J» e« Zöonnements (MtVtn tit allen schwliierisKen Bofiduri-u;, sowie beim Lerlag und dessen b-Iannten Agenten entgegengenommen, und>wir jum »»»au« gahlbaron vierteljohrSpreii von: sst. strdieSch«eizostdeteini(Bteujband) Inftnie die dteigespaltene Petitzeilt 15 S».---- 20 Pfg. Der ojidlöcmokrat Argan der Sozialdemokratie deutscher Zunge. Erscheint ftt Zürich(Schweiz). Aertag der »»lltduchha»»»«»« Hottingen-Zürich. Vo?sell>«iiieu 'sranto gegen stant».� Gewöhnliche Briese '»ach der Schwei,{»IM, Doppelporto. Jtä. 35. Briefe an die R-dalii-n und lirpedition de» in Deutschland und Oesterreich verbotenen.Sotialdemolrat-«olle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lasten. In der Regel schicke man uns die Briefe nicht direlt, sondern an die bekannten Deckadreste». An tweiselhasten Fällen eingeschrieben. 26. August 1887. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Einem Verbot zu Ehren. Ruhm und Ehre auf das Haupt des badischcn LandeSkom- missars für die Kreise Konstanz, Villingen und Waldshut! Er hat seine Zeit richtig erkannt. In weiser Beurtheilung der Situation hat er in diesen Tagen kraft seiner amtlichen Voll- Macht verfügt, daß „die Schrift„Die drei Zauberformeln. Von Dr. Johann Jacoby", datirt: Königsberg im November 1871, auf Grund des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 verboten wird." Nie, wir erkennen es offen freudig an, nie war ein Verbot gerechtfertigter als dieses. Nicht, daß die Jakoby'sche Schrift den gewaltsamen Umsturz predigte! Kein Wort davon in dem kurzen, in der klaren, präzisen Sprache des unvergeßlichen Altmeisters der preußischen Demokratie verfaßten Aussatz. Nicht daß sie wider �en Frieden unter den Bevölkerungsklassen hetzte � kein hetzendes, kein aufreizendes Wort von Anfang bis zu Ende. Von den Kriterien, die das„gemeingefährliche Gesetz", wie tor Volksmund das„Gesetz gegen die gemeingefährlichen Be- ffrebungen zc." getauft hat, seinem Wortlaute nach ver- langt, ist nicht eine erfüllt. Es wird in ihr lediglich eine geschichtliche Thatsache konstatirt, eineWahrheit aus- gesprochen, sie ist eine historisch-philosophische Betrachtung über die Kämpfe der Jetztzeit, und daß auch solche zu verbieten seien, davon steht im Ausnahmegesetz kein Wort. Jndeß, der Buchstabe ist todt, aber der Geist ist lebendig. Und dem Geiste des Sozialistengesetzes entspricht das Verbot voll und ganz. Das heißt, dem Geist, in welchem es seine Macher seinerzeit gewollt, und in dem sie es heute fest- halten. Wie aber konnte es geschehen, daß die Schrift, die 1871 geschrieben und seitdem wiederholt publizirt worden ist, erst jetzt, 1887, dem Verbot anheimfiel und nicht schon im Jahre 1878, da alle zum Staatsretteramt Berufenen und sich be- rufen Glaubenden spähenden Auges ausblickten nach Schriften, die zum Heil des Staates zu verbieten seien? Nun, ganz einfach, weil die„Drei Zauberformeln" 1878 noch vicht zum Verbot reif waren, weil die in ihnen enthaltene 'Wahrheit damals noch nicht so staatsgefährlich war wie heute.. � Um das zu begreifen, braucht man sie nur auf's Neue durchzulesen. Es ist noch nicht lange her, daß wir in diesem Blatt die treffliche Arbeit des Weisen von Königsberg abgedruckt; trotz- dem hoffen wir unsere Leser damit einverstanden, wenn nur, Den» Verbot zu Ehren» den Abdruck wiederholen. Hier mit Fug und Recht für Freund und Feind des alten Pedro Wort: Thut nichts, könnt's noch einmal hören! Also, mit Verlaub, Herr Landeskommiffar: Die drei Zauberformel«. Und er sprach zu den Jüngern:„Der Sabbath ist umtos Menschen willen gemacht, und nicht der Mensch um des �ab- boths willen. So ist des Menschen Sohn auch ein Herr des Eabbaths."(Evang. Marci, Kap. 2 V. 27, 28.) Dies hohe Wort gilt— wie vom Sabbath— so von allen menschlichm Einrichtungen, von jeglichem Gesetze und Herkommen, von Kirche, Staat und Gescll>chasts- ardnung. Aus dem Bedürfniß tos Menschen hervorgegangen, sollen alle diese Institutionen nur als Mittel dienen zum Heil des Menschen. Während aber im Laufe der Zeit— bei dorschreitender Entwicklung— die Bedürfnisse sich umgestalten, die materiellen und geistigen Ansprüche an das Leben sich steigern, halten Gewohnheit, Unvernunft und Eigennutz fest an den hergebrachten Rechten und Ordnungen, erklaren dieselben mr heilig und unantastbar und verlangen, daß die Vedursttisie der Menschen sich den überkommenen Satzungen unterwerfen, Vicht umgekehrt. So wird, was ursprünglich nur Mittel gewesen, zum Selbstzweck erhoben, und— langer Kampfe bedarf eS bis endlich des Menschen Sohn sich als den„Herrn des Sabbaths" erkennt, unbekümmert am Sabbath„Nehren ausrauft" und mit den„Schaubroden der Priester" seinen � ÜJm Namen der Kirche!"— 3™ �a"e.II„ be8 Staates!"— Im Namen der Gesellschaft. � Durch diese dreifache Zauberformel hat von jcher Herrsch- begier und Selbstsucht Einzelner den Geist, den Willen, toe Arbeitskraft der Völker gefesselt und ausgebeutet. , Die Kirche— das heißt die Anmaßung der Pnester- lagt zu den Laien: Euer Geist ist zu schwach, die Wahrheit ergründen. Auf daß Ihr nicht in Jrrthum und sünde verfallt, müßt Ihr— ohne Prüfung— glauben, was wir, die Dolmetscher des göttlichen Geistes, als Wahrheit verkünden. Die Kirche ist unfehlbar; der Glaube allein kann Euch vor ewiger Verdammniß retten. Der Staat— das heißt die Herrschsucht der weltlichen Machthaber— sagt zu den Staatsangehörigen: Ohne Unter- ordnung keine Ordnung auf Erden! Nicht dem eigenen be- schränkten Urtheile dürft Ihr in Eurem Handeln folgen, son- dern dem, was wir als Recht feststellen. Der Obrigkeit Wille ist Gesetz; nur unbedingter Gehorsam schützt Euch vor Anarchie und Verderben. Die Gesellschaft— das heißt die Habgier der besitzen- den Klassen— sagt den Besitzlosen: Uns verdankt Ihr Arbeit und Brod. Darum sollt Ihr von den Früchten Eures Schweißes uns so viel abgeben, als wir für billig erachten. Wollt Ihr dies nicht, so steht es Euch frei, ohne Arbeit und Lohn zu verhungern. Gedankenlos— willenlos— besitzlos, ist die Masse des Volkes den Zwecken der Kirche, des Staates, der Gesellschaft untcrthan. Solange jede dieser drei Mächte die Ausbeutung der Menge für sich ausschließlich in Anspruch nimmt, treibt gegen- scitige Eifersucht sie zum Kampfe untereinander. Die Kirche predigt gegen den Mammon,— die weltlichen Machthaber streiten gegen die Oberherrschaft der Kirche,— die besitzende Klasse strebt darnach, den Staat ihren Sonderinteressen dienstbar zu machen. Allein im Laufe der Zeiten ändert sich die Sachlage. Je mehr, Dank den Bemühungen uneigennütziger Forscher, die Erkenntniß der Wahrheit sich im Volke verbreitet, je mehr die arbeitende Klasse zur Einsicht ihrer Lage, zum Bewußtsein ihrer eigenen Kraft gelangt,— um so augenfälliger tritt die Lüge, die Ohnmacht jener drei fesselnden Zauberformeln zu Tage. Thron, Altar und Geldmacht sehen sich genöthigt, die gegenseitige Fehde einzustellen und— der gemeinsamen Gefahr gegenüber— ein Schutz- und Trutzbündniß zu schließen, ein Bündniß, das— dem Anschein nach— ihre Kraft vermehrt, im Grun.de aber nichts weiter ist als das Eingestand- niß, daß jede der drei Mächte für sich allein zu schwach ist, den Forderungen der Freiheit und Gleichberechtigung Widerstand zu leisten. Und hiermit ist der Charakter, die Bedeutung der Jetzt- zeit ausgesprochen: es gilt den letzten, entscheidenden Kampf der unterdrückten, freiheitsbedürftigen Menschheit gegen den dreieinigen Feind! Geistesfreiheit— WillenSfreih eit— ArbeitSfreiheit ist die Losung; der KampspreiS: Allgemeine Bildung— Tugend und-~- Wohlfahrt!—— Königsberg, im November 1871. Joh. Jacoby. V Im Jahr 1871 schrieb Jacoby dieses Flugblatt. Im Jahr 1871 wurde das neue deutsche Reich preußischer Observanz errichtet und trat mit dem Kampf des Staates wider die Kirche in die Arena. Im Jahr 1878 leitet der Staat die Friedensunter. Handlungen mit der Kirche ein. Das Ausnahmegesetz gegen die Partei der arbeitenden Klasse wird erlassen. Im Jahr 1887 ist der Friede zwischen Staat und Kirche perfekt. Die„Gesellschaft" kapitulirt vor Beiden. Thron Altar und Geldmacht sehen sich gezwungen, die gegen- seitige Fehde einzustellen, und— das Weitere sagt der Aus- satz Jacoby's. Begreift man nun, warum er gerade jetzt verbotet, werden mußte?! Einen Orden dem wackeren Landeskommissar! Mörder! Der Ausrottungßkamrf, den da» Ordnungsrettetthu« der Gesellschaft der Unordnung gegen die einzig wirkliche Partei der g-sellschastlichen Ordnung, die Sozialdemokratie, führt, nimmt von Tag zuTag aewaltthätigere Formen an. Schon die einfache Logik der Thatsachen brinat da« mit sich. Sobald man einmal den Boden des Kampfe« mit ebrlichen Waffen verläßt, gibt-« auf der schiefen Ebene der Gewalt- maßregeln keinen Halt mehr. Wie der leichtfertige Kaufmann, der seinen Bankrott vor sich sieht, aber nicht ehrlich genug ist. ihn einzugestehen, zu immer unsinnigeren Mitteln greift, um ihn aufzuhalten, und schließlich >um rofitiven Betrüger wird, so die heutigen Machthaber in Preußen« Deutschland auf dem Gebiete de» politischen Kampfes. Rur daß nicht Leichtfertigkeit es ist. die sie von Verbrechen zu«erbrechen treibt. fondern die ihnen zur zweiten Natur gewordene Brutalitat. Mit der Schaffung de« Schandgesetzes wurden sie de« Zwange« ledig, den die entwickelte Kultur des neunzehnten Jahrhundert« den Regierun- aen der zivilistrten Länder auferlegt, da« Ausiiahmegesetz versetzte sie in die Lage, sich über alle R-chtSbegriff- unserer Zeit hinwegzusetzen und mit Freiheit und Existenz der Staatsangehörigen mit einer Willkür zu verfahren, wie sie sonst nur in den asiatischen Despotien zu finden ist. Natürlich ohne daß sie irgend einen greifbaren Erfolg zu verzeichnen hätten: mit Unterschlagungen hält man den geschäftlichen, mit Infamien den politischen Bankrott nicht auf. Moralisch feig wie alle Despoten, hüten sie sich, da« einzugestehen, sondern wüthen in immer sinnloserer und unmenschlicherer Weise weiter. Machten sie bisher vor der ge schüft» l i ch e n Existenz, vor dem F a m i l i e n g l ü ck der Objekte ihrer Wuth keinen Halt, so scheuen sie sich jetzt bereits nicht mehr, das L e b e n der- selben in zynischster Weise preiszugeben. Das völkerrechtliche Gebot, das Leben der Gefangenen als anvertraute» Gut heilig zu halten, existirt gegenüber den Angehörigen des eignen Volkes nicht mehr, das Völker» recht kennt ja nur Rechte der Staaten, aber keine Rechte der Völker. Der erkrankte Kriegsgefangene wird mit derjenigen Rücksicht behandelt, die jedem Kranken gebührt, gegen die erkrankten polt ti» s ch e n Gefangenen gibt es keine Schonung, sie werden rücksichtslos einer Behandlung ausgesetzt, bei der sie physisch zu Grunde gehen, mit andern Worten, sie werden gemordet. Oder ist es etwas Anderes alsbrutalerMord, was in diesen Tagen einem deutschen Arbeiterblatt, der„Schlestschen Volksstimme", über daS Schicksal des wegen„Uebertretung des Sozialistengesetzes" — man beachte wohl, welches Verbrechen!— inhaftirten polnischen Ar« beiters Szukalski aus Posen mitzetheilt worden ist? Der Bericht der einfachen Thatsache ist in seiner rein sachgemäßen Darstellung eine gradezu schreiende Anklage gegen die nichtswürdigen Scherzender Gewalt, denen der Ermordete— jedes andere Wort wäre Beschönigung des Verbrechen«— in die Hände gefallen, und verdient daher weiteste Bekanntgabe. Mitschuldiger, wer diese Schmach nicht brandmarkt!, Man höre nur: „Am lg. v. Mts. fand in unserer Stadt die Beerdigung eines im Februar d. I. aus Berlin transportirten und hier inhaftirten„Sozial- demokraten" statt. Der seit 7 Jahren in Berlin beschäftigt gewesene erst 25 Jahre alte Tischlergeselle K. Szukalski wurde Anfang« Februar der U-b-rtretung des Sozialistengesetzes angeschuldigt, in Berlin auf seinem Krankenlager verhaftet und als Kranker nach Posen in'S Gesängniß transportirt. Als die Eltern des Szukalski von der Verhaftung ihres kranken Sohnes erfuhren, beabsichtigten dieselben, ihren Sohn zu besuchen, doch wurde ihnen dies nicht gestattet. Nach acht- wöchentlicher Frist wurde ihren vergeblichen Bitten endlich nach- gegeben. Doch welcher Anblick bot sich der Mutter des Inhaftirten dar? Zwei Ausseher, aus welche sich ihrSohn gestützt hatte, brachten denselben vorgeführt— heftig erschrocken ob sol« ch-n Anblicks fiel die Mutter in Ohnmacht. Der kranke Sohn, der tief gerührt das gefühlvolle, mitleidige mütterliche Antlitz nicht länger anzu» blicken vermochte, bat, ohne ein Wort mit der Mutter zu wechseln, um die Zurückführunz nach seinem harten Krankenlager. Nach vier Wochen wurde es der Mutter zum zweiten Male gestattet, den Kranken zu besuchen. Hier vermochte dieselbe nur einige Worte aus dem Sohne herauszupressen. Dieselben lauteten: Liebe Mutter! ich habe Wunden an meinem Körper; die harten Bretter— ich muß darauf liegen— die Wunden ver- größern sich i»Folge deS harten LagerS— bittet nimm mich zu Dir— ich hoffe, daß ich bei Dir gesund werde. Sei so gut, liebe Mutter, und bitte daS hohe Gericht um die Erlaubniß, mich zu Dir nehmen zu dürfen.— Die Bitten der Eltern und Verwandten, diesen Wunsch zu erfüllen, blieben von dem hohen Gericht sowie vom Herrn Staats» anmalt unberücksichtigt. Auf ferneres Bitten der Angehörigen wurde vom Staatsanwalt die lleberführung des Schwerkranken nach vollen 1t Wochen nach dem hiesigen Franziskaner-Krankenhause angeordnet— wo er dann nach 3 Wochen(im Ganzen also nach 17. Wochen) von seinen schweren Leiden durch den Tod erlöst wurde. Di« Beerdigung fand, wie bereits angegeben, am 19. v. Mts. unter zahlreicher Betheiligung von Freunden und Bekannte» statt— auch gaben 10 Schutzleute dieser Leiche das „G e l e i t". Mit zahlreichen Blumen und Kränzen, zum Theil aus rochen Rosen und weißen Schleifen, war der Sarg geschmückt, und wurden solche ins Grab und auf daffelbe niedergelegt. Das Tragen von rothen Abzeichen wurde polizeilich verboten.— Der Bericht schließt mit einem Ausspruch Laffalles an die Arbeiter— und ruft derselbe dem Todte» ein„Ruhe sanft" zu." Die deutschen Blätter enthalten sich zu diesem Bericht jeden Kommen« tars— die Arbeiterblätter per Muß, die bürgerlich-demokralisirende Presse aus sträflicher Indolenz, die kapitalistische Presse aber schweigt die ganze Sache todt, wie sie jede Niedertracht, die sie nicht direkt be- schönigt, durch Todtschweigen deckt. Wir aber, denen die deutschen Po- lizeigesetze den Mund nicht verschließen, wir erheben unsere Stimme zur öffentlichen Brandmarkung des feigen, nichtswürdige« Mordes, begangen an einem Wehrlosen. Mörder, infame Mörder sind sie, die den schwer Kranken in den Kerker warfen, wo er in feuchter Luft auf hartem Lager zu Grunde ging. Gegenüber dem ze- meinsten Verbrecher hätte man mehr Rücksicht an den Tag gelegt als gegen den, der Uebertretung de« Schandgesetzes Beschuldigten. Den Berbrecher aus Gewinnsucht, aus Wollust, au« Gewissenlosigkeit hätte man geschont, den Arbeiter, der in Bethätigung seiner Ueberzeu- gung gegen ein schändliches Ausnahmegesetz verstieß, mordete man. Und dieser Mord steht nicht allein da. Die Brutalistrung solcher po» litischer Gesangener. deren Stimme leicht unterdrückt werden kann, wird zum System in Deutschland. Aus Sachsen erhalten wir folgende Zuschrift: „Ein neues Verbrechen der Volksfeinde. Ein neuer Mord, und zwar unter erschwerenden Umständen, ist an Genosse Schuhmann von Leipzig verübt worden. Derselbe wurde bekanntlich im Herbste vorigen Jahres wegen der durchaus harmlosen Demonstration bei seiner Ausweisung zu vierjährigem Zucht- haus verurtheilt. Aus dem Zuchthaus schrieb er nur einmal, in trübster Stimmung, und vorige Woche erhielt seine Frau, die seit einem Jahre nichts von ihm gehört hatte, plötzlich die Nachricht, er sei in Waldheim gestorben. Sie eilte sofort hin, um wenigstens den Gatten anständig zu beerdigen. Dort erfuhr st« in der Anstalt, daß er sich„sehr renitent" gezeigt, schon längere Zeit gekränkelt habe und dann plötzlich gestorben sei. „Aber die Leiche, die Leiche?" stammelte das g-ängstigte Weib.— Die Leiche war bereits an die A n a t o m i e in Leipzig abgegeben und verschnitten. Man kann sich die Gefühle der unglücklichen Frau denken. Unzweiselhast ist Schuhmann, der von Haus aus durchaus ge- sund war, im Gesängniß elend behandelt worden, so daß seine Körper- kraft gebrochen ward. Der Kränkelnde wurde dann zur Verzweiflung getrieben und solange gereizt und gequält, bis der Tod erfolgte. Und dann noch die Entweihung der Leiche! Arbeiter, prägt Euch das an Schuhmann begangene Verbrechen mit all seinen Einzelheiten ins Gedächtniß!" Wir können diese Ermahnung nur aufs Eindringlichste wiederholen. Merkt's Euch wohl, deutsche Arbeiter, wie man mit Euren Brüdern im Gesängniß versährt. Nicht zufrieden, jeden Augenblick Euer Hausrecht zu verletzen, gleich Räubern mit Eurem Eigenthum umzuspringen, Eure Freiheit in jeder Weise zu schädigen oder ganz aufzuheben, betrachtet man auch jetzt Euer Leben als einen Gegenstand der Laune der Machthaber! Merkt's Euch und erhöht Euren Eifer, dem niederträchtigen System ein Ende zu machen, daL in seiner Verkommenheit bereits zu solchen Scheußlichkeiten angelangt ist! Den Mördern aber und ihren Mitschuldigen in Amt und Würden, sowie namentlich denen, die etwa Lust verspüren, es ihnen nachzuthun, rufen wir daS Verhalten einer deutschen Fürstin, Katharina von Schwarzburg-Rudolstadt, in's Gedächlniß, das diese dem General Alba gegenüber an den Tag legte, als dessen Soldaten ihren Bauern wider alles Recht das Vieh weggetrieben hatten. Das entschlossene Weib erklärte, als der General mit seinem Gefolge stch zum Frühstück auf dem Schlosse einfand, ihm kategorisch, ihren armen Unterthanen müsse das Ihrige wieder werden, oder, fügte sie mit gehobener Stimme hinzu:„F ü r st e n b l u t f ü r O ch f e n b l u t!" und im nächsten Augen- blick war das Zimmer mit Bewaffneten angefüllt, bei deren Anblick der „starre" Alba großmülhig klein beigab. Kein Geringerer als Friedrich Schiller ist ei gewesen, der diese muthige That, die„aus mehr als einer Ursache", wie er sagt,„es verdient, der Vergessenheit entrissen zu werden," dem deutschen Volke überliefert hat. Wir stimmen ihm in der Werthschätzung derselben durchaus bei. Warum aber sollte im neunzehnten Jahrhundert ein Proletarierleben geringer an- zuschlagen sein, als vor drei Jahrhunderten Ochsenblut gewerthet wurde? Wamsest des Aentrak-Wayr-Komites der soziatdemokratifchm Partei Peutichlauds an die Wähler des Deutschen Reiche». (Fortsetzung.) In dieser Privatproduktson liegt die Wurzel des Uebels. GS ist an sich ein Unrecht und ein Widersinn, daß Waaren, welche gesell- schaftlich nothwendig sind, deren die menschliche Gesellschaft zu ihrer Erhaltung bedarf, Gegenstand der Privatproduktion und Privat- spekulation seien. Und dies Unrecht wird dadurch noch gesteigert, daß die Privatproduktion aus der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beruht— auf der Lohnarbeit. Die Komplizirtheit und Kostspieligkeit der Arbeitsinstrumente(Maschinen «. s. w.) ermöglicht den Besitz derselben nur wenigen bevorzugten Jndi- viduen, und da ohne Arbeitsinstrumente keine Arbeit möglich ist, so muß der nicht im Besitz derselben Befindliche, statt auf eigene Rechnung zu arbeiten, für einen Besitzer von Arbeitsinstrumenten um Lohn arbeiten. Da nun der Unternehmer den Arbeiter nicht beschäftigt, um ihm einen Gefallen zu thun oder der Gesellschaft einen Nutzen zu schaffen, sondern um s i ch s e l b e r aus der Arbeit„seines" Arbeiters einen Nutzen zu schaffen, so bezahlt er dem Arbeiter in Gestalt des Lohnes nicht ein volles Aequioalent(den in Geld ausgedrückten Gleichwerth) der geleisteten Arbeit, sondern läßt einen Theil der Arbeit unbezahlt. Aus dieser unbezahlten Arbeit, welche dem Besitzer der Arbeitsinstrumente in Gestalt des von der Wissenschaft so genannten Mehrwerthes zufließt, bilden sich die Kapitalien, mit deren Hilfe die Besitzer der Arbeitsinstrumente das arbeitende Volk mehr und mehr ausbeuten und knechten. Die bezahlte Arbeit dagegen, d. h. der Lohn, reicht nach dem ehernen Lohngesetze nur zur Bestreitung der nothwendigsten Bedürfnisse aus, so daß die Lohnarbeiter nichts Nennens- wertheS„ersparen", geschweige denn Kapital aussammeln können. Im Widerspruch mit dem Fundamentalgesetz der Wissenschast: Die Ar- beit ist die Quelle alles Reichthums, erlangt den Reich- thum nicht die Arbeit in der Person des Arbeiters, sondern der Nicht- Arbeiter in der Person des Besitzers der Arbeitsinstrumente. Die ver- derblichen Wirkungen des herrschenden Produktions- und Lohnsystems äußern sich hauptsächlich nach zwei Seiten hin: einmal in der Anarchie aller ökonomischen Funktionen, namentlich in dem Mißverhältniß zwischen Waarenerzeugung und Waarenverbrauch, aus welchem Mißverhältniß die Handels« und Geschästskrisen, die Handelsstockungen, die Ueber- Produktion u. s. w. hervorwachsen. Und ferner in der u n g e- rechten und ungleichen Vertheilung des Reichthums. Einerseits Proletarisirung der eigentlichen Reich- thumserzeuger— d, h. der Arbeiter—, andererseits Konzen« trirung des Nationalreichthums in den Händen der nichtarbeitenden Besitzer der Arbeitsinstrumente, welche ihn nicht erzeugen; in Folge der Vervollkommnung der Arbeits- wfirumente und der immer größeren Produktivität der Arbeit reißendes Wachsen d e s s o g e n a n N t« n N a t i o- nalreichthums, und Hand in Hand damit ebenso rascheS Wachsen der Massenarmut h, Aufsaugung des Mittelstandes, Zerstörung des Privateigenthums zu Gunsten der Großkapitalisten, und schließlich Verwandlung der menschlichen Gesellschaft in eine riesige Armee von Proletariern, die für ein« Handvoll Monopolisten der Arbeitsinstrumente zu arbeiten haben. Daß es zu diesem Aeußersten komme, muß um jeden Preis verhütet «erden; es ist nur zu verhüten durch die Sozialreform; und das Programm der Sozralreform ist das Programm der Sozial» demokratie. Beseitigung deS Lohnsystems, Ersetzung der Lohn- arbeit durch die genossenschaftliche Arbeit, Organi- sation der Arbeit durch den Staat— das find die von uns vorgeschlagenen und von der Wissenschast geforderten Mittel zur Lösung der sozialen Frage. Daß mit der Verwirklichung unseres Programms die persönliche Freiheit sich nicht vertrage, ist ein Einwand, den nur Unwissenheit oder böser Wille erheben kann. Es ist die Gewohnheit unserer Feinde, ihre heuchlerisch abgeleugneten eigenen Sünden uns anzu- dichten. In der jetzigen Gesellschaft und dem jetzigen Staat gibt«S persönlich- Freiheit nur für eine winzige Minorität— für die Minorität der Privtlegirten, für die desitzende und herrschende Klasse. Wie eS um die persönliche Frecheit der politisch und wirthschastlich Abhängigen, d. h. von neun Zehnteln der Gesammtbevölke- rung, jetzt steht, das haben— wenn es überhaupt eines Beispieles be- darf— die letzten Wahlen gezeigt. Wer, wie wir es er« streben, die politische und ökonomische Abhängigkeit mit der Wurzel ausrottet, derbringt die persönliche Frei« heiterstzurGeltung, macht sie aus einerLügezur Wahrheit. Nicht anders verhält es sich mit den übrigen Anklagen, welche Un- wissenheit und böser Wille gegen uns schleudern: mit den kindischen, persiden Behauptungen, die Sozialdemokratie wolle„theilen", wolle daS Eigenthum abschaffen, wolle die Weibergemeinschaft einführen. Di« „Theilerei" herrscht in der heutigen Gesellschaft: der Unter- nehmer„theilt" mit seinem Arbeiter, der„Große"„theill" mit dem „kleinen Mann".— DaS Eigenthum ist heutzutage für die Mehrzahl der Menschen nicht vorhanden und wird, wenn eS so fortgeht, bald für neun Zehntel abgeschafft sein— der Fabrikant vernichtet den Hand« werker, der Großgrundbesitzer den Bauer, der Groß« den Kleinen. Und die„Weibergememschaft" l Sie i st verwirklicht in der heutigen herrschenden Gesellschaft. Ehebruch, Mätresse»- Aushalterei, die„freie Liebe" mit dem ganzen Schmutz, den unsere Verleumder in da» Wort legen, sind gerade in den vornehmsten Gesellschaftskreisen zu Haus; und wer wissen will, welchen Schutz die heutige Gesellschaft der weiblichen Tugend gewährt, der durchwandere des Abends die Straßen der Städte und betrachte sich die Schaaken der Unglücklichen, die durch Armuth und schlecht« Erziehung in die Arme der Prostitution getrieben worden sind. Die Sozialdemokratie, welche die Armuth abschaffen und Jedem eine menschenwürdige Erziehung sichern will, schafft auch die Prostitution ab und rettet das Weib aus der heutigen Prostitutwnswtrthschaft, indem sie die Frau als gleichberechtigt dem Mann zur Seit« stellt. Also A b s ch a f f u n g der T h e i l e r e i und Abschaffung der Prostitution ist unser Ziel. Beseitigung aller der Einrich- tunzen, welche die persönliche Freiheit zerstören, dieSitt- lichkeit untergraben, den Menschen zum Gegenstand der Ausbeutung durch den Menschen machen. Grundfalsch ist auch, daß die Sozialdemokratie das persönliche Eigen- thum abschaffen wolle. Daß es sür die Mehrheit der Menschen heute schon abgeschafft ist. haben wir bereits gesagt. BloS eine bestimmte Form des Eigenthums wollen wir abschaffen, nämlich das Eigenthum, welche s die Ausbeutung derArbeit zum Zweck hat: daS Eigenthum an den Arbeits-Jnstrumenten. Die Arbeitsinstrumente, welche zur Herstellung des„Nationalreichthums" dienen, können ihrer Natur nach nur Nationaleigen- thum sein. In dem Besitz von Privatpersonen können sie nur miß« braucht werden; nur im Besitz des Staates können fie ihre Bestimmung erfüllen. Das aber, was der Mensch sich durch seine eigene Arbeit erwirbt, das ist von Rechtswegen sein Eigenthum. Und dieses persönliche Eigenthum, welches von der heutigen Gesellschaft mit Füßen ge- treten wird, kann, aleich der perfönstchen Freiheit, erst durch den sozial- demokratisch organistrten Staat für Alle ohne Ausnahme zur Wahrheit werden. Die Verwirklichung dieser unserer Ziele werden wir nach wie vor mit aller Energie erstreben. Und mit alleiniger Ausnahme des winzigen Häufleins der Privilegirten hat das gesammte Volk ein Jnter- esse an möglichst balder Verwirklichung unseres Programms. Alles, was zum Ziele fübrt, werden wir verfechten, AlleS, was ihm widerstreitet, bekämpfen. Eine vernünftige Fabrikgesetzgebung mit Nor- Malarbeitstag und Abschaffung der Kinderarbeit; Arbeiterschutz nach jeder Richtung; ein gerechtes Steuersystem, Belastung der Reichen, Entlastung der Armen, Anbahnung von Reformen, welche den. jetzt von Kurpfuschern schmählich genasführten Handwerker- und Bauernstand allmälig auf denBoden gemein- nütziger Großproduktion stellen— Begründung der bür- gerlichen Freiheit, Beschränkung der Polizei auf den Gesundheits« und Sicherheitsdienst, Abschüttelung der allerdrückenden Last des Milita- r i s m u s— das find nothwendige Uebergangsmaßregeln. wie denn ja auch diese Letzteren aus ihrer Geistesverwandtschaft mit de«>— (Schluß folgt.) Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 24. August 1387. — Alle» auf Kosten der Kleinen, das ist der leitende Grundsatz unserer modernen Staatskünstler— der einzige, den sie überhaupt haben. Aus Kosten der kleinen Staaten, die sich nicht wehren können oder doch keine Aussicht haben, sich mit Erfolg zu weh- ren, arbeitet die hohe Diplomatie, auf Kosten der kleinen Leute, deren Stimme ungehört verhallt, arbeiten die Finanz« und Steuerkünstler, die Geschäftsführer der Regierungen und der maßgebenden Kapitalistenklicken. Für Ersteres ist ein drastisches Beispiel das Ränkespiel wider und mit Bulgarien. Der Knutenzar will bekanntlich das kleine Ländchen nicht zur Ruhe kommen lassen, mit den gemeinsten und brutalsten Mitteln arbeitet er darauf hin, jede geordnete Verwaltung in Bulgarien unmöz« lich zu machen, mit dem Selbstbestimmungsrecht des bulgarischen Volkes aufzuräumen. Und bei diesem nichtswürdigen Handwerk leisten ihm die französische Republik und das neugeeinte deutsche Kaiserreich abwechselnd oder auch gleichzeitig um die Wette Vorschub. Um sich die Freundschaft des ungeschlachten russischen Bären zu sichern, hat Frankreich, die R e« publik Frankreich, alle Nichtswürdigkeiten des Kaulbars gutgeheißen, und zu den gleichen edlen Zwecken unterstützt Preußen-Deutschland, d. h. Bismarck, jetzt alle Schritte Rußlands gegen den Koburger, den die Bul- garen an Stelle des Battenberger zu ihrem Fürsten erwählt haben. Der Koburger selbst ist uns gleichgiltig, aber in diesem Moment verkörpert sich in ihm die Freiheit des bulgarischen Volkes oder vielmehr ist es diese, die Rußland in ihm bekämpft. Und in derselben deutschen Presse, die noch vor wenig Tagen über die Franzosen, die vor Rußland auf dem Bauch liegen, Herzog, lesen wir jetzt— ohne jeden Kommentar— daß Rußland in seinen Schritten gegen die jetzigen Zustände in Bul- garien der Unterstützung der deutschen Politik von vornherein versichert sein könne. Das findet sie ganz in Ordnung, es ist ja nur das kleine Bulgarien„da unten", gegen das Deutschland von seinen Lenkern zu der niedrigen und niederträchtigen Rolle des Helfershelfer deS Knutenreiches bestimmt wird. Besässen die Pächter der nationalen Ehre einen Funken von wirklichem nationalen Ehrgefühl, so würden sie gegen diese unwür- dige Politik Protest erheben, aber sie sind eben, soweit überhaupt unab- hängig, gleichfalls„Staatsmänner" und finden es daher ganz in der Ordnung, daß die Kleinen geopfert werden müssen um der Freundschaft des großen— Rußland willen. Ohne diese kann ja daS mächtige deutsche Reich, ohne dessen Zustimmung kein Schuß in Europa abgegeben werden darf, nicht existiren. V.rrathen wir also die Bulgaren. Und wie draußen, so daheim. Kaum hat das Betrugsprodukt und Betrugsinstrument, deutscher Reichstag genannt, die große Steuerreform beschlossen, die dem Staat gegen 200 Millionen und den Großen im Staat, den Schnapsbaronen und Zuckerprinzen, noch 50 Millionen extra aus den Taschen der kleinen Leute zuschanzt, so Hecken diese schon einen neuen Plan aus, die Kleinen noch mehr zu rupfen. Das Projekt der S p i r i t u s m o n o p o l b a n k, für das die Schnapsbrenner jetzt mit allem Eifer agitiren, ist nichts anderes als eine Fortsetzungdes im Reichstage eröffneten Raubzuges gegen die große Rasse der kleinen Leute, der Armen und Aermsten im Volke. Die Herren wollen, aufGrund deS neuen Branntweinsteuergesetzes, da» von vornherein bereits daranfhin zugeschnitten ist, den Branntweinverkaus monopolisiren, um den deutschen Konsumenten den Preis aufdiktiren zu können. Mit einer Schamlosigkeit, für die man ihnen nur dankbar sein könnte, wenn nicht zugleich eins beleidigende Mißachtung des Volkes darin läge, verkünden sie vor aller Welt, daß die Bank sie in den Stand setzen soll, im Inland 13 0 Mark für den Hektoliter Sprit zu verlangen und dem Ausland den Hektoliter um 3 0 Mark zu liefer», ein Preis- unterschied von über dreihundert Prozent! Um das Bierfache soll der deutsche Konsument den Branntwein theurer bezahlen als bisher. Und dieses ErPreffuugS», dieses Gauuer-Unternehmen wird von der Reichsregierung in jeder Weise unter st ützt, soweit eS nicht von ihr direkt eingefädelt worden ist. ES genügt Bismarck nicht, für den Staatsschatz zu sorgen, er muß auch noch seine„Er- werbsgenossen", wie es unter den Schnapsbrennern jetzt mit Recht heißt, bedenken. Und ihnen gegenüber knickert er nicht, denn— Alles auf Kosten der Kleinen! Die Plebs, der blöde Hödur, bezahlt Alles, muß AlleS bezahlen. Man hat ja gesehen, wie er sich Alles bieten, sich mißhandeln und auspressen läßt, und doch seine Geduld nicht ver» liert.— Leider hat er in letzterer Beziehung in der That viel, sehr viel ge- sündigt. Aber AlleS hat seine Grenzen. Tausenden und Abertausenden wird dieses neue Raubattentat die Augen öffnen, und sie aus blinden Höduren zu sehenden Kämpfern wider die falschen Brüder machen. Und wenn die famose Monopolbank wirklich zu Stande kommt, so wird hoffentlich ihr unausbleiblicher Krach das Signal werden zu einem größern Krach, zueinerAbrechnung der Kleinen mit den Große». — Araukreich erfreut sich bekanntlich seit einiger Zeit wiederum eines opportunistischen Ministeriums, und dieses opportunistische Mini- sterium wiederum erfreut sich einer ganz besonderen Sympathie der „Frankfurter Zestung". Wir wollen die Gründe dieser Sympathie nicht näher analyfiren, genug, die Maßnahmen des Herrn Rouvier und seiner Kollegen werden von dem demokratischen Moniteur ebenso wohlwollend behandelt, als alle Schlüte der französischen Radikalen von vornherein einer abfälligen Beurtheilung von Seiten der„Frankfurter Zeitung" sicher sind. Nun sind die Opportunisten aber weiter nichts als ein« Uebersetzung der deutschen Rattonallideralen in's Französische, Mnisterium Rouvier keinen H-Hl machen. Da hat z. B. Herr Rouvier, der jetzige Ministerpräsident, vor ei» paar Tagen auf einem Bankett der Pariser Spielwaaren-Fabrikanten eine Rede über seine Politik gehalten, die den lauten Beifall der deutschen Nationalliberalen gefunden hat. Das erklärt sich, denn wenn Fabrikant«» vereine zusammenkommen, so unterhalten sie sich vom Geschäft, und wenn ein Minister Beifall bei ihnen erzielen will, so hat er sich als Mann, dem vor allem das Geschäft am Herzen liegt, vor ihnen zu pri» sentiren. Herr Rouvier hat das auch nach Kräften gethan, und da den«ide v deutschen Nationalliberalen das Geschäft ebenfalls über alles geht, so ist, und t wie gesagt, ihre beifällige Beurtheilung der Rouvier'schen Rede durchaus lose Z in der Ordnung. Nun sind wir jedoch heute noch nicht so weit, daß lind o eine Regierung sich blos mit Verwaltungsangelegenheiten in Bezug aus Cache das Wirthschaftsleben zu befassen hat, es gibt, in Frankreich wie ander- Cpieß wärts, noch eine Reihe politischer Fragen, die zu lösen sind, und such zu denen ein Ministerium doch auch Stellung zu nehmen hat. So z. B.»erde die Frage der Stellung des Staates zur Kirche, die zudem keineswegs Zebroe nur eine religiös-politische ist, sondern grade in Frankreich ein Stück der so fri sozialen Frage büdet, denn die Kirche mit ihren Orden und Kon- Meine gregationen ist in hervorragendem Maße eine wirthschastlich« groa Mach:. Mir i Was sagte nun Herr Rouvier m dieser Beziehung zu seinen Spiel- fragt waarenfabrikanten?»ahn« „Glauben Sie," rief et ihnen zu,«daß z. B. die Abschaffung deS Mges Oktrois, wenn sie einmal möglich ist, nicht mehr Wirkung auf die Be-«nn völkerung erzielt, als etwa die Trennung von Kirche und Staat?"— Pl Echt nationalliberal gesprochen, Herr Miguel hätte genau dieselbe Rede.Aus halten können, zumal es Herrn Rouvier mit der Abschaffung des Oktrois krd e keineswegs übermäßig eilt. Es ist vielmehr die Schablone drüben dieselbe»o es wie hüben: erst das Geschäft und dann die Grundsätze. fl�Ni Wohin die Befolgung dieser schönen Theorie in Deutschland geführt �> ss hat, ist bekannt. Ihr ist zum Wesentlichen mit die polnische Ver- s u m p f u n g geschuldet, die in Deutschland heute herrscht. Niemand hat«uffä das so oft und mit so viel Emphase nachgewiesen als die bürgerlich-demo- � f kratische Presse, und an deren Spitze ihr Hauptorgan, die„Frankfurter«rurt Zeitung". Und eben diese„Frankfurter Zeitung" vergeht jetzt schier vor Wi« Entzücken über die Miguel— pardon, über die Rouvier'sche Rede. Mit Partei ersichtlicher Genugthuung konstatirt sie, daß„auch diese Worte den be- publik geisterten Beifall der weniger aus Berufspolitikern als aus praktische»•,efrn Geschäftsleuten bestehenden Versammlung fanden." Berufspolüiker"' i?' n praktische Geschäftsleute, wo haben wir doch diese Gegenüberstellung schon sucht. gefunden? Richtig, in der B i s m a r ck' s ch e n Press«, ganz besonders I luttt, im reptilisirten„Frankfurter Journal". Wie müssen sich die Herausgeberl E des letzleren gefreut haben, als sie den betreffenden Artikel in der!.° u „Frankfurter Zeitung" lasen! Sie werden künftig viel Ausgaben ersparen, f � zu waS braucht's denn noch ein an chronischer Unterbilanz leiden' Blatt mit schweren Opfern über Wasser zu halten, wenn die Aufga der Erziehung zur Grund satzlosigkeit in nächster Nähe so vortrefflich besorgt wird? Wozu ein besonderes nationalliberales Bla wenn die„Frankfurter Zeitung" beim unverfälschten NationalliberaliS mus angelangt ist? Der Staatsmannskoller, Herr Stern, der Staatsmannskollerl — Die Anarchie in dem RedattionShiru der„Leipziger Zeitung". Bekanntlich hat das amtliche Organ der sächsischen Regie« rung sich der Aufgabe unterzogen, die Jdeutität(Einerleihelt) des Sozia- lismus und Anarchismus zu beweisen, und da es mit logischen Gründe» nicht geht, so hat die„Leipziger Zeitung" es wenigstens auf mecha- n i s ch e m Wege fertig gebracht, indem sie eine stehende Rubrik einrich- tete, welche die Ueberschrift führt:„Sozialistisches und Anarchistisches". Manchmal macht sie aber doch auch den Versuch, mit Gründen oder wenigstens Worten die Identität zu beweisen. Freilich, die Gründe find darnach. So mußte ihr neulich ein vielgenannter Herr eine Korrespon- denz aus Zürich besorgen, an die sie dann ihre Weisheit anknüpfte. Die Korrespondenz lautete wie folgt: „Für die Geflnnungen, welch« der in Zürich erscheinende„Sozial- demokrat", der stch„Organ der«ozialdemokratte d eutscherZuNgt" nennt, dem deutschen Vaterlande entgegenbringt, ist der Leitartikel be- zeichnend, mit welchem das Blatt die fünfundzwanzigst« Wiederkehr des TagsS begrüßt, an welchem der deutsche Reichskanzler im Jahre 18K2 an die Spitze des preußischen Ministeriums berufen wurde. Es heißt da unter Anderm:„Ganze 25 Jahre ist die Herrlichkeü alt— die Reichs- Herrlichkeit gar erst 17. Und schon kracht es in allen Fugen; und aus allen Ecken und Ritzen dringen uns die erstickenden Düste der Fäulniß und des Moders entgegen. Di« Gerüche, von denen Heine einst— vor etlichen und 40 Jahren— bei seiner Hammonia heimgesucht worden, sie waren harmlos und unschuldig, verglichen mit diesem furchtbaren Reichsstank, den die Tausende und Hunderttausende von Reptilien, Strebern, Spitzeln, Denunzianten, Sykophanten aushauchen— die Stütze» und Blüthen des Bismarck'schen Reiches. Feil und faul! DaS ist die Losung. Zum Glück, wie schon gesagt, kracht's in allen Fugen. J« jedem Balken der Todtenwurm. Die rohe Gewalt Unrecht auf Unrecht häufend, des letzten Restes von Scham entledigt, den Massenmord als höchste Kulturthat preisend, den Massendiebstahl als höchstes Kulturziel verfolgend— im Inland von Millionen verflucht, vom Ausland gehaßt und verachtet— das ist daS Deutsche Reich BiSmarck'scher Ochvpsung am Jahrestag deS fünfundzwanzig jährigen Bismarck-JubiläumS."--- Und hieran knüpft dann die„anständige"„Leipziger Zeitung" nach- stehende orakelhafte, w itzig sein sollende Sentenz: „Nach solchen Prob en sieht die„Leipziger Zeitung" wohl selbst ein, daß der„Soziald emokrat" sich mit R-cht dagegen wehrt,«it den Anarchisten zusammen geworfen zu werden. Im Schimpfen und t» der Vaterlandslosigkeit ist er ihnen lange über!" Ei! Ei! Also noch s chlimmer sind wir als die Anarchisten, llet« Leipzigerin? Run, dagegen haben wir im Grunde nichts einzuwenden, denn die „Anarchisten" der„Leipziger Zeitung", die Peukert und Konsorlen, st«» allerdings für die polizeilichen Hintermänner und Patrone der„L. Z. gar nicht schlimm. t'st-i °urchai hlnden )or m feilte, Znd.% iil N au safene, frrechei Straße Wir möchten nun aber zwei Fragen an die„Leipziger Zeitung� richten. Erstens: ist„Schimpfen und Vaterlandslosigkeit" identisch mit „Anarchismus" oder„Sozialismus", und hat Leides etwas mit de» „Uinsturzbestrebungen" zu thun, gegen welche das Sozialistengesetz sich richtet? Und Zweitens: ist es„geschimpft", wenn man einen Verbrecher eine» Verbrecher und daS Kind beim richtigen Namen nennt? Hat die für Luther ganz besonders schwärmende„Leipziger Zeitung" niemals etwas von Luther gelesen? Und ist es„Vaterlandslosigkeit", wen« man sein„Vaterland" von den Verbrechern zu reinigen sucht, welche es a u s p l ü n d e r n und zur Stätte der schmachvollsten Korruption machen? Oder will die„Leipziger Zeitung" vielleicht leugnen, daß der„Schaps- brennerring" unter Bismarck' s Führung das Handwerk der alten Raub- ritter fortsetzt? Sind die 88 Millionen Mark, welche sich die Herren i» der letzten Reichstagssession vom Schweiße des Volkes m die Tasche steckten, von unS blos geträumt? Und was die Korruption betrifft— kann die„Leipziger Zeitung* uns irgend eine andere Zeitepoche angeben, in welcher alle Grundsätze um des schnöden Gewinnes willen so zynisch mit Füßen getreten worde» wären— in welcher— um nur drei Beispiele anzuführen— 1) der leitende Staatsmann den Klingelbeutel für stch i« Lande herumschickt? 2) das Volk, wie bei der vorigen Reichstagswahl. systematisch angelogen wird, um eine reaktwnäre Majorität zu erziele» und— Börsenspekulationen zu tteiben? Und 3) die höchste« »Gerichtshöfe des Landes aus Liebedienerei Urtheile, wie die in de» Diätenprozeffen und dem Chemnitz-Freiberger Sozialistenprozeß, fällte» oder vorberetteten? Wenn die„Leipziger Zeitung" uns nachweist, daß entweder alle diest Handlungen nicht wahr sind, wir also blos geträumt haben— odel daß diese Handlungen ehrenhaft sind— dann find wir gern bereit« parsr psccem zu sagen. Vorher aber nicht. Und in der Zwischenzeit bitten wir die„Leipziger Zeitung", unseres Artikel ganz abzudrucken und ihr« Lefer zu fragen, ob«N Recht haben oder nicht? Tr •«fcw i T unt «tzde Jfrard J" B«r fr«ar i ?r-s i U-r Mschl �ahlor �Ngen if5' d/'hu F«! s •imm 6oa s. teli h�x ««« "W dem —„Aus dem gelobten Lande, wo zwar nicht Milch und Honig Ejt, aber Steuern über Steuern und Strafmandate über Strafman- e das Volk beglücken," wird uns geschrieben: „Unser Deutschland ist da« Land der„Gottesfurcht und frommen Sitte" »Nd der Meineide!„Großer Gott," wird mancher Spießbürger Wie rufen,„da? ist bodenlose Frivolität, so etwa? von unserem lieben Ueterlande zu sagen. Meineide gibt es wohl bei uns, aber so viel, daß die Meineidigen zu Hunderttausenden herumlaufen, das ist ja unerhört .übertrieben. Wenn in unserem lieben Vaterlande jährlich zwanzig Mein- de»«de vor Gericht abgeurtheilt werden, so ist das ja schon entsetzlich viel »ist,-»nd mit mcralischer Entrüstung wird in den Zeitungen gegen die gott- lose Zeit losgedonnert und für Slrafverschärfung plädirt: und wir selbst sind aufs Höchste ausgebracht über derartige traurige Zustände; aber die Sache so grell hinstellen, ist doch Uebertreibung."— Sei beruhigt, lieber Spießbürger, diese Meineide, von denen Du sprichst, meinen wir nicht; auch nicht die, welche bei Inkrafttreten von Verfassungen geschworen werden, um hinterher,„so wahr mir Gott helfe," bei erster Gelegenheit gebrochen zu werden. Auch an den Stöcker denken wir nicht, welcher ein so frommer und wahrheitsliebender Hofprediger ist. Ueber derartige Meineide kein Wort. Es gibt aber andere Meineide, Meineide, die o n (jros geschworen werden, und zwar jedes Jahr ungesähr hunderttausend! Wir meinen den Fahneneid, welchen der Soldat leisten muß. Wer fragt einen Soldaten, ob er mit gutem und reinem Gewissen den Fahneneid leisten kann und will? Kein Mensch! Die Soldaten werden Angeführt wie Schafe zum Scheeren, heerdenweise müssen sie schwören, benn zum einzeln schwören hat man beim Militär keine Zeit, weil der — Parademarsch geübt werden muß. .Aus diese Weise find seit 1870 ungefähr zwei Millionen Mein eide geschworen worden; alle Fahneneide sind Meineide, denn wo es nicht dem Ranne freigestellt ist, aus i n n e r e r U e b e r z e u» gung zu schwören, da muß er einen Meineid schwören: einen wissentlich salschenEid. Bricht ein Mann, welcher zu einem Derartigen Eide gezwungen wurde, denselben, so ist er nach natürlicher «uffassung kein Meineidiger; bloS von den„Herren mit blauem Blute" Und sonstigen Reaktionären wird er als solcher betrachtet und entsprechend Utrurtheilt. Wie kann ich, wenn ich z. B. ein Sozialdemokrat bin und merne Partei durch Majoritätsbeschluß im Parlament die Errichtung der Republik durchgesetzt hat, gezwungen werden, den König im Kampfe gegen diesen Volksbeschluß zu unterstützen? Ich wäre nur dann dazu verpflich- tet, wenn ich aus freiem Willen diesen Eid geleistet hätte; sonst »icht. Würde ein O f f i, i e r, der in die Hände einer Räuberbande fallt, welche ihn z w i n g t— in Folge ihrer unumschränkten Gewalt— den Eid der Treue zu leisten, würde er sich verpflichtet halten, dem Eid treu zu bleiben? Mit Nichten. Sobald er aus dem Machtbereiche °5r Räubi r ist, wird er den Eid brechen, weil derselbe nicht aus freiem Willen geleistet ist. DaS Gleiche gilt von dem Fahneneid! «.Wer geht gern unter die Soldaten? Niemand? Wenigstens nicht so-Wuschen, welche etwas Kultur und Bildung besitzen. Schwören diese "n Eid mit gutem und reinem Gewissen? Nein! Sie leisten wissentlich "nen Meineid. , sind somit ist wohl das oben Gesagte richtig: die Meineidigen toufen 'n Deutschland zu Hunderttausenden herum. Und wenn der„Sozial- Demokrat" den Parteigenossen anräth, bei Eiden vorsichtig zu sein, «»mit kein Reineid geleistet wird, so brüllen die deutschen Preßhu-saren ö iermoidio; sie sind aber ganz mäuschenstill, wenn der Fahnen- Meineid geleistet wird." „ Die vorstehenden Ausführungen haben jüngst von einer Seite eine Bestätigung erfahren, von der man es am wenigsten vermuthet hätte: nämluh von der höchsten bayerischen Militärbehörde, dem n Generalauditoriat. Dieses hat in einem Strafverfahren gegen zwei jtondwehrmänner, die unter Hinweis auf ihre Konfession(es waren �iennoniten) den Fahneneid verweigert hatten, ein freisprechendes �kenntniß gefällt unter der Motivirung: �Ein Soldat dürfe nicht zur Ableistung dei Fahneneides gezwungen werden, da einerseits es nicht der Fahneneid di. welcher den Mann zum Soldaten mache, sondern lediglich das Militär- 'flichtgesetz, und der Eid nur einen religiösen Charakter trage, anderer- eits weit«ein bayerisches Militärgesetz eine Bestimmung enthalte, gemäß Welcher ein Soldat zur Leistung des Eides gezwungen werden könne. ürn Gezentheile existkre eine noch nicht aufgehobene churpfälzisch-bayerische �«ordnung vom Jahre 1793, wonach es nicht erlaubt ist, einen Kon- ,'Nbirten zur Able.stun, eines Fahneneides zu zwinge n." ei» irteu chen ten- und a» prä- aut daß auf der- und .B. '«gl der ton- ch« piel- des Be- Rede roi» selb« ührt er- hat !M0- >rter vor Mit be- chen chon deri ebe* der ren, rdes gab« t latt. ilis- g« 'gie- »zia- ide» ha- uch- !s". oder sind ,on- »fte. a5 19' be- deS 863 t da ichsaus lniß vor »en, ireu lien, itze« i rfi 9« -echt als rziel laßt iung tag* sohl mit d i» zur Ableistung eines Fahneneides zu z . �ehr vernünftig, aber Bayern befindet sich auch noch nicht auf der «oh- der neudeutschen Zivilisation. Ist erst mit den Reservatrechten auf- ieräumt, wozu mit dem Brannntweingesetz ein schöner, vielversprechender Ansang gemacht ist. so wird auch für Bayern der Meineid in Form Fahneneides obligatorisch werden. Damit aber auch dem bayerischen Fahneneid der Fluch deS Widersinns !j%ste, muß der bayerische Militärpflichtige dem wahnsinnigen Otto �Deue geloben. .- Die LudwigShafener«ngstphilister haben sich wieder einmal f ihrer ganzen Glorie gezeigt. Als es der Polizei neulich einfiel, Massen- Haussuchungen vorzunehmen, ließen sie sich als freiwillige P o l i- f iste n einfchwören und machten den Polizeirummel mit. Run, wer sich Durchaus lächerlich und verächtlich machen will, den kann man nicht daran k üdern. Und außerdem ist's ja bei den Herren nicht das erstemal. Als '»r anderthalb Jahren eine Versammlung, in der Liebknecht sprechen iDllte, in Ludwigshafen verboten wuroe, fürchteten die Angst-Polizeier l'ü»-Philister von Ludwigshasen eine Rebellion, und liehen die Philister "h auch als Polizisten einschwören. Zum Glück gingen die Ludwige- T-ifrner Arbeiter hinüber nach Mannheim, wo Liebknecht ungehindert brechen konnte— wären sie drüben geblieben und hätten sich auf der ihht» Daße gezeigt, so wäre ein halbes Dutzend der armen eingeschworenen �'�»gstphilister und freiwilligen Polizisten vor Schreck gestorben. $„ r* Mit de««eheimbundsprozesse« will's nicht mehr recht V W'n. An verschiedenen Orten sind die Verfolgungen eingestellt worden. � D a n z i g e r Urtheil hat die bisherige Praxis durch U e b e r trei- na"»Un8 ad absurdum geführt und die weitesten Kreise stutzig gemacht. & fcDem bleibt äußerste Vorsicht geboten, und was wir neulich über Mm-Organisattonen sagten, behält seine volle Gültigkeit. . Unter de« Berliner Sozialdemokraten gewinnt die 7"archisttsche Richtung immer mehr Einfluß— jubeln vereint f" Berliner Replilblätter und die Peukert'sche„Autonomie", beide wollen %it entdeckt haben, daß unfre Blosstellunz des Peukert nur diesem, ?Ds Mit Schrecken erfüllenden Umstände geschuldet ist. Nun, über Letz- haben wir uns schon früher geäußert und kommen daher nicht !?siir darauf zurück. WaS aber das angebliche Umsichgreifen der anar- Mschen Richtung anbetrifft, so steht ja fest, daß, wie die Affäre Jhring- T'Dhlow beweist, seit Jahren von Putty's Leuten krampfhafte Anstren- '"»Sen gemacht werden, die Berliner Arbeiter zu überzeugen, daß es y. der Wählerei nichts sei. und daß nur die„Propaganda der That" r M könne. ES würde uns nun auch, offen gestanden, angesichts der �Hlos brutalen Handhabung des Schandgesetzes, gar nicht gewundert n�n, wenn die Kollegen deS biedern Jhring zum mindesten in letzterer Ziehung Erfolge erzielt hätten und eines Tages die Nachricht gekommen daß dem Reichsspitzelminister— keine Dynamitpatronen unter den gelegt, beileibe nicht, aber». B. über Nacht von verruchter Hand l/ schöne Ziegenbart abgeschnitten worden sei, was nämlich eine viel rDieit Strafe für ihn wäre. Aber nichts von alledem. Dagegen erhiel- 21. Februar, kotz der damals eifrigst betriebenen Anti-Wahl- »?Migungs- Agitation, die sozialdemokratischen Kandidaten LS.ooo mit de» st» ine» für null »en# -lche zp< aui- i i» isch« ing* sätz« -de» der itf >ahl, eleu iste# de» ltc» oder rette "unen mehr als vor zwei Jahren. »Somit gäbe ei also keine Anarchisten in Berlin? O nein, lieber d,!?D> es gibt deren. Wohlgemerkt, richtige, veritable Anarchisten, die auf Evangelium der Abschaffung des Staates ic. schwören. Da es aber "iit doch nicht so schnell geht, ali man eigentlich meinen sollte, so S? �ch die guten Leute inzwischen auf ein weniger umständliches Ge- gelegt, nämlich auf das— wie sollen wir eS gleich nennen?— wk, Nachahme». Von den Berliner Genossen wer- n wir ersucht, m itzu thetle n, daß die„Anarchisten" Sammel- wie sie zeitweise inGebrauch waren,«achgemacht und auf Grund derselben Gelder für ihre Zwecke auszutreiben an möge daher allseitig auf der Hut sein. Man steht, die Peukert'schen Emissäre sind der Putty'schen Agenten »würdig. Man kann auf g r a d e m Wege nichts verrichten und fängt's daher auf krummem an. Wenn Schutzmann Mahlow mit gefälschter Gesinnung hausirt, warum soll nicht auch das Hausiren mit g e f ä l f ch ten Bons am Platze sein? Auf jeden Fall erreicht man damit Eines: das gegenseitige Vertrauen in der Arbeiterschaft gründlich zu schädigen. Und wenn erst kein Arbeiter mehr dem andern traut, wenn man hinter jedem, der sich als Genosse vorstellt, einen Spitzel oder sonstigen Be- trüger v-rmuthen muß, dann ist Peukert-Putty'S Ideal erreicht, dann blüht der Waizen der„radikalen Anarchie". Die Absicht ist gut, schade nur, daß das saubere Mittel seinen Zweck verfehlt. Mit ihm haben die Jünger des sauberen Peukert sich selbst allen Kredit abgeschnitten, den ihnen ihr radikales Gebahreu vielleicht hier und da oerschafft hätte. Für Fälscher sind die Berliner Arbeiter nun und nimmermehr zu haben. — Nationalliberale Stilblüthen. Neulich machte das„Leipziger Tageblatt" die Sozialdemokraten in drei Leitartikeln todt. Sie— nicht die Leitartikel— waren„Unkraut", und mußten„ausgerottet" werden — wofür selbstverständlich das„Leipziger Tageblatt" durch weitere tödtliche Artikel dieser Art sorgen zu wollen versprach. Während nun das hoffnungsvolle Organ für Schweinsknöchel und Klöße diese jour- nalistische Leistung im Leitartikel vollbrachte, druckte es in einer andern Spalte einen Artikel der„Nationalliberalen Korrespondenz"— also des Parteiorakels— ab, in welchem wörtlich folgender Satz vorkam: „Eine stetig wachsende, kräftige Partei, die So, zialdemokratie, setzt ihre ganze Hoffnung auf die I u g e n d." Nun— nicht die ganze Hoffnung! Aber doch recht hübsch gesagt. Allein, um des Himmels Willen, wie reimt sich das im Leitartikel zur Ausrottung verurtheilte„Unkraut" mit der„stetig wachsenden kräftigen Partei"? Verteufelt schlechte Aussichten für das„Ausrotten"! Was nun den betreffenden Artikel der„Nationalliberalen Korrespon- den," angeht, so fordert er eine„Reform unserer Universitäten". Der nationalliberale Artikelschreiber meint nämlich, die Universitäten seien noch etwas zu— liberal organisirt und böten nicht genügende Garan- tien gegen das Eindringen— sozialdemokratischer Ideen. Es sollten wohl Polizeipickelhauben vor jedem Hörsaal stehen, damit die bösen Sozialdemokraten sich nicht hineinwagen, und ein Gensdarm neben jedem dozirenden Professor? Doch Scherz bei Seite, man steht an solch blödsinnigen Angstergüssen, wie vollständig der bürgerliche Libe- ralismus am Ende seines Lateins ist. — Zur Naturgeschichte der Kartellbrüder sei noch folgende naive Aeußeruna zitirt, welche die„Leipziger Zeitung", das amtliche Organ der sächsischen Regierung, vor einigen Wochen machte, als der „Staatsanzeiger" die Rücknahme des Pserdeausfuhroerbots meldete: „Bekanntlich war das Bei bot am IS. Februar erfolgt. Es war gerade die Zeit der Wahlbewegung. Daß inzwischen. und zwar wesentlich in Folge der Septennatsannahme, die politische Lage sich verbcffert hat, wird von keiner Seite bestritten." Wie naiv verrätherisch ist dieses„gerade"! Wahrhaftig, die gute Leixzigerin ist ein schreckliches Schreckenskind— ein eufant terrible, das von den weniger indiskreten, ihre Mienen und ihre Zungen besser behütenden Kollegen� und Genossen sicherlich schon tausendmal in den tiefsten Piuhl der Hölle gewünscht worden ist. Ja. es war„gerade" zur Zeit der Wahlbewegung— und wenn nicht „gerade" die Zeit der Wahlbewegung gewesen wäre, hätten wir, so ge- wiß zweimal zwei vier ist, auch kein Pferdeaassuhroerbot erlebt. Daß die politische Lage seit der Annahme des Septennats„sich verbessert" habe— ist«in kleiner Scherz, welcher in Berlin nicht sonder- lich gefallen wird, denn er kann nur besagen— entweder, daß die Berliner Reptilblätter, welche auch jetzt noch Allarmuachrichten aus- streuen, das nationale Publikum patriotisch anlügen,— oder, daß Bismarck, hätte er keine Septennats-Mehrheit gefunden, einen Krieg vom Zaune gebrochen hätte. Nun— unter Freunden kommen solche Scherze mitunter vor. Man muß eben gute Miene zum bösen Spiel machen. Apropos— und das gehört ja zu unseeem Thema— unsere Reptilien sind durch die neuliche Rede dei englischen Premierministers, Lord Salisbury, an die Kaulleule der Ci!y in die äußerste Verlegenhe t ge- bracht worden. Englische Premierminister stehen im Rufe, die Wahrheit zu sagen, wenn nicht sehr dringende Gründe vorhanden sind, das Gegen- theil zu thun, und da begeht nun dieser Lord Salisbury die Indiskretion, der Welt zu verrathen, daß der Weltfriede im gegenwärtigen Augenblick von keiner Seite ernstlich bedroht ist. Das paßt natürlich unseren Rep- tilien und ihren Hintermännern nicht in den Kram, denen die fort« währende Beunruhigung und Aufregung des Publikums ein p o l i t i- sches Lebensbedürfniß ist; und wahrhaft poffirlich sind die Anstrengungen der Regierungsblätter, die Worte Lord Salisbury's abzu- schwächen oder gar ihnen den entgegengesetzten Sinn unterzuschieben. Ein deutsches R-ptil bringt ja Alles fertig, was wider den gesunden Menschenverstand geht; und warum sollte es nicht auch in England Staatsmänner geben, welche die Wahrheit auf den Kops stellen und Friede sagen, wenn sie Krieg meinen— oder umgekehrt? Wir machen auf diese Reptilienmanöver beiläufig nur aufmerksam, weil es charakteristische Zeichen der Zeit sind. Die Beunruhigungipolitik Bismarck's kann sich nicht drastischer verrathen. Uebriaens haben die Reptilien es glücklich fertig gebracht, daß das Bismarck'sche Reich in der ganzen Welt als der europäische Friedens- störer gilt. — Bom antikollektiviflische« Baueruschädel, wie ihn der Sozialethiker Schäffle liebt, tyeilen österreichische Blätter folgende Bra- vourleistung mit: „Im freundlichen Städtchen Grein(Ober-Oesterreich) erregte in den Morgenflunden des 30. Juli eine seltsame Frauengestalt gerechtfertigtes Aufsehen. Nur mit Nock und Hemd bekleidet, die Hände mit einem derben Hanfstrick auf den Rücken gefesselt, eilte die Frau mit fliegenden Haaren und wirrem Blick durch die Straße, die Arme über und über mit Blut bedeckt. Angehalten, verlangte dieselbe in das B-zirksgericht gebracht zu werden, und erzählte folgende haarsträubende Geschichte: Sie sei gegen 70 Jahre alt, heiße Elisabeth Ebner und habe zuletzt als Pfründnerin der Gemeinde Waldhausen im Armenhause zu Schloßberg gelebt. Bor kurzer Zeit sei ihr vom Bürgermeister Johann Beck eröffnet worden, sie habe das Stübchen, das sie durch neun Jahre mit ihrem vor nicht langer Zeit verstorbenen Manne getheilt hatte, zu räumen und„in die Einlage" zu gehen, das heißt, sie solle im Greisenalter von Woche zuWoche, durch Regen und Schnee, vonHaus zu Haus wandern, ungewiß, an welchem Orte sie einst der Tod von der qualvollen Wanderung erlösen werde. Sie habe sich deshalb geweigert, das Stübchen zu verlassen, und erschienen bei ihr am 30. Juli Morgens der Gemeindediener Josef B e d a und der Wegmacher der Gemeinde behufz AuZquartirung. Dieselben trugen vorerst ihre Truhe fort, allein zurückgeblieben habe sie wilde Ver- zweiflung erfaßt und sie oersuchte durch Einschneiden der Arme mit einer Sense sich für immer Ruhe zu schaffen. Als die zurückkehrenden Männer die Frau blutend fanden, banden sie derselben die Hände auf den Rücken, und zwar derart, daß die Fesseln später nur durch Ab- schneiden entfernt werden konnten und drohten ihr, sie anzuhängen, wenn sie sich nicht füge. Sie entlief ihren Peinigern und eilte gefesselt und blutend nach Grein, wo dieselbe nach drei Stunden erschöpft an- kam. Die zurückgelegte Wegstrecke beträgt lg Kilometer. Wie wir er- fahren, wurde die Unglückliche, nachdem ihr ärztliche Hilfe zu Theil geworden und die gerichtliche Amtshandlung erfolgt war, in das Greiner Armenhaus überführt, wo dieselbe die sorgfältigste Pflege genießt. Von Seite der Gemeinde Waldhausen hat sich bis nun Niemand um den weiteren Verbleib ihres Gemeindemitgliedes gekümmert." Dazu bemerkt die Wiener„Gleichheit" treffend: „Man spricht und schreibt, namentlich in den Blättern, welche der reaktionären Masse der Großgrundbesitzer, Bauern und Pfaffen dienen, immer so viel von der Wohnungsnoth der Arbeiter in den Städten, grade, als wenn man die Aufmerksamkeit von der gleichen Frage auf dem Lande ablenken wollte. Die ergreifende Schilde- rung dei Linzer Bourgeoisblattes, die wir oben wörtlich wiedergaben, zeigt aber, daß es dem ländlichen Proletarier genau so schlecht geht, wie dem städtischen. Es ist sogar noch ein Unterschied zu Ungunsten deS Landarbeiters da. Die Bourgeois in den Städten sind wenigstens so gewitzt, daß sie glauben, durch kleine Zugeständnisse, durch Arbeiterherbergen, Suppen- anstalten und ähnliche Mittelchen ihren„guten Willen" zeigen zu müssen. Der verthierte Großbauer mit seinem dicken, eckigen Schädel verschmäht aber in seiner Dummheit solche Scheinmittel. Im gegebenen Falle geht er, wie wir sahen, gegen den Proletarier, den er bei seinen schweren Arbeiten abgenutzt hat. einfach mit bestialischer Bruta- l ität vor. Der Dichter Morrö hat in seinem Volksstück„Nullerl" das ganze Elend jener heimatlosen, allen„Einleger" geschildert und auch vergangenes Jahr im kärnlnerischen Landtage den Antrag aus Allers- Versorgung der abgerackerten alten Knechte und Mägde gestellt. Hier zeigten die kärntnerischen Bauern jedoch, daß sie von den Bourgeois draußen Etwas gelernt haben. Mit einer Raffinirtheit, welche des größten Parlamentes würdig gewesen wäre, wurde der Morrö sche Anttag in einer Kommission begraben.— Niemand sah ihn wieder! Lai.darbelter, wann werden Euch die Augen aufgehen?? — Bebel verließ am 14., Auer am 1«. und Biereck am 17. August das Zwickauer Gefängniß. Frohme wird in Kürze nachfolgen, Ulrich aus den schon angegebenen Gründen üoch bis Ende Oktober in Hast bleiben. V o l l m a r. der krankheitshalber einen Urlaub angetreten, wird im Oktober den Rest seiner'Strafe absitzen. Die drei Entlassenen haben die lange Einkerkerung überstanden, ohne anscheinend an ihrer Gesundheit Schaden genommen zu haben. Wir rufen ihnen zum Wiedereintreten in den Kampf für Freiheit und Recht ein herzliches Glückauf! zu. Die Genossen in Karlsruhe ersuchen uns um Aufnahme folgender Zeilen: „Den seinerzeit durch eine infame Justizkomödie ihrer Freiheit beraubten Genossen rufen wir bei der Wiedererlangung ihrer Frei- heit ein„Hoch die Sozialdemokratie!" zu. Wir werden steti dem Schwur treu fein, den wir gethan haben, an ihrer Gelle mitzu- kämpfen für das Prinzip der Freihell. Gleichhett und Brüder- lichkeit." In Berlin und Hamburg haben die Genossen durch Auf- hissen von rothen Fahnen den Freigelassenen ihren Gruß gesandt, zahlreiche andere Sympathiebezeugungen sind ihnen direkt übermittelt worden. — Die Wahrheit auf de« Kops stelle», das ist eine Befchäf- tigung, die unseren Reptilien zur anderen Natur geworden ist und ganz maschinenmäßig, mechanisch von ihnen ausgeübt wir». Das neuest» Kunststück in dieser Branche ist die systematisch kolportirte Behauptung, daß die Sozialdemokratie immer mehr die Grenzlinie, durch welche sie anfangs vom Anarchismus geschieden war, überschreite und sich fichtlich zum Anarchismus„fortentwickle". In Wirklichkeit verhält sich, soweit von Anarchismus überhaupt die Rede sein kann, die Sache gerade umgekehrt. Die anarchistische Bewegung oder das, waS man darunter zu verstehen pflegt, schrumpft immer mehr zusammen, trotz aller Anstrengungen unserer Reptilien und unserer Polizei, den Wauwau mit Hilfe des bekannten Berliner Windi zu erschrecklichen Dimensionen auszublasen. In Spanien, Belgien und Italien, wo es früher einmal ziemlich viel sogenannte Anarchisten gab, sind sie jetzt mit der Lupe zu suchen. In Frankreich können es die, noch vor Jahressrist von unseren Polizeireptilien als so furchtbar gefährlich geschilderten Anarchisten nicht einmal mehr zu einer anständigen Ver- sammlungsprügelei bringen. Die Londoner Anarchisten entlarven sich gegenseitig als Polizeispitzel, und in Amerika ist der einzige Anarchist, der sich bisher noch zum Wauwau gebrauchen ließ— der arme H a n S M o st— zu der melancholischen Ueberzeugung gelangt, daß der anar- chistische Radikalismus einen verdächtigen Polizeigeruch hat. Und da hat dieses Reptili-ngesindel die Stirne, zu sagen, der Anarchie mus fei in reißendem Wachsthum und auf dem Punkt, die Sozialdemokratie ganz zu verschlingen! Beiläufig bemerkt, ist es uns ganz gleichgiltig, was unsere Reptilien denken und schreiben. Und wenn wir dieser neuesten Lüge erwähnen, so geich eht es nur. weil sie ein wesentliches Glied in der Kette ist, durch welche das deutsche Volk womöglich auf ewige Zeilen in der Polizei- Sklaverei gehalten werden soll. Dank der Taktik und taktvollen Agitation der deutschen Sozialdemo- kratie hat das Wort Sozialdemokrat seine gänsehaulerzeugende Wirkung aus die breiten Volksmassen verloren, und immer entschiedener drängt der Gedanke sich hervor, daß, wenn ein Ausnahmegesetz überhaupt be- stehen soll, es sich gegen die Anarchisten, d. h. die Männer der Dynamll- und sonstigen Attentate, zu richten habe, und nicht gegen die Sozialdemokraten. Da nun aber das herrschende System der Aus» ahmegesetzgebung nicht entrathen kann, und da es in Deutschland trotz aller Jhring-Mahlow, Peukert, Schmidt, Puttkamer und Genossen keine Anarchisten gibt, s» bleibt logisch nur das Eine zu thun: Verwischung jedes Unter« schiede- zwischen Anarchisten und Sozialdemokraten. Und dieser löblichen Arbell unterzieht sich jetzt im Schweiße ihreS Angesichts die Reptilpresse. — In New-Dork ist es in der letzten Zell zu einem Brnch zwischen Henry George und seinen Anhänger« einerseits und den erklärten Sozialisten anderseits gekommen, der zu einem Austritt bezw. Ausschluß derselben aus der im vorigen Jahr gegründeten Bereinigten Arbeiterpartei geführt hat. Den auf die allein- seligmachende Landreform oder vielmehr Landsteuerreform verbissenen Georgeanern waren die vorwärtsstrebenden Sozialisten unbequem gewor» den, und so benutzten sie einen ursprünglich gegen die korrupten alten Parteien gerichteten PassuS des Statuts der„Ver. Arb.-Partei", nach welchem kein Mitglied der„Ver. Arb.-Partei" gleichzeitig Mitglied einer andern Partei sein könne, zu einer Auslegung in dem Sinne, daß sich dies auch auf die Zugehörigkeit zur„Soz. Arb.-Partei" beziehe. Da« Tendenziöse dieser Maßregel liegt auf der Hand, bei gutem Willen hätt« sich leicht eine andere Lösung der Frage finden lassen. Natürlich haben die Sozialisten, deren Verdienste um das Zustande» kommen der„Vereinigten Arbeiterpartei" Henry George selbst wiederholt zugestanden, diese schnöde Behandlung sich nicht ohne Weiteres gefallen lassen. In einer großen, sehr gut besuchten Protestversammlung wurde, nachdem die Genoffen Schewitsch, Alex. Jonas, Vroomann und Hinton(letztere beide Amerikaner� gesprochen, eine energische Protest-Resolution gegen dieses Borgehen beschlossen; ferner hat die National-Exekutive der„Sozialistischen Arbeiterpartei" einen allgemeine« Protestaufruf erlassen, der gegenüber den Angriffen der Georgeaner die Verdienste der Sozialisten um die allgemeine Arbeitersache in'S rechte Licht stellt. Es heißt dort am Schluß: „Aus diesen Gründen legen wir daher energische Verwahrung ein gegen diesen Akt der Intoleranz und Einseitigkeit und appelliren an die organisirte Arbeiterschaft, zunächst Newyorks, behauptend, daß der Kernpunkt der sozialen Frage, welche zur Zeit die ganze zivilisirte Welt i« Aufregung und Spannung hält, nicht die Landtaxe ist, sondern die Abschaffung des Privateigenthums in jeder Form, sowohl an Grund und Boden, als vor Allem an den Arbeits- Instrumenten(Maschinen, Fabriken-c.) „Diese Forderung, weil durchaus logisch und einzig wissenschaftlich, ist von allen Arbeiterparteien der alten Welt, mit England, Frankreich und Deutschland an der Spitze, als grundsätzliches Unter- scheidungsmerkmal von allen übrigen, selbst den sogenannten Arbeiter-Reformparteien, anerkannt, weshalb wir, gekagen von der historischen Erkennwiß, die uns heute noch mißgünstigen Ritglieder der Vereinigten Arbeiterpartei warnen, wenn ihnen etwas an dem Bestand der Partei gelegen ist, sich nicht von einseiliqen Reformvorschlägen k In Henry George blenden und fortreißen zu lassen, fondern unsern Standpunkt und unsere Ideen auf ihren Gehalt zu prüfen. „Das sozialistische Element aus den Reihen der Vereinigten Arbeiter- Partei entfernen, heißt nichts Anderes, als ihr das Rückgrat ausschnei- den und das verheißungsvolle Schiff der neuen Partei auf der Sand- bank kleinbürgerlicher Tendenzen jämmerlich Schiffbruch leiden zu lassen. „Sollte dieser Protest, von Euch fortgeschrittenen Arbestern unterstützt, ung-hört verhallen, so wird die Nothwendigkeit stch erheben, die Grün» düng einer Arbeiterpartei zu insieniren, welche, von den Schlacken der Einseitigkest besrest, in ihr Programm die Forderung der ökonomische« Befreiunz des nothleidenden industriellen Proletariats von den Fesseln der Lohnsklaverei aufnimmt und dieses Programm zur Beririrklichung zu dringen entschlossen ist. „Im Falle der Wirkungslosigkeit diese? Protestes wäre ei die Pflicht aller fortschrittlichen, mit unS sympathisirenden Arbeiter, den unS be» troffenen Bannfluch dadurch weit zu machen, daß sie in eorpor« der Vereinigten Arbeiterpartei den Rücken kehren, in ihrer betreffenden Or- ganisation entsprechende Resolutionen fassen, und falls diese Proteste auf die einseitigen Henry George VerHimmler keinen Eindruck machen sollten, solche Maßregeln zu treffen, welche sie belehren, daß ohne daS Oel der Sozialisten und fortgeschrittenen Arbeiterschaft die Leuchte der Bereinigten Arbeiterpartei eine verflackernde Kerze ist. „Bis dies geschieht, fordern wir alle fortgeschrittenen Arbeiter auf, unserer Partei, welche als Propagandapartei die Forderung der Eman- zipation verbreitet, zahlreich beizutreten, um solcherart einen Druck auf das konservative und das noch auf die vollsten Fetttöpfe der korrupten Beuteparteien schielende Element unter den Arbeitern auszuüben und an das Steuerruder des Zeitschiffs die ökonomische Erkenntniß zu setzen, welche im Sozialismus gipfelt. Das National-Exekutivkomite der Sozialistischen Arbeiter-Partei. Newyork, ö. August 1887. Soviel für heute. Ueber den weiteren Verlauf der Angelegenheit in nächster Nummer. — Bescheidene Anfrage. Von zuverlässiger Seite wird uns ge- schrieben: Folgende sonderbare Geschichte, die vor Kurzem passirt ist, verdient allgemein bekannt zu werden. Ein in London wohnhafter junger Mann, der nach Deutschland zu reisen vorhat, erzählt diese seine Absicht dem Peukert und Freunde. Diese bedrängen ihn, eine Anzahl Exemplare ihres Blattes mitzunehmen, und er sagt auch zu. Im letzten Augenblick kommt ihm die Sache aber doch bedenklich vor, er reist ohne die Blätter ab, während Peukert und Freunde, die er in der Eile zu benachrichtigen unterlassen, in dem Glauben waren, er führe ihre Maare mit sich, und zwar in zwei zu diesem BeHufe angefertigten Leib- gürteln. Nun wohl, an der deutschen Zollgrenze wird der junge Mensch im Zollamt in ein besonderes Zimmer geführt und bisauf den nack- ten Leib untersucht, natürlich vergeblich. Es wird nun wohl die bescheidene Anfrage erlaubt sein, ob diese Untersuchung nur so von ungefähr erfolgte oder ob sie auch zur Peukert-- sch-n„Taktik" gehört? Korrespondenzen. München, im August. Nun ist auch die Landtagswahl vorüber, und in der Bude an der PrannerSgasse kann es auch fernerhin im alten Schlendrian weiter gehen, ohne daß diese traurige Körperschaft die Wahrheit zu hören bekommt. Es ist uns leider nicht gelungen, einen Vertreter der Interessen deS arbeitenden Volkes hineinzubringen: in agitatorischer Hinsicht wäre dies von hohem Jntereffe gewesen. Aller- dings ist ein Mißerfolg bei diesem elendesten aller Wahlsysteme kaum ein Wunder. Bayerisches Staatsbürgerrecht besitzen, das für Nichtbayern hundert bis zweihundert Mark kostet, einen Schwur abgeben im Namen eines Gottes, an den man nicht glaubt, und dazu einen Schwur der Treue zum„angestammten" Fürstenhaus, dessen Repräsentanten halbe, dreiviertels und ganze Narren sind, und schließlich einen Hausen Wahl- männer austrerben, das ist eine Speisekarte, die wahrlich schwer zu ver- dauen ist. Dazu die hundsgemeine Art und Weise, wie seitens der Po- lizet und gegneriichen Preffe gegenüber den vollständig geknebelten Sozial. demokraten gehandelt wird. Trotz alledem haben wir Resultate erzielt, die uns mit Genugthuung erfüllen und uns frohen Muthes in die Zukunft blicken lassen, die uns anspornen, unermüdlich weiter zu wirken, bis wir unser Ziel erreicht haben. Die Wahlagitation war gegenüber der Reichstagswahl sehr ruhig, es bringt dies das System mit sich. In einer Versammlung in den Zentral- Sälen, welche von zirka zweitausend Mann besucht war, referirte Grillen- berger, außerdem fanden noch eine Anzahl Bezirksversammlungen statt. So kam der Tag der Wahl heran. Im ersten Wahlkreis, den die Ultra« montanen vor sechs Jahren mit durchweg sieben Achtel Majorität ge- wonnen hatten, errangen die Liberalen diesmal die absolute Majorität, während wir 28 Wahlmänner erhielten; hätten sich die Ultramontanen nur einigermaßen gehalten, so hätten wir den Ausschlag zwischen ihnen und den Liberalen gegeben, vorausgesetzt, daß sich diese beiden verrotteten, charakterlosen Parteien nicht selbst in den Raub getheilt hätten, wie München II gezeigt hat. Dort waren 70 Wahlmänner zu wählen. Re- fultat: 34 Sozialisten. 81 Ultramontane, 5 Liberale, welch Letztere erst im 4. Wahlgang gewählt wurden. Als nämlich Ultramontane und Libe- rale sahen, daß wir nicht nachgeben, paktirten sie, trotzdem sie sich sonst in der gemeinsten Weise beschimpfen, wie folgt: Die ultramontanen Ur- Wähler wählten liberal, wogegen liberale Wahlmänner bei der Abgeord- netenwahl ultramontan wählen mußten. Dieser Handel kennzeichnet so recht die Charakterlosigkeit dieser sittlich verkommenen Bande. Nur keinen Sozialdemokraten in den Landtag— das ist es, was liberal und ultramontan verbindet, was uns aber auch lehrt, ununter- trochen zu agitiren uud nur auf uns selbst zu bauen. Zu thun ist hier noch viel, doch geht es trotz alledem vorwärts. Ab und zu Hilst uns die heilige Hermandad in unseren Bestrebungen, z. B. durch rücksichtsloses Auflösen der Fachvereine. Die Metallarbeiter, die Maler, die Schreiner u. s. w.— alle kamen an das Messer, obwohl absolut nichts gegen sie vorlag. Der Fachverein der Maler hatte eine von zirka 30 Schülern desuchte Fortbildungsschule und erhielt von der Wittelsbacher Stiftung in Anbetracht seiner Leistungen 300 Mark Unterstützung. Dies und noch anderes Geld, serner Farbe, Töpfe, Pinsel— alles, alles wurde gestohlen. In der betreffenden Regierungsentschließung wimmelt e» nur so von jozialrevolutionär, anarchistisch, Umsturz ic,, unter anderm wird der frühere Vorstand als Anhänger Most's bezeichnet, während dieser Mann leider ein solcher Bismärcker ist, bezw. war, daß er die Vorstandschaft niederlegte, weil der Malerfachverein sich seiner Zeit nicht an der Bis- marckseier betheiligte. Dem Schreinerfachverein wird unter Anderm zum Vorwurf gemacht, daß die Vorstandschast zum größten Theil aus Nicht- Bayern bestehe— o heilige Weisheit! Hier fanden die Langfinger bei Schließung des Vereins glücklicherweise nichts vor. Vorsichtshalber war das Vereinsvermögen bei Zeit dem Sanitätsverband vermacht worden. Weitaus der größte Theil der Mitglieder dieser Vereine war bisher politisch indifferent, die brutale Polizistensaust hat sie jedoch aufgerüttelt, jetzt ist die Mehrzahl unser. Besten Dank für diesen polizeilichen Liebesdienst I Auch dem Sanitätsverband wollten sie an den Kragen, um dort ebenso zu stehlen, wie bei allen Fachvereinen; es ging aber nicht. Dafür wurde denn polizeiliche Kontrole verfügt und einige Vorstands- Mitglieder ihres Amtes enthoben und durch geheime Polizeispitzel ersetzt. Aber o weh, die Polizeilümmel können die Verwaltung nicht besorgen und mußten die abgesetzten Vorstandsmitglieder ersuchen, die Sache wieder in die Hand zu nehmen. Es scheint überhaupt, daß der neue Polizeipräsident M ü l l« r ein Stier ist in des Wortes verwegenster Bedeutung. Geniren doch diesen Krähwinkler die rothen Plakate, weil st«— man höre und staune— zu aufsallend sind! Außerdem »erbietet er das Verkaufen und Vertheilen von Drucksachen in der Stadt, und was der verrückten Verfügungen noch mehr sind. Der Kerl hat entschieden das Licht der Welt hundert Jahre zu spät erblickt und würde sich sehr gut für Kamerun eignen. Wahrscheinlich ist ihm die am Frohn- leichnamstag von uns besorgte Vertheilung eines Flugblattes in die datterigen Knochen gefahren. Diese Verbreitung erfolgte während d-S Maskenzugs, Prozeffion genannt, an welchem, seit Luitpold Verweser des Landes ist, wieder all die Schmarotzer Theil nehmen, die aus der Staats- Kippe gefüttert werden. Die jüngst in den Zeitungen erschienene Notiz von 80 Geheimbündlern ist Schwindel, und zwar wahrscheinlich Polizeischwindel. In Wirklichkeit haben einige fünf oder sechs Vernehmungen von früheren Vorstands- Mitgliedern des Fachvereins stattgesunden, bei denen sozialdemokratische Schriften gefunden worden waren, ali die Langfinger das Vermögen der Fachvereine stahlen. Räch berühmtem Muster wird so nach Material gesucht, um die Leute zu schädigen. Außerdem ist«in Mann wegen Ver« breitung verbotener Schriften angeklagt, bei dem man ein Depot von Schriften gefunden hatte, das ihm von einem, in den Geheimbundsprozeß der 28 Berurtheilten, inzwischen ober gestorbenen Gesinnungsgenossen zur Aufbewahrung übergeben worden war. Dieses Auffinden war aber keineswegs dem Verstand(besser gesagt Instinkt) der Schnüffler geschul- det, sondern leider ganz gemeinem Verrath. Gs scheint überhaupt, daß irgend ein Lump sich in das Vertrauen ein- zelner Genoffen eingeschlichen hat, geht man doch systematisch darauf aus, bekannte Sozialdemokraten zu Spitzeldiensten zu verlocken. Um uns nun Klarheit zu verschaffen, wurde von einigen Genossen scheinbar ein Aus- flug nach Föhring, 1'/, Stunden von hier am Jsarufer gelegen, veran- staltet, der aber in letzter Stunde unterblieb. Und richtig wurde der Ausflug der Polizei verrathen. Unser lieber Michel kam an der Spitze von 30 bis 35 Polizisten und Gendarmen zu Pferd und Wagen nach Föhring, um den Staat zu retten, leider war der Liebe Müh' jedoch umsonst. Michel und seine Getreuen schnüffelten Föhring von oben bis unten ab und als sie sahen, daß sie die Geprellten waren, machten sie noch dümmere Gesichter als sonst. Gegen das Reichstagswahlkomits ist von der Polizei nachträglich Klage erhoben worden wegen Beleidigung deS Pfaffenstandes, begangen in einem Flugblatt, worin wir dem Pfaffen Huhn, der uns in einer als Flugblatt verbreiteten Rede die freie Liebe vorgeworfen hatte, den Stand- punkt klar gemacht und ihm vorgehalten hatten, wir wüßten«inen Pfaffen, der jetzt schon die freie Liebe praktizire. In erster Instanz erfolgte Verurtheilung, in zweiter Freisprechung. Ob die Sache weiter geht, ist bis jetzt ungewiß. Uns kanns nur freuen, wenn die Frage einmal vor Gericht zur Sprache kommt und untersucht wird, wer die freie Liebe heute schon zur Ausführung bringt, und ob der Pfaffe Huhn, der keusch zu bleiben seinerzeit geschworen, wirklich seinen Schwur gehalten. Die verhältnißmäßig große Zahl Wahlmänner, die wir durchsetzten, hat Aufsehen erregt. Noch kurze Zeit, und Volkmar ist wieder frei; möge es ihm gelingen, für unsere Sache in recht ersprießlicher Weise zu wirken. Der Boden wird in jeder Hinsicht immer besser. Unsere Gottes- gnadenthümler sind in schrecklicher Verlegenheit— Otto II.«st und bleibt verrückt und so wird jedenfalls die Verfassung geändert werden, auf daß der Prinzregent, der stark in Popularitätshascherei macht, König wird und die Masse Prinzen mehr Gehalt bekommen. Die ganze Bour- geoisgesellschaft kriecht bereits auf dem Bauch, daß es ekelhaft ist. Nächstens laffen wir eine Gallerte Münchenxr Musterpatrioten folgen. Inzwischen gilt es, den Boden für die Kommunalwahlen zu bearbeiten, die im Herbste stattfinden. Hierüber später mehr. Sprechsaal. x/wvr/vn» Die Nr. 21 der hier erscheinenden„Autonomie" enthält einen Artikel mit der Ueberschrift„Also doch", dessen Inhalt eine Antwort sein soll auf den in Nr. 32 des„Sozialdemokrat" befindlichen Artikel, Reuß-Peukert betreffend. Da sich in dem Artikel der„Autonomie" Unrichtigkeiten befinden, so sehen wir uns veranlaßt, Folgendes zu er- klären: 1) Die Briefe Neve's, welche der„Sozialdemokrat" gebracht, haben zum Theil der Untersuchungskommission vorgelegen, und bestätigen wir, daß dieselben dem Sinne nach wahrheitsgemäß wiedergegeben waren. Wenn der Artikelschreiber der„Autonomie" das GezentheÜ be- hauptet, so hätte er auch die Pflicht gehabt, die„Fälschungen" zu kenn- zeichnen. 2) Der Brief Neve's an Peukert ist w o h l von der Kommission ver- langt worden, und sogar zweimal von Bürger Daubenspeck.— Peukert versprach erst das Mitbringen, hielt aber nicht Wort, sondern erklärte dann, es hätte keinen Zweck, wir wollten erst durch Fragen Material gegen ihn zusammenbringen. 3) Wenn der Artikelschreiber den Bürger Rackow erklären läßt,„daß kein genügendes Anklagematerial vorliegt", so hätte er auch ehrlich hin« zufügen sollen, daß Rackow von„positivem Beweismaterial" ge- sprachen,„das in solchen Fällen immer schwer zu erbringen sei", der Spitzel müßte denn ein ganz unbrauchbares Subjekt sein; es seien aber in diesem Fall die Indizien sehr schwere. 4) Die Unterschiebung der Handschriftenfälschung gegenüber dem„Sozial- demokrat" ist bodenlos; wir müssen dem gegenüber erklären, daß wir im Besitz von Originalbriefen eines entlarvten Londoner Spitzels waren, und daß von unserer Seite nicht gesagt wurde,„es ließe sich keine Be- hauptung aufstellen", sondern wir nur erklärten,„daß wir uns nicht für Schriftenvergleicher hielten und deshalb kein Urtheil abgeben wollten; wir hielten es für nothwendig, Sachverständige hinzuziehen", was ja immer noch geschehen kann. 5) Wenn wir unsere fernere Theilnahme an den Kommisstonssitzungen für überflüssig hielten, so geschah es nicht aus dem Grunde, welchen der Verfasser in der„Autonomie" angibt, sondern aus Folgendem, was wir auch in der letzten Sitzung erklärten: Der Artikelschreiber läßt Bürger George und Bürger Rackow aufmarschiren; was aber Ersterer erklärte, und dem Rackow und die Uebrizen zustimmten, war: daß da uns von Seiten der„Autonomie"-Delegirten immer Mißtrauen entgegengebracht würde, ferner die Delegirten der l. Sektion die Angelegenheit Dave erst in der Kommission verhandeln wollten, in der letzten Sitzung aber ihr Versprechen zurückzogen, weiter die Delegirten der„Autonomie" erst von Gegenmaterial sprachen, dieses Anerbieten aber ebenfalls in der letzten Sitzung zurückgezogen wurde, es wirklich Zeitvergeudung gewesen wäre, ferner Sitzungen abzuhalten. S) Durch die Weigerung des R-uß, der Kommission Rede und Ant- wort zu stehen, ist die Arbeit derselben ziemlich nutzlos gewesen und hat sich Reuß unserer Meinung nach durch seine Weigerung selbst gerichtet. Reuß erklärte, er gekommen in dem Glauben, sitz- und stimmberech« tigtes Mitglied der Kommission zu sein, da er aber sehe, er solle Ange- klagter fein, so verweigere er jede Auskunft. 7) In der ganzen Sache ist für uns das Resultat folgendes: a) Peukert reist mit Reuß, dem er nicht traut, zu Neve, der unausgesetzt von der Polizei verfolgt wird. d) Peukert verläßt Reuß 4 Stunden in Brüssel und 2 Stunden in Lültich. c) In Lüttich im Bahnhof-Restaurant sind noch zwei Fremde an- wesend, welche Peukert für unschuldige Reisende hält, die aber nach Allem, was folgte, Polizisten gewesen sein mußten. 6) Peukert läßt sich die Reise von Reuß bezahlen. e) Ob nun Peukert bei dieser Reise nach Ansicht von Mitgliedern der„Autonomie" einen„dummen Streich" gemocht oder einen schlauen— das zu entscheid«», ist nicht der Zweck dieses; zu dem Resultat kommen wir jedoch: daß Peukert nach Alledem keine Person ist, welche das Vertrauen der Arbeiter genießen und in den vorderen Reihen derselben stehen kann. London, 18. August 1887. Die sozialdemokratischen Mitglieder der Untersuchungskommission in Sachen Peukert-Reuß. Warnung. Der Schneider K. Klotz aus Dessau hat sich unter falschen Angaben(„im Namen der Parteigenossen") Unterschlagungen zu Schulden kommen lassen. Wer demselben also in den letzten Monaten Geld oder Schriftliches anverttaute, der berichte umgehend Näheres an verläßliche Freunde daselbst. Der Denunziant und Cigarrenmacher August Stollbach aus Q u e r f u r t»necht gegenwärtig Dessau und Zerbst unsicher. Die Genossen von Dessau. Brieflasten der Redaktion: Briefe und Einsendungen ic. find eingetr.. Elberfeld, Güstrow, London, Mühltroff i. S., Pari Philadelphia.— Ferdinand: Bf. und Einlagen erhaf Besten Gruß.— F. GilleS in London: In nächster Nu Für diese zu spät. der Expedition!(Schluß von Briefkasten Rr. 34.) Blitz' Quittung in Brieflasten Rr. 32 ist u n g ü l t i g, da eine Namen» Verwechslung des Absenders vorliegt.— Schwarzflaggen: Mk. 200 ä Cto Ab. ic. unter Blitz in Nr. 82 quittirt, sind die reklamii Absdr.-Name ic. kollidirt mit Bz. Bfl. Näherei am lS/8.— U. F. Unbegreifl. Werden thunl. Ersatz senden. Bstllg. u. Adr. nottrt.- Felix II: Mk. 8 80 Ab. 3. u. 4. Qu. erh. Weiteres„sehr merk' würdig!"— Görlitz: Mk. 23 40 Ab 3. Qu. erh. Weiteres Ii wohl gn Ihrem Vermittler.— Rother Sachse: Ist avifirt u. Adr. gelöscht.— T. Mann C.: Bf. v. 13/8. erh. An Deckadressat« sind nur Briefe und keine Personen zu senden. Weise m« dieselben stets(entsprechend l e g i t i m i r t) an die Volksbuch Handlung Hottingen.— Rother Apostel: P.-K. v. 14/8. hi« Weiteres erwartet.— Rothbart: Beide Bfe. erh. Unser letzter kreuj mit dem Ihren v. 14. ds. Adr. vorgem.— Falkenstein: Bf. v. 16/* hier. Adr., Bstllg.«c. nottrt. Weiteres besorgt. Bf. kreuzte mit dem uns« rigen. Demnächst mehr.— Ph. Rkr. St. G.: Fr. 2— Abon. 8. Ol erhalten. Nr. 35. Großes Zuchthaus: Qttg. in Nr. 26 erlischt hiermit, nal dem Zwischenhand Jrrthum richtiggestellt.— Tophilus: V 900— a Cto Ab. ,c. pr. 15/6. a. Rchng. V. definitiv gutgebr.— Bi Stbg.: Mk.—80 Ab. Rest pr. 3. Qu. erh.— An d. Heuscheuer: R 21 65 Ab. 3. u. 4. Qu. u. Schft. erh. Bstllg. u. Adr. notirt. Weiter« lt. Bf. v. 19/3..— Blitz: Bfe. v. 18. u. 19/8. kreuzten. Aufschluß de* G. ging pr. C.— L. W. Dtschr. Ver. Zch.: Fr. I8'50 Ab. 1. Qu. et Weiteres notirt.— Romeo u. Julia«. Tybalt: Mk. 30— pr. Ufd dkd erh. Gruß.— L. N. Chenebier: Fr. 225 ä Cto Schft. erh. JrrtW somit geordn. Bstllg. fort.—-ators: Mk. 3— Ab. 4. Diu pr. W.>! erh. Derart Oktroyirtes künftig entschieden unzulässig. Kann dort and«! versorgt werden.— Bürger Sanftmuth: Mk. 50—4 Cto Ab.»c. er Bstllg. notirt. Weiteres angnehm.— Plattkovpf: Mk. 35— a Cto*, ic. erh. Bstllg. notifizirt. Bfl. Weiteres.— Vglr. Hrz.: Fr. 2— v 3. Qu. erh.— Frdr. Hrg.: Fr. 315 pr. Ggr. belastet.— W. M. Lzlsh Mk. 2— pr. Ende Okt. und Mk.— 50 pr. Ufd. dkd. erh.— Allge« Arb.-Ver. Schaffhausen: Fr. 34— 4 Cto Ab. ic. erh.— Zopyro« Mk. 32 40 4 Cto Ab. sc. erh. Bf. erw.— DD.: Gewünschtes folgt.' Claudius: Mk. 55—4 Cto. Ab. sc. erh.— B. L. Lpg.: Mk. 6— 1 3. u. 4 Cto. 4. Qu. pr. W. erh.— Ldk. C. a. R.: Mk. 200— 4 S Ab. sc. pr. 21/8. gutgebr. Jrrthum richtig gestellt. Bfl. Weiteres.—$ Alte Lgz.: Mk. 25— 4 Cto. Ab. 3. Qu. Adr. u. Bstllg. nottrt. All Po F fort.— Clara: W. geordnet. Bstllg. nottrt. Bfl. mehr.— Feuerblus OTW*-»Yrt+it-f CV»» QO rtlitffirfd ß9_ rtoFnm(«»I'hftMPi'flrtnSrtA Vlftfl? I«. � Adr. nottrt. In Nr. 32 quittirte Fr. 62— gehen selbstverständlich baf noch ab. Bfl. Weiteres.— Kilian: Bis jetzt nicht. Reklamiren Sied« bei A. direkt.— Fuchs: Bstllg. u. Adr. notirt. Weiteres sehr erwünl> — h: Avis pr. Z. erh. V. längst unterwegs. Zwischenhand langst Haben Adreßveränderung versucht. Bstllg. folgt.— Rothe Landiveh Bf. v. 1/8. erhielt A., der Eingang bestätigt hat. Weiteres brieflich d«s denselben zur Aufklärung beiderseits.— Brauner Bär: Adr. sc. gif1 net. Beilage anders unthunlich.— Heinrich: Bstllg. folgt. Weitet unterwegs u. vorgemerkt.— Rother Exekutor: Einverstanden. Nähe» bfl.— Der alte Rothe: Alles unterwegs. Speziell Gewünschtes a>>' Hoffentlich nach Wunsch.— Fuchsschwanz: Wird besorgt. Adr. noti „Webstuhl d. Z." längst geräumt.— Bierbauch: Bf. v. 22. am 28� beantw. Adr. vorgem. Der„Hugo" scheint ein sonderbarer Heiliger, j G. M. Cmcinnati; Adr. am 23/8. geändert.— Hebe: Bf. v. 21 23/8. beantw. Anzeigen. Durch Unterzeichnete ist zu beziehen: Der deutsche Bauernkrieg mit Berücksichtigung der hauptsächlichsten sozialen Bewegung kann �n« i» vt des Biittelalters von «. Bebel. . El Hon lVerd 'Zwei erleii Mar Lerli« der 'braui vertk W bleibt btefc, Mcht lvmir Ei Mass rechne Villi- Sl vldn 3» duzen die A für i gen, im ej Preis: Mk. 1 60.- Fr. 2—. Porto und Versandtspesen außer der Schweiz komme« Lasten der Besteller. Bestellungen sehen entgegen ¥ olknbnclütaadlaaj; und Expedition des„Soalnldeaokmt"« Hattingen• Zflriek. ZM- Parteigenossen bestens empfohlen, insbesoni� Anfängern im Studium der Sozialökonomie- Uastiat-Schulze von Ferdinand Lassalle. Neue Ausgab«.— 1 4'/, vo gen stark. Preis: Mk. 1—.— Fr. 1 25. Bei Partienbezug Rabatt. Porto extra. Zahlreichen Bestellungen sieht entgegen volkSbuchhauMtutg Hotttugeu-Zürich- Samstag, den 27. August,«Bend« 8'/» Uhr, im gr-f Saale(3 Treppen hoch) deS Schwanen(Stadt): HesienMche Versammlung der deutsche« Sozialist««. Tagesordnung: Unser Programm. Referent: Bgr. Tauscher. Zu»ahlreichem Erscheinen ladet freundlichst et« Der Lokalanlfchud Jedermann hat Zutritt. WM» Torl&nflge Anzeige."MW Lassalle-Feier der Mitgliedschaft deutscher Sozialisten in v a s« l in der Burgtvogteihall», Sonntag» 4. September, Nachmittags präzis S Uhr, �end an n lveil dreuk h-bli- Anbei loal direkt hier i leger Inst« um l> alfcn feit 81 K»,< Veftv Mit i Mit s Schw �tfor, fälim D. fem i, fem! fe>as 6« Stoße hftr i »erste ltheb ßtlpg Fr 3°-« $ tr oie« Agassi bestehend i«. Aeflrede, gehalten von Genosse W. Liebknecht, Hefangavortt« gm W (von den eingeladenen Gesangssektionen) und Aektamationen- tzf � Urnnkkan nnn Nak unh werden tu dieser fteier freundlitÖ V Genossen von Nah und Fern werden zu dieser Feier freundlich ,, w geladen. Eintritt frei für Jedermann. sFr. S—.- D ».«»u.sch�Ftd