s m*' i ZüB ASsnnemettts wttbm bli allen schweijerüien Wastbureaux, sowie beim Verlag dNd dessen telannten Agenten Wgegengenommen. und zwar zum »»«au»»ahldaren DierteljahrSpreiS von: für bleEchweiz sKreuzband) 3,— für Deutschland(CouOetl) IL 1,70 ffit Oesterreich lSouvert) #»• 3,50 für alle übrigen Länder de» Weltpostvereins lllrenzbanbz ?nstr°tt die dreigespaltene Petitzell» »5 CtS,---- 20 Pfg. Der SoMemkrat Grgan der Sozialdemokratie deutscher Zunge. Krscheint wäcki eutltch»1««»» in Zürich(Schweiz). ?�t-S de« D»lr»»uchha«vlt3«G Hottingen. Zürich. Jeßstu»»«,«, franko gegen frank«, Sewihnlich««rief« »ach der chchwei,«»ß« Doppelport«. M 26. «riefe an die Redaltion und Srpedition de» in Deutschland und Oesterreich verbotenen.Eozialdemokrat'«olle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lassen. In der Regel schicke man uns die Briefe nicht direkt, sondern an die bekannten Deckadressen. In zweifelhaftcn Fällen eingeschrieben. 24. Juni 1837. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Zur rechtzeitigen Kenntnitznahme. Bei Quartalschluß »U- müssen sämmtliche Briefabonnements-MW baar vorausbezahlt werden. Belastungen auf Conto-Jnhaber finden also nicht mehr statt. Alle« Bestellungen aus direkte oder indirekte Brieflieferung ist ohne jede Ausnahme die volle Baarzahlung beizulegen. KM" Alle nicht ausdrücklich wiederbestellten Brief- Abonnenten werden mit Nr. 27 gesperrt. Ersatz für Bersandtverluste liefern wir nur gegen Einsendung des Porto bei Reklamation. Sämmtliche Besteller wollen dies künftighin ein für allemal festhalten. Wo anderweitige Bezugsgelegenheit geboten ist, fald Briefabonnements unzulässig. Abonnements für die Schwei; Theben wir per Nachnahme, wenn Zahlung nicht mit itdem Quartalbeginn v oraus geleistet ist. Einzel-Kreuzbandsendungen ins Anstand Sperren wir mit Quartalsablauf, sofern Neubestellung und Geld bis dahin ausbleibe«, , fapedüi«# 1» Die Sozialdemokratie und die Armee. Schreiber diese« hat niemals zu Denen gehört, welche die »Propaganda in der Kaserne" befürworteten. Er ist im Gegen- %il der Ansicht, daß diese, Kasernenpropaganda" eine recht große Dummheit ist und blos Wasser auf die Mühle unserer winde. Durch solche Albernheiten kann nur geschadet werden. Und wirksam kann die Kasernenhropaganda erst dann sein, wenn die Disziplin bereits untergraben oder vollständig zerstört ist, wie 1848 und 1849 in Baden. Können solche Zeiten wiederkehren? Unsere heutigen Staat«- lenker glauben: NeinI In der„Leipziger Zeitung" vom 11. Juni d. I. findet sich da ein gar kurioser Leitartikel, der hier abgedruckt sein soll. Er lautet: Unter dem TiM: Da« Volk in Waffen im Sinne der ««mokratle"»st soeben in Si. von D«ck-r'S Verlag(Berlin) eine «ü handschriftliche Aufzeichnungen gegründete Geschichte der Märztage »on 1848 erschienen. In derselben wird in meisterhafter Weise die Un» lulSnglichkeit von Bürgerwehren im Kampfe gegen die ■Evolution und im Anschluß daran da« Gefährliche nachgewiesen. J*Jsin einer unzeitgemäßen Milde gegenüber Erhebungen C®1*1 auf den Umsturz der staatlichen Verhältnisse abzielenden Bevölke- SmäSSfö* W liegt. Die allmälig fortschreitende Verwickelung der Ver- Äehnii*»�u in Berlin zeigt mniatis mutandis eine unverkennbare wie» �it dem Schauspiel, welches gegenwärtig in Belgien sich ab- prägt sich insbesondere in dem Verhalten der Umsturzpartei in«,: r �et Militärmacht aus. Die Taktik von 1S4S scheint man jetzt SL aD � wiederholen zu wollen. Sie besteht darin, daß man einerseits J*. an den AMick und da« Zusammentreffen mit der bewaff- r~ii Macht gewöhnt, worin ja für die Menge zweifelsohne anfangs rfJNfl Verlockende« der Gefährlichkeit der Sache wegen liegt— anderer- inr wan durch ununterbrochene Aufläufe und Ruhestörungen, ohne tm»n lt. 1» offener Gewaltthat zu schreiten, die Kraft der unaufhörlich ./ü'knirten Truppen aufzureiben und, wenn möglich, fogar deren Zu- -.Lästigkeit zu erschüttern. Die letzten Ausstände in den belgischen U» Distrikten haben dafür reichliche Beweise geliefert. Unausgesetzt ist 2* Internationale bemüht gewesen, die sozialistische Propaganda in der ffw« jU verbreiten, leider sogar in einigen Fällen nicht ohne Erfolg. s«�• n Zusammenstößen mit den zur Herstellung der Ordnung ein- Mittenden Truppen war ansang« allgemeine Panik der Aufrührer, r schon größer« Dreistigkeit, paffiver Widerstand, ja schließlich sogar JWre Widersetzlichkeit zu beobachten. Durch Anzettelung von partiellen Mwjnmlungen zerstreute man die ohnedie» schwachen Streitkräfte und dann an den Orten, wo ungenügende Truppen waren, mit offener k�valtthat hervor. In mehreren Fällen war das schwach« Militär ge- Zungen, zurückzuweichen. Die moralische Wirkung davon wird nicht ?wbleiben: denn dadurch ist einerseits das Vertrauen der Truppen in ''gene Kraft bedenklich erschüttert, andererseit« aber die Zuversicht S* sozialistischen Agitatoren und deren Heeressolge auf da» Höchst« ge- 1» 8*"' Ein Blick auf die Ereigniffe in Berlin in den Mailagen von v*8 lehrt, daß in dem Drama von Belgien nur noch der Schlußakt, �offene Kampf mit der Waffe in der Hand, fehlt. Pievit � Gleitende Momente finden wir auch dort Anhäufungen von Unmassen, Bedrohung von Wachen, in deren Schutz sich dt« vom ?£ bedrohten Sicherheitsbeamten haben flüchten muffen. Bergreifen Ur«« dem Etgenthum, speziell Ladenberaubungen, Anrücken de« Milt- Wo«""hohnung, Beschimpfung, Widerstand seinem Einschreiten(ohne gebrauch) gegenüber, Verstärken der Truppe« beim Wachsen der Zuordnung und des Tumulte»; dann plötzlich nach«inigen ausreibenden scheinbare Wiederaufnahme der geschäftlichen Thätigkeit; da« all- tägige Leben scheint in seine gewöhnlichen Geleise zurückgekehrt zu sein, dem Uneingeweihten bietet sich ein Bild vollkommener Ruhe und Ord- nung dar. Die militärischen Maßnahmen verringern sich, schon im Hin- blick auf da» Ausreibende des fortwährenden Aufgebot»; die öffentliche Meinung beruhigt sich, umsomehr, als man glaubt, was man hofft, hier das Harmlose der Volksaufläufe. Plötzllch wiederholen sich die Volks« ansammlungen, wieder ericheint das bereitgchaltene Militär, aber der Erfolg seines Auftrekens ist aus einmal ein anderer geworden. Jnter« «siant sind in dieser Hinsicht die Aufzeichnungen des oben angesührten Werkes. Dem 18. März, dem Tage, an welchem bekanntlich der Straßen- kämpf begann, war ein vollständig ruhig verlaufender Tag(17. März) vorangegangen. Gegen Mittag des 18. März selbst sammelten sich be« deutende" Wenschenmaffen vor dem köntgli�-n Schloß; als der König aus dem Balkon erschien, wurde er mit entiusiastischen VivatS begrüßt; als er aber zurückgetreten war, erscholl eine balbe Stunde lang enormes Geschrei:„Hoch! Militär zurück!" Der König erschien nun ein zweites Mal auf dem Balkon, von tausendfältigen Vivats begrüßt. Da das Schreien und Lärmen indeß nach seinem Rücktritt vom Balkon immer ärger wurde, besaht der König nunmehr die Räumung des Platzes. Da- mit beauftragt wurde nur eine Schwadron Garde-Dragoner, die im Scrloßhos hielt. Als dieselbe im Schritt, mit eingestecktem Gewehr, in der Marschkolonne zu Dreien durch ein rückwärtiges Thor(PortalNr. 4) hinausgetreten war, stürzte das Volk den Reitern mit gewaltigem Ge- schrei entgegen, wobei nur die Worte„Militär zurück I" in dem Getöse zu unterscheiden waren. Die Pserde wurden unruhig und traten zurück. ein Kommando war absolut unmöglich verständlich zu geben, der Ritt- meist-r riß deshalb den Säbel aus der Scheide, um seinen Leuten zu wink«», vorzurücken. Das Volk wich hastig zurück. Die Eskadron umritt nunmehr den Platz in der Zugskolonne; einige Dragoner an den Flügeln, die das Gewehr aufgenommen hatten, um erfahrenen Unbilden zu be> gegncn, wurden veranlaßt dasselbe wieder einzustecken. Im Verein mit zwei Komvagnien Kailer-Franz-Grenadieren, die vom Schlosse aus mit Trommelschlag und Gewehr über ausrückten, gelang es nunmehr, den Schloßhos ziemlich zu säubern. Dabei HaUen sich zwei Gewehre entladen, ohne Schaden zu thirn. Die Schüsse schienen jedoch die Veranlassung zum sofortigen Auseinandergehen der Menge gegeben zu haben. Ali nunmehr aber die Trupven nach dem Schlosse zurückkehrten und den Echutzbeamten die Freihaltung deS Platzes überließen, veränderte sich wie mit einem Schlage das Bild. Di« Schutzbeamten waren grade bemüht, das über die lange Brücke drängen« Volk zurückzutreiben, als«in mit Brettern beladener Wagen vom Schloßplätze herkommend die Brücke passiren wollte. Im Nu be- mächtigle sich der Pöbel des Waaens und der Bretter, der Barrikaden- bau begann auf der Brücke.„Unmittelbar nach diesem Vorgange zeigte das Benehmen der Volksmassen, speziell die Niedsrmetzslung der Posten vor der Bank, die Mißhandlung eines Gendarmeriehauptmanns und der salbst w unmittelbam Nähe des Schlosse- plötzlich wie auf einen Zauber- sit'aa beginnende Barrikadenda», daß der jlgiiation ihr Werk, die Ent- fesseiunq der rohen Masse, gelungen sei. Berlin desano fich im Aufstand. Di« rothe Fahne wurde nunmehr sonder Scheu entfaltet. Die vom Pöbel unmittelbar angegriffenen, mit Gewehrschüssen empfangenen Truppen schritten nunmehr mit aller Energie ein. Auf beiden Seiten stoß Blut. Der plötzlich, wie auf unsichtbares Kommando, an den ver- schiedensten Punkten der Stadt entbrannte Kampf währte bis tief in die Nacht hinein, an einzelnen Punkten sogar bis zum andern Morgen." Dieser geschichtliche Rückblick auf eine schwere Zeit dürste in unseren Tagen, wo in Belgien fich die Gegensätze zwischen der staatlichen Ord- nung und dem Pöbel immer mehr zuspitzen, des Interesses nicht ent- behren, selbst wenn dieser Hinweis erfreulicher Weise auf deutsche Ver- Hältnisse ohne jeden Bezug ist. Die Erfahrungen von 1348 und 1871 (Pariser Kommune) haben ja die Ueberzeugung, daß nur rückhalt- lose Entschlossenheit gegenüber staatsfeindlichen Tendenzen zum Ziele führt, in Deutschland begründet und befestigt. DaS Aufleben einer Pöbelherrschaft ist bei uns ein Ding der Unmög- lichkeit, nicht weil die Elemente fehlten, die sie herbeizuführen sehnten, sondern weil die Staatsmacht sich ihrer Aufgabe für staatlich- Sicherheit und Ordnung vollbewußt ist und mit Kraft für deren Erfüllung einzu« treten weiß." Dies der Artikel. Zunächst sei konstatirt, daß der Bericht über die März» kämpfe in Berlin durch und durch falsch ist, und daß nament- lich jener berüchtigte Ueberfall, der dem jüngeren Bruder deS Königs von Preußen den Namen„Kartätschenprinz" eintrug, ganz vergessen ist. Doch lassen wir daS. Das, worauf eS ankommt, ist die Frage: Bietet die gegenwärtige Armeeorganisation den Macht- habern bessere Chancen als die Armeeorganisation vor 1848? Auf den ersten Blick scheint eS fast so. Die Armeen sind weit zahlreicher, und die Zucht ist eine strammere. Allein das will nichts besagen. Denn bräche heute ein Aufstand aus, so würden der Armee auch weit zahlreichere und„strammere" Massen gegenüberstehen. DaS gleicht sich also aus. Im Berhältniß zu der Stärke der Elemente, welche eS „niederzuhalten" gilt, waren die stehenden Heere vor 1848 und 1849 sicherlich ebenso stark wie heute. Und wir stehen keinen Augenblick an zu erklären, daß unserer Ueberzeugung nach auch damals, bei guter Leitung, die bewaffnete Macht im Stand gewesen wäre, die Volksbewegung zu unterdrücken— gerade wie sie heute unstreitig dazu im Stande ist. Es fehlte eben damals im entscheidenden Moment an der guten Leitung. Und wohlgemerkt, unter guter Leitung ver- stehen wir nicht bloS die militärische. Hätte am 20. Februar 1�48 Louis Philippe eine Ahnung davon gehabt, daß Paris sich in 2 Tagen erheben würde— eS wäre ihm ein Leichtes gewesen, den Aufstand niederzuschlagen. Aber LouiS Philippe, schlau wie er war, hatte keine Ahnung davon— er wurde von den Ereignissen überrascht, und verlor den Kopf— der Armee fehlte die uöthige gute Leitung. Genau ebenso war eS in Wien— wo Metternich, der VirtuoS der Reaktionspolitik, vor dem 40 Jahre lang„sieg- reich" bekämpften Geiste der Revolution die Segel streichen mußte. Und in Berlin die gleiche Kopflosigkeit. Bilden die heutigen StaatSlenker sich etwa ein, ge scheidter, besonnener, mit besserem Ueberblick und größerem Scharfsinn begabt zu sein als die Louis Philipp und Metternich's? Das wäre eine lächerliche Selbstüberschätzung. Volkserhebungen kommen immer unerwartet— sind sie erwartet, so werden sie schon in der Geburt erstickt. Und das Unerwartete, nicht Verstandene verblüfft. Bilden unsere heutigen Staatslenker sich etwa ein, eine Ausnahme zu machen? Uns kann's recht sein. Was nun insbesondere den kolossalen Maßstab der gegen- wältigen Armeen betrifft, so bildet derselbe einem Volks- aufstände gegenüber eher ein Element der Schwäche, und zwar nach zwei Richtungen hin: Erstens weil die Zahl der demokratischen und sozialdemo« kratischen Elemente im Heer; und Zweitens weil die Zahl der militärisch geschulten Ar- bester und Bürger außerhalb des Heeres eine weit größere ist. Die Herren, welche jetzt in unseren modernen Riesenarmeen eine sichere Bürgschaft der Macht erblicken, übersehen ganz, daß der Militarismus nur bis zu einem bestimmten Punkt gesteigert werden kann, und daß er den Punkt bereits erreicht hat, wo die militärische Allmacht in ihr Gegen- theil umzuschlagen droht. Heber eine deutsche Polizei-Infamie, die bis in die weiland fteiesten Distrikte der Schweizerischen Republik hineinspielt, ohne dort die gebührende Zurückweisung zu erfahren, lese« wir im„Grüt lianer" den nachstehenden Artikel, den wir de« Wichtigkeit des Falles halber hiermit im Wortlaut folgen lassen: „Die Wahrheit im Poppitz-Handel. Man wird stch noch der Geschichte erinnern, die unlängst auS Biel berichtet wurde, wo einem Schriftsetzer vom Regierungsstaithalteramt aus ein Brief eineS deutschen Soldaten abverlangt wurde, der geeignet war, den letzteren zu kompromittiren. Da damals versucht wurde, die Geschichte zu oer tuschen, so wollen wir unser, r>:s nun an der Hand der Akten, die wir kennen zu lernen Gelegenheit hatten, zu Nutzen und Fromme» Beteiligter und tlnbetheiligter erzählen, was dort gegan« gen ist. In Freiburg im BreiSgau that seiner Militärpflicht Genüge der Schreinergeselle F Z e I l e r. welcher früher in Biel gearbeitet hatte, woselbst er auch Mitglied deS deutschen Gesellen Vereins gewesen war. Wie jeder deutsche Soldat, der sich gut aufführt, erhielt er gegen das End« seiner Dienstzeit die Vergünstigung, bei einem Meister seines Berufe» in Arbeit treten zu dürfen; er arbeitete bei dem Schreinermetfler Wilhelm Kramer in Freiburg. Bei diesem Kramer wurde nun während der letzten deutschen Reichstagswahlen eine polizeiliche Haussuchung vorgenommen, welche die Beschlagnahme von Flugschriften zur Folge hatte, die für den Kandidaten der Sozialdemokraten Propaganda machen sollten; die« brachte Wilhelm Kramer in den Kerker, seine Frau und seine Kind« in Roth. Man merk«: Unter dem deutschen„Heldenkaiser" werden unie« schölten« Bürger einfach ihrer politischen Ueberzeugung wegen in« Ge« fängniß geworfen, ihre Familien des Ernährers beraubt, und schweizerische Republikaner wetteifern in der Verherrlichung de«„verehrungswürdigm Monarchen" mit der Reptilienpreffe! Der Schreinergeselle Zeller aber— und das spricht offenbar sowohl für feinen Meister als für ihn— nahm sich der Familie Krämer'» an und bat den deutschen Gesellenverein in Biel, mit dessen Mitgliedern er in Korrespondenz stand, etwas zur Linderung der Roth der Frau und Kinder Krnmer'S beizusteuern. Dies geschah; die Kameraden Zeller'» legten fünf Mark zusammen und beauftragten den Schriftsetzer E. Poppitz, den Betrag durch die Post an den Ort seiner Bestimmung gelange» zu lassen. Man merke: Unter den von Gesetzes wegen für vogelftei erklärte» deutschen Sozialdemokraten ist die Solidarität kein leereS Wort. Dt« fünf Mark haben stch die Kameraden Zeller'S am Munde abgedarbt, u« Frau und Kindern eines ihrer RUbürger in ihrer Roth beizustehen. Schweizer Arbeiter, Hut ab vor solchem Solidaritätivewußtsein, unk macht es ebenso; nur so kommt ihr zum Ziele, so aber auch sicher! Emil Poppitz entledigte sich des ihm gewordenen, ich denke ehr«» vollen Auftrages, und zwar in der Weise, daß er dem Zeller eine Post- anweisung im Betrage von fünf Mark zusandte. Auf die Rückseite des Mandates schrieb er hiebet die Worte:„Zu verwenden laut zugesandte« Bn-f." Diese Worte wurden verhängnißvoll, für Poppitz sowohl al« für Zeller. Ein deutscher Postbeamte machte der gegen Kramer eingeschrittenen Untersuchungsbehörde von denselben Anzeige, und daS Statthalter- amt von Freiburg im BreiSgau verlangte brieflich vom Regierungsstatt« Halteramt in Biel. eS solle sofort bei Poppitz eine Hausdurchsuchung»or« genommen und der Brief Zeller'S beschlagnahmt werden. Man merke: Im großen deutschen Reiche ist das Bri-fgeheimmß eine Phrase, und die Beamten der K. K. deutschen Reichspost leisten der politischen Polizei Handlangerdienste. Ob ste wohl deshalb so laut wegen ihrer Findigkeit gepriesen werden? Am S. Mär, lS87 erschienen in der Offizin, in welcher Poppitz kon- ditionirte, der Aktuar deS Regierungsstatthalteramts von Biel und«i» Landjägerfeldweibel, verhafteten Poppitz und forderten ihn auf. sie i» feine Wohnung ,u führen, woselbst chm auseinandergesetzt»url*. auf Befehl des StatthalteramteS von Biel müsse bei ihm eine HauSdurch« suchung vorgenommen werden, zum Behufe der Befchlagnahme de» vom Freiburger Statthalteramt reklamirten Briefe». Umsonst protestirt« Poppitz. Um aller weiteren Untersuchung seiner Papiere vorzubeugen, sah er fich schließlich genöthigt. den Brief Zeller'» auszuliefern. Indeß begab er sich noch am selben Nachmittag in Begleitung emes Kameraden auf das Amthaus, um den Herrn Regierungsstatthalter perfönttch zu sprechen, den er nach wiederholten Gängen freilich fand, ohne jedoch se>- nen Zweck zu erreichen, denn sein Begehren um Rückgabe de« Zeller scheu Brieses wurde abschlägig beschieden........ Manmerke: Soweit sind wir am Ausgang de« vielgeruhmten IS. Jahrhundert» denn doch schon gekommen, daß«me Behörde de» deutschen Reiche«, also eine» fremden Staates, sich erlaubt,-ine Behörde unserer Republik anzugehen, ihr bei«erfolaung politischer Untersuchimgs- gefangener Handlangerdienst« zu leisten t Alles nach dem bekannten Grund. sah«:„Denn ich bin groß und du bist klein" oder wie der eiserne Kanzler des deutschen Reiches sagt:„Macht geht vor Recht." Der Regierungsstatthalter von Biel hat also dem Freiburzer Staats- miwalt gehorcht, und zwar trotzdem der dortige Polizeiinspektor auf ein diesbezügliches, an ihn gestelltes Ansuchen erklärt hatte, zu einem der- artigen ungesetzlichen Ansuchen biete er die Hand nicht. Allein es gibt noch Richter, nicht nur in Berlin, sondern auch in Bern. Poppitz fand in Biel einen Rechtskundigen, welcher sich in seinem Namen an die Anklagekammer des Kantons Bern wandte und, unter Darlegung der Vorgänge, sowie mit Berufung auf die einschlägigen Gesetzes- und Ver- faffungsbestimmungen, verlangte: 1)„Es sei die am S. März auf Befehl des Herrn RegierungLstatt- Halters von Biel durch seinen Aktuar A. gegen ihn(Poppitz) vollzogene Hausdurchsuchung und erfolgte Beschlagnahme eines Briefes als ungesetz- lich zu erklären und eS sei dem Poppitz der beschlagnahmte Brief ohne Weiteres in die Hand zu geben; 2)„es sei der Regierungsstatthalter von Biel und dessen Aktuar A. für den Poppitz verursachten Schaden verantwortlich zu erklären. „Alles unter Kostenfolze." Der Entscheid der hohen Anklagekammer des KantonS Bern ist datirt vom 7. Mai 1887 und lautet wie folgt: „In der Beschwerdesache des Emil Poppitz, Schriftsetzer in Biel, gegen den Regierungsstatthalter von Biel, haben wir in unserer heutigen Sitz- ung beschlossen: 1)„Dem Regierungsstatthalter von Biel und dem Aktuar A. wird ein Verweis ertheilt. 2) Dieselben werden zu 25 Fr. Entschädigung an den Beschwerdeführer Poppitz verurtheilt, und zwar hat der Regierungsstatthalter'/«»der Ar. 18 75 und A. V« oder 6 25 zu bezahlen. 8) Mit den weiteren Begehren wird der Beschwerdeführer Poppitz abgewiesen." Zeller's Brief war also offenbar vom Regierungsstatthalteramt Biel schon ausgeliefert worden, weshalb die Anklagekammer auf Viesen Punkt gar nicht mehr eintrat, um allen Komplikationen mit dem deutschen Reich auszuweichen. Der Regierungsstatthalter von Biel hat aber gewiß inzwischen seinen Uebereifer schon mannigfach bereut und wird sicherlich für alle Zukunft von demselben befreit sein. Der Schweizer Arbeiter endlich merke sich noch: wenn irgend Jemand ihn in seinen, von Gesetz und Verfassung gewährleisteten Rechten an- tasten will, so ducke er sich nicht, sondern wende sich vielmehr Vertrauens- voll an die Behörden, welche die Aufgabe haben, über diese seine Rechte zu wachen. Wo kein Kläger, ist auch kein Richter. Wer aber den Muth hat, sein Recht zu suchen, wird es auch finden. Und nur wenn der- jenige, welcher im Rechte ist, auch diesen Muth hat, geht Re�t vor Macht!" Wir haben diesen trefflichen Ausführungen nur wenig anzufügen. Die Nutzanwendung für die Schweizerischen Arbeiter hat der Verfasser selbst gezogen, und es wird wohl auch in der übrigen Bevölkerung der Schweiz Leute geben, welche einen derartigen Liebesdienst, wie ihn der betreffende Regierungsstatth üter in Biel der Freiburger Staatsanwaltschaft geleistet, gleich dem Bieler Polizei-Jnspektor als eines republikanischen Beamten unwürdig betrachten. Solche„Gesälligkeiten" müssen von allen, denen an der Unabhängig- keit der Schweizerischen Republik gelegen, um so schärfer verurtheilt werden, als bekanntlich mit dem Essen der Appetit wächst, und die Preußen, oder richtiger Russen, die jetzt in Deutschland regieren, all- mälig mit immer unverschämteren Zumulhungen kommen würden. In Preußen-Deutschland arbeitet man, wie in keinem zweiten Lande der Welt, auf die Realisirung der Polizei-Jnternational« bin. Der Fall Neve ist eigentlich noch harmlos im Verhältniß zu dem oben geschilderten Handel. Neve wurde zwar aus belgischem Boden von preußischen Spitzeln„überwacht"— und wo trieben sich heute nicht preußische Spitzel herum?—, aber wenigstens anstandshalber auf preußischem Boden verhaftet, hier abeq läßt eine deutsche Behörde ganz unverfroren auf schwerzerischem Gebiete eine Konfiskation, eine Brief-Stieierei vornehmen. Und in was für einer Sache! Wenn eS sich noch um einen höllischen Plan zur In die Luft Sprengung des Kaiserlichen Palais in. Berlin, um das Leben des Monarchen oder irgend eines seiner(dem Lande) sehr „theuren" Beamten gehandelt hätte! Aber nichts dergleichen. Das ganze Attentat bestand in der Unterstützung der Familie eines Mannes, der das fluchwürdige Verbrechen begangen, kür die R e i ch s t a g s w a h l— einen gesetzlichen Akt!— im Sinne/ der Sozialdemokratie zu wirken! Freilich, der Mann, der das Verbrechen begangen, gehörte noch der A�rmee an, und nur wenn es zum Todtschießen oder Todtgeschossen- werden geht oder in dem Phrasengeschwulst der Reichspoeten heißt diese das„Volk in Waffen", für gewöhnlich ist die Armee und was zu ihr gehört, nicht Volt. Wie kann daher ein„Soldat" es wagen, sich als Mann des Volkes zu fühlen und für die Familie eines Demokraten zu sammeln! Das ist Hochverrath, Landesverrath, und einen solchen zu ermitteln, ist die Schweiz moralisch verpflichtet.... Jndeß, die Ironie ist hier so wenig am Platze, wie seinerzeit bei der Auslieferung Deutsch-L..lighin's, die ja auch in Freiburg inszenirt wurde— hier ist nur eine Sprache erlaubt, die uneingekleidete Sprache der Entrüstung. Pfui über eine so schmachvolle Polizeiwirthschast, und vfu: über Alle, die derselben Vorschub leisten, sei eS nun direkt oder indirekt. > Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 22. Juni 1887. — Das Bürgerthum ist heute in allen Ländern in moralischer Rückeutwickluug begriffen, nirgends aber tritt dieser Prozeß so ver- Heerend auf als tn Deutschland. In Enzland, in Frankreich, in Amerika gibt es doch neben der reaktionären Bourgeoisie noch radikale bürgerliche Parteien, die einen beachtenswetthen Faktor im öffentlichen Leben bilden— in Deutschland aber wird der bürgerliche Radikalismus bald nur noch eine mitleiderregende Ruine sein. Man erinnert sich, welch jammervolle Rolle die„Deutschfreisinnigen", der linke Flügel deS deutschen Bürgerthums, bei der letzten Reichstagswahl spielten, wie sie aus Furcht vor der Sozialdemokratie für ihre wüthendsten Gegner, für die Nationalliberalen und selbst die Konservativen, d. h. für die Bertreter der reaktionären Bourgeoisie und des feudalen Junkerthums, stimmten. Trotzdem sie für diese klägliche Handlungsweise von allen Seiten nur Spott und Hohn geerntet, trotzdem sie ihre politische Position durch die- selbe nicht nur nicht gebessert, sondern noch verschlechtert haben— sie werden von ihren reaktionären Widersachern nicht einmal mehr gefürchtet— haben sie bei der nunmehr erfolgten Neuwahl zum bayerischen Landtage dasselbe Schauspiel wiederholt. Obwohl die National- liberalen den Führer der Freisinnigen, Herrn von Stauffenberg, in seinem bisherigen Wahlkreise in einer Weise kalt stellten, wie sie verletzender nicht gedacht werden kann, bieten in N ü r n b e r g die Freisinnigen den Nationalliberalen unterthänigst ein neues Mandat an — nur um sich ihrer Hilfe gegen die Sozialbemokraten zu versichern. Nnsähig, den ausstrebenden Elementen im Volke, den„neuen Schichten", Rechnung zu tragen, klammern sie sich ängstlich an die Rockschöße der politischen Reaktion, die sie angeblich bekämpfen wollen, ruft ihr Wort- führer, Herr Erhard, den bürgerlichen Wählern zu:„Wählen Sie, wen Sie wollen, nur leinen Sozialdemokraten!" Dieses Wort, im Munde eines Führers einer bürgerlich-demokratischen Partei, ist das Todesurtheil derselben. Es ist die Proklamirung des KiassenkampfeS der Besitzenden gegen die Besitzlosen. Die bürgerliche Demokratie lann aber nur dadurch leben, daß sie den Gegensatz, der die mchtprivileguten Klassen, namentlich Kleinbürgerthum und Proletariat, trennt, zu überbrücken trachtet oder wenig- stens durch Betonung der vorläufig gemeinsamen politischen Ziele in den Hintergrund drängt. Jedesmal noch, wo sie das vergaß, jedesmal, wo sie ihre Front gegen die von link« andrängenden Element« richtete, hat sie die Kosten dieser„Gesellschastsrettung" selbst zu zahlen gehabt, hat sie für ihre Gegner von rechts die Kastanien aus dem Feuer geholt. So oft hat sich daS schon wiederholt, daß lediglich totale geistigeJmpotenz oder moralischeBersumpftheit fähig sind, allen gemachten Erfahrungen zuwider eine Taktik einzuschlazen, bei der die eigne Partei in jedem Falle nur Schaden ernten kann. Die geistig bedeutenderen EUmente der„freisinnigen Partei" würden daher auch vielleicht eine andere Parole ausgeben, bezw. ausgegeben haben, aber sie haben den Muth nicht dazu. Ihrer sind nur ein sehr kleines Häuflein, und sie würden im Gros der Partei— wenn man noch von einem solchen reden darf— keine Gegenliebe finden. Das Gros der Partei ist depravirt, die kleinen Geister, die Lokalgrößen, können sich über den engen Horizont des Spießbürgers nicht emporheben, und so ziehen sie den Kampf gegen die Rothen dem Kampf gegen die Großen schon deshalb vor, weil er weniger gefährlich ist. Was daS Klasseninteresse allein nicht bewirkt, daS bewirken ergänzend geistige Trägheit und polttische Feigheit. Es ist unseres Erachtens ein sehr einseitiger Schluß, der zu verhäng- nißvollen Jrrthümern führen müßte, wollte man die Zersetzung der bürgerlich-liberalen Partei in Deutschland ausschließlich auf Konto der vorgeschrittenen wirthschaftlichen Entwicklung setzen. Wir sind gewiß die Letzten, den gewaltigen Einfluß dieses Faktors zu unterschätzen, aber so wichtig er ist, so ist er doch nicht der einzige, der auf das Wesen der Parteien einwirkt. Ihm alles zuschreiben, heißt Bismarck undseine Helfershelfer, heißt die Verbrecherbande, welche heute in Preußen- Deutschland den Ton angibt und überall Korruption säet, überall Fäulniß hervorruft, freisprechen. Was ein Mensch vermag, um ein Volk systematisch herabzudrücken, das hat der Mann gethan, der sich von seinen bezahlten Lobrednern der Genius Deutschlands schimvien läßt. Der Genius Deutschlands I Es ist eine Ausgabe, eines Geschichtichreibers würdig, nachzuweisen, wie von dem Tage an, da der Einfluß dieses Mannes datirt, das Werk der Korrumpirung deS öffentlichen Geistes in Deutschland beginnt, und wie nach und nach diese Korruption aus alle Gebiete des öffentlichen Lebens ausgedehnt wird. Ran wende nicht ein, das hieße ihm zu viel Ehre erweisen. Die„Ehre" verschwindet vor der Analyse der Umstände, die ihm sein niederträchtig Werk erleichterten. Ist Bismarck größer als sein Vorbild Bonaparte, weil er mehr Erfolg hatte al dieser? Wie bescheiden waren die materiellen Machtmittel, die Bonaparte zur Verfügung standen im Verhältniß zu denen, die einem Bismarck bei seinem KorruptionSwerk zur Seite stehen! Napoleon war an gewisse Traditionen gebunden und handelte unter eigner Berantwort- lichkeit, Bismarck aber folgt nur seinen Instinkten und ist für all sein Thun und Treiben durch den Hinweis aus feinen„kaiserlichen Herrn" geschützt, den sein Alter über oder unter— wie man will— jede Kritik stellt. Ein Vorzug nur zeichnet Bismarck aus. Napoleon besaß gewisse literarische Neigungen, er schwärmte für Schiller, interessirte sich für römische Geschichte ,c.— wer kann einem Bismarck dergleichen noch- sagen? Der Protektor eines Schwenninger weiß sich über solche Schwächen —„Sentimentalitäten" laut Busch— erhaben. — Ende gut, Alles gut— das kann man mit Fug und Recht von der am letzten Sonnabend geschlossenen Session des deutschen Reichstages sagen. Die letzte Sitzung war ein wür> diger Schlußstein zu all den Nichtswürdigkeiten, deren dieses Produkt der Lüge und brutalen Gewalt sich seit dem ersten Tage seines Zusammentritts schuldig gemacht. So zynisch frech hat wohl noch nie eine Körperschaft, die sich den Namen einer„Volksvertretung" beilegt, alle Pflichten einer solchen mit Füßen getreten, als es dieser Reichstag gethan. Er war oder vielmehr er i st eine S ch a ch e r b u d e, in der die einzelnen Koterien der an der Krippe sitzenden Ausbeuterpartsien mit der reaktionären Regierung Tauschgeschäfte schmutzigster Art machen auf Kosten des arbeitenden Volkes. Brauchst Du mehr Soldaten— hier hast Du sie, gib uns dafür eine anständige Schnapsprämie. Wollt Ihr Eure Zuckerprämien behalten? Gut, so bewilligt mir dafür eine anstän- dige Konsumsteuer. Und die Spießbürger, die aus unsere Versprechungen angebissen? Schön, die kriegen einen Jnnungsknochen vorgesetzt, der wieder für«ine Zeitlang vorhält. Und die Bauern? Auch die sollen etwas bekommen, das ihnen Freude macht und uns nichts kostet. Die arme Großindustrie? Der werden die Arbeiterschutzgesetze, die der Reichstag anstandshalber bewilligen muß, geschenkt werden. Im Uebrigen hat sie ihr«.Schutzzölle weg und ist zufrieden, wenn wir die Arbeiterkayaille in Zaum halten. So ging es vom ersten Tage an, bis zum Schluß. Dazwischen kamen die Komödien, Wahlprüiungen genannt, wo Regierung und Kartell- Parteien die verübten Wahlbettügereien gegenseitig guthießen. Uner- laubte Wahlbeeinflussungen gibt es in Deutschland überhaupt nicht mehr, —„erlaubt ist, was gefällt," sagen die vereinigten Kapital- und Land- protzen mit Tasso. Am letzten Tage trieb der nationalliberale Vizepräsident Buhl die Schamlosigkeit so weit, die Debitte über die Wahl des Herrn Hartmann in Plauen(28. sächsischer Wahlkreis) da- durch zu verhindern, daß er den Lärm, den seine Parteifreunde im Saale machten, dazu benutzte, sie, eh- noch ein Abgeordneter der Oppo- sition das Wort ergreifen konnte, mit Taschenspieler-G-schwindigkeit für„erledigt" zu erklären. Ebenso wie mit den Wahlprüfungen machte man es mit den Berichten über den Belagerungszustand. Die skandalöse „Erledigung" des Berichts über den Stettin er Belagerungszustand wurde noch übertroffen durch die Art, wie der Bericht über den S p r e m< berger Belagerungszustand abgethan wurde. Selbst der Nachweis Hasenclevers, daß der Bericht der Regierung Lügen enthalte, konnte weder das„hohe Haus" selbst noch den Rezierungsvertreter aus ihrer Ruhe bringen.„Es wird Ihnen nicht gelingen, uns zu einer Debatte zu provoziren", erklärte Herr Bötticher, als Singer das Schweigen der Herren vom RegierungSttsche als Zugeständniß sür die Schlechtigkeit ihrer Sache bezeichnete. Eine Lüge? Wer wird sich um eine Lüge, um ein Dutzend Lügen kümmern in einem Reichstag, dessen Mehrheit nur zustande gekommen, weil ein ganzes Netz von Lügen über die Wähler- schast ausgebreitet worden? tlnd daher schwiegen die Regierungsvertreter und schwiegen die Volks vertteter. Und warum sollten diese nicht schwei- gen? Der Belagerungszustand greift ja nur in die elementarsten V o l k s- rechte ein, er ist eine schreiende Verletzung des Heimath s- rechts, dieses Urrechts aller Zivilisation, wer wird um so etwas die Hand rühren? Ja, wenn es sich um Schaffung neuer Pöstch-n für die unversorgten Söhne der oberen Zehntausend handelte, das wäre etwas anderes, da würden patriotische Reden gehalten, denn— daS„Vaterland" über alles I Und diesem korrupten Reichstag, dieser schamlosen Schachergesellschaft, gab zum Schluß Herr Bötticher„auf besondern Befehl Seiner Majestät deS Kaisers" für die an den Tag gelegte tteue Pflichterfüllung den Dank und die Anerkennung desselben als Segensspruch mit auf den Heimweg! „Neunzig Jahre— Kinderspott l" — Unser Protest gegen die Annexion Huttens von Seite« der Sytophanten des neudentfchen Kaiserreichs hat es einem loyalen Anhänger deS Letztern angethan. Wir erhalten folgende Zu- fchrift: „Verehrliche Redaktion des„Sozialdemokrat"! Der„Sozialdemokrat" bringt in seiner Rr. 28 einige Notizen über Ulrich von Hutten und nennt ihn unter Anderm einen Sozialdemokraten seiner Zeit. Schwerlich wird diese Darstellung aufrecht erhalten werden können, wenn man sich nachfolgende Worte Huttens vorführt, die seinem Aufrufe vom Jahre 1518 angesichts des drohenden Türkenkrieges«nt- nommen sind: „Zur Einigkeit aber gehört insbesondere noch, daß, wie überhaupt, so vor Allem in diesem Kriege, Einer das Haupt, der Führer sei, dem alle Andern unbedingte Folge leisten. Im Kriege liegt am Feld- Herrn mehr wie am Heere. Was würde der Türke darum geben, wenn wenn er euch ohne Führer oder ohne Gehorsam gegen diesen fände. Den Führer habt ihr; nach des gesammten Deutschlands Wahl und Willen ist es Kaiser Maximilian. Er ist dieser Stellung würdig, also folget ihm. Keine Ruhe noch Rast hat er bei Tag und bei Rocht, und wir, wenn er einmal seiner Pflicht gemäß Einen straft, schreien über Druck und klagen über Dienstoarkeit; Freiheit aber nennen wir es, um das Reich uns nicht zu kümmern, dem Kaiser kein« Folge zu lei- sten und ungestraft uns Alles zu erlauben. Man bedenkt nicht, daß derjenige, in welchem man nur den lästigen Herrn sieht, vielmehr der Erhaller der Freiheit ist." Zum Sozialdemokraten, auch im Sinne seiner Zeit, fehlte demnach Hutten das Hauptsächlichste, nämlich Jndlfferentismus gegen da» Vater- «t°ß rtgei scher nah kevti H4' habt «err beut land und Feindschaft gegen dessen Oberhaupt, vielmehr kennzeichnen dies« D Worte ihn als einen für Kaiser und Reich begeisterten Patrioten, sowohl jäh im Sinne der damaligen wie der jetzigen Zeit. Wenn ferner in de« Reiä betreffenden Artikel die Sozialdemokratie als Nachfolgerin Hutten's b«> zeichnet wird, so sprechen dagegen folgende Worte aus einem Send- schreiben Huttens von der Ebernburg vom Jahre 1520: „Stets habe ich Aufruhr gemieden, zur Empörung nicht Ursals geben wollen, und zum Beweise, wie wenig es meine Absicht war, einen Umsturz der öffentlichen Zustände herbeizusühren, habe i»m,st»nS er»? has� mit Ihnen diskutiren können. Aber in der Aera des KulrurfrieddJ mit Rom und der Ausnahmegesetze wider die Arbeilerklasse einen Hütt«» als das Urbild eineS Bismarckischen Reichstreuen zu reklamirm, ist wü- lich Ver Gipfel der— Ehrlichkeit und Wahrheitsliebe! J o der geni dier »eh äff« 81 bi West was trat V ins wo S g-ri spie «irl in! sitze z wü, la « tro: doä I — Auch„Arbeiterver treter"..... christelnde Staatsanwalt und Reichstagsabgeordnete Hartman� (Plauen) hat mitunter An Wandlungen von Komik. Als z. B. in vorig» Woche bei Berathung der jämmerlichen Beschlüsse der jämmerlich» „Arbefterschutz Kommission"(wie sie schönrednerisch noch immer benai» Der fozialreformelnde, praktiss iun »l l dies wird) unser Genosse Meister sein Bedauern darüber ausdrückte, dl keine Aibeiteroertreter in der Kommission seien, erhob sich unser scher Hartmann und meckerte mit theatralischer Geberde: „Der Herr Vorredner sagt, es sei kein Arbeitervertreter in der Ko» Mission. Er hat Recht— es ist allerdings nicht Einer drin, es P 28 Arbeitervertreter in der Kommission. 23 Mitglieder des Reichstag haben die Kommission gebildet, und alle 337 Mitglieder deS Reichstag sind Vertreter des gesammten Volkes, also auch der i' b e i t e r. Und ich weise im Namen der Kommission den Anspruch* Sozialdemokraten, ausschließlich die Vertteter der Arbetter zu sein»»» schieden zurück." Sprach's, und setzte sich stolz nieder unter„Bravo rechts." Ei, liebes Staatsanwältchen— ganz neu ist daS nicht, was Si»' gesagt haben, aber desto komischer. Schon Ihr oberster Chef, der JuN» 0 Eisenstttn, sagte emst:„Auch i ch gehöre zum Volk." Und er m»'» L sogar: ,�Jch bin das Volk." Und hörten wir nicht zu des selig' ~ � itm den 1 de» Mit sire si- Z th« Ion blv! gen Frc Ä >s f Schulze-Delitzsch Zeiten zehntausendmal die Kapitalisten und Arbeitgl betheuern:„Auch wir find Arbeiter!"? Ob manchesterlicher oder sozial polizeilicher Kapitalismus, das sich gleich— Kapitalismus ist Kapitalismus. Und wenn„wir K listen"„auch Arbeiter" sind, find wir natürlich, wenn wir uns Mandat— je nun, erworben haben, auch«Arbeiter»»' t r e t« r." Das ist Logik. Und ein Staatsanwalt muß doch wahrhaftig Logik' Leib haben— freilich nicht immer im Schädel. O wie der staatsanwalttiche„Witz" im deutschen Volk belacht wen' wird, und mit welcher Wonne der deutsche Arbeiter den letzten Arbeit» groschen und der deutsche Bauer„die letzte Kuh" dem Exekutor hing»� wird, wenn er sich dabei sagen kann:„Es sind lauter Arbeitervertt»� die dir die 200 Millionen neuer Steuern und die 383 Millionen v Nachttags-Etat aufgehalst haben-- zu deinem Besten." Im Sprichwort heißt es: die Rose duftet gleich süß, welchen Na»» sie auch habe. Das gilt aber jedenfalls nicht vom Geld und von v, Steuern. Das Geld duftet viel süßer und klimpert viel lustig»». den Junkertaschen, wenn von„A r b e i t e r v e r t r e t e r n" pflichtsiss digst gewährt, statt von hungrigen Ag---'--- ritterlich geraubt. Und die Steuern zahlen wenn sie von„Arbeftervertretern" aufgeladen sind, lichen Raubrittern.'„ Herr Hartmann ist ein Schlaumeier und er weiß das. Und r Kollegen find gleichfalls Schlaumeier— darum daS wohlverdi»' „Bravo rechts". unt ver l 1 zivi Sie' Sr ein der : e t e r n" pflichM zrariern ra»' sich zehnmal leich? nd, statt von ju»' vi Nid lies tte fo» »n -»! die so »n — Puttkamer Lügen gestraft— das ist nichts Merkwürdig und nichts Neues— lügt er doch ost genug— was aber merkwi»� und meu, er ist Lügen gestraft worden von einem amtlichen� gierungsorgan— von der„Leipziger Zeitung", die bekan»8 unberechenbar ist und manchmal die Wahrheit sagt. Stn-insr ikr-r Itfaten Nummern—«nm 11. ds.— Evtttrtt sie tr. dr. 6, au so n» k»! «i daß die verbrecherische Thorheit der Regierung und der Reg'eru>" Parteien die Arbeiter noch zu einer„allgem einen Er heb»»' treiben wird.„Thatfächlich werden die Arb»«' durch das Elend hierzu gezwunge n." � Gewiß sehr vernünftig, das; und wenn Herr Puttkamer das � wird ihm der Kops schwindeln. Doch das ist nicht daS Schlimmste. ten biet« , sowohl in be» en's be> t Senden will, eutheler Rott, p en. hrist.) J f unser« lieben» ansons vielmehi' ngsdiff« u gebe»! Um ei« inwäim ist gege« ialdem» unb eh? -n Kais« em kaB -r last« ber bot Sie isM •i'- ill5' Der bedenklichste Passus bei Artikels ist ber, welcher von ber vor- jährigen Erhebung hanbelt, bie bekanntlich in ber vorjährigen Aeichstagsbebatte über bie Verlängerung bes Sozialistengesetzes eine sehr Kroße Rolle spielte. Damals beklamirte Putty-Puttkamer mit bem ihm eigenen„sittlichen" Pathos: Diese Unruhen seien bas Produkt sozialistischer Wühlereien, und wenn Deutschland sich vor ähnlichen Greueln be- wahren wolle, müsse das Sozialistengesetz verlängert werden. Die sozial- demokratischen Rebner antworteten bem„bestbezahlten Minister", die belgischen Sozialisten hätten mit jenen Unruhen gar nichts zu thun ge- habt; bie Ausstände seien einsache Hunger-Ausstände, Explosionen der Verzweiflung. Wohlan, die„Leipziger Zeitung", das amtliche Organ der sächsischen Regierung, gibt in dem erwähnten Artikel den sozialdemokrattschen Red- »ern Recht und straft den deklamirenden Puttkamer in scharfen, unzwei- beutigen Worten Lügen, indem sie schreibt: »Auch die Erhebung des vorigen Jahres war noto- bisch durch das Elend der Arbeiter hervorgerufen." Ob Puttp nicht von der Leipziger Kreishauptmannschaft »erlangt, daß sie die„Leipziger Zeitung" auf Grund des Sozialisten- gesetzeS unterdrückt? Eine schlimmere„Ausschreitung" und ein umstürzlerischeres Beginnen kann es doch nicht geben, als daß«ine Zeitung die Arbeitererhebung aus dem Elend der Arbeiter erklärt und den Regierungen die Verantwortlichkeit dafür ausladet— und obendrein, um das Maß voll zu machen, den obersten deutschen Polizei- Minister Exzellenz von Puttkamer für einen Lügner erklärt! Die„Leipziger Zeitung", das amtliche Organ b-r sächsischen Regierung, auf Grund des Sozialistengesetzes verboten— das wäre doch ein Schauspiel für Götter und würde selbst der weisen Minerva ein homerisches Gelächter entlocken. Und verdient hat fie's wahrhaftig— nicht die weise Minerva, aber o>o»Leipziger Zeitung". � Man schreibt uns auS Deutschland: rBRIt der Gerechtigkeit ist unserer Justiz auch die Scham ab- nden gekommen. AnverS läßt es sich nicht erklären, daß für den och» und Landesverrathsprozeß gegen die E l s ä s s e r, der diese Tage vor dem Reichsgericht spielte, die Oeffentlichkett un- flenirt bewilligt worden war. Wohl hat es schon Prozesse gegeben, die an sich ebenso standalös, ja Noch skandalöser waren, aber diese Prozesse richteten sich gegen Soual- demokraten, und Sozialdemokraten sind vogelfrei in der öffentlichen Meinung, welche von den besitzenden Klassen gemacht wird. Ja, die Verfolgung und juristisch- Vergewaltigung der' Sozialdemokraten gilt vor dem Forum jener öffentlichen Meinung als eine lobenswerthe, ver- dienstliche Handlung. In Prozessen gegen Sozialdemokraien hatten die Behörden— Richter wie Polizei— also niemals zu befürchten, daß die öffentliche Meinung ihnen ein Halt! oder Pfui! zurufen würde. Anders mit dem jetzigen Prozeß. Hier waren Bourgeois und Bourgeoisfteunde die Angeklagten; Männer, deren Verbrechen einzig darin besteht, Mitglieder der Patriotenliga ge- Wesen zu sein— eine Handlung, die so ähnlich als möglich dem ist, was unsere Großväter thaten, als sie dem„Tugendbund" bei- traten. Und man weiß, wie arg in allen unseren Schulbüchern mit Napoleon ins Gericht gegangen wird, weil er den Mitgliedern des Tuzendbundes, wo er sie ausschnüffeln konnte, den Prozeß machte. Alz die Nachricht in's Publikum drang, es solle sich vor dem Reichs- gericht ein großer Hoch- und Landesverrathsprozeß gegen Elsässer ab- spielen, erwartete Jedermann eine sensationelle vauss celäbre: Bismarck wird sich revanchiren l Es«erden drastische Enthüllungen kommen, und ip Wirklichkeit wird die französische Regierung auf der Anklagebank sitzen. Das war die allgemeine Erwartung. So allgemein, daß die Macher des Prozesses einige Tage vor Beginn der öffentlichen Gerichtsverhand- wNgen(am 13. ds. Mts.) eine Notiz durch verschiedene Blätter gehen iwßen, des Inhalts: das Publikum solle sein- Erwartungen nicht zu h»ch spannen— dramattsche Zwischenfälle und sensationelle Enthüllungen würden schwerlich vorkommen. «Aber die Leute haben doch wenigstens k o n s p t r i r t! Sich in «andeSverrätherische Korrespondenz eingelassen I" So tröstete sich das Publikum, das, nach dem gewaltigen Lärm- »rommelrühren der Reptilien, von dem Glauben nicht lassen konnte, daß boch zum Mindesten ernste, greifbare Handlungen vorliegen müßten! Und nun, trotz der vorherigen offiziösen Herabstimmung und Abwiege- «ung, welche Enttäuschung! Die Angeklagten waren Mitglieder der„Patrioten-Liga". DaS ist Alles. Und aus diesem AlleS, daS Nichts ist, hatte die Anklage, die in »««fem Falle durch unsern alten Freund T e s s e n d o r f vertreten ward, den Hoch- und Landesverrath zu„konstruiren". Und der alte, alte„konstruktive Hochverrath" ward denn auch nach dem alten, alten Rezept„konstruirt": Die Angeklagten erstreben, was wit der heutigen Staatsordnung nicht verträglich ist, folglich er- «reden sie den Umstur, der heutigen Staatsordnung, folglich sind sie Hochverräth-r. Daß Herr Tess-ndorf kein neues Ingredienz in das alte, alte Rezept that, das brauchen wir Niemand zu versichern, der diese klassische Ver- körperung der Langeweile und der geistigen Impotenz kennt. Nein, wer blos einmal ernen Blick in dieses blöde Auge, auf diese öde Physiognomie geworfen hat. „Die Patriotenliga erstrebt die Wiedervereinigung des Elsasses mit vrankreich. Aus gütlichem, friedlichem Wege ist die Wiedervereinigung Nicht möglich, weil Deutschland die Reichslande nimmermehr gutwillig »«ausgibt— sie ist nur möglich durch einen Krieg, ergo erstreben die »««Biteber der Patriotenliga einen Krieg Frankreichs gegen Deutschland, und dieses Erstreben ist eben Vorbereitung zum Hoch- und Landes- p«rrath. Eine Sprechmaschine mit Drehorgel hätte eS ebensogut gemacht. Und nun die Wirkung dieser schmachvollen Justizfarce auf die ganze iwiltsirte Welt? Deutschlands Schande an die große Glocke gehängt! n k* wir Unrecht, zu sagen, die deutsche Justiz habe fich des letzten >»«» von Scham entledigt? ®ätze»»blf«e* de» Leipziger Landkreise» haben ihrer chheit und— Ungeschicklichkeit die Krone aufgesetzt, indem sie, aus «Nd der von ihnen bekanntlich insgeheim angestellten„Erörterungen" »M«N Gegenprotest an den Reichstag geschickt haben, durch welchen *«» sozialdemokratische Protest„widerlegt", und die Sozialdemokratie � Nicht bloS des Leipziger Landkreises, sondern von ganz Deutschland— «svralisch vernichtet werden soll. Man denke: moraltsch ver- «ätzlet durch den— Sparig. Der Gegenprotest hat, wie sicherwarten "«o, eine dem Verfasser— Sparig— und dessen Helfershelfern keines- ?rgs günstige Aufnahme gefunden. Sogar nationalliberale Reichsboten P«»en es doch ein Bischen stark, daß ein Sparig ihnen Vorlesungen *w«r das Wesen der Sozialdemokratie und über Wahlfreiheit halten will; ?«» hätte der berüchtigte Götz überhaupt noch Chancen gehabt, sein '«Ichwindeltes und ergaunertes Mandat zu retten- in Folge dieser «Ueften Sparigiade, die im Reichstag von Hasenclever nach Ver- ,««st und ohne Widerspruch mit dem Brandmal der„I n- versehen ward, wären die letzten Chancen jetzt vollständig f a m i e» Mrstiftt. . Freilich, s«ln Bündel braucht Ehren-Götz noch nicht zu schnüren. Seine �»«N Kartellbrüder haben dafür gesorgt, daß die Wahl erst in nächster J�sston vor den Reichstag kommt. Dann wird die„Beanstandung" »«»gesprochen und eine Untersuchung angeordnet werden, deren >ultat aber erst in der letzten Session dem Reichstag zugehen wird, ''.»aß Ehren-Götz ziemlich bis zum Ende der Legislaturperiode den Ge- «Uß des gestohlenen Guts haben wird. Auch in früheren Reichstagen 'amen, wie man weiß, ähnliche skandalöse Verschleppungen vor. -■Da» Sparig'sche Machwerk enthält u. A., um die Unglaub. wlltdtgleit der sozialdemokratuchen Zeugen darzuthun, folgenden Satz: „Ganz abgesehen davon, daß früher schon den Parteigenossen empfohlen wurde, ein tsyrenwort zu geben, um da» Ehrenwort zu »rechen, eine Unterschnft zu geben, um die Unterschrift zu ver- »«ugnen, ist neuerdings sogar der Meineid im Interesse der Partei durch da» offizielle Parteiorgan al» durchaus nichts Ehrenrühriges prollamirt worden." osegen Hajenclever im Retchstag erllärte: „Meine Herren, da wir die offizielle Parteivertretung sind, und man hier von einem offiziellen Parteiorgan redet, und weil wir für die Haltung dieses Blattes vom Ministertische und überall verantwortlich gemacht werden und gemacht worden sind, deshalb bezieht sich dieser Satz direkt auf mich und meine Genossen, die hier im Reichstag sind. Und nun erkläre ich, daß ich diesen Satz als eine verleumderische Beleidigung gegen mich und meine Parteigenossen betrachte und ganz entschieden hier zurückweise, um so mehr, da im vorigen Jahre die sozial- demokratische Fraktion öffentlich in allen Blättern erklärt hat, daß dieses Organ gar nicht mehr mit ihr in Verbindung steht. Hier liegt eine Verleumdung vor. Ich weise sie zurück, und«in solches in- fames Schriftstück kann nur der Verachtung der Menschheit anheimge- geben werden." Da der„Sozialdemokrat" direkt angezogen ist, so wird man es be- greiflich finden, daß auch wir zu der Sache das Wort ergreifen. Und da haben wir nur zu erklären, daß wir, unbekümmert um das Geschreibsel» der Spariz und Konsorten, nach wie vor zu dem stehen, was im„Sozial- demokrat" über die Eidessrage geschrieben wurde. Diese, jeder Spur von Anstands-.und Ehrgefühl baren politischen Abenteurer wären die letzten, bei denen wir uns Auskunft darüber holten, was ehrenrührig ist oder nicht, sie sind die Allerletzten, die befugt wären, uns Vorlesungen über die Heiligkeit von Eiden, über die Verbindlichkeit von Unterschriften, über den Werth des Ehrenworts zu geben. Seit wann hat der Strauch- dieb, der gemeine Straßenräuber, da» Recht, in„moralischer Entrüstung" zu machen? Reineke Fuchs als Sittenprediger ist hundertmal mehr an seinem Platze als Sparig, wenn er sich anmaßt, über politische Moral zu deklamiren. Wir sollen Belehrungen über die Heiligkeit des Eides entgegennehmen von Leuten, deren gefeierte Führer, Bennigsen, Miguel ,c.. den E i d- b r u ch zur polittschen Tugend erhoben haben! Die vor einem Manne bauchrutschen, der seine ministerielle Lausbahn mit einer Politik eröff- nete, die nach dem Zeugniß des Herrn Gneist„das Kainszeichen des Eidbruchs" an der Stirn« trug! Von Leuten, die einen Stöcker, einen Jhring-Mahlow, ein ganzes Heer von meineidigen Schuften an ihren Rockschößen hängen haben, von Leuten, die jene Richter mit Stolz zu den Ihrigen zählen, von denen jeder politische Rechtsspruch eine freche Verhöhnung ist des von ihnen beschworenen Grund- satzes der Gleichheit Aller vor dem Gesetz! Ihr wagt es, von Ehrenwort und Unterschristen zu reden, Ihr Buben, die Ihr jene Biedermänner zu Abgeordneten habt, die den Wählern ihr Wort gaben, dafür einzutreten, daß die Mehrausgaben für das Heer durch eine von den Besitzenden zu tragende Einkommensteuer gedeckt werden sollen, und die dann im Reichstage gegen die Einkommensteuer und für die Erhöhung der von der Masse der Besitzlosen zu tragenden indirekten Steuern stimmten? Ihr wagt es, von Unterschriften zu reden, Ihr, die Ihr das Erpressen von Unterschristen zu einer polittschen Industrie erhoben? In der That, das hat grade noch gesehlt, um Eure m o r a- tische Verkommenheit in ihrer ganzen Größe erscheinen zu lassen. Wir wissen nicht, waS die sozialdemokratische Fraktion veranlaßte, schon jetzt, ehe noch die Wahl selbst zur Debatte stand, die Insinuationen des Sparig-Götz'schen Brüderpaares zurückzuweisen, und wollen auch über die Form, in der es geschah, nicht mit ihr rechten. Den Wunsch aber können wir nicht unterdrücken, daß wenn später bei der Debatte über die Wahl Gelegenheit sein wird, auf Protest und Gegenprotest materiell einzutreten,«S sozialistischerseits nicht bei bloßen Verwahrungen sein Bewenden haben, sondern einmal der Spieß umgekehrt und unter Hinweis auf die neueste Geschichte die Eidestheorie der Spitzen der heutigen Gesellschaft in's rechte Licht gestellt werden möge. Wir aber wiederholen, was schon im Jahr 1880, gelegentlich des Fall Ibsen, im„Sozialdemokrat" dargelegt wurde: So lange die herrschende Reaktion in Deutschland den politischen Zeugeneid als ein E r p r e s- s u n g s m i t t e l benützt, Arbeiter vor die schmähliche Alternative stellt, entweder Gesinnungsgenossen, die nichts gethan als ihrer politischen Pflicht nachzukommen, ans Messer zu liefern, weil ihnen ein schmach- volles Ausnahmegesetz die Pflichterfüllung verwehrt, oder aber die Un- Wahrheit auszusagen, so lange werden wir diejenigen, welche den letz- teren Ausweg wählen, nun uyd nimmer als Verbrecher be- trachten. Und wem das unmoralisch erscheint, der sorge dafür, daß die politischen Zustände in Deutschland aushören, ein Hohn auf alles zu sein, was Recht und Gerechtigkeit heißt. — Die Verbreitung de» Manifest», welches das Zentralwahlkomite der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands an die Wähler erlassen hat, und in welchem die herrschenden Zustände, und namentlich auch die letzten Wahlmanöver, trotz sichtlichen Bestrebens nach maßvollem Aus- druck, in schonungsloser Weise gegeißelt werden, scheint die deutsche Polizei ganz aus dem Häuschen gebracht zu haben. An verschiedenen Orten ist es anläßlich dieses Manifests zu den abscheulichsten Polizeiexzessen gekommen. Zum Beispiel in B r e s l a u, wo überhaupt eine wahre Mufierpolizei im Puttkamer'schen Sinne existirt, sind auf die bloße „Annahme" hin, daß der vermeintliche„Geheimbund" die Vertheilung des Manifests in die Hand nehmen könne, die wegen„Geheimbunds" in Untersuchung Befindlichen sofort knall und fall verhaftet worden, darunter auch Geiser. So blödsinnig ist die Breslauer Polizei natürlich nicht, zu glauben, daß Leute, die wegen„Geheimbunds" in Untersuchung sind, die Naioetät haben werden, der Polizei die Beweise des„Geheimbunds" zu liefern. Aber— die Polizei will ihre Allmacht zeigen. Und sie will Sozial- demokraten chikaniren, malträtiren und wo möglich ruiniren. Von einem anderen Gesichtspunkt aus läßt das Verfahren der Polizei sich einfach nicht erklären. Nachschrift. Vorstehendes war bereits gesetzt, als die Nachricht eintraf, daß unmittelbar nach Schluß des Reichstages auch Krück er in Haft genommen wurde. Zweifelsohne gehört auch die Verhaftung des Studenten Mariuse in Würzburg hierher. Der Letztere wird zwar in nationalliberalen Blättern als Theilnehmer an einer„anarchisti- schen Verschwörung" bezeichnet, indeß weiß man ja, welcher Mißbrauch von Polize-leuten und sensationslüsternen Reportern heute mit diesem Wort getrieben wird. Irgend ein strebsamer Schuft in Breslau möchte gern den Staatsretter spielen, und da wird, um nach Belieben einstecken zu können, mit gruseligen Andeutungen„Stimmung" gemacht. Stellt sich hinterher alles als Schwindel heräus, was verschlägt es? Die Polizei ist ini Rechtsstaate Preußen unverantwortlich, und zwar in d-S Wortes vollster Bedeutung, die geschädigten Existenzen aber— Markus« stand unmittelbar vor dem Staatsexamen— nun, die bleiben eben geschädigt. Das ist Alles. — Au» Leipzig meldeten wir schon die Ausweisung deS Druckers und Redakteur» der zuletzt verbotenen sozialdemokratischen Zeitung(„Leipziger VolkSblatt"). Außerdem ist noch der Metallarbeiter Herbst ausgewiesen worden. Und diese Ausweisung ist insofern be- merkenswerth, als der einzige, auch von den Behörden eingestandene Grund der war, daß Herbst bereits auS einer andern Stadt ausgewiesen ist— nämlich aus Stettin. Bisher herrschte nur in Berlin und in Altona, d. h. in den älteren preußischen Belage- rungs Gebieten der Grundsatz, jeden aus einer anderen Stadt Ausge- wiesenen ohne Weiteres auszuweisen. Die Leipziger Polizei hatte dagegen die Praxis befolgt. Ausgewiesenen anderer Städte den Aufenthalt in Leipzig nicht zu verwehren, vorausgesetzt, daß sie nicht agitatorisch thätig waren. Die neue Leipziger Polizeipraxis ist auf direkte Befehle von Berlin zurückzuführen— Befehle, denen um so pünktlicher ge- horcht wird, als ein großer Theil der Leipziger Polizei vom Berliner Polizeipräsidium geliefert worden ist, und die sog«. nannte„politische Polizei" alias die Spitzel- Polizei der„guten See. stadt" feit einiger Zeit fast ausschließlich auS Berliner Spitzeln besteht und unter einem Emissär der„bestbezahlten Exzellenz", von Putty Pult- kamer steht. Ein Glück nur, daß die Brutalttät diese« Puttkämerlinge von threr Dummheit noch übertroffen wird, weshalb sie auch von ihren Original« Leipziger Kollegen mitunter etwas„veralbert" werden. — Im euglisch-u Unterhaus haben am 17. Juni die ver. einigten Tortes und„Liberalen" endlich die irische ZwaugSbill durchgedrückt, mit Hilfe eines sinnreichen Schlußantrags, der über- Haupt keine Debatte mehr zuließ. Em« würdige Vorfeier zu der>n diesen Tagen stattfindenden Feier de« fünfzigjährigen Reg rnentS ihrer huldreichen Majestät Viktoria. Daß fich das Philisterthum aller Stände bei dieser Gelegenheit in allerhand wahnsinnigen Veranstaltungen zur Dokumentirung seiner glühenden Loyalität überbieten werde, war vorauszusehen, doch haben wir Deutschen keine Ursache, deshalb pharisäei Haft aus die Engländer herabzublicken, ist man doch in Deutschland heute in Punkts Servilismus jedem Lande zehnmal„über." Zudem hat bei dem verhältnißmäß gerin- gen Einfluß der Königin auf den Gang der Staatsmaschinerie der eng- tische Loyalismus nicht ganz den streberhaften Anstrich, den er m Deutschland von Tag zu Tag mehr annimmt, und schließlich ist in Eng- land wenigstens der Gegenkritik nicht durch Majestät- beleidigungs Para« graphen der Mund verstopft. Sucht die gutgesinnnte Presse in allerhand Zusammenstellungen die Lichtseiten der Regierung ihrer„huldreichen Majestät", die Ausdehnung der englischen Besitzungen, die Zunahme des sogenannten Nationalreichthums, den Ausbau der Verfassung rc. k. hervorzuheben. so unterlassen es die radikalen und republikanischen Blätter nicht, die Schattenseiten des„glorreichen" Regiments gebührend zu schildern, dem Volke ziffernmäßig vorzurechnen, was nicht nur die ruhmreichen Eroberungen, die Erzielunz des fabelhaften Reichthums, sondern ganz speziell auch der Königsluxus ihm kosten. Die Opposition gegen den Jubiläumsschwindel wird in der rückhaltS- losesten Weise betrieben und kein Staatsanwalt findet sich, gegen die- selbe von Rechtswegen einzuschreiten. Würde in Deutschland nur ein Zehntel von dem gegen den alten Wilhelm geschrieben worden sein, was seine erlauchte Kollegin von ihren getreuen Unterthanen zu hören be- kam, die Berurtheilungen wegen„Majestäisbeleidigung" würden sich auf Tausende von Jahren belausen. Und was ist das Sündenregister der „Witiwe Brown" gegen das des„alten Lehmann"? Welches noch so radikale deutsch: Blatt würde z. B. Folgendes zu schreiben wagen, was der„Christian sozialist"— wohlgemerkt, der „Christian sociali st", das Organ der englischen Christlich- Sozialen— in seinem neuesten Monatsheft schreibt: „Dieier Monat ist der Jubiläumsmonat! Wir sind froh darüber, daß die nichtswürdige Schaustellung von hohler Kriecherei, die das brittische Volk neuerdings an den Tag gelegt, ein Ende nehmen wird, für dies« mal jedenfalls in seiner abschreckendsten Gestalt. Wir tragen kein Ver« langen, über die Sache selbst etwas zu sagen. Carlyle fand die Korn- gesetze zu blödsinnig für ein Kapitel. Wir finden dieses königliche Jubi- läum zu blödsinnig für einen Artikel. „Man vergegenwärtige sich die Dummhett der Geschichte! Eine sehr alltägliche Dame, die sich in keiner Weise im gewöhnlichen Leben her- vorgethän hätte, außer vielleicht durch geriebenen Geschäftsgeist, hat fünfzig Jahre lang den Thron dieses Landes innegehabt. Während dieser Zeit wurde sie für die keineswegs übermäßig harte Arbeit, die sie zu verrichten hatte, reichlich belohnt, und wahrend dieser Zeit hat sie gnädiglichst einen Theil des ihr zu diesem Behuf« vom Volke geschenkten Geldes zu„Wohlthaten" verwendet. „Und einzig und allein weil das fünfzig Jahre hindurch so fortging, muthet man uns zu, vor Freuden außer uns zu sein, erwartet man von uns, daß wir entweder selbst oder durch einen Vertreter an einem dazu bestimmten Tage in der Westminsterabtei ein Dankgebet verrichten.— Wirklich, es ist zu dumm! „Wann wird dieser klägliche Götzendienst vor Rang und Vorrecht in einem angeblich christlichen Lande einmal aufhören? Wann werden wir lernen, alle wahre Männnlichkeit und Weiblichkeit zu achten und zu ehren und nur dem Adel des Charakters, der Erhabenheit der Gesinnung und der Schönheit der Lebensführung Huldigung zu zollen?" So das englische Blatt. Wo findet sich im großen weiten Deutschland ein Geistlicher, der eine ähnliche Sprache führte? Ob Stöcker oder Hoßbach, vor Rang und Vorrecht liegen sie alle auf dem Bauch. — Ein Bravo den Berliner Arbeitern! Unsere Leser werden sich des tragischen Schicksals erinnern, das drei Berliner Sozialisten während des letzten Wahlkampfes ereilte. Die Braven wollten die Wahlliste der Paitei vor den Diebsfingern der Polizei in Sicherheit bringen, und wählten deshalb den Weg über den noch zugefrorenen Spandauer Schifffahrtskanal, dessen Eis sie aber nicht mehr trug, so daß sie einbrachen und ertranken. Diesen Mäityrern ihrer UeberzeugungS- treue haben die Berliner Arbeiter am 14. Juni auf dem Paulsktrchhos in Moabit, wo sie»eben einander begraben liegen, ein würdiges Denk- mal errichl t. Wir lesen darüber im Berliner„Volksblatt:" „Das Denkmal stellt ein Obelisk dar in einer Höhe von ca. 3 Meter und einer Grundfläche von 60:60 Zentimeter, ähnlich dem Amazonen- Denkmal im Jnvalidenpark. Zur Verwendung gelangte böhmischer Sandstein, der hier in Berlin wohl selten zu Denkmälern verarbeitet wird, um so mehr aber zur Verkleidung der Häuserfacaden, z. B. beim neuen Reichslagsgebäude. Der Obelisk enthält in seinem oberen spitzen Theil« auf der vorderen Seite einen offenen Lorbeer- und Elchenblätter- kränz und die Aufschrist:„Den am 23. Januar 1887 Verunglückten" und auf der hinteren Seite die Widmung:„Ehre ihrem Andenke n". Im Sockel befinden sich die Namen der Verunglückten in der Reihenfolge der Gräberordnung: Robert Nauen, geb. 8. Juli 1858, Paul Hensel, geb. 20. Jani I8SK, Otto Kachmann, geb. 30. April 1862. Es liegt also N. nach Osten, H. in der Mitte und L. nach Westen. Zur Zeit bedarf das ca. 20 Zentner schwere Denkmal noch der Vergoldung der Inschriften, welche vor der schwierigen Ausstellung unterlassen wurde, um dieselben nicht zu beschädigen; bis zum Sonntag (am Ntontag ist Hensel's Geburtstag) soll dieselbe aber, wie uns mit- getheilt wird, vollständig hergestellt sein und wird sich dann dieses Denkmal in seiner Vollendung zeigen und jedenfalls einen weihevollen Eindruck machen, da die Form, seinem Charakter und Zweck entsprechend, möglichst einfach gehalten ist. Möge es der Nachwelt eine Erinnerung und an die verunglückten Genossen ein ewiges Andenken sein und bleiben. Wie sich Arbeitersreundschaft und Arbeiterzusammengehörigkeit beihätigt, das hat sich wieder einmal so recht bei diesem Denkmal gezeigt. Die Arbeit an demDenkmal ist von Freunden und Ge« nassen der Verunglückten unentgeltlich geleistet w o r d e n." Bravo! so rufen wir noch einmal. Ehre diesem herrlichen Beweise unerschütterlicher Solidarität, um den alle Parteien die unsre beneiden müssen. Schmach aber dem System, dem die drei hoffnungsvollen Men« schenleben zum Opfer gefallen l Wo Menschen schweigen, werden Steine reden. Und dieser Stein, er mag der Nachwelt erzählen von jener Zeit der Schande, da Arbeiter wie Diebe in der Nacht zusammenkommen mußten, wenn sie ihre politischen Rechte ausüben wollten. So steht er, ein Wahrzeichen edelster Hingebung der Gefallenen zugleich da— man verzeih- die Abänderung des Dichterworts— ein dauernd Brand« mal ihrem Vaterlande! — Wie dieGesetzeSwächter dieAnwendung„gesetzlicher Mittel" durch das Volk fördern. Wie unangenehm der Reichsregierunz diekonsequenteAnwendung der„gesetzlichen Mittel" im politischen Kampfe seitens deS arbeitenden Volkes ist, beweist der blinde Eifer und die Niedertracht der Verurthellungen und Strafansätze„wegen Verbreitung von Wahlflug« b l ä t t e r n." Man kann den Inhalt nicht prozeffiren, ohne sich allzu- sehr vor der Welt zu b l a m i r e n. Man bestraft deshalb die Ver« breitung aus poliziflisch erfundenen Gründen mittels Stock» prügeln auf den Magen, weil die rebellischen Köpf- nicht einsehen wollen, wie die deutsche Reichsverfassung eitel Humbug und das„allgemeine, direkte, freie, gleich- Wahlrecht" nur die Trommel ist. die denselben übertönen soll. Es lohnt sich, in Zahlen den B-w-ts für die Mit- und Nachwelt aufmarschiren zu lassen, das niederträchtig Klein- lich- kennzeichnet fich im Kleinen am deutlichsten; möge man also aller- w ä r t s h e r in unsrem Blatte Kenntniß davon geben, wie aus nach« folgenden Orten geschieht: � m_ In Werden(im Essener Wahlkreis) wurde ein Mann zu 8 Tagen G-fängniß verurtheiU wegen Verbreitung des Flugblattes cot der Wahl. In Essen a/R. zwei Mann zu je 14 Tagen Gefängniß; einer zu 10 K. Geldstrafe und eine Frau desgleichen zu 10 M. Gründe: Die konsequente Anwendung gesetz'.icher Mittel im politischen Kampf ist dem System Bismarck der Todesstoß. — Jur Berpreußung Deutschland». Wie unsirn Lesern berei g bekannt, ist Genosse C h r t st e n s e n nicht nur auS Sachsen-Meiningen, sondern auch aus dem ehedem liberalsten deutschen Läuoche« Koburg ausgewiesen worden. Man schreibt uns darüber: Nachdem Christensen, wie in Nr. 24 berichtet, auS Eachsen-Meiningenü autgewiesen worden war, ließ er sich am 7. d. Mts. in Koburg nieder. Dieies Land war bekanntlich früher ein Asyl zahlloser politisch Verfolg- ten, und als unsere Partei in Preußen schon längst keine Kongresse mehr abhalten konnte, tagten wir noch unbehindert in Koburg und Gotha. Das aber hat sich jetzt gründlich geändert, wie es denn überhaupt scheinen will, alS ob die kleinen Staaten— aus Furcht vor einer preußischen Annexion, natürlich— nachgrabe noch reaktionärer werden als Preußen selber. Denn schon am 11. wurde Christensen aus das Polizeibureau beordert, wo ihm um 10 Uhr Vormittags mitgetheilt wurde, daß er bis 12 Uhr Mittags— also binnen zwei Stunden— Stadt und Gebiet Koburg zu verlassen Haie. Da er in so kurzer Zeit unmöglich seine Angelegenheiten ordnen konnte, da serner in der Zwischenzeit kein Zug ging und Christensen selbst die nolhdürstigsten Sachen nicht bis zur nächsten Eisenbahnstation tragen konnte, erklärte er, daß er mindestens bis 3 Uhr Zeit haben müsse. Darauf wurde ihm nach langer Debatte und nach einer langen Berathung zwischen dem Bürgermeister, dem Polizeiinspektor und einem Ministerialbeamten erklärt, er könne über 12 Uhr hinaus bis zum nächsten Zug- bleiben, wenn er sich unter den »Schutz" zweier Schutzleute stellen wollte. Dieser nächste Zug ging um 12 Uhr»1 Minuten. Also eine Galgenfrist von 8 1 Mi- nuten, und dafür polizeiliche Bewachung l Selbstverständlich lehnte Christensen ab und ließ lieber seine Sachen im Stich. Von Koburg auS ging er zu Fuß nach Neustadt a/H.(auch Koburgisch), «o er am Abend in einer Versammlung sprechen sollte. Sofort nach feiner Ankunft wurde er zum Bürgermeister geführt, der ihm eröffnete. daß die Versammlung verboten sei, und daß er— der Bürgermeister— vom Ministerium Austrag habe, ihn sofort abzuschieben, wenn er versuchen sollte, sich in Neustadt niederzulassen, welch letzteres Chnstensen übrigen« nicht beabsichtigte. So sieht eS jetzt um die Freiheit in Koburg aus. Das ist die vielersehnte deutsche Einheit.«Ach, Einheit ist nur leerer Schall, wenn sie nicht Einheit ist im Guten." — Der frechste Vertreter de« Junkerthum« im deutschen «eichstage, der zynischste Anwalt jeder Polizeiwillkür, der Witzmacher der konservativen Partei, Herr von Köller, bisher preußischer Landrath, ist zum Polizeipräsidenten von Frankfurt a m M a i n ernannt worden. Das ist die beste Charakteristik des heute «n den maßgebenden«reisen Preußens herrschenden Geistes. Man hält e« nicht einmal mehr für nöthig, den Schein zu wahren, als Hab« die Verwaltung mit dem Parteileben nichts zu thun. Herr Köller ist Partei- mann, und als solcher rückt er jetzt in Franksurt ein, das er auf iunkerlich-konservativ verlandrathen soll. Jndeß die Frankfurter sind keine uckermärkischen Bauern, und so werden die politisch-polizeilcchen Lorbeeren, die der strebsam- Herr in Franksurt ernten wird, eine ver- zweifelte Aehnlichkeit mit seinen parlamentarischen Lorbeeren haben. —«nterU«. Die Newyorker Sozialisten, lesen wir im „Philadelphia Tageblatt", haben kürzlich Stellung genommen zu den verschiedenen Vorgängen innerhalb der Vereinigten Arbetter-Partei, namentlich des Vordrängens der Anhänger von Henry George und des religiösen Anstrichs, den diese ihr geben wollen. Die Sozialisten in Newyork bilden einen bedeutenden und, was Opferwilligkeit und Ein- ficht über die nothwendige Entwicklung der Bewegung anbelangt, höchst wichtigen Theil der Arbeiterpartei. Ganz besonders aber muß an ihrer Integrität jeder Versuch der Korrumpirung der Partei scheitern, und an Versuchen dazu wird eS bei der kommenden Präsidentenwahl in dem entscheidenden Staate Newyork nicht fehlen. Die Sozialisten haben ihren Standpunk! in der folgenden, mit großer Mehrheit angenommenen Reso- lution bezeichnet: In Erwägung, daß die Vereinigte Arbeiterpartei in sich alle Elemente birgt, welche geeignet sind, die soziale Revolution, welche wir anstreben, in Szene zu setzen und erfolgreich zu beenden-, In Erwägung, daß dies aber nur möglich ist, falls die organisirten Massen der Veremigten Arbeiterpartei zur vollen Erkenntniß ihrer Klassenlage und des" unversöhnlichen Gegensatzes zwischen Arbeit und Kapital kommen, und aus dieser Erkenntniß alle nothwendigen Kon- sequenzen ziehen; In Erwägung, daß sich innerhalb der Vereinigten Arbeiterpartei auch Elemente befinden, welche aus falscher Auffassung der wirthichaftlichen Entwicklung und aus irriger Anschauung über die einzuschlagende Taltik die große Arbeiterbewegung der letzten Monate zu verpfuschen und zu einer bloßen Steuerreform Bewegung zu degradiren versuchen; Beschlossen, daß wir innerhalb der Vereinigten Arbeiterpartei mit allen Mitteln dahin wirken wollen, um diese Versuche zu vereiteln, und uns bestreben wollen, das Klassenbewußtsein der Arbe>termass«n zu er- halten und zu fördern; Beschlossen, daß wir insbesondere darauf dringen wollen, daß auf der bevorstehenden Staatskonvention der Vereinigten Arbeiterpartei keine Platform, welche den Klassengegensatz zwischen Kapital und Arbeit v-r- tuscht, ignorirt oder ableugnet, angenommen werde, dieser Klassengegen- satz vielmehr in der anzunehmenden Platform unverblümt anerkannt werde; Beschlossen, daß wir alle Mittel der Propaganda und der Agitation anwenden wollen, um die Mitglieder der Vereinigten Arbeiterpartei dem Sozialismus zuzuführen. Mit diesen Beschlüssen können wir uns, schreibt das„Phil. Tagebl.", nur einverstanden erklären. Solange das Gros der Partei den Sozia- listen nicht verwehrt, ihren Standpunkt darzulegen, eventuell in der Agitation über das Parteiprogramm hinauszugehen, ist es eigentlich selbstverständlich, daß sie in der Partei wirken. Auch wenn ihnen sonst manches nicht gefällt. Diesbezüglich muß man einfach der Ent- Wicklung vertrauen und ihr nachhelfen, soweit das möglich ist. Phasen, wie der McGlynn'sche„kreuzzug" und die George'sche Einseitigkeit sind eben bei dem Stande des Wissens unter den amerikanischen Arbeitern picht zu vermeiden. Aber sie gehen vorbei und hierzulande noch schneller als anderswo. Die Arbeiterpartei ist noch nichts Fertiges; sie hat erst ihre Kinder- krankheiten durchzumachen. Für die alten Sozialisten ist es nun gerade kein Vergnügen, zusehen zu müssen, wie die Partei in Jrrgängen herum- tappt. Aber deshalb sollen sie eben auch nicht bloi zuiehen, sondern ihr aus den rechten Weg helfen. Läßt man sie darin gewähren, so sollen sie unbedingt innerhalb der Partei wirken. Der Verband der eigenen Partei ist auS vielen Gründen vorläufig ausrechtzuerhalten. Ob es räthlich ist, die Bezeichnung„Partei" sortzu- führen, ist eine Frage, die den nächsten Konvent der Organisation be- schästigen sollt«. — AuS Stuttgart gehen uns bei Redaktionsschluß zwei Ein- se n d un gen zu, du eine gegen die in Nr. 25 enthaltene Stuttgarter Korre- spondenz, die zweite gegen einen im„Schwäbischen Wochenblatt" erschienenen Artikel gerichtet. In der elfteren wird entgegen der er- wähnten Korrespondenz behauptet, daß„Thetle und herrsche" nicht das Prinz'p der„speziellen Persönlichkeit, die seit zwei Jahren hier ihr Wesen treibt," und ihrer Anhänger sei, die„Spaltung" sei das Resul- tat jahrelanger Zerfahrenheit. Der Betreffende habe nicht mit B«< schimpsungen rc. gegen alle Genossen, die in Stuttgart thätig waren, begonnen, sondern sei mit wahrem Hagel von Verdächtigungen empfangen worden, wodurch er zum Hinweis auf die„wahre Gestalt seiner Ver- läumder" gezwungen worden sei. Hobe er im Schlamm der Berdächti- gung und Denunziation gewatet, so sei es am besten, ihn nach erbrachtem Beweis nicht mehr zur Partei gehörend zu betrachten, denn für Denun- zianten und Verläumder soll kein Platz sein innerhalb einer Partei, deren fundamentaler Grundsatz lautet:«Wahrheit und Gerechtigkeit." Indem wir hiermit alle, der Vertheidigung des Angegriffenen(der übrigens ebenfalls Angreifer war) gewidmeten Stellen wiedergegeben haben, glauben wir den weitgehendsten Anforderungen an unsre Un- Parteilichkeit entsprochen zu haben. Im U-brigen lehnen wir eS ab, die Spalten des„Sozialdemokrat" zur Breittretung von lokalen Zwistig- keiten herzugeben. Es gibt wohl noch andre Mittel und Wege, dieselben zum Auetrag zu bringen, als daß man sich gegenseitig im Parteiorgan allerhand Beschuldigungen an den Kopf wirst— ein Verfahren, das nur dazu führen kann, die Differenzen zum Schaden der Partei zu ver- schlimmern. D e Ausnahme der gegen das„Schwäbische Wochenblatt" gerichteten Einsendungen müssen wir für solange ablehnen, al« nicht dieses selbst einer Berichtigung der mn ihm behaupteten Thatsach« die Aufnahm« verweigert. Die Einsender mögen es sich doch nur einmal vergegen- «ärtigen, wohin es führen müßte, wenn wir nicht einmal diese elemen« tare Forderung der Billigkeit beobachten wollten. Im Uebrigen verwahren wir uns ganz energisch gegen die Unter» stellung, ali ließen wir uns in unserer Stellungnahme von andern alt rein sachlichen Erwägungen beeinflussen. Wir stehen den Stuttgarter Zerwürfnissen durchaus unparteiisch gegenüber, und wollen, indem wir die Zumuthungen der einen Richtung zurückweisen, keineswegs alleS, was von der andern geschehen, gutgeheißen haben. Es wird wohl hüben und drüben gesündigt worden sein. Wir können daher beiden Theilen nur empfehlen, ihre gegenseitigen Beschuldigungen von einem den Streit- fragen fernstehenden Kollegium prüfen zu lassen, oder mindestens ruhig nebenemander zu arbeiten, statt die Kräfte gegenseitig zu neutralifiren. Red. de«„S.-D." Korrespondenzen. — Frankfurt a« Mai«. Hier in Frankfurt herrscht gegenwärtig Ruhe. Eine drückende, schläfrige Ruhe. E« ist AlleS still, nur ein leiser Tropfenfall läßt sich vernehmen. DaS find die Zinsen, die hinabfallen in den Schooß der Reichen, deren Kapitalien beständig wachen. Dazwischm das leise Schluchzen der Weiber und Kinder der Ausgewiesenen. Obgleich 50—00 der besten Kämpfer ali staatSgesährlich Franksurt verlassen mußten, so werden doch die Jd-en deS Sozialismus hoch» gehalten. In verborgenen Dacbsiuben. in den elenden Wohnungen der Proletarier werden unsere Schriften eifrig studirt, ja selbst in den Palästen der Großen hat die sozialistische Lehre ihre heimlichen, aber desto begeisterten Anhänger. Wir Frankfurter Sonalisten bleiben trotz all-m Verbot der Lehre des Sozialismus treu, ist ihm doch eine große Zukunft beschieden, rubt in ihm doch die Zukunft der Menschheit! Wohlan, ihr Genossen in allen Gauen Deutschland«! Uns ist die Aufgabe geworden, den Boden zu säubern von schädlichen Keimen und Wurzeln des wuchernden Unkrautes. Alles muß vernichtet werden, waS nicht der Vernunft und dem Recht entsprungen, und nicht dient zum Nutzen Aller. Bestreben wir unS, unsere Tbätigkeit zu konzentriren, verschwenden wir keine Kraft am unrechten Ort. Besser al« zerstreute Saaten eine dichte und reichliche Saat auf«inen einzigen Acker, dessen Ergiebigkeit wir geprüft, und auch das kleinste Saatkorn wird herrliche Früchte bringen: die Erkenntniß des Wahren, Edlen und Guten. Genossen, sollten wir gleich nichts mehr genießen von den Früchten unserer Mühe, so werden wir doch reichlich entschädigt durch das freudige Bewußtsein, daß diese Früchte nicht ausbleiben werden. Darum wollen wir unS nimmer beirren lassen, nimmer muthloS werden, son- der» immer noch emsiger für unsere Sache thätig sein. Wie viele von Euch stehen noch in der Jugend! Aus Euch. Ihr jungen Genossen, bauen die im Kampf ergrauten Alten ihre Hoffnungen, Ihr sollt das Reformwerk vollbringen. Die Alten müssen Familie und Heimath ver- lassen, tbun jetzt die Jungen durch rastlosen Fleiß ihre Pflicht und Schuldigkeit nicht, so trifft sie der Flucht der Nachwelt. Der Gedanke an die Zukunft begeistere un», die Gegenwart zu ertragen. Genossen, mit blutigen Zügen steht auf allen Blättern der Geschichte der Mißbrauch der Gewalt verzeichnet, aber die Folgen der Gewalt leiten immer wieder zur Freiheit hin. Wehe den Privilegirten, die sich aus's Pulver verlassen I Wer nicht für Freiheit sterben kann, Der ist der Kette werth, Ihn peitschen Pfaff und Edelmann Von seinem eignen Herd. Leipzig, im Juli. Anschließend an die in Nr. 24 unter„Nah und Fern" gebrachte Notiz, daß das hiesige Arbeiterorgan, das„Leipziger BolkSblatt", verboten ist, habe ich noch zu bemerken, daß die vier Seiten lange Begründung so lendenlahm gehalten ist, wie wohl keine zweite. Die Hochwohllöbliche macht sich die Sache sehr leicht, um Gründe ist man ja niemal« verlegen g-wesen. De? vielen Worte kurzer Sinn ist folgender:„Die Redaktion des„Leipziger Volksblattes" hat sich die größte Mühe gegeben, die gezogenen gesetzlichen Schranken nicht zu überschreiten, waS ihr auch thatfächlich gelungen ist. Es ist jedoch nicht zu verkennen, daß durch die Schreibweise überhaupt der leicht ent- zündbar« Stoff in die Massen getragen wird, welcher dann durch den geringsten Anstoß sich entzünden könnte, und dem muß unter allen llm- ständen für die Zukunft vorgebeugt werden." Gegen daS Verbot ist die Beschwerde eingereicht, ob sie Erfolg haben wird, bleibt natürlich abzuwarten. Ein Sprichwort sagt zwar, man soll den Teufel nicht bei seiner Großmutt'r verklagen, doch es kann ja ein- mal vorkommen, daß man bei der launenhaften Dame einmal Recht, wenn ich mich so ausdrücken darf, bekommt. Ferner hat die Polizei verfügt, daß der Buchdruckerei-Besitzer und Drucker des verbotenen Blattes, Albert Seebach, am 12. Juni, der aus Stettin ausgewiesene Schlosser Herbst den 18. und der Redakteur des verbotenen Blattes, Albert Schmidt, Connewitz, weiland Kandidat des Reichstagswahlkreises Delitzsch. Eilenburg-Biiterseld, den 14. Juni wegen fortgesetzter Agitation das belagerte Gebiet zu ver- lassen haben. Der Drucker und der Redakteur sind Familienväter. Fragt man sich nun, worin bestand die fortgesetzte Agitation? so kann nur die Antwort gegeben werden: sie bestand in der Herausgabe des verbotenen Blattes. Nun erkennt jedoch daS Verbot an, daß die gesetzlichen Schran- ken nicht überschritten worden find, folglich ist es für jeden logisch denkenden Menschen nicht schwer, herauszufinden, daß die Gründe sür diese Maßregel wo anders zu suchen sind. Der kleine Belagerungszustand läuft den 28. Juni ab, und da muß Material her, um die Verlängerung der Oessentlichkeit gegenüber einigermaßen zu rechtfertigen. Doch so leich- teS Spiel wird die Regierung im klassischen Lande der schwärzesten Reaktion für diesmal wohl nicht haben, denn es wird Sorge getragen werden, daß unsere Vertreter im Reichstage der urgemüthlichen sächsilchen Polizei gründlich heimleuchten. Sodann rechnet die Regierung auch noch darauf, durch solche Maßregeln, da die L a n d t a g s w a h l e n so ziem- lich vor der Thür stehen, die Bevölkerung einzuschüchtern, und überhaupt den Arbeitervertretern den Eintritt in das Landhaus in Dresden un- möglich zu machen, resp. die Wahlen unter ähnlichen Verhältnissen wie bei der Reichstagswahl vollziehen zu lassen. Hoffentlich läßt sich die Wählermasse dieseSmal aber nicht hinters Licht führen. Der bei der Reichstagswahl in Szene gesetzte KriegSrummel hat feine Schuldigkeit leider gelhan, er hat die Köpfe der Wähler verwirrt, und nur zu spät sind sie sich des Jrrthums bewußt geworden. Bei der Landtagswahl ist dieser Hummel nicht zu gebrauchen, und so werden unsere Gegner wohl ein anderes Mittel ins Feld führen müssen, und daß sie ein solches ausfindig machen werden, dafür sprechen die früher gemachten Erfahrungen; diese sogenannten Ordnungsmänner schrecken vor ungesetzlichen Mitteln nie zurück. Für diese Gesetzes- wächter ist keine Polizei vorhanden, sie ist nur zur Sozialistenhatz bestimmt. Jndeß, alleS hat seine Zeit, und so wird die Zeit nicht mehr allzufern sein, wo mit diesem System gebrochen und seine Urheber zur Rechenschast gezogen werden. Dann heißt es aber: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Di« roth« Elsterwache. Mau hüte sich vor dem aus Stettin ausgewiesenen Tapezierer Seidell Derselbe beschwindelte und betrog Genossen, die ihm Existenz und reichliche Unterstützung gegeben. Wahrscheinlich treibt er in Gemein- fchaft mit dem früher hier gemaßregelten Barbier R. Schäfer auS Wismar, der sein ihm von den Genossen hier eingerichtetes gute« Geschäft im Stiche ließ, anderwärts das Schwindeln und Betrügen weiter. Wir sind gezwungen, im allseitigen Jnteressm zu w a r n« n. Betreffs S e, d e l' s liegen von verschiedenen Städten Berichte über abgefeimte Gaunereien vor. Beide verschwanden zu gleicher Zeit von hier. Mehrere Genossen au« Magdeburg. Wir bitten bei Auftauchen der Genannten um sofortigen Bericht hierher. Personalbeschreibung erwünscht. Die Expedition des„Sozialdemokrat". Aufforderuitg. Soldarbeiter«Phraim-Reisfeld wird zur Regelung seiner Angelegenheft ersucht, un» seine Adresp binnen 4 Woch n einzusenden. Weitergabe dieser Rott, durch die amerikanischen«rbeiterblätte» und Genossen dringend erbeten. Rom«.«rbeiterbildttttgSverei« Rr. 49 Tottenham Street Tottenham Court Road London V. fem? Petz« m »< *.», «M M,: fei, W Zur besonderen Beachtung für Fchwtiz, Zietgie», Kalkand, Dänemark, Schwede», Kuglaud, Amerika, Australien etc. Alle Geschäftsbriefe und Sendungen für un» p«d stett ohne irgendwelche Beigabe von Personeu-Ramen wie folg! zu adressiren: 1) Für die Druckerei: Schweizerische«enoffenschasts-vnch« drnckerei, Hottiugen-Zürich. 2)„„ Buchhandlung: BottSbnchhandlnng» Casinostr. K Hottingen-Zürich. 8)»» G x p- d. d.„S.": Expedition de»„Sozialdemokrat". daselbst. 4)„„ Red. d.„S.": Redaktion de»„Sozialdemokrat"« daselbst. Für jede Sparte Bestimmte» wolle man auf besonderem Pck pierbogen schreiben, wenn etwa Beilage gemacht wird. Obig« Adressen genügen vollanf und leite« prompt ff die geeignete Hand. Wo Geldsendungen nur unter Personen-Rame« erfolgen kSa nen, theilen wir(soweit solch« nicht bekannt) Adressen mit. Sbenst für die Länder mit deutschem Post-Transit. SV Derartige Namen find««bedingt mit keiner der obew genannten Firmen z« verquicken."W» Für den Schweizer. Landesausschuß in Zürich Bestimmtet vermitteln wir nur, wenn separat geschrieben beigelegt. Außer der Schweiz hieroben genannte Länder wenden fich V Parteianliegen an die Expedition des„S.-D." oder derck bekannte Deckadressen. Privatbriefe re. für unser Personal find nur unter Doppelf kouvert mit innerer NamenSaufsschrift an Adresse- oder» zulässig, dafern Privatadressen fehlen. Geschäftliches ist stets getrennt zu schreiben. Jederlei äußere Namensbeigabe zu obigen Adresse» m us absolut unterlassen werden. Wir haften gegentheftigen Falles für keinerlei Irrungen msi Verzögerungen und bestehen auf dl> Pa B baa B meh « ist r bchtt striktester Darnachachtung. Von der S x p« d i t i o n des„S.-D." in bestimmte Hände gelegt* BertrauenSadressen find beizubehalten. Die Obigen« Abo Ei Ein! S. alte: W sind: J «heb. jede Briefkasten kper und D Jr K Itl der Redaktion: Einsendungen»c. find eingetroffen au» Gens Bergen. Pari«, Stuttgart.—„Sozialdem. Leseklub" Pari»! Lesen Sie di; Berichte über die jüngsten Prozesse nach, und'Vie werdrt begreifen, warum Ihr Aufruf zur Veröffentlichung nicht geeignet ist Weiteres werden Sie seinerzeft erfahren.— Zeniraikomfte Genf: D* der Landesausschuß bereits beschlossen, in dieser Sache vorzugehen, I* übergaben wir Ihren Ausruf diesem, womft wir Sie einverstanden hoffe* der Expedition: Mg. D.: Mk. 2 40 Ab.50— pr. v. ä Cto Ad. pr. 20/3. gutgebr.— A.� Bzl.: Mk. 10 40 Ab. 3. Qu. u. Schft. erh. Sdg. folgt. Adr. geordn* Intel — Großes Zuchthau»: Bf. v. 15. di. erh. u. besorgt. Rt. S00< Iahv ä Cto Ab. ,c. pr. S. gutgebr.— I. L. Eh.: Lfe. v. 11. u. 18/6. Strafporto, jc. erh. Weiteres unserseits prompt besorgt.— H. O.: Mk. 4 25 Ab. 8. Qu. erh.- Di« Rothen H. H.: Mk. 60 ä Cto Ab.»c. erh.— Scheibe: Mk. 13 20 Ab. 8. Qu. erh. noch immer getrennt?— Beelzebub: Mk. 4 40 Ab. 8. Qu. erh.— L. Fbg. i. S.: Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. u. 60 Pf. pr. Usd. dkd. erh. br. Näheres.— I. KpS. Z: Fr. 2— Ab. 2. Qu. erh.- Beobachter*'«"J* d. Sp.: Mk. 81— ä Cto Ab. jc. erh.— A. Heim« Syrakus«:(l Do� M p Fr. 5 15 pr. Usds. dkd. erh. Grüße!- Gracchus W.: Mk. 50-" Gesar a Cto Ab. u. Mi. 28 65 pr. Ggrchg. jc. erh. Weiteres nottfizirt." p Rolhbart: Bf. v. IS. am 18/6. beantw. Kostet 50 Cts. Strafp ort«l' da unsrankirt.— Vorposten a. d. Grenze: Bsl. pr. B. H. H. Näher«»."! d —». Höhne R.-York:(85 Cts.) Fr. 4 26 f. d. Semahr-gelt. i. Dtschl»«as j dkd.«rh.— O. St. Gallen: Fr. 18— f. Schft. u. Renfttd. erh. BM 1,72« solgt.- A. Stockholm: Mk. 6 60 f. Schst. erh. Sdg. abg.- 5». -"1. 4 50 Ab. 3. Qu.«rh.- E. Mgd. Orlk.: Fr. 2-*».* L®!? Efd.! Mk.■* UV U.- V. utu, i Ijf. 2- KV*' 1 Qu. erh.— Fr. Sp. Rsbch.: Fr. 3 10 Ab.% 2. Qu. u. 8. Qu. pr.* �- N. erh.- M. Sch. Dbln.: Mk. 10 40 f. Schft. erh. Sdg. folgt." �en Fvy.: Mk. 5- Ab. 8. Qu. u. Schft. erh. Sdg. folgt- T.«•; Mitg öwfl. 1 70& Cto Ab. 8. Qu. erh. Reicht nicht.— Rother Kapla*' una> Mk.-80 f. Schft. u. Mk. 2S4 pr. Ufd». dkd. erh.- Roth« Fede».„V Mk. 77 20 ä Cto Ab. jc.«rh. Bfl. Weitere».- S. W. Davos-Platz �Sb« Fr. IS— Ab. 8. Qu. u. Schit. erh. Sdg. folgt.— Arbeiter- BereiniS Ii! Ober-Engadin- Fr. 4— Ab. 2. u, 3. Qu. pr. B. erh. Bfl. Weit««*„Die J«Oben Anzeigen. sicher Ht N Wsti ® ie g biese 'licht Soeben erschien und ist durch un» zu beziehe«; Sozialdemokratische Bibliothek. Heft XIV. Gracchus Babeuf und dt« Berschwbrjmg iw Gleichen. 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