Kbs««emettks M ollen MninttOttj, sowie bei» Sßttluj Wik kessen deiannlen Agenten «gegengenommen. unk>«ar zu» bnrauS»ahlbaron Bierteljohrbpreii von: tirkieSchweijsKreuzba»� ®ft. 8,— für Teuischlonk(Souvert) Il> 1.7» ftir Oesterreich tCouvert) ?r. 8, SV fir oll« übrige» Linker ke» Beupostvereini(»reuzbankj. Ziseriie kie kreigespoltene Petitzeilt LS StS.--- Lv Pfg. Der mialdeMkrat Hrgan der Soziatdemokraiie deutscher Zunge. ixfötirt In Zürich(Schweiz). �?ettag k« •«((•»««lanklHMf Hvttlnaeu.Zarli». ?«ßse»»«»iei srnnk« gegen sranl». Gewöhnlich« Vlies« nach ker Schwei, lösten Doppelporio. �19. Brief« on kie Siekoktion unk Erpebition ke» In Keutschlonk unk Oesterreich verbotenen.Eoziolketnokrot� wolle matt unter Beobachtung äußerster Äorsicht abgehen lossm. Zn ker Iiiegel schicke man UN» kie Briefe nicht kirelt. sonkern an kie belannten Deckakressen. In zweifelhasien Fällen eingeschrieben. 6. Mai 1887. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Die deutschen Sozialistenpro�effe. Bei Besprechung des Frankfurter Sozialistenprozesses und »och bei einer späteren Gelegenheit hoben wir hervor, wie das ganz besonders Widerliche unserer modernen deutschen Sozia» listenprozesse— das, was sie von allen anderen politischen Prozessen unterscheidet und odiöser als sie alle erscheinen läßt, darin bestehe, daß sie sich gegen Handlungen richten, die nach allen Rech tsbegriffen und nach gemeinem Recht nicht strafbar und nur durch ein, allen Rechtsbegriffen Hohn sprechendes Ausnahmegesetz für einen Theil der Bevöl- kerung künstlich zu Verbrechen gestempelt worden sind, wäh» rend der übrige Theil der Bevölkerung diese nämlichen Hand- lungen ungestraft begehen kann. Uln nicht weiter zurückzugreifen, wollen wir die neuesten Prozesse, d. h. diejenigen, die entweder in jüngster Zeit zum Austrag gelangten oder die noch augenblicklich schweben, kurz Revue passiren lassen. Und zwar blos die der Quanti- tät nach bedeutenderen— wir meinen die, in welchen die meisten Personen verwickelt sind. Da haben wir zunächst den Posener Sozialistenprozeß. WaS wurde den Angeklagten zur Last gelegt? Daß sie ein Wahlflugblatt verbreitet hatten, welches den Angehörigen keiner anderen Partei als strafbar angerechnet worden wäre. Jndeß-- die Verurtheilung erfolgte auf Grund von Paragraphen des R c i ch s strafgesetzbuches, welche auch schon auf Mitglieder anderer Oppositionsparteien angewandt worden sind, und wir wollen drunz Siss J&ieses Beispiel hier hin Gewicht legen. Dann haben wir weiter den Magdeburger Sozialisten- Prozeß mit fast hundert Angeklagten. Was ist diesen zur Last gelegt? Theilnahme an einer geheimen Verbindung im Sinne der M 128 und 129. Das sind allerdings Paragraphen des gemeinen Strafgesetzbuchs, aber die sogenannten„Straf- thaten", um welche es sich handelt, sind erst durch das Sozialistengesetz geschaffen worden. Wir wollen einmal annehmen— ohne es irgendwie Zuzugeben—, die Angeklagten hätten Alles gethau, wessen str angeklagt sind. Gut. Dann sind sie zusammengekommen, um sich über öffentliche Angelegenheiten und namentlich über die Wahl zu berathen, und sich in Bezug auf daö im öffent- licheu Leben, namentlich für die Wahl Rothwendige oder Zweckmäßige zu verständigen. Das ist doch gewiß nichts Straf» „Nein, gewiß.nicht", wird uns jeder Vernünftige beipflichten. Uud man wird auch nicht in Abrede stellen können, daß so» Wohl die deutsche Reichsverfassung als das Grund- Besetz sämmtlicher deutschen Bundesstaaten das Recht, «iue solche Thätigkeit auszuüben, solche Handlungen zu begehen, ausdrücklich anerkennen und gewährleisten. Und man wird uns des Ferneren zugestehen müssen, daß es kein zivilisirtes Land der Erde gibt, in welchem nicht eine solche Thätigkeit nicht nur als ehrenhaft, sondern positiv a� Pflicht eines, auf den Namen eines freien und gebildeten Mauues Anspruch machenden Staatsbürgers betrachtet wird. .„"» und hier kommt das verhängnißvolle Etwas, wel- cheö mit seinem Gift unser StaatSleben zerfrißt und die poli- ttsche Atmosphäre verpestet— aber was dem Einen Recht »st, ist dem Andern nicht billig— was dem demokratischen, freisinnigen, ultramontanen, natioualliberalen, konservativen Staatsbürger erlaubt ist, ja bei letzterem von unseren heutigen Machthaber» als politische Pflicht gefordert wird, ist dem Staatsbürger, den die Logik der Thatsacheu und sein eigener gesunder Menschenverstand zum Sozialdemokraten gemacht haben, bei Strafe verboten. Kann, waö des Einen Recht und Pflicht ist, des Andern Unrecht und Verbrechen sein? Das ist Widersinn. Und daS menschliche Gewissen, aas menschliche Rechtsgefühl, das in dem Satze gipfelt: .Gleiches Recht für Alle", lehnt sich empört auf und lagt: Nicht die Männer begehen Unrecht, welche nach Recht »nd Pflicht handeln, sondern die, welche eS ihnen verwehren und sie deshalb zu Verbrechern stempeln. Doch weiter. Der Stettiner Sozialistenprozeß, der einige Dutzend Staatsbürger auf die Bank der Angeklagten bringen wird. Dasselbe Lied. Die Ausübung staatsbürgerlicher Rechte und Pflichten Gegenstand der Anklage. Nichts sonst. Keine Gewaltthätigkeit, kein Akt der Unordnung, kein Angriff auf Perfv» oder Eigenthum— � nichts. Nichts, als was recht »nd gut und jedem Anderen erlaubt ist, der kein Sozialdemokrat ist. Wo bleibt da das Gewissen? wo das RechtSgefü hl? wo daS Recht und der gesunde Menschenverstand? Die Prozesse, welche aus den Massenverhaftungen in Hamburg, Leipzig, Mainz u. s. w. hervorgehen wer- den— was liegt ihnen zu Grunde? Wiederum die Aus- Übung eines staatsbürgerlichen Rechtes und einer staatsbürgerlichen Pflicht. Wiederum Handlungen, die bei anderen Staatsbürgern nicht bestrast werden und um- gekehrt— und mit Recht— für verdienstliche, ehren- und tugendhafte— Bürgertugend l— Handlungen gelten. „Eine unrichtige Darstellung des Sachverhalts"— poltert ein Staatsanwalt, der diese Zeilen liest, vielleicht hervor— „die Prozesse in Magdeburg, Stettin, Hamburg, Mainz, Leipzig u. s. w. sind deshalb angestrengt worden, weil die An- geklagten verbotene Schriften verbreitet und sich au geheimen Verbindungen betheiligt haben oder solcher Handlungen dringend verdächtig sind." Ganz recht, Herr Staatsanwalt. Schade nur, daß damit gar nichts gesagt ist. Daß Sozialdemokraten verboteneSchriften verbreiten, soll sicherlich nicht geleugnet werden. Es wäre eine Schmach für die Menschheit, wenn eö anders wäre. Denn warum verbreiten sie verbotene Schriften? Weil man ihnen durch ein Ausnahmegesetz die Ausübung des politischen Grundrechts, der freien Meinungsäuße- rung verboten hat. Herrschte in Deutschland Preß- freiheit, wie in allen wirklichen Kulturländern, und wäre das so gern zitirte Wort: justitia fundamentum regnorum — die Gerechtigkeit ist die Grundlage der Staaten— eine Wahrheit, und nicht eine jämmerliche Heuchelei, so gäbe es in Deutschland keine verbotenen Schrif- ten und folglich auch keine Verbreitung verbotener Schriften. Das Verbrechen liegt im Verbot, nicht in der Ver- breitung verbotener Schriften. Diese ist vielmehr blos ein Akt der Selbsthilfe des vergewaltigten Menschen- g eist es. Die Herstellung pnh. die Verbreitung verbotener Schriften hat zu allen Zeilen für ebenso ehrenvoll und edel gegolten, wie das Verbot von Schriften für ehrlos und kleinlich. Wir erinnern nur an die glorreiche Rolle, welche die in Holland gedruckten und von da auS verbreiteten „verbotenen Schriften" vom Anfang des vorigen Jahrhunderts bis zur französischen Revolution im geistigen Emanzi- pationskampf des achtzehnten Jahrhunderts ge» spielt haben. Und wir erinnern an die ähnliche Bedeutung, welche, wie vielen unserer Leser noch in Erinnerung, die Ver- breitung verbotener Schriften in den vierziger und zu Anfang der fünfziger Jahre unseres 19. Jahrhunderts für die freiheit» liche Entwicklung und die freiheitlichen Bestrebungen deS deutschen Bürgerthums gehabt hat. Dem Metternich- scheu und später dem M ante uffel' scheu Regiment durch Verbreitung verbotener Schriften ein Schnippchen zu schlagen, galt jedem anständigen Mann für eine Ehrensache und für eine Ehrenpflicht, und wer einen der Verbreiter de- nunzirt hätte, wäre der gesellschaftlichen Acht verfallen. Freilich, eS dachte auch Niemand daran, eine so selbst- verständliche Handlung strafbar zu finden. Es war dem deutschen Bas-Empire(Byzanlinerreich) der Bis- marck, Jhring-Mahlow und Puttkamer vorbehalten, Staats» anwälte und Richter zu züchten, welche in der Verbreitung ver- botener Schriften und Bücher ein Verbrechen zu erblicken und Männer, deren einziges Verbrechen es ist, ein Naturrecht auszuüben und dem unterdrückten Menschengeist Luft zu verschaffen, eifriger und grimmiger zu verfolgen vermögen, als Räuber und Spitzbuben verfolgt werden. Uud die„geheimen Verbindungen" l Das Wort ist so gru- selig. Der Philister denkt dabei an Behme, Gift, Dolch und Dynamit. Was aber ist's in Wirklichkeit? Daß Sozialdemo- traten, weil die Polizei sie an öffentlichen Versammlungen hindert, privatim zusammenkommen, um über Wahlen und sonstige politische Thätigkeit sich zu berathen, d. h. um zu thun, was selbstverständlich und waS keinem nicht sozialdemokratischen Wähler verwehrt ist. Wo steckt da daS Verbrechen? Nehme man an: irgend ein Tyrann— die Sache ist schon dagewesen— verbiete Jemand die Befriedigung eines natür- lichen Bedürfnisses. Was wäre die Folge? Die Ratur würde ohne polizeiliche Erlaubniß ihr Recht fordern. Und wer wäre der Verbrecher, der Schurke? Der Tyrann oder sein Opfer? Genau ebenso verhält eS sich mit der Unter- drückung des Versammlungsrecht«. DaS eine wie da« andere ist ein Verbrechen am einfachsten Men- schenrecht, ein Attentat auf d»« Natur. Und in beiden Fällen nimmt sich die Natur das ihr schnöde geraubte Recht. Wer poetische Zitate liebt, kann sich die berühmten Schiller'sche» Verse, ans„Wilhelm Tell", ins Gedächtniß rufen. Genug. Die modernen Sozialistenprozesse sind AuSgeburtcn der boshaftesten Willkür und verstoßen in gleichem Maße gegen Recht und Natur. Und jedes Verbrechen gegen Recht und Natur rächt sich Und jedes solche Verbreche» vereiteln und die Urheber stich« tigen, ist heiligstes Menschenrecht und heiligste Menschenpflicht. Aus Frankreich. Pari«, 80, April. Der„geniale" Staatsmann versteht es ausgezeichnet, die Lag« der Deutschen nicht nur in ihrem eigenen Lande, sondern auch im Ausland« unerträglich zu gestalten. Im„Reich der Gottesfurcht und ftomme« Sitte" herrscht er nach dem Ausspruche Eavour's:„Mit dem Belage« rungszustand kann jeder Esel regieren", und im Auslande macht er durch seine Politik die ganze deutsche Rationalität so verhaßt als nur möglich. Denn die große Menge hält sich stets an das einzelne Jndivt« duum und macht daffelbe für die Niedertracht seiner Regierung ver« antworilich. So schimpft man auch hier auf Bismarck, aber man rächt stch für dessen Brutalitäten an den Deutschen, an den„PrussienS", denn alle« Deutschs ist„Pruffien". Im Ausland scheint man es besser begriffen zu haben als in Deutschland, daß daS„einige Deutschland" in Preußen auf« gegangen ist. Die Richtigkeit des Obengesagten hat die Affäre Schnäbele wieder einmal schlagend bewiesen. Die deutschen Spießer, welche vor dem Kriege zittern, können mit Rücksicht auf dieselbe nur ausrufen: „Gott bewahre uns vor unseren Freunden!" In seiner staatsmannischen Genialität hat der große Kanzler dem deutschen Volk einen Dienst er« wiesen, wie ihn dessen ärgster Feind nicht schlimmer hätte verrichten können. Die ersten Tag« nach der B-rhaftung deS PolizeikommissärS Schnäbele war die Aufregung in den Arbeitervierteln eine hochgradige; die Zei« tungikioske wurden buchstäblich belagert, daS allgemeine Interesse low zentrirte sich auf die Depeschen von der Grenze, bezw. aus Deutschland, und um den Kriegsminister Boulanger.„Krieg in Sicht!" Die Börse machte gute Geschäfte, und die Mitglieder der goldenen Internationale rieben sich vergnügt die Hände. Die Kleinbouraeois waren äußerst auf« geregt und erklärten den Krieg für die einzige passende Antwort auf eine derartige hinterlistige Polizeiniedertracht, sogar auf die Gefahr hin, „daß Frankreich noch einmal erdrückt werde." Die radikalen Blätter erhitzten die Massen noch mehr. Der„Jntran- stgeant", der„Radikal", die„Aktion"-c. forderten die Franzosen zu einem Boykott gegen die in Frankreich lebenden Deutschen auf. Rochefori rieih, alle in Par'S wvhnend-.n Deutsche", in'.lustve der Gesandtschaft. verhasten zu lassen; er beschwor die Franzosen, den Eid abzulegen, keinem Deutschen mehr Arbeit zu geben, bei keinem Deutschen zu kaufen u. s. w.„Ein Vaterlandiverräther wäre derjenige, welcher mit einem Deutschen in Verbindung tritt." Der„Jntransizeant" brachte täglich die heftigsten Artikel von Rochefort.„Auge um Auge, Zahn um Zahn," ruft die„Aktion",„das ist zwar ein hartes Gesetz, aber doch ein Gesetz! Unterhalten wir keine Beziehungen mit Deutschen! Halten wir sie uni vom Leibe; stellen wir fie unter Quarantäne." Dieser Stimmung entsprechend ward die französische Regierung von den meisten Blättern wegen ihres„waschlappizen" Verhaltens der beut« schen Regierung gegenüber hart angegriffen. Stur die großen Zeitungen der Börse und Finanzwelt billigten dre Haltung der Regierung und riethen, kalte« Blut zu bewahren.„Zeigen wir den Deutschen, daß wir keinen Krieg wollen, aber die deutsche Negierung zeig« auch ihrerseits, daß sie keinen Krieg wünscht." Jeder Unparteiische muß zugeben, daß die Entrüstung des französischen Volkes im vorliegenden Falle begreiflich, ja gerechtfertigt war. Di« Per» fidie und Brutalität llrr Beihaftung, die Absurdität der Anklage auf Landesverrath liegen auf der Hand. Die gegen Schnäbele erhobene« Beschuldigungen sind kindisch, gleicherweise könnte man alle Franzose« des Landesverraths bezichtigen, wie ihrersiit« die Franzosen all« Deutsche» als Spione und Hochverräther erklären könnten. Die deutsche Regierung aber wäre sicher neit energischer aufgetreien, wenn die französische e» stch hätte einfallen lassen, einen deutschen Staatsbeamten verhaflen zu lassen, und noch obendrein auf so echt preußisch-russische Manier. Di« französische Regierung hat in dieser Sache eine große Mäßigung bewiesen, trotz der Ausweisung der Franzosen aus Elsaß-Lothringen, trotz der Hetzpredigten der deutschen osfiziösen Blätter und der Korrespondenten der„Kölnischen Zeitung", der„Post", der„Norddeutschen" und anderer Reptilien, welche die unverschämtesten Lügen über die sranzöstsch« Repu- blik verbreiten. Im Bewußtsein ihreS Rechte« geben stch die Franzosen der Hoffnung hin, daß die Affäre zur Zufriedenheit beider Rationen baldigst geschlichtet werde. Trotzdem bleibt, wie nur zu begreiflich, der Haß gegen die Deut» schen noch stärker als vorher zurück, dagegen helfen ke,»» diplomatische» schließlich die Zeche für die Dummheit und Riedertracht der Macher in Deutschland zu zahlen haben wird, das find natürlich die deutschen Arbeiter, und auch die österreichischen, die,«i« Rochefort sagt, nur„verkappt« Deutsche" find.— Was die Wahlkampagne anbetrifft, so ist dieselbe in volle« Gange. Di« sozialistischen Fraktionen entfalten eine ungemein energisch« Thätigkeit in Wort und Schrift, fast jede» Abend finden Wahlversamm« lungen in den 80 Wahlbezirken von Poris statt. Die Manifeste, die Plakate der Sozialisten find überall zu finde», am stärksten natürlich in den Arbeitervierteln. Die ökonomische und polittseh« Situation ist de« Propaganda sehr günstig. Die gegenseitigen Angriff« der verschiedene» sozialistischen Fraktwnen wider«inander haben diesmal ganz aufgehört m>t«usuahme de« 18. Arrondissem-ntS, wo die Malonistea(die An- Hänger und Freunde B. Ralon'S)«imn Kandidaten gegen Joffrin aufgestellt haben, und zwar«in ehemaliges Mitglied deS„Rationalk komiteö" der possibilistifche« Arbeiterpartei. Die« ist«in großer Fehle» fetten« der Ralonisten, denn Joffrin hat sich die ganze Zeit im Sememderath dem sozialistischen Programm.-ntsprechenk und korrekt ver» halten, eine Thatsach«. die man zugeben muß, mag«an für ihn«?«« pathien haben oder nicht. Di-smel gitt es weniger, so viel Sozialisten als möglich in de» Pariser Gemeinderath»n bringen, al« möglichst viele Stimmen zu gewinnen, da«tt bei der nächsten Wahl, die na» de« Ltstenskiutiniu« erfolgen wird, mit den Sozialisten als einer Macht gerechnet werd«» muß. Bor Allem aber heißt e«. Propaganda zu machen, den« dies« ist hier, auf dem klassischen Boden der revolutionären Phrase, wabrlich sehr von Röthen.,~, v<>, Die in 6 t. Ouen, einem Vorort von Paris, in Folg« der Auf- iösung de« Stadtrath« stattgehabte Neuwahl ist et» glSazender Erfolg der Sozialisten, die ihr« sämmtlichen Kandidaten durchgesetzt haben. Di« Auflösung war bekanntlich wegen eine«, da» Andenken der Pariser Kom- mune verherrlichenden und«in« gleich« Haltung de« Rarseiller Stadt- rathe« billigenden Votums erfolgt. Di« Stadtverordneten, welche gegen WB Votum gestimmt haben, sind nicht wiedergewählt worden. Möge der Regierung diese Ohrfeige wohl bekommen. In Marseille, wo sich aus Zlnlaß der Feier des lg. März der aleiche Vorfall ereignet hatte und wo die Neuwahl nach dem Listen- strutinium stattfand, haben die Opportunisten, die französische Ausgabe der Nationalliberalen, auf der ganzen Linie gesiegt. Die sozialistische Liste hat trotzdem über SOOD Stimmen erhalten. Dies zeigt, wie schwierig die Wahlen für die Sozialisten werden, so- bald sie auf Grund des Listenskrutiniums erfolgen. Aber ge- rade dieser Umstand macht der Bourgeoisie das Listenskrutinium so dverth. Od. Sozialpolitische Rundschau. 8 strich, 4. Mai 1897. '— Die Schnäbele-Affäre ist vorläusiz beizelegt. Nachdem sich Bismarck überzeugt, daß die Verhaftung des französischen Grenzkommtssars zwar die Franzosen auss Aeußerste zu erbittern, aber zu keinen unüber- legten Streichen verleiten tonnte, hat er, um der Welt einen„Beweis großartiger Mäßigung" zu geben, denselben wieder frei- gegeben. Die Motivirung des betreffenden EntschluffeS ist eine über- K aus gewundene und zeigt, daß e« um die Gründe für das gegen Schnä- bele eingeschlagene Verfahren sehr schwach bestellt war. Der„Landes- i Herrath", von dem in deutschen Blättern so viel die Rede war, beschränkt � sich auf einen Brief SchnäbeleS an einen gewiffen Klein in Straß- * bürg, der überführt worden war, der sranzösischen Regierung Mitthei- ' lungen über Interna der preußischen Armee gemacht, d. h. Spionen- '>i e n st e geleistet zu haben. Der Brief enthielt aber nichts als eine ' Adreßangabe. Die gegenseitige Ausspionirerei in militärischsn Dingen ist heute eingestandenermaßen in allen Ländern Sitte— so gut wie . Herrn Schnäbele konnten die deutschen Gerichte den ganzen französischen Generalstab de« LandeSverrathS gegen das deutsche Reich an- klagen. Wir sind die Letzten, Spionirerei schön zu finden, aber wir können ' uuch die Entrüstung, die sich stets breit macht, wenn ein solcher Spion abgefaßt wird, nicht schön finden. Sie ist so lange pure Heuchelei, so lange man nicht selbst erklären kann, man treibe keine militärische Spionage.' Wie man aber auch über die Handlungsweise des Herrn Schnäbele ; lenken mag, seine Verhaftung war eine völkerrechtliche Ungeheuerlichkeit. Das ist in der Bismarck'schen Note an Herrn Herbette indirekt zuge- standen:„Wenn der Unterzeichnete," heißt es da,„es dennoch für seine Pflicht gehalten hat, den Befehl zur Freilaffung Schnäbeles vom Kaiser zu erbitten, so ist er von der völkerrechtlichen Auffaffung geleitet wor- den, daß Grenzüberschreitungen, auf Grund dienstlicher Verabredungen zwischen Beamten benachbarter Staaten erfolgend, jederzeit als unter der l stillschweigenden Zusicherung freien Geleites stehend anzusehen seien. Es ist nicht glaublich, daß Gautsch Schnäbele zu einer Besprechung in der i Absicht ausgefordert habe, seine Verhaftung möglich zumachen; es liegen , ober Briefe vor, welche beweisen, daß Schnäbele, als er verhaftet wurde, ".sich an der Stell?, wo dies geschah, in Folge einer mit dem -diesseitigen Beamten getroffenen Verabredung be- i fand, um gemeinsame amtliche Geschäfte zu erledigen. 'Wenn die Grenzbeamten bei derartigen Gelegenheilen der Gefahr aus- vesetzt wäre», aus Grund von Ansprüchen, welche Gerichte des Nachbar« staat-s an sie machen, verhastet zu werden, so würde darin eine Er- schwerung der laufenden Grenzgeschäfte liegen, welche mit dem Geiste und den Traditionen der heutigen inter- nationalen Beziehungen nicht im Einklang steht. Der Unterzeichnete ist daher der Meinung, daß derartige geschäftliche Zusammenkünfte jederzeit als unter dem Schutze des gegenseitig zuge- Iicherten freien Geleites stehend gedacht werden sollten. In diesem sinne hat er, unter voller Anerkennung der Berechtigung des Versah- rens der dieffeitigen Gerichte und Beamten, das Sachverhältniß beim Kaiser zum Vortrag gebracht. Allerhöchstdteselben haben dahin zu ent- scheiden geruht, daß in Betracht der völkerrechtlichen Mo- t i v e Schnäbele, trotz seiner Festnahme auf deutschem Gebiet und trotz der gegen ihn vorliegenden Schuldbeweise, in Freiheit zu setzen sei." Wenn dem so ist, so bleibt nur die Frage übrig: Gehören die von Brielia entsendeten Spitzel, die, nach der Betheuerung des Herrn Gautsch, ohne sein Vorwissen die Verhaftung Schnäbeles besorgt, auch zu den„Beamten", deren Verfahren oben mit„voller Anerkennung" bedacht wird? Und in wessen Auftrage handelten sie, als sie, wieder nach Angabe des Herrn Gautsch, den- selben aushorchten, um hinterseinemRücken Herrn Schnä� bele gegen alles Völkerrecht zu verhasten? Bei der gespannten Situation zwischen Frankreich und Deutschland mußten sie oder ihre Auftraggeber sich doch der Wirkung bewußt sein, welche der völkerrechtswidrige Alt auf die Franzosen machen werde. Wie kamen sie dazu, so frevelhaft leichtfertig mit einem Feuer zu spielen, deffen Flammen Deutschland Feuilleton. Kwe denkwürdige revolntionäre KuudgeVnng in Wußland. (Dem Chicagoer„Vorbote" entnommen.) Niemals innerhalb der letzten drei Jahre hat der Professor der Ge» schichte an der Petersburger Universität eine so große Zuhörerschaft in seiner Klaffe gehabt, wie am 2. Februar dieses Jahres. Als er seinen Sitz einnahm, wunderte er fich, daß statt der gewöhnlichen geringen Zuhörerzahl Hunderte von jungen Männern sich in dem Saale versam- tnelt hatten. Aber er unterdrückte sein Erstaunen, öffnete seine Kollegien- hefte und fragte: Was liegt heute vor? „Vorlesung der Ferienarbeiten l" antwortete ein Dutzend kräftiger Stimmen. Die Studenten waren gerade von den Weihnachtsferien zurückzekom- men. Am Morgen des 2. Februar hieß es in den Gängen der Univer- sttät, die Studenten der Geschichte hätten etwaS Besonderes vor. Jeder Student eilte deshalb nach der Klasse, und die große Halle war bald gefüllt mit Vertretern der vielen Raffen, welche Rußland bewohnen. Auch eine ziemliche Anzahl Studentinen hatte sich eingefunden. Heiterkeit und jugendlicher Uebermuth machte sich unter der Menge geltend. Späße wurden gemacht, man lachte und erzählte fich Ferienabenteuer, auf die Eröffnung der Klaffe harrend. Sobald aber der Professor erschien, wurde es stumm. Der Professor musterte die Anwesenden und rief dann: „Jene, welche Ferienaufsätze geschrieben haben, mögen vortreten und die- selben vorlesen." Ein halbes Dutzend Studenten bestiegen die Platform. Einer von ihnen las einen ermüdenden Aussatz über die Geschichte der Raikolniki, die griechisch-katholischen Sel rer in den Provinzen Tschernigow und KurSk; ein anderer las etr as vor über die alte Geschichte der Krim, andere folgten mit ähnlichen historischen Skizzen. Schließlich begann«in schmächtiger junger Mann mit langem blonden Haar, einem glatten bleichen G sicht, der eine blaue Brille trug, einen Aufsatz vorzulesen, betitelt:„Au« der alten Geschichte." Er schickte seinem Aufsätze einige Worte voran«, und sagte, daß er sich genau an die alten klassischen Schriststeller Tacitus, Suetonius, Dio Casstus, V-llejus Paterculus, Seneca, Philo und Andere gehalten habe(die alle in dem l. und 2. Jahrhundert nach Christi Geburt lebten und über römische Geschichte schrieben). Mit wohltönender, leidenschaftlicher Stimme la« er dann, wie folgt: „Em ungeheures Reich, zusammengefetzt aus dm verschiedenartigsten Theilen, die einfach durch Gewalt zusammengehalten werden, dehnt fich von den kalten nördlichen Marschen und Forsten bis nach den grünm Küsten der warmen südlichen See. Es nimmt einen großen Theil der Erve ein, Dutzende von Millionen Menschen bilden seme Bewohnerschaft, aber seine ganze Verwaltung»st in den Händen eines Mannes konzentrirt. Nicht minder bedrohten als Frankreich? Das Interesse de« deutschen Volkes, da« den Frieden wünscht und ihn zur gesunden Entwickelung seiner Verhältnisse braucht, erfordert eine gründliche Unter- f u ch u n g dieser Frage, die viel wichtiger ist als alle andern bei der Schnäbele-Affäre aufgeworfenen. Aber grade darum wird sie nicht beantwortet werden. .-De« Berliner Reptilien scheint die friedliche Bei« legung der Schnäbele-Affäre gar nicht in den Kram zu passen. Insbesondere zetert die„Post", die schon oft zu gewissen Liebes- diensten verwendet wurde, und die speziell als Kanal für„kalte Waffer- strahlen" zu dienen pflegt— wir erinnern nur an die Artikel:„Krieg in Sicht",„Auf des Messers Schneide" k.— hintennach noch stärker als vorher und droht ganz unverholen mit der Verhängung des Kriegszustandes über Elsaß-Lothri ngen als einer gegen Frankreich gerichteten Maßregel. Unter solchen Umständen gewinnt natürlich die Auffassung, als sei dem hohen Gönner der„Post" der friedliche Busgang der Sache sehr unerwünscht, ganz bedeutend an Wahrscheinlichkeit. Und daß diese Auffassung nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland selbst verbreitet ist, zeigt folgende, uns aus dem Reiche oder vielmehr der Reichshauptstadt selbst zugegangene Zuschrift: „Er wird wirklich alt. Es ist zwar ein altes Kunststück— schon von dem Mazedonierkönig Philipp vor länger als 2000 Jahren mit Vir- tuosität ausgeübt und in ein System gebracht— daß, wer Krieg führen will, den Gegner zum Angriff zwingen soll, um ihn vor der Welt ins Unrecht und sich ins Recht zu setzen, aber es hat sich bis in die neueste Zeit trefflich bewährt, und unserm eisenstirnizen Kanzler wiederholt aus- gezeichnete Dienste geleistet. J-n Jahr 1868 wußte er eS so einzufädeln, daß Oesterreich, und 1870, daß Frankreich den Krieg erklärte, also das Odium des Angreifers und Friedensstörers aus sich luden. Es gehört dazu ja nicht viel— nur eine starke Dosts Geriebenheit und eine sehr starke Dosis Verlogenheit und Heuchelei— immerhin pflegt man vor gelungenen Leistungen dieser Art einen gewissen Respekt zu haben— ähnlich wie vor genialen Schwindel- oder Spitzbubenstreichen. Wenn aber die Sache mißlingt und der Gauner sich in seiner eigenen Schlinge fängt, so wird er ein Gegenstand der Verachtung und des Spotts. Der Heiligenschein des„Erfolgs" fehlt, und man steht blos noch den ertapp- ten Verbrecher. In dieser wenig beneidenswerthen Lage ist jetzt unser Kanzler Eisenstirn. Seit Anfang dieses Jahres hatte er die Franzosen so raffinirt insultirt und gereizt, daß er zu der Ueberzeugung gelangte, es bedürfe jetzt blos einer geschickt applizirten Realinjurie— eines„zu- fälligen" Peitschenhiebs oder Fußtritts, um den Becher zum Ueberlaufen und die heißblütigen Franzosen zu Ausbrüchen der Leidenschaft zu brin- gen, welche den gewünschten casus belli(Kriegsfall) mit obligater Kriegserklärung an Deutschland herbeiführen ließen. Der Schnäbele- Fall wurde in Szene geletzt. Ein französischer Beamter wird von einem deutschen Beamten über die Grenze in einen Hinterhalt gelockt, von Berliner Spitzeln überfallen und überwältigt, und aus Grund irgend einer beliebigen Anklage in«in deutsches Gesängniß geworfen. Eine flagrantere Verletzung des Völkerrechts, eine ärgere Beleidigung der französischen Republik kann man sich nicht denken. Natürlich mußte dem Ding ein legales Mäntelchen umgehängt werden. Schnäbele ist an Akten des Landesverraths gegen Deutschland betheiligt gewesen und aus eigenem Antrieb— wahrscheinlich in landesverräheri- scher Absicht— über die deutsche Grenze gegangen, und dort, krast eines richterlichen Haftbefehls, in Form Rechtens verhaftet worden. Kurz, Alles ganz korrekt— wurde in die Welt hinausgelogen. Natürlich wußten die Urheber des internationalen Mißgriffs, daß diese Lüge keinen Bestand haben konnte. Aber sie wußten auch, daß sie die Erbitterung der Franzosen nur noch vermehren mußte, und— bis die deutsche Regierung zur Richtigstellung des Thatbestandes schreiten und das Unrecht der deutschen Behörden eingestehen würde, war 10 gegen 1 zu wetten, daß die französische Volkswuth in Paris oder sonstwo auf die eine oder andere Weise den erwünschten und erstrebten oasus belli verschafft haben würde. Allein es kam anders. Die heißblütigen Franzosen vermieden mit peinlichster Sorgfalt jeden Ausbruch der Leidenschast: der deutsche Gesandte in Paris wurde nicht insultirt, nicht einmal der letzte seiner Spitzel— nichts, gar nicht«, was einigermaßen als Handhabe benutzt werden konnte. Kurz, die Franzosen merkten die Absicht und waren so gescheidt, nicht in die Falle zu gehen. Und jetzt steht ER vor der ganzen Welt als der geprellte Friedensstörer da, der sich in seiner eigenen Falle gesangen hat. Wie er herauskommt, ist gleichgültig. An der Thatsache und an der Blamage ist nicht« mehr zu ändern." Soviel ist sicher, daß Bismarck mit seiner vielbewunderten auswärt!- gen Politik in einer Sackgaffe angelangt ist, aus der ihn nur ein glück- licher Krieg retten kann. Aber nicht jeder Krieg endet glücklich, und ein Krieg, der große Opfer erfordert, ohne große Erfolge zu liefern, ist fast noch gefährlicher als ein schnell beendeter unglücklicher Feldzug. Der letztere sacht erst recht den politischen Fanatismus an, der erster« macht die Völker ungeduldig und fordert ihre Kritik heraus. Ein Mann hat unbegrenzte, unkontrolirte Macht über dieses riesige Reich. Lang Jahre regiert« der alte Kaiser Tiberius und nicht ohne Ruhm, wie einige feiner ergebenen Schriftsteller— Vellejus Paterculus— sagen. In den immer ruhelosen westlichen Provinzen wurde eine gefährliche Empörung niedergeschlagen, eine Empörung, durch nichts anderes ver- ursacht wie durch die Dieberei und den Raub der von der Regierung dahin geschickten Beamten und den Patriotismus einer unterdrückten und unterjochten Nation— ich meine den Ausstand von Julius Florus und Julius Sacroviru«, von welchen Tacitus im dritten Kapitel seiner Jahr- bücher erzählt* Längerer Beifall und Bravorufe, sowie der Ruf:„Es lebe Polen!" unterbrachen den jungen Leser, al« er den letzten Satz als etwa« Selbst- verständliches aussprach. Als die Ruhe wieder hergestellt worden war, fuhr er fort:„Sueton in seinem Buch über Tiberius, 88. Kapitel— ebenso TacituS und Dio CassiuS— erzählen uns, daß während der Regierung desselben einige Reformen durchgeführt wurden, besonders im Gerichtswesen, das vorher im völligen Zustand der Korruption war. Interessant ist eS, zu wissen, unter welchen Umständen er seine Regierung antrat. Julius Cäsar, der Vorgänger seine« Vaters— die Thatsache, daß Tiberiu« nur ein Adop- tivsohn de« OctaviuS Augustus war, macht keinen Unterschied— war ein gebildeter, glatter, gutmüthiger Herr, der es verstand, wie man sich Freunde macht. Er errang sich unsterblichen Ruhm durch seinen Feldzug in Frankreich, wo er eine groß« Armee der Gallier aufrieb und einen sehr berühmten General besiegte— Bercingetorix.(Beifall und Rufe: Napoleon!) Cäsar'« Nachfolger(Nikolaus! rief ein Zuhörer), OctaviuS Augustus, war ein grausamer, mitleidsloser Mann von eisernem Willen und strengem Charakter. Er bestieg feinen Thron, nachdem er die Stufen desselben mit Blut befleckt hatte, indem er Tausende tödtete und ver- bannte, welche die Freiheit liebten. Man haßte ihn. Das Volk seufzte unter seiner Unterdrückung. Die zahllosen Kriege, welche er unternahm, führte er glücklich zu Ende, aber eine verderbliche militärische Katastrophe, welche hauptsächlich der Räuberei und Unfähigkeit seiner Generäle ent- sprang, bewölkte die letzten Tage seiner Laufbahn— ich meine die Riederlage der Legionen deS QuinuliuS Varus.(„Sie meinen Sebastopol," verbesserte einer der Hörer.) Dio Casstu» und TacituS berichten- daß der Tod de« Kaiser« unter so verdächtigen Umständen erfolgte, daß das Volk glaubte, er fei ver- giftet worden. Sein Vorgänger war ein eleganter Frauenanbeter, er war «in roher Wüstling. Als fein Sohn zum Kaiser ausgerufen wurde, ward derselbe vom Volk mit Freuden empfangen. Indem er, wie oben berichtet wurde, einige Reformen einführte und die Lage der unteren Klaffen um ein Geringe« verbesserte, gewann er bald den Ruf eine« freisinnigen Mannes.(Zuruf: Alexander II. ist gemeint.) Die Nation erwachte aus einem langen Schlummer, Jeder athmete freier; ein frischer, gesunder Geist durchdrang die Literatur, eine Schaar junger und begabter Schrift- steller und Poeten, betraten die öffentliche Arena, und manche« Feld, auf dem seit Jahren die Lieder der Sklaverei ertönt, erscholl von den Gesängen freier Männer. Dieser Zustand dauert« aber nicht sehr lange. Di« großen römischen Geschichtsschreiber Sueton, Dio Ca»»»», Vellejus Paterculus und TacituS sind Autoritäten für die Thatsache, daß Tiberius Nun ist aber ziemlich wahrscheinlich, baß die Franzosen, wenn angek griffen, diesmal alles aufbieten werden, Widerstand zu leisten, und wenn sie auch in manchen Dingen gegen Deutschland militärisch noch zurüt sind, so haben sie doch seit 1870 ganz wesentliche Fortschritte gemacht, und ist namentlich an eine Anarchie unter den Heersührern, wie fit 1870 einriß, nicht zu denken. Daher das unablässige Gepolter der Ossi' ziösen und die fortgesetzten offiziellen Beihsuerungen der Friedensliebe, die zu erster«, passen wie die Faust auf's Auge. Unterdessen wird auf beiden Seiten fieberhaft fortgerllstet, und wäh» rend die Geschäfte, angesichts der Kriegsgefahr, immer schlechter gehen, wird die Steuerschraube immer stärker angespannt— wird auch der Friede von Tag zu Tag unerträglicher. Kurz, uns-re Staatskünstler sind am Ende ihres Witze«— sie Habel! es verstanden, ihre Volker zu verhetzen, aber sie verstehen es nicht, sie mit einander zu versöhnen. Und sie werden eS nie verstehe, denn in ihrem großen, großen Lexikon fehlt das eine Wort, da« die Herz«! bezwingt: Gerechtigkeit. - Aus de« voestehenven«utzführnugen, sowie überh aus der Haltung unseres Blattes geht deutlich hervor, daß wir geg das französische Volk keinerlei Vorurtheil hegen, sondern im Gegenth seiner eigenthümlichen Situation in jeder Beziehung Rechnung zu trag«* bemüht sind. Umsomehr sühlen wir uns daher berechtigt, gegen die rohe« Ausbrüche des französischen Chauvinismus zn protestiren, wie sie sich in den letzten Wochen in den Spalten gewisser„radikaler" Blätter vo» Paris gellend gemacht. Die Art, wie der„Jntransigeant", die„Aktion' und ähnliche Blätter aus Anlaß der Schnäbele-Affäre ohne Nnterschie? gegen Alles, was deutsch ist, gewllthet, überschreitet bei Weitem dak berechtigte Maß entrüsteten Zorns über eine noch so brutale Vergewab gung. Das ist nicht die Art, das deutsche Volk der Republik de« Nach' barvolkes günstiger zu stimmen, mit solch' wüsten Schimpfereien arbeite! man vielmehr grade denen in die Hände, die man zu bekämpfen vorgibt Wenn der nationale Gedanke in Frankreich heute noch eine gewisse Bei rechtigung bat, so höchstens wegen bestimmter freiheitlicher Prinzipien) welche die Republik gegenüber ihrer reaktionär-monarchischen Umgebung verlritt, nicht aber zu Gunsten irgend eines bornirten Rassen-Bo n i s z e w s k i wird im G-fängniß schlimmer behandelt als der g e f ä h W Ii ch st e Einbrecher. Es sind ihm, wie die„Vossische Zeitung schreibt, eiserne Handfeffelu, zwischen denen sich eine ebeck solche Stange befindet, angelegt worden. Aus hiergegen erhobene Beschwerde, heißt es weiter, wurde darauf hingewiesen, daß seinerzeit während deS Mendelsohn'schen Prozesses ein Versuch» unter/ nommen wurde, Ianiszewski zu besreien. Der Jnhaftirte erhi-lt iü Proz.ß ziemlich dre«, in diesem zwei Jahre und eine Woche Gesängniß zudiktirt. Genossen des Ianiszewski wollten demselben Selbstbeköstt- gung verschaffen, das dieserhalb eingereichte Gesuch wurde aber vock der Gefängnißdirektion abgeschlagen." Also weil vor Jahren einmal der Versuch gemacht wurde, ihn all« einer, allerdings ebenso ungerechtfertigt wie die diesmalige, aufgehalstei! Kerkerhaft zu befreien, darum legt man einen ehrlichen, braven Arbeiter/ der k-mem Menschen ein Haar gekrümmt, in Ketten. Und daS iv einem Lande, das sich zivliisirt, einen Kulturstaat nennt I Wir rufen die rechtlich Denkenden aller Parteien zum Protest auf gegen diesen Akt der Barbarei der— wie Freiligrath sie einst nannte— schmutzigen Westkalmüken. — Preußen« Finger in Süddentschlaud. Au« Darmstadt geht uns von wohlunterrichteter Seite die folgende Mit» theilung zu: „Wenn ich heute zur Feder greife, so sind dies nicht Darmstädtet Angelegenheiten, die mich dazu veranlassen, fondern die Polizei« f ch u r t e r e i, die sich gegenwärtig in Mainz abspielt. Bekanntlich wurden am 19. und 20. d. M. daselbst 16 Mann wegeil angeblich geheimer Verbindung ver haftet. Dieselben befinde ll sich jetzt noch in Haft. Wie nun für jeden mit unseren Verhältnissen Vertrauten sofort Hat war, daß dieses Manöver nur zu dem Zwecke unternommen wurde, einetl billigen Vorwand zur Verhängung des„kleinen B-lazerungszusiandes" zu haben, so dürfte doch Manchen überraschen, zu hören, zu welchen ver- seinen Sinn änderte, al« sein Sohn CajuS Cäsar, der junge Kronprinz; ein ausschweifender, aber talentvoller Jüngling, starb. DrusuS Cäsar, der jüngere Bruder, ererbte beides, seinen Thron und seine Braut/ und dieses Weib, mit praktischem Sinn begabt, flog ebenso willig in DrusuS' Arme, als sie sich Cajus hingegeben haben würde.(Beifall und Rufe:„Da« ist die jetzige Kaiserin von Rußland.") Je länger der Kaiser regierte, desto weniger dachte er an sein Volk. Tacitus sagt wörtlich: „Die Regierung unterdrückte die vom Volk am meisten begünstigten Schriftsteller, aber ihre Bemühungen waren natürlich ein Fehlschlag. Die unterdrückten Bücher wurden im Geheimen gelesen und verbreitet. Wie thöricht ist die K urzsichtigkeit jener, welche glauben, daß ihre zeitweilige Macht so groß»st, daß sie die Gedanken künftiger Generationen beetn- fluffen können. Verfolgung vergrößert immer den Ruhm des Talente«. Herrscher, welche solche Grausamkeiten ausüben, thun das zu ihrer eigne« Schande und für den Ruhm ihrer Opfer." Als Enttäuschung folgte, als Alles, was Freiheit andeutet«, unlet- drückt wurde und da« Volk einzusehen begann, daß seine geliebtest«» Hoffnungen nicht« wie Träume seien, versuchte«S zu protestiren vermittelst Petitionen, Schriften und Demonstrationen. Kerker, Htnrichtua- gen und Verbannung war die Antwort der Regierung. Di« Zahl der Unzufriedenen wurde von Tag zu Tag größer. Sie begannen Verschwö- rungen zu bilden, und ein Netz geheimer revolutionärer Organisationen bedeckte bald das ganze Land. Frauen arbeiteten so eifrig wie Männer auf den Sturz der Tyrannei hin. Der wachsenden revolutionären Be- wegung gegenüber kannte die Negierung nur eine Antwort— den Galgen. Hunderte von Männern und Fraum wurden in die Gerichts- Höfe geschleppt und nach kurzem Verhör dem Henker überwiesen. Dann begannen die Hinrichtungen der Henker. Eine Anzahl Präko» rianerhäuptlinge wurden ermordet, und in einer der südlichen Provinzen in Spanien wurde ein Gouverneur getödtet.(General Strelnikow in Odessa.) Gegen den Kaiser selbst wurden mehrere Versuche gemacht. Ein demoralistrendes Spionensystem wurde eingerichtet, welches die Leben vo» Tausenden von unschuldigen Personen vernichtete. Der Tyrann schöpfte Verdacht. Da er sich unablässig von den Geistern seiner Opfer verfolgt und von Schaar«» von Brutussen und Cassiuffen bedroht glaubte, floh er nach dem Süden. Dort auf der Insel Capri(„Sie sollten sagen, die Insel Krim," rief Jemand), beschützt von einer Präiorianerhorde, sich erfreuend des blauen Himmel«, der ruhigen See und der grünen Berge, ergötzte er fich an den rasfinirtesten«usschweisungen, während sei» Günstling Sejanu« in der Hauptstadt ein Schreckensregiment führte. („Genkral Gurko l" bemerkte Jemand, während«in Sturm von Ge- lächter losbrach.) Da« war der Zustand der Dinge im Reiche während der Jahr« 79 und 80— ich meine der Jahre 779 und 780 der römischen Zeitrech- nung.(Stürmischer Beifall) Nach TacituS machte besonders ein Bor- kommniß im Leben des TiberiuS auf ihn großen Eindruck. Eines Tages fielen die Gewölbe im Speisesaal« des Palastes«in,«in« Anzahl Män- n-r kamen in den Trümmern um, und der Kaiser felbst emrann mit knapper Roth dem Tod. Der alt« Kaiser begann ernstlich an den Tos Zv»rfenen Mitteln der jetzige preußische Minister für Hefien-D-s»- ßadt greifen würde, um seinen preußisch- brutalen Maßregln eine« Schein von Berechtigung zu verleihen. Wie mir heute von zuverlSffiger Seite mitgetheilt wird, weiß die Be- Hörde bereits ganz genau, daß au» der Mainzer Geheimbunds- geschichte nichts zu machen ist, und daß die Staatsretter vlamirt Vus derselben hervorgehen werden. Herr Finger hat deshalb vorgestern den früheren ersten Staatsanwalt zu Mainz, Schlippe, jetzt Ministerial- rath, von hier nach Mainz entsandt, um die dortige Staats- Anwaltschaft zu veranlassen, die Anklage so zu stellen, daß dieselbe zu einem Vorwand für den Be> lagerungSzustand werden könne, wenn auch das Gericht später freispreche. DieS einstweilen zur Veröffentlichung; den Kommentar dazu liefere ich später. Gruß! Cato 31. Ts gäbe reichlichen Stoff zu einem satyrischen Gedicht, wie Preußen den bockbeinigen Großherzog mit seinem Minister Stark so zu„kole- Minen" verstand, daß er sich wie Wachs um den Finger wickeln ließ, und wie jetzt die Verkuppelung der„Friedenbringerin", auf griechisch Irene, mit irgend einem der vielen überflüffigen Hohenznllernprinzen für das beglückte Heffenland den— kleinen Belagerung s- zustand bedeutet. Als Ueberschrift empfehlen wir: Moralische Eroberungen. — Wie sie reden, und wie sie— handeln.„Ich halte das Verbot sozialdemokratischer Wahlkomites, blos weil sie sozialdemokratisch sind, für gesetzwidrig? ich halte das Auflösen uonWahlversammlungen, blos weil Sozialdemokraten darin sind, lür unzuläffig; ich bin der Meinung, daß das Sozialisten- ge'etz vor allem bei Wahlen streng interpretirt werden muß; ja, ich g,he noch weiter, ich sage: alle Handlungen von Sozialisten, die sich auf Wahlen beziehen und Wahlen bezwecken, haben von vorn- herein die Vermuthung für sich, daß sie nicht den Um- stürz der bestehenden Rechisordnung wollen, sondern innerhalb der destehenden Staatsordnung mitwirken wollen an der legalen Fortführung der Staatsangelegenheiten. Das ist meine Ansicht und sicherlich auch die der jetzigen M-.hrheit des Reichstags. Der Reichstag muß auch alle Mittel dahin geltend machen, daß die Behörden strenger ««gehalten werden, mit völliger Unparteilichkeit die Vorschriften be- qüzlich der Wahlen zu handhaben und auch nur dm Schein zu vermei- »en, als ob sie das Sozialistengesetz benutzen wollten, um in ihrem Sinn «ttl das Resultat der Wahlen einzuwirken." Also sprach in der Reichstagssitzung vom 27. April Herr Miguel, der Nnerkannte Führer der Nationalliberalen.„Wie?" wird vielleicht der eine oder andere unserer Leser hier ausrufen,„ist denn das Tnöglich?" Die Partei, die im Lande bei den Wahlen am brutalsten vorgegangen, die den ärgsten T-rrorismus inszenirte, die ihre Stärke «ur der amtlich m und sonstigen Wahlbeeinflussung verdankt, *,« sollte jetzt plötzlich in sich gegangen und für die Freiheit der «Zahl einzutreten entschloffen sein? Das wäre ja prächtig I" G-m-ch, guter Freund, du vergißt, was n a t i o n a l I i b e r a l heißt. Nachdem Herr Miguel diese schönen Worte geredet, ging er hin und stimmte mitsammt seiner Partei gegen den Antrag Singer, die Attm über die ergangenen Verbole von Wahlversammlungen wr Kreise Hagen— es handelte sich um die Prüfung der Wahl »rchfcrS— von der Regierung einzufordern. Reden kostet, denken »ie Herren, eben nichts und— habm wir bei der Wahl den Leuten was Blaue vom Himmel vorgeschwatzt, warum sollen wir im Reichstag *a» Geschäft nicht fortsetzen? Und wie Herr Bennigsen die Presse *or polizeilicher Willkür, so stellt Herr Miguel die W a h l- n vor der «aune der Land- zc. Räthe sicher. Und wie die Zeitunxm in Deutsch- «and fortfahren, von der Laune der Polizeipaschas abzuhängen, so wer- «en auch in Zukunft nach wie vor WahlkomiteL ausgelöst, Wahlver- Sammlungen verboten, und die so zustandegekommenen Wahlen für giltig Erklärt werden. Wenigstens so lange Herr Miguel und seine Partei in Deutschland «ine Rolle spielen. — Zum Streik der Weber in Crimmitschau, über den im «orrespondenzentheil unsrer heutigen Nummer Genaueres zu lesen, liegt «in, die Unverschämtheit der Kapitalprotzen kennzeich. »endeS Dokument vor in nachstehendem Begleitschreiben zu einer vom„Fabrikanten- und Webschulverein" erlaffenen schwarzen Liste: „P. P. Wir übersenden Ihnen beigefügt Ramensverzeichniß der streikenden Arbeiter, wie wir Sie auch gleichzeitig mit den in der Vor- stand isitzung des Fabrikanten- und Webschuloereins gefaßten Beschlüffen «ekannt machen, nämlich:„Allen hiesigen Industriellen zu empfehlen, «aß Arbeiter, die als Obmänner des Fachvereins bekannt, die sich als Wühler unter den Arbeitern bemerklich machen, ent- «Nsen werden mögen, deren Namen aber Herrn Rechtsanwalt Roch be- Jonnt zu geben, sowie bei Annahme von Arbeitern, besonders von Webern, sich bei demselben zu erkundigen, ob sie nicht jenen gekennzeich- «eten Personen angehören." In der allseitigen Ausführung dieses Be- schluffeS wird eS ja liegen, die Thätigkeit deS Fachoereins der Weber denken. Er sah die beklagenSwerthen Zustände in seinem ausgedehnten _.nch und er wußte, daß es nach seinem Ableben noch schlimmer werden würde. Er wußte gut genug, daß sein Nachfolger(der jetzige russische «l.nser ist gemeint) ein grausamer Idiot, ein herzloser Schurke war, aber konnte eS nicht ändern und überließ Alle» dem Ungesähr. Richis konnte den Tyrannen retten. � Eines Tage« wurde er trotz der Wachsamkeit seiner Polizei ermordet, And der tobsüchtige Calizula folgte ihm noch. Ein Feigling, ein Vieh, «m Narr, ließ er Diejenigen erwürgen, welch« ihm zum Thron verholfen, indem sie den alten Tyrannen aus dem Wege räumten, und unter den Jv Gemordeten war— welche Schmach, welche Schande!— ein Weib, (donnernder Beifall und Rufe: Sophia Perowikaja!) Emma Rävius, wurde enthauptet. , Nachdem das Reich von dem alten Tyrannen befreit war, fiel es dem verworfenen Feigling in die Hände. DaS Schreckens- — größere Sicherheitsmaßregeln wurden * Äl w£e"in �ran"en e°tr°ff-». Aber alles ist ver- aebens. Der Gott der Rache, den der gekrönte Idiot anbetet, streckt xmen«rm gegen den Tyrannen selbst aus, er wird ihn in seinem Bersteck erreichen und ihm bei der ersten Gelegenheit den Kopf Äschlagen. Vergebens umgibt er fich mit Speeren, Schwertern und Bogenichützen, mit Spionen, Denunzianten und Henkern! Vergebens bewachen Garderegimenter seinen Palast- selbst unter ihnen'werden pch»rutuffe finden, und er wird von einigen seiner Gardeosfiziere er. wordet werden, wie Flavius Josephu« und Sueton berichten." Ein nicht zu unterdrückender Beifallsstum folgte dem Vorlesen deS «ufsatzes. Leidenschaftlicher Beifall und Bravorufe donnerten durch da» üanze Universitätsgebäude. Die Versuche des Profeffors, deffen Gesicht «vdsahi war, die Ruhe wieder herzustellen, waren vergebens. Er häm- ,n«te fortwährend und versuchte zu sprechen, aber seine Stimme wurde »on dem Beifall erstickt. Der junge Mann, nvelcher seine Borlesung beendet hatte, blieb erröthend Auf der Platform stehen, seine Stirne war vom Schweiße bedeckt. Jeder Etudent eilte auf ihn zu, fchüttelte ihm die Hände und umarmte ihn. fs* große Halle war bald mit Leuten vollgestopft. Jeder, der sich grade A« Universitätsgebäude befand, eilte herbei. Rufe wie:„Nieder mit der Tyrannei!"„Nieder mit dem Idioten!"„Es lebe die Freiheit!" er- »chaUten in der Halle. Plötzlich wurden die Thüren der Halle und das ganze Universttätsgebäude von Gensdarmen besetzt, und wenn man durch «u.t�r blickte, nahm man einige Schwadronen Kosaken auf der Straße wahr. Fünfzig Studenten wurden verhastet, aber nach wenigen »»gen bis aus fünf wieder freigelaffen. Der Berfaffer deS Aufsatzes— setn Name ist Andreas Tuschin— wurde nach einem kleinen Dorfe der Provinz Archangelsk verbannt. Dieser Vorfall erregte großes Aufsehen in Rußland. Der Aussatz, von »em Obige» eine Uebersetzung ist, wurde insgeheim gedruckt und im «unbe v-rbreitet.>«»" dl. v. dl. lahm zu legen. Der Gesammtvorstand da» Fabrikanten- und Webschul- Vereins." Die„Wühler" würde mancher vielleicht den Herren noch hingehen laffen— das Wort klingt nach gewerbsmäßigem Aufhetzen— wenn nrcht daS Zusammenwerfen derselben mit den„Obmännern d e S Fach- Vereins" aufs Deutlichste zeigte, was die bism.rckfrommen Fabrik- paschas darunter verstehen.„Wühler" ist in ihren Augen jeder Arbeiter, der es überhaupt wagt, sich als Mensch anstatt als Arbeitsvieh � Pardon. das Vieh ersordert ja noch gewiffe Schonung, als Arbeitsmaschine zu betrachten. Maschinen brauchen keine Vereine, daher ist der Fach- v:rein vom Uebel und muß ausgerottet werden. Kann man die Maffe der Arbeiter nicht zwingen, denselben aufzugeben, und bietet er keine Handhabe zu einer Auflösung aus Grund des Schandgesetzes, nun gut, so schwingt man über jeden, der es wagt, die Stelle eines Obmanns anzunehmen, die H u n g e r p e i t s ch e, auf diese Weise macht man ihn äs facto unmöglich. Gut ausgesonnen, ihr feigen Arbeiterschinder, wäre der Gedanke nicht so raffinirt gemein, man wäre versucht, ihn polizeiwidrig dumm zu nennen. Macht nur den Arbeitern den öffentlichen und legalen Kampf unmöglich, wenn Ihr eS könnt, aber dann wundert Euch auch nicht, wenn sich die beleidigte Menschennatur in urwüchsiger Weise an Euch rächt. Wer noch einen Funken von Rechtsgefühl im Leibe hat, wird Euch, waS auch geschehe, nur das eine Wort zurufen t Ihr habt's gewollt! — Die Brutalität des OrdnungSretterthnmö hat sich jüngst in Magdeburg wieder einmal in ihrer ganzen Nichtswürdig- k e i t gezeigt. Zu den Angeklagten im sogenannten Geheimbunds- prozefse gehört oder vielmehr gehörte auch unser Genosse, der Schneidermeister Wilhelm Habermann. Obgleich im höchsten Grade leidend, wurde er doch in strengster Untersuchungshaft gehalten, bis seine Ueberführung nach dem Krankenhause absolut nothwendig wurde— d.h. nothwendig, sollte er nicht buchstäblich im Gefängniß den Tod erleiden. Nur einmal nach vielen vergeblichen Bitten hatte man seiner Frau gestattet, ihn zu besuchen, seine Kinder hat er überhaupt nicht wieder gesehen. Ohne Abschied von den Seinigen nehmen zu können, ohne sein jüngstes, während der Dauer seiner Haft gebornes Kind auch nur sehen zu können, ist er am Freitag den 23. April seinen Leiden erlegen. Aber daran nicht genug. Die Polizeibande wußte, wie populär Haber- mann in Magdeburg gewesen, und daß die dortigen Arbeiter es sich nicht nehmen l flen würden, ihrem verstorbenen Freund und Mitstreiter das letzte Geleit zugeben. Das sollte und mußt« verhindert werden. Und so wurde denn, trotzdem die Beerdigung auf Sonntag Vormittag angesetzt war, die Leiche Habermanns, ohne daß man der Frau direkt davon Kenntniß gegeben, bereits am Sonnabend sang- und klang- los eingescharrt. Statt seiner Angehörigen und Gesinnungsgenossen war fast die gesammte Polizeimacht Magdeburgs auf dem Kirchhof versammelt. Aber man hatte die Rechnung ohne den Wirth gemacht. Die Arbeiter Magdeburg» hielten es nun erst recht für ihre Pflicht, dem Verstorbenen eine würdige Todlenseier zu veranstalten. Wir lesen darüber in einem dortigen Lokalblatt: „Schon früh morgens kamen zahlreiche Besucher einzeln zu dem Grabe auf dem Neustädter Kirchhofe, der bis zum späten Abend das Ziel vieler Tauende von Männern, Frauen und Kindern blieb, alle fast ausnahmslos in tiefem Schwarz, ohne jedes Abzeichen, den Ernst der Todten-Stätte in den Zügen. Bald nach 10 Uhr bewegte sich vom Faßlochsberg aus ein(wohl ab- sichtlich nicht geliederter, nicht reihenweise geordneter) Zug von einigen Tausenden Männern und Frauen, schweigsam und ohne Aufsehen der Neustadt zu. Derselbe bestand zumeist auS Deputationen, die ihre Kränze am Grabe Habermanns niederlegen wollten. Wir zählten über 100 Kränze. Die Polizei war offenbar sehr schlecht unterrichtet, sie erwartete einen Zug an anderer Stelle. Nicht einem Schutzmann, nicht einem einzigen Polizisten in Civil begegneten die vereinigten Deputationen bis zum Kirchhofe. Hier legte der frühere Reichstagsabgeordnete Heine im Namen der sozialdem. ReichstagSfraktion, danach die Vertreter jener 4 Wahlkreise, in denen der Todte kandidirt hatte, dann Deputationen aus Halberstadt, Calbe, Alchersleben, Egeln, Schöne- beck, Olvenstedt u. s. w., von zahlreichen Fabriken und, wie es schien, sämmtlichen hiesigen Gewerken Kränze, meist mit weißen, theils rothen Schleifen auf den schon geschlossenen Grabeshügel nieder. Als Herr Heine das Wort nehmen wollt«, klopfte ihn einer der anwesenden Polizeikommiffare auf die Schulter und bedeutete ihn, daß er nicht sprechen könne, ein Zwischenfall der kaum bemerkt wurde. Herr Heine zog sich sofort zurück. Unter den bekannten Sozialdemokraten bemerkten wir auch den Regierungsbaumeister Keßler, den überall Ausgewiesenen, der nächstens seinen Aufenthalt wieder in den einzigen Ort verlegen wird, in welchem ihn eine Ausweisung kaum treffen dürste, in das Gefängniß." Das Andenken des Verstorbenen, deffen langjährige Thätigkeit im Dienste unserer großen Sache allbekannt sind, wird bei dem arbeiten- den Volke unvergessen sein, aber auch die Niedertracht der heutigen Machthaber, die ihn buchstäblich bis in'S Grab verfolgt hat. Schande über das System und ihre Träger! — Dcntfchlaud, das„Land der freien Frommen," die einst den Ruf genossen, sich durch ihre Offenheit und Biederkeit auszuzeichnen, wird, wenn das System Bismarck-Puttkamer nicht bald ein Ende nimmt, schließlich noch ganz zum Land der Falsch- h e i t und Hinterlist werden. Bis in alle Beziehungen des täglichen Lebens hinein wird die Korruption und Spionage von Oben her systematisch gezüchtet, Treue und Glauben in jeder Weise untergraben. So wissen die Ordnungsblätter neuerdings wieder triumphirend zu melden, daß in den Werkstätten der oberschlesischen Staats- eisenbahn in Breslau„Vertrauensmänner" aus den Reihen der Arbeiter ernannt worden find, mit der Aufgabe,„diejenigen ihrer Mitarbeiter, welche sozialdemokratifche Gesinnungen hegen oder laut werden lasten, dem Chef der Werkstättenverwaltung zur Anzeige zu bringen." „Vertrauensmänner!" Das Wort ist in der That vortress- lich gewählt für einen Beruf, der lediglich darin besteht, jedes etwaige Vertrauen zu täuschen. Besser alsdurchdieProstituirung dieses ehrlichen Wortes kann die Nichtswürdigkeit des herrschenden Systems gar nicht gekennzeichnet werden, daS alle Begriffe von Moral und Recht in ihr Gegentheil verkehrt. Pfui über die Infamie, den gegenseitigen Berraih zur ständigen Institution zu erheben! Und so etwas wagt es noch, gelegentlich heuchLv!;� über die spanische Inquisition zu zetern. — Ein Kriegerverein, der kein Krlecherverei« ist, ist im Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte eine sehr bedenkliche Er- s ch e i n u n g. Dasselbe kann ohne Krieger noch eher bestehen als ohne Kriecher. Die Kriegervereine haben daher Kriecher zu züchten, polt- tische Kriecher, denn wenn es in ihren Statuten heißt, daß die Politik auS ihrer Mitte ausgeschlossen ist, so bezieht sich das nur auf irgend- welche mit selbständigem Denken verbundene Politik. Denken ist z.B. ver- boten« Politik, und wenn ein Kriegerverein Mitglieder hat, die noch selbständig zu denken wagen, so verletzt er seine Pflicht und verdient, au« dem Verband der braven, patriottsch-knechtiseeligen Kriegervereine auSgeschloffen zu werden. So dachte zweifelsohne auch der biedere Vorstand des„Braun- weigerLandwehr-Verbandes", als er unterm 28. Februar I. folgenden Schreibebrief an den Vorstand de« Krieger« und Landwehr-Verein« in Wieda im Harz vom Stapel ließ: „Nach den auf hiesiger Kreisdirektion mir zur Einficht gestatteten amt« lichen Wahllisten, die R�ichstazewahl vom 21. Februar betreffend, haben in Wieda von 295 Wahlberechtigten 230 für den Sozialdemokraten Blos, 2 für den Grafen v. d. Schulenburg und nur 13 für den Kandidaten der Ordnungsparteien, den Stadtrath Retemeyer, gestimmt. Da der Landwehr-Verein Wieda 37 wirkliche und 1 Ehrenmitglied zählt, welche zweifellos sämmtlich wahlberechtigt sind, so müssen fast zwei Drittel der gesammten Mitgliederzahl sich entweder der Wahl enthalten oder, was viel schlimmer und ganz un- verträglich mit den Pflichten ewes Vereinsmitgliedes ist, ihre Stimmen dem sozialdemokratischen Kandidaten gegeben haben. Da der Vorstand diese im hohen Grad« auffällige und schwerwiegende Thaisach« nicht glaubt mit Stillschweigen hinnehmen zu dürfen, so ersuche ich, mir eingehende Mittheilungen darüber zu machen, wie es möglich gewesen, daß dem Kandidaten der Ordnungsparteien die 38 Stimmen der Mitglieder des Landwehrverein» Wieda n icht sämmt- lich zugefallen sind. Ich kann dem Vorstande nicht verhehlen, daß die fragliche Angelegenheit seitens de« Verbandsvorstandes sehr ernst angesehen wird, und daß derselbe durchaus erschöpfende Auskunft erwarten muß. gez. Frühling, Hauptmann der Landwehr a. D., Vorsitzender." Die Anschnautzung verfehlte aber ihren Zweck. Mit kühler Höflichkeit verwies der Vorsitzende des Wiedaer Vereins den Herrn Frühling an die übrigen Vorstandsmitglieder, da diese während der Wahlzeit ortS« anwesend gewesen, er selbst aber auswärtig in Beschäftigung gestanden habe. Darauf erhielt er, wie die„Nordh. Zeitung" berichtet, per Post eine offene Karte folgenden, ihn vollends vernichten-sollenden Inhalts: „Braunschweig, S. 3. 87. In Besitz Ihres Schreibens vom gestrigen Tage muß ich Ihnen bemerken, daß ich Sie, als 1. Vorsitzenden Ihre? Vereins, für die Folgen Ihrer ablehnenden Haltung in der von mir angeregten Frage allein verantwortlich mache. Der Vorstand des Braunschweizer Landwehr-Verbandes.(gez.) Frühling. An den 1. Vor« sitzenden des Krieger- und Landwehr-Vereins Herrn Buchholz, Wieda." Jetzt gab der Verein selbst die auf solche Unverschämtheit einzig gebüh- rende Antwort: In einer darauf anberaumten Generalversammlung deS Vereins wurde einstimmig derAustritt aus dem Braunschweiger Landwehr-Verband beschlossen und Herr Frühling hiervon telegra« phisch benachrichtigt. Der Staat war zur Abwechselung einmal nicht gerettet. Die„einzig gebührende Antwort", sagten wir soeben. DaS bedarf jedoch einer Einschränkung. Nur angesichts der Thatsache, daß jeder Schritt gegen die Anmaßung des„Kamerad" Frühling vergeblich gewesen wäre, kann der Austritt als gerechtfertigte Maßregel erscheinen. Sonst hätte umgekehrt der Herr„Kamerad" für seine Anmaßung austrete« oder ausgetreten werden müssen. Daran war jedoch bei der korrupten Gefinnung, die in der Mehrzahl der Kriegervereine herrscht, gar nicht zu denken, ebensowenig wie daran zu denken ist, daß irgend eine rich- terliche oder Verwaltungsbehörde ihn ob des frechen Angriffs auf die Freiheit der Wahl und das Wahlgeheimniß zur Rechen- schaft ziehen wird. Für die Gewalthaber in Deutschland gibt es kein Gesetz, wie es für die Unterdrückten kein Recht gibt. — Wie die Zivilisation in den Regerländcrn wirkt, ist aus folgender von der„Leipziger Zeitung" veröffentlichten Liste der Kameruner Einfuhr und Aus fuhr zu ersehen: Eingeführt wurden 1883: 1,524,028 Liter Rum(soll wohl Schnaps heißen), Genever 37,800 Flaschen, Pnlver b 7,475 Kg., Salz 1,112,000 Kg., Tabak 56,053 Kg., Gewehre(Steinschloß-) 1588 Stück, Patrone« 1000 Stück, Zeuge 338,200 Dards. Ausgeführt wurde: Palmöl 1924 T., Palmkerne 1637 T., Kautschuk 6 536 Kg., Elfenbein 8372 Kg., Cacao 1521 Kg. Man sieht, setzt die„Neue Züricher Zeitung", der wir diese Notiz entnehmen, hinzu, von welcher Seite her der Handel harmloser betrieben wird. Die Neger behaupten auch nicht, daß sie mit ihrem Palmöl«. un? Europäer ztvilisiren wollen! Korrespondenzen. Crimmitschau, 17. April. Seit längerer Zeit hat sich wiederum in empfindlichster Weise bemerkbar gemacht, hinter was man schon vor mehreren Jahren gekommen war, nämlich die nichtswürdige Art und Weise, auf welche die hiesig« Weberschast von Seite ihrer Fabrikanten b e st o h l e n wird. Zur Zeit des großen Weberstreiks hatten Viele ge« glaubt, dieser Spitzbüberei dadurch einigermaßen Einhalt gethan zu haben, daß man sie vor der Oeffentlichkeit kennzeichnete: daß sich jedoch unsre Biedermänner aus der öffentlichen Meinung etwas machen, daß sie so etwa? wie Scham- oder Ehrgefühl besitzen würden, daran konnte eigent» lich nur ein von Vertrauensduselei Besessener glauben. Anzunehmen� daß der Lohn des Webers hier wirklich nach Band, das heißt 6 Leip- ziger Ellen Kette, in anderen Tuchstädten auch Schmitz« oder Zeichen genannt, berechnet wird, dazu gehörte in vielen Fällen schon ei« sehr frommer Glaube. Es wurden wiederholt von Arbeitern Unter« suchungen darüber angestellt, bei welchen sich ergab, daß die Bandläng» imvielen Fabriken nicht nur 4—6 Zoll über 6 Ellen, sondern mitunter noch über 7 Ellen betrug, und daß folglich der Weber jährlich vm hun» d er t Mark und darüber an seinem Lohn, der ihn an und für sich kaum vor dem Verhungern schützt, geschädigt wird. Jeder, der nur einen Funken von Rechtsgefühl besitzt, muß uns zugestehen, daß daS Betrug ist. Und daß es gemeiner, vorsätzlicher Betrug ist, geht auS dem Fol- genden hervor. Unter den hiestgen Webern machte sich immer stärker der Wunsch geltend, dem Maßunfug Einhalt zu thun. Es fanden einige Weberversammlungen statt, in denen beschlossen wurde, an den Fabri, kantenverein zu gehen und denselben schriftlich zu ersuchen, eine Rege« lung zu treffen, damit diese Mißwir thschast ein Ende nähme. Und zwar wurde nur verlangt, es solle in den Fabriken durch Plakate in den Ar« beitssälen bekannt gegeben werden, welches die Bandlänge der zu ver« webenden Kette, was für dieselbe bezahlt werde und welche Nebenarbeite« vorhanden seien. Sollte man wohl meinen, daß dies« Forderung auch den verbissensten Fabrikanten insultiren könne? Schwerlich. Und doch wurden die Arbeiter mit der Antwort zurückgewiesen, die in ihrem Schriftstück geschilderten Zustände seien keineswegs vorhanden, der Ar« beiter habe sich über nichts zu beklagen, Maß und Abrechnungsweis« seien überhaupt Sache eines jeden Einzelnen, und ginge den Fachverein gar nichts an. Nun wurde eine weitere Weberversammlung abgehalten, in welcher beschloffen wurde, daß in jeder einzelnen Fabrik die betreffenden Arbeiter selbst die Forderung schriftlich ihren Fabrikanten überreichen sollten. Da konnte man nun die Spitzbuben darüber schnauzen hören, wie die Weber die Unverschämtheit haben könnten, an ihrer Ehrlichkeit zu zweifeln. Die Tugendhelden empörten sich gewaltig darüber, daß die Weber den Muth hatten, ihre gerechten Forderungen ihnen, die ja die natürlichen Berather der Arbeiter sein wollen, zu unter» breiten, kurzum, es zeigte sich von Neuem, daß wir es mit würdigen Anhängern der B i s m a r ck, P u t t k a m e r und sonstigen Ausb-unden von Uneigennützigkeit zu thun hatten.„Die Kanaille hat nur Pflichten zu erfüllen, die Rechte stehen uns zu." Es würde zu weit führen, auf alle Einzelheiten einzugehen, wir wollen nur die hauptsächlichsten Thatsachen anführen. So erklärte einer dieser netten Burschen, dessen Fabrik einer Schlammbude oder Mördergrub« gleicht, der Stadtrath Köhler, der bei der letzten Wahl als Wahl- Vorsteher fungirt und sich sogar erdreistet hat, die Stimmzettel auszu- machen, ehe er dieselben in die Urne legte, seinen Webern rundweg: „Ich lasse mir von dem Fachverein keine Gesetze machen, sondern füge mich nur dem Willen Bismarcks." Gleich Bismarck verfügt dieser Herr über ein Prachtexemplar von Sohn, der, ebenso wie der Webermeister Zöffel, eher zum Ausseher eines rusiischen Zuchthauses als zum Leiter einer Fabrik in einem zivilisirten Lande paßte. Ein zweiter Biedermann, der nebenbei Bankdirektor ist, B i l tz ist sein Name, ließ seine Weber zusammenkommen und theilte ihnen mit, daß er und seine Genoffen sich keine Vorschriften vom Fachverein machen ließen, es sei überhaupt uner« hört, mit einer solchen Forderung an die Arbeitgeber heranzutreten. Herrn Biltz, welcher seinen Arbeitern Moral lehren will, deren er doch selbst so noihig hat, möchten wir ins Gedächiniß rufen, ob diesem bie- deren Herrn der christliche Tugendspiegel, genannt eiserne Besen, noch in Erinnerung ist, wo die guten Tugenden dieses edeldenkenden Moral- Predigers gekennzeichnet sind. Jndeß noch eines dritten Herrn müssen wir gedenken, des wackeren Albrecht Keylig, einer der rührigsten Anhänger oder— in der Sprache des Herrn selbst— Rädelsführer der vereinigten Fabrikanten, der zugleich euch die Ei_,re besitzt, Vorstand des hiestgen Fabrikantenvereins zu sein. Et> Mensch, der seinen Webern heute verspricht, daß sie sich auf sein Ehrenwort verlassen können, er habe nur das Wohl seiner Arbeiter im Auge, und der doch die Schamlosigkeit besitzt, das, was er heule den Ardeitern zugibt, den an- dern Tag wieder abzuleugnen. Als die Weber dieses Herrn, nachdem im Jahre 1884 bei einem damaligen acht Tage andauernden Streik ver- einbart worden, daS Band solle S Leipziger Ellen geleimte Lette betra- gen, im Februar d. I. die Sache näher untersuchten, da fand man, daß das Band 6 Leipziger Ellen 18 Zoll Kette gescheert wurde, ja bei ge- wissen Mustern sogar aus 7 Leipziger Ellen angelegt worden war. Als sie ihn nun davon in Kenntmß setzten, daß wider Berein- batung die Bande um 18—24 Zoll verlängert worden seien, erklärte dieser dreiste Be- rather seiner Arbeiter, er wisse nichts von der Ber- längerung der Bande. Die Weber, welche ihre Forderung energisch ver» theidigten, setzten nach dreitägiger Verhandlung folgende Vereinbarung durch: Das Band hat 6 Leipziger Ellen 4 Zoll gescheerte Kette, und der Lohn hierfür ist 95 Pf. bis 90 Pf. für Männer und 80 Pf. für Frauen. Berechnen wir nun, um wie viel dieser große Sp—ekulirer den Verdienst der Weber während der zwei Jahre dadurch geschmälert hat, daß er jede Kette ohne ihr Wissen um 33 Leipziger Ellen verlängerte, die sie umsonst verarbeiten mußten: Die Kette umfaßt 45 Band. Neh- men wir an, daß ein Weber 18 Band wöchentlich fertig stellt, so hat dieser Schuft den Verdienst eines Webers in einer Woche um nahezu 2 Mark gekürzt, d. h. jährlich um mindestens 100 Mark. Da er nun 33 Webstühle hat, so ergibt dieS die kleine Summe von 3800 Mark, welche dieser Schmarotzer in Saus und BrauS verbrauchte. Wer aber etwa meinte, daß die Sache sich nunmehr bessern werde, der sollte sich bitter enttäuscht sehen. Nach Ablaus einiger Wochen riß Ehren-Keylig das Plakat wieder herunter und erklärte seinen Webern, sie sollten sich nur auf sein Ehrenwort verlassen und nicht den Wühlern des Fachvereins oder den Sozialdemokraten glauben. Die Weber ver- langten das Abgerissene wieder angesch agen oder ins Lohnbuch einge- schrieben, was der wirkliche Berather für daS Wohl seiner Arbeiter als vorstand des Ausbeutervereins natürlich zurückwies. Hieraus stellten die Weber und Weberinnen die Arbeit ein, der gemeingefährliche Be- rather aber verklagte sie aus Schadenersatz, weil er keine Weber hat, und zwar setzte er für den Tag 2 Mark an. Trotzdem nun feststeht, daß er auswärts Weber bis 20 Mark(!) Wochenverdienst suchte, seine Weber betrogen, die Vereinbarung heruntergerissen hat, so hals doch Alles nichts, die Weber wurden von dem hiesigen Bürgermeister, G r u n d i g heißt der Ehrenmann, zur Tragung der Kosten und täglich 2 Mark Schadenersatz verurtheilt, wogegen natürlich von den Webern Einspruch erhoben wird. Wir werden ja sehen, mit welchem Erfolg. Nun, Genossen, Ihr seht, mit welcher Sippschaft wir es zu thun haben. Da der Streik schrn fünf Wochen andauert und bedeutende Opfer kostet, können wir nicht unterlassen, an Euer Solidaritätsgefühl zu appelliren. Sorgt für genügende Unterstützung, damit wir in dem Kampf, welcher ein hartnäckiger geworden, nicht unterliegen, uns nicht dieser elenden Gesellschaft auf Gnade und Ungnade ergeben müsien. Nochmals, Genossen, tretet sür uns ein, unterstützt uns, so viel in Eurer Kraft steht, denn unsere Interessen sind die Eurigen. Die Streikenden find noch einig wie zuvor, darum hoffen wir, daß wir zum Siege gelangen. Mit sozialdemokratischem Gruß l „Ueb' immer Treu und Redlichkeit." Aus dem zweiteu sächsischen Wahlkreise. Ein Polizei- s p i o n schuftigster Sorte ist der Grenzaufteher Tschaler in Alt- gersdorf. Kürzlich fahndete die Pol>zei eifrig nach den V e r b r e i- lern von W ah l s l ug b l ä t t e r n; ihre Bemühungen würden aber vergeblich gewesen sein, wenn ihr nicht der„Meineidsmichel" T s ch a l e r zu Hilse gekommen wäre. Obwohl bereits 8 Wochen seit der Verbreitung verstrichen und obwohl er nie ein Flugblatt gesehen,„wußte" dieser Schurke doch„ganz genau", wer der Verbreiter gewesen, und in welche Häuser Flugblätter getragen wurden. Auf welche Weise er dabei Andere zum Meineid zwingen wollte, be- weist Folgendes: Er ging zum G-nsdarmen und mit diesem von Haus zu Haus; in den meisten Häusern suchte er die Bewohner dadurch ein- zuschüchtern, daß er behauptete, er wiffe, daß Flugblätter hierher gebracht worden seien. Einigemale behauptete er sogar, daß der und der Be> wohner um diese Zelt zu Hause gewesen sei; natürlich kam er dabei oft schief an. Betrachten wir uns einmal das Treiben dieses sauberen Burschen im Allgememen. Da der Genannte metst aus das Faullenzen angewiesen ist, so vertreibt er sich außer mit der Spionage die Zert mit dem schöneren Geschlecht. So hatte er vor einiger Zeit em intimes Verhältnitz mit einer verheiratheten Nähterin in Altgersdorf; nach längerer Zeit ge- wahrte der Mann derselben, daß er im Dunkel der Nacht seine Hose mit der seines Nebenbuhlers, des Grenzaussehers Tschaler, verwechselt hattet— Ferner macht es dem Tschaler große Freude, wenn er armen Frauen und Kindern, welche sich gewöhnlich die Butter in Böhmen holen, da der geringe Verdienst nicht himeichi, die etwas theurere Butter»m In- land zu kaufen,„Kontrebande" machen und die wenigen Nahrungs- mittel, auf welche die Familien daheim meist sehnsüchtig warten, weg- stibitzen kann. Noch einige andere Denunzianten zur Veröffentlichung: 1) Der Kohlenhändler Hermann Wünsche am Bahnhof Alt- und Neugersdorf. 2) Der Gastwirth Adolf Schöbet in Neugersdorf(aus dem Berge). L) Der Gastwirth Gustav Zeutsch in Altgers dorf(Feld- schenke). SS ist durch Zeugen nachgewiesen worden, daß die drei Obengenannten wiederholt unsere Genossen bei der Polizei denunzirt haben. Wir fordern daher alle mrt uns sich solidarisch fühlenden Arbeiter auf, die bezeichneten Geschäfte zu meiden. Die Vertrauensleute bei zweiten sächsischen Wahlkreises. München, 9. April, l-s roi est mort— rive le roil Auf echt bayrisch: Der Narr ist todt, es lebe der Narr! Bei uns: Di« Reichs- ta�swagl ist vorüber, es lebe die LandtagSwahl! Ueber diese, in welche wir selbständig eintreten, werden wir seiner Zeit berichten. In- zwischen dürste ein Rückblick auf daS letzte Quartal und besonders aus die R e i ch s t a g S w a h l für die Leser des Parteiorgans von Jnter- effe sein. lieber das Wahlresultat können wir nur mit gemischten Empfindungen berichten. Wir bedauern, daß unS unser Ritter im Reichstage nicht ver- tritt, und wir fteuen uns der 17,000 Stimmen, welche wir er- hielten. Und unter welchen Umständen erhielten! Sämmtliche größere Lokale wurden uns gleich ansangs von den Polizeisubjekten abgetrieben. Eine Versammlung war absolut unmöglich, bis wir wenige Tage vor der Wahl das privilegirte Mordspatriotenpack unsere Macht fühlen ließen und zwar in einer Versammlung der Liberalen, die in einem der größten Säle Münchens staltfand, und wo auch unsere Partei stark ver- treten war. Dort suchte der bekannte Hampelmann Schauß mit seinem fabrizirten Wahlichwindel in der Form von Säbelgerassel, Bruder- und Massenmord ferne Getreuen einzuschüchtern, es wurde ihm aber von unS sowohl durch treffende Zwischenrufe als auch von einigen Genossen, welche das Wort eihielten, in ausführlicher Rede gehörig heimgeleuchtet, und der sonst, wenn es gilt, Worte zu verdrehen, so Redegewandte verlor vellftändig die Lust, den Rednern unserer Partei zu antworten. Er war sür diesen Aoend todt. Und so wurde dieser Hallunke einmal in die Lage gedrängt, zwei Stunden Gerechtigkeit walten zu lassen, und zu unserer Freude und seinem Leide daraus zu verzichten, sich zum Hunde zu degradiren, der vor der Tyrannenbrut schweifwedelt und gegen die Arbeiter bellt und die Zähne fletscht. Während dann der liberale Kan- didat, Bierbrauer S e d l m a y e r, ein schrecklich geistreicher Mensch, sein von Schauß geschriebenes Schriftstück herunterleierte, regnete es rothe Zettel in Massen von der Gallerie herunter. Die langen Gesichter der Spießbürger waren köstlich anzuschauen. Und welcher Schrecken, alS sie erst lasen, daß sämmliiche Wähler München« aus den kommenden Sonn- tag zu einer öffentlichen»ersammlung auf den Marienplatz vor der Hauplwache, in MNie der Stadt, eingeladen wurden, wo Grill-nberger reden sollte l Selbstredend wurde die Versammlung verboten, und alle BorfichiSmaßregeln von der Hochlöblichen getroffen, um auch einmal einen tüchtigen Fang von Sozialdemolraten zu machen, denn e« hatte an diesem Tag die ganze Garnison mit scharfen Patronen versehen Bereitschaft. Von 12 Uhr an sammelten sich trotz Verbot Rassen von Renschen, um 2 Uhr war der Marienplatz und die emmündenden Straßen nicht mehr passirbar— wohl an 30 000 Mensch n(?Red.) mögen zusammengeströmt jein. Unter Scher, und Ernst wogte die Masse hin und wieder. Mit Hoch« auf Bollmar und auf die Sozialdemokratie wartete man, waS da kommen werde. Und— um V,4 Uhr kamen die Staatsretter in Gestalt von SenSdarmen, von der Masse mit einem höhnischen Hoch begrüßt, die mit den dummen Kerlen von nun an ihren Uik trieb. SS sammelten sich immer größere Massen zusammen, und man konnte so recht die Macht deS Volkes beobachten, wenn es einig ist. Trotzdem Jedermann mit lachender Miene den tölpelhaften„Lackeln" antwortete, entfernte sich kein Mensch. Dann kam die um eine Kompagnie verstärkte Hauptwache — mit gefälltem Bajonnet auf die Masse los, aber auch ste richtete nichts aus; die Masse blieb standhaft stehen. Zu bemerken ist noch, daß an diesem Tage so viel Einjährige auf die Hauptwache kommandirt wurden, als bei einem Regiment aufzutreiben waren, und sie haben sich auch bewährt; diese zukünsligen Staatsretter sind wahrhaftig zum Massen- mord in vier Monaten sehr gut eingedrillt. Di» Meineidsgesellschaft hiett sich lange ün Hintergrund, um nicht vor den gerechten Richter, vor das Voll, zu kommen. Endlich erschien sie, und man könnt« aus der Menge heraus Rufe hören wie: Das ist der MeüieidSmichel! das ist der mein- eidige Svitzel Auer! und so fort. Dann wurde von der sauberen Gesell- schast mit brutaler Gewall zur„Säuberung" des Platze« geschritten. Es wurden zirka 20 Personen verhaftet, aber zum Verdruß der Meur- eidsgesellschaft war kein bekannter Sozialdemokrat dabei. Die Verhaf- tung wurde bei Einigen in der Art ausgeführt, daß man glauben konnte, der Verhaftete sei ein Mörder, denn eS gingen zwei Schutz— geister mit gefälltem Bajonnet voraus, einer rechts, einer links, und zwei hinten- drein, und so gings weiter mit den Verhafteten auf die Hauptwache. Erst gegen'/,? Uhr war der Platz so ziemlich gesäubert und konnte die Pfaffengesellschaft wieder zu ihrem Götzen gehen(das sogenannte Marien« bild) und sagen: wir haben dich gerettet vor der Umsturzpartei. Also nicht der Götze rettete die Menschen, sondern die Meineidigen retteten den Götzen. Während nun so die Aufmerksamkeit der Ordnungsbanditen sich aus den Marienplatz konzentrirte, hielten unsere Genoffen zwei größere Ver- sammlungen in der Nähe der Hauptstadt ungestört ab. Die Polizei war düpirt. Der große Held aber, Prinzregent genannt, war an die öster- reichische Grenze nach Berchtesgaden gefahren, um sich dorthin die von seinen Räthen jedenfalls vorgelogene bevorstehende soziale Revolution telegraphisch melden zu lassen— ein netter Kunde! Einer unserer Ge- nossen, der in der Sache wiederholt vernommen wurde, weil die Schnüff- ler blos wissen wollten, wer denn die Macher dieser Pläne gewesen, konnte keine Auskunft ertheilen, als daß, wenn unserer Partei die Lokale fernerhin abgetrieben werden, wir demnächst Nachts 10 Uhr eine projek- tirte 10,000 Lichterve'. sammlung am Residenzplatz abhalten würden. Die Polizei staunte and glaubte, es sei Scherz. Aber durch un'er bisheriges Verfahren kam sie zu der Ueberzeugunz, daß es auf Thatsache beruhe, denn die Sozialdemokraten kennen hier keinen Scherz, verlangen sie doch blos ihr Recht wie andere politische Parteien— dies erklärte der be. treffende Genosse, und das wirkte. Denn der elektrische Strom ging durch das Polizeigebäude in die Polizeiseele über. Vom ersten Schrecken erholt, gings an die Regierung per Telephon. Es war eine förmliche Panik in Polizei und Regierung, bis zum„Narr— etwerden". Kurz, es gab, nachdem sie unsere Macht und Einfluß erkannt, Lokale so viel man wollte, und so wurden denn auch noch so viel Versammlungen, als noch arrangirt werden konnten, abgehalten, und daneben eifrig Flugschristen verbreitet; meistens aber wurde im Stillen gearbeitet, während sich Liberale und Ultramontane wie Lausbuben herumbalgten, um bei der Stichwahl Arm in Arm zu marschiren. Pfui dieser Gesellschaft! Genosse Gnllenberger sprach in einigen Versammlungen, welche so stark besucht waren, daß Tische und Stühle entfernt werden mußten, Taufende Kopf an Kopf der Versammlung stehend beiwohnten, und eben so viel umkehren mußten. Uebernll zeigte es sich, daß wir selbst Orb- nung halten können, sobald nur kein lümmelhafter Polizist sich in der be- kannten läppischen Manier einmischt. Nach alledem erhielten wir bei der Wahl unsere 17,000 Stimmen— welches Resultat wir unserem inhaf- tirten Kandidaten Vollmar NachtS 11 Uhr durch ein großes Transparent gegenüber dem Gefängniß bekannt gaben— und kamen im 2. Mün- chener Wahlkreis in die Stichwahl mit den Schwarzen. Leider fehlte es jetzt an einem Organ, das unsere Interessen vertreten hätte; wir muß- ten alle die perfiden Angrisse de« PsaffengesindelS und Protzenthun.S ruhig hinnehmen. So scheute sich der Psaffe Huhn nicht, von der Tri- büne auf unseren Kandidaten, der im Gefängniß sitzt, also auf einen Wehrlosen, loezudonnern, das Programm des„Revolutionärs und Kommunisten", der„die freie Liebe predige", in einer so verleumderi- schen, lügenhaften Weise zu verdrehen, wie es einem Pfaffen eben mög- lich ist. So bezeichnete er als Folge der freien Liebe, daß die Leute ein halbes Dutzend Kinder haben werden, für jedeS Kind eine andere Mutter l Du Pfaffe kannst freilich aus Erfahrung sprechen und mußt diese freie Liebe verdammen, denn die kommt dich theuer. Wir verdammen sie auch, aber wir verdammen auch die heutige, lügenhafte Ehe, die nicht nach freier, gewonnener Liebe geschlossen wird, sondern nach Geld, und bei der meist ein Menschenleben verkauft wird. Zum Schluß seien noch einzelne Heldenthaten aus der Wahlära hier angenagelt. Fangen wir bei der Polizei an. Ein Genosse, welchem 6 Monate Gefängniß zudiktirt wurden wegen Geheimbund, obwohl er unschuldiger ist als ein Kind(denn wir brauchen keinen Geh-imbund, den brauchen blos Polizeischurken, um sich Orden zu erwerben), wurde aus die Polizei zitirt wegen den oben erwähnten Versammlungen. Es wurde ihm eröffnet, daß sein Gesuch um Strafaufschub erfüllt werde, wenn er veranlassen könne, daß sich das Arbeiter-Wahlkomite anzeigen werde. Es gelang ihm endlich, einige Genossen ausfindig zu machen, die einwilligten, damit sein Wunsch erfüllt werde; darauf meldete er fünf Mann an, er vertraute darauf, daß der Polizeidirektor ein Mann von Ehre sei und Wort halten werde, aber er hatte die Rechnung ohne den W>rth gemacht, denn er erhielt am nächsten Tag die Quittung in Ge- statt einer Ordre, innerhalb 24 Stunden seine Gesängnißstrafe anzutreten, und das Wahlkomite, dem erklärt wurde, es hätte nicht« zu sürch- ten, ist von der Polizei in Anklagezustand versetzt worden. Die Ge- siellungsordre sür Ernst wurde vier Tage zurückdatirt, um den Glauben zu erwecken, sie sei von der Regierung schon lange ausgefertigt. So die Polizei in München. Bei anständigen Leuten Hecht es: ein Mann ein Wort, oder ein Hundsfott! Und hundsföttisch in der That ist die Moral derjenigen, die die Moral Anderer hüten wollen. In der Stichwahl wurde in den frommen schwarzen Bauerndörfern kein Plakat gestattet, von den durch Pfaffen aufgehetzten Bauern wurden die Genoffen ver- haftet, eingesperrt, zum Wahllokal hinausgeworfen, ihnen bei nochmali- gem Erscheinen mit Erschlagen gedroht! DaS ist die Freiheit, die die Psaffen wollen. Es ließen sich Dutzende von solchen Fällen aufzählen. Ob all der Schandthaten ist unsrerseits Wahlprotest erhoben. Wir sind, wenn man das Säbelgerassel und die Wahlbeeinflussungen von Seite der B Hörden und Parteien in Betracht zieht, mit Ehren unterlegen, und b auchen die Hoffnung nicht sinken zu lassen, bei der nächsten Reichstagswahl trotz Zusammengehen aller Parteien unser« Rittet wieder in den Reichstag zu schicken. Aber nur auf unsere eigene Macht dürfen wir uns stützen. Darum srisch an» Werk, und in drei Jahren werden wieder 5000 mehr ihrer Klassenlage bewußt fein. Das nächste Mal mehr über Konservative und Ranonalliberale u. s. w. M. Krug. Immer wieder schärfen wir unseren Korrespondenten«in, unter Angabe de« Datums in jedem Brief ruf. w. stets deutlich anzugeben, welche Korrespon- benzen, Sendungen ic. bis zu Abgang eingetroffen waren. Bei Adreß- änderunqen, Adreßlöschungen u. dgl. ist unbedingt Borkehrung zu treffen, etwa Lausendes in sichereHand zu leiten. Alle Adreßmeldungen bitten wir in Deutsch- und Lateinschrist(behufs Kontrole) deutlich zu schreiben und sich nicht bloS mit zwei oder drei Adressen zu beHelsen, was stet« gefährlich ist. Deckadressaten oder deren Angehörige find zur Ablieferung sosortnach Empfangnahme strengsten« anzuhalten. Weiterbeförderungen und Abholungen sind pünktlichst zu bewirken, Kouverte und Emballage sofort nach Empfang zu vermchtm. Ran schreibe B e r i ch t e»c. für die Redaktion«iemal» auf denselben Briesbogen, der Geschäftliches enthält, sondern Jede« sür sich getrennt. Erpedition de»„vogtaldem okrat." 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