsache selbst bei der letzten Wahl mit auffallm- der Klarheit zu Tage getreten ist. Wir meinen die eigenthümliche Er- scheinung, daß zwei Zahlen, die zusammenaddirt werden, ein verschiedenes Resultat geben, je nachdem die Personen, welche addiren, oben oder unten stehen. Während z. B. in der gewöhnlichen Schul-Arithmetik 3500 und 3300 unter allen Umständen— 6800 find, gestaltet in der Wahl- kreis« Arithmetik die Sache sich ganz ander». Wenn nämlich die 3500 Stimmen der Fortschrittspartei angehören und die 3300 der Sozial- demokratie, dann bringen die fortschritttichen Wahlkreis- Arithmetiker 6800 zusammen, wenn aber die 3500 Stimmen Sozialdemokraten an- gehören und die 3300 Fortschrittlern, so ergibt das fortschrtttliche Addi- tionS-Exempel blos 3500— die 3300 verschwinden vollständig, sind wie ausgelöscht. Zum Unglück für die fortschrittlichen Rechenmeister find die Sozialdemokraten hinter diese Wahlkreis-Arithmetik gekommen und wer- den sie von nun an nachahmen, so daß eine Ausgleichung stattfindet und 8500 und 3300 Stimmen hinfür in jedem Falle nur noch 3500 ergeben werden. Da» stimmt zwar nicht mit der gewöhnlichen Schul- Arithmettk, ist aber doch methodischer und gerechter, als die bisherig« Praxis, nach welcher die 3300 da« eine Mal gezähtt und daS andere Mal nicht gezählt wurden. — Gnt gegeben. Bei Berathung de» Krankenkassen-Snt- wurfei im österreichischen Reichsrath hat der aus dem Deutschen Klub auegetretene Abgeordnete Pennerstorfer jüngst den Vertretern der herrschenden Klasse einige derbe Wahrheiten geiagt. Im Entwurf hieß es nämlich im§ 24, daß durch„geschlechtliche Ausschwel- fungen" erkrankte Arbeiter von der Unterstützung ausgeschlossen sein fallen. Gegen diesen Passus nun wandte sich Pernerstorfer und sagte unter Anderm: „Aber darauf muß hingewiesen werden, daß diese Bezeichnung deS Gesetzes der Ausdruck einer heute leider überall verbreiteten Heuchelei ist. Wenn wir— und ich glaube, eS werden sehr Wenige sein, welch« anderer Ansicht sind— den Verkehr beider Geschlechter als etwas Natur« gemäßes hinstellen, so ist es einfach eine Heuchelei, wenn man Denjeni- gen, die durch irgend welches Unglück geschlechtlich erkranken, die Hilfe entzieht. Ein bekannter und geachteter Dermatolog Wiens hat einmal im Gespräche gesagt:„Mehr alS 60 Prozent der österreichischen Aristo» kratie und überhaupt aller Aristokratie sind geschmiert."(Heiterkeit.) „Die Herren werden verstehen, was das heißt: mit Oueckstlber de« handelt. Sie verzeihen die ganz offene Ausdrucksweise. Wenn nun Ge« sellschaftSkreise, welche in der Lage sind, sich die vornehmsten Dirnen zu kaufen, und von dieser Möglichkeit, wie die Herren wissen, sehr reichlich und ausgiebig Gebrauch machen, nichtsdestoweniger in die unangenehme Lage kommen, syphilitisch zu erkranken, so wollen Sie den Arbeiter, der in des Wortes wörtlichster Bedeutung gezwungen ist, auf die Gasse zu steigen, verurtheilen und in sittlicher Entrüstung auswallen, wenn ihm etwas Aehnliches paffirt, was den Mitgliedern der höchsten Kreise der menschlichen Gesellschaft ziemlich häufig paffirt. DaS soll gesagt werden und zwar in diesem Parlamente: Ein gut Stück jener sehr widerlichen Heuchelei liegt in diesem Punkte deS§ 24." Charakteristischer Weise zeigten sich in dieser Frage die Herren Bour« geoiS und Feudalritter weniger verhärtet alS sonst; sie gingen in sich, prüften Herz und Nieren, und— der Abänderungsantrag wurde ange« nommen. Die Anspielung auf die„höchsten Kreise der menschlichen Gesellschaft" war ebenso muthig wie treffend. Ob z. B. Franz Joseph der„Gesalbt« des Herrn" ist, darüber mögen die Meinungen auseinandergehen. Daß er aber der„Geschmierte des Herrn" ist, weiß in Wien nachgrade Jeder» mann. — Die Frau ans dem Gebiete der Arbeiter bewegnng« In Cincinnati(Ohio) fand kürzlich ein namentlich von Farmern re. des Westens recht stark beschickter Kongreß(Konvention) statt, der die Bildung einer neuen politischen Partei, einer„Partei der Arbeit", mit einem noch ziemlich konfusen Programm beschloß. In einem Bericht des Genossen Max S t S h r, früher in Ottensen, an den New-Porker „Sozialist" über diesen Kongreß finden wir folgenden interessanten Passus: „Der nächste Tag sah nur Redekämpfe, eingebracht« Resolutionen und die Damen, die Engel der Konvention, welche die Wüstenei des Quatsche» durch Oasen gesunder Gedanken passirbar machten. Frau Todd von Michigan schlug hart dazwischen, ste sagte, man nenne sie eine Sozia» listin, ste wisse aber noch nicht, ob sie diese hohe Stufe der Erkenntniß erreicht habe. Unter donnerndem Beifall mußte mancher Moosback über» zuckerte Pillen verschlucken. Wehe dem Manne, der gewagt hätte, Allen so ungeschminkt die Wahrheit zu sagen. Ihr folgten MrS. Culbertsen und Mrs. Dr. Severence, ebenfalls von Michigan. Diese Frauen waren die besten Männer der Versammlun g." Würde sich auch in Deutschland oft wiederholen, wenn man die Frauen nicht geflissentlich vom öffentlichen Leben zurückhielte. — Bon Rah nnd Fern. Des Leben» ungemischte Freude wird keinem Sterblichen zu Theil. Der Festrummel zu Ehren de» alten Wilhelm hat, wie die servile Presse meldet, mit einem be» dauerlichen Mißklang geendet. Am Abend des 22. März sollen ganze Trupps„betrunkenen Gesindels" sich vor dem Palais eingefunden und dort durch Johlen und Lärmm den„peinlichsten Eindruck" heroorgerufm haben. Nur mit Mühe sei es den Schutzleuten gelungen, Ordnung zu stiften. Wenn es sich wirklich nur um hauptstädtisches Lumpenthum ge« handelt hat, so läßt sich dazu nichts weiter sageh, es ist aber noch eine andere Lesart möglich— die nämlich, daß der Polizeirapport diesmal da«„Gesindel" nur vorschützt, um eine spontane Gegendemonstration aus dem Volke zu vertuschen. Denn daß ganz Berlin„einig" ge» wesen sei,„dem Kaiser zu huldigen," ist eine freche Lüge.— Seit dem letzten Attentatsversuch in Petersburg wird wieder auf» Schamlose auf Kosten der Nihilisten gelogen. Das„Neue Wiener Tageblatt", dieses Hauptschwindelorgan, weiß bereits, daß sie wieder irgendwo 200.000 Rubel gestohlen haben sollen. Wir warnen unsere Genossen vor diesen Lügennachrichten, die nur den Zweck haben, den wahren Charakter der revolutionären Bewegung in Rußland zu fäl« schen. Auch die russische Regierung läßt allerhand Lügen über die Re» volutionäre verbreiten, um die Sympathien des Publikums von ihnen abzulenken. Wir nehmen daher von allen Gerüchten über dieselben so lange keine Notiz, als dieselben nicht von zuverlässiger Seit« bestätigt sind.— Korrespondenzen. Forst a./L. Wie aus allen Theilen Deutschland» Berichte über Gemeinheiten in Bezug auf Wahlbeeinflußungen, Versammlungsverbots, Haussuchungen, Ausweisungen tc. an das Parteiorgan gelangm, so können auch wir nicht unterlassen, die hier in unserem Kreise von Seiten der Ordnungsbanditen in Szene gesetzten Schandthaten an dieser Stelle gebührend zu kennzeichnen. Bei der letzten Reichstagswahl traten in unserem Kreise die Mischmaschpartei, die Deutschfreisinnige und wir, die Arbeiterpartei, in den Wahlkampf. Während den anderm Parteim jede Versammlung von Seiten der Polizeibehörde gestattet wurde, und die Mischmaschpartei obendrein von letzterer tüchttg in der Agttation für ihren Kandidaten, den Fabrikbesitzer Brauer, unterstützt wurde, so hatten wir von der ganzen Sippe eine BeHandlungsweise zu erfahren, wie sie scheußlicher kaum zuvor bei uns stattgefundm. Unser städtisches Oberhaupt, der Herr Bürgermeister Enz mann, der, beiläufig bemerkt, ein Bismarck'scher Speichellecker, sowie ein land» räthlicher Bauchrutscher ganz besonderer Größe ist, dieser Streb« war so gemein, uns nicht weniger als vierWählerversammlungen zu verbieten. Zu einer am 14. Februar Abend« anberaumtm Versammlung hatte sich eine nach Hunderten zählende Renschenmmge nach dem Versammlungslokal begeben. Die Versammlung war, wa» selbstverständlich, vorher verboten und die Etngangsthürm zum Lokal von allerhand Mitglieder der Polizeiknüppelbande, als Polizisten, Gen»» darmm und Nächtwächter besetzt. Man hatte es wohl von Seitm der Polizei, sowie von der Ausbeutergesellschaft, wahrscheinlich darauf ab- gesehen, einen Putsch zu provoziren, um eine Massenverhastung vor- nehmen, vielleicht auch gar wie in unserem Nachbarorte Spremberg so auch über Forst den„Kleinen" verhängen zu können. Den Gefallen aber wollten wir dieser Sippe nicht thun, und sind wir denn auch auf die von ihnm gestellte Falle nicht hineingefallen. Mit etlichen Worten wollen wir noch einiger elender Subjekte er« wähnen, obwohl dieselben freilich nicht werth sind, in unserem Organe mit Namen genannt zu werden. Seit 9 Monaten haben wir einm Polizeikommissär, Namens Petsch, der jedenfalls, da er bis zu seinem Antritt hierorts in Berlin bei der Artillerie gestanden, von der Kümmel» pulle große Kennwiß hat, denn davon zeugen deutlich Nase und Backen. Auch mag er vielleicht noch von Kanonen und Kanonenfliefeln Ideen haben, von polizettichen und kommunalen Angelegenheiten aber hat er gleich Hunderten seiner Kollegen keine Ahnung.— Dieser Wicht nah« seit 14 Tagen vor der Wahl an täglich bei bekannten Genossen, wie bei nur im Verdacht der Sympathie für unsere Partei stehenden Personen, Haussuchungen vor, deren Zweck lediglich der war, unser Wahlflugblatt ausfindig zu machen, was ihm freilich nicht gelungen. Mttleid mußte es vielmehr bei jedem Parteigenossen erregen, der die arme Polizeiseele Petsch mit seinen Landsknechten von den Haussuchungen zurücklehren sah. Wie trübselig ließ er doch seinen polizeilichen— nüschel ob der vergebenen LiebeSmüh hängen. Den Genoffen aber wollen wir nur noch an dieser Stelle anempfehlen, die größte Vorsicht zu beobachten, um der Polizei nichts in die Hände fallen zu lassen, im Uebrigen aber unermüdlich für unsere Sache wetter zu schaffen und wetter zu agitiren. Zur Kennzeichnung unserer Gegner sei noch konstatirt, daß der kitt« nasige Redakteur de«„Wochenblattes" unS die Aufnahme eines Wahl« ausruss, in welchem wir zur Wahl unsere» Kandidaten Schwager auf, orderten, verweigerte, während die„Neuesten Nachrichten" denselben Aufruf annahmen. Als großer Ordnungsheld muß ferner der Besitzer des„Grand Hotel" angesehen werden, derselbe empfahl kurz nach Auflösung des Reichstages in den hiesigen Lokalblättern„allen Parteien mit Ausnahme der sozialdemokratischen" seinen Saal zu Wahlversamm, lungen; so etwas von zweierlei Maaß hatten wir in unserem Orte doch noch nicht kennen gelernt. Natürlich lohnten die Misch Maschler dem Speichel- lecker Härtel seine Heldenthat dadurch, daß sie am Wahltage das Sieges- fest bei ihm feierten. Dabei zeigten sich die Herren von der besseren Ge- sellschaft oder die„Gebildeten" nicht wie Menschen, sondern wie's Vieh. Bei Sekt wurde unter dem Liede:„Deutschland, Deutschland über Alles n." der Sieg gefeiert, dabei goß man das Bier eines liberalen Brauers unter den Tisch und schlug zur Abwechslung mit dem Stock gefüllte Biergläser von den Tischen, auch warf man volle Weinflaschen zum Fenster hinaus. Auf den Sieg, den die Herren errungen, dürfen sie nicht stolz fein, denn hier sind die gröblichsten Verbrechen an der Wahlfreiheit vorgekommen und dürfte die Wahl keinen Augenblick für gültig gehalten werden, wenn im Reichstag nach Recht gebandelt werden sollte. Ein Wahlprotest ist von uns bereits an den Reichstag abge- sandt worden. Wollten wir alle Schuftigkeiten dieser elenden Sorte hier aufzählen, es würde zu weit führen. Unseren Arbeitsgenoflen aber, die uns bisher immer noch fern stehen, rufen wir zu, ihre Lage ernstlich überlegen zu wollen und endlich erkennen zu lernen, auf welcher Seite ihre wahren Freunde zu finden sind. Die Niederlausitze r. Eilenburg, 1. März. Nicht uninteressant für alle Freunde unserer Sache dürfte es sein, ein Bild über die Wahlbewegung unserer Partei im Wahlkreis Bitterfeld-Delitzfch zu entrollen. Ist es doch auch dem verbündeten Krautjunker- und Spießbürgerthum, welches den Kreis beherrscht, nicht möglich gewesen, unsere Partei in ihrem Vormarsch aus- zuhalten. Nachdem die Wahlen 1884 gezeigt, wie verschwindend klein noch das Häuflein der Umstürzler, so ahnten die Wenigsten, daß gerade diese« Häuflein so Unerwartetes zu leisten vermochte. Wie ein Donnerschlag fuhr es daher den Eilenburger Patrioten durch die Glieder, als am LS. Januar die Sozialdemokraten den Reigen der Wahlbewegung mit einer allgemeinen Wählerversammlung eröffneten. Es nützte den trau- »igen Hundeseelen aber nichts, als sie in knechtischer Unterwürfizkeit unsere Plakate mit der Versammlungsanzeige abzukratzen suchten. Kopf an Kopf gedrängt, bis auf die Straße hinaus, standen am Abend die Männer des Proletariats und lauschten den Ausführungen des Schrift fetzers Albert Schmidt aus Connewitz bei Leipzig, der in kernigen Worten die wahren Gründe der Reichstagsauflösung aus- einandersetzte und mit beweiskräftigem Material die Kriegs gerächte wider- legte und als Wahl- und Börsenschwindel hinstellte. Mancher Fluch über diese schändlichen Machinationen mag sich da den Herzen der Arbeiter entrungen haben; dies bewies der Beifall, welcher dem Referenten bei den Worten:„Schändlicher kann mit dem Frieden der Nation noch nie gespielt worden sein," gezollt wurde. Als hierauf Genosse Schmidt, auf eine Anfrage hin, sich bereit erklärte, eine Kandidatur anzunehmen, konnte man jedem am Gesicht absehen, wie fest entschlossen Eilenburgs Arbeiter für die Wahl Schmidts einzutreten gewillt waren. Und daß sie alle ge treu an dem Versprochenen festgehalten, das hat der 2l. Februar be wiesen, denn beinahe wäre eS gelungen, den Septennatsdruder und Jasagemaschine hier aus dem Saltel zu heben. Als es nun dem Wahlkomite, welches in dieser Versammlung gewählt worden, gelungen war, in Gräfenhainichen ein Lokal zu bekommen, wur- den sofort die nöthigen Schritte gethan, um auch da das Volk auszu- wecken. Aber— o weh!— der betreffende Genosse that denken, und der Gräfenhainicher StaatSretter in höchsteigner Person deS dortigen Bürgermeisters that lenken. Denn andern Tags traf die Nachricht ein, daß der Wirth, welcher zuvor ganz entschloffen sein Lokal zur Verfügung gest-llt, trotz der in unserer Tasche befindlichen Anmeldebescheinigung sein Lokal nicht hergebe. Um aber die Art des Vorgehens vollständig zu kenn- zeichnen, sei hier noch ein Vorfall eingeschaltet. Einige Tage nachher wurde der Einberufer der Versammlung zum„Gestrengen" bestellt. Dieser frug nun:„Haben Sie noch die Anmeldebescheinigung?"—„Ja," war die Antwort.—„Diese brauche ich zu meinen Akten und Sie nützt dieselbe nichts, so geben Sie sie mir." Der Betreffende, der noch nicht wußte, daß zum Amte eines Bürgermeisters auch schwindeln gehört, geht auf den Leim und gibt das Gewünschte hin. Nachträglich aber sah er ein, daß derartige Bescheinigungen nicht zu den Akten eines Gräfe»- hainicher Pascha' s— pardon Bürgermeister, sondern besser noch zu einer etwaigen Wahlbeschwerde paßten, und er der„Gemeierte" sei. Doch sollte dem ehrbaren Patron die Mundtodtmachung der„Rothen" nicht ganz gelingen, denn auf Sonnlag den 6. Februar war von Seite des„freisinnigen" Wahlkomite eine Versammlung einberufen, wozu es natürlich Lokal und alles gab, und wo der Harmonieapostel, Dr. Max Hirsch, seine Köder loSließ und von Volks- und Redefreiheit schwatzte. Um nun die gefeierte Redefreiheit voll zu genießen, war, da unser Kan- didat verhindert war, Genosse Fränzel auS Lindenau-Leipzig beauftragt, unsre Ansichten klarzulegen. Aber aus wars mit der freisinnigen Rede- freiheit, zehn Minuten wurden als vollständig hinreichend gewährt, und als unser Freund dies« auszunützen suchte, wurde es der ganzen Sippe schwül zu Muthe und vor allen dem säubern Patron von Bürgermeister. Der, als trotz seiner Drohung, er leide keine sozialdemokratischen Hetze- reien, unser Freund sich nicht irre machen ließ, und nachdem er unser» Kandidaten proklamirt, die verkappten Volksausbeuter und die Bismarck- f utlkämerlinge annagelte— das berüchtigte Ohnmachtsmittel, den famosen g, gebrauchte. Daß wir trotz alledem dennoch Boden gesaßt, das hat der 21. Februar bewiesen. Und nun ein anderes Bild. Die« ist unsres landräthlich- von Rauch- haupt'sches Delitzsch. Dort ein Lokal für uns zu bekommen, ist den vielen Anhängern unsrer Sache ein Ding der Unmöglichkeit. Warum? Nun, Landrath, Bürgermeister und Polizei, diese schützen alles vor dem „Umsturz", und die Lokalwirthe wissen, daß wenn sie uns heut ihr Lokal geben, sie morgen auf Polizeistunde gesetzt würden. Die Perle von allen Kunstgriffen aber des edlen Landrath war seine am 14. Februar an die Ortsbehörden seines Kreises erlassene Bekanntmachung, worin dieselben aufgefordert werden, dem Volke weiß zu machen, daß eS nur SeptennatS- brüdern die Stimme bei der Wahl zu geben habe, und das, was andere Parteien dem Volke über den Stand der Dinge sagen sollen, als unwahr hinzustellen und dagegen einzugreifen. Dies„Eingreifen" ist natür- lich so zu verstehen, daß i- v. Sozialdemokraten eingegriffen und kalt gestellt werden sollen, bis alle Schurkenstreiche gelungen.— Nicht wahr, Herr Rauchhaupt, wir lesen von ihrer schwarzen Seele? Run, mit einem Ministersessel wirds aber noch immer nichts l Doch auch hier setzten wir«S in der freisinnigen Versammlung durch, daß wir nicht ganz leer ausgingen. Am 18. Februar hatten die Frei- finnigen uns in Eilenburg mit der größten Gemeinheit bekämpft und, entgegen ihrem uns bei der Bureauwahl gegebenen Versprechdn, kaum daß Genosse Schmidt nach ihrem Kandidaten, Max Hirsch, das Wort ergriffen, mit Hülse der überwachenden Polizei den Schluß der Lersamm- lung herbeigeführt, wai bei den Anwesenden«inen ungewöhnlichen Sturm der Erregung hervorgerufen hatte. TagS darauf nun sollte die freisinnige Lersammlung in Delitzsch stattfinden, und daß sie da dieS Spiel nicht wie in Eilenburg treiben konnten, davon waren dt« Maulhelden sammt ihren Kandidaten noch AbendS zuvor auf einem benachbarten Dorf« von Eilenburg überzeugt worden, wo Schmidt die zehn Minuten freisinniger Redefreiheit auf» Vortheilhafteste ausgenutzt hatte. Erst versucht« ein Mitglied de» freisinnigen Wahlkomite— der Herr ist, glauben wir, Winkeladvokat— unS mtt leeren Redensarten zu ködern, aber die lln- fern gingen nicht zum zweiten Mal auf den Leim, sondern erklärten rundweg, daß wenn wir nicht zum Wort kommen, et unS gleich bleibe, ob die Versammlung geschlossen werde oder nicht. Die» hatte gezogen, und so sprach Schmidt unter oft brausendem Beifall ziemlich«ine Siunde, bi« schließlich die Polizei unter dem Borwand,«S sei Polizeistunde, un- sern Freund veranlaßt«, sein« Ausführungen abzubrechen. Daß dieselben gezogen, hat die Mehreroberung von über Ivo Stimmen gegen 1884 am 21. Februar bewiesen. So, nun war Herrn Rauchhaupt ein Strich wider dt« Rechnung gemacht, und er mußt« sich überzeugen, daß es manchmal selbst mtt landräthlicher Weisheit und Fürsorge mcht weit her ist. Ueberhaupt ist e« un» gelungen, demselben mehrmals eins auszu- wischen; gerade in seinem Landrathikress« ist er mit seinen Plänen gegen un« hineingefallen. Ein zweite» Beispiel sei hier kurz erwähnt. Rah« bei Eilenburg gelang es unS, einen Wirth ausfindig zu machen, der trotz aller Chikanen uns sein Lokal zu einer Versammlung>ur Versüguna stellte. Der Ortslchulze, ein vollständiges Husenherz, zog sitz au« der Schlinge und wies uns behufs Ertheilung der Erlaubn>ß, r sp Bescheinigung der rechizeitig er- kolqten Anmeldung an den A-ntsvorsteher seines Bezirks. Diese Dork- Weisheit nun meinte:„Das geht nicht so ohne Weiteres, hier muß ich erst den Herrn Landrath fragen." Das ließen wir uns nicht zweimal sagen, wir gingen selbst per Brief ins Feuer, und machten dem Herrn Landrath gleich bemerklich, daß wir eine Verhinderung von feiner Seite aus als Wahlbeeinflufsung ansehen müßten. Dies zog. Andern Tags erhielt der Vorsitzende unfers Komites den Bescheid, daß er sich wegen der Versammlung an dm betreffenden Amtsvorsteher zu wenden habe, der ebenfalls Anweisung erhalten. Ja, ja, der Amtsvorsteher hatte wirklich Anweisung, aber nicht zur sofortigen Ertheilung der Bescheini- nigung, sondern zur Abkapitelung des ungehorsamen Wirthes, denn dieser sollte erst zum Herrn Amtsvorsteher kommen und ihm bezeugen, daß er den Sozialdemokraten seinen Saal zur Verfügung stelle. Der Wirth in- dessen zog es vor, nicht selbst zu gehen, sondern überließ die« seiner Frau, weil diese es versteht, auch Amtsvorsteher zurecht zu rücken, und weil der Mann alsdann, wenn ein nicht in der deutschen Sprache ge- meingebräuchliches Wort fällt, außer aller Schuld ist. So kam denn das Schreckliche zustande, daß wir auf dem Lande eine Versammlung abhielten und Herrn Rauchhaupt ein Schnippchen schlugen. TagS daraus hielten wir noch eine stattliche Versammlung in Eilenburg ab. Doch den größten R'-infall erlitten die Ordnungsheldm, als sie in Eilenburg eine Septennatebrüderversammlung abhielten. Da waren alle Borkehrungen getroffen, daß keine„Rothen" in den Betsaal hineinkam- men sollten. Eine Liste, worauf angeblich die acht namhaftesten Umstürz- ler verzeichnet standen, lag aus, und 2 Gensdarmen und 2 Polizisten waren am Eingang postirt, damit keiner derselben hineinkomme. Es kam aber überhaupt kein„Roiher", auch die acht waren zu nobel, dieser Sippe ins Garn zu laufen. Als aber die Versammlung ihr Ende hatte, da war ein Leben auf den Straßen, da empfing jeder der Besucher, meistens Bauern, ein sozialdemokratisches Flugblatt, und so mußten die Weisen sich überzeugen, wie tölpelhast dumm sie alle sind. Die Flugblätter, welche gerade früh im ganzen Kreise vertheilt worden waren, haben auch das ersetzt, wrs man unS gestohlen, nämlich daS freie Versammlungsrecht. Dm» obwohl wir nur in Eilenburg Versamm- lungen abhalien durften, haben wir wenigstens überall im Kreise Stimmen, im Ganzen al-er, gegen letzie Wahl, wo wir nur 215 Stimmen zählten, diesmal 12g7 Stimmen erhalten, trotz allen Schustereien, die man sich unter dem Sch-itz- de» Schandgesetzes gegen uns erlaubte. Aber auch hier ist das Licht der Eckenniniß eingedrungen und greift immer mehr um sich. Darum. Genossen, haltet fest an dem bereits Errungenen, uno zeigt, daß ihr den Ernst der Situation zu würdigen wißt. Reißt den feilen Buben überall die Maske vom Gesicht, wenn sie von Volks- wohl fchwindeln und Euch in ihre Netze locken wollen, und bald wird der Sieg unser sein! Einer von den„Rothen". Halle-Giebichensteiu. im März. Sollen auch wir ein Klagelied zur Freude der Gegner unserer Bestrebungen anstimmen, wie es in so manchem Bericht geschehen? Nein, das brauchen wir nicht, und würden wir es ihun, nun, so würden wir damit nichts ändern � warum haben wir nicht für bessere Resultate und Zustände geschafft? Ein Klagelied bringt keine Stimme mehr, sondern nur Entmuthigung. Wir wollen uns aber auch nicht rühmen, die Fleißigsten in der Agitation gewesen zu sein u. s. w., denn sonst hätten wir in einer Stadt von fast 1 00,000 Einwohnern> unsern Kandidaten durchbringen müssen. Wenn jedoch die Genoffen auswärts erfahren, daß wir im Saolkreise 1881 nur 1137, 1884 3535 Stimmen hatten, 1887 aber über KSttst Stimmen auf unfern Kandidaten Max Kayser vereinigt haben, so wird man unS zugeben, daß wir auch nicht die Lässigsten gewesen sind. Wir hatten bis in die letzte Zeit kernen großen Saal zur Verfügung, die Geheimpolizei hatte zeitweise eine ordentliche Tollwuth gegen die bekanntesten Genossen entfaltet. Auch konnten wir wenig in Stadt und Land für gute Literatur sorgen, denn die Gelder flössen früher nicht so reichlich als jetzt. Die Genossen werden um so opferwilliger, je mehr sie mit unserer Literatur beionnt werden, da» Hai uns jetzi die Wahl gezeigt; während in den Dörfern in der Nähe der Stadt die Stimmen sich verdoppelten, halten in den Dörfern, welche einige Stunden von Halle entfernt liegen, die Konservativen vollständige Gewalt über die Arbeiter. Nun, wir werden auch dort vordringen. In Halle selbst hatten wir drei Versammlungen, in einem Saale, welcher über 3000 Personen faßt. Das erste Mal sprach Genosse Hasenclever, in der zweiten Genosse Kayser, welcher Mittags an der Bahn verhaftet und erst Abends kurz vor Eröffnung der Versammlung entlassen worden war. Die dritte Veisammlung wurde kurz nach Er- öffnung vom„Koaksmann", diesem wohl ekelhaft frechsten aller Polizei- Kommissäre aufgelöst. Genosse Hoffmann hatte nämlich mitgetheilt, daß ein Wirth in Schafstädt, trotzdem er seinen Saal zu einer Wähler- Versammlung fest versprochen hatte, die Leute, welche den Saal ver- langt und überhaupt die Wahlangelegenheit in die Hand genommen, ihren Fabrikherren denunzirt habe, worauf 15 Mann sofort entlassen worden seien; und als sich nun die begreifliche Entrüstung über dieses Ge- bahren in der Versammlung geltend machte, löste der Bube von Kommissär die Versammlung auf, in welche die Herren Konservativen eine Anzahl Bummler entsendet, wie sie in jeder großen Stadt für einige Groschen zu haben sind und die schon von Anfang einen Störungsversuch gemacht hatten, aber von der Masse der Arbeiter ausgelacht und zurückgewiesen worden waren. Es war eben einige Tage vor der Wahl und da mußte ja aufgelöst werden. Ww hatten gehörig zu thun, um gegenüber der allgemeinen Entrüstung Ordnung zu halten, damit die Polizei keine Gelegenheit zu Säbeleien bekomme, denn wir wissen, wie das Militär an solchen Tagen nur zu schnell zur Stelle ist. Seit langer Zeit hatte Halle solche Versammlungen wie die oben- erwähnten, nicht aehabt, mit brausenden Hochs wurden die Genoffen Hasenclever und Kayser begrüßt, und am Schlüsse ertönten nicht enden- wollende Hochs aus die Sozialdemokratie und den Kandidaten derselben, Max Kayser. Auf dem Lande erhielten wir keinen Saal zur Abhaltung von Wahlversammlungen, denn jedesmal, wo uns ein Wirth den Saal zugesagt, hintertrieben es die Herren Konservativen. Nun gingen einige Genossen von unS zu ihren Versammlungen aufs Land, doch wo die noblen Vertreter der„Ordnung", wie schon oben gesagt, sich stark fühlten, da mißhandelten sie unsere Leute»s; ja in Löbejün, einer kleinen armen Stadt im Saalkreise, warf man unsere Leute, als sie sich zum Wort meldeten, die Treppe hinunter. Der Herr LandgerichtSdtrektor Reuter spielte dabei eine Hauptrolle. Welch' edle, von ttesem Rechtsgefühl zeugende Kampfesweise l Doch nun war eS auch mit unserer Geduld zu Ende. Von jetzt an besuchten jede Versammlung der Konservativen, welch« in der Umgegend angemeldet war» an 50—100 Genossen und mit Freuden wurden unsere Leute jedesmal von den Landarbeitern begrüßt, und nun war«S auch mit den Versammlungen der edlen und muthigen Herren zu End«, und sofort schrieen die Burschen in ihrer hochkonservativen Zeitung nach dem kleinen Belagerungszustand, der aber diesmal noch ausblieb. Wir kamen nicht in Stichwahl, und eS wurde nach Wunsch de« FraktionSvorstande« für den Freisinnigen agiiirt. Doch wie, nach der Handlungsweise der Freisinnigen in andern Wahlkreisen, wir uns daS nächste Mal verhallen werden, wird wohl an anderer Stelle besprochen werden müssen. *) Roch bei der Rachwahl hat ei« AmtSvorsteher in Löbnitz an der Linde, einem Dorfe im Saalkreise, unsere Genossen durch seine Knecht« au» dem Ort hinauSjchlagen lassen. Sprechsaal. Bor kurzer Zeit wurde in Stuttgart nach längerer veobachtung ein Schwindler und Hochstabler entlarvt: Joseph vrunnstein(auch Braunstein), Dr. phU. und„Professor" der klassischen Sprachen; früher einjähriger Kürassier, jetzt Reserveoffizier. Zunächst operirte verfelbe in Bukarest, wo er Lehrer war und den Genoffen von seinen„Bekanntschasten in Parteikrelsen" vorflunkerte, um zunächst Geld zu erlangen. Er entpuppt« sich als schwindelnder B>S- märcker und taucht« vor Ende 188« m Stuttgart auf, wo er unter der RaSke eine» Genossen fortschwindelie und bei über M. 400 Schwindelschulden aller Art auch Genoffen hineinlegte. An Polizeistelleenb larvt, verduftete er via Frankfurt a/M. Angenehme Umgangsformen und eine geschickte AuSnÜtzUNg all- gemein bekannter Parieiverhältnisse machen ihn als Horcher unk Schwindler gleich gefährlich. Größe: Reter 1.70—75, breitschulterig; Alter: 39 Jahre; Haart dunkel, trägt etwas lang-blonden Schnurrbart; Augen blau(gelbweiß, etwas vorstehend); Nase klein, gebogen; Mund mittelgroß; Kinn rund s abgelebte, fayle Gesichtszüge; kleine Hände; stolzer Gang und Haltung. Trägt goldene Brille(abwechselnd Zwickers, schwarzen Anzug. Spricht geläufig englisch und französisch, auch westfälisches Platt. Ist sehr untev haltend. Angeblich Sohn eines KreisamtmanneS in Fürstenberg, Westfalen. Quittttttg. Wir haben von den C r e f e l d e r Genossen in Newyork fit lokale Sahlzwecke M. 82 20 erhalten, wofür hiermit unser« herzlichsten Dank. Die Crefelder Genossen. Von Forst N./L. zur Stichwahl erhaltene Mk. 200— habet zn diesem Zweck dankend erhallen Die Cottbuser Genossen. Brieflasten der Redaktion: Ginsendungen ic. find eingetroffen au« Berti» Dessau, Elbing, Hagen, München, Nürnberg, Part» der Expedition: Scheibe: Mk. 1820 Ab. 2. Qu. erh.— Lest» club E'hofen: Fr. 9— Ab. 1. Qu. erh.— Rother Boigtländer: Ml 100 80 a Cto Ab.»c. erh. W. Ptst. eingetr.— M.: Gewünschtes atg Adr. nach Wunsch.— W.«dshrn. Newyork:(Doll. 2—) Fr. 101! pr. Wsd. dkd. erh. Bstllg. ic. besorgt.— Seeger in Baltimore:(4Doll.. Fr. 20 27 pr. Adf. N.-D. ä Cto Ab. ic. erh.— R. F. Presse Chicago: Fr. 3 10 pr. Ab. 2. Qu. ic. erh. Sie haben gut pr. 3. Qu. Fr. 1 7» — L. C. Ihn.: Mk. 30 30(nicht 30�0) ä Cto Ab. 1. Qu. ic. gutget» Bstllg. folgt, jedoch nicht gettennt. Näheres bfl.— S. Sch. A.-B. Gbg. Ml. 3 80 pr. Ab. 2. u. 3. Qu. verw. Zwei unthunl.— W. K. Schft.' Mk. 1— Ab. vr. April erh.- H. I. Knbg.: Mk. 4 40 Ab. 2. O» erh.— W. W. N.-W. Schl.: Mk. 3 50 Ab. 2. Qu. u. Schft. erh.-» Msk. Am.: Ml. 1 50 f. Schst. erh. Bfe. aus Deutschland kosten 2 0 per je 15 Gramm. Sie frankirlen 10 Pfennige, wir zahlten 25 5t* Strafporto für fehlenden 10er.— Ehemaliger Reichsmaulwurl Mk. 71 33 pr. Ab. 4. Qu. u. ä Cto Schft. erh. Bfl. Wetteres.— Fi» Moritz' Tabaksbeutel: Mk. 4— pr. Ufd. dkd. erh.— Pstmstr.: Mi 3— Ab. 2. Qu. Sch. u.«0 Pf. pr. S. D. u Porto erh. Weiterei nach Aufstllg. besorgt.— Nc«.: Mk. 74 15 ä Cto. Ab.»c. pr. N. gut gebr. Bstllg folgt.— O R. Efld.: Mk. 4 50 Ab. 2. Qu. erh.— Dre» fuß i. L.: Mk. 82 20 ä Cto Ab. ic. erh. Bstllg. u. Adr. notirt. B? Weiteres, f- H. St. St. Gallen: Fr. 17 15 i Cto Schft.gutgebr. Bstllf fort. Weiteres erw.„Arbst." besorgt. Bitten künstig Alles direkt o> publizirte Adr.— Maßkruz: Sdg. v. 24/3. an Rd. erh. Avistrtes er» — Fuchsschwanz: Mk.« 40 ä Cto. Lb. u. Bstllg. erh., folgt.— Schmarl flaggen: Mk. 2« 10 Lb. 1. u. 2. Qu. u. Schft. erh. Gewünschtes foei soweit disponibel. Demnächst Weiteres.— Roland II: Mk. 22 50 pr. Sdi Gm. gutgebr. Qtrg. v. M. H. noch nicht da.— Rother Zaun: kA l«— ä Cto Ab. u. Schft. erh. Adr. notirt nebst Bstllg.— Distelfial Mk. 18«0 Ab. 2. Qu. u. Schst. erh. Abgegangen 8 mit Bblthk.,>' nach.— Gesammelt an Kaffers Geburtstag:«k. 3- pr. llsds. dfl erh.- E. M. Thwl.: Fr. 2- Ab. 2. Qu. erh.— Schy. Horgen:& 2— Ab. 2. Qu. erh.— Bürger Sanstmuth: Rk. 5— Ab. 1. Qu.» erh. Bstllg. u. Weiteres solgt.— L. W. Gpg.: Mk. 3 50 erh. 3i T. fori gtachr. beir. d. Weiteren er«.— Dr. B. Rom: Fr. 2 50 Ab. 2. V» erh.— Gibst. H.-E.: Mk. 3— Ab. 2. Qu. erh. Fortsetzung muß avi rechtzeitig pränumerirt werden, ander» Lsg. unmöglich. Die Affenkomö«) mit 128,29 grasftrt jetzt allerwärts.— Zu lebenslängi. Heuchelet«et urtheilter:«0 Pf. f. Schst. und alles Briefliche erh. u beachtet.' H. P. H. H.: Mk. 4 40 Ab. 2. Qu. erh.— Dr. Gshlm.: Mk. 3—1» H. W. G. erh. Muß ander« verfügt werden.— I. B. Bukarest: Ff 4 25 Lb. 2. Qu. u. Schft. erh. Fr. 1 75 pr. Ufd. dkd. verwendet. Jich B-rz. siehe Anh. zu Bbth. 13. Anzeigen. Gesuch. Ein tüchtiger Barbier- und Friseurgehilfe wird für soso« in Deutschland gesucht. Nur genügend als Parteigenossen legi» mirte Bewerber werden berücksichtigt. Weiteres durch Die Expedition deS„Sozialdemokrat". ______ MarT- und Lassasse-ßigarrenspihm auS echt Meerschaum in naturgetreuer Schnitzerei, sowie Pfeife» dij Fayons und Material»«mpfieblt der gemaßregelte P-rteigenof «Velbert Zimmermann in Ruhla(Thüring«»). Bereinen gewähr« bei Partienbezug Rabalt. -- � Soeben erschien und ist durch uns zu beziehen: Sozialdemokratische Bibliothek. Heft XU. Shrtstenthum und Sozialismus. Sine religiös« Pölert zwischen Kaplan Hohoff in Hüffe und dem Verfasser Schrift:„Die parlamentarische Thätigkett de« Deutsch» Reichstag» ic." Preis: 15 Pf.= 16 Cts. Heft XIII. Zur«ohnnngSfrag-. Bon Fr. Engel». Mit«wU Lorwort. 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