\ait 5(9' Abonnements —. JJttkrt bei allen �chweizerifchn! _j Vftbmeauz, sowie beim Verlag '«lb dessen belannte» Agenten jRlr Dttgegengenoimnen. und zwar zum i<0»»»etuS zuhlda««« ! VirrteljahrdpreiZ»ob: . t< Jhi.i.— stirdieSchweiz(Kreuzbands -A Bö. 3,— fett Teutschland(Säubert) Fe-?» l.'O ftir Oesterreich(Couoett) OM Ed i.50 fstr alle übrigen Länder beb 8 7)»eltpostvereinb(kreuzbandi .- rtrf Zuserate 'A O die breigespaltene PetitzeUe 25 sttz. 20 Psg. do! md. Qu. 2t i v» :ns; und Der KoMldemokrat Hrgan der Sozialdemokratie deutscher Junge. Erscheint wSch«»tlich«t ,««» Zürich(Schweiz). ?ert«« der W«I IO»« chHeee»db«»D HotttAgeu-Atertch. ftants gegen franl*. «ewbhnliche«riefe »ach»er Schwei, lest«, Doppelport». � 18. «riefe an die Iiedaltion und«rpebition de. In Dentschlanb und Oesterreich derbotenen.Eozialbemolrat'«olle man«nter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lassen. In der bieget schicke man unb die Briefe nicht direkt, sondern an die bekannten Deckadresien. In zweifelhasten Fällen eingeschrieben. 29. April 1387. v* Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! und I 80 .*6 [en! Cto «h. % >20 Du. diu. Zur„Schnäbele"-Affäre. Die Verhaftung des französischen GrenzkommissärS Schnäbele zm! fordert sowohl wegen der Art ihrer Bewerkstelligung als auch «h. � eigenthümlichen Streiflichts, da« sie auf die allge- ,pe! politische Situation wirft, m hervorragendem »cht» Maße unsere Aufmerksamkeit und Kritik heraus. und Der Fall selbst ist unseren Lesern sicher schon aus den Tageszeitungen bekannt. Herr Schnäbele, ein Clsässer, der - seinerzeit für Frankreich optirte und seit Jahren an der ftan- ,-- zösisch-deutschen Grenze als Grenzkommissär amtirt hat, soll -75'fich, Wie deutscherseits behauptet wird, der Unterstützung »deulsch-feindlicher Umtriebe" in Elsaß-Lothringen schuldig ge- unl«acht haben, und wurde daraufhin ein Verhaftsbefehl gegen fdz.'hn erlassen. Um denselben auszuführen, lockte der deutsch- w elsässische Kommissär G autsch durch Briefe, in welchen er Schnäbele zur Besichtigung eines umgeworfenen Grenzpfahls —. swfforderte, an die Grenze, erschien aber nicht selbst, und als Schnäbele, um ihn zu suchen, einige Schritte über die fran- Zvsische Grenze hinaus that, wurde er von deutschen Polizei- in» Multen, die sich im Hinterhalt gehalten, überfallen. Er riß je» nch los, lief in der Richtung auf die französische Seite hin .zurück und soll— nach französischen Darstellungen auf franzöfi- - Ich�r nach deutschen noch auf deutschem— Gebiet von den Poli- eingeholt worden sein. Nach einigem Ringen wurde er uberwältigt, geknebelt, nach Ars an der Mosel und später nach , Metz in da« Bezirksgefängniß überführt. Dies das Hauptsächliche des Sachverhalts, die Einzelnheiten «bergkbm Lux, als nebensächlich._ Natürlich erregte die Vorhaftung, kaum daß sie im übrigen ,ni- Frankreich ruchbar wurde, dort die größte Aufregung. Man »off« erblickte iu diesem Uebersall auf einen französischen Beamten ). ltme beabsichtigte Provokation Frankreichs, welche Auf- sassung durch den Hinweis auf die straffe Zentralisation des — J«rutschen Beamtenthums noch bestärkt wurde. In der That, ! wenn deutsche Blätter sich darübtx beschweren, daß die Fran- zosen in Allem, was in Deutschlmid geschieht, die Hand Bis- �g �rck's erblicken, so sollen sie doch nicht vergessen, daß sie iltlbft durch ihre Servilität voti Bismarck diesen Glauben ! ü wecke« und bestärken.' Das ist eben die Kehrseite solch' außer- [ zz ordentlicher Machtstellung, wie Bismarck sie einnimmt, daß . zsi wan ihren Träger, und mit Recht, für Alles verantwort- l zy uch macht, was in der Sphäre derselben geschieht. Außerdem muß man doch annehmen, daß Beamte in solcher Stellung »so wie Herr Gautsch nach bestimmten Instruktionen handeln kurz, wer nur ein wenig oozektiv zu denken vermag, dem 1 � Erregung der Franzosen als durchaus begreiflich er- .Icheinen. Wie die Dinge heute liegen, kann keine Nation, ohne sich iu erniedrigen, eine Verletzung ihrer völkerrechtlichen Stellung »ulden. Gerade diejenigen, welche beständig das Wort Schiller's — Jjtt Munde führen:„Nichtswürdig ist fürwahr die Nation, ,f« ole- nicht ihr Alles willig setzt an ihre Ehre", dürfen das am udch wenigste in Abrede stellen. ES kommt aber noch hinzu die provokatorische Sprache, welche die Bismarck'schen «>"l«. in c ker kfct'K Zeit wiederholt gegen die französische Repumir geführt, die Hinweise Bismarck'« im Reichstag auf die Kriegsgefahr, die militärischen Maßnahmen an der beut- ichen Westgrenze— alles Dinge, welche in Frankreich allge- wein den Glauben erweckt haben, Bismarck sei e«, der den «krieg und, um ihn nicht selbst erklären zu müssen, die Fran- psten zu unüberlegten Schritten in dieser Richtung verleiten wolle, nur deshalb die Verhaftung Schnäbele's iuszenirt habe. Letzteres wird natürlich deutscherseits energisch bestritten, -z? Jwp auch wir halten es nicht für sehr wahrscheinlich, daß »» Bismarck vorher nm diese spezielle Sache gewußt; aber das M» auch Nebensache. Die Frage steht vielmehr so: wie weit singen djg Instruktionen des Gautsch und seiner Kollegen, » und wie weit hat Ersterer sie thatsächlich überschritten, bezw. i, weit war er falsch inspirirt, als er seinen Uebersall «ch» Wszenirte. � z®ir sind der Ansicht, daß an der Beantwortung dieser F�age das deutsche Volk ein mindestens ebensogroßes, wenn Wcht ein noch weit größeres Interesse habe als etwa die fran- — i°s'sche Regierung. lAM-i wenn die Verhaftung de« Herrn Schnäbele mtSschließ- ,hi» auf deutschem Boden vor sich ging, so bleibt die Art ihrer -gX�werkstelligung immer eme nichts weniger als anständige. Im ff«-««kriege läßt man sich einen Hiuterhalt allenfalls gefallen, aber l"""wich dann würde ein solcher, der auf einem BertrauenSmiß- St»«°'°uch beruhte, nicht für schön erkannt wordm; um wie viel weniger erst in Friedenszeiten. —. Das konnte sich Herr Gautsch selbst sagen, und ebenso mußte ■J* wissen, daß sein Borgehen zur öffentlichen Kenntniß kommen iwerde. Wie kam der Mann nun zu der Vermuthung, daß eS von seinen Borgesetzten, vom deutschen Volke doch gebilligt werden würde? Was veranlaßt? ihn zu der Annahme, daß wir uns quasi schon halb und halb im Kriege befinden? Hat er wirklich nur ganz spontan gehandelt, oder hat er die An- regung zu seinem Vorgehen aus der ganzen Atmosphäre ge- zogen, die ihn umgab? Wer sich diese Fragen vorlegt, und die Art und Weise in Betracht zieht, wie neuerdings in Elsaß-Lothringen gegen Alle und Jeden vorgegangen wird, die Sympathien für Frankreich äußern, wie die Bevölkerung des Reichslands nicht als„wieder- gewonnener Bruderstamm", sondern als erobertes Stück Feindesland behandelt wird, der muß zu der Ansicht kommen, daß die zweite Alternative die größere Wahrscheinlichkeit für sich hat. Herr Gautsch hat geglaubt oder glaubt, daß der Krieg vor der Thür steht, und mit dem, die preußisch-deutschm Polizei- beamten unter der Aera Bismarck-Puttkamer auszeichnenden Mangel an Rechtsgefühl und Ueberfluß an brutaler Denkart hat er seinen Austrag— Herrn Schnäbele, sobald derselbe den deutschen Boden betritt, zu verhaften— rücksichtslos so ausgeführt, wie eS ihm am praktischsten erschien. Er würde schwerlich so gehandelt haben, wenn er den Krieg nicht vor der Thür glaubte, wenn er die Situation nicht ganz ebenso auffaßte wie die Franzosen: dahin nämlich, daß Bismarck den Krieg will und die Franzosen dazu provoziren möchte. Es gibt auch freiwillige Agent Provokateurs, und wenn man Herrn Gautsch nicht einen solchen nennen will, so gehört er wenig- stens zu jenen Kläffern, die bereits losheulen, weim sie sich nur einbilden, die Jagd werde sofort beginnen. Es liegt daher im Juteresse des deutschen Volkes, weil im Interesse des Friedens, daß das Vorgehen des Herrn Gautsch nicht nur„rektifizirt", d. h. unter Umständen rückgängig ge- macht, sondern ganz entschieden desavouirt, gemiß- billigt werde. Ein Mann, der so leichtfertig die Ehrbegriffe des Nachbarvolkes herausfordert, gehört nicht an einen solchen Posten. Die Franzos-u sind auf di- Proootatizn.nicht hereingefallen, sie haben, weil die große Mehrheit des' französischen Volkes den Krieg nicht will, sich in einer Weise zurückhaltend be- nommen, wie sie bei ihrem leichterregten Temperament kaum zu erwarten war. Die Sache wird also, wie eS bis jetzt den Anschein hat, in aller Ruhe zum AuStrag kommen. Ob aber damit die Kriegsgefahr gebannt ist, ist eine andere Frage. DaS deutsche Volk will in seiner übergroßen Mehrheit ganz sicher den Frieden, leider aber hat es- jeden Entscheid über denselben auS seiner Hand gegeben. So unbeschränkt herrscht Bismarcks Wille in der auswärtigen Politik, daß selbst die bürgerliche Oppositionspresse sofort verstummt, sobald diese in Frage kommt. So hat sie sich auch, so lange die Schnäbele- Affäre im akuten Stadium war, auf eine kritiklose Wieder- gäbe der Nachrichten darüber beschränkt— weiß man doch in Deutschland nicht einmal, ob eine zu starke Betonung des Wunsches nach Erhaltung des Frieden« einen nicht schon zum „Reichsfeind" stempelt. Daß das kein gesunder Zustand ist, liegt auf der Hand. Aber gerade darum ist es nöthig, die Erkenntniß desselben und seiner Konsequenzen dem deutschen Volke immer aufs Neue vor Augen zu führen. Wenn das deutsche Volk noch so fried- fertig dächte, und Bismarck will einen Krieg, so braucht er blos einen geeigneten„Casus belli« zu schaffen, und der Krieg ist da. Die Kosten aber trägt auf jeden Fall daS Volk. Wann endlich wird eS das einsehen, und die Konsequenzen daraus ziehen? Aus Frankreich. Pari», 22.«pril. Pari» ist jetzt in großer Aufregung, da für Anfang Mai die Gemeinde- rathStoahlen bevorstehen. Das kommunale Leben ist w Frankreich so stark entwickelt, daß die Kommunalwahlen für den Franzosen vielfach größere Bedeutung haben al» die allgemeinen Wahlen zu den gesetzgeben- den Körperschaften. Speziell in Paris tritt dieser Unterschied in der dm zwei genannten Wahlkörpern beigelegtm Wichtigkeit scharf hervor. Während die Legis- lativwahlm hier verhättnißmäßig ruhig verlausen, herrscht bei den Kam- munalwahlen ein äußerst regeS und aufgeregtes Lebm. Oeffentliche wie nicht öffentlich« Gebäude und Denkmäler bedeam sich mit buntscheckigsten Plakaten, die ihr« Waar«— pardon, ihre Kandidaten, in allen Ton- arten preisen. Ss ist nicht nur sehr schwer, sondern geradezu unmöglich, zu definiren, wie viele Parteien eigentlich in den Wahllamps treten, denn di« Ramm der Wahlkoinites sind so bunt und verschieden wie die Farbm ihrer Plakate:„Republikaner" kurzweg,„fortschrittliche Republi- ner",„sozialistische Republikaner",„demokratisch- sozialistische Republi- kaner",„radikale sozialistische Republikaner",„Republikaner oer iUtianoe socialiite",„Autonomisten" sc. Die wirklich sozialistischen und revvluttonärm Elemente treten in zwei Fraktionen in den Kampf: den sogmannte,: Poffibilisten, d. h. der „sozialisttsch-rmolutivnären Arbeiterpartei", und der„sozialistisch-revolu- tionärm Union", welch' letztere durch die Guesdisten, Blanqutsten und die unabhängigm revolutionären Sozialistengruppen gebildet wird. Di« Union hat schon mehrmals dm Poffibilisten ein Zusammengehen bei den Wahlen angettagm und ihnen dabei die vollste Selbständigkeit zugesichert, aber die Poffibilistm, di« hier in Pari« thatsächlich eine große Zahl von Anhängern besitzen, haben noch stets und so auch diesmal diese« An« erbieten abgelehnt. Rehr noch, sie proklamiren den anderen Gruppen gegenüber di« Theorie der„schwieltgm Faust"; nur ein Handarbeiter kann vom echten sozialistischen Seist beseett sein, da» geistige Proletariat ist verdächtig und muß auSgeschloffen werden. Diese Taktik ist gegen die Guesdisten oder Marxisten gemünzt, t» deren Reihm sich viele tüchtige Kräfte auS der Klein-Bourgeoiste b» finden. Die Poffibilistm selbst halten sich für sich jedoch nicht so streng a« ihr reaktionäres Prinzip; fie haben stets demselben zuwidergehandelt sobald es in ihren Kram paßte; so auch diesmal, wo sie mehrere Jour* nalisten ,c. als Kandidaten ausstellen, wie z. B. dm Bolksdichter und Journalisten I. B. Clement, dm Lehrer Lavy, den Journalistm Paul Brousse, welcher die Seele des Poffibilismus, und dem die ganze Zer» splitterungstaktik zu dankm ist. Er tritt im 17. Arrondiffemmt gegen Emst Roche in die Arena. s Beide sozialistische Fraktionen, zumal die Guesdisten, betheiligen sich mit der ausgesprochenen Absicht an dem Kampf, Propaganda zu mache« und wenn möglich einige Kandidaten durchzusetzen. Aller Wahrscheinlich ieit nach werden ste auch ein halbes Dutzend Vertreter in dm Stad» rath bringm. Die Poffibilisten habm 22 Kandidaten aufgestellt, bei de» letzten Gemeinderathswahlen von 1883 hatten st« 80 Kandidaten prokl» mirt, die Fraktion betheiligte sich in allen Bezirken von Pari« attio« dem Wahlkampf. Diesmal hat sie sich einschränken müssen, besonder« auch weil die üniou socialiste ein Wort mitzusprechen hat. Im XIÜ. und XI. Arrondiffement sind die Poffibilistm sogar gezwungen, ei» stillschweigendes Einverständniß mit der Union zu beobachten, im XX. Arrondiffemmt muffen fie von vornherein zwei Bezirke dm Unioniste» Vaillant und Eudes überlaffm. Die Guesdisten baden in verschiedme» Arrondissements ihre Kandidaten proklamirt. Hoffentlich wird bald die Zeit kommen, wo die beiden Fraktionen sich vereinigen werden; die Thatsache dieser Verewigung allein wird einen ungeheuer» Fortschritt der französischen Bewegung bedmten, und Propaganda und Organisatio» werden dann erst recht einen Triumphzug durch daS ganze Land halte». Es fehlt der Partei jetzt an tüchtigm, intellektuellen Krästm, die zurit» geschreckt werden; die Vereinigung würde dieselben heranziehen. GS ist hier nicht der Platz, darüber sowie über die mangelnde und mangelhaft« Organisation zu berichtm, nur so viel, daß die Fraktionm nur wenige und unbedeutende Zettungen haben, auch keine genügendm Broschüre» zu einer energischm Propaganda besitzen. Eine Aussöhnung zwischen dm zwei Fraktionm ist der erste und wich» tigste Schritt für eine günstige Fortentwickelung der Bewegung; erstms behusS einer defferm, regelmäßigeren und energischeren Agitation und Propaganda in einem Lande, in dem die bürgerlichen radikalen Element« massenhaft auftreten, und zweitens in Auo-tracht des bevorstehend«» Gesetzes, auch die Kommunalwahlm nach dem List enskrutinium vorzunehmen. Dieses Gesetz, da» bereit« von der Kammer angenonunea ist, liegt jetzt dem Senat vor, und wenn eS, von diesem gebilligt, ia Kraji xeitn sollte, so werden die Sozialisten einen sehr schwerm Stand gegen die Radikalen habm. Paris fällt dann in di« Hände der radikale» Autonomisten, d. h. der radikalen Kleinbourgeoiste. Dem Gesetze zufolg« wird dann nicht mehr nach Bezirken, sondern nach ganzen Arrondissements gewählt, ein Wahlmodu«, der viel mehr Geld und Rühe kostet; und das Verhältniß der Kandidaten zu ihren Wählern einseitig verschiebt. Jetzt fordern die Sozialisten von jedem ihrer Kandidaten ein» Garantie in Gestalt einer iu blaneo unterschriebenen Demission, welche bei dem Zentralwahlkomite der Partei deponirt wird. Sobald späterhai die Wähler mit ihrem Kandidaten unzufrieden sind, kann daS Zentral» wahlkomite im Einverständniß mit dem lokalen Wahlkomite die Demiffioa einreichen. Sollte daS Listenskrutmium vom Senat votirt werden, so können dt» am 8. Rai stattfindenden Munizipalwahlm nur als provisorische be» trachtet werden, denn nach der französischen Konstitution tritt jedes neue Gesetz sofort in Kraft, und der Munizipalrath würde sofort aufgelöst werden. Zeigen die Sozialisten bei den gegenwärtigen Kommunalwahlen« daß sie in Paris eine Aiacht besitzen, so werden bei dem Listenskrutinium die starken Parteien, wie die Radikalen, mit ihnen zu zählen habm und ihnen einige Mandate überlassen müssen. Die sozialistischen Fraktionen treten nur mit geringen Mitteln in de» Kampf. Von Zeitungen haben sie nur das wöchentliche„Proletariat" und dm täglichm„Cri du Peuple" zur Verfügung, und auf Seid« Blätter können nur die Poslibilisten rechnen, da der„Cri du Peuple", seitdem GueSde und Freunde herausgemaßregelt wordm sindö stch dieser Partei zur Verfügung gestellt, bezw. einige Mitglieder detjelbeir alS Redakteure mgagirt hat. In Folge der schwachen und losm Orga» nisation ohne Geld und ohne Presse sind die Sozialistm nur auf dt» Opserwilligkeit einiger thätiger Genossen angewiesen. Zum Schluß noch einige Worte über den regionalen Arbesterkongreß in Algier, auf dem über 30 Delegirte von verschiedenen G-werkschaftq» und Studienzirkeln verkeim sind. Am 14. April, dem ersten SitzungD» tage, wurde die Frage der Konkurrenz der fremdländtfche« Arbeiter diskutirt. Viele Redner forderten, daß die ausländische« Arbeiter, die nach Frankreich kommen, eine Abgabe zahlm sollen, ander«, daß ihre Zahl beschränkt«erde. Zu einem definitiven Beschluß schewt der Kongreß nicht gekommen zu sein. Ich werde späterhin, wenn der Kongreß zu Ende, d. h. der Lertcht hier eingelaufen ist, auf dmselbm zurückkommen. On. Material für Sozialisten, aus den Werken anerkannter Statistiker»nd Nationalökonomen. (Fortsetzung.) X. Der Klassenkampf. Zwischm den beiden Klassen herrscht fortwährender Kampf. Mag«cm es auch noch so sehr durch feudalartig« Wohlthätigkeit oder durch philan« thropijche Anstalten zu bemänteln suchen, das materielleJnter« esse der kleiaen Minderheit, die vermöge ihrer Monopole daS Privt- legium aus Renten hat, und daS der großen Masse, welche infolgedessen auf den Repantheil vom gesellschaftlichen Gesammtprodukt angewiesm ist, stehen einander beständig gegenüber. „Je mehr der Arbeit zuerkannt wird, desto weniger wird al« Rente angeeignet werden können."(Faweett, Handbuch der polittschm Oekonomie.) Einer der hauptsächlichsten Gründe für das geringe Einkommen der verhättnißmäßig Armen ist daher der, daß die„Besitzer der Produktion», Werkzeuge in der Lage find, einen unverhältnißmäßigen Theil des Ge« sammtproduktS stch selbst anzueignen."(I. St. Rill.) Daß keine der beidm Klassen den bestmöglichen sozialen Gebrauch»o» ihrm Einkünften macht, und daß beide sehr viel für«usschweifunge» und Laster verschwenden, ist�ein unvermeidliches� zweite» Resultat d« macht; doch Ursache. Heilung, die dasselbe noch steigert und zu einem dauerndm ist es nur eine untergeordnete Folge, nicht die Grund« Selbst wenn„die ganze Handarbeiierklafle" den bestmöglichen Gebrauch von den 35 Pfund Sterling pro Erwachsenen— ihr jöhrlicheS Durchschnittseinkommen— machte, so würde eS ihren Angehörigen doch nicht möglich sein, das Leben eines Kulturmenschen zu führen, wie es die andere Klasse alS ein Minimum eines lebenSwerthen Daseins für Jch selbst beansprucht. ES ist in der Praxis unvermeidlich, daß viele rme, denen ein solches versagt ist, sich auf«ine sowohl für sie selbst wie für die Gesellschaft nicht gerade vortheilhast« Art und Weise zu zer- streuen suchen. Der Faktor, durch den dieser Jnterefienkonflikt beständig wacherhalten wird» auch ohne bewußten Anschlag von irgend einer der beiden Seiten, ist die Konkurrenz, die, wie andere Kräste, über ihre berechtigte gesellschasliche Rolle hinauSgetrieben wird. Die Inhaber der großen natürlichen Monopole sind bloS auf Grund der erlaubten Konkurrenz im Stande, die volle Höhe ihrer ökonomischen Rente zu erpresien, und die Oekonomen beweisen selbst, daß, solange diese natürlichen Monopole unbeschränkt in Privathänden bleiben, eine gründliche Abhilfe überhaupt unmöglich ist. Im Jahre 1874 glaubte Herr Profesior Cairnes noch, daß eine Abhilfe(wenigstens von den besser bezahlten Arbeitern) durch Produktiv« Assoziationen bewirkt werden könne. Er schrieb damals:„Wenn sich die Arbeiter nicht durch den Weg der Kooperation von der Abhängigkeit vom Kapital frei machen, dann müssen sie demselben unterthan bleiben. Di« Möglichkeit einer Verbesierung ihres Loose« ist eng begrenzt, und diese Grenz« kann nicht übersprungen werden; das Problem ihrer Erweiterung ist hoffnungslos. AlS Körperschaft werden sie ihre Lage nicht verbissern. Einige wenige, energischer und glücklicher als die übrigen, werden sich von Zeit zu Zeit auS den Reihen ihrer Genoffen zu den höheren Stufen des WirthschaftilebenS emporschwingen, wie eS ja auch jetzt öfter geschieht, aber die große Majorität wird im Wesentlichen da stehen bleiben, wo sie jetzt ist. Die Entlohnung der Arbeit, ob sie qualifizirt oder ungelernt sei, wird sich niemals viel über ihr gegenwär- tiges Niveau erheben."(Prof. Cairnes, Einige Hauptlehren der politi« schen Oekonomie, S. 348.) Dreizehn Jahre sind verfloffen, seitdem diese Worte geschrieben wur« den, und selbst dem sanguinischsten Individualisten muß eS heute klar fein, daß der Gedanke, die große Maffe der Arbeiter durch kooperative Produktivvereine in die Höhe zu bringen, mehr wie hoffnungslos ist. So schreibt Dr. I. K. I n g r a m, daß die meisten neueren Oekonomen, wie z. B. die Profefforen Cliffe Leslie und F. A. Walker, diese Idee als „Chimäre" bezeichnen.(Artikel„Politische Oekonomie" in„Encpclopedia Britannica", 19. Bd. S. 382.) Und doch ist sie nach einer so bedeuten« den Autorität die einzige Hoffnung der Arbeiter unter den gegen« närtigen Gesellschaftseinrichtungeii oder allen sonstigen, die der Herr Professor überhaupt zu fasten vermochte. XI. EtwaS über die Opfer deSKampfeS. Die im Vorhergehenden angeführten statistischen Aufstellungen über die Lage der Arbeiter beruhen hauptsächlich auf der Voraussetzung regel- mäßiger Beschäftigung. Wie groß jedoch das Heer der zeitweilig„Un> beschäftigten" in London ist, geht auS der Zahl der sich um Beschäf- tigung auf den DockS— ein« mit 4 Pence pro Stunde bezahlte, sehr mühevolle und außerordentlich unregelmäßige Arbeit— Bewerbenden hervor. Die Durchschnittszahl derselben kann auf rund 20, 000 angesetzt werden...„7000— 8000 davon, welche sich, da sie ohne regelmäßige Be- schäftigung sind, um solche Arbeit bewerben, werden durchschnittlich ab- gewiesen."(Bericht de» zusammengetretenen UnterfiützungSkomites im „Mansion House", 1886.) Dieser Zustand der Dinge beschränkt sich natürlich nicht auf London; aus Liverpool, Glasgow und anderen stark bevölkerten Orten wird das- selbe berichtet. DaS Schicksal dieser Opfer genau zu schildern, ist nicht leicht; jährlich werden 140 Fälle von thatsächlichem Hungertode nachgewiesen, von denen die Hälfte auf London entfällt; aber es ist wohl bekannt, daß viele Tausende außerdem durch langandauernde schlechte Ernährung und Ob- dachlosigkeit zu Grunde gehen. Die Kindersterblichkeit ist in Bethnal-Green(ein Londoner Arbeiter- viertel) zweimal so groß als in Belgravia, dem Quartier der Aristo- kratie. Holborn(1Sl,83ö) und St. Georges Hanover Square(149,743) haben fast die gleiche Bevölkerungsziffer, trotzdem starben im Jahr 1884 tm ersteren Viertel 1814, im letzteren nur 1007 Kinder unter fünf Jahren.(Jahresbericht pro 1886 des EintragungSamtS» S. 32, 126, 0— 4.72S. Dr. Playfair berichtet, daß 18 Prozent Kinder aus den oberen Klaffen, SS Proz. Kinder au« der Klasse der Geschäftsleute und SS Proz. Kinder aus der Arbeiterklaste vor dem fünften Jahre sterben.(AuS dem„Sta- tistischen Diktionär" von M u l h a l l, der jedoch die Schätzung noch„für zu günstig" hält.) SS starben im Jahr 1884 IS, 31 2 Personen durch Unfälle, 8S2 ver« loren ihr Leben in Gruben, 966 auf Eisenbahnen, 244 bei Maschinen- arbeit, V4 durch Explosionen, 72 durch Gift und 16S durch Herunter- fallen von Gerüsten. Dies find die Zahlen von England und Wales, welche durch die Zahlen aus Schottland und Irland bedeutend vermehrt würden. Der Bericht des Handelsministeriums über„Eisenbahnunfälle der letzten 6 Monate, beendet am 30. Juni 1886," zeigt, daß 202 Eisenbahn« Bedienstete getödtet und Sö8 durch Unfälle verletzt wurden, waS eine Gesammtzahl von 2320 per Jahr für das Vereinigte Königreich aus« macht. Die Zahl der in demselben Zeitraum getödteten und verwundeten Pastagiere macht pro Jahr 13S0 Personen, also zirka 400 weniger. „Gegenwärtig ist da» Durchschnittsalter unter dem Adel» den Reichen und den Gewerbetreibenden in England und Wales SS Jahre; unter den arbeitenden Klassen inLambeth jedoch nur 29 Jahre; und während die durchschnittliche Kindersterblichkeit unter den wohlsttuirten Klaffen sich so stellte, daß unter 100 Kindern 8 im ersten Lebensjahre starben, gingen bei der armen Bevölkerung in einigen Distrikten unserer großen Städte 30 von 100 zu Grunde. Die Ursache dieses enormen Unter- schied«? in der Lebensdauer von Armen und Reichen liegt einzig und allein in der Thatsache, daß in den Tiefen der Gesellschaft die Löhne so niedrig sind, daß die Nahrungs- und sonstigen, zur Erhaltung der Ge- sundheit nothwendigm Existenzmittel zu schwer beschafft werden können." (Dr. C. R. Drysdale,„Bericht der gewerblichen Lohnkonserenz", S. 13.) (Schluß folgt.) Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 26. April 1887. — Reden ist Silber, Schweigen ist Gold— so dachte zweifelS- ohne Herr Putty, al« er in der R e i ch S t a g S s i tz u n g vom 19. April, in der unsre Genosten Singer und Sabor dieinFrank- furt am Main und Stettin von Seiten der preußischen Polizei verübten Nichtswürdigkeiten und Willkürakte brandmark- ten, sich in tiefe» Schweigen hüllte. Hat der ehrenwerthe doppeltbezahlte Minister an seinen rhetorischen Triumphen, die er bei«ertheidigung der infamsten Maßregel, die da» Jnfamiegesetz gezeitigt, seither errun- gen. so vollständig genug, daß ihn nach»einer Vermehrung derselben gelüstet? Fürchtet er, daß ihm bei der Vertheioigung seiner Schützlinge Jhring-Mahlow und Meyer wieder einmal die Zunge durchgehen, und tt mehr aus der Schule schwatzen werde, als— nicht dem Reichstag, denn bei d e r Sorte, die dort Volksvertreter spielt, würde ihm nichts Kaden, die billigt jede Gemeinheit, wohl aber der übrigen Welt gegen- er am Platze wäre? Genug, der Polizeiminister Preußens hielt«» weder für Pflicht deS Amtes noch de«»nstandes, seine Polizeimaßregeln vor dem Reichstag zu vertheidigen— er ließ die vermaledeiten Sozial- denwkraten reden, und hüllte sich, als Mann, der den Werth des Golde« zu schätzen weiß, in ein für ihn sicherlich goldenes Schweigen. Ein bekannter Berliner Korrespondent der„Frankfurter Zeitung" schreibt dem volksparteilichen Blatte darüber: „Bielleicht noch nie ist eine von einem Ausnahmegesetz schwer bedrückte Partei mit so verletzendem Hohne behandelt worden, wie heut die Sozialdemokraten von Herrn v. Bötticher durch den tröstenden Hin- «eis, daß der Belagerungszustand auch im nächsten Jahre ver- längert werden würde, und daß sie dann Gelegenheit haben würden, die Schleusen ihrer Rhetorik zu öffnen. Herr v. Bötticher erfreut stch eines heiteren Gemüthes und einer guten Gesundheit, er wird gewiß noch eine Zeit erleben, in der er über die Wirkungen deS BelagerungS- zustandes und der Ausweisungen weniger leichtherzig denkt als jetzt. Er hätte besser geschwiegen wie Herr v. Puttkamer. Dieser, in dessen Händen hauptsächlich die Ausführung des Sozialistengesetzes ruht, fand sich heute, obwohl er sonst so redegewandt und redelustig ist, nicht veranlaßt, auch nur ein Wort zu sprechen. Er schwieg, aber wie schwieg er?— Man spricht von einer steinernen Musik; wer daS Glück hatte, Herrn v. Puttkamer heute zu sehen, wird wissen, was man unter einer plasti« schen Rhetorik oder vielleicht richtiger rhetorischen Plastik versteht. Kein Hostheater der Welt befitzt einen Pantomimisten, der es an beredtem und ausdrucksvollem Schweigen mit dem preußischen Minister des Innern aufnehmen könnte. Er hat sich heute selbst übertroffen; den ersten Theil der Sabor'schen Rede über die Vorgänge in Stettin widerlegte er durch ein B ch s e l z u ck« n, das unnachahmlich war. Daß der zweite Theil nach seiner Meinung nur längst Gehörtes wiederhole, brachte er die erste Viertelstunde durch eine lässig müde Attitüde an einer Ecke des Bundes- rathstisches zum Ausdruck; später durch eine Betrachtung der Innen- flächen seiner Hände und einen langen Blick an die Decke des SaaleS. Damit war Herr Sabor abgethan. Die Aus- führungen Singer's wurden noch wirkungsvoller einfach dadurch beseitigt, daß der Minister leise mit dem Stuhl wippend, das rechte Bein so gra« ziös über das linke geschlagen, wie kein Anderer eS kann, die Spitzen seiner tadellosen Stiefel betrachtete. DaS sprach ganze Seiten eines stenographischen Berichts. Herr v. Puttkamer brauchte nicht den Mund auszuthun, und er machte doch auf Jeden den Eindruck des Beherrschers der Situation. Das ist traurig, aber es ist wahr." Das heißt mit andern Worten: In Preußen-Deutschland herrscht der nackteste, brutalste A b s o l u t i S m u S— von verfassungsmäßigen Garantien gegen Po lizeiwillkür ist«icht einmal zum Schein mehr die Rede. Liebknechts«instiger Ausspruch, der deutsche Reichstag sei nur daS Feigenblatt des Absolutismus, ist von diesem durch den gröbsten Betrug zusammengeschwin- d e l t e n Reichstag Lügen gestraft. Selbst die Roll« des Feigenblatts war für ihn noch zu hoch— wie die Heuchelei wenigstens ein K o m- pliment an die Tugend ist, so ist der Scheinkonstitutionalismus doch immerhin ein indirektes Zugeständiß an das Prinzip der Demokratie, er aber ist der Schlldknappe, der erklärte Schlepp- träger des Absolutismus, die P r o st i t u i r t e der Polizeiwillkür. Was kann man Schimpflicheres von einem Reichstag sagen, als daß in ihm ein Puttkamer„Beherrscher der Situation" wart Ein Mensch, der in einer Körperschaft, die auch nur einen Funken von Ehr- gefühl hat, absolut unmöglich wäre, der, wenn die Lächerlichkeit tödtete, zehnmal todt, der, wenn die Schande ächtete, längst unter dem Gewicht der gegen seine Schandwirthschaft zeugenden Thatsachen zusammengebro« chen sein müßte. Der Minister schwieg, und der Reichstag schwieg— die Rechte aus Servilismus, die bürgerliche Linke aus Opportunismus, und doch handette es sich um die schmachvolle Verletzung der elementar« sten staatsbürgerlichen Rechte. Die„Frankfurter Zeitung", die eS unserm Genossen Sabor nie ver- zeihen wird, daß er ihren Patron Sonnemann verdrängte, findet, daß seine und Singers Reden„nicht über das Niveau der Mittelmäßigkeit" hinausgingen. Das ist Sache der Schätzung, und wir werden um so weniger mit dem volksparleilichen Blatt darüber streiten, waS mittelmäßig ist und was nicht, als seinUrtheil schon geschrieben war, bevor es noch näheren Bericht über die Reden hatte. Aber wenn dem wirk- lich so gewesen wäre, wenn wirklich Singer und Sabor den Ton nicht getroffen hätten, in dem Leuten vom Schlage deS Puttkamer it. heimgezündet werden muß, wo waren denn dann die großen, redegewandten bürgerlichen Champion« des Rechts? Warum fanden sie nicht die krästtgen Worte des Z o r» s und der E n t r ü st u n g, die jedesmal und in immer stärkerer Form am Platze, so oft daS Schand- g e s« tz und leine Handhabung i« Reichstag aus der Tagesordnung stehen? Ist da« Ausnahmegesetz, ist der Belagerung»- zustand ein„Jnternum", eine innere Angelegenheit der Sozialdemokratie? Oder handelt eS sich dabei nicht um schreiende Verletzung aller politischen Rechtsgrund« s ä tz e? l Es ist die Proklamirung der nackten Gewalt, und wer nicht stetS und zu allen Zeiten das Wort zum Protest gegen die- selbe findet, von dem heißt e»:(Jui tacet, conaentit— wer schweigt, stimmt zu. Grade weil Puttkamer schwieg, mußten alle Gegner seines Systems reden. Und weil sie es nicht thaten, weil die Herren von der bürgerlichen Opposition nicht den M u t h hatten, so zu sprechen, wie gesprochen werden mußte, darum war Puttkamer-Mahlow„Beherrscher der Situation".• DaS ist auch traurig, aber e« ist wahr. — Worauf Puttkamer nicht geantwortet hat. Wir lasten im Nachfolgenden eine kleine Blüth« niese aus den Reden Eabor'S und Singer's folgen, damit die Leser des„Sozialdemokrat" innerhalb und außerhalb des deutschen Reiches erkennen mögen, wie berechtigt*) d a S Schweigen des Spitzelministers war. Ueber den Stettiner Belagerungszustand. Sabor:...„Man erwäge außerdem, daß Geheimpolizisten eine merkwürdig eifrige Thättgk ei t in jener Versammlung entfattet haben sollen. Einer dieser geehrten Herren ist sogar, in den vordersten Reihen stehend, von den Soldaten verwundet worden. Was haben— sagten damals unabhängige Blätter— Geheimpolizisten in der Versammlung und unter den Lärmenden zu thun? Ich bin sogar zweifelhaft, ob die Geheimpolizisten berechtigt waren, in der Veriaminlung zu erscheinen. Waren sie nicht Subjekte, über die man hier lieber gar nicht erst spricht, sondern wirkliche Polizisten, so hatten sie gewiß kein Recht, in der Ver- sammlung zu sein. Denn aus Grund deS preußischen BereinsgesetzeS dürfen nur eine bis zwei Poliztiperfonen da fein, und die anwesenden Polizeibeamten müssen sich als in amtlicher Eigenschaft befindlich aus- weisen. Es war aber bereUS ein Poltzerkommiffar mit einem Schutzmann da. „Meine Herren, wundern Sie sich nicht, daß ich Briefe aus Stettin erhielt, nach welchen unter den dortigen Arbeitern und in anderen Kreisen der Verdacht herrscht, die Polizei habe eS durchaus nicht ungern gesehen, daß sie einen V o r w a n d fand, den kleinen Belage- rungs,»stand zu verfügen. (Abg. Singer: Ist ja notorisch I) Wundern Sie sich nicht, daß diese Briefe in solchen Ausdrücken über das Provokatorische der Poltzeibeamten abgefaßt find und sich in derartigen Worten ergehen, daß ich sie hier nicht verlesen und auch nicht entfernt den Inhalt derselben andeuten kann!" Singer:...„Meine Herren, die Versammlung, die aufgelöst wurde — der Herr Vorredner hat Ihnen ja gesagt, weswegen sie aufgelöst worden ist— wäre genau ebenso ruhig verlaufen wie alle übrigen Ver- sammlungen, wenn die dort anwesenden Polizeibeamten ihres AmteS bester gewaltet hätten. Statt, mein« Herren, den Bestrebungen der Leiter und Redner in den Versammlungen, die Anwesenden zu beruhigen, nach- drückliche Unterstützung zu leihen, statt dafür mtt zu sorgen, daß die allerdings ganz eigcnthüml, che Art der Auflösung nicht zu einer gerechten Erbitterung der anwesenden Wähler führe, haben die dortigen Beamten nach dem Bericht» der seitens der Behörde unwidersprochen durch die Z-ihrngen gegangen ist, gerade da» Gegentheil gethan. Während der ReichstagSkandidat Herbert in Stettin versucht hat, die Versammlung zum ruhigen Auseinandergehen zu bewegen, während der damals dort anwesende hiesige Stadtverord- nete Görki dasselbe gethan hat. find diese Herren direkt von den Beamten der Polizei verhindert worden, beruhigend auf die Versammlung zu wirken; und erst diesem thatsächlich ganz unqualifizir- baren Austreten der Polizeibeamten ist e» zu danken, daß die Tumult« entstanden sind. Und. meine Herren, e« ist ganz charatteristisch, daß in der ersten Reihe der Tumultuanten, wahrscheinlich, natürlich irrthüm- licher- und bedauerlicherweise, von dem Militär-in Mann verwundet worden ist, der sich nachher al» Polizeiagent legittmirt hat." *) Oder berechnet. «nm. d. Setzers. Nebe« die Kraukfurter Borgänge. «abor:...„Ran erinnert sich ,. B. des schändlichen» salleS auf dem Frankfurter Friedhof, wo bekanntlich Poliz-ibeam« die Ruhe der Tobten störten, von der Waffe einen ungl rechtfertigten Gebrauch machten, am Portal sich aufstew und die Hinauseilenden mtt Säbelhieben und Schimpsworten empfinge Damals schrieben sogleich viele Zeitungen: der kleine Belagerung«, usW soll über Frankfurt verhängt werden. Sie waren zu dieser Annich verleitet worden durch ein Telegramm de» offiziösen Wolssschen T« graphenbureaus. Dieses hatte nämlich die Lügendepesche verbreii es seien in Frankfurt Ausschreitungen vorgekommen und infolgedest viele Leute verhastet worden. Diese Depesche ist niemals> Frankfurt am Rain aufgegeben worden, weder v« Polizeipräsidium, noch von einer anderen Seii und sie hat daS öffentliche Urtheil zuerst beeinflußt; denn andel Telegramme wurden zurückgehalten, mußten d Zensur passtren und konnten erst einige Stunden später> gehen. Wetter erinnert man sich, daß der preußische Herr Minister de« J nern bei jeder SeltgenHett sein LieblingSkind, die Polizei, zu ver» digen sucht. (Heiterkeit recht?.) Ich weiß, daß er seinerzett hier den Häuptling der Schaar,» auf dem Frankfurter Friedhof da« Gemetzel a> stif tete, den Mann mtt dem friedlichen Namen Meyer (Heiterkeit) i n S ch u tz n a h m, well die gerichtliche Untersuchung noch nicht ah schloffen sei. Das hat die preußische Regierung nicht verhinvert. ihr setts, als sie den kleinen Belagerungszustand über Frankfurt verhäng vor Allem Bezug zu nehmen auf den Prozeß gegen die dort a»! klagten Sozialdemokraten, der aber auch noch nicht vom Gericht t schieden war." «eber Jhring-Mahlow. Singer:...„Meine Herren, gegenüber diesem Borwurf erschit es doch auch angezeigt, dem Herrn Minister von Puttkamer Gele» heit zu geben— und dazu soll ja auch die Wiedervorlegung der> richte dienen—, sich von der schweren Anklage zu r« n i g e n, die bei der vorigen Berathung gegen ihn erhoben ist, nSak von der Anklage, daß unter seiner Verwaltung in Preußen ein Syst der ugonts provocateurs zur Blüthe gelangt ist, wa» er damals a» dings bestritten hat. Reine Herren, eS ist heute das erste Mal s jener Zett, daß hier im Reichstage nun einmal wieder Gelegenhett l geben ist, von jenem„ehrenwerthen und pflichttreuen Beamten", d Herrn Jhring-Mahlow, zu sprechen.(Unterbrechung d«S Präsidenten.)- Der Herr Präsident und sein Haus wird die Güte haben, sich zu' innern, daß der Herr Minister von Puttkamer in einer Weise für» von mir genannten Mann damals eingetreten ist, daß eS mir—' wiederhole das— in seinem Interesse zu liegen scheint,» er die Anklage, die ich damals gegen ihn erhoben habe, und die> Herr Minister auf Grund der ihm von Jhring zugegangenen Berit widerlegen wollte, an der Hand der wieder vorzulegenden Denkschrif hier erörtert. Wenn ich mir erlaubt habe, aus dies« Thatsachen his weisen, so geschah es nur deswegen, um von dieser Stelle au» w' innerung zu bringen, daß jene Anklage, die ich erhoben habe,» keinemWortdurchdiestattgehabtenBerhandlungl widerlegt worden isi. Ich wollt« mir noch erlauben in ErinnerS zu bringen, daß jener Beamte nachträglich zu den Verbrechen der reizung, zu Gewaltthaten mit Dynamit noch daS L« brechendes Meineid» hinzugefügt hat. (Rufe recht»: Zur Sache l Glocke des Präfidenten.) Meine Herren, ich bin selbstverständlich bereit, diese AngelegeÄ nicht wetter zu erörtern, weil ich meine, diese Anregung wird doch» Herrn Minister deS Innern Beranlaffung fein, sich über die Sache äußern." Und der Herr Ministe« widerlegte— nichts, reinigte Niemand, er fand eStnfe�nemJnterefs«—»uschweige Das spricht ganze Bände. — Banditen. Was ist ein Bandst? Das Wort stammt auS* Italienischen und heißt: der Verbannte. ES wurde, während der Stil kämpfe und Bürgerkriege de» Mittelalters, den Besiegten und auS 1 Heimath Vertriebenen beigelegt— und zwar ohne jegliche ehrenrW Rebenbedeutung— gerade wie das entsprechende deutsche Wort:» bannter, Ausgewiesener. Die Verbannten von heute konntm mo«i stegreich in die Stadt zurückkehren, und dann wurden die Rollen eiw vertauscht. Die Verbannten waren die Herrscher und die bestegtm H scher mußten ihrerseits in die Verbannung ziehen. Dante, der gr« Dichter und reinste Charakter Italiens, war bekanntlich einen gro! Theil seines Lebens hindurch ein Verbannter, ein Bandit. Unt wa? stolz auf den Namen. Im Laufe der Zeiten hat das Wort aber eme andere Bedeus angenommen. Der Sieger, welchem e» an sittlicher Hoheit fehtt, s' dem Besiegten die Ehre abzuschneiden, ihn zu einem Gegenstand moralischen»bscheus zu machen— es liegt da« nun einmal m der' gemeiner Naturen. Die Besiegten der Menschengeschichte sind stets' den Siegern und deren feilen Handlangern al» moralische, und wo 0 lich auch physische Scheusal« hingestellt worden. Und so ist denn da« Wort Bandit zu einem Schimpfwort gewor» Der preußische Staatsanwalt, welcher den, in letzter Nummer von' gekennzeichneten Posener Sozialistenprozeß in Szene gesetzt hat, noff in seiner Anklagerede die Sozialdemokraten„eine Heerde«■ Banditen". Der Mann heißt Martin— Staatsanwalt Mars in Posen— und wir schreiben hiermtt seinen Namen in'« Album Verbrecher.. Gegen den Titel protestiren wir jedoch keineswegs. Nur„die Hees weisen wir zurück. Nur solch« Menschen kann man ein-„Heerde" neu» die, ohne selbständigen Willen, birndUngS einem Leithammel folgen, etv sogenannten Borgesetzten oder Chef. Und wir Sozialdemokraten find der glücklichen Lage, keine Letthammel, keine Vorgesetzten, keine C? zu haben. Herr Staatsanwalt Marttn in Posen ist eben dem, u» der„Heerde" seiner Genossen graffirenden Wahn zum Opfer gefall daß die Sozialdemokraten mtt diesen traurigen„Heerd»n"-R«nsch?!«> helligen Respekt vor Letthämmel:,. Vorgesetzten und Chefs theilte« und auch die sonstigen Schwächen und Laster. Rein, Herr Staatsanwalt: wü begehen keine Infamie auf Komma» wie Sie— schon au» dem einfachen Grund, weil«» keinen Leithaav» Vorgesetzten, Chef gibt, der uns«ine Infamie kommandiren könnte. Dagegen das Wort„Bandtt" wollen wir uns ruhig gefallen las Herr Staatsanwalt. Nur wollm wir eS gewissermaßen entzweischnei: und die zwei Bedeutungen, welche«S hat, trennen, und uns � Ihnen, Herr Staatsanwalt, in die beide« Hälften th-Uen: W i r Sozialdemokraten sind Banditen im alten, ursprünglichen S — in dem Sinn, wie Dante-S war. Und S i e, Herr Staatsanwalt, und die„Heerde" Ihrer Genosse» Sie sind Banditen im newer-en Sinne de» Wort», in Ihr Sinne, Herr Staatsanwalt Wartin von Posen! — Der neueste Triumph des genialen StaatSPfufch» an der Spree ist bekanntlich— nach der nationalliberalen Legend« über das Zentrum erfochten. Und die ganz besondere„Genialst dieses Triumphes soll eben gerade darm liegen, daß das Zentrum d» den- Papst, d. h. sein eigenes geistliches Oberhaupt, zu Paaren trieben worden sei. Also ein doppelter Erfolg, wie die Wett noch kei> gesehen hat. Erstens die stärkste Partei in dem Lande, vor der man noch wzsiigen Monaten die Segel streichen mußte, mit emem Male d» einen Nackenschlag gelähmt zu Boden geschmettert. Zwettens der ss Herrscher des Vatikans» vor dem bisher noch alle Kaiser und Kos und Minister demüthig, reumüthig zu Kreuz kriechen mußten, zum u» thänigsten Stiefelputzer des eisenflirnigen Reichskanzlers gemacht—» wohlgemerkt, in demselben Augenblick, wo die. dumme Opposition me» der elsenstirnige Reichskanzler sei von dem Papste„gemacht" worde» Kann man stch«inen glänzenderen, großartigeren Triumph denk Hat je ein Staatsmann, vom Kanzler Oxenstirn bi» herab zum Kai» Eisenstirn, Aehnliches geleistet? % - Schade nur, daß die Medaille ihre Rückseite hat. Und auf dies« Rückseite steht geschrieben- Sang nach Canoffa. Der Papst Proteltor de» deutschen Reiche» und Schiedsrichter über dessen innere»ngelegenheiten. Und wShrend der kontüei maximuB den Fuß auf den Racken de» Canossagänger» fetzt und diesem mit der Rechten den Segen gibt, streichelt er mit der Linken sein allergetreueste» Zentrum, da» den Eis-nstirnig-n nach Canoffa gebracht hat. Und aus der Rückseite der Medaille steht die Wahrheit. O für wie dumm tnüssen die Erfinder der neuesten SiegeSlegende doch da» deutsch-«oll halten! — Der„grobe Uufttg" wird imm« grSber. Unsere Leser er» «wern fich, daß bei den letzten Wahlen„durchstrichen« Stimmzettel", d. h. solche Stimmzettel» bei denen der gedruckte Name durchstrichen und *ta anderer an die Stelle geschrieben war, entgegen den Entscheidungen früherer Reichstage für ungültig erklärt wurden; und daß diese Praxis »o» Mitgliedern der jetzigen ReichstagSmajorität gebilligt worden «st. Wohlan— in«wer Sitzung d« WahlprufungSkom« »i f s t o n hat vor den Osterferien«in lartellbrüderliche» Mitglied mit dürren Worten gesagt:„Da« Durchstreichen der Stimmzettel ist ew grober Unfug, dem unter allen Umständen gesteuert werden muß." «elanntlich ist die Benützung solcher durchstrichener Stimmzettel, die äußerlich von den gegnerischen nicht unterschieden wer« den können, weil sie eben von Haus auS gegnerische sind, da» ein» »ige Mittel, um da» aufdemPapier gesetzlich verbürgte Ge« heimniß der Wahl zu sichern. Und dies« Gebrauch ist„grober Un« M Ist grober Unfug, gerade w e i l er ein gesetzlich garantirte» und sür«ine frei« Wahl unentbehrliches Recht schützt! »te Wahrung eines VolksrechteZ„grober Unfug"— kann e» etwa» wezelchnendere» geben für die zynische Frechheit d« schnaps-junkerlichm «ourgeoiS.Reaktion, welche jetzt im„Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte" ihr« Bockfprünge macht? Hundeseele" haben wir w dm Spaltm deS„B«lin« Tageblatt" entdeckt, worüb«, w Anbetracht de» OrtS, Niemand sich «undern dürfte. Ein gewiffer„Wyl", angeblich in Chicago wohnhast, 'tL, d«m genannten, die Phosphoreszenz der Fäulniß als„Witz" und „Geist" zur Schau tragenden Organ der politischen Prostitution üb« «n neuen Prozeß d« Chicago« Verurtheilten, und gebraucht bei dies« Gelegenheit daS Wort„Hundeseele." Und wen nennt« eine„Hundeseele"? Die unglücklichen Verurtheiltm? Das wäre durch den P a r t e i fanatismus allenfalls zu erklärm, obgleich es immerhin ein Bewei» niederer, ja niedertrachtiger Gesinnung ist, einen politischen G-gn«, der mwaffnet, gefangm, hilflos vor uns steht, «st Schimpfwörtern zu belegen. Aber der„Wyl" des„Tageblatt" nmnt keinen d««ngeklagtm od« Verurtheilten ewe„Hundeseele". Für sie hat« and«e, noch drastischere Bezeichnungen, die wir aber nicht wiedergeben wollen— «sten» auS Anstandsrücksichten gegenüb« unseren sozialdemokrattschm Lesttn, und zweitens, well Jed«, der die Sorte der„Wyl" kennt, auch diese ästhetischen Ausdrücke zur Genüg« kennt. D«„Wyl" deS„Berliner„Tageblatt" nennt den Oberst Black ewe„Hundeseele". Und wer ist Oberst Black? Der B e r t h e i d i g e r der Chicagoer Verurtheilten. Der Mann, welch«, von d« Unschuld der An» geklagten und jetzt Verurtheilten üb«zeugt, einzig von seinem Rechtsfinn und seinem Menschengesühl geleitet, in edlem Idealismus und mit be- «uUdnungSwürdiger Charakterstärke daS Retz der Klaffenvorurtheil« »«riß und, sein eigenes Klaffenintereffe opfernd, für die Sache d« unschuldig Verurtheiltm einttat. Kurz, einer jen« edlm„Ritter vom Geiste" und H«oen der Pflicht, auf welche ein jedes Volk, auf welche die Mmschheit stolz zu sein hat. Welche Verkommmheit gehört dazu, welche krebsartige Zersetzung aller sittlichen Begriffe und Empfindungen, um einen solchen Mann in solcher Weise beschimpfen zu können. Doch keine Entrüstung. Von Disteln kann man kein« Traubm er» »artm, vom„Berlin« Tageblatt" keinm Anstand, keinen Sinn für rein menschliches Denkm und Fühlm. Der„Wyl" ist de»„B«lin« Tageblatts"«erth und daS„Berlin« Tageblatt" des„Wyl"— welch« dunkle Ehrenmann immer sich hwt« dem Namen verstecken möge. — Eine Radikalkur. Man weiß, welche Kopfschmerzen die V a g a« b u n d« n- oder Landstreicher-Frage oder-„Plage" sewerzeit «»s«en deutschen Bourgeois und Regierungen gemacht hat. Steineklopfen. Hung«n(nach dem homöopathischen Rezept: Gleiche» ist mit Gleichem zu kurirm) und alS ultima ratio der gesellschaftsretterische Stock oder Knüppel— da» waren die Heilmittel, welch« vorgeschlagm und auch angewandt wurden und auch noch angewandt werden, obgleich die braven Heilkünstl« seufzend gestehen müssen, daß die Kur gar nicht» nützt. Vielleicht finden fie Rath in— China. Dort hat die Baga« tunden- oder Landflreicherplage einen noch größeren Umfang angenom- wen alS in unseren europäischen Zwergstaaten, ab« in China ist auch ew Radikal-Heilmittel entdeckt worden. Ran lese nur, was au» dem „Reich der Mitte" geschriebm wird: „Chwa", so lautet d« auch in ander« Beziehung interessante Bericht, .China hat unt« den mehr als 400 Millionen Zopfträgern, welche fein wette» Gebiet bevölkern, sicherlich nicht weniger Proletarier als unser Erdthett, zumal letzter« um einige SO Millionen weniger Menschen »ählt. Obgleich der chinesische Kuli berettS auf dem Nullpunkt der Lebensbedürfniffe angelangt ist und ,.«. Ratten als einen besonders üppigen SonnwgSbratm ansteht, so fehtt es in China durchaus nicht . an einer ständigen„industriellen Reservearmee", für welche sich schlechter» ding» keme dauernde Arbeits- und Erwerbsgelegenheit finden will. Di« Beherrscher des himmlischen Reiche« haben sich daher seit dem weisen Konfuzius nicht wenig ihre kleinen Köpfe zerbrochen, wie sie diese Sngrigen Millionen(die trotz ihrer passiven Haltung«ine soziale Ge- hr schlimmster Art bedeuteten) am besten unterbrächten. Man verfiel »nächst auf Eroberungen. DaS zog nicht und zieht heut, wo Russen und Engländer in Asien Eroberungszüge machen, erst recht nicht wehr, so daß man schon lange ew wetteres Mittel zur Anwendung ge- wacht hatte, die Auswanderung nämlich, und die Zahl der gwestschen Arbeiter und Kolonisten an allen Küsten des indischen und S?*'?'8 ,sat e�ne Sew altige. Mittlerweile wurden indessen imm« wehr Afrikaner mW Polynest« mobil gemacht, die in Konkurrenz traten, was die Btlltgkett anlangt«, und eine stets wachsende Zahl Iveiß« Arbeiter, die an Intelligenz die armen„Chinamen" weit über- trafen. Der schlimmste. Schlag aber«folgte in der amerikanischen Union, welche solche Gesetze gab, daß die Chmesen-Einwaaderung damit von jetzt an fast unmöglich geworden ist. Was nun anfangen mit den über- »ähligen„Händen"? Wie diese Frage in der Praxis bisweilen beant» «ortet wird, darüber hat die jüngste ostasiatische Post ein merkwürdige» Licht verbrettet. Es handelt sich um einen Vorfall, welch« sich in dem bisher unbekannt gewesenen Orte Hisip-ship bei Hankow in China ereignete. AlS 300 Landstreicher" in dem Orte erschienen, lockten bie durch deren Anwesenhett stark„belästigten" Einwohner die ge- lammte Schaar in einen Tempel und zündeten ihn während der Nacht an. Rur 40 d« Landstreicher kamen mtt im Leben davon, alleübrigenverbrannten." Dies d« Bericht. Kann man sich ein« radikalere Radikalkur denken? Und zugleich so tkomm? Im T e m p e l verbrannt, mitsammt dem Tempel, was ew oppelt« Vortheil l Schade, daß die Chinesen keinen Himmel haben, rst kämen die kurirten Landstreicher gewiß in den Himmel. Jedenfalls «S aber ein angenehmer Tod, an heiliger Stätte r e l t« Ston»gemSß vom Leben zum Tod befördert zu werden. Warum ahmt man die Kur in unserem„Reich der Gottesfurcht twd frommen Sitte" nicht nach? Da würden wir wenigstens die Kirchen los. En attendant wird man es im jivilisirten Europa wohl mtt ewe» fröhliches Krieg" probiren, der einige hunderttausend„Kanail- " in's Jenseits spedirt und der„Ueb«völkerung"«wen heilsame« »fluß schafft. Län.lich sittlich. — Offiziöse Kälscher n«d Fälschung. In den ersten Tagen des März, al,o uni,.>l»..ar nuch der Wahl, oeröffentlichte die„Rord- deutsche Allgerneme Zcituu»", das ileidtuatt des eijenstirnigen Otto, ewe, angeblich aus amtliche« Quellen geschöpsteWahlstattstik, welch« auch von unS mehrfach benutzt wurde, obgleich wir sofort Zweifel an der Riibttgkett äußerten. Wir dachten, den Ziffern d« RegterungSpar» teien fei etwas hinzugefügt, den Ziffern der Oppositionsparteien etwa» abgezwackt worden— allein wir hielten eS für unmöglich, daß pofittve, greifbare Fälschungen vorgenommen worden seien. Nun— wir waren sehr naiv. Wie sich jetzt herausstellt, hat die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" das Wahl«gebniß w d« schamlosesten Weise gefälscht, und den OppositionSparteieien zum mindesten eine halbe Million Stimmen abgelogen. Alle von ihr gegebenen Ziffern sind falsch, gefälscht. Die richtigen Ziffern kennen wir noch nicht— die amtliche Statistik steht im Dienste der Fälscher und Lügner und darf deshalb mit der Wahrheit nicht zu früh hervortreten. Allein daS wissen wir jetzt, daß die Sozialdemokraten mindestens V0,000 Stimmen mehr hatten, alS ihnen in jener angeblich aus amtlichen Quellen geschöpften Statistik zugeschrieben ward; und den Fortschrittlern, auf welche d« Norddeutsche Allgemeine Fälsch« in seiner kleinlichen Gehässigkett und gehässigen Kleinlichkeit eS hauptsächlich abgesehen hatte, waren sogar ew paarmal hund«ttause«d Stimmen kaltblütig und«isenstirnig unter- schlagen. Diese elende Fälschung der Wahlstatistik bildet die würdige Krönung jen« gigantischen Wahlfälschung, welche daS deutsche Ordnungsbanditenthum unter Bismarck'sch« Oberleitung am 28. Febr. dieses JahreS verübt hat» und welche mit dem blaSphemischen Titel: „Stimme deS Volks" belegt worden ist, oder„Erwachen de« natto- nalen Geistes", od« welch tönenden Namen daS Ordnungsbanditenthum sonst gewählt haben mag. ES zeigt fich hier wied« einmal, daß wir die„Genialität" uns«« heutigen StaatSlenker doch unterschätzt hatten. Wir dachten imm«, fie kopirten blos den drttten Napoleon, und, wenn sie auch mtt ihr« Kopie manchmal da» Original überträfen, so seien fie doch unfähig» Origi» nalarbeit zu liefern. Wir haben unS getäuscht. DaS Fälschen der Wahlen, die Plebisziterei das haben fie vom biedern Bonaparte gelernt, aber die Fälschung d« Wahlstatistik nach gefälscht« Wahl, da» ist unstreitig Originalarbeit. Wir halten e» für unsere Pflicht, dem Patron der„Norddeutschen" das Autor- od« Erftn« dungsrecht hiermit ausdrücklich zu wahren. Das Gesammtwahlresultat stellt sich jetzt ungefähr so, daß Bismarck und sewe Leute im Ganzen»'/, Millionen Stimmen erhalten haben— gegen« Millionen der Opposttton. Die Oppofitton hat also eine halbe Million Stimmen mehr als die Regierungsparteien. Und trotzdem eine Majorttät von 22 Stimmen in dem Reichstag! Unter keinen Umständen haben aber die Regierungsparteien ew Recht» den 23. Februar al« einen Sieg zu feiern. — Deutschlands Schande. ES sind un» in letzter Zeit— selbstverständlich weder au» Partei- noch überhaupt auS«rbeiterkreisen— Klagen über die„maßlose Sprache" deS„Sozialdemokrat" zu Ohren gekommen, und wir wollen auch unumwunden zugestehen, daß unsere Schr-ibw-ise zuweilen nicht grade sehr zurückhaltend ist. Ab« wie sollte dies auch anders sein angesichts der Nichtswürdigkeit d« Verhältnisse, die wir zu kennzeichnen haben? SS gibt Dinge, gegenüb« denen Glätte des Stil» Gesinnungslosigkeit, die Form d« Ironie Feigheit bedeutet, wo nur ew Grundsatz am Platze ist, näm- lich der des Boileau'schen:„J'appelle un chat un chat et Bollet un fripon"— ich nenne eine Katze Katze und Rollet(ew verkommenes Subjekt jen« Epoche) einen Schurken. Wo Recht und Gerechtigkeit so brutal mit Füßen getreten werden, wie heute in Deutschland, wo Lüge und Gemeinheit sich so ungestraft spreizen dürfen, wo der Betrug staat- lich approbirt, durch Staatsanwalt und Polizei geschützt wird, da würde eine noch größere Mäßigung als wir sie uns ohnehin mit Rücksicht auf die außergewöhnliche Stellung unseres Blatte« immer noch auserlegen, ein Preisgeben unserer Aufgabe dedeuten. Wir schreiben so, wie wtt schreiben müssen— und werden eher unsere F-der ganz bei Seite legen, als von unserer grundsätzlichen Haltung zurückweichen. Wie soll man zum Beispiel das Verfahren brandmarken, welche» zur Zeit die Crimmitschauer Fabrikanten der Weberei gegen ihre«rbetter beobachten, als mit den schärfsten Ausdrücken, über welche die Sprache nur v«sügt? Es liegen uns ewe ganze Reihe von Zuschristen dortiger Arbeit« vor, die, selbst die tiefst« Entrüstung athmend, uns beim Lesen daS Blut ins Gesicht getrieben haben, vor Erbitterung darüber, daß der- artiges heute, nach zwanzig Jahren sozialistischer Agitation, im siebenten Jahre der versprochenen Aera der„Sozialreform", noch möglich ist. Man denke, seit Jahr und Tag werden die Arbeiter durch falsche» Maß von ihren Fabrikanten um den Lohn für ihre Arbeit betrogen, sie treten in einem Fachverein zusammen, kommen in einer Eingabe beim Fabrikantenverew um Abänderung des UebelstandeS, um Einführung eines einheitlichenMaßes od« wenigsten« der Verpflichtung, durch Anschlagen eines Plakates im Websaale die Länge deS„Bandes" anzugeben, ein, und werden abgewiesen. Da« sei ein Eingriff in die Rechte der einzelnen Fabrikanten. Sie wenden sich an diese, und was erhalten sie zur Antwort? Der eine Fabrikant findet,«in solche» Verlangen sei eine Anmaßung, ein anderer nennt eS eine U n v e r- schämtheit, ein dritter verlangt Auflösung deSFachverein» für solch srevelhafteö Beginnen JC. ic. Die B-Hörde aber leistet dem Fabrikantenv-rein Vorschub, unterstützt ihn in seinem Vorhaben, den Arbeitersachverein zu sprengen, in jeder nur denkbaren Weise, während den Arbeitern alle nur möglichen Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden. Die Fabrikanten dürfen„schwarze Listen" anlegen, dürfen Ver- rufSerllärungen«gehen lassen— keine G-waltmaßregeln, die ihnen, den Kapitalgewalligen, nicht gestattet wäre. Sind sie doch die gehorsamen Stützen des BiSmarck Puttkamer'schen Regierungssystems, die allerunter- thänigst zu allem Ja und Amen sagen, was von oben angeordnet wird. Und so wenig wirklichen Bürgersinn haben diese Musterbürger, daß einer derselben, der Stadtrath Köhler, keinen Anstand nahm, zu erklären, „er lasse sich vom Fachverein keine Vorschriften machen, er füge sich nur dem Willen Bismarcks." Das ist der richtige Ausfluß de» Knechtssinn», wie er heute w Deutschland herrscht und systematisch gefördert wird. WaS Bismarck befiehlt, thun wir. ab« den Arbeitern zeigen wir, geschützt durch BIS» marck's Polizei und Polizeigesetzs, die F a u st. Das ist der KulwS der brutalen Gewalt— mtt ihrem unausbleiblichen Gefolge: der Korruption aller RechtSbeariffe. Der Bettug wird ge» heiligt und der Widerstand gegen den Betrug wird al» Verbrechen v«» folgt. ES fehlt uns der Raum, die Swzelhetten des schmachvoll««' Vorgehen» gegen die Crimmitschauer Weber noch in dieser Nummer zu schildern. wir werden die betreffenden Korrespondenzen in nächst« Rummer ver- öffentlichen. Für heute nur noch soviel: Geschähe nur die Hälfte von dem, was im gegenwärtigen Moment in Crimmitschau vor sich geht, in anderen Ländern, ,. B. in England, die betreffenden Arbetter würden noch ganz andere Antworten in Anwen» dung bringen als die, die Urheber des gegen sie eingeschlagenen Ver- sahrenS als S ch u f t e zu brandmarken. Es ist nur eine geringe Sühn« für die ihnen zugefügte Unbill, und wir sollten ihnen selbst dies» ver» weigern? Nimmermehr! An die Arbetter all«ortS aber richten wir da» Gesuch, den Webern in Crimmitschau durch Kernhaltung von Anzug und möglichste Anwendung von Unterstittznugeu in ihrem Kampf zur Seite zu stehen. ES wäre ein Triumph für die gesammte Arbeiter» s ch a f t, wenn e» gelänge, den Hochmuth der obengeschilderten Protzen zu brechen. D« Borstand d« sozialdemokratischen ReichstagSfraktion versendet das nachstehende Zirkular, daS wir, well auch für wettere Kreise von Interesse, hiermtt zur Kenntniß unserer Leser bringen. Mär» 1837. Wir machen unseren Gesinnungsgenossen hierdurch die Mtttheilung, daß in den Monaten Januar, Februar und März folgende freiwillige Beiträge eingingen: Zur Unterstützung der Familien der AuSgewiese» neu und politisch Gemaßregelten auS: Würzburg Mk. 3-. Halle ö-. R-ichenbach 100—. Fürth 46-. Fürth 5—. Stettin 35 50. Nürnberg H. 18 46, Schwabach 15—. Bielefeld 41 55. Königsberg 10 50. Sisenach 4—. RonSdorf 1#—) Schwabach 7—. Meerane 5 29. Apolda 24 50. Durlach 25—. Reut» lingen 1610. Zuffenhausen 6—. Urach 310. Eßlingen 11 80. Sprem« berg 10 50. Muskau 13 50. Potsdam 23—. Eßlingen 35—. S«a 50—. Liegnitz 20—. Hartmannsdorf 8—. Werdau 10—. Oed«a» 5 50. Ernstthal 26—. Danzig 35—. Danzig(M.) 100—. Bielefeld 20—. Barmen 16—. Ludwigshafen 170—. Sommerfeld 15—. Mannheim 30—. GerSdorf 30—. Kiel 200—. Teltow« Kreis 116—- L. B. Guben 10—. Braunschweig 200—. Sarau 15—. Braunschweig 20—. Js«lohn 30—. Frankfurt a. O. 15—. Hannov« 100—. Berlin 117—. Cottbus 50—. Hannover 200—. Brandenburg 150—, Würzburg 25—. Fürther Demokr. 100—. Offenburg 55 17. Löbtau 50—. Karlsruhe 50—. Dr. Br. 30—. Wilhelmshaven 30—. Dresden» Altstadt 150—. München 60—. H. Herliner Buchdrucker 30—. Ron«» darf 81—. Weimar 20—. Halle a. S. 50—. G«a 100—. Hemelingen 30—. Borne bei Magdeburg 3 15. R. W. B. 10—. Hamburg 1000—. Erfurt, das Bann« hoch 30—. Göppingen 2 70. Baden-Baden 5—. Vom Kyffhäuser 9—. A. M. B«lin 5—. Allezett Getreuer, Berlin 40—. Offenburg 2—. Hans, Berlin 2—. Lodernde Flamm« 2—. Achim 350. Lunzenau 3—. Alte Tannen 9 80. Crefeld 20 30. St. Tönis 6—. Dose L. 6 40. Guido Bu. 1—. Dessau 16—. Braunschweig 42—. Forst 21—. St. Johann 16—. Kiel 21—. Velten 30—. Hagen i. W. 8—. Velten 50—. Minden 8—. Köln 31—. St. Johann 30—. Bernbeuren 6—. Potsdam 5 50. Ronsdorf 200—. Barmen 300—. Hof 5 50. Rothgrün B«lin 30—. Mariendorf 24—. Osterode 30—. Humbolds-Kolonie 20—. Fürth 50—. Nürnberg M. 28 97. Hamburg 1500—. Jena 300. Deutscher in Genf 100—. Ulm 300—. Achim 30—. Lübeck 100—. Berden-Achim-Hämeling 200—. Düsseldorf 25—. Offenburg 10 73. Fdl. 30—. Weimar 10—. Forst 100—. Sarau 20—. Nürnberg Gr. 9 10. Hof 5 20. Fürth 10—. Hannover 100—. Cassel 30—. Spremb«g2l—. Oederan 5 50. Wahlkr. Potsdam Osthavelland 102 06 und 5 50. Kaufbeuren 10—. Augsburg 20—. Frankfurt a. O. 25—. Unt« Grün b. Iserlohn 10—. Gmünd 16 20. Düsseldorf 50—. Cassel 40—. Herford 5—. Werdau 21—. Branden- bürg 30—. Minden 58—. Hagen 3—. Barmen 225 50. Lechhausen 30—. Bremen 550—. Osnabrück 50—. Hannover 100—. Vom November und Dezember find noch nachzutragen auS: Apolda Mk. 30—. Rathenow 2—. Von einem Menschenfreund in Freiburg i. B. 5—. Breslau 30—. Stift Keppel 5—. Wolfenbüttel 20—. München Kr. 6 40. A. L. Fbg. i Schl.— 60. Gelsenkirch«» 4 50. M. L. Besigheim 60—. Hastedt Hemelingen 30—. LirWewHau» nover 4—. Cöthen Dr. W. 4—. O. L. Bredow 8—.*) Im Namen der sozialdemokratifchen Reichstag»- Fraktion: Grillenberger. Hasenclever. Meister. Singer. 1 Ueber die bei unS eingegangenen freiwilligen Beiträge w«ben wir demnächst quittiren und zwar, wie bisher, an der Spitze unste» Blattes.— Korrespondenzen- Köln, 15. April. Die Beleuchtung deS Treibens in der Rheint» schen Gummiwaarenfabrik zu Nippe», einer unserer Vorstädte» soll diesmal die Aufgabe unserer Zuschrift sein: außerdem be» zwecken wir auch, ein weiteres Beispiel zu liefern für die Verd«bniK der Sttten in den sogenannten besseren Ständen, die nicht genug über die Schlechttgkeit des Proletariats klagen können, und deren verbreche» rische Mitglieder doch nur deshalb nicht dem Zuchthau» verfallen» weil ihre Sippe die Gesetze macht und aussührt. F. C l o u t h, der Besitz« jeneS Werkes, gehört zu den Menschen, die für Geld zu Allem zu haben sind, und immer mtt der Regierung gehen, die ihren Geldsack schützt. Er wurde deshalb im„Kulturkampf" auch attkatholisch(seine Freunde behaupten, damit« in Nippe» keine Kirchensteuer zu zahlen brauchte, aber daS ist Verleumdung), eS genügte ihm schließlich sogar der altkatholische Herrgott nicht mehr, er ernannte fich nach berühmten Mustern selbst zum Gott. Es war im Jahr lOOLß am«sten Sonntag im Mai, als Clouth unter dem Thorweg seiner Fabrik einige Arbeit« erwartete, die zur SonntagSheiligung an die Werkbank bestellt waren, und statt Punkt 6 Uhr Morgens erst 67» Uhr kamen. Als alle versammelt waren, fuhr er sie auf preußisch an:„Wo seid Ihr gewesen?"— Antwort: In der Kirche.— Darauf P«tit» -„heirathest du nicht, so fliegst du heraus."«as manchem Dummkopf so schrecklich erscheint, daß er lieb« feine Ehre verkauft. Eine andere Ar« beiterin, A. D., hatte zum Geliebten einen jungen M»v. der«henfall» in der Fabrik arbeitete, bis Clouth dessen gewahr wurde, den Betreffen-. den dann mehrmals zu sich kommen ließ und ihn derart einzuschüchtern wußte, daß er sein Mädchen ausgab.(Fots. folgt.) Mainz, 25. April Wie Ihnen durch die Zeitungen bekannt sein wird, haben hier viele Haussuchungen und Ber hastungen stattgefunden; 15 Mann find noch in Haft. Die Verhastun gen«folgten a u f Grund einer, von Seiten der Böll-Leyendecker's chen«like eingereichten D enunztatio«, was ich sofort publizttt wünsche. Spezielleres in nächsten. Tagen. Hoff«nttich läßt man jetzt keine Schonung mehr gegen diese Sippe obwalten. Hätte man sie rechtzeitig unschädlich gemacht, so würde die letzt, Wahl ander» verlaufen sein. Schtveinfurt a/M. Wir haben hier einen Erfolg erzielt, ohne eine Versammlung abhalten zu können. Denn wir erhielten 2SS Stimmen gegen 143 im Jahre 1834. Die Herren Liberalen haben den Kriegs- schwinde! ordentlich betrieben, und ihre«rdeiter haben nach Vorschrift wählen müssen. Diese Herren können nicht begreifen, wie«in Arbeiter sich noch einbilden kann, auch für ihn sei die Wahl frei. Ja, wir Schweinfurter Arbeiter brauchen nicht erst durch Import Sozialdemo- kraten zu werden, wir find e» so schon, denn das RechtSverdrehungSpack sorgt selbst dafür. Advokat Buhlhaller, der vor vier Jahren wegen Wilddiebstahl angeklagt und— freigesprochen wurde, hatte dies- mal nicht» Eiligere» zu thun, al» Jagd auf so�ialdemolratischss Roth- wild zu machen, da» bringt keine Anklagen ein, im Gegentheil noch Nutzen. So geht» hier zu. Unsere Stadtväter, die seinerzeit fl8SK) die Stadt an Preußen verschachern wollten, brüsten fich jetzt mit ihrem PatriotiSmu» und ihrer Vaterlandsliebe. Wir werden auch bei der LandtagSwahl selbständig vorgehen, damit fich unsere Gegner überzeugen, daß die hiesigen Sozialisten keine Fremd« sind, auch keine Smiffäre, sondern veritable Bayern. Voriges Jahr wurde hier einem Arbeiter eine Versammlung verboten, der schon sieben Jahre hier ist» unter dem Borwand, er sei ein Emissär der Sozialdemokraten, und«chönlank, der referiren sollte, sei wegen Geheimbündelei bestraft. Genützt hatte es doch. Hätte Karl Sattler— einst Schweinfurts großer Bürger— am 22. März fich im Grabe noch regen können, er würde diesem Schmarotzerthum mit Verachtung den Rücken gekehrt haben. Sind das noch Eure 48er Ideen, den Kartätschenprinz zum HeUigen machen? Fmk damit, e» lebe die Zukunft! Ein alter 4Ser Revolutionär. Steele, im April. Von unserer Wahlbewegung ist nicht viel zu de» richten, weil e» hier allerwärti an Versammlungsverboten sowie an Ver« Weigerung der Lokale von Seiten der Wirthe nicht gefehlt hat. Auch von Seiten der Polizei wurde AlleS aufgeboten, um uns hinderlich zu sein. So wurde das Flugblatt„An das deutsche Volt" konfiszirt, und wegen Verbreitung desselben stehen auch verschiedene Genossen unter An- klage. Die Gerichtsverhandlung findet am 20. April statt. Auf den Aus- gang find wir gespannt, trotz alledem ist Steele mit Kray und Schanne- deck noch über die alte Stimmenzahl hinausgekommen. Im Jahr 1884 hatten wir in diesen drei Bezirken 73 Stimmen und diesmal hatten wir 80 Stimmen. DaS ist gewiß wenig, aber gegen die Dummheit und Heu- chelei kämpfen selbst die Götter vergebens. Darum, Genossen, lassen wir uns nicht beirren und stehen fest zu unserer Fahne„Roth". Den Schwur, welchen wir am Geburtstage Lassalles, den 11. April, unter Bufhlssung einer rothen Fahne auf dem höchsten Schornstein der Zeche Deimelsberg — 200 Fuß hoch— erneut haben, werden wir halten, und keine Polzei« Chikane, so wenig wie die Maßregeln der Kapitalwirthschast, und so wenig wie die Pfaffenherrschaft werden uns hindern, unsere Weg« zur Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit zu wandeln, auf daß das arbeitende Volk aus seiner Sklaverei gerettet werde. Die Rothen von der Ruhr. ftöttigSberg in Pr. 2 8 April. Wegen seiner bekannten Bro- schüre wurde Genosse Godau zu Mk. 50 Strafe und in die Kosten verurtheilt. Derselbe hielt alles darin Gesagte aufrecht, da es nun einmal seine Meinung war, daß die Arbeiter der Staatswerlstätten rücksichtslos aus- gebeutet werden. Meinungen fallen bekanntlich nicht unter§ 131, deshalb wurde Godau„wegen Beleidigung des Kriegs- und sonstiger Minister"(auf§ 185/88) strafwürdig be- sunden. Eine Erklärung der StaatS-Werkflätten-Arbeiter,— gegen die von Godau verttetene„M e i n u n g", ist bis jetzt nicht bekannt geworden. Der Frieden ist gestchert. Görlitz, im April. Der Wahlkampf ist vorüber, und die Partei Bis- tnarck aanx phraae, die langersehnte, in Thätigkeit. Eine Majorität patrietficher«cmchruttch» Ist in« Parlament gemtquelt unb ha» bereit« das Baterland gerettet.„Jeder Rann und jeder Groschen" ist bewilligt; die anderen lleberraschungen werden folgen.„Das Septennat ist der Friede." Run kann der Bauer wieder in Ruhe seine Kohlrüben bauen, bei seinen väterlichen Ochsen wohnen und seine geistige Ausbildung Itter- weise vom gnädigen Herrn beziehen. Run kann der Spießbürger seine Schlafmütze wieder über die Ohren ziehen, und aus den Militärvereinen wird die Politik wieder verbannt. Gewisse hoch- und höchststehende Hoch- stapler haben—„meine Tante, deine Tante"— durch Ausbeutung der Kriegsdrohungen an der Börse oerdient, ein reicher Ordenssegen wird die Aufopferung ihrer Preß- tc. Komites belohnen, und der innere Feind wird mit Religio« und Magazingewehren darniedergehalten. Jetzt, Ar- better, fleißig, damit Profitchen gemacht werden. Selig, o selig, ein Deutscher zu seinl Die Freude ist groß, doch nicht nur bei den„staatSerhattendm Par- teien".„Bon unten auf" tönt den vom Siege Berauschten ei« spöttt- sches, unheimliches Lachen in die Ohren, und ihre irrenden Augen buch- fiabiren das flammende„Mene tekel". Der Zersetzungsprozeß der alten Parteien hat begonnen, ist vielleicht schon halb vorüber. Das Volk er- klärt sich gegen seine Unterdrücker, die ihrerseits fich koaliren. Run wird der Kampfplatz frei zum letzten, entscheidenden Waffengange. Hat die Sozialdemokratie wirklich das Richtige getroffen, alS ste noch einem reich- lichen Dutzend sogenannter„Freisinniger" ihre Mandate schenkte, die ihrerseits dem geliebten Kartellbruder zum Siege oerhalsen? Was hat da» Boll von Freisinn und Zentrum zu erwarten? Aufhebung des Ausnahmegesetzes? Illusionen. Wahrung des Wahlrechts? Haben Jene für amtliche Wahlkouvetts gestimmt, für Einführung des allgemeinen, geheimen und diretten Wahlrechts zu den Landtagen und Kommunal- Vertretungen? Treten sie für den Normal- Arbeitstag ein? Halten sie das freie Vereins- und Versammlungsrecht hoch, wenn sie nur Liberale einladen und Nichtliberalen das Wort nicht gestatten? Nichts von alle- dem. Große Mäuler, und im klebrigen— die eine reaktionäre Masse. Nun zu unserer hiesigen Wahl. Die Genossen werden inzwifchen aus den Berichten unsere Stimmabgabe erfahren haben. Wir hatten 1878: 800; 1881: 1700; 1884: 2058; 1837: 8850 sozialdemokratische Stim- men. Außer letzteren wurden diesmal noch etwa 20 Stimmen für unfern früheren Kandidaten, Hugo Keller, abgegeben, sowie eine größere Anzahl sozialdemokratischer Stimmen gemogelt, so daß wir eine Zunahme von rund 1400 Stimmen oder«3% zu verzeichnen haben. Angesichts des unerhörten und schamlosen Drucke«, der diesesmal von allen Seiten aaS- geübt wurde, ist dieses Resultat ein hocherfreuliches. ES standen sich hier der konservative L a n d r a t h von Seidewitz, der freisinnige Stadt, ,ath Lüders, und von unserer Seite Robert Conrad aus Breslau gegenüber. Die Konservativen arbeiteten wie wüthend mit hier noch nie gskanntem Eiser. Polizei und Gensdarmen, Post und Telegraph, Ge- meinde- und Amtsvorsteher, Büttel und Nachtwächter, alles wurde auf- geboten, weder Geld noch Druckerschwärze, weder Lüge noch Säbelgerassel geschont, den Landrath durchzudrücken. Generäle und Obersten hielten Wahlreden in den Rilttärvereinen, Postbeamte schleppten mitten in der Nacht Flugblätter und Stimmzettel aus dem konseroativen Wahl- büreau wagenweise hinweg, und allein an Postmarken verbrauchte man an einem Tage 40,000 Stück. Mit demselben Eifer vertheidigten die Freisinnigen ihren bisher innegehabten Wahlkreis. Dem gegenüber hatten wir»wen schlimmen Stand. Schon die erste Bersammlung, fünf Tage na» der Auflösung de» Reichstages, die in den Reichshallen, mit Ge, noss« Christenjen(au» Berlin ausgewiesen) als Redner, stattfand, wurde »ei einer ganz harmlosen Stelle ausgelöst. Eine gute Vorbed-ulunz, Run konnten wir in Görlitz keine Versammlung mehr abhalten, weil wir S unfern Kandidaten nicht die polizeilich« Approbation eingeholt hatten. wc früher« Kandidat, Keller, durste einmal sprechen.) Die un» sonst p« Verfügung gestandenen größeren Säle wurden un» abgetrieben» die übrigen im Borau» verboten, sogar den Wirthen bis zu 50 M. Strafe angedroht, unter allerlei Vorwinden, unter Anderm auch, daß dem dt« Säle zu klein seien. Da uns nun der General-Jntendant, Graf Hoch- lerg, auch die sehr geräumige Musiksesthalle verweigerte, wurde«ine Bersammlung unter freiem Himmel aus dem Zehntausend« faflendt« Spielplatz an der Reiße angemeldet, selbstverständlich aber verboten, da „det dem voraussichtlich ungeheuren Andrang« Jemand erdrückt werden iönnte". Gerührt durch diese väterliche Fürsorge kamen wir zur Erkennt- niß unseres frevelhaften Beginnens und standen von wetteren Be>such«N ab. Ebenso erging es auswärt». Trotz aller Bersuche konnten wir in dem gegen 250 Ortschaften zählenden Wahlkreise nur eine einzige Lersamm» lung abhalten, und zwar in Penzig, wq Conrad in einem kleinen Välchen vor ein paar hundert Arbeitern sprechen konnte. Diese Ber- sammlung brachte dem Wirth, Barndt, den Verlust seiner Existenz. Unter dem Vorwande, die Treppe sei zu eng, verweigerte ihm der schuftige»mtsvorsteher— leider ist un» sein Name entfallen— von da au jede Tanzkonzeffion, so daß er sein Grundstück verkaufen mußte. Wir verbretteten nun drei Flugblätter in 30,000 Exemplaren. Hier- bei ereigneten sich förmliche Jagdszenen. Die in der Stadt sistirten Ber- bretter derselben, sowie von Sttmmzetteln, entließ man zwar sofort wieder, die Amts- und Gemeindevorsteher geberdeten sich jedoch wie unumschränkt herrschende Paschas. So wurde in Seidenberg da« Material. Flug- blätter und Stimmzettel, weggestohlen; so in Schwerta, wo der Bettelvogt überdies noch unsere Genossen, die man erst inhaftirt hatte, »um Orte hinaus— geleitete; so in Lauban, wo der Lümmel von Polizetinspektor(von dem gelegentlich einmal die Rede) zwei Genossen IS Stunden eingesperrt hielt; so W KunnerSdorf, wo man, unter Anführung des Rittergutsbesitzer» von Liebstein, unsere Genossen im WirthshauS Abends überfiel und sie schwer zurichtete und mißhandelte; so in vielen anderen Orten. Die Wahlmogeleien selbst waren mitunter unerhört. Um nur ewige Fälle anzugeben, s» öffnete Kammerherr von Kranach-Sohra während des Wahltages mehrmals die Urne refp. den Wahlkasten und — il faut oorriger la fortune—„regulirte" die Stimmzettel. Beim Auszählen erklärte derselbe edle Herr und Kartoffelbaron alle Zettel für Conrad als„politische Stimmzettel"—(kein Scherz!)— und ungiltig. In Ni krisch stand der herrschaftliche Kutscher unwett des WahltifcheS, besah die Zettel der Wählenden und tauschte die„un- richtigen" um. Rtttmeister von Witzleben inRoiS öffnete den Zettel eine« Knechts und zeigte ihn sewem Herrn mit den Worten:„So wählen Ihre Leute." In LangenölS wurden 30 Zettel für un- g i l t i g erklärt, weil der Name durchstrichen und der unfereS Kandidaten dafür hingeschrieben war.— Alle diese und andere Wahlschweinereien find zu einem Protest gesammelt und dieser eingereicht worden. Bei der Wahl selbst herrschte eine große Begeisterung. Görlitz selbst gab 2750, Penzig, unser Nachbarott, IIS Sttmmen ab(gegen 48 von 1884); auch andere Ottschaften hielten sich ganz brav, hauptsächlich der Görlitzer Kreis. Stadt Lauban gab nur 42 Stimmen für uns ab, ebenso kann der Bauer es immer noch mit dem gnädigen Herrn, der wo möglich auch gleichzeitig der Landrath ist, nicht verderben. Glaubt er doch„Thron und Altar" zu schützen, das Eigenthum zu retten und die Familie zu erhalten, die Familie, das Hettigste, was er besitzt, denn seine Frau brachte ihm ja 1000 blanke Thaler, eine Kuh und zwei Schweine mit in die Wirthschaft. Wie vorauszusehen war, wurde engere Wahl nothwendig zwischen LüderS und Seidewitz. Die Entscheidung lag bei uns. Den Freisinnigen schien es selbstverständlich, daß die Sozialdemokraten für Ersteren stimmen mußten, hatte es ihm doch Max Kayser in Berlin schon versprochen, wie Herr Lüders selbst erzählte. Wird wohl nicht stimmen, denn wie käme Kayser dazu? Das Komite beschloß, die Wahl Lüders zu empfehlen, wenn er sich ver- pflichte: 1) Für die Aufhebung aller Ausnahmegesetze und für unge- hinderte Ausübung des Koalitionsrechtes der Arbeiter, 2) für das all- gemeine, gleiche, geheime und direkt« Wahlrecht bei allen Wahlen, also auch zu den Kommunalverttetungen und Landtagen, 8) für Einführung von Arbeiterschutzgesctzen, speziell eines zehnstündigen RormalarbettstageS, einzutreten. Hinsichtlich des dritten Punktes betonten wir, auf eine minimale wirthschastliche Forderung nicht verzichten zu können. Lüders ging ein auf 1 und 2, lehnte 3 jedoch ab, worauf von Seiten des Komite Neutralität beschlossen wurde, eS jedem Parteigenossen über- lassend, nach Belieben zu thun. Hierbei kamen einige Mißverständnisse vor. Plötzlich erschien am Wahltage als äsns ex machlna Herr Keller, von dem oben schon gesprochen, mit einem Flugblatt auf der Bildfläch« (vor und bei der Hauptwahl hatte es Keller nicht für nöthig gehalten, irgend wie für unfern Kandidaten thätig zu sein), den Arbeitern die Wahl Lüders empfehlend— dieselben hätten so wie so LüderS gewählt. Dafür wurde ihm die Ehre zu Theil, beim Liberalen als Schreiber sungiren zu diirsen. Abend» am»mstondstizch miizusiyen, brausende Hochs von dem- selben auf sich ausbringen zu lassen und später am Kommers der frei- sinnigen Partei theilnehmen zu können. Sei ihm die Ehre gegönnt. Unsere Ehre ist es, für unsere große, heilige Sache zu kämpfen und zu leiden. Gestern wurden zwei Genoffen zusammen zu 4'/, Monat verknurrt, Wettere» schwebt noch. Nach Erledigung Näheres. Mit sozialdemokrati« schem Gruß! Unverzagt vorwärts. Bergen(Norwegen), 18. April. Wenn ich nicht irre, so örachte das Parteiorgan vor längerer Zeit eine Notiz über die Existenz eines Arbeitervereins hier im hohen Norden. Ich füge hinzu, daß es deren zwei gibt, die man aber wohl von einander trennen muß, um Mißver- ständnissen vorzubeugen. Der eine zählt unter seinen Vorstandsmitgliedern «inen Banksekrctär und nimmt seine Mitglieder aus dem„zünftigen Meister- und Gesellenstand". Der andere muß fich mit der miaora pleba genügen lassen. Ersterer heißt„Arbeiterverein"(I), letzterer wurde am 27. Juni 1888,„um keinen Anstoß zu erregen," wie es damals hieß, „demokratischer Arbeiterverein" getaust. Bis vor einem halben Jahre hatten wir auch unser selbständiges Organ, den„Arbeiterfreund", aber Dank der geringen Bildung der meisten hiesigen Arbeiter, deren Er- weckung zum politischen Leben außerordenlliche Schwierigkeiten bittet. Dank serner einigen Strebern, die sich, ohne auch nur die geringst« Berech- tigung dazu zu haben, gern als„Führer" aufspielen wollen— ein Größen- wahn, von dem man sie hoffentlich mit der Zeit wird kuriren können— mußten wir das Blatt eingehen lassen und stützen nun unser Bruder- organ in C h r i st i a n i a, ohne jedoch aufzuhören, so lange zu agitiren, bis wir wieder mit einem selbständigen Mauerbrecher Hantiren können. In der Zeit, wo der„Arbeiterfreund" herauskam, blühte auch«ine kräf» tige Fachvereinsbewegung, die dem mittelalterlichen„Handwerkergesellen- verein" schwer zu schaffen machte. Da»„zünstige" Blatt„Handwerk" leidet an starker Abonnentenschwindsucht, und ist außer im Redaktions- lokale nur hie und da bei Kaufleuten, die e» schnöderweise zu Emballage benutzen, anzutreffen. Ein Sproß unseres demokratischen Vereins hat in einem Borort« bei Bergen, wo eine große mechanische Werkstatt ist, Wurzel geschlagen und scheint sich von uns ganz loSlösen zu wollen. Warum? Weil er mtt dem zweiten Punkte de» allgemeinen Programm« nicht einverstanden ist, sondern e» mit Henry George hält. Das Programm des Vereins ersetzt unsre„ProduktionSübernahme durch den Staat", welches die lei> tenden Minner als Utopie oder doch mindestens als in weiter Ferne liegend erklären, durch da» George'sch«„Einziehung von Grund- und Bodenrente durch den Staat" und hält das für das einzig Wahre. Dies« Leute haben nämlich keine anderen Schritten al» die George'« gelesen, und der nahezu(besonders gegen Schluß) romanhafte Stil feine» Buches „Fortschritt und Berarmung", da» ihr Alpha und Omega ist, hat sie. scheint mir. geblendet. Nicht ohne Einfluß ist wohl auch der in George'» Schriften herrschend« religiös« Geist gewesen, denn ohne Christenthuin gehis hier oben bei den Massen noch nicht. Wir haben versucht, die Leute un» wieder zurückzuführen, aber e» gelang uns da» nicht, weil wir nicht unser Programm abändern wollten. Hoffentlich werden wir mit der Zeit auch s i e, kotz ihrer Hartnäckigkett, unter unser« Patteigenossen zählen. Die hiesige Polizei nimmt sich unsrer sehr wohlwollend an. Vielleicht ist e» Tuch bekannt, daß der Literat und Maler Chr. Krogh in seinem Buche„Albettine" in musterhafter, vorzüglicher Weis« die Unmoralität in Rorweg-nS Hauptstadt, die sich besonders in den oberen Schichten findet, gegeißelt hat. DaS Buch wurde von der Polizei beschlagnahmt. Nun haben wir aber ttn Gesetz, nach welchem die Borlesung solche, Bücher in geschlossenen B-reinen gestattet>st. In Ehristiania, wo da» Buch erschienen und verboten ist, durste unser Bruderoerein eine Bor« lesung von„Alberttne" vornehmen. Al« wir«in Gleiche» unsren Mit- gliedern bieten wollte«, verbot«S uns die Polizei. Späterhin mehr. Wir„buddeln" rüstig wetter. Sprechsaal. Zu,«ffäre Schivennhagen in Stettin(sieh,„So,." Rr.\») fchreibt man un», daß dessen angebliche Verhaftung« welch« dt« Presse meldete, gar nicht stattfand,„denn vchwennhaan» f»ei au» dem Saale gegangen." Ein« gcmz besonders»erdächtig« Persönlichkeit hier am Ott- mt e» dam» wetter— verdient indessen gleichfalls unsere votti aufmecrfamreit. Es ist die» der Haararbeiter Prietz, der mit der PotS zei auf sehr gutem Fuße steht. Alle seine früheren Freund« die gar nicht in der Oeffentlichkeit bekannt waren, find nämlich durch Denunziation der Polizei plötzlich bekannt geworden, während Prietz'» Ausweisung auf unbestimmte Zeit zurückgenommen wurde. Stettin hat er übrigens jetzt auch verlassm müssen. «'!5Jn e'nen großen Sozialistenprozeß gebe» wird,«nßte Prietz imBorau» und äußerte fich gelegenttich, che er aus StetttA ginge, wären sie Alle hinter Schloß und Riegel. Wie wett bei den Uc retts hinter Schloß und Riegtt Sitzenden Prietz die Hand im Spich« hat, wkd fich wohl herausstellen. Wir hielten«S für unsere Pflicht, die« öffentlich zu konstattren, d» mtt man vor dem Prietz aus der Hut ist. wo er fich einstellt. Brieftastm de» Expedition:(Fortsetzung der Eingänge t> B st. Nr. 1 7 ad 8/4.) Sesammell von Gm. in»lloa(6'/- Sh.) Sti 6 28 pr. UfdS. dkd. erh., Qttg. in 17 demgemäß reduzirt.— R..W. Ztg. D.:«».4 40 Ab. 2. Du. erh. Sdg. in Gang.- S. S.Bbrücke, Mi. 8- Ab. 2. Qu. u. Schst. erh. Bfl. Weiteres. Wfd. berttts te R» 4 quittirt.— Rothenberg: Rk. 3 20 Ab. 2. Du. ,c. erh. Gibt nur di« eine Nummer.— Gebr. HerminghS. St. Louis: Fr. 151 so» Cto Ab. k, erh.— I. Strauß 91.»?).: Fr. 40 50 a Cto Ab. tc. erh. Strafporto S. kostet 80 EenttmeS.— Barba u. Gen.: Mk. 1280 Ad.% Du. erh. Adr. nottrt. Auf S. W. stüher quittttte Rk. 5 30 eingereiht: Willkommen.— Georg Schwd.: Fr. 1 75 f. dw. v. u. Schst. erh. Ata, nach Wunsch.— Kümmeltürke: Mk. 10— Ü Cto. Schst. erh. Fchlende» vergriffen.— Rother Jlletthaler: Mk. 5— Ab. 2. Du. u. Schst. ech. Chsschst. ist nicht nöthig.— Rothe Wanze: Rk. 1— Ab. April«. F. erh.— H. Lf. N.-E.: Mk. 5 78 ä Cto Ab. er. erh.— Fuchs: 100 ML. ä Cto Ad. tc. erh. Adr. geordnet. Lstllg. folgt. Dhst. war hier ntch» abgemeldtt.— Fwth. Zch.: Fr. 2— Ab. 2. Du. erh.— F. B. Bergen? Fr. 4—(3 Kr.) Ab. 2. u. ä Cto 3. Du. erh.— 355. Tdm. Ostrg./ Fr. 125 Ad.>Rest 2. Du. erh.— Ziother HanS: Rk. 120— ä Stoß W. tc. erh. Bstllg. folgt.— Großes Zuchlhau»: Mk. 8 80(nicht 4 60) ä Cto Ab. gutgebr. Bfl. mehr. Msch. gut.—-er-: Rk. 11 80 Ab. T Du. erh. Adr. geordn.— Seesturm: Rk. 3 50 3lb. 2. Du. u. R. TS erh. Wissen Sie etwas von F.?— I. G. M. i. W.: Rk. 2 10 Ab.» Rest 2. Du. erh. Adr. notitt.—»lex: Fr.—70 f. Schst. erh.— 3iuz? öwfl. 6— i Cto Ab. tc. erh. Adr. u. Bstllg. notitt.— Hansen; SB& 1 60 f. R. W. 2. Du. an Vbchhdlg. bezahlt u. pr. C. belasttt. Bruno: Dttg. in Nr. 10 über Mk. 300— ä Cto Ad. tc. pr. v. laus neuerem Aufschluß ungiltig. WettereS bfl.— Lionel: Mk. 290— ä Cto Ab. tc. erh. Adr. nach Wunsch nottfizirt. Vorausgegangenes nun- mehr geordn.— WolfuS: Mk. 58 29 ä Cto Ab. tc. erh.— Remscheid? Mk. 70— pr. UfdS. dkd. erh.— Scheide: Angelegenheit L. geordnet.' Alles dkd. erh. Bfl. Weiteres.-»llz. Arb�Ver. Biel: Fr. 24— AS» 1. Du. erh.— Vom Unverbesserlichen Rr. 8 aus Porto Megre: Fv 106 80 pr. L. Zch. erh. u. hievon Fr. 15— Lb. I. u. 2. Du., Fr. 5-� s. d.„Metallab.-Zig." u. Fr. 88 90(Gesammkest)) per Wsd. dkd. vench — Oncel: Rk. 10 40 Ab. 2. Du. erh. Wettere» wird geordnet,-j P. Ltr. W. Ölten: Fr. 2— Ad. 2. Du. erh.— Bwz. Stbg.: Mk. 8-3 Ab. 2. Du. erh.- X 3 V: Mk. 40- ä Cto 3>lb. erh. Adr. geordis W Rother Blutfink: Rk. 46 66 a Cto Ab. tc. erh. Beil. abg.— Com» merzienrath jr.: Mk. 5— a Cto Ab. erh. Beil. besorgt. Sesuch wo» durch— llo aus Wontag angesagt, deshalb Dienstags verfehlt, D. A. Wlt. Bdck.: Mk. 50- a Cto. Ab. erh. Bfl. Wettere» denmächp F. G. Htlbn.: Mk. 2— Ab. April u. Rai erh. Anzeigen. Gesuch. Sin tüchtiger Barbier- nnd Friseurgehilfe wird für fofott in Deutschland gesucht. 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