� AbotMöments_ Ui allen schw'liMsch'en V»stdu«»u;, sowie � beim Verlag »»b bissen bekannten Agenten ijr* Wjejengtnommtn. und»war zum vora«»»ahlbaran viertelsahriprei» bon: ?b, t,— flr bieCchweiz(Kreusband) tfUi W, 8,— fgt Dentschlanb(Convert) »% VTO str Oesterrel»(T-nvert) ?r- 2,iO str alle übrigen Lilnder de» KeltbostberelnZ(«rentbanbs Der mmlöemckrat M int»' ftM «x» ! VN» -rh-S s«, > doch 9tP t eu « dt« Istk |«fet«ie Ml Meigespaltene Petlszeill v fcü CtS.---- 20 PfS. Grgan der Sozialdemokratie deutscher Zunge. Krscheittt wSchONtli««»««»» i» Zürich(Schweiz). Pertag »er »«rr«buchha«»r««D Hottittgan-ZSrteh. Vsßsesdllsgt« sranto gegen frank».� Gewöhnliche»riefe nach»er Schwei, lost« DopP-lporto. M. 21. «riefe an die«ebakiion und Erpedition abgehen lassen. 3«»( r R e g 1 1 »ei in Deutschland nn» Oesterreich verbotenen.Eoiialdemokrat' wolle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht schicke man uns»ie Briefe nicht direkt, sondern an die bekannten Deckadressen. 3n zweifelhasten Fällen eingeschrieben. 20. Mai 1887. Ber« in», ! 00« MntG» Kens»« sslniä» lSntn nmt» lu. T- nich» «statt! lUOf M««« (Ben. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Für die Opfer der„Geheimbund"- Justizmorde. An Feiruar gingen bei uns ein: Bern s». St. Fr. 10—, Loder L. 10—, V. 6—, St. 7—, Sch. 2—, R. 10—, zusammen Fr. 44—)--- SKI. 35 20 für Frankfurt und vffenbach a/M. G. Schlk. Manchester(40 Cents) 1 SO pr. H. N. Jork für Frbrg. gm März gingen bei uns ei«: vorwärts, BuenoS-Sire«(Fr. SSO—) Mk. 17S—. In Nr. 20 quittirt: Mk. LOS 4S Heute„„ 212 80 JnSgefammti 419 28 Mgem. Wahl- ic.- Fonds. A» Februar und März gingen bei uns ein: L-J. X. Mk. 10-. E. H. Troy-s(Fr.—SO)-40. L.«ch. Dd. ~60. Paris vom„Socialiste"(350—) 280—, nachträgl. Beitrag zum deutschen Wahllampf. P.>G. Bukarest(IS—) 12—, Beitr. I. Qu. In Nr. 20 quittirt: Mk. 223 9» Heute„„ 303— Jnsgesammt: m 526 93 Andorweitige Nachträge per Februar und Mär» solge» mit der Juli'Quittung. AU Administratisi» des.S-Mdkmskrat'. Allgemeiner Unterstützungs-FondS. gm Februar und Mär» gingen bei uns-in: BOTwfats.«uenos Aires(Fr. 154-) Mk. 123 20. Zu levenSlängl. Heuchelei Verurthettter S SO. C. M. Lmignau(2-) 1 SO. E. K. durch v- P' M. und Ungenannt Bern(S— u. 1—) 4 80. �7�, In«stag gesammelt v. d. Gemaßre-ielten 8—. I.«. Bst. st �?«f°ld.Zch.(3 40) 2 72. R. H. Lyon(2 SO) ««Riol Sotoebondo(25—) 20—. P..G. Bukarest(S—) 4—. In Nr. 20 quittirt: Mk. 456 17 H-ute �„ 173 02 Jnsgesammt:„ 62919 iu. n. c. erst- L D» «sÄ! ' f-» Ab.» Bern» 50 � echnen :■.% Li3 t-Sio» d. d» E�t BstSa th_ jm.scht d«. g- Die Stellung der Sozialdemokratie zum � Parlamentarismus. - �te�:"Die Arbeiter, der Parlamentarismus «ld d,e bürgerlichen Parteien in Deutschland« veröffentlicht Schippel in der Wiener„Gleichheit" eine Reihe von Artikeln, m denen er auszuführen sucht, erstens daß die„posi- »lven Gefahren und Schäden der parlameutari- Ichen Vertretung" seitens der Partei noch nicht genügend «» Betracht gezogen werden, und zweitens daß die Klarheit «.«er Stellungnahme der Sozialdemokratie zu andern Parteien »»'»unbedingte Ablehnung jeder aktiven oder passiven t ber Bourgeoisparteien, auch bei wählen," erfordert. i«�J£äilttb-bad �r09cnr bie' f0 oft st- auch schon erörtert worden, , steS1110� � erneuten Besprechung werth find. Und kein Moment ist wohl geeigneter zu ihrer Erörterung als der , �gegenwärtige, wo der Wahlkampf vorüber ist und keinerlei akute Streitfragen die Gemüther erhitzen, wo also leidenschafts. g' und unpersönlich das Für und Wider erwogen werden et» st* �®r gehen daher sehr gern auf die von Schippel eröss- uete Debatte ein. Was zunächst die Frage«ach den Gefahre« und Schä- ven der parlamentarischen Bertretnug betrifft, so f* kvir Schippel ohne Weiteres z«, daß solche bestehen; nnr luchen wir sie nicht durchweg da, wo er sie sucht, und weichm - ,auch m den Schlußfolgerungen wesentlich von ihm ab. »Eine Partei wie die der deutschm Arbeiter", sagt Schippel, welche„die Herrschast der Besitzenden nicht theilen, sondern »»«-vernichten will, für die jede Maßregel der Gesetzgebung und �erwaltung daher nur gerade soweit Bedeutung hat, als sie diesem Ziele uns näher bringt und bestehmde Hindernisse für ■-stto endliche Erreichung hinwegräumt.. hat von nnfereu �7«, Parlamenten in aller absehbaren Zeit sehr wenig z« erwarten, M. r� wenn sie es hier ja zu einigen Erfolg« bringt, so ge- »V.WWt es nur, weil die Besitzenden wissm, daß hinter den , W ,�uiokratischeu Vertretern Hunderttausende von ent- »«. uhloßenen Arbeitern stehen, welche durch keinerlei Kniffe __> Rn° politische Schachzüge dem Sozialismus abspenstig zu machen > ud, weil sie dessm Wahrheit und die Folgen der Kapitals- Herrschaft erkannt. Lediglich in dieser unerschütterlichen Ueber- zeugung, in diesem zielbewußten Denken der Massen liegt unser dereinstiger Sieg in der Zukunft, und liegt auch heute schon unser politischer Einfluß. Für uns ist daher von wirk- lich fundamentaler Bedeutung einzig und allein die Massenagitation und ihr Erfolg." Das ist richtig, und wir glauben auch nicht, daß irgend ein Genosse— so gemäßigt er sonst sein mag— gegen diesen Satz Einwand erheben wird. Der Streit handelt sich nur darum, was bringt uns unserm Ziele näher und räumt be- stehende Hindernisse für dessen endliche Erreichung hinweg? Dar- über gehen die Ansichten, wie bekannt, ziemlich weit ausein- ander. Es gibt Leute, die alles und jedes, selbst das kleinste Winkelparagräphchen in diesen Begriff hineinziehen, während Andere alles verpönen, was nicht ausgesprochen sozialistische Forderungen sind. Nun werden im Reichstag aber auch Dinge verhandelt, die zwar für das Ziel der Sozialdemokratie— wir möchten sagen, indifferent, unter den heutigen Verhält- nissen aber unzweifelhaft für die Arbeiterklasse von großem Interesse sind. Nehmen wir z. B. das Unfallversiche- rungsgesetz. Für die Beseitigung der kapitalistischen Pro- duktionsweise ist die Art seiner Abfassung ziemlich gleichgiltig, von einem gewissen Standpunkt aus kann man sogar sagen, je schlechter, um so aufreizender und also auch umstürzlerischer. Anderseits wollen aber die Arbeiter, bis das Ziel ihrer Eman- zipation erreicht ist, nicht geschunden sein, es gilt also, ihre Interessen wahrzunehmen, will man nicht den Einfluß aus die größere, noch nicht sozialistische Masse verscherzen. Der Hinweis darauf, daß der Schwerpunkt unserer Partei in den Massen liegt, so wichtig er auch ist, genügt also an sich noch nicht, um die Frage tzu entscheiden, wie weit die parlamenta- rische Thätigkeit unserer Abgeordneten zu gehen hat. Mit ihm allein ließe sich alles rechtfertigen. „Die Zahl der parlamentarischen Mandate", fährt Schippel fort,„ist darum durchaus nicht gleichgiltig, aber sie gewinnt für uns Bedeutung nur dadurch, daß sie mehr oder weniger Leuten gestattet, durch das offene Fenster des Reichstags, wel- cher die Redebeschränkunue« der VottSversait.uilung nicht fc.Jt, hinaus zum Volke zu reden und dessen schlummerndes Selbstbewußtsein zu wecken. Denn für Abstimmungen und Be- schlüsse sind in unseren heutigen Parlamenten 36 sozialdcmo- kratische Abgeordnete ebenso nichtssagend wie 24 oder 12— vorausgesetzt natürlich, daß es sich> nicht um kleine häus- liche Streitigkeiten der bürgerlichen Jnteressenkrcise unter sich allein handelt— hier treiben ja mancherlei Zufälle ihr Wesen — sondern um die uns mitberührendcn Fragen des Gegen- satzeS zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten." Das stimmt doch nicht ganz. Es kommt nämlich vor, daß Fragen, die dm Gegensatz zwischen Ausbeutern und AuSge- beuteten ganz erheblich berühren, mit„häuslichen Streitigkeitm der bürgerlichen Jnteressenkreise" zusammenfallen. Da kann eS nun doch von Bedmtung sein, ob 36 sozialdemokratische Stimmen in die Wagschale fallen oder nur 12. Kein Zweifel, jedesmal, wo es sich um die Fundamentalforderungen der Sozialdemokratie handelt, werden wir die gesammten bürger- lichen Parteien als eine geschlossene Armee gegen unS haben, aber diese Forderungen sind vorläufig nur unser theo- retischeS Rüstzeug; find wir einmal soweit, sie praktisch zu stellen, dann— ja gerade dann werden wir auf den Parla- mentarismus verzichten können. Bis dahin gilt eö, die That- fache auszunutzen, daß die bürgerlichen Parteien zwar selbst- verständlich sammt und sonders Gegner der Sozialdemokratie sind, aber keineswegs eine einheitliche„Masse." Hier ist der Punkt, der uns hauptsächlich von Schippel trmnt, wir werden aber darauf in einem späteren Artikel zurückkommen, der von der Stellung der Sozialdemokratie zn dm bürgerlichen Parteim handeln wird. Wenden wir uns jetzt zu dem„HinanS zum Volke reden". Dies ist wiederum eine Sacke, über die grundsätzlich w der Partei nur eine Stimme herrscht, und die doch mit der ein- fachen Zustimmung noch keineswegs erledigt ist. CS kommt nicht bloS darauf an, daß zu« Volke hinaus gesprochen wird — das thun schließlich alle Parteien— sondern wa» und wie zum Volke hinaus gesprochen wird. Und gerade darüber ist noch am wmigstm geschrieben wordm— wohl hauptsächlich auS dem Grunde, weil die Gefahr so nahe liegt, persön- lich zu verletzen. Jndeß, hier Handeft eS sich nicht um spezielle Fälle, sondern um allgemeine Norme«, und darum sei eS uns gestattet. Ewiges zu differ Frage zu bemerken« Was heißt zum Volke hinaus redm? CS bedeutet kemeSwegS, auf der Tribüne deS Reichstags Reden zu haltm, die ausschließlich auf die Massm außerhalb des Reichstags berechnet sind. Solche Redm würden sehr bald nicht nur im Reichstage, sondern auch außerhalb desselben jede Wirkung verlieren, weil sie mehr und mehr dm Eindruck des Gemachten, Erkünstelten hervorlufen würdm. Eine Rede wirkt aber um so mehr auf Hörer und Leser, als sie— abgesehen vom stofflichen Inhalt— de» Charakter des Urwüchsigen, im Augenblick Empfundenm trägt. Das kann sie aber nur, wenn sie an das Publikum gerichtet ist, vor welchem der Redner gerade steht. Etwas Andres ist eS jedoch, ob der Redner sich von dem Publikum abhängig machen soll, zu dem er spricht. Hier ist der Punkt, in welchem nach unserer Ansicht am leichtesten gesündigt wird. Ueber den vermutheten Eindruck im Hause, bezw. auf daS Haus wird der Eindruck, den die Rede bei den Hörern außer dem Hause, bei der großen Masse deS Volkes machen muß,' wenn sie nicht jeden agitatorischen Werth einbüßen soll, vergessen. Wenn der Redner so spricht, als glaube er im Ernst, unsere Gegner bekehren zu können, als sei eSnur mangelnde Erkenntniß, nicht das Interesse ihrer Klasse, was die Herren von uns trennt, so wird er im Hause viel- leicht wohlwollende Anerkennung finden— ohne daß natürlich die wohlwollenden Herren darum ihr Klasseninteresse aufgebe« werden— draußen im Volke aber und namentlich bei dmm, welche die Bedrückungen der herrschenden Klassen am lebhaf- testen empfinden, nur Enttäuschung hervorrufen. Vergißt der Redner die Kluft, die unS von den bürgerlichen Parteien trennt, so wird seine Rede auch nicht die Ueberlegenheit der Sozialdemokratie über jene zum Ausdruck bringen. Und das heißt— da wir nun einmal mit den Herren nicht auf dem Standpunkt der Gleichheit verkehren können— sich zur Unbedeutendheit verurtheile». Zum Volke hinaus wird Der am besten reden, der eS sich zum Grundsatz macht, in dm Reichstag vom Volk herein zu reden; statt in den Parlaments ton zu verfallen, den Ton anzuschlagen, welcher der Volksempfindung deu ge- hörigen kräftigen Ausdruck gibt. Daß hiergegen schon manchmal, und sogar bei recht wichtige« Anlässen gesündigt worden ist, kann Niemand leugnen, der nicht sein Auge den offenkundigen Thatsachen verschließt. Und wenn eS sich nicht um ausgesprochen prinzipielle Verstöße handelt, so vergesse man nicht, daß schließlich auch die Form auf das Wesen zurückwirkt. Wer sich zum Sklaven der Form macht, der wird es schließlich auch in der Sache an der erfor- derlichen Schärfe fehlen lassen. Hiermit fällt zusammen, waS Schippel als eine weitere Ge- fahr des Parlamentarismns bezeichnet, die nämlich— um ihn stlbst reden z» lassen—„daß dü Abgeordneten in dem laby- rinthisch irren Herüber- und Hinüberwogen des parlamenta- rischen Kleinkrieges den sicheren Blick für die alles beherrschen- den großen Strömungen des öffentlichen Lebens verlieren. Mancher früher kräftig durchgreifende und darum meist das Richtig treffende Gesinnungsgenosse kommt in Gefahr, sich im Parlament das superkluge, bei allen verschlungenen Berechnun- gen natürlich gewöhnlich fehlgehende Diplomatisiren im Reichs- tag anzugewöhnen, wo es für Vertreter des Proletariats wahr- haftig nichts zu diplomatisiren gibt. Verstärkt wird diese Ge- fahr dadurch, daß die freundlichen, zum Theil sogar freund- fchastlichen Beziehungen, welche parlamentarifche Kollegen viel- fach zu pflegen gezwungen sind, die wir auch gar nicht auf- gehoben sehen wollen— daß diese Beziehungen, sage ich, daS Gefühl für die Schärfe der Interessengegensätze gegen ander« Parteien abstmnpsen. „Dazu kommt, daß das Aufgehen im parlamentarischm Leb« eine Einbuße an enger Fühlung mit dem Proletariat leicht mit sich bringt." Es fragt sich nun, ist diese Gefahr oder vielmehr, ist diese Wirkung— denn die Gefahr läugnen wir durchaus nicht — nothwendig mit dem Parlamentarismus, d. h. mit dem (Antreten ins Parlament verbunden? Wenn ja, dann hätten die Anarchisten Recht, dann wäre es besser, wir verzichteten ei« für allemal auf das kostspielige Vergnügen, Vertreter in da« Parlament zu entsenden, als daß wir auch fernerhin auf ei« Spiel eingehen, in dem wir nur verlieren könnten. Wenn aber nicht, dann wäre noch die Frage zu erörtern, die Schippel fernerhin aufwirft, ob es für die Partei von Werth ist, ein« möglichst große Zahl von Mandaten zu erringen. Was die erstere Frage anbetrifft, so stehen wir nicht an, sie ohne Weiteres zu verneinen. Es ist nicht eine natnr- nothwendige Folge des Eintreten« in'« Parlament, daß eine' Partei au Energie und Schärfe verliert. Wo diese Wirkung eintritt, da ist auch sonst Manches nicht in Ordnung. Wer der parlamentarischen Korruptton zugängig ist, pflegt auch andern Versuchungen nicht die nöthige Widerstandskrast entgegen- zusetzen. Wenn die Anarchisten auf die parlamentarischen Ueber- läufer verweisen, auf die Tolain, Nadaud w. in Frankreich, so vergessen sie dabei, daß die Ueberläuferei auch außerhalb der Parlamente anzufinden ist, und daß die extremsten Par- teien davor ebensowenig gefttt find wie andere. Je fester orga- nisirt eine Partei ist, um so geringer der Schaden, den ein Ueberläufer anrichten könnte— in dm meisten Fällen schadet da ein solcher nur sich, nicht aber der Parttt, die er im Stiche läßt. Und je eiftiger im Schooße der Partei an dm Funda« mmtalprinzipien derselben festgehaften wird, um so geringer wird die Gefahr der Abschwächung im Parlament sein. Wir wollen durchaus nicht abläugnen, daß in letzterer Beziehung fchon gefehlt wordm— es stünde daS uns auch sehr schlecht an— wir behauptm nur, daß das Heilmittel dagegen in der Hand der Genossen selbst liegt. Ihre Sache ist eS, darauf bedacht zu sein, daß, wo die Einflüsse de« Parlamentarismus Ueberhand zu gewinnen drohen, fk durch kräftige Gegenwehr von»ntm paralysirt werden. Wie hoch man nun aber auch diese Gefahr schätzen möge, so ist doch gar kein Anhaltspunkt dafür vorhanden, daß dieselbe in irgend einer bestimmten Beziehung zur Zahl der Abgeord- neten steht. Sie ist bei 36 nicht größer als bei 12— wenn sonst die Verhältnisse die gleichen sind. Sie zeigt sich nur bei 36 Deutlicher, was aber ihre Größe keineswegs erhöht. Daß eine sehr energische Haltung, eine kühne, leidenschaftliche Sprache sich mit einer viel größeren Zahl von Abgeordneten verträgt, beweist das Auftreten der irischen Fraktion in dem englischen Parlament, deren Mitglieder zwar fromme Katho- liten sind, sich aber durchaus nicht geniren, wenn eS Noth thut, einen Kater Kater und einen Oberst Saunderson einen schäm- losen Lügner zu nennen. Ist aber die Zahl der Abgeordneten für die Gefahr des auf den parlamentarischen Leim Gehen« gleichgiltig, so ist sie für die Repräsentation der Kraft der Partei doch nicht so be- deutungslos, als Schippe! meint. Wir wollen uns sehr hüten, aus der Charybdis des parlamentarischen Kretinismus in die Scylla eines unpraktischen Doktrinarismus zu verfallen. Schließlich ist eine numerisch starke Vertretung im Parlament, da« mm einmal ein Faktor unseres politischen Lebens gewor- den ist, eine Machtposition, die bei gehöriger Ausnutzung für die Partei von großem Vortheil sein kann. Der Nach- theil, daß die betreffenden Genossen zeitweise der lokalen Agi- tation entzogen werden, auf den Schipppel verweist, fällt hier gar nicht ins Gewicht. Erstens sitzen sie doch nur den gering- ste« Theil des Jahres im Reichstag, und dann ist es auch sehr leicht, durch zweckmäßige Arrangements einer Kräftever- geudung im Reichstag vorzubeugen. Fassen wir zusammen: Wir sind mit Schippet einverstanden, daß der Parlamen- tariSmuS mancherlei Gefahren für unsere Partei im Gefolge hat, die nicht unterschätzt werden sollen. Wir meinen aber, man soll sie auch nicht überschätzen, und sich dadurch zu ver- hängnißvollem Verzicht auf ein brauchbares Kampfmittel ver- leiten lassen. Wir wissen nicht, was Schippe! meint, wenn er sagt, daß .von einem gewissen Zeitpunkt ab die Vermehrung der Man- date sogar zu einem positiven Schaden für die Agitation und damit für die Partei werden kann." Unsere Ansicht aber ist: Solange wir überhaupt Vertreter ins Parlament entsenden, müssen wir auch darauf bedacht sein, ihre Zahl nach Kräften P» erhöhen. »Die politische Oekonomie vom geschicht- lichen Standpunkt." Unter diesem Titel hat Karl Knie» aus Heidelberg im Jahre 1SSS bei 6. A. Schwelle und Sohn in Braunschwelg ein Buch heraus' gegeben. Wir kommen mit der Besprechung desselben sehr spät und doch früh genug, weil eS unS ganz und gar nicht um Empfehlung des Knies- schen Buches, sondern um die„Ecksteine" der Sozialdemokratie zu thwt ist, an welchen der Verfasser zu rütteln versucht. Sr kann den Ecksteinen damit nicht schaden, aber wir glauben«twaS zu deren Ver- deutlichung beitragen zu können, wenn wir hier auf daS eitle Gerüttel zurückkommen. Ich habe keine Kunde darüber und glaube dennoch» den Verfasser für «inen Professor halten zu müssen: so langstilig ist die Ausdrucksweise. Wir haben ei hier mit der bekannten Buchmacherei zu thun, welch« «nf 533 Seiten bandwurmartig verklünge lt, was auf einem Zehntel de« Raumes recht packend hätte gesagt werden können. Auch daran glaube ich den„Professor" zu erkennen: überall zaghaftes »einerseits und anderseits", nirgends etwas Entschiedenes. Der Autor schleicht so sacht, alS wenn er wohl wüßte, daß er auf zwei Achseln zu tragen HM und ihm die Freimüthigkeit von Stan deswegen untersagt ist. Ifan pae Icb roia t'en yont, sagte Marx, als der König der Franzosen 1S4S nach England flüchtete, maia loa capacitea de la bourgeoiaie »'an ront aaaai. Sticht nur die Könige gehen flöten, sondern auch die professorale Weisheit, Die Wissenschaft ist auf dem Punkt angekommen, wo fie aufhört, unschuldig zu sei». Die Wahrheit wird hetNich und die Herren«ollen doch„gut Kind" bleiben, dürfen nicht gegen den Stachel tacke», müssen ihre Pfründe erhatten. Was bleibt da übrig!— Deutsch« ReichSschranzen. „Die polttische Oekonomie vom geschichttichen Standpunkt" hat schon t« Jahre 1853 daS Licht der Welt erblickt. Statt„ge'chichllicher Stand« yunkt" hieß«S damals:„Standpunkt der geschichllich-n Methode." Wegen dieser kleinen Wortvariatton werden mehrere Seiten zum Nachweis des enormen Unterschieds in Anspruch genommen, und geben gleich einen Rorgeschmack von der endlosen Brette, die der Leser von feinem Autor zu erwarten hat. Da» Werk hatte damals keine Beachtung gefunden. Selbst der Pro« stssor Wilh. Roscher— so seufzt der Verfasser—„dem doch meiu Buch gewidmet war", hat eS uMerlaffen, darauf aufmerksam zu machen. Grst zwanzig Jahre später thut derselbe seine kollegiale Schuldigkeit. 9m Professor muß doch dem andern die Bälg« treten, sonst geht ja die ganz« Koterie auS dem Leim. „Ich hatte e»— lautet die Borred«— für eine neue groß« Sache gehalten, daß die Wissenschaft sich über die gegensätzliche Einseitigkeit, nicht blo» der überkommenen Theorien zu Gunsten de» Freihandel» «ndderSchutzzülle, sondern auch kapitalistischerund fozia« liflifAet ftotbettinaen Bituiuäbe&t." Gewissermaßen ist da« ja eine löbliche Tendenz, wenn man sich über die Einseitigkeit heraushebt. Vielseitig muß de, Mensch sein und daS Gute überall nehmen, wo er e« findet. Der Schutzzoll hat seine Lortheile und der Freihandel auch. Der KapttaliSmus hat das Seinige gethan und der Sozialismus wird auch daS Seinige thun. Alles, was -ist, ist wirklich, und alle» Wirkliche ist gut und edel, aber— nicht überall und zu allen Zeiten, sondern mit Unterschied. Jedes zu feiner Zeit und an seinem Orte. Demnach darf und soll die Anerken« unng alles Wirklichen al» gut und edel nicht abhalte«, die zeitweism Kostbarkeiten auch zeitweise schlecht und miserabel zu finden.— Da» ist der„geschichtliche" Standpunkt. Bon diesem Berhältniß der Dinge befitzt derKarlKnieSso etwa« wie einen Begriff; aber nicht den Begriff, sondern nur so etwa»; so'n Stückchen davon. Ist er deshalb zu tadeln? Mt nicht«« 1 Niemand kann Alles begreifen, und auch ist anzuerkennen, daß die Wirklichkeit in jedem Stückchen und Theilchen unerschöpflich und unauSkennttich ist. Demnach kann Niemand ewe erschöpfende Kenntniß, auch nicht einmal von einer kleinen speziellen Sache haben. Und doch ist von einem Professor und von jedem Menschen zu verlangm, daß, wen» er«w dicke« Buch � über den geschichtlichen Standpunkt in der Oekonomie schreibt, er wenigsten» das W-sinlUchs vom Unwesentlichen tu unterscheiden weiß. Die Hauptsache oder das Wesentliche für Denjenigen, weicher über »die polittsche Oekonomie vom geschichtlichen Standpunkte" schreiben oder sprechen will, ist: 1) da» WachSthum der Demokratie im politischen, und 2) das WachSthum der Produktivkraft im ökonomischen Leben.— D,S hier so pro korma in Politik und Oekonomie getheilte Leben ist ein einziges, ein polMfch-ökonomijche«, allwo mtt der produkttven Kraft der Bötter ihre politische Wacht und Gewalt, ihre Demokratie wächst, und dann folgt aus der Demokratie auch wieder die Steige- rung der produktiven Arbeitskraft. Von diesem Hauptstück und wesentlichen Zusammenhang de» Themas hat der Herr K a r l« n t e S in seinem dicken Buche kein Wörtchen ge- meidet, ist vielmehr darum herumgeschtichen wie die Katze um den heißen Brei. An zwanzig Stellen seines„Werkes" bindet er mit den Sozialisten ausdrücklich an, und an hundertundzwanzig Stellen wirft er ihnen Dreck nach, ohne ste mit Namen anzureden, und spricht so erhaben in die blaue Allgemeinheit, daß gar nicht zu wissen, ob man sich angegriffen fühlen soll oder nicht. Der KnieS weiß ganz nett zu sagen, wie all« die verschiedenen Theorien der Merkantilisten, Phystokraten, Freihandelsmänner, Schutz- zöllner»c. in gewissen Kreisen und zu gewissen Zeiten ihre Berechtigung haben, aber daß durch die ganze geschichiliche Entwicklung ein rot her Faden geht, an welchem die Böller beständig lernen, mit wenig Arbeit viel Produkt und immer mehr und mehr da- von zu schaffen, daß die ökonomische Produktivkrast beständig wächst und die Böller von der Knechlschast erlöst, bezw. dieser Erlösung die Wege ebnet— davon scheint ihm nichts bekannt geworden. Was Jedermann mit Augen steht und mtt Händen fühlt, entgeht den Professoren. Aber es entgeht ihnen nicht, daß die Arbett angesangen hat, sich zu fühlen. Deshalb muß sie untergekriegt werden. Die poltti- schen Gewalthaber widersetzen sich der demokratischen Entwicklung, und ihre„gelehrten" Schranzen sollen der Arbeit ausreden, erstens daß fie alle Werth« zeuge, und zweitens daß es die Arbeit allein vermöge, den Böllern die erforderlichen Lebensmittel zu beschaffen. Wie darf man diesen gemeinen Faktor, wie darf man die Arbeit auf ein so hohes Pferd setzen? l Die Lehre, daß die gemeine Handarbeit die G r u nd- lag« der Politik, Religion, Familie, Humanität, Sittlichkeit, der Kultur überhaupt sei, daß aus dieser Grundlage der ganze idealistische Ueber- bau, alle göttlichen und menschlichen Gesetze zu erklären seien, ist»och gar zu materialistisch für den Dozenten der„politischen Oekonomie vom geschichtlichen Standpunkte." Schon auf S. 27 tadelt er an Adam Smith,„daß das fundamentale Gebiet für seine Untersuchungen die menschliche Arbeit abgab." Zur Kunst reichsschranzender Buchmacher gehört vor Allem, daß man das geistige Element, die guten Absichten der Regenten, die„politischen, psychologischen und ethischen Romente" in die Untersuchung mit hinein- zieht, dann kommt ein ordentliches Quantum zusammen. „Unter Smith' s Schülern(heißt es S. 31) ist selber der so oft ungerecht beurtheilte M a l t h u s heroorzuh den. der sogar Andeutungen gibt, daß man keine Borwürfe gegen A. S nith richten solle, wenn der- selbe Erscheinungen nicht in Erwägung gezogen habe, welche erst in Folge einer vorgeschrittenen geschichtlichen Entwicklung an den Tag ge- treten seien. „Indessen können wir doch auch im Kreise der begabten Anhänger de» A. S m t t h erst unter den etwas später austretenden deutschen Rattonalökonomen eine klarere Einsicht und entschiedenere Bestimmtheit über diesen Gegenstand nachweisen." Nun sind wir endlich von den englilchen Größen Smith, Ricardo, M a l t h u s bei der deutschen Herrlichkeit, bei den Konfratres des Herrn Knies angekommen. Da»st„der begabte H. Storch", der„minder- begabte Krause", der K. H. R a u und der große Roscher, der H i l d e b r a n d, der Schütz und wie sonst die prosefforalen B-rühmt- heiten mit ihren unsterblichen„Lebrbüchen" noch alle heißen. Lassen wir sie stille da, wo st- sind. Sie locken alle zusammen keinen Hund hinter dem Ofen weg. Sehen wir lieber nach unseren„Ecksteinen". Der Verfasser plaidirt die Unmöglichkeit der sozialistischen Ideale: „Keine irgendwelche„„Organisation der Arbeit"" kann den quantitativ deschränkten Umfang und die räumlich differenzirte Lertheilung der kör- perlichen Ding« verändern___ Wenn trotzdem der Glaube sich verbreiten soll, daß in einer zukünftige» Zeit der gleiche Genuß wirthK istlicher Güter für„„alle"" Menschen ermöglicht werden könne, so ist».an eben genöthigt, von ganz unmöglichen Erwartungen entweder bezüglich der „Natur" oder bezüglich der„Arbeit" auszugehen... Auch ein sozialisti- scher Schrifsteller wie Rodbertu», der sogar zugleich Gutebesitzer und Landwirth war, verkündigt, daß„schließlich die Schöpfung des Nahrungsstoffes ebenso in der Gewalt der Gesellschaft liegen werde, wie es heute in ihrer Macht liegt, beliebige Tuchquantitäten zu liefern, wenn nur die nöthigen Wollvorrälbe dazu da sind." Ja, meint daraus der KnieS: Tuch ist eben nur»rbeitaprodukt au» vorhandenem Wollvor- roth; aber die Wollvorrälhs lind ebensowenig wie irgend ein anderer Borrath der vielen wirthschaftlichen Stossgllter nur Prodult vorhandener menschlicher Arbeitskräfte." Run ja, das weiß ja jeder Mensch, daß die Natur LorauSsetzung aller Arbeit ist. Warum will da« der Professor noch erst doziren? Er setzt sogar seine„Natur" in Gänsefüßchen. Sc möchte jedenfalls gerne sagen:„Der liebe Gott muß mit seinem Segen dabei sein, sonst kann die Arbeit nichts ausrichten." Der Adam Smith, Ricardo und Marx find ihm nicht gotteefürchtig genug, deshalb will er auch ihren Grundsatz nicht akzeptiren, daß die Arbeit alle Werthe schafft. Jedoch spricht sich der kluge Knie« darüber nicht direkt au«: er nimmt den lieben Gott gar nicht in den Mund; er uzt und höhnt nur über„die Natur", und doch, wenn er etwas sagen muß über diesen Gegenstand, wenn er die Werththeorie angreifen will, ist«S der Gebrauchswerth, den er Marx vorwirft, nicht in Rechnung gezogen zu haben. Wir sehen: der Professor Knies urtheilt wie der Professor Sybel, und der Professor Sybel wie der Sxmtnister Schäffle, und alle zusammen haben ein und dasselbe Urtheil, daß man nämlich der Arbeit nicht zugeben darf, einzige Schöpferin aller Werthe zusein, und nicht zugeben darf, daß die Arbeit der Matador, der Autor, die Ursache ist, welche den Seist der Gesetze, da« StaatSleben. Jurisprudenz, Politik «nd Moral beeinflußt oder vielmehr gestaltet. I. Dietzge». (Schluß folgt.) Material für Sozialisten, »»« ße» Werken anerkannter Statlftik»»«»V Rationalökonome«, (Schluß.) Ein* der Hauptursachen der kurz-» Lebensdauer und überhaupt der elenden Gefundhettsveihältniss« der Srm-ren Bevölkerung find die unge- sunden Löcher, in denen st« m-ist ,u Hausen gezwungen ist. Dai beweis- krästigste Zeugniß für den schädlichen Emstuß solcher llmzebungen liefern die Versicherungsgesellschaften. Di- Arbeiter- Gegens-itigkeltg-sellschaften (frieadlx aocietiea) haben in jeder größeren Stadt ihre„geächteten Straßen." Die Liverpooler Srb-iter>Verstcherungsgesellschaft Biktoria hat allein für Liverpool 1S7 Straßen in«erruf erklärt, d. h. vorg-lchrie- den, daß„keine« ihrer Mitglieder in diesen Straßen wohnen darf." .'Zirkulär vom 13. Oktober IS8S) Und doch find solch« ungesunde» Straßen»ilbt zu schlecht, um da» Heim von Tausenden der ärmeren«-völkerung der tndustriellm Zentren tu bilbciu— Wir umgeben unsere öffentliche«rmenunterflützung mtt so lästigen und entwürdigenden Bedingungen, daß v,ele ehrliche Arm« lieber lang- sam zu Grund« gehe», al« solch- anzunehmen; trotzdem«mpsan.en gegenwärtig in Großbritannien und Irland an«wem Tage 871, 595 Arme öffentliche Unterstützungen. Davon entfallen auf: England und Wale« Durchschnittszihl»»8»: 769,938; Kosten pro Jahr 8.481.600 Psd. Stlg. Scholllo» am 18. Rai 188»: 97.504; Kosten pro Jahr � 894,077 Psd. Stlg. Irland Durchschnitte, ahl de« Jahre» 188»: 105,163; Kosten pro Jahr 887,906 Psd. Stlg. Zusammen: 971,595; Kosten proJahr 10,273,583 Psd. Stlg. («ergleiche die amtlichen Tabellen für die genannten Länder.) Da jedoch die Unterstützungen nicht dauernd gegeben werden, so muß mau. um genau die Zahl der im Laus««ine» Iah e» unterstützten Per- sonen zu ermitteln, die pro Tag abgegebene Durchschnitts iaht-»ach Mulhull(Stattstt che« L-xtkon, S. 346) mit 3. und nach Dubley»axter („Da» Nationaleinkommen" S. 61) mit 3'/, mulsipUziren. Die» ergibt eine Armenbeodlkerung von ungefähr 3.000.000 Seelen, d. h. er» Aiyta der erwachsenen männlichen B völkerung. Der Uaterhatt dieser Armen kostet 10.273.588 Psd. per Jahr. Hierzu müssen jedoch die 10/140,000 Pfd., die von den verschiedenen Wohl thätigkeiti. Gesellschaften jährlich an Unte rstützmgm verausgabt«erde» noch hinzugerechnet werden.*) Außerdem wird, wie bekannt, von&» zelnen noch sehr viel in Unterstützungen, Almosen U, geleistet. Die Zahl der unterstützten Klasse muß daher n och viel höher angenommen werde» Her Siffen spricht von einem„Rest" von fünf Rillionen, der«» Lage ein Schandfleck unserer Zivilisation ist.(Finarzstatistische Auffätzt 2. Bd. S. 350.) SS ist das Loo» je eines von fünf Mitgliedern de�Urbeiterklafp zu diesem„Rest" zu gehören.— In London stirbt von fünf Personen immer ein« im Arbettshaui Krankenhaus oder in einer Irrenanstalt. Im Jahre 1884 starben vo> 31,951 Personen, darunter 40,897 unter 20 Jahren, 9909 im Arbeitt hau«, 6559 in Krankenhäusern und 273 in Jrr-nanstalten; zusamms also 16,746 in öffentlichen Anstalten.(Amtlicher Sintraaungs-Berith 1886, S. 94 u. 118.) Wenn man in Betracht zieht, daß verhättnißmSßig wenig Kinder da« unter find, so kann man als wahrscheinlich annehmen, daß je«wer vA drei Erwachsenen Londons in diese Zufluchtsorte getrieben wird, u» dort zu sterben, und so muß der Antheil, den die Arbeiterklasse daß stellt, noch höher angesetzt werden. „Für mich wenigstens würde genügender Grund vorliegen, die moder» Gesellschaft als kaum einen Fortschritt gegenüber der der Sklaverei unt Leibeigenschaft zu verurthetten, wenn die wirthschaftlichen Zust änt dauernd dieselben sein sollten, wie wir ste jetzt vor uns sehe n, daß ni» lich 90 Prozent der thatsächlichen Hervorbringer des Reichthums ket richtiges Heim haben, daS sie Über ewe Woch e hinaus ihr eigen nenn» können; nicht daS kleinste Stückchen Boden oder selbst nur den Ra» eines Zimmers, daS ihnen gehört; nichts von irgendwelchem Werl« außer knapp soviel allen Möbeln, alS auf einem Karren aufgelad« werden können; die bettelhafte Aussicht auf wöch entlich einen Lohn, K kaum ausreicht, fie am Leben zu erhalten; daß fie größtentheils w LSche« Hausen, die, w-nn es stch um Pferde handelte, als ungeeignet erÄ> würden, und so nahe dem Mangel stehen, daß ein Monat schlechten Geschäs» ganges, daß Kranlhett oder ein unerwarteter Verlust sie dem HunE und dem Elend überliesern.... DaS ist der Normalzustand der groß» Masse der Arbeiter in Stadt und Land."(Fr. Harrison, Bericht K industriellen Lohnkonferenz 1886, S. 429.) XII. Das Uebel und da» Heilmittel. „Die tiefste Wurzel der Schäden und llnzerechttgketten, deren tz� wirthschaftliche Leben voll ist, beruht w der Unterwerfung der Art« unter daS Kapita!, sowie darin, daß die Besitzer der zur Produkt!» nothwendigen Werkzeuge in der Lage find, stch den Löwenanthett vis Ertrage der Produktton anzueignen."(I. St. Rill, Prinzipien der pöb tischen Oekonomie, 1865, S. 477.) „S-U einem Jahrhundert leben wir unter der akuten Krankhett ein« Individualismus, der aller früheren Einschränkungen ledig ist und o» einer gewissen herzlosen Schule mit«wer fast religiösen Weihe verbriis wird."(Professor H. Foxwell,„Die Fordeningen der Arbett", 188» „Es ist w der That sich«, daß die Gesellschaft in Bezug auf* Wirthschaftsverhältnisse nicht ewig ohne systemattsche Organisation bleib» wird. Der bloße Kampf der Privaiinteressen wird nie eine gut geordns Republik der Arbett zu Stande bringen."(Prof. I. K. Ingram, Artib „Politische Oekonomie" w der„Bnoxolopedia britannica", Bd. U S. 382.) „Die Sozialisten behaupten, daß dem Hebel nicht abgeholfen«erb» wird, bis nicht die„beiden Nationen" durch die Ueberführung al« Arten von Renten und Zinsen an die Zwecke der Gesellschaft, und di als Folge der Aushebung der Klassenunterschiede sich ergebende Steig« rung des Gemeingeistes verewigt find."(S. 4. Flugblatt des Berei* der Fabier: Was ist Sozialismus?) „Es ist der große Jrrthum unserer heuttge n Reformer und PhilS thropen, an den Folgen der ungerechtm Machtverhältnisse heruaiK klauben, anstatt der llngerechtigkett selbst zu Leibe zu gehen."(I. St. 38t» Polttische Oekonomie, S. 579.) Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 18. Rai 1887. —„Der Patriotiti»,"«sie der gestnnun gitüchtige Chauviniso» von dem Pariser„Figaro" getauft worden ist, treibt merkwürdigera» in dem Hauptorgan der sogenannten„demokratischen Partei" die dickff Blasen. Unter allen deutschen Zettungen, die„Norddeutsche Allgemeos mit eingerechnet, ist die„FranksurterZeitun g" diejenige, w«K den Schnäbele' Fall am Parteiischsten und am Chauvinistischsten behau»- hat. Unter allen deutschen Zettungen, die„Norddeutsche Allgemei» nicht ausgenommen, ist die„Franlfurter Zettung" die einzige, mrf sich nicht entblödet hat, ihren Lesern über die Berhastung de« Schnät» einen angeblich authentischen, d. h. von ewem amtlichen Rqpäl 1 schrieben«-, Bericht aufzutischen, nach welchem die preußischen»«hör» durchaus korrekt verfahren sind, und der einzige Schuldig« bei dem ganß Handel Herr Schnäbele ist. Selbst die„Norddeutsche«llgemewe Zettl hatte sich zu dieser Höh« reptilischer Seschichischreidung nicht«mpoE schwingen vermocht. Auch jetzt, anläßlich der Wagner-Skand«� in Pari«, ist die„Frankfurter Zeitung" ganz toll vor Ehauvini««» Sie läßt einen ihrer Mitarbetter— einen Kollegen und»erwandte** berüchtigten Rordau-Südfeld— sogar allen Ernste» den Vorschlag wachs die deutsche Ziegierung solle» weil die frauzö fische durch bat„Bat* der Lohengrin-Aufführungen den Bertrag»um gegenseitig« Schutz der Autorenrechte verletzt, diesen Bertrag kündig«' damit die französischen Bühnendichter und RomanschriMeller künftig wieder ungestraft in Deutschland geplündert«erden können.—** man stch einen alberneren und reaftionäreren«orschlag denken, s«? wenn die französtsche Regierung sich so dumm benommen hätte,' Lohengrin-Aufführungen zu verbieten? Run ist aber ew solche« B«? überhaupt nicht ergangen, und das Sinzige, was der französischen R-ik rung zur Last gelegt werden kann, ist allzugroß« tzleusfilichtott gegen» der Bismarcksichen Hetz- und Droh-Poltttt. Di« feanzöstsche Regier* wollte deutschsewdsiche Demonstrattonen de» Janhagel» verhüten,' Unannehmlichkeiten mtt der deutschen Regierung au» dem Weg zu geh« Da« ist Alle«. Und in Deutschland können sich darüber nur' sauberen Patrone ärgern, welche gern«inen Krieg mit Fra» reich einfädeln möchten und durch die außerordenttiche Borß' der franzöfischen Regierung um eine Geleg-nhett geprellt worden P Und der Moniteur Sonnemann, da» Hauptorgan der sogenannte» da kratischen Partei. Hand in Hand mit diesen sauberen Patronen i V ist allerdings ein wundersames, für«n» freilich durchaus nicht fl» rasche ndeS Schauspiel.« fi ®« ist nämlich nicht da» erstemal, daß die„Frankfurter Zettung" so-' Anfälle BiSmarck'sch«„PairiotttiS" hat. ES ist Methode darin. V während da«„Haupiorgan der Demokratie" keinen Moment versä* da« Mäntelchen demokratischer Gefinmmgitüchtigkett vor all«# flattern zu lassen, hat es sett mindestens«wem Jahrzehnt dt« V marck'sche Politik w ihren Angelpunkten: Frankreich«. Rußland gegenüber, systematisch unterstützt. Di« sranzosenstesserischk Artikel de» berüchtigt« Konvention« lügner« Rordau-Südseld wutt w der„Franksurter Zeitung" abgelagert, die speziell auch in> «lUß-Lathriugijchen Frag« längst auf den Etaudp» «ismarck-scher Politik herabgesunken ist._ v, i_ Auch die in Haore gehalten« Siede Goblets, deS französtsche» Prem* muß der„Franksurter Zeitung"— genau so wie den ordinären 9> tittnt, für di« gehässigsten Angriff« herhalten. Wir legen wahrhaftig derlei rhetorische Kundgebungen kewen sonderlichen Werth; aber w d' Zeit der internationalen«erhetziw« muß e» doch für jeden d e t». kr a ii s ch Denkenden eine erfreulich e Thatsach« sein, wen«' persönlich alS anständiger Meusch bekannte Chesmwister der sranzösis- Republik die unumwundene Erklärung abgibt:„Wir wollen' Frieden, und wir m ü s s e u den Frieden wollen, weil die Entwial' ») Mulhall, Statistische« Lexikon C. 87. Frankreichs zur Demokratie durch«inen Krieg aufgehalten oder umnög« lich gemacht würde." Ist etwa der hier auigesprochene Sedanke nicht«ollkomme» richtig? HK nicht gerade da» demokratische, und namentlich das konsequent demokratische, d. h. da» sozialdemokratische Frankreich für den Frieden? Ist nicht der Krieg dem demokratischen Prinzip und Pro» rmm feindlich? Wäre ein Krieg, in den Frankreich jetzt gestürzt würde, nicht Wahrheit der Tod der französtschen Demokratie oder mindesten« eine schwere Schädigung derselben, gleichviel ob der Krieg zu einer Nieder« «« oder zum Sieg führt? Daß die Organe de« Herrn Bismarck über die Rede S o d l e t'» schimpfen, versteht sich von selbst. Erstens müssen ste über alles Fran- tzostsche schimpfen, und zweitens dürfen sie doch nicht anerkennen, daß die Demokratie den Frieden erheischt', denn logischerweise müßten sie dann zu dem Eingeständniß kommen, daß das Gegentheil der Demokratie das Segentheil dei Friedens erheischt — Mit andern Worte«: daß da« BiSmarck'sche„Reich der SotteSfurcht »nd frommen Sitte» in Wirklichkeit seiner ganze« Natur und seinem innersten Wesen nach der europäisch« Friedensstörer ist. Insofern handeln die aulgesprochen Bismarck'schen Blätter wenigsten« Aber«in Blatt, welche« sich all Organ der Demokratie auf« spielt, sollte sich s ch S m« n, auf solche Weise der demokratischen Welt- «nschauung ins Gesicht zu schlagen und mit den schumtzigsten Reptilien gemeinsame Sache zu machen. Da« Landschwurgericht verlin I hat am lt. Mai zwei Sozial- Demokraten, Männer von mackellosem Ruf, wegen„Meineid»» derurtheilt, aus das Zeugniß eine» Spitzels, Namens «aporra, und eine», nach eigenem Zeugniß, verkommenen DÄffling» hin. Es stand»ussage gegen Aussage. H i e r die ehrlichen «Ute, d o r t die Schufte— und das Schwurgericht entschied zu Gunsten der Schufte, nachdem der Staatsanwalt Wagner, ein Streber, wie er im Buche steht, die„R-chtsbelehrung» ertheilt hatte, daß da« Zeugniß eine»„Beamten" unter alten Umständen schwerer wieg«, als bas Zeugniß gewöhnlich« Staatsbürger, namentlich wenn ste Sozial- «emokraten, also Staatsbürger zweiter Klasse, stnd. Und der Spitzel, Ramens Naporra. ist ein richtiger Staatsbeamter, ew Freund Mahlow-Jhring», dessen Wege» gewandelt ist. Gleich ihm hat er sich verkleidet in sozialdemokratische Bereine eingeschlichen, gleich ihm bat er, seinem eigenen Geständniß nach, sich an verbotenen Handlungen »etheiligt, um zu verbotenen Handlungen zu provoziren, gleich ihm hat er gelogen, betrogen, verrathen. Aber er ist Beamter,«in„Ehrenmann" im Puttkamer'schen Sinn, ein„Ehrenmann" wie Jhring-Mahlow— bei Leib- kein„Spitzel", »«Borsitzende de« Schwurgerichts verbot das häßliche Wort— bei Leibe kein„Spion", auch diefjeS häßliche Wort wurde vom Borsitzenden -de» Gerichts nicht geduldet. Statt Spitzel, statt Spion, statt Schurke und Lump muß man heutzutage sagen:„Ehrenmann": Stöcker, der Remeidspsasse, ist ein„Ehrenmann», Jhring-Rahlow ist ein„Ehren- wann, der Naporra ist ein„Ehrenmann», der Puttkamer ist ein »Ehrenmann", und„Ehrenmänner" sind fi« allesammt, die das Reich da Gottesfurcht und frommen Sitte gegründet haben und aufrecht er- Halten, um ihrem Ehrgeiz, ihr« Habsucht, ihr« Rohheit, all ihren nie- be«n Leidenschaften fröhnen zu können. Zda» Räch spiel diese» Prozesse? wird wohl sein, daß Jhring- «ahlow demnächst auf gerichrlich-n B-fehl hin formell heilig «esp rö che» wird. Di« beiden Opfer des ReineidSprozesses— SBUt» ««»»Ii und MarkowSki— haben nämlich in den bekannten Pro- "ssen gegen Jhring-Rahlow durch ihre Aussagen mit zu dessen Berur- '»lung beigetragen. Und nun sind ste glücklich, nach fast einjähriger . ozeßeinfädlung und Prozeßvorbereitung, in irgend einer Sache, die »U d« Jhring-Mahlow-Angelegenheit übrigens gar nichts zu thun hatte, «eineidig gemacht. Folgt daraus nicht, daß ste auch früher meineidig waren? Folgt daraus nicht— und der Herr Staatsanwalt deutete eS schon ■4R— daß dem„Ehrenmann" Jhring-Mahlow seiner Zeit Unrecht «eschehen ist? u.&»Berlin« BolkSzeitung" meint, da« feien gefährliche Wege, die «« Herr Staatsanwalt und sein« Brotgeber da wandelten. Wieso„ge- jahrliche Wege"? Welche Wege sollen die Bertreter der Puttkamer- �Sticker-Jhring-Mahlow-BiSmarck-Naporra-Gesellschaft denn sonst wandeln? Und gefährlich? Wie so denn? Gibt es nicht Hunderte und Tau- qseude von Naporra's, mit deren Hülfe man im Handumdrehen Jeden «eineidig machen kann? Und haben wir nicht Geschworne, welche Meineidig„Gemachte" auch w aller Form Rechtens verurtheilen? Wo 1»« da die Gefahr stecken? »Uns Hält'S doch aus"— denken die Puttkamer, Jhring-Mahlow, Bismarck und Konsorten. Run, das wollen wir abwarten. Angenagelt an den Schandpfahl sei Bor der Hand nur noch das Schwurgericht(bestehend aus Muster- Äd Mafibiirgern), da? sich zu dieser Infamie hergegeben. «ns« deutsches Bürgerthum ist seiner Puttkam«. Jhring-Rahlow, «Gmarck und Konsorten würdig. Es hat st- v e r d i e n t. Nachdem die„«oN»r»chteie" im vorstehenden Prozeß ihr S ch u l d i g gesprochen, beantragt« d« Staatsanwalt für jeden der Angeklagten ? Sahre Znchthau» und 4- Jahre Ehrverlust. Zu dieser Höhe -»»Gesinnung vermochte d« Gerichtshof sich doch nicht aufzuschwingen, -Kondm,«kannte üb«haupt nicht auf Zuchthaus, sondern auf-in Jahr «®«füngniß und zwei Jahre Ehrverlust, unter d« Motivirung, daß »l« Angeklagten»nicht aus Eigennutz gehandelt und sich «einem Parteigenossen gegenüber befunden haben." övamit haben sie wenigstens in ein« Hinsicht sich auf den Standpunkt Ellt, den wir diesen durch da» Schandgesetz geschaffenen Meineid»- essen gegenüb« stets vertreten haben. Wa» für Zustände in Deutsch. , daß man ei noch besond«» hervorheben muß, wenn Richter in -sinn» politischen Prozeß nicht allen Rechtibegriffen stech in'» Gesicht �schlagen i Vorletzte« Wahlprüfungsdebatte im Reichstag lächstschen Kartellbrüd« Götz und Ackermann— kein« 'rnViu!?....."i? ff'"Ä-n-«-NN« den andern sieht- die Stirn, IN behauptNl, in Sachsen sei e» bei d« letzten Reichstagswahl durchaus �ungsmaßrg zugegangm. und indirekt sei die, van den Sozial- Demokraten selbst dadurch an«kannt worden, daß ste blo» aeaen fünf Wahlen unt« 23 Protest«hoben hätten. Wir wolle« dem saubere« Kartellbrüderpaar mit B«gnügen zugeben, daß H„ordnungsmäßig" zugegangen ist, nämlich im Smn und Geist r-r„Ordnungsparte i-n"; und wir wollen un» auch ob d« echt kartell- brüderlichen Argumentation te kein« Polemik mit den Herren Götz und Werrnann einlassen.*) Wenn wir die«ach««wähnen, geschieht e» nur, um unseren Genossen zu zeigen, wie nothwendig es ist, unter alle» & m ständen— ganz g.eich ob mit Suificht auf Erfolg od« nicht— Eingriffe in die Wahlfreiheit od« sonstige, bei d« Wahl««übte Un- kfgelmäßigkeiten zur Kenntniß de» Reichstag« und in die weiteste Oeffent- llchteit zu bringen. Nicht» darf v«säumt werden, wa» dazu dienen kann, dieses Ordnungsgefindel zu entlarven und in sein« nackten Ehrlosigkeit hinzustellen. Wir wiederholen bei dies« Selgenheit unstrm früheren Rath, da« vttfüumte in Petitionen zum Schützender Wahlfretheit dachzuhylen. LI. Aus de« deutsche« Reichstage. Berlin. 12. Mai. gm Deutschen Reichstage sieht e» trotz der zur B«athung stehenden wichtigen Berlage» sehr licht au», da vtele d« Herren BolkSvertret««»vorgehen, Durch ihr« Richlanwesenheit»u glänzen. Die neuen Bertret« der kartell- brüderlichen Mehrheit, die in den ersten Tag« ihr« Würde mit wich- !"Ser Staatsmiene im Sitzungssaal sich breit machten, ziehen, wie«» den •�schein hat, ihr« Privatgeschäste d« ParlameuWarveit tot, und erscheinen nur aus Kommando ihr« Führ«, richtig« Trether, um bei Abstimmungen ihr Ja! herzusagen. Die Mehrausgaben für da» r? l l i t ä r sind mit Glanz und Grazie bewilligt, und nun heißt e», für 'lese Mehrausgaben auch Mehreinnahmen zu schaffen. Haben doch ein- •) Rur Sine»: Die Burschen L«ugen gehören, und was diese» Hüderl'ch»» Müflrolche bevorsteht. wissen s-hr gut, daß zu Protesten evmtutll von Seiten der kailew zelne Redner des Bismarck-MichmaM nicht umhin getounc, sich ,ogar darüber zu wundem, daß die Regierung eme so hervorragende Beschzi« denheit bekunde und nicht mehr verlange. Das werden sich die Herren von der Regierung natürlich nicht noch einmal sagen lassen, denn in Punkts auf solche Vorwürfe sind ste ungeheuer feinfühlig; das deutsche Volk kann sich daher auf einen neuen Steuersegen gesaßt machen, der ihm, wie zu hoffen ist, die Wahlen vom 21. Februar recht deutlich und für alle Zeit in Erinnerung rufen wird. Di- neue Branntweinsteuer-Vorlage ist die erste Etappe aus dem Wege dieser reichstreuen S t e u e r«„ R e f o r m". Während der zweitägigen Debatten über das Branntweinsteuergesetz, durch welches de» preußischen Schnapsbrennern, alleS in der Wolle gefärbte Junker von mittelalterlichem Schrot und Korn, alljährlich einige 30 Millionen in die Tqfche gespielt werden sollen, spielten wie immer die National- liberalen eine ganz besonders erbärmliche Roll«. Den preußischen SchnapS- brenner» ist diese Kleinigkeit von mindeste»« 30—40 Millionen noch nicht genug, und erheben fich unt« ihnen Stimmen, welche nicht nur, wie Herr v. Minningerode im Landtag« gefordert, eine exorbitante E r- höhung der Getreidezölle verlangen, fondern die eine direkte Etaatsunterstützung von jährlich 80 und mehr William» zur baaren Bertheilung unter die Landjunker beanspruchen. Während nun da» Hauptorzan der Rationalliberalen, die hi« erschei- uende„Nationalzeitung», vor den Debatten im Reichstage die Brannt« weinsteuu-Borlage dahin charakteristrte, daß durch dieselbe den„Söhnen besser situirter Grundbesitzer» das„Halten von Mätressen und Renn- pserden ermöglicht werden soll", priesen die Führ« derselben, die Herren Oech-lhäuser und Miquel, die Vorlage als«in Nonplusultra von Ge- rechtigkeit, Zweckmäßigkeit und Wirthschafllichkeit. Treffender wie von der„Nationalzeitung" konnte die Vorlage gar nicht bezeichnet werden, das aber konnte die Herren Oechelhäuser und Miquel durchaus nicht ab- halten, für eine Mehrbelastung des Volkes im Betrage von mehr als 150 Millionen einzutreten. Dies ist, wie Hasenclever sehr richtig hervor- hob, die Quittung für die Wahlen vom 21. Februar dieses Jahre», und solch« Quittungen wird das Volk im Laufe der Legislaturperiode noch gar manche erhalten. Während am zweiten Tage der Debatten über diese Vorlage Eugen Richter an derselben eine vernichtende Kritik übte und den ganz zutreffenden Vorschlag machte, man solle doch lieber die ganze Agrariergesellschaft vom Staate auskaufen, damit endlich einmal Ruhe mit den Agrarierzöllen würde, schickten die Ultramontanen-inen schl-sischen Schnapsbrenner, Szmula mit Namen, ins Treffen, der nalür- lich für die Borlage eintrat. Die Herren find durch den famosen Macht- sprach des Papstes kalt gestellt, und da sich in ihrer Mitte eine große Masse Landjunker und Latifundienbesttzer befinden, die alle mehr oder weniger Schnapsbrenner stnd, so wird die Schnapssteuer und die Schnapsmilliarde mit großer Mehrheit durchgehen. Herr Miquel verstieg sich sogar zu einer Ermahnung an die Arbelter, dieses Joch der Steuer- überbürdung doch ja recht gelassen und anständig zu tragen, da auch die Reichen des Landes, die den Staat nicht brauchten(I) und sich eben ihres Reichthums wegen auf sich selbst zurückziehen könnten, durch ihre gesteigerten Bedürfnisse Opfer an Steuern brächten. Für diese Zumuthung: die Branntweinsteuer als einen Akt„ausgleichender Gerechtigkeit» zwischen den Spiritusjunkern und dem Volke zu betrachten, dürfte Herr Miquel wenig— Gläubige finden. Die beiden Redn« der nationallib-ralen Partei, Oechelhäuser und Miquel, spielten sich mit einem wahren Enthusiasmus als Vertreter der Interessen der Agrarier auf! ob aber dem letzteren Herrn für diese Kraftleistung im Interesse des preußischen Junkerthums der preußische Ministersessel für Finanzen nun endlich doch zufallen wird, bleibt trotzdem zweifelhast. Mußt« et sich doch TagS daraus, bei der Berathung der Gewerbeordnung»- Novelle, eine nicht grade grobe, aber auch nichts weniger als fchmei- ch-lhafte Beantwortung einer an die Regierung gestellten Frage gefallen lassen. In dieser neuen Vorlage wird dem Zllnftlerthum wied«um ein große» Zugeständniß gemacht. Es sollen nämlich nunmehr auch alle, einer Jcnung nicht angehörenden Meister, sowie die bei diesen arbeitenden Gesellen, Beiträge zu den Jnnungseinrichtungen, wie Arbeitsnachweis, Fachschulen und Jnnungsschiedsgerichte, leisten. Dem schwarzen Zünftler- Itzum ä I» M-tzner,«in der ultcumonta-ien Partei angehörender Schorn- steinfegermeister au» Oberschlesten, geht die Vorlage nicht weit genug, er will eine Radikalkur, d. h. die Einführung der Zwangsinnung ohne weitere Umstände. Diesem ungestümen Dränger trat Herr v. Kleist- Retzow, ein reaktionärer Vollblutjunker, entgegen und bewies ihm, daß die Herren Zünftler mit dem neuen Gesetz einen großen Vortheil er- ringen, wofür Herr Metzner gleich ihm der Regierung dankbar sein müsse. Herr Niehl, ein Zunftrecke aus Bayern, holte den Dank für die Regierung nach, wünscht ab« ebenfalls die Zwangiinnung. Der Redner der deutschfreisinnigen Partei, Herr Baumbach, sprach in seiner gewohnten süßholzraspelnden Weise gegen die Vorlage;« glaubt, daß sich das Handwerk ohne Innungen durch die immer mehr um fich greifende Herstellung von Werkzeugmaschinen, die in jed« kleinen Werk- statt aufgestellt werden könnten, halten könne. Von unserer Seite trat K r ä ck e r der Vorlage entgegen. Unter gespannter Aufmerksamkeit des Hause» widerlegte er die Vorlage Punkt für Punkt, und zeigte, wie auch hier, wie bei allen Vorlagen, die bis jetzt zur Berathung gestanden, den Arbeitern bedeutende Geldopfer aufgehalst werden sollen zu Gunsten einer bevorzugtenMinderheit. Daß auch Herr Miquel für die Vorlage eintrat, ist selbstverständlich. Seine Frage: die Regie. rung solle doch sagen, ob ste noch weiter gehen wolle in Bezug aus die Herbeiführung der Zwangsinnung, da« das gerne wissen möchte, damit er und seine Partei wisse, wie sie sich bei der Abstimmung zu verhalten haben, brachte ihm die erwähnte Abfertigung vom Regierungstisch. Es wurde ihm geantwortet, er hätte die Motive nicht ordentlich gelesen, sonst würde et gefunden haben, daß sich die Regierung nicht im Vor- hinein binden könne, daß sie in die Zukunft nicht zu blicken vermöge, waS ungefähr so viel heißt alS: ihr habt abzuwarten, was kommt, und dann für die Regierung zu stimmen. DieS ist und war die einzig rich- tige Antwort für Herrn Miquel und feine Freunde. Natürlich stimmten sie für die Borlage. — Dem Verdienste seine Krone. Endlich— schreibt man uns auS Leipzig— ist das längst Erwartete, längst Ersehnte und auch längst V«diente eingetroffen. Herr Staatsanwalt Häntzfchel in Leipzig hat das Ritterkreuz erster Güte des Albrechtsordens erhalten. ES gibt Menschen, die förmlich krank werden, wenn fie für ihre rastlose Thätig. keit keine Auszeichnung«halten, und eS kann nur mit Genuglhuung «füllen, wenn ein von dieser Krankheit Befallener davon erlöst wird. Ersten« ist eS für den Betroffenen eine Wohlthat, und zweitens auch für dessen Umgebung, wie für alle, mit denen er zu thun hat. Denn an diesen läßt gewöhnlich ein von dies« Krankheit Befallen« seinen Un- muth auS. Bei der Aue�ichnung, welche Herrn Häntzfchel zu Theil ge- worden, kann man wirklich sazsa:„Er hat sie im Schweiße seines An- gesichtS verdient." Er hat sich alle Sozialistenproz.sse als befand«- Gnade ausbedungen und läßt sogar seme Ferien fahren, damit ihm ja kein Sozialistenprozeß entgeht. Anklagen, welche andere Staatsanwälte nicht erheben wollten— wegen allzumangelhaft« Beweis«— nahm« r auf seine Rechnung, und so ist es gekommen, daß« der Tefse ndorf von Leipzig geworden ist. Schon für seinen edeln Vorsatz!»den Herren in Zürich einen Damm zu setzen l" hat«-eine Auszeichnung verdient. Und wie führt er feine Absicht auS l Wer einmal bei chm in Untersuchung gewesen ist, wird wissen, wie« sich anstrengt, u«„aus den verstockten Feiglingen"(wie « ste nennt) etwa? herauszubekommen. Aber die„Feiglinge" find in d« Thai so verstockt, nicht auf? Glatteis zu gehen. Kommt noch Ein« hinzu, so wird die Lache nicht klarer, Gott bewahre I Denn dies« ge- steht wieder nichts, und die Sache wird nur verwickelt«. Daß das Herrn Häntzfchel keinen Spaß macht, fondem großen»erger, wird jeder vernünftige Mensch einsehen. Darum braucht man fich auch nicht zu wundern, wenn er wüthend den Angeklagten Reden hält, wie;„Ich mag Sie gar nicht mehr sehen, Sie stehen mir(hier zeigt er an den HalS) dis hierher, Sie sind mir»um Eckel." Oder die Akten herum- wirft, ausspuckt, und dabei einigemal Pfui! ruft, so daß man sich in einer Antisemiten-V-rsammlung glaubt I Sehen möchte er diese ver- stockten Menschen nicht, aber ohne sie zu sehen, kann er doch keine Unter- suchung führen, und so muß er schrecklich viel»erger«leiden, so daß ihm manches Mittagsbrod nicht schmeckt und ihm mancher Sonntag ver- darben wird. Aber dann erinnert er sich wieder seines Vorsatzes, und sofort freut« sich schon im Stillen auf den nächsten Prozeß. Bei der Be: Handlung neu« Aerg«. Da feine Fähigkeiten im Mißoerhäuniß mit seinem Wollen stehe», macht ei ihm viel Sorge uno schlaflose Rächt« wie er nur die nothdürftigsten Gründe ausfindig macht, um eine An- klage zusammenzustellen. Bei einem der letzten Prozesse sagte selbst der konservative Vetthei« biger:„Die Anklage steht zwischen den Zeilen zu lesen." Nach diesen Worten fuhr Tessendorf-Häntzschel empor, wie von der Tarantel gestochen, und rutschte auf dem Stuhle herum, als säße et auf Kohlen. Der zweit« Vertheidiger sagte:„Objektiv begründet er die Anklage nicht, aber subjektiv liegt ihm— dem Tessendorf-Häntzschel— daran, recht viel und recht hoch zu bestrasen." Das ging dem Biedermann doch an die Nieren, er sprang empor und klagte, es sei blas„Animosität", welche den Vertheidiger veranlaßt«, dies zu sagen, im Uebrigen sei ei eine tranrige Erscheinung, daß der Vertheidiger ihm, dem Staatsanwalt, die Begründung so sauer mache. Bei der ganzen Verhandlung zeigt er eine nervöse Unruhe, den« er fürchtet, er lönne durchfallen, und ist so spaßhast aufgeregt, daß selbst der Verurtheilte noch in der Zelle darüber lachen muß. Wären nicht die Richter Puppen, welche man blo« zu ziehen braucht, so müßte er mit seinen Anklagen fast regelmäßig durchfallen. Aus dem Allen ist eu sichtlich, daß diesmal die Gnade einen wirklich Verdienten getroffen hat. Bei dies« Gelegenheit möchten wir gleich einen Vorschlag machen, der hoffentlich Beachtung finden wird. In den„Freiheits»-Kriegen von 1813 und 1315— so genannt, weil das deutsche Volk sich für die Freiheit seiner Fürsten schlug— wurde bekanntlich das„Eiserne Kreuz" gestiftet, — wäre es nun nicht am Platze, jetzt einen ähnlichen Orden einzuführen? Der Feldzug jetzt gilt doch auch den Baterlandsfeinden? Zum Betspiel wäre ein„Säbelmeyer- Jhring-Mahlow-Putty- Orden" gewiß sehr zeit- gemäß. Jedermann wüßte dann gleich, was der Träg« desselben b«ettS für den Staat geleistet hat. In der Mitte könnt- ein Gruppenbild von Emaille, enthaltend Bismarck, den Papst, Putiy-Jhring-Mahlow, Krauts und Stöcker in Miniatur, angebracht werden. Der Orden könnte auch am Hute getragen werden, damit er besser zu sehen ist. Wie gefällt Ihnen die Idee, Herr Ritter pp. Häntzfchel?! — Der„Nevoltö" hat in Nr. 4 und 5 auf unsem Artikel„Frei« Vereinbarung" geantwortet, aber in einer Weise, die zeigt, daß« uns absolut nicht versteht. Zunächst müssen wir ihn bitten, doch endlich mit der Unterstellung zu enden, als ob wir im Staat den großen„Wohl« thäter» erblickten: das sällt uns gar nicht ein. Welche Rolle der Staat spielt, das hängt davon ab, in welchen Händen er sich befindet, und daß demnach seine reprimirende(unterdrückende) Gewalt nicht nothgedrungende» Ausbeutern zugutekommen muß, kann nur der leugnen, d« sein Augs den thatjächlichen Verhältnissen verschließt. Der„Revoltö" beantwortet unsre Frage, ob ein so wichtiges Institut, wie die Eisenbahnen, de» freien Gruppen bedingungslos überlassen bleiben dürfe, mit ja. Run, so fragen wir ihn weiter, ob er nicht weiß, daß Privat-Eigenthuni — und Gruppen- Eigenthum ist Privat-Eigenthum— auch Privat-, d. h. Sonder- Juteresien naturnothwendig im Gefolge hat, und wie er fich die Ausgleichung der Interessen gegensätze in der„freien Ge, sellschast» vorstellt, wo es nach seiner Theorie reiche und arme, mächtige und einflußlose Gruppen geben wird. Aber bitte, auf Menschen mit Fleisch und Blut und nicht auf Engel zu exemplifiziren. Korrespondenzen. Dortmund. Am Charfreitag wurde hi« ein langjährig« Anhänger der Partei, der Zimmerer Bug. Zimmermann, beerdigt. Morgens um 3 Uhr sah man schon von ferne in der Josephstraß« und d« Lieb» frauenkirche die Spitzen der Pickelhauben im Sonnenschein glänzen, den» es waren nicht weniger alS 12 Behelmte am Trauerhause aufgestellt, so daß man hätte meinen sollen, es gälte hier eine Räuberbande einztu sangen. Es hatten sich zur Beerdigung etwa«—700 Personen, darunter Deputationen von Marten und Oespel eingefunden. Als sich d« Zug in Bewegung setzte und drei Genossen mit Kränze», welche mit rothe» Schleifen versehen waren, dem Zuge voranschreiten wollten, kam Kom« missar Meyer und bat, die Schleifen zu entfernen, wa» auch, um Unau« nehmlichkeiten zu vermeiden, geschah. Aus dem Friedhofe empfing uns der Polizeiwachtmeist« ebenfalls mit einem Dutzend Polizisten. Die Leichenrede hielt der oersoffene Pfaffe BrockhauS, der hi« durch feine, im evangelischen Arbeiterverein über die geheime Organisation der Sozialdemokratie gehaltenen Vorträge bei den national gesinnte» Spieß» bürgern eine gewisse Berühmtheit erlangt hat. Am Grabe unsrel Ge- Nossen war dieser dunkle Ehrenmann ganz verwirrt, d« Schaum stand ihm vor dem Mund, jedenfalls aus innerlicher Wuth,« wußte nicht, was et sagen sollte, was er einmal gesagt, wiederholte er wied«, so daß man am Ende so klug war wie am Anfang. Unter anderm sagte«, daß die rothe Farbe, welche er hier»«treten sähe, die Farbe d« Liebs wäre, während er am Ost-rsonntage darauf in d« Kirche üb» die bösen Sozialdemokraten losdonnerte und die rothe Farbe die Farbe deü Teufels nannte. Ja, dieser scheinheilige Wicht scheute sich nicht, dem Volke in der Kirche vorzulügen, man hätte ihm am Grabe eine rothe Fahne vor da« Gesicht geHallen, während jed« Mensch weiß, daß svl> ches heutzutage an einem Ort, wo zwei Dutzend Polizisten zugegen find, nicht möglich ist. Es ist hier da« erstemal gewesen, wo die rochen Schleifen verboten worden sind und daß eine so große Polizeimacht auf« geboten wurde. Aber wir haben jetzt einen neuen Oberbürgermeister, den jetzigen Landtagsabgeordneten und früherm Landrath von Bochum(Kar« tellbruder) Schmieding, und seitdem weht d« Wind etwa« schärf«. Am Schlüsse wurde von Genosse Horn im Namen der Sozialdemokratie des Wahlkreises Dortmund«in Kran» niedergelegt, ebenso von Marten und Oespel. Im Uebrigen verlief Alles ruhig, so daß die Polizisten da» Schwert in der Scheide stecken lassen konnten. Gar mancher derselben mag mit schwttem H«,«» von bannen gezogen sein darob, daß ihm keine Gelegenheit geboten worden, den Staat, welcher ja ob der rochen Kränze in höchster Gefahr schwebte, durch kräftiges Dreinhauen»u retten und sich einen Orden zu verdienen. Wie aber, wird Mancher fragen, kam d« Pfaffe überhaupt zur Leichen«. rede? Nun, man hatte die Frau von allen Seiten eingeschüchtert, daß sie den Psaffen bestellte, auch schrieb die ultramontane lammfromme „Tremoniu", sowie die konservative„Rh.-Westph. Zeitung", daß Zimmer« mann sich vor seinem Tode bekehrt und nach einem christlichen Begräb« nisse verlangt habe. DieS ist jedoch frech gelogen, denn fünf Stunden vor seinem Tode hat Zimmermann keine Silbe mehr gesprochen, weder nach einem Pfaffen noch nach einem christlichen Begräbnisse verlang� Man lügt aber hübsch, um dem Bolke Sand in die Augen zu streuen, trotzdem man da» Lügen alS Sünde«klärt und mit den ewigen Strafen der Hölle dedroht. Trotzdem daß bei dem Begräbnisse von Zimmermann die rothe». Schleifen verboten waren, ließen wir«S un« doch nicht nehmen, vier Tage nachher bei dem Begräbnisse unsere« Zeitungsboten H. Langen« dach demselben wieder mit einem Kranz mit rother Schleif« da» letzte Geleite zu geben. Langenbach war in dem stürmischen AttentatSjahre 1878 der Sache treu geblieben und hatte die Arbeiterdlätter herum,. getragen. Er war ein ehrlicher und braver Mensch und hat fich bis an da» Ende sein« Tage von dem Ertrage, welchen ihm da« Austragen von Arbeiterblättern einbrachte, kümmerlich durchgeschlagen. ES wurde ebenfalls im Namen der Arbeiterpartei ein Kran, auf seinem Grab« niedergelegt. Am 2. Mai stand hi« Genosse Karl Wesch auS Erefeld vor Schöffengericht, angeklagt wegen Sewerbesteuer-Defraudation. Wesch hatte vor der Wahl in Barop in einer Versammlung gesprochen, und einen Kasten mit Ehlipsen mitgebracht, welche ein Genosse in Dort« mund bestellt hatte. Nach Schluß der Versammlung wurde das Manifest der Arbeiterpartei vertheilt. Der anwesende Kommissar— Tilgner heißt der Edle— vermuthete tn�dem Kasten(welcher PfiffikuSI) verbotene Schrislen, und wollte nun den Kasten konfisziren(stehlen), waS ab« Wesch nicht zugab, sondern den Kasten freiwillig öffnet«. Schritten waren da nicht zu erblicken, wohl aber schwarz-roth- Lhlipse mit Marx und Lasialle, die Ehren-Tllgner mit einem freudestrahlenden Gesicht an fich nahm, fest überzeugt, nun eine Anklage auf Grund dei§ 8 des Sozia« Ustenge�etz.z in Szene setzen zu können. Aber damit war eS leider aach nichts, und deshalb gab dieser Lump nun an, Wesch hätte mit den Ehlipsen haastrt. ES konnte d>«S aber natürlich nicht nachgewiesen«er« ben, und so wurde Senofie Wesch freigesprochen. Dieser saubere Patron Tilgner würde sich gern Hervorthun, wenn er nur nicht so schrecklich dumm wir«. Immerhin mögen sich die Genossen vor diesem Schmarotzer in»cht nehmen. Die rothe Wacht. Au» de« 1. sächsischen Wahlkreise(Zittan-Vstritz). Auch wir erbitten uns, gleich den übrigen Orten resp. Wahlkreisen, ein Plötz- chen im„Sozialdemokrat", um einen kurzen Bericht über unsere Wahl- thätigkeit abgeben zu können. Da wir einen Berlust an Stimmen zu verzeichnen haben, könnte angenommen werden, daß wir lässig in der »gitation gewesen find. Da» Segentheil war der Fall. Roch nie ist«S uns gelungen, in so viel Bersammlungen wirken zu können ali diesmal, und zwar grade in solchen Orten, welche durch ihre große Wählerzahl ausschlaggebend bei Wahlen werden können. Dort, wo es uns gelang, Versammlungen abzuhalten, haben wir gegen die letzte Wahl auch beach- tenswerthe Erfolge erzielt. So in SeishennerSdorf und Leu« teridorf, zwei große Dörfer mit zahlreicher Fabriktevölkerung, in welche einzudringen bisher vergeblich war. Während wir in den genann- ten Orten 1884 nur K resp. b Stimmen aufzutreiben vermochten, waren e» diesmal 71 resp. 80. Ein guter Anfang, welcher für später zu gute» Hoffnungen berechtigt, denn der Erfolg beschränkt sich nicht aus die G«> winnung von Wahlstimmen, sondern auf einen Stamm tüchtiger Ge- «offen, die ihrerseits selbst durch rege Thätigkeit für weitere Erfolge wirken werden. Außerdem fanden noch in sieben andern Orten Ver« sammlungen statt mit ebenso guten Erfolgen als den vorgenannten Orten. In unserer Stadt Zittau konnte nur«ine Versammlung abge- halten werden, in welcher ein Genosse au« Dresden da» Referat über- nommen hatte. Unser Kandidat durfte hierorts nicht sprechen, wShrend ihm auf dem Lande keinerlei Schwierigkeiten in den Weg gelegt wurden. Der neue Bürgermeister unserer guten Stadt meint wahrscheinlich die Sorg« für das Wohl derselben auch auf die Fernhaltung des„sozialisti- schen Giftes" ausdehnen zu sollen und verbot deshalb unserem Kandi- baten da» Sprechen, weil er ihn für einen ganz besonders gefährlichen Vertreter unserer Anschauungen hiett. Die oben verzeichneten lokalen Erfolge wurden leider durch Stimmenausfall in größeren Dörfern deS Wahlkreises, in welchen es uns nicht gelungen war, Versammlungen ab- zuhalten, wieder zu nicht« gemacht. Die Ursache ist in den kolossalen Oeeinsiussungen der nationalliberalen Gegner, namentlich aber in dem Mit Vorliebe gepflegten Mittel der Saalabtreibungen und Einschüchterung der versammlungseinberufer— welcher nach sächsischem Vereinsgesetz ein Ortseinwohner sein muß— zu suchen. Die angewendeten Mittel der Gegner hier alle aufzuführen ist überflüssig, da die Berichte aus allen Wahlkreisen darthun, daß nach ein- und derselben Schablone ge- arbeitet worden ist. Man kann wohl behaupten, das erlangte Wahl- resuttat in Deutschland ist das Ergebniß der mit brutalster Gewalt aus- genutzten ökonomischen Abhängigkeit des Arbeiters. Wie wäre ei sonst möglich, daß in unserem Wahlkreise der nationalliberale Kandidat bei der Hauptwahl die relative Mehrhett erlangen konnte, ohne auch nur eine einzige Versammlung im ganzen Wahlkreise abgehalten zu haben! Fabrikanten und deren Werkführer, OrtS- Vorsteher u. s. w. haben hier ihren Antheil daran. Das Gesammtresul- tat,«m nach der anfänglich vorgefundenen Stimmung für uns völlig «nerwartetes, ergibt für uns einen Verlust von 200 Stimmen gegen die im Jahre 1884 stattgefundene Wahl. Doch darum sind wir nicht muth- los. Wir wissen nun, daß wir es das nächste Mal anders und besser zu machen haben, und die Zeit bis dahin soll zu Vorbereitungen gut ausgenützt werden. Mainz, 7. Mai. Die 1v verhafteten Genossen sind nunmehr, nach- dem sie in den Gefängnissen zu Mainz, Bingen, Osthofen und PfedderS- heim durchschnittlich 14 Tage zugebracht hatten, vorläufig wieder auf freien Fuß gesetzt. Wie bereits gemeldet, erfolgte die Verhaftung aus Grund von Beweismitteln, die der Polizei von der Böll- Leyendecker'schen Klique mitgetheilt wurden. Direkt denunziatorisch ist der Maurer Sebastian Ort von H-chis heim aufgetreten, und zwar gegen den Genossen Anderhub daselbst. Außerdem wurde bei dem Genossen I ö st eine zweite Haussuchung vor- genommen, wo die Polizei nach einer ganz bestimmten Kiste an einem ganz genau bestimmten Platz« suchte. Bon dieser Kiste halten nur zwei P rsonen Kenntnifv.nämlich der bereits erwähnte Ort und ein anderes Ritglied dieser Klique: Philipp Feudner, in der Holzschnei- derei von Keil in Mainz beschäftigt. Letzterer hatte diese Kiste ftüher in Verwahrung, und diese Denunziantenbands hätte sich keine Gewissensbisse gemacht, wenn durch ihre Angabe der Polizei ein den hiesigen Parteigenossen aus der Zeit von vor dem Sozialistengesetz her gehörende» Objekt im Werth« von 800 Mark in die Hände gefallen wäre. völl, einer der Bandensührer, gegen den schon in Darmstadt die Genossen Rißtrauen hegten, verkehrte während der Haus- suchungen fortwährend mit dem wegen Meineid be- tannten Geheimschutzmann Lämmersdorf, einem Subjekt Niedrigster Sorte, in der Wirthschaft„Zur Sonne", wobei sich die beiden Gauner häufig in ein Extrazimmer begaben, um dort über ihr schmutziges Treiben zu beralh-n. Auch arbeitet Böll schon seit Jahresfrist uuter der Str. 34 als Spitzel. L« tz e n d e ck e r, den man seither immer noch, trotz seiner gemeinen «nd niederträchtigen Jntriguen, derartiger Thaten nicht für fähig hielt, hat, als er darüber zur Rede gestellt wurde, in ganz zynischer Weise unter Achselzucken erklärt:„Das kommt von Bureauwah l.'"*) Wenn derselbe auch, was wahrscheinlich ist, nicht direkte Angaben gemacht hat, so ist dies« Denunziation doch eine gemeinsame Arbeit dieser traurigen Menschen, die aus Ehrgeiz während der letzten Reichs tag«, und Gemeinderathswahl die gemernsten Dinge gegen die Partei verübt haben, und an deren Spitze Leyendecker steht. Dies Alles find allerdings Folgen des ganz besonderen Wohlwollens, dessen sich dieser Mensch in gewissen Parteikreisen allzulange erfreute, so daß mehrere B-richre und Bekanntmachungen über die Klique keine Aus- «ahme im Organ fanden.") Ss find nämlich, was ganz besonders zu beachten ist, mehrere Per- finen denunzirt worden, die den» Ort nicht bekannt sind, ebenso ind der Polizei Dinge bekannt, die mit Bestimmtheit auf eine genleinsame Arbeit dieser Klique schließen lassen. Indem wir dies allen Genoffen zur Kenntrnß bringen, möchten wir »roch bemerken, daß man überall da, wo solche Krakehleriliquen sich bäden, dieselben unter allen Umständen rechtzeitig kennzeichnen sollte, manches Unglück würde dann von der Partei ferngehalten werden. Stuttgart.(Fortsetzung.) Zu Ehren des Geburtstags de» alten HeldenkmferS hatten wir auf dem Kreuzweg der alten und neuen Wein stieg« an einer hohen Pappel eine— wie das„Tagdlatt" schreibt— mächtig lang« rothe Fahne angebracht. Es hat doch etwas länger, als da«„Tagblatt" meinte, gedauert, bis das Zeichen unserer guten Ge- sinnung durch die Polizei entfernt werden konnte. Einer wettverzweiglen Verschwörung war die hiesige Polizei auf der Spur. Zahlreiche Haussuchungen mit einem Massenaufgebot überflüssiger Fahnder vermochten jedoch nicht, Herrn Poltzeiinjpektor Kern, dessen getstige Fähigkeit und polizeilicher Scharfsinn allgemein bewundert wer den» brauchbares Material zu liefern. In einzelnen Fällen, namentlich jüngeren Leuten gegenüber, hat der seinem nahen Ende entgegensehende Fahnder Enderle ganz traurige Beweise von Brutalität gel.etert. Jetzt noch ein recht artige« Histörchen von der besseren G-sellichast. Unlängst stand vor der hiesigen Strafkammer der Opernsänger Jäger. de, beschuldigt war, den Hostheater Jntendanten Werther del-idigt dezw. verleumdet zu haben. Da wurde nun dargethan, daß der jetzige Hofcath Werther. ehcmali in Mannheim, e>n von allen anständigen Familien p-rabscheutes, meineidige« Subjekt sei. Ferner, daß dieser Hosrat, tn feiner Eigenschaft al» Intendant der hiesigen Hofbuhne mit dei» Schauspielerpersonal Kontralt« eingeht, zufolge deren die Engagirte» tehalten sind, einm namhasten Theil ihrer Sage dem Ehrenmann •) Der Ausdruck„Bureauwahl" bezieht sich auf jene Versammlung, >o diese Klique gegen die Partei auftreten wollt«, aber keine Bureau >ahl vornehmen ließ, und die dah-r, da die große Masse nicht abließ, iureauwahl zu verlangen, resullatloS verlief. —) Interna, Lokal- und Perfonensachm gehören erst dahin, wenn ie an Ort und Stelle(schiedsgerichtlich)«»led.gt sind. Anmerkung de, Redaktion. Werther zu zahlen. Ebenso werden Beispiele dafür angeführt, daß — natürlich— der weibliche Theil de» Theaterpersonal» sich in allen Dingen, namentlich bei Besuchen, dem Willen de» Intendanten zu füge« hat. Al« der Beklagte, der zu einer Geldstrafe von 100 Mark oerur- theill wurde, die Vernehmung zweier au» Rannheim zur Verhandlung gekommenen Zeugen beantragte, beschloß der Gerichtshof, dem Antrag des Angeklagten nicht Folge zu geben, da die Aussagen dieser Zeugen „voraussichtlich nur der Skandalsucht" dienen würden, dagegen eine Be- deuttmg für den Gerichtshof nicht haben könnten. So wird's gemacht. Run die Kehrseite dieser Gerichtsmedaill«. Unlängst standen der Redak« teur de» demokrattschm„Beobachters" und Lehrer Mayer auch vor der Strafkammer wegen Beleidigung de» Konsistorium». Da hatte man Ge« legenheit, zu beobachten, mtt welcher Wonne der„hohe" Gerichtshof die Zeugenaussage über da» Privatleben des einen Angeklagten anhört«. Da bildete die Skandalsucht keinen Grund zum Verzicht auf diese Aus« sagen. Ja, wenn Zwei dasselbe thun, ist«S nicht immer dasselbe. I« dem Prozesse gegen den Sänger Jäger trat auch die für Ein- geweiht« längst bekannte Thatsache offen zu Tage, daß der von Bielen zefürchtete Kritiker Palm nur dem Sinne de» Hoftheater-Jntendanten entsprechende Krittken für da»„Tagblatt" liefert. Findet der Intendant keinen Gefallen an einer zum Zwecke eventuellen Engagements gastirenden „Kraft" oder find„verbrauchte Kräfte" in Ungnade gefallen, so wird einfach für da»„Tagblatt" von P a l m eine Krittk unter aller Kritik geschrieben, da» lieb«, sachverständige Publikum spricht gleich einem ge- lehrigen Papagei die herben Worte des Tadels nach, und so ist da» Engagement deS Gaste» vereitelt oder der Kontrakt engagirter Kräfte gelöst— anscheinend wegen Unbrauchbarkeit der Betreffenden, in der That aber deihalb, weil der geldbedürfttge Intendant nicht genügend oder überhaupt nicht— seine Rechnung findet. Auch«in Beitrag zum Thema von der Korruption der„besseren" Ge- sellschaft und der Ausbeutung dei Proletariats, zu dem ja auch Gelehrte und Künstler zählen, die aber leider in ihrer großen Mehrzahl noch nicht eingesehen haben, daß sie, anstatt in dem Sozialismus den Feind der Kultur zu erblicken, Hand in Hand gehen sollten mit den Sozialdemo- kraten, um die Drohnen der heutigen Gesellschaft zu vernichten und da- durch die Herbeiführung besserer Gesellschaftseinrichtungen zu ermöglichen. Die zielbewußten Sozialdemokraten Stuttgarts werden unablässig daran arbetten, die Idee des Sozialismus zu verbreiten und zu verwirklichen. ?. Freiburg i« Baden, 11. Rai. Endlich, nach vollen 1Z Wochen, ist die Voruntersuchung gegen die vor der Wahl verhafteten etwa 13 Genossen geschlossen und sind die Akten an den Staatsanwalt zurück- gegeben worden. Aber nicht mehr an den russischen Handlanger Herrn v. Berg, welcher, deutsch gesagt, kalt gestellt, resp. zum Ober- landeSgerichtsrath nach Karlsruhe ernannt worden ist. Wohl bekomm'« Dir, Kothseele l Die Hätz gegen die Rothen ist jedoch noch nicht geschlossen, sondern blüht noch ganz flott, und zwar richtet sich die polizistische Niedertracht hauptsächlich gegen einige Genossen, welche selbständig sind, um sie wo möglich geschäftlich lahm zu legen. Jeden Abend bis 10 Uhr haben z. B. zwei Mann die Wache vor dem Laden deS Genossen Schuhmacher H a ug. Es sind dies die Geheimpolizisten Bär und Z i n s e r, welche der Schul« der Basler Drohbriesfabrik zu Freiburg alle Ehre machen. So kam vor Kurzem ein junger Kann zu Haug, um Stiefel abzuholen. kaum von da in seiner Wohnung im dritten Stockwerk angelangt, hört er einige Mann hinter sich nachkommen. Es sind die Büttel Z i n s e r, Bär und ein Unbekannter. Sie verlangten, er solle ihnen das Papier zeigen, in welches Haug ihm die Schuhe eingepackt habe. Als sich her- ausstellte, daß es leider nur die katholische„Oberrheinische VolkSzeitung" war, so muhte der Ueberfallene seinen Koffer öffnen. Aber auch hier fand sich nichts StaatsgefährlicheS und so mußten die Schnapphähne leer abziehen. Am Sonntag den 1. Mai hatte Genosse K n i s ch k e an den Buchbinderverbands-Vorsttzenden in Stuttgart einen Brief geschrieben und wollte ihn eben in einen Briefkasten tragen. Kaum geht er von Hause weg, so hört er hinter sich vertraulich seinen Namen rufen. Uno wer war der Rufer? Herr Z i n s e r, der unermüdliche Eckensteher, war eS, der den lleberra'chten„krast seines Amtes" aufforderte, ihm sporn- streich« auf die Poliieistation zn fol ten, wo ihm der Brief abgenommen wurde. Dann wurde zunächst der Polizeikommissär H e u tz e r gesucht, hierauf der Brief eröffnet und gelesen, und da er nichts Umsturzverdächtiges enthiett, dem Eigenthümer wieder eingehändigt mit dem Bemerken, daß er erklären müsse,„er sei anständig behandelt worden", und dann— entlassen sei! Ist das erhört? Geht e» vielleicht im Gebiete de«„Kleinen" schlimmer zu? Gibt es hiernach in Deutschland für die Sozialdemokraten oder sonst Jemand noch einen Schutz der persönlichen Freiheit, des persön- lichen Eigenthums, des Briefgeheimnisses!? Stehen wir nicht unter Polizeiaufsicht ohne Anklage, ohne Richterspruch I? Ist unsre Geduld und Selbstverleugnung solcher Schmach und Willkür gegenüber nicht unerhört!?— Braoo, bravissimo! DaS sind die unbezahlbarsten Hetzer und Volksauswiegler. Dummdreist und— gottessürchtig. Kerle, die kaum oft ihren Namen schreiben und ein ehrlich Siück Brot ver- dienen können. Haussuchungen gibt es jede Woche, wenn auch immer ohne Erfolg. Man hat nur aufzupassen, daß sie einem nicht im Eifer gelegentlich selber einen„Braten" in die Bude legen. Daß also unsere Polizei ihre Schuldigkeit gegen die Sozialdemokratie glänzend thut, erhellt aus den paar Thatsachen zur Genüge, aber eS geht auch daraus hervor, daß unser Kriminallommissär„Greif"*) die goldene Verdienstmedaille erhielt und der Kriminal- Polizist„Zitze r"") zum Sergeant befördert wurde. Am Sonntag den 1. Mai Nachts ist auch ein Arbeiter Namens Nel« durch Zinser hier verhastet worden. Er ist bis heute nicht entlassen; auch gab es wieder Haussuchungen nicht nur hier, sondern auch in Stuttgart beim Verbands-Borsitzenden der Tischler, Namen» Kloß, aber ohne Resultat. Was die verschiedenen Eigenschaften der genannten zwei Polizisten Bär und Z i n s- r betr>fft, so wollen wir deren Lob etwas später singen. Recht verdutzte Gesichter machen bei diesem Theater unsere Spieß- bürger, denn sie fürchten den klemm Belagerungszustand. Daß ei aber hier auch wirkliche Spitzbuben gibt, die durch das jetzige Postpolizeüystem gezüchiet w-rv-n, b wies am Montag eine Strafkammersitzung, in welch-r der Briefträger«ohler die Anklagebank zierte. Derselbe hatte eine ganze Anzahl Briese unter- schlagen, die Marken abgenommen und eingesackt. Derielbe genoß daS größte Vertrauen seiner Vorgesetzt n, obwohl sich die Unterbeamten be- wüßt waren, wer Kohler war. Derselbe äußerte sich einmal der Frau eines damals inhastirien Genossen ge z nüber, man sollte die eingesperrten Sozialdemokraten nicht mehr heiou-.la' N, sondern alle aus. ängen. Run, dieser Postdieb wurde zu einer Gesälignißstrase von 10 Monaten ver- urtheilt, auf die Anklagebank aber uno>nS Z-chthaus gehören die Ober- hallanken, welch- das„ B r ie f stj e b- r n" vienstlich befehle n und die Leute korrumpiren, so daß st« Alles— nicht blos„sozialbemo- k.-tssch Vervächlizes"— abfingern und dann das Mausen nicht mehr lassen können. Unser Zinser mag sich-in öxempel daran nehmen. Im Juni gehen die husigen Stadtverordneten- Wahlen vor sich, wobei wir uns da» erste Mal betheiligen wollen. Leider fehlt uns das Geld, um eine gründliche«»ttation betreiben zu können, uno *) Greif! Greif!— Etwa derselbe„Vogel-Greif", der vor Jahressrist an verschiedene Genossen i-i B a s e l uüd Z ür i ch so ver- lockende„Arbeits Offerten" schrieb i der Mann„m.t dem rothen Z-tt-l am Hut" und„dem Regenschirm in der rechten Hand", der sich beim Spitzel-Rendezvou« zu Pnngsten vor zwei Jahren in R h eins el den beinahe eine Tracht Pcügel statt der ihm in«aeficht gestellten„rothen W aare" h.lt«? Der biedere„Herr Mainzer". rer wackere„Herr Schwarzwälder" postlagernd Freiburg >/«., den wir so lange sozialdemokratisch überwachen und zu„potSdamern" zu lassen das B-rgnügen halten? D r hätte sie ehrlich verdient, die goldene Verdienstmedaille; verdient nebst den hübschen Hunoertmartlchern-n, in denen er so harmlos zu blättern verstano, wenn e« galt, arm« Teufel durch ihre Weiber kirre machen zu lassen l? ") Zitzer freilich, der verstand sich von jeher auf's rechtzeitige »oanciren. Sollte der etwa wieder einen Fries(alias„ T h a l i") gefunden haben, der ihm wie danalS in Konstanz einen«allen „StaatSgesährlicheS" für G-lo und gute Wort- kaufte und„zum Sr- w i f ch e n" an die Grenze lief-rte? Anmerkung de» Korrektors. so richten wir an die auswärtigen Genossen-die Bitte, uns wen««öj »ich«tt Geldmitteln zu unterstützen. Wir würden diesen Schritt»ich wagen, wären nicht bei der letzten Reichstagswahl 20 hiesige Genosse» wochenlang inhaftirt und so theilweise ihrer Existenz beraubt gewese« Sollten Genossen gewillt sei», uns mit Geld zu unterstützen, so mögeA fle es an die Expedition de»„Sozialdemokrat" senden. Der Erfolg wird nicht ausbleiben, indem durch die hiesige Schandwirthschaft gegen uns sich die Sympathie der Bevölkerung mehr und mehr für un» erklärt- wir«olle««nfre Recht« auSmtzen bis zur Nagelprobe. Wt foztaldemokratischem Gruß I Der üeäannte Unbekannte. A teerten i Vostbure« »nd des ««gegeng vor, Li- ffr. f ««. 1 fl. 1,70 i ffr. 2,50 f Belipi Letzte Nachricht. " W« de ' 25 (Räch Schluß der Siedaktton eingetroffen.) In Stettin haben die«USWetfnnge» Vereits die Zahl von 4S erreicht, so daß die dorttgen Genossen zur Zeit 2S Familie« zN «nter stützen habe«.„Man hofft, durch diese Verfolgungen unserer Partei hier den Garaus zu machen,"— schreibt man uns von dort „jedoch werden die nächsten Wahle« zeigen, daß man sich getäuscht Freilich wird es un», angesichts der schlechten Erwerbsverhältniffe, fast unmöglich, die nöthigen Unterstützungsgelder aufzuittngen, so daß uns Beiträge von auswärtigen Genossen sehr erwünscht wären. Genossech die gewillt find, uns ein Scherflein zuzuwenden, mögen solche» an di< Expedition de»„Sozialdemokrat" einsendm. Wir quittiren hiermit dankend 500 Mk., die von de» Berliner Ge» «offen zu diesem BeHufe eingegangen sind. Jh Par Warnung. Die Offenburger Parteigenosse« warne» uo» dl» Schlosser Aranz Seyfert von Aschaffeniurg, zur Zett in Karlsruhe, well derselbe die Gütz anderer Leute unter schwindelhafte» Vorspiegelung«» a Anspruch nimmt. .In «nmal. nahebei so mar die erst Ein Schlach Brieftastm Arbeitt recht! Seit d r Redaktion: De» Festtage» halber erfolgte Redaktionsschluß derqleic einen Tag früher, e» konnten daher verschiedene Einsendungen nicht mehr berücksichtigt werden.— On. in P.: Leider für diese Nummer zü S, spät. Können Sie unS nicht das betr. Exemplar der„Fr." besorgen? Rechte. Gruß!— K. Fr. in B.: Auf Ihren Wunsch gehen wir gerne ein.-4 glücklich Stuttg.: Warum so hitzig? Unwahres widerlegt man. und damit Sotr basta.— Ehrist.: Wollten Sie nicht Ihre Erkl. auf da« Thatsäch�. liche, d. h. auf»ä 1) beschränken? Das Andre ist ja selbstverständlich« 0°"e — Bfe.»c. erhalten aus Bern, Berlin, Cöln, OberschlesieP Landes Offenburg(bravo I in nächster Nr.). Paris.— A. H. in New» weil sie Jork: Dr. Emil Schapen, früher in Bern, jetzt in«storia, ist firte— unter Umständen von der Schweiz nach Amerika übergesiedelt, die ihil als polttisch vertrauenswürdig nicht erscheinen lassen. Wir könnm vost.. j!, jeder Verbindung mtt ihm nur entschieden abrathen. gunftkg der Expedition: Rothe Fahne: Mk. 1705 ä Eto Ab. tt.«jt — Neckarschleimer: Mk. 2 75 ä Eto Schft. erh. Adr. notirt. Bstllst'icht he folgt. Bfl. Weiteres.— Roiher Knopf u. Gen.: Mk. 10— pr. Ufo E« dkd. erh. Mk. 5 50 f. Schft. gutgebr. Bfl. Gewünschte»»c.— Arbeiter�, jir,... Vereinigung Oberengadin: Fr. 4— f. d. streik. Weber in Crimmitschau � dkd. erh. u. Fr. 2— f. d. streikenden Uhrmacher in Selzach an die Rett verr, der„Arbst." abgeliefert? Weshalb Letztere» denn nicht direkt? Schab« Arbeitel um Porto u. Schreiberei her und hin?— I. L. Eh. Sg.: Mk. 1 Sä mit nfl, Portozuschlag Rai u. Juni erh. Bfl. Weitere»— Jugendlicher: Mk. I Sit Stand» Ab. B. erh. Dr. W. sehr unbekannt. Bstllg. folgt.— I. K. Gz.: öivfl.... e 3— Ab. 2. Qu. erh. 25 kr. pr. 3. Qu. vorgetr.— Rothe Taube? steiieNde Mk. 100— ä Cto Ab. tc. erh. Bstllg. unterwegs. Bfl. mehr.— Roe Ul seine land II: Mk. 100— ä Cto. Ab. ,c. pr. Wfd. verrechnet. Bf. v. 11. d- tenb et hier u. beantw.— Donau: Fr. 50— pr. 21/4. lt.»vt»» Cto gut» s�m,, gebr. Bfl. Näheres.— B. W. Baden: Fr.— 85 f. Bbthk. erh.— Da» fi' rothe Häuflein: Mk. 22 40 ä Cto Ab. ,c. erh. Adr.:c. notirt.— Solo! nl>?lvar Mk. 8 50 Ab. 2. Qu. u. Schft. erh. Dann find Sie also der„Solist� Und zu zu diesen(hoffentlich kräftigen)'/�hundert Stimmen. Bravo I— Di? tenben rothen H..H.: Mk. 101 20 ä Eto Ab. ic. gutg. Bfl. Ausschluß, daß et-u vrokl ar-u. liegt. Adr. notirt.— Commerzienrath jr.: Sdg. v. l«/5. erst v./. Wetterei besorgt.— Ldkr. C. a. Rh.: Mk. 200- ä Eto Ab. tc. pr. 10/4 � oav gutgebr. Bfl. am 17/5. mehr.— Zoroaster: Nachr. v. 14/5. hier. Srußl Ganz j Kannibale: Dank für Rapport v. 13/5.—_ Rother Apostels Ihr« aus in „Obstruktion" ist uns unbegreifltch.— Bierbauch: Rekl. bestellt. Wetter. notifizirt.— Clara: Bf. v. 14,5. erh. Bstllg. tc. folgt.— Beichenstettl! Adr. geordn. Avisirte» erwartet.(Schluß in nächster Nr.) Durch uns ist zu beziehen: „Die wahre Gestalt des Christenthums" von Joe» Guyot und Sigismond Lacroix. llebersetzt von A. Bebel. PreiS: Mk.—50(Fr.—85) Von 100 Exemplaren an Rk. 45— Zahlreichm Bestellungen fleht entgegen Erpedlüo» de« Fo,l«rdem»»r»t. AoNlebachhandknitg. Köttingen-Zürich. anschlicj sie ein: losgehet jahrelar das tiej iur Eil Nachder — es i läßt, bi Und obwohl keiner S Zweitens Zeit ab Wie Tjtion Gl im-«•! 1 von Ch Aentrui �ruppe 3 i'tvirft Samstag, den 21. Mai, Abend«»'/» Uhr, OUtlll) Mutter(früher„Weiße» Rößli") an der«chiffläudt. 1. Stock: Heschlostene Nersammkung der deutsche« KoziaNste». Tagesordnung: Neuwahl de» LandeiausschusseS u. Ergänzungiwahlen zum Lokalautfchust Trupps Zu zahlreichem Erscheinen ladet freundlichst ein Vorschr Der Lokalauischuß. den To Die zur Aufnahme Angemeldeten find hierdurch zum Besuch der Veff nicht rv rechtzue bereits Brutali sammlung eingeladen. CllkiorN Alle zuzeisenden Arbeiter, Freunde und Genossen werde? 4- er» darauf aufmerksam gemacht, daß sich unser Berkehrilokai in der Bierhalle„Eintracht"(l. Stock) befindet, und w»? nach besten Krästen für» r b« i t» v e r m i t t l u n g u. s. w. den Z* reisenden an die Hand gehen. Partelltteratur liegt auf und finden auch belehrende Diskussionen statt Sotlalistische Mitgliedschaft Lujern« Der Bertraueniman«. Streiks ftab, zu CV} /tti tiftrf DaS Unterstützungskomite der Soz.»rt> Partei in Rewyork hat beschlossen, fetnerhij keine Unterstützung mehr zu veradsolgen ohne genügendeLeg» ttmatton von einem Vertrauensmann oder gutbekannten G-noss«* Wir ersuchen die Berit au-nSleuie tc., die Legitimationen stet» cm d* National- Exekutive zu senden. Adresse: I. Sulzberger, Sekretär, Nr. 844£. 18 SN- New Jort. deutunc Wir Desuiss len Ar! doch m diel»vi Einzeln auf Ko geschaff stiminll ausruf