fcteflj «MI oad Zböttnemettts «ttw tti»llm Ichwiijttischw P»ft»urwul,!o«ll b«m Etting n» 6(fttn btfartttlm Agenten Wglgtttgtnosmtn. un» jttot zu« »«»aus gahldare« BittleljahespreiS von! K». str»ieSchweiz kkteuzbau») M silt Ttutlchlun»(E«u»»k<> !l. Z,7» svr Oestetttich(Cou»«» St> S.SOstt alle übrigen Länder»«> Vtttpostbereini(Kreuzband) ?lls»rite b!» breigespaltene Petltzell« w«U.-- 20 Pfg. Grgan der Sozialdemokratie deutscher Zunge. Erscheint wöchentlich einwetö in Zürich(Schweiz). Verlag der »«»»»duchhandlattW Hattingen-Zürich. Voßstudünzell franko gegen frank». Gewöhnlich« Briese «ach»er Schwei,«o?« Doppelport». M 27, stet» •-—==================================== Vach« � 8 Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten krat-. kratze «riefe an die Redaltion und«rpedition de» In Deutschland und O-si-rreich verbotenen.Sozialdemokrat' wolle man unter Beobachtung-iuß-rsier Vorsicht abgehen lassen. In der Regel schi-k- man un» die Briefe nicht direkt, sondern an die bekannten Deckadressen. In zweifelhasten Fällen eingeschrieben. 1. Juli 1887. und Gemaßregelten nicht! « i?t st n U« SM* Zur rechtzeitigen Kenntnißnahme. Bei Quartalschluß UV" müssen sammtliche Briefabonnements ob<» vorausbezahlt werden. Belastungen auf Conto-Jnhaber finden also nicht immte« mehr statt. n»« Alle« Bestellungen auf direkte oder indirekte Brieflieferung cbcriiP°hue jede Ausnahme die volle Baarzahlung beizulegen. Alle nicht ausdrücklich wiederbestellten Brief- °''' Abonnenten werden mit Nr. 27 gesperrt. Ersatz für Versandtverluste liefern wir nur gegen i mui Einsendung des Porto bei Reklamatton. „ un! Tämmtliche Besteller wollen dies künftighin ein für « allemal festhalten. Wo anderweitige Bezugsgelegenheit geboten ist, lind Briefabonnements unzulässig. aelean - Abonnements für die Schweiz gern J?�ben wir per Nachnahme, wenn Zahlung nicht mit i ledem Quartalbeginn voraus geleistet ist. Einzel-Kreuzbandsendungen ins Ausland 'tzerren wir mit Quartalsablauf, sofern Neubestellung and Geld bis dahin ausbleiben. «zxedttii» dr» Sistaldemskrat. Senf Pari»! ««!*[ »net ist if: � Die Grenzen der Leistungsfähigkeit der Gewerkschaften. l/IO. I .«. Sf l. a. st- 6 bist« � einer der letzten Nummern der Londoner„Justice" Dttj �den wir in einem,„Der Rückgang der Gcwerkvereine" uberschriebenen Artikel H. M. Hyndman's Mittheilungen über flaM dm gegenwärtigen Stand des großen und durch Brcntano's ." JS« Schriften auch in Deutschland allbekannt gewordenen Bereinig- äbz. � � �ewerkvereins der Maschinenbauer(�.mg.lFaiiiatöä Locist� - zj. j � Dvxinsorg), die auch für die deutschen Arbeiter von hohem >eordns Juteresse sind. Sie sind dem kürzlich herausgekommenen 36. Jahresbericht der Gewerkschaft entnommen. - S»»Der„Gewerkverein der Bereinigten Btaschinenbauer'— k.«o� schreibt Hyndmaun—„hatte am Schluß des Jahres 1886 »«ujitfcht weniger als 439 Zweigvereine und 52,019 Mitglieder. ab. Gefammteinkommen des Verein« belief sich im letzten ichter �Jichr auf 3,473,740 Mk.(der Anschaulichkeit halber übertra- (iDoftaen wir die Zahlen gleich auf den deutschen Münzfuß), die �o�Gesammtausgaben auf 3,619,280 Mk. oder 69 Mk. 46 Pf. n Mitglied. Von der Einnahme entfallen 3,332,760 Mk. Näheres �uf direkte Beiträge, Bußen und Sammlungen. Aber— und .vsichAas ist das Verzweifelte der Situatton— nicht weniger als j. BsM 1,729,200 Mk. wurden für Arbeitslosenunterstützung aus- -»d. t.�eben gegen 1,573,380 im Jahre 1885, das selbst ein sehr u. pr. zlichlmerigcs Jahr war, d. h. gegen Mk. 30 55 im Jahr 1885 ent- solgt.�st«en im Jahr 1886 Mk. 38— für Arbeitslosenunterstützung pro aÜniSi �lied I Für Krankheits-, Atters- und Beerdigungsunterstütz- , wurdm 1,465,900 M. oder pro Mitglied Mk. 32 03 o».Pla< Ausbezahlt. Leretick Ju Bezug darauf bemerkt der leitende Sekretär sehr treffend: »Die für diese drei Unterstützungszwecke uothwendigen Aus- Laben werden sich nach dem Gesetz der Durchschntttszahlen so Wer wiederholen, als die Nacht auf den Tag folgt, und daher Mit sich Euch, wenn diese gedeckt sind, die Frage, was bleibt j'ch von Euren regelmäßigen Beiträgen zur Deckung Eurer Ästigen Verbindlichkeiten?" Eme sicherlich unangenehme Frage, °|e aber mit gleichem oder noch größerem Recht auch an andre �werkvereeme gestellt werden muß. Deim, man bemerke wohl, M« große Ausgabe von 1,730,000 Mk. für Arbeitslose war �achtens dauernde. Demgemäß sehe man sich die folgenden > WM» stuhlen noch genauer an und beherzige sie wohl. Ende des Mres 1874 betrug daS Vermögen des Vereins 4,779,780 ,«Wi�ark oder Mk. 110 79 pro Mitglied, Ende 1875 war es «uf 5,292,820 Mk. oder Mk. 120 21 pro Mitglied ange- Jüchsen, und Ende 1876 erreichte eS den höchsten Stand mit �502'920 Mk. oder Mk. 123 46 pro Mitglied, den es 1877 Ä�efäbr emhielt. 1878 war der VermögenSstcmd 5,033,500 —->7tark oder Mk. 110 83 pro Mitglied, d. h. im Verhältniß °er gleiche wie 1874. Von da ab ist der Rückgang ein stett- •to und bedeutender, bis im Jahr 1885 die Bilanz mit einem Guthaben von 2,382,600 Mk. oder Mk. 46 08 pro Mitglied abschließt, das nunmehr, Ende 1886, nur noch 2,233,560 Mk. oder Mk. 42 92 pro Mitglied beträgt. „Kein Wunder, daß der Generalsekretär, Herr Wilson, Angst bekommt und die oben zitirte Frage aufwirft. Kein Wunder, daß er am Ende seines Berichtes erklärt, daß die Geschäfte des Landes sich im„Uebergangsstadium" befinden, daß„poli- tische Einrichtungen und Maßregeln, die vor vierzig Jahren der Lage der Dinge entsprachen, es heute nicht mehr thun"; daß,„wenn Ihr die Zeichen der Zeit mit Berständniß leset, Ihr unsere Gesellschaft so umgestalten werdet, daß jie mehr Ausdehnung und Festigkeit gewinnt." Es ist in der That von der höchsten Bedeutung, daß irgend Jemand diese Aufgabe ernsthaft aufnimmt, denn die obigen Zahlen bedeuten nichts Geringeres als den rapid herannahenden Bankrott des stärksten Gewerkvereins der Welt." So Herr Hyndmann, der in diesen Zahlen eine wunderbare Bestätigung dessen sieht, was der alte Chartist Bronterre O'Brien seinerzeit vorausgesagt hatte, daß nämlich die Gewerkschaften nicht nur dahin kommen werden, nur noch eine Aristokratie der Arbeit zu bilden, sondern daß auch ihr Einfluß Haupt- sächlich der Bourgeoisie zu Gute kommen werde, bis der Druck der Verhältnisse ihre der Gesammtheit schädliche Ausschließlich- keit brechen werde. Die schließliche Unzulänglichkeit der Gewerkvereinsbewegung ist indeß von Anfang an auch schon von anderen Leuten als sicher vorausgesehen worden. Was aber in letzter Instanz nicht ausreichend, kann doch zeitweilig nützlich und nothwendig sein, es war also durchaus nicht nöthig, dem klaren„Voraus- blick" Q'Bnen's„selbst so begabte Ausländer wie Marx und Engels" gegenüberzustellen, die damals„überzeugt waren, daß Gewerkschaften eine Macht auf Seiten des Proletariats seien", namentlich wenn man, wie Herr Hyndmann, selbst zugesteht, daß die Gewerkschaften„früher von Nutzen gewesen sind." Doch dies nur nebenbei. Beschäftigen wir uns vielmehr mit der Frage, welche Stellung wir heute der Gewerkschaftsbewe- gung gegenüber einzunehmen haben. Es gab eine Zeit, wo in Deutschland sozkalistischerseitS die Gewerkschaften ebenso heftig bekämpft wurden, als dies in England und Frankreich von Seiten der Kommunisten der alte» Schulen nur geschehen konnte. Dieser Widerstand hat nachgelassen und hier und da sogar einer Ueberschätznng des Gewerkschaftswesens Platz gemacht, die nicht minder ver- fehlt ist als die frühere Bekämpfung. Der Werth der gewerk- schaftlichen Bewegung ist ein relativer, nicht nur der Zeit, sondern auch der Natur der verschiedenen Arbeits- zweige nach, oder noch genauer ausgedrückt: je nachdem sich im Laufe der Zeit die Natur eines Arbeitszweiges entwickelt, wird in demselben die Gewerkschaftsorganisation möglich oder nutzbringend sein. Maßgebend hiefür ist das Eindringen der Maschine, nicht nur als Motor, sondern auch als Werk- zeugmaschine, und— meist damit zusammenhängend— der Frauen- und Kinderarbeit, sowie der unterwerthi- gen Arbeit bedürfnißloser ausländischer Arbeiter in den be- betreffenden Industriezweig. Wo dies in größerem Umfa-g der Fall, werden alle Bemühungen, mittels der gewerkschas. lichen Organisationen auf dem Boden der heutigen Gesell- schaftsordnung Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu er- zielen, vergeblich sein. Und da diese Entwicklung heute einen Industriezweig nach dem andern ergreift, ist auch die Blüthe- zeit der Gewerkschaften vorüber. Prosperirende Gewerkschaften alten Stils bilden heute eine verschwindende Ausnahme, wir finden sie fast nur noch jenseits des Ozeans, in den Industriestaaten Europas hören die Ge- werkschaften entweder ganz auf, Organisationen des Klassen- kampfes zwischen Kapital und Arbeit zu sein, und entwickeln sich zu bloßen Unterstützungsgesellschaften oder aber sie gehen mit fliegenden Fahnen inS Lager der politischen Arbeiterbewe- gung über. Dieser Prozeß wird sich um so schneller vollziehen, je mehr Berständniß die Anhänger der letzteren, d. h. die Sozialisten, der gewerkschaftlichen Bewegung entgegenbringen, je weniger sie sich in doktrinären Gegensatz z» ihr stellen. In Deutschland ist die Gewerkschaftsbewegung nicht nur keine Gefahr für die sozialdemokratische Arbeiterpartei, sondern trotz der strengen polizeilichen Fernhaltung politischer Dis- kussionen aus den Gewerkschaften— zum Theil auch gerade wegen derselben— die Rekrutenschule ihrer Kerntruppen. Man hat die Gewerkschaften eine Aristokratie der Ar- beiterklasse genannt. Das sind sie in der That, aber das ist auch an sich noch kein Vorwurf. Verwerflich wird eine Aristo- kratie erst, wenn sie zu einer Kaste mit Sondcrinteressen gegenüber denen der Allgemeinheit wird. Gegen eine Aristo- kratie dagegen, die, auf bessere Existenzbedingungen gestützt, den Borkampf für die Interessen der Allgemeinheit übernimmt, kann und wird Niemand etwas einwenden, und daher wäre eS thöricht, denjenigen Arbettern, denen die gewerkschaftliche Organisation noch ersprießliche Dienste im Kampf wider die Kapitalmacht zu stiften vermag, dieselbe bloS deshalb zu ver- denken, weil dies nicht bei allen Arbeitern der Fall. Im Gegmtheil, solange die Arbeiterklasse noch nicht die Kraft hat, derHerrschaftdeS Kapitalismus überhaupt ein Ende zumachen, kann ihr eine Borhut besser situirter Elemente nur von Nutzen sein. Rekrutiren sich doch auch die ständigen Mitglieder der Sozialdemokratie, diejenigen, welche den Stamm der Partei bilden und ihre jederzeitige Aktionsfähigkeit verbürgen, auS den Reihen der besser situirten Arbeiterschaft, während der ökonomisch gedrückteste Theil derselben immer nur an den größeren Kämpfen der Partei(Wahlen jc.) theilnimmt, aber andauernde Aktionsfähigkeit nicht besitzt. Anderseits müssen aber auch alle Illusionen über die Ler� stungsfähigkeit der Gewerkschaften fallen gelassen und dar� namentlich nicht vergessen werden, daß diese nur noch daS Kampfmittel einer Minderheit der Arbeiterklaffe bilden� Trotz ihres mittelalterlichen Formenkrams und sonstiger Mim- gel der Organisation vertreten z.B. die Arbeits ritt er i» Amerika, insofern sie den Unterschied zwischen qualifizirten und nichtqualifizirten Arbeitern nicht gelten lassen, ein viel inoder- ncres Prinzip als gar manche der drüben bestehenden Gewerk-» schaften. Wir sagen, gar manche, und nicht alle, weil wir die- jenigen Gewerkschaften ausnehmen, welche sich ihrer Stellung in der Gesammtarbeiterbewegung wohl bewußt sind. Der Sozialismus in Großbritannien. Die sozialistische Bewegung hat während' der letzten Jahre in diesem Lande die erfreulichsten Fortschritt« gemacht. In London ist dieselbe nachgerade zu der populärsten geworden, wie sich bei allen großen Arbeiterdemonstrationen gezeigt. Die Organisation der Hauptstadt ist zwar noch nicht so konzentrirt, wie dies wünschen-werth wäre, da eben auch hier, wie in allen großen Hauptstädten, der Arbeiterorganisation besondere Schwierigkeiten im Wege stehen, von allen Seiten wird aber energisch daran gearbeitet, diese Hindernisse hinwegzuräumen. Die Hauptarbeit jedoch ist bis jetzt in den Provinzialstädten geli-fert worden. In den großen Fabrikstädten sowie in den Minen- und Eisen» Distrikten geht die Propaganda der sozialistischen Ideen mit feste» sicheren Schritten vorwärts, und das ist wohl der beste Beweis, daß der Sozialismus in England tiefe Wurzeln gefaßt bat. Vor einiger Zeit hielt ich in allen größeren Städten Englands eine Reihe von Vorträgen. Ueberall empfing ich den Eindruck, daß das Volk für d�n SoziaitSiRus reis fei, überall fühlten üNd äußerten die Arbeiter» daß die neue Lehre eine Botschaft voll Wahrheit und Hoffnung, wie ihnen eine solche noch von keiner anderen polmschen Partei geböte» wurde, enthalte. Noch besseren Boden als bei den englischen Arbeitern fand ich unter den Minen- und Eisenarbeitern, sowie unter den Tuchwebern in Schott» land.— Die von Henry George geleitete und in Schottland am stärksten betriebene Agitation gegen die LandlordS hat viel dazu beige- tragen, dem dortigen Volks über die Hebel der heutigen Gesellschaft die Augen zu öffnen und dasselbe für den Sozialismus vorzubereiten. Die Beweisgründe, die Henry George gegen die Landlords ansührte, ließe» sich leicht auch auf die Kapitalisten überhaupt übertragen. Sein Bor» schlag selbst war natürlich völlig nutzlos und unpraktisch! auch wurde demselben seitens der Arbeiter nicht der geringste Werth beigelegt. Die Henry George- Bewegung ist dem Schicksal verfallen, dem alle halben Mittel entgegengehen. Ein kleiner Theil seiner Anhänger ist z» dem schwachen Radikalismus, von dem sie ihren Ursprung nahmen» zurückgekehrt, der größere Theil und daS bessere Element hat seine» Meister(der ihnen nun von Weitem folgt) übertroffen und ist sozia» listisch geworden; in Schottland wie anderswo ernten wir die Frücht« dieser Arbeit.— Sehr große Fortschritte hat der Sozialismus im nördliche» England gemacht. Als im letzten Januar wegen Lohnreduktion unter 16,000 Minenarbeitern in Rorthumberland Streik ausbrach, schickt« da» Komite der Sozialistischen Liga sofort einige Mitglieder hin, um unter den dortigen Arbeitern zu agitiren. Auch von der Sozialdemokratische» Föderation und der Fabier-Gesellschaft wurden Agitatoren abgesandt, dt» die sozialistischen Lehren daselbst verbreiteten. Während drei Monate« wurden täglich und an verschiedenen Orten drei bis vier Versammlunge» abgehalten. Das Volk hörte begierig und mit dem größten Enthusiasmu» auf die neue Botschaft. Am Ostermontag fand in Rorthumberland eine Massenversammlung statt, an der über 10,000 Arbeiter theilnahmen unl» auf welcher die Resolution der Sozialisten einstimmig angenomme» wurden. Der Streik endete zwar mit der Niederlage der Arbeiter, doch ginge« dieselben wenigstens, wenn auch besiegt, so doch nicht entehrt au« de« Kamps« hervor. In den letzten 12 Jahren haben sie eine Lohnreduktto» von 45 Proz. erdulden müssen, und die letzte Reduktion konnte ihn«» erst nach langem, hartnäckigem Widerstand aufgedrungen werden. Hoffe» wir, daß die Arbeiter hierzulande jetzt, wo ihnen die Sozialisten den einzige» Weg gezeigt, ein System herbeizuführen, daS ihnen die volle Frucht ihrer Arbeit sichert, stch nicht mehr lang« von ihren Ausbeutern unterdrücke» lassen. Ein Verein, dessen Ziel« und Prinzipien am besten au« seinem«ige» nen Manifeste zu ersehen sind, ist unter den Minenarbeitern gegründet worden, und lasse ich dasselbe deshalb hier folgen: „Manifest. Arbeiter allerLänder, vereinigt Sucht Die nordenglische Sozialistische Fed« ratio» (gegründet in Rorthumberland im Mai 1S87.) Grundsätze. Die nord-englische Sozialistische Federation ist ,u dem Zwecke gearündet worden, daS Volk zur Durchführung der ökonomischen Emanzipation de« Arbeit zu erziehen und zu organisiren. Während sie den Lohnarbeitern ihre volle Sympathie zuwendet untz jeden«ersuch derselben, sich eine bessere Lage zu errinaen, unterstützt setzt eS sich die Sozialistische Federation als Ziel, die Klasse der Kapi-. talisten und LandlordS abzuschaffen und die Gesammtheit der Arbeiter zu einem auf genossenschaftlicher Grundlage beruhenden Semeinwese» zu organifiren. � Das heuttge System ist ein System der Tyrannei und Sklavereu. einersetts eine Klaffe von Ausbeutern, die stch alle Mittel angeeignet, ») Der vorstehende Bericht au» der Feder eine» englischen Arbeiters der einen hervorragenden Antheil an der sozialistischen Agitation seine» Lande« nimmt, wird unseren Lesern sicher ganz besonder««rnünschtz sein.. Red. d. Reichthümer zu verschaffen, andrerseits die Lohnfflaven, gezwungen, für den Profit dieser Ausbeuter zu arbeiten. Konkurrenz unter den Ausgebeuteten sowie unter den Ausbeutern, Klassenhaß und Klassenkampf, Zerstörung aller Unabhängigkeit, aller Freiheit und allen Glückes— das sind die Folgen dieses Systems. Es verschafft den Faullenzern Luxus und Reichthum, stößt den Arbei- tenden hingegen in Elend und Armuth, und unser Streben ist es, diese Ungerechten Zustände abzuschaffen. Wir wollen ein sozialistisches System einführen, das Allen gleichen Antheil an Arbeit und Muße und einem Jeden völlige individuelle Freiheit verbürgt. Es ist Jedermann eingeladen, der Sozialistischen Federation in dieser großen Sache Beistand zu leihen. Wahrheit, Gerechtigkeit und Moral sollen von den Anhängern derselben als die Grundlage ihrer Handlungen anerkannt werden. Keine Rechte ohne Pflichten, keine Pflichten ohne Rechte. Programm. Folgende Mittel find von der Sozialistischen Federation als die zur Erreichung ihrer Ziele richtigen anerkannt worden: l) Gründung einer nationalen und internationalen Arveiterpartei und Unterstützung der darauf abzielenden Bestrebunzen. 2) Eroberung politischer Macht durch Beförderung und Unterstützung sozialistischer Wahlen zum Parlament und zu anderen adminiftrativen Körperschaften. S) Unterstützung der Gewerkschaftsbewegung und der Genossenschaften, überhaupt jeder aufrichtigen Bewegung für das Wohl der Arbeiter. 4) Beförderung des Planes zur Herstellung einer nationalen und internationalen Organisation der Arbeit."— Filialen dieses Vereins werden in allen Theilen des nördlichm Eng- lands energisch organisirt. Der Sozialismus wird hier bald zu einer Rächt werden, die das Volk mit den schönsten Hoffnungen, dessen Feinde aber mit Furcht erfüllen wird. Eines der größten Hindernisse, das der schnellen Verwirklichung unserer Ziele im Wege steht, ist die große Anzahl miteinander konkur- tirender Organisationen. Das Bedürfniß, diese in einen einzigen großen sozialistisch-revolutionären Arbeiterbund zu verschmelzen, wächst von Tag '»u Tag. Doch mehr über dies Thema in meinem nächsten Brief. I. L. Maho«. Aus Norwegen. Bergen. 17. Juni. Bon der ungemein schwierigen Lage, in der sich der Sozialismus hier befindet, kann sich ein richtiges Bild nur der machen, dem es möglich ist, sich mit den hiesigen Arbeitern eingehend zu unterhalten. Die Schwierigkeit des Kampfes der neuen Idee gegen den verrotteten, aber leider noch nicht einmal auch nur annäherungsweise allgemein als solchen erkannten Gedankenschwulst läßt sich auf zwei Ursachen zurückführen: das segensreiche Wirken des„allliebenden" Christen- thums und die Spiegelfechtereien sowohl der höire-(konservativen) als auch der vsastro-(liberalen) Partei. Nicht nur daß die Psaffengesellschaft auf dem Lande, wo die Bewohner keine andere geistige— genauer wohl geistliche— Nahrung haben als Bibel und Gesangbuch, und infolge der weiten Entfernungen der einzelnen Gehöfte von einander einer anregen- den Lektüre verlustig gehen, ihre beinahe uneinnehmbaren Hochburgen errichtet und seit altersgrauen Zeiten inne hat, nein, auch in Städten wie Bergen mit seinen 45,000 Einwohnern und« Kirchen— nicht etwa Kapellen, sondern veritabl« Kirchen— ist deren Macht so groß, daß man fast behaupten möchte, für Norwegen kommedie Kultur- bewegung des Sozialismus mindestens um ein Vier- teljahrhundert zu früh In keinem Lande Europa's kann man in Bezug auf Sektenwesen ergiebigere Studien machen, sosern man dazu Lust hat, als grade in Norwegen, und nirgends findet man aus gleichem Slächenraum eine ebenso große Anzahl von Sektirern, wie in Norwegen. ls«Freidenker", als Teufel wird derjenige verschrieen, der sich heraus- nimmt, an dem morse.) n Bau des christlichen Verdummungsgebäudes zu rütteln, und hat man den Leuten auch noch so klar den Widersinn, die vnlogik der Lehren des heutigen Christenthums auseinandergesetzt, hat � man sie auch zugestandenermaßen mit ihren eigenen Waffen zu Boden Seworfen, so rappeln sie sich gleichwohl immer wieder an„Gottes Wort" r die Höhe und— sind die Alten. Es ist erstaunlich zu hören, wie die l einfachsten Bauern in der Kirchenzeschichte zu Hause find— aber die Konsequenzen des Gelernten zu ziehen, dazu hat man sie nicht ange- halten. Hand in Hand mit der durch die Uebermacht des Pfaffenthums be- dingten geistigen Anspruchslosigkeit geht denn auch die körperliche G-« nüzsamkeit. Brisling(der Rohstoff für die geräucherten Sprotten) in gesalzenem Zustand, Häring, Kartoffeln und Grütze mit saurer Milch, das find die„vier Elemente, innig gesellt", welche, jahraus, jahrein die beinahe ausschließliche Nahrung der großen Maffe der Fischer, also d« Hauptbevölkerung Norwegens bilden. Woher aber kommt es, daß trotz der Millionen, die Norwegen für Fische und insbesondere Häringe einnimmt, der Produzent dieser Waare, der Fischer, gleichwohl sich in der denkbar elendesten Lage befindet? Es ist der Mangel jeglichen Ver- ständniffes dafür, wie heutzutage produzirt wird. Wüßte er, daß die- selbe Tonne Häringe z. B., die er für ö Mk. zu verkaufen gezwungen «st, dem Konsumenten auf 25 Mk. kommt(dabei rechne ich noch nicht einmal den Einzelverkauf, sonst würde sich das Mißverhältniß noch viel schreiender gestalten!), daß er also so und so viel verliert, fürwahr, ihm müßten die Augen aufgehen, er m ü ß t e sich sagen, daß eine größere Anarchie in der Bertheilung des Arbeitsertrages undenkbar ist, daß aber auch gleichzeitig bei vernünftigerer Regelung der Produktion die Stützen dieses Anarchismus, dieser Gesetzlosigkeit, undenkbar werden! Der Fischer küßt die Hand dessen, der ihm, wenn der Fang einmal reichlich ist, die frische Waare abnimmt und vermöge seines Kapitals konservirt, um späterhin die Zinsen dieses Kapitals hundertfach«inzu- heimsen. Der Fischer, der sein Leben auf's Spiel setzt und bei Wind und Wetter auf der See liegt, er ist elend situirt, während der Speku- laut mit dem Kapital bequem im Zimmer, im warmen Komtor fitzt und sich die Hände reibt, nicht vor Kälte, sondern vor Vergnügen darüber, daß er ungestraft und in Behaglichkeit die Früchte von anderer Leute Arbeit verzehren darf. O Volk, erkenn, daß Du es bist, Das immerfort betrogen ist, da« wäre eine paffende Devise auf den Rechnungen der hiesigen Kauf- leute, und da schwatzen die Herren von der Richtung Henry George's noch von der Harmonie zwischen Arbeit und Kapital! Rur Schade, daß „alles schon mal dagewesen" ist. Wie gesagt, diese Genügsamkeit hat ihren Hauptgrund in dem Einfluß der Pfaffen, welche dem Volke Honig um den Mund schmieren und es auf das bessere Jenseits vertrösten. Und trotz des handgreiflichen Elends, trotzdem die stärksten Leute betteln gehen müssen, keine Einsicht, kein Verständniß! Die unbeschränkte Versammlungsfreiheit, die hier existirt — Versammlungen, welcher Art sie auch seien, bedür- fen keinerlei polizeilicher Anmeldung— wird nur be- nutzt, um in die Kirche zu gehen, während öffenUiche Versammlungen, in denen die Lage der Arbeiter diskutirt werden soll, mehr als spärlich besucht werden. Manchmal wünsche ich dem geknebelten deutschen Pro- letariat auch nur einen einzigen„Kosthappen" von dieser reichlichen Tafel, und umgekehrt den hiesigen Schlafmützen em Pröbchen, oder meinetwegen auch gleich eine Probe von der„loyalen Handhabung" deS schmachvollen Oktobergesetzes. Ich bin überzeugt, erst dann werden die norwegischen Arbeiter begreifen, was Versammlungsfreiheit heißt, erst dann werden sie diese tüchtig ausnützen und— auch ihrerseits mit einem Maulkorbe versehen werden, ljui vier» vorra l «. Rüben. Ein S ch u h m a ch e r st r e i k, der vor etwa vier Wochen in Christiania ausbrach, hat am 13. Juni vorläufig sein Ende genommen. Ein Schiedsgericht, aus drei Meistern und drei Gesellen bestehend, hat am Freitag, S. Juni, einen Vergleich zwischen den Streikenden anzubahnen gesucht und,(natürlich auf Veranlassung der Meister) als Bedingung für die Unterhandlung, die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit ausgemacht. DaS Schiedsgericht ist noch nicht zu Ende, sondern hat Dienstag den 14. eine zweite Sitzung, diesmal— man merkt die Absicht und wird ver- stimmt— im Gegensatz zu der ersten, unter Ausschluß der Oeffentlich- keit, weil, wie der Vorsitzende, Direktor Sinding, bemerkte,„sachliche Details das größere Publikum nicht intereffiren können, dagegen könne ja die letzte Sitzung öffentlich sein." AuS den Verhandlungen geht her- vor, daß der Durchschnittslohn bei lllstündiger Arbeitszeit 13,50 Mark pro Woche beträgt, daß aber auch ein großer Theil nur 6 Mark ver« dient. Schöne Harmonie zwischen dem Schwämme Kapital und der Zitrone Arbeit! Der Deutsche Sozialistenklub in Paris hat sein Solidaritätsgefühl be- wiesen durch Einsammlung von 13 Fr., die den Streikenden zugestellt wurden. Brav gemacht! Der Skandinavische Diskuffionsverein in Paris scheint eS dagegen vergessen zu haben, die ihm zugesandte Liste zirkuliren zu lassen. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 23. Juni 1887. — Unsere nenliche Rotiz über Heine in Halberstadt hat zu einer Korrespondenz mit verschiedenen Genoffen geführt; und auf Grund zuverlässiger Mitlheilungen können wir nun erklären, daß Ge> nosse Heine das Opfer mangelhafter Berichterstattung geworden ist, und daß sein Verhalten vor Gericht ein durchaus korrektes war. Die Aeußerungen, welche in der uns vorliegenden Fassung Befremden erregten und erregen mußten, sind in einem Zu- sammenhange gefallen, der ihnen die anstößige Bedeutung nimmt. Daß wir nur unsere Pflicht erfüllten, als wir die Sache zur Sprache brach- ten— und wir thaten eS auf Wunsch, ja auf Drängen bewährter Ge- Nossen— das wird Niemand in Frage ziehen, der die bezüglichen Zei- tungSberichte gelesen hat. Und so sehr eS uns freut, einem viel ver- folgten Genossen diese Ehrenerklärung geben zu können, so müssen wir doch jede Verantwortlichkeit für das Mißverständniß, welches bei rechtzeitiger Berichtigung unmöglich gewesen wäre, von uns ablehnen. Wir hatten Wochen und Wochen lang auf«ine Berich- tigung gewartet. Beiläufig sind uns auch sür das Unterlassen der Berichtigung Gründe angeführt worden, die, in Anbetracht der deutschen Verhältnisse, allerdings berücksichtigenswerth erscheinen. — Eine zeitgemäße Bemerkung über Hochverrath und Hochverräther. In emem schneidigen Artikel über den famosen Hoch- verrathsprozeß wider die elsäffischsn„Patrioten" schreibt der demokratische„St. Galler Stadtanzeiger" sehr richtig: „Die Männer, welche zur Zeit an der Spitze Deutschlands stehen, haben nämlich— wenn sie mit solchen Prozessen nicht andereZwecke verfolgen wollten— alle Veranlassung, den Begriff des Hochverraths zu Gunsten von Angeklagten sehr wohlwollend zu interpretiren. Denn was Bismarck und seine hohen und niederen Freunde im Jahre 1865/63 vorbereitet und ausgeführt haben, ist nach dem damaligen und dem heutigen deutschen Strafrechte gar nichts anderes gewesen als Hoch- verrath und zwar Hochverrath im g r o ß a r t igsten S ty le! Wären sie gewöhnliche Menschenkinder gewesen und hätte ihnen der Kriegsgott nicht den Sieg und damit die Gewalt in die Hand ge- geben, sie säßen vielleicht heute anoerswo als in den weichen Regie- rungSsefseln, und die Schaar von Speichelleckern, welche sie heute mit gekrümmtem Rücken umwedelt, spräche im Tone höchster sittlicher Eni- rüstung von diesen„Staatsverbrechern"— aber der Erfolg hat diesen Hochverrath zu einer glanzvollen That in der deutschen Geschichte gestempelt. Wohl setzte ein Bundesbeschluß vom 18.August18SS fest, daß jeder gewaltsame Angriff auf das Gebiet und die Ver» fassung des deutschen Bundes als Hochverrath zu bestrafen sei— Bismarck und seine Freunde unternahmen dennoch den gewaltsamen Umsturz der Verfassung und die Schmälerung des Bundesgebiets. Ja wenn das gegenwärtige, unter Bismarcks Herrschast entstandene deutsche Strafgesetzbuch, welches die Elsässer„Hochverräther" in die Festung liefert, damals schon bestanden hätte und das hochver- rätherische Unternehmen nicht von Erfolg gewesen wäre, so hätten B i»- marck und Genossen von Rechtes wegen zu lebenSläng- licher Zuchthaus- oder Festungsstrafe verurtheilt werden müssen. Denn Artikel 81 des Strafgesetzbuches für daS deutsche Reich sagt unter anderm:„Wer eS unternimmt, die Verfassung des deutschen Reiches(Bundes) oder eines Bundesstaats oder die in demselben bestehende Thronfolge gewaltsam zu ändern, oder einen Theil des Bundesgebiets vom ganzen loszureißen, oder das Gebiet eines Bundesstaats ganz oder theilweise einem andern Bundesstaate gewaltsam einzuverleiben oder einen Theil desselben vom ganzen loszu- reißen, wird w e g e n H o ch v err a t h s mit lebenslänglichem Zuchthaus oder mit lebenslänglicher Festungshaft bestraft." Vergleicht man nun die Ereignisse von 1866 mit diesem Strafgesetzartikel, so wird man sich sagen müssen, daß der Weg zum Reichskanzleramte sehr nahe am Zuchthause vorbeigeführt hat, und daß das sogenannte„Recht" nicht für die Mächtigen dieser Erde geschaffen ist. Mögen sie sich dereinst auch nicht beklagen, wenn sie nicht nach diesem„Rechte", das sie verhöhnt haben, sondern mit jener Gewalt behandelt werden, welche sie zu üben gewohnt waren und noch sind." — DaS Leipziger Reichsgericht hat uns nicht Lügen ge. straft— es hat vier der angeklagten Elsässer schuldig befunden, nur daß eS in einem sonderbaren Anfall von Scham den Tessendorf'schen Wunsch, auf Zuchthaus zu erkennen, nicht erfüllt hat. Der Argu- mentation des Tessendorf schloß es sich dagegen vollständig an und sprang kühn über alle juristischen Skrupel hinweg. Ueber die Infamie dieser Justizsarce kein Wort mehr— die Herren Reichsrichter sind dazu da, solche Infamien zu verüben— wären sie solcher Infamien nicht fähig, ja betrachteten sie dieselben nicht als ihre Amtspflicht, so würden sie ja nicht Reichsrichter fein. Wer sich in einem Hurenhaus anstellen läßt, macht keinen Anspruch auf Tugend und guten Ruf, und wer sich als R-ichsgerichtsrath anstellen läßt, der darf nicht verlangen, als Mann von Ehre und Charakter behandelt zu werden. Nur vom politischen Standpunkt noch einige Bemerkungen. Daß dieser Prozeß Deutschland aufs Aeußerste kompromittiren und daß er im ganzen Ausland einstimmiger Berurtheilung begegnen würde, das mußte jeder halbwegs denkfähige Mensch voraussehen und das ist un- zweifelhaft auch von dem Veranstalter dieses, dem eifenstirnigen Kanzler, vorausgesehen worden. Ebenso mußte es von Jedem vorausgesehen wer- den, und ist auch unzweifelhaft von Bismarck vorausgesehen worden, daß dieser Prozeß, weit entfernt, zur P a z i f i k a t i» n(Beruhigung) des Elsasses beizutragen, die Erbitterung daselbst nur schüren würde. Also welchen Zweck hatte Bismarck im Äuge? Wir können beim besten Willen keinen anderen entdecken als den schon so oft von uns denunzirten: Provokation der französischen Republik oder richtiger der Franzosen. Da die französische Regierung die Absicht, sie zum Kriege zu reizen, durchschaut und bisher glücklich vereitelt hat, so soll auf die Massen gewirkt und zu Handlungen aufgestachelt werden, die, wenig- stens indirekt, zum Kriegsgrund— casus bellli— gemacht werden können. Würde es z. B. erreicht, daß ein Mitglied der preußischen Gesandt- schaft in Pari» auf der Straße insultirt oder gar durchgeprügelt würde, so wäre es eine Kleinigkeit, die französisch« Regierung in einer Form zur Rede zu stellen, die eine freundliche und friedliche Antwort aus« schließen würde. Und— der Zweck wäre erreicht. Es liegt aber auf der Hand, daß der letzte Leipziger Hochverrathsprozeß— dem ja weitere, gleich provokatorische Prozesse folgen sollen— in breiten französischen Volksschichten eine Stimmung hervorrufen muß, die Exzessen der er- wünschten und erstrebten Art nicht ungünstig ist. Und eS hieße, die Augen geflissentlich schließen, wollten wir leugnen, daß eS den fort- gesetzten, me t h o disch en H e tzer eie n und P r o vokationen der Bismarck'fchen offiziösen und offiziellen Politik Gelungen ist, dem Chauvinismus in Frankreich zu einer Stärke zu ver> elfen, welche m der Brust unserer nichtswürdigen Kriegshetzer Hoff- nungen erwecken muß. Um so brenne nder die Pflicht— hübe« und drüben— diesem verbrecherischen Treiben ent> gegenzuarbeitenl — Die Maßregelung des deutschfreisinnigen MajorS a D. Hinze— derselbe wurde vom Ehrengericht der Stabs«! Offiziere des Gardekorps in Berlin des Rechtes, di« Militäruniform zu tragen und den Offizierstitel zu führen, für verlustig erklärt— ist ein klassischer Beleg fiil die Korruption aller Rechtsbegrisse in den herrschenden Kreise« des Reiches der Gottesfurcht und frommen Sitte. Die Vergehen, wege« deren Herr Hinze mit der, wenigstens in den Augen Derer, die sie ver- fügten, entehrenden Maßregel bedacht wurde, bestehen nach osfi« zieller Erklärung darin, daß er „1) von einem satiSfaktionsfähigeu Gegner öffentlich schwer beleidigt. Anstand genommen hat, persönliche Satisfaktion zu forder«, „2) in Bersammlnugeu erschienen ist, deren Besuch mit de« Standesbegriffen eines Offiziers sich nicht der« trägt und dort Reden gehalten hat, welche de« Pflichten«ud Berhältniffen des OffizierstandeS zw tviderlanfen." , Herr Hinze hat nämlich einen kartellbrüderlichen Rechtsanwalt, det ihn während des Wahlkampfes von 1884 unehrenhafter Manipulatione» im Dienst beschuldigt hatte, nicht zum Duell, sondern vor Gericht gefordert, wo sich die völlige UnHaltbarkeit dieses Angriffs herausstellte- Garn richtig schreibt er in seiner Vertheidigungsschrist darüber: „Dieser Gegenbeweis war weder m,t der Waffe in det Hand, noch durch das der O efsentlichkeit sich ganz ent« ziehende ehrengerichtliche V erfahren zu erbringe«, sondern lediglich in öffentlicher, vor den Wähler« stattfindender Gerichtsverhandlung mit dem kon- tradiktorischen Verfahren. Im Uebrigen würde eine Herl forderung leicht den Schein erweckt haben, als" ob ich der öffentl« Beweisführung hätte au» dem Wege gehen wolle n/ Aber Logik und gesunder Menschenverstand vertragen sich nicht dem.Begriff der Osfiziersehre. Wer diesen im Leibe hat, der verkriel sich-,-wie„Kamerad" Bismarck, da, wo man ihn für Verleumdunge« gerichtlich zur Verantwortung ziehen will, hinter seine MilitWi tri r Befri« spziali »in he Kette: seinen —«! unters haben Da von 3 JBtüi «erko seinen Aeuß« saule Entsck die H der e «icht. 1» tve ogiw schrie! ,5 Jtoij, deckur Entw |«t, tund' Und l «eil i v-rsef 1« au Berlu wärer Unter liegt gerichtlich zur Verantwortung ziehen will, hinter ferne Militär»@. Charge, im Uebrigen hat er auf jeden, noch so s ubflantiirten Angriß �em auf seine Ehre nur den Degen oder die Pistole. Hätte Herr Hinze des. tuffle| ihn a Taba! ssufges die T Do wird.' Als Aresl dun! Den s «uz! «na: dritter Rechtsanwalt I ä ck e l eine Kugel durch den Leib gejagt, nur dann hätte«l nach der Logik des„Ehrengerichts" den Beweis geliefert, daß er ei« Ehrenmann. Das wagt, während das Strafgesetzbuch das Duell verbietet, eim aus dem Steuersäckel des Volkes bezahlte Körper schaft öffentlich als offiziellen„Rechtsgrundsatz" zu verkünden. Unt das ratifizirt der oberste Kriegsherr, der als König von Preußen eil« Verfassung beschworen—„so wahr mir Gott helfe"—, in der et heißt: alle Preußen sind vor dem Gesetze gleich, Standesvor' rechte finden nicht statt! Herr Hinze wird für„unwürdig" erkärt, weil er sich nicht hii ein. Standesvorrecht oerschanzte— das kennzeichnet mcht Diejenigen, die das Verdilt gefällt, fondern überhaupt die Zustand«, die diese Herren zur offenen Begehung einer solchen Ungeheuerlichkew_ � ermuthigten. Nur einem Volke, das man nicht achtet, wagt man eiaq � derartige Insult« ins Gesicht zu schleudern. Dias- andere Verbrechen des Herrn Hinze besteht erstens in dem Be- such von Versammlungen, in denen auch Sozialdemokraten vertrete« waren— ein Verbrechen, das verschiedene konservative„Kameraden" i« Berlin ebenfalls begangen— von den Kompromißanträgen gegen di« Freisinnigen, mit denen diese die Sozialdemokraten wiederholt„beehrten", ganz abgesehen; zweitens darin, daß er es gewagt hat,„dem über Heeres- eurrichtungen verkündeten Willen Er. Majestät des Kaises entgegenzü' trete.»." � D»ß Herr Hinz«, al« er letzteres that. der aktiven Armee gar nicht» �. mehr angehtzvtr, thut nichts zur Sache— er- hat auch im bürg er« lichen Leben seinem„Kriegsherrn" zu pariren. Wir kennen di> j: Weise, wir kennen den Text— ist er doch bot den Wahlen in alle« Kriegervereinen bis zum Ueberdruß proklamirt worden, dies« �, freche Einbruch in die verfassungsmäßigen Recht«$_ des Volkes. Herr Hinze hat schön sagen: J Ktten: fallen, und z deutsä dicht: Da »anar Haare D« „Es wird mir stets zur besonderen Genugthuung gereichen, wen». meine politischen Üeberzeugungen sich mit denen der Regierung Uebereinstimmung befinden; im gegen theiligen Falle aber meint p o liti s che U e b erzeugung v erleugnen, das wärt eine Feigheit, durch welche ich wirklich meine perl sönliche Ehre und damit auch die Ehre meines Standes äff Offizier a. D. verletzen würde"— der Bande gegenüber, die in Preußen-Deutschland kommandirt, konnss er sich gar nicht ärger kompromittiren als durch diesen Satz, der alles dings die Billigung aller anständigen Leute finden wird. Berleugf nung aller politischen Grundsätze, Mißachtung alle« den hohenHerren unbequemenG«fetze, Bauchrutsche vor der Macht istdaS erste Srforderniß, um heutzutage zu„Ehr- zu kommen. Das ist die Moral dieser neuesten Leistung der Vertreter der pi tirten„Ehre". Beiläufig ist es ein bekanntes Geheimniß, daß di« tonangebend« � sönlichkeit im preußischen OffizierkorpS nicht der alte Wilhelm, auch ni „unser Fritz", fondern dessen hoffnungsvoller Sprößling, der Jung Wilhelm ist, bei dem allerdings noch kein Mensch auch nur eine Spr einer„liberalen" Anwandlung bemerkt hat. Das ist der würdige Vl treter der„neuen Generation" in Preußen-Deutschland, jener Jugen» die kein anderes Ideal kennt als die Macht und kein anderes Strebe! als das nach einer gutbezahlten Anstellung. Und da«S mit dem myst< riösen KehIkopf-„Auswuchs" d-S Kronprinzen trotz aller offiziösen& leugnungen mehr wie bedenklich steht, so kann sich das deutsche Philif thum nur alle Illusionen von einer, auch noch so kurzen„liber,' Regierung aus dem Kopfe schlagen. Wenn der Junge Wilhelm den Wilhelm ablöst, dann wird eS vom Regen in die Traufe kommen. das ist gut so, denn der HohenzollernkultuS muß erst ein Ende nehm« ehe eS in Deutschland besser werden kann. Und diesen dem Lol gründlich auszutreiben, dazu ist der Potsdamer Sold« schinder„wie geschaffen". «ersch — eii derkeh langst ßelaus studir Un! wüßt, iliimi Un Taktü krat chis � ut sich l »der sich ii welch. stäMrr Pol-z, »atioi wahr und 5 Jesun sirun, Vftth tut> solche «Pitz, «egie Lusta «und S-n d »i i« — Milderung deS Sozialistengesetze» durch— diesen tag! das ist das neueste Entenei, welches die politische Kannegie! ausgebrütet hat. Und wo? In der„Frankfurter Zeitung". O Unsi: dein Name ist Sonnemann! Selbst nationalliderale Führer, meint- sagtet Moniteur des demokrätelnden Spi-hbürgerthums, seien gegen de»».77 kleinen Belagerungszustand und die Ausweisungen, und wollten bei de>?ttt! nächsten Erneuerung mindestens für Ausmerzung der betreffenden Par»' graphen sorgen. Run, wer'S glaubt, bekommt von Sonnemann eil» Million zur Gründung einer Entenfabrik oder Entenbrutanstalt a» größtem Fuß. Die Frage ist blos, wen will die„Frankfurter Zeitung mit solcher Fabulirerei betrügen? Gewiß keinen Sozialdemokraten � denn es gibt gewiß keinen, der nicht seit Bestand deS Sozialistengesetz« genau wüßte, erstens: daß dasselbe organisch zu dem herrfchenvel System paßt, also nicht beseitig: werden kann, so lange dieses Systes besieht; und j w e i t e n s, daß das Sozialistengesetz ohne den B«' lagerungSzustands-Paragraph und die Ausweisungen ei» Messer ohne Klinge und Stiel ist. Also wem will Herr Sonnemann einen Bären aufbinden? Sein»» Philistern, damtt sie denken, es fei doch nicht so schlimm mit ds „Reaktion", als man gewöhnlich glaubt, und die liebe Gemüthlichkett\* noch immer nicht ganz aus der deutschen Politik verschwunden. Item— wir haben die Sonnemann'sche Snte in unser RarttäteB Kabinet gefetzt. — ES gibt Thier« und Menschen— schreibt man uns— dlj so dickfellig sind, daß sie die kräftigsten Hieb« nicht spüren. Und He� von Böttlcher, der bundeSräthliche Naturbursche, welcher in der letzte» Reichetagssitzung bei der Debatte über den SprembergerBelag� rungszustand den durch Abwesenhett glänzenden Pultkamer zu v� treten hatte, schien sich bei den Hieben, die ihm fozialistischersetts appl» ateU1 ANA lein«' .t dl« eits-i läte» - vi« Her« letz- Mi" .vi» ippli» irt wurden, ganz wohl zu fühlen, und er fand sogar eine naive SeWedigung in der Thatsache, daß ihm nicht auch noch andere alS sozialdemokratische Hiebe applizirt wurden. Nun— Herr Bötticher hat »in heitere! Naturell— er weiß sich in alle! zu schicken, hat da! Talent Metternich'!, lächeln zu können, während e! Fußtritte und Schläge auf seinen hinteren Menschen regnet, und würde, wenn die Fortschrittler — was sie natürlich nicht thaten— den Protest der Sozialdemokraten unterstützt hätten, nur einen neuen Quell der Freude darin entdeckt haben, daß b l o! die Fortschrittler sich an der Abprügelunz bethsiligt. Daß die Herren Fortschrittler stumm blieben, auch nachdem Herr «on Bötticher aus ihrem Schweigen den Schluß gezogen, daß sie die »Tründe" der Regierung billigten— das zeigt freilich die ganze Verkommenheit dieser polttischen Amphibien. Und wenn Herr Richter in seinem Moniteur hintennach behauptet, die Fortschrittler hätten jene Reußerung des Naturburschen Bötticher nicht gehört, so ist da! eine faule Ausrede, die Niemand ihm glaubt— und die obendrein gar keine Entschuldigung wäre. Denn auch ohne eine derartige Anzapfung hätten die Herren Fortschrittler daS Wort ergreifen müflen. Das erfordert« der einfachste Anstand— von Prinzipien gar nicht zu reden. Richt, daß wir es erwartet oder gewünscht hätten— wir kennen unsere Pappenheimer, und so wenig wir Trauben von Dornbüschen erwarten, so wenig erwarten wir mannhafte! und demokratisches Handeln von der sogenannten Fortschrittspartei. — Ueber den Breslauer Geheimbundprozeß wird UN» ge. ichrieben; »Anarchistisch" soll der fürchterliche Geheimbund sein, den die Polizei in Breslau„entdeckt" haben will. WaS es mit solchen„Eni- deckungen" auf sich hat, das wissen die Leser des„Sozialdemokrat". Entweder„entdeckt" die Polizei nur, wa! sie selber gemacht h»t, oder es ist nichts, blauer Dunst. Der Breslauer„Geheim- «und" ist von derselben Qualität wie der D a n z i g e r„Geheimbund". Und die„anarchistische" Zuthat ist ihm blos deshalb gegeben worden, »eil das Publikum, welches man durch diese„Geheimbünde" in Schrecken versetzen wollte, darüber zu lachen beginnt. Und zum Lachen wären l« auch die„Entdeckungen", wenn sie nicht für so viele Schuldlose mit »erlust der Freiheit, der Stellung und des Familienglücks verbunden «ären. Gerade in der F r i v o l i t ä t, mit der um nichtiger Dinge willen Untersuchungshaft und geschästlicher Ruin über Unzählige verhängt wird» negt das ganz besonders Gehässige und Schmachvolle der jetzt modischen 5Geheimbunds"-Prozesse. Doch lassen wir das. Feststeht, die sozial« emokratischen„Geheimbünde" ziehen nicht mehr; sie haben «usgehört, ihren Zw ck des„Gruseligmach-ns" zu erfüllen— wenn sie ihn überhaupt je erfüllt haben— und müssen durch etwas„stärkeren «f«*t werden. Die„anarchistische" Vogelscheuche wird au-g-stellt— sie hat schon einen fürchterlichen Revolver in der Hand—, « 5na,�'�0n?�e vurd sicherlich nicht lange auf sich warten lassen. Doch wir müssen erzählen, damtt der Leser sieht,„wie'! gemacht wird." Also etwa Mitte Juni war in den R-ptilblättern zu lesen, wie ein »reslauer Student, der einem anarchistischen Geheim« »und angehöre, sich der Verhaftung durch die Flucht entzogen habe. Den folgenden Tag erfuhren wir schon, der fragliche Geheimbund bestehe «us Polen und anderen staatsfeindlichen Elementen— und habe «na rchistische Ziele der schlimmsten Sorte verfolgt. Den beuten Tag wurde der anarchistische Flüchtling in Würzburz verhaftet IT® er Name blieb noch verschwiegen— allein mysteriöse Andeutungen «eßen den Angstphilister schließen, einer der gefährlichsten Nihilisten und Attentäter sei der ewig wachsamen deutschen Polizei in die Hände ge- Men, und durch diesen gelungenen Fall seien unsägliche Ka'.astrophen und Verbrechen von uns glücklichen, sozialistengesetz beschirmten Reichs- »futschen abgewandt worden. Den vierten Tag kam die furchtbare Nach- t'cht: bei dem Flüchtling sei ein Revolver gefunden worden.-- Das war der Meisterstreich des Polizei-Novellisten.„Geheimbund", »anarchistisch«,„Flüchtling«,„Revolver"— verschiedene angstmeierliche paare sträubten sich zu Berg. ■ fünfte Tag endlich brachte den Namen des entsetzlichen Ver- die allwissende. allweise und allmächtige M»lizei noch rechtzeitig mit so genialer Geschicklichkeit seiner Verbrecherlausbahn ent< Mn hatte, ehe er zur Ausführung der geplanten Verbrechen hatte ichreiten können. Und als der Name genannt wurde— da wurde Jedem, der den «ann kannte, die ganze Infamie dieser Polizeikomödie klar, und da! ASthsel war gelöst, warum der Polizei-Novellist den Namen so lange »«rschwiegen. Einen harmloseren Menschen hat die Sonne nie beschienen ein Breslauer Student, der dann und wann mit Sozialdemokraten Ufrkehrte, und dem der Schreck in tt>ie Glieder suhr, als er von den Ängsten Verhaftungen hörte. In seiner Angst war er nach der Elsenbahn saufen und hatte sich ein Billet nach Würzburg gelöst, wo er früher Und das ist der„Anarchist", welcher der Polizei als Wauwau dienen mußte, um den Breslauer„Geheimbund«, der nicht mehr zog, in eine aihllistlsche Mördergrube zu verwandeln.— O was ist dies« Puttkamerei doch für ein jämmerliches Handwerk! _. �"»erden sich erinnern, daß wir schon vor Wochen ans die Tanik der Polizei-Reptilten hinwiesen, den einfachsten sozialdemo- Graitschen sogenannten„Bergehungen" den Stempel des„Anar- ch» s m u s" aufzudrücken. Es ist M° t h o d e in dieser Falschmünzerei ■— und wenn unsere sämmtlichen Amts- und Regierungsblätter bei jeder sich bietenden Gelegenheit so ganz beiläufig die Redensart einflechten, »der Unterschied zwischen Sozialdemokratie und Anarchismus verwischt nch immer mehr", so folgen sie damit nur einer höheren Ordre, jj�che�direkt aus dem Polizeiministerium des biederen Herrn Puttkamer HerrPutty ist nämlich offiziell vom preußischen zum deutschen PvI'Zeimrnister avanzirt— aus daß das prophetische Wort Heine'! vom Nationalen Zuchthaus und der nationalen Peitsche auch bis aufs Wort »ahr werde. Im Laufe de! verflossenen Winters haben Verhandlungen »nd Konferenzen zwischen den sogenannten„Bundesregierungen" statt- »«sunden, und diese Verhandlungen und Konserenzen haben zur Organi- S/'ner gemeinsamen Polizei unter Putty's Kommando tut richtiger ausgedrückt: zur formellen Konsti- Inf*? 11 8«ner gemeinsamen Reichspolizei. Thatfächlich war eine ldtche ja schon längst vorhanden, und schon feit Jahren wird die Reichs- «pltzelei und-Schnüsselei von Berlin aus geleitet. Was die preußische Legierung verantaßte, auf eine formell-legale Anerkennung dieses gustandes zu drängen, das war vie„Lauheit" einiger kleineren Bundesregierungen, deren Polizei sich„den neuerwachsenen Ansorderun- g«N de! polttischen Sicherheitsdienstes" nicht immer gewachsen zeigte, wie *» im Puttkamer'schen Polizeirothwelsch heißt. �7- Eine interessante Erscheinung auf dem Gebiet des modernen «trthschaftslebens ist der 0 st s ch w ei z e r i s ch e S tickereiverband. S" der Stickerei herrscht in der Schweiz wie anderwärts die moderne J�uus i n d u st r i e, bei der bekanntlich das Lohndrücken noch leichter N«ie bei jedem anderen Jndustriesystem. Schließlich wurde aber den Fabrikanten bezw. Kaufleuten da« gegenseitige Unterbieten selbst zu arg, rjb so kam ein Verband aller Angehörigen der Stickereibranche zustande, einen für alle maßgebenden L 0 h n t a r i f und auch sonstige Be- xwmungen für den Arbeitsbetrieb festsetzte— ein Kartell, das seine ?»itze ausnahmsweise nicht gegen die Arbeiter richtete, sondern ledig- "ch ein Versuch ist, die segensreichen Folgen der freien Konkurrenz von ganzen Industriezweige abzuhalten, kein Bruch mit der kapitalisti- jch'N Privatwirthschaft, wohl aber ein indirektes Zugeständniß von ihrer ""tbehrlichleit. .Dieser Verband kann natürlich nur bestehen, wenn ihm alle Firmen �» betreffenden Branche angehören. Das war bis jetzt noch nicht der �u, namentlich hielten sich drei größere Exportfirmen, darunter eine S7 Keldkirch(Vorarlberg) und eine aus Paris demselben fern. gegenüber hat nun am letzten Freitag eine Versammlung der ,,."!chen Kaufmannschaft einstimmig eine Resolution gefaßt, in der " heißte »»•... weshalb wir beschließen, gegen die bestehenden Häuser geschlossen r-1 allen uns zu Gebote stehenden Mitteln vorzugehen und dieselben £ ttviuge«, entweder dem Verbände beizutreten oder aber ihr »Ich äst aufzugeben. Gestützt hierauf verpflichten wir uns mit Unterschrist, jedem H ü l f! i n d u st r i e l l e n, der mit diesen Firmen arbeitet, unsere Ar« beit und unsere Aufträge zu entziehen und Angestellte dieser Häuser, die noch üb-r drei Monate bei denselben verbleiben, bei eventuellen spä- teren Anstellungsgesuchen abzuweisen. Diese Beschlüsse richten sich gegen diese Häuser, ob sie nun unter eigenem Namen oder dem eine! andern Geschäftes arbeiten. Diese Be- schlüsse sind sämmtlichen Hülfsindustriellen mitzutheilen und treten s 0- fort in Kraft. Eine besonder« Kommission wird mit der Ausführung und Ueberwachung dieser Beschlüsse beauftragt, derselben der nöthige Kredit ertheilt und sie eingeladen, zu geeigneter Zeit über ihre Thätig- keit Bericht zu erstatten." In dem uns vorliegenden Bericht heißt es weiter: „Ein bezügliches Zirkular an sämmtliche Hülfsindustriellen der Stickerei- Industrie, Brenner, Bleicher, Appreteure, Färber, AuSrüster, Stoff- und Garnhändler, Buchbinder, Lithographen, Zeichner, Papierhändler, Schreiner ic., wodurch st- aufgefordert werden, im Sinne obiger Resolution einen Revers zu unterschreiben, wird verlesen." Mit andern Worten, ein regelrechter Boykott. Ein Boykott von Unternehmern gegen Unternehmer, um diesen die Wahrung ihrer wirth- schaftlichen„Freiheit" unmöglich zu machen. Ja, so wenig Achtung vor der freien wirthschaftlichen Konkurren, haben diese Kaufleute, daß sie weiterhin beschließen, ihr„Zentralkomite um Prüfung der Frage zu er- suchen, ob nicht die Verbandsstatuten in dem Sinne zu revidiren seien, daß die Frist, innerhalb deren ein Mitglied aus dem Verbände nicht ausscheiden kann, ausgedehnt resp. von e i n auf zwei bis drei Jahre erhöht werde, und ob Verbandsmitglieder, welche Fabriken oder Stickstühle veräußern, nicht gehalten sein sollen, nuran solchePersonenzuverkaufen, diedem Verbände angehören oder sich demselben anschließen." Diejenigen, welche nicht pathetisch genug von der„Sklaverei" dekla- miren können, welche der Sozialismus unfehlbar zur Folge haben müßte, finden hier einen wirthschaftlichen Zwang stärkster Art al! daS einzige Mittel proklamirt, eine ganze Industrie vor dem völligen Ruin zu retten. Weit entfernt, den Zwang als eine Bedrückung zu em- pfinden, strebt man nur danach, denselben noch auszudehnen. Freilich, wird man einwenden, der Zwang bezieht sich nur auf die Produktion, aber will nicht auch der Sozialismus nur die Produktion vergesellschaf- ten, in Bezug auf den Verbrauch aber die größtmögliche Freiheit walten lassen? Der Unterschied zwischen ihm und dem, was der ostschweizerische Stickereioerband jetzt durchzuführen versucht, besteht darin, daß er ersten! nicht nur die Produktionsanarchie, sondern auch die Kräfteverzeudung in der Produktion ausheben und neben dieser auch den Vertrieb einheit- lich organisiren will, und daß er zweitens auch die Ausbeutung in der Produktion besettigen will. In dieser letzteren Beziehung trennt ihn allerdings von dem geschilderten Verband eine ganze Welt. — Zur Erschöpfaug deS Weltmarktes. Unter der glorreichen Regierung der in diesen Tagen so wahnsinnig bejubelten Viktoria sind dem britischen Weltreich nicht weniger als 7,2K').000(englische) Quadrat- meilen zugefügt worden, und die B-völk-rung der britischen Kolonien ist heute dreimal so groß als sie vor 10 Jahren war. „Man ersieht daraus," bemerkt in Bezug auf diese Thatsache das „Philad. Tageblatt," welche kolossal«„Erweiterung des Marktes" in diesem Zeitraum für die englische Industrie geschaffen wurde, ganz ab- gesehen noch von der gewaltsamen Eröffnung China's, der freiwilligen Japan's und der Entwicklung Nordamerika's, die auch in diesen Zeit- räum fällt. Und trotzdem hat diese Zunahme nicht genügt, um die englische Industrie im Ganz- zu halten. B s zum Anfange dieses Jahr- zehnts ging es noch. Man hatte sich bis dahin lediglich mit den etwa alle zehn Jahre periodisch eintretenden Handels-Krisen abzufinden. Seit- her ist aber eine Art Versumpfung in der Industrie England's und in bestimmten Zweigen ein absoluter Rückgang in der Produktion ein- getteten. Es fehlt an Märkten, trotz der oben angeführten enormen Erweiterung derselben. Die„U e b e r p r 0 d u k t i 0 n" ist chronisch geworden. Es läßt sich nicht verkennen, daß man in der Weltwirthschaft an einem Wendepunkte angekommen ist. Neue Märkte können nicht mehr entsprechend der Leistungsfähigkeit der europäischen und nordamerikanischen Industrie erschlossen w-rden. Vor vierzig Anhr-n war England last allein ein exportirendes Land. Es hatte damals noch den größten Theil von Europa zur Kundschaft. Heute machen ihm die Continental-Länder selbst Mttbewsrb. Alls zusammen müssen noch den Weltmarkt in An- spruch nehmen. Und noch ist Deutschland, Oesterreich und Rußland in aufsteigender Entwickelung begriffen. Das ist aber noch nicht alles. England hat im Interesse seiner Bour- geoisie die primitiven Industrien Indiens zerstört. Heute aber steckt schon eine Masse englisches Kapital in modernen Baumwoll-Waaren- Fabriken in Indien, deren Mitbewerb bereits bedrückend für Man- chester wird. In C h i n a ist die erste Eisenbahn eröffnet worden und wenn sich die dortige Reqierung auch die größte Mühe gibt, aus politi- schen Gründen die unabwendbare wirthschaftliche Umwälzung zu ver- langsamen, so wird doch über kurz oder lang nicht nur der chinesische Markt für die Europäer verloren gehen, sondern China wird auch als Konkurrent im Weltmarkte auftreten. Zunächst will China sich vom Ausland im Miltiär- und im Elsenbahnbedarf unabhängig machen. In- struktoren und Kapital kann e« genug bekommen und die Chinesen sind gelehrige Arbeiter Mit den Japanesen ist es ebenso. Da Asien als Kunde für die Europa r bald verloren gehen wird, werfen sich diese krampfhaft auf Afrika. Der Anschlag auf den Sudan ist aber mißlungen. Die nordafnkani'chen„Kolonien" sind, wie eine Notiz an anderer Stelle zeigt, theure Bissen, die Negerbevölkerung im Innern ist zu bedürfnißlos und auch nach neueren Forschungen gar nicht zahlreich genug, um den Verlegenheiten der europäischen Jndu- strien abzuhelsen. ...„Wenn die Kapitalisten außer Stand sind, ihren Raub an der Arbeiterklaffe, sei es in Maaren oder in Kapital, anzubringen, so muß ihr System zum Krache kommen. Wenn fünfzig Jahre des riesigsten Landgrabsches nicht Schritt gehalten haben mit der„Ueberproduktion" in England allein, wie soll es dann kommen, wenn ein halbes Dutzend Länder exportiren, die Kolonien der Europäer in anderen Welttheilen wirthschaftlich selbstständig werden und außerdem China und Indien mit der modernen Großindustrie auf den Plan treten?" Diese Frage dürfte den Oekonomen der Bourgeoisie Kopfschmerzen bereiten. Für uns bedeutet diese Situation den Anfang vom Ende der kapitalistischen Ausbeutungswirthschaft. — Der fabelhafte Zauber, den da! Wort Neue Kolonien auf die herrschenden Klassen der sogenannten Kulturwelt ausübt, wurzelt außer in der„heiligen Goldgier" auri gacra farnog— in der stillen aber desto heftigeren Sehnsucht, ihren brutalenJnstinkten, denen sie daheim, angesichts der Steigerung des demokratischen Gedanken!, einen Zügel anlegen müssen, dort draußen freien Lauf lassen zu können. Aus den Kolonien braucht man sich nicht zu geniren, hat man e! doch dort mit„niederen Menschenrassen" zu thun, und gegen die ist der„ge- sittete" Europäer immer im Recht. Was in dieser Beziehung selbst in einem, der„zivilisirten" Welt so nahe gelegenen Lande wie Egypten noch möglich ist, dafür finden wir in einem, der Wiener„Gleichheit" auS Kairo zugehenden Briefe ein drastisches Beispiel. „Englische Offiziere und überhaupt Soldaten," heißt es da,„erlauben sich Brutalitäten gegen die armen Araber, die haarsträubend sind. Hier nur ein Fall. Bei den Pyramiden von Gizheh jagten zwei Offiziere, von denen einer einen arabischen Knaben anschoß, welcher mit seinem Vater das Feld bearbeitete. Der Vater des verunglückten Buben wollte den Engländer festhalten(und welches Vaterherz würde das nicht thun), um ihn dem Gericht zu übergeben, der andere Offizier legte sein Gewehr on und schoß den Bauer auf der Stelle todt. Jetzt natürlich kamen alle Araber aus dem Dorf« herbei und haben die beiden Kerls festgenommen, vorher aber wurden noch fünf angeschossen. Jetzt glauben Sie gewiß, daß die Beiden ihre verdiente Strafe abbüßen werden müssen, nun hören Sie. Sofort wurde eine starke Abtheilung Soldaten hinausgeschickt, alles wurde eingefangen, Weiber und Männer, Kinder und Greise, dann wurde ihnen ein endloses Schreiben vorgelesen, in welchem kund gegeben wurde, daß, im Falle noch einmal so etwas vorkäme, das Dorf dem Erdboden gleichgemacht würde. Außerdem wurden eine große Anzahl mit je 2S Peitschenhieben bedacht. Nicht genug, daß die armen Bauern ruhig zu- sehen, wie ihnen die Frucht auf den Feldern zertreten wird, denn es sind täglich 15— 20 Jäger anzutreffen, jeder hat ein, zwei und mehr Hunde, welche kreuz und quer springen— nein, nicht einmal mucksen dürfen st«, wenn ihnen ihre theuren Ange hörigen bei der sauren Arbeit» zusammengeschossen werden. Ich kann Sie versichern, die Leute sind von Natur gutmüthige M-nschen, freilich werden sie durch solche Vor komm- nisse gegen jeden Europäer von Haß erfüllt. Ich habe auf meinen Jagd« streifereien oft Gelegenheit gehabt, die Gutm üthigkeit der Araber kenn-tt zu lernen. Freilich für den ersten Augenblick treten sie jedem Europäer schroff entgegen, weil sie diese bisher nur als Feinde kennen g-lernt haben, doch läßt man sich nicht abschrecken und fängt mit den Leuten ein Gespräch an, so werfen sie nach und nach alles Mißtrauen bei Seite und offenbaren sich als gute M-nschen; am tiefsten hält sich der Araber verletzt, wenn man ihm, wie es hier bei den Europäern zur Sitte ge« worden ist, das nöthige Maß von Menschenthum nicht zuerkennen will. In dieser Hinsicht hat sich der Geheimrath Dr. Rohlfs grosartig hervorgethan. In seinen Schilderungen von Egypten sagte er kurz- weg, Egypten würde erst dann gut sein, wenn man alle Araber aus- rotten würde; das wäre so ganz Kamerun'sche s System. Viele Gelehrte haben Werke über Egypten geschrieben und alle diese Männer waren darüber einig, daß das Volk in grenzenlosem Fanatismus großgezogen 'wird, und daß erst nach Beseitigung dessen ein besseres Geschlecht erstehen würde. Herr Rohlfs hätte einmal ins arabi sche Viertel hinausgehen solle« und da den Metallarbeitern, Drechslern und Perlmutterarbeitern zusehen sollen, wie diese Leute mit den primitivsten Instrumenten Kunstwerke verfertigen, die wirklich das Staunen eines jeden Europäers erregen. Also Intelligenz ist diesen Menschen unmöglich abzusprechen. Thatsache ist, daß die arabischen Kinder bis zu ihrem 12. und 14. Jahre sich einer gesunden, geistigen Frische erfreuen und den sogenannten europäischen Schusterbuben an Witz und Geist nicht nächste hen. Doch nach Verlauf dieser Jahre fängt der Berdummunzsprozeß mit ihn en an; er geht in Moscheen, wo an ihm so lange herumzearbeitet wird, bis kein Fünkchen Geist mehr in ihm bleibt, mit 20 Jahren schon ist er in jene Klasse ein« gereiht, welche zu nichts weiter Sinn hat, als von Früh bis Ab.nds zn beten und die Glieder dabei zu verrenken. Bekanntlich legendi« Araber beim Beten großen Werth auf gymnast ische Uebungen, es soll Gott wohl« gefälliger sein. Die erste Zeit glaubte ich wirklich Turner zu sehen, welche Freiübungen machen, wie Rumpf beuzen, den Oberkörper nach rechts oder links drehen, Hüpfen u. s. w. Dieses Uebel zu untersuchen, die Unglückliche n zu bedauern, daS fällt Dr. Rohlfs eben so wenig ein, als hier d en gewaltb-sitzenden Euro« päern die Wahrheit zu sagen, damit sie eine bessere Volkserziehung an« streben möchten; aber ein Volk läßt sich eben nicht über Nacht kultiviren, deshalb ist es besser, mit Kanonen und H interladern, es geht schneller, wenn auch nicht edler. Ich habe die Araber besser kennen gelernt als dieser humane Dr. R 0 h l f s, derselbe hat sie von ferne wie wilde Thiere betrachtet, ich bin in die Hütten derselben gegangen, habe mich den Sitten und Gebräuchen unterworfen und diese mitgemacht. Man kann dieselben immer in einem fremden Lande mitmachen, ohne sie sich anzueignen. Dieses hat alles der Herr Dr. Rohlfs un terlassen, und deshalb schleu« derte er die, jedes Humanitätszesühl verletzenden Worte in die Welt." Herr Rohlfs ist bekanntlich eine Leuchte der deutschen Kolonial» freibeuter, in deren Namen er bereits allerhand offizielle„Missionen" ausgeführt hat. Man bilde sich also nicht ein, daß die Afrikaner von den deutschen„Eroberern" eine bessere Behandlung zu erwarten haben al! etwa von den Engländern. Die„ trockenen" Früchtchen der deutsche« Junker- und Jobberwelt, für die jetzt in Afrika Pöstchen geschaffen wer« den, werden es, wie ihr Treiben in Deutschland zeigt, eher noch schlimmer machen als ihre englischen Konkurrenten. — Sehr richtig! In einer der letzten Nummern der„Freiheit" theilt Johann Most allerhand„Erlebtes mit Spitzeln und Dergleichen" mit, die sich mit Vorschlägen zu kühnen Thaten" an ihn drängten. Da lesen wir u. A.: „In Newyork drängte sich bald nach meiner Ankunft in Amerika ein Mensch auf, der fortwährend um eine Unterredung unter vier Augen mit mir nachsuchte. Als ich hierzu niemals Zeit hatte, schrieb er mir einen Brief, worin auseinandergesetzt wurde, daß„nächstens" die Kaiser von Deutschland, Oesterreich und Rußland gleichzeitig abgemurkst werden sollten. Ich solle nur Proklamationen anfertigen. Und um deren Text mit mir besprechen zu können, wurde ich nach einem bestimmten Platz zu einer festgesetzten Stund,- bestellt. Letztere war jedoch schon verstrichen, als der Brief in meine Hände gelangte, so daß das Rendezvous ganz von selbst unterblieb. Gehört und gesehen habe ich hernach von dem kühnen Tripelattentat nichts mehr. „Hätte ich die gewünschten Proklamationen geliefert, so hätte da! natürlich genügt, um andere Genossen damit zu umgar« nen und unglücklich zu machen,„Entdeckungs"- Gelder zu kassiren und mich selber wahrscheinlich auch gehörig einzuseifen." Der Artikel schließt mit den Worten: „Allen Spitzeln und Solchen, die es werden wollen, kann dieser Ar« tikel zur Nachricht dienen, daß sie ihre Zeit umsonst verschwenden, wenn sie mich mit Vorschlägen, Plänen u. s. w. belästigen. Die Genossen da« gegen sollten die gemachten Angaben witzigen. „Sobald die nächsten besten Leute, welche sich in unsere Organisationen zu schmuggeln wissen, sich besonders„radikal" geberden und beständig bemühen, zu abenteuerlichen und ge« fährlichen Unternehmungen zu reizen, thut man gut, de« Betreffenden nachzuspüren. Es ist in der Regel nicht ganz richtig mit solchen Brüdern. Augenblicklich wimmelt es allenthalben von solchem Gesindel. E» kann mithin hier nicht genug Vorsicht beobachtet werde n" Sehr richtig, wiederholen wir. Und darum nicht minder richttg, well die Warnung zur Vorsicht„verdammt spießbürgerlich« klingt. — Immer hübsch staatsmäunisch.„Natürlich schreien die Blätter über die von der Regierung geübte Vergewaltigung; allein wen» auch hier und da mit Hochdruck gearbeitet sein sollte, so ist doch die Niederlage der Opposition zu umfassend und zu schwer, als daß sie auf bloße Wahlbeeinflussung zurückzuführen wäre." In welchem Blatt steht das wohl zu lesen? Sicher in irgend einem Regierungsblatt, denkt der Leser. Fehlgeschossen, das steht in der de mo» kratischen„Frankfurter Zeitung". Freilich, es handelt sich um die Wahlen in Ungarn, und die Opposition, von der gesprochen wird, ist die nationalkroatische. Nnn gehören wir weder zu den Magyarenfressern, noch zu den ver- ehrern der kroatischen Nationalpartei. Jndeß muß eS einen doch sonder« bar berühren, wenn man das ganze Jahr über nur von dem Terro» rismus der Magyaren gegen die nichtmagyarische Bevölkerung Un« garns zu hören bekommt, jetzt plötzlich eine derartige Beschönigungsnotiz in einem Blatte zu finden, das sich demokratisch nennt. Ist der „Frankfurter Z-itung" gar kein Beispiel bekannt, wo„bloße Wahlbeein« flussungen" zu Niederlagen einer Oppositionspartei geführt haben, wie sie„schwerer und umfassender" auch die Kroaten nicht erlitten? Denk' a Bissel nach, denk' a Bissel nach, Staatsmänn'che l — Fortschrittlicher BhzantiwiSmuS.„Noch in den fern- sten Jahrhunderten wird das deutsche Volk in der Königin Viktoria die Ahnfrau seiner Kaiser verehren", ruft verzückt die — Tante Voß am Schluß ihres Leitartikel« zur Feier de« englischen Thron-Jubiläums. „Noch in den fernsten Zeit en"— wa« find die fernsten Zetten — nicht des Weltalls, aber doch der Erde? Die Geologen geben unserm Planeten noch eine Dauer von etlichen Millionen von Jahren. Machen wir's mäßig und nehmen in runder Summe eine Million an. Also noch in einer Million Jahren wird daS deutsche Volk ic.? O du liebe Tante Voß! Vermuthlich hast du die Zeit mit demselben Maßstab gemessen, mit welchem die Staatsmänner und Diplomaten beim Abschluß der„ewigen Frieden" zu messen pflegen. Und vermuthlich hast du sagen wollen:„Bis in alle Ewigkeit wird das deutsche Volk"»c. Nun— die politische Ewigkeit hat einen Anfang. Und waS einen Anfang hat, muß auch ein Ende haben. Und die politische Ewigkeit ist, wie männiglich bekannt, eine Emtags fliege. — Tie Götz'sche Wahl kam im R-ichStag nicht mehr zur Verhandlung. Das haben die braven Kartellbrüoer glücklich erwirkt. Nun— eine Krähe hackt der andern die Aug.» nicht auS, und Herr Götz ist ein solcher Virtuos im Gesinnunasw-chsel und Renegatenthum, daß die Nationalliberalen, deren Hauptstärke in diesen zwei Tugenden und Künsten liegt, eine Art moralischer Verpflichtung empfinden, ihn um jeden Preis bis gegen Schluß der Legislaturperiode in ihrer Mitte zu behalten. — Jens Christensen wird nun bald aus allen deutschen Klein« staaten ausgewiesen sein. In voriger Nummer meldeten wir seine Aus« Weisung aus K o b u r g, heute erhalten wir die Mittheilung, daß er auch aus Weimar ausgewiesen. Und uner welcher Mottvirung? Man HSre: „Da pp. Christensen seinen Aufenthalt im hiesigen Orte zweifellos dazu benützt, für die sozialdemokratischen Zwecke zu agitiren, wie dies daraus sich ergibt, daher am 18. Juni 1887 mit dem in Erfurt wohnhaften sozialdemok ratischen Agitator Reißhaus eine Zusammenkunft in Weimar gehabt hat, so...." u. f. w. u. f. w. Dazu schreibt man uns Folgendes:„Reißhaus hatte am Sonntag den IS. Juni mit feiner Familie einen Ausflug nach Rudolstadt gemacht und kam Abends mit dem Zuge durch Weimar. Da Christensen auf seiner Reise von Koburg nach Weimar in Erfurt gewesen war und Reißhaus gesprochen hatte, wußte er das und war deswegen auf dem Bahnhof. Hier mußten die Passagiere nach Erfurt umsteigen und hatten einige Minuten Aufenhalt, den Christensen und das Ehepaar Reißhaus benutz- ten, um im Wartesaal deS Bahnhofes eine Tasse Kaffee zu trinken, wo- bei Frau Reißhaus von ihrem Ausfluge erzählte. An demselben Tische saß noch eine ganze Anzahl ihnen ganz unbekannter Passagiere, von Parteiangelegenheiten wurde auch nicht eine Silbe gesprochen. Nicht wahr, eine recht staatsgefährliche Zusammenkunft?" Allerdings. Christensen hätte sich nur an Krähwinkels Schreckens- tage erinnern sollen:„Wo ihrer drei beisammen stehen rc. ic." Im Uebrigen reicht der Arm der Gerechtigkeit bekanntlich weit, und der heißt in Preußen-Deutschland P u t t y! — Zum Kapitel vom„Theilen". Der Zensus von 1830— schreibt der New-Dorker„Sozialist"— schätzt den Gesammtwerth des Eigenthums in den Vereinigten Staaten auf die Kleinigkeit von Doll. 45,642,000,000. Davon entfallen Doll. 10,137.000.000 auf Farmen, Doll. 3,881,000,000 auf Wohnungen und Geschäftshäuser; Dollars 5,536,000,000 auf Eisenbahnen und deren Ausrüstung; Dollars 5,000,000,000 auf Möbel, Gemälde, Bücher u. dergl.; Doll. 2,000,000,000 auf Kirchen, Schulen und sonstige Anstalten. Abgesehen davon, daß diese Schätzung zugestandenermaßen ein paar Billionen zu niedrig gegriffen ist, ergibt diese Summe, unter die 50 Millionen Einwohner gleichmäßig vertheilt, für eine jede Familie von 5 Köpfen ein baares Vermögen von Doll. 4250. Das würde nun immerhin„etwas" sein, und gewiß bester als nichts, auch besser als hungern und auf der Land- straße wachen- und monatelang herum zu vagabundiren. Wir brauchen aber unsern Lesern nicht erst zu sagen, daß diese Art von Theilen nicht sozialistisch ist und nicht im Entferntesten unseren Idealen«nt- spricht." — Anarchistisches. Richtiger wäre es vielleicht, Peukert'sches zu sagen, da die neueste Leistung des Radikalsten der Radikalen selbst bei manchem Anarchisten Kopfschütteln erregt haben dürfte. In der neuesten Nummer der„Autonomie", in der es nicht an allerhand Schimpfereien auf den„Sozialdemokrat", wohl aber an der versprochenen Ausklärung über die Peukert-Reuß'sche„Geschäftsreise" fehlt, lesew wir: „Die„Freiheit" nimmt dies"(die Ankündigung, daß Neve der Theilnahme an dem Rumpf-Attentat angeklagt werden soll. Red. des„S.-D.")„zur Veranlassung eines Appells an die Genossen in Europa, einen Fonds zur Beschaffung eines„tüchtigen" Vertheidigers für Genosse Neve zu gründen. Wir können nicht umhin, unser Erstaunen über eine solche Idee der„Freiheit" auszusprechen. 1) Haben wir längst aufgehört, von einer Gesetzesverschwörerbande zum Schutze der herrschenden Klassen irgend welche Gerechtigkeit zu verlangen. Denn die sind nicht da, G e« rechtigkeit— besonders Anarchisten gegenüber— zu üben. 2) Hat uns die Erfahrung in Oesterreich sowohl wie in Deutschland nachgrade mehr als zur Genüge gelehrt, daß das ganze Advokatenpack bei allen Anarchistenprozessen den Angeklagten— mehr noch aber der Sache— geschadet als genützt haben. 3) Sind unter solchen Umständen die für solche Zwecke verwendeten Gelder der Propaganda nöthiger. Für d a S Geld kann die ganze Reichsjustizgaunerbande„prozessirt" werden. End- lich 4) würde Genosse Neve, soweit wir ihn und seine Gesinnung kennen, einen solchen„Rechtsbeistand" mit Entrüstung zurückweisen." Mit andern Worten, Neve soll, auf die Gefahr hin, daß er dadurch wichtiger Vertheidigungsmittel verlustig geht, ohne Rechtsbeistand gelassen werden. Das ist in der That der Gipfel des Radikalismus— oder sollen wir sagen Reußianismus? Der Judaskuß in Lüttich wird hier noch überboten. Was kommts darauf an, ob Neve in die ihm vom Staatsanwalt gestellten Schlingen fällt? Dann fällt er eben, aber— die Katze, die Katz' ist gerettet. Jndeß, die Advokaten taugen ja alle nichts. Das sagt derselbe Pen- kert, der sich in Wien sehr gern die Hilfe von Advokaten gefallen ließ, und der es durchaus nicht verschmähte, in Nürnberg mit einem fortschrittlichen Advokaten ein politisches Kompagniegeschäft zu machen. Sollte er sich bei letzterem etwa die Finger verbrannt haben? Oder datirt sein Abscheu erst seit jenem berühmten„N e b e r f a l l" im Anar- chistenklub in London, wo die Gerichte auch nicht angerufen werden durf- ten, weil das gegen die Prinzipien deS„Radikalismus" verstoßen hätte? Wie dem aber auch sei, die Freunde Neve's dürfen beruhigt sein. Für das Geld, was seine Vertheidigung kosten würde,„prozessirt" Herr Peukert die ganze„Reichsjustizgaunerbande". Und wer etwa die naseweise Frage auswerfen wollte, warum denn in den vielen Jahren der segens- reichen Thätigkeit des Herrn Peukert auch noch nicht ein einziges Mit- glied der ganzen Reichsjustizgaunerbande wirklich„prozessirt" worden, der erfährt jetzt wenigstens den Grund: es hat blos an den nöthigen Moneten gefehlt! — Unverbesserliche Barbaren, diese Indianer. Waren da Anfangs Juni in Eufaula(Jndianer-Teritorium der Vereinigten Staaten) Delegirte von 1s Jndianerstämmen,— u. A. Cherokees, Creeks, Choctaws, Chickasaws, Seminoles, ic. beisammen, und beschloßen einstimmig, eine Denkschrift folgenden Inhalts dem Präsidenten Cleveland zu unterbreiten: „Wir wünschen, daß die Regierung uns die Wohlthaten der Zivili- sation angedeihen lasse, ohne uns unsere Rechte zu nehmen. Das System, unter dem wir bisher gelebt haben, verstehen wir besser, als Andere, zu beurtheilen. Wir beabstchtigen nicht, der Politik der Regierung hin- dernd in den Weg zu treten, sondern sie nach Kräften zu fördern; und aus diesem Grunde legen wir im Interesse der wilden und zivilistrten Jniianerstämme Verwahrung ein gegen das neue Gesetz, welches die Jndianer-Lände.reien in Privatbesitz» ungen parzelliren will. Ein solches System wäre unser Unglück, denn es würde bald alle Indianer— die Stämme wie die Einzelnen— in eine Katastrophe stürzen; es würde nur die Land« Monopolisten bereichern, gegen welche selbst die zivilisirte Justiz-Maschinerie ohnmächtig zu sein scheint. Wir sind gegen jede Maßregel, die uns in einen ungleichen Kampf hineinzieht. Der Indianer hat nur Patriotismus nöthig, um ihn für den Fortschritt zu interessiren. Das neue Gesetz dagegen, das wir bekämpfen, gibt dem Indianer Gelegenheit, sich irgend einer anderen politischen Körperschaft anzuschließen und sich ein Stück Land als Eigenthum auszusuchen, das ihm bereits mitgehört, da es Gemeineigenthum ist. Das Ge- setz will uns Jedem ein Stück von dem Land geben, das uns bereits gehört, und den Rest an Leute verkaufen, die, obschon sie keine Sym- pathie und kein Interesse für die Indianer haben, dann in ihrer un- ersctttlichen Hab- und Gewinnsucht sich wie toll aus unser Gebiet stürzen und damit jede Hoffnung aus indianische Zivilisation ersticken werden. Wir ersuchen, das Gesetz vorläufig zu suspendiren, damit wir Gelegenheit haben, unser Recht beim Ober-Bundesgericht zu erkämpfen." Ist das nicht der Gipfel der Barbarei, sich den Segnungen des allesbeglückenden Privateigenthums zu widersetzen? Und mit welcher frechen Motivirung?„Es würde nur die Landmonopolisten bereichern" — als ob so etwas je in den Stätten des hochzivilisirenden Privat- eigenthums vorgekommen wäre! Und dann noch höhnisch behaupten wollen, daß gegen die Landmonopolisten selbst die zivilisirte Justiz- Maschinerie ohnmächtig zu sein„scheine"! Als ob nicht die Großgrundbesitzer in allen Ländern die Stiefkinder der Gesetzgebung wären, die reinen Paria's. In der That, solch' unverschämte Verleumder, die gar kein Verständniß haben für die wahre Zivilisation, verdienen ausgerottet zu werden. Und sie werden ausgerottet werden— im Namen der Zivilisation! — Ohne jeden Kommentar bringt die„Frankfurter Ztg." und nach ihr die gesammte deutsche Preffe die nachstehende Notiz aus Leipzig: „Ein in Z w i ck a u während der zwölstägtgen Uebungszeit beurlaubter Reservemann brachte bei der Heimfahrt aus dem Coups des Eisen- bahnwagens ein Hoch auf die Sozialdemokratie aus. Da sein Name sofort ermittelt werden konnte, wurde er arretirt und sofort in mili- tärischen Gewahrsam nach Leipzig gebracht."— Kein Wort der Entrüstung, kein Wort der zahmsten Kritik gegen diese infame Ausdehnung des Kasernengehorsams auf Leute, die gar nicht mehr der Armee angehören. Daß der Soldat nicht zum Volke gehört, ist ja eine alte Geschichte, aber auch den Reservemann, der seiner Militärpflicht genügt, für eine allerdings ungeschickte, aber doch ihm so gut wie jedem andern Staatsbürger zustehende Bekundung seiner Sympathien unter die militärische Fuchtel stellen, ist eine Anmaßung, die den Widerspruch jedes Gegners der Pickelhauben-Wirthschaft herausfordert. Was dem Major Hinze billig, ist dem Reservemann auS dem Volk Recht. — Ueber die durchschnittliche Lebensdauer von Personen mit verschiedenen Berufsarten haben stattstische Aufnahmen der neuesten Zeit folgendes Ergebniß geliefert. Es beträgt die Lebenszeit: 67 Jahre beim Gsistlichen, 57 Jahre beim Philologen und Lehrer, 54 beim Juristen. 43 beim Arzt, 58 beim Gärtner, Fischer und Bauer, 54 beim Bäcker, Bierbrauer und Metzger, 43 beim Zimmermann, Maurer, Maler und Anstreicher, 47 beim Schlosser, Schmied und Tischler, 44 beim Schuh- macher und Schneider, 41 beim Steinmetz, Schriftsetzer und Lithographen, 32 beim Fabrikarbeiter. Es find also die Fabrikarbeiter, schreibt der„Grütlianer", denen ihre Berufsart, deren Einfluß noch erhöht wird durch eine unzulängliche Ernährungsweise, am härtesten zusetzt. Dafür sind die Pfarrherren, die ein sehr beschauliches, angenehmes Leben führen können, um mehr als das Doppelte besser dran. Sie wären wohl sehr unzufrieden, wenn man ihnen dieses beschaulich« Leben entziehen, sie zum Schicksal der Fabrikarbeiter verurtheilen und ihnen zum Ersatz ein besseres Loos im Jenseits verheißen würde. Die hartgedrückten Arbeiter dagegen sollen sich mit solchem Trost zufrieden geben! — Bei den LandtagStvahlen in Bayern haben die liberalen Mischmaschler den Ultramontanen einige Sitze abgejagt, zum Theil mit Hilfe der„Freisinnigen", denen sie an andern Orten dafür selbst mehre Mandate abmogelten. Unsere Genossen sind leider überall unterlegen, doch haben sie es in Nürnberg und M ü n ch e n II zu respektablen Minoritäten gebracht. In Nürnberg verdanken die Gegner den skan- dalös mangelhaft geführten Wahllisten ihren Sieg, in München einem in letzter Stunde abgeschlossenen Kompromiß zwischen National« liberalen und— gemäßigten Ultramontanen. So haben sie sich endlich auch gefunden, die feindlichen Brüder, und der richtige Reaktionsbrei ist fertig. Wir gratuliren! — Eine Belastungsprobe. Mit treffender Schärfe schreibt die Wiener„Gleichheit": „Das Hauptsiück des(Londoner) Jubiläums bildete eine kirchliche Feier in der Westminster-Abtei, welche, um Raum für das Publikum zu schaffen, in ein Theater umgewandelt wurde. Dattiber erzählen unsere ebenso feigen wie feilen Bourgeoisbläiter natürlich ohne jeden Kommentar: „Um die Tragfähigkeit der Galerien und Logen in der Westminster- Abtei für das Jubelfest zu prüfen, müssen mehrere Tausend Arbeiter zur Probe die Sitze einzunehmen und mehrfach gleichzeitig aus die Füße springen." Kann eine Thatsache bezeichnender sein für die Höhe der„Zivili- sation", welche England unter seiner Königin erreicht hat? Das allein ist ein ganzes Jubiläum werth l Es gibt ja gar kein einfacheres, natür- licheres und vor Allem billigeres Mittel, um die Festigleit von alten Brücken zu erproben, als da« angewendete. Stürzen sie mit den Arbeitern ein, brechen diese das Genick, so ist offenbar der Bau schon zu schwach. Wenn nicht, so ist wohl anzunehmen, daß auch die noblen Herrschaften sicher sind, die am nächsten Tage darauf Platz nehmen sollen. Die Mehrbelastung, die durch die Dickbäuche der Herren vom hohen Adel und der Bürgerschaft hervorgebracht wird, läßt sich durch mehrmaliges „auf die Füße springen" paffend ersetzen. In der That, gibt eS denn ein werchloferes, billigeres Belastungs- Material als ein paar tausend Arbeiter? Die englischen Thierschutz- und Antivisektions-Vereine würden gegen eine Brückenprobe mit Pferden oder Ochsen entrüstet protestiren; aber Arbeiter-- l Das allein ist ein ganzes Jubiläum werth!" Korrespondenzen. — AuS Oberschlesien. Die Niedertracht der Ausbeuter- s i p p s ch a f t wird alle Tage größer, und die schwarze G-nSdarmerie läßt es sich mehr als je angelegen sein, das Volk zu verdummen. Auf dem Dominium Bielau bei Neiße kann man die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit in ihrer erhabendsten Gestalt kennen lernen.„Verflucht faule Aecker,"„mistmadige Bande,"„Tage- diebe," das sind die Liebeserklärungen, die der Vertreter des Kapitals, Inspektor Zimmermann, den Arbeitern oft so lange vorbrüllt, bis er sich heiser geschrieen, und Leuteschinden und Lohnabzüge machen, das ist die Art, wie der Dickwanst diese Liebe„bethätizt". Die Inhaber der Zellulose-Fabrik in Ziegenhals können der ganzen Ausbeuter- schaft als Vorbild hingestellt werden. Verdienen jährlich 50,000 Thaler, zahlen 700 Mark Gewerbesteuer, und der höchste Lohn beträgt 1 M. 20 Pf.! Arbeit bringt Segen, aber wem? Bei der Reichstagswahl erhielt Kräcker im ganzen Neisser Kreise— 25 Stimmen. Hier geht es zum Sterben langsam! Neustadt bei Leipzig. Angesichts der Vorkommnisse bei der letzten Reichstagswahl ist es wohl am Platze, einige Hauptstützen der Mischmasch. partei, welche sich in der Versammlung, wo Hänschen sprach, grade wie die Bestien sich gegen unsere Genossen benahmen, öffentlich zu kenn- zeichnen. Nummer eins: Dietrich der Gemein— bevorstand (im Volksmund nach seinem Aussehen und seinem Gang Bulle genannt) ging in Verübung von Brutalitäten Allen voran, und griff beim Hinaus- schmeißen unserer Genossen höchsteigenhändig mit zu. Wenn man die Ver- gangenheit dieses Herrn einer näheren Untersuchung unterzieht, so muß man nur flaunen über die Frechheit, die ein Mensch an den Tag legen kann. Dietrich war bis vor zirka zehn Jahren Markthelfer bei dem „Hause Schunk" in Leipzig, bis er es bei Marithelfergehalt(I) zum Besitz zweier großer Häuser gebracht hat, die wahrscheinlich aus den Paketen und Ballen herausgefallen sind, welche beim Rohprodukten« Händler Damm und den Leinwandhändlern Schilling und Lehmann ab- gesetzt wurden. Wie wunderbar dieser Mensch sich„entwickelt" hat, geht daraus hervor, daß er einer Frau Bellkofer, die, weil der Mann lange krank lag, um Armenunterflützung anhielt, ihre Schwangerschaft zum Vorwurf machte! Auf gleicher Höhe der G-sinnnung und d-S Charakter« steht der jetzige Produktenhändler H. T h i e m e. Derselbe war früher Rohprodukten- Händler und hat sein Vermögen durch eine Art Geschäftsbetrieb erwor-. ben, die nach einem bekannten Sprichwort seinen Respekt vor der„Hei-� ligkeit des Eigenthums" allerdings erklärt. Ein weiterer Held, Namens B o r m a n n, hat sich bis heute noch nicht von dem ihm öffentlich gemachten Vorwurf gereinigt, daß er Geld unter- schlagen und Bücher gefälscht habe. „Held" K a l l m e i e r ist einer von denjenigen, die man im gewöhn- lichen Leben Kravattenmacher genannt; das schönste Lied über ihn kann der jetzt im Armenhause befindliche Alban! singen. Der reiche D a u s z, um den Reigen für heute zu schließen, spielt sich gern als Moralprediger auf, und er war es, der von einem Ehemann dabei betroffen wurde, wie er im Keller mit der Frau deS Bs- treffenden daS sechste Gebot praktizirte. Die Frau wurde wahnsinnig» und daS aus diesen„Moralübungen" hervorgegangene Kind muß die Gemeinde erziehen. Warum sich der Vater von ParadS gehenkt hat, darüber daS nächste Mal, wir werden über diese Herren weiter Revue halten. Di- Wachte «US dem Wahlkreis Jllertiffen(Bayern). Bon hier bis dato nicht viel zu berichten. Bei der großen Ausdehnung des Kreises war ei uns noch nicht möglich, auch nur Fühlung mit den Gesinnungsgenosse� an den verschiedenen Orten zu erlangen, geschweige denn unsre Stimmnt auf einen Kandidaten zu vereinigen, trotzdem in verschiedenen Orten» wo man es gar nicht vermuthet hätte, sozialistische Stimmen abgegeben wurden, und gegenüber denen die Städte im Verhältniß bedeuten? zurückblieben. Bei den jetzigen Zuständen, wo jedem rührigen Genosse? die Hände gebunden find, sowie auch die Mittel zu einer energischen Agitation fehlen, ist es eben leicht begreiflich, daß man nur langsam vorwärts kommt. Dies« Zeilen sollen aber doch Anregung zu weitere« Schaffen in unserer gerechten Sache geben. DaS Landvolk ist unsere» Lehren nicht abgeneigt, aber es fehlt die Belehrung in Wort und Schrift. Wo daS große Hindern, ß liegt, ist nur zu allbekannt. Run, auch das kleine Häuflein wird den Muth nicht verlieren und mit besiem Wille» wetter kämpfen für Freiheit, Wahrheit und Recht.*** wer, p-s> und NNg * S,.! BH. «. I St.! £ P« Briestasten der Redaktion: Gera: Der K.'sche Bttef hat sich nicht„»«« krümelt", wohl aber find wir von hier auS nicht in der Lage, ein Ur- theil, wie das gewünschte, abzugeben. Wir denken, es kann über die Sache zur T.-O. übergegangen werden.— Cooperator: Nach deot deutschen Reichswahlgesetz,§ 3 Abs. 2, find„Personen, über deren Bett mögen Konkurs- oder Fallitzustand gerichttich eröffnet worden ist, und zwar während der Dauer dieses Konkurs- oder Fall.to-rfahrens", von der Berechtigung zum Wählen ausgeschloffen. Wahrscheinlich verhält eS sich mit den sonstigen politischen Rechten ähnlich. Die Konkursordnung gibt darüber keine Auskunft.— R. in Chur: Der„Sozialdemokrat� scheint nach Ihrer Anficht zwar allen möglichen Angriffen Raum nach Belieben einräumen zu müssen, mit einer Aufnahme der Erwiderung der Angegttffenen aber sich einer verwerflichen Parteilichkeit schuldig zu machen. Schön, das ist auch ein Standpunkt, aber nicht der unsere. Uebrigens find Sie bezüglich des Verfassers der Erwiderung im Irr« thum. Es ist nicht B. der Expedition: I. R. Ath.: Bf. u. Beil.». 22/6. erh. und abgb.— Feldhptm.:»f. v. 17/6. am 26/6. erh. R. T. kommt nicht mehr. Kostet 20 u. Porto 20 Pf. Gruß.— Z. A. X.: Fr. 51— eingetroffen, betr. Cto somit geebnet.— I. L. Ch.: Bf. v. 2ö/6.erh. Rekl. nicht abgesandt, da postlagernd keine Sicherhett.— Die Sanften: Fr. 4 75 Ab. 3. Qu.«. Schft. erh. Bett, besorgt. Sdg. abg.—». S. KsttU Mk. 18 30 pr. Ufd. dkd.verw. Qttg. in Nr. 21 erloschen.— Gts. i. M.! Mk. 5— Ab. 8. Qu. u. Bbtk. erh. Mit 26 Wetteres hoffen dort.— I. K. Gz.: öwfl. 3— Ab. 3. Qu. erh. Guthaben von 60 kr. pr. 4. Q stimmt.— B. H. D. St. I.: Mk. 4— a Cto Ab. 3. Qu. erh.— Rothbart: Mk. 700— a Cto Ab. ic. lt. Avis o. 23. ds. erh.— Hannibal! Mk. 60— a Cto Ab.:c. erh. M. besorgt. Dank für Referenz.— H. P. Hf. Hg.: Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. erh.— Rothetbusch: Mk. 5 30 f. Schft. erh. Bfl. Wetteres betr. des Erwarteten.— Fuchs: Mk. 200— ä Cto Ab. ic. erh. Bstllg. u. Adr. ,c. notitt. Sdg. folgt thunlichst bald.— Dr. B. Rom: Fr. 2 50 Ab. 3. Qu. erh.„Nächstes Semester" sagen Sit irrig.— Dr. W. Cth.: Mk. 6— Ab. 3. u. 4. Qu. u. Mk. 4— pr. Ufds. dkd. erh.— Knurrhahn: Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. erh. Bfl. am 28. ds. Weiteres. Nochmals Dank für A.— Goldstein: Mk. 3 35 Ab. 3. Qu. u. R. T. erh. Adr. geordn. Weiteres dkd. notifizirt.— I. M. S. b. B.: Mk. 3- Ab. 3. Qu. erh.- Beob. a. d. Spree: Mk. 8 30 Ab. 3. Qu. erh. Wetteres besorgt.— Rother Sauerländer: Mk. 10— Ab. 3. Qu. u. Schst. erh. Katalog folgt. Adr. notirt. A. B. ersetzt durch C. 8, 0ch. 33.: Alf 5— Ad. 3. Qu. u. Schft. F. R. erh.— A. Hsd. Wg.k Mk. 1 50 Ab.' Juli erh.— H. I. Kbrg.: Mi. 4 40 Ab. 3. Qu. erh.- G. B. Vos.: Fr. 2 75 Ab. 3. Qu. u. Schft. erh. Bfl. am 27/6. W-i- teres.— I. B. Bkst.: Fr. 3 70 Ab. 3. Qu. u. Schft. erh. 30 Cts. pr. Ufd. dkd. verw. Bfl. Weiteres.- S. G. Mg.: Mk. 5- Ab. 3. Qu- erh. 60 Cts. davon gutgebr.— Rother Jllerthaler: Mk. 5— Ab. 3. Qu. u. Schft. erh. Bstllg. folgt.— Sperber: Mk. 100— a Cto Ab. ,0 erh. Bf. erw.— Gronpe des Egaux troyens: Fr. 10— f. d. Opftt des Schandgesetzes dkd. erh. Vivo l'union des peuples I— G. R> T so v daß ften stand B Man derb, H nach. V mand sich i tumg' Hl «ach. SS i es ei wäre, MB freien damit H° anwa \jnful stnotc stn tt V. ein! Spa Fakto He Hahn Vr Cinnnnati: Fr. 1015 Ab. 3. Qu. erh. Nota folgt.— Basel: Fr. 34 46 ein fy ä Cto Ab. erh�— Gg. P. G. a. d. Fj Mk. 3 24 Ab. 3. Qu. erh.-- � W.Dzg.: Mk. 8— a Cto Ab. 3/Qu. u. Schft. erh.�Bstllg. nottt��l H- »t. Bstllg. nottrt. Näheres bfl.— Pk. Ddr- Sieicki pr. Sch. erh.— F. Sch. Marsala: Fr. 2 56»r« •? SfPf Q?l 9.f\«r«« RA__ � � Bfl. mehr.— H. G. O.. Mk. 6— Ab. 3. Qu. erh.— Rheiuland 100 Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. erh.— Neckarschleimer: Mk. 15— Ab. 3. Qu, u. Schst. erh. Beil. sehr gut. Mk. 8 80 Ab. 2. u. 3. Qu. Ab. 3. Qu. erh.— Bürger Sanftmuth: Mk. 33 25 pr. Wzw. u. 50„ a Co. Ab. ic. erh. Bstllg. folgt.— Rs. U. a.D.: Mk. 4 40 Ab. 3. Qu�. 50 1 erh.� L. K. Flhn.: Mk. 6 30 Ab. 3. Qu. u. Schft. erh. Cdg. folgt! Keffer i. Horgen: Fr. 2— Ab. 3. Qu. erh. iGcgn« Zucht Anzeigen. I» unserem Verlage ist erschienen: Das Kommunistische Manifest. P r e i s: 20 Pf.(25 Cts.) PsNsIillchhaildlnni lmd«iptditiin des„Siiiiüitmikrgt* Zürich Samstag, den 2. Juli, Abends 8'/, Uhr, im kleines Saale(1 Treppe hoch) des Schwanen(Stadt): i, -Denn Hessenttich« Z?ersammk««g der deutsche» Sojialiste». Tagesordnung: Zucker und Schnaps im deutsche« Reichstag. Referent: Bgr. Bernstein. Zu zahlreichem Erscheinen ladet freundlichst ein Der Lokalausschuß. Jedermann hat Zutritt. Uuseru Abouueuteu in der Schweiz zur gef. 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