KöottMttMttS knbm Iii allin!ft»iliitlf4(H fo(itunauj,(ototi tut» o-rt-g ttttS biflm bifanntin Sg«n!«n lUtignii»n»«intn> und zwar zum *«•««*»ahld»««« viiriillahrßpriil Den; Oft. S,- Jüt bie«««ili(ftttuibanb) Da, 8,— für Deutschland(Zaudert) st 1,70 für Oesterreich(Zaudert) St. 1,60 für alle Übrigen Länder bei Veltpastderein»(kreuiband) Zuserate ' bi« breigespaltene Petiizeile S5 Cid.= 20 Pfg. Der SoMemokrat Argan der Sozialdemokratie deutscher Junge. SrfHekttt »»»»»tlt« Ii» Zürich(Schweiz). Vertag der SalkSbi, chhatidtu»D HatttUge«. Zürich» possseiidüllzeli franko gegen frank». Gewöhnliche Briefe «ach der Schwei, lasllt» Tappelporto. M 24. Briefe an die Redaltian und Sipebiüan bei in Teutschland und Oesterreich derbatenen.Eazialdemolrat' walle man unter Beobachtung äußerster Bar sicht abgehen lassen. In der Regel schicke man und die Briefe nicht direkt, sondern an die bekannten Deckadrestin. In zweiselhasim Fällen eingeschrieben. 10. Junl 1887. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Ein Appell von jenseits der Vogesen. . Die republikanische Gesellschaft für Sozialökonomie in Paris, ttn Verein, der viele bekannte Sozialisten und mehrere sozia- listische Abgeordnete unter seinen Mitgliedern zählt, sendet uns —■„um auf's Neue das gute Einvernehmen zu bekräftigen, welches zwischen den Unterdrückten aller Länder besteht"— das vachstehende „Manifest an die soziatdemokratische Partei Deutschkauds. „Bürger! dem Einfluß, den heute die öffentliche Meinung ausübt dürfen die Völker nicht ungestraft stumme Zeugen, passive Mit- bl Handlungen und Unthaten ihrer Regierungen „Wir haben daher die gebieterische Pflicht, unfern speziellen Mitbürgern zu sagen, daß, wenn sie sich der Kriegspolitik, die heute vorzuherrschen scheint, anschließen, wenn sie nicht dieser gefährlichen Erregung, welche die Nationen in den wahnsinni- gen Taumel von Kämpfen ohne Gnade stürzt, entgegenwirken, ste die volle Verantwortung auf sich laden für alle Verbrechen an der Menschheit, die noch begangen werden, und sich an- schicken, auf das Haupt künftiger Generationen das Blut ab- zuwälzen, das sie zu vergießen fortfahren. „Prüfen wir somit die gegenseitigen Beschwerden, und wir werden bald die Verbohrtesten überzeugen, daß das Uebel nicht da ist, wo sie es zu sehen glauben, und daß der wahre Feind nicht der ist, auf den man ihren Zorn lenkt. i„Die ökonomische Krisis, deren letzte Phase die französische Industrie iu diesem Ang?ttint& ourchmachl, und deren Druck fast ausschließlich unsere Arbeiterklasse getragen hat, hat man bei uns als eine direkte Folge des Frankfurter Vertrages be- trachtet.*) Frankreich hat sich jedoch von Schweden, England und Belgien keine Verträge aufnöthigen sehen, und doch kon- virriren die Möbel, die Eisenprodukte und die Kohlen dieser «ünder siegreich mit den unseren auf unserem eigenen Markt. „Nicht sowohl in den Handelsverträgen hat man daher die Ursache dieser Krisis, die übrigens nicht auf Frankreich be- lchränkt ist, zu suchen, als vielmehr in dem gegenwärtigen haaren-(wörtlich: Handels-) Produktionssystem, das durch die industrielle Feudalisirung, die logische Folge dieses Systems, noch verschlimmert wird. Es wird somit nicht ein Krieg die Lösung dieser Frage bringen, wenn derselbe nicht die vollstän- dige und ewige Vernichtung der industriellen Thätigkeit einer ver beiden Nationen zum Ziele hat— eine Sache, unmöglich zu denken und noch unmöglicher zu verwirklichen. „Man beklagt sich in Frankreich, daß Eure Landsleute zu Uns kommen, ihre Arbeitskraft zu billigeren Preisen anzubieten, und so unseren Landsleuten Arbeit wegnehmen. Aber dieser Vorwurf richtet sich nicht an die deutschen Lohnsklaven allein und nicht wegen ihrer Nationalität— die Situation, in die wan sie gebracht hat, und nicht ihre Personen wollen wir ver- ichwinden sehen, und um dieses Ziel zu erreichen, hat ein Mitglied unserer Gesellschaft, das dem französischen Parlament angehört,�) einen Gesetzesvorschlag zu Gunsten der internatio- nalen Fabrikgesetzgebung eingebracht. ..Sind die politischen Beschwerden der französischen Nation iilundeter als ihre ökonomischen Beschwerden? „Nicht die deutscheu Sozialisten find es, denen wir die schmerzlichen Ereignisse von 1870 nachtragen können. Der Hochherzige Protest, den sie von der deutschen Tribüne ver- uehmen ließen und den der kaiserlich-königliche Despotismus sie wit ihrer Freiheit hat büße» lassen, genügt, sie über jeden �orwurf zu erheben, ohne daß wir zu diesem Behuf unsere patriotischen Gefühle zu unterdrücken brauchten. Andrerseits kann ole Revanche um der Revanche willen und der Wunsch, daß Pas blutige Spiel mit der Ausrottung eines der beiden Völker fude, nicht ernstlich der Wille derjenigen sein, denen ein Rest pfr aus den Zeiten der Barbarei überkommenen Vorurtheile nicht die Augen geblendet— und noch dazu in einem Moment, wo eine gleiche Entwicklung die europäischen und amerikanischen Kationen aus dieselbe Stufe der Zivilisation stellt und sie zu Provinzen einer und derselben Republik macht, durch die Natur der Dinge dazu bestimmt, sich eines Tages in kMen einzigen und untheilbaren Bund zu vereinigen. »Aber es gibt eine Forderung, die wir ohne Furcht aus- freche», denn Ihr wäret mit die Ersten, sie zu unterschreiben. ist die, welche, unter Hochhaltung des Rechts der Ratio- aalitäten, verlangt, daß Elsaß und Lothringen, die 1371 ge- « 7 An Frankfurter Friedensvertrag hat sich Deutschland ein« Meist« . ungöklaufel ausbedungen, insolge deren Frankreich in seiner v°Upolün H�de gebunden find. Red. des **) Der»hgeordnete Camelinat. Red. des„T-'D.* waltsam von Frankreich getrennt wurden, freie Verfügung über ihr Schicksal wieder erhalten. „Sind die Beschwerden Eurer Mitbürger begründeter, und rechtfertigen sie den uns drohenden Angriff? „Bevor wir auf diese Frage antworten, gestattet uns, Euch zu sagen, daß es nicht Furcht ist, was unsere Sprache be- stimmt, sondern das Bewußisein der wahren Interessen der beiden Völker, deren schon zu tiefe Spaltung man verbreche- rischerweise zu verschärfen beflissen ist. Wir würden im Roth- fall, und Ihr könntet uns dafür nur Anerkennung zollen, bereit sein, unser republikanisches Land zu vertheidigen gegen seine Feinde, die auch die Euren sind, weil sie Eure Herren sind, wie Ihr ja auch dahin arbeitet, das Joch abzuschütteln, das sie dem sozialistischen und demokratischen Deutschland auferlegt. „Das erste und das einzig wirkliche Motiv für eine Feind- schaft gegen Frankreich kann nur von der deutschen Regierung geltend gemacht werden, deren offen erklärte Absicht es ist, sich aus eigner Machtvollkommenheit zum Wächter der sozialen Ord- nung in Europa aufznwerfen. Wir würden dies Motiv nicht vor Euch zur Aufzählung bringen, wenn der durch das Elend der belgischen Arbeiter verursachte Aufstand nicht in diesem Augenblick Euren Regierern Gelegenheit lieferte, ihre gegen die Sozialdemokratie aller Länder gerichteten Absichten auszuführen. Ihr könnt die Erdrücknng efnes kleinen, mnthigcn Volkes, dessen unterdrückter Theil für seine politische und ökonomische Befreiung kämpft, verhindern, indem Ihr die öffentliche Mei- nung Eures Landes bestimmt, sich entschieden gegen eine be- waffnete Jnkervention zu erklären, deren unvermeidliches Re- sultat es wäre, die französischen Armeen in Bewegung zu setzen, d. h. den Konflikt, den wir alle zu verhindern bemüht sind, zum Ausbruch zu treiben. „Das zweite Motiv ist mehr scheinbar als wirklich. Es besteht darin, daß man die französische Nation so hinstellt, als warte sie nur aus den Moment, sich auf den Rhein zu stürzen, um ihre Revanche zu nehmen für die letzte Nieder- läge. Um zu zeigen, wie wenig begründet es ist, brauchen wir Euch nur auf die einstimmige Haltung der französischen Presse gegenüber den jüngsten Vv rhv.derts. wurde die Expropriation der Bauern auf großer«wfiKfeU d-it.'�esithrl; und zwar diesmal unter geschichtlichen Bedingungen, welche die besitzlos gewordenen Bauern all- mälig in die moderne Klasse der Lohnarbeiter hinüberführten, in Leute, welche nichts besitzen außer ihrer Arbeitskrast, und nur leben können von dem Verkauf dieser Arbeitskraft an Andere. Wenn aber die Eni- «ignung von Grund und Boden diese Klasse ins Leben rief, so gehörte die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise, die moderne Groß- indufirie und die moderne Großackerwirthschaft dazu, sie zu verewigen, p» vermehren, und sie in eine besondere Klasse mit besonderen Jnter- essen und einer besonderen geschichtlichen Aufgabe zu verwandeln. Alles dies ist ausführlich dargestellt von Marx.(„Kapital", I. Bd., Abschn. VIII: »Die sogenannte ursprüngliche Akkumulation.") Nach Marx liegt die vr fache des gegenwärtigen Klassengegensatzes und der gegenwärtigen Er- niedrigung der Arbeiterklaffe in ihrer Enteignung von allen Produk- Aonsmitteln, worin der Boden natürlich einbegriffen ist. Nachdem Henry George einmal die Monopolistrung deS Bodens zur einzigen Ursache der Armuth und deS Elends gemacht hat, findet er begreiflicherweise daS Heilmittel darin, daß die Gesellschaft als solche den Boden wieder in Besitz nimmt. Nun verlangen die Sozialisten der Marx'schen Schule ebenfalls, daß die Gesellschaft den Boden wieder in Besitz nimmt, und nicht nur den Boden, sondern alle andern Produk- tionsmittel ebenfalls. Aber selbst wenn wir hiervon absehen, so bleibt noch ein anderer Unterschied. Was soll mit dem Boden gemacht werden? Die heutigen Sozialisten, soweit Marx sie repräsentirt, verlangen, daß er gemeinsam besessen und gemeinsam für gemeinsame Rechnung bear- bettet werde, und daß dasselbe mit allen andern gesellschaftlichen Pro- duktionSmitteln, Bergwerken, Eisenbahnen, Fabriken u. f.«. geschehen soll. Henry George dagegen ist damit zufrieden, daß der Boden, ganz wie jetzt, an Einzelne stückweise verpachtet wird, sobald nur die Ver- vachtung geregelt und die Bodenrente, statt wie jetzt in Privattaschen, in die öffentliche Kasse fließt. Die Forderung der Sozialisten schließt »ine vollständige Umwälzung des gesammten heutigen Systems der ge« fellschaftlichen Produktion ein. Die Forderung Henry George's dagegen läßt die heutige gesellschaftliche Produktionsweise unberührt und ist auch in der That schon vor Jahren von der extremsten Richtung der Ricar- dianischen bürgerlichen Oekonomen aufgestellt worden. Auch sie ver- langten die Konfiskation der Bodenrente durch den Staat. Natürlich wäre es unbillig, anzunehmen, daß Henry Georg« schon ein für alle Mal sein letztes Wort gesagt hat. Aber ich muh seine Theorie «dm nehmen� wie ich sie finde. (Schluß folgt.) Aus England. London, 30. Mai. K. K. Gestern, am Pfingstsonntag, fand die Jahreskonferenz der Sozialistischen Liga(Looialietio l-eague) statt. ES handelte sich diesmal um eine Angelegenheit von ganz besonderem Interesse, um die Eni- fcheidung darüber, welches der Charakter der Liga sein soll. Die Frage, um die eS sich drehte, deweist, daß der Sozialismus w England seit der Gründung der Sozialistischen Liga(1885) erheblich an Boden gewonnen hat. Damals mußte die Hauptaufgabe der sozialistisch.« Propaganda dahingehen, den englischen Arbeitern nachzuweisen, daß sie keine Ursache hätten, sich als vom Schicksal besonders bevorzugte Wesen zu betrachten, die viel zu frei und selbständig seien, um den Sozialis- mus nöthig zu Haien, der, wie die englischen Arbeiter glaubten, für Politisch zurückgebliebene Länder ganz gut sein möge, nicht aber für England nothwendig sei, mit seiner Arbeiterschutzgesetzgebung, seinen Traves-Unions und seiner politisch mächtigen Arbeiterklasse. Es handette sich darum, den Arbeitern nachzuweisen, daß ihr« gegenwärtigen Leiden nicht einer vorübergehenden schlechten Konjunktur entspringen, sondern die naturnothwendige Folge der modernen Produktionsweise sind. Es galt vor Allem, sie dahinzubringen, daß sie ein Interesse für den So- zialismus gewannen und ,hm näher traten, anstatt ihn als Hirngespinnst zu verlachen. Solange diese Seite der Propaganda im Vordergrunde stund und fast einzig und allein betont wurde, konnten Leute ganz gut zusammenarbeiten, die die verschiedensten Ansichten über den Werth der polttischm Thätigkeit hatten. Settdem ist aber die Situation eine andere geworden. Der chronische schlechte Geschäftsgang, der verhältnißmäßige industrielle Rückgang Englands gegenüber Deutschland und den Vereinigten Staaten, endlich daS mächtige Anwachsen der Arbeiterbewegung in dem letzteren Lande seit einem Jahre haben nicht verfehlt, in der englischen Arbeiter- klaffe daS Interesse für den Sozialismus zu wecken. Die Frag- unter den Arbeitern hier ist heute nicht mehr so sehr die, ob der Sozialismus erstrebenswerth, als vielmehr die, ob er erreichbar sei, und durch welche Mittel er erreicht werden könne. Natürlich hat die Antwort zu lauten, daß die Eroberung der polttischen Macht das Mittel sein muß, um die Nationalisation der ProduktwnS- mittel und die Organisation der Arbeit der Nation durchzuführen. Der erste politische Faktor in England ist aber daS Parlament, und eine Partei, die hier einen politischen Kampf führen will, muß sich als parlamentarische Partei konstituiren, nicht in dem Sinne einer Partei die parlamentirt, die schwätzt, sondern im Sinn einer Partei, die das Parlament erobern will. Das versteht auch der englische Arbeiter, und die Nothwendigkeit der Gründung einer sozialistischen politischen Arbeiterpartei leuchtet ihm ein und wird von ihm freudig bewillkommnet. In der Sozialistischen Liga hat sich jedoch eine Richtung gebildet, die von einer politischen Thätigkeit nichts wissen will, die dem alten Spieß« bürgergrundsatz huldigt, daß die Politik den Charakter verdirbt, und die, um ihre politische Jungfräulichkeit zu bewahren, sich am liebsten in ein Schneckenhaus verkriechen möchte. Diese Richtung wurde gefördert durch das Eindringen festländischer anarchistischer Elemente in die Liga. London ist bekanntlich der Sammel- platz der anarchistischen Emigration und der Polize.spitzelei, die hier viel ungestörter ihr Wesen treiben können als in Zürich, wo ihnen die ge« schulten Genossen zu sehr auf die Finger sehen. Die deutsche Polizei hat in der Sozialistischen Liga ein gutes Feld der Kultivirung von Anarchismus zu finden geglaubt, was schon daraus hervorgeht, daß der deutsche Spion und Busenfteund Peukert'S» Reuß, ein eifriges Mit- glied der Liga war, in den Council(Parteivorstand) gewählt wurde und fast die Sekretärstelle erlangt hätte. Jndeß hat die deutsche Polizei hier wie anderswo ihr Geld großen- theilS umsonst hinausgeworfen. Die„Propaganda der That" hat in der Liga keinen Anklang gefunden. Der Anarchismus, der in ihr vertreten ist, fordert eher eine Propaganda der Thatlosigkeit, Enthaltung von jeder politischen Thätigkeit, um nicht iorrumpirt zu werden. Diese Art Anarchisten sind ganz gute Leute, mit denen man sehr wohl verkehren kann. Aber sie sind spottschlechte Musikanten und sie hindern die sozialistische Propaganda. Der englische Arbeiter ist sich seiner poli- tischen Macht wohlbewußt, er kennt die Wirkung seines Stimmzettels; die englische Arbeiterklasse hat schon manches Ministerium gestürzt, und nun kommen Leute zu ihr und rathen ihr im Namen des Sozialismus, nicht ihre Macht besser zu verwenden, alS sie bisher gethan, sondern sie wegzwerfen und thatlos zu warten, bis die„Erziehung" des Volkes zum Sozialismus vollendet ist— nicht die Erziehung durch den Kampf, den ökonomischen und politischen Kampf, sondern durch sentimentale Reden und schöngeistige Literatur. Daß der politisch geschulte Engländer solche„Sozialisten" einfach aus- lachen wird, ist natürlich, und wenn er dann wieder hört, daß andere Sozialisten für den politischen Kamps eintreten, wird die Sache dadurch nicht besser; er denkt sich: die Leute wissen selbst nicht, was sie wollen. Es wurde daher in letzter Zeit immer nothwendiger, die Propaganda der Liga zu einer einheituchen zu gestalten, sollte sie nicht, anstatt die Massen zu führen, zu ihrem Gespött werden. Am Sonntag sollte die Enlscheidung fallen: sie fiel zu Gunsten derjenigen Richtung aus, welche die Liga hindern will, der Kern einer politischen Partei zu werden, und ihr den Charakter einer Sekte wahren will. Mit 17 gegen 11 Stimmen wurde ein Antrag von W. Moris angenommen, der folgendermaßen lautet: „Da«S die erste Pflicht der Sozialistischen Partei ist, das Volk in d-n Prinzipien des Sozialismus zu eruehen und es»um Umsturz te« rupitalistischen System« zu orzanifirem-Zz billigt die Konferenz di> her von der Liga befolgte Enthaltung von der parlamentarischen Aktion und sieht keinen genügenden Grund, von derselben abzugehen." Damit wäre eigentlich für die sozialdemokratischen Mttglieder der Liga die Nothwendigkeit ihres Austrittes aus dieser Organisation ausge- sprachen, ohne daß damit eine Gegnerschaft gegen sie nothwendig verbunden wäre. Ihr Anarchismus ist dazu zu harmlos. Aber ein län- geres Verweilen in der Liga wäre zwecklos, da der Beschluß vom Pfingst- sonntag alle propagandistische Arbeit, die im Rahmen derselben geschieht, zur Unfruchtbarkeit verurtheilt. Trotzdem bleiben unsere Freunde in der Liga, wenn man ihnen den Aufenthalt darin nicht unmöglich macht. Sie haben nämlich sehr triftige Gründe zur Annahme, daß die Majorität der Konferenz vom Pfingst- Sonntag nicht der Majorität der Mitglieder entspricht, und daß die Mehrheit der Mitglieder der Liga»n Wirklichkeit auf sozial- demokratischem Boden steht. Unsere Genossen erwarten daher, daß die nächste Konserenz den Beschluß der letzten umstoßen und eine ent- schieden sozialdemokratische Taktik inauguriren wird. Wir wünschen ihnen den besten Erfolg dazu, wenn wir auch ihre Er« Wartungen etwas sanguinisch finden, da ein Thett der Einflüsse, welche die Vertreter der Minorität zur Majorität machten, fortbestehen werden. Immerhin werden fie, selbst wenn sie das nächste Mal wieder unter« liegen sollten, fich sagen können, daß sie Alles gethan haben, um eine Spaltung zu vermeiden. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 1. Juni 1887. — Giue Bestätigung alles dessen, was wir über den gegenwärttg in Deutschland herrschenden Byzantinismus geschrie- den, liefert folgender, der bürgerlich-konservativen„Illinois Staats- Zeitung" von einem„hochbetagten deutsch-amerikanischen Staatsmann"— der, wie fie schreibt, für die Einheit und Freiheit des deutschen Baterlandes schon zu einer Zeit„gestrttten" und„gelitten" hat, als die Mehrzahl der heutigen Kaiser- und Bismarck-Anbeter noch gar nicht auf der Welt waren— zur Verfügung gestellter»rief, der an letzteren„von einem der bedeutendsten und hervorragendsten Männer Norddeutschlands", der weder Sozialist,»och Demokrat ist, sondern ein „auftichtiger Anhänger der konstitutionellen Monarchie", gerichtet worden. Dieser ganz unverdächtige Mann schreibt: „Man wird sich in Amerika kaum eine Vorstellung davon machen können, wie d e m o r a l i s i r e n d das Bismarck'sche Regiment nicht nur auf den Charakter, sondern auch auf das Verständniß des deutschen Volkes einwirkt. Das knechtische Wesen den herrschenden Gewalten gegenüber wird gradezu unheimlich. Was ge« schehen wird, wenn diese Wirthschast einmal zur Liquidation kommt, das wagt Niemand auszudenken. Hoffentlich steckt im deutschen Volke mehr Kraft, als augenblicklich sichtbar wird. Die offene Opposition beruht zur Zett nur auf einer Handvoll Menschen. DaS System der Erregung von Schrecken hat seine Schuldigkett gecha». Bismarck-Beleidigungen, Älaje- stäts-Beleidigungen und ähnliche Verfolgungen regnen besonders auf die Presse herab. In vielen Orten sehen sich die Menschen um, bevor fie ein kräftig Wörtlein sagen, ob auch kein Denunziant in der Nähe ist. Der Redakteur deS liberalen Blattes in unserm Wahlkreise hat den ganzen letzten Sommer im Gefängniß gesessen, weil er der hohen Obrigkeit einige Vorwürfe gemacht hat, über derenHarmlosigkeit man in Ihrem Lande lachen würde. Natürlich werden die Miß- liebigen auch gesellschaftlich vereinsamt und so«irthschaftlich geschädigt. Zum neunzigsten Geburtstage des Kaisers, bei welcher G-legenhett ein unermeßliches Quantum Loyalität verbraucht wurde, erwartete man eine Amnestw für politische Verbrechen; aber sie kam nicht, denn sie liegt nicht im System, sondern da heißt eS:„Mögen sie uns hassen— wenn sie unS nur fürchten!" Der ganze nationalt Entwicklungsprozeß ist von hohem, geschichtlichem Interesse— nur daß man selbst zu dem Körpet gehört, an welchem daS Experiment vollzogen wird, ist eiwaS unbehag- lich. Natürlich harrt man trotzdem aus, so lange das Schiff zusammenhält." Rtt dem„Ausharren" allein ist's nicht gethan, wenn man nicht ge- willt ist, energisch gegen daS Uebel anzukämpfen. Und daß der Brief- fchreiber dazu schwerlich den nöthizen Muth hat, obwohl er sich in mate- riell günstiger Stellung befinden dürfte, geht aus dem ganzen Ton seines Briefes hervor— indeß dies nur nebenbei. In der Sache hat der Mann, wie gesagt, nur zu Recht. Haben wir doch seit einiger Zeit fast nichts mehr zu registriren als Auswüchse der von ihm geschilderten Korrupttow — Leute, denen der Anstand über Alle» geht, und die wahr» scheinlich in jedem Betrug nur einen Jrrt hum erblicken,— d. h. wen» der Betrug von Leuten in Frack und weißer Weste verübt worden haben daran Anstoß genommen, daß wir gelegentlich das Reichs- g e r i ch t eine Reichsrechtsgauner- Akademie getaust. Mit gestehen, der Titel klingt nicht schon, aber solange in Deutschland Rechtä» gauneret betrieben wird und im Reichsger icht ihren Hauptrückhatt findet so lange im Reichsgericht die Rechts-„Jnterpretationen" ausgebrütei werden, nach denen streberhafte Richter aus Recht Unrecht und aus Unk recht Recht zu machen im Stande sind, ziehen wir es vor, uns lieber an guten Ton als an der W a h r h e i t zu versündigen. Die Herren in Leipzig sind keine Richter— es sind die feilen Dien er der herrschenden Gewalt jeder Tag bringt neue Beweise dafür. Ueber ihr jüngstes Rechtsgaunerstllck lesen wir in der„Frankfurts Zeitung": „Hinsichtlich der Auslegung des Z 19 des Sozialistengesetzes, naih welchem auch die Einziehung beschla gnahmter verbotener Druckschriften, sofern diese! ben vermuthlich zu weitere« Verbreitung bestimmt sind, gestattet wird, ist kürzlich seitens des II. Strafsenats des R e i ch s g e r i ch t s ein recht beachtenswertheS llk> theil gefällt worden. Gelegentlich einer bei dem Cigarrenarbeiter Hefsi in Potsdam vorgenommenen Haussuchung waren bei demselben 24 vev schiedene Druckschriften, die sich aber sämmtlich nur in je einenl Exemplar vorfanden, beschlagnahmt worden; diese Beschlagnahme wurd aber durch ein Urtheil des Landgerichts zu Potsdam wieder aufgehobe» weil man dem Hess« die Absicht weiterer Verbreitun nicht nachzuweisen vermochte. Dieses Urtheil wurde nun feiten der Staatsanwaltschaft angefochten, und obwohl selbst der Reichs anwalt Gal li die Revision sür unbegrsirndet erachtet«, ha das Reichsgericht das Urtheil des Potsdamer Landgerichts aufgehobe« und die Sache zu nochmaliger Verhandlung an das Landgericht Berlin i zurückverwiesen. Nach der Ansicht des Reichtsgerichts ist der Besitz ver» botener Druckschriften nur dann unantastbar und straflos, wenn die be treffenden Drucksachen dem Besitzer ohne Bestellung zugeschick würden, die Bestellung ist als eine Be ihilfe zur Veröreü tun g zu betrachten. Demnach würde eS künftighin nicht allein Volks wirthschafllern und Politikern, sondern auch Staatsanwälten und Post zeibehörden verboten sein, derartige Druckschriften zu bestellen." Kann man allen Begriffen des Rechts und der Logik schamloser&* walt anthun als eS in diesem„Rechts- Erkenn tniß" geschehen? Ein elendere Rabulistik wird man bei den berüchtigsten Kasuisten vergebest suchen. Wie unschuldig waren doch dagegen die Zustände, als Frav Ziegler im preußischen Abgeordnetenhau se beim Justiz-Etat den bekannt« Ausspruch that: Ich gehe zum Kadi! Wir werden nächstens die Peti» tion um Rückberufung der Jesuiten unterschreiben—«M Interesse einer Besserung der öffentlichen Moral. — Natürlich ist auch das vorstehende„Erkeuntniß" von Berits aus bestellte Arbeit! Die„Bestellung" von Rechts- und Gesetzest Verletzungen ist als„Beihilfe" zu Umfiurzbestrebungen nur dann st ras' bar, wenn dieselbe nicht vom Reichskanzler und seinen mitver� pfründeten Blutsverwandten ausgeht. Wir gratuliren dem Rechts k g e f ü h l des deutschen Volkes zu diesen Hebungsversuchen der„öffeist lichen Moral" und bleiben auch femer bemüht, im Wege unsrer Press* und Literatur zur modernen Rechtskenntniß kräftigst beizuiragdH Um also nicht blos Staatsanwälten, Polizeibehörden, Volkswirthichast ( lern, Politikern ic. die ungrstrait« Lestü« �insexer sMaldeinckra!:!�� �drua'erzcugnisse' zu sicherst, sondern di.ü.'.v' auch In bisher ungc'chwächj ter Weise den breitesten Schichten dco Volkes zuzuführen, dürste aui Grund der neugewonnenen ReichsgerichtsbaftS für G es etzesumge Hunt und Rechtsbeugung Folgendes zu empfehlen sein. Jeder uns bekannt« und durch Gottes gnädige Fügung unS bekanw! werdende Interessent erhält von uns schenkungsweise alle ist Nichtbestellungs falle unantastbare und straflose Drucksachen, ins Haus. Wir werden zugleich ebenso wie bisher, alle uns nichts bestellt zugehenden Geldbeiträge zu erlaubten rem menschlich' Zwecken entgegennehmen und öffentlich quittiren, ohne der Mildchätt;' Schranken zu setzen und bauen auf die tr-ue BcihUse aller Gleichgefinn Sich an Geschenke zu machen, schüfe doch ein gar zu bedenklich Präjudiz. Man denkt da leicht an— Möbelfpeicher. — Wie'» gemacht wird. In den deutschen Reptilblättem, na» lich in sämmtlichen sächsischen Amtsblättern, steht zu lesen, daß in Woche vor Pfingsten Liebknecht zu Plauen im Voigtland Versammlung abgehalten habe und daß es anläßlich dieser Versammli zu„Widersetzlichkeiten" gegen die Polizei gekommen sei, daß mehrere Verhaftungen vorgenommen werden mutzten." Wer das liest, ohne unsere Polizei und ohne unser« Reptilien>< kennen, muß natürlich denken, Liebknecht habe so„aufreizend" g' sprachen, daß ein Tumult erfolgt sei und ein Straßenkamps in kü' rem Maßstabe gewüthet habe. Und die Moral ist natürlich: dm Sozialdemokraten muß das sammlungsrecht entzogen werden. In Wirklichkeit verhielt fich die Sache so: Liebknecht hatte, einer sehr alten Einladung folgmd, sich bereit einen Vortrag in Plauen zu halten. Für diesen Vortrag war ein.. sprechend geräumiger Saal gemiethet worden. Die Polizei, welch» f „gemüthlich" war, die Versammlung direkt zu oerbieten, probirte es dem modischen Auskun stsmittel der S a a l a b t r e i b u n g. Der Wim ließ sich einschüchtern und entzog den Sozialdemokraten am Tage der Versammlung den Saal. Die Polizei triumphirte: fie hatte die sammlung erlaubt, und doch konnte die Versammlung nicht statt finden. So d achten die Herrm Gesetzeswächter. Aber eS geht nicht immer,& die Polizei denkt. Diesmal kam eS etwas ander». Ein Wirth, der üb« Beeinflussungen dieser Art erhabm ist, stellte seinen Saal für>w Liebknecht'jchen Vortrag zur Verfügung. i. Und so kam die Versammlung doch zu Stande. Di« Polizei knirscht» sie mußte ihre Revanche haben. � Der Saal, in welchem die Versammlung tagen konnte, war leid* nicht so groß, als der ursprüglich gemieth ete Saal— obgleich kein wegS klein, vermochte er doch auch nicht annähernd die Menge zu fass und vor dem Lokale entstand ein Gedränge. That die Polizei ihre Sä digkett, so hätte die Menge sich zerstreut, ohne daß nur einläute»! geredet worden wäre. ES brauchte nur mitgethettt zu werden, daß Saal bereits gefüllt fei. I Aber die Polizei wollte einen Krawall haben. Sieg« in brutalster Weise gegen die aufgestaut: Menge los und hätte auß* ordentlich gerne eine Frankfurter Kirchhof-Affaire* Szene gesetzt. Die Leute ließen sich jedoch von den Ordnungshüter« l1 keiner Unordnung verleiten, und so blieb denn den letzteren nichts deres übrig, als die Personen zu verhasten, die sich des Gedräng" wegen nicht rasch genug, d. h. nicht so rasch, wie es nach Ansicht d- Ordnungshüter erforderlich war, von dem umflurzlerischen Saale e* fernten, den ein umflürzlerischer Wirth den umstürzlerischen Sozialde« traten zu einem umstürzlerischen Vortrag überlassen hatte. Dich ist die Wahrheit.-�7 Und wer nicht sofort einsieht, daß Methode in diesem provokatorisch� Borgehen war, dem braucht blos die Thatsache ins Gedächtniß zurü» gerufen zu werden, daß schon im vorigen Februar, kurz vor der Wu weilen den Anschein gehabt habe, als wenn die �rganeder russischen Regierung eine andere Rich- tung»erfolgten." Ist das etwa eine würdige Haltung? Oder wird hier nicht auch in unterthänigster Weise um die Freundschaft des Väterchens gebettelt! »Wlr sind deine frommen Diener, auch wenn du deine Preßmeute auf uns loszulassen beliebst"— hier wäre vie Entrüstung der Patrioten der «Kölnischen Zeitung" eher am Platze, wenn ihr Patriotismus überhaupt �cht wäre. Aber der hält so wenig Farbe als ihre Entrüstung. � Die Götzendiener de» Leipziger Landkreises sind durch aen sozialdemokratischen W a h l p r o t e st, der ihren„patriotisch-natio- «ölen Aufschwung" ins richtige Licht gestellt hat, in einen fast komischen schrecken versetzt worden. Herr Götz kommt in Folge der zahlreichen »Angst-Döppchen" nicht aus dem Katzenjammer heraus und Herr Sparig, Ikur„Wahl.Moltke", richtet unter den Gosenslaschen eine Verwüstung an, welche die gesammten Produktions- und Konfumtionsverhältniffe dieses «ervzrget Spezialgetränks auf den Kopf zu stellen droht. Da mit ehr- Wen Mitteln gegen den Protest nichts auszurichten ist, so muß es mit Einschüchterung, Mogelei und Schwindel versucht werden. Durch einen semer sauberen Kartellbrüder hat der gesinnungstüchtige Götz den Wahl- Protest, welcher rm Reichstag noch nicht zur öffentlichen Verhandlung gekommen rst, und unter dem Schutz der Privilegien des Reichstags steht, unter Verletzung des Anstands und des Gesetzes, fich heimlich weg stibitzen lassen, hat ihn heimlich ad- geschrieben, und versucht nun mit Hülfe seiner Wahlmacher die in vem Protest namhaft gemachten Zeugen unter der Hand einzu- schüchtern, indem dieselben, falls sie ihre Behauptungen nicht zurück- fiehen, daS heißt zu Gunsten des Götz und seiner Götzendiener nicht lügen wollen, mit Anklagen bedroht werden. Herr Götz mit seinem Sparig und dem sonstigen Generalstab hat indeß "ie Rechnung ohne den Wirth gemacht. Die Bedrohten haben ihn aus- gelacht, die Drohbriefe der Oeffentlichkeit übergeben und werden Sorge tragen, daß die Urheber dieses neuen Bubenstücks der perdienten Strafe und Züchtigung nicht entgehen. «»Tm- beutscheu Blättern lesen wir neuerdings von Zeit zu Zeit pon ttntersuchungen gegen fremde Sozialisten, die der Ichweizerlsche Bundesrath angestellt haben soll, von Aus» «e l s u n g e n, die auf die betreffenden Berichte hin in Aussicht stän- °en lc.,c. Wir können nicht genug vor diesen Notizen warnen, die sammt und sonders au? sehr unsauber» Quellen stammen, bei deren Urhebern Wunsch der Vater des Gedankens ist. Sie haben keinen andern Zweck r sa M Interesse gewisser Leute, die das S o z i a l i st e n g e s e tz am «ebsten zu einem internationalen erweitern möchten,„ S t i m- b'ung" zu machen. Daß Untersuchungen stattgefunden haben, glauben wir übrigens gern, «»für sorgt schon die in Deutschland systematisch großgezogene Denun- twilonswuth, die bis in die Schweiz hinein ihre duftigen Blüthen treibt. denunzirte jüngst in Winterthur ein Schuhwaarenfabrikant drei Ar- »iiter seiner Branche, weil fie ihm zu verschiedenen Malen die Maske Arbeiterfreundlichkeit vom Gesicht geriffen, in einer speziellen Ein- «abe als gefährliche Anarchisten, während alle Drei bekannte Mit- JHWder der Sozialdemokratie find. Noch ärger treibt es ein herabgekom- j sws Individuum in Zürich, daS, da es am Orte selbst total abge- spielt hat, nur noch davon lebt, von Zeit zu Zeit das Baterland vor «en rothen Umstürzlern zu„retten". Diese Denunzianten sind es denn Lsih. welche die angeblichen Erfolge ihrer Denunziationen selbst in die ?ilt hinausposaunen, und zwar mit um so größerem Lärm, als die -svossnung gering ist, ihre schmählichen Absichten zu erreichen. Äur Korruption uusere» Richterstaude». In Sachsen, K* wan uns, ist's bekanntermaßen„gemüihlich". Und im„gemüth- 0. o' wachsen gabs ehemals auch gemüthliche Richter, die ihres Amts ? �'ssenhast walteten und ohne Ansehen der Person— zwar nicht un- ebem»ber doch unparteiisch„Recht sprachen". Wohlan, vor einem der Rirf?. Semüthlichsten und ob der gewissenhaften Unparteilichkeit seiner Fall b 6etÖ''mte'ien Gerichtshof« Sachsens spielte sich jüngst folgender w,-• Eines Sonntag« im vorigen Jahr machten einige Arbeiter Hfl» in j» Spaziergang in s Freie und einer der Gesellichast trug, wie das ll» j» iener Gegend notorisch allgemein« Sitte ist, unter der jugendlichen pp � volkerung— dir Schullinder eingeschlossen— ein TaschentuH an einem Stock. Gin Individuum, welche? der jetzt in Deutschland s» häu> figen Klasse der Denunzianten angehört, und auf«inen der Spazier« gänger einen alten Grimm hat, steht das, läuft zum Gensdarmen und zeigt ihm an, die Spaziergänger seien Sozialdemokraten und liefen unter Schreien und Lärmen hinter einer— o Graus!— hinter einer rothen Fahne her. Man denke: hinter einer rothen Fahne! Vermuthlich hinter einer derselben rothen Fahnen, die Junker Bismarck einst in jener ent« setzlichen Reichstazsoiston von Boulanger getragen sah— von jener Vision datirt seine komische Angst vor Boulanger. Unser Lumpazius von Denunziant wollte sich natürlich ein rothes Röckchen und wo möglich einen Orden verdienen. Der Gensdarm nahm sich der Sache an, wie das seines Amtes ist, und wollte die Männer der blutigen Fahne und des blutigen Umsturzes unterwegs abfassen. Es gelang ihm das aber nicht; sei es nun, daß fie schUellsüßiger waren als er oder einen andern Weg gingen— genug, der Wächter des Gesetzes lief keuchend einen halben Tag in der Irre herum und kam dann spät Abends unverrich- teter Sache, hundsmüd und im übelsten Humor wieder in seiner Woh> nung an. Doch— die Göttin Justitia war einmal in Bewegung gesetzt und die„Untersuchung" begann. Monate und Monate lang wurde „untersucht". Monate und Monate lang wurde nach dem oorpu« ägUoti gesucht: der fürchterlichen rothen Fahne. Bei dieser Gelegenheit sei be- merkt— was die meisten unserer Leser übrigens schon wissen werden— daß es im„gemüthlichen" Sachsen ein Gesetz, oder richtiger eine Ber- ordnung aus der„gemüthlichen" Beust'schen Aera gibt, durch welche die rothe Farbe als Farbe des Umsturzes in Acht und Bann gethan, und jedes Tragm von Abzeichen rother Farbe ic. mit Strafen belegt wird. Gut— nachdem Monate und Monate verstrichen waren, und nichts gefunden, aber auch Richter und Gensdarm nichts mehr zu untersuchen und zu suchen hatten, wurde— im einst so„gemüthlichen" Sachsen— die Anklage formell erhoben und schließlich ein Verhandlungstermin anberaumt. Die Anklage lautete auf Tragen von Abzeichen in rother Farbe. DaS oorpus ckolioti, über das bisher ein geheimnißvolles Dunkel gewaltet, wird vorgefordert. Feierlicher Moment. Es erscheint— in Gestalt eines Schnupftuches, welches neben der ff-j- rothen Farbe auch die heiligen Farben schwarz und weiß— die Farben des„Jntelligenzstaats"— des Masterstaats vom„deutschen Berufe" zur Schau trägt. Und mit diesen heiligen Farben vereinigt bildet das unheilige Roth doch, wie jedes normalschadliche deutsche Schulkind weiß, die Farben des„neuen deutschen Reichs". Das Publikum ist verblüfft. Unter den intelligenten Richtern und — natürlich ebenfalls intelligenten— Schöppen lange Gesichter und „allgemeines Schütteln des Kopfes". Was thun? Vor 1378 wären Richter und Schöppen beim Anblick des schwarz- weiß�rothen Schnupftuchs in ein homerisches Gelächter ausgebrochen. Wir zählen aber 1837 neuntes Jahr des Sozialisten« g e s e tz e s— und auf der Anklagebank sitzen Sozialdemokraten. Es muß also verdonnert werden. Der vorfitzende Richter betrachtet nachdenklich das ominöse Schnupftuch mit den reichstreuen Farben. Wie, in des Himmels oder des Teufels Namen kann man die Leute verdonnern? Das Gesetz oder die Verordnung spricht doch von r o t h e r Farbe, und roth ist doch nicht schwarz-weiß-roth. Sonst hätte ja da? heilige deutsche Reich Bismarck'scher Schnapsherrlichkeit die Farben der Umsturzpartei. Und die bloße Annahme einer solchen Thatsache wäre Bismarck- und Majestäts-Beleidigung in konzentrirtester Form. Gedankenschwer schüttelt der Vorsitzende Richter das Haupt. Er ist am Ende seines Lateins. Da leuchtet plötzlich sein Auge. Ein rettender Gedankenblitz hat das richterliche Hirn durchzuckt. Herrscht die rothe Farbe in dem schwarz- weiß«rothen Schnupftuch nicht vor? Hat die rothe Farbe, außer wo sie von der hohen Obrigkeit hingesetzt oder hinzekleckst ist, nicht ihrer s-ff- Natur nach die gefährliche, echt umstürzlerische Eigenschaft, „vorzuherrschen"? Heureka! Ich habe es gefunden. Ich hab's!„Die rothe Farbe herrscht in dem sündhaften Schnupftuch vor— dieses Vorherrschen ist sündhafte Absicht, denn der Besitzer des schmarz-weifrrothen Schnupftuchs ist ein sündhafter Sozialdemokrat— orgo wird verdonnert. Und es wurde verdonnert. - Der Leser lacht.„Unmöglich I Das ist ein schlechter Witz!" Nein, lieber Leser! Das ist kein schlechter Witz und auch kein guter Witz. Das ist Wahrheit. Und hat sich im Wesentlichen genau so zugetragen, wie wir es hier erzählt. Im Deutschland der Bismarck, Puttkamer, Jhring-Mahlow. Stöcker und Genossen nennt sich das I u st i z, welches lateinische Wort auf deutsch heißt Gerechtigkeit. — Er scheint wirklich etwa» gelernt zu habe»— nämlich Johann Mo st. Bisher gehörte es zu den Dogmen des Anarchismus und Sozialrevolutionalismus, daß die Lumpen-Proletarier die geborenen Revolutionäre, gewissermaßen die Pioniere der zukünftigen Gesellschaft seien, und wehe dem, der dagegen etwas einzuwenden wagte, Spießbürger! Reaktionär! Parlaments-Sozialistl— Das waren noch die mildesten Ausdrücke, die man sofort an den Hals geworfen bekam. Most hat nun im Gefängniß von Black wells Island Gelegenheit ge- habt, diese„Pioniere" etwas genauer kennen zu lernen, und dabei ganz eigene Erfahrungen mit ihnen gemacht. Er schreibt darüber: „Wir Anarchisten sind gewiß die Letzten, welche auf sogenannte ge- meine Verbrecher Steine werfen, denn wir erblicken in denselben nur Produkte elender sozialer Verhältnisse. Damit werden aber diese Produkts selbst nicht besser, als sie eben sind; am Aller- wenigsten kann Unsereiner Lust empfinden, sie zu Gesellschaftern auszu- wählen. Nun, hier in der Penitentiary wurde ich zwangsweise zum Kameraden dieser Gestalten der Gosse und der Spelunke gemacht. Und die Burschen geberdeten sich nicht nur sehr„kollegialisch" mir gegen- über, sondern sie erlaubten sich mit mir auch allerhand„Späße". Daß sie mir Eßwaaren, Tabak u. dergl. oft aus der Tasche herausstahlen, hätte ich gern verschmerzt. Daß ich mich dagegen den schändlichsten In- sulten solcher Kerle gar häufig ausgesetzt sehen mußte— das war bitter. Mein schon erwähnter Gehilfe an der Bohrmaschine pflegte oft zu Anderen zu sagen:„Wenn ich diesen Kerl(mich meinte er) ansehe, so komme ich mir vor, wie ein Drehorgelspieler, der einen Affen bei fich hat."— Meine anfänglichen Versuche, solche Redensarten mir zu ver- bitten oder Moral zu predigen, hatten nur bestialischere Ausbrüche zur Folge:„Verfluchter deutscher Hund!"„Verrückter Anarchist!" Das waren noch die gelind, sten Beschimpfungen, die es da regnete. Vor meinen Ohren redeten die Kerle oft mit einander über mich. Ich greife das Wesentliche aus diesen Konversationen heraus:„Der hält sicher keine Rede mehr," sagte der Eine.—„Doch, doch," rief der An- dere.„Der Lump macht ja Geld mit seinem Blödsinn und beschwindelt arme Leute."—„So einen Schuft sollte man eigentlich hängen," warf «in Dritter ein. Ein Vierter bemerkte:„Wenn er hier fertig ist, schafft man ihn ja nach Chicago; da wird man es ihm schon besorgen."— „O, wenn ich doch den Strick dabei anziehen könnte l" ließ sich ein Fünf- ter vernehmen. Und so weiter mit Grazie. Ein für mich zulässiges Mittel, diesen Infamien ein Ende zu machen, gab es nicht. Ich konnte freilich mich beklagen und diese Menschen in den Dunkelarrest bringen, allein mein anarchistisches Prinzip verbot mir, so zu handeln. Ich hätte die Burschen züchtigen können— um mir selber Dunkelarrest nebst Kettenstrafe K. zuzuziehen!— Es gab nichts als Stoizismus, ein scheinbar taubes Ohr, welches da am Platze war.— Was diese Menschen unter sich redeten, ließ in einen wahren Abgrund von Demoralisation und Verworfenheit blicken. Die Sprache war ekel« Haft gemein, der Gesprächsstoff in der Regel kriminell." Auf Grupd dessen kommt Most nun zu folgendem Ergebniß: „Manchmal glauben die Revolutionäre, das Lumpenproletariat werde in den kommenden Kämpfen einen bedeutenden Faktor bilden. Das mag sein, aber wahrscheinlich stehen diese Elemente nicht diesseits, sondern jenseits unsere? Lagers, wie fie heute schon den Grundstock des korruptesten Stimmvieh» bilden. Sie sind für Geld zu Allem fähig." Stimmt. Und grade mit Rücksicht auf diesen Umstand haben wir von jeher mit der äußersten Energie alle Bestrebungen bekämpft, die darauf Hinausliesen, die vorgeschrittenste« Ritglied« der Arbeiterklasse in's Lumpenproletariat herabzudrücken. — Noch ei» Rcichsgannerstückcheu. Man schreibt uns: Um die Berliner F r a u e n o e r e i n e, die sich mit„w i r i h s ch» s t l i ch e n Fragen" beschäftigten, unter die Rubrik der„politischen" Vereins zu bringen, hat der II. Strafsenat des Leipziger Reichsgerichts folgenden Saliomortale geleistet: „Die Erörterung wirthschaftlicher Fragen ist als Erörterung politischer Gegenstände zu erachten, wenn eine Aenderung der bee stehenden sozialen Zustände mittelst staatlichen Zwanges, staatlicher Ein- richtunzen oder gar mittelst Beseitigung geltender Verfassungsgrundsätze erstrebt wird." Was ist„erstreben"? Was sind„geltende Verfassungsgrundfätze"? Was sind„staatliche Einrichtungen"? Was ist„staatlicher Zwang"? Was find„bestehende soziale Zustände"? Was ist eine„Aenderung der bestehenden Zustände"? Die Elektrizität ist sicherlich ein„unpolitisches" Ding. Nehmen wir einen V e r e i n an, der— wie es denn wirklich solche Vereine gibt— die praktische Anwendung der Elektrizi- tätzu Beleuchtungs- und Bewegun gszwecken zum Pro« gramm hat—„erstrebt" derselbe nicht„eine Aenderung der bestehenden sozialen Zustände"(sogar eine„Revolution"!!), eventuell„durch staatlichen Zwang"(Gesetze, polizeiliche ll eberwachung der«lek« irischen Motoren und Lampen:c.)? Und dieser Verein ist also ein„politischer Verein", ihr Herren Reichs» Pfiffikusse? Und die Propaganda für die Vervollkommnung und Aus- breitung der Elektrizität ist„eine Erörterung politischer Gegenstände", die unter das Vereinsgesetz und die polizeiliche Ueberwachung fällt? O Ihr Reichsgerichtspfiffikusse l Schämt Euch! Kärtchen Missnick würde es ebenso gemacht baben. — Anarchistische». Die Londoner„Autonomie", Organ der gleich» namigen„Gruppe", der Herr P e u k e r t als Mitglied angehört, theilt in ihrer neuesten Nummer ihren Lesern mit, daß,„obwohl die profeffio« nelle Denunzianten- und Verleumder- Tendenz des„Sozialdemokrat" gegenüber allen Anarchisten und speziell gegenüber Genosse Peukert ge» nugsam bekannt ist", sie sich durch unfern Artikel:„Wie John Reve der preußischen Polizei in die Hände geliefert wurde" veranlaßt gesehen hat,„eine spezielle Versammlung für Sonntag, den 22, Mai L I., in dieser Angelegenheit einzuberufen, zu welcher alle deutschredenden sozia- listischen Vereine eingeladen waren. Da— fährt sie fort—„noch ein» zelne Punkts einer näheren Untersuchung bedürfen, konnte die Sache noch zu keinem definitiven Abschluß gebracht werden, weshalb wir einen vollständigen Bericht darüber erst in unserer nächsten Nummer bringen werden, vorläufig können wir darüber nur berichten, daß, nach den von verschiedenen Seiten gegebenen Aufschlüssen, der im„S.-D." erschienene Artikel eine Menge tendenziöser Lügen enthält." Merkwürdig, daß unter solchen Umständen erst noch eine„nähere Untersuchung" nothwendig sein soll. Sollten sich in die„Menge tenden» ziöser Lügen" etwa auch einige unbestrittene— Wahrheiten einge» schlichen haben? Wir sind gespannt, was die Untersuchung in dieser Hinsicht ergeben wird. Vorläufig sollen sich als„tendenziöse Lügen" des bösen„S.«D." herausgestellt haben: 1) Daß die preußische Polizei seit Langem auf Neve fahndete. 2) Daß Theodor Reuß seit Langem in London als der Spio» nage höchst verdächtig bekannt war. 3) Daß N e v e' s Aufenthalt geheim bleiben sollte. 4) Daß Peukert zu der von uns angegebenen Zeit zu Neve ge» reist ist. 5) Daß Peukert auf diese Reise Reuß mit sich nahm und zu Neve führte. K) Daß bald darauf N e v e' s Auslieferung und Verhaftung erfolgte. Wem das nicht genügt, um dem in politisch-polizeilichen Dingen ja sa unerfahrenen Peukert eine Ehrenerklärung zu erlheilen, der muß wirklich sehr anspruchsvoll sein. Vielleicht öffnet es ihm über unsere Scheußlichkeit die Augen, wenn wir unsere„Denunzianten-Tendenz" unumwunden eingestehen Es ist thatsächlich unser Bestreben, Polizeiagenten und deren freiwillige od« bezahlte Helfershelfer rücksichtslos zu—„ d e n u n z i r e n". — Aus der gleichen Nummer der„Autonomie" ersehen wir, daß der„Kommunistische Arbeiior-Bitdungs �Verein I. Sektion"(ebenfalls anarchistisch) den bekannten V i k t o r D a v e als„des in ihn gesetzten Vertrauens in jeder Beziehung(in politischer sowohl als in privater) unwürdig", einstimmig ausgeschlossen hat. Sonderbar! Dave war ja doch kein— Reichstagsabgeordneter! — Au» Frankreich. Man schreibt uns aus Paris, 28. Mai t Die Sozialisten haben bei der Gemeinderathswahl einen so eklatanten Sieg errungen, daß er die Erwartungen Aller, welche die Bewegung in unmtttelbarer Nähe verfolgen, übertroffen, sogar die Hoffnungen d« Sozialisten selbst weit hinter sich zurückgelassen hat. Man erwartete höchstens 6—7 Mann durchzubringen, und nun sind 10 Mann definitiv gewählt worden, und von Rechtswegen sollte auch der 11. Sozialist, Chauviöre, in das Stadthaus einziehen, da sein Gegner nur mit einem Mehr von 1 Stimme als gewählt proklamirt wurde, und diese eine Stimme vom sozialistischen Komite bestritten.wird. Wahrscheinlich wird jedoch die Seinepräfektur, von der die Verisizirung der Wahlmandate abhängt, die Wahl für ungiltig erklären. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß die Präfektur, wie mir von sozialistischer Seite versichert worden ist, in ähnlichen Fragen mit mehr Gerechtigkeit und Unparteilichkeit vorgeht als die Kammer selbst oder etwa gar der deutsche Reichstag. Daß in Paris die Präfektur die Wahlmandate verifizirt, anstatt daß dies, der demokratischen Einrichtung der übrigen Gemeinden Frankreichs entsprechend, der Gemeinderath selbst thut, liegt in der Ausnahmestel». lung, welche Paris überhaupt in Verwaltungsfragen einnimmt. Die. Pariser Gemeindeverwaltung steht unter Oberaufsicht der Regierung, eine napoleonische Segnung, und ist demzufolge dem Präfekten des Seine« Departements unterworfen, so daß die Stadt hinsichtlich ihrer Verwal« tung, ihres Budgets weniger Recht besitzt als irgend ein Bauerndorf etwa Fouilly-les-Oies— Gänsetümpel— wie die Franzosen sagen. Kehren wir nach dieser kurzen Abschweifung zu den stattgehabteiz Wahlen zurück. Zuvörderst will ich den Genossen in Deutschland die zehn gewähl! Sozialisten vorstellen; es sind dies: Chabert, Dumay, F a i l l e l,' Joffrin und Baillant, die im ersten Wahlgang, und Brousse, Lavy, P a u l a r d, Reties und S o ö n s, die im zweiten Wahlganz gewählt wurden. Sechs von diesen Geno ssen treten zum ersten Mal i» den Stadtrath ein— die Sozialisten haben also um mehr als das Doppelte zugenommen, und werden so die Radikalen oder Autonomisten (so genannt, weil sie die Selbstverwaltung von Paris fordern) in diesem Kampfe stärken. Die Zahl der Autonomisten beträgt 44, mit den Sozialisten zusammen also 54 Vertreter der Rechte von Paris, d. h. die große Majorität des Stadtrathes, der aus 80 Mitgliedern besteht. Nur 2s Sitze sind für Opportunisten(IS) und Reaktionäre(11) geblieben. Werfen wir nun einen Blick aus die von den Sozialisten gewonnene» Position. Ich sagte schon in meiner vorigen Korrespondenz, daß die extreme» Parteien aus der Wahl als Sieger hervorgingen, die zwischen ihnen liegenden Parteien aber aufgerieben werden, mehr und mehr an Terrain verlieren. Dieses Schicksal wird auch die Radikalen ereilen, die lang» sam aber sicher aus ihren früheren Domänen verdrängt werden, wenn sie auch in Paris jetzt thatsächlich noch eine Macht sind, denn Paris ist vor allem noch eine radikalisirenoe Stadt und keineswegs, wie Berlin, eine sozialistische. Die Arbeiter von Paris sind noch zu sehr in der. radikalen Phrase befangen, und dem Sozialismus gegenüber relativ in» different. Der Grund dieser Erscheinung liegt wohl theilweise in den großen Aderlässen, welche die Pariser Arbeitermasse im Verlaufe dieses Jahrhunderts drei Mal auszuhalten hatte, und dann aber auch Haupt- sächlich in der hier üblichen kleinbürgerlichen Produktionsweise, und den infolge dessen vorherrschenden kleinbürgerlichen Anschauungen. Der klein- bürgerliche Zug tritt sogar leider auch bei den meisten Sozialisten her» vor, zumal bei der sozialistischen Arbeiterfederation. Sagte doch deren geistiges Haupt, P. Brousse, bei dem nach der Wahl zu Ehren des Siege? stattgehabten„Punch", daß die Aufgabe der Sozialisten in Frankreich jetzt darin bestehe, die Gemeinderäthe zu erobern und somit den sozia- listischen Staat einzuführen. Geschwindigkeit ist keine Hexerei. Die Sozialisten haben in die einzelnen Hochburgen des Radikalismus bedeutende Breschen geschlagen, und dies sowohl be.m ersten Wahlgange. wie auch bei der Stichwahl. Lavy im 18. ArronDissement, Paularo im 19. und Reties im 20. Arrondisjement haben ihre Sitze den äußersten Radikalen abgewonnen. S. SoenS wurde im 13. Zlrrondissement gegen den Radikalen Titard geweih t, obwohl letzterer auf seinen Äffichen von allen in Paris bekannten Radikalen, wie H. Maret, Pichon, Labord�re rc. den Wählern auf's Wärmste empfohlen wurde.— Man sieht, die Ar- beiter wünschen eine Lösung der jetzigen drückenden Verhältnisse und fangen, wenigstens in ihrem besseren und denkenderen Theile, an, sich für den Sozialismus, als den einzigen Weg dazu, zu interessiren. Den Sozialisten fällt damit die Aufgabe zu, das Material tüchtig zu bear- beiten— Organisation, Propaganda und Presse der Partei zu heben, zu stärken, und vor Allem eine Bereinigung aller sozialistischen Frak« tionen zu Stands zu bringen. Das Listenskrutinium, oder was noch schlimmer ist, eine neue Wahl- geometrie steht vor der Thür. Mit dem Listenskrutinium hätten die Sozialisten noch immer etliche ihrer Kandidaten durchbringen können, so l z. B. im 18., 19. und 20. Arrondissement; bei der neuen Wahlgeometrie wird dies schwerlich der Fall sein, denn diese soll in der Art praktizirt werden, daß die demokratischen Viertel mit aristokratischen und Bour- geoiSvierteln vereinigt werden, so daß die Sozialisten gar keine Mög« lichkeit haben, ihre Kandidaten durchzusetzen. Paris soll in fünf Abthei- lungen(seotionnsinente) getheilt werden, um dadurch die Sozialiste» aus dem Rathhause herauszudrängen! die Radikalen und die Opportu- Nisten werden gegen diesen Modus der Wahlgeographie sicherlich nichts einzuwenden haben, die sie von dm unbequemen Konkurrenten befreit. Zum Schluß noch eine erfreuliche Nachricht für unsere ausländischen � Genossen, nämlich die, daß der vor zwei Monaten eingegangene„So eis- liste" von Mitte Juni ab wieder erscheinen wird, natürlich unter der früheren trefflichen Redaktion von Guesde, Deville, Lafargue je. und in vergrößertem Formate. Die Existenz des Blattes ist auf lange Zeit hinaus gesichert. Glückauf! dem neuen Kämpfer, denn«in gut redigirtes sozialistisches Blatt thut der französischen Bewegung wahrlich Roth. On. — Von Nah und Fern. Wieder sind zwei deutsche Arbeiter- organe, die„Leipziger Bolkszeitung" und die„Thü- ring er freie Presse", dem Schandgesetz zum Opfer ge- falle«.«Nein, ihr Völker, alles, alles gebet hin, nur nicht die Denk- freiheit."(I. G. Fichte.)— Sekondelieutenant von Strombeck vom 4. Garderegiment z. F., der einen Studenten im Duell er- schoß und dafür.zu zwei Jahren Festung verurtheilt wurde, ist, nach- dem er ein Viertel seiner„Strafe" verbüßt, begnadigt und noch gleichzeitig zum Premierlicutenant befördert worden.«Alle Preußen sind vor dem Gesetze gleich, Standesvorrechte finden nicht statt." (Vom König von Preußen beschworene Verfassung.)— Der Redak- teur der„Thüringer freien Presse", Jens L. Christensen, ist, obwohl deutscher Reichsangehöriger, aus den Kreisen Sonneberg und Saalfeld des Herzogthums Meiningen ausgewiesen worden.„Ein allzumilder Herrscher bin ich noch."(Wilhelm Tell, Reper- toirstück der Meininger.)— Bankier Köster in Mannheim, der am 2S. November v. I. seinen Gegner im Duell erschoß und dafür zu 2 Jahren Festung verurtheilt worden war, ist vom deutschen Kaiser begnadigt worden.(„Du sollst nicht tödten" p. Gebot).„Die Reli- gion muß dem Volke erhalten werden.") Ausspruch des Kaisers Wil- Helm.))— Der Kaufmann Louis Cohn in Breslau ist wegen einer vor fünf Jahre« angeblich geäußerten Majestätsbelei- d i g u n g jüngst vom Breslauer Landgericht zu einem Jahr Ge- fängniß verurtheilt worden. Denunzianten waren die wieder- holt von uns gebrandmarkten Renegaten Hövel, Kuh- nert, Störmer und Zimmer.„Der größte Schuft im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant." Korrespondenzen. Eschwege, im Mai. Wohl so ziemlich aus allen Gauen Deutschlands liege» uns nunmehr Berichte über die letzte Reichstagswahl vor. Wenn man sie nun alle gelesen, dann überkömmt einen unwillkürlich ein Ge- fühl des Stolzes— sieht man doch, daß unsere ehrbarsten, frömmsten und tugendhaftesten Landsleute, die ehrlichen Bundesbrüder, sage Misch» masch-Gauner, sich förmlich überboten haben in der Unterdrückung der Volksstimme. Wahrlich, wollte man jetzt das Recht nach Gebühr in An- wendung bringen, so würden noch verschiedene Zuchthäuser gebaut wer- den müssen, damit die Verbrecher an den Volksrechten nur Platz finden. Und vom Standpunkt des wahren Patriotismus aus dürste das zweck- mäßiger sein als neue Kasernenbauten. Wenn diese traurige Sippschaft nur noch eine Spur von Ehrgefühl hätte, so würde sie sich ob ihres Sieges eher schämen, statt spreizen. Wie ist die Wahl gemacht worden, Ihr Ehrenmänner? Kann überhaupt noch von einer Wahl die Rede sein? Em Zwangsakt wars, eine Ab- kommandirung mit der Parole: Vogel friß oder stirb I Und wo dies nicht half, da seid Ihr direkt zu Spitzbuben geworden, zu Resultats- sälschern und Stimmzettelschmugglern. Auch unser patriotischer Brandredner und KriegervereinS-Vorsitzender H. Weimar scheint die Wahl— korrektur recht geschickt verstanden zu haben. Manche Leute wunderten sich, wie der Krautjunkerkandidat im dritten Bezirke, wo fast nur Arbeiter find, über 100 Stimmen bekam: uns wunderts nicht und Herrn Weimar wahrscheinlich auch nicht. Nach eingegangenen Informationen dürfte es noch als viel zu gering erschei- nen, wenn wir die Zahl der Stimmen, die uns— abhanden kamen, auf 1000 ansetzen. Wir kannten unsere Verhältnisse und wußten, daß wir noch ein anderes Resultat zu erwarten hatten als das schließlich bekannt gegebene. Unsere Gegner hatten freilich selbst das nicht einmal erwartet unv waren schier aus dem Häuschen, als in unserer Stadt 488 sozial- deniokratische Stimmen aus der Urne marschirten— das war zu arg. Unser Gesammterfolg im ganzen Wahlkreise war 1476 Stimmen, und dabei war es das erste Mal, daß wir selbständig in den Kampf gingen. Merkt Euch die Ziffern, Ihr patriotischen Ehrenmänner, ste stnd ein Zeichen der Zeit. Euer diesmaliger Sieg ist nur«ine Galgenfrist für Euch. Und Ihr Arbeiter, Kleinbürger und Bauern, haltet fest an der erkannten Wahrheit. Die Segnungen der Kartell-Majorität zeigen sich ja jetzt schon in der Form der 270 Millionen-Forderung bezw.-Bewilli« gung für den Militärmoloch, sowie der Schnapssteuer, der Getreidezölle und einer Menge gleicher Lieblingswünsche Bismarcks und Konsorten, welche von den Mameluken, genannt Volksvertreter, im Interesse de« Volkes--- des„theuren Vaterlands"— pflichtschuldigst bewilligt werden. Die Klagen über diese Jasage- Maschine, genannt Reichstag, werden schon recht deutlich vernehmbar, aber das Schlimme ist, daß das Faschingsprodukt jetzt erst erkannt wird. Als man den Michel in der Wahlkampagne vor dem verhängnißvollen Reinfall warnte, da kam man übel an, da hatte der Landrath gesprochen, so wär's recht, und der Herr Pfarrer und Bürgermeister auch, und diese müssens doch wissen. Ja, Michel, die Wissens, wie man Dich schröpft, wenn wir nun schadenfroh wären, so sagten wir auf Deine Klagen: Du hast's ja so gewollt. Wir wissen aber, unter welchem Lügengewebe Du eingefangen wurdest, und warnen Dich in Deinem Interesse, in Zukunft nicht mehr auf den glei- che» oder ähnlichen Leim zu gehen. Fasset Vertrauen zur Arbeiterpartei, zur Sozialdemokratie, denn sie allein hat den Willen, der jetzigen Schand- wirthschaft ein Ende zu machen. Ob ihr das bald gelingen wird, liegt nur an Euch, am Volke selbst. Schafft Euch das Junkerthum vom Halse, es ist der Blutsauger am kleinen Bauernstande, wie die Schlotbarone, die geadelten und nicht geadelten, die Vampyre sind an dem stävtischen Proletariat. Laßt uns vereinigt unsere Gegner schlagen, auf daß die ehrliche Arbeit zu ihrem Rechte komme. Und dies Euch, Ihr Gesetzesübertreter, genannt Polizisten, vom Spitzel- minister bis zum Machtwächter, strengt Eure Findigkeit noch so sehr an, fröhnt Euren brutalen Leidenschaften noch so sehr, Ihr hindert uns doch nicht an dem Aufklären der Massen— das habt Ihr gesehen und das werdet Ihr sehen. Wir marschiren rüstig weiter in dem Kampf für Freiheit, Recht und Volkswohl l Der rothe Prophet an der Werra. Ans de« 15. sächsischen Reichstagswahlkreise. Die rechte Hand gewissenloser, tyrannischer Herrscher, vi- nur durch Schrecken und Furcht regierten, war stets ein bestechlicher, unselbständiger Richterstand, der, in die Toga gehüllt, auf drakonische Gesetze ge- stützt, jede Meinung, die in höheren Kreisen mißsälllg ausgenommen werden könnte, an ihren Urhebern verfolgte, in dem Wahn, den freien Geist, den Genius der Menschheit damit zu bannen. Aber die Triumphe, welche noch heute die moralische Verkommenheit auf dem Richterstuhle feiert, sie vermehren nur die Gährung im Volke und bewirken das Gegentheil von dem, was beabsichtigt wird. Zur Liebe kann man uns nicht zwingen und der Haß steigert sich, je mehr sich die Ungerechtigkeit spreizt. Wir haben nur Verachtung für die Männer in der Robe, die das„Recht" blas deshalb„studirt", um es desto schamloser mit Füßen treten zu können, die das Gesetz in Dienst einer Partei gestellt, um die Gegenpartei recht bequem unter die Fuchtel nehmen zu können. So berichtet man uns aus M i t t w e i d a unter Anderm: Unser Hof« mann, der Fahnenträger der Kartellbrüder, nebenbei noch Landwehr- Hauptmann und Amtsrichter, saß am 10. Mai, in die Staatsrobe gehüllt, zu Gericht über 16 Sozialisten, die als Parteigegner schon verurtheilt waren, noch bevor sie die Vorladung zum Termin erhalten hatten. Die Sache verhält sich folgendermaßen: Am 6. Februar wurde in unserem Wahlkreis«in Flugblatt zur Reichstagswahl verbreitet, welches gesperrt gedruckt einen Passus aus dem von der sozialdemokratischen Fraktion unter dem Titel„Ausruf an das deutsche Volk" veröffentlichten Flug- blatt enthielt. Da man nun während der Wahlperiode unsere Kund- gedungen ängstlich und mit fieberhafter Hast prüfte, um irgend etwas Gesetzwidriges darin zu entdecken und durch den Schrecken der polizei- lichen Verfolgung schwankende Elements(von uns abwendig zu machen, ja uns vom großen Publikum abzuschließen, so wird es Niemand wun- dern, zu hören, daß auch der beregte Passus in unserem Flugblatt von der Staatsanwaltschaft in Chemnitz entdeckt und Untersuchung eingeleitet worden. Da unser Flugblatt aber bis heute noch nicht verboten ist und die Verleger desselben so gut wie die Verbreiter seinerzeit keine Ahnung von dem inzwischen erfolgten Verbot des„Aufrufs an das deutsche Volk" hatten, welches n u r im„Reichsanzeiger" veröffentlicht worden, so wurde es im guten Glauben, streng gesetzmäßig zu handeln, verbreitet. Auch die Chemnitzer Staatsanwalt!chaft schlug die Untersuchung wegen Vergehen gegen§ 19 des Sozialistengesetzes nieder, überließ es aber den einzelnen Amtsgerichten, gegen die bekannt gewordenen Verbreiter wegen Uebertretung des§ 21 des Sozialistengesetzes strafrichterlich vor- zugehen. Unser Kriegskarten- und Stimmzettel-Vertheiler H o f m a n n ließ sich das nicht zweimal sagen, flugs waren 16 Vorladungen erlassen, und die Komödie konnte beginnen. Um den Alt recht feierlich zu ge- stalten, sollte als Vorspiel ein Autodafe abgehalten werden; einer der Genossen war nur vorgeladen worden, um der Vernichtung bei ihm beschlagnahmter Flugblätter, 21 Stück, beizuwohnen. Ziemlich verblüfft schaute aber der Großinquisitor drein, als dieser Genosse, der Stadt- verordnete C. Fischer, den Nachweis führte, daß die in Rede stehenden Flugblätter gar nicht vernichtet werden dürften, er produzirte ein amtliches Schreiben von Bürgermeister Franke in Schellenberg, dessen Büttel einem Limbacher Genossen 100 Stück abgenommen hatte, die aber am 14. Februar zurückgegeben wurden, mit der ausdrücklichen Bemer- kung, daß die über die Flugblätter befragte Kreis- hauptmannschaft Zwickau Bescheid dahin ergehen ließ, daß nichts Gesetzwidriges in der Druckschrift enthalten, die Beschlagnahme also aufzuheben sei. Hofmann zog sich nach Durchsicht dieses Schreibens mit seinen pimrtt» SfWrmtfoM imS orti'Ario Snrtn itpmTtffi ffpitllüllt. Schöffen einige Minuten zurück und erklärte dann ziemlich kleinlaut, das Gericht halte sich für inkompetent, die Vernichtung der Flugblätter aus- zusprechen, es sei Sache der Ortspolizeibehörde, die Angelegenheit weiter zu verfolgen. Logisch hätte doch nun auch gegen die übrigen 16 Vorg-ladenen das Verfahren„wegen Verbreitung einer verbotenen Druckschrift, zwar ohne Kenntniß, jedoch nach Bekanntmachung des Verbots im„Reichs- Anzeiger", eingestellt werden müssen, denn selbst nach dem Sozialisten- gesetz kann doch keine Druckschrist st-afbar sein, dessen strafloser Inhalt von der Oberpolizeibehörde ausdrücklich anerkannt und die Weiterverbreitung gestattet worden ist. Aber fehlgeschossen, Hof mann pfiff auf Sozialisten- gesetz und Kreishauptmannschaft, er konnte sich das Vergnügen nicht ver- sagen, seinen Gegnern noch nach der Wahl einen Eselstritt zu versetzen. ein verständnißinnlger Wink hinüber nach dem Amtsanwalt, und das Verfahren, eine Eselei durch und durch und eine schamlose Ver- letzung von Gesetz und Recht, nahm seinen Fortgang. Wie sagt Göthe von der Schanve:„Wächst sie aber und wird ste groß— so geht sie auch am Tage bloß." Vergeblich berief sich der Stadtverord- n e t e C. E i m s auf das schon oben erwähnte Schreiben des Bürger» meisters Franke in Schellenberg, vergeblich erklärte ein zweiter Angeklagter mit gehobener Stimme, daß er die Blätter am 6. Februar in Frankenberg nicht weiter verbreitet hü te, wenn ihm der dortige Bürgermeister Dr. Käubler dieselben nicht wieder frei gegeben mit der ausdrücklichen Erklärung, es sei nichts Strafbares darin enthalten. Der Amlsanwalt, ein hagerer Mensch mit dem Namen Grützner» der aber sehr wenig Grütze ,n seinem Kopse mit dem Christusscheitel zu haben scheint, desavouirte ebenfalls Kreishaupt- Mannschaft und Polizeibehörde, nur um den Angeklagten eine Bettel» mannssuppe einzubrocken. Er zitirte das rothe Gespenst, das seiner Mei- nung nach auch im Saale umging, er bedauerte, daß er die Angeklagten nur wegen Uebertretung in Geldstrafe nehmen könne, es seien in Mittweida Mitarbeiter und Verbreiter der gefährlichsten Druckschrift, die überhaupt existire(hu!). Alle Nachforschungen seien aber nach dieser Rich- tung hin vergeblich gewesen, aber er glaube in den Vorgeladenen Helfers- Helfer zu sehen, die zu allem sähig wären, man solle ste also ja nicht schonen. Sein Freund Hofmann bedurste dieser Mahnung nicht. Nach '/.stündiger Berathung, es kostete ihm also scheint's doch Mühe, die Schöffen zu bearbeiten, um sie von der angeblichen Schuld der Ange- klagten zu überzeugen, hatte er ein Erkennlniß zusammengesudelt, das von Widersprüchen wimmelte und die ungeheuerlichsten Drehungen und Wendungen machte, nur um die Thatsache zu konstatiren, daß unter allen Umständen so ein Verbot im„Reichsanzeiger" eine bequeme Hand- habe bietet, um auch eine nicht verbotene Druckschrift als straffällig erscheinen zu lassen. Ed. Erms wurde zu IS Mark, die übrigen Ange- klagten zu je S Mark verknurrt. Di- Zwickauer«riegeihaupimannschaft sowie die Bürgermeister von Echellenberg und Frankenberg, die ebenso schuldig sind, gehen straffrei aus. Gegen gemeine Verbrecher soll Hofmann weniger haar- spalterisch und feinfühlig, sondern eher zur Milde geneigt sein. Es ist dies leicht begreiflich, wenn man bedenkt, daß er vorurtheilssrei genug war, in eine Verbrecherfamilie hineinzuheirathen, denn sein Schwieger- vater, der ehemalige Advokat Siegel in Glauchau, hat wegen Unterschlagung von Mündelgeldern und ähnlichen Teufeleien einige Jahre Zuchthaus abgemacht. Kein Wun» der, daß dieser Landwehroffizier auch die Brandschatzung unserer Partei, wenn er dazu kommen kann, mit Eifer betreibt, und 174 M.— so viel betragen nach ziemlich genauer Schätzung Kosten nebst Strafe in obigem Prozesse— sind ein nicht zu verachtender Beitrag zur Staatskasse, die sich natürlich auch nicht sperrt, die sauer verdienten Arbeitergrosch en in ihrem weiten Beutel verschwinden zu lassen. Von Einlegung der Be- rufung haben unsere Genossen abgesehen, da sie der Meinung waren, eine Krähe hacke der andern die Äugen nicht aus. Natürlich wird man sich durch derartige Vorkommnisse nicht abhalten lassen, bei kommenden Wahlen wieder mit Flugblättern zu agitiren. Solche Urtheile wirken nicht abschreckend, sondern auf» reizend, und was den Kostenpunkt betrifft, so sind unsere Genossen viel williger und aufopferungsfähiger als wie die große Mehrzahl un- s-rer Gegner, die das iiebe Ich immer in den Vordergrund stellen und sich selber gern am meisten„schenken". Wo aber da der Respekt vor dem Richterstande herkommen soll, wenn man sieht, wie der blinden Göttin Th-mis selbst das Sozialistengesetz als unzureichend lachend um die Ohren geschlagen wird, überlassen wir den Herren zu beurtheilen. Diese„Gesetzeshüter" wollen dem Staat einen Dienst leisten, indem sie jetzt mit Vorliebe Massenprozesse in- szeniren uno die Gründe zur Bestrafung der Angeklagten förmlich aus den weiten Aermeln ihrer Roben schütteln. Der Staat, welcher die anar- chistische Produktionsweise beschützt und fördert, hat auch Orden und Tue! sür diese g-sügigen Werkzeuge, die seilen Richter; un» kann da» nicht imxoniren, denn: „S o die Diener, wie die Herrn, Gleich und gleich gesellt sich gern." Kartätschenprtn». Sprechsaal. Erklärung. In einer Zusammenkunft von Genossen ist von mir feindlich gefinntl Seite die Behauptung aufgestellt worden, daß die in Nr. 2 deS„S.-D veröffentlichte Erklärung von mir herrühre. Daraufhin sehe ich mich veranlaßt zu erklären, daß ich die betreffe» Erklärung, die ich übrigens inhaltlich vollkommen billige, weder versa» noch veranlaßt, noch überhaupt gelesen habe, bevor ich sie tm„Sozia Demokrat" fand. Sonneberg(S.-M.)» den 10. Mai 1887. Jen» L. Christensen. «erbe, Pofibi tttm vo ffr. 2.- »1,3, *- 1,7( «»».! Goittimg. Von den S ch n i t t m a ch e r n Mk. 12 ö0 für die Opfer de jüngsten Leipziger GeheimbundS-ProzesseS(Wer« und Genossen) erhalten und verwendet. Leipzig, 12. Mai 1887. Der Beauftragt«. Pa Aufgepaßt! Im„S.-D." Nr. 4 1387 warnten wir vor dem polizeivel d ä chti g en S chwindl er! Heinrich Till, Buchbinder. Derselbe ist wieder in Frankfurt a. M. und kann jetzt« Bestimmtheit gesagt werden, daß ihm, besonders was dorU Haussuchungen anbelangt, die Polizei viel zu verdanken hat. Bl Theodor Daschner aus Straubing, im„Sozialdemokrat" Nr. lö 1882 und Nr. 26 1886 als radika sirender Schwindler gekennzeichnet, soll in Augsburg sehen worden sein. Wir warnen die dortigen Genossen vor diesem geriebenfl aller Beutelschneider. ! baai l' B. � Mehl l»'«i m o > beizul Brieffasten Abo, Er der Redaktion: Einsendungen je. find eingetroffen aus Be' l i n(anonym). Basel, Danzig, Frankfurt am Main, G e«' Nippes, Stuttgart.— Beauftragte in Stuttg.:Bes�:iNs Stelle wurde gestrichen, weil sie, falls die Sache bewiesen, zu we»«. sagt, solche Anschuldigungen überhaupt erst vor eine andere als* � intereffirte Instanz gehören, ehe man sie veröffentlicht. Zu bloßem aller krakehl ist der„S.-D." nicht da. Ihr Mskpt. hat Zürich nicht verlaß«' � der Expedition: H. D. M.: Mk. 320 äCW Ab. je. gutfl«*«„s c Bfl. Aufschluß wieso.- Pg. Mtgtr. Benevento: Fr. 2- ä Cto SÄ ,l"0" erh.— G. Sir. Pirating: Fr. 5— Ab. 3. u. 4. Qu. erh.— B. L. L?t Mk. 2- f. A. u. Prto erh. Mk. 2 20 d. Aids. dkd. zugew.—«n»' Hahn: ssbd. f. Arch. am 3/6. dkd. erh.— Oneel: Adr. geändert.? krhehx Mittelsmann soll an E x p e d. adressiren. Die Redaktion hat niÄ j. mit dem Versdt. je. zu thun.— Rolher Sachse: Mk. 50— ä Cto tk er je. erh. Bstllg. je. notirt. Näheres erw.— Kilian: Mk. 50— ä Cto> erh.- Claus Groih: Mk. 77 76 Ab. 2. Qu. ic. erh. Bstllg. folgt«» Bf.— Heinrich: Mk. 18— Ab. 2. Qu. erh. Mehrbstllg. notirt. London:(Pfd. St. 11 7) Fr. 27 10 f. d. streik. Weber in CrimmitsÄ! ., okd. erh. u. belargj.— I Harn, eiw-4' Ci �per, »Ufa gerammelt im E.-A.-B.-V., dkd. erh. u. befaret.— I Harm SU (5' Pfd. St.) Fr. 125 30 ä Cto Schft. u. Ab. lt. Aufstllg. erh. N-" je. folgt— Rothe Schwefelbande. Mk. 23 40 Ab. 2. Qu. erh. BD folgt. Bfl. Weiteres.— Falken: öwfl. 4— f. Schft. je. erh. Sd � nach Wunsch besorgt.— Cerberus: Mk. 50—& Cto Ab. je. erh.* klamirteS unterwegs, jetzt jedenfalls dort.— Forst N.-L.: Mk. 200' f. d. Ausgew. dkd. erh.— O. M. Samad.: Fr. 1— f. d. Stettiner' Fr. 2 70 Ab. bis Ende nach Borschrift dkd. erhoben.— Allg. Arb. M Schaffhausen: Fr. 15— Zhlg. an S. a Cto Ab. dkd. gutgebr. u' Dei Beil. besorgt. Derartiges künftig a p p a r t schreiben l— Bierbaut Axh..:- Eingetroffen. Aber wo bleibt denn Bescheid aus Dringliches und Aß. schluß?— Cato: Sdg. nach Wunsch besorgt. Erfüllen Sie auch.' unseligen.— Roderich: Sdg. v. 6/6. hier u. dkd. abgelst.— H« Wttett Compensatio» folgt nach Wunsch vom 5. ds. Armes Wurm. Walch zurück: denn nicht auspacken?— Rbz, B.: Aufschluß v. 2/6. dkd. erh. 1W günstii „Entdecker" war ein alter„Herr Kollega" von dir.—I. H. Brunnch Fr. 2 10 Ab. 2. Qu. erh. pr. N. N.- I. L. Ch.: 60 Pf. Nachzahl« �'ei pr. 2. Qu. erh.— Angler: öwfl. 25—»Cto Ab. je. erh.— Lustii Ott) w Brüder i. E.: Mk. 16 80 Ab. 2. Qu. erh.— New-Haven:(10 D« Fr. 50 66 gesammelt v. I. Bollensänger f. d. Opfer d. G-heimbu Justizmorde dkd. vrw.— I. D. 38.: 55 kr. f. Schft. erh. Sdg. abg./ E. Rb. Rbch.: Fr. 2— Ab. Juni bis End- Aug. erh.— O. B. Zß Fr. 4 10 Lb. Juni bis Ende Nov. pr. N. R. erh.— S. N. Gr. Mk. 2 50 Ab. Mai/Juni u. Schft. erh.— Fuchsschwanz: Mk. 6* a Cto. Ab. jc. erh.— Anzeigen. ! lterer. «ffociö-Gesuch. die AI fich U, Arbeit Zweckl die Ar Ein Leipziger BerlagSbuchhändler sucht zum desser«oder n Betriebe seines Geschäfte» einen bemittelten Genossen(Fach- oder KalsRolle, mann) mit 10-12,000 Mk. Einlage.»Tuscha Adressen befördert>(M. 1 60) Mittel Nie Ekpkdition de» ,.S»iia!de«»krat". Hütte �dese», sl,s>!.� Vorwärts. Liederschatz für Mäuner-Gesangvereine. Lieferung l. subjekti Neil genuin Die Weber(H. Heine) von W. Gundlach. Ifoi' � Da» rothe Banner(H. Binder) von C. May«t �"'dgli PreiS: Partitur Fr. 5-(Mk. 4-).,"Nein „ Stimmen„4—„ 8 20. � Wien � Lieferung ü-l«ufnahmelied(C. Lahm) von Carl«ah«, Wie Trinklied(C. Sahm) von C a r l v a h m. Tag.« Preis: Partitur Fr. 4-(Mk. 8 20). � � Lieferung M. „ Stimmen„ Bor dem Sturm Da» freie Wort »-„ (R. Prutz) 2 40. von A. Eberhards jttvn Pret«: (Mk. 4 80). 8 20. ' H�rw-gh)°onA. d�chUlli w Ein zelr Lieferung IT * Ddrlufl vdenukt £artitur Fr. 6 ttmmen„ 4— Schlaf in Frieden(S. Friedrich) von O,•undlatzdenutu Preis: Partitur Fr. 4-(Mk. 8 20). lveniU „ Stimmen„ 2 60„ ein? «ompontfien. welch« passende Lieder den«erleaern(K i r ch« ♦ V Qr und Rosenberg. 172 1. Avenue Street, Rewy or!(Ctty) einse-'*»■ Ul «erden bei Annahm« ihrer Kompostttoren nach Kräften honorirt. Gch»»iz,«•Mneca-gMl», totfre. bürden bei