Aöovnemeuts knbtn bei allen schw-iinischen Wastbureaur, sowie beim Berlaz »>» dessen bekaimttn Agentin Entgegengenommen, und zwar zum »o«au» zahlbare« LierteljahrSpreiS von: |Pc. t,— fit dieSchweiztareuzband) All 8,— für Deutschland(Eouvert) |L 1,70 für Oesterreich(«kouvert» Hr. 8,50 flr alle übrigen Länder de« Weltpostverein« ?«ser«te � die dreigespaltene Petitzeil« 25«t«. � 20 Psg. Der ZoMldcmckrat Krgan der Sozialdemokratie deutscher Zunge. KtschMt wöchentlich«i««a» in Zürich(Schweiz). Metrag der »»llbbuchhandl«»« Döttingen-Zürich, Kostftiduilt» franko gegen frank»., Gewöhnlich«»riefe «ach der Schweiz keß« Doppelporto. J&. 48» Briese an die Redaltion und Erpedition de« in Deutschland und Oesterreich verbotene».Sozialdemokrat' wolle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lassen. In der«itgel schicke man uns die Briese nicht direlt, sondern an die bekannten Deckadressen. In zweifelhasten Fällen eingeschrieben. 25. November 1387. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Ueber Wahlenthaltung. Der Beschluß eines großen Theils unserer Berliner Ge- Nossen, bei den bevorstehenden Ergänzungswahlen zum Stadt- verordnetenkollegium sich demonstrativ der Abstimmung zu enthalten, wird von diesen selbst keineswegs als ein grund- sätzlicher Verzicht auf die Ausübung des Wahlrechts— selbst unter der Dreiklasienwahl— bezeichnet, sondern lediglich als «in Protest gegen die augenblicklich beliebte Handhabung des Versammlungsrechtes seitens der Berliner Polizei. Das ist jedenfalls eine Auffassung, die Anspruch auf ruhige, vorurtheilslose Prüfung erheben darf. So blinde Verehrung für die Wählerei hat unsere Partei nie empfunden, daß sie den Grundsatz proklamirt hätte: es muß unter allen Umstän- den gewählt werden. Das Wählen ist uns nur Mittel zum Zweck. Erweist eS sich als unbrauchbar und schädlich— ja, wir dürfen noch weiter gehen und sagen, erweist es sich als minder geeignetes Mittel als ein anderes, unsere Bestreb- ungen zu fördern, so existirt keine Satzung, die uns verhin- dern könnte, es zu Gunsten dieses anderen Mittels fallen zu lassm. Es existirt auch Niemand in unseren Reihen, der sich über die Mängel, die den verschiedenen Wahlsystemen, sowie dem Repräsentativsystem überhaupt anhaften, täuschte. Sie liegen zu deutlich am Tage, als daß sie von irgend einem urtheils- fähigen Menschen übersehen werden könnten. Aber wir wissen Auch, daß, wenn ein Kampfmittel, eine politische Institution nur einen bedingten Werth haben, sie deshalb noch nicht schlecht- weg werthlos sind. Auch die Preßfreiheit z.B�hat nur einen be- dingten Werth. In Ländern, die eine außerordentlich weit gehende Freiheit der Presse und der Versammlungen, aber kein Wahlrecht der Arbeiter haben, wie z. B- Belgien, ist die Arbeiterbewegung keineswegs besonders gut daran. Wem wird «s aber darum einfallen, die Preßfreiheit als werthlos zu bezeichnen?, �. Das Wählen um jeden Preis ist mcht minder abgeschmackt als das um keinen Preis Wählen. So sehen wir denn auch oft, daß Leute, die kurz vorher noch fanatische Vertreter des erste- ren waren, plötzlich zu ebenso fanatischen Vertretern des letz- tercn wurden. Ja, wir behaupten, daß die Taktik der unbe- dingten Wahlenthaltung in letzter Instanz grade auf eine grobe Ueberschätzung deS Parlamentarismus zurückzuführen ist. Von alledem kann, wie gesagt, mit Bezug auf den Berliner Beschluß keine Rede sein. Er empfiehlt die Wahlenthaltung nicht als Prinzip, sondern als Gebot der Situation. Als solcher kann er unrichtig sein, auf total falschen Voraussetzun- gen berohen, aber er steht durchaus in keinem Gegensatz zu den Grundsätzen, er verletzt in keiner Weise die Traditionen unserer Partei. Dies vorausgeschickt, können wir nunmehr in die sachliche Diskussion der Frage nach dem Werth und Nutzen der Wahl- «nthaltnng als Protest eintreten. Wir werden aber dabei die Berliner Verhältnisse möglichst aus dem Spiele lassen. Nicht, weil wir etwa nicht den Muth hätten, den Berliner Genossen eine der ihren entgegengesetzte Meinung offen in'S Gesicht zu sagen— wir betrachten es als eine Beleidigung derselben, von ihnm vorauszusetzen, daß sie eine solche servile Liebedienerei von unS je verlangen könnten—, sondern weil in Berlin Fragen rein lokalen und— leider— persönlichen Charakter« mitspielm, die zu beurtheilen wir absolut nicht in der Lage sind. Was hat die Wahlenthaltung als Protest zu bedeuten? Zweierlei. Entweder daß Diejenigen, die sie üben, weil sie dm ge- «ebenen Zustand(daS Wahlsystem, die Handhabung der Ge- letze ic.) als berechtigt nicht anerkennen, vom Kampfplatz ab- tretm und eine für sie günstigere Zeit des Kampfe« abwarten, ihre Kräfte für eine gelegenere Aktion aussparen wollen, oder weil sie zu einer wirksamerm Form de« Kampfes überzugehen entschlossen sind. Im ersterm Falle liegt in der Wahlenthaltung fast immer das— wenn auch unbewußte— Eingeständniß einer relativen Schwäche. Und ebenso im letzteren, wenn die Wahlenthaltung nicht thatsächlich von einer wirksameren Form de« Kampfes abge- löst wird. �,, Die Schwäche braucht keine unehrenhafte zu fem, sie braucht auch nicht der Ausdruck einer Entmuthigung zu sein. Wenn z B die 1848« Demokratie nach der gewaltsamen vktroyirung d-S Dreiklassenwahlsystems in Preußen Wahlent- Haltung proklamirte, so gereicht ihr das keineswegs zur Unehre. Die Partei war geschlagm, aber nicht entmuthigt, sie wollte einem schuftigen RechlSbruch nicht durch Wahlbetheiligung nachträgliche Sanktion ertheilen, und hoffte, daß das Volk sich bald wieder ermannen und das Werk der Revolution fort- setzen werde. Erst der Umstand, daß das nicht geschah, daß die Fortsetzung der Revolution aus- und das Dreiklasienwahl- system bestehen blieb, entmuthigte sie und bewirkte, daß die Demokraten eines Tages doch von der Dreiklasienwahl Ge- brauch machten, mittelst deren sie dann auch, soweit sie bür- gerlich gesinnt waren, weit größere Vortheile und weit größere Macht errangen als durch die Wahlenthaltung. Warum? Weil die große Masse der Bevölkerung im Allgemeinen nur danu für einen Kampf um Prinzipien zu erwärmen ist, wenn über ihn die Wahrung ihrer dringenden Interessen des TageS nicht vernachlässigt wird. Jede Partei, die das vergaß und in sektirerischen Doktrinarismus verfiel, hat die Erfahrung machen müssen, daß die Massen sie eines Tages im Stiche ließen. Der Hauptzweck unserer politischen Aktion besteht darin, die Massen zu gewinnen, sie für die Zwecke der Partei in Be- wegung zu setzen; jeder Schritt, der die Partei von der Masse trennt, ist bedenklich. Wohlgemcrkt, wir sollen uns nicht von der Masse knechtisch abhängig machen, nicht um den Preis des Aufgebens unserer Grundsätze um ihre Gunst buhlen, aber wir sollen Alles thnn, den Kontakt mit ihr aufrecht zu er- halten, ihre Bedürfnisse studiren und ihnen nach Maßgabe unseres grundsätzlichen Staudpunktes gerecht zu werden suchen. Dies ist gerade der Umstand, der uns de» Wahlkampf so ungemein sympathisch macht, daß er uns zwingt, mit der Masse Fühlung zu behalten. Ohne ihn würden wir zu Kon- ventikeln verbissener Sektirer, die vielleicht hier und da einmal eine Demonstration fertig brächten, aber hinterher immer wieder in absolute Macht- und Einflußlosigkeit zurücksinken würden. Umgekehrt gehen wir heute aus jedem Wahlkampfe gestärkt hervor, dem Riesen Antäus gleich, der nach jeder Berührung mit der Mutter Erde neue Kräfte sammelte. Die große Masse des Volkes, das ist unsere Mutter Erde. Hier eine kleine Abschweifung. Warum schlagen von hundert revolutionären Verschwörungen ueunundneunzig fehl? Weil allen Verschwörern, da sie voll sind und voll sein müssen von ihrem»großen Ziel", das Verständ- niß für die Stimmung der Masse verloren geht. Es ist ein Schauspiel von erschütternder Tragik, aber auch ein Schauspiel, aus dem wir zu lernen haben, wie die edelsten Revolutionäre noch unter dem Richtbeil den Schmerz haben erleiden müssen, zu scheu, wie die Masse, fiir die sie starben, sie nicht einmal verstand. Die Dichter, denen nur Individualitäten imponiren, sind gewöhnlich schnell bei der Hand, den Unverstand der Masse zu kennzeichnen, aber in der Wirklichkeit ist der Unverstand oft gegenseitig: Wer die Masse für sich haben will, muß lernen, die Masse zu verstehen. Um zum Thema zurückzukehren: wie jeder Wahlkampf uns die Masse näher bringt, liegt in der Wahlenthaltung fast immer die Gefahr, uns die Masse zu entfremden. Sie ist darum gerade dann am wenigsten wllnschenswerth, wenn ohne- hin der Partei wenig Gelegenheit gegeben ist, mit der Masse in Beziehung zu treten. Ist das nicht übertrieben? Wer ist denn die Masse? Sind das nicht gerade wir, die Sozialdemokraten? Was kann also für eine Gefahr darin liegen, wenn wir eineS Tages erklären, wir machen unter den gegenwärtigen Umständen nicht mit? So könnte der Eine oder der Andere hier einwenden. Darauf ist zu erwidern, daß, lvv wir in der That»die Masse" sind, auf die Arbeiterklasse maßgebenden Einfluß üben, eine einmalige Wahlenthaltung diesen Einfluß nicht gleich auf- heben wird. Wird dieselbe aber fortgesetzt, so tritt diese Wir- kung unfehlbar ein. Die Wahlenthaltung ist ein Kampfmittel, das seine Spitze sehr leicht gegen den kehrt, der sie übt. Ebenso zweifelhaft ist ihre Wirkung auf den, gegen den sie sich richtet. Die preußische Regierung war durchaus nicht unglücklich, als die Demokratie aus den Wahlkamps verzichtete. Sie hatte die Macht in Händen und benutzte sie weidlich in ihrem Jnter- esse. Es begann die RückwärtS-Revision alles dessen, waS daS tolle Jahr geschaffen, durch die Landrathskainmer. Moralische Kampfmittel sind nur dann von Werth, wenn sie wirklich in der großen Piasse deS Volks mit- und nachgefühlt werden. Das ist z. B. oft der Fall, wo es sich um natio- n ale Fragen handelt, um den Kampf eineS unterdrückten Volkes gegen irgend eine Fremdherrschaft. Wir brauchen nur an den Kampf der Jrländer gegen England, an die Vorgänge in der Lombardei und Venetien vor ihrer LoSlösung vom Joche Oesterreichs zu erinnern. Dort schwiegen und schweigen die Klassen- und Parteigegensätze zu Gunsten de« einen Ge- dankenS: der nationalen Befreiung. Die ertheilte Parole fand unter allen Volksangehörigen Widerhall. Wo das aber nicht d« Fall, wo die Parteien und Klassen zersplittert sind und im Kampfe gegen einander liegen, da ist jede gezwungen, s° sie kann, aktiv einzugreifen. Jede Position, die sie im Stiche läßt, gibt sie den Gegnern preis. ,'n ben öffentlichen VerwaltungSkörpern find solche Machtpositionen. Freilich werden sie nicht immer in der rechtm Weise auS- genutzt, freilich entsprechen die Gewählten hinterher nicht immer den Erwartungen, zu denen sie zu berechtigen schienen, freilich übt die Luft in den Parlamenten zc. auf Viele nicht den besten Einfluß aus, aber das sind Gefahren, mit denen eine an sich gesunde Partei spielend fertig wird. Bon allen Einwänden gegen daS Wählen haben diese stetS am wenigsten Eindruck auf uns gemacht, sie verrathen nicht» als ein großes Mißtrauen in die eigene Kraft. Zudem, jede Form des politischen und sozialen Kampfes drängt Einzelne in den Vordergrund und wirft sie aus ihrer bisherigen Sphäre heraus, deshalb wird aber doch Niemand auf den politischen Kampf überhaupt verzichten wollen. Wir stehen somit nicht an, zu erklären, wir halten da» Mittel der Wahlenthaltung für ein so extremes und in seinen Wirkungen so zweifelhaftes, daß wir es nur unter ganz abnormen Verhältnissen befürworten könnten. Ob solche in Berlin vorliegen, wollen wir nicht entscheiden, aus der politischen Situation allein ergeben sie sich unsere» Erachtens nicht. Ein Bubenstück. i. In Breslau, wo die Justiz im Bunde mit der Polizei schon Mr» schieden- Proben ungewöhnlich starken Staatsrettungi-Eifers abgelegt hatte, begann im vorigen Winter eine förmliche Parforce-Iagd auf Sozialdemokraten. Ansang« deS JahreS kamen die ersten Verhaftungen, und bald mit längeren, bald mit kürzeren Unterbrechun» gen, bald in größeren, bald in kleineren Gruppen wurden Verhaftungen vorgenommen bis in den Herbst hinein, so daß das Publikum denken mußte, e« handle sich um furchtbare Verbrechen und entsetzliche Gefahren für die Ordnung der Dinge. Bei mehreren Verhaftungen, z. B. der des Studenten Mariuse, wurden von den Polizeiorganen dunkle Andeu- tungen gemacht, auS denen man schließen mußte, die Polizei habe zum mindesten ein nihilistische« Komplott entdeckt. Di« Untersuchung wurde über ein halbe« Jahr lang mit beispielloser „StrammVit" und Härte geführt; die meisten Gefangenen gar nicht aus der Untersuchungshast entlasten, und vor acht Wochen auch die aus der Hast Entlastenen plötzlich wieder ihren Familien und ihrer Beruf«- thätigteit entriffen. Die Verlängerung der Untersuchung hatte darin ihren Grund, daß daS vorhandene Beweiimaterial nicht genügte, und daß mehrere sogenannte Strafthaten, die gar nichts miteinander zu thun haben, in einen und denselben Prozeß zusammengeschweißt werden sollten, weil keiner für sich allein zu einem Prozeß ausreichte. Am 7. d. M. hat die Prozeßverhandlung nun ihren Anfang genom» men. Auf der Anklagebank befinden sich achtunddreißig Männer, von denen 3S je 3 bis 9'/, Monate in Uniersuchungshaft zugebracht haben, soweit wir e« jetzt überschlagen können, ungefähr zehn Jahr« Gefängniß! Ueber die Familien der meisten ist namenloses Elend gekommen, zwei Familien sind geschäftlich ganz ruinirt, mehrere der Angeklagten habe« an ihrer Gesundheit dauernden Schaden gelitten. Und nun: warum daS Alle«? Wozu diese Mastenverhastungen? Diele endlos« Untersuchung? Diese verlängerte Folterqual der Untersuchungshaft für Dutzende von Menschen? Diese systematische Ruinirung so vieler Familien? Die Anklageschrist soll un« die Antwort geben. Wir durchlesen das Schriftstück, wir prüfen es— 28 Folioseiten gedruckt. Und in diese» 28 Folioseiten gedruckt— nicht«. KeineAntwortaufunser« Frage. Wir wollen T h a t s a ch e n greifen, und greifen in« N i ch t s, in dm leeren Raum. „Kräcker und Genossen"— so ist der Monfire-Prozeß und das Prozeß Monstrum getaust worden— sollen stch einer geheimen Ber- bindung im Sinne der fjß 128 und 129 schuldig gemacht haben. Neben diesem allgemeinen Geheimbund sollen drei der Ange« klagten � Lux, Markus« und Kaspro witsch— noch einen besonde» ren Geheimverein gefährlichster Sorte— gegründet, beziehentlich ihm angehört haben; und endlich Drittens find zwei— Lux und Kafprowitsch— der Fluchtbegünstigung gegenüber dem Seifensiedergehilfen C i e s i« l» k i, der aber ein schrecklicher— Nihilist gewesen sein s o l l. angeklagt. Und nun die„Schuldbeweise". Aus Breslau wurde ein„Delegirter" zum Kopenhagener Kongreß geschickt. Ergo muß«S in Breslau«ine sozialdemokratisch« Organisation geben. In Breslau wurden Exemplare des„Sozialdemokrat" und sonstiger verbotener Schriften verbreitet. Ergo muß«» in Breslau«in« sozial» demokratische Organisation geben. In Breslau haben sozialdemokratisch« Wahlen stattgefunden. Ergo muß es in Breslau eine sozialdemokratische Organisation geben. In Breslau ist e« vorgekommen, daß zu wiederholten Malen in Wirthshäusern und auf Spaziergängen notorische Sozialdemokraten zusammen gesehen wurden. Ergo muß es in Breslau«ine sozialdemo» kratische Organisation geben. Und da in Breslau kein« sozialdemokratische Organisation Polizei» l i ch angemeldet ist, so ist diese Organisation selbstverständlich ein« geheime; und da die Sozialdemokraten ihrer Natur nach nur st r a f« bare, u m st ü r z l« r i s ch e Zwecke verfolgen, so muß diese Organi- sation, die wir zwar nicht entdeckt haben, deren Vorhandensein wir aber au» den oben angegebenen Gründen annehmen müssen, unter die §£ 128 und 129 fallen. DaS ist die Logik der Anklage. Da« da«„Beweiimaterial" gegen„Kräcker und®«» n o s s« n", d. h. die Hauptgruppe... Wohlgemertt- dies ist kein schlechter Witz, keine Uebertreibung. Die Anklageschrift enthält kein» andere» Beweis, gründe. Ii doch: bei einigen de» Angeklagten würben„Exemplare verbotener Schriften" gefunden. Und nun zu den zwei Nebengruppen. Lux, Markus« und Kafprowitsch gehörten einer st u d e n« tischen Verbindung an(„Pacific"), die fich mit allerhand überschwäng» lachen und phantastisch!», jedoch wunderbar harmlosen Dingen beschäftigte und u. A. auch in Amerika eine humanitäre Kolonie grün- den wollte. Auf die Suche nach einem geeigneten Ort für diese Kolonie wurde ein Mitglied der Pacific-(„f rieb l ich en"I) Gesellschaft, ein Herr Plötz, 1884 nach Amerika geschickt, und dieser schrieb seine R e i s e- Eindrücke an Lux, bei welchem die betr. Briefe gesunden wurden. Die PlStz'schen Briefe aus Amerika find daS einzige„Belast« ungSmaterial" gegen Lux, und daS Belastendste in diesem Be- lastungtmaterial ist, daß Plötz die„Jcarier" und„Kommunisten" besuchen wollte,„der Unterrichtung halber", auch in„anarchistische" Kreise ging, die Republik für die beste Staatsform erklärte und unter„Donner und Doria" und anderen Schiller'schen Jugend- und Kraftphrasen den Wunsch ausdrückte, beim„Kampfe der Zukunft"„schwergewappnet"„in die Arena zu steigen." Das ist Alles! Alle«! Und für diese enthusiastischen P r i m a n e r b r t e f», die Lux nicht einmal selber geschrieben, sondern die ein A n d e r e r an ihn gerichtet hat, neun und einen halben Monat Untersuchung«- hast und Anklage auf Geheimbund! Mit der dritten Gruppe, die eigentlich nur aui einer Person besteht, K a s p r o w i t s ch, ist die Sache noch einfacher. Er ist mit den Nihilisten zusammengekoppelt, weil er einmal— er ist Pole— aus Empfehlung von Freunden einen Landsmann beherbergte, in dem die Polizei mit dem ihr eigenen Scharssinn«inen Nihilisten ver- m u t h e t. Natürlich ist der ganze Zweck dieser Zusammenkoppelung iloS der, die Nihilisten an die Rockschöße der„Kräcker und Ge« nassen zu hängen, weil ja sonst gar nichts daran hing«. Aus demselben Grund find auch die PlStz'schen Briefe in der Anklage- schrift abgedruckt. Die Primaner-Kraftphrasen sollen die absolute Inhaltslosigkeit verdecken und als Würz« dienen, wie Pfeffer in eine schale Lettelsuppe gethan wird. Wird da« L u b e n st ü ck die Sanktion de« G e r i ch t« h o f e« er- halten? Thörichte Frage! Der Schauplatz istDeutschland und die Zeit: zehnte» Jahr de« Sozialistengesetzes. Wetterleuchten in England. Wir haben bereits in voriger Nummer de» blutigen Zusammenstoßes zwischen den Londoner Arbeitern und der Polizei erwähnt, deren Schau- platz Traialgarsquare und die ZugangSstraßen am IS. November waren. Wir sprachen sofort die Ueberzeugung auS, daß diese brutale Bergewal- tigung des freien Bersammlungsrechtes, dieses größten Stolzes deS englischen Volkes, die revolutionäre Gährung unter den englischen Ar- bettern gewaltig fördern müsse. Das scheint nun in der That der Fall zu fein, wie au« der Feder eines Augenzeugen der„Schlacht am Tra« falgarsquare" hervorgeht: London, 19. November 1887. Der Schreiber dieser Zeilen war bisher noch nicht so glücklich, eine Revolution mitzumachen. Aber ich glaube, am Vorabend einer solchen muß eine Stimmung herrschen, wie sie London seit einer Woche erfüllt. Zch war 1882 Zeug« der Schusterkrawalle in Wien, und ich wohnte der Versammlung am Trafalgarsquare vom 8. Februar vorigen Jahres bei. Weder hier noch dort bemerkte ich revolutionäre Anzeichen. Die Wiener Schusterkrawalle führten allerdings einige Tage hindurch z« ernstlichen Zusammenstößen zwischen Arbeitern und der bewaffneten Macht— Polizisten und Soldaten—, aber sie waren ziellos, ohne Politische Bedeutung, Dreinschlägereien in eine halb neugierige, halb miß- vergnügte Menge, die ohne bestimmten Zweck zusammengeströmt war. Reine Arbeiterorganisation, kein„Arbeiterführer" b-theiligte sich an den Krawallen. Das gilt nicht bloS von den„Gemäßigten". P« u k« r t mar damals auffallend still, und ein anarchistisches Blättchen äußerte seine Ueberzeugung, daß nur ein Mißverfländntß obwalte und die k. k. Polizei die besten Absichten hege. Am 8. Februar 1888 bestand die Mehrheit der auf dem Trafalgar- Square Versammelten aus Lumpenproletartern, die für Arbeiterbeweg- mng und Sozialismus nicht das mindeste Jntereffe hatten und die aus «iner Demonstration einen Exzeß machten. Am letzten Sonntag ging die Demonstration von den organi« sirten Arbeitern Londons aus. Alle politisch radikalen Arbeiter- Verein«, alle, die in der Arbeiterbewegung eine Rolle spielen, betheiligten sich daran, indeß das Lumpenproletariat, das sonst überall dabei ist, durch seine Abwesenheit glänzte.») Und die Demonstration hatte einen bestimmten, politischen Zweck; Jeder, der an ihr thellnahm, wußte, was «r wollte. Freilich, der K e r n der Bewegung war nicht Allen klar. Die Raffen, die in Prozesston nach dem Square zogen, waren die Vorkämpfer der Arbeiterklaffe; die Polizisten, die diese überfielen und niederknüppelten, waren die Prätorianer der Bourgeoisie; die„Schlacht ♦) Der Berichterstatter der„Boffischen Zeitung" lügt, nach der De- monstration sei es zu Brandlegungen und Raubanfällen gekommen. In der Londoner Preffe, die an Gemeinheit gegen die Demonstranten nicht« zu wünschen übrig ließ, steh: auch nicht die leiseste Andeutung, daß etwas Derartiges geichchen. Der tugendhaste deutsch« Mitarbeiter des sretflnnigen Blatte« hat das erfunden und an Gemeinheit die Eng- länder, selbst die Torypreffe, übertrumpft. Feuilleton. Iriedrich Engels. Von K. KautSky. lFortsetzung.) Bei dieser Gelegenheit ein« kleine Bemerkung. Die meisten unserer Freunde, sobald sie einmal zur E-kenntniß gekommen, daß der Sozialismus nicht eine Sache des guten Herzen«, fondern ein« Wiffenschast ist, zu deren Berständniß nicht Mo« guter Wille, sondern auch eine gewisse Dosis von Kenntmffen gehört, werfen sich mit Feuereifer sogleich aus das„Kapital", beißen sich an der Werththeorie die Zähne aus und lassen dann daS Ganze stehen. Sie werden ein ganz andere? Resultat erzielen, »enn sie zunächst die Engels'schen Broschüren vornehmen und erst nach- d«m sie diese gründlich durchstudirt, sich anS„Kapital" heranmachen. Die Engels'schen Schriften sind der Mehrzahl nach Gelegenheitsschriften; aber sie sind keine Eintagsfliegen, die mit der Gelegenheit vergehen, die sie hervorgerufen. Die einen von ihnen behalten ihren Werth für uns durch ihre scharfe Charakteristrung der hmorischen Situation, die sie veranlaßt hat, um so mehr, wenn wir uns heute in ähnlicher Situation »«finden. So spielt z. B.„der preußische Schnaps im deutschen Reichs- tage" heute wo möglich noch eine größere Rolle, al» zu der Zeit, wo tngelS die Artikel mit dem genannten Titel im„Volksstaat" veröffentlicht«(1876), die auch im Seapratabdruck erschienen find.») Und die ») EngelS schrieb damals unter Anderem:„Wohin wir uns wenden, überall finden wir preußischen Sprit. Der preußische Sprit reicht un- vergleichlich weiter als der Arm der deutschen ReichSregierung. Und wo wir diesen Sprit finden, dient er vor Allem— der Fälschung. Er wird das Mittel, wodurch südeuropäische Weine oerschiffbar und damit der inländischen arbeitenden Bevöllerung entzogen werd.n. Und wie die Lanze de» AchilleS die Wunden heilt, die sie geschlagen, so bietet der preußische Sprit den deS Weines beraubten Arbeiterklassen gleichzeitig den Ersatz in versälschtem Branntwein. Kartoffelsprit ist für Preußen daS, waS Eisen und Baumwollwaaren für England sind, der Artikel, der«S auf dem Weltmarkt repräsentirt.... Die Brennerei zeigt sich als die eigent- lich« materielle Grundlage de» gegenwärtigen Preußens.... Rehr und am Trafalgarsquare" war eine Episode de« Klassenkampfes zwischen Kapital und Arbeit, der jetzt auch hier akute Formen angenommen. DaS war den Arbeitern am Sonntag noch keineswegs völlig klar. Die Sinne der Bourgeoisie find durch die Angst geschärft, sie hat einen feineren Klaffeninstinkt. Obwohl die Frage, um die eS sich handelte, eine rein politische, keine soziale war, bloS die Frage des freien Versammlungsrechte«; obwohl die weitaus größte Mehrzahl Derjenigen, die demonstrirten, Parteigänger der Liberalen waren, die für den„Grand old man" schwärmten; obwohl endlich daS Verbot der Versammlung u n g e s e tz- lich war, waS letzten Donnerstag bei der Verhandlung de« Falles Saunders der Staatsanwalt, der Vertreter der Regierung, selbst zugeben mußte; obwohl die Arbeiter die Vertheidiger des Gesetzes und die Polizisten die Gesetzesübertreter waren, trotz alledem ließ die gesammte Masse der liberalen und radikalen Parlamentarier, von Gladstone bis zum Atheisten Bradlaugh herab, die Arbeiter im Stich und gab direkt oder indirekt ihre moralische Unterstützung den TorieS und ihrer Polizei. Sie fielen ihren eigenen Parteigenossen in den Rücken, weil sie Arbeiter waren, sie halfen der Polizei, weil diese die Bourgeoisie vertheidigte. Der einzige Parlamentarier, der sich der Sache der Arbeiter annahm, war C u n n i n g h a m G r a h a m. der sich erst kürzlich als Anhänger von Karl Marx bekannt hat. Derselbe trat nicht nur in Wort und Schrift, sondern auch persönlich den Gesetzetverächtern entgegen, wofür er von diesen in der brutalsten Weise mißhandelt wurde. Die anderen„oppositionellen" Parlamentarier haben in der letzten Woche Alles ausgeboten, die Arbeiter zur Nachgiebigkeit zu bewegen. Damit war der Sieg der Regierung moralisch so gut wie entschieden. Sobald Gladstone und Genossen aus ihre Seit« traten, erhielt sie Festigkeit, sie, die bisher kopflos hin- und hergeschwankt hatte. In die Reihen der Arbeiter dagegen, die bisher entschieden und einheitlich vorgegangen waren, kam durch die Desertion ihrer guten Freunde llnentschiedenheit und Zwiespalt. Die Einen wollen morgen nach dem Hydepark, die Anderen wieder nach dem Square. Und so dürfte morgen die Regierung den Sieg, der ihr militä- r i s ch von vornherein sicher war, Dank ihren parlamentarischen Geg- nern, auch moralisch davon tragen, wenn sie nicht«ine neue Dummheit macht, was allerdings nicht ausgeschlossen ist. Militärisch ist die Regierung entschieden im Bortheil. Die enqlisch'n Arbeiter entbehren der Schule der allgemeinen Wehrpflicht und entbedren der Waffen. Dagegen ist die Polizei trefflich geschult. Alte Parteigenossen, die die Demonstrationen der Chartisten und die vom Hydepark 1888 mitmachten, versicherten mich, die Polizei von damals fei nicht im Eni- ferntesten mit der heutigen zu vergleichen. Seit Sir Charles Warren sie kommandirt, ist ein neuer Geist in sie gefahren. Sie wird immer mehr und mehr militärisch geschult und zu Maffenangriffen auf da« Volk dressirt. Di« Bourgeoisie fühlt, daß der Entscheidunzikampf naht. Di« Kolonien scheinen bestimmt zu sein, den Bluthunden, die man auf das Volk hetzt, die richtige Brutalität und Gemeinheit einzuimpfen. Als die französischen Bourgeois die Proletarier in Paris 1848 nieder- kartätschen lassen wollten, holten ste sich als geeigneten Mann dazu Cavaignac aus Algier, der im Kampf mit den Eingeborenen Afrikas aller Skrupel ledig geworden war. Sir Charles Warren hat bei der Riedermetelung der ZuluS solch exzellenten Blutdurst entwickelt, daß man ihm ruhig die Sicherheit Lonoons anvertrauen konnte. Er bebandelt die Proletarier, wie er«inst die ZuluS behandelt hat. DaS ist der Segen der Kolonialpolitik! Wie die Polizei, scheint auch daS Militär von anderem Stoffe zu sein als ehedem. 1863 sah das Militär lachend zu, wie daS Volk sich gegen die Polizei den Eingang nach Hydepark erzwang. Am„blutigen Sonn- tag" mußten manche Grenadiere von den Offizieren zurückgehalten wer- den, um nicht auf eigen« Faust die Menge zu attakiren. Sollte man ste, wie die Polizisten, besoffen gemacht haben, um sie anzufeuern? Die freiwilligen Konstailer dag-gen, die jetzt eing-schworen werden, sind militärisch ziemlich werthlos. Der„vornehmere" Bourgeois läßt sich nicht einschwören; er ist zu feig und zu bequem dazu. Er hat wohl Kouraze genug, wie das I-tzten Sonntag geschehen, vom Ballon seine« wohlbewachten Klubs die Menge anzuspucken oder der Polizei zuzu- jubeln, so oft ste ein paar Frauen niederritt, die nicht schnell genug auS dem Wege konnten, er kann auch denunziren, aber seinen kostbaren Leichnam riskirt er nicht. Di« Spezialkonstadler sind zum großen Th-il HandlungSkommis, die von ihren Chefs zum Dienst kommandirt werden und die nur mit halbem Herzen dabei sind. Nur«ine Bevöl- kerungsschichte meldete sich mit wah-erWollust zum freiwilligen Polizei- dienst, das sind— die Studenten, namentlich die Mediziner. Werden unsere deutschen Studenten nicht gelb vor Neid? Werter al» zum Denunzianten haben sie es ja nicht gebrachl.») Die freiwilligen Polizisten werden das Vaterland nicht retten. Aber Trafalgarsquare ist zur Vertheidigung so günstig gelungen, daß zwei Drittel der regulären Polizeimacht— die insge'ammt 15,008 Mann beträgt— namentlich wenn durch Militär unterstützt, mehr als hinreichend sind, jede Macht, die morgen ausgeboten werden kann, davon fernzuhalten. «eußerlich dürfte also die R-gi-rung siegen. Und sie geberdet sich bereits ganz übermüthig und hat gestern ein Kompromiß verworfen, da« ») Da thut unser Genosse aber den deutschen Studenten bitter Un- recht. In den Stöcker'schen Versammlungen, bei der letzten Reich- tags, wähl»m Leipziger Landkrerse haben sich die Herren brillant als freiwil« lige Polizeimannschaft bewährt. Anmerkung der Redaktion. Broschüre über„die Bakunisten an der Arbeit", die die anarchistischen Putsche in Spanien au« dem Jahre 1878 beleuchtet, ist namentlich für uns Oesterreicher sehr beh-rzigenswerth. Die anderen Aelegenheitsschristen von Engels sind meist polemischer Natur; aber die Polemik ist nur die Veranlassung zur positiven Ent- Wicklung verschiedener Seiten der eignen Theorie. Daher sind sie nicht veraltet, wie man an deutlichsten au» der That- fache ersieht, daß eben jetzt wieder neue Auflagen derselben nothwendig wurden. Die» ist unter Anderem der Fall mit der„Wohnungsfrage", einer Polemik gegen den kleinbürgerlichen Proudhonisten Mülberger, dessen sich ältere österreichische Genossen noch erinnern dürsten. Die Broschüre erschien 1872 zuerst im„Bolksstaat" in einer Reihe von Ar- tikeln, dann im Separatabdruck, und wurde jetzt in Zürich von der Volksbuchhandlung neu herausgegeben, mit einem Vorwort, da» nament- lich die neue industrielle Entwicklung Deutschlands charakteriflrt, und das die zweite Auflage auch für die Besitzer der ersten werthvoll macht. 187- erschien, ebenfalls als Separatabdruck auS dem„Volksstaat", die Broschüre„Soziales au» Rußland",«in« Polemik gegen den Baku- nisten Tkatschkoff, die Veranlassung gibt, den Standpunkt de« modernen wissenschaftlichen Sozialismus gegenüber den russischen Verhältnissen und Einrichtungen sestzust-llen. Bon besonderen Interesse ist es. wai Enc elS über die»rteli(urwüchstge Genossenschaften) und den Gemeindekommunis- mehr begünstigt von der Nachfraqe. konnte sie(die preußische Brennerei) sich zur Zentr-lschnapSsabrik der Welt erheben. Unter den vorgefundenen gesellschaftliche» Verhältnissen hieß dies nichts Andere«, al« die«usbil- dung einerseits einer Klasse mittelgroßer Grundbesitzer, deren junge Sögne das Hauptmatcrial liefern für die Offiziere der Armee und für die Bureaukratie... andererseits einer sich verhSltmßmSßig rasch»er- mehrenden Klaffe der Halbhörigen, aus denen sich die Rasse der„Kern- regimenter" der Aruie-. rekrutirt____ Kur,, wenn Preußen in den Stand gesetzt wurde, die ISIS verschluckten w-st-lbischen Brocken einigermaßen zu verdauen, 1848 die Revolution in Berlin zu erdrücken, 1843 trotz der rheinisch-westsällschen Aufstände an die Spitze der Reaktion zu treten, 1866 den Krieg mit Oesterreich durchzuführen und 1871 ganz klein- d-utschland unter die Führung des zurückgebliebensten, stabilsten, unge- bildetsten, noch halb feudalen TheilS von Deutschland zu bringen, wem verdankt«S da«? Der E ch n a p S b r e n n e r e i."(S. 10— 18) Es ist daher nur recht und billig, wenn daS deutsche Reich die Schnaps- brenner für dies« Dienst« vermittelst des Monopols auch gehörig bezahlt. ihr die„Gemäßigten" unter den Arbeitern auf Veranlassung von liberalen Parlamenteriern antrugen. Aber diese Woche wird nicht vergessen werden. Die Brutalität der TorieS, die Feigheit der Liberalen, die Gefetzlofig« ieit Beider, sobald eS sich um die Arbeiter handelt, haben einen tiefen Eindruck auf diese gemacht, den Nichts so bald wird verlöschen können, dm neue Ereignisse wohl noch vertiefen werden. Der Prozeß der Treu- nung der Arbeiterklasse von den alten Parteien, die Bildung einer neum, selbstftändigen Arbeiterpartei, die sozialistisch werden muß, wird durch Ereignisse, wie die der letzten Woche, mehr gefördert, als durch jähre« lange Agitation in Wort und Schrift. Die Arbeiter Londons fühlen es jetzt, daß sie sich auf Niemanden verlassen könnm als auf sich selbst, daß ihre guten Freunde, die Liberalen, sie im Stiche lassen, wenn es eine Entscheidung gilt, daß die so viel versprechendm Konservativen sie Niederschlagen, wenn sie eine eigme Regung versuchen. Welchen Ausgang auch zunächst die jetzige Bewegung nehmm Möge, auf jeden Fall wird ste der Sozialdemokratie in England einen mäch- tigen Anstoß nach vorwärts geben. Aus Australien(Viktorialand). Ri'chmond bei Melbourne, im Oktober 1887, Mit Gegenwärtigem wollen wir unserem Versprechen, uuserm deutschen Genossen Einiges über die hiesigen wirthschastlichen ic. Verhältnisse mtt- zutheilen, so gut es in unseren Kräften steht, nachkommen. Das Material haben die verschiedenm Mitglieder unseres LereinS je nach ihrem vernf zusammengetragen. Zunächst Einiges über Viktorialand selbst. Dies« Kolonie bat ihre Schwesterkolonten industriell längst überflügett, wozu sicher tbre Schutzzollpolitik nicht wenig beigetragen hat. Sie er« möglichte es den hiesigen Industriellen, erfolgreich mit dem Ausland z« konkurriren. Melbourne allein hat eine groß- Anzahl von Fabriken jed« weder Branche, in dmen viele Tausende von Arbeitern beschäftigt wer« den. Der hervorragendste Geschäftszweig ist unzweifelhaft dt« Eisen« Industrie. Zum Beispiel wird fast«ll-S, was zum Eisenbahnbetrieb erforderlich, hier fabrizirt; der Bahnverkehr hat in diesem, verhällniß« mäßig jungen Lande«inen wahrhaft staun«»erregenden Aufschwung ge» nomine». So ist z. B. Richmond, eine ha lbe Swnde von Melbourne, «in KreuzungSpunkt von drei Linien, wo täglich ca. 400 Züge passtren, welche den Verkehr zwischen der Stadt und den einzelnen Vorstädten vermitteln. Da wir nun gerade bei der Eisenbranche find, so wollm wir noch einige Punkte hervorheben. Für Schlosser und Dreher ist gegm« wärtig hier viel Arbeit, jedoch ist das Angebot von Arbeitern noch weit größer al« die Nachfrage, da in Adelaide und Sidney fast gar nichts zu thun ist. Sidney hat Freihandel und in Adelaide wird größtentheil« noch AlleS importirt, daher dort diese Arbeitslosigkeit, und daher ist Melbourne stets mit Arbeitsuchenden von dort überschwemmt. Tie Eisen- fabriken find durchweg in den Händen von Engländern, die Arbeiter in denselbm in Trades Union« ziemlich gut organistrt; der Lohn steht auf 10 Rk. bei achtstündiger Arbeitszeit. Für Deutsch« ist ei schwer, ve« schäftigung zu erhalten, schon wegen der Sprache; der deutsche Arbeiter ist in der Regel zunächst gezwungm, billiger zu arbeiten, doch hat-in tüchtiger Arbeiter mit einiger Energie innerhalb zwei Jahren diese Hinderniffe überwunden, so daß er mit den englischen Arbeftskollegea sehr wohl auskommen kann. Gehen wir nur über zum Maurerhandwerk. Der Lohn der Maurer ist 10—11 Mi. pro Tag bei achistündig« Arbeitszeit. Denjenigen, welche die hiesigen Verhältnisse nicht kennen, wird dieser Lohn gegenüber den Lebensmittelpreisen hoch vorkommen, doch vermindert sich derselbe bei näherer Prüfung ganz wesentlich, so daß man das Einkommen der Maurergehilfen auf durchschnittlich nicht mehr wie 40 Mk. die Woche veranschlagen darf. Erstlich wird während de« Winter»(oder besser der Regenzeit) viel Zeit verloren, ein Arbeiter schätzt sich glücklich, wenn er alsdann 2 oder 3 Tage in der Woch« arbeiten kann. Ferner kennt man ein« anhaltende oder beständige Arbettz wie man es in Deutschland gewohnt ist, hier überhaupt nicht, weil dir Arbeit streng getheilt ist. Der Maurer sBricklayer) legt nur Ziegelstein«; folglich werden die Arbeitsplätze sehr oft gewechselt, und geht daher beim Suchen nach neuer Beschäftigung wiederum viel Zeit verloren. Die Bauarbeiten werden sämmtlich in Kontrakt vergeben. Noch eines großen Uebelstandes wollen wir erwähnen, nämlich des Lehrlingswesens oder-Unwesens. Eine festgesetzte Lehrzeit exifltrt nicht, die jungen Leute sangen oft mit lö Jahren an, das Handwerk zu erlernen, und arbeiten bis zu 20, ja 24 Jahren als„Jmprover" bei niedrigerem Lohne, wodurch den älteren Arbeitern eine große Konkur- renz gemacht wird. Oft steht man aus Bauten, auf denen 20 Man« arbeiten, 10 solcher„Jungen". Eine Waurer-Vereinigung existirt auch, doch hat st« es noch n»cht fertig gebracht, diesem Uebelstande ein End« zu machen. DaS Zimmerhandwerk. Der Zimmermann wird vollständig durch den Bautischler ersetzt. Ein« Dachkonstruktion, wie sie in Deutschland zur Anwendung kommt, wird hier übelflüssig; schon daS Klima bedingt eine leichte Bedachung. So bestehen z. B. die Sparren aus Brettern von 1,74 Centtmeter Dicke bei 6 Zentimeter Breite. Der nöthige Verband wird durch deutschen Draht» still hergestellt, der überhaupt bei allen Holzbauten hier eine große Roll« spielt. Wie aus Angeführtem zu ersehen, wird hier sehr leicht und«beus» muS der Russen und die Bedeutung dieser Institutionen für den Sozi» lismus sagt. Leider ist von dieser Broschüre eine jweite Auflage bisher noch nicht erschienen, obgleich die erste längst vergriffen ist. Zwei Jahre späler veröffentlichte Engels seine Polemik gegen Dühring, Es war«in Jahr vor Erlaß deS Sozialistengesetze«. Ein Th-il der deutschen Sozialdemokratie wiegt« sich in den kühnsten Illusionen; das Schwerst- schien überwunden und Mancher sah schon den Tag komme«, wo ein« sozialdemokratische Majorität im deutschen Reichstage die Ein« sührung des„sozialistischen Staates" beschließen werde, und zerbrach stch bereits den Kops darüber, wie dessen Durchführung am einsachsten und schmerzlosesten zu gestalten. Die Sozialdemokratie war die aussteigend« Sonne und nicht nur das Proletariat wandte sich ihr zu, sondern ein« ganz« Meng« mißvergnügter Elemente der besitzenden Klassen, verkannt« Genies, die bei den Arbeitern die Anerkennung zu finden hofften, die ihnen die Bourgeoisie verweigerte, Jmpsgegner, Naturheilärzte, Literat» aller Art, Schäffles und Konforlen. Es war schwer, diese Leute vo» denjenigen bürgerlichen Elementen zu unterscheiden, die wirklich aus Interesse für das Proletariat und nicht aus bloßem Aerger über die Bourgeoisie zu un» kamen. Bon einem Th-il der Genossen, namentlich den jünger» und unerfahrener», wurden alle diese Zuzügler freudig aus« genommen: in der That, wenn selbst Professoren und Doktoren sich zur Sozialdemokratie bekehrten, dann war deren Sieg nicht mehr weit. Aber die Herren Professoren und Doktoren hatten keineswegs die Ab- ficht, mit der Bourgeoisie zu brechen. Sie wollten allerdings mit Hilf« der Sozialdemokratie eine Rolle spielen, sie wollten aber durch sie auch die Anerkennung der Bourgeoisie erringen. ES handelte sich daher für sie vor Allem darum, die Sozialdemokratie respektabel, salonfähig zu machen, ihr ihren proletarischen Charakter zu nehmen. Da galt es, den bürgerlich-ideologischen Elementen, die aus die Sozial- demokratie in dieser Weise Einfluß zu nehmen begannen, einen Riegel vorzuschieben. Einer der hervorragendsten und begabtesten unter diese« Salon-Sozialisten war unstreitig der Berliner Prwatdozent Eugen Dühring, ein Rann von großen GeisteöfähiMten, der Bedeutendes hätte leisten können, wenn er etwas mehr von der Rarx-EngelS'schm Selbstkritik und weniger von dem Erbübel deS deutschen Literaten, dem Größenwahn, in sich gehabt hätte. So glaubt« Herr Dühring, sein G-nie überhebe ihn der Nothwendigkeit, die Verhältnisse, über die er philo- sophirte, auch gründlich zu studiren. Er war weniger philisterhast und kühner al» Schäffle und begann in Berlin namentlich auf die jüngeren Elemente der Partei guß-n Einfluß zu üb�n. Er war kein mrachUlch-r Gegner und daher drangen h-währte Genossen in Engels, er möge selbst }rt !« in, m, lo cht nd tt t >ie «, im >ie «» irt s ir- m ch. d« schnell geiaut, nur»ei grSieren Bauten finden«»«nahmen statt. Roch iti|u bemerken, daß auch in diesem Hindwerk große« Ueberanzebot von «rvtWtriflen vorhanden ist, da« noch dadu ch vermehrt wird, daß in den letzten Jahren viel- Ziegelöien(Hoffmann�che Aonstcukrion) gebaut 'wurden, und so die HolrhSuser immer mehr verdrängt werden. Der durch chnittliche Lohn beträgt 3S Mk. Tischlerei. M«b die Möbeltischlerei anbetrifft, steht e« mit dieser in Nittorialand von allen Kolonien noch am besten. Es find in dieser höcanche ungefähr 1000 Arbeiter beschäftigt, 200 Weiße und 800 Gelbe lsEhinesen). Der Lohn für Erster« variirt z-vrschen 7 und S Mk. pro dilag, der der Letzteren beträgt 15 Mk. die Woche. Es sind hier 5— 6 �Fabriken, die da» ganz- Geschäft in bänden haben. Sind die Zeiten flau, lo feiert der Weiße, während der Chinese ruhig weiter arbeitet, jedoch nur geringe Sachen verfertigt. N benbei wird auch noch manche« gute und schlechte Stück Möbel au« England und Amerika importirt. Akkord- Arbeit ist sehr wenig. Der deutsche Tischler empfindet«S besonders unangenehm, daß er keine Hobelbank nach deutschem Begriff erhält, sondern nur«ine Art Bock mit einer Schraub« versehen; es kostet eine Kaum- Zeit, bi« sich der Ankömmling daran gewöhnt. Jeder Tischler , außer der Bank, sein eigene« Werkzeug zu halten. Gegenwärtig herrscht eine starke Opposition gegen die Ehinesen-Sin- Wanderung. Die Kopf-Steuer, welche bis 10 Pf. St. betrug, soll auf !bO Pf. Et. erhöht werden, bei einer jährlich n Egtrasteuer von 10 Ps». Auch soll die Einwanderung auf ein Minimum beschränkt werden. Frauen Päd von der Einwanderung ganz«»«geschloffen. (Schluß folgt.) Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 28. November 1887. — I« mehr aui'ührliche und authentische Nachrichten über die letz- im Vorgänge in der Ehicagoer Tragödie eintreffen, um so Wehr steigert sich unsre Entrüstung über den schändlichen Justiz- Word, der in dem„Lande der Freiheit" unter der heuchlerischen Larve des Rechts begangen worden. Schmachvoller ist der Begriff diese« Vort-S nie herabgewürdigt worden, al« gegenüber den gemordeten Raarchisten. Alle Bertheidiger der Todesstrafe waren bisher wenigstens darin »inig, daß dieselbe nur da ausgesührt werden darf, wo eine wirkliche, tzesetzlich mit dem Tod bedroht- Schuld unzweifelhaft erwiesen ist. War #«« bei d-n Chicagoern der Fall? Mit Nichten. Heroorragende Juristen, Richter, Deputirte, Senatoren aus verschiedenen Staaten der llnwn haben die Rechtmäßigkeit d-S Richterspruchs öffentlich angezweifelt, die Schuldbeweis« für ungenügend erklärt. Roch mehr, Herr Gary, derselbe Mann, der das Tode Surtheil gefällt, hat in seiner Befürwortung der Begnadigungsgesuche von Schwab und Ktelden selbst den Bewei« geliefert, daß da« Urtheil ein reine« Tendenzurtheil war. Es heißt in seinem Schreiben an den Souverneur Oglesbp in Bezug auf Fielden wörtlich: „E« liegen keine Beweise vor, daß er um die Bor- dereitungen für diesen bestimmten Akt der Bomben- werfung wußte, durch den(der Polizist) Degan zu Tode W" Run, wenn da« feststeht, wie konnte man Fielden überhaupt zum Tode berurtheilen? In welchem Lande der Welt mordet man Menschen wegen chrer Anschauungen, wegen Reden, die sie geführt? Und gilt, was von vielden gesagt wird, nicht auch von Parsons und von Spieß? Bon Parsons, nach deffen Rede auf dem Heumarkt Bürgermeister Harrison wm Polizeihauptmann Bonfield sagte:„Die Bersammlung ist eine fried- eiche, schicken Sie Ihre Leute nach Hause!" Aber Parsons hat ketn«nadengesuch eingereicht, keine„Reue" de- «Ndet! Erbärmliche Ausflucht. Worüber sollte Parsons Reue empfinden? Ueber seine Grundsätze? D, so verzichtet doch ein für allemal darauf, über die spanische Jnqai- sition den Stab zu brechen, sie war tausendmal ehrenhafter als Ihr, denn fie brüstet« sich ntcht mit den Attributen der Freiheit, die Ihr deständig im Munde führt. Ueber da«„Verbrechen", wegen deffen er tum Tode verurtheilt worden? Aber da« hieß ein« Schuld eingestehen, bon der er sich frei wußte. Welch abscheulicher Sewiffenszwang! Und war e« denn absolut nothwendig, daß sich die Berurtheilten dieser Moralischen Folter unterwarfen, um ihr Leben zu retten? Band wirk- lich das Gesetz Herrn OgleSby in dieser Beziehung die Hände, wie er in der Begründung seine« Entscheides behauptet? Keineswegs, er brauchte nur einen Aufschub der Bollstreckung t« versügen, wozu er das Recht hatte, und um die ihn Kapitän Black, der Anwalt der Berurtheilten, ersucht hatte, unter Vorlegung der g«- sichtlich beschworenen Aussage eines Shicagocr Kaufmann« (über die Art der„Packung" der Geschwornen), die«ine Wiederausnahme de» Prozeffes unbedingt rechtfertigte, und es war die Möglichkeit gegeben, dw Bollstreckung eines schmachvollen T-ndenzurtheil« ganz zu umgehen. Aber Herr OgleSbtz wollte nicht. Darüber kann gar kein Zweifel �stehen. Die Honnet« Gesellschaft in ihrer Mehrheit verlangte den Tod, das„Ansehen der Justiz", das, wenn es sich um A r b e i t e r und A r- deitervertreter handelt,„heilig" ist, verlangt« den Tod, und der Vertreter der honneten Gesellschaft verfügt« den Tod. Nicht nur über Kl den Mann auftreten, die Hohlheit seiner Philosophie darlegen, ben aber auch den Charakter unserer Bewegung scharf hervorheben. Die« die Entstehungsgeschichte de«„Anti-Dühring", wie man da« Buch Meist kurz benannt, deffen Titel lautet:„Herrn Eugen Dühring'S Um-{ Wälzung der Wiffenschaft". Sin« zweit« Auflage erschien im vorigen I Jahre in Zürich in der Bolksbuchhandlung, nachdem früher schon einig« 1 Abchnitle daraus mit Hinweglaffung der polemischen Stellen asS beson- d«r- Broschüre unter dem Titel: Entwicklung de« Sozialismus von der Atopie zur Wissenschaft" erschienen waren. i Di« Veranlassung de«„Anti-Dühring" ist längst vergessen. Nicht nur yerr Dühring ist für die Sozialdemokratie abgethan, der ganze Troß der akademische« und platonischen Sozialisten ist vom Sozialistengesetz »«ggesegt worden, welche« wenigsten« da« eine Gute hatte, zu zeigen, WZ die verläßlichen Siuh-n unserer«ewegung zu suchen find. Da« Bach "st hat aber trotz dieser Umwandlung der Berhältniffe kein Iota an. Jedeutunjj verloren. Dühring war sehr vielseitig gewesen, er schrieb dber Mathematik und Mechanik, wie über Philosophie und Rational« Ökonomie, über Juristerei wie über Urgeschichte u. s. w. Auf alle diese ««biet« folgte ihm Engel«, der ebenso vielieilig ist wie Dührmg, aber M etwas anderer weise. Seine Vielseitigkeit ist gepaart mit einer Gründlichkeit» die heut« fast nur noch bei einseitig gebildeten Spezialgelehrlen gefunden wird und auch da nicht oft. Denn die moderne Wiffenschaft ist vom Charakter der modernen Produktionsweise angesteckt .....—'*■— h.« üeberbatt raschen, schleuder- �ltffenschaft sind wre ow on nun-.».»...«..--............_ Womit nicht gesagt sei» soll, daß für die schlechten Produkte, wenn sie «""de Modeartikel find, nicht auch mitunter horrend« Preis« bezuhlt �rden. Der oberflächlichen Vielseitigkeit de« Herrn Dühring verdanken wir daß der„Anti-Dühring zu einem Luch« ward, da« di« wichtigsten MMtlUbe« gesummten modernenWissen« vom Standpunkte Rari-Engels schen Materialist. ichen Dialektik au« behandelt. Rächst MM„Kapital" ist der„Anti-DührUtg" dal ßfimdtfUtbf Skfl des Sozialismus geworden. Dortfetzung fW die anaeblichm Theilnehmer an der angeblich-n„Verschwörung" Engel und Fischer, sondern auch über Parsons und Svi-ß. Wir haben in einer früheren Nummer von der telegraphischen Mel- dung Notiz genommen, wonach Spieß Lingg„denunzirt" haben sollte, und sofort ihre Richtigkeit bezweifelt. W>« Recht wir damit hatten, geht aus den nunmehr vorliegenden Zeiwngsberichlen hervor. Spieß hat nur, als die Dynamitbomben in Lingg'S Zelle gefunden wurden, eine Erklä- rung abgegeben, in der er sich heftig über die„Monomanie" Lingg'S beschwerte und deffen Berhalten entschieden desavouirte. Die biederen deutschen Reporter haben das englische Wort ckonounoo in ihr geliebte« Svitzeldeutsch mit„denunziren" übersetzt, während es im Englischen den Sinn von„öffentlich anklagen" hat. Die Spieß'sche Erklärung gegen Lingg ist vielleicht nicht sehr rühmlich, aber sie ist weit entfernt von einer Schurkerei, und erklärt sich aus der Situation. Die bei Lingg g-sun- denen Bomben hatten in Chicago einen solchen Umschwung der öffent- lichen Meinung bewirkt, daß Hunderte von Bürgern, die die Begnadi« gungspetitionen unterschrieben, sofort öffentlich ihre Unterschrist zurück« zogen. Das Gnadengesuch, welches Spieß, Schwab und Fielden eingereicht, lautet: „Chicago, 8. November 1887. An den Gouverneur Richard Ozleiby, Springfield, III. Geehrter Herr! Um Sie und das Publikum, welche« Sie repräsen- tiren, von der wahren Sachlage zu unterrichten, wollen wir hiemit er- klären, daß wir der Anwendung von Gewalt nur dann da« Wort redeten, wenn es sich um Selbstvertheidigung handelte. Die gegen un« erhobene Anklage, daß wir am 4. Mai 1888 oder zu irgend einer anderen Zeit den Versuch machten, die Gesetze und die Regierung zu stürzen, ist ebenso falsch als absurd. Was immer wir sagten oder thaten, wurde öffentlich gesagt und g-than; wir haben un« niemal« zur Berübunz einer unge- setzlichen That verschworen. Während wir die bestehenden Berhältniffe in Wort und Schrift tadelten und die Ungleichheiten derselben darlegten, haben wir wissentlich die Gesetze niemals verletzt. Wir haben nicht nur niemals die Ermordung irgend Jemondes auf dem Heumarkt oder sonst wo geplant, sondernder allemige Zweck der Versammlung war derjenige, gegen die VerÜbung von Mord zu protestiren. Als Freund« der Arbeit und Freiheit erachten wir es als unsere Pflicht, zu der Anwendung von Gewalt nur dann zu rathen, wenn es sich um die Vertheidigung heiliger Rechte gegen ungesetzliche Angriffe handelt. Alle unsere Bemühunaen waren darauf gerichtet, die Menschheit zu beben uno die Ursache der Verbrechen in der menschlichen Gesellschaft möglichst zu beseitigen. Unsre Arbeit war eine uneigennützige; wir wurden dazu durch keinerlei Motive persönlichen Gewinnes oder Ehrgeize« veranlaßt. Tausende und Aber- tausende werden uns dieS bezeugen. Unsere Ansichten mögen zeitweise unrichtig gewesen sein; vielleicht haben wir un« durch unsere Liebe zur Menschheit zu sehr hinreißen lassen. Wenn wir in dem Enthusiatmu«, für unsere Sache Propaganda zu machen, un« zu Ausdrücken verstiegen, welche Arbeiter zu der Ansicht veranlaßten, daß agreffive Gewalt ein legitimes Reformmittel sei, so bedauern wir dies. Wir beklagen den Verlust von Menschenleben auf dem Heumarkt, bei der McCormick'schen Fabrik, in East St. Louit, sowie bei den Chicagoer Viehhöfen. Ergebenst A. Spie«, M. Schwab, S. Fielden. Schwab und Fielden gaben dann später noch Erklärungen ab, laut denen sie bekennen, daß viele ihrer Aeußerungen unklug und irrig und danach angethan waren, zu unnöthiger Gewalt aufzureizen, und daß sie die Folgen der Gewaltthaten bei der Heumarkt-Versammlung bedauern, Spieß forderte in einem zweiten Brief an den Gouverneur denselben auf, es bei der Hinrichtung eineS der Berurtheilten bewenden zu lassen und zwar ihn selbst zu wählen. Engel, Fischer, Lingg und Parlon« lehnte jede Umwandlung ihrer Strafe ab und verlangten Freiheit oder Tod. Ihr Verlangen wurde erfüllt, ihr Tod war von vornherein beschlossen. Und ebenso der von Spieß. Der ganze Gnadenakt war abgekartete Komödie. Aber die Komödie wurde gut gespielt, und die Komödianten haben sich„um Staat und Gesellschaft wohl verdient" gemacht. — Tiefe« hängen. Di«„Leipziger Zeitung", da« amtliche Organ der sächsischen Regierung, schreibt in seiner Nummer vom 12. d. Mts. mit Bezug aus daS Telegramm unsrer Genossen Bebel, Grillenberge r, Liebknecht und Singer an d-n Gouver- neur de« Staates Illinois, worin dieser ersucht wird, i m Namen der Menschlichkeit das Leben der sieben Berurtheilten zu schonen: „Die Schonung von Massenmördern„im Namen der Menschlichkeit", das ist also dre neueste praktische Konsequenz des Parteitages von St. Gallen. Das Leben von Menschen zu schonen, die sich nicht entblödeten, Hundert« ihrer Milmenschen, die ihnen nichts gethan, die ste nicht einmal kennen, einem qualvollen Tod entgegen zu führen— da« allo ist da« Evange- lium der neuesten HumanitätSlehre unserer„Gemäßigten". Fürwahr, Herr Eonnemann in Frankfurt erlebt Freude an seinen Schützlingen. So da« bei jeder Gelegenheit s-ineS„Anstand«" und seine«„gebil- beten Tons" sich rühmende Oraan der sächsischen Regierung im Allgemeinen und de«„G e n t l e m a n" Nosttz-Wallwitz im Besondern. Also daß„die Schonung von Massenmördern"„im Namen der Menschlichkeit" gefordert wird, verletzt und empört die Gefühle der„Leipziger Zeitung". Die„Massenmörder" wollten wir bei Seite lassen, und die„Hunderte ihrer Mitmenschen", welche di« Opfer de» Chicagoer Prozesses„gemordet" haben sollen, wollten wir der wahrheitS- liebenden„Leipziger Zeitung" schenken. Aber hat die, sich nicht blo« ihrer Bildung, sondern auch ihrer„Wissenschastlichkett" gern rühmende„Leip- ziger Zeitung" nichts von einem gewissen B e c c a r i a gehört, der schon vor länger alS 100 Jahren„im Namen der M e n s ch l i ch k e t t" die Abschaffung derTodeSstrase forderte und doch.oon den Herrschern der Erde geehrt ward? Letzteres freilich würde ihm heute nicht zu Theil werden. Damals war„da» Jahrhundert der Aufklärung", wo selbst die Gewalthaber sich vor der Macht der Joe« beugten oder minde- st-ns zu beugen sich den Anschein gaben: während heute die Idee ver- fehmt ist und die Gewalthaber nur zwei Gözen kennen: da« goldene Kalb und d-n Moloch der Renschenschlächterei. wer heut« die Abschaffung der Todesstrafe befürwortet, gilt in den Kreisen der Gewalthaber und Gewaltanbeter schon für einen Umstürzler. Und wer „im Namen der Menschlichkeit" spricht, wie einst Beccaria gesprochen, und wie die leuchtendsten„Ritter vom Geist" im Laufe diese« Jahr- hundert« gesprochen— der ist ein„Anarchist", ein Hochverrätherl Aber so mußte es kommen, daß die M enschli ch k e it selbst von den Sewallhabern und ihren Soldknechten in Acht und Bann g-than wird. Daß daS„K a n z l e r b l a t t", die„Norddeutsche Allgemeine", jenes Telegramm an den Gouverneur von Illinois für einen Bewei«„der Zusammenzehörigkeit von S o z i a l i st e n und A n a r ch i st e n" erklären würde, verstand sich von selbst. Pindter-BiSmarck oder Bt«- marck-Pindter können in Pankto der Fälschung,«nd namentlich in Punkto de« Denunzirens nichts Ueberraschendes mehr verüben. Sie haben den Gipfel bereits seit Langem erreicht. Und von dem kleinen Gesindel wollen wir gar nicht sprechen. Bon Leuten, die nur Verständniß für— Trinkgelder haben, kann man nicht verlangen, daß fie auch nur begreisen, was Menschlichkeit heißt. Uebrigens sei dem deutsche» Teunuziantenpack die Thatsache unter die Rase gerieben, daß drüben nicht nur Sozialisten und wa« der Umstürzler sonst noch find, sich wider die Vollziehung der Tode«- strafe an den verurtHeiltenAnarchisten verwendet haben. sondern auch sehr konservative Bürger in angeschenen Stellungen, sowi. — wa« sich die fromm«„Leipziger Zeitung" ganz besonder« merken mag— Geistliche allerKonfessionen. So besprach am 80. vk« tober in der dritten Unitarier-Kirch« in Chicago der Prediger I. Bila Blake in feiner Predigt die Gründe, weshalb da« gegen die„Anarchisten" gefällt« Tode«urtheil nicht vollzogen werden sollte. Er sagte nach den Zeitungen unter Anderem, daß die Verurtheil- ten wohl ein- Strafe veroient hätten, daß st- aber einer andern Gattung von L-rbrech-rn angehörte«, ali Einbrecher, Mörder und Straßenräuber. Sie seien da« Produkt sozialer Uebelstände. Das Elend und der Geist der Gewalt Reoulutlon, verursacht durch hundertjährige Tyrannei in Sa- ropa, stäck- ihnen im Blut, wie den Puritanern die MäßigkeUSschrullen und di« vabdathheiligung. Man sag«, daß diese Leute in einem monar- chlschen Land« entschuldbar seien, aber nicht in unserer Republik, wo wir freies Stimmrecht haben.„Aber," so srug der Prediger,„haben wir wirk tlch«hrtiche Wahlen» Vtad nicht nnjcrc vtsißM! ff lwt> Pttlausi, Wahl'chmindel getrieben und die Stimmkästen gestohlen worden? Ha Nicht mähtize un» einflußreiche Kapitals-Bereinigung häufig genug hie? die Gesetze umganzen, verdreht, die G-setzgeber käuflich gewonnen und dem Volke Trotz geboten? Ich wüßte solche Handlungen nicht ander« zu nennen al« Verbrechen, und eben diese Verbrechen sind es, welche Anar« chisten erzeugen." Zum Schlüsse, heißt e», verla« der P'stor«ine lange Petition an dttl Gouverneur um Gnade für die Verunheilien, und erhielt dieselbe an hundert Unterschriften. Ein Komite wurde ernannt, das dem Gouver» neur die Petition unterbreiten soll." Wahrscheinlich war dieser Priester auch ein verkappter Bunde«gen off« der Anarchisten. wie stark diese Anarchisten doch sein müssen, wenn e» nach der Reptil» presse ginge. — Da» längst verkündete und den deutschen Arbeitern schon vor seiner Geburt in den glänzendsten Farben angepriesene Schlußwerk der grrroßen Sozialreform hat nun endlich greifbare Gestalt angenommen. Am 17. November, am sechsten Jahrestag der famosen kaiserlichen Bot» schaft, hat die„Norddeutsche Allgemeine" der staunenden Welt di« „Grundzüge zur Alter«- und Jnvaliden-Bersorgung der Ardeiter" verkündet. Wir können zum Ruhm« dieser neueste« Leistung auf dem Gebiete des praktischen Christenthums nichts bessere« sagen, al« daß ste nirgends Begeisterung hervorgerufen. Niemand auch nur zu geheuchelter Begeisterung hinzureißen vermocht, wohl aber dick in die Kreis« des lammfrommen„Retchiboten" hinein Widerspruch erfahren hat. Die Leistungen für die Arbeiterklasse sind mehr wie jämmerlich. Di« Altersrente, die aber erst nach abgelegtem 70. Lebensjahr, d. h. in eine« Alter, da« von 1000 Arbeitern keine 10 erleben, ausbezahlt wird, soll — man höre und staune— 120 Mark pro Jahr, d. h. ganze 38Pse«» nige pro Tag, betragen. Für Frauen 80 Mark, bezw. 22 Pfennige. Welch sorgenfreie«, üppige« Leben die ergrauten Proletarier werde» führen können, die alle Fährnisse ihre« Beruf« glücklich überwunde«. Beneidenswerlh- Reichsrentiers, wie werdet Ihr Euch gut thun von 83 Pfennigen pro Tag l Nicht minder glänzend ist die Invalidenrente normirt. Sie soll für Männer nach fünfjähriger Wartezeit 120 Mark pro Jahr betragen und steigt bei regelmäßiger Einzahlung der Versicherung« Bei» träge, d. h. wenn der Arbeiter das Glück hatte, jahraus, jahrein reget» mäßig beschäftigt zu sein, nach Ablauf von 15 Beitraqsjahren jährlich um 4 Mark bis zum HSchstbetrage von 25« Mark pro Jahr(somit muß der Arbeiter, der vom 17. Lebensjahr eintritt,«4 Jahre alt werden, um Anspruch auf di-se höchste Invalidenrente zu erhalten, vor- au»g-setzt, daß er da« Kunststück fertig bringt, während der ganzen Zeit regelmäßig beschäftigt zu sein).") Wahrscheinlich um ihm diese« Kunststück zu erleichtern, ist die Bestim- mung getroffen, daß die BeitragSbücher der Arbeiter von d-n Prinzi» paien derselben geführt werden, die bequemste Art, die heißersehntea — Arbeitsbücher herzustellen. Und da zu Organen der Bersiche« rung natürlich di- famosen BerusSgenossenschafte» der Unternehmer auSerwählt sind, so kann ei den Arbeitern gar nicht fehlen an— Bormündern. Ist es zu viel, wenn fie für alle die Herr- lichteiten einen Beitrag von 2 Pfg. pro Werktag, d.h. 8 Mark pro Jahr, leisten? Emen ebenso hohen Beiiraz wird da« Reich au« dem Ertrag« der Steuern zuschießen, sie werden den Arbeitern in Form von in» direkten Steuern am Munde abze— spart, und da« dritte Drittel haben die Unternehmer zu tragen. Dies das Wesentlichste des mit so großem Fleiß in jahrelanger, müh- samer Arbeit auszeheckten PlanS. Den ganzen Entwurf in seinen Einzel» Herten durchzugehen, fehlt uns der Raum. Unser summarische« Urtheil können wir nach einem alten Muster in folgende Worte zusammensaffe» t, der Entwurf hat zwei Seiten, eine gute und eine schlechte. Die gute besteht darin, daß er di- Pflicht der staatlichen Fürsorge für die Jnoaliven der Arbeit im Prinzip anertennt. Die schlechte besteht darin, daß er diese« Prinzip in der denkbar ge- schtcktesten Weise verhunzt. — In de« christlich-soztalen Mnster-Jnstitnte« de« Pastor Bodetschwingh in, bezw. bei Bielefeld, aus denen wir schon so manche nette Vorgänge mitzutheilen hatten, scheint wirklich ein gang merkwürdiger Geist zu walten,«an höre nur, wa» deutsche Blätter neulich wieder in dieser Beziehung zu berichten hatten: „Voriges Jahr kam aus Bielefeld die schreckliche Kunde, daß in dem Bodelschwingh'schen Institut« zwei Gebäude, in denen Geiste»- schwache und krank- Kinder sich befanden, von ruchloser Hanv in Brand gesteckt worden seien. Die Kranken und Schwachsinnige» konnten allerdings noch gerettet werden, die Gebäude aber brannten fast total ab. Es erhoben sich damals Stimmen, welche diese niederträchtig« That den dortigen Sozialdemokraten unterschieben wölk» ten, wie daS jetzt so leicht geschieht. Doch bot sich keinerlei AnhaUt» punkt, aber es mag bi« in die jüngste Zeit hinein ehrsame Bielefeld«» Spießbürger noch gegeben haben, die, wenn sie bei den Trümmern d«» Anstalten vorbeigingen, sich vor den„bösen Sozialdemokraten" bekreuzig» ten. Nun stellte stch aber bald heraus, daß ein Diakon(H ilf«» geistlicher) der Anstalt die verruchte That verübt hatte. Man nahm zuerst an, daß Geisteigestöctheit, frommer Wahn fin» den eoangelischen Geistlichen zu seiner T,at oeranlaßt hätte. Doch di« Berichtsverhandlungen, die vor einigen Tagen stattfanden, gaben un« ein ganz anderes Bild. Der Angeklagte heißt August Römer und ist au« Detmolo zu Haus«; er stand vor den Schranken de« Schwurgericht« wegen Brandstiftung an zwei Gebäuoen, di« zur Ausnahm« von Kranken bestimmt waren, und wegen Betrug«. Römer betheuert« seine Unschuld zwar unter Anrufung de« Namen« Gottes und schloß seine Verthetvigung mit den Worten:„Hier steh« ich und kann nicht wester, die Herren Pastoren mögen eS auf ihr Gewissen nehmen." Allein es lagen so gravtrende Verdachtsmomente vor, daß die Geschworene» di« Schuldfrage bejahten, worauf der Gerichtshof den Angeklagten z« 10 Jahren Zuchthau« verurtheilte. In den Gründen wurde besonder« hervorgehoben, daß die That um so ruchloser anzusehen sei, alS in den Häusern, welche der Angeklagte au« Gewinnsucht in Brand gesteckt, sehr viel« kranke und unzurechnungsfähige Menschen unte»« gebracht seien." Ein recht würdiger Vertreter der patentirten Religion der Liebe, nicht wahr? Wir wollen jedoch nicht di« Albernheit begehen, die Konfession oder den Stand diese« Menschen für sein« schändliche That verantwort» lich zu machen— im Gegensatz zu seinen Amts genoffen, die, wenn ein Parteigänger der Sozialdemokratie stch eines solchen Schurkenstreiche« schuldig gemacht, sosort bei der Hand wären, denselben„dieser verruchte» f artet" aus« Konto zu setzen— aber dai sind wir berechtigt zu fragen: st eS möglich, daß ein Mensch, in dessen Umgebung der Geist wahre» Hittlichkest und echter Nächstenliebe waltet, so tief sinken kann, wie der obengenannt, Priester, den obendrein seine Religion, wenn er selbst st« für echt hielt, davor hätte behüten müssen? Und dies« Frag« müssen wir mit Neml beantworten. Hier muß etwai faul im Staate sein, war« auf ja auch die Worte deS Berurtheilten hindeuten:„Die Herren Pastoren mögen e« auf ihr Gewissen nehmen." Nicht Nächstenliebe, sondern Neid, Mißgunst und Intoleranz, nicht Sittlichkeit, sondern Heuchelei stnd eS. di« zu solchen Verbrechen treiben. In Instituten, wie ste die Bodelschwmgh'sche« nach offizieller Darstellung sein sollen, kann ein solche» nur von einem Wahnsinnigen ausgehen— daß Diakon Römer nicht wahnstnnig, ist ausorücklich festgestellt worden— ander« aber in Instituten, als welch« sich die Bodelschvingh'schen in den von unS veröffentlichten Bericht«» darstellen. Wo Dinge möglich stnd, wie die an der Bertha Töpfer ver« übten Gemeinheiten, da ist auch jede sonstige Schändlichkeit möglich. Wir werden übrigen« demnächst mit unsrer Schilderung der Wusttp« Institute fortfahren. I« d« — LaSker'S Knüppel— in verbesserter Alustage. „vadischen LandeSzeimng" vom 11. Oktober lesen wir: „Karlsruhe, 10.' Oktober. Wie der Draht m-ldet, liegt jetzt auch m»D England ein Bewei» dafür vor, daß breite Bolksschichten de» sozt» ststtschen Wühlen« und HaderS müde stnd, und zur e n t» i! ch 1 o f I« n e n Selbsthilfe greifen, um sich die sozialisti scheu Aufdringlichketten vom Hals« zu halten. Zwei sozialtsttsche Führer, welch« in Lowestost«in« Bersammlung zum Zweck der Belebung der Agitation *) Die groß« Masse d«r Arbeit« wird so«twa 100 Jahr« alt and«» müsse», um Anspruch aus diese„höchste Rente" zu habeu. abhaltt» wollten, wurden mit sammt ihren Anhängern durchgeprügelt und derart mißhandelt, daß nur daS Dazwischentreten der Polizei den beiden Volksoerhetzern das Leben zu retten vermochte. Die Bolkswuth gegen die Sozialisten erreichte einen solchen Grad, daß die Sozialisten vermittelst eines SonderzugeS der drohenden Bolksjustiz entzogen wer- den mußten.— Wenn der Sozialismus in Deutschland in gleicher Art fortfährt, die Klassen zu verfeinden, den fleißigen, nüchternen Arbeiter m seinem parteilosen, freien Erwerbe durch verbissene Agitation zu be- hindern, dann glauben wir, auch in Deutschland den Zeiten nicht mehr �llzu ferne zu sein, in denen das Boll den sozialistischen Friedens- storern mit dem Stock in der Hand entgegentreten «ird.- ffiit Sil„Mit dem Stock in der Hand!" Wohl die Herren Frei- wtlligen-Polizisten? Ei! Ei! Da fällt unS die Anekdote von dem vorsichtigen Rann ein, der seinen Stock zu Haus« ließ, und auf die Frage nach dem Grund zur Antwort gab:„Ich könnte in einen Streit verwickelt und dann mit meinem Stock durchgeprügelt werden."— Der„Stock in der Hand" der Philister und Freiwilligen- Polizisten könnte möglicherweise eine ähnliche Verwendung finden, wie dieser vorsichtige Mann sie— voraussah. — Der Breölaner Sozialistenprozefi, mit dem wir uns in heutiger Nummer ausführlicher beschäftigen und dem wir auch noch eine weitere Besprechung widmen werden, ist nach zehntägiger Dauer am !7. d. MtS. zum Abschluß gekommen. DaS Urtheil theilen wir an an- derer Stelle detaillirt mit. Ein Theil der Angeklagten wurde freigesprochen,«in anderer Theil zu Gefängnißstrafen oerurtheilt, die an Länge geringer sind als die verbüßte Untersuchungshaft, und nur Wenige er- hielten Strafen, die über die verbüßte Untersuchungshaft erheblich hin- ausreichen: unter diesen Kräcker, Fläfchel und namentlich Lux. Ueber die Begründung der Urtheile gegen die beiden Erstgenannten können wir noch nicht reden, da wir den Sachverhalt nicht genügend kennen— wir wissen nur, daß weder Kräcker noch Fläschel irgend«ine Handlung hat nachgewiesen werden können, die in irgend einem andern Lande der Welt— selbst Rußland nicht ausgenommen— sür strafbar gegolten hätte, und daß Lux einzig und allein seiner Gesinnung wegen verurtheilt wurde. Und verglichen mit den gradezu tollen Anträgen deS Staatsanwalts war der Gerichtshof sogar noch relativ„mild". Doch lassen wir das für heute, und erwähnen wir nur noch, daß der Gerichtspräsident F r e y t a g in parteiischster Weise seines Amtes wal- tele, und die Angeklagten und die Entlastungszeugen mit einer Rohheit behandelte, die sehr lebhaft an die Nähe der russischen Grenze erinnerte. Die Zeugen waren Tage lang von Morgens 9 bis Nachmittags halb 4 Uhr in einem engen, schlecht geheizten, noch schlechter ventilirten Zimmer eingesperrt, ohne den geringsten Komfort, ja selbst ohne Vorrich'ungen zum Eitzen. Für die Entlastungszeugen, die zuletzt zur Vernehmung kamen, dauerte diese Qual 5 bis 6 Tage lang, es war, als hätte man sie dafür bestrafen wollen, daß sie— Entlastungszeugen waren. Jedenfalls hatten sie während dieser Zeugenhaft alle Ursache, die Untersuchungs- und Straf-Sefangenen, die weit mehr Bequemlichkeit haben, zu beneiden. Kurz, überall bei diesem skandalösesten aller Sozialistenprozesse eine ausgesuchte Nichtachtung aller Gebote der Gerechtigkeit und des Anstand». — Noch einige Worte über das hohe Strafmatz, da» über de» Student Lux verhängt wurde, nachdem derselbe neun Monate in Untersuchungshaft zugebracht. Lux ist Student und Sozial- demolrat— eines anderen Verbrechens hat er sich nicht schuldig gemacht. Wir wissen genau, was ihm zur Last gelegt worden ist, und wir sind auch von dem Ergebniß der Zeugenvernehmungen ziemlich genau unter- richtet— wohlan, abgesehen von den Verbrechen, Student und Sozialdemokrat zu sein, ist Lux, vom Standpunkt des Strafgesetzbuchs aus, so unschuldig wie ein neuzeborneS Kind. Der Student sollte in ihm bestrast werden, der sozialdemokratisch« Student. Daß die Ideen des Sozialismus auf den Universitäten, unter der studirenden Jugend Wurzel gefaßt haben, ist für die deutschen Gewalthaber eine Quell- größter Angst. Der Sozialismus auf den Universitäten ericheint ihnen kaum minder gefährlich als der Sozialismus in den K a s e r n e n. Da soll ein abschreckende» Beispiel gegeben werden. Die deutschen Studenten sollen an diesem warnenden Exempel sehen, daß ihrer, wenn sie, statt puttkämerlich zu saufen, sich erfrechen, selbständig zu denken und die großen Probleme der Neuzeit in« Auge zu fassen— daß ihrer dann ein ähnliche« Schicksal harrt, wie das, welch-s Lux und seine Freunde, die in diesen Prozeß verwickelt waren, betroffen hat. Denn auch die beiden andern Studenten, Kasprowitsch und Mariuse, find, trotz ihrer absoluten Unschuld, mit verhältnißmä zig monströsen Strafen belegt worden. In der harten Bestrafung der Student-n zeigt stch so recht deutlich der Charakter dieses skandalösen Breslauer Prozesses, der ein Tendenzprozeß war in de» Wort» schuftigster Bedeutung. — Bom brave» Landvolk. Der„Ortenauer Bote", ein natio- nalliderale« Kreisdlättchen in Baden, bracht« kürzlich folgendes Eingesandt aus dem benachbarten Fußbach: „Am letzten Mittwoch wurde die ledige, 74jährig«, ortsarm« Taglöhnerin A. M. Wöhrle von Gutach in einem wahr« Haft«rbarmungswerthen Zustande in die Kreisanstalt ver- bracht. In einem offenen Wagen, auf halbverfaultem Stroh liegend, bracht« man die arme, altersschwache und kranke Person daher. Bei näherer Besichtigung ergab sich, daß dieselbe mit Schmutz. Unrath und Ungeziefer am ganzenKSrper überdeckt war und— es ist unglaublich zu sagen— an der Hüfte «in« tiefe, 2V Centimeter lange, 20 Centimeter breite Wund« hatte, so daß der Hüftknochen vollstän- dig bloßgelegt war. Da« die Wund« umgebende faule Fleiich verbreitet« einen enssetzlichen Geruch. Und in«inen solchen Zustand läßt diese Gemeinde eine arme, krank« und hilflos« Person erst kommen, be- vor e« ihr einfällt, dieselbe einer Anstalt zu übergeben. Im Interesse der Menschlichkeit halt« ich es für Pflicht, solches Verhalten der Oeffent- lichkeit bekannt zu geben." Da» find die„antikollektivistischen Bauernschädel", deren Herr Schäffle, der Bekehrte, mit so großer Genugthuung als der solidesten Stütze der herrlichen«usbeutergesellschast gedenkt. Schade, daß die Gx-Exz-llenz schwerlich in die Lage kommen wird, die liebenswürdigsten Elgenschasten ihrer, geliebten»ntikolleittvisten«ikowinew, an ihrem eignen theuren Leibe tennen zu lerne«. —«i«e ga«, ausgesuchte Infamie hat die Ssterreichisch« Regierung dieser Tage verübt, ein- Infamie, die von Jedem, der noch nicht ganz in Vervilismut versunken ist, aufs Schärfste gebrand- markt zu werden verdient. Wir meinen die Auslieferung des schwer erkrankten russischen Sozialisten Leo Jassiewicz an die Senkersknechte des Zaren. Jassiewicz war aus der Reise von G-ns nach Rumänien in W i e n am Bahnhof auf Grund der Denunziation irgend eines Spitzels verhastet und einstweilen internirt worden. Die russische Reaieruna verlangte nMrltch seine Auslieferung, und trotzdem Jassiewicz den Nachweis erbringen konnte, daß die Angaben, aus die hin seine Aus- lieferuna verlangt wurde, dtrett erlogen warm, erfolgte sie im«er- trauen auf die— Gerechtigkeit der russtschen Richter. So sicher war man in Wien der Richtigkeit diese» Vorgehens, daß man den schwer leidenden Mann am IS. November über HalS über Kopf an die rus'Vche Grenz« tartirt«- trotzdem man ihm auf den 13. November dm Besuch seiner F. au und seines Kinde» gnädigst glstaitet hatte. Und dabei kmnt man in Wien doch lehr gut däe fr.undsch-fMch- S«. Atmung der Regierung de» Zarm gegen Oesterreich. Weiß mamdaß Väterchen ie eber i« lieber in daS Land einbrechen, seme Kosaken nachMen s-h'ckM LV.l? Wen» nicht menschlühe Rücksichten, so hätte vre Selbstachtung die lst'erreichiich- Regierung von solch schmählrchem Liebesdimst abhalten müssen. Aber zu welcher Niedrigkeit ist man Nicht bereit, sobald es stch u» Sozialisten handelt! - Es geht wirklich skandalös ,« in dieser fr« n, ös i s che n Republik. Da treibt der Sch.wgcrsohn de» Präsidenten der.Re» pubitk Handel mit semer Proteltron. benutzt seme Si.llung seinen Einfluß zu unsauberen Börsenoperationen. und«ird dafür in«n�lagc. zustand versetzt, während der Schwiegervater, werl er diesen Unfug duldete,«ahrscheinluh v« seinem Poftm abtrete» muß. WSre so. etwas in Deutschland auch nur dmkbar? Nun und nimmer. Im Lande der Gottesfurcht und stammen Sitte ist es absolut unmöglich, daß hohe Staatsbeamte ihrm Einfluß industriell verwerthm und— dafür zur Verantwortung gezogen werden. Höchstens wird«in Minister der stch etwas zu vorwitzig um die„Aktien" seiner Kollegen kümmert, ge-itzenplitzt. In Deutschland ist ei absolut unmöglich, daß ein Minister seine ganze Verwandtschaft in die höchsten und fettest bezahlten Stellen Hineinbug- firt. Und der Versuch, zu diesem Behuf« neue Stellen zu schaffen, würde mit einem nationalenEntrüstungssturm beantwortet werden. In Deutschland ist eS absolut unmöglich, daß ein Bankier von aller Welt als der stille Kompagnon deS ersten Ministers bezeichnet werden kann. Daß eben dieser Bankier bei der Gründung der ersten besten Zeniralbodenkreditbank, die der besonderen Konzesfion seitens der Regierung bedarf, im Komite erklärm kann: Reine Herren, ich muß absolut eine ganze Million zum Konsortialprei» sanier dem Börsenpreis) haben, sonst ist die ganze Gründung gefährdet. Man würde fragm: sür wen di«S enorm« Trinkgeld, ist hier nicht ein schmach- voller Amtsmißbrauch getriebm worden— in Deutschland? In Deutschland ist eS absolut unmöglich, daß eine zur Untersuchung der Vorgänge bei Eisenbahngründungen eingesetzte parlamentarische UntersuchungSkommission zwei politisch mißliebige Schächer abschlachtet und sonst absolut nichts findet, obgleich das Parlament von Eisenbahn- gründern wimmelt, deren Schwindelmanöver die Spatzen von den Dächern pfeifen. In Deutschland ist es absolut unmöglich, daß ein Führer der Re- gierungtpartei sich auf Grund seines parlamentarischen Einflusses zum Direktor irgend einer Diskoatogesellschast ernennen läßt und jahrelang enorme Dividenden«instreicht, während eben diese Diskontogesellschaft die blutigsten Gründungen betreibt. In Deutschland würde ein Mann, der auf solche Weise ein Vermögen zusammenlcharrt, polUisch unmöglich, weder Oberbürgermeister der alten Königsstadt, noch auf's Neu« zum Führer der Partei der Nationalehr« werden. In Deutschland ist es absolut unmöglich, daß die Zollgesetzgebung, die von allgemein volkswirthschaftlichen Gestchtspunklen aus bestimmt werden muß, durch den Schacher unter den Hauptinteressenten im Par- lament entschieden wird. Me» das und noch verschiedenes Andere(so z. B. daß der Mann einer schönen Frau, die Gnade in den Augen eines Sohnes des Ministers g-funden, von der Regierung mit Geschäftsvermittlungen beauftragt wird) ist in Deutschland noch nie vorqekommsn und wird auch in Deutschland nie vorkommen, so lang« ei der Hort deS Gottesgnaden- thums, der Religion und guten Sitte ist und bleiben wird. Dafür bürgen die Bismark, die Puttkammer, die Bleichröder, die Miquel, die Kardorf, bis herunter zum kleinsten Trettel. Der deutsche Spießbürger kann beruhigt auf seine Brust klopfen und im Hinblick aus Frankreich, wo das Ministerium Rouvier gestürzt wurde, well ti gegen die Wilson und Konsorten nicht entschieden und schnell genug vor- gegangen, stolzen Haupte« ausrufen: Wir danken Dir, Herr Gott, daß wir nicht sind wie diese da! — Vom Deutsche« Sozialdeutokrateu-Rlub i» La Billette» Paris geht uns eine Resolution zu, in der in energischster Weise das Verfahren der Chicagoer Bourgeoisie den hingerichteten Anarchisten gegenüber gebrandmarkt, dagegen der Ruth und die Ueberzeugungstteu«, mit der diefe in den Tod gegangen, gepriesen und die Hoffnung aus- gesprochen wird, daß der Tag der Sühne für dieses und die weiteren Verbrechen der herrschenden Gesellschast an den Vorkämpfern des nach Emanzipation ringenden Proletariats nicht lange auf stch warten lassen wöge. — Aus Londou theilt man uns mtt, daß Nr. 26 der„Auto- nomie" vom 22. Oktober eine Warnung enthält vor— Charles Theodor Reuß. Also doch! Ferner wird uns geschrieben, daß Herr P« u k e r t seit einigen Wochen spurlos verduftet sei. »Trau, schau, wem?" Sojiatistische?relse und Literatur. „Arbeit", Organ der Sozialisten Oesterreichs. Er' scheint jeden 2. und 4. Donnerstag im Monat in Wien. v «llgemeiuer Arbeiterkalender für das Jahr 188«.(Heraus. gegeben von der„Ungarländischen All,-meinen Arbeiterpartei".) Der- selbe enthält u. A.: Neujahrs grüß. Der Wahrsager für Stadt und Land. Kurzgefaßte sozialpolitische Rund- und Rückschau. Ein Zukunftsbild der Centimentalfeier(?) des ungarischen Reiches. Eine denkwürdige revolu- ttonäre Kundgebung in Rußland. Getreu bis in den Tod.(Novelle aus dem Englischen.) Vom alten Becker.(Geschichlliche Biographie) Monolog eines Hungrigen. Der ungarische Arbeiter-Landeskongreß. Der Hochoer- rathsprozeß gegen die Pester Sostaldemokraten im Jahre l87l— 72. (Nach den Aufzeichnungen der Zeitungsreporter der hauptstädtischen Tagespressi.) Verschieden« Gedichte. Korrespondenzen. Burgstädt, 18. November. Daß die Turnvereine, welche ehemals an der Spitze der freiheitlichen Bewegung marfchirten, immer mehr und mehr in das reaktionäre Lager übergehen und den Rilitärvereinen in den Verrücktheiten der Knie- und Bauchrutscherei in nichts mehr nach- stehen, kann ich durch einen Lorsall bestätigen, welcher sich hier abae- spielt hat. An dem denkwürdigen 21. Februar sollt« da« Turnrathsmttglied Wehner für Liebknecht etngestetm sein. Welch' Verbrechen l Der Turnrath beschloß, Wehner darüb-r zur Rede zu stellen, eventuell ihm den Lauspaß zu geben. Wehner erklärte sofort seinen Freunden, er wolle freiwillig gehen. Ader was geschah? Wehner, welcher bis dato wirklich sozialistische Schriften gelesen hatte und auch am Wahltage selbst für Liebknecht thättg gewesen war. koch vor dem Turnrath nicht nur in der Sache zu Kreuze, sondern fiel vor demselben auf die Kniee, faltete die Hände und betete also: „Ge-hrte und hochg-schätzte Mitglieder des Turnraths l Ich schwör« bei Sott, Kaiser und Reich, daß ich am Wahllage nicht für Liebknecht eingesteten bin, sondern eingedenk meines milllärischen S.des, welchen ich geleistet habe und welchem ich nie untreu werde, sür den R-chts- anwalt Schneider meine Stimme abgegeben habe. Ich bin über dies« schändliche Verleumdung, welche mir zu Thell geworben, durch und durch erschüttert(hier standen ihm, dem„kernfesten Mann", die Thräaen w den Augen). Ich finde kein Wort über den Verleumder." Räch diesem Schwur wurde ihm auch gnädiglich wieder vergeben. Und st« haben Recht gelhau. Einen eifrigeren Bauchrntiche, und— Finken. als Wehller jetzt ist. konnten st« gar nicht finde». Er hat-» der-lt« so well gebracht, daß in der letzten Wonatso«, sammlung b«schloss-n worden ist, bei der nächsten Generalversammlung zu beantragen, daß all- halb- weg»„Anrüchifl-n" ausgeschlossen werden sollen, und daß bei der Ans- nähme jeder Neuangemeldet» einem Examen unterwsrseu werde» soll» welches, soviel ich gehört Hab«, folgende Frage« enthätt: l) Ist er,(der Auszun-Hmenb«) roch? 2) Verkehrt er mll Nöthen? »> Wohnt er in eurem Haus« mit Rothen oder in der Nachbarschaft von sqlchen? 4b In was sür Wllthscheften verkehrt«r» b Ist er«iell eicht mll der Tochter eine« Roth««erheirathet od« verlabt? ll, s. w. u. s. na Atta bezweifeln nicht daß alle« Da« im Sinne des Her« Ehr,»» Tuimrach Wehner angenommen«exd-m wirdl—— So geht es jetzt stn den Turnneremen zu. Wer hat Lust, tu solche« eurzutret«»? Alle Genossen warnen wir jedoch vor Wehner. Demselben ist Alles zuzustauen. Darum Borficht! Paris-La-Billette. Der Klub deutscher Sozialdemokratm La BMette feierte am Samstag, den S. November, fein erstes Stiftungsfest� mll Th-atervzrstellung. Gesang, Vorträgen und Tanz, Trotz der jetzt hier bestehenden Arbeitslosigkeit herrschte bis zum Schluß die beste Stimmung. DaS Fest verlief in größter Ordnung, Alle« athmete Be- geisterung für die»rbeitersache, was sich besonders bei dem dreifach« Hoch auf die Sozialdemokratie kundgab. Da» Komik«, Sprechsaal. Eltttshov«, Mitte November,»er hiefige Schuhmacher«. Billat«, mit dem die Genossen schon vor Jahresfrist jeglichen Berkehr rc. abgebrochen haben, hat folgenden Schurkenstreich aulgeführt, de» wir zur W a r n u n g bekannt geben müssen: Unter der Ueberschri.t:„Serüchtweiseverlautet" versuchte er da» stüher« Arbeiter-Wahlkomite und ewige chm besonders verhaßte Genossen in der gegnerischen Lokalpresse der Unehrlichkeit und de« gemeinen Eigennutzes zu beschuldigen, und verlangte„B e r ö f f e n t» j lichung deS Rechenschaftsberichtes", nachdem sich da« Wahlkomlle habe bei Seit« schiebe» lassen. DaS Arbeiter-Wahlkomite erklärte dagegen in demselben Blatt«: »Wir lehnen e« e n t s ch i e d e n ab, mll Herrn B t l l a i n uns- irgendwie zu beschäftigen, und erklären, daß unS von einem „Beiseiteschieben" und„Honorar" durchaus nichts! bekannt, vielmehr ein solches„Gerücht" nur«me Unter« f ch i e b u n g ist." Die von V i l l a i n gegen da» Wahlkomit« tölpelhaft ausgespielt« Personen aber erklärten, daß das von Villain veröffentlichte angebliche Gerücht eine infame Lüge ist. und forderten ihn auf/ seme Ge»! währimänner für diese Verleumdung öffentlich zu nennen. DieS hat der V i l l a i n natürlich fein bleiben lassen, und wir fragen nun, ob ew solcher Tropf nicht in die„Schwarze Liste" gehört und ob vor ihm nicht gewarnt werden muß, zumal er sich noch immer in den Mantel der Sozialdemokratie hüllt und sogar «ine—„Arbeiterzeitung" kolporlirt. Der fälschliche Dennnziant und Verleumder Villain sei hiermit wenigstens den Genossen allerwärt« persönlich bekannt gemacht. A. Villain, Schuhmacher, geboren 14. Januar 1644 zu Gellmers- dort, zur Zell in Elmshorn aushäwg, ist ungefähr Mir. 1, SS groß, etwas schief, trägt blonden Vollbart, hat spitz« Rase und einen scheue» Blick. Arbeiter, hütet Such vor ihm! Zur Beachtung. Der Buchbinder Adolf«liuger(aus Rumburg), zuletzt in Stuttgart, wird ausgesordert, seine Adresse dringlicher Miiih-üuaaeu wegen sofort hierher zu berichten. Auch Freunde und Bekannte desselben werden um Vermittlung an ihn oder hierher gebeten. Im Aufstag: Die Expedition des.Sozialdemokraf. Den zahlreichen Bewerbern um die Zuschneider-Stelle in 31. 46, 44 und 45 d.Bl. zur gest. Nachricht, daß die Besetzung statt- gesunden Hut. Brieftastm der Redaktion: Briefe und Smsendungen»e. find eingetroffen au» London.— W. in Ldwgh.: Ehrenerklärung Günther in nächster Nr. der Expedition: I.». D.:»wfl. 834 f. Schst. erh. u. nach Angabe gelfrt.— Rtg. L. G.: Rk. 16— t Cto Ab. it. erh.— F. H. Bern: Fr. 33 80 Ab. 3. Qu. erh.— Verein Vorwärts Melbourne: Fr. 24 80 am 16/11. pr. Usd. dkd. erh. Ebenso Ihr Guthaben v. Fr. 26 80 auf Zhlgu. v. 10/2. u. 14/6. 87 d. Usds. dkd. zugew., womit früh«« Qttg. ä Cto erloschen ist.„R. T."«schemt nicht weiter.„R. Z." mo« natlich. Prei» nach Wunsch berichtet. Weit««» besorgt. Gruß.— J. B-Hds.: M. 5 75«6. pr. De,.(1 Expit.) u. Schst. erh.»eil. besorgt. — Theophllus: Mk. 4 50 Ab. Sch. l/V-1/12.«h. Bfl. Well«-,.- Solo: Rt. 4 85 Ab. 4. Qu. und Schst. erh. Zhlg. für«. kann»nfg. Febr. betgelegt weiden. Sdg. folgt.— Clara: Mk. 250— ä Cto«d. »c- erh. Bf. m Bstllg. v. 16/11. hi«. Sch. war berell» besorgt.-«o» der Seitton St. Louis:(Doll. 9 75) Fr. 48 75 f. d. Crimmitschau« Genossen dkd. erh. u. laut Bestimmung der letzteren dem Ufd. zugev» - Lionel: Adr.«. notirt. Bstllg. folgt,»«den best. H. recherchtren. Felix in: Bs. v. 20/10. unterwegs verspätet. Adr. find notirt und ««ordnet.- Schwarzslaggen: Am 14/11. R-Namirte« ist unterwegs. Hoffentl. ist der Kl. j.tzt getröstet, sibd. prompt angelangt. Lg. sollt« doch wieder verbunden werden?— Zioth« Faust: Ihr«..Praxi«" macht uns Bauchgrimmen. lOvolleWochenzu ein« so kleinen Portion! Da« ist schon dt« höh««„Homöopathie". Uebrigen« ist noch am 20/lt. mehrseitig retlomirt worden. Gzrchng. gutgebr.— Neckarschi etmer! Da» ist uns unbegreiflich, aber Hllkt. stneowpe« Schweigen ist uns n o ch unbegreiflich«. Mehrbstllg. u.«dr.notirt.- D« alte Roth«: Warum ker« Antwort auf»f. v. 10/11 für».? Ist u. wird Wettere« besorgt?— St. Roman: Wo bleibt denn nun ab« d« Bescheid in b» kanntet Sache? Weiteres Wartenlaffen geht nicht.— Th. Dttr. Paris: Fr. 60»um Ausgleich de» Hddlhns v. 27/v. 8» erh. u. weistrs g- sandte Fr. 10— dem Usd. dkd. zugew. Wettere» lt. Bf. u. P.-K.»-«* d«.- Rothbart: R-chr. v. l». d«. hi«.«fl. am LI. mehr.- Cl-u« Sroth: Mk. 14» 80» Cto«bon. ,e.«h. u. Mk. 6005 pr. Ggrch. gut» gebracht. Bf. v. 18/11.»c. kreuzte mit d. unfriaen.—Joh. Fritz: Lo» -«llg. Arb. Stn. Sch- ff Hansen: Fr. 64 65 a Cto Ab. tc.«th.— Ä Th. Asthl: Fr. 2— Ad. 4. Qu.«h.— G. w. Davosplatz: Fr. f. Schst«fc Wettere» zu Ihre» Lasten besorgt. Anzeige«. Durch Unterzeichnet, ist zu»«ziehen, Aus dem Weiche des Jantalus. Alfresco-Slizzea «. L. Roseuberg. V«at», gt. a*-.—«t iea Sahstetchbn Bestellung« steht entgegen: Bottsb«chhandl»»s.