Rar s«5 ■je* ittb mi Sri Kvounements tefrttn bei allen schweijerlschen Postbureallx, sowie beim Verlag «nd dessen bekannten Agenten k»tgegengenommen. und»war zum voraus zahlbar«« BierieljahrspreiS von: (fr. 2,— für dieSchweiz(Kreuzband) bllk. S,— fjir Deutschland(llaudert) b- l.?v für Oesterreich(Caudrrt) 8t. 2,50 fstr alle übrigen Linder des WeltpostvereiuS(Kreuzband), Zuserit» ' ble dreigespallene Petitzeil« 25 m.= 20 Psg. Der SoMemokrat Hrgan der Sozialdemokratie deutscher Zunge. ßrscheint wich«ertlich«i«t«al in Zürich(Schweiz). Merlag der »»»»»»uchhaetM»«« Hoitingen-Zürich. Nostseudmgell franko gegen Gewöhnliche Briefe nach der Schwei» iofi« Toppelporto. 45 i* txtt m s°st uns R«V . dil S- 42 22. Briefe an die Redaktion und Srpedition d-s In Deutschland und Oesterreich verbotenen.Sozialdemokrat'«olle«an unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lassen. In der Regel schicke man uns die Briefe nicht direkt, sondern an die bekannten Deckadressen. In zweifelhastm Fällen eingeschrieben. 27. Mai 1887. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! A c>•} en» — imit ch- Ä ist tu» as» ite# H-» »ei» r| [60 mjt ib««i Sil" l.d. gut» Das olo! list� Di« >.« er� o/s- uß« jhr« iter. «ia! .f« Ildch hust l St- rb«? okai «it 3* talt irV 1 'S & Wetterleuchten. _ In den Kohlendistriktcn Belgiens wetterleuchtet eS wieder einmal. Ist die ausgebrochene Bewegung das Signal eines »ahebevorstehenden größeren Sturmes oder wird auch sie, wie so manche frühere, vorübergehen ohne tiefere Wirkung, ohne die ersehnte Reinigung der Atmosphäre herbeizuführen? Ein merkwürdiger Streik. Ein Streik, in welchem der Schlachtruf nicht Lohnerhöhung lautet, nicht Herabsetzung der Arbeitszeit, sondern Amnestie und allgemeines Stimm- recht! Seit den Tagen der Chartistenbewegung in England ist dergleichen nicht dagewesen. Eine Waffe des wirthschaftlichen Kampfes als Kampfmittel benutzt zur Erringung politischer Rechte. Werden die Streikenden Belgiens mit diesem Versuch glücklicher sein als ihre englischen Vorgänger? Soweit Zeitungsnachrichten vorliegen, sind die Aussichten in dieser Hinsicht nicht günstig. Die übrige Arbeiterschaft des Landes hat sich bis jetzt nicht an dem Streik betheiligt. Nicht weil sie nicht mit den Forderungen der Streikenden sympathi- firte— dieselben sind die Forderung des ganzen arbeitenden Belgien— aber weil sie den Moment des Kampfes nicht für günstig erachtete. Und wenn dem so bleibt, wenn die Berg- Arbeiter allein streiken, dann werden sie besiegt werden, das steht heute schon fest. Es war ein starkes Stück des Herrn Defuisseaux, sie dar- über im Unklaren zu lassen. Unsere Leser wissen, daß dieser Herr, nachdem er auf dem Landeskongreß der belgischen Arbeiterpartei mit seinen Plänen nicht durchgedrungen war, wit allec,, Macht,.darauf ,.hinad,\d.tctc,, eine eisMe.. Partei zu Stattde zu bringen und, als geschickter Demagoge, die tief- gehende Unzufriedenheit der Bevölkerung der Grubendiftrikte i» seinem Sinne benutzte. Er war es, der unablässig, wäh- rend er gemächlich am Strande von Nizza auf und ab mar- schürte, in seinem Blatt„Le Combat"(Der Kampf) die Idee des "schwarzen Streiks", deS allgemeinen Streiks predigte. Und zwar nicht des zu organisirenden, planmäßig vorzuberei- tenden allgemeinen Streiks, sondern des in allernächster Zeit zu proklamirenden,— und der alle Mitglieder der Arbeiterpartei, bie davon abriethen, mit„Verräther",„Bourgeois" titulirte. Tanz natürlich. Allen Deklassirten der Bourgeoisie, die sich aus irgend welchen persönlichen Gründen der Arbeiterpartei anschließen, brennt gewöhnlich das Feuer auf den Nägeln. Nun sie einmal dabei, soll es womöglich schon den nächsten Tag losgehen. Ob dadurch verdorben wird, was Andre mühsam in jahrelanger Arbeit geschaffen, kümmert sie wenig. Es ist nicht das tiefe Mitgefühl für die Nothlage der Arbeiter, das sie zur Eile autreiben läßt— denn das müßte sie auch zum Rachdenken veranlassen über die Konsequenzen ihres Beginnens es ist der Ehrgeiz, die liebe Eitelkeit, die ihnen keine Ruhe töfst, die sie kitzelt, va bauque zu spielen. Und so trieb Herr Defuisseaux zum„schwarzen Streik", obwohl er wußte, daß erstens die Kassen der Bergarbeiter in keiner Weise ausreichten, denselben ökonomisch zu führen, und zweiten« die übrige sozialistische Arbeiterschaft demselben zur Zeit abgeneigt war. Wie der Streik ausbrach und immer weiter um sich griff, von Grube zu Grube, von Distrikt zu Distrikt, im Becken von Charleroi, von Lüttich, im Borinage im Becken des Zentrums, wie die Regierung Gensdarmen über Gensdarmen, Truppen über Truppen abgesandt, um die„Ordnung" auf- rechtzuerhalten und das„Eigenthum" zn schützen, wie erstere bereits— in La Croyöre und anderwärts— in gewohnter Brutalität mit Säbelhieben„Ruhe" gestiftet, während die Truppen sich zunächst strenge in den Grenzen der gesetzlichen Borschristen hielten— das werden unsere Leser bereits aus den Tagesblättern vernommen haben. Wir kommen darauf stscht weiter zurück. Diese Einzelnheiten kehren fast bei allen Streiks wieder und fordern daher, so interessant sie an sich >wd, zu keinen besonderen Betrachtungen heraus Was uns hier interessirt, ist die fympromatifche Be- drutung des Streiks. Wir haben oben die persönliche Verantwortung des Herrn �kfuiffaux festgestellt. Das war nothwendig angesichts der frivo- len Art, wie derselbe seinen Einfluß ausgebeutet. Aber es ist ds>ch nur die untergeordnetere Seite der Frage gegenüber der viel wichtigeren allgemeinen. ES hieße den Einfluß des Einzelnen überschätzen, wollten wir die ganze heutige Bewegung ous Konto des genannten Pamphletisten setzen. Cr hat sie nicht Schaffen, er hat nur die vorhandene Disposition in eine be- iwmmtt Richtung gelenkt und kann jetzt mst Marc Anton ausrufen: „Unheil, du bist im Zuge, Nimm welchen Lauf du willst!" Die Bewegung ist seinen Händen bereits entglitten— die Bergarbeiter haben einige Wochen früher begonnen, als er gewollt, und ihm auf seinen Vorhalt geantwortet:„Du räthst uns jetzt dasselbe wie der Generalrath der Arbeiterpartei. Wir warten nicht länger." Und, wie gesagt, von Grube zu Grube breitete sich der Streik aus, es war, als würde ein unterirdisches Losungswort ausgegeben. Selbst in Gruben, wo seit 30 Iahren nicht ge- streikt worden, hat man die Arbeit eingestellt. Das deutet auf eine viel tiefere Gährung, als sie ein ein- ziger Agitator hervorbringen könnte. Und wie sollte es auch anders sein? Was hat die belgische Regierung, was das belgische Parlament gegenüber den fort- gesetzten Beschwerden der Arbeiter bisher gethan? Nichts, gar nichts! Hören wir, was ein so ruhiger Beobachter, wie C. De Paepe an die Wiener„Gleichheit" schreibt: „Mehr denn ein Jahr ist's, daß diese kapitalistische Bourgeoisie, er- schüttert durch die Arbeiterunruhen vom März, Veranlasiung genug hatte, den Arbeitern ein Minimum von sofortigen und unerläßlichen Reformen zu gewähren; über ein Jahr ist's, daß die Arbeiter-Znquöte ihnen gezeigt hat, daß die Lage der Arbeiter im ganzen Lande nicht mehr erträglich ist, daß sie Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen und ihres Lebens fordern, wie auch das allgemeine Stimmrecht und ihren Theil an politischem Einfluffe verlangen; mehr denn ein Jahr ist seit der Thronrede verflossen, in welcher den Arbeitern Versprechungen gemacht wur- den, von denen nicht eine erfüllt wurde. Seit einem Jahr funktionirt die Enquete über die Arbeiter, und Akten und Aufzeich- nungen, Projekte und Gesetze in Menge sind ausgearbeitet; aber bis- nun wurden diese, wenn auch unzulänglichen und kümmerlichen Anträge nicht einmal aus die Tagesordnung des belgischen Parlamentes gesetzt! Nicht eine ökonomische oder politische Reform wurde der arbeitenden Klaffe bewilligt! Im Gegentheil wurden unerhörte ge- richtliche Repressions-Maßregeln ergriffen! Der hartnäckige Widerstand gegen di- Amnestie, die Unterdrückung des freien Versammlungsrechtes, der Presse, des Briefgeheimnisses—— wenn es sich um die Arbeiter- Partei handelt; die Umänderung der Schießgewehre, der Militär Mon- turen, die Einberufung der Militär-Reserven, die Vermehrung von De- tektivs— das ist's, was das Parlament geleistet hat! In den letzten Tagen— wie um das Maß voll zu machen, wurden neue Steuern auf das Fleisch und auf das Vieh gelegt, und dem König ISO Millionen bewilligt, welche aus den Taschen der Unterthanen genommen werden, um sie mit den BanquierS... mi mittelst d-r skandaiSsin Lotterie, mit den Parasiten des Kongo, z» theilen! Heißt das nicht da» arme Volk zum Aeußersten treiben? Ist das nicht ein Beweis dafür, daß die Regie- rung und di- hohe Bourgeoisie in Belgien— in deren Händen allein die Macht liegt— das Proletariat nur reizen will, um einen Vorwand zu finden, ihm einen ausgiebigen Aderlaß zu versetzen, das Land zu terrorisiren und die sozialistische Arbeiterpartei zu zersprengen, deren wunderbares Anwachsen und ernste Organisation ihr für die Zukunft bange machen. Wir unsererseits zweifeln nicht daran." Möglich ist'S jedenfalls, denn welcher Infamie wäre das Ausbeuterthum nicht, sähig, wen» es seine Privilegien zu retten gilt? Jndeß, es wäre ein gefährliches Spiel, das eines Tages sehr schief ausgehen kann. Das Feuer könnte Dimensionen anneh- men, wo das Löschen nicht mehr so leicht ist, als die Herren es sich vorstellen. Schon hat letzten Sonnabend in Brüssel eine ganz spon- taue Kundgebung zu Gunsten der Streikenden stattgefunden, und ist gar nicht ausgeschlossen, daß andere folgen werden. Denn wenn auch die übrigen Arbeiter den Generalstreik als unzeitgemäß verworfen haben, so sympathisiren sie doch voll und ganz mit den Forderungen der Bergleute, hegen sie die- selben Empfindungen gegen die Regierung und die herrschen- den Parteien wie jene. Warum sollten sie nicht, wenn die Erbitterung sich noch steigert, Lust bekommen, den Kampf, den ihre Brüder aufgenommen, nun auch in ihrer Weise mit- zukämpfen? Wenn die Verhältnisse reif sind, dann greift der Geist der Rebellion mit Blitzesschnelle um sich und stampft Armeen aus dem Boden, wo zuvor die tiefste Ruhe zu herrschen schien. Die Massen sind unberechenbar und gehen im gegebenen Mo- ment ebenso leicht über ihre politischen Führer hinaus, als sie in ruhigen Zeiten hinter ihnen zurückzubleiben pflegen. Und reif ist viel, sehr viel in Belgien. Vorläufig läßt sich somit noch gar nicht absehen, welchen Verlauf die Bewegung diesmal nehmen wird. Den Streik als solchen lange zu führen, fehlen den Bergarbeitern die materiellen Mittel. Der allgemeine Streik hat in der That nur Sinn als Signal für eine allgemeine Volkserhebung, das heißt eine Revolution. Bei ihm verhält eS sich umgekehrt wie bei jeder anderen Arbeitseinstellung. Er ist verloren, wenn eS gelingt, die „Ruhe" im Sinne der Machthaber aufrechtzuerhalten. Dar- über darf man sich gar keinen Illusionen hingeben. Die Logik der Thatsachen, die zwingende Sprache des Hungers treibt zur Alternative: Empörung oder Unterwerfung. Er ist verloren, wenn die Bewegung auf die Bergwerks- distrikte beschränkt bleibt. Einem lokalen Anprall ist die Herr- schende Klasse Belgiens noch gewachsen— nur wenn daö ganze Land an ihr theilnimml, wird sie zu Zugeständnissen gezwungen werden können. Aber sollte eS ihr auch gelingen, die Bewegung diesmal noch niederzuhalten, sie, wie es der Herzenswunsch mancher der edlen Streiter für die Religion— des Geldsacks, das Recht— der Ausdeutung und die Moral— der Zensusprivilegien sein mag, im Blute zu cxsticken, ihr Sieg wird nicht von langer Dauer sein, kann nicht von lan- ger Daner sein. Zu tief ist das Verlangen nach politischer und sozialer Emanzipation in die breiten Schichten deS bel- gischen Volkes eingedrungen, zu groß ist die Unzufriedenheit mit der Mißwirthschaft der durch das Zensussystem in ihrem Klassenegoismus noch bestärkten Finanz- und Grundbesitz- Aristokratie. Wird aber die Bewegung auf Belgien beschränkt bleiben? Gilt das Wetterleuchten im Nordwesten des Kontinents mni der nächsten Umgebung? Ist die Luft nicht auch anderwärts mit Elektrizität überladen? Wir brauchen die Frage nur auszuwerfen, die Beantwortung liegt auf Aller Lippen. Auch anderwärts, und namentlich in jenem Lande, von dem gewisse Leute in Belgien für den Fall, daß die Sache für sie schief gehen sollte, Hilfe erwarten, itt Deutschland hat die Erbitterung in Arbeiterkreisen einen Grad erreicht, daß sie dem ihrer belgischen Brüder kaum nach- steht. Auch sie sind es müde, der elementarsten staatsbürger- lichen Rechte beraubt zu sein, auch sie verlieren die Geduld über das falsche Spiel mit Zuckerbrod und Peitsche, das mit ihnen getrieben wird, auch sie sehnen sich nach dem reinigen- den Gewitter, und wenn die Dinge so weiter gehen, so wird auch aus ihrer Mitte eines Tages der Ruf ertönen: Wir warten nicht länger! Es wetterleuchtet am Horizont. Die Bismarck, Pnttkamer und Konsorten aber achten die Anzeichen nicht oder sinnen nur darauf, sie rabulistisch für ihre Sonderinteressen auszunutzen. Aber so gewiß zweimal zwei vier ist, so gewiß kommt der Tag, da ihre Rechenkünste schmählich in die Brüche gehen werden. Man kann die Welt eine Zeitlang betrügen, die Weltgeschichte läßt sich kein 1 für ein U vormachen. Und gegen die Unwetter in den Tiefen ist noch kein Blitz- ableiter erfunden worden. „Die politische Oekonomie vom geschtcht- lichen Standpunkt." (Schluß.) Unsere Lehre von der Arbeit ist der Eckstein aller sozialdemokratische« Begriffe, daher müssen natürlich alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um an diesem Eckstein zu rütteln und ihn in Konfusion zu versenken.— Wir, d. h. unsere materialistische Geschichtsauffassung, behaupten, mittels der Entwicklungsgeschichte der Arbeit lasse sich die.„höhere" geistige Welt: das, was Kant unter den Worten„Gott, Freiheit und Unsterb- lichkeit" zusammenfaßt, hell, klar und deutlich erklären. Die Professoren dagegen, als Wortführer vrivilegirter Klassen, müssen behaupten, ihre„höhere" Welt und die menschliche Seele seien von einer so eminent hohen Abstammung, daß dieselben mit solch' gemeinen Dingen, wie es die Arbeit ist, absolut nichts zu thun haben. Die ideale Welt aus der körperlichen erklären zu wollen— das ist der Profefforei unausstehlich. Recht, Freiheit und Sittlichkeit und den Verstand und Be« griff dieser hehren Güter haben die oberen Zehntausend in Pacht, die« selben Leute, welche auch die Arbeit in Pacht genommen haben und sich tributpflichtig erhalten wollen. Nicht einmal die„Erkärung", nicht ein« mal den„Begriff" der Sache gönnen sie uns. Das deutet denn doch schon energisch an, daß es unserer Bemühung werth ist, Erklärung und Begriff zu demonstriren. Wir müssen es evident machen, daß die Arbeit allein und keine anderen Fixfaxen der Matador aller Werthe und aller geschichtlichen Entwicklung, die Substanz ist, um welche sich die ganz« menschliche Welt dreht. Wir behaupten, die versklavte Arbeit sei die Ursache aller Sklaverei. Aber was ist überhaupt eine„Ursache"? Wie können wir behaupten und erhärten, der Pegasus sei ein Pferd, solange die allgemeine Pserdv Natur streitbar ist? Um die Arbeit als unzweifelhaste Ursache aller Werthe und der ganzen geschichtlichen Entwicklung zur Geltung zu drin- gen, müssen wir deutlich machen, was unter Ursache eigentlich zu ver- stehen ist; ohne daS vermengt man unsere sonnenklare Doktrin ewig mit metaphysischem Quatsch. Der ungebildeten Masse wird vom Pfaffen der Kopf mst Metaphysik verdorben. Der Kathederpfaff benutzt diese alte Einreibung, um das Ver« dummungsgeschäft fortzusetzen. Ob er dabei wissentlich oder unwissentlich sündigt, ist hier nicht von Belang. Genug, er nöthigt zu näherer Unter« suchung seiner metaphysischen Salbe. Wir müssen wissen, was eine U r s a ch e ist, um die Spezialursache des ökonomischen Werthes, um die ursächliche Kraft der Arbeit und die nebensächliche Bedeutung profeffo« raler Fixfaxen zu konstatiren. Wenn ein Stein ins Wasser plumpst, wird dieser Stein als Ursach« der folgenden Wasserbewegung bezeichnet. In der That ist er aber nur Mitursache. Eine zweite Mitursache ist die elastische Natur deS Wasser», eine dritte die Anziehungskraft der Erde, eine vierte der Raum und di« dünne Beschaffenheit der Luft tc. k. Es ist klar: der Vorgang hat keine besondere Ursache, sondern die Gesammtwirkung aller Umstände bewirkt die Erscheinung. Dennoch wird Niemand etwas dagegen haben, wenn wir an dem Satz festhalten: der geplumpste Stein ist die alleinige Ur» fache der fraglichen Wasserwellen. Was hat dieser Satz zu bedeuten? Nicht daS, was ein verbohrter Buchstabenkopf hineinlegen kann; er bedeutet nicht, daß neben dem Stein keine Mitursachen gewirkt haben, sondern nur, daß zur Erklärung des Vorgangs der Stein di« ursächliche Substanz bildet. Die Eintheilung der Dinge in Ursachen und Wirkungen ist weiter nichts alS ein Erklärungsmittel, keine Wahrheit„an sich", sondern nur eine Wahrheit zum Zweck« der Erkenntniß, eine Z u r e ch t« legung der Sache. Unsere Erkenntnisse sind wahr, wenn sie sich ein trefflich Bild von den Sachen machen. Wie der Maler Pinsel und Palette, so gebraucht unser Kopf die Kategorien von Ursache und Wirkung. In der Welt sind alle Ursachen erwirkt, d. h. Ursachen sind zugleich Wirkungen, Wirkung«» zugleich Ursachen. Der universale Zusammenhang verursacht alles. Den« noch bin ich berechtigt, jeden besonderen Hergang einer besonderen Ursach« zuzuschreiben. Ich kann nicht sagen, daß an meinen etwaigen Leibschmerze« da» Universum schuld sei. Ob das auch durchaus wahr ist, bringt«S doch keinen Verstand, keine S r k l ä r u n g sür die Pein. Die politische Oekonomie will und soll nichts als eine Theorie sein; sie will die vorhandenen Thatsachen, namentlich den Tauschwerth Ler Werthobjekte der bürgerlichen Welt erklären. Behufs deffen sagt David Ricardo im ersten Kapitel seiner„Prinziples": .„Diejenigen Dinge, welche Nutzen gewähren, erhalten ihren Tausch« 'Verth aus zwei Quellen, aus ihrer Seltenheit und aus dem Quantum 'Arbeit, die erforderlich ist. Es gibt Dinge, deren Werth einzig von ihrer Seltenheit abhängt. Dergleichen sind vorzügliche Statuen und Ge« mälde, seltene Bücher, Münzen, Weine von vorzüglicher Güte ic. Diese Klasse von Dingen macht indessen nur einen kleinen Theil derjenigen aus, welche täglich umgesetzt werden. Bei weitem der größte Theil der Güter, die man zu besitzen wünscht, wird durch Arbeit hervorgebracht, nicht in einem Lande allein, sondern in mehreren kann man sie verviel« sältigen, und zwar auf eine unendliche Weise, sobald man nur die zu ihrer Hervorbringung nöthige Arbeit auswenden will." Bei Anführung dieser Worte schlägt der Karl KnieS die Hände über dem Kopf zusammen und rust:„Wo in aller Welt ist nur das «ine wirthschaftliche Gut, das man auf„unendliche" Weise ver« vielfältigen kann?" Sind denn die Zündhölzchen nicht ein solches Gut, welches man un« endlich vervielsältigen kann? Das Holz, die Bäume und Wälder, wor- aus man sie verfertigt, sind allerdings begrenzt. Das Universum allein ist das einzig Unbegrenzte. Insosern hat der Knies Recht. Aber ist er denn nicht ein überspannter Mensch, der sich mit seinem Kopf in einem überspannten Gedankenkreise bewegt? Gibt es denn neben der über« spannten nicht eine verständige Unendlichkeit? Ist denn die Zahl der Sterne am Firmament und der Haare auf unseren Köpfen nicht eine unendliche Zahl? In diesem Sinne sind nicht nur die Zünd« Hölzchen, sondern auch die Ellen Kattun, die Tonnen Eisen, die Zentner Schafwolle, ja auch die kultivirten Aecker durch menschliche Arbeit„un- endlich" zu vervielfältigen. Die Unendlichkeit im Sinne Ricardo's ist eine verständige und verständliche— sofern man Verstand und guten Willen mitbringt. Sie bedeutet nichts weiter, als daß alle für das menschliche Bedllrfniß nöthigen Produkte von der wachsenden Produktiv- ; kraft der Arbeit in unabsehbarer Masse hergestellt werden können. Nicht nur die Tuchvorräthe, auch die Wollvorräthe sind beliebig zu vermehren. WaS hält uns ab, die Wolle, die wir zu Hause nicht finden, in Austra- lien zu produziren? Keine abstrakten, sondern nur ganz k o n« krete Hindernisse, namentlich auch der bornirte Gesichtskreis unserer gelehrten Mandarine. Abstrakt betrachtet, ist die rohe Handarbeit, die allgemein menschliche �Durchschnitts arbeit— wie sie Marx nennt— der Autor, der Matador nicht nur der politischen Oekonomie, sondern der ganzen menschlichen �Gesellschaft. Nun aber leben wir nicht in der abstrakten, sondern in der konkreten Welt. Wer verkennt das? Die konkrete Welt will doch abstrakt betrachtet sein, damit wir klug werden aus ihrer Mannigfaltigkeit. Dazu leisten die theoretischen Ecksteine der Sozialdemokratie vorzügliche Dienste, und die Professoren, die es verkennen, sind eben nur Quasselköpfe. Daß die Werththeorie eine Abstraktion, ist nicht zu verkennen. Daß man dabei von der Natur und dem Gebrauchswerth abfirahirt, um den iTauschwerth„rein" zu erfassen, ist sehr natürlich. Ricardo macht die Arbeit zu seiner einzigen Quelle. Marx ergänzt Ricardo, indem er die gesellschastlich nothwendige Arbeit zu dessen Substanz und die Arbeitszeit zum Maßstab des Tauschwerthes macht. Die Zeit, welche die menschllche �Gesellschaft nothwendig gebraucht zur Herstellung einer Waare, bedingt deren größeren oder kleineren Werth. Damit ist schon gesagt, daß auch der Gebrauchswerth seinen Einfluß übt. Nutzlose Arbeit ist keine noth- wendige. Ferner fügt Marx die Unterscheidung zwischen W�rth und Preis hinzu. Nicht der Preis, der auf diesem oder jenem Markts ge- �zahlt wird, ist identisch mit dem Werth. Angebot und Nachfrage ändern 'nur die Preise, nicht aber ihren Werth. Dann wies er noch klar und deutlich die Verschiedenheit der lebendigen Arbeitskraft von dem geleisteten .Arbeitsprodukt nach und zeigte, wie daS Werthgesetz ein geschichtliches Wachsthum ist, welches erst in der modernen Gesellschaft von Tag zu Tag mehr zum exakten Ausdruck gelangt. 'Aber alle diese spitzen und scharfen Unterscheidungen hat Marx nicht sowohl gemacht, weil sie in der Wirklichkeit vorhanden sind(? Red.). .Da gibt eS noch zehnmalhunderttausend Unterschiede, die er nicht er- wähnt hat und nicht erwähnen mochte; vielmehr sollen die Marx'schen �Unterscheidungen dienen, die Wirklichkeit zu erklären. Für diesen 'Zweck sind sie unübertroffen und bleiben die Ecksteine der sozialen Be« � wegung. V Dem Knies leuchtet ein, daß der Sozialismus in seiner Literatur aus !d«n letzten Jahrzehnten„einen großen kritischen Scharfsinn be- Mtigte." „Die Bedeutung dieser Kritik hat wenigstens dadurch nicht abgeschwächt werden können, daß sie von keiner phantastereichen, detaillirten Aus- imalung der nach einer verlangten neuen Organisation des Wirth- schastslebens für Alle erwartlichen Glückszustände begleitet ist." Und dann wieder:...„ist vorab zu konstatiren, wie wenig(beim Sozialismus) von einem andauernden Festhalten und einer gemeinsamen Anerkennung bedeutsamer Forderungen und wichtigster Lehrsätze dre Rede sein kann." Was eben gelobt wurde, daß die Sozialisten keine thörichten Plan- schmiede und Zukunstsmaler sind, wird dann auch wieder getadelt: die Laffalle'schen Pläne von staatlich subventionirten Produltivassoziationen haben diese unbeständigen Sozialisten schon fallen gelassen. Auch die dem Knies unbegreifliche Forderung,„daß jedem Arbeiter der ganze Artrag seiner Arbeit zufallen müsse, ist innerhalb eines arbeits- theilig organistrten Gemeinwesens kaum verständlich." Auch will ihm die sozialistische„ N i v e l l i r u n g" gar nicht in den Kopf, wie sie in dem „Motto einer sozialistischen Zeitschrift ausgesprochen ist: Alle Menschen. gleich geboren, sind ein adelig Geschlecht."„Der Sozialismus, sagt Knies, bekennt sich zur Gleichwerthung der Handarbeit mit der Kops- arbeit, ein gleiches Maß von Arbeitsanstrengung und Arbeitszeit soll den gleichen Erwerbsanspruch bedingen." Diese Zitate sind insoweit klassisch, als die ganze Klasse der sozial- .demokratischen Widersacher an denselben Mißverständnissen laborirt, über welche der Karl Knies soeben(Seite 300 bis 304) gestolpert ist. Auch verläuft und verfließt die feindliche Klasse mit der arbeitenden in gra> duelle Uebergänge und trägt ihren Unverstand und ihre Begrisssverkehrt- heit betreffs der sosialdemokratischen Lehren bis in das Innerste der hartarbeitenden Masse. Das muß denn rechtfertigen, wenn wir wieder und immer wieder uns herbeilassen, dieselbe, so oft schon vom Gegner erfahrene Begrisssverdrehung umständlich zu expliziren und zurechtzu- setzen. .Die Sozialdemokratie lehrt allerdings, daß alle Renschen, gleich geboren, ein adelig Geschlecht seien; aber sie verkennt nicht, daß dt- gleich geborenen Menschen trotzdem und zugleich auch alle mit indivi- duellen Gesichtern und sehr ungleichen Eigenschaften zur Welt kommen. Wem es angelegen ist, die sozialistische Lehre zu verstehen, der dars .sich besonders angelegen sein lassen, dem Sätzchen von der Gleichheit /dessen, was ein menschliches Antlitz trägt, ein wenig mehr als die ge- wohnliche Aufmerksamkeit zu schenken. „Freiheit und Gleichheit" sino alte Forderungen, um welche seit Jahr- taufenden viel, sehr viel hin und her geredet worden. Um sie im Lichte der gewonnenen Kultur zu sehen, thut wieder der„geschichtliche Stand- punkt" noth. DaS Pflänzchen war erst so winzig klein, daß nicht fem Ansang, sondern nur e»n merklich gewachsenes Stückchen dem Auge ficht- bar ward. Das Keimchen hat sich entfaltet, hat Form und Bestand ge- wonnen und nunmehr ist das Bild davon besonders in soj alistlsch ge- schulten Köpfen ein viel vollendeteres als in den rückständigen Hirn- konz-ptionen der„gelehrten" Schranzen. „Freiheit und Gleichheit" sind zunächst ideale Begriffe, das Abbild eines realen Gegenstandes, der in Zeil und Raum ,m faktischen L-ben eine ausgebreitete mannigfache mater iale Existenz hat. Ideale haben d»e Menschheit vielfach berüät. Der Sozialist, der sich um dt« Erkennt- ni ß derselben beworben, läßt sich nicht mehr berücken, aber ebensowenig läßt er sich seine Ideale eslamotiren. Die von ihren Idealen so viel- berückte Menschheit wird, nachdem sie die eigenlhümliche Wesenheit der Ideen und Jd-ale erkannt hat, nicht auf daS ideal« Slreven, sondern nur auf den Mißbrauch desselben verzichten. DaS nun ist der Punkt, der uns von der herrschaftlichen Piosessor«, markant unterscheidet: wir kennen unsere Jd-ale al» Bord Uder. wir find vollkommen nüchtern bei Anschauung derselben; wir wollen die- sejhen realtstren. Dabei wird dem Sozialismus von S-iten der Vo-ks- ausbeutung und ihrer professionsmäßigen Fürsprecher eine Eselei unter« schoben, die wir mit der größten Entschiedenheit zurückweisen. Die dem Sozialismus untergeschobene Verkehrtheit in Betreff der Ideale, der Ideen und Begriffe sitzt und heckt und brütet nur in der duseligen Welt des Widersachers. Das Ideal der Gleichheit alles Dessen, was«in Menschenantlitz trägt, verwirklicht sich zusehends. Wir find uns bewußt, daß unsere Ideale so dem wirklichen Leben entstammen und entnommen sind, wie der Dessein- maler seine idealen Blümchen an den Blumen der Wirklichkeit abgesehen hat. Die wirkliche Gleichheit, das Gleichheitsideal und die zufolge dieses Ideals modifizirte Gleichheit der Zukunft sind drei Verschiedenheiten, welche die Dialektik ebenso klar auseinanderzuhalten weiß, als die Reak- tion daraus einen Mischmasch zu machen versteht, der ihre PrivUegien konserviren soll. I. D i e tz g e n. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 2S. Mai 1387. — Die internationale« politischen Beziehungen Europas verschlechtern sich von Tag zu Tag. Während alle Regierungen offiziell von Friedensbetheuerungen überfließen, wird unter der Hand stärker als je gehetzt, geschürt und— gerüstet, daß es nur eine Art hat. Die Situation ist aufs Aeußerste gespannt, jeder Augenblick kann den Aus- Bruch des Krieges bringen, der nur deshalb aus sich warten läßt, weil Niemand die Verantwortung dafür übernehmen will, angefangen zu haben. Und doch sagt sich wiederum jeder, daß es auf diese Art nicht fort- gehen kann, der Friede, dessen sich Europa in diesem Augenblick er- freut, ist kein„lieblicher Knabe, gelagert am ruhigen Bach", sondern ein kostspieliger, die Kulturentwickelung der Völker lähmender Wegelagerer, den jeder am liebsten zum Teufel wünschen würde, wenn nicht hinter ihm der Krieg stünde, und zwar ein Krieg, der wahrscheinlich mehr Opfer kosten wird als irgend ein früherer, und von dem man nicht einmal sagen kann, daß es nach ihm besser werden wird— wenigstens so lange die heutigen politischen Zustände fortdauern. Das alte politische System, das in Bismarck bis jetzt Scheintriumphe feierte, erlebt in diesem Augenblick seinen inneren„moralischen" Bank- rott, dem hoffentlich der äußere thatsächliche bald folgen wird. Er ist die einzige Möglichkeit einer wirklichen Besserung. Um ihn zu verdecken, werfen sich die Vertreter der hohen Diplomatie in diesem Moment gegen- seitig allerhand„Enthüllungen" an den Kops, aber sie bewirken damit nur das Gegentheil— sie vergrößern ihn. Der nichtswürdigste Schacher mit dem Wohle der Völker tritt da an den Tag, ein„Staatsmann" spielt immer eine schoflere Rolle als der andere. Ganz besonders kom- promittirend für Bismarck, und damit für Deutschland, sind die neuesten Enthüllungen des General Leflo. Sie werden die allgemeine Antipathie gegen das deutsche Reich nur noch steigern. Deutschland erntet jetzt die Früchte seiner glorreichen Einigung durch „Blut und Eisen". Wer es nach 1871 bisher wagte, diese nicht als die einzig mögliche und vernünftige anzuerkennen und zu preisen, der wurde von den Erfolgsanbetern als unzurechnungsfähiger Schwärmer verlacht. Schöner als Bismarck, der Einzige, Unübertreffliche, das Alles gemacht, hätte es ja niemand anders machen können. Und jetzt? Nie war der Name des Deutschen im Auslande so verhaßt als im gegenwärtigen Moment— ehedem die Verkörperung des Idealismus, ist er heute für alle außerdeutschen Nationen der Inbegriff der brutalen Gewaltpolitik. So rächt sich die Thatsache, daß die Einigung Deutschlands durchgeführt wurde im Kampf gegen die Demokratie, daß sie eingeleitet wurde durch eine flagrante Verletzung des Selbstbestim- mungsrechts der Nationen. Der Mißbrauch des Nationalitäts- Prinzips seitens des siegenden Deutschland hat rings umher dem natio- nalen Chauvinismus neue Nahrung gegeben, ihn zum Theil erst geweckt. Es wäre unhistorisch und hieße dem Einzelnen zu viel Bedeutung bei- legen, wollten wir sagen, Bismarck allein trage die Schuld an der jetzigen Rassen- und Nationalitälenhetze, aber was ein Einzelner überhaupt dazu beitragen konnte, die Völker zu verhetzen, das hat Bismarck g-than. Dieser Mensch, über dessen Lippen nie ein Wort für das Recht von Unterdrückten geflossen, der für alles, ob geistiger oder sonstiger Kampf, nur Eines kennt: Gewalt, Gewalt, und wiederum Gewalt, der es fertig bekam, in Deutschland dem Papst zum Triumph zu verhelfen, der die Schutzzöllnerei eingeleitet hat, aus der er jetzt nicht herauskann, e r trägt den Haupttheil der Verantwortung für die schändlichen Zustände, unter denen der Wohlstand der Völker Europa's, und speziell des deutschen Volks heute leidet. Und ehe nicht mit seinem» System gebrochen wird, ist an eine Besserung nicht zu denken. Aber wer hat den Muth, das offen auszusprechen? Ohne ein Wort der Kritik seitens der Opposition hat der Reichstag 8ZZ Millionen Mehrausgaben für das Militär bewilligt. Man schwieg— aus patriotischen Gründen. Welch schönes Ding ist doch der Patriotismus! — Wozu die„Bolksstimme" gut ist. Jedesmal, wenn es sich um Erkämpsung irgend eines demokratischen Rechtes handelt, wissen die reaktionären Skribenten im Reiche Bismarcks nicht laut genug auf die geistige Unreife der großen Volksmasse hinzuweisen, angesichts deren es ein Verbrechen sei, derselben die Entscheidung über die wichtigsten Fragen des öffentlichen Lebens zu überlassen. Wo es sich um Anregung zu irgend einem Fortschritt handelt— und sei es das bescheidenste Arbeiterschutzgesetz— da ist die Volksmeinung inkompetent, da müssen die Fachleute aus den„besseren Ständen" entscheiden. Ein Fortschritt von unten— pfui! Ganz anders, wenn es sich um die Vorurtheile handelt, die in gewissen Volkskreisen obwalten, die werdm von ihnen sorgsam gehegt und gepflegt, und jederzeit ausgespielt, wenn es gilt, die Gesetzgebung nach rückwärts zu revidiren oder gegen andere Länder zurückgebliebene Einrichtungen zu verherrlichen. So lasen wir jüngst in einem pharisäerhaften„Kriminalstotislisches aus Frankreich" überschriebe- nen Artikel des ganz verbismarckten„Hamburgischen Korrespondenten" folgende charakteristische Verherrlichung der„Volksstimme": „In dem richtigen Gefühl, daß mit dem Glauben an die sittliche Frei- heit und Verantwortlichkeit der Einzelnen die unter Menschen bestehende Ordnung steht und fällt, hat die Bokksmeinung die von gewissen Ge« lehrten zu Gunsten der sogenannten Manien geforderten Ausnahmen stets abgelehnt: das Volk als solches glaubt weder an die Kleptomanie (Diebskrankheit) noch an die Pyromanie(krankhafte Neigung zur Brand- stistung! und stellt sich in jedem hierher gehörigen zweiselhasten Falle fast regelmäßig auf die Seite der strengeren Meinung. Mate- rialistische und sentimentale Auffassungen des Verbrechens find fast immer Resultate der Verbildung gewesen, und demgemäß unter den mitt- leren und oberen G-sellschastsklassen sehr viel verbreiteter als unter dem Volk(im engeren Sinne des Worts). Bezeichnender Weise ist auch die— zeitweise siegreich gewesene— Agitation gegen die Todesstrafe niemals recht populär gewesen. Wohl haben demokratische und sozialistische Zeitungen zeitweise ausgedehnte Kreise zur Parteinahme gegen diese äußerste Strafe bestimmt: echte Bürger und Bauern sind nichlsdestoweniger stets der Meinung geblieben, daß das alte Wort: „Wer Blut vergießt, dess' Blul soll auch vergossen werden," sür alle Zeiten Geltung behalte, und haben dieser Meinung nachdrücklichen Aus- druck gegeben, so oft außergewöhnliche Verbrechen vorlagen. Auf diesem Gebiete, wie auf anderen, steht die Sache gegenwärtig so, daß die alt«. echle und unversälschte Volksmeimmg im Lause der letz'.en Jahre unter Beseitigung gewisser x'eudopopulärer, dem Volte untergeschobener Partei- Meinungen zu ihrem Reihte gekommen ist.« Daß die Brulalnät früherer Zeilen in der Aera Bismarck vielfach wieder Boden gesaßt, ist nach drei„glori eichen K liegen" und der lleber- ziehung des Landes mit BiSmarck'schen Volksv-rdummungsorganen kein Wunder— wahre Humanilät kann in einem nach russischem Muster regi rien Lande nicht gedeihen. Da kommen ganz andeie Dinge zu ihrem „R cht", und wenn die P.äne der Deutich'and jetzt regierenden EchnapS- janker>n Eisüllung gehen, so wird der„echte Bürger und Bauer" im Reiwe der �Koltesfurcht und frommen Sitte wohl auch bald wieder sür Hex-np ozesse und Ketzerverbrennungen ichwärmen. UedrigeilS, was den Unglauben an„Kleptomanie" und„Pyromanie" anbetrifft, so würde derselbe sicher weniger verbreitet sei», wenn dies« Krankheiten nicht fast immer und fast ausschließlich da gellend gemacht würden, wo es fich um Diebe und Brandstifter— pardon» Kleptomane« und Pyromanen aus der guten Gesellschaft handelt. ES ist hier wenb ger die Krankheit, die das Volk bezweifelt, sondern die Gerechtigkeit, Diesen, oft nur zu gerechtfertigten Zweifel aber als Beweis für die altt brutale Vergeltungstheorie in's Feld zu führen, dazu gehört die ganzi sittliche Verkommenheit eines neudeutschen Reichsgerichtsraths. Nicht wahr, Herr von Mittelstädt? — Iii»« ftmi-nös— ein Backofen voll nannte man zur Zeit der Schreckensherrschast in der großen Revolution eine Engros-Lieferuvt sür die Guillotine, wenn gleich Dutzende auf einmal ans Messer geliefeo wurden. Unsere biederen deutschen Richter sind jetzt in die Fuß stapfen der franzöfischen Richter von damals getreten— nur daß ß< im Vergleich mit jenen Borbildern ebenso ruppig erscheinen, wie dß Schreckensherrschaft unserer borussischen Krautjunker im Vergleich md der Schreckensherrschaft jener Revolutionstitanen. Freilich— damali handelte es fich um„eine I d e e", und heute handelt es sich um D i eb st a h l und Raub. Doch lassen wir das. Genug— unsere Richtet sind jetzt an den Lieserungen imGroßen— und wenn sie Nlsf nicht auf die nasse Guillotine schicken, so doch wenigstens auf dd trockene: ins Gefängniß und Zuchthaus. In Leipzig neulich ein hall Dutzend, in Magdeburg zweiunddreißig, in C h e m n i tz drei— dal genügt für eine Woche. Die nächste wird eine ebenso gute Ausbeub geben: in Stettin, Breslau, und wer weiß wo noch sonst, sind Dutzend und Dutzende von Angeklagten für die fourness bereit; und kein Taß an dem nicht die Polizei neue Opfer heranschleppte. Nun— nur hübs« vorwärts. Jeder Gefangene, jeder Angeklagte, jede> Verurtheilte erhält die Feuertaufe; mit Ausnaha schwachnerviger Bursche, die in unserer Partei glücklicherweise sehr seit« sind— der Chemnitzer G ö tz e(s. u.) hat wenig Vorgänger gehabt, und wo wenig Nachfolger finden— wird jeder Gefangene, jeder Angeklagf jeder Verurtheilte zu einem kampsfrohen Veteran, und so sorgt t Polizei mitsammt den Richtern denn in ihrer tollen Reaktionswuth wl dasür, unsere Kerntruppen zu vermehren. Die Herren mögen«l noch toller treiben als bisher und als jetzt— wir halten es auk Und je fleißiger und eifriger sie den Berg ihrer Schmach erhöhen, dest rascher werden auch den Gleichgültigsten die Augen geöffnet, desto eh« kommt die Nemesis. Also nur drauslos vsrurtheilt. Nur immer d« Statistik„der Verbrechen gegen die öffentliche Ordnung" vermehrt � die Statistik der„Verbrechen gegen die öffentlich' Ordnung" ist die Statistik der Infamie unsere« Feinde. — Der Magdeburger Geheimbundsproze« hat mit der Ver urtheilung von 31 der Angeklagten zu inszesammt 164 Monate Gefängniß geendet. Der Staatsanwalt hatte für die Betreffenden 1 1 Monate 14 Tage beanttagt. Die Herren Richter haben wahrscher" den Beweis liefern wollen, daß auch bei Berufsjuristen das Klaff, Interesse nicht verloren geht, was allerdings kein Mensch angenomi hat. Es ist uns absolut unmöglich gewesen, auf Grundlage der vorliegenden ausführlichen Berichte zu ermitteln, nach welchen Grunk sätzen die Herren etwa bei der Strafabmessung verfahren sein könnte» Von der Frage nach dem Gewicht des gegen die Einzelnen vorliegend» Beweismaterials konnte gar nicht die Rede sein, denn das niä überall gleich dürstig: Aussagen des Lumpen Speck und ähnlich» Patrone. Wo sie nicht wegen Wangels jeden Thatbestandes freisprech» mußten, da verurtheillen sie ohne Rücksicht auf die Erklärungen der A» geklagten vor Gericht zu fast ganz gleich hohen Strafen. Sehen wir vo> den wegen einfacher Uebertretung des Vereinsgesetze' Verurtheilte» ab, so ist der D u r ch s ch n i t t sechs M o n a t e— gleich, ob Einer zugab, Leser des„Sozialdemokrat" zu sein oder ni» Der Angeklagte Julius Bremer, der an die Nachsicht des Sf richtshofes appellirt und— laut dem Bericht des„Neuen Magdeburg»"' Tageblatt"— hervorgehoben hatte, daß sür ihn, als einen alten, krank» Mann bei einer eventuellen Strafe ein großer Rest seines Lebens, vi» leicht dieses selbst auf dem Spiele steh-, und so iveit ging, zu erklär» er„habe nicht gewußt, daß der„Sozialdemokrat" vertrieben wurde, gegen er durchaus gew-sen sein würde, denn dieser Vertrieb des„Sozi«, demokrat" habe schon Hunderte von Familien in's Elend gestürzt", u» wörtlich:„Speck und Krieter hätten auch für unseren schweren Kanw wider die extremen Elemente zeugen müssen. Ich habe daS Gege» theil gethan von dem, was mir die Anklage vorwirff Ich habe gewirkt für Ausrechterhaltung der Ordnung, s� die Unterdrückung und Schadlosmachung der Ei tremen zur Ehre der Sozialdemokratie"— dieser Ma» wurde zu sieben Monaten Gefängniß verurtheilt, währe» der Staatsanwalt nur sechs Monate verlangt hatte. Aber freil» Bremer ist Hausbesitzer und muß geschäftlich geschädigt w» den. Aus demselben Grunde wurde wahrscheinlich auch Klees statt f sechs, wie der Staatsanwalt beanttagt, zu neun Monaten ver» theilt. Mit einem Wort, das Urtheil ist der Ausfluß der offenkundigst» Partei- und Klassenjustiz, und ein Tribunal, das 81 Mann» von denen der Staatsanwalt selbst konstatiren mußt«, daß fich„b< keinem von ihnen Neigung zu Ausschreitungen g« zeigt", noch über den Anttag des Staatsanwalts hinaus verurthei» ein Tribunal, das im Bewußtsein der Ungerechtigkeit sein«' „Rechtsspruchs" die noch auf freiem Fuß befindlichen Opfer fein» Justiz sofort hinter Schloß und Riegel bringen läßt, ein solch» Kollegium von Rechtsverttetern gehört an den Pranger der Recht» Verbrecher. Ihre Namen sind: Landgerichtsdirektor Jlberg, Vorsitzender, Landgerichtsrath Fabian Gerichts-Assessor Forell' „Nicht für noch so viel Geld," schreibt uns ein Augenzeuge der 0« richtsverhandlungen,„möchte ich den Augenblick der Verurtheilung Hl» einmal erleben. Dort die aufrecht stehenden Männer, die, ohne mit d» Mienen zu zucken, daS Urtheil entgegennahmen, drüben die Richter, de»» man das Bewußtsein der Schlechtigkeit an den Mienen ablas, und>» mich herum, auf der Zuschauerttibüne, die weinenden Frauen-- ruffische Zustände!" Ferner schreibt man uns a«S Magdeburg: „Was Speck für die angebliche Organisation X, war Schtvennhagt» der Exfreigemeindeprediger, für die angebliche Organisation II. Be» Hallunken verkehrten miteinander. Keine„Sitzung" ist der Polizei bekannt geworden, wo nicht entwed« Speck oder Schwennhagen dabei gewesen. Roch mehr. � Wir geben auf solch« Versprechungen nicht viel. Es ist ja wohl mög« stich, baß es Most, der im Gefängmß Zeit genug gehabt hat. zu über- ?egen, wem er durch seine frühere Kampfweise am meisten geschadet, im «ugenblick mit dem, was er s-gt, Ernst ist, aber— auf wie lange? Most hat uns an so viel Wandlungen in seinem Auftreten gewöhnt, daß |pir auch auf fernere gewärtig sein müssen. Immerhin sei von dem löblichen Porsatz Kenntniß genommen— an unserer Stellungnahme gegenüber dem A n a r ch i s m u s, zu dem sich Most nach wie vor bekennt, wird dadurch ohnehin nichts geändert. � Beiläufig wird die„B e! e h r u n g" M o st s von der deutschen Polizei Bereits pflichtschuldigst verwerthet.„Most ist zu den Sozialdemokraten übergegangen, weil er gefunden hat, daß die Sozialdemokraten au tbuck hoch Anarchisten in seinem Sinn sind— nur etwas klüger"— so lautet die Polizei-Argumentation, deren Grundlagen freilich nichts neues sind, sondern aus den Puttkamer'schen Reden über und über bekannt. Run, Bnr wollen unseren Puttkamern und Putlkämerlingen den Spaß nicht Verderben. Sie haben den Most vor seiner„Bekehrung" stark ausge- ichlachtet, warum nicht auch nach derselben? Und wie kommen wir dazu, von solchen Kindereien zusprechen? Nun, 'Joir haben sehr ernsthafte Gründe, und wer sie jetzt etwa nicht Berstehen sollte, wird sie beim nächsten großen„Geheimbundsprozeß", 'snit dem man der Abwechslung halber ein kleines Hochverraths- prozeßchen verbinden möchte, sehr deutlich verstehen. Thatsache ist, «aß die deutsche Spitzelpolizei sich's Unsummen kosten läßt,„Anarchisten" |u züchten und mit diesen gezüchteten(und— je nach Bedarf auch Mt ho nor irten)„Anarchisten" durch irgend ein, noch so «ummeSFädchen die deutscheSozialdemokratieinVer- bindungzu bringen. Wir gehen sogar nicht zu weit, wenn wir daß dies jetzt die Hauptaufgabe und Hauptthätig- Bett der deutschen Reichsspitzelbande ist. � Meineid und Zuchthaus. In Chemnitz wurden am 17. Mai rei Arbeiter, der Schlosser Carl August Dörr, der Schirmmacher irnst Robert Reichel und der Strumpfwirker Gustav Albin R e i ch e l t vom Schwurgericht des Weineids, bezw. falschen Zeugeneids Tlr schuldig erkannt und Reichel zu 2 Jahren Zuchthaus, Dörr u 1 Jahr 6 Monaten Zuchthans und Reichelt unter„Zubilli. ung mildernder Umstände" zu 1 Jahr Zuchthaus verurtheilt. Sie hatten,'in einem wider den Schlosser F. W. Götze anhängig gemachten Strafprozeß wegen Verbreitung verbotener Schriften, unter Zeugeneid Ausgesagt, daß sie von Götze nie verbotene Schriften erhalten, während dieser sich selbst als schuldig bekannte und behauptete, ihnen solche doch gegeben zu haben. Haben sie wirklich«inen„Meineid» geschworen? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, daß sie zu einer Zeugenaussage g e p r e ß t und zwischen die Alternative gestellt wurden, für den Fall, daß die Annahme des lvntersuchungsrichters begründet war, entweder eine Jnfamiezube- 1 e h e n oder eine Unwahrheit zu sagen— sie wurden in der lblicheu Äklse überrumpelt, und ehe sie zum vollen Bewußtsein der tragweite ihrer Worte gekommen, wurde ihnen die Pistole auf die Brust gesetzt: sie mußten schwören. Und— wir haben uns mit nesen„S o z i a l i st e n f a l l e n" schon wiederholt beschäftigt. In Chem- Nitz ist die Sache sonst durchaus normal verlaufen. Und die Richter ihaoen— fiat justitia— die schuldig Befundenen zu Zuchthaus B-rurtheilt. Selbst die verurtheilenden Richter mußten aber gestehen, daß �nicht ehrlose Motive das Handeln der Angeklagten bestimmt haben. Wir -brauchen nicht zu sagen, daß auch dieser Justizmord auf Rech. '«ung des Sozialistengesetzes kommt. — Nachträglich wollen wir auch noch einen Anarchistenprozeß BrwLhnen, der eine Woche vor dem sozialistischen Geheim- -bundsprozeß in Magdeburg verhandelt wurde, und zwar gegen den Schuhmacher Krause, Maler Dienemann, Kesselschmied e n t s ch, Modelltischler Brandt und Gußputzer Wille. Sämmt- slichen Angeklagten, lesen wir darüber in deutschen Blättern, wurde Kur Last gelegt, verbotene Druckschriften verbreitet zu haben, und (»war die„Freiheit", den„Rebell" und die„Freie Gesellschaft». Nach «Mer sehr umfangreichen Beweisaufnahme, zu welcher 18 Zeugen geladen waren, darunter der hiesige Polizcikommissar Schmidt, >«er«ine Zuchthausstrafe von SJahr LÄonatenzu »Halle verbüßende Eisendreher Robert Drichel und der «seiner Zeit viel genannte, im Magdeburger Geheimbunds-Prozeß mit- 'Zetheiligte Metallarbeiter Rudolph Speck, schloß sich der Gerichts- '.Hof den Ausführungen des Staatsanwaltes an und verurtheilt« den -�Krause zu 2 Jahren, Dienemann zu vier Monaten, den Brandt zu drei -Monaten, den Wille zu zwei Monaten Gefängniß, Jenlsch wurde frei Kesprochen; der Staatsanwalt hatte für den Krause 4 Jahre Gefängniß �beantragt. Aus der Verhandlung wäre noch zu erwähnen, daß der Bli Zeuge vorgeladene Polizeikommissar Schmidt erklärte, «aß ex die BertrauenSperso«, welche ihmdieganz sicheren Mittheilungen gemacht habe, nicht nennen werde. Es bezog sich dieses auf einen Fall, wo Anfangs Dezember 1883 der„Rebell" M verschiedenen Hunderten von Exemplaren, auf den Straßen und Bauplätzen hiesiger Stadt verbreitet worden wäre. Der Polizei waren »einige'-20 Nummern in die Hände gekommen und die Verbreitung habe wer Krause besorgt, welches der Herr Polizeikommissar auch beschwor. WtV t6"-®!aa'ä.a"®aIt hob in seinen Ausführungen die„vollste Glaubwürdigkeit des wegen einem gemeinen Verbrechen »u lö Jahren und 2 Monaten Zuchthaus bestraften MlsendreherRobertDrichel, welcher die Angeklagte n »n schwerer Weise belastete, hervor." .'Einmettsr„Zeuge", in der That! Der Polizeikommissär Schmidt Mt derienige„Ehrenmann", mit welchem pp. Schwennhagen(stehe Mr..12 und 18 des„Soz.") verkehrte und dessen Wirthin beruhigte, sie '■Sonne wegen Schwennhagen's Schulden außer Sorge sein, S ch w e n n- (Hagen werde durchsein«(Schmidt's) Vermittlung eine stöhnende Existenz erhalte« undwürdedannAlleSaus- Bleichen. �Wer ist nun wohl die„Vertrauensperson» des Herrn Kommissar Mchmidt, die er nicht nennen wollte, in den von ihm und seiner e n- P�Vz« ß«* � 0 n" f°b'i,irten„Anar- O« leI80wne«ürdiger Kumpan des„glaubwürdigen" Zucht. �slersgUNd b""e�"e�utb,8en" Mündelgeldverputzers. Puttkamer's .— Meber den Kronzengen im famosen Berliner Meineids- Wrozesi haben wir folgendes nachzutragen: -Rudolf Naporra, Stellmacher ans Kulm in Westpreußen. >ar längst den Genossen in Berlin als der Spionage ver- ächtig signalisirt. Er hat unter den verschiedensten V o r spi e gelun- 81«N sein elendes Handwerk betrieben, und derart seine polnischen Lands. eute schließlich in's Zuchthaus zu liefern gesucht. .«.Signalement: Mittelgroß, blondhaarig, Gesicht oval, gesunde Warb«. Kleines Schnurrbärtchen. -7 Die Verqnicknng des„SchriftstetternS" mit der Spitzelet schreibt man uns— das ist die neueste Geschäftsspezialität, welche ** Aera Bismarck-Jhring-Mahlow-Puttkamer ihre Existenz verdankt. uer.moderne Polizist will auch in der Tagesliteratur glänzen— er ist Zournalist, Feuilletonist, Reporter, Redakteur, unter Umständen sogar Dichter und Romanschreiber. Die Spitzel, welche der— leider jetzt in Ungnade gefallene Krüger auf die Journalistentribüne des Reichstags »'"girle, damit sie darüber wachten, daß der tapfere Otto nicht durch ein J««,'3 hervorgezogenes weißes Taschentuch(das ja eine Dpnamitbombe Schallen könnte) erschreckt würde, waren sämmtlich Mitarbeiter und Redakteure der„Norddeutschen Allgemeinen" und der„Kreuzzeitung". •««d auch jetzt weisen die Spitzel, welche den Reichstag unsicher— Ver- l�hung, wir wollten ja schreiben: sicher machen, allesammt Journa- Ulpen, Legitimationen auf. «iir«' Hülste der deutschen Zeitungikorrespondenten in Frankreich und e tel der deutschen Zeitungskorrespondenten im übrigen Ausland Ii"?. Spitzel. Die„Kölnische Zeitung", in deren Spalten noch mehr fc ihr Wesen treiben als selbst in den Spalten der„Nord- utschen Allgemeinen Zeitung», wird fast ausschließlich von Spitzeln „�'ent. Und man mißverstehe uns nicht. Wir vertauschen keine Worte. Meinen hier nicht Reptilien, sondern richtige, echte p'tzel, von der Polizei bezahlte, in regulärem oder irregulärem Dienst stehende Polizeiagenten, welche zum Theil internationale, zum Theil nationale Spitzelei ausüben. Kurz, es ist kaum mehr möglich zu sagen, wo heute noch in der deutschen Presse der Spitzel aufhört und der Journalist anfängt. Der Korrespondent der„Kölnischen Zettung", welcher seine Studien über den„Anarchismus und seine Träger» auch als„selbständiges" Buch hat drucken lassen, ist ein bekannter Polizist mit literarischen Neigungen, ein Agent Krügers, in dessen Auftrag und mtt dem zusammen er auch bei der Verhaftung Neve's nicht ganz unthätig war. Dieser Herr hat übrigens unzweifelhaft mehr Talent zum Roman- schreiben als zum Spitzeln— wenigstens neun Zehntel seines„Buchs" sind— allerdings fast ausnahmslos abgeschriebener— Roman, und nur das übrige Zehntel hat Beziehungen zur Wirklichkett— jedoch Bs« Ziehungen sehr zweideutiger und zweifelhafter Art, wie das bei einem schriststellernden Spitzel nicht anders erwartet werden kann. Besagter schriftstellernder Spitzel, der beiläufig auch Mitarbeiter, und zwar hochgeschätzter, der„Leipziger Zeitung" ist, hat jetzt einen Artikel geliefert, durch welchen er den Beweis erbringen will, daß der Anarchismus in Deutschland ganz naturgemäß ent- standen sei und nicht, wie die Fortschritts, und sonstige Oppositions- presse behauptet, erst durch das Sozialistengesetz gezüchtet worden sei. Beiläufig eine recht charakteristische Aufgabe! Der Jhring-Mahlow muß doch dem Putty schwer im Magen liegen! Er will jetzt durchaus der Welt klar machen, daß er— der Putty— nicht der Erfinder deS Anarchismus ist. Nun— die Mühe hätte sich Putty ersparen können. Es gibt wohl Niemand, der ihm diese Erfindung zugetraut hätte— diese so wenig wie irgend eine andere— namentlich nicht die des Schieß- pulvers. Item, unser schriftstellernder Spitzel hat dieses Thema„auf- bekommen" und er behandelt es mit der ihm eigenen Geschicklichkeit und Methode. Das heißt er nimmt etliches, einem jeden Nichtspitzel zugäng- liche Material und schreibt es ab— nur mit den pflichtschuldigen Polizei- f ä l s ch u n g e n und Polizei pointen. Im vorliegenden Fall ist M o st seine Quelle. Most, dessen Worte ihm natürlich Evangelium sind, hat erzählt, daß Reinsdorf schon vor 1878 Anarchist war, und daß er in die Baku- nistische Schule gegangen, Reinsdorf sei aber— wie Most verkündet— der Vater des deutschen Anarchismus, der folglich, sintemalen Reinsdorf ein Deutscher, urdeutsches Gewächs sei— nach Most. Auch Hödel sei ein echter und rechter Anarchist gewesen,«in Schüler Reinsdorfs, und das sogenannte Hödel-Bttentat ein echtes und rechtes Anarchisten-Atten- tat— alles nach Most. Und so weiter. Das Mitgetheilte reicht aus, um das neueste Machwerk des schriststellernden Spitzels zu kennzeichnen. Kurz, Most hats gesagt— Most, Most und wiederum Most. Apropos— Most soll sich ja„bekehrt" haben— ob er vielleicht jetzt so viel— Ehrgefühl hat, zu gestehen, daß er mit seinem Hödel, wie später mit seinem Lieske, nur renommirt hat, um sich wichtig zu machen? — Jetzt endlich, wo Matthäi am letzten ist, hat die F o r t s ch r i t t s- partei sich zur Gründung einer Anti-Korn-Zoll-Liga, d. h. einer Organisation und Agitation gegen die Kornzölle und sonstige agrarisch- junkerliche Diebsideale entschlossen. Schon vor Jahren war der Borschlag von sozialistischer Seite gemacht und auch von vielen der angesehen. sten Fortschrittler gebilligt worden. Allein Herr Eu g e n Richter hatte aus Haß gegen die Sozialdemokratie, der, wie er— freilich nicht mit Unrecht— meinte, der Löwenantheil des Erfolges zufallen würde, sein Veto eingelegt. Auch jetzt steht Herr Engen grollend bei Seite. Auf sein Veto kommt's aber nicht mehr an, das sind tompi pasaati. - Ein braves FortschrittSvlatt ist die„Königsberger Härtung's che Zeitung". Sre war es, welche für die Stich- wählen des Februar und März zuerst die Losung ausgab: Lieber den Kartellbruder als den Sozialdemokrat. Und sie ist es, die jetzt die sozialdemokratische Partei unter allen fortschrittlichen Organen auf daS Pöbelhafteste beschimpft und am Läppischsten angreift. Die Sozialdemokratie, so sagt sie unter Anderem, thue Unrecht, die Schuld ihrer Wahlniederlao«(!) auf andere Parteien und aus ungesetz« liche Wahlveeinflussungen zu schieben— sie habe dre Niederlage einzig und allein sich selbst zuzuschreiben. Sie habe durch die im Reichstag be- wiesene Unfähigkeit das Vertrauen, welches ein großer Theil der Arbeiter in sie gesetzt, vollständig getäuscht— ihre einzige parlamentarische Lei- stung, das Arbeiterschutzgesetz, sei so jämmerlich ausgesallen, daß sich beim besten Willen nichts daraus habe machen lassen— kurz, die Ar- bester hätten sich überzeugt, daß die Sozialdemokratie nichts zu leisten vermöge, und in Folge dessen sich von ihr abgewendet. So erkläre sich die Wahlniederlage der deutschen Sozialdemokratie auf ganz natürliche Weise. Es fällt uns nicht ein, diese Albernheiten widerlegen zu wollen. Das hieße ihnen eine Wichtigkeit geben, die sie nicht haben. Wir wollen sie blos an den Pranger stellen. Den konserativen Blättern, welche das„fortschrittliche" Ge- schreibsel mit Behagen abdrucken, sei nur bemerkt, daß wir uns noch ein paar„Niederlagen" wie die deS 21. Februar wünschen; und daß uns nichts Angenehmeres und Nützlicheres passiren kann, als wenn die Brodherren der konservativen Blätter in der bisherigen Weise forthausen. —„Ein rüpelhafter Sohn eines rüpelhaften Baters." Unter dieser wenig respektvollen Ueberschrift lesen wir in amerikanischen Zeitungen: „Chicago, K. Mai. Prinz Friedrich Leopold von Preußen, der Großneffe des Kaisers Wilhelm, einziger Sohn des verstorbenen Prinzen Friedrich Karl, des sogen.„Rothen Prinzen", war gestern der Gast des deutschen Konsuls, Baron v. Nordenflycht. „Aus Galesburg wird berichtet, daß der Prinz sich weigerte, während der Fahrt von Quincy dorthin den Bremser in den Waggon zu lassen. Der arme Teufel mußte während der langen Strecke aus der Platform stehen und hatte von dem Regen und kalten Winde sehr zu leiden. Der Vorfall hat hier zu unliebsamen Bemerkungen Anlaß gegeben." Schade, daß das Gottesgnadenfrüchtchen von diesen unliebsamen Be- merkungen wahrscheinlich nichts zu hören bekommen. Sie hätten dem würdigen Sohn des würdigen Vaters und noch würdigeren Großvaters wahrlich nichts geschadet. Von dem demokratischen Geiste der Republik wird der Enkel des Thalerprinzen bei seinen deutschen und amerikanischen Wirthen ohnehin wenig zu merken bekommen haben. In den Kreisen herrscht drüben derselbe Ton wie bei uns zu Hause— vielleicht noch schlimmer. — Während einzelne der Magdeburger Angeklngten vor Ge- richt in bedauerlicher Schwäche die Sozialdemolratie verleugnen zu müssen geglaubt haben, hat die Mehrzahl derselben ihrer Ueberzeugnng muthi- gen Ausdruck gegeben, zum Theil in geradezu imponirender Entschlossenheit. So der Schlosser Oskar Nitschke:„Ich bin Sozialdemokrat mit Leib und Seele", so der Schlosser Hermann D i e ck, dessen„hohen graben Much" der Staatsanwalt ausdrücklich an- erkannte, so der Zimmermann Ad. Schulze, der Former Erb, der Arbeiter Mollenhauer und Andere, die sämmtlich offen erklärten, der Sozialdemokratie anzugehören und den„Sozialdemokrat" bezogen zu haben. Daß sie sich nicht schlechtweg für schuldig im Sinne der Anklage er- klärten, kann ihnen Niemand verargen. Handelte es sich doch um rein formale Vergehen, die erst durch das Schandgesetz geschaffen sind. Ueber das Verhör des Denunzianten Speck lesen wir im ausführ- lichen Bericht„Reuen Magdeburger Tageblatt": „Speck(spricht anfangs kaum hörbar, nervös, ängstlich): Ich las den„Sozialdemokrat" und erhielt ihn von Max Bätge. Ich kenne die Organisation. Magdeburg und die Vorstädte sind in ig Bezirke getheilt: 1) Neuer Stadttheil, 2) Grüne Arm, 3) Mittelbezirk, 4) Sudenburg, 5) Friedrichstadt, 6) Alte Neustadl, 7) Neue Neustadt und ferner drei, wahrscheinlich sechs Buckauer Bezirke. An der Spitze jedes Bezirks stand ein Bezirksführer. Die Ig Bezirkssührer bilden das„Leitungs-Komite". Das Agitationskomite bildeten Hobermann, Bremer und Klees. Kassirer war Dieck, Schriftennertheiler Bälhge. In den Bezirksjührersitzungen wurde abgestimmt und verhandelt über öffentliche Angelegenheiten, Kassa Angelegenheit u. s. w. Wir wurde von Dieck Schweigen auferlegt. Der„Sozialdemokrat" wurde in den Sitzun- gen verthettt. Derselbe kam unter dimrsen Deckadressen an und wurde dann an Bätge abgegeben, der den einzelnen Bezirkesührern jedem die Anzahl seiner Exemplare für die Leser im Bezirk aushändigten. jDß Bezirkssührer gaben das Blatt ihren an sie zahlenden Lesern. 38itf wußten von einander nur wenig; man kann Positives von Einzelnen überhaupt nicht behaupten, das be- ruht alles auf Aermuthungen. Es war meist gan� dunkel bei den Berathungen, so daß manNiemand erkennenkonnte. Ueber die sogenannte 2. Organisation weiß ich nicht?,' Wir hielten den„S.'D." als Parteiblatt, den Ausgetretenen der zweiten Organisation war der„S.-D." von uns entzogen, ob sie denselben direkt von Zürich bezogen, weiß ich nicht. Die CorporaPersammlungen wurden in den Bezirksführersitzungen beschlossen. Ein Bezirkssührer suchte einen Platz aus, die andern Bezirks- führer erhielten am Tage vorher erst Kenntniß des Orts und lud dann jeder seine Bezirksgenossen ein, das heißt nur die zahlenden MÄ« glieder. Scheibe hat mich in das Parteigetriebe hineingebracht. Er lud mich zü einer Besprechung ein, ich ging mit. Die Corpora-Versammlungen wur- den formell wie jede ordentliche Versammlung geleitet, eröffnet, ein Vorsitzender und ein Schriftführer gewählt. Diese Corpora-Versamm» lungen beschäftigten sich mit: Abends von S bis 12, resp. 1 Uhr Nachts: Versammlung v. 1. Febr. 8S: Abrechnung über die Wahlen von 84/ „„9. Aug. 85: Gründung eines Lokalblattes, „„ 12. Sept. 85: Wahlangelegenheit. Nachmittags von 3 bis 5 Uhr: Versammlung v. 13. Dez. 85: Lokalblattangelegenheit, „„ 18. Jon. 86: Schlichtungsversuche innerer Differenzen. Abends von 9 bis 1 Uhr Nachts: Versammlung v. 8. Mai 86: Bericht über den Erfolg der Schlichtungs« Versuche, „„ 2. Juni 36: Innere untergeordnete Angelegenheiten „„ 2. Okt. 86: Neue Schlichtungsversuchs und die Schub- den des Volksblattes. Alle Versammlungen fanden auf freiem Felde, an verdeckten Plätzen statt, unter Benutzung einer verdeckten Laterne. Vorsitzender: Angeklagter, haben Sie von der Polizei 200 Rk. für Ihre Mittheilungen erhalten? Angeklagter: Nein. Vorsitzender: Wollten Sie nach Amerika gehen und wurden Sie«u« durch-die Verhaftung an der Flucht gehindert? Nein. Bertheidiger Abg. Träger beantragt, die Ehefrau Speck vorzuladen» um über beide Punkte ibr Zeugniß abzulegen. Vorsitzender: Angeklagter, waren Sie überhaupt jemals Sozialdemo- krat, oder stellten Sie sich nur so, um der Polizei als Spion diene« zu können? Speck: Bis zum 5. Februar 87 war ich Sozialdemokrat, von da ad nicht mehr. Klees: Dem Daniel hat der Speck im Gefängniß erklärt, wenn er noch 12 Stunden länger Zeit gehabt hätte, wäre er nach Amerika entkommen. Der Speck hat schon früher einmal Sozialdemokrat sein wollen, hat der Polizei als Zeuge gedient und ist dann wieder Sozialdemokrat geworden. Vertheidiger Dr. F r e u d e n t h a l: Hat der Speck etwa an jener verdeckten obenerwähnten Laterne seine„Notizen" gemacht? Speck will für seine Hintermänner im Bezirk jene Notizen über die Sitzungen des Leitungskomites gemacht haben, aber weshalb auch über Corpora- Sitzungen, wo die Bezirksgenossen selbst anwesend waren? Speck verweigert hierüber die Auskunft. Dr. Freudenthal fragt, ob gegen Speck ein Prozeß wegen Unter« schlagung von Mündelgeldern schwebt. Speck:„Davon bin ich mich nichts bewußt." Speck, weiter befragt, erklärt: Die Expedition des„Sozialdemokrat� schrieb an Organisation 1, daß sie auch an Organisation II„Sozialdemo« kraten» senden würde.— Dr. Freudenthal: Kann uns Speck die angezogenen Deckadressen nennen? Sp-ck: Nein! Gedrängt, erklärt« er daraus: Ich kenne solche, ver« weigere aber die Auskunft. Bremer: Hat und wie lange Speck die„Freiheit» gelesen und wie lange ist er Anarchist gewesen? Speck verweigert auch hierüber jede Auskunft.» F r a u S p e ck, als Zeuain vorgeladen und aufgefordert, die Frage zu beantworten, ob ihr Mann im Dienste der Polizei g«-i standen, dafür 200 Mk. empfangen und später nach Amerika habe flüchten wollen— verweigert die Aussage. Inspektor Krieter verweigert über diese 200 Mk.«best« falls jede Aussage; jedoch befragt, ob er jene 200 Mk. etwck privatim dem Speck gezahlt, antwortet er ohne Zögern:„Nein." Das Letztere wollen wir meinen. Auch dem Arbeiter Winter gab Herr Krieter das Geld seinerzeit schwerlich aus der eigenen Tasche. Für? Korruptionszwecke hat man an maßgebender Stelle Heiden« mäßig viel Geld. Schande und Schmach, daß Arbeiter ihre politischen Angelegenheiten nur in geheimen Zusammenkünsten behandeln können! Schande und Schmach über das System, das Lumpen und Verräther züchtet und die Falschheit prämiirt! — Ans Frankreich. Bei den Stichwahlen zum Pariser Gemeinderath sind noch fünf weitere Mitglieder der Arbeiter» federation gewählt worden: Paul Brousse, Arzt, L a o y, Lehrer» S. Paulard, Handlungskommis, Reties, Knopfarbeiter, und Simon Svens, Schuhmacher. Der Blanquist Chauviöre, der ursprünglich als gewählt gemeldet wurde, ist dadurch, daß seinem radi» kalen Gegner nachttäglich drei Stimmen zugezählt wurden, gegen diesen um eine Sttmme im Hintertreffen geblieben. Eineruns aus Paris zugegangenen längeren Korrespondenz entnehmen wir folgende interessante Einzelheiten über den Wahlkampf und die all» gemeine Situation: „Man kann angesichts des vorliegenden Resultats mit Recht sagen. daß bei den französischen Arbeitern der Radikalismus an. Zugkraft ge- waltig eingebüßt hat und im Niedergange begriffen ist. So wird daS Feld allmälig für die Sozialisten frei, und wenn dieselben, wie sie es bei dieser Wahl gethan, ihre Zänkereien einstellen, und eine Vereinigung der Fraktionen zu Stande kommt, so gehört Paris, der klassische Bodeii der Revolution, dem modernen Sozialismus. Der„Temps", das tonangebende Bourgeoisblatt, und mit ihm di» gesammte Bourgeoisprefle, ist über diesen Ausgang der Wahlen ganz bestürzt. Der„Temps" klagt„die blinde Logik des allgemeinen Stimm- rechts" an und zieht aus dem Wahlergebniß noch den Schluß, daß Revolutionäre und Reaktionäre eng mit einander verwandt und ver- dunden seien, sie unterstützten, sie stärkten einander gegenseitig. Und die. guten, klugen, gemäßigten Bürger haben darunter zu leiden.„Aber. aber," meint der„Temps" weiter,„Ihr blinden Reaktionäre, seht Jhs denn nicht, daß Ihr für die Partei der Revolution arbeitet, anstatt daß Ihr Euch mit uns,„den weisen Republikanern"(»agemont republi. cains) vereinigt? Stoßt Euch doch nicht daran, daß wir uns„Republik kaner"(in Gänsefüßchen) nennen, auch wir erstreben, was Ihr wollig den König abgerechnet." Also ein offenes Eingeständniß, daß sämmtlich« politische Parteien den Sozialisten gegenüber nur eine kompakte reak- tionäre Masse bilden, in ihren Theilen solidarisch handeln müffen. Was der„Temps" weiterhin verblümt zwischen den Zellen sagt, das poltert. der„Matin" offen heraus:„Fort mit dem allgemeinen Wahlrecht!" Diese Haltung der liberalen Blätter erinnert ganz an das Benehmen der gesinnungswaschlappigen Presse in Deutschland, nur daß in Frank» reich schwerlich der Boden ist, wo man in politischer Beziehung nach „berühmten Mustern" arbeiten kann. Außerdem vergißt der„Matin". und seinesgleichen, daß sich die Bourgeoisie nur ins eigen« Fleisch schnei» det, wenn sie das von ihr erfundene Heilmittel des alleinseligmachenden) allgemeinen Stimmrechts, das sie dem Volke bei jeder passenden und unpaffenden Gelegenheit empfiehlt, auf einmal verdammt. Die Sozialisten werden sich das gesagt sein lassen, vorläufig aber dieses Recht so viel als möglich für die Propaganda ausnutzen. Sollte die Zell wirklich eine Entziehung des allgemeinen Stimmrecht? bringe», so werden sie sich schon zu helfen wissen." ...„Unsere Pariser Genossen haben während der letzten Wochen ein« äußerst rührige Agitation entfaltet. Versammlungen folgten auf Ver» Sammlungen, ein Flugblatt drängte das andere; die Thätigkeit der So- zialisten war wirklich bewundernswerth. Es war eine Freude, zu beob- ächten, wie unsere französischen Brüder, zumal die jüngern, sich voll im- eigennützigen Enthusiasmus der großen Sache des Proletariats Hingaben. Die Flugblätter wurden von Haus zu Haus, von Werkstatt zu Werk- statt, von Fabrik zu Fabrik getragen— Alles nach einem im Voraus fest- gesetzten Plane, grade wie in Deutschland. Im S. Arrondiffement z. B., wo Genosse Lafargue in Stichwahl kam gegen einen Radikalen, der schon seit 16 Jahren im Stadtrath sitzt, erhielten die Sozialisten vor drei Jahren nur 68 Stimmen, diesmal gegen 600, und das nur Dank der entfalteten Agitation, zu deren Beobachtung die Wahlkampagne reiche Gelegenheit bot. Während der paar Wochen haben die Sozialisten durch ihre Propaganda das ganze Quartier revolutionirt; man spricht nur von ihnen und ihrer Kühnheit, einen alten,„bewährten" Stadtoerord- neten zur Stichwahl zu zwingen ic. Kurz, der Spießersumpf ist in Auf- regung gerathen, und die sozialistischen Versammlungen werden unge- wohnlich gut besucht. Die Franzosen haben ein für ihren Charakter sehr bezeichnendes Sprich- «ort:„Die Gegensätze berühren sich"; so sind sie auch bei all ihrem revolutionären Temperament in ihren Gewohnheiten sehr konservativ. Wenn Jemand in den Stadtrath, in Kammer oder Senat gewählt wor, den ist, so pflegt er meist schon sein Leben lang ein Patent auf den Sitz in der betreffenden Körperschaft zu haben, keine Macht der Welt ver- drängt ihn so leicht von dort, mag er reaktionär oder radikal sein. Nun ! laben es die Sozialisten so weit gebracht, viele Erwählten des Volks von hren Sitzen zu stürzen, welch ein Erfolg! Die„Gegangenen" trösten sich mit einem„Ex-Stadtrath", auch ein Charakteristikum der Franzosen, die Titel so sehr lieben, daß Jeder, der einmal Delegirter bei irgend piner Festlichkeit war nicht verabsäumen wird, seinem Namen ein„Ex- Delegirter bei der oder jener Feierlichkeit" hinzuzusetzen." — Bon Rah und Fern. Am 20. Mai wurden in Petersburg auf Befehl des Zaren fünf hoffnungsvolle Jüngling«— Andrujuschkin, Generalow, Ossipanow, Schewyrew, Uljanow— durch Henkershand ermordet. Der feige Despot hatte mit der Aussührung des Bluturtheils warten laffen, bis er von seiner, unter Bedeckung durch 50, OOS Soldaten unternommenen Reise ins Land der Kosaken heil zurückgekehrt. Die übrigen Verurtheilten wur- den zwei zu lebenslänglicher, die übrigen zu 10— 20jähriger Zwangs- arbeit— begnadigt. Die Sympathie der für Recht und Freiheit Füh- lenden aller Länder begleitet sie in den Kerker und in die sibirischen Minen des Todes; möge der von ihnen erstrebte Sturz der zarischen Despotie eintreten, ehe sie noch der zarijchen Gnade erlegen!—„Ich sehe diese würdigen Peers mit schnell vertauschter Ueber- zeugung unter vier Regierungen den Glauben vier- mal. ändern." Der Herzog von Ratibor, ein Fürst von Frankenstein und ähnliche in Wolle, Zucker und Schraps machende„reichstreue" Katholiken des preußischen Herrenhauses, die vor 14 Jahren in feier« licher Erklärung gegen die Einmischung des Papstes in die Angelegen- heiten des deutschen Reichs protestirt, haben unter allgemeinem Hohn- gelächter eine Adresse zurückziehen müffen, in der sie Papst Leo für seine Mitwirkung in der Durchdrückung des Septennats ihren kiefgerührten Dank zu Füßen legen wollten.„Ich sehe diesen hohen Adel..., gleich Sklaven des SerailS den Sultanslaunen... schmeicheln— Ich sehe dieses edle Oberhaus, gleich feil mit den erkäuslichen Gemeinen, Gesetze prägen und verrufen, wie der Mächtige gebietet." Welch ein Reichsfeind und Aufwiegler, dieser Schiller! Die Zitate sind näm- lich aus„Maria Stuart".—„Gleich feil mit den erkäuflichen Ge- meinen"— Im liberalen Musterstaate Baden wurde dieser Tage der katholische Vikar Vögtle wegen„groben Unfugs" zu 20 Mark Geldstrafe verurtheilt, weil er sich bei der Reichstagswahl geäußert haben soll:„Der Papst hat uns in politischen Dingen so wenig zu sagen wie ein altes Weib, er ist Italiener und hat als Ausländer sich in unsere Reichstagswahlen nicht zu mischen." Zur Zeit des Kulturkampfs wurde im gleichen Lande Baden ein Mann, der beim Einzug des Bischofs von Freiburg„Es lebe der Papst!" gerufen, ebenfalls wegen„grobem Un fug" verurtheilt. Welch eine schöne Sache doch der Kautschuk ist!— Das Dentschthum der Bismarck-Aubeter übersetzt im Auslande wie im Jnlande in der Sucht nach Maßregelung volitischer Gegner. Das Profefiorenkollegium der Zürich- UmnsrsiiSi, wo das deutsche Element tonangebend herrscht, hat zwei demokratisch gesinnte Studenten wegen ganz alltäglicher Schlägereien, die unter andern Um- ständen mit ein paar Stunden Karzer gebüßt worden wären, das„von- Bileixm abeundi» ertheilt— welcher Beschluß trotz vorgeschriebener Ge- Heimhaltung auch sofort durch gewifle Preßorgane publik gemacht wurde. Man genirte sich auch gar nicht, den politischen Charakter der Maßregelung aus's Deutlichste durchblicken zu laffen. Und da wundert man sich hinterher, wenn der Deutschenhaß im Auslande immer stärker wird!— Aus Hamburg-Altona und Berlin sind in der letz- ten Zeit wieder verschiedene Ausweisungen erfolgt, natürlich betrasen dieselben vorwiegend Familienväter.— Auch Breslau wird seinen„Prozeß wegen geheimer Verbindung" haben. Die Genossen Fläschel und Kühnel sind, nachdem sie schon wieder- holt verhört worden, jetzt plötzlich verhaftet worden, über Andere, wie den Kürschner Menzel und den früheren Abgeordneten Geiser, ist B r i e f s p e r r- verhängt worden. ArmeS deutsches Reich! Nichts als Verschwörungen in deinem Innern— es ist schrecklich!— Nach der Schnaps- die Zucker-», Reform". Da die Exportprämien- Wirthschaft es dahin gebracht, daß der ganze Ertrag der Zuckersteuer in Rückvergütungen draufgeht, hat man sich endlich zur Reform derselben entschloffen. Natürlich wird dieselbe so schonend als möglich für die armen Zuckerbarone— der offizielle Ausdruck dafür ist bedrohte Landwirthschaft— eingerichtet. Die Kosten der Reform haben die Konsumenten zu tragen. Der inländische Kon- sum soll um 20 Millionen Mark höher als bisher belastet werden. Warum auch nicht? Der Zucker ist in Deutschland im Allgemeinen n u r für ältere Fräulein ein Bedürfniß— ruft tröstend das national- servile Jobberblatt, die Berliner„Börsenzeitung". Rücksichten auf die ärmere Bevölkerung sind beim Zucker nicht zu nehmen. Hört es, deutsche Arbeiterl Der Zucker ist nichts für Euch. Er ist Euch„nicht gesund". Ihr nascht wahrscheinlich zu viel, stopst Euch bei Eurer Arbeit wahrscheinlich zu viel Süßigkeiten in den Mund. Darum wird Euch die Erhöhung des ZuckerpreiseS nur gut thun, Euch und dem Steuersäckel und den armen, darbenden Bodenmagnaten. O der infamen Heuchelei! — Treffende Antwort. Ein Geschäftsinhaber in Milwaukee ging in diesen Tagen mit einem seiner älteren Arbeiter nach vollbrachter Tagesarbeit auf dem Heimwege eine Streck« weit zusammen und sprach mit ihm über die in der Neuzeit so brennend gewordene Arbeiterfrage. Im Verlaufe des Gesprächs meinte der Arbeitgeber, es sei unverschämt von den Arbeitern, sich zu Herren im„Geschäft" machen zu wollen. „Seine Arbeiter— so sprach er sich aus— äßen sein Brod und deshalb hätten sie einfach zu tanzen, wie er pfeife." Der alte Arbeiter erhielt nun einen fragenden Blick von seinem Chef, der prompt und treffend mit einem„Hm!" und den Worten:„Wenn wir Ihr Brod effen, dann verspeisen Sie unser» Kuchen!" erwidert wurde. Hier» mit war das Gespräch über Arbeiterbewegung zu Ende. Sozialistische Greste und Literatur. TKo Object of the Labor Movement, by Dr. Johann Jacoby.(New York, Labor Library Nr. 1.) Eine Uebersetzung der bekannten Rede Johann Jacoby's:„Das Ziel der Arbeiterbewegung". Die Uebersetzerin, Frau Kelley-Wischne» w e tz k y, stellt in ihrer Vorrede einen intereffanten Vergleich an zwischen Johann Jacoby und Henry George und der Stellung Beider zur Arbeiterbewegung. Sie sagt da u. A.: „In der Person von Henry George sehen wir einen Mann, der dem Pfade Jacoby's folgt und als aufrichtiger Demokrat sich auf die Seite des Arbeiters stellt. Wenn er diesem Fußweg, woran wir nicht zweifeln, nach olgt, wird er in der amerikanischen Arbeiterbewegung einen ehren- ha t-n Platz einnehmen. Sein ausschließliches Verlangen, den Grund und Boden zu nat-onalisiren, ist allerdings ungenügend für jede Gesell- schuft, die sich auf die kapitalistische Produktion stützt, besonders für ein Land, wo das industrielle Proletaiiat«ine so heivorragende Rolle spielt, wie in den Vereinigten Staaten. Wenn Henry George feine Forderur g auf sämmtliche Produktionsmittel ausdehnt, welche For- derung den Kern der Arbeiterbewegung und den Standpunkt des mo- dernen Sozialismus bildet, wird er erst zum wirklichen Repräsentanten der Interessen der arbeitenden Klasse und zum wahren Vertreter der Arbeit. Andernfalls bleibt er nur das Haupt einer Sekte. Die Arbeiterbewegung, welche einmal zum Bewußtsein der Klaffen-Jnteressen erwacht ist, wird von der Logik der Thatsachen dem modernen Sozialis« mus unvermeidlich entgegengetrieben und kann bei der Landfrage nicht stehen bleiben. „Der edelherzige Johann Jacoby verdankte die sozialistische Einsicht seiner vorzüglichen Intelligenz und einem gesunden Instinkt, obgleich die ökonomische Entwicklung Deutschlands in seinen Tagen noch rückständig und von einem ausgesprochenen Klassengegensatz noch sehr entfernt war. Ganz verschieden ist die Lage Henry George's. Er hat das Glück, in einem Lande zu leben, welches politisch und ökonomisch am fortgeschrit- tensten ist; in welchem der Klaffengegensatz am offenbarsten und keine mittelalterlichen Ueberlieferungen vorhanden sind, wie in der alten Welt, wo die sogenannten Mittelparteien darin ihre Stütze finden. „Hier kann Niemand, der Augen hat zu sehen, verkennen, daß eine vergleichsweise kleine Zahl von Kapitalisten, übermächtig durch ihre ma- teriellen Besitzungen, einer arbeitenden Klaffe gegenübersteht, welche durch einen Abgrund von ihr getrennt ist, der mit keinen Harmonie-Phrasen zu überbrücken.— Dabei ist noch ein anderer Faktor von unverkenn- barer Wichtigkeit hervorzuheben, nämlich die klare wissenschaftliche Ein- ficht in den ökonomischen Prozeß und den Gang der Dinge, der sich in der proletarischen Bewegung von Europa vollzieht, die sich besonders unsere deutschen Brüder aneigneten, welche bereits auf eine glänzende politische Vergangenheit zurückblicken. Unsere junge Arbeiterpartei ist nun auf dem besten Wege, zu einer großen und mächtigen politischen Partei heranzuwachsen, deren nächste Aufgabe, wie sie bereits erkannt hat, es ist, sich in eine nationale Partei zusammenzufügen. Mit ihrem Wachsthum und gleichzeitiger Vermehrung ihres politischen Einflusses wird die Nothwendigkeit jener Einsicht immer dringender, damit die Arbeiterpartei mit voller Erkenntniß ihrer Ziele immer mehr zur Haupt- fache vordringen kann, das ist die politische und ökonomische Emanzipa- twn der arbeitenden Massen." Die Vorrede schließt mit einer kurzen Darlegung der Punkte, in denen die Sozialdemokratie von den Ausführungen Johann Jacoby's abweicht. Ihe Condition of the Working Claas in England in 1844 by Prederiok Engels. New York, John"W. Lovell. Fr. Engels hat zu dieser, ebenfalls von Frau Kelley-Wischnewetzky bewirkten amerikanischen Ausgabe seiner 1844 erschienenen„Lage der arbeitenden Klaffen in England" einen Anhang und eine Vorrede ge- schrieben, ersteren im Februar 1886, letztere Ende Januar 1887. Im Anhang gibt er einen kurzen Abriß der Entwicklung Englands in den vierzig Jahren, seit er seine Schrift verfaßt, der dem deutschen Publikum bereits durch eine in der Stuttgarter„Neuen Zeit" veröffentlichte Ueber- setzung zugängig gemacht worden; die Vorrede behandelt in der Engels' eignen präzisen und klaren Darstellungsweise die Entwicklung, welche die Arbeiterbewegung in Amerika neuerdings genommen und die Stellung der Sozialdemokratie zu derselben. Wir werden sie in einer der nächsten Nummern unseres Blattes zum Abdruck bringen. or der Wahlschlacht, Lustspiel in einem Aufzug von W. L. R. (Heft 12 der flociaiistia library.) Behandelt die Bekehrung sozialistenfeindlicher Kleinbürger durch einen sozialdemokratischen Agitator. Der Verfaffer sagt in der Vorrede: „Der nachfolgende Einakter ist aus dem Bedürfnisse hervorgegangen, dem für theatralische Aufführungen sich interessirenden und von der Bühne herab Agitation betreibenden Theil des arbeitenden Volkes ein Stück zur Verfügung zu stellen, welches sich sowohl durch Einfachheit der Scenerie und Ausstattung auszeichnet, als auch zugleich die Klippe dramatisirter, monotoner sozial-politischer Leitartikel umschifft. In letzterer Hinsicht ist die Darlegung der sozialistischen Grunosätze auf ein Minimum beschränkt, resp. nur angedeutet, und die Sphäre ein- seitioer Tendenz-Huldigung daher nach Möglichkeit vermieden. Insofern der Darsteller des„Volker" seine Rolle mit der verlangten Verve vorträgt, dürfte„Vor der Wahlschlacht" seinem Zweck sicherlich entsprechen." Korrespondenzen. Ssiremberg, 28. Mai. Und als die Zeit der Pfingsten gekommen war, saßen sie im Bundesrath und preußischen Staatsministerium alle einmüthig zusammen und verlängerten für Spremberg den„Kleinen" bis 23. Mar 1888. Wir haben über dieses Stück deutscher Kultur und Staatskunst kein Wort zu verlieren, denn ihre Träger sind nicht mit Worten zu kritistren, sondern mit dem Besensiiel. Am Sonntag geleiteten wir einen wackeren Kämpfer zu seiner letzten Ruhestätte: K. Kaden. Klempner aus Eutritsch. Er starb an der Proletarierkrankheit in seinen besten Jahren. Zirka hundert Genoffen folgten seinem Sorge. Ehre seinem Andenken! Leipzig, 20. Rai 1S8S. Die Leipziger Genossen. Des Staaren Mache. Zu Straßburg am Rheine der Schuster Kneip, Der hielt einen Staaren zum Zeitvertreib. Der Staar liebte Würmer und Münsterkäs« Und pfiff nur die blutige Marseillaise. Er sang sie des Abends, pfiff sie in der Früh's „Ädlons enfants de la patrie!**) Zu Straßburg am Rheine die Polizei Erlaubt keine Weisen der Protestleres, In welschem Gesetze stehet bedungen, Daß nur mit Erlaubniß werde gesungen, Besonders verpönt sei die Melodie: „Ellens enfantg de Ja putrie s'« Wer dennoch sie singt, nach Gesetzes Kpasj Kriegt vierzehntägige Einzelhaft. Den Staaren am Fenster der Schusterhputiani Ereilte das strafende Mißgeschick. jp hätl' er gefolgt und gepfiffen nie; „Aliens enfaute de ja patrieJH Der Schutzmann naht, der Schuster sprichh, „Wohlan, es herrsche GejeHespflicht; Zwei Wochen lang büß' er das Pfeifen IM» Im finster verhüllten Bogelbauer; Alsdann er über die Grenze flieh' j Allous eufanta de la patriej* „Auf, Kinder des VgtertandeSI" De»«»fang to Marseillaise. Dem Schutzmann frommt's, da gerettet war Die Ordnung, die zarte, vor Umsturzgefahr. -- Die Frist ist verstrichen, gehorsam dem Worte Erschließet der Schuster die niedliche Pforte: „Hinaus in's Exil, unseliges Vieh: Aliens enfants de la patriel* In der Freiheit athmet deS Staaren Brust, Da regt sich erst mächtig zum Singen die Lust. Bald pfeift er am Broglie, bald singt er am Dom, Am Kleberplatz wieder, im Haine, am Strom, Beim Polygon, selbst in der Orangerie: „Allens enfants de la patrie!1' Nun hott er nach auf den Dächem und Bäumen, Was er im Kerker mußte versäumen. Er lehrt sein Lied allen Brüdern, den Staarm, Die lehren's den Drosseln, den Amselschaaren. Dann brüten sie Junge und lehren sie: „Aliens enfants de la patrie!" Onkel» Quittung. Vom Deutsche« Sozialdemokratische« Leseclub iu Pari» wurden per llnterstützungsfonds aus eigenen Mitteln aus» bezahlt: Fr. 8S— an zwei Frankfurter Ausgewiesen« und Fr. 40— für einen mhaftirten Genossen, was hiermit dankend verzeichnet rairfc.; Die Elpeditis» des.Lsfialdemskrat". _____ Warnung. Der Schneider Karl«chard aus Friedrichsdorf(in Preußen) beschwindelte als angeblicher Genosse mehrere unserer Mitglied«» und verduftete sodann. Wir warnen deshalb allseits vor ihm. Deutscher Arbeiter-BildungS-Verei» Neuenburg(Schweiz). V Wir wamen hierdurch alle Genoffen vor dem Handschuhmacher Sirdel aus München, der auch den Namen Scheibler führt. Derselbe unterschlug eine größere Summe ihm anvertrauter Parteigelder und kaffirte Sammel»! listen ein. deren Beträge er gleichfalls für sich behielt. S!b e i b l e r, resp. Sirdel, der übermittelgroß und hieran leicht erkenntlich ist, ist von hier angeblich nach G r e n o b l e abgereist, und bitten wir alle Genoffen, uns bei seinem Auftreten sofort in Kenntniß: »u setzen. Die Mitgliedschaft deutscher Sozialiste» in Zürich. Briefkasten der Redaktion: Einsendungen w. find eingetroffen auS B e r« gen, Cottbus, St. Johann an der Saar, Offenburgs N i p p e S.— I. R. in C h u r: Ihre Einsendung ist zur Aufnahme nicht geeignet. In persönliche Streitigkeiten, die in der auswärtige« Lokalpreffe spielen, mischen wir uns grundsätzlich nicht. der Erpedition:(Bsk. 21 Schluß) G.S.B.: Mk. 20- ÄCto Ab. 88»c. gutgebr. Weiteres beachtet. Adr. notirt.— Dtsch. Verei« Frauenfeld: Fr. 6— Ab. 2. Qu. erh.— Fritzsche Philad.: Fr. öS-- l &®to Ab. ic. erh.—®. Bhm. N.-Bork: Mk. 6— k fite R. T. erh. Bfl. Weiteres.— K. F.V.: Fr. 1710 pr.Ufd. dkd.erh.— Knurrhahn» Mk. 64 70 Ab. 4. Qu. u. Schft. erh. Adr. notirt. Bfl. W-itereS.— C. W. Astdt.: Mk. 5— Ab. ab 1/S— 1/7. erh. 60 Psg. pr. Aug. vor» getragen. Rückständiges nachgelfrt.- G. W. Davos-Pl-tz: Fr. 10- f. Schft. erh. Weiteres beachtet.— Em wiedergefundener halber Rapo» leon: Fr. 10— pr. Ufd. dkd. vrw. 22. Schwäb. Heiland: Mk. 18 40 Ab. 2. Qu. erh. Weiteres nachf Wunsch künttig.— Dtschr. Szdkr. Leseclub Paris: Fr. 161 40 Ab. 1. Qu. erh. Fr. 13 85 pr. Brlg. gutgebr. Weiteres beachtet.— Roth« Avostel: Mk. 1000— A Cto Ab. sc. erh. Rothe Wanze: Mk. 4 40 Ab. Mai, Juni u. Schft. erh. Sdg. abg.— Gustel: 20 Cts. f. Schft. erh. — Maßkrug: Mk. 50— A Cto Ab. erh. Mehrbstllg. folgt.— Feuer« Hanne« R.: Mk. 3- Ab. 2. Qu. erh. Adr. geordn.- Gebr. Herming« haus St. Louis: Fr. 151 90 a Cto Ab. sc. erh.— C. L. Gß. St. Gll.: Fr— 20 S t r a f p o r t o erh. Ihre Adr. haben wir der Vbhdlg. mit« aethe'lt.- Rother Franz: Fr. 1 50 a Cto Ab. sc. erh.»rchivalien dkd. � verw Glaubens wohl. Ein Narr verbeißt sich an der Fliege. Bfl. mehr. — Claudius: Mk. 60- a Cto Ab. sc. erh.— Rother Hahn v. J.i Mk. 20 40 a Cto Ab. u. Ggrch. gutgebr. Adr. geordnet. Bfl. mehr.— Die rothen Calenburger: Mk. 26 05 f. Schft. u. Ab. 2. Qu. u. Aichio« fache dkd. erh. Adr. geordn. Bfl. Näheres.— Nr. 2002: öwfl. 2— a Cto Ab. sc. erh. Bfl. Weiteres.— Fuchsschwanz! Alles unterwegs« Nota folgt— Paul Sp.: Warum reklamiren Sie nicht bei Cb.?— W Schg. Schgn.: Mk. 3— Ab. 2. Qu. erh.— Der arme Conrad t BNlla. notirt. Lsg. folgt.— Npps: Bf. v. 22/5. kostet 50 Centimes Strafporto. 20 Gr. statt nur 15!— RpSb. Nhdf.: Mk. 4 40 Ab. 4. Qu. erh.— Großes Zuchthaus: Mk. 578 50 a Cto Ab. sc. pr. Ggrchg. gutgebr. Am 23/5, Bf. abg. N. O.: Mk. 3 klb. 2. Qu. B. erb.— Dtschr. Verein Bern: Fr. 25 50 Ab. 1. Qu. erh.— Lind« wurm: öwfl. 5- a Cto Schft.°rh. Verfaffer des„Daniel i. d Lgbe." unnennbar. Sdg. folgt.- E. Hemke S. Paulo: Fr- 10- Ab. ab 1. April 87 bis 1. BprU 83 erh.— Hexenthurm: Bs. vom 2S/S. hl«. Weiteres erw. u. Adr. geordnet. Bfl. mehr. Durch uns ist zu beziehen: „Die wahre Gestalt des Chriftenthums" von Nves Guy et und Sigismonh L a x r o i x. Uebersetzt von A. Bebel. Preis: Mk.— SO(Fr.-65) Von 100 Exemplaren an Mk. 45— V Soeben erschien und ist durch Unterzeichnete zu he, sehen t Grossen zu Die wahre Gestalt des Ehristenthums. Pehst einem Anhang: Ueber die gegenwärtige und zukiinstige Stellung der Frau. Bon B. Bebel. PreiS: 80 Pf.- 85 Cts. Pei Abnahme von 100 Exemplaren an: Mk. 25—, Fr. SO—, und Versandtspesen außer der Schweiz,» Hasten der Besteller, Zahlreichen Bestellungen sieht entgegen chepeditlon 0" K-tialdemasrat, S-r»s»uchhandtn»q« KottiugeN'Zürtch. Porto Cchrniz.»m»sim>ch»Il»bach»"«»«l stettiawtyWtz.