Avonnemeuts Mtfcnt beelsche« Pastbureaux, sowie beim Verlag »n» dessen Selannlen. Agenten ««tgegengenommen. und iwar zum »orauS»ahldara« vierieliahrZpreiZ von: flft. X— ffit dieTchweij(ftreujianb) tu. ffit Teütschland(Connert) fl. 1,70 ffit Oeßerteich(Soubeti) Ut 8,50 ffit alle fibtigen Länder de» �«Kltpostvetein»(dteüjband), Inf ttale tU dreigespallene Petilzeilt 25 St».= 20 Psg. Der ZoMemckrat Argan der Sozialdemokratie deutscher Zunge. Erscheint wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz). Aerrag 4 »alrötuchhantl«»» Hotiingen- Zürich. Pollfcndnnge» 'ftanlo gegen franke.) Gewöhnliche Briefe nach der Schweiz lost« Doppclporta. �44. Briefe an die SRedaltion nnd Stpebilion de» in Deutschland und Oesterreich verbotenen.Sozialdemolrat' wolle man unter Beobachwng äußerster Vorsicht abgehen lassen. In der lllegel schiele man uu» die Briefe nicht direkt, sondern an die belannten Deckadressen. Zn zweiselhasten Fällen eingeschrieben. 28. Oktober 1887. Parteigenossen! Vergesst der Verfolgten ,�und Gemaßregelten nicht! Wider einen Justizmord. Wider das Chicagoer Bluturtheil und seine Vollstreckung hat ein Amerikaner, Leon Lewis, in Greenpoint, N. I., ein Pamphlet veröffentlicht, in welchem er an der Hand von aktenmäßig feststehenden Thatsachen mit unwiderleglicher Be- weiskraft den Nachweis liefert, daß da« Urtheil ein ungerechtes und ungesetzliches ist. Es heißt da: „Die Konstitution der Ber. Staaten garantirt jedem Angeklagten das Recht, vor einer unparteiischen Jury prozessirt zu werden. Haben sich die Angeklagten dreses Rechtest zu erfreuen gehabt? Rein, tausendmal Rein! Die Jury, welche sie verurtheilte, statt unparteiisch zu sein, war, wie allgemein bekannt ist, und wie ihre Mitglieder selbst eingestanden haben, in infanister Weise parteiisch, vorurtheilsvoll» ungesetz» l i ch und unfähig. Und nun sehe man sich dm StawS dieser meineidigen Schurken und Meuchelmörder an: Geschworener Rr. 1. Er sagte, daß er gegen Sozialisten, Anarchisten und Kommumstm als Klaffe ein Borurtheil habe. Geschworener Nr. 3. Er gab zu, daß er eine Meinung bezüglich der Schuld oder Un- schuld der Angeklagten geäußert und diese Meinung jetzt noch nicht geändert habe, und daß ste ihn nach seiner Meinung hlndern würde, «in unparteiische» Verdikt abzugeben. Geschworener Nr. 4. Er sagte, daß er sich eine Meinung über die Schuld oder Nn- schuld der Angeklagten bezüglich best Morde» gebildet und dieselbe im Gespräch mit Anderen ausgedrückt habe. Geschworener Nr. S. Er hatte gesagt, eS solle an Jemanden, ein Betspiel statuirt wer- den, und wenn es bewiesen würde, daß die Männer, deren Namen er in den Zeitungen gelesen, mit der Affäre in Verbindung gestan- dm hätten, sollten sie es sein, an welchen da» Beispiel statuirt würde. Geschworener Nr. 7. Er gab zu, daß er gegen Sozialisten, Kommunisten und Anar« chisten voreingenommen sei. Geschworener Nr. 8. Er sagte, er habe ein Vorurtheil gegen Anarchisten, Sozialistm und Kommunisten, und aus dem, wast er gelesen, habe er sich be« ßüglich des Heumarkt' Verbrechens ein Urtheil über d»e Schuld oder Unschuld der Angeklagten gebtldet. Geschworener Nr. S. Such er sagte, daß er sich eine Meinung gebildet habe sowohl in Bezug auf dl« Heumarkt-Affäre, sowie in Bezug auf Sozialisten, Anarchisten und Kommunisten. Geschworener Nr. lv. Er sagte, daß er sich aus den Berichten, welche er gelesen, über die Schuld der Angeklagten oder einiger derselben ein Urlheil ge- bildet habe. Geschworener Nr. ll. Er gab zu, daß er der Ansicht geworden sei, daß einige der An- geklagten des Verbrechens aus dem Heumarkt schuldig seien, und daß er diese Ansicht jetzt noch hege. Geschworener Nr. 12. Er sagte, er habe nach dem, was er gehört und gelesen, eine Meinung in Bezug aus die Schuld oder Unschuld der acht»nge- klagten, daß sie die Bombe geworfen hätten; ebenso habe er ein entschiedenes Vorurtheil gegen Sozialisten, Kommurnsten und Anarchisten. Gibt es irgmd etwas in den Annale» richterlicher Niedertracht, wo- durch diese Thatsachen überboten werden könnten? Es gibt im ganzen Lande keinen ehrlichen Frieoensrichter, welcher einen Mann, der einen Hund todtgeschoffm hat, vor einer solchen Jury prozeffiren würde! Aber damit noch nicht gmug. Zwei ehrmhajte Bürger haben beschworen, daß de, dritte Geschworene über SpieS gesagt habe:„Spie» und die ganze verdammte Bande sollten gehängt werden!" Und trotzdem wird dieser meineidige Schurke in seinem Verbrechen von Richter Gary und der Supreme Court(Obergerichtthosj von Illinois zzpterstüht l Und in Bezug auf den ll. Geschworenen hat ein Bürger Namen» En» bezeugt, derselbe habe gesagt!„Die Polizei hätte sie alle »tederschießen sollen; die Angeklagten haben kein Recht in diesem Lande, und« e n n i ch an der Jury wäre, würde ich die verdammten Hallunken allesammt hängen!" Und wie ist nun eine Sammlung solch' niederträchtiger und verloge» »er Parteigänger in die Jurybox(Bank der Geschworene») gelangt? Nichts leichter als daS I Man höre nur, waS der Special Bailiff(Gerichlsdiener) Ryce gesagt hat, der die Jury auszuloosen halte:„Ich habe dies« Sache in der Hand und weiß,«as ich zu thun habe. DieseKerlewerdengehängt werden, so sicher wie der Tod. Ich suche Leute zu Beschwöre- Ifen aus. welche sie peremptorisch»urückwetsen muffen, und wenn sie mit ihren ChallengeS(die den Angeklagten zustehenden Verwerfungen) zu Ende sind, werden sie Solche zu nehmen haben, die dem Staatsanwalt passen." Und an«in« anderen Stelle: „Dies darf Niemand übersehen. Di«»ngeklagten sind einfach di« vpser von falschen Zeugen. Meineid. Z-Nungsgeschalltz, Lug und Betrug. Ist Euch diese« neu? Höchst wahrscheinlich...„ m.cht eine Person au» hundert im ganzen Lande hat di, geringst« Idee von den wirll'chen Thatsachen dieses Justizmar�s, der in Chliuga »an kapitalistischen Miithlingen geplant«ard«. Und««um nicht? Einfach, weil es im ganzen Lande kein halbe» Dutzend Tageszeitungen gibt, die jemals die Thatsachen in Betreff der Angeklagten veröffentlicht haben, oder die nur die geringste Sbsichi gehabt haben, diese Thatlachen zu veröffentlichen. Nicht ein halbes Dutzend, die auch nur einen Versuch gemacht haben, diese That'achen zu erlangen. Nicht ein halbes Dutzend, die diese Thatsachen ve öffentlicht hätten, auch wenn sie dieselben gratis erbalten hätten. Die Tagespreise der Vereinigten Staaten wird Haupt- sächlich geeignet von sehr„gewöhnlichen" Kapitalisten und reduirt von sodvmiterischen Söldlingen, von dem gemeinsten, schleichendsten, dümmsten, brutalsten und feigsten Repliliengezücht in Menschengestalt auf der Erd> oberstäche. E i e Thatiachen berichten? S i e die Reden von Spies und Parsons berichten, wie sie wirtlich geHallen wurden? Sieden Ar- b-itern helfen, indem ste die Beschwerden und Leiden derselben bekannt machen? Nichts dergleichen! Ihr System, wie sie istr Geschäft betrieb, wird am deutlichsten von einem von ihnen chmalter-sut, von einem gewissen G. P. English, einem Reporter der„Chicago Tribüne". „Ehe ich nach der Versammlung ging," bezeugte dieser kleine Ver- theidiger unserer Freiheiten,„waren meine Instruktionen von der Tri» büne-Office, daß ich nur die aufrührerischen Theile der Reden aufnehmen sollte." ZZo» dieser Probe urtheilt auf alle. Sie haben alle um die Verurtbeilten eine Verschwörung gewoben, eine Verschwörung von B> trug und Falichheit, mit der Abstcht, sie im Dunklen zu zerschmettern, ui.d ihnen sogar ihre letzten Forderungen aus ein Ver- hör zu entstehen l Wenn die Prozeffion der mit dem Talar bekleideten Idioten, bekannt als das Supreme Gericht von Illinois, auch nur eine Ahnung von Achtung für ihre hohe Siellunz gehabt halten, die sie so surchtbor pro« stitulrl haben, so halten ste die ganzen Verhandlungen des niedrigeren Gerichts mit einem Dutzend bezeichnender Zeilen für ungültig erklärt, die dann wenigstens das Verdienst gehabt hätten, auf„Thatsachen be- gründet" gewesen zu sein, und hätten einen neuen Prozeß angeordnet. Daß die Männer, die das niedrigere Gericht bildeten, sich mit Absicht verschworen halten, die Angeklagten zu ermorden, ist ganz sicher. Nach- dem er durch illegale Methoden ein- Berurtheilung erlangt batte, hielt Richter Gary daran fest„wie der grimm« Tod", einfach, weil ein neuer Prvz.ß so viel bedeutet, als daß die Geiangenen unw derbringlich seinen mörderischen Klauen entr ffen würden. Ein anderer Grund dieser richter» lichen Meineidigen, um-inen neuen Prozeß zu verweigern, war Zeit« Verschwendung und die Unkosten. Schein-Grllnde anzugeben, wenn etzr Massenmord geplant wird! Es ist leicht möglich, daß Spies und seine Freunde in einigen ihrer Lehren und Mei Hoden geint haben, doch lann man dieses auf keinen Fall als ein Vee brechen bezeichnen, auf dem Tadeesirafe steht, da sie niemals Anspruch auf Un- sehtborkeit gemacht haben." So ein Amerikaner, dem, wie die„Newyorker Volksztg.", der die vorstehenden Auszüge entnommen sind, schreibt,„das Herz auf dem rechten Flecke sitzt, und dem der Sinn für Freiheit und Meuschenrechle in dem kapitalistischen auf den Despotismus zusteuernden Getriebe unserer Zeit noch nicht abhanden gekommen ist." In den nächsten Tagen bereits muß die Angelegenheit zur Entscheidnng kommen. Für den Fall, daß das Oberbundes- gericht in die Revision eintritt, hat General Benjamin Butler, der frühere demokratische Gouverneur von Massa- chusettS, die Vertheidigung der Verurtheilten vor diesem Ge- richlshof übernommen. Aber es steht noch nicht fest, ob die Formfehler— denn um diese handelt eS sich zunächst— von den Herren für genügend erachtet werden, in eine Revi- sion einzutreten. Ohne hier an ein bekanntes Sprichwort zu erinnern, wollen wir nur hervorheben, daß in der kapitalistischen Presse mit wahrem Hochdruck darauf hingearbeitet wird, Stimmung für die Vollstreckung des Bluturlheils zu machen. Die bedrohte Ausbeuterordnung lechzt nach Genugthuung. Unter diesen Umständen ist eS dringende Pflicht Aller, die von der Ungerechtigkeit des Chicagoer Bluturtheils überzeugt und von dem Wunsche durchdrungen sind, die Ermordung von sieben, für die Sache der Unterdrückten begeisterter Män- ner zu verhüten, ihre Stimme zum Protest gegen das Urtheil und seine Ausführung zu erheben. In Amerika ist die darauf gerichtete Bewegung in vollem Gange, Tausende von Petitio- nen sind im Umlauf und werden massenhaft unterschrieben, in denen die Begnadigung der Verurtheilten verlangt wird; in Chicago haben die meisten Mitglieder aller Arbeitervereine, gleichviel ob konservativ oder revolutionär, unterzeichnet, die Stadt New-Jork allein wird, wie daS Komite berichtet, 50,000 Unterschriften liefern, und darunter viele von Bürgern in hervorragenden Stellungen. Und diese Bewegung wird ent- schieden an Kraft gewinnen, wenn der Protest gegen die Hin- richtung auch von Europa her ertönt. Sage Niemand, daß das eine ungerechtfertigte Einmischung in die inneren Ange- lcgenheiten der Vereinigten Staaten wäre. Die Bevölkerung derselben hat ihrerseits oft genug in gleicher Weise Stellung genommen zu Fragen der inneren Politik der europäischen Staaten. Wir erinnern nur an die massenhaften Protest- Demonstrationen gegen die irische Politik der englischen Re- gierung, die in dem letzten Jahrzehnt in Amerika ftattgefun- den. Die Sache der Menschlichkeit ist eine den Angehörigen aller Kulturländer gemeinsame, keinem Land darf das Privi- legium eingeräumt werden, ihre Gebote mit Füßen zu treten. Ganz besonders aber obliegt es, wir wiederholen es, den Arbeitern, ihre Stimme gegen den Justizmord in Chicago zu erheben. Die Verurtheilten haben, wenn auch mit verkehrten, nach unserer Ansicht zu verwerfenden Mitteln, nach innerster Ueberzeugung für die Arbeitersache gewirkt, kein Arbeiter, der auf die Ehre seiner Klasse hält, wird daher die Sache der Verurtheilten im Stiche lassen. Die deutschen Arbeiter verhindert ein infames KnebelungS- gesetz an der freien GeUeudmachung ihrer Auichauungen. und die deutschen Machthaber werden dann am allerwenigsten von ihrer Befugniß der Mundtodtmachung Abstand nehmen, wenn es sich um Proteste gegen die ihnen so an'S Herz gewachsene Todesstrafe handelt. Könnten die Arbeiter Deutschlands sich regen, sie wären sicherlich unter den Ersten, die sich dieser Protestbewegung anschließen. Es ist ihnen die» aber leider nicht möglich, und so halten wir uns berechtigt, daS in ihrem Namen zu thun. Im Namen der Hunderttausende deutscher Arbeiter und der zu ihnen haltenden Bürger, die treu zur Fahne des Selbst- bestimmungörechtes der Völker stehen, protestiren wir dagegen, daß Männer den Tod von Henkershand sterben sollen, weit ihre Meinungen den herrschenden Klassen deS betreffenden Landes schädlich erscheinen; protestiren wir dagegen, daß einv Strafe vollzogen werde, die auf einem Urtheile beruht, das> politischer Haß und Ktassenvorurtheil diktirt. Wir protestirew dagegen, daß die organisirte Gesellschaft ohne Roth siebe» Menschenleben vernichtet, sie, die doch nicht im Stande ist� auch nur ein einziges wiederherzustellen, wenn sie sich hinterher von der Unschuld des vermeintlich Schuldigen überzeugt. Wie protestiren dagegen im Namen der Freiheit, der Gerechtigkeit nnd der Menschlichkeit. Und wer gleich un» denkt, schließe sich diesem Proteste anc Die hungernden Schulkinder. Aus der Wiener„Gleichheit"� Seit sechs Wochen beschäftigt sich die Wiener Tagespresse mit der: Frag« der hungernden Schnltinder. Wie ein Blitz vom heiteren Himmel! traf die Bourgeoisie diese Nachricht auS einer anderen Welt. Ja, aus' einer anderen Welt! Die hungernden Kinder, um die eS sich handelt, leben zwar nicht weit? von den glänzenden Palästen, ste gehören aber der Welt der Armen und Enterbten an, von der die andere Welt, die der Satten und Zusriede» nen, nicht weiß, wie sie lebt, ja es nicht wissen will. Nun luflet ein Retakteur der„Presse", dessen gute Arstchten wir gerne anerkennen wollen,«in wenig den Vorhang, und die Reichen sind gezwungen, eur Glied der unendlichen Kette des Glends zu erkennen. Man entdeckt einem verdächtigen Ranch und eilt, zu löschen, ist aber ängstlich bemüht, nichd zu erkennen, daß das klein« Feuer, das man löschen will, ein winzige» Theil der großen Feuersäule ist, die der Vulkan, auf dem man sorglo» tanzt, Tag für Tag auswirst. Man hatte gar keine Ahnung davon, daß es möglich wäre, daß Kinder, unschuldige Kinder, Tag für Tag hungernt» die Schule besuchen; wir begre>s-n ganz wohl und freuen uns darüber» daß man statistijch die Zahl der hungernden Schulkinder erforschen will» halten es oder für ein Zeichen außerordentlicher Uiikenntniß, daß man. die Thalsache überhaupt erst entdecken mußte. Wooon, Ihr wohUhäligen Fabrikanten, sollen denn die Kinder leben» deren Eltern Ihr au» der Arbeit entlaßt» woher sollen die Zehntausend« von Arbeitslosen, diese große industrielle Reserve-Almee, die Euch sw billig produziren läßt, woher sollen dio nehmen, daß ihre Kinder gesät? tigt die Schule besuchen können? Es gehört wahilrch Blindheit dazu, sich über daS Vorhandensein vom hungernden Echuttindern zu wundern; weit mehr mußte man erstaunt sein, daß nur>o wenige hungern. Bevor wir dieS unrersuchen, wollen wir aus dem reichen Material«» das die„Presse" mittheilt, ErnigeS zum Abdruck bringen. Sie führt an,„daß Kinder vor Hunger in oer Schule eingeschlafen! sind, daß Eltern den Kindern, die sie nicht ernähren können, Brannt» wein zu trinken geben, um den Hunger zu betäuben, und daß dann di» Kmver betrunken in die Schule kommen! Ei Hebungen der Schulleiter' haben folgendes Resultat ergeben, daß IIS Kinder überhaupt keim Wittagmahl, 324 Schulkinder öfter kein Mittagmahl, 585 Schul» linder im Allgemeinen Nahrungsmangel, 266 Schulkinder Mittags nur ein Stück Brao, 184 Schulkinder kern warmes Mittagmahl und SlXd Schulkinder Mittags nur Brod und Kuffee oder Grmüse erhielten." Dabei gaben die Schulleiter a», daß die Zahlen im Winter bebeutenit wachsen, und an einer Schule allein wird die Zahl der zeitweise hun? gernoen Kinder mit mehr als 400 angegeben. Diese Zahlen werden bedeutend größer, wenn man auch die Kinder hinzurechner,.welche ab und zu hungern müssen» weil, dir Eltern am solchen Tagen Nichts oerdienen. Wrr können das ganze Material nicht mittheilen» und verweisen auß den Lokal- Anzeiger oer„Presse" vom 6. dS. Mis. In untenstehender Tabelle sind vre hungernden Schullinder, nach den. einzelnen. B-zirlor ausgeführt: Schulen. Bezirke ahne mit Zahl der hungernden Schulkind.«». I. 10 2 8; II. S 21 882; III. U I& 274 IV. 8 84 V.— 18 36* VI. 2 12 166; VII. t 10. 77' Vm. t? 53, IX. f? 200, X.— sämmtliche 1088. Bon den Bororten ist in der ganzen Artilel-Lerie der„Presse">«r einmal, und zwar auch nur ganz nebenbei, di« Rede, und doch sagen j». die Zahlen für den Bezirk Favoriten deutlich genug, daß die Roth vor. den Linien noch eine unendlich größere ist al» innerhalb derselben. Wir glauben, daß sich die Behauptung leicht beweisen ließe, daß in Meidling oder Ottakrmg allein mehr Schulkinder hungern al» im I. bis IX. Be» zirl«. Warum hütet man sich, den Schleier weiter zu lüften? Man hat: wohl schon genug von dem, was man bisnun erfahren hat. Man ahnt» daß Wien geradezu abnorm günstig« Verhältnisse hat, daß eS eülß Glück sür die Slabt Wien ist, die ja zum großen Theil ihren ReichthiU4 aus den Vororten zieht und dafür immer mehr die Armen in dies» hinausdringt, daß es sür die Reichen innerhalb Wien» leicht möglich»st, durch Saiuenluugm die sozial« Frage zu lösen.. Heute ruft Alles:„Hier muß geHolsen werben l" Wenn wir aber den Schleier nur vom Kinder elend ganz«egziehen. kSMen» wenn wir da» Elend der Kinder in den Wiener Vororten, in allen Jndustriebezirken, in den Gegenden mit„blühenden" Hausindustrien, mit Millionären er- zeugenden Kohlenwerken, bei den ArbeUern und Kleinbauern de« Land- «iithichaft zeigen könnten, wenn wir«S noch so wahrheitsgemäß darstellen könnten, wenn wir es noch so herzergreisend schildern wollten, man würde unS entgegnen, die Sache sei nicht wahr; es sei nicht so arg i es sei«ine Fügung Gottes; eS sei immer so gewesen; eS muß eben Arme und Reiche geben u. s. w. So würde stch die zufriedene und denkfaule Masse dieser Frage gegen- über verhalten, wenn sie für ein ganzes Land gestellt würde. Und die wenigen Egoisten, die das Denken nicht ganz oerlernt hatten, werden ausrufen:„Nach unS die Sündfluth! Tanzen wir nur weiter auf dem Vulkan und freuen wir uns des Lebens, machen wir uns keine Sorge darüber, daß an unseren Kindern alles sich rächen wird." Heute läuft man mit dem Klingelbeutel herum, gründet Vereine, um den Kindern ihre Mittagskost zu sichern, vor einer nur halbwegs ener- gischen Maßregel schreckt man zurück. Als in Paris vor einigen Jahren die gleiche Frage auitauchte, da entschloß stch die Gemeinde, die Kinder unentgeltlich zu beköstigen, ja sie that viel mehr, sie führte neben der allgemeinen Schulpflicht die allgemeine Pflicht ein. sich Mittags von der Gemeinde beköstigen zu lasten. Mit einer Fsinsühligkeit, die unserem „gemülhlichen" Wien fern liegt, war der ganzen Maßregel hiermit der Charakter deS Almosens genommen. Das Kind des Millionärs, des Ministers fitzt am gleichen Tische und ißt aus derselben Schüssel mit dem Kind des Tagelöhners und des Arbeitslosen. Freilich, im Pariser Ge- meinderaih sitzen„berüchtigte Kommunards", im Wiener aber„berühmte Patrioten". Bei uns hütet man sich davor, die Bourgeoissöhnchen in schlechte Gesellschaft kommen zu lasten, und ist eifrig bemüht, die Klasten- gegensätze vom 6. Jahre an zu erwecken. Nun, uns kann es recht sein! Als man in allen Zeitungen zu sammeln begann, erboten sich«ine Reihe Personen, armen Kindern einen Freitisch zu gewähren. Wir hosten, daß man wenigstens diese nicht akzeptirl hat. Da sollen die Proletarier- linder lieber noch recht schlechtes trockenes Brod esten, alS Tag für Tag die Abfälle von den Tischen des Reichen z« erbetteln und Demüthigungen erleiden zu müsten. Da wir vorläufig noch nicht aus eigener Kraft das Elend aus der Welt schaffen können, so freut eS uns wenigstens, wenn man immer mehr von demselben erfährt, wenn die Eikenntmß über die bestehenden Zustände in immer weiteren Kreisen wachgerufen wird. Bei uns ist da- mit erst der Anfang gemacht worden! Unsere offizielle Statistik kümmert sich um Alles lieber als um die ökonomische und soziale Lage der Be- völkerung, private Untersuchungen werden von maßgebender Seite eher erschwert als gefördert, so daß wir heute noch aus einem so niedrigen Niveau sozialer Erkenntniß stehen, daß man ganz naiv eine Frage wie die der hungernden Schulkinder durch die private Wohlthättgleit aus der Welt schaffen will, wo man doch endlich einsehen sollte, daß man die hungernden Schulkinder nicht aui der Welt schaffen kann, ohne den Eltern genügendes Einkommen zu verschaffen. Man kann schon auS dem bisher in den Zettungen veröffentlichten Materiale ersehen, daß nicht nur uneheliche Kinder oder solche, deren Eltern arbeitslos sind, hungern müsten, sondern auch solche, wo sich Vater und Mutter oder gar Beide von Morgen früh b»S Abends spät schwer abrackern müsten, ohne für stch und ihre Kinder genug auf tag- liches Brod zu verdienen. Vor den tieferen Ursachen des UebelS verschließt man aber geflistent- lich Aug' und Ohr, und mit Recht! Würde die Bourgeoisie die letzten Ursachen nur in dieser einen Frage der hungernden Schulkinder, die sie jetzt beschäftigt, erforschen wollen, sie würde ganz gegen ih en Willen und zu ihrem höchsten Erstaunen gleich, eitig die Wurzel aller übrigen sozialen Krebsschäden entdecken. Auch sie würde einsehen müsten, was sie nicht einsehen will, ja nicht darf, was das Proletariat aber schon längst erkannt hat, daß man weder eine einzelne, noch die soziale Frage überhaupt endgiltig und sicher lösen kann ohne gründliche Neugestaltung der Gesellschastsordnung. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 26. Oktober 1887. — Man schreibt uns:„Die schärfere Tonart hat in St. Galleu gesiegt," jammert die deutsche Reptilienpreste. Ist's wahr? Ja und Nein! Nein, wenn damit gesagt sein soll, daß in Bezug auf die politische(— parlamentarische und sonstige—) Thätigkeit der Partei irgend eine veränderte Auffassung Platz gegriffen habe. Das ist nicht der Fall. Wer die Berichte der verschiedenen Kongresse der Partei liest, wird finden, daß der vorwiegend agitatorische Zweck der parlamentari- fchen Thätigkeit stets betont, aber auch stets— ebenso wie auf dem letzten Parteitag— die Unfruchtbarkeit der ausschließ- lichen Negation anerkannt wurde. Die Partei hat also in dieser Bezrehung durchaus ihren alten, durch das Prinzip und die Logik ihr vorgeschriebenen Standpunkt bewahrt. Eine Partei, welche ein festes, klares Programm hat, und ihre politiiche Aktion von Prinzipien abhängig macht, kann nicht willkürlich ihr politisches Verhalten wechseln, wie man das Hemd wechselt. Und Umstände, welche die deutsche Sozial- demokratie zu einer veränderten Taktik zwingen könnten, sind bisher Nicht«ingetreten. Unsere bisherige Taktik gegenüber dem Soziaüsten- gesetz und dessen Urhebern und Vollstreckern hat sich so vortrefflich er- wiesen und der Partei so große Erfolge gebracht, daß sie aus Tollhäus- lern bestehen müßte, wollte sie nun die Bahnen einer anderen Taktik einschlagen. Das kann später möglich werden— jetzt aber wäre ei der reinste Wahnsinn. Also«ine veränderte Taktik ist in St. Gallen nicht beschlossen wor- den, und sogar die Resolutionen betreffend dai Verhalten anderen Par- teien gegenüber entsprechen genau dem, was aus den früheren Kongressen beschlosten wurde. Und doch ist ein S j e g der„schärferen Tonart" zu verzeichnen— wenn auch nicht in dem Sinne der deutschen Polizeiblätter. Nicht daß zwei verschiedene Tonarten im Kampf mit«inander gewesen wären- WaS die Polizeiblälier von derartigen Differenzen und Konflikten er- Iählen, ist eitel Schwafelei. Aber in der ganzen Partei istetne chärfere Tonart zur Herrschaft gekommen. Unter den obwaltenden Verhältnissen konnte und kann kein Genosse mehr«ine sogenannt«„mildere Tonart" oder„gemäßigtere Richtung" befürworten. Der St. Gallener Parteitag hat einfach die Echan d- thaten der„Aera Puttkamer" quittirt." So die Zuschrift. Sie bestätigt, wie man sieht, Alles, was wir im Leitartikel der vorigen Nummer geschrieben. — Der Beschluß des Parteitag», welcher sich auf die Stel- lung der Sozialdemokratie zu den Anarchisten be- zieht, schreibt man uns weiter, liegt dem deutschen Polizeigeschwister von allen gefaßten Beschlüssen am schwersten im Magen, denn er macht eS den Herren für die Zukunft unmöglich, den Wauwau, welchen sie sich künstlich angefertigt und auf den Namen Anarchismus getaust haben, für das richtige Konterfei der deutschen Sozialdemokratie auszugeben. In ihrem ohnmächtigen Grimm deuteln und nörgeln sie an der fatalen Resolution herum, und finden allerhand daran„bedenklich". Namentlich, daß die Verantwortlichkeit für gewisse Verzweiflungsthaten den Aechtern und Verfolgern der sozialdemokratischen Emanzipalionsbestrebungen auf- gewälzt wird. Das soll eine„bedenkliche Schwenkung nach links" sein,«ine„bedenkliche Konzession an die Propaganda der That". Papperlapapp! Nur kein albernes Geschwätz, ihr Denunziantenoolk. wa» da ausgesprochen ist, ist mcht blos die W a h r h e i t. wie I h r selbst sehr wohl wißt— denn daß der Verfolger für den von ihm provozirten Straf- oder Rache-Akt des Verfolgten die moralische Verantwortlichkeit hat, ist seit Jahrtausenden anerkannt— «S ist auch im Reich« tag von den Rednern der Sozialdemokratie wieder- holt scharf und bestimmt ausgesprochen worden— von Liedknecht z. B. direkt mit Bezug aus Most. Also von„Schwenken" keine Spur. Die deutsch« Sozialdemokratie läßt sich blos nicht von dem Boden, welchen sie tnne hat, wegdrängen. Das ist Alles. — Nur mit aufrichtigem Bedauern vermag man ven nach- folgenden Bries zu lesen, den einer der oerurtheilten Chicagoer Anar- chisten, Louis Lingg, nach Bekanntwerden des Obergerichts-Ent- scheides an einen seiner Freunde gerichtet, und den dieser in der Chica- goer„Arbeiterzeitung" veröffentlicht hat. Mit ausrichtigem Bedauern über die Selbsttäuschung, über dt« Verblendung, dl« aus dem Briese spricht, der anderseits von einem Mut he zeugt, dem wir zuletzt die Anerkennung versagen dürfen. Man höre also: „Cook County Jait, 20/9. 87. Lieber Freund! Wie ich aus Deinem letzten Schreiben zu ersehen Gelegenheit habe, hat Dich die zu erwartende Bestätigung deS„famosen" Unheils, im Gegensatz zu mir so aufgeregt, daß es scheinen möchte, als könnte ich Dich trösten. Und faktisch, wenn Du heute Gelegenheit gehabt hättest, an meiner Unterredung mit der schönen Heidelbergerin theitzunehmen, würdest Du meine Befähigung, Andern die Situation durch Lachen und Scherzen vergessen zu machen, sicherlich anerkennen. Kapitalistische Lohnschreiber freilich und ähnliches Gezücht findet einen solchen Gleichmuth, oder richtiger Galgenhumor unbegreiflich, weil ihnen jedwedes Berständniß einer idealen Begeisterung abgeht WaS nun die Stimmung unter dem Volke selbst betrifft, so ist selbe in Bezug auf den Protest wirklich zufriedenstellend. Anoer» jedoch be- züglich des Forderns. Sich mit einer Begnadigung zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe zu- frieden zu geben, ist einfach eines freisinnigen Mannes unwürdig. Sage mir nicht, daß dann die Agitation noch nicht aufhöre, denn ein« solche könnte nur— wenn Erfolg findend— in Kompromissen mit der kapitalistischen Partei enden, wiS Korrumpirung der Arbeiterbewegung bedeutet. Mir will eS aber scheinen, als ob manche sozialdemokratische Führer solches lieber sähen als das rapide Umsichgreifen einer echt revo- lutionär-anarchistischen Bewegung, was unsere„gesetzliche" Ermordung unzweifelhaft im Gefolge hat. Ich hingegen bin anderer, entgegengesetzter Hoffnung und werde des- halb meinerseits»ich! nur eine„Begnadigung", sondern auch die weitere „Appellation" an das Oberbundesgericht— dem höchsten Institut der monopolistischen Geldsäcke— hintertreiben. Jetzt würoe die Ausführung kavitalistischer Brutalität ihre besten Flüchte zu Gunsten de- Ardeiter- fache t-agen, nach 3— S Jahren, während wir hier fitzen, weiß der Teufel, wie die Stimmung ist. Und was würde unterdessen sein? Den Geld- protzen kann es natürlich nur lieb sein, wenn die Arbeiter Zehntausend« von Dollars aus dem Beschreiten des gesetzlichen Weges ausgeben, denn unterdessen beginnen sie— die Arbeiter— nichts wirklich Reoolutio- näreS. Aber ich und mein Freund Engel— vielleicht auch Parsons und Fischer— sind eben den Ausbeutern nicht so gefällig, um da mitzu- machen. Dem Volke erst noch beweisen, daß eS wirklich keine Versammlung»- und Redefreiheit besitzt? Unsinn! Wem das durch die letz'jährigen Erfahrungen polizeischuftiger Will'ür und nun durch die BestSeizunq unseres Urtheils durch die „hohen" Gesetzeshallunken noch nicht begreiflich gemacht worden ist, wird es auch nrcht durch eine vorauszusehende Bestätigung seitens der höchsten Gesetzeshallunken und Monopolkreaturen begreiflich gemacht werden. Im Gegentheil! Ich behaupte, daß solche einseitige Menschen erst recht an Gesetz und Autorität glauben würden, weil das Urtheil„dreimal gefällt" und dem- nach doch„gerecht sein müsse!" Also, mon eher arni, mit der Fortfetzung der Gerechtizkettsseuche meinerseits„is nich!" Mögen die heutigen Machthaber thun, waS sie nicht lassen können, und— darnach ernten. Näheres kannst Du auS unseren Organen, vorzüglich„Freiheit" er- sehen.-- Louis Lingg." Man braucht nur einen Blick in die amerikanische Arbeiterpresse zu werfen, um stch zu überzeugen, wie grundfalsch dt- VorauSietzunzen sind, von denen der Briefschreiber hier ausgeht. Nicht nur steht die Arbeiterschaft nicht zur Aktion bereit hinter ihm und seinen Freunden, die vorgeschrittenen Elemente derselben haben auch alle Müh«, die Masse nur zur Unterstützung der Begnadigungsgesuche zu be- wegen. AuS diesen fallchen Voraussetzungen erklärt sich auch der Haß, den der noch sehr jugendliche Louis Lrnzg gegen die„sozialdemokratischen Führer" hegt, den diese aber keineswegs zurückgeben. —„Da» Sozialistengesetz hat seine erzieherische Wirkung noch nicht vollendet," orakelt Pindter- Bismarck oder Bismarck- Pindter in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitunqs" mindert worden. In der Schuh- und Stiefel-Fabrika- tion verrichten jetzt 600 Mann, was vor fünfzehn oder zwanztß Jahren 2145 leisteten. Die« sind nur einig« Beispiele von vielen. Das einzige Ausgleichsmittel für den Arbeiter auf dem Boden de< heutige« Gesellschastsordnung wäre eine im entsprechenden Verhältnis fortschreitende Herabsetzung der Arbeitszeit. Aber zu einet solchen wird die kapitalistische Unternehmergesellschaft stch nie entschließe»- Sie wird, im günstigsten Falle, langsam und in gewisser Ealfununi nachhinken, aber auch nicht mehr. Der moderne Kapitalismus brauV «inen stet» übersülllen ArbeitSmarkt, er braucht Arbeiter, die sich u»l jeden Preis anbieten, und daher wird ein wiiklich den Gesellschaftt' bedürsnissen enlsprechender Normalarbeitstag in der heutigen Gesellschas- nie verwirklicht werden. — Kann auch nnr In der Schweiz vorkommen. In Alto«! soll die Kaserne zumKantonsschulgebäude u m g e b a u> werden. In Deutschland wird man bald vor Kasernen übel' Haupt keinen Platz sür Schulen find-n. g°I f»l sch an Ne kei Vi sp tu «1 te, m T m. Der Hol'Meiuelds-Pfass— an den HSfm herrscht ja der Meineid, und solgUch gehört auch der Meineids-Pfaff an den Hos— also der Stöcker ist neuerdings ein ziemlich stiller Mann geworden. Manchmal aber redet er noch und macht von stch reden. Da finden wir z. B. in der„Leipziger Zeitung", dem amtlichen Organ der säch- fischen Regierung— wir vergessen das nie hinzuzusügen, denn blos weil die„Leipziger Zeitung" daS amtlich« Organ der sächsischen Regie- rung ist, erwähnen wir sie— in der Rummer vom 13� d. Mts. sol- gende Etil- und GeisteSblüthe, die unter dem offiziellen Scheffel hervor- S«zogen und der Oeffentlichteit überliefert werden muß:„Zur Praxis er Abzahlungsgeschist e". Aber was hat denn der Meineids-Pfaffe mit den Abzahlungsgeschäften zu thun? fragt unwillig«in Leser. Rur Geduld! Beide haben viel mit einander gemein— beide betrügen und belügen die Menschen und beide— doch bringen wir die Roliz. Sie lautet wörtlich: „Zur Praxi« der Abzahlungigeschäste. In einem Vor- tröge über SbmhlungSgeschäste, den er vorgestern in Berlin hielt, zitirte Hofprediger Stöcker auch einige„Gedichte", wie sie aus den Straßen vertheilt werden. Da heißt eS z. B. in einer dieser Schristen„poetisch" nach«wer Melodie aus dem„Trompeter von Säckingen": „Es liebte Konrad lange die Luise, Sie war das Theuerste ihm auf der Welt; Doch ihre schlimme Eigenschast war diese: Sie hatte eben Alles nur kein Geld! Der Kummer war in Beider Blick zu lesen— Heirathen ohne Geld fällt Niemand ein. Sie seufzen still: Es wir' so schön gewesen— Doch, lieber Gott, es hat nicht sollen sein! Da kam ein Freund— er war gelernter Schneider— Zu Konrad einst und ries: Jetzt komm mal mit l .......... gibt Euch Möbel, Wäsche, Kleider, Kurz, waS zur Heirath nöthig, auf Kndit! Vier Wochen später war im Blatt zu lesen: „Verehlichl Konrad Bolz und Lieschen Stein." Bolz sprach: Mein Freund, dein Rath ist gut gewesen l B-Hüt dich Gott, er könnt nicht besser sein!"— GS ist unglaublich— bemerkt Hosprediger Stöcker weiter—mit welcher Frechheit da selbst der Name GotteS mißbraucht wird, um ein Geschäft zu machen! Was für Jmmoralität in solcher Weise ins Volk hinein- geworfen wird, ist kaum zu sagen!" Dies die Notiz. Ja, wahrhastig, eS ist unglaublich, mit welcher Frechheit„selbst" der Name GotteS mißbraucht wird. Warum hat auch der abzahlungsgeschäftige Jude, um feine Waaren an den Mann zu bringen, statt schlechter Lerse Nicht«inen guten Meineid zurechtgestöckert! Bei einem solchen kann von einem Mißbrauch„selbst" des Namens Gottes,„so wahr mir Göll helfe," absolut nicht die Rede sein. Aber freilich, nicht alle tugendhasten Leute bringen«S zum Hosprediger. — Welcher Richtung mag dieser Redner wohl angehören? Wir lesen in einem englischen Bericht über eine Protestoersammlung gegen die Hinrichrung der Chicagoer Anarchisten: „... schilderte die Chicagoer Affäre als einen Akt der Verg ltungs- theorie, begangen an Gefangenen, die in dem ausgebrochenen Bürgerkri g zwischen den zwei großen Klaffen gemacht woiden. Gegen diese Vergel- tungetheoiie müssen wir unausgesetzt protestiren, sie führt ganz unver- Weidlich zur Grausamkeit und Ungerechtigkeit. W.nn sich der Kamps noch verschärste, so würden solche Dinge stch mit Naturnothwendigkeit häufiger wiederholen. Kein Volk darf die Angelegenheiten deS andern Unbeachtet lasten, das Wesen der Arbeiterbewegung besteht in ihrer Jnternationatilät, das Unrecht, da« dem einen Theil geschieht, geschieht allen. Und da sie nicht zur Rache anrathen, und so ihm„Lenkern" im Begehen von Unrecht folgen können, so sollten die Arbeiter jeden LandeS die Arbeiter der andern zum Protest gegen solch» Vorgänge wie die Ehicagoer auffordern." DaS klingt recht verständig, aber zugleich auch recht— gemäßigt. W r aber war es, der so gesprochen? Kein geringerer alSKrap otkin, der Anarchist und Verächter der„gemäßigten" deutschen Sozialdemo- kratie, Krapotkin. Kein deutscher Sozialist könnte, und kein deutscher Sozialist würde über die gleiche Sache gemäßigter reden als eS Krapotkin hier gethan. Und wohlgemerkt, der Bericht rührt nicht etwa aus einem Blatt, das ein Jntereff« daran haben könnte, Krapotkin's Red- zu säl- schen, sondern aus dem. den Anarchisten und speziell Krapotkin sehr wohlwollend gegenüberstehenden„Commonweal". Wir dürfen also feine Lesart als authentisch annehmen, und dies mit um so mehr Recht, wenn wir uns daran erinnern, daß Krapotkin schon vor einigen Jahren sich vor der Oeffentlichkeit ähnlich„gemäßigt" äußerte. Es war dies vor dem Gerichtshof in Lyon. WaS Krapotkin da von der Vermeidung von Blutvergießen gesagt, konnte der gemäßigste Sozialist mit Vergnügen «nteischreiben, und seine Eiklärung der Revolution unterscheidet sich in Nichts von der, die Liebknechl seinerzeit im Leipziger HochverrathSprozeh gegeben. Wir stellen das fest, nicht um Krapotkin Feigheit oder der- gleichen vorzuwerfen, sondern um zu konstatiren, wie im gegebenen Mo- went die Logik der T h a t s a ch e n die Anarchisten dahin führt, wider Willen das Falsche ihrer Taktik einzugestehen. Selbst die radikalste Theorie schafft die Thatsache nicht aul der Welt, haß, wie Liebknecht in seinem Referat auf dem St. Galler Parteitag fich ausdrückte, zu einer Zeit, wo unsere Feinde die Gewalt in Händen den, der Appell an die Gewalt ein Appell an die Gewalt der e i n d e ist. Einen behcrzigenswerthen Ausspruch deS verstorbenen preußischen Demokraten Franz Ziegler finden wir in der„Frank- Jurter Zeitung" vom 21. Oktober(Abendblatt) zitirt. Am Schluffe eineS Artikels über da« Wirken der Bamberger, Forkenbeck, Lasker ,c. wäh- rend der Jahre 18S7 bis 1877 heißt es: „Und waren fie nicht hundertmal gewarnt durch diese? unerbittliche Tribunal(die Geschichte)? Niemals beredter, gewaltiger, als es im Jahre l8üg au« dem Munde von Franz Ziegler geschah mit den Worten:„Ich unterscheide mich von den Herren hier(den Nationalliberalen) fast gar Nicht, nur in einem Wenigen: fie find jünger, fi« sind Männer der 6 hat..., fie woll.m helfen, sie wollen mitwirken..., ich kann das nicht , glaube, daß selbst da» Gut«, zu unrechter Zeit und an unrechter Stell« gethan, etwas Böse» wird... Und ich will nicht verschweigen, waS mich einschüchtert: ein« furcht- bare Jugenderinnerung. Ich war noch-in ganz junger Rann, «ls Benjamin Constant in derselben Weise wie dies« Herren im Anfang« der dreißiger Jahre gebaut, geglaubt, gehofft, ver- traut, immer wieder mitgewirkt hatte, und alS er endlich sah, wo diffe Sachen hinausliefen, da brach er auf der Tribüne de« Hauses mit dem schrecklichen Ausruf zusammen:„Gott und Menschen muffen mich verfluchen, daß ich dazu beigetragen habe, solche Zustände herbeizuführen!" Da« Zitat paßt allerdings vortrefflich auf diejenigen Nationalliberalen, denen es mit dem liberal im Namm der Partei ernst war, und mancher unter ihnen dürfte fich ähnliche Worte wie die Constant'schen auch schon zugerufen haben. Nach dieser Richtung hin wiederholt der Artikel der Franksurterin nur oft Gesagte». Aber e« paßt nicht nur aus die Nattonalliberalen.„Ich glaube, daß selbst das Gute, zu unrechter §ett und an unrechter Stelle gethan, etwas Böses wird"— hat die rankfurterin und haben ihre Freund« nicht selbst oft gegen diesen Satz gesündigt, haben sie nicht auch oft gesucht und empfohlen,„mitzuwirken," s-Idst wenn dieses Mitwirken in der Praxis daraus hinauslief, einer schoseln, einer schlechten Sache durch einen aufgeflickten Befferung«. antrag einen leidlich schimmernden Anstrich zu geben? Hat nicht erst neulich die„Frankfurter Zeitung" den auf die parlamentarische Thätkz- teit der deutschen Sozialdemokratie am St. Galler Parteitag gefaßten Beschluß, der durchaus dem Geist der Ziegler'schen Aussührungen ent- spricht, abfällig kommentirt? Und welche Haltung nimmt die„Frank- iurter Zeitung" in der auswärtigen Politik ein? Und welche Zolttik empfiehtt sie den französischen Republikanern? Die deutschen Natwnalliberalen, deren Sünden die„Frankfurter Zei- tung" so vortrefflich bloezulegen weiß, gingen seinmett von falschen Voraussetzungen über d>« Machtverhäuniffe und den Charakter der lei- tenden Personen in Deutschland au«, unter dem von ihnen eingenom- wenen Gestchispunkte war jedoch ihr Verhalten immerhin ein logisches. Dg» jann man aber nicht von denen sagen, die das Falsche der Voraus- setzungen einsehen, und doch bei der ersten Gelegenhett— national« liberal handeln. — Greift nur hinein ins volle Menschenleben— ruft Alt- meister Göthe in seinem Prolog zum„Faust" dem Dichter zu, der sein Publikum zu packen wünscht. Wir rathen aber Niemand, diesem Rath des seinerzeit weimarischen Staatsminister» zu folgen, es könnte ihm heutzutage theuer zu flehen kommen. In dem Prozeß deS Kommer- zienrath Vogel in Lunzenau wider den Verleger, B i e r e ck, und verschiedene Verbreiter des Vogler'schen RomanS„Der Herr Kommerzien- rath"— durch welchen Roman der Vogel fich getroff n fühlte, obwohl die Schilderung des Helden des RomanS„nicht vollständig auf ihn paßt"— hat nun das Chemnitzer Landgericht am 20. Oktober„zu Recht" erkannt, daß sich Verleger und Verbreiter— der Verfaffer war durch § 22 deS Preßgesetzes der Hand der Gerechtigkeit leider entzogen— in der That, zwar nicht der verleumderischen, wie der Staatsanwalt beantragt hatte, wohl aber überhaupt der Beleidigung schuldig gemacht, demgemäß Viereck zu sechs Wochen, den Buchdruckerei- besitz-r Walter zu vier Wochen und den Webermeister S t r e u n e in Lunzenau zu einer Woche Gefängniß verurtheilt, und ebenso auf Einziehung sämmtlicher noch vorhandenen Exemplar« des RomanS, sowie auf Unbrauchbarmachung der zum Druck desselben dienenden Platten erkannt. Ein wahrhast salomonisches Urtheil, das hoffentlich demnächst mit rückwirkender Kraft verallgemeinert werden wird. Di« Literatur würde damit um eine ganze Anzahl höchst überflüssiger Pro- dukte, wie den„Don Ouixote" des Miguel Cervantes, so ziemlich den halben Shakespeare und dito Wosiöre, insbesondere den„Tartüsse", „Kabale und Liebe" von einem gewissen Schiller, den Göthe'schen„Faust" u. s. w.„erleichtert" und Raum für Talente ä la Hans Herrig und ähnliche Dichter von Beruf geschaffen, die nur dann in daS„volle Menschenleben" greisen, wenn es sich um— Verdienste großer Männer handelt. — Ein recht wunderbarer Heiliger scheint der Fabrik- Inspektor für Potsdam-Frankfurt a. O. zu sein. Wie auS einer Korrespondenz der Rünchener„Allgememen" hervorgeht, verübt genannter Herr in seinem neuesten Iah esbericht— derselbe liegt unS noch nickt im Original vor— folgende Genialität: „Charakteristisch." heißt eS da,„erscheint eS sür die, wie mehrfach hervorgehoben wird,„offenbar aus fremde Aufreizung (natürlich!„Ausländer, Fremde sind es zumeist") zurückzuführenden Arbeitseinstellungen," daß in solchen Fällen bei ausreichenden, und selbst bei(nach Ansicht der Arbeiter?) hohen Löhnen zum Streik geschritten wurde. Der Aulsichtebeamte sür Potsdam-Frankfurt a. O. hat au« dem Munde von Maurern gehört, daß sie gern arberten wollten, gern 13 Stunden wie bisher gearbeitet hätten, aber nicht durften, weil fie unter dem Banne der Streik-Kommiffionen standen(o, die schändlichen Streik- Kommissionen! Wahrscheinlich haben fie heimliche GensdarmeriekorpS und allerhand„heriliches Militär" zur Verfügung, mit Hülfe deren sie die Arbeiter, die so gern 13 Stunden und noch mehr den Tag ar- beitelen, zwingen, Herabsetzung der Arbeitszeit zu verlangen. Ist keine Hülfe gegen solchen Drang?) Dt« hier im Bauhandwerk auf zehn- stündige Arbeitszeit gerichtete Agitation hatte Erfolg, die Lohnsteigerung — 30 Pfg. pro Stunde— war aber nach der Berechnung des Aus- sichtsbeamten nur eine scheinbare. Die meisten Maurer hätten bei etwas geringerer Lohnsteiaerung gern länger gearbeitet, und eS erscheine auch ganz widersinnig, wenn gerade Saisonarbeiter— wie die Bauhandwerker— welche eigentlich nur sechs Monate im Jahre gut« und sichere Arbeitsgelegenheit haben, ihre Zeit nicht ausnützen wollten. Es ergebe sich daraus ein Lohndefizit von 25 Prozent. Denn die Bau- Periode zähle nur 150—180 Tage, was bei 3 Mark Lohn 450 bis 480 Mark ergibt, während bei dreizehnstündi er Arbeitszeit und 30 Psinnig Stundenlohn 585 bis 824 Mk. herauskomme. Bei der Agitation schune es(und nun kommt das Schöustel) vornehmlich auf Vermehrung des Proletariates abgesehen gewesen zu fein." Wirklich schändliche Kerls, diese Streikbrüder! Streiken auf Herab- setzung der Aibeitszeit, um— das Proletariat zu vermehren! Aver nun sind sie erkannt, und Paitkamer's Streik-E laß ist glänzend gerechtfertigt. Dank dem scharssinnigen Fabrikinspektor sür Franksurt a. O. und— Potsdam. — Wahnsinn der heutigen Wirthschaftspolitik. Wir lesen in deutschen Blättern: „Welche bedeutenden Verschiebungen der Welthan- del unter den heutigen Verhältnissen erfahren hat, dafür gibt das Folgende einen interessanten B-leg. Auf der britiichen Insel Sinqa- pore, welche stch bekanntlich unfern der Südspitze der Halbinsel Ma- laga(muß heißen Malakka) befindet, also räumlich dem Gebiet der Rohr- zuckerproduktion außerordentlich nahe liegt, hat man seit etwa 1'/, Jahren Rübenzucker(Sandzucker) aus Deutschland eingeführt. Die drei dortigen Fabriken konservirter Früchte gebrauchen ihn zum Einsieden derselben und behaupten, daß es sür sie vortheilhaster sei, deutschen Zucker zu gebrauchen, als Peang» oder I va-Zucker, welche viel theurer einständen. Die bedeutendste dieser Fabriken bezog aus Deutsch- land im Jahre 1888 400 Säcke ä 100 Klogramm und im Jahre 1837 bis zum 30. Juni bereits 600 Säcke k 100 Kilogr.; dieselbe ist von der Güte der gelieferten Waare sehr befriedigt." Wenn die Verdrängung des Rohrzuckers durch deutschen Rübenz.cker unter normalen Bedingungen erfolgte, so ließe sich selbstoerstänvlich, immer die heutigen Konkurrenzverhältnisse vorausgesetzt, nichts dagegen einwenden. Das ist aber nicht der Fall, vielmehr ist fie nur möglich auf Grund des famosen deutschen Zuckersteuersystems, bei dem der Händ- ler bei der Ausfuhr beinahe den doppelten Betrag der Steuer„ver- gület" erhält, der in Deutschland für den Zucker, bezw. das Rohmaterial desselben, die Rübe, hinterlegt worden. Um den Mehrbetrag, den er über die bezahlte Steuer erhält, kann er auf dem auswärtigen Markt die Konkurrenz unterbieten, diesen Mehrbetrag aber zahlt der deutsche Steuerzahler, bezw. der deutsche Zuckerkonsument. Er muß den Zucker theurer bezahlen, damit ihn der Konsument, bezw. der Händler im fernen Indien recht billig erhält, und der Javanische ic. Pflanzer Veranlassung hat, seine Arbeitssklaven noch intensiver auizu- pressen als bisher. Der Triumph der deutschen Zuckerindustrie baut sich auf Unsummen menschlichen Elends und menschlicher— Rassinirt- heit aus! — Zur überseeischen LcbenSmittel-Konkurrenz. Wie aus dem Bericht des amerikanischen Generalkonsuls Bosham zu Kalkutta hervorgeht, ist die indische Weizenproduktion im letzten Jahr um nicht weniger als fünf Millionen Zentner gest-gen. In dem mit dem 1. April 1886 beendeten Jahre waren in Indien 27'/, Millionen Acker mit Weizen bestellt, das G-sammt-Erträgniß war 289 Millionen Bush«!(1 am. Bushel— 85,25 Liter). Der indisch« Weizen steht zwar an Qualität dem amerikanischen nach, er wird aber in Europa mit feineren Sorten vermischt und liefert so ein durchaus brauchbares Mehl. Bei den billigen Arbeitt krästen Indiens kann dieses, trotzdem der Ackerbau dort noch in altmodischer Weise betrieben wird, erfolgreich mit Smerika konkurriren, und desto erfolgreicher mit Europa. Der General- konsul wünscht, die Meinung, die man bisher in Amerika aus Grund früherer Konsularberichte hatte, daß nämlich die Vereinigten Staaten die indische Konkurrenz nicht zu fürchten brauchen, zu zerstören. Diese Konkurrenz existirt bereit« und wird, je größere Fortschntte das Trans- portwesen macht, sich um so fühlbarer zeigen. Wie gesagt, das festzustellen ist ebenso wichtig sür Europa. Sowohl sür die Getreide ausführenden als für die Getreide einsührenden Länder, deren Verhältniß zu Elfteren damit wesentlich verändert wird, während hier wie dort die Revolution der landwirthschaftlichen Verhältnisse immer weiter um sich greift. Der sogenannte Schutzzoll aus Getreide ändert daran blutwenig, kaum daß er den Prozeß etwa« verlangsamt. — Ei«e begrüßenSwerthe Ncueruug— schreibt die„Arbeiter. stimme"— enthält der Gesetzentwurf für einSt. Gallisches Wirthfchaftsgesetz. Nach dem GesetzeSentwurf dürfen nämlich junge Leute unter 18 Jahren nicht über SUHrAb-nds zur Bedienung verwendet werden. Bleibt eine Wirih chaft länger als bis 12 Uhr Nachts geöffnet, so soll ein W.chsel in der Be> dienung stattfinden. Di« in den Wirthschasten Angestellten haben all« 14 Tage Anspruch aus einen freien Nachmittag. Sie dürfen an diesem Tag« von Mittag« 12 Uhr an bis zum nächsten Morgen zu keinerlei Dienstleistung oerwendet werden." Im Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte ist man zwar eifrig darauf aus, den Wirthschasten, namentlich wenn ihre Besitzer„ausiühre- rischer" d. h. unabhängiger Gesinnung„verdächtig" sind, allerhand Be» schiänkungen im Betriebe aufzuerleaen, der Ausbeutung der Angestellten aber, die in vielen Wirthschasten, und namentlich auch- in den„feinen" Wirthschasten, betrieben wird, dieser oft mehr als skan» dalisen Ausbeutung Zügel anzulegen, darauf ist man bisher noch nicht gekommen. Auch hier blieb es der kleinen Schweiz vorbehalten, v o r a n zu marschiren. Eine Untersuchung der Zustände in den Wirrh« schaiten, und, wie gesagt, namentlich derjenigen, in denen die feine Welt verkehrt, würde wahrhaft grauenhafte Mißstände ans Tageslicht fördern. Ausbeutung und Abrackerung, wie sie in keiner Fabrik ärger vorkommen können. Aber das Elend präsentirt sich im schwarzen Anzug und mit pflichtgemäß lächelndem Antlitz, damit die Laune der gnädigen Herrschaften nicht gestört werde. — Ein tvahreS Wort schrieb die bürgerlich-demokratische„Züricher Post" letzter Tage in einem Leitartikel über die Unmö.lichleit von Re« formen im jetzigen Zarenreich. Es heißt da zum Schlüsse:„Die kriege«. risch: Strömung wird über kurz oder lang in Rußland die Oberhand gew nnen, der Teufel der Unfreiheit w i l l e s. Die unaufhaltsam fort- schre tende Zersetzung, gegen die sie kein Mittel haben, drängt die Ge« wallhaber zur Aktion nach Außen, sie wollen leben— mögen drum Anoere sterben. Und nicht nur der Bien', auch der Zar muß, welcher Art immer s ine persönlichen Gefühl« sein mögen. Er muß ins Feld ziehen wider die, welche ihn gepriesen, welche sein angestammte« Regierungssystem veith-idigt, welche die Bekenner deS Nihilismus als eme Rotte von Bösewichtern verlästert und seiner Polizei Gefälligkeiten er- wiesen haben. Es kann ihm schlimm ergehen bei diesem Sp elerkoup, doch deuten manche Zeichen darauf, daß bei einem solchen Krieg, der zu einem furchtbaren Kampfe aus L>ben und Tod sich gestalten dürft«, auch andere hochgeborne Sünder falsch rechnen könn- t e n. Wer die Geschichte zu lesen versteht, weiß, daß schließlich doch immer die Ernte der Saat entsprach. Und die Hüter Europas haben niederträchtigen Samen ausgestreut!" — Zum Thema vom Risiko. In allen französischen Zeitungen war dieser Tage folgende Nvt-z der Agence Havas zu lesen: „Ein Telegramm aus St. Pierre meldet den Untergang von fünfzig französischen Schiffern, die in den letzten Tagen an der Küste von Neu- fundland vom Sturm übelfallen wurden. Die Saison schließt in einer für die Rheder recht unheilvollen Weile ab." Dazu bemerkt der Pariser„Socialiste" sehr treffend: „Es sind, wie man sieht, die Fischer, die von der Arbeit weg inR Meer gelegt worden, und wir wissen nicht, wie viel Wiltwen und Waise» sie zurückgelassen. Und die man beklagt, sind die Rheder! Wo die Ersteren ihr Leben ließen, haben Die, um deren Profit wille» sie auf den Fischlang gegangen, einige Tausendfrank-Billet« verloren. Die Bourgeoispresse aber schreibt das Unheil auf das Verlustkonto der an ihrem Geldsack Geschädigten. Di- Menschen zählen in der kapitalistischen Gesellschaft nicht: Prole» tarier sind ertrunken, waS verschlägt's? Sprechen wir von den verloren gegangenen Profiten! So kommen bei allen Gruben-„Unfällen" die Zahlen der unbrauch- bar gewordenen Pferde vor denen der verkohlten Bergarbeiter. Die Vierfüßler kosten, die Zweisüßler bringen ein." - Oesterreich. In S t. P ö l t e n bei W i« n ist jüngst bei einer Nachwahl zum österreichischenReichsparlamentan Stelle des bisherigen„liberalen" Vertreters Dr.Gran�tsch ein Antisemit und zwar mit Hilfe der Klerikalen gewählt worden. Das Warum dieser Erscheinung wird in der„Gleichheit" wie folgt erklärt und in seinen Konsequenzen erörtert: „Die R e i ch 8 r a t h S w a h l in St. Pölten bot ein ergötzliche» Schauspiel. Dr. Granitsch, der„Makleibank-Granitsch", der unent» wegte Verfechter von weiland O f e n h e i m's„Recht auf Trinkgeld", mit einem Wort der Bannerträger der„großen, echten" liberalen Partei unterl egt einem simplen U r s i n, einem Manne, dessen Hauptverdi«! st, so viel uns bekannt ist, in der politischen Maßregelung seines Sohnes besteht; einem Manne, von dem man nicht einmal weiß, ob er im „Jadenlressen" seinem Sohne als Lehrer oder als Scküler gegenüber- st-ht. Allerdings hat man es den Antisemiten und Klerikalen wirklich leicht gemacht. Ein besser-S, bequemeres Angriffeobjekt konnte man ihnen gar nicht bieten, als diesen Granitsch, den Typus der Verbin- dung von Politik und Börse. Wir müssen gestehen, ein deutlicheres Zeuzniß von politischer Impotenz konnten die Herren von der Linken, v«n Sturm bis Steinwender, gar nicht geben, als mit der Duldung dieses Kandidaten. Die zweite Ueberraschung war daS Zusammengehen von A ti emiten und Klerikalen. Das wird sich von nun an häufiger wiederholen und ist ganz natürlich; es bedeutet eben daS Zusammengehen zweier unter- gehender Klaffen: des Kleinbürgers und des Bauers. Der Todeskampf, den beide führen, bringt sie zusammen, laßt sie alle Jnter-ssengegensätze sür Momente vergessen. Beide, angstvoll nach Rellunq ausspähend, nachdem sie alle Medikamente vergebens versucht, treffen sich beim Geheimmittelschwindler, der Juden„innerlich" genommen als Allheil» Nuttel, als Panacee ausschreit. Uno darum wird der A.tisemitismu» bis auf Weiteres noch groß« Fortschritte machen, wird stch auch fernerhin der konservative KlerikaliS« mui mit den— einst— revolutionären Schönerianern, das„unver» fälschte" Ucgermanenthum mit den„vaterlanbelosen" Röml ngen ver« binden. Das Alles sind nur Schlagworte, die wirthschaftliche Zusammen- hänge decken— und einst, wenn die Wähler gezwungen fem werde», einzusehen, daß das„Handwerk" nicht zu heben ist, wohl aber der Handwerker; daß der„Bauernstand" nicht zu retten ist, wohl aber der Bauer; wenn die weitere ökonomische Entwicklung sie gelehrt haben wird, daß auch ihr Heil allein im Vorwärts! liegt und nicht im Rück- wärt« l— dann sehen wir auch sie in unseren Re hen kämpfen.— Bis dahin aber wird noch mancher„Jude todtgeschlagen" werden. Schade nur, daß die Rothschild und Bleichröoer sich so verflucht w-nig daraus machen und die ganze Wucht des Angriffes den ar»en, alten Haustier trifft, den am Barte zu zupfen der modernen Jugend edelster Zeitvertreib ist.-- Und schließlich: wenn all« Juden aufgefressen sind, bleib! noch immer der Dr. Granitsch übrig— wa» den Herren zu denken geben sollte.— — Amerika. Au» dem Bericht dei General-Sekretär» des Ordens der Arbeits ritter, Litchman, den dieser auf de» Konvention des besagten OrdenS in Mtnneapolit verlas, geht her« vor, daß die Mitglüd-rzahl desselben von 702�934 im vorigen Jahre auf rund 485,000, d. h. um über 200�000 gefallen ist. Doch braucht man deshalb nicht anzunehmen, daß diese 200,000 Mitglied.r sammt und fonders der Arbeiterbewegung verloren gegangen find, vielmehr hat ein großer Theil derselben, wahrsch.-inltch die Mehrzahl, nach seinem Ausirilt sich in Gewerkschaften orgamsirt. Trotz der Schwächung>st de« Orden auch jetzt noch«ine respektable Macht, er ist noch immer fünf« m a l so stark an Mrtglieder» als vor zwei Jahren. Wird«c jetzt nach dem Vorschlage Powdei ly'S in einer Weife revrga- isirt, die den Äedürf« nissen der Gewerkschaften Rechnung trägt, so ist eher ein erneuert«« Aufschwung desselben alS ein weilerer Rückgang zu erwarlen. Interessant sind folgende Zahlen. Die Einnahmen deS Orden» beliesen sich im letzten Jahre auf 877,740 Dollars-zirka 1,800,000 M.), die Ausgaben aus 491,433 Dollar«(zirka 2,100,000 M.), rlso ein» llnterbilanz von etwa einer halben Million Mark. Der Kassen!. stand ist demnach von HS, St« Dollars auf 5272 Doüar» zusammengeschniolzen. Gradezu enorm sinddie Verwaltung»kosten. Die Grhal'.e, Rerft« kosten und Hotelausgaben des G-neral-Ex-kutw-Board»(Board— Vorstand) betrugen in diesem einen Jahr« die Kieinigkeil von 53, Sog Toll, wozu noch über 10,000 Dollars für G-hÜlfen de» Borstan es, üb.« 20.000 Dollars sür die Schreiber im Hauptquartier, und sonst ge Extia« Ausgaben, so daß im Ganzen die Verwaltung- kosten hunderttaufend Dollars(— 425,000 M.) betrugen— ungerechn.t die Drucksachen, di« wei:ere 50,000 Tollars Verfehlungen,«ine Fmanzwirlhschast, die alle» Andere eher d-nn musterhaft ist und dringend einer Reform beda.s. — Frauenarbeit in Amerika. Unter dem Titel:„Ein neuer Fortschritt der kapitutistischen Zliirlhjchaft" schreibt der„Sozialist": „In den Metallwaarenfabriken in Chicago werden jetzt Mädchen auch an der Drehbank und an den Schleifmaschinen ver« wendet, während noch vor ganz kurzer Zeit diese aufreibend« Arbeit in den Bereinigten Staaten ausschließlich von Männern verrichtet wurde. Wie die Tagesblätter mittheilen, sollen in einer dortigen Fabrik bereits Kl) junge Mädchen derart beschäftigt werden. Das ist die noth- wendige Folge der Herrschaft deS fluchwürdigen Kapitalismus l Noch eine kurze Spanne Zeit und die fabrikmäßige Ausbeutung der Frauen- arbeit in dieser freien Republik wird grade so allgemein und rücksicht»- los betrieben werden wie im alten Europa. Der Unterschied verschwindet diesbezüglich immer mehr und ist schon heute noch kaum bemerkbar. Tie „Qentlemen" werden es ganz„ladylike" finden, die Frauen und Töch- ter des BolkeS zu den schwersten, aufreibendsten und schmutzigsten Ar» betten heranzuziehen, um so mehr, da die Lohnflala der erwachsenen Männer dadurch bedeutend in die Tiefe gedrückt wird und ihre feigen Preßknechte werden es sogar fertig bringen— Lobhymnen über die Er- Weiterung deS Prinzips der Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft anzustimmen. In der That, welch herrliche und glänzende Bethätigung dieses PrinzipS I 16jährige, zarte Mädchen an der Drehbank und am Schleifstein, während erwachsene, kräftige Männer zu Hause sitzen, Kim der warten, Geschirr waschen und Strümpfe stopfen.— Hiermit haben wir bereits die unvergleichliche Höhe der Kultur in gewifien Industrie- bezirken Englands, Belgiens und des übervölkerten Sachsens erreicht.»� Herz, was willst du noch?" In der gleichen Nummer druckt der„Sozialist" einen Bericht de» amerikanischen Konsuls in Barmen über die unsäglich traurige Lage der Näherinnen im heiligen deutschen Reich ab und begleitet ihn mit folgenden Bemerkungen, aus denen hervorgeht, daß die Ausbeutung der weiblichen Arbeitskräfte drüben wie hüben in gleich schamloser Weise betrieben wird und naturgemäß die gleichen Früchte zeitigt. „An diesen Konsularbericht," schreibt unser Lruderorgan,„knüpfen nun die kapitalistischen Lügenblättcr in bekannter pharisäischer Weise ihre überklugen Betrachtungen und schlagen sich dabei stolz in die Brust: „Da find wir, Amerilaner, doch ganz andere Menschen! So etwas gibt es in unserer schönen Republik nicht I" u. s. w. Gemach, ihr Herren l Zur Entrüstung über Deutschland und zum Lobgesange auf die Zustände im eigenen Vaterlande ist nicht der mindest« Grund vorhanden. In der glänzenden Metropole der großen Republik sind nicht weniger als: sage KO.OOV Näherinnen vorhanden, deren durchschnittliches Einkommen sich auf zwei Dollars wöchentlich beläust, wie dies der wackere John Kwinton in seiner Zeitung ausführlich bewies und von keiner Seile bis jetzt angefochten wurde. Mit zwei Dollars wöchentlich kann man aber in Neu-Aork ebensowenig selbst die nothwendigsten Aus gaben für Kost und Logrs bestreiten, als mit b oder 6 Mark in Berlin. Statt in billigen Entrüstungen über Deutschland sich zu ergehen, dünkt es uns bester und nützlicher, in der nächsten Nähe Erkundigung darüber einzuziehen, wie es mit diesen unglücklichen Menschengeschöpsen bei unS bestellt ist. So versichern z. B. die bösen Sozialisten, daß das Nähen eines Herren-Hembes von den Neim Jorker Firmen mit K C e n t s per Stück dezahlt wird, wobei die Opfer unseres fluchwürdigen GesellschastS» zustandes, die sich dabei ihre Augen blind nähen, gerade so wie in Deutschland, das Garn selbst liefern müsten.... In der prüden, keuschen, von Intelligenz und Millionen übersprudelnden Bundeshauptstadt sollen die Näherinnen nun gar 4 Cents per Stück bekommen und immer das Garn selbst stellen. In Penn'ylvanien gibt es ein Landproletariat, wel> ches nach Beendigung der Feldarbeit zum puren Zeitvertreib noch Cigarren macht und Kleider näht— nur frage man nicht, w i e und für welche Preise! Der menschliche Verstand weigert sich schier, an die von den dortigen Zeitungen mitgetheilten, dieebezüglichen Zahlen zu glauben. So sollen die Kleidersadrikanten daselbst für die Anfertigung eines warmen Winterüberziehers ganze 2S Cents Arbeitslohn b-zahlen.— Nun, das Gesagte wird wohl hinreichen, um unsere nativistischen Phari- säer Lügen zu strasen und dem denkenden Leser den Beweis zu liesern, daß die sozialen Zustände in dieiem Lande um kein Haar besser sind, als drüben in der alten Welt, auf welche der Amerikaner für gewöhn- lich mit so großer Geringschätzung herabblickt." — Uebcr die Kabrikantenkartclle, in Amerika„Trusts" genannt, schreibt«in amerikanisches«rbeiterblatt, der„Clevelander An- I-iger": „Warum die Trusts auf so einmütbigen Widerstand stoßen und selbst von der rein manchesterlich gesinnten Prkste rückhaltlos verurtheilt wer. den, das erklärt sich bei einigem Nachdenken sehr leicht. Es liegt nä nlich aus der Hand, daß diese der freien Bewegung des Kapitals hinderlich find. Auch der reichste Kapttalist kann heute nicht mehr selbständig Anthracitlohlen fördern, Petroleum raffiniren, Baum wollsamer.-CH erzeugen, Zündhölzer herstellen, Schnaps brennen oder Pappdeckel fabri- ziren. Fast jede Woche bildet sich«in neuer Trust, so daß die Geldleute schließlich nicht mehr wissen werden, wie sie ihr Kapital nutzbringend anlegen sollen. Denn die Trusts, welche viele von den alten Fabriken außer Thätigkeit setzen, lassen neue selvstverständlich nicht aufkommen. Wer ihnen Wettbewerb mach:» will, wird entweder durch zeitweilige Herabsetzung der Preise ruinirt oder nöthigenfalls mit Gewalt vertrieben. Der Standard Oil Trust hat ja bekanntlich sogar zur Brand stif« tung gegriffen, um einen Konkurrenten unschädlich zu machen. „Auch mouopolisircn die Trusts nicht allein die Fabrikation, sondern auch die Verthellung vieler wichtiger Erzeugnisse. Die Zwischenhändler werden gänzlich verdrängt oder zu bloßen Agenten des Monopols her- abgedrückt. Einkaufs- sowie Verkaufspreise sind genau vorgeschrieben, so daß von der Bethätigung kaufmänmscher Talente gar keine Red« mehr sein kann. Der Theil des Gewinnstes aber, der dem Zwischenhändler entzogen worden ist, kommt nicht etwa dem Publikum zu Gute, sondern fließt gleichfalls in die Taschen der unersättlichen Trustmitglieder. Letztere werden also immer reicher, während gleichzeitig der Mittelstand ganz und gar zum Proletariate hinabgeworfen würde. Bermuthlich würde mit der Zeit das Privileg, einem Trust anzugehören, innerhalb bestimmter Famrlien erblich werden, wie es in früheren Zeiten die Standesvorrechte waren. „Zum Glück ist aber daS Volk von heute nicht mit dem Volke des Mittelalters zu vergleichen. Es ist zwar auch sehr schwer aufzurütteln, doch ist eS entschieden urtheilsfähiger als vor Jahrhunderten, und die überall hin dringende Presse bildet daS geistige Band zwi?chen den Be> «ohnern aller Landesthetle. Früher mußte«in Apostel oder Agitator von Ort zu Ort wandern, um sein« Lehre zu verkünden. Jetzt arbe-ten Telegraph und Schnellpress« mit solcher Geschwindigkeit, daß ein packen- des Wort gleichzeitig m Newyork und San Franziska ersaßt werden kann. „Durch die modernen Verkehrsmittel ist es den Monopolisten leicht geworden, sich mit«wander zu verständigen. Wie aber Dampf und Elektrizität nicht nur dem flüchtigen Dieb- zu Gute kommen, sondern weit mehr noch dem ihn verfolgenden Detektiv, so erhalten auch die Monopolisten nur«inen scheinbaren Vorsprung, um desto schneller und sicherer vom Zorn des Volkes erreicht zu werden, vi« glauben, die Produktion für sich selber zu„regeln", und doch bilden sie nur einen „Theil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft."« Dazu bemerkt das„Philad. Tageblatt": „Die obige Darstellung ist vorzüglich. Nur Eines wollm wir hinzu- fügen: Versuche, diese„Trusts" gesetzlich zu sprengen, die von den „AntiMonopolisten" befürwortet werden, müßten auch dann scheitern, wenn die Gerichte nicht in den Händen der Srof kapitalisten wären. Denn diese Kombinationen werden dadurch gebieterisch erzwungen, daß mit den vorhandenen Arbeitskrästen, Rohstoffen und Kaprtal weit über die durch das Lohnsystem eingeschränkten Bedürfniffe hinaus produzirt «erden kann. E» mußt- also ohne sie die tollst- Konkurrenz enistehen, welche die rapideste Abwürgung der weniger begünstigten Unternehmer zur Folge Häven würde. E« ergibt sich demnach folgende Alternatro«: Entweder„freier Mitbewerb", d-ffen Folge das lleberleben eineS Kapitalmagnaten in einem oder mehr-ren Industriezweigen sein würde; oder Kombination oder Trust, welche, vorerst wenigsten», noch eine Anzahl Kapltalrsten am Leben läßt. Auf alle Fäll« wird aber die Zahl derselben eine sehr kleine sein,«in« so unbedeutenv«. daß das Volk ernes Tag-s kurzen Prozeß mit ihnen machen und die„Trusts" in Kooperativ- Institutionen unter öffentlicher Kontrole verwandeln wird. So oerwirk- Ircht sich der Sozialismus. Korrespondenzen. Et. Salle«, 24. Oktober. Der den Theilnehmern an unserm letzten Parteitag bekannte schweizerische Parteigenoffe Taluz, Wirth zur Insel, wurde gestern Nacht von vier Strolchen ir� seiner Wirthschaft durch sechs Mefferstiche tödtlich verwundet und ist heute seinen Ver- letzungen erlegen. Man hatte hinler der Mordthat erst politische Motive vermuthet, weil die Attentäter der Sprache nach Deutsche gewesen sein sollen, doch scheint dies nicht der Fall zu sein. Die Mörder wollten Nachts 1 Uhr noch zu trinken haben, und als Saluz dies der Polizei- stunde wegen verweigerte und die Wirthschaft schloß, zertrümmerten fle die Thür« und überfielen unseren noch allein in der Wirthschaft an- wesenden Genossen; dann flüchteten sie sich, und hat man bis jetzt noch keinerlei Spur von ihnen. Saluz, Mitglied des Zentralkomites teS schweizerischen Grütlivereins und Präsident der in der Arbeiter-Union zentralisirten St. Galler Arbeitervereine, stand seit Jahren an der Spitze der hiesigen Arbeiterbewegung, und ist sein Tod für diese ein schwerer Verlust. Auch wir deutsche Sozialisten verlieren in ihm einen treuen Freund und verläßlichen Genoffen, der jedem von uns stets mit Rath zur Seite stand. Nachschrift. Soeben, ehe das Blatt in Druck geht, erhalten wir eine zweite Nachricht, daß Saluz seinen Wunden noch nicht erlegen, aber jede Hoffnung auf Rettung nahezu aussichtslos sei. Lied eines Armen.*) Gäb'S einen Gott, der meine Klag' verstände, Und eine Welt, um mich dahin zu reiten Vor dieses Daseins unverdienten Ketten, Ich höb' empor anbetend meine Hände. Ach, um sechs Bretter so viel schweres Müh'n, Und um die Aussicht, daß dereinst man werde Verspeist von Würmern in der kühlen Erde, Muß so das Herz in Leidenschaft verglüh'nl? O welche Thorheit, daß wir Menschen immer Mit eitlen Träumereien uns betrügen! Wenn starr im Tod wir auf der Bahre liegen, Fällt doch auf uns nicht ein Erlösungsschimmer. Ich, der ich weiß, daß unser Leben endet Auf ewig, wenn des Herzens Pulse st cken, Daß uns kein Gott aus unsrer Gruft kann locken, Kein jüngster Tag der Menschen Schicksal wendet, Ich habe längst die Hoffnung aufgegeben, Als gäb's ein Jenseils und ein Aufersteh'n, Und mrt den Freunden all' ein Wiederseh'n, Und dort ein glücklich paradiesisch Leben. Denn das sind nur erlog'ne Wahngebilde! Für uns kann nur die Erde Himmel sein, Nur wenn wir liebend uns hier Blumen streu'», Ergeh'n wir unS in himmlischem Gefilde. Wie lange soll'n wir noch den Himmel suchen? Wann endlich geht wohl diese Roth zu Ende?-- Nicht betend, nein! mit Drob'n heb' ich die Hände, Weil es mich drängt, dem Menschenjoch zu fluchen. *) DaS vorstehende Gedicht ist entnommen der unter dem Titel„Au» dem Rüche des Tantalus" im Berlansmasazin(J. Schabelitz) in Zürich erschienenen Sammlung von Alfresco-Skizzen, wie der Verfasser sie nennt, uns reS Genossen W. L. Rotenberg. S-tietär der Soziaiistitchen Arbeiterpartei der Verein! ,ten Staaten. Wir behalten uns vor, auf das Buch, das sofort nach Erscheinen auf G und des Knebelungsgesetzes für Deutschland verboten wurde, noch spezieller zurückzukommen. Einstweilen sei es hiermit bestens empsohlen. Aufruf zur Sammkung für eine« penküem auf das Hrav Johalln Philipp Kecker'». Schon vor einiger Zeit hat das Zentralkomite der orga- nisirten Arbeiterschaft Genfs den Beschluß gefaßt, eine Sammlung zu eröffnen, um dem verdienten Vorkämpfer der Arbeiter- Emanzipation, unserem unvergeßlichen Bater Becker, einen seiner würdigen Grabstein zu errichten und, da die Mittel der Genfer Orga- nisationen zu diesem Zweck nicht ausreichen, die Sozialisten und klaffen- bewußten Arbeiter aller Länder zur Theilnahme an der Sammlung aufzufordern. Denn Becker, der, wie nur Wenige, den Gedanken der internationalen Befreiungsbewegung in sich verkörperte, der in verschiedenen Ländern für dieselbe thätig war, hat es sicherlich verdient, daß sich die Arbeiter und Revolutionäre oller Länder daran betheiligen, sein Grab mit einem würdigen Denkzeichen zu schmücken. Von diesem G sichtspunkte aus hat der Aarauer Delegirtentag der deutschen sozialistischen Vereine in der Schweiz sich der Genfer Anregung freudig angesch'offen, und der unterzeichnete Landes- Ausschuß der deutschen Sozialisten in der Schweiz, im Emverständniß mit dem Genfer Jnitiativkomite, die Sammlung in die Hand genommen. Demgemäß richten wir an die Arbeiter und Gesinnungsgenossen aller- ortS da« Gesuch, nach Maßgabe ihrer Kräfte dazu beizusteuern,«wen gefallenen Kämpfer zu ehren, der während dreier Menschenalter treu und unerschrocken die Fahne der Freiheit hochhielt, der unermüdlich mit dem Schwert« und mit der Feder für die Sache der Unterdrückten und Ausgebeuteten wirkte, bis der Tod ihm die Hand für immer lähmte; der lieber arm aus unserer Mitte schied, als hohe Stellen auS den Händen der Gegner anzunehmen, wie Fr. Engels in seinem Nekrologe des Dahingeschiedenen nachgewiesen. Genossen und Freund- 1 Wir wissen, welch' schweren Kampf Ihr überall zu führen habt und wie stark Eure Opfersähigkeit in Anspruch genommen wird durch den Kamps mit den reaktionären Mächten, die kein Mittel scheuen. um der Partei des emporstrebenden Proletariat« Blut abzuzapfen. Aber dennoch wenden wir unS vertrauensvoll an Euch, da wir wissen, wie hoch Johann Philipp Becker im An- denken alle. Derer steht, die diesen seltenen Mann, wie Fr. Engels ihn nennt, sei«S persönlich, sei eS in seinem Wirken, kennen gelernt. Gebt, wiederholen wir, nach Maßgabe Eurer Mittel. WaS der Einzeln« nicht leisten kann, da» bringt der Eifer Bieler mit Leichtigkeit auf. Alle Diejenigen, Vereine oder Einzelne, welche zu der Sammlung beizusteuern wünschen, sind gebeten, ihre Beiträge an den Kassirer de» Landesautschuffes oder an die Expeditio« deS„Sozialdemokrat'� zu richten. Mit sozialdemokratischem Gruße l Der Lande». Ausschuß her deutschen Sozialisten in der vchwßjh, DaS Zentralkomite der Genfer Arbeiter-Veretne. Alle der Arbeitersache zugethanen Blätter sind freundlichst ersucht, diesen Ausruf abzudrucken oder von ihm Notiz zu nehmen. Brieflasten der Rebaktion: Briefe und Ewsendungen»e. sind ewgetroflen aus: Stettin,». R. Bergen. Et. Gallen. Gilles, London» Eins.«rh. Beantwortung demnächst. der Expedition: Lappländer: Mk.»— Ab. 4. Qu. erh. Mit Ablauf 87 m u ß an Ort und Stelle oder in der Rachbarschaft abonnirt werden. Fortsetzung dieser Separatisterei unterstützen wir nicht weiter.— Bürger Sanftmuth: Mk. 50— a Cto Ab.»c. erh. Sie irren sich in dem Verfasser. UebrigenS mag daS„Bleigewicht" auch sewen Theil daran haben.— B. W. Bdn.: Fr. 2— Ab. 4. Qu. erh.— Deutscher Leseclub PariS:(öwfl. 5—) Fr. 10— zahlte Gen. Bd. Wn. für Ihr« Rechnung. Bitten, uns zu belasten.— Regului: Mk. 25— ä Cto Ab. »c. erh. Adr. sc. vorgemerkt.— B. R. K.: Fr' 1 50 Ab.-Rest 4. Qu. erh. u. Fr. 4 50 pr. llfd. dkd.»erw., womit öwfl. 3— v. 17/10. klar« gemacht find. Alles abgesandt.— Bierbauch: Mk. 153 20 Ab. 2. u. S. Qu. pr. baar u. Sgrchg.«rh. Weiteres dkd. vorgem. u. bfl. mehr..— I. Strauß Newyork: Fr. 40 50 ä Cto Ab. ic.«rh.— G. Mühler Ein« cinnati: Fr. 10 15 k Cto Ab. 4. Du. ic. erh. Adr. geordn. Bldr.-Erf. folgt.- Th. Rdcke. Sisson: Fr. 1015 Ab. pr. 1388 erh. Adr. notirt. Tausch an S. F. A. Ztg. berichtet, Gruß!— F. W. Dornbusch Philad.: Nur„Jzdschtz." zu haben. Börne nirgends mehr.„Omnib. Kol." 1881 vielleicht bei Fink. Gera. Bescheid folgt. All'eitS Grüße!- Bft. Bax. hier: Fr. 1 85 f. Schft. erh.- A. N. S.: Mk. 5- Ab. 4. Du. ic. erh. Einschlßl. Früherem haben Sie pr. 1. Du. 88 Mk. 1 20 gut.— E. Mbr. Ist: Mk. 6 60 Ab. 4. Du. u. Schft. erh.— Blutnelke: Mk. 7 80 Ab. 4. Du. u. Schft. erh. Bstllg. folgt. Bfl. Näheres.- Z. Y. X.: Mk. 8— pr. llfd». dkd. erh.— B. L. Lpg.: Mk. 2 80 Ab.-Rest 4. Du. erh.— Der Alte v. Berge: Fr. 2— Ab. 4. Du. erh.— Dtschr. Leseclub Paris t Fr. 144 25 pr. Ab. 3. Du. in Baar u. Ggr. erh. Fr. 23 30 f. Schft. a« d. Vbhdlg. abgeliefert.— Claudius: Bf. v. 23/10. erh. Unterwegs Be« findliches kann selbstverständlich nicht mehr reduzirt werden.—-h.: Bf. v. 23/10. erh. Bfl. Weiteres.— Roland II: Mk. 28— per Ggr. gutgebr. Weiteres notirt.— Die Anderen: Mk. 200— a Cto Ab. pr. Frd. erh. Näheres erw.— H. Rk. Ldn.:(Pfd. Stlg. 6 2 6) Fr. 158 12 pr. Baarrerl. Rmtt. ,c. a Cto Ab. ic. gutgebr. Weiteres pr. E.— U. F. G.: Mk. 202 05 a Cto Ab. ic. erh. Adr. notirt. Bfl. Weiteres.— Unabhängige Sektion Davenport:(4 Doll.) Fr. 20 25 f. d.„alten Tölke" dkd. erh. u. abgelft.— Commerzienrath jr.: Mk. 3— Ab. 3. Du. B. pr. Ggr. erh. Mk. 10 57 pr. Vrlge. gutgebr.— Harmosan: Mk. 108 35 pv. alten Rest L. C. u. 1 Ab Nov. u. Dez. erh. Sie haben vergeffen, Adr. beizufü en. Weiteres geordnet. Bstllg. notirt u. bfl. mehr.— W. H. Lon« don: Mk. 20— Verl. an C. pr. C. A. B. V. gutgebr. Bf. enthielt Mk. 3 60 u. Fr. 3 40, schwel,. Mrkn. nicht FcS., wie Sie angeben. Nähere» pr. P-K.— Die 3 Gleichen: Mk. 136 25 a Cto Ab. rc. erh. Mk. 63 75 pr. Ggr. lt. P.-K. v. 24/10. gutgebr. Weiteres unterwegs.— Bwtz. Stbg.: Mk. I 50 f. Schft. erh.- Muth u. Kraft: Bf. v. 21/10. erh. Rekl. unterwegs. Bstllg. notirt. Weiteres am 25/10. noch erw.— St. Roman: Adr. geordn. Ein Ab. O. in Sstr. ist unS gar nicht gemeldet. Also?— Armer Conrad: Adr. lt. Bf. v. 23/10. vorgemerkt. AlleS in Gang.— Kourad M.: Mk. 100— ä Cto Ab. rc. erh. Adr. geordnet. Außer dem einen durch Sie bestellten geht kein Ein'p. durch unS dort» hin. Spitzel bezieht wahrscheinlich durch auswärtige Mittelsperson per Buchhändler.— Hebe: Bf. v. 24/10. erh. u. Adr. geordn. Werde« sehen, ob Hde. noch existirt. Auszug folgt.— Schwarzflaggen: Bf. o. 24/10. u. Adr. L. erh. Beigabe W. sofort verwerthet. Gruß!— Don» nersbera: Alles fort, worüber bfl. Mk. 132— nach Vorschlag gutgebr. Spezialqitg. erbeten. Auszug u. Bstllg. folgt.— Seidenwurm: Mk. 24 30 k Cto Ab. erh. Mk. 5 30 pr. Verlg. gutgebr. Nachlsrg. folgt. Genau« Adr. der 3 Genannten nolhwendig. Bfl. Weiteres.— Fuchs: Adr. lt. P.-K. v. 25/10. gelöscht. Warum abermals nicht berichtet, was ankam?!!!— I. Sch. R.: Mk. 2 60 Portovergtg. pr. 4. Du. «rh.- PH. W. Lbcht.: Mk. 4 80 f. Schft.-rh. Sdg. folgt.- Dr. K. Bstdt.: Mk. 2— Ab. Nov. u. De,, erh.— Moritz: Mk. 7 56 Ab. 4. Du. u. Bbthk. erh. Adr. stimmen. Weiteres folgt.— Philologus Bgn.! Fr. 2 50 Ab. 4. Du. erh. Di« Red. hat mit der Exped. nichts zu thun. Hausnummer war falsch.„Exped. d. S. H.-Z." genügt.— S«—« Au-Bu: 50 Pf. f. Nachlsg. erh. Am 26/10. abg. Anzeigen. Ei» tüchtiger deutscher Zuschneider für Herren-Konfektion kann durch uns sofort dauernd« Stellung in Belgien finden. Kenntniß der französtschen Sprache erwünscht, aber nicht unerläßlich, dagegen Plattdeutsch nothwendig. JahreS gehalt Fr. 1800— Minimum, bei täglich lOstündiger Arbeitszeit in einem gut fundirte», großen genossenschaftlichen Unter» nehmen. Nur gut empfohlene, charakterfeste, durchaus geschSftS« tüchtige Parteigenossen wollen sich melden und entsprechend l« g i t i m i r e n bei der S-pediti»» de« SsjisldtUsdrst. Zur veachtuug. Allen Genossen, welche gezwungen sind, nach Amerika(Newyork) zu gehen und Unterstützung hierorts zu fordern, diene zur Nach« richt, daß solche nur gegen Vorzeigung von Lrgitrmationen neuere« Datums, unterzeichnet von in der Bewegung stehenden bekannt««# Parteigenossen gewährt werden kann. Adresse für alle Zuschriften: W.L. Rosenberg(Unterstützungs-Komite), 172 First Ave., Kern Jork, City. I« Auftrag de« Unterstützungs-Komite»? Otto Eitner, Sekretär. Durch Unterzeichnete ist zu beziehen; Aus dem Ke!che des Aantalus. AlfreSco-Skizzeu von W. L. Rosenberg. Preis: Fr. 2—.— Mk. 160. Zahlreichen Bestellungen sieht entgegen: Bolksbuchhandluug. Parteigenossen besten««mpsyhssn, WiiUlgNdk» Ansängern im Studium der Soziaiökonomi«: V a st i a t' S ch u t) e von Ferdinand Lassalle. 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