Kvotmements fcfrte« Iii allen schweiierische» Hostbureaux, sowie beim Verlcg «ld dessen bekannten Agenten Wtgegenginommen. und jwar zum »o«auS»ahldara« VierteljahrSpreii von: U». i,~ fllt dieSchweiz(ßttujbanb) W. 3,— fllt Deutschland(llouverts R- l,7<> sllr Oesterreich(Couvert) Rd» 3,5» sitr alle übrigen Linder des Weltpostvereinsband) Infttsie sie drcigespaltene Petitzeil« W St».= 20 Pfg. is weis JerkaF Krgan der Sozialdemokratie deutscher ZUM F» l(i iü ch h a n> f« Hoitinge«, Zürich'.- h'okseilillNteV. " gegen sran G-wbhnliche«ri.se. Lach se« Fchrvel, tosteF FoMespöriS/ .'. Cchch Jtä. 15* «riefe an die stedaktion und Srpedition de» in Deutschland und Oesterreich verbotene».Kozlaldemokrai-«olle mau unter veobachtung iusterster Vorsicht abgehen lasten. An der Regel schicke man UN» die Briefe nicht direkt, sondern an die bekannten Deckadresten. Zn zweiselhast!» Fällen eingeschrieben. 8. April l88f/ Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Anarchistisches. Der Pariser„Revoltö" gibt sich seit einiger Zeit Mühe, den Anarchismus sachlich zu begründen, d. h. statt mit bloßen Redensarten zu Hantiren, wie wir das bisher bei den Anar« chisten gewohnt waren, sich auf Thatsachen zn beziehen. Es ist das ein Fortschritt, den wir gerne anerkennen und für den wir uns nicht dankbarer erzeigen zu können glauben, als in- dem wir einmal die Beweisgründe des„Revoltö" an der Hand eines von ihm selbst gewählten Beispiels auf ihre Beweiskraft prüfen. Jneinem,„Die freie Vereinbarung" überschriebenen Artikel weist der„Revolt6" zum Beweis dafür, daß es keines- Wegs der Dazwischenkunft des Staates, beziehungsweise einer zentralen Behörde oder von Gesetzen bedürfe, um ein Hand- in-Hand-Arbeiten auf großartigster Stufenleiter zu bewirken, auf die Eisenbahnen hin. Hören wir ihn wörtlich: »Man weiß, daß Europa ein Eisenbahnnetz von nahezu 200,000 Kilometern Länge besitzt, und daß man auf diesem Retz heute nach allen Richtungen hin, von Norden nach Süden, dvn Osten nach Westen, von Madrid nach Petersburg und von London nach Konstantinopel reisen kann, ohne aufgehalten zu werden oder auch nur den Waggon wechseln zu müssen (wenn man im E�preßzuge fährt). Mehr noch: ein in einen Waggon geworfenes Kolli findet seinen Empfänger, sei er in Rußland oder in der Türkei, ohne andre Mühe, als daß man den Bestimmungsort auf einen Zettel Papier schreibt. »Nun wohl, dieses Resultat konnte auf zwei Arten erreicht tverden. Entweder ein Napoleon hätte Europa erobert und von Paris aus auf einer Karte die Eisenbahnrouten vorgezeichuet und die Fahrtenpläne geregelt. Der gekrönte Idiot Nikolaus I. bildete sich ein, es so machen zu können. Als man ihm Eisen- bahnprojekte vorlegte, ergriff er ein Lineal, zog auf der Karte von Rußland eine gerade Linie zwischen seine beiden Haupt- städ�e Petersburg und Moskau und sprach:„Hier die Eisenbahnroute." Und man baute die Bahn in grader Linie, füllte Schluchten auö, errichtete schwindelnde Brücken, die nach wem- flen Jahren bereits außer Benutzung gestellt werden mußten, und brachte es auf diese Weise fertig, daß der Kilometer so etwas wie 2— 3 Millionen kostete. »Es gab das Mittel: nichts zu bauen, bis ein Napoleon oder ein Bismarck ganz Europa erobert, die Routen der Eisenbahnen nach dem Kompaß entworfen, ihre Fahrtenpläne «ach seiner Uhr festgestellt haben würde. Man hätte auf diese Art das Ende unseres Planeten abwarten können, ohne eine einzige Eisenbahn zu bekommen. »Aber das(praktische) Leben packte die Sache anders an. Die Eisenbal'en wurden in kleinen Abschnitten(wörtlich: xetits trongons— kleinen Stümpfen) gebaut, die kleinen Abschnitte wurden mit einander verbunden, und alsdann haben die hundert verschiedenen Gesellschaften, denen diese Abschnitte gehören, sich in's Einvernehmen zu setzen versucht, um ihre Züge bei Ankunft und Abfahrt aneinander zu passen, sowie auf ihren Schienen Waggons von jeglicher Gegend rollen lassen ,u können, ohne die Güter verladen zu müssen, durch bloßes Uebergehen von einem Netz auf das andere. »Alles das geschah auf Grund freien Uebereinkommens, durch Austausch von Briefen und Vorschlägen, durch Kon- aresse, wo Delegirte zusammenkamen— nicht um Gesetze zu schmieden, sondern um diese oder jene Spezialfrage zu disku- tiren; und nach den Kongressen kamen die Delegirten zu ihren Gesellschaften zurück, nicht mit einem Gesetz in der Tasche, sondern mit dem Entwurf eines Kontraktes, den man annehmen vder verwerfen konnte. »Gewiß, es gab allerhand Händel. Gewiß, es gab Eigen- sinnige, die keine Vernunft annehmen wollten. Aber da das gemeinsame Interesse Alle zwang, sich zu verständigen, verstän- bigte man sich schließlich, ohne Armeen gegen die Widerspensti- den zu Hilfe zu rufen. »Dieses ungeheure Netz unter einander verbundener Eisenbahnen >»d der ungeheure Handel, dem sie dienen, bilden sicherlich den auf- sallendsten Zug unseres Jahrhunderts— und doch sind sie das Er- gebniß freier Vereinbarung. Was hätten jedoch unsere Großeltern geantwortet, wenn man eS ihnen prophezeit hätte? Sie hätten gesagt: Nie und nimmer wird es Euch gelingen, hundert Aktiengesellschaften zu veranlassen, Vernunft anzunehmen! Es »st eine Utopie, was Ihr uns vormacht, ein Feenmärchen, was Ihr unS erzählt. Dazu braucht es eine Zentralregierung, ein ganzes RegierungSperfonall »Nun, das Interessanteste an dieser ungeheuren Organisation Ist, daß es keinerlei europäische Zentral-Eisenbahnregierung g'bt. Nichts dergleichen! Keinen Eisenbahnminister in Europa, «uim Diktator, nicht einmal eine zentrale Sprcchbude der Europäischen Eisenbahnen, noch ein leitendes Komite! AlleS macht sich auf dem Wege des Vertrag». „Und den Staatsverehrer, der uns zuruft: Nie wird man eine Zentralregierung entbehren könnm, sei eS auch nur, um dm Eisenbahnverkehr einer Nation regeln zu können, fragen wir jetzt: »Nun, guter Freund, wieso haben denn die Eisenbahnen Europas keine Zentralregierung, die ihre Angelegenheiten regelt? Und wie bringen sie eS trotzdem fertig, sich in einer Weife zu verständigen, daß sie dich und dein Gepäck durch ganz Europa reisen lassen können? Wenn diese Lumpenkerle von Besitzern von Eisenbahnen es fertig gekriegt haben, sich zu verständigen, warum sollten die Arbeiter nicht, nachdem sie von den Eisenbahnen Besitz er- griffen, es fertig bekommen, sich ebenso untereinander zu ver- ständigen? „Und wenn Leute mit so wenig gemeinschaftlichen Interessen wie die Petersburg-Warschauer und die Paris-Belforter Ge- sellschaft gemeinschaftlich handeln können, ohne sich den Luxus einer Peitsche für Beide beizulegen, warum sollten sie in ihrem Schooße je eine Regierung nöthig haben, wenn jede Gesellschaft aus einer Gruppe freier Arbeiter bestände?"-- So der„ R e v o 1 1 6", um uns zu beweisen, daß„trotz des Eigenthumsindividualismus,'der uns erstickt, eS immerhin in unseren Sitten ein sehr weites Gebiet gibt, wo man auf Grund freier Vereinbarung handle", und„daß da, wo die Autoritären eine absolute Unmöglichkeit sehen, ohne Regierung auszukommen, die Menschen sich vortrefflich ohne solche zu helfen wissen." Unter„Autoritäre",„StaatSverehrer"(Ltatistss) jc. sind selbstverständlich wir böse Sozialdemokraten, bezw. Kommu- nisten zu verstehen, gegen die auch die Seitenhiebe auf„Sprech- buden", Zentralregierungen w. gerichtet sind. Die« festgestellt, sehen wir uns zunächst einmal— doch nein, wir wollen heute noch gar nicht auf die Ausführungen des Anarchistenblattes antworten, sondern unfern Lesern das Vergnügen lassen, einmal uiiber.'flnßt von unserer Kritik die- selben selbst auf ihre Richtigkeit zu prüfen, selbst herauszufinden, ob und wo das schöne Bild, das der„Revoltö" unS da vor- gemalt, der Wirklichkeit— nicht entspricht. Unsere Antwort wird somit erst in nächster Nummer er- folgen. Eine zeitgemäße Reminiszenz. In einem,»Mtirzgedanken und Erinnerungen" betitelten Artikel weist ein Mitarbeiter des Rewyorker„Sozialist" recht zeit- gemäß auf daS im März 1848 von der Zentralbehörde des Kommunistenbunde« aufgestellte revolutionäre BktionSpro« g r a m m hin, von defien geistigem Inhalt inzwischen»all« Parteien.... einen erklecklichen Theil gestohlen haben." E« heißt da: „So infam aber auch die Bismarck« und Konsorten die Forderungen des Proletariat« bekämpfen und für die Leiden und daS Elend de» Volkes nur ein wilde«, banausische« Gelächter haben, so sind doch auch sie bei den Kommunisten in die Schule gegangen und haben da«„Gute vorweg genommen", wie Leo der Dreizehnte seinem Freund und Mit- tyrann Otto bei Verleihung des Christusorden« so liebenswürdig be- merkte. Wahrscheinlich wollte dieser fromme Gotteimann damit andeuten, daß er in dieser Hinsicht Routine besitzt-, und tatsächlich haben ja auch diese beiden weltgeschichtlichen Figuren der Menschheit gezeigt, daß es sich ganz gut verträgt, sich wie zwei Spitzbuben auf dem Jahrmarkt zu streiten und doch gut« Freunde zu bleiben, bezw. sich in die ergatterte Beute zu theilen. Wir sagten vorhin, daß der März eine historische Rolle in der Arbeiterbewegung spielt und wollen nach dieser kurzen Abschweifung nun näher erörtern, inwieweit dies zutrifft, sowie gleichzeitig damit den Beweii liefern, daß die jeweiligen Machthaber auch kommunistisch« Forderungen ersüllen, soweit ihr Vortheil dies erheischt. AlS die Februarrevolution 1848 ausbrach, wurde bekanntlich die Centralb-Hörde des Kommunistenbundes von London nach Biüssel ver- legt und zwar in die Häno« von Karl Marx, welcher sich lange dem Bund ferngehalten hatte. Da« erst« Schrislstllck, welches von ihm bezw. der Zentralbehörde verfaßt wurde, gelangte in den ersten Tagen de« März zur Ausgabe und wurde in Deutschland massenhaft verbreitet. Diese« Schriststück ist e», dem unser Artikel gewidmet ist, und wahrlich, obwohl über ein Menschenalter seit seinem Erscheinen in'« Land gegangen, so zehren doch heute noch alle politischen Patteien mehr oder weniger von diesen geistigen Brosamen. Damit ist zugleich die lückenhafte Logik der Gegner de« Sozialismus erwiesen, als seien die Träger desselben unfruchtbar in Bezug auf praktisch« Vorschläge. Da« Schr>ftstück ist betitelt: »Forderungen der kommunistische» Partei in Deutschland" und enthält 11 Fundamentalsorderungen, und zwar: 1) Ganz Deutschland wird zu einer einzigen, untheilbaren Republik erklärt. 2, Die Volksvertreter werden besoldet, damit auch der Arbeiter im Parlament« de« deutschen Volke« sitzen könne. 8) Allgemeine Volksbewaffnung. 4) Die fürstlichen und andere feudale Landgüter, alle Bergwerke, Gruben u. f. w. werden in Staatseigenthum umgewandelt. Auf di sen Lanvgütern wird der Ackerbau im Großen und mit den modernsten Hiisemitteln der Wissenschaft zum Bortheile der Gesammtheit be» trieben- 6) Die Hypotheken aus Bauerngüter werden für StaatSetgenthum erklärt, di« Z nsen für dieselben werden an den Staat gezahlt. Sj In den Gegenden, wo ra« Pachlwesen entwickelt ist, wird die Srunbrent« oder ver P chtfchilling an den Staat gezahlt. 7) Alle Transportmittel Ei'enbahnen, Kanäle, Dampfschiff«, Wege, Posten u. s. w. nimmt der Staat in feine Hand. Sie werden in StaatSeigenthum umgewandelt und der unbemittelten' Klaffe' ,'ür fügung gestellt. 8) Beschränkung de« Erbrecht«. S) Einführung von starken ProgressivsteüÄF und Abschaffung alles Konsumtionssteuertk.- V 10) Errichtung von RationalwerkstStlcn. Der Gtäal gärantirt alleM Arbeitern die Existenz und versorgt die zur Arbeit Unfährzeif,. 11) Allgemeine, unentgeltliche Volkserziehung., So da« Schriftstück, welche« von Karl Marx, Karl Schapper, H. Bau«?/ Fr. Engel«, I. Moll und W. Wolff unterzeichnet ist."... „Ehe noch die stupide herrschend« Gesellschaft daran dacht«, volkS/ wirthscha'tliche Fortschritte zu erörtern, oder gar neue Thesen auf/ zustellen, haben die Kommunisten für diese Gesellschaft— wie leid«r"ff zugestanden werden muß— ihr Gehirn angestrengt. Fürwahr, in diesen elf Punkten liegt mehr staatsmännische Weisheit� als sämmtliche„Staatsweisen" bisher zu produziren vermochten. Ab/ gesehen von den drei ersten Punkten, welch« rein politischer Natur uiüf selbstverständlich auch al» nothwendige Vorbedingung und Garantie fitf sichere und exakte Durchführung der übrigen vorangestellt sind, wurdet die übrigen theilweise durchgeführt, theilweise von den politischen ParteieF in ihre Programme aufgenommen." ...„Und erst punkt 7 dieses Programme«? Welcher Staatsma voran der„große Otto", ist nicht bestrebt, diese unversiegbar» Sin nahmequelle au« den Vcrk.hrsanstalten sich zu sichern, um sein Un diückungssystem desto wirkungsvoller und nachdrücklicher zur Durch/ führung zu bringen? Verstaatlichung der Post, Telegraphte, Eisenbahnen, Kanäle) Salz/ Monopol, und demnächst Sprit- und Tabaksmonopol, aber nicht, wie eis im zweiten Satze heißt, daß»die Einkünfte der unbemittelten Klaff/1 zur Verfügung gestellt werden", sondern„um sie zu unterdrücken, uns die Staatsomnipotenz auf die höchste Spitze zu treiben, ein Heer vo» unterwürfigen Beamten zu schaffen, denen man im Falle de« Nicht/ pariren« die Hungerpeitsche um die Ohren sausen läßt". ...„Genug, das vom Centralkomite in den ersten Märztagen Jahres 1848 herausgegebene Flugblatt enthält unzweifelhaft Punk! welche schon die jetzt herrschende Klasse zu verwirklichen für gut fand. Mögen nun diese oder jene Motive dafür geltend gemacht werde«. dieselben in dem Geists durchzuführen, wie sie durchgeführt sind, so ist doch der Beweis geliefert, daß sie durchführbar sind./ Was auch kommen mag, jedenfalls hat die heutige Gesellschaft b«M sozialistischen Staat damit schon manche nothwendige Unterlage gegeben), und es wird dann nur nothwendig sein, das Ganze in die geeignet«' Form zu bringen. An die Proletarier der ganzen Welt tritt heute meht/ denn je die Pflicht, an der Verwirklichung der noch übrigen Punkte zw arbeiten, unbekümmert um das wüste Geschimpfe der Bourgeoisie, unV stets gerüstet Mit der Antwort, daß Mich st« sich dasjenige vorweg, g«/ nommen, was ihr frommt." Amnestie, ml. Zn der guten alten Zeit, als die Fürsten noch est» pattkarchalWO Dasein führten und die schlimmsten Opposition höchst harmloser Natur w«f£ gehörte zu jedem großen Hoffest(Regierungsantritt, Jubiläumsfeier*cJ eine Amnestie ebenso nothwendig wie eine Jllumknatio» mw Fackelzug. Der huldvolle Monarch begnadigte die zerknirschten polte tischen Sünder, schloß„Friede mit seinem Volk", und MeS schwammt w einem Meer von Wonne. DaS ist längst anders geworden. Die gute alte patriarchalische gelft liegt weit hinter uns: die Politik besteht nur noch auS Jntereffefragei�, und die Interessen stehen einander so scharf und schroff gegenüber, daW bei Vertretung der Jnteressefragen ebenso wie in Geldsachen„die Gfli müthlichkeit aushört". Die Jnteressefragen haben stch sogar zu L e b e n S q und Existenzfragen im eigentlichsten Sinne de» Worte« zugespitzf Die bedrohten Interessen ballen stch zusammen, gruppiren stch— und die politisch« Arena enthält heute zwei große Heerlager, die zwar noch mancherlei Berührungen mit einander haben, aber stch doch immer mehi von einander absondern und eine immer feindlichere Haltung zu einande annehmen. Unter dem mtt allerlei Raubthlerzeug symbolisch bemalten Bann eck deS KlassenstaateS die Ausbeuter und di« Unterdrücke» jeder Art, die sämmtlich daS gemeinsame Interesse haben, die AuSej beutung und Unterdrückung zu verewigen und möglichst intenfio zu» machen. Auf der andern Seite, theilS unter dem schwarzen, theilS unke» dem rothen Banner, die dichte, dunkle Schaar der»S n t e r b t e n"? — unter dem schwarzen Banner die ungeordneten Haufen der durch» Hunger zur Verzweiflung und zu Verzweiflungslhaten Getriebenen, unteck dem rolhen Banner da» wohlgeordnete Heer der Sozialdemokratie—- vergleichsweise noch klein und erst auS Hunderttausenden bestehend statt« aus Millionen, aber ein fester, diamantharter Kern, umschwärmt vo» Millionen, die eine unwiderstehliche Kraft in ihn hineintreibt, bii er, mch» und mehr anschwellend, selbst unwiderstehliche Kraft erlangt hat. WaS zwischen den beiden Lagern noch hin und her irrlichtelt, da» schwindet zusehend»— die Reihen werden dünner, Fortschrittspartei Boltspartei, bürgerliche Demokratie— wie immer diese wirren Phantast«» bedungen heißen— ihre Zeit ist vorüber, und daS Volk, da» unter d em raubthierbemalten Banner sich tummelt, sieht diese Zwischenläufe� dies« Zwitter nicht» steht nur den festen, diamantharten Kern dort unte» dem keck flatternden rothen Banner, steht nur, wie der Kern immer mehr anschwillt und, jetzt schon jedem feindlichen Anprall gewachsen� bald so übermächtig stark sein wird, daß kein Widerstand mehr den» bar ist. Und dm trotzigm Männern dort unter dem rothen Banner Am» n« st i e gewähren, zu Deutsch B e r g e s s e n? Unmöglich. Wie kam» der Wanderer die L a w i n e vergessen» die über seinem Haupt« hängt und di«, wenn st« ins Rollen kommt, ihn erdrückt mit der«bar» mungSlosen Sicherheit de« Fatums? Wie kann der Verbrecher dt« Nemesisvergessen, die hinter ihm hereilt und ihn erreichen wird», mag er seinen Lauf noch so sehr beschleunigen, mag er noch so dunkle-. abgelegene Schlupswinket aussuchen? Rein— kein Vergessen, keine Amnestie für die Sozlak demokratte. E» wäre gegen die Menschennatur, gegen die La' ") Warum die Art, wie .leider"? Soweit die»kommunistischen Forberongen" dnrA _______.... ste seitens der Gegner in'S Praktische übersetzt wurdenL nicht in ihr Gegentheil verkehrt sind, können wir nur Gmugthuun» darüber-mpstnden, daß unsere Feind« durch die Verhältniffe gezwungeitz worden sind, die Exekutoren derselben zu spielen. WaS heute davo» noch ihnen nützt, wird schließlich doch nur Borarbeit sür un» geweseM sein, wie der«ersasser am Schlüsse sehr richtig selbst be, merkt. Die Red. de» W Zh!ttsach«n. E» wäre ein« Beleidigung der Svttaldemo» Wr Spitzbuben, für Beamte, die in«uiübung ihre« Berufes sich die Ärgsten Rohheiien und Rechtsverletzungen haben ftu Schulden kommen lasten— fiir s t e und ähnliche« Gelichter, welche» wem Volk unter dem raubthierbemaltsn Banner geiste«verwandt ist, da» auch tzur Sippe gehört, da gibt es»mnestie, und über solche« Gelichter hat ernch am„Jub-ltag" des Heldengreise« da« Füllhorn der kaiserlichen 'Gnade sich reich ergossen. Den„politischen Berurtheilten" ist die kaiserliche Gnade scheu au« W.N Wege gegangen. Die politischen Berurtheilten sind heutzutage die Sozialdemokraten. Und die Sozialdemokratie, da« ist die rächende Zukunft, da« tzst die NemesiS. Amnestie der Berbrecher für die Nemesis? Gibt die Nemesis den Verbrechern Amnestie? Sozialpolitische Rundschau. Zürich, s. April 1887. — Wie alljährlich, so werden auch in diesem Jahr während de« vst-rfefi s eine Reihe von Arbeiterkougressen tagen. � In Budapest findet eine von der Ungarischen Allgemeinen Ardeiter- fcartei einberufene„Ungarländische Landes-Arbeiter- >«Versammlung" statt, aus deren Tagesordnung U.A. folgende Punkts figuriren: . �1) Da« allgemeine Wahlrecht. L> Urgirung der Fabrikgesetzgebung mit der Haftpflicht e S Arbeitgebers; ferner Berathung über die Modifikation resp. Vervollkommnung der Institution von Gewerbe- und Fabrikinspek- sturen(gewerbliche BertrauenSmänner). t 8) Besprechung der Arbeiter-Krankenkassen, der Alteri- und Jnva- 'stidenversorgung, sowie der fachlichen Krankenkassen." ! In Charleroi wird die mächtig anwachsende belgischeArbeiter- Partei ihren dritten Jahreskongreß abhalten, der Haupt- sächlich der Erörterung wichtiger OrganisationS- und Agitationifragen zgewiduiet ist. In Aarau endlich wird ein grober„allgemeiner schweizerischer Ar- teil. rtag" zusammentreten, um die Or ganisation deS Schwei- »erischen Arbettersekretariats zu derathen. Durch eine Verfügung des Schweizerischen Bundeörathes find ausländische Delegirte «on der Theilnahme an diesen Berathungen ausgeschlossen, wogegen aus Ben Reihen der schweizerischen Arbeiterschaft selbst lebhafte Proteste erhoben find, unter dem Hinweis, daß es sinnwidrig sei, die große Zahl der in »er Schweiz bcschästigten ausländischen Arbeiter bei einer Angelegenheit, stie alle Arbeiter, welcher Nationalität sie auch angehören, gleichmäßig tinterestire, unvertreten zu lassen, und daß auch bei den anderen Sekre- ttariaten(Handel«-, Gewerbe- ,c. Sekretariat) derartige Beschränkungen «icht ex stirten. Uebrtgen« wird die Sache wahrscheinlich in Aarau selbst moch einmal zur Sprache kommen, was schon deshalb gerechtfertigt er- Jcheint, weil von der Verfügung auch die Gewerkschaftsorganisationen, je doch ganz speziell sich mit den wirthschaftlichm Interessen der Ar- Heiter befassen, mitbetroffen werden. Auf jeden Fall nimmt der Arbeitertag, zu dem schon jetzt Vertreter von Degen 50,000 Arbeitern aus allen Theilen der Schweiz angemeldet find, «nser volles Interesse in Anspruch. Mehr noch als das Sekretariat, «on dem«S thöricht wäre, sich übertriebenen Erwartungen hinzugeben, tzietet die mit demselben verbundene Organisation der schweizerischen Arbeiterschaft die Möglichkeit einer Interessenvertretung, wie fste im gleichen V rhältniß bis jetzt noch in keinem Lande bestanden hat. Selbst wenn die von einigen Seiten geäußerte Befürchtung, daß die «orgeschritteneren Elemente von den Indifferenten, bezw. den Vertretern >der von allerhand Nebentnteressenten durchsetzten Bereine überstimmt «erden könnten, zutreffen sollte, was wir indeß nicht glauben, so wäre chamit noch nichts verloren, sondern im GegentheU den Erster«» nur ein Sporn zu um so eifrigerer Aufklärungsarbeit gegeben. Bevor die Arbeiter« (klaffe nicht«inen entschiedenen Willen hat, kann ihr überhaupt kein Gott helfen. Neben diesem allgemeinen Arbeitertag werden in Aarau auch noch Spezialkonferenzen der dem Aktionskomite angehörenden Vereine, Hei in letzter Zeit in erfreulicher Weise erstarkten Schweizerischen «GewerkschaftSbunde», sowie der Mitgliedschafte» Heutscher Sozialisten in der Schweiz tagen. - Allen diesen der Arbeitersache gewidmeten Zusammenkünften entbieten «ir unfern besten Gruß. Mögen ihre Arbeiten die Emanzipations- Bestrebungen der Arbeiterklasse tüchtig fördern. — Sage mir, tvelcher Art Deine Waffe» find, nnd ich Stil Dir sagen, was Du für ein Staatsmann bist. ,enn man nach dieser Maxime die politische Thätigkeit Bismarcks unter- cht, so wird der Nimbus, den der Erfolg um ferne» Namen gewoben, Alle Winde verstiegen. Selten hat wohl«in Staatsmann so auS- fschlie.ßlich mit Gewaltmitteln aller Art op-rirt, selten ein Staat«- ananir sich so unfähig erwiesen, mit anständigen Waffen Erfolge zu «xziekn, als Bismarck. Wo nicht das Glück der Bajonnete ihm aus der Matsche Half, da muß irgend eine Hätz die ruhige Ueberlegung hinter- (treiben— Heute der„Feind in Rom", morgen da» Attentatsfieber, Hann.wieder die Kriegssurcht je. ic. Gewalt und Lüge. Lüg- und Gewalt. lDa» zeigt sich jetzt wieder in dem Verhalten den Elsaß-Lothrin- > e r n gegenüber. Weil diese bei den Wahle«— Dam der Ungeschick- � ichkeit der bismarckischen Wahlagenten, denen nach den Erfolgen der Allunizipalrathswahlen der Kamm geschwollen war— ein wahrhaft per- sichtendes Votum gegen ihn abgegeben, soll ihnen jetzt mitStockprü- D.e l n die Liebe zum verbismarckten Deutschen Reich eingepaukt werde». iFranzosenfreundltche Manifestationen werden mit drakonischen Stiafen Belegt, und der Diktaturparagraph wird dazu benutzt, lästige Personen ganz auszuweisen. So ist der Reichstagsabgeordnete von Metz, »err Anto ine, auS dem ganzen Gebiet der Reichslande ausgewiesen «porden. das er Knall und Fall verlaffen mußte, Alach das alte bonapartistizche Kunststück, die Bourgeoisie durch die Arbeiter zu Paa-en zu treiben, steht berecks in Sicht. Es ist überaus Jrgöhlich, zu sehen, wie die offiziöse Presse jetzt mit den einst so ver- ätschcllen elsässischeu Großindustriellen und»hre» famosen Wohlfahrt«- gniichtungen umspringt. Einem Sozialdemokraten muß das Herz im eib.e darob lachen, wenn er steht, wie diesem Wohtlhütigkeitsschwindel »on denselben Leuten die Maske vom Gesicht gerissen wiro, die zu an- He.rn Z iien nicht Aufhebens genug von solchem und noch schliuanerem Arbeitersreund.l.chkeiti-Humbu> machen konnten. Am Uehrigen aber dürfte der Liebe Müh' diesmal Jirnjonst sein. W-nn Hje E.saß-Lothringer nicht deutsch sein wollen, so wird der Poiizeiknüppel BaS.letzte Mittel sein, ihnen Sympathien für Deutschland abzuzwingen. Polizeigerechtigleit. Kurz»or de» Wahlen, in de, kritiichsten eit der Wahtbewegung, wurde bekanntlich das„Sächsische Wochen- . I.att" auf Grund deS Sozialistengesetze« in Dresden verboten. jgöie Begründung der Dresdener Kreiohaupt.iiannschast war entweder von »ine», vollendeten Idioten oder von einem Spaßpogel, der das Sprüch. lein vom Verstand der Behörden drastisch illustriren wollte, abgefaßt j»«d bildete die dentbar stärkste Verhöhnung der Logik und deS gesunden Wenfchenvelstaydes. Indeß— der Polizeiverstand ist ja kein g-wöhn- sicher Menschenverstand, und der Polizeiverstand ist heute allmächtig»n Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte. Verboten«gr verboten— Hai ,, Sächsisch« Wochenblatt" mußte eingehen und die Herren 'pstder hatten sich einen Gegner im Wahlkampf vom Halse geschafft. Her Verleger.des„Sächsischen Wochenblattes" erhob B.schwerde bei der amos.n Reichsgalgenkommission. Und Pix Reichsgalgenkonimiffion hat auch, gengu drei Wochen»gch der Wahl, das Verbot '.«s„Sächsischen Woch.nblatts" wieder aufgehoben, DaS Ganze zvgr als? einxolizeulcher Wahl scherz, der aber de» Ejgenthlimern des Blattes sehr theuer zu stehen kommt, de» Kartesiplüdern ei» pggr tau, send Stlmuun eingeblacht hat und die wahrhaft untertürkische . thschaft bekundet, deren wir uns m dem, von Kjüq, Strebern und Reptilien alS bestregierte», glücklichstes und— freieste» aller Länder gepriesenen Puttkamerun erfreuen.— — Bismarck liebt zwar, wie auS einer seiner letzten Reden, mit denen er den verflossenen Reichstag beglückte, hervorging, die braven, von der sozialistischen Agitation noch unberührten ländlichen Arbeiter in wahrhast rührender Weise, er besucht sie in ihren Hütten, positifirt mit ihnen, und ist entzückt ob der Bewunderung, mit der sie seinen Auseinandersetzungen zuhören, aber— zu trauen scheint er ihnen ebenso wenig, wie die Jadustriebarone ihren„väterlich geliebten" Fabrikarbeitern. Man höre nur, was daS dsutlche„Reichsblatt" über die Wahlagitation im Sachsenwalde zu berichten weiß. „In diesem großen Forst", schreibt der liberal- Moniteur,„findet eine größere Zahl von Arbeitern, die in den angrenzenden Dörfern wohnen, während eines großen Theile» des Jahres Arbeit. Aus ver- schiedenen Dörsern, die in der Nähe deS SachsenwaldeS liegen, ist uns nun gleich nach der Stichwahl mitgetheilt worden, daß s o l ch e n A r- beitern.welcheimSachsenwaldebeschäftigtwurden, in der letzten Stunde vor Anfang der Wahlhandlung Stimmzettel übergeben worden seien mit den Worten, daß sie diese Zettel am Wahl- tische abzugeben hätten,„sonstseies amTage darauf mit der Arbeit alle" oder„sonst bekämen sie keine Arbeit wieder in dem For st." Diese Stimmzettel sind mit dem Namen deS konservativen Kandidaten„Gutsbesitzer Wentorp- Rothen- Hausen" beschrieben, und sie zeichnen sich vor den anderen Wahlzetteln, welche für denselben Kandidaten abgegeben wurden, auS. Der Name ist nämlich mit blauer oder vielmehr L i l a- D i n t e oder mit L i l a- Hektographenmasse geschrieben, und die Stimmzettel sindmiteinemLila-Rande versehen, alsovon außen kenntlich. Sie verstoßen also gegen das Wahlgesetz. Wir scheuten unS Anfangs, davon Mittheilunz zu machen; jetzt liegt uns aber ein solcher Stimmzettel vor, den wir sogleich einem befreundeten Reichstags- Abgeordneten zu eventueller weiterer Veranlassung üb ergeben werden. Zum Schutze gegen Wahlbeemflussunqen und Stimmenkäufe wird im Herzogthum Lauenburg immer mehr die Kenntniß der Handschriften- künde für den Politiker erforderlich. Wir haben die bewußten Stimm- zettel an die bewährtesten Schriftgelehrten des HerzoathumS gesandt. Dieselben haben festgestellt, daß die Handschrift dort allgemein bekannt ist und einem auf einem bekannten Burea« im Kreise beschäftigten Manne angehört. Es muß dem Reichstag leicht sein, festzustellen, ob unsere Miiheilungen begründet sind. In mehreren in der Nähe deS Sachsenwildes liegenden Wahlbezirken, wo bisher noch niemals konservative Zettel abgegeben sind, stnd jetzt solche vorgekommen. Nnd wenn unlere Informationen richtig stnd, wird man unter den Wahlzetteln dieser Bezirke auch jene hinterwäldlerischen Stimmzettel mit Lila-Schrist und Lila-Rand finden. Der Herr Forstbesitzer hat selbst weit minder verwerfliche Wahlbeeinfluffungen zu verschiedenen Malen, z. B. in seiner Reichstazsrede vom Januar 1832, auf das Schärfste verurtheilt. Er wird gewiß Veranlassung nehmen, dafür zu sorgen, daß solche Ding« am wenigsten in seinen Besitzungen vor- kommen." i- Auf letzter« Anzapfung wird„der Herr Forstbesitzer" voraussichtlich mit der ihm eigenen Unerfrorenheit achselzuckend antworten:„Wat ick mir davor koofe." Bismarck hat für Gesetz und Gesetzlichkeit von jeher keine andere Achtung gehabt, als etwa sein Standesgenoffe Krapotkin. Er„schafft" die Gesetze nicht„ab", sintemalen sie, namentlich wenn man die Klinke der Gesetzgebung in der Hand hat, sehr nützlich sein können, aber wo sie ihm im Wege sind, i g n o r i r t er sie, und zwar nicht blos theoretisch wie der anarchistische Doktrinär. Und was speziell das W a h l a e s e tz anbetrifft, so ist auch hier Bismarck praktischer als die Anarchisten. Als höchster Beamter des Kaisers geht er seinen Standes- und Klaflengenossen mit gutem Beispiel voran, und zeigt ihnen, wie man das fatale Wahlgesetz ohne theoretische Deklama- tionen und Deklaration auf praktischem— Wege annull irt. Nur gehörig fortgefahren auf diesem Wege, so gelangt man am sichersten zur — Anarchie. x. Wo alle» liebt, kann Karl allein nicht hassen. Zu den eckelhastesten Erscheinungen dieser byzantinischen Zeit gehören die Loya- litätS-Bocksprünge der sogenannten bürgerlichen Demokraten vor dem„erhabenen Oberhaupt d«S Deutschen Reches". Wir wollen gar nicht auf die Erörlerunz der Frage eingehen, ob überhaupt eine wirk- klich demokratische Gesinnung mit Zugeständnissen an das monarchische Prinzip vereinbar ist— nach unserer Anficht ist«S nicht der Fall— sondern die Theorie der Anerkennung deS einmal gegebenen ZustandeS gelten lassen, aber zwischen der bloßen Anerkennung und der von den Herren beliebten Theilnahme am Wettkriechen zu„Kaisers Geburtstag" besteht ein himmelweiter Unterschied. Das Erster« erfordert noch keines- wegS ein Aufgeben der eignen Würde. Wie aber die bürgerlichen Demo- kraten, nachdem ste soeben von der Regierung des alten Wilhelm einen wahren Hagel von Fußtritten erlitten, sich sofort wieder vor Ihm auf den Bauch warfen, und so die ihnen folgend« VolkSmaffe über die Natur der politischen Kämpf« der Jetztzeit aufS Neu« irreführten, da« ist, wie gesagt, wahrhast eckelerregend. Dle betreffenden Leistungen der„Frankfurter Zeitung" haben wir be- reits in voriger Nummer tiefer gehängt. Heute liegt unS ein Bericht vor über eine, von dem großen Demokraten und Landligaführer Michael F l ü r f ch e i m veranstaltete Kaiserseier. Im„Badischen Landesboten" vom 24. März lesen wir: „Gag gen au, 23. März. Ungefähr 300 Männer versammelten sich gestern Abend im Gasthause zum Hecht auf Einladung Herrn Flür- s ch e i m'S, der die„R e i ch S f« i n d e" und„R e i ch s f r e u n d e", die ihrem alten wackertzn Kaiser(I) ihre Verehrung bezeigen woll- ten, zu einer festlichen Begehung seines SO-jährigen Geburtstag e s aufgefordert hatte. Herr Flürfcheim hielt die Festrede, worin er energisch gegen jeden Bersuch einzelner Parteien protestirte, ein beson- dereS Pachtrecht auf den von der ganzenN ation ohne Unter- schied der Partei verehrten Kaiser in Anspruch nehmen zu wollen. Nicht der sei der beste Freund, der unS st-tS schmeichele und ja sage, nicht auf ihn können wir unS am Tage der Noth�am sichersten verlassen, sondern aus den, der unS freimüthig bei Vorkommen auf Fehler und Jrrthümer aufmerkfrm mache, sich mit Rannesmuth unseren unberechtigten Wünschen entgegenstelle. Ein solcher Freund habe auch die Kraft und den Math, un« amTage dekNoth feine Stütze zu leihen." Folgt die berühmte Theorie von der„allergetreuesten Opposition", die blos an dem kleinen Fehler leide», daß der„allverehrte Kaisir" eS— wahrscheinlich aus Milde— ruhig zugelassen hat, wie seme Beamten diese Opposition als persönliche Feinde von Kailer und Reich ge- radezu geächtet haben. Unter solchen Umständen kann man höchstens von allergetreuester Prostitution reden. „Der Redner ging hierauf"— heißt es dann—„auf die g es cht cht- lichen Romente über, welche da« Leben Kaiser Wilhelms uns dar- bietet, aus die großen Gig enschasiten de» Jubilar« und sein B-rhältniß zum deutschen Volke." Saggenau liegt einige M.ilsn von Rastatt, ob Herr D-mokrat Flürfcheim auch das„V rhältniß" Wilhelm» zu den dort niederkiirtäifchten Kämpfern für die Freiheit des deutschen Volkes erörtert hat? Schwerlich. Das hätte ja nicht zu dem „schönen Abend" gepaßt,„wie ihn Gaggenau noch nie erlebt hat." Um so donnernder dafür der Hochruf auf des„verjüngten Deutschlands" ersten-Kaiser. Wo alles kriecht, darf Michel allein nicht ausrecht stehen. — Dre Äouhlpriifuugskoiumtssion des gegenwärtigen Reichstag» sollte eigentlich den Nan>en„Schneckenkommission" haben. Sie kommt nicht ooi-r Fleck. Gehen die Arbeiten der WahlprüsungSlommission bei dem üble.! Wcken der Regierungen überhaupt schon an sich, auch bei der größten Arbeitslust der Mitglieder, in einem langsamen Tempo, weil man dem Reichstag das Recht, die behaupteten Unregelmäoigketten und Ung-!etzlichke>ten selber zu unte-suchen fürsorglich verweigert hat, und der Reichstag daher auf die guten Dienste der Regierungen angewiesen ist, hie nur genau das thun, was sich anständigerweffe durchaus nicht permeiden läßt— so ist jetzt, wo die Mehrheit der Wahlprüfungsrom- Mission Mit den Regierungen den lebhasten Wunsch theilt, die patriotisch- nationalen„Schweinereien" der letzten Wahl hübsch zu vertuschen, von einem Fortschreiten der WahlprüfungSarbeiten absolut gar nicht« »u bemerken, Seck drei Wochen sitzt die Kommisstim— aber gethan ist PUchstabl ch n v ch n i ch t S. Die Serren der Majorität haben als„Staats- Männer" u»i>ere wichtigere Ä.schäite zu verrichten, und beschleunigen dir Mitglieder der Minornät ihre Arbeiten auch noch so eifrig, so ist damit doch nicht» erztett, denn ohne daß die Herren der Majorität m kit.I machen, kann keine Wahl in der Kommission geprüft werden. fBam welchem Geist die Herren der Majorität beseelt find, daS erhellt rechs deutlich auS einer parlamentarischen, offenbar von einem Reichsbotew geschriebenen Notiz de»„Leipztger Tageblatt" über den Wahlprotest au» dem Leipziger Landkreis. Nachdem einig« untergeordnet» Beschwerdepunkte(die Hauptpuntte zu erwähnen hat der Schreibe» — vermuthlich Dr. Götz selbst— stch wohl gehütet) angeführt fin9> schließt die Notiz mit den bezeichnenden Worten:„Jedenfalls komm« der Protest in die fer Session nicht mehr zur Ber» h a n d l u n g." Da» ist der Trost deS nationallrberalen„Gentleman"', und daS enthüllt die Verschleppungstaktik der Kommik� fionSmajorität.— — In dem Beschluß der Reichsgalgenkonimiffion auf Meßer- freigab« des„Sächsischen Wochenblattes" heißt eS ausvrück- lich,« S stehe fest, daß das genannte Blatt«in Organ der So» zialdemokratte sei und sozialdemokratischen Tendenz«» und Bestrebungen huldige, und daß auch in den Artileln, welche zur Unterdrückung deS Blattes Anlaß gegeben, unzweifelhaft sozial- demokratische Tendenzen und Bestrebungen zu Tag« treten, aber— so fährt dann die Reichsgalgenkommiffion mit tagend- hastem Respekt vor Wahrheit und Logik fort,„aber diese Mertmalr genügen nach dem Gesetze nicht zur Rechtfertigung deS ergangenen Verbot«, welches nur unter der Voraussetzung ausrecht er- halten werden könnt-, wenn aus dem Inhalte des fraglichen Artikel» sich auch ergeben würde, daß die in demselben zum Ausdrucke gebrachten Bestrebungen im Gegensatz- zu jener reformatorischen Thätigkeit, welch« auf der gegebenen Grundlage der Staats- und Gesellschaftsordnung deren Aenderung durch organische Fortentwickelung anstrebt,— entweder direkt den Umsturz dieser Ordnung, daS heißt den West; der Gewalt verlangen, oder daß die gewählte Methode, form« die anempfohlenen Mittel der Agitation naturnothwendig aus den Weg der Gewalthindränge n." Reineke Fuchs als Tugendprediger— doch nein, wir wollen dem braven Reineke keinen Schimpf anthnn— sagen wir lieber, S t ö ck« r/ der gegen die Todsünde deS Lügens eifert, Bismarck, der beim Ge«' danken an die Möglichkeit eines Krieges dem alten LessepS ein paar� Thränen vorweint— das stnd ähnliche Bilder wie daS, welche» dir Reichsgalgenkommiffion unS hier darbietet.., Wir stnd jetzt im Frühling de» Jahres 1837. Und im Herbste de» JahreS 1878, also vor ungefähr neunthalb Jahren, trat die Reich»» qalgenkommisston ihr schmachwolles Amt an. Und in diesen neunthalb Jahren hat sie. ohne mit den Wimpern zu zucken, Hunderte unb Hunderte von Zeitschriften und sonstigen Schriften endgültig garottirV bloS weil sie sozialdemokratische Tendenzen und Bestrebungen ver- folgten. Und jetzt aus einmal dieser Tugend-Raptus! Wenn ein aller Sünder plötzlich zerknirscht thut, dann ist entweder Mätthäi am letzte», mit ihm oder der Kerl hat irgend«ine ganz absonderliche Ried«»- stacht im Sinn. Und doch gibt es komischer Weise noch Leute, die da allen Ernste» glauben— Sozialdemokraten sind's natürlich nicht— die RsichSgal#»» kommission habe sich gebessert, und es steh- jetzt eine Aera der„Uyalen" Anwendung des Sozialistengesetzes bevor. Geradesogut könnte»an»o» einer l o y al« n V e r g i s t u n q oder von loyaler Srdrosse- lung reden. DaS Sozialistengesetz ist eben dazu da, um nicht loyat angeoandt zu«erden. Loyalität und Sozialistengesetz sind zwei Dinar, die nicht zusammenzustimmen. W.llkür, brutale Vergewaltigung des Recht» — das gehört zum Wesen des Sozialistengesetzes, das r st sein Wesen; und im Augenblick, wo die Willkür und brutal« Vergewaltigung de» Rechts aufhört und die„loyale Anwendung" beginnt, ist e» mit dem Sozialistengesetz zu Ende. Das wissen die Spiegelberge der Retchsgalgenlommission genau so gut wie wir, und wenn ste jetzt mit einem Male die Maske der Ehr>. ichkeit und Loyalität vorbinden, so fragen wir einfach: welchen Grund habt Ihr zu dieser Bermummung? WelcheSchujterei führt Ihr im Schilde? Vermuthlich soll der Bennigsen' schen Abschaffung des Sozialisten» gesetzeS der Weg gebahnt, und die trockene Guillotine de» in Form Rechtens stch vollziehenden Gedankenmordes schon vorbereitet werden. Nun— der Aedankenmord ist zum Glück»och etwas schwieriger»l» die Quadratur deS Zirkel». Soll er überhaupt gelingen, so muß der Mörder Godanken»m Schädel haben, un» zwar Gsdanten, di«. denen» welche gemordet werden sollen, überlege» find. Aber Putty, und Gedanken im Schädell Der bloße Ge» danke an die Möglichkeit, daß Putty Gedanken haben könne, erzeuzt homerisches Gelächter. — Ei« Wink mit dem Zauupfahl— oder der Kartätsch� die ja unter Umständen noch wirksamer winkt al»«in Zaunpfahl. Die Berliner Fartcatcher, die während des jüngsten F-stcummelS stark über» arbeitet waren und noch heute appetitliche Nachlese hatten, erzählen u. U.. mit großem Behagen, daß der„kaiserliche Jubelgreis" an seinem„Ehrentage" nur«inen einzigen Orden getragen und mit diesem sich seine». Gästen und„seinem Volke" gezeigt habe— nämlich mit demselben Orden: pour le rndrito, welchen et als Prinz von Preußen im Jahr lS4S nach siegreich beendetem Feldzug in Baden von seinem könffp- lichen Bruder erhalten hat. Also zur Feier de» 90. Geburtstage» die Erinnerung an den Bstr» gerkrteg, die Erinnerung an die Blutorgien des pren» ßisch-hohenzollerischenOrdnungsbanditenthumS—- und-ine Provokation zum Bürgerkrieg! Oder ist die Zluf* frischung jener Schandthaten der Reaktion, die in dem„Prinz»o» Preußen" ihr bereitwillige» Werkzeug fand, nicht eine HerauSfor» d e r u n g an alle diejenigen, welche stch, wenn auch nicht in den Zielen» doch rn der Liebe zum Volk einig wissen mit den Opfern jene»„Kreuzzugs gegen die Hydra der Revolution", welcher dem Prinzen von Preußen jenen, am 22. März d. I. paradirten Orden pour lo wärit» einbrachte? Der Prinz von Preußen hieß damals der Kartäischeupriaz, und unter diesem Namen wird auch die Nachwelt ihn kennen, nachdem de« muffige WeihrauchSdunst verflogen ist, mit welchem daS hyperbyza» tin.sche Gesindel veS deutschen Bas-Empire*) seit einem Menschenalte» die Luft verpestet und verdunkelt. Run— der Wink mit d-r Kartäl che des weiland„Kartätschenprtnzen- wird den 95,000 sozialdemokratischen Wählern Berlin» nur ein mit- leidiges Lächeln entlockt haben. Kartätschen(auch in neuester AuSgaL» und Gestalt) nnponiren uns Sozialdemokraten nicht, eben so wenig wi» «artätscheiiprinzen. Wir haben Waffen, die tausendmal so gut stnd wi« di« besten Kartätschen und sonstigen Mordinaschrnen der höh.« und höchsten Herren. Und wir wissen, wie wir zu kämpfen haben, um z» siegen. Und weil«ir es wissen, lachen wir des Winke» mit der Kartätsche, lachen de» KartätschenordenS und des Kartätfchenprinzen. W i r lachen, aber der Tag wird kommen, wo da» Volk der Kar» tätschen, der Kartätschenorden und Kartätschenprinzen nicht lacht. — In Breslau ist gegen Kräcker und daS sozialdemo« kratisch« Wahlkomit« ein« Anklage auf Theilnahme an«ine« Verbindung im Sinne der famosen§§ 128 und 129 erhoben warben. Aehnliche Prozesse stehen an verschiedenen anderen Ortm in Aitü» ficht. Jämmerltche Polizei-Psuscherei! Wenn die Polizei nicht so poltzeiwidrig dumm wäre, hätte st« längst herausgebracht, daß das Wählen selbst-ine strafbare Verbindung im Sinne de» Frelberger Erkenntnisses voraussetzt, und hätte den gesta, nungstüchtigen Richtern einen Prozeß gegen fämmtlich« sozialdemokratische Wähler apportirt. Daß dieselben durch geheime Stimmabgabe ihre strafbare Verbindung dem Auge der Polizei zu entziehen suchen, ist ein e r s ch w« r e n d e r Umstand von erdrücken» der ÄAcht. Und bei Sparig'schen Stimmzetteln und den sonstigen sinn» reichen HilsSmitteln. welche den Ordnungeparteien zur V«rfügu»g stehe», kann es ja nicht schwerfallen, die Mitglieder dieser weitesten und — was wir ungenirt oerrathen wollen— gefährlichsten Geheimverbindung zu entdecken und zur Straf« zu bringen. Wir hoffen, die Polizei nimmt sich diesen unseren Wink ack natam. •] Da» niedrige, verkommen« Reich— Bezeichnung d«S oströmische», byzantinischen Reichs, welche» daS Ideal unserer Mderur» „Staatsmänner" geworden ist. ftj �>n Hecht i» Karpfenteich oder Frankfurt in Nöthen. fa*'>'•»« Frankfurt am Rain fchreibt man«nl: ech» Da« freie deutsch« Hochstift, da« den großen Gedanken tew tiner freien deutschen Unwersitit zu verwirklichen berufen sein will, mV JeranfUIfet jeden Winter eine Reihe von Vortrögen aus allen Gebieten ef# des 8'ifiins. Da man nun die Wiffenschastlichkeit de» Sozialismus be» ttcht mehr zu leugnen im Stande ist, so hatten die Herren den kühnen rtv> Gedank-n, diese, wenn auch noch so verruchte Wissenschaft auch im„freien mt deutschen Hochstist" zu Worte kommen zu lassen. Ja, die Wissenschast t* Wib ibre Lehre ist frei, auch unter dem kleinen Belagerungszustand! t** /o" fünfmal dreiviertel Stunden sollte nicht etwa nur der deutsche, Isnbern auch der französische und englisch« Sozialismus abgehandelt «erden. Man hatte sich zu diesem Programm um so eher geeinigt, als «an so dem Rufe des Freisinn« Rechnung getragen und doch nur eine »brist Schliche Autlese von Gedanken aus der großen Fülle bekommen I h«tt?. die die verschiedenen bedeutenden sozialistischen Systeme«nihalten; der Schreckgestalt des wahren Sozialismus wäre man kaum nahe ge< «eten. Außerdem wöre es eine pikante Unterhaltung gewesen, die Nie- «and zu viel des Denkens zugemuihet. Unser Genosie, Dr. Heinrich Braun, den man für die Vortrög« be< dusen hatte, önderte das Thema aber dahin, daß er eine gründlich« «'fsenlchastliche Darlegung des gewaltigen, der gesammten sozialistischen Bewegung aller Länder zu Grunde liegendin Systems von Rarz-Engelt Gtb- Für fünf Vorträge in der That eine schwierige Ausgabe, der er ledoch in vollendeter Weise gerecht wurde. Di« gegebene Redefreiheit «chend. blieb er mit jedem Worte der Sozialist, welcher in ruhiger, seine Ueberzeugung vertrat. Die Herren vom Hochstift durchrieselte kalter, jäher Schrecken, sie �en aufs Höchste entsetzt. In höflicher, dringender Weise versuchte «an schon nach dem ersten Vortrage Dr. Braun den wohlgemeinten g!1) Iu geben, doch die Gesellschaft nicht zu verletzen— indeß ohne «tfolz. Man debaUirte und verhandelte, man schickte gewichtige Persön- luhkeiten zu ihm, man ernannte schließlich einen„Beschwichtigungähofrath" "r alles umsonst, er sprach mit offenem Freimuth weiter. Die bürger- nchen Elemente, die die Zuhörerschaft büdeten, erschienen zu jedem Vor- •gg* in überau« reicher Zahl und folgten, zu ihrem Lobe muß ich eS «estehen, mit gespannter Susmerksamkeit. Die wenigen Freunde der Sache «Nichten begeistert den eindrucksvollen Worten. Zwei Juristen sah man Nach jedem Vortrage erleichtert ausalhmen, als hätten sie in sortgesetzter ?Ngst geschwebt, es könne irgendwo eine Dynamitbombe losgehen. Einer, »er es mit Riemand verderben will, schültelte nach einem der Vorträge «raun die Hand. Ein Händedruck, dem man angefühlt haben mag:„Sie hüben mir au« der Seele gesprochen." Die löbliche Polizei gehört nicht tzu den Mitgliedern des Hochstiftes, vielleicht aber hatte sich ein„Geheim- kath" eine starte zu den Vorträgen gesichert. Die Herren vom Hochstift waren, wie gesagt, in Verzweiflung; befand «an sich doch m emer höchst peinlichen Situation. In erschreckender »arheit malte man sich die möglichen Konsequenzen aus, wenn Dr. «raun m dem Tone zu Ende spräche, und die noch schlimmeren, wenn «„da» billige Martyrium", wie sich einer der Herren ausgedrückt hat. aus sich nähme und die Vorträge abbräche. Welchen Skandal würoe *8 mit dem Ruf dei Freisinn« im freien oeulschen Hochstist l Man hat schwere Sorgen durchgemacht, aber die Ichitminen Tage, sie sind vorbei. Im Stillen thaten die Herren das »ait®' n'e und nimmer wieder einem Sozialisten die Thor« «u össnen. nie und nimmer wieder einem Sozialisten den Lehrstuhl an «er freien deutschen Universität einzuräumen.— Und als darauf Dr. «raun vor den Arbeitern über den modernen Sozialismus Mechen wollte, erhob die Polizei auf Grund des§ S des Sozialisten- *?t0'esi. Die Wissenschaft und ihre Lehre ist srei, aber nicht für «« Arbeiter l Ein junger Student. Hcuchellaud?„Was sagen die, welche die Sozialisten lvegen der harten Dinfte, die diese den Kapitalisten nachsagen, und wegen lyeS bltteren Haffes gegen das gegenwärtige Wirthschaftssystem tadeln, KL Angaben deS Oberst T. ffi. Stewart über die Lage der Stafford- Anwr Gürtler? Was sagen sie dazu, daß ein angestrengt arbeitender, » � allerhöchflens 6 Schilling 4 Pence wöchentlich verdienen Was dazu, daß Frauen und Märchen für die großartige Summe von 3 Schilling 6 Pence wöchentlich gezwungen sind, mit den Männern an ver Schmiede zu arbeiten? .Drei Schilling und sechs Pence! Vernehmen Sie«S, Ew. Majestät! Vernehmt eS, Ihr gezierten, tn «etd« gekleideten und mit Juwelen bedeckten Damen, die Ihr Tuch erst •nrzuch st, der Königin Gesellsch immer drängtet! Diese Frauen, «ure Schwestern, haben sich an ihrer schweren, unweiblichen Arbeit in «er Schmiede für 3 Schilling uno 6 Pence zu placken, während Ihr «üfttg durch das Leben geht, mit unzählbarem Tand und Ueppigkeilen Gelohnung für Euer Nichtsthun versehen. Ist Euch denn nicht das geringste Schamgefühl aeblieben?" G» gland? � im Organ der Christlich Sozialen— ' Man vergl-ich« damit die Sprach« der vreußisch-deutschen Vertreter öu." m.' ch e n Sozialismus", und dann beantworte man unsere vrage- WorstHeuchelland? — Räch allerhöchstem Muster. Au« Hamburg wird berichtet: der vor kurzer Zeit vom hiesigen Land- gerilyt, Strafkammer lsi, wegen Sittenverbrechen, begangen tu Der raffintrtesten Weife an zwei Schulmädchcn, zu zwei Bahren Zuchthaus»erurtheilt ist. hat msosern vor dem Knad« gefunden, als derselbe die erkannte Zuchthausstrafe ' n G e f ä n g n i ß verwandelt hat." Recht so. Der Rann war auch kein politischer Verbrecher. —«US der„guten Gesellschaft". Man schreibt UN» au» Verlin: <-„Schon zweimal hat der„Sozialdemokrat" von dem würdigen Moritz »r eitel erzählt, dem Schützling Bismarck' s, und von den Versuchen, An ob der intimen Beziehungen des talentvollen Bill zu seiner jungen Frau aus finanziellen Nöthen zu befreien. Diese Hilfe war nicht dauernd, «G« im Herbste erschien in den eleganten Räumen der in der Bendler« b,t Serichtsvollzieher. D>eS schmerzte die an iÄlw8 Äf l10"' betrübt-erließ st- ihren treuen Gatten und ihre Kmder, um in Pan« Erholung und—«-rgess-n zu suchen. Wie «rn in vornehmen Berliner«reisen erzählt wird, hat die von feurigem polnischem Blut« durchglühte Frau einen Freier gesunden, der «1 gleicher Zeit mit Bill, Paul Lindau und Kumpanen Hausfreund im rertel'schen Hause war. Es ist dies Herr Fürstenberg, ehemaliger «'sponent im Bleichröder'jchen Bankgeschäft, und jetzt Direktor der Berliner Handelsgesellschaft. Dieser Herr hat jetzt für die »rme Frau ein elegantes Heim am Kr»nprinz«n»Ufer genom- wen, und dort versammeln stch die hohen Herren oer Aristokratie, die »großen" Heroen der Literatur, die Vertreter der„anständigen", guten vreff«, und alle die Herren von der Börse, die— viel Geld haben." In dem Wahlflugblatt der Ordnungsparteiler von Slbflorenz war w geschmackvoller Weise unserer Partei vorgeworfen, sie wolle die F»r.il,i abschaffen und dafür„Karnickelwirthschaft" einführen. »ngendhaste Bourgeoisseelen! Als ob nicht gerade in ihrer Ritt«, in wn Kreisen der„Edelsten und Besten" der Nation die schönst«— nun, lägen wir nicht Karnickel-, denn das sind immerhin noch saubere Thier« aber die schönste Schweinewirthschaft blühte I Oder gehören dies« intimen Beziehungen zwischen Adel und Finanz Wich zur segenspendenden Kartellbrüderschaft?! — Ein Köuigswort. In den Zeitungen steht zu lesen, der König von Sachsen habe, bei seiner neulichen Anwesenheit in Berlin, zum Ge- »urtstags-Spektakel die sächfischen Abgeordneten empfangen und denselben feme Freude darüber ausgedrückt,°ah Sachsen keine sozialdemokratischen Abgeordneten gewählt habe, so daß er— König Albert—„nun alle sü ch sischenAbgeordneten bei stch empfangen könne." können kaum glauben, daß der König von Sachsen, der persönlich «in ganz anständiger Mensch sein soll, wenn auch kein besonderes Licht, «tne so geschmacklose und geradezu unanständig« Aeußerung gethan hat. von der Freude Über die NichtWahl der Sozialdemokraten wollen wir (onz absehen— diese königliche Freud« kann für uns Sozialdemokraten » nur schmeichelhaft sein— was jedoch da»„Empfangen" betrifft, so wuß der König von Sachsen doch wtffen, daß dazu mindestens Zwei gehören— Einer, der empfängt, und Einer, der sich empfangen läßt. Daß ober sozialdemokratische Abgeordnet« stch nicht empsangen lassen, das weiß Niemand bester als der König von Sachsen, besten Einladungen an sozialdemolratische Abgeordnete regelmäßig zurück- geschickt wurden. Wenn König Albert sich bei seinem Hosmarschall erkundigt, wird er vielleicht auch ersahren, daß ein sozialdemokratsicher Abgeordneter, der von H o s b e d i e n st e t e n ganz besonders gebeten ward, der königlichen Einladung Folge zu leisten, die Antwort gab: „Wenn der König mich besucht, so kompromittirt er sich nicht, wenn ich ihn beluche, so habe ich meine Ehre verloren. Hat der König wirtlich den Wunsch, m:ch zu sprechen, so ist es vom Palast in meine Wohnung genau so weit wie von meiner Wohnung in den Palast."- — Herr vrockhaus in Leipzig, Inhaber der bekannten Buch- Handlung, die feinen Namen trägt, ist ein ganz besonderer Patriot vor dem Herrn, und wehe dem, der eS wagen wollte seine deutsch- nationale Gesinnung in Frage zu stellen. Herr BrockhauS ist aber auch ein tüchtiaer Kaufmann, und versteht sich auf das Geschäst wie nur einer So hat er von dem, in seinem Berlage erschienenen Kon- versationSlezikon eine ruffitche Ausgab« veranstaltet, um auch den Rüsten deutsche Bildung, insbesondere deutschuationale Geschichts- sälfchung gegen gute Bezahlung beizubringen. Dabei hat aber, wi- man der„Frankfurter Zeitung" aus Petersburg schreibt, die an erster Stell« stehende politische UebersichtSkarte von Asien eine merk- würdige Umwandlung erfahren.„Während nämlich auf dieser Karte, wie sie im II. Bande dei Lexikons steht, Afghanistan und veludschistan eine selbständige, von Rußland verschiedene Färbung und Schraffirung ausweisen, und somit als selbständige, von Rußland unabhängige SlaatSwesen charakteristrt sind, erscheinen auf der Kart« des für die Russen bestimmten Prospekts beide Länder in der nämlichen Farbe und Schraffirung wie Rußland selbst, ste sind also dem letzleren a n n e x i r t worden."„Da diese An- nexion", bemerkt der betreffende Korrespondent ironisch,„vielleicht«im mal stattfinden wird, so kann man nur die höchste Achtung vor dem deutschen Berlagsgeichäst haben, da« nicht bloi mit der Gegenwart fort- schreitet, sondern ihr auch mit kühnem Schritt in die Zukunft vorauszu eilen weiß." Und obendrein in eine Zukunft, die für Deutschland nichts weniger als wünschenswerth ist. Aber was thut man nicht Alles au» Patrio tismus und sür't— Geschäft! — Frankreich. Aus Pari», 21. März, schreibt man uns: Ueber den Verlauf de» kürzlich hier stattgehabten Internationalen Festes ist schon im„Sozialdemokrat" berichtet worden, auch hat«ine der auf dem Feste verlesenen Zuschriften, der Brief Friedrich Engels', bereits Ausnahme gesunden. Wenn wir nun trotz alledem heut« noch- mals auf dieses Fest zurückkommen, so deshalb, weil der erwähnte Be- richt in der letzten Sitzung des Internationalen Festkomite, als zu un- vollständig, für ungenügend befunden und beschloffen wurde, jetzt, wo der„Sozialdemokrat" nicht mehr so stark in Anspruch genommen ist, wie unmittelbar nach den Wahlen, dem Organ der deutsch?» Sozialisten «inen vollständigen Bericht über das gut ausgefallene Fest zugehen zu lasten, damit es den auswärtigen Parteigenoffen möglich sei. einen besseren Ueberblick über den Zweck de» Festes und über letzteres selbst zu gewinnen. Und nun zur Sache. Um dem Kriegelärm in Europa, den kostspieligen Rüstungen, den chauvinistischen Hetzereien energisch entgegenzutreten, und zu gleicher Zeit die Bande der internationalen proletarischen Solidarität fester zu knüpfen, ergriff der deutsche Sozialiftenklub die Initiative zu einem großen„Internationalen Feste", da» den aus- gesprochenen Zweck verfolgte, den oben erwähnten Gedanken öffentlichen Ausdruck zu verleihen. Vor Allem wurden sämmtliche in Pari» existi- renden sozialistischen Klubs der verschiedenen Nationalitäten eingeladen, und dieselben schloffen sich sosort dem gemachten Vorschlag an. Es be- theiligten sich sechs Klubs an der Organisation des Feste«— drei deutsche, der polnische, ruffrsch« und skandinavische sDänen, Norwegen und Schweden)— und wählten ein OrganisationSkomite, da» pro Klub auS je zwei Mitgliedern bestand. Da» OrganisationSkomite war ebenfalls dafür, der beabsichtigten Ma> nifestation den Charakter eines Feste« zu verleihen, da in Frankreich nach dem Gesetz von 1818 und dem niederträchtigen Gesetz von 1872 gegen die Internationale öffentliche Kundgebungen seitens der Ausländer strengstens verboten sind. Uebrigens, wie der Erfolg zeigt, ist mit dem Fest daffelbe erreicht worden, was durch ein Meeting hätte erreicht werden können. Das Komite versicherte stch der Unterstützung d<» sozialistischen Fraktion der Kammer und der sozialistischen Stadt- räthe des Gemeinderathes, sowie aller französischen Frak» tionen, Gruppen und Studienzirkel, die sämmtlich als Gäste zu dem Internationalen VerbrüderungSfeste«ingeladen wurden. Es wurde den- selben die vom Komite ausgearbeitete Resolution vorgelegt, welche wir kurzgedränzt wredergeben. und zu der ste ihre völlrge Zustimmung aussprachen: „Rejolution. Die immer größeren Rüstungen, deren Kosten Haupt- sächlich aus da? Proletariat entfallen, das Verhalten von Rußland und der europäischen Diplomatie in der orientalischen und bulgarischen Frage, die beftige Sprache Bismarcks gegen die französische Republik, und die kostspieligen kriegSrüstungen, welche den Frieden bedrohen, veranlaffen die zu Paris lebenden revolutionären Sozialisten aller europäischen Nationalitäten, welche dem Internationalen Feste beiwohnen, zur An- nähme folgender Resolution: I) In Erwägung, daß die modernen Krieg« nur die»rbeitermaffen von ihrer jämmerlichen Lage ablenken sollen, ferner, daß jeder Krieg, indem er zwischen den Böllern Haß erweckt, die sozialrstrsche Bewegung hemmt, und endlich, daß die Kriege nur den Ausbeutern und Finanzleuten Nutzen bringen, und die politrfche und ökonomische Unsähtgkeit der Bourgeoisgesellschast verbergen sollen, protestiren die revolutionären Sozialisten energisch gegen die kriegerische Politik und hoffen, daß das pflichtbewußte Proletariat dem herrschenden Zustande ein Ende machen werde; 2) In Erwägung, daß die europäischen Diplomaten den Appetit der Romanoff in Bulgarien nicht in Schranken halten können, und daß diese Thatsache die politische Un,»higkeit der Bourgeoiste zeigt, protestiren die Soziatisten gegen den Einfall der KaulbarS-Romanoff in Bulgarien und fordern das bulgarisch- Volk auf, stch dem internationalen Proletariat anzuschließen, welches nur allein die politisch« und ökonomische Befreiung der Menschheit herbeiführen kann; 3) In Erwägung, vaß der Haß Bismarcks gegen die französtsche Re- publik nur dem Haß des verendenden Despotismus gegen die künstige Gesellschaft Ausdruck oerleiht, daß die Chauvinisten aller Schattirungen und Nationalitäten keine wahrhafte national« Vertheidigung organrsuen können, sondern nur Haß zwischen die Völker säen, und daß nur das französische Proletariat, indem es Herr der politischen Macht wird, zu gleicher Zeit das eigene Land sowie die sozialistischen Prinzipien per- theidizen kann, protestiren die ausländischen Sozialisten gegen jeden etwaigen Krieg und sprechen die feste Hoffnung aus, daß die Soziatisten aller Länder und in erster Lrnie die große Armee der deutschen Sozial- demokratie den französischen Sozialisten die Bruderhand reichen und ihnen dadurch die Aufgabe erleichtern werden, welche ihnen als revolu- tionären Sozialisten zufällt." Ferner wurde iefchlosfen, all« auswärtigen sozialistischen Parteien von dem Feste in Kenntniß zu setzen und zu demselben einzuladen. So wur- den Ernladungen an die österreichische, schweizerische, deutsche, italienische, spanische, englische(an beide Fraktionen), belgische(französtsche und vlaimsche), an die russische und nordamerikanische Partei gesendet. Aus diese Einladungen liefen folgende Antworten ein: Der„Sozialdemokrat" ünrdU eme Adresse im Namen der deutschen Sozialisten, ebenso die spa- nische und österreichische Partei; seitens der Russen antwortete Lawrofs durch«inen Brief, die englische Fraktion der Socialiatio Loague beehrte daS Fest sogar durch einen Delegirten in der Person von Josef Lane, die nordamertkantsche Arbeiterpartei schickte ein Telegramm ein. DaS Fest selbst bestand aus zwei Theilen, dem politischen Thetl und dem Ball«. Den Borsitz führte, dem sranzösischen Gebrauch entsprechend, der sozialistische D-putirte Antide Bayer, alS Beisitzer fungirten zwei der sozialistischen Stadträthe, B a i l l a n t und L o n« u e t, außer- dem noch Paul Lafargu«. S-noffe Palmgreen eröffnete rm «amen deS Komtte» da« Fest und verlas die oben erwähnten eingelcm- senen Adressen, sowie einen Brief von Friedrich Engel«. Darauf ergriff Boyer im Namen seiner Kollegen daS Wort und auf ihn folgten Vail- laut, Longuet, Lafargue. Ebenso sprach die anf ihrer Durchreise in Paris anwesend- Genossin, Frau Guillaum e-Schack, in französischer Sprache über den Kampf in Deutschland und die immer regere Bethei- ligung der sozialistischen Frauen an der Bewegung. Ihre Ausführungen wurden ebenso wie die Worte der vorangehenden Redner mit stürmt- schem Beifall ausgenommen. Seiten« der betheiligten Klubs sprach je ein Redner in seiner respek- tiven Sprache und im Sinne der ausgearbeiteten Resolution. Die drei deutschen Klubs stellten zusammen zwei Redner, von denen der eine dfutsch, der andere französisch sprach, um den anwesenden fran'östschen und ausländischen Genossen, welche der deutschen Sprache nicht mächtig sind, die Stellung und Haltung der deutschen Sozialisten ihren Brüdern aller Länder und hauptsächlich Frankreichs gegenüber klarzulegen. Der offizielle Theil des Festes endigte mit einem brausmden Hoch auf die tnternarionale Solidarität der Arbeiter aller Länder und den inter- nationalen Sozialismus. Die zweite Hälft« des Festes war dem Tanz und dem fröhlichen Beisammensein gewidmet und nahm erst gegen sechs Uhr Morgens ein Ende. Ab zes.h-n von den niederträchtigen Noten, welche die opportunistisch« „France", der reaktionäre„Figaro" und das Reptilblait„La Revanche" über v«s Fest brachten, berichteten nur„Le Socialiste" und„La Bote du Peuple" über daffelbe. Die republikanische Preffe hat das Fest ganz todt geschwiegen, obgleich ste durch eine Menge Reporter vertreten war. Im Auftrag der unterzeichneten sozialistischen Klubs: Der deutsche Sozialistenklub. Der deutsche Leseclub. Der deutsche sozialdemokratischeKlub von La Billette. Der slandinavische Arbeiter-lub. Der polnische Sozralistentlub. Der russische sozialistische«rbeiterklut. Korrespondenzen. Celle(Hannover). Unser Wahlresultat ist leider trotz großer Mühe und Kosten nicht besonder«. 1834 hatten wir 864, diesmal 1058 Stimmen; der Nationalliberale erhielt 1370, der Welse 8400 Stimmen. Im 15. hannoverischen Wahlkreis fielen beim ersten Sturm 55 Stimmen für uns. Am 21. Februar ist hier bei unfern«andi- baten und noch drei anderen Personen gehauSsucht worden, jedoch nichts Gravirendes gefunden. Trotzdem wurde«in« Anklage wegen„un- erlaubten Sammelns" zu Papier gebracht, auf die hin zirka 15-18 Personen theils angeklagt, theils alS Zeugen vernommen wurden, und die gab der Polizei Gelegenheit, bei noch mehreren Personen Haussuchung zu halten, jedoch ebenfalls mit negativem Resultat. Rur bei einem Äenoffen hat die Polizei direkt gefragt, ob er Leser vom„«ozialdemo» krat" sei, waS er für seine Person bejaht«. Merseburg» 14. März. In die Nothwendigkeit versetzt, das nichts» würdige Treiben einiger unsauberen Patrone in der Oeffentlichkest zu kennzeichnen, müssen auch wir einmal daS Parteiorgan in Anspruch nehmen. Was die Wahl im Kreise Merseburg-Ouerfurt anbe- trifft, so kann man in Bezug auf sie die Worte Singer'» anwenden: DaS war nicht Wahlbeeinstuffung, sondern Wahlverbrechen. Ich will jedoch heute nicht aus alle Einzelheiten eingehen, sondern nur die erbärmlichsten jener Buben brandmarken, di« das allgemeine Recht mit Füßen treten und dann hinterher noch höhnend triumphiren. Da sind zuerst der«mtsrath Zimmermann in Benkendorf und sein biederer Sohn, jetzt ebenfalls Gutsbesitzer, hervorzuheben, die sich nicht scheuten, einen Genoffen, der sozialistische Stimmzettel und Wahlaufrufe vertheilie, mit Hilf« eines halben Dutzend gleicher KnechtSseelen zu ver« hasten und aller Wahlzettel zu berauben. Alsdann drangen die Strolche in die Häuser ihrer Arbeiter und konfiszirten di« Zettel der Sozialisten, sowie auch der Liberalen. Von unseren Genossen darauf aufmerksam gemacht, daß dies ungesetzlich sei und daß dagegen Beschwerde erhoben werden würde, entgegnete der Amlsrath protzig:„WaS scheert mich da» Gesetz! Ich bin AmtSrath, und das kann unS nur ein Lob der höheren Behörde einbringen." (Bielleicht wohl gar einen Orden, nach dem Sie so lüstern find?! Uebrigens charakteristrt es Sie, daß grade Ihr« Arbeiter aus dm Häus-rn herausgekommen waren und Stimmzettel und Wahlaufrufe »erlangt hatten.) Der zweite Ehrenmann dieser Sorte ist der Mafchinenfabrtkant Theo» vor Glocke rn Merseburg, welcher bei Gelegenheit eines Balles stch einst äußert«:„Wenn ich bei meinen Arbeitern bin, so ist mir's wie bei meinm Kindern."— Ja, aber arbeiten läßt der Herr dies« seine Kinder vierzehn Stunden ohne Frühstücks- und Mittagspause, bei einer Ventilation, wo selbst der Gesündeste über kurz oder lang geradezu der Schwindsucht verfallen muß. Nachdem derselbe erfahren, daß das sozial» demokratisch« Gift auch in seine Fabrik eingedrungen, hat er fünf Ar« beiter entlaffen, weil sie weiter nichts gethan, als ihre Stimme für Hasenclever abgegeben. Mitsrbuldige, wenn nicht Hauptschuldige an dieser Maßregel find übrigens der Schwager des Herrn Grocke, der Lieutenant S i e d e r e r, welcher mit im Geschäft angestellt ist, sowie sein Meister, Namen» V ä r s ch. Was dieser Schurke, der in seinem Leben noch nirgends weiter war als in Riemburg a/S., seinem Geburtsort, von wo er, nachdem er dort gelernt und weder durch Kündigung noch durch An-die-Lust setze» loszuwerden war. schließlich als alte« Inventar mit nach Merseburg genommen worden ist— denn der jetzige Ehef war früher Direktor in Niemburg— an Verrätherei und Spionirerei geleistet hat, übersteigt alle Begriffe. Bei letzterer Thätigkeit bediente er stch insbesondere eines Bagabun» den, Z« m t« r mit Namen, eines Renschen, der seinen eigenen Bruder betrog, so daß ihn heute noch Jeder, der es weiß, ins Zuchthau« bringe» kann. Wer den„rothen Teufet" gesehen hat, kann stch«in Bild von diesem Zemter machen. Die Dritten in dem Bunde der»usbeuterprotzen find die Inhaber der Firma Blanke und Kompagnie hier. Dieselben entließe» einen Arbeiter, blo« weil er bei der Affäre Zimmermann in Benkendorf zugegen war, sofort aus der Arbeit. Trotz alledem find wir nicht muthlos, sondern wollen um so eifriger weiter wirken, bi» die Stund« der Vergeltung schlägt. Einer von den Viele». Wir warnen alle Genossen des In- und Auslandes, bei den genannten Firmen in Arbeit zu treten. Hagen i/Westfalen, 23. März. Da« Resultat, welche» wir bei der diesjährigen Wahlbewegung in unserem Kreise erzielt haben, ist gewiß sehr befriedigend, denn wir erhielten aus unsern Kandidaten Breil 2702 Stimmen, wohingegen wir 1884 nur 1126 Stimmen aus Harm ver» «inigen konnten. Auch diesmal wurden unserer Thätigkeit alle nur er» tzenklichen Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Das Arbeiter-Wahlkomit« wurde durch eine Verfügung der königlichen Regierung verboteni die allerdings aus unser« dagegen erhobene Beschwerde wieder ausae. hoben wurde, und zwar nicht etwa erst nach der Wahl, sondern wirklich ganze zwei Tage vor der Wahl, nämlich den 18. Februar, so daß wir ja noch genug agitiren konnten. DaS hat uns jedoch nicht abgehalten, auch diesmal wieder«inen Protest gegen die Gültigkeit der Wahl abzusenden, welcher höchst wahrscheinlich ebensoviel Srsolg al« der von der vorigen Wahl haben, nämlich den Papierkorb der Sahlprüsung«» kommiffion füllen wird, noch dazu, da der jetzig« zur«arnevalszttt er« standene Reichstag seinem Ursprung alle Ehre macht. Wie viel Arbett aber noch von den hiesigen Genoffen bewerkstelligt werden muß. bi» dieser KreiS Anspruch daraus machen kann, als der Sozialdemokrati« zugehörig zu gelten. daS hat so recht die Feier deS 22. Kärz bewiesen» Schon vier Tage vorher fingen die sogenannten Patrioten bereits an, verrückt zu werden, und Dumme gibt es ja genug, die theil« au» Gea schästSrücksichten. theil« auch aus Vergnügungssucht jeden derartige» Rummel mtt, nachen. Run, die ernüchtert Erwachten werden noch erfahr»� müssen, daß ste die Betrogenen find und die Kosten für dies« Lustbarkeit«» «il ihrer Tasche zu tragen Haien. Desiau» imMiirz. Ei wird den Genossen allerorts willkommen sein. «ich etwas von hier, dem sogenannten dummen Winkel, zu erfahren. Acht Tage vor der Wahl hielten wir hier eine Wählerversammlung ab, in welcher Genosse Hasenclever reserirte; mehrere elend« Tröpfe von Wirthen wollten ihren Saal dazu nicht hergeben, nur der Besitzer der .Neuen Welt" ließ sich bereit finden, und war auch von der Wohllöb- lichen nicht zu bewegen, sein Wort zurückzunehmen. Er antwortete auf die, vom Polizisten Schurig gestellte Frage, ob er denn wisie, was dies Cr Leute seien:„Soviel wie ich von den Leuten gesehen, find ei Ar- iter, von welchen ich lediglich lebe. Nationalliberale und Freistnnige kommen nicht zu mir heraus." Da nun der Polizeixfiffikus einsah, daß der Lieb« Müh' vergeblich war, versuchte er es mit Kautionsdruck. Der tlvirth sollte, angesichts der Vorgänge in Stettin, 100 Mark deponiren. Dies geschah auch, und so konnte endlich die Versammlung stattfinden, «nd es war, trotzdem der Saal vor der Stadt liegt, schon um halb 8 Uhr kein Platz mehr im Saal und Garten zu finden, so daß Viele wieder umkehren mußten. Nach der Schätzung des hiesigen konservativen Blattes, aus welches ich weiter unten noch zu sprechen komme, war die Versamm- lung von etwa S00 Personen besucht, jedoch nach unserer Schätzung waren es zirka 2000. An Polizei hatte man alles aufgeboten, 18 an der Zahl standen im Garten in zwei Reihen. Diesen Mordgesellen sah man es an, daß sie gern ein Stettin machen wollt-n. Militär hatte man in vereitschast gehalten. Doch all das war umsonst, denn die Versammlung hielt sich musterhaft. Mußten doch selbst unsere Gegner anerkennen, daß sich bei den Wahlen die Arbeiterpartei am anständigsten gehalten habe. Nach'/.stündiger klarer Rede wurde Genoste Hase?. clever einstimmig »um Kandidaten gewählt und erhielt er nach amtlicher Feststellung 2878 Stimmen, also lS8l mehr als im Jahre 1884. Wir find damit zufrieden, doch soll hiermit nicht gesagt sein, daß wir nun die Zipfelmütze über die Ohren ziehen, und uns dem Harmoniedusel hingeben. Nein, wir sind unentwegt an der Arbeit und gewinnen täglich mehr Anhänger. Die 2878 Stimmen, welche auf den Genossen Hasenclever fielen, machten dem hiesigen konservativen Reptil in Taschentuchformat, genannt„Anh. EtaatS-Anzeiger", viel Schmerzen. Man zerbrach fich den Kopf, wie dies in solch einer Beamtenstadt möglich sei, stimmte dann ein wahres Wuth- geheut an und suchte unsern Genossen Hasenclever und das von uns verbreitete Flugblatt mit Koth zu bewerfen. Wunderbar ist eS ja bei solch reaktionärer Sippe nicht, denn sie hat ja an dem Schnapsbrenner von Varzin, welchen sie anbetet, einen tüchtigen Lehrmeister. Ja, ja, liebes Staatsblättchen, du wirst noch mehr erleben. Doch«inen Rath möchten wir dir ertheilen. Halte nur im eigenem Lager Umschau, uno fange zuerst bei dem gewählten Kartellbruder an. Dieser, Ziegler ist sein Name, konnte knapp das bischen Wahlrede ablesen, geschweige denn daß er im Stande wäre, im Reichstage zu sprechen. Dennoch wurde er als zweiter Herrgott angepriesen. Mit der Wahldevise:„Wer Frieden will, der wähle Ziegler," wurde die Landbevölkerung alarmirt, und alles wählte knechlsseelig den bewähr- testen aller Volksvertreter. Weit entfernt bin ich jedoch, Herrn Ziezler Klugheit absprechen zu wollen; hatte er doch schnell eingesehen, daß bei seiner Handschuhmachcr-Proseffion nicht viel zu holen ist, und so über- «ahm er von der hiesigen Regierung das Salzmonopol, wobei er sich den Titel Kommerzienrath erwarb. Als auch dieses nicht mehr rech, lohnte, gab er es wieder ab, gründete mit einem Kompagnon ein Kom- missionsgeschäst in Wallwitzhaven, baute Lagerräume und Magazine und sich selbst einen Palast. Nun ist er natürlich Volksvertreter und der Besten einer, denn er versteht sich aufs Ausbeuten. Für heute indeß genug, ein andermal mehr von diesem Patron. Ich will nun noch ein Polizeigaunerstückchen mit kurzen Federstrichen zeichnen. Die Versammlung des Fachvereins der Tischler, welcher seit 1882 besteht, sollte am vorigen Sonnabend aufgelöst werden, angeblich «eil in demselben verbotene Schriften verbreitet werden und erwiesen sei, daß lSmmtliche Mitglieder Hasenclever gewählt hätten. Doch es wurde zur Auflösung nicht die geringste Veranlassung gegeben; die Mitglieder wissen ganz genau, daß sie in Fachvereinen keine Politik treiben dürfen, und wenn fie Hasenclever gewählt haben, so haben sie es in ihrer Eigen- schast als wahlberechtigte Bürger und aus Ueberzeugung gethan. Dem Wirth, bei welchem genannter Verein schon so lange er besteht verkehrt, wurde das Militär entzogen, und als er nach einem Grunde hierfür forschte, wurde ihm gesagt, daran wäre nur der Fachoerein schuld. Ar- deiter, merkt Jhrs, der Wirth soll Euch seinen Saal kündigen, denn da man Euch anders nicht beikommen kann, will man es mit solchen Mit- teln versuchen. Doch das wird so leicht nicht gehen. Ich schließ« mit dem Versprechen, bei vorhandenem Stoff bald wieder, hauptsächlich über Letztangesührtes, zu berichten. Bayreuth» Ende März. Der Wahltrubel ist nunmehr vorüber und die Reaktionäre jubiliren, daß ste den Volksausbeuter in optima korma, den begeisterten Bismarckanbeter und Septennatsanhänger Feustel Mit großer Majorität wieder durchbrachten. In der Stadt Bayreuth erhielt derselbe 1205, der Deulschsreifinnige Staufsenberg 531, und unser Kandidat Grillenberger 817 Stimmen. Die Landbezirke lieferten für Feustel 8585, für Stauffenberg ISIS und für Grillenberger 434 Stimmen. Aus den ersten Anblick möchte man in dem, anscheinend einer „freien Wahl" entsprungenen Ergebniß allerdings einen sehr großen Sieg der Bismärcker erblicken, allein bei näherer Betrachtung der erbärm- lichen Wahlmachinationen, mit welchen die Regierungspartei das dumme Volk für sich zu gewinnen suchte, können die Sozialisten mit dem An- wachsen ihrer Stimmen von 273<1884» Wahl) aus 1111 sehr zufrieden sein. Ts würde hier zu weit sühren, wollten wir alle Einzelheiten auf- zählen, wie gegen unser« Sache der Vernichtunzsknüppel geschwungen wurde; doch wird aus Nachstehendem zur Genüge hervorgehen, auf welche schäm- und charakterlose Weise der nationalliberale„Sieg" er- gaunert wurde. Von direkten Wahlbeeinstussungen der Arbeiter durch Vorgesetzte in der Stadt wollen wir gar nicht reden, denn darüber ließen (ich ganz« Bände schreiben. Die Agitation in den Landbezirken be- orgte» auf Betreiben des Bezirksamts die Pfaffen, Bürgermeister und Schullehrer. Diese Kerle haben den Bauern die von uns verbreiteten Wahlaufrufe und Stimmzettel gestohlen und ihnen dafür Feustel- Zettel gegeben. Der Pfarrer Gr über in BischofSgrün— ein Haupt duckmäuser— hat sogar am Tage vor der Wahl noch von der Kanzel herab gegen die sf-f Sozialdemokraten gedonnert. Der im Parteiorgan schon wiederholt gekennzeichnete v o n B u r ch t o r f f, seines Zeichens Regierungspräsident von Oberfranken, hatte während der Wahlperiode die dankbare Eharakterroll« eines OberstrolcheS übernommen und dieselbe bi» zu deren Schluß mit seltener Schamlostgkeit durchgesührt. Alle soziMsttschen Wählerversammlungen, welche in Bayreuth, Bamberg, Forchheim, Lichtenfels, Kronach»c. stattfinden sollten, wurden aus seine Veranlassung hm im Voraus verboten. Bolisausbeuter und Brimarcksknecht« konnten ihre verleumderische Zunge nach Belieben spazieren gehen lassen, vor einem freien Wort jedoch schaudert« dieses nichtswürdige Gesindel zurück. Das komische Int»- mezzo, welches sich einige Wochen vor der Wahl im Gredler'schen Gast- ztmmer dahier abspielt«, wo Genosse Oertel aus Nürnberg dem Rechtsrath Schützinger, vulgo Lümmelmeyer, der durch rechr flegelhaftes, unkultivirtes Benehmen den Anwesenden zu imponiren sucht«, den Standpunkt in so unzweideutiger Weise klarlegte, daß der Bursche wohl sein Lebtag an diesen Abend denken wird, ist bereits im Parteiorgan mitgetheilt wordenAugen, roth. blonden, dünnen Schnurr- und Knebelbart. Rühmt sich,„streng- katholisch" zu sein, und ist Gewohnheitslüzner- und Denunziant auf allen Gebieten. Will in Dortmund Polizei- d i e n e r gewesen sein, was Schwindel sein soll. In BervierS steht » außer Zweifel znr Polizei. ?ie«llpedition des„Ssiialdtlllskrat". Bon Jena Mk. 2 88 erhalten zu Haien, bescheinigt hiemit Der Empfänger i. L. Aufruf. Carl Mark«», Schlosser, gebürtig au« Krakau, welch» von 1888—84 in der Schweiz, zuletzt in Biel, arbeitet«, dann nach Belgien od« Frankreich reiste und seither verschollen ist, wolle sofort seine Adresse für seinen Brud» Ferdinand hierher senden, dasern ihn diese Nachricht erreicht. Di« befreundet« Preffe allerwärt«, sowie uns»« Freunde und Genossen bitten wir um thunlichste Weitergab« dieses« u f r u f I und um schleunig« Nachrichten bei Auffindung des vermißten oder über denselben. Hottingen-Zürich. Die lipttttiiR des..Ssjlaldevskrat". Brieftasten derRedaktion: Einsendungen»c. find eingetroffen aus« l t« n. bürg, Elbing, Plauen, Schweinfurt und Chicago.— I. D i« tz g« n: Besten Dank. Wird benutzt«»den. der Expedition: S.W.Dzg.: Mk. 7— Ab. 2. Qu. u. Schft. »h. Adr. ic. besorgt.— Sipe. St. Gallen: Fr. 16 46& Cto Schft. u. Fr. 18 84 f. Schft.-Verkauf ,. Vers, durch F. erh.— Gänseleb»: Mk. 185— ä Eto Ab. ,c.«rh. Bstllg. notirt.— B. Rdr. Schbg.: Mk. 3— Ab. 2. Qu. erh.— Von Kamerun, Seefeld Zch.: Fr. 3 48 pr. llsd. dkd. erh. durch K.— 0. H. Nsch.: Mk. 4 48 Ab. 2. Qu. erh. Die Red. hat mit der Exped. nichts zu schaffen.— I. Zbr. Rsbch.: Fr. 2— Ab. 2. Qu. erh.—«.«t. Sge.: Fr. 2-«b. 2. Qu.«h.-». Sch. Mwi Fr. 2- Ab. 2. Qu.«h.- Hz. St. Gall.: Fr. 2- Ab. 2. Qu. erh. — Strb. O'rieden: Fr. 2- Ab. 2. Qu. erh.— Sch. Ng.: Mk. 62« c. erh. Ggr gutgebr. Adr. u. Bstllg. notirt.— Schiffchen: Mk. 4 48 AV 2. Qu. erh.— G. W. Davosplatz: Fr. 4— Ab. 2. Qu. W. u. E.»h — G. Ghn.: Mk. 18— 1 Cto Ab. pr. Std. erh.— August R. S.: Mt> 5— Ab. 2 Qu. u. 1 Cto erh.— Guido: Mk. 7 48 erh. Mk. 4 48 retournirt am 3/4. Also Mk. 3— pr. Schft. verw. Bfl. Näheres. (Fortsetzung der Eingänge ab 38/3. folgt in nächster Nummer.) «i IfcüH b! _ Jhi 11 hl. 1.7b He-d.» torty «ed Par Mn •©(eid Nordel stellet Anzeigen. Gefuch. Ein tüchtiger varbter- und Friseurgehilfe wird für sofort in Deuischtand gesucht. Nur genügend als Parteigenossen legith mir!« Bewerber werden berücksichtigt. 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