s te Aöouuements bli allen schwelgerischen Postdnrean;, sowie beim Verlag »ad dessen bekannten Agenten ««gegengenommen. und zwar zum voraus zahlbaren DierteljahrSpreii von: 8». 2,— fir dieSchwetz lKreuzband) Nk. S.— für Teutschland sCouvert) ?> 1,70 für Oesterreich(Coudert) 8r. 2,50 für alle übrige» Linder de» veltpostdereinS(Kreuzbands Zuserite die dreigespaltene PetitzeUe 25«ti. 20 Pfg. Der oMemckrat Grgan der Sozialdemokratie deutscher Junge. Erscheint wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz). Anlag der VolkSbuchhanblOKO Hottingen-Zürich. Poßselldullzell franko gegen srauk». GewShnliche Briese nach der Schwei, lost« Toppclporto. M 28« Briese an die Redaktion und Erpedition de» in Teutschland und Oesterreich verbotenen.Sozialdemokrat' wolle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lassen. In der Regel schicke man uns die Briefe nicht direkt, sondern an die bekannten Deckadressen. In zweifelhasten Fällen eingeschrieben, 8. Juli 1887. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! AuS Frankreich. Xti di« eck !et» md o» eS 7 ach der »u -re. fr» and icht Fr- «.! v. och« >ali .P- Einst und jetzt. Der Klassenkampf ist heutzutage so akut und beherrscht so vollständig das gesammte Staats- und Gesellschaftsleben, daß Dinge, die vor 30 Jahren, in den Zeiten der„schwärze- sten Reaktion", unmöglich gewesen wären, heute als selbstver- ständlich gelten. Bor dreißig Jahren wäre es unmöglich gewesen, einen Mann, der nichts weiter gethan, als eine verbotene Schrift verbreiten, zu einer Gefängnißstrafe zu verurtheilen. Heute geschieht es jeden Tag, und kein Hahn kräht dar- nach. Vor dreißig Jahren wäre es unmöglich gewesen, Je- rf» wand in's Gefängniß zu schicken, der nichts weiter gethan, als ' sich im Wirthshaus oder auf einem Spaziergang mit Gesin- nungsgenossen unterhalten. Heute geschieht es jeden Tag, und kein Hahn kräht dar- nach. Vor dreißig Jahren wäre es unmöglich gewesen, daß e8 einem Rechtsanwalt als Verbrechen angerechnet worden wäre, einen„politischen Verbrecher", d. h. einen Menschen, der ££ nt Bezug auf den herrschenden Staatsbegriff vom Recht der ,B. lkeien Meinungsäußerung Gebrauch macht, zu vertheidigen und Sie damit seine Anwaltspflichten zu erfüllen. pr. Heute gilt es als selbstverständlich, einen solchen Rechts- � anwalt in jeder Weise zu verfolgen; die Vertheidiger im letzten 5. b. �ipziger Hochverrathsprozcß z. B. waren den schmachvollsten i. 3. Insulten und Chikanen ausgesetzt. Sollte das chauvinistische >.3. Knotenthum von„Kleinparis" dies in Frage ziehen, so könn- Kn wir mit Thatsachen aufWrkn. Vor dreißig Jahren wäre es unmöglich gewesen, daß «n Bursche von der Vergangenheit und Reputation eines �parig Vertrauensmann emer Regierung und anerkanntes Faktotum einer politischen Partei wurde. Heute gilt es als etwas ganz SelbverständlicheS, und kein Hahn kräht darnach. Vor dreißig Jahren wäre es unmöglich gewesen, daß ein Gerichtshof einen Mann, der eine StaatSverände- ,'to�ung, erstrebt, deshalb deS Hoch- und LandesverratheS läol Ichuldig befunden hätte. Q» Heute betrachtet der oberste Gerichtshof des deutschen Meiches ein solches Justizverbrechen, einen solchen Justizmord 0 J als etwas Selbstverständliches, und kem Hahn kräht darnach. - 1 Vor dreißig Jahren hatte ein ehrloser Bube wie Tessendorf, der politischen Gegnern, blos weil sie politische Gegner sind, die ehrenhafte Gesinnung aberkennt und das Zuchthaus als Wohnort anweisen will, sich nicht auf der Straße blicken laffm dürfen. Heute wird Tessendorf als„Patriot" gepriesen, und statt fauler Aepfel fliegen ihm Orden auf den Pelz. Vor dreißig Jahren wurde ein Denunziant als verächtlichstes aller verächtlichen Subjekte mit Fußtritten aus L«. Wei« pr. Qu- ». Z. b.ic. Ä- «Öttt Gesellschaften hinausgejagt. Heute ist das Denunziren eine ehrmwerthe Handlung geworden; und sogar der Erbe(in sx«) der preußischen Kaiserkrone, ein echter Hohenzollernsproß— der älteste Sohn �unseres" Fritz, Prinz Wilhelm— hat sich nicht entblödet, f��antendienste zu verrichten.*) eines Vor dreißig Jahren galt unter den Swdentm ein „Streber" für einen elenden erbärmlichen Wicht. Heute gilt jeder Student, der kein Streber ist, flir einen -Karren oder für einen Staatsverbrecher. Und so weiter. Wir könnten die Liste in« Unendliche ausdehnen. Wollen wir darum ein Klagelied singen? Die Vergangenheit •äff Kosten der Gegenwart herausstreichen? . Mit nichten. .Gerade in diesem scheinbaren Rückschritt offenbart sich __ wirkliche Fortschritt. DaS Klassenbewußtsein ist V�wacht,»nd das Bürg erthum, welches früher sich an �«n phantastischen Liberalismus ergötzt hatte, ist jetzt zu der iaell.�tnntniß gekommen, daß eS seinem ganzen Wesen nach re- .�'tionär ist und reaktionär sein muß. M» Dasselbe Klassenbewußtsein, welche» die Bourgeoisie reak- das�°när gemacht hat, macht das Prolet ariat revolutio- f.J'är und wird der Todtengräber der heutigen Staats- unv vud Gesellschaftsordnung sein. ebe»—___ täft» txnia, an die Dnnmziatum bei„tottzm"«chmpftnch» tat Pari«, 2. Juli 1887. Wenn man nicht schon längst den politischen Falschspielern hinter die schmutzigen Karten geschaut hätte, so müßte man an ihrem Verstand zweifeln, wenn man sieht, wie sehr die deutschen Reptilien und ihr Patron Bis- marck bestrebt sind, den Chauvinismus in Frankreich wachzuhalten, der famosen Patriotenliga immer wieder neuen Lebensodem einzuhauchen. Letztere Organisation hatte bis vor einigen Monaten bereits viel von der alten Bedeutung, die ihr übrigens auch mehr von polizeiverdächtigen Blättern ä la„Antiprussien" aufoktroyirt ward, eingebüßt; sogar ihr „großer" Präsident Deroulsde hatte eingesehen, daß der Liga der eigent- liche Boden für ihr Gedeihen fehlte, und seine Demission gegeben. Auch sonst zogen sich viele sogenannte hervorragende Mitglieder von ihr zurück, und man konnte glauben, daß der ganze kindliche Spuck mit der Zeit ohne Sang und Klang einschlafen werde. Da kam die Affäre S ch n ä- b e l e, welche der Liga zum rothen Lappen diente, gegen den sie die blöden Patrioten anlaufen ließ, und neuerdings die Prozessirung der Elsässer— genug, um dem alten Gespenst wieder etwas auf die Beine zu helfen, und es namentlich unter schrecklichem Tamtam durch die deut- scheu Blätter taumeln zu lassen. Bismarck muß das Herz im Leibe lachen. Vorige Woche berief die Patriotenliga ein großes Meeting ein, um eventuell gegen die Verurtheilung der Elsässer im Leipziger Prozeß, in Wirklichkeit aber gegen die Deutschen zu protestiren. Das Meeting war stark besucht, doch waren die meisten Anwesenden nur gekommen, um sich ein wenig zu amüsiren—»pour rigoler im brin". Die Masse der Arbeiter, besonders aber deren organisirter Bruchtheil, hält sich von derartigen Demonstrationen fern, denn die Arbeiter wissen recht gut, woran sie sind, und wo der eigentliche Feind steckt. In Folge dessen fallen sie nicht einmal auf die Hetzereien des ehrlichen, aber unverantwortlich kurzsichtigen und in sozialen Dingen unwissenden Rochefort hinein. Noch viel weniger aber können eS ihnen die Derouledisten anthun, und wenn sie noch zehnmal mehr Lärm machten. Wer sind denn eigentlich die Anhänger der Liga, jene schrecklichen Deutschensresser, bei deren bloßer osfiziöser Erwähnung der deutsche Spießer seine Zipfelmütze noch tiefer über die Ohren zieht, nach Polizei und Soldaten schreit und willig Steuern zahlt? Es sind zu 39 Prozent 18— l 8jährige Burschen, die sich meist aus kleinbürgerlichen Kreisen rekrutiren, den Arbeitern ist die Liga schon dadurch unmöglich gemacht, daß jedes Mitglied eine ganze Equipirung selbst anschassen muß. Besagte Bürschlein tragen zum Wohle des Vater- landes ein eigenes phantastisches Kostüm, bekennen eine große Vorliebe für Medaillen, dreifarbige Bändchen und Fahnen und vor Allem für „bocks", d. h. gefüllte Bierseidel, sogar— schrecklich zu sagen!— wenn der Inhalt echt deutschen Ursprungs ist. Dann und wann liegen sie Schieß- und gymnastischen Uebungen ob, singen patriotische Lieder pnd machen ein wenig„Radau" mit nationaler Färbung. Summn snmmaruin, so harmlos kindische Leutchen wie seinerzeit die deutschen Studenten und deutschen Turner. Wären nicht die gemeinen Hetzereien seitens der deutschen Reptilien, so hörte man schon längst nichts mehr von dieser todtgebornen bürgerlichen Organisation. Daß unsere französischen Genoffen gegen den Chauvinismus in allen seinen Spielatten resolut auftreten, bedarf keiner weiteren Versicherung, man braucht blos eine ihrer Versammlungen zu besuchen, oder ihre Blätter zu lesen, um sich von ihrer völlig korrekten Haltung zu über- zeugen. Daß jedoch auch Bourgeoisblätter, vor allen der„Temps", die De- rouledisten bekämpfen, ist etwas Neues und zeigt, daß Bismarck's Spiel, Frankreich zu provoziren, richtig durchschaut worden ist. Die nämlichen Zeitungen protestiren auch gegen die Vergötterung des Generals Bon- langer, den man von gewisser Seite her den französischen Spießern so gern als einzigen Retter des Vaterlandes ausbinden möchte. Rochefort hat auch in dieser Beziehung das Renschenmögliche an Tölpelei geleistet, aber Alles umsonst— Boulanger ist und bleibt für die Masse todt, weil sich dieselbe dem patentirten Patriotismus gegenüber mehr als indifferent verhält. Für sie steht die soziale Frage mit ihren einzelnen Erschei- nungen, Thatsachen, welche die Organisation und Propaganda in Paris und der Provinz betreffen, im Vordergrund des Interesses. Obgleich die Arbeiter Boulanger's Verdienste anerkennen, denken sie doch nicht daran, den Verlust seines Ministerportefeuilles zum Grund von Demon- strationen oder gar einem Revolutiönchen zu machen. Bismarck's LiebeS- müh ist auch dieser in Hinsicht umsonst. Interessanter ist für uns eine Frage, welche schon seit längerer Zeit, besonders aber wiederum kürzlich, hier ventilirt wird, die Frage der ausländischen Arbeiter. DaS„ausländisch" bezieht sich nicht etwa nur auf die deutschen Arbeiter, sondern viel mehr noch aus Italiener, Spanier und Belgier. Während es in ganz Frank- reich ttwa gegen 80,000 deutsche Arbeiter gibt, sind über eine halb« Million Belgier in der französischen Jndusttte beschäftigt; besonder» in den Nordprovinzen bilden die Belgier ein starkes Element der Arbeiter- schaft. Im Süden wiederum, in Marseille, Toulon, Lyon, Bordeaux ,c. End die Italiener und Spanier massenhaft vertreten. Es kommt i Folge der Konkurrenz sehr oft zu Streitigkeiten zwischen Franzosen «nd Italienern, Spaniern oder Belgiern, aber noch nie habe ich gelesen, daß eS zu Zwistigkeiten und Schlägereien zwischen deutschen und fran- zösischen Arbeitern gekommen wäre. Der Grund hierfür ist einfach ge- nug: die hier arbeitenden Deutschen werden meist gut bezahlt, unter- bieten also ihre französtschen Kameraden nicht und üben keinen Druck aus die Höhe oder besser Niedrigkeit des Lohnes. Deshalb fordern die organisitten französischen Arbeiter auch nichts weiter, als daß die auS- ländischen Arbeiter in Frankreich nicht unter einem gewissen Minimum arbeiten sollen. Wenn eS zuweilen vorkommt, daß„Deutsche" unter dem Preise arbeiten, so find die» meist Elsässer und Luxemburger, welche gewöhnlich die schweren und widerlichen Arbesten verrichten, zu denen sich die Franzofen nur ausnahmsweise hergeben, wie z. B. Straßen« kehren, Kloakenarbest, Abtritte räumen ic. In den Zuckerfabriken haben „Fremde" die schwerste und schlechtbezahlteste Arbeit, ihre Mehrzahl find Italiener. Die Radikalen, die ihr frühere» Ansehen schwinden merken, wollen sich bei dm französischen Arbeitern dadurch beliebt machen, daß fie in ihrm Blättern gegen die Konkurrenz der ausländischen, besonders der deutschen Arbester Hetzen und sich den Anschein geben, für die„nationalen" Ar, bester einzutretm. Zu diesem Zwecke haben fie in der Kammer und im Gemeinderath von Paris Anträge eingebracht, denen zufolge fremd- ländische Arbeiter von allen Arbeiten festen» deS Staates und der Stadt auszuschließen seien oder aber, daß dieselben eine gewisse Taxe zu mt- richten haben. So hat der radikale Deputirte Steenackers der Kammer den Entwurf vorgelegt, jeden fremden Arbeiter mit 8 Fr. per Jahr zu besteuern. Daß dies« 8 Fr., welch« der»rbester zu entrichten hat, den französischm Unternehmer durchaus nicht hindern werden, Arbeitskraft aus dem Auslände heranzuziehen, sobald dieselbe nur billiger als die einheimische ist, geht den biederen Steenacker und seinen Patron El«, menceau nichts an. Dem ftanzösischm Arbeiter wird mst der Maßregel Sand in die Augen gestreut, und der Fisku» wird um ein paar Millio- nen reicher— da» ist Alles. Um der schädlichen Konkurrmz der auS- ländischen Arbeiter ein Ende zu machen, fordern die französischen Sozia» listen dagegm 1) Festsetzung eines Minimallohnes, 2) Verpflichtung de» Unternehmer», nicht unter diesem Minimallohn arbeiten zu lassen, S) An» schluß jede» ausländischen Arbeiters an eine Gewerkschaft. Diese For« derungen sind gewiß keine übertriebenen, aber dennoch kann sich kein „radikal-soziales" Herz für sie erwärmen, denn was wird sonst aus der vielgepriesenen«Freiheit der Arbeit", aus der vielgepriesenm„Freiheit des Individuums"? Sozialpolitische Rundscham Zürich, v. Juli 1887. — Der Leipziger NelagerungSzustand ist wieder erneuert worden. Natürlich. Der Antrag wurde im Bundesrath gestellt und ohne Debatte angenommen. Natürlich. Daß der Belagerungszustand, wenn er einmal verhängt ist, auch Jahr für Jahr erneuert wird, versteht sich von selbst. Und waren bei der ersten Berhängung auch keine Gründe vorhanden, so sind sie doch für die Erneuerung stets vorhanden. DaS versteht sich nicht minder von selbst. Daß ein seines Weges Wandernder, den«in Strahenräuber hinterrücks zu Boden wirft, sich das nicht ruhig gefallen läßt und nach Kräften Widerstand leistet, das versteht sich ebenfalls von selbst. Und daß der Straßenräuber den Widerstand seines Opfers zum Grund nimmt, weitere Gewaltthätigkeiten zu verüben, das versteht sich desgleichen von selbst. Und daß die weiteren Gewalthätigkeiten einen immer heftigeren Wider» stand des Opfers zur Folge haben, das ist wiederum selbstverständlich. Und so kommt eS denn, daß der Belagerungszustand, ähnlich dem Krieg zu Wallenstein's Zeiten, sich selbst ernährt und durch die bloße Thattsache, daß er besteht, ein sogenanntes Recht der Exi» stenz erlangt. Die sozialdemokratischen abgeordneten sagten das bei der Berathung des Sozialistengesetzes im Herbst 1878 haarklein voraus. Sie sagten voraus— was übrigens jedes Kind wissen konnte—, daß der Druck mit Naturnothwendigkeit Gegendruck erzeugen, und daß der Gegendruck dann den Vorwand zur Fortsetzung des Drucke» abgeben werde. So dumm find unsere Feinde nicht, daß sie dies nicht einsähen. Und sie wußten auch sehr wohl, daß für das Sozialistengesetz wie für den Belagerungszustand kein irgend ausreichender Grund vorhanden war. Sie wollten durch Verhängung des Belagerungszustandes die Gründe für den Belag erungszustaau erst schaffen. Und da» haben fie ja unzweifelhaft gethan. ES wäre Thorheit, dies leugnen zu wollen. ES wäre Thorheft, leug- nen zu wollen, daß die Sozialdemokraten auf das Sozialistengesetz und den Belagerungszustand„gepfiffen" haben und auch in Zukunft„pfeifen" werden. Und es wäre Thorheit, leugnen zu wollen, daß diese» „Pfeifen" vom Standpunkte des Sozialistengesetze» aus den Belagerungszustand und alle möglichen Polizei- Gewaltthätig» leiten„rechtfertigt". Aber wer und was rechtfertigt das Sozia« l i st e n g e s e tz? Ist das Sozialistengesetz nicht ein schmachvolles Ver« brechen, ein brutaler R-chtsbruch? Und unterscheidet sich der Urheber des Sozialistengesetzes in irgend etwas von dem Strahenräuber, der einen Wanderer hinterrücks überfällt, zu Loden wirft und knebelt? Doch lassen wir das. Genug— die Verlängerung des L-ipziger Belagerungszustand» wurde vom Bundesrath einstimmig, ohne Debatte, im Handum« drehen, als etwas Selbstverständliches angenommen, wie die Verhän« gung aller übrigen gegenwärttgen und zukünsttgen Belagerungszustände wird angenommen werden— bis endlich einmal der Krug bttcht. Und damit auch das komische Moment wieder vertreten sei, hat die Leipziger Kreishauptmannschaft in ihrem amtlichen Organ, dem„Dorf- Anzeiger", die Verlängerung wiederum den Lebendigen und den Tobten bekannt gemacht. Zum Beispiel Freund König, den sie vor anderthalb Jahren schon in Newyork begraben, ist ausdrücklich benachrichtigt, daß er das belagerte Leipziger Gebiet pflichtschuldigst bei Strafe zu meiden hat. Nun— sein Körper, gegen den die Bekanntmachung sich nicht richtet, ruht in der Erde der Reuen Welt, und sein Geist, gegen den sie sich unzweifelhaft richtet, spottet des Verbot« und wandelt frisch«nd munter im Leipziger Belagerungigebiet, und wo Genoffen versammelt sind, da ist er sicherlich unter ihnen. Ach, der böse, böse Geist, der fich um Polizeiverbote nicht kümmert und der Polizei zum Trotz, lhr vor der Nase und vor den Augen, die Maulwurfsarbeit der Revolutton verrichtet I Wahrhaftig, die Leipziger Kreishauptmannschaft weiß gar nicht, wa» für einen vortrefflichen Witz sie gemacht hat, indem fie den tobten König auswies. Und nicht einen jener Könige von Gottes Gnaden, die nach dem Tode nichts mehr werth sind, weil das bischen Flitter, da» mit ihnen zu Grabe getragen wird, ihr ganzes Ich war, und von denen der Dichter deshalb da» majestätsbeleidigerische Wort gesprochen hat: ein lebendiger Hund ist mehr werth als ein todter König. Sondern ein echter König von Proletariat» Gnaden. Sin Rebellen« König, vor dem fich die Polizei noch nach seinem Tode fürchtet, und dessen Geist sie durch jene Bekanntmachung eine mehr al» königlich« Ehre erzeigt hat. — Zu dem in unserer heutigen Pariser Korrespondenz erwähnte« ««trag der Herr«« Lyon-«llemand und«onsorie» auf Entlassung aller im Dienst der Stadt Pari» beschäftigten deut» scheu Arbeiter schreibt der Pariser„Socialiste": „Da haben wir e», wohin, ein Jahrhundert nach Verkündigung der „Menschenrechte", die moderne Zivilisation geführt hat: Menschen einzig und allein deshalb, weil fie j-nseit» der beweglichsten aller Grenzen geboren, Feuer und Wasser, Arbeit und Brod zu untersagen. „Vorausgesetzt, daß nicht die Herren Lyon-Allemand und Konsorten, als Freunde und Spießgesellen unserer auf der Suche nach billigen Arbeitskräften befindlichen Unternehmer, die im städtischen Dienst angestellten Lohnsklaven nur zu dem Behuf« aus'» Pflaster werfen, um de» Constant Say und den übrigen Zuckerfiedern ä la Lebaudey billiger« Arme zu schaffen. „Welche» aber auch der wahr« Beweggrund dieser Maßregel sei, ob sich eine Ausbeuterspekulatton hinter ihr versteckt, oder ob fie vom blöden Chauvinismus eingegeben ist, wir protestiren dagegen. „Wir protestiren in unserer Eigenschaft ats Internationale, die unter dm Proletariern weder unterscheiden können, noch wollm, woher fie kommen. „Wir protestirm im Namen der französtschen Arbeiter, die niemal» die Aushungerung auch nur eines ihrer im gleichen Elend befindlichen Brüder gefordert, sondern auf allen ihrm Kongreffen die einzig« Lösung bei Problems, die einzig und allein menschliche Lösung formulirt haben: Verbot an die Unternehmer, fremde Arbeiter zu niedrigeren Löhnen als die landeSangehörigen anzustellen und internationale Festsetzung eineS 'Lohnminimums. — Ein Wunder! In einem durch die kapitalistische Presse lau- senden Bericht über den Oberschlesischen Berg« und Hütten« betrieb im Jahre 18SS lesen wir: „Berhältnißmäßig wenig haben die A r b e i t er von dieser Ungunst der Zeit zu leiden gehabt, denn eS wurde die Zahl der in den Betrieben beschäftigten Personen nicht wesentlich vermin« dert, und auch die Lohnverhältnisse waren im Jahre 1 83« im Allgemeinen nicht ungünstiger als im Vorjahre." DaS ist ja wirklich wunderbar und sollte uns verstockte Sozialisten, die wir so schnell mit der Behauptung bei der Hand sind, daß die schlimmen Folgen der heutigen ProduktionSanarchie stets auf die Arbeiter abgewälzt werden, zur reuigen Ein- und Umkehr bringen. Erbauen wir uns daher an der veröffenttichten Lohnstatistik. Da fällt uns zunächst«ine Einkommenssteigerung, eine wirkliche, mit Zahlen be- legte Einkommenssteigerung auf. Im Eisenerzbergbau ist der jährliche Durchschnittslohn um nicht weniger als 4 Mk. 25 gestiegen, so daß er sich im Jahre 183« auf Sio Mk.— sage und schreibe dreihundertundzehn Mark belief. Ist das nicht erstaunlich? Dreihundertundzehn Mark, und als Durchschnitts« lohn! Auf welcher schwindelnden Höhe sich da wohl die Löhne der„minder hoch bezahlten Arbeiter" belaufen müssen, die bei ihrer »erhälinißmäßig kurzen" Arbeitszeit noch„Zeit und Gelegenheit zu land- wirthschaftlichen Arbeiten" finden! Dreihundertundzehn Mark, d. h. noch nicht 85 Pfennige pro Tag, und Im Durchschnitt! Ob es da nicht die Arbeiter vorziehen, wo irgend Pe nur können, sich dem Segen des oberschlesischen Eisenerzbergbau zu entziehen und sich andern Arbertszweigm zuzuwenden? Und ob sich nicht so das Geheimniß erklärt, warum die Löhne in demselben nicht noch tiefer gedrückt wurden? Arbeiter für weniger als nichts zu erhalten, bringt 'selbst die königlichste Geschäftsleitung nicht zustande. Daß die Krösusse von Arbeitern im Steinkohlenbergbau bei einem Verdienst von 543 Mk.— 38 Mk., die im Eisengießerei« betrieb bei 593 Mk.—«4 Mk., die imB lei- und Sil verhütten« betrieb bei«52 Mk.—«1 Mk. weniger einnahmen als im Bor- jähre, ist unter solchen Umständen in der That noch als„günstig" zu be- -trachten. Was sollen sie überhaupt mit solchen Unsummen anfangen? lDie verführen sie bloß zu wüsten Schlemmereien. — WaS sie sich wohl dabei gedacht haben mögen? In 'Frankfurt am Main findet zur Zeit das IX. deutsche Jubi- iläumS« und Bundesschießen statt. Was diese Schützenfeste im �Allgemeinen zu bedeuten haben, ist bekannt, es sind Zusammenkünfte des wohlgenährten Bürgerthums, auf denen sehr viel getrunken und '-nebenbei auch von Leuten, die dazu Zeit haben, um die Wette geschossen wird. In Deutschland sind sie seit der„glorreichen" Stiftung des bis- imarckischen Kaiserreichs außerdem noch Schaustellungen des ekelhaftesten Byzantinismus, des servilsten Bauchrutschens vor den Hohenzollern und 'ihrem großen, großen Hausmeier. Run wohl, unter den vielen„sinnreichen" Inschriften, mit denen die 'dem». deutschen Bundesschießen gewidmete Schießhalle geschmückt ist, sfindet sich auch folgende: „Es ist das Spiel der Waffen, Nicht' nur des Mannes Lust, Der Freiheit Bahn zu schaffen, Erfüllt mit Stolz die Brust." 'WaS sich das sehr ehrsame und sehr loyale Festkomite wohl gedacht haben mag, als eS diesen Vers genehmigte? Ist es keinem der Herren in den Sinn gekommen, daß vielleicht irgend einer der geknebelten Frankfurter Arbeiter das lesen und in seinem, d. h. im einzig >l o g i s ch e n Sinne deuten könnte? Ach nein, soweit reicht der„Schützen"- V-rstand nicht. Sie haben weder an die Arbeiter, noch an irgend welche Befreiung von Unterdrückern und Unterdrückungsgesetzen gedacht, denn -wenn sie auch nur eine entfernte Beziehung des schönen Verses zu den sozialen und politischen Kämpfen der Gegenwart geahnt hätten, hätten ahnen können— so würden sie ihn schleunigst unterdrückt haben. Aber zum Glück ist der deutsche Spießer ein denkender Spießer und denkt sich, wenn er von Freihett redet, nichts, absolut gar nichts -dabei. Der Knecht singt gern ein Freiheitslied Des Abends in der Schenke, Das fördert die Verdauungskrast Und würzet die Getränke. — Zur Ordnung! In Bezug auf die von uns in vorvoriger -Rümmer mitgetheilte Poppitz-Assäre, bei der ein deutscher Unter- suchungsrichter sich erfrechte, aus schweizerischem Boden eine «rief-Konfiskation vornehmen zu lassen, verhält sich die liberale -und bürgerlich-demokratische deutsche Presse verhältnißmäßig oder viel- mehr unverhältnißmäßig gleichgültig, obwohl sie die schärfste Kritik, -den laute st en Protest aller derjenigen herausfordert, welche die !Polizeiwirthschaft in Deutschland ernsthast bekämpfen wollen. Dieses Schweigen des bürgerlichen Radikalismus mag bei vielen Organen des- iselben auf bloßem Uebersehen beruhen, daß es nicht bei allen der Fall, wissen wir. So schreibt man uns aus B e r n, daß man von dort aus dem Freiburger Korrespondenten der„ F r a n k f u r t e r Z« i t u n g" seinerzeit sofort den Berner Entscheid mitgetheilt habe, trotzdem sei aber im Hauptorgan der bürgerlichen Demokratie noch kein Wort über den- selben zu lesen gewesen. Da der betreffende Korrespondent seinerzeit über die Briefkonfiskation nach Frankfurt berichtete, dieser Bericht auch er- schienen ist, so darf man mit Sicherheit annehmen, daß er seinem Blatte -auch den Ausgang der Sache gemeldet. Warum schweigt also die sFrankfurterin? Erscheint Ihr die Sache nicht wichtig genug? Wir bitten mm Antwort, und zwar um Antwort durch die T h a t l — Während das offiziöse und offizielle Gehetze gegen Frankreich zmit ungeschwächten Kräften fortgesetzt wird, läßt die großmächlige Regie- itung des großmächtigen deutschen Reichs sich lammfromm Fußtritt auf 'Fußtritt von dem biederen„E r b f r e u n d" im Osten versetzen. Keine Khikane, keine Insulte, keine Brutalität, die der„Erbfreund" in seiner „fihurmhohen Freundschaft" dem deutschen Reich und den Reichsdeutschen -ersparte. Die Maffen-Austreibungen und-Depossedirungen der letzten Wochen sind nur ein etwas dickere» Glied in einer langen, langen Kette. Held Bismarck, der sein halbes Vermögen hergeben würde— und man weiß, wie er dran hängt— wenn er einen neuen„heiligen Krieg" zwi« schen den großen Kulturstaaten des europäischen Festlands entzünden !könnte— er muckst sich nicht, er lächelt feelenvergnügt, und flüstert von Leit zu Zeit in den Spalten seiner„Norddeutschen":„Und sie ist doch -thurmhoch!" Sogar der„Kreuzzeitung", die doch sonst byzantinisch -ersterbend vor„Väterchen" aus dem Bauch zu rutschen liebt, ist es nach- grade zu arg geworden, und sie hat dieser Tage einen Leitartikel los- gelassen, in welchem sie— man staun«!— den Finanzkrieg gegen Rußland predigt. Man denke: die„Kreuzzeitung!" -Und wie soll der Finanzkrieg geführt werden? Die deutschen Inhaber russischer Staatspapiere sollen besagte Papiere„abschütteln". Sehr schön, und auch sehr einfach. Jeder Pudel kann das Waffer „abschütteln", das er aus dem Flußbad mitgebracht hat. Warum sollten -die zweibeinigen deutschen Pudel nicht auch die russischen PapierchenS .„abschütteln" können? Und gewiß, das können sie auch. Ganz leicht. Schade nur, daß dabei auch die Haar« mttgehen, und daß sich die glücklichen„Abschüttler" aus den Papierchens gleich Fidibusse machen -können. Dean die Engländer, Franzosen und Holländer, welche den -deutschen Pudeln die werthlosen russischen Papierchens für deren -gutes Geld aushalseten, als Junker Bismarck vor vier Jahren dem .„Erbfreund" in„thurmhoher Freundschaft" die deutschen Taschen .öffnete— natürlich nicht die seinigen— werden nicht so dumm sein, -die Papierchens wieder zurückzunehmen. Vor 1'/, Jahren war Liebknecht, der diesen Bismarck'schen Genie« streich enthüllte, ein„Nihilist" in den Augen der„Kreuzzeitung". Und heute ist die„Kreuzzeitung" selber unter die„Nihilisten" gegangen. Welch wunderbare Fügung GotteS l Neuem einzuseifen. Je schlechter die Session für da» Volk gewesen, je mehr der„arme Mann" für die reichen Protzen hat„bluten" müssen, desto ärger müssen die Reichsschwindelmeier schwindeln. Jetzt ist's die Altersversorgung, welche als Sandgrub« dienen muß, um das nöthige Wurfmaterial für die Augen deS Publikums zu liefern. Und da das Publikum skeptisch geworden ist, hat Herr Staatssekretär von Bötticher sich bemüßigt gefunden, hochsteigenmündig die An« strengungen de« großen Haufens der Reichsschwindelmeier zu unterstützen. Er hat nicht nur wiederholt im Reichstag erklärt, das Mersversorgungs« gesetz werde dem Reichstag in der nächsten Session fix und fertig vor« gelegt werden» er hat auch auf der„V e r s a m m l u n g d« s ersten deutschen B«ruf S g en o s sen s ch a f t St a g es— wie da» Ding offiziell getauft ist— eine enthusiastische Rede geredet, in welcher er sich zu der barnumhaften Reklamephrase verstieg, Deutschland werde mit Durchführung der Altersversorgung auf dem Gebiete der hu- manen Sozialreform unter allen Nationen der Erde den obersten Rang einnehmen. Der Naturbursche Bötticher versteht von der sozialen Frage genau so viel wie ein berühmter Vier- füßler vom Lautenschlagen— wir wollen also zu seiner Ehre annehmen, daß er n i ch t bewußt und mit Berechnung eine unverschämte Lüge gesagt hat. Bei seiner absoluten Unwissenheit in diesen Materien— er ist Bureaukrat und nichts weiter— halten wir es für sehr wahrscheinlich, daß er von dem Wesen der Fabrikgesetzgebung keinen Begriff hat und daß ihm der wahre Werth der Bismarck'schen Polizei-Sozial- reform ein mit sieben Siegeln verschlossenes Buch ist. Wäre dem nicht so, so müßte Herr Bötticher wissen, daß die englische und s ch w e i- z e r i s ch e Fabrikgesetzgebung von hundertmal größerer Bedeutung und einschneidenderer und heilsamerer Wirksamkeit ist als die Bis- marck'schen Stümper- und Schwiitbel-Experimente, die nur auf Bevor- mundung der Arbeiter und auf Lug und Betrug hinauslaufen. Nehmen wir nur den Titel des„Tags", welcher Herrn Bötticher Gelegenheit zu jener albernen Aeußerung gab.„Berufsgenossenschafts- tag." Unter„Berufsgenossenschaften" verstand man bisher Arbeiter- organisationen nach Berufen. In der sogenannten Arbeiter- gesetzgebung des Bismarck'schen Reichs spielen aber die Arbeiter keine Rolle, und sind die Berufsgenossenschaften Organisationen der Arbeitgeber gegen die Arbeiter. Diese Eine Thatsache kenn- zeichnet den ganzen verlogenen Schwindel der Bismarck'schen Sozial« reform. Und schließlich ist noch sehr zweifelhaft, ob die Altersversorgung, auch in Bismarck'scher Polizeizestalt, den nächsten Reichstag beschäfttgen wird. Jndeß darüber wollen wir uns den Kopf nicht zerbrechen— in jedem Fall ist's auf eine Täuschung und Bemogelung der Arbeiter abgesehen. — Die ReichSschwindelmeier sind wieder an der bekannten, einer jeden Reichstagsjession folgenden Arbeit: die geprellten Wähler von — Arbeitslöhne und Arbeitsleistungen. Unter der Usbsr« schrift:„Lohn und Zoll" schreibt das„Phil. Tageblatt": „Zur Zeit, als die Bundesverwaltung republikanisch-schutz« z ö l l n e r i s ch angestrichen war, wurden die Berichte der amerikanischen Konsuln so zugeschnitten, daß sie als Kampagne-Material für die herrschende Partei und namentlich die Schutzzöllnerei verwendbar waren. Mr. E v a r t S leistete als Staatssekretär noch ein Uebriges, indem er die Berichte in ein Buch zusammenstellen ließ, das auf Bundeskosten gedruckt, den Arbeitern gratis zugänglich gemacht wurde, um sie über ihre glückliche Lage und namentlich die„Segnungen des Schutzzolles" zu belehren. Die Herren Konsuln verstanden, was von ihnen verlangt wurde, und es gab daher ein grau in grau gemaltes Bild über die„Pauper-Arbeit" in Europa, von dem sich die Arbeiter erschreckt abwenden und die gute republikanische Partei segnen sollten, die sie mtt dem Schutzzoll vor einem ähnlichen Schicksal bewahrte. Allein die Dinge änderten sich. Heute ist die Bundesregierung d e- mokratisch-freihändlerisch angestrichen, und nun gilt es, das Geg entheil von dem darzuthun, was vorher die Republikaner„be- wiesen" haben. Jetzt handelt es sich darum, zu beweisen, daß der Schutzzoll nicht schützt, und die demokratisch-sreihändlerischen Konsul« bringen das sehr gut fertig. Da ist Herr Jakob Schönhvf, Konsul in Tunstall in England, der mit Zahlen trefflich zu streiten weiß. Er vergleicht die Löhne in diversen Industrien hier und in England und kommt dabei zu Erzeb- nissen, welche den„Schutz" des Schatzzolles für die Arbeiter als sehr problematisch erscheinen lassen. So z. B. in der B a u m w o l l w a a r« n- Fabrikation. Allerdinas verdient angeblich der amerikanisch- Spinner etwa 10 Doll. die Woche, der englische 7 Doll.; aber während in Fall River(Massachusetts) für Ivo Pfund Baumwollgarn nur 72 Cents Arbettslohn bezahlt wird, be- trägt der Lohn in Rochoale 74 Cents. Für dasselbe Quantum erhält der Engländer also m e h r als der Amerikaner. Hat der letztere trotzdem einen größeren Wochenverdienst, so kommt das von seiner größeren Leistung. Der Schutzzoll hat damit gar nichts zu thun. Ebenso in der S e i d e n i n d u st r i e. Herr Schönhof vergleicht hier Racclesfield, das Zentrum englischer Seidenweberet, mit Palerson in New-Jersey. Dort verdienen die Weberinnen blos Doll. 2 25 die Woche, hier verdienen sie Doll. 5 50. Aber es wird dort für den weit gerin- geren Wochenlohn fooiel weniger Arbeit gethan, daß jedes Pfund Seide fast genau gleichviel Lohn herzustellen kostet. Von den deutschen Schuhmachern in Fabriken, welch- Herr Schöahof kennen gelernt hat, sagt er, daß sie kaum ein Drittel dessen verdienen, was die von Massachusetts als Lohn empfangen. Aber was in Deutsch. land für ein paar Schuhe bezahlt wird, beträgt fast das Doppelte des Lohnes, welchen der amerikanische Arbeiter erhält. Von den durch den hohen Schutzzoll angebtich beschützten amerikani« schen Kohlengräbern sagt Schöahof, daß sie durchschnitttich zwar 7 Cents auf die Tonne mehr erhalten als die englischen, und 5 bis 10 Cents mehr als die deutschen. Aber sie liefern dafür auch um fo viel mehr Produkt, und sie haben im Lauf des Jahres soviel öfter zu feiern, daß sie nicht besser daran sind als die englischen und deutschen, welche jahraus jahrein Arbstt finden können. In dem Gisen-Bergbau sind die Löhne, auf die Tonne berechnet, sogar niedriger in den Ver. Staaten als in England, nämlich in Penn- fylvanien nur durchschnittlich Doll. 1 20 per Tonne, in Staffordshire, England, Doli. 1 4«. Das Alles bestätigt, was wir schon öfters betont haben, nämlich: daß der amerikanische Arbeiter im Allgemeinen für dieselbe Leistung nicht höher bezahlt wird alS der europäisch«, daß er aber viel mehr fertig bringt. In einzelnen Gewerben wird vielleicht die Leistung nicht vollkommen entsprechend dem höheren Lohne sein, dann kommt sie aus Konto besserer Organi- s a t i o n. So namentlich bei den nicht beschützten Baugewerken. Im Allgemeinen ist die Ausbeutung der Arbeiiskrast in Amerika größer als in Europa, weil sie soviel mehr vroduzirt. Die Preise der Waaren entsprechen aber keineswegs der Billigkeit der Produltion, denn der Zwischenhandel nimmt hier einen größeren Theil in Anspruch al» in Europa. � �_ Es wäre also„amtlich festgestellt", daß der Schutzzoll nichts mit der Höhe des Lohnes zu schaffen hat. Das wußten wir schon lange, aber es schrdet nichts, wenn man es auch von„Amtsstelle" schwarz aus weiß be- scheinigt erhält." Sowett das„Philad. Tageblatt". Die obigen Zusammenstellungen können auch al» Beweismaterial da- für gelten, daß wo die Löhne am niedrigsten, gewöhnlich auch die Ar- beitsleistungen unverhältnißmäßig geringer sind als dort, wo die Ar- beitskraft höher bezahlt wird. Die Erklärung dafür liegt erstens in der Thatsache, daß der besser genährte Arbeiter auch der leistungsfähigere ist, und zweitens darin, daß. wo die menschliche Arbeilstraft theurer, umsomehr Sorgfalt auf die Vervollkommnung der Arbeitswert« zeuge und der Arbeitsmethode gelegt wird. Es ist also keines- wegs die höhere Arbeitsleistung nothwendig mit einer entsprech.nd größe- ren Ausgabe von Arbeits k r a f t verbunden. Auch bei nicht blos absolut, sondern auch verhältnißmäßig größerer Arbeitsleistung ist der höher de- zahlte Arbeiter fast immer besser daran als niedrig bezahlte. — Die Wahrheit post featum. In ihrem neuesten JahreS- bericht verweist die Offenbacher Handelskammer auf den ungeheuren Schaden, welchen die„K r i e g s b e s ü r ch t u n g e n" dem Handel und der Industrie zugefügt haben. Heber die„Kriegsbefürchtungen" drückt der Bericht sich nicht näher aus. ES können aber blos diejenigen ge- meint fein, welche feit Jahren von den Bismarck'schen Reptilien kllnst lich gezüchtet, und welche im Anfang dieses Jahres zu dem bekämst» grausigen Wahlwauwau verwandt worden find. Denn audest „Kriegsbefürchtuugen" hat es überhaupt nicht gegeben. Wenn man be denkt, daß die Mitglieder der Offenbacher Handelskammer sich vor W letzten Wahl selber die größte Rühe gegeben haben, vermittels des Kriegs wauwauS die Wahl des nationalliberalen Hampelmanns Böhm durg! zusetzen, so muß man sich in der That über die Unverftore n h«> wundern, mit der die Kartellbrüder der OffeNbacher HandelSkam hintennach ihre eigene Schelmerei und deren Wirkungm eingestehen. Offenbacher Sozialdemokraten haben aber bei der bevorstehendes Nachwahl eine vortreffliche Gelegenhett, den Offenbacher Kar' brüdern au» dem Geständniß der Offenbacher Handelskammer er Strick zu drehen, stark genug, diesem gemeinschädlichen Volk für imb das Handwerk zu legen.— Di e Schamlosigkeit des Geständnisses ist c neuer Beweis für die moralisch e Verkommenheit, welche die gegenwärtig Aera der sogenannten„Neugeburt der deutschist Nation" kennzeichnet- — Ueberall abwärts. Die Reclam'sche Universalbibliothek, die bisher durch ihre billigen Ausgaben der besseren Erzeugnisse der Literatur«in unzweifelhaftes Verdienst um die Volksbildung erworl scheint neuerdings auf arge Abwege zu gerathen. Gab sie ehedem, das Bürgerthum in seiner aufstrebenden Epoche und seinen bahnbrechl Geistern geleistet, so scheint sie sich jetzt darauf zu verlegen, dem deutsl Volk den Schund des in der geistigen und moralischen Rückentw l u n g begriffenen Bürgerthums anschmieren zu wollen. Wir lesen m einer der letzten Nummern der Wiener„Gleichheft"« „Kirchenraub. Falsche Freundschaft. Zwei Arft Novellen von Alfred Friedmann. Univers.-Bibl. Nr. 22K0. Den Inhalt dieser zwei Novellen wollen wir nicht näher auSfüs da wir keine ästhetische Abhandlung zu schreiben beabsichtigen. Uebrigl würden sie eine solche auch kaum verdienen, da weder die poetisi Ausschmückung, noch die psychologisch- Durchführung der Problevt noch auch die Schreibweise ihnen einen hervorragenderen Werth vt liehen hat. Aber Eines müssen wir besprechen und brandmarken: Die sonderbck Art, wie in der ersten dieser beiden Novellen der Sozialismus mft Probleme des Kirchenraubes verquickt ist. Da heißt es nämlich auf Seite 18 von dem Helden:„Franz» seiner halben Gymnafiastenbildung hatte später mft den Gesellen* Wirthshause die Aquatofana Lassalle'scher Ideen getrunken, Brocken r.' sozialdemokratischen, nihilistischen(wie wunderbar ist nicht dies« Nebt einanderstellung, als ob letztere nur eine deutlichere Bezeichnung» ersteren sein sollte) Systemen in sich aufgenommen." Auf Seite 22 fährt der Autor wie folgt fort:„Franz hatte ni aufgehört zu lesen und zu lernen. Er war nicht ohne oberflächli Bildung, aber er liebte es, sich nur an den materialistischen Quellen tränken. Wie ferne lagen ihm die Zeiten, da auch er Ideale hochhi — andere Ideale, als sie in Arbeiter- und Gesellenvereinen jetzt Piedestale gestellt werden.--- Er besah sich die Kanzel Weit Pilgram's und— dachte sich darauf stehend und die Dokttinen k Sozialismus verkündend. Er wandelte an den geschnitzten Chorstüht vorüber und sah sie anstatt mft bekutteten Mönchen de» Mfttelalte! von einer Versammlung besetzt,— die Lohnerhöhung bei vermindert Arbeitszeit beschloß." Und auf Sefte 23 heißt es dann weiter:„Vor den Kelchen, M stranzen, Kreuzen mit bunten Edelsteinen, vor den reichgeschmückt« Marienbildern überkam Wenzel ein Gefühl der Wuth, deS Hasses. Wo dies vergeudete Kapital? Wem nützt diese Pracht? Mit den Zinsen d Unsummen, die aus diese Weise in sämmtlichen Kirchen der alten u« neuen Welt aufgehäuft sind, könnte man vielleicht das Elend der&' bannen, mit dem ganzen Kapital gewiß." Seite 55 läßt dann der Autor die Frau zu ihrem Mann« sagen: .Geb' Deinen wüsten Gesellen nach, laß Dir predigen von ihnen ü» ,dZn .aller mart Fäus land! brach jährl .bei o dre der Vol Es l dm( gen) darzu den( Vo Die\ Dam fofori am 1 drei «ins Hekto dest mit? Bran Eitzul braue derar !°ss Der Spiri Konft der n ronsui den g 82 Z> Fü> den S freut im R I Un> Lohr Fref selbe c fpielte. «ines .richtig Diese. zu der deten Uzt- s Tollha Wie «rettt i fc mm hör' ihre Umsturzideen an. Ihr seid Alle so. Ihr habt gen«' aber Ihr habt nie genug." Und auf Seite 5» findet sich folgender schöne Dialog: „Ich war im Gesell-nv-rein. Wir hatten ein« wichtige Sitzung. handelte stch um eine Lohnerhöhung." „Aber Du bist ja erst aufgebessert worden!" „Ich! Aber nicht die Andern. ES muß heute alles solidarisch geh» habt werden. Assoziirt sich das Kapital— so vereint sich die Art« Mann gegen Mann. In geschlossenen Reihen rücken wir gegen den i meinsamen Feind." „Aber alle Arbeiter arbeiten doch nicht gleich gut. Der faul« ä talentlose soll auch fortwährend erhöhten Lohn erhalten? Und der Arb» geber wird von Euch als Feind betrachtet?" „So ist's l"! Dazu bemerkt der betreffende Mitarbeiter der„Gleichhett": Zur Erklärung des psychologischen Problems bedurfte es dieser& miichung einer ganz lächerlichen Art von Sozialismus nicht, denn � Diebstahl des Kelches konnte Jeder» dem sich die Ausbeutung ei» günstigen Gelegenheit bot, zur Gewinnung einer Summe, deren er k Vnd di> Gründung e ner Zukunft benöthigte, ausführen, wenn er vor dem A Konsor t-rechen nicht zurückscheute— und das wird doch wohl Niemand 1 Ihr H> Ernst- zu behaupten wagen, daß die sozialistische Gesinnung diese 6# i>a*" b zerstöre oder auch nur mindere.";***. Da ist der werthe GefinnungSgenosse aber doch sehr im Irrth� W«rifä iniiita» man j Dreysu «lsäffis. arbeitei basische! 4« gen f, todttol Aer re Gesmn fcsser« 'für eü Mete Ronar t Wen «eshalt -«Ntspre Kie Ge amen Vlüthe, Marker Ob es jemand im Ernste glaubt, daß die sozialistische Gesinnung� Scheu vor dem Diebstahl mindert, darüber wollen wir nicht streif j''' aber behauptet, und mit der Miene deS vollen Ernstes behauptet, ist» schon zu Hunderten von Malen, und wird es noch zu Hunderten« J Malen werden. So wird auch wohl Herr Friedemann wollen, daß s» Zusammenwerfung der sozialistischen Bestrebungen mft Kirchenraub geglaubt werde. Und doch hat grade in Beziehung auf den Kirch/' »erhanl raub niemand Ursache, mehr den Mund zu hatten, als das Bürgerth«' "pielt. WaS es in dieser Beziehung stf Und j<«der« als dessen Anwalt er sich aufspielt. geleistet, ist bisher noch unübertroffen. Freilich, das war in seinen Jugend- und RanneSjahren..... es alt geworden und will der vorwärtsstrebenden Arbeiterklaffe mo«' lisch« Vorlesungen hatten. Eitler Wahn l Um auf die Jugend■" wirken, muß man entweder selbst jung fem oder wenigstens jugend» deutsch- zu fühlen verstehen. Und um auf die A r b e i t e r k l a s s« zu wirp Einiak muß man sich in ihre Lage zu versetzen, mft ihr zu fühlen versteh Traich setzen? tzefflich wie sie ideales Streben befitzen. Aber wo sollen das unsere Bourgeois'Literaten hernehmen? Wie Klaffe, die fie vertreten, so ist es auch ihnen abhanden gekommen,' die m so produziren fie, wo fie«S mtt der Tendenz versuchen, Schund, Sch«"el und wiederum Schund. Z""8" Reclam mag sich daher mft seinen„modernen" Autoren m Acht» men, will ernicht den guten Ruf seiner Bibliothek zunichte macheu. njf0 � Aber ft'.l ich' L°ts ffot B Ein p« hä — Lohale Zuknuftsmusik. AuS Berlin wird un» geschrü In neuerer Zeft wird der Name des Prinzen Wilhelm— deS„Kl Enkels"— mft einer Häufigkeit genannt, welche sicherlich nicht Zufall zurückzuführen ist. Wer in solchen Dingen Erfahrung hat, w- sofort, daß„Stimmung gemacht" werden soll. Und wenn wir 1 Krankheft des Kronprinzen bedenken, die weit gefährlicher ist' die Zeitungen zu sagen behaupten, so brauchen wir uns auch über> tiaZ,\r Grund und Zweck dieses Treibens den Kopf nicht zu zerbreck Vli!' Das Volk soll auf den Z u k u n f t s- K a i s e r vorberettet und für 1»Q(t,, begeistert werden. Wir haben gewiß nie zu Denjenigen gehört, welche an das Mär� i:'' vom„liberalen� Kronprinzen" glaubten, allein so viel steht fest, zwii"«n,i?° 'moK dem ältesten Sohn des Kaisers und dem HauSmeier der Hohenzo! bestehen sehr ernsthafte Differenzen, Wilhelm wohingegen daß er—! der Türkei, nicht seltenen Manövern stch in von Bismarck und seiner Sippe befindet. � Wir wollen jetzt keine weiteren Betrachtungen anstellen— wir h«h eine Thatsache konstatirt, die den Schlüffel zu mancher Erscheinung" manchem Lorgang abgibt und abgeben wird. — DaS vom Reichstag mit so wunderbarer Schnelligl' durchgepeitschte Schaapsgesetz ist mit enisprech-nder Eile vom Bunk! � rath angenommen woroen, und schon machen stch die Folgen dess>�' — i f Stank ««n iübsche Ißt# ii/n Solle durch eine rapide Steigerung der Preise des Spiritus und mW.aller Branntwein, Präparate auf's Empfindlichste fühlbar. Bis- ndes marck aber und seine schnapsbrennenden Standesgenosien lachen sich ins a b» Fäustchen, denn bester hat sich noch keine„Rettung des bedrohten Vater» e d« landes" gelohnt als die in den Rarnevalstagen des Jahres 1887 voll- ntm brachte. Das Schnapsgesetz wird der Reichskaste nach mäßiger Schätzung iuris jährlich hundertzwanzig bis hundertfünfzig Rillionen einbringen, neben- .bei aber den Herren Schnapsbrennern eine Rehreinnahme von mindestens dreißig Millionen pro Jahr. Und alles aus denTaschen der Konsumenten, d. h. der großen Raste des arbeitenden Lölkes, das auf den Branntwein als Anreizungsmittel angewiesen ist. Es lohnt der Mühe, die Art, wie dieses Gesetz zu Stande gekommen, den Schacher, der hinter den Koulisten mit den einzelnen Bestimmun- gen deffelben getrieben wurde, in einem speziellen Flugblatt dem Volk darzulegen, ei wird Tausenden und Abertausenden die Augen öffnen über den Charakter ihrer angeblichen Freunde und Beschützer. Von den vielen Ungeheuerlichkeiten des Schnapsgesetzes heute nur eine. Di« beschlossene Steuererhöhung soll vom 1. Oktober an in Kraft treten. Damit nun aber die Preis erhöhung, nach der die Agrarier lechzen, sofort verwirklicht werde, hat man beschloffen, daß aller Spiritus, der am l. Juli vorhanden ist und bis zum 1. Oktober exportirt wird, die dreifache Exportbonifikation erhält, obwohl er nur die einfache Maischraumsteuer bezahlt hat. DaS heißt, jeder Hektoliter Spiritus erhält damit ein baares Geschenk von min- destens»2 Mk. Das ist, schreibt man der„Frankfurter Zeitung" mit Recht, ein Beschluß, der ohne Vorgang dasteht.„Die Majorität der Sranntweinsteuerkommiffion hat ihn auch wohlweislich bis zur letzten Sitzung der Kommistion geheim gehalten, und alS er dann bekannt wurde, brauchten die Leute an der Börse 24 Stunden, um zu glauben, daß derartiges überhaupt möglich sei. Wie viel diese Maßregel der Reichs» �asse kosten wird, darüber schwanken die Schätzungen, je nach der Höhe, in der man das Quantum des vorhandenen Sprits annimmt. Der Zweck der Maßregel soll sein, bis zum l. Oktober möglichst allen Spiritus aus dem Lande zu entfernen, damit der von da ab in den Konsum gelangende Spiritus sofort die volle Preissteigerung der neuen Steuer erfährt. Die Steigerung des Preises für den Islands- »onsum ist also der eigentliche Zweck, und deshalb schenkt man den glücklichen Besitzern von Spiritus pro Hektoliter L2 Rk. und drückt naturgemäß die Preise auf dem Weltmarkt herab." Für da? unschätzbare Geschenk, das die„Reichskaste" auf solche Weis« den Agrariern und den ausländischen Schnapskonsumenten macht, freut sie sich der kommenden Profite, wie Herr von Bötticher im Reichstage erklärte— Michel zahlt alles. - Und die Arbeiter? Denen löst man zum Ausgleich jetzt sogar die »ohnkommissionen als staatSgefährlich auf. — Lieske's Geist. Der Frankfurter Oberstaatsanwalt prehsee ist dem Irrsinn verfallen. Es ist dies bekanntlich der- Jette Staatsanwalt, welcher in dem Lieste. Prozeß eine so traurige Rolle fpielte, indem er, der handgreiflichen Evidenz zum Trotz, mit der Gier ur ein Land, das aus den Namen einer Republik Anspruch macht, eine bessere Revanche als die Nachäffung der schlechtesten Institutionen der tle tf Monarchie. Art« Wenn aber die deutschen Tugendbolde hinzufügen, die Sache sei schon beShalb gegenstandslos, weil eS in Deutschland keine der Patriotenliga Entsprechende Organisation gebe, so erinnert das denn doch zu sehr an D>e Geschichte vom Splitter und vom Balken. Haben die Herren den er A 2|?men Kriegerverein ganz vergessen? Sollen wir ihnen eine nn* Alüthenlese aus den Reden vorlesen, die aus den Festen dieser, zehnmal g"orker als die Patriotenliga verbreiteten Organisation gehalten worden, ert Md die einen Mordspatriotismus athmen, der dem der Deroulede und m A Konsorten in nichts nachsteht? Faßt Euch gefälligst an die eigne Nase, an� Uu Hab?"' �'mpft über den Nachbar, wenn Ihr den Muth h'"iu,ufügen, daß zu den Blättern, in denen die pharrsaerhafte Bemerkung stand, auch die„F r a n k f u r t e r Z e i t u n g" ung' N""'. � thut mir längst nicht mehr weh, wenn ich dich in der Ml �»llschaft seh'. en f. toektpetoegende Frage wurde dieser Tage in Leipzig' aß s«' � allberuhmten Stammsitz der Intelligenz des deutschen Bürgerthums' raub verhandelt. Zu, wir wissen nicht, wie viel Tausenden waren sie zusammen- en stüh» lalt«! rdertl handelte es sich z. B. auf dem nationalen Kongreß der Skatspieler unter > jetzt''"detm darum, ob man es noch fürder dulden dürfe, daß in diesem mo« Atonalsten aller nattonalen Spiele nicht nur Fremdworte, sondern— lend Ihi* � eä aussprechen zu muffen— sogar französische AuS- laenW"oj'ommen. Daß die Letzteren sosort ausgemerzt und durch wir>« ffm;» onaIe ersetzt werden müssen, darüber herrschte auch die schönste ersteh'«. vi' �wierig war nur die Frage, durch welche? Da ist z. B. das «srand. Spiel, das höchste aller Spiele im Skat, wie soll man das über- Wie'■J/i1}.', Großes Spiel? Hauptspiel? Für beide Bezeichnungen lassen sich p?rsl"che Gründe in» Feld führen, aber was wollen sie besagen gegen z'chi"le well gewichtigeren Gründe, die dafür sprechen, eS B i s m a r ck zu sollten l Ist nicht Bismarck m der Diplomatie, was das Grand im «kat? Der Unübertreffliche, alles Dagewesene Ueberbietende? Gewiß, Bismarck soll es sein, CR hat Deutschland groß gemacht, nennen wir «iso das große Spiel im deutschen Skat nach IHR I . Aber da taucht plötzlich ein neuer Borschlag auf, der die schöne Einig reit slbnöde über den fmiikim tn.rft■ Mlnchcn wir uns nirfif einer W n t p Bit, S cht- heu. hril $(ir J wwtv VC»» UJUsl.„»«»UUfCöl ,"(£,£ Lotsbeleidigung schuldig, wenn wir da» höchste Spiel im deutschen t M«?'ot Bismarck nennen? Ist nicht der Kaiser noch Höher als Bismarck?" wir w potriotischer Schauer durchrieselt die Versammlung.„Wahrhastig, ?os hätten ww beinahe vergessen— Kaiserspiel, nennen wir eS Kaiser- wel>"„Wer Bismarckspiel klingt doch viel schöner, und Bismarck ist «»»«» Und so kam es, daß in diesem Punkte keine Einigung erzielt wurde. *9Mnfpiel— Bismarckspiel, Buridans Esel war in einer tausendmal L�bersanglicheren Situation als die unglückseligen nationalen Skatspieler. �'bniarckspiel— jtaiserspiel, wie soll sich«in nationales Geniülh da �'scheiden? e»«p i- Frage ist schwer, so schwer wie nur eine, welche die Gegenwart wür-.�üstigt. Aber sie m u ß gelöst werden, soll die Nation nicht unbe» onnt»schworen Schaden an ihren heiligsten Gütern erleiden. �Man setze einen ind J Sngif ir h�. anttt J, wmuoen an Igten gcitimieii uiuiecn mciwui. amm|tye einen md* 01,8 föt denjenigen, der einen Ausweg aus dem Dilemma findet, ''oe Nationaldotation. Ran weiß ja, daß eine solche Wunder thut. .Kegelkongreß— Skatkongreß, wozu die Bourgeosie nicht alles Zeit Geld und— wenn der Ausdruck gestattet ist— Sinn hat l Rationaler Haß und finanzielle Liebe. Einem Artikel der e>. P»4� MlßV««»»»»c» vcv tvranksurter Zettung" über die neueste Wandlung der Dinge in S e r- ig«' iß,*" entnehmen wir die nachstehenden«ussührungen, die einen sehr Bus- �chrn Betttag liesern zum Thema von den—„m o r» l i s ch e n" Fak» deff«� ln der europäischen Polttik: „Selbst(!) in der nächsten Umgebung des Königs gibt man zu, daß die finanzielle Politik des Ministeriums Garaschanin am meisten dazu bei- getragen hat, die Verbindung mit Oesterreich-Ungarn dem Volke verhaßt zu machen.„Das serbische Volk," sagte ein Herr auS der nächsten Um- gebung des Königs einem Mitarbeiter der„Deutschen Zeitz." in Wien, „wie alle Völker auf etwas primitiver Bildungsstufe, versteht nicht, die Geschäfte einer Privatbank von dem Staate, in welchem diese ansässig ist, zu trennen, und so hieß es auch in Serbien stets:„Die Schwabas von drüben" ruiniren das Land. Die Länderbank und selbst das Pariser Comptoir d'Escompte wurden für österreichische Staatsinstitute gehalten, und schon bei den Wahlen lagerte sich aller Haß, der sich gegen diese Institute angesammelt hat, auf Oesterreich ab." Es ist eine eigenthüm- liche Erscheinung, welche bisher viel zu wenig Beachtung gesunden hat, nämlich daß in Serbien viel mehr französisches Kapital als österreichisches intereflirt ist, und daß wohl zahlreiche Franzosen, aber nur wenige Deutsche in serbischen Diensten angestellt sind, obgleich deutsches Kapital dort am meisten engagirt ist. Ob dies auch dem Einfluß der Vertreter Oesterreich-UngarnS oder den Machinationen der französischen Agenten zuzuschreiben ist, bleibe dahingestellt, sicher ist, daß nicht nur in der Ver- waltung des den Serben so verhaßten Tabakmonopols, sondern auch in allen Zweigen der Eisenbahnverwaltung viele Franzosen sitzen, darunter manche Angehörige aristokratischer Geschlechter, welche durch den Krach der Union Generale ruinirt worden sind und nun in den Bureau; der von Bontoux„gegründeten", von dem Comptoir d'Escompte und der Länderbank weitergeführten serbischen Bahnen eine Zufluchtsstätte ge- funden haben. Es ist eine Ironie des Schicksals, daß grade diese beiden, unter französischem Einflüsse stehenden Verwaltungen von der Partei des russen- und franzosenfreundlichen R i st i c als a n t i n a t i o n a l auf das Heftigste bekämpft worden sind und daß nun dieser selbe, durch russischen Einfluß in die Höhe gehobene Ristic, schon wegen der augenblicklich zwischen Rußland und Frankreich bestehenden Freundschaft, aus einen Feldzug gegen deutsches Kapital verzichten muß, weil dabei auch so viel französisches zu Schaden kommen würde. Sonst könnte es, wie der„Pester Lloyd" boshaft bemerkt, Herrn Ristic passiren, daß der Belgrader Gesandte der französischen Republik sich der Vicomtes und Marquis annehmen müßte— obgleich dadurch auch, zum Aerger der Russen und Franzosen, deutsche Interessen geschützt würden. In diesem Punkte bedarf König Milan wohl nicht der österreichischen Unterstützung. Es wird Herrn Ristic obliegen, den serbischen Bauern klar zu machen, daß Serbien auch unter seiner, des Herrn Ristic, Leitung allen seinen Verpflichtungen nachkommen muß." Woraus sich der erhebende Schluß ergibt, daß einerseits es den Serben gar nichts nützt, irgend ein Ministerium oder auch gleich Milan selbst kalt zu stellen, blechen müssen sie auf alle Fälle— an deutsche Börsenjobber u n d an blaublütige Franzosen— anderseits aber es den Börsenjobbern und Marquis' sehr gleich sein kann, ob der beim Zaren in Ungnade gefallene Milan oder der Zaren-Agent Karageorgewitsch auf dem serbischen Thron sitzt— sie kriegen auf alle Fälle ihr Geld. Denn hoch über der nationalen Rivalität steht die finanzielle Solidarität. —„Vivat hoch, eS leben alle Lumpen k" Im 17. sächsischen ReichStagswahlkreise sind an verschiedenen Orten, insgesammt an nicht we- Niger als 2S Personen, Anklagen zugestellt worden auf Beamten- beleidigung und Verleumdung, begangen durch Verbreitung von zwei Wahlaufrufen. Die armen„beleidigten und verleumdeten" Beamten fangen an, eine Reichseinrichtung zu werden, unter deren schützenden Fittigen jede Brutalität, jeder Lumpenstreich kühn in die Halme schießen darf. Das heutige System braucht solche Stützen. Defraudanten als Direktoren und Kassirer von„Volks- Sparanstalte n", fiskalischen und Gemeinde-Jnstituten sind eine laufende Zierde unter den bröckelnden„Tagesereignissen" jeder„anstän- digen" Zeitung. Meineidige und nothzüchtigende Pfaffen, Waisenväter, Gefängnißbeamte, Polizeikreaturen (Letztere besonders als Züchter der Prostitution) ic. ic.— Wer hätte je wagen können, dieses Gelichter beim richtigen Namen zu rufen, bevor nicht die Sperlinge des Zuchthauses eS vom Dache pfiffen? Wehe den„Verleumdern" und„Beleidigern", die warnend ihre Stimmen zu früh erheben!— so heißt es heute im verbismarckten Deutschland. Wehe den Staaten, die keine Kritik mehr vertragen können l wehe den Systemen, die in der Unantafibarkeit ihrer B e- amten und Regierer die Korruption heilig sprechen! wehe den Völkern, die solche Systeme ruhig über sich ergehen lassen!— das ist die Antwort der Weltgeschichte. — Ein Vorschlag zur Güte.„Die Sozialdemokratie in der Armee"— das ist bekanntlich daS schrecklichste Schreckgespenst unserer Herren Reaktionäre. Ein richtiges, echtes, vor dem sie selbst Angst haben— keine von ihnen ausstaffirte Vogelscheuche, die sie den dum- men Angstmeiern als Schreckgespenst vorführen. Wir erinnern uns noch immer des Entsetzens, mit dem der eisenstirnige Otto seinerzeit von der Möglichkeit sprach, daß die französische Armee einst unter der rothen Fahne heranziehen könne. Und die rothe Fahne in der d e u t s ch e n A r m e e— das ist doch noch tausendmal schlimmer. Da nun die bösen Sozialdemokraten nicht auszu- rotten sind, wie Figura zeigt, sondern umgekehrt sich fortwährend ver- mehren, so liegt es unter der Herrschaft unserer sogenannten allgemeinen Wehrpflicht auf der Hand, daß die Zahl der Sozialdemo- kraten in der Armee sich beständig vermehren muß. Das wird sogar unser Putty begreifen; und wenn er ein bischen nach- denkt, wird er vielleicht auch noch weiter begreisen, daß nicht der sozial- demokratische Unteroffizier, vor dem er solche Angst hat, zu fürchten ist, fondern der sozialdemokratische Soldat. Wie ist nun dieser Gefahr zu begegnen? Mit scharfer Aufsicht, strammer Spionage und ähnlichen schönen Diu- gen läßt sich da nichts erreichen � die verwünschten Sozialdemokraten sind so schlau und das sozialdemokratische Gift so subtil. Es gibt nur Ein Mittel der Rettung: Man läßt die Sozialdemokraten nicht ins Heer! Man verbiete jedem Sozialdemokraten den Ein» tritt und das Verbleiben im Heer. Der Erfolg— wir wetten unfern Kopf— wird ein überraschender, die Wirkung die denkbar gründlichste sein. Wie mit einem Zauberschlage ist die Armee gereinigt und Putty und Genosten brauchen keine schlaflosen Nächte mehr zu haben. DieArmeegehörtihnen, und bald werden si« die Armee für sich allein haben. Und die aus der Armee glücklich hinausgemaßregelten Sozialdemokraten nehmen in aller Ruhe— worüber Putty sich ja freuen muß— vom Staat und der Gesellschaft Besitz. Also frisch ans Werk I Unser Vorschlag ist gemacht. Er ist gut. Und es handelt sich jetzt nur um die P r o b e d e r P r a x i S. — Jugendliche Vorstellungen. Unter dieser Ueberschrist bringt die amerikanische Arbeiterzeitung„Truth"(Wahrhett) das folgende Gespräch aus der Feder von I. I. Martin: „Sohn: Was ist das für ein Ort? Vater: Das ist ein Park, mein Sohn. S.: Was ist das da drüben für ein schöner Bau? V.: Da« ist ein Treibhaus, mein Junge. S.: Was daL doch für ein herrlicher Platz ist! We« gehört er, Papa? V.: Er gehört dem Volk, mein Kleiner. S.: Wer bezahlt denn dafür? V.: Nun, die Steuerzahler natürlich, lieber Sohn. S.: Sind jene ärmlich gekleideten Leute, welche mit dem Setzen von Blumen beschäftigt sind, auch Steuerzahler, lieber Vater? V.: Ach wo, mein Knabe, daß sind nur gewöhnliche Arbeiter. S.: Bezahlen die nicht auch Steuern, Papa? B.: Nein, mein Sohn, nur Leute, welche Eigenthum besitzen, zahlen Steuern. S.: Arbeiten Leute, die Eigenthum besitzen, irgend etwas? V.: Rein, mein Sohn, im Allgemeinen nicht. S.: Woher bekommen fie denn das Geld, um die Steuern»« he, zahlen? V.: O, ich denke, auS den Riethen und Gefchäftsprofiten, S.: Wer bezahtt denn die Rieths und die Profite? V.: Ich sollte meinen, die Leute, welche Maaren verbrauchen und Häuser bewohnen. S.: Bewohnen jene schmutzigen Männer nicht auch Häuser und ver« zehren sie nicht auch Waaren? V.: Ja, wahrscheinlich. S.: Dann, glaube ich, sind es eigentlich auch sie, die schließlich alle Steuern be-ahlen, nicht wahr? V.: Hm, ich denke so. Aber warum stellst du so lächerliche Fragen? S.: Wenn die Leute, welche Eigenthum besitzen, nicht arbeiten und nichts erzeugen, wie leben sie denn da? V.: Sie bestreiten ihre Lebensbedürfnisse mit Mitteln aus derselben Quelle, aus der sie auch ihre Steuern zahlen, sollte ich meinen. S.: So? Dann machen diese zerlumpten Leute den Park, bezahlen die Steuern und unterhalten außerdem noch Diejenigen, welche Eigenthum besitzen? V.: Nun ja, ich denke, das stimmt; aber Du langweilst mich mit Deinem närrischen Gefrage. S.: Haben diese Männer auch alle diese schönen Fahrzeuge gemacht? V.: Nun ja, ich glaube so. S.: Wie kommt es denn aber, daß ich sie nie auf denselben fahren sehe? V.: Ich weiß es nicht, mein Sohn; ich wünschte, Du sprächest lieber von etwas Anderem. S.: Hm, aber das Alles kommt mir so merkwürdig vor. V.: Was kommmt Dir merkwürdig vor, mein Sohn? S.: Nun, Alles, was Du mir eben gesagt hast. Du sagst also, daß diese hier aus gewöhnlicher Erde Backsteine machen, Häuser bauen, sich dann umdrehen und Denen, welche ihnen bei dem Bauen nicht geholfen haben, für das Privilegium, darin wohnen zu dürfen, einen hohen Preis bezahlen? Sie machen ferner schöne Wagen— fahren aber niemals darin; sie legen in unseren schönen Parks glatte Wege an, die sie nie anders als zu Fuß benutzen, und außerdem unterhalten sie noch die Leute in den Kutschen und bezahlen gerne Steuern? V.: Das ist schon wahr, mein Sohn, aber wenn sie daS Alles thu» wollen, dann ist es nicht unsere Sache, damit unzufrieden zu sein. S.: Nein, gewiß nicht, aber soll ich Dir meine private Ansicht von dem Arbeiter mittheilen? V.: Nun, wie lautet die, mein Sohn? S.: Er ist ein Esel, Papa." Endlich hat der brave Peukert den rettenden Ausweg auS dem fatalen Dilemma, vor das ihn unser„infamer Artikel" in Nr. 20 ge- stellt, gefunden und zugleich die geheime Triebfeder unseres„scheußlichen" Vorgehens gegen ihn entdeckt. Der Edle will(laut„Autonomie" Nr. IS) erfahren haben, daß unser„Jnsormer",„ein bekannter(!) Polizei« Agent", ein Mitglied der„heiligen Allianz" ist, und was liegt nun näher als der Vervacht, daß„das Ganze" ein„schuftiges Manöver der heiligen Allianz" ist, um— man höre!—„die Flamme der Zwietracht in„unsere" Reihen zu schleudern, sowie„uns zu Indiskretionen zu provoziren, welche sie(die heilige Allianz) dann wieder gegen unS ausnützen kann";? Und daß sich der„Sozialdemokrat" in seiner„blinden Rachgier" und der teuflischen Hoffnung, daß„auch für ihn etwas ab» fällt", zum freiwilligen Werkzeug solch' schändlicher Machinationen her« gegeben hat? Die Sache ist somit sonnenklar,' und wenn Jemand„an den Pranger" gehört, so ist es der„Sozialdemokrat" und seine Alltirten» die Agenten der geheimen Allianz. Wir kennen unseren Peukert viel zu gut, als daß wir nicht von vornherein auf solche Manöverchen vorbereitet gewesen wären, wir wer» den uns daher durch dieselben auch nicht von der einmal beschlossenen Richtschnur unseres Handelns in dieser Sache abbringen lassen. Wem glaubt Herr Peukert durch seine„Enthüllung" zu impo» niren? Daß Mittheilungen über Interna der„heiligen Allianz"— um mit Peukert zu reden— nur von Jemand herrühren können, der selbst dazu gehört oder gehört hat, kann sich jedes Kind sagen, und ebenso, daß man nicht Alles und Jedes blindlings glauben kann» was man unter gewissen Umständen erfährt. Innerhalb dieser Grenzen aber behalten wir unS jederzeit das Recht vor, Informationen, die sich uns dar- bieten, entgegenzunehmen und auf ihre Beweiskraft , u p r ü f e n. Von wem wir über P e u k e r t' S Geschäftsreise mit Herrn R e u ß informirt worden, ist unsere Sache, darüber sind wir unseren Vertrauensleuten und nicht Herrn Peukert Rechenschaft schuldig. Hier handelt es sich zunächst nur um die Frage: Ist die Jnsormation richtig oder nicht? Und die Antwort ist bereits gegeben: Sre ist richtig lk Peukert und Reuß gestehen öffentlich, daß fiedie,, Ge, schäftsreise" gemacht und daß Reuß, der verunglückte Theateragent, der von Peukert selbst seinerzeit als „nichts weniger als vertrauenswürdig" öffentlich bezeichnet worden, die beiderseitigen Koste« dieser Reise bezahlt hat. Da wir von den, unserer Parteirichtung angehörenden Mitglieder» der Londoner Untersuchungskommission ersucht worden, nichts über die Peukert-Reoe-Angelegenheit zu veröffentlichen, bis die Untersuchung be- endet, so lassen wir eS für heute bei der Konstatirung des, wie gesagt, öffentlichen Eingeständnisses bewenden. Für Den, der die Augen nicht den Thatsachen verschließen will, sagt es ohnehin genug. Die Reise ist erfolgt, und mit dem unbestrittenen Schlußeffekt von Reve's Auslief er ung an die deutsche Polizei. Zu„Indiskretionen" will sich jedoch Herr Peukert nicht„provo« ziren" lassen. Wir konstatiren mit Vergnügen diesen neuesten Standpunkt des Herrn Peukert behufs Entkräjtung der zugestandenen Thatsache, daß er den„nichts weniger als vertra uenswürdtgen" Reuß höchst diskret zu einem auf gefährdeten Posten befindlichen Genossen führte, und empfehlen ihn, wie der Peukert' fch« Schmerzensschrei lautet: «Zur Beachtung." — Ueber die neugegründete sozialistische Federatio« von Rorb» England, von welcher der in unserer vorigen Nummer veröffentlicht« Brief aus England Handell, schreibt Karl Kautsky an die Wiener „Gleichheit": „Diese Organisation ist vor Mem dadurch bemerkenswerth, daß st« die erste sozialistische Vereinigung in England darstellt(wenn wir von der chartistischen Bewegung in England absehen), die direkt aus der Arbeiterklasse selbst entsprungen ist, das Resultat eines langen und erbitterten Klassenkampfes, des Streiks der Kohlengruben»� Arbeiter von Northumberland. Dieser Kampf hat die Arbeiter des Norden« aufgerüttelt, er hat ihnen gezeigt, wie unzuoerlässig, ja gradezu verrätherisch ihre bisherigen liberalen, gewerlschastlichen Führer gesinnt sind, die sich bei jeder Gelegenhett auf Seite der Unternehmer schlagen� er hat ihnen aber auch gezeigt, daß der Klassenkampf auf bloS ökonomischem Boden nicht ausreicht, die Interessen der Arbeiter zu wahren, daß sie stch gesondert von dm alten Parteien als neue politisch« Partei orgamsiren müssen, um die Staatsmacht zu erringen. Daß dies den Kohlengräbem von Nord-England klar geworden, daran haben vor Allem unsere Genossen M a h o n und Donald großen Antheil, die während des ganzen Streiks unermüdlich agitatorisch und organisatorisch thätig gewesen sind. Wie die neue sozialistische Vereinigung wirken wird, kann man jetzt natürlich noch nicht bestimmt erkennen. Eine Reihe von Momenten läßt sie jedoch vielversprechend erscheinen. Im Norden England» ruht der industrielle Schwerpunkt dieses Landes, dort ruht die Kraft der Arbeiterklasse. Auch die Ehartistenbewegung hat dort ihre mächtigsten Wurzeln geschlagen. Der Süden von England wird immer mehr und mehr nur ein Anhängsel von London, dieses aber ist weniger Industriestadt al« Handels» und Luxusstadt. Der Handel der Welt findet in London seinen Mittelpunkt, und ebenso das Kapital der Welt. In Indien wie in China, in Australien wie in Peru, in Oesterreich wie in Egypten, in der ganzen Welt steckt eng». Tisches Kapital; die Einkommen daraus fließen in der großen Mehrheit nach London, um dort verzehrt zu werden. Neben der Unzahl schmarozer« hafter Existenzen, die auf diesem Boden gedeihen, kommt der industrielle Arbeiter nicht zur vollen Geltung, sein politischer Charakter nicht zur »ollen Entfaltung. Ganz anders im Norden Englands, in den großen Industrie« und Bergwerksbezirken, wo der Mehrwerth produzirt wird, indeß London hauptsächlich dem Konsum des Mehrwerths dient. Die Klaffengegen- sitze find schroffer, das Selbstbewußtsein der Arbeiter größer. Es scheint uns daher, daß, wie zur Zeit der Chartistenbewegung, auch diesmal der Norden berufen ist, die Führung der englischen Arbeiterbewegung zu übernehmen und daher erscheint uns auch die Gründung der sozialisti- scheu Föderation von Nord-England so bedeutend und vielversprechend." — Rußland. Hinter verschlossenen Thüren— das Gelichter scheut die Oeffentlichkeit wie die Eule das Tageslicht— hat das Petersburger Militirbezirksgericht am 4116. Juni 15 Revolutionäre zum Tode und 3 zu Kerker und AtvangS- arbeit abgeurtheilt, wegen, wie es im offiziellen Reichsanzetger heißt, „Theilnahme an der verbrecherischen Thätigkeit einer geheimen, sich „Ruflische sozialrevolutionäre Partei der Narodnaja Wolja"(Bolkswillen) nennenden Genoffenschaft, im allgemeinen, und wegen Ermordung des Gensdarmerie- Oberstlieutenants Sudeikin und anderer Mordthaten, räuberischer Ueberfälle, Dynamitattentate, Errichtung geheimer Drucke- »eien u. s. w. im besonderen." Die Todesstrafe wurde bei K der Ver- nrtheilten— Ssuchomlin, Wolnow, Kusin, Jelko, Geier und Fräulein Debroskina in Zwangsarbeit, bei 2— Liwadin und Popow— in Deportation nach Sibirien, und bei 7— Lopatin, StaroS- worsky, Konaschewitsch, Antonow, Janow, Jakubowitsch und Fräulein Lsalowa in Zwangsstrafe(verstärkte Tortur)„abgemildert". Starvsworsky und Konaschewitsch, Ersterer der Sohn eines Priesters, Letzterer der Sohn eines Beamten, sollen eS gewesen sein, die seinerzeit in der Wohnung Degajews den gewiffenlosen Schurken Ssudeikin erschlugen. Auch Lopatin, einer der bedeutendsten Reprä- sentanten des revolutionären Rußland, der schon seit 20 Jahren für die Befreiung Rußlands vom Zarendespotismus kämpft, der wiederholt be« reits der Regierung in die Hände gefallen war, ihr aber immer wieder zu entwischen verstanden hatte, der Anstifter verschiedener Versuche zur Befreiung Tschernischewskis, soll an diesem Attentat betheiligt gewesen sein. Von ihm heißt es in einem offiziösen Bericht über den Prozeß: Mit der obgenannten S s a l o w a und dem Edelmann Ssuchomlin, her jetzt auch auf der Anklagebank sitzt, hatte er im Winter 1883/84 die Hauptleitung der nihilistischen(d. h. r e v o l u t i o n ä r e n) Be- wegung in St. Petersburg. Als Organisatoren traten sie nihilistisch aktiv weniger in den Vordergrund, bildeten aber den geistigen Mittelpunkt, bei welchem die Fäden der nihilistischen Verschwörung in Rußland sich konzentrirten. Lopatin stand mit den auswärtigen Emigranten, wie Lawrow und Tichomirow, in Verbindung und wurde in St. Petersburg im Oktober 1884 arretirt, hier als englischer Unterthan Nurris lebend. Die drei Genannten, unter denen die S s a l o w a auch schon seit einem Jahrzehnt Nihilistin ist und mit der Perowskaja einst zusammen gewirkt hat, auch schon mehrmals in Untersuchung gestanden, hatten ihre Hand überall im Spiel: sie besorgten den Vertrieb revolutionärer Schriften, empfingen Geld zu revolutionären Zwecken, gründeten Geheimdruckereien, verbreiteten Proklamationen, setzten Attentatspläne auf u. s. w." „Eine größere Rolle, heißt es dann weiter, spielte auch der Edelmann Iwanow, der bei Charkow 1883 zweimal den Versuch machte, die Post zu berauben, um sich des Geldes zu bemächtigen, das die Post mit sich führte und deffen die revolutionäre Partei damals dringend bedurfte, und der ferner bei der Ermordung eines gewiffen Swrioba, eines an- geblichen Spions, betheiligt war. Ferner ist der Kandidat der Peters- burger Universität, Jakubowitsch, zu nennen, welcher eine Geheim- druckerei in Dorpat leitete(die 1884 entdeckt wurde) und einer der thätigsten Agenten Lopatin's und der Ssalowa war." Die andern Berurtheilten sind nach der gleichen Quelle„nur unter- geordnete Hülfsorgane in den Händen der Vorbenannten gewesen, deren Benehmen während der Verhandlung zuweilen ein„recht heraussor« derndes"— das heißt kühnes und überzeugungstreues— gewesen sein soll. Nun, für ihren Muth und ihre Energie wandern sie jetzt in Kerker und in Verbannung, das Zarenthum aber, das sie dorthin schickt, ent- geht aber trotz aller Hekatomben seinem verdienten Schicksal nicht. Schon fleht sein finanzieller Bankrott vor der Thür, die Ratten der„Kreuz- zeitung", der„Kölnischen Zeitung" ,c. verlaffen das sinkende Schiff und reinigen ihr Gewiffen gegenüber den von ihnen hineingelegten Inhabern von ruffischen Staatspapieren. Und ist der finanzielle Bankrott erst da, so wird auch der politische nicht lange auf sich warten laffen und der T a g d e r S ü h n e für alle bisherigen Opfer des Zarenabsolutis- «us heranbrechen. Korrespondenzen. Iserlohn in Westfalen. Situationsbericht. Dabereits alle übrigen Genoffen ihren Bericht über die Wahlkampagne er- flattet haben, so will ich, damit es nicht den Anschein hat, als ob wir uns während der Wahl nicht gerührt hätten, und demnach mit der Aeit die Bewegung hier eingeschlafen sei, hiermit das Versäumte nachholen. Am Sonntag den 23. Januar sprachen zehn Genoffen beim Wirth August Vorwerk hier vor, behufs Ueberlaffung eines seiner Wirth- schastsräume zur Abhaltung der Sitzungen des Arbetter-Wahl- k o m i t e S. Derselbe zeigte uns einen seiner Lokalräume, der uns auch kdnpenirte, und kamen wir beiderseits dahin überein, daß uni während der Wahl das Zimmer zur Verfügung stehen sollte. Am Montag den fl4. Januar wurde daS Arbeiter- Wahlkomite bei der hiesigen Polizei« Verwaltung angemeldet, und zugleich in dem„Iserlohner Kreisanzeiger" publizirt, daß das Arbeiter-Wahlkomite in dem betreffenden Lokalraum deS Herrn A. Vorwerk jeden Sonntag Morgen von 10 Uhr an zu sprechen fli»c. Am Donnerstag den 27. Januar«rfolgte von der königlichen Re- gierung in Arnsberg, das Verbot des Arbeiter-Wahlkomites unter der wundervollen Motivirung, daß, da einige Mitglieder des Komite— die Fabrikarbeiter Copalle und Hellmann, sowie der Klempner Siebenschuh— 'Ls„eifrige Sozialdemokraten" bekannt seien, dieses(wörtlich)„hiernach «ine Verbindung im Sinne beiß 1, Al. 3 des Reichsgesetzes«omül.Ok- «ober 1878 sei, welche zwar nach ihrer Bezeichnung und verlautbarten Bestimmung einen zuläffigen Zweck in der Agitation für die Wahl eines Arbeiterabgeordneten verfolgt, in Wirklichkeit aber bei der notorisch staatsfeindlichen Parteirichtung ihrer Mitglieder auf den Umsturz der bestehenden Staate- und Gesellschaftsordnung abzielende Bestrebungen zuläßt, billigt und in den wöchentlich in einem Iserlohner Wirthshause beabsichtigten Versammlungen zur Geltung und Verbrettung gelangen laffen will." So weit nun das Verbot, gegen das von dem Vorfitzenden des Arbeiter-Wahlkomite sofort bei der Reichskommiffion in Berlin Be- Szwerde erhoben wurde. Der Wirth Vorwerk aber ließ im„Iserlohner reisanzeiger" ein« Annonce los, worin er erklärte, die Rotiz,„daß das Arbeiter-Wahlkomite, wie im„Iserlohner«reisanzeiger" vom 24. Januar behauptet sei, in seinem Lokal tagse,"„sei unwahr." Der Kerl schämte sich nicht, aus Feigheit zehn achtbar- Männer öffentlich der Un- »ahrheit zu beschuldigen. Nebenbei will ich bemerken, daß der Anstreicher »nd Wirth Vorwerk auch mit zum D-utschfreisinnigen-Wahlkomite gehört. Ja. statt daß man solchen«chselträger der Verachtung preisgeben soll. finden sich doch noch Genoffen, welche bei ihm noch verkehren können. »un, ich will ihnen ihren freien Willen nicht nehmen, aber bedauerlich bleibt es immerhin. Auf den 7. Februar ward von uns«ine Wählerversammlung bei der hiesigen Polizeiverwaltung angemeldet, in der unser ReichstagSkandidatl Genoffe Meist aus Köln, seine Kandidatenrede halten sollte. Unser kleine« Bürgermeister Bonstedt verbot dieselbe aber sofort mit dem großen s S des Sündengesetzes. Hob darin, wie immer nach einem Schnitt, recht bürgermeisterlich hervor, daß der Einberufer als ein sehr eifriges Mit- glied der Sozialdemokratie bekannt sei w. Darauf meldete am 10. Febr. «in bis dahin ganz unbekannter Arbeiter eine Wählerversammlung(zu demselben Zweck wie obige und im selben Lokale) bei der hiesigen Polizei- Verwaltung an, aber— unser kleiner Pascha kam gleichfalls sofort mit seiner großen Z S. Hasch! Kisch! Kisch! und zwar hieß es in dem Verbot, „daß Sie ein notorischer Genosse des hierorts bekannten Sozialdemo- trat Copalle find, sowie daß der als Redner bestimmte bekannte Carl Reist auS Köln derselben Parteistellung angehörig ist, eine Thatsache, welche die Annahme gerechtfertigt erscheinen läßt it.>c. Am 4. Februar hielt der jetzt auf Grund von Vorspiegelung falscher Thatsachen hier gewählte ReichStagsabzeordnete C. Theodor R-inhold auS Barmen, Amtsrichter, seine Kandidatenrede. Da wir hierorts über keine rednerische Kraft verfügen, wandten wir uns dieserhalb nach Elber- feld und sonstige Orte, aber diesmal konnte leider kein Genosse abkommen, um dem allerweisesten Dr. Amtsrichter zu antworten. UebrigenS hatten sich diese Ratio nal-Miserablen gut organisirt mit ihren Avantgarden: Landwehr-Verein und Luther-Männerverein. Obschon nun Dr. Reinhold gehörig auf den Deutschfreisinn, Richter und Kon- forte», loshieb, sowie auch den hiesigen Führer Dr. Med. Hugo Franz nicht ungeschoren ließ, hielt sich, wie immer bei solchen Gelegenheiten, der ganze Troß des hiesigen Freisinn mäuschenstill. Am Schluß brüllte der Landwehr-Verein„Heil Dir im Ziegenstall", während die vom Luther- Männerverein singen wollten:„Wir Dummen sind die beste Burg." Am 7. Februar hielt Dr. Reinhold seine Pauke in Hemer, eine Stunde von hier. Am selben Tage kam, uns ganz unerwartet, unser Kandidat Meist nach hier, in der Meinung, seine Kandidatenrede hier halten zu können. Der Brief mit unserm Verbot hatte ihn verfehlt. Nun gingen wir zu 60 Genossen nach dem Dorfe Hemer. Nachdem der Amtsrichter die dortigen Bauern gehörig verkohlt hatte, meldete sich Ge- nosse Meist zum Wort. Aber nur zehn Minuten wurden ihm gewährt — nicht zur Diskussion, sondern zur„Interpellation". Daß Genosse Meist dem Herrn Amtsrichter kräftig zu Leibe ging, brauche ich wohl nicht erst zu erwähnen. Es war grade Genoffe F. Schmidt aus Hagen bei uns, derselbe meldete fich nach Reist zum Wort, aber eben hatte er begonnen, da bedurfte es eines Winkes des die Versammlung über- wachenden stellvertretenden AmtmannS, Fabrikbesitzer v. d. Becke in Hemer, und der Radau seiner Kreawren begann. Reinhold sprach noch einmal und der Vorsitzende, Fabrikpascha Oskar Reuter, schloß die Ver- sammlung mit einem Hoch auf den alten Wilm. Während dieser Zeit rückten wir unter Hochrufen auf unser» Kandidaten Weist aus dem Saal. Das brachte aber doch den jetzt vertretenen Amtmann v. d. Becke der- artig in Harnisch, daß er, wie von einer Natter gestochen, sich empor» raffte und mit gebieterischem Tone die anwesenden Gensdarmen sowie seine Dorfpolizeimannschaften aufforderte, ihn zu begleiten. Vor der Thür des Lokals hielt zufällig ein Fuder Heu, es wurde scherzweise geäußert:„Dies ist Futter für die Ochsen da oben." Da sprang der dicke, zwei und ein halbhundert Pfund wiegende Fabrikant v. d. Becke mit seinem Gefolge herzu und gebot,„daß hur nicht mehr geredet wer« den dürfte," stellte die Namen der„Redner" fest und— Hemer war gerettet. Nach den Nationalliberalen kamen die Deutschfreisinnigen und hielten am 10. Februar ihre Wählerversammlung ab, in der ihr Kandidat, der bisherige Abgeordnete des Kreises, Dr. Langerhans, ein Parlaments- stummer Nachbeter des edlen Ritters Eugen, feine Kandidatenrede halten sollte. Den Bericht über diese Versammlung, von dem Organ der Deutsch- freisinnigen,„Iserlohner Kreisanzeiger", füge ich bei. Als der Fabrikant, F. Vollmann, Vorsitzender der liberalen Wahlversammlung Bltena-Jser- lohn, die Versammlung eröffnet hatte und nach der Einleitung derselben dem Dr. LangerhanS das Wort ertheilen wollte, erbat sich Genoffe Copalle zur Geschäftsordnung das Wort und stellte den Antrag aus freie Diskussion, aber leider verstand der Herr Vorsitzende, der Fabrikant Vollmann, das Wort„freie Diskussion" nicht und richtete an den Antragsteller Copalle die Frage, er wüßte nicht, was freie Diskuffion sei. Genosse Copalle bemerkte: Unbeschränkte Redefreiheit.(Schluß folgt.) Warnung. Seit Jahren betreibt der Schuhmacher F. Blosfcld, Albrecht- Straße 4, in Halle a. S.(siehe dessen Erklärung im„S.-D." Nr. 20) Polizeispitzelei unter mehrfach erfolglosen Erpressung«- versuchen. In letzter Zeit hat er nun aus Rache eine Anzahl Genoffen(Familienväter) in verleumderischer Weise der Polizei denunzirt. Auf dessen Aussage nahm die Polizei Ver« anlaffung, die Sache der Staatsanwaltschaft zu übergeben, welche An- klage wegen„geheimer Verbindung" erhoben hat. Behufs Eintragung in die„Schwarze List t" ic. folgt hier deffen Signalement: B l o s f e l d ist mittlerer Statur, über 40 Jahre alt, hat eine Glatze und besitzt ein zügelloses Mundwerk. Aus Ouerfurt wird uns berichtet, daß sich dort der Cigarrenmacher August Stollbach al« D e n u n z i a n t entpuppt. Bei der R e i ch S t a g s w a h l hat er eine Anzahl Genossen der Polizei gemeldet, unter der Vorgabe, dieselben hätten Flugblätter ver- breitet it. it. Stollbach ist auS Querfurt verschwunden. Wir warnen vor ihm, damit er allerwärts gebührend empfan- gen wird. Nachrichten w. bei seinem etwaigen Auftreten erbitten wir hierher. Signalement: Größe 1,73 Wir., Haare dunkelblond; normaler kräftiger Körperbau; daS rechte Bein fehlt ihm vollständig. Nie Expedition des„ssjiatdcmokrat". Quittung. In Brüssel als Unterstützung an zwei Ausgewiesene baar ausgezahlte Fr. KV— werden hiermit Ramens der Empfänger dankend quittirt. Der Beauftragte. Briefkasten der Redaktion: Einsendungen ic. find eingetroffen auS Leip« zig, Newyork, Paris, Sonneberg i. Th., St. Gallen (besten Dank und freundlichen Gruß).— Br. in Brüssel: Einge- sandtes in nächster Nummer. Aber warum anonym?— Landkre»« KSln,London und Norwegen: In nächster Nr. der Expedition: Lk.C. a. R.: Mk. 440 Ab. 8. Qu. erh.— Spglr.-Fachver. Zürich: Fr. 2—«b. 8. Qu.«rh.— Donau: Fr. 8 40 Portozuschlag pr. S. Qu. Ad. pr. Sch.«rh.— A. W. Ptm.: Mk. 8— Ab. 3. Qu. erh.— Oncel: Mk. 19 40 Ab. 8. Qu. erh. Adr. notirt.— Unerfchrockner Cölln: Wk. 10— Ab. 6. Qu. u. Rest a Cto«rh. Bfl. Wettere«.— Anton: Wk. 8— Ab. 8. Qu. erh.—«. G. Bwg.: Mk. 8 80 Ab. 3. Qu. K. u. H. erh.— Hbg. Mchwk.: Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. und 60 Pf. pr. Ufd. dkd. erh.— T. S. Bln.: Mk. 4 80 Ab. 3. Qu. erh.- Mx. Lz. Bhm.: Mk. 14«0 Ab. Rest 1888 u. Mk. 8S 40 pr. Ufds. dkd. erh. Weiteres lt. Bf.-Beil. besorgt.- L»tr. Zch.: Fr. 4- Ab. 3. u. 4. Qu. erh.— Rh.-Westf. Ztg. Drtm.: Wk. 4 40 Ab. 8. Qu. erh.— Sper- ber: Wk. 18 20 Ab. 3. Qu. ic. erh. Weiteres nach Wunsch notifizirt. Qttg. in Nr. 27 somit erloschen.— Barmen: Mk. IVO— f. d. Familien der Magdebgr. Berurtheilten dko. erh.— I. Sch. Sz.-Ud.: vwfl. 2— a Cto Bbl. ic.«rh. Weiteres nach Wunsch demnächst.— Rother Exekutor: Mk. 12 40 ä Cto Ab. 3. Qu.(z dir. u. 1. indir) u. Schft. erh. Bstllg. folgt. Zwtfchenhand monirt.— Semper Aug.: Mk. 4 40 Ab. 8. Qu. «rh.— Großes Zuchthaus: Mk. 1174 8S a Cto Ab. u. Schft. pr. S. erh. In Nr. 26 qutttirte Mk. 900— somit erloschen. Desgl. Mk. öl 40 Ab. dir. 3. Qu. u. Mk. 4 80 Schft. pr.G.Z. erh. Mk. 10 45 pr.Manco Schft. gutgebr. Bstllg. folgt.— Brüssel: Fr. 50- Ab. 2. Qu. alter Rest Bdl. u. ä Cto erh. Weiteres notifizirt. Beil. besorgt. Bstllg. folgt. — R. H. Lyon: Fr. 2 50 Ab. 3. Qu. u. Fr. 2 öO pr. llfdS. dkd. erh. — Nr. 681 u. a. D.: Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. erh. Adr. notirt.— S. Mxn. Hg.: Wk. 5— Ab. 8. Qu. u. Schft.-erh.— Rother Maul« wurs Hn.: Mk. 6— Ab. 3. Qu. erh. Beide müssen zusammen mar- schnen, sonst nicht. Alles unterwegs.— Rolher unter Pappen: 3 Mk. Ab. 3. Qu. erh. Adr. geordn.— I. B. Rsa: Mk. 3— Ab. 8. Qu. erh. O.H. IX.-W.: Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. erh.- C. L. Sch. Dg.: Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. erh.— Dreibein: Mk. 3— AS. 8. Qu. erh.— IBierbauch! Mk. 15 80 Ab. 3. Qu. erh. Bstllg. notirt. Bfl. u. pr. R. Weiteres.— »ators: Mk. 13 40 Ab. 3. Qu. erh. 355. D. separat unzulässig und muß dort antreten. 355eit-r«S folgt.— meldet. Ei, ei, ei!!!— Lüttich H.: Fr. 1850 Ab. 3. Qu. erh.— Dvstr. Vervier»: Fr. 2 50 Ab. 1/6—1/9. erh.— Victoria: öwfl. 23— & Cto Bk. gutgebr. Bfl. Weiteres. Warum Cassa nicht ebenso adreffirt wie Bfe. v. 29. ds.? Daher Verzögerung.— Vorposten a. d. Grenze: Mk. 20 93& Cto«b.ic. gutgebr.—». F. Sch. a. E.: Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. erh. Ihre Referenzen genügen uns jetzt, ebenso Ihre Adr.— H. H. Zug: Fr. 3— Ab. 3. Qu. erh.— M. E. Lgk.: Mk. 5— Ab. 3. Qu. u. Schft.«rh.— K. Bln.: Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. pr. E. erh.— Wönus: Mk. 90— a Co. Ab.«. erh. Adr. erw. Weiteres beachtet.— W. Ebht. Charleston: Fr. 2015 Ab. 3. Qu. u. Schft., sowie Fr. 5 35 f.d. Opfer der„Justiz" in All-Deutschland dkd. erh. Sdg. abg.— A. Lanferman» in Chicago: Fr. 125— a Cto Ab. jc. erh. Bstllg. sc. besorgt.— I. Sch. Sch.-G.: Wk. 4 40 Ab. 3. Qu. erh.— E. C. Lpzg.: Rk. 7 10 Ab. 3. Qu. u. Schft. erh. R.-Reden nicht zu haben. Spp. Schw. L. noch nicht fertig.— Pan: Mk. 4 40 Ab. 8. Qu. pr. R. erh.— L. C. Stg.! Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. erh. Bfl. Näheres.— P. L. Olt.: Fr. 2— Ab. 3. Qu. erh.— Pater Plazidus: öwfl. 3 43 Ab 3. Qu.»c. pr. W. erh. — 355. St. Kpp.: Mk. 3— Ab. 3. Qu. erh.— Bngs. Zch.: Fr. 2— Ab. 3. Du. erh— Der Alte v. Berge: Fr. 2— Ab. 3. Qu. erh.— H. Oe. Bmn.r Mk. 4— Portozuschlag pr. 3. u. 4. Qu. erh. Weiteret bfl.— Wahrer Jakob: Mk. 20 60 Ab. 2. Qu. u. Schft. erh. Vermeiutt Guthaben von Mk. 1 40 ist schon verrechnet. Also restiren Mk. 1 40.— A. T. Wn.: öwfl. 1— Sb.-Rest pr. 8. Qu. erh. Ja. Das von der d s.-d. R.-Fraktion wiederholt eingebrachte Arbeiterschutzgesetz enthält Derartiges.— wnde» tz-stbu! «d> «gege »« t s*. 5,- 1M.3,- tz. I,?» tzr.2,5« Vitt ' We Pa> Anzeigen. Zur Beachtung. Das Lokal der hiesigen M it gl ied s ch aft der deutschet Sozialisten befindet fich von jetzt ab im Restaurant Bürgt, Riehenthorstraße Rr. 15, wovon Tit. Vereine, Genoffen und Freunde Notiz nehmen wollen. sFr. 1 25) 2 Der Ausschuß. _ 4 „Londoner Arbeiter-Zeitung" nebst„Neue Welt"-Beilage. PreiS: vierteljährlich pr. Kreuzband Mk. 2—. „„„ Briefsendung Rk. 3 50. Herausgeber: Der Kommunistische«rbeiter-Bildnngs-Berein» 49 Tottenham Street, Tottenham Court 3lioad, London V. Zum Abonnement ladet ein (Mk. 2—.] Die ZeitungSkommissio«. Abonnements auf den„Sozialdemokrat" D« pasfirt und n iui eni und tt uicht Bibern fich da auf I hin(im iwische Sozial gen wi Die find fo »Etr> ichwö iesetzlich ?'cht zu «gend: «der©. S* «wa Sinsen cht werden ausser beim Verlag und dessen bekannten Agenten— wohl auf einzelne Monate als ganze Quartale— jederzeit entgegen' genommen bei folgenden Filialen und Verkanfsstellen; Kst-Ht; [•"nm '«n w na i*fch B- (schen dem sa, Zürich Tolksbnehhaadlnng, Casinostrasae 8, Böttingen, mxi Ange Vsrsw, und vontsods SM-, im Schwan* ztozeffe anwalt .Der! das Ge! vsotsodsr Zürich. Winterthnr Deutscher Arbeiterverein, Haidenstrasse 1026. Aaran B. �ennert, Vordere Vorstadt 668. Basel Dentecher Verein, Schwauengasse 4 and Deutsch» Soll*' listen, Kiehenstr. 15. Bern Deutscher Verein. Blei B. Poppitz, Deutscher Verein. Chnr F. PfUam, Bachdrnckerei Manatschal 4 Ebner. Deutscher Verein. Franenfeld Deutscher Verein. St. Gallen Deutsche Soz., zum Friedberg Riesenbflhlstr., in dem Allgem. Arbeiterverein. Genf Deutscher Verein. I-ausanne Allgem. Arbeiter-Verein, aCaf6 Rational», St. Laurent I. Stock. Liuzern C. Barth, bei Wirth, M.-Tailleur, Zürichers trasse» lieaenbarg Deutscher Arbeiterblldnngs verein. Schaffhanaen Allgem. Arbeiterverein, zum„Schiff». Zag Allgem. Arbeiterverein. (Wir bemerken ausdrücklich, dass diese Adressen nicht Deckadressen für Deutschland dienen I) Pari« 6. Haeflinger,„Deutscher Leseclub», 76 Vereil FraogoU Äliron, und „Deutscher Sozlalistenclnb", 2 rue de la Bastille.*3«»$ La V Illette-Paris„Deutscher Sozialdemokratischer Clnb U�'Lt i Villette", rue d'Allemagne No. 2/1, Ecke Boulevs�L I"Ttn< la Villette, und Deutscher loxlallstenclub, 195' e' ch 8t. Denis. Kopenhagen K C. HOrdnm, BSmengade 22 Stuen. 81«*!" E. Bolz, Skjoldsgade 5. 3 Sad. Brttnsel(bei bekannten Adressen) und dem Zeitangsh&ndler Croix de fer, Grand Place. Li&ge Cafe des quatre lations, rue Chapelle des Cleres. Vervlera Charles Plereanz, 20 rue de Luzembourg, Andrlmtfl Amsterdam J. A. Fortnlyn, Boekhandel, Tuinstraat 54. Antwerpen A. Heevelsteen, Dieppestraat 146. E. Rackov, 85 Charlotte Street Pitzroy Square W. CommunlstUcher Arbeiter-Blldungsvereln, Tottenh»* Street, Tott. Court ßoad 49. W. � Hr. Schveitier, Buchhandlung, 43 Commerclalroad, �.l11 n g, Scherer, Friseur, Upper Marylebonestr., W. �He Schönleben, Friseur, 3 Ed wardstreet, Wardourstr., Danbonspeck, 42 Sunstreet, Finsburysquare, E.C, � e® o Baustein, Tobaoeonist, 51 Charlottestreet, Fitzrof& sie Square, W. Iu, *sv,ann K «ttil chffa Sj?!e s London Honk, Stationer, 56 Charlottestreet, Fitwoysqnar, � Bad, fioedbloed, Tobaoeonist, SB Poley Stro�l Cleveland Street. Oantleford bei Torkahlre Edinburgh Theobald VOlkel, 1 OentooteRM*'1 Carl Derwald, Porcobello near Edinburgh 2 Kamsay Laue 2. Ulli "nb bil Dakar«nt F. JUrous, Calea Gotroeeui 16, Sie fizpcdiUen du„SozialdeaokraVi ben 04 Jn«w Hos putsch Hex S°s-tz