Mnnements Bei atleft V»ftblir»au». Jottlt delm Sttlog an» btflni tttannltn Agentin Mgegengenommln. und>war>um voraus»ahlda««« Slnteljahrlpre»»»«! yr. S,— file dl« Schvilz(ftreuitimb) RH- 8,— ffil Teutschland(Sonditrt) H. 1,70 f#e visterretch(Sa Udert) Dr. 8,d0 für all« übrig«« Linder brt veltfdpveriln». ?»s»r»tt dir breigespalten, Petit, eil« ' L» Pfg. Der Lomldcmokrat Hrgan der Sozialdemokratie deutscher Junge. KrfcheM »Schrat»»»«»«»«»' w Zürich(Schweiz), pait» ttr W-rrsvachhauvrU«« chrttiage«. Zürich. üiffnbni» ftanlo gegen franko.) Gewöhnliche«riefe nach der Schwei» taste» Doppelpart». •*21. >ri«f« an die öiedaltian und«ipebittan bei in Deutschland nnb Oesterreich verbotenen ,eo,ialdtm»Kat'«olle«an unter Beodachwng innerster varsicht abgehen lassen. 3«»et Regel schick« man nni die Brief» nicht dirett, sondern an die bekannten Deckadressen. Zn zweifelhaften Fällen eingeschrieben. 1. Januar 188S. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! In Oesterreich wie in Preußen. Der Wiener MünzfälschungS-Prozeß, den wir in voriger Nummer bereits besprochen, ist so überaus charakte- ristisch für die politischen Sittenzustände im Lande der Habs- burgerei, die Rolle, die„Ordnung und Gesetz" in der Person des Polizei raths Frankl dabei gespielt, so über- auS lehrreich, daß wir auf denselben noch einmal zurück- kommen müssen. Durch einen glücklichen Zufall sind wir in der Lage, den bereits erwähnten konfiSzirten Artikel der Wimer„Gleichheit" über dieses Thema mittheilen zu können. Derselbe lautet in seinem wesentlichen Theile: „Der k. k. Polizeirath Frankl spielte in diesem Prozesse ein« Nolle, die nähere Beleuchtung ersordert. Anton Schreger, 1881 ausgewiesen. erlangt im März 1S8S die Erlau bniß zur Rückkehr nach Wien. Der PolizeikommissSr seine« Bezirkes schickt ihn sosort zu Polizeirath Frankl. Dieser erklärt ihm, daß es „eine Pflicht der Dankbarkeit für die Erlaubniß zur Rückkehr sei, sich wieder zum Scheine den Anarchiften anzuschließen" und ihm, dem Polizeirath Frankl, über ihre Thätigkeit zu berichten, mit einem Worte Konfidenten-sd. h. Spitzel>)dienste zu leisten. Am 11. April l. I , �heilte Schreger Frankl mit, daß in Fünfhaus falsches Geld gemacht r werde. Wie Frankl vor dem Untersuchungsrichter angibt, habe er nun »»fahren, daß Schreger selbst bethelligt sei und„hielt ihm da» strenge vor"; Schreger selbst erzählt bei der Verhandlung, Frankl habe gesagt, „da» war doch ungeschickt von ihnen!" Thatsächlich hatte Schreger» der offenbar zu wenig Material für seine Bezahlung liesern konnte, zwei junge, harmlose und unersahrene Bursche, Spiegel und Emerling.einfachzurFalschmünzereiverleitet und die Werkzeuge dazu nach seinem G.ständniß(!) für da« Geld der Polizei an- geschafft. Als Frankl dies erfuhr, trug er ihm auf(nach Aussage Schreger'S bei der Verhandlung),„die Fabrikation zu unterbrechen, die Geldstücke zu bringen und die Formstücke zu zerschlagen." Er über- brachte thatsächlich die sechs ganz unbrauchbaren Gulbenstück«-- und damit war für ihn und sein« Mitschuldigen die Sache erledigt, ebenso für Polizeirath Frankl. Bald darauf, am 24. April l. g., berichtete Schreger dem Frankl, er habe entdeckt, daß Nedomansky, CzaSka und Presl falsche» Silbergeld gießen. Die erwiesene Glaubwürdigkeit dieses Zeugen bewog Herrn Polizeirath Frankl, die sofortige Verhaftung der Angeschuldigten zu ver- anlassen. Sie blieben 7 Wochen in Hast, bist sich ihre Unschuld herausstellte; CzaSka'S Frau war vor Kummer und Roth i n- »wischen irrsinnig geworden. Zwei Jage nach der Verhaf. tung dieser drei Unschuldigen, am Pfingstsonntag, war Spiegel noch »ine Paßanweisung vom Polizeikommissariat aui- gefolgt worden, die ihm dieFlucht ermöglichte. Seine Verhaftung hätte eben auch die vonSchreger herbei- führen müssen.(Schreger wirkte auch sonst„anregend"; so sagte er zu Mliczko, man solle doch beim Blumenkorso„etwas ausführen". Auch schriftstellerisch war er thätig und sucht« bei der Redaktion der „Gleichheit"«in Manuskript einzuschmuggeln, in welchem er fich sehr ab- fällig über„Denunziantenthum" aussprach, welche» aber, weil das Ur- theil über dies« Thätigkeit als ohnehin seststehend angesehen wurde, nicht zum Abdruck kam. ES ist nicht bekannt, ob der Polizeirath Franll aus die Adsassung dieses Aussätze« Einfluß nahm.) Dre Berichte lieferte Schreger in der Prioatwohnung Frankl». Seine Verhaftung, sowie die Emerling'S, erfolgt« erst später. Rnchdem der Untersuchungsrichter bei der Verfolgung des Falles Mliczko aus ihn auf- «erksam wurde, lud er Herrn Polizeirath Frankl vor und legte ihm die Eage vor,„warum die von Schreger über sein« eigene, sowie über die I Spiegel und Mliczko erfolgte Betheiligung an der Mün, Verfälschung in der Siebenbrunngass« gemachten Mittheilungen nicht sofort zum Gegenstand der in der Strafprozeßordnung vorgesehenen Amtshandlung gemacht wurden?" Worauf Polizeirath Frankl antwortete:„.... diese Erwägungen beruhen darauf, daß die Mittheilungen Schreger'S lediglich aus VorbereitungShandlungen schließen ließen..."rc. Diese �vorbereitungShandlungen" waren Herrn Polizeirath Frankl als solche gekennzeichnet durch Vorlage von sechS Münzen und führten Schreger auf b Jahre in? Zuchthaus. Die Vorlag« eines falschen Zwanzigkreuzer- stückes, welches Schreger von Czaska erhalten zu haben behauptet hatte, gewann hingegen für Herrn Polizeirath Frankl die Bedeutung eine« wichtigen vorpu« delicti und führt« die sofortige Verhaftung de» Be- schuldigten herbei.--- Die Vertheidigung verlangte die Borladung de« Polizeirathes Frankl alS Zeuge, was natürlich abgelehnt wurde. Der Staatsanwalt suchte dessen Vorgehen zu rechtfertigen; er führte an, sein Bestreben hätte sein müssen,„die Frucht nicht früher zu pflücken, bevor sie reis sei," d. h. so viele Mitschuldige als möglich fassen zu können. Die Erfahrung hat gelehrt, daß erstens Unschuldig« in Verdacht kamen; daß zweiten» Unschuldige wirklich durch den Polizeibeamten Schreger verleitet wurden. Der Herr Polizeirath Frankl (chemt also denn doch in seinem„Streben" etwa» zu weit gegangen zu sein... Bei unseren Preßoerhältnissen ist ein« freimüthig« Kritik der Thätig- keit von Beamten unmöglich. Da» Eine aber möchten wir denn doch «n» zu bemerken erlauben, daß weder der Respekt vor der bürgerlichen Moral, noch der Respekt vor den Behörden dabei gewinnt, wenn man die„Anarchisten" bekämpft, wie e» hier geschehen— mit allen Mitteln. Run ist e« freilich nicht unsere Sache, diese Interessen zu wahren— —— aber eS liegt un« daran, zu konstatiren, daß man auch von der «»deren Seite„gesetzliche und moralische Mittel" nicht alS ausreichend detrachtet I"— Diesen, in der Form durchaus maßvollen Artikel hat die Wiener Staatsanwaltschaft von den Worten:„für die Erlaubniß der Rückkehr"(Zeile 6) bis zu den Schlußworten als geeignet,„den Thatbeftand des Vergehen« gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung zu begründen", kon» fiSziren lassen. DaS ist bereits die beste Kritik— nicht des Artikels, denn derselbe enthält weder eine, auch nur verblümte Aufforderung zur„Störung der Ruhe und Ordnung", noch selbst einen Aus- druck, der die Grenzen einer maßvollen Kritik überschritte— wohl aber der in dem Artikel aufgezählten T h a t s a ch e n. Diese scheint die k. k. hochweise Staatsanwaltschaft geeignet zu halten, den Thatbeftand der Störung der Ruhe und Ordnung zu begründest, und sie sind allerdings schreiend, so laut schreiend, daß selbst dem Spießer, der die Zipfelmütze über den Kopf gezogen, die Ohren gellen müssen, wenn er sie ver- nimmt. Aber vielleicht sind die Thatsachen nicht richtig wiedergegeben, tendenziös entstellt? Höre man, was die„Gleichheit" in ihrer neuesten Nummer schreibt: „De« Herrn Polizeirath« Frankl'« Berhältniß zum Denunzianten Schröger haben wir letzthin in möglichst maßvoller Form zu beleuchten gesucht. Wir wurden deehilb konsis- zirt; ebenso erstng es der„Arbeit". Ausnahmsweise werden wir diesmal den Einspruch erheben, um Gelegenheit zur Führung deS Wahrheitsbeweises zu haben. Wir können in einem solchen Falle kein Mittel unversucht lassen." So schreibt— nein, so wollte die„Gleichheit" schreiben, denn die allezeit weise k. k. Staatsanwattschaft trat wieder schnell dazwischen und ließ selbst diese Notiz konfiS- ziren. Auch die Mittheilung, man wolle den Wahrh eitS- beweis antreten, schließt bereits eine„Störung der Ruhe und Ordnung" ein. Welcher Beweis für die— Wahrheit! Es ist in Oesterreich wie in Preußen. Auch jeder Versuch, die Thätigkeit Jhring-Mahlow's ins rechte Licht zu stellen, wurde ein Anlaß zu staatsanwaltlichem Einschreiten. Der Unterschied besteht einzig und allein in den Mitteln. In Oesterreich kann man nicht verbieten und ausweisen, daher begnügt man sich einstweilen mit Konfis ziren, man schädigt die Ruhestörer halt, so gut man kann. In Preußen erklärt Minister Puttkamer Jhring-Mahlow, der Lehrkurse im Dynamitanfertigen gab. für einen„Pflichtgetreuen Beamten", in Oesterreich führt der Vertheidiger zu Gunsten Schreger'S, der Unterricht im Münz- fälschen ertheilte, an, derselbe habe so gehandelt aus„Ge- horfam gegen die Obrigkeit". Und die„Obrigkeit", nämlich Polizeirath Frankl, läßt diese schwerste aller An- klagen ruhig auf sich sitzen.— Hier wie dort derselbe absolute Mangel an Verständniß für die erbärmliche Rolle, die die Auftraggeber solch' schuftiger Gesellen spielen, für das sittliche Armuthszeugniß, das sie sich und ihrer„Ordnung" dadurch ausstellen, daß sie erklären, ohne die Schreger, die Jhring-Mahlow ,c. die„Ordnung" nicht schützen zn können. Schröger war so„ungeschickt", eS nicht bei der Theorie bewenden zu lassen, sondern praktisch mitzumachen. Deshalb fiel er hinein und mußte mitverurtheilt werden. Aber diese Verurtheilung fällt mit doppelter, mit zehnfacher Wucht auf seinen Auftraggeber zurück, auf ihn und die„Ordnun g", die er vertritt. Ein wirklich freies Gemeinwesen braucht keine politische Geheimpolizei, weil jeder, der Aeuderungen in den öffentlichen Einrichtungen anstrebt, ein natürliches Juteresse daran hat, seinen Ansichten und Absichten die weiteste Ver- breitung zu geben— je größer die Rolle der politischen Geheimpolizei, um so fauler die Zustände im Staate Däne- mark. Dieses Parasitengeschlecht gedeiht nur auf einem ver- faulten Körper— in Oesterreich, wie in Preußen. Und solange die Ursache fortdauert, wird auch die Wir- kung nicht auS der Welt verschwinden. Daß Jhring-Mahlow sich erwischen ließ und Schreger„ungeschickt" war, kann die Puttkamer und Frankl nicht veranlassen, auf die Schreger und Jhring-Mahlow zu verzichten. Im Gegentheil. Immer stärker wird das Geschmeiß sich einnisten, immer mehr werden als Arbeiter verkleidete Schufte und zur Schufterei korrumpirte Arbeiter Opfer ihre« niederträchtigen Gewerbes suchen, im Interesse des— Klassen-— Staates und der— Ausbeuter-— Gesellschaft. Und eS ist ergiebig ihr Gewerbe, denn die Gewalthaber haben durch ihre Politik der Nieder- drückung der Befreiungsbewegung der Arbeiterklasse genügend Haß gesäet, um leidenschaftlichen Naturen den JudaSrath- schlügen der„Pflichtgetreuen" und„Gehorsamen" geneigt zu machen— in Oesterreich wie in Preußen. Seien wir deshalb vor diesem nichtswürdigen Geschmeiß auf der Hut, das sich in allen möglichen Gestalten in die Arbeiterbewegung drängt, heute im staubigen Kittel des Ar- beiters und morgen im bürgerlichen Gehrock. Und hüten wir uns zugleich vor ihren indirekten Helfershelfern, den schiffbrüchigen Elementen aus der bürgerlichen Welt, die nur aus persönlichen Gründen sich der Arbeiterbewegung an- schließen. Diesen abenteuernden Demagogen ist die Be- wegung in der Regel„nicht radikal genug", weil sie ihrem Ehrgeiz oder ihrer persönlichen Rachsucht nicht genügend Rechnung trägt, sie sind aber auch die Ersten, die Bewegung zu verrathen, sobald ihre schmutzigen Sonderinteressen es erheischen. Derselbe Hauptmann von Ehrenberg, der�heute in revolutionären Flugblättern gegen die waschlappigen Sozia- listen hetzt, die sich auf seinen idiotischen Preußenhaß nicht 1 einschwören lassen wollten, er geht morgen hin und denunzirtl eben dieselben Sozialisten an die— preußische Polizei.� Wir werden der Chreubergerei und was damit zusammen- 1 hängt, ein besonderes Kapitel zu widmen haben, hier erwähnen wir derselben nur deshalb, weil der Fall typisch ist für die ganze Gattung dieser Gelegenh ei tsrevolutionäre, die tnU( einem wunderbaren Geschick den Polizeirevolutionären überall in die Hände zu spielen wissen. Die Einen ziehen die Anderen an, wie das AaS die Geier. Unerbittlicher Krieg diesen in der That gefährlichen Elementen in der Arbeiterbewegung. Unerbittlicher Krieg dem System, das dieselben zeitigt, und unerbittlicher Krieg' seinen Trägern, die sie in unsre Reihen senden. Die Brand- markung ihrer nichtswürdigen Handlungsweise ist die uuer- läßliche Pflicht aller, die sich nicht zu ihrenMitschuldigea machen wollen. Aus England. London, l». Dezemder. 1 England» gegenwärtiger Tvryregierung ist große» Heil widerfahren. Sie hat. glücklicher al» Putty,«inen Fund gemacht, nach dem stch der biedere preußische Tugendmimster schon jahrelang vergeben» gesehnt hat. Dt« englische Regierung hat nämlich eine Dynamitverschwör« u n g entdeckt l Und ste brauchte eine solche allerdings sehr dringend, fast ebenso dringend wie ihre preußischen Brüder in Christo. Die gemeinen Schur« kereien, die ste in letzter Zeit wieder gegen das irische Volk verübt, und die wiederholten Blamagen, welche sie sich dabei zugezogen hat, haben nämlich ihr Ansehen in den Augen des eigenen Volkes erheblich ver- mindert. Der Aussall sämmtlicher Ersatzwahlen, die in den letzten Mo- naten stattgesunden haben, hat ihr dies zur Genüge bewiesen. Und darum muß sie befürchten, von dem Anfangs Februar zusammentretenden Parlament ein Mißtrauensvotum zu erhalten, was nach der englischen Verfassung ihre Demission zur Folge hätte. Unter solchen Umständen muß natürlich etwas gethan werden, um das brutale Vorgehen in Irland zu rechtserttgen, und daS beste Mittel zur Erreichung dieses Zwecke« ist natürlich die Entdeckung einer irischen Tynamitversckwörung. Und weil sie emoetfl werden n i.:, so wurde ste entdeckt. Ja noch mehr, der Verschwörer wurde sogar dingfest gemacht. FreUich war er schon am Tage vorher an der Schwindsucht gestorben, aber da «in Todter sich bekanntlich nicht vertheidigen kann, hatte dieser Umstand sogar sein Gutes. Man konnte ihm nun, ohne eine Widerlegung be« fürchten zu müffen, alles Mögliche in die Schuhe schieben; und die Polizei besorgt« dies denn auch m der bekannten gründlichen Weise. Bewiesen wurde jedoch weiter nichts, als daß er Cohen hieß und aus Amerika gekommen war, was bi« jetzt nach englischem Rechte noch nicht strafbar ist. Die liberalen Blätter nahmen diese Entdeckung denn auch von der komischen Seite, und selbst den Konservativen kam die Sache für ein« ernsthafte Behandlung denn doch etwas zu sonderbar vor. Dw Regierung hatte sich wieder lächerlich gemacht, und war also ärger daran als je. Um die Scharte auszuwetz n, mußte sie ein Dynamitkomplott mit wirtlichem Dynamit und mit lebendigen Dynami« tarden entdecken. Bei dem tobten Cohen war nämlich nur ein Revolver gesunden worden, und ein solches Instrument befindet stch bekanntlich im Besitz jedes Polizisten. Die Polizei ging also aus die Dynamitsuch«, und ihre Anstrengungen waren natürlich mit Erfolg gekrönt. Ja sie fand sogar einen ganzen Hausen diese» begehrten Artikels— allerdings nicht in den Rock- taschen oder in der Stube des Verschwörers, aber in der Klosetröhre des Hauses, in dem er wohnte. Freilich hatte niemand gesehen, daß er solchen Stoff jemals in seinem Besitz gehabt, oder daß er denselben dem obenerwähnten Bersteck anvertraut halte, aber er war Jrisch-Amerikaner, und da» genügte. Denn daß in demselben Hause ein Geheimpolizist sein Heim ausgeschlagen hatte, und daß dieser Mann dasselbe Closet denutzte, war natürlich Zufall. Die englischen Spitzel find nämlich ebenso wie die Puttkamer'schen, immer„höchst p flicht getreue und ehrenwerthe Beamte". Der Amerikaner Ca lla n wurde also v erb astet, und au« der Closetröhre deS betreffenden Hause« sowie aus dem Kehrichthaufen wur« den nicht weniger alS achtundzwanzig Pfund Dynamit her« ausgehoben.> Achtundzwanzig Pfund! Wie viel würde unser Putiy darum geben, wenn noch vor der neum Berathung de» Sozialistengesetzes bei irgend einem Sozialdemokraten «in solche» Quantum entdeckt werden könnte!! Da aber zu einem Komplott wenigstens Zwei gehören, wurde außer- dem noch ein gewisser Hark ins verhaftet. Bei demselben wurde aller- dingS kein Dynamit gefunden, aber er soll mit C a l l a n und dem tobten Cohen verkehrt haben, und infolgedessen ist natürlich auch er ein Dynamitarde. Obwohl mit den beiden Angeklagten bereits mehrer« Verhandlungen und Zeugenverhöre abgehalten worden sind, ist ihnen noch immer nicht« Strasbares nachgewiesen. Trotzdem wird ihnen-in« Unterredung mit ihrem Vertheidiger nur im Beisein des GesängnißpersonalS gestattet, was in England der Strafprozeßordnung direkt zu« w t d e r l ä u s t. Der Rechtsanwalt hat sich um Beistand an den Richter gewendet, der denn auch erklärte, daß ihm«ine solche Wahnahme noch nie vorgekommen sei, daß er aber trotzdem in der Sache nichts thun könne, weil dieselbe Sache der Polizeibehörde, respektive der StaatLan- waltschaft sei. Daraufhin brandmarkte der Bertheidiger dieses ungesetz- liche Vorgehen in Zuschriften an verschiedene Blätter, und nun fing die Polizei an, zu ahnen, daß die öffentliche Meinung fich wieder gegen st« wenden könnte. Di« Folge davon war, daß eine neue Räubergeschichte ausgeheckt«er- den mußt«. Dieselbe wurde am 14. Dezember in den„Timei" servirt. Sie ging daraus hinaus, daß die Polizei einen„vollständigen Organi- sationsplan der irischen Dynamitverschwörung" in Händen habe. Die- selbe werde von einem Dr. Hamilton Williams in Ncw-Aork geleitet, der einen ganzen„Stab" von Schreibern beschäftigt und 200,000 Pfund (4 Millionen Mark) zu seiner Bersügung habe, um damit„den Krieg in Feindes Land zu führen". Dieser Krieg soll den Zweck tz iben,„unlieb- same Persönlichkeiten zu tödten und öffentliches und privates Eigenthum zu vernichten. Zu diesem Zwecke werden angeblich soitwährend amerika« Nische Ag nten nach England gesandt, um in London und« andere» großen Städten Attentate anzuzetteln.——— Und nach diesen ein« leitenden Bemerkungen wird die Gefahr, in welcher Enzland schwebt, mit glühenden Farben ausgemalt; glücklicherweise wird aber gleich hin- S[gefügt, daß die Polizei mit der ihr eigenthümlichen Pfiffigkeit all diese genten sofort entdeckt und sie dann nie mehr au» den Augen verliert. Trotzdem ist es ihnen aber sonderbarerweise gelungen, irgendwo in London 200 Pjund Dynamit zu verstecken, ohne daß die Polizei deS> selben bis jetzt hat habhaft werden lSnnen. Sie hofft indeffen, nach jenem Artikel in der„Times", daffelbe zu entdecken, bevor es der Ver- schwörerbande gelingt, damit unermeßliches Unheil anzurichten. Die An- gaben über dieses Dynamit, sowie über die 4 Millionen Mark und die vielen Schreiber wollte sie von einem Manne erhalten haben, der„nicht gestattet, daß sein Name genannt werde". Natürlich wurde dieser Artikel von keinem vernünftigen Menschen ernst genommen, und besonders die Geschichte von den 4 Millionen Mark und den 2 Zentnern Dynamit erregte allgemeine Heiterkeit. Dazu kam noch «in Rew'Aorker Telegramm der„Daily NewS", welches die Enthüllungen der„Times" in der boshaftesten Weise ins Lächerliche zog und erklärte, daß die sämmtlichen Fenier in New-Iork jedenfalls Summa Summarum noch keine S Pfund b-säßen, geschweige denn 200,000 Pfund. Seit der Zeit hat kein Blatt auch nur eine Silbe mehr über dies« großartige Entdeckung geschrieben, und die Sache gegen Callan und HarkinS ist vor- läufig vertagt. Wahrscheinlich müssen jetzt erst die ominösen 200 Pfund Dynamit irgendwo entdeckt werden. Vorläufig aber hat fich die Polizei wieder blamirt. j- Sozialpolitische Rundschau. Zürich» 2». Dezember 1SS7. — Da» neue Jahr beginnt unter wenig erfreulichen Ausblicken für das deutsche Volt. In der äußeren Politik steht e« immer drohender das Gespenst eines blutigen Krieges heranziehen, der unermeßliche Opfer an Menschen kosten, sowie seinem Wohlstand— soweit dieses Wort über- Haupt anwendbar ist— tiefe Wunden schlagen würde, und den die Staats- bunst seiner bewunderten Staatslenker weder zu bannen gewillt, noch zu bannen im Stande ist. Die Staatskunst eines Bismarck lebt von der Kriegsgefahr und muß daher immer von Neuem die Kriegsgefahr her- ausbeschwören, auch dann, wenn sie es nicht möchte. Ein altes Gesetz bewahrheitet sich an ihr, sie wird mit dem bestraft, mit dem sie am meifien gesündigt. Die Strafe für die Sünden der Regierer aber haben die Völker zu tragen, und so zehrt der Moloch des Krieges immer 8 enger am Mark des deutschen Volkes; neue Belastungen an Geld und ut stehen ihm bevor, während Handel und Wandel durch den in Aus- ficht gestellten Krieg gelähmt darniederliegen. Im Reiche selbst aber herrscht die kraffeste Reaktion. Die durch den schamlosesten Schwindel, den die Welt je gesehen, zusammengegaunerte Reichsiagsmajorilät begnügt fich nicht damit, dem Volk immer neu- Lasten und Abgaben aufzuerlegen, sie bietet auch willig die Hand, dem Volk seine wenigen politi ch-n Rechte immer mehr zu beschneiden. Die Verlängerung der Legislaturperiod n, d. h. die Verlängerung der Fristen, innerhalb deren daS Volk seine Stimme in die Wagschale der Politik legen darf, ist beschlossene Sache, und diesem nichtswürdigen Attentat auf daS Wahlrecht sollen weiter« folgen. Kurz, die reaktionäre Reichstagsmehrheit nutzt ihre Machtposition so gründlich alS möglich und so rücksichtslos alS mög- lich aus. DaS hat die Reaktion zu allen Zeiten gethan und verstanden. »st viel beff.r als die Revolution. Aber die sauberen Volksbedrücker und VolkSbetrüger können ihres RaubeS nicht recht froh werden, sich nicht dem vollen Genuß de« Ge- stohlenen hingeben. Sie w.ff-n, daß trotz alledem auch ihr« Tag« gezählt 6 ad und daß«in unvorhergesehenes Ereigniß, das das Volk auf die ahne ruft, das künstliche Gebäude ihrer Machenschaften mit Einem Schlag über den Hausen wirft. Sie fühlen die Geißel des Rächers im Nacken, und leben so in beständiger Angst vor dem nächsten Tage. Sie hoffen auf den Krieg, der den Blick und die Energie de« Volkes von ihnen ab auf den auswärtigen Feind lenken isoll, und sie fürchten den Krieg, weil sie wiffen, daß die einmal entfeflelte Energie nicht so leicht zu bannen ist, aber sehr leicht eine andere Richtung al« die ge- wünschte nehmen kann. Dafür aber, daß der nächste Krieg nicht populär sein wird, hat Bismarck redlich gesorgt. Durch sein absolute« Preisgeben der Eelbständigkeitsbestrebungen der Balkanvölker hat er sogar verhin- d-rt, daß ein Krieg mit Rußland einen volksthümlichen Anstrich erhalten könnte. So sehen die Dinge selbst für Die nicht» weniger al» erquicklich au«, die das Ruder des Staates in Händen haben. Unsicherheit, Unbehagen, daS ist die allgemeine Signatur der Epoche. Wir Sozialdemokraten, gegen die doch die Anschläge der Reaktion in erster Reihe gerichtet sind, sehen den Dingen noch am ruhigsten entgegen. An Verfolgungen aller Art sind wir gewöhnt, ihre Steigerung kann un» daher nicht überraschen, oder gar in Angst und Schrecken versetzen. Unsere Gegner an der Macht zittern vor uns, wir aber, verfolgt und geächtet, spotten ihrer. Sie plagt die Sorge um ihren ungerechten Besitz, uns stählt das Vertrauen in die Gerechtigkeit unserer Sache. Festen Feuilleton. Aunkertiche Soziatreform vor Hundert Jahren. Die Welt des 18. Jahrhundert« wurde immer schlechter und die Lage de« JunkerlhumS immer bürgerlicher. Di« schönen Rittersile gestalteten fich in hausbackene Wollmagazine um, und die ritterlichen Waffen wanderten als„alt Eisen" in die Produktenhandlungen— die roman. tische, mittelalterliche Schäserpoefie verwandelt« sich in modern« Schas- »üchter- Prosa. Nur war leider im 18. Jahrhundert noch nicht da» Morgenroth oder beffer daS Nasenroth der Schnaps-Lera heraufgezogen. Die Zeit war vielmehr recht trüb« für den Junker. Man konnte nicht mehr so schön im Trüben fischen und Bauerngüter rauben; denn dem„Bauernlegen", diesem echt ritterlichen Handwerk, stand der Krückstock de«„alten Fritz", der Bauern brauchte, entgegen. Ja, die ideal« Welt, in der man. wie in Mecklenburg, unter dem Heiligenscheine deS Evangeliums 8-4000 Bauernhöfe schleifen konnte, war im Untergehen begriffen. Wohl ver- standen, im Untergehen begriffen, denn noch 17d» wurde da»„Lauern- legen" in Pteckienburg durch einen Erboergleich sanktionirt.») Seit der großen glorreichen Reformation und dem noch glorreicheren dreißigjährigen Kriege hatte sich der Junker ein ziemliche» Stück Grund und Boden zusammengestohlen; aber was mit den verödeten Bauernhöfen beginnen?„Viel Steine gab's und wenig Brod, und mancher deutsche Reiterimann hat dort den Trunk sich abgethan", d. h. sich abthun müssen, daS Schlimmste, was einem durst gen Junker Yassiren konnte. Die Bevölkerung konnte man nicht aus dem Boden stampsen, selbst nicht mit einem Paar preußischer«ürassierstiefel. „Im Ansang war die That", sagt Faust. Unser Junker aber dachte: im Anfang war die preußische Knute— übrigens«in Ableger der de- rühmten russischen Knute. Die Sache ist ganz einfach, man peitscht da» nöthige Bauernpack zusammen und zwingt e». die verödet«» Hufen der Ritter zu bebauen.... Das 18. Jahrhundert hat neben Pygmäen, lächerlichen Knirpsen wie Hume, Voltaire, Rousseau»c. einen Riesen hervorgebracht: M. S. von O S k i e r k a,„Sr. Königlichen Majestät von Preußen Seheimen Justiz- Rath". Dieses Univeisal-Genie hat lange vor St. Simon, Owen und Fourier die sozialen Probleme gelöst, und seine Lösung war kein uto- pist'sche» Gedankengebilde wie die Vorschläge jener Träumer, sondern fußte aus so realen, greif- und s ü h l baren Faktoren«»e Korporal- stöcke,«antschuhiebe und Junkerbrutaluäten. *) Siehe Vehs«: Geschichte der kleineren Höfe. 2. Bd. Muthes sehen wir die Entwicklung der Dinge sich vollziehen, denn wir wissen, daß alle Niedertracht unserer Feinde ohnmächtig ist gegen unS, so lange wir selbst nur unentwegt an unsern Grundsätzen festhalten. Die Reinheit unserer Bestrebungen ist unser Schild, die Gerechtigkeit unserer Forderungen unser Panier, die Unwiderlegbarkeit unserer Kritik unsere Waffe, und so ausgerüstet trotzen wir jedem Feind. In heißen Kämpfen hat un» daS alte Jahr gesehen, zu neuen, heißeren Kämpfen ruft unS das neue— wir sind bereit. Sei gegrüßt, neue» Jahr! — Eine Aonseqnenz. Man schreibt unS au» Deutschland: „Die Herren, welche daS ExpatriirungS-Gesetz so leichten Herzen» empfehlen, find gerade so kluge Leute, wie weiland Herr Oll- vier, der Paliliker deS„leichten Herzens" pur orcsllsncs, da» ihn und seinen Herrn und Meister nach Sedan führte. Lncht ist e», den Stein inS Rollen zu bringen, allein ist er einmal ordentlich im Rollen, dann gibt's oft keine Kraft, stark genug, ihn aufzuhallen. Das schwächste Kind kann eine Kanone abfeuern, die Kugel aber, die aus dem Laufe stürmt, kann e» nicht lenken. Jeder Narr und verbrecherische Thor kenn über Tausende und Hunderttausende Acht und Bann verhängen, die Folgen seines Handelns kann er aber ebensowenig nach setner Willkür bestimmen, als sich selber ihnen«ilzuhen. »Jeder Esel kann mit dem Belagerungszustand regieren"— sagte einst C a v o u r, der seinen schnapsbrennenden Rachtreter und Konkur- reuten vorausahnte. Und jeder Esel kann den UkaS unterschreiben, der Hunderltausende deulscher Männer der Verbannung unterwirft, wenn sie nicht nach der Pfeife der frechen Gewalthaber tanzen. DaS kann Jider. Keiner aber kann die Folg-n solch' verbrecherischer Thorheit ab- wenden. Keine Macht der Erde kann verhindern, daß das in toller Ver- blendung abgefeuerte Geschoß auf den Schützen zurückprallt. WaS heißt Verbannung, Exprlriirung der sozialdemokrntisch-n„Agita- toren" und„Führer"? Die Sold chreiber, welche die schmutzige Arbeit der Bismarck, Stöcker, Puttkamer, Jhring-Mahlow und ähn'icher Staats- und Geselllchaftsretter verrichlen, haben mit dankenswerther Offenheit bereit» ausgeplaudert, worum«S sich handelt. »DaS Sozialistengesetz Hai den Sozialdemokraten das wichtiaste Agi- tation-mittel nicht entrissen: die TribünedeS Reichstages"— schwatzt ein Offiziöser— und das Bersäumniß toll nachgeholt werden. Man will der Partei die parlamentarischen„Führer" nehmen,„um welche sie sich bisher gruppirt hatte". Sehr schön das. Wir können es nicht verhindern. Wir können aber auch ebensowenig wie die Bramar ck und Konsorten verhindern, daß dieses feige Attentat auf Recht und Menschlichkeit seine naturnothwen- digen Folgen hat. Die nächste Folge wird sein, daß die deutsche Sozialdemokratie»'cht donqaixotijch genug ist, weiter auf einem Weg wandeln zu wollen, den man ihr gewaltsam versoerrt. Gilt ein R.nchs'agsmandat den Bismarck und Konsorten als ein Zwange paß in die Verbannung, so würden die deutschen Arbeiter Niemandem fernerhin die Pflicht eineS Mandat» auf- erlegen. Das Wählen hört auf. Wir sind niemals begeistert gewesen für daS, was man Parlaments- rismu» zu nennen pflegt. Wir wußten und wiffen, daß unter den Heu- tigen Verhältnissen die parlamentarisch- Regierungsform gesetzgebensch nur den besitzenden Klaff n von Vai theil fein kann und für die Arbeiter überwiegend nur eine agitatorische Bedeutung hatte. Auch in B-zug auf das allgemeine Wahlrecht haben wir unS niemals Illusionen h ngegeben. Wir kannten unsere Feinde zu wohl, als daß wir auch blas für einen Moment geglaubt hätten, sie memten es ehrlich mit dem allgemeinen Stimmrecht, und sie würden, wenn daffelbe sich gegen sie wendete. seme Entscheidung anerkennen. Trotzdem sahen wir, auch unter den od- waltenden Berhältniffen, in dem allgemeinen Wahlrecht ein vortreffliches Bildungsmittel des Volkes und als solches haben wir eS warm empfohlen und eifrigst benützt. Wird uns das Wählen zur Unmöglichkeit gemacht, so verlieren wir allerdings dies B.ldungsinruel. Da,»st aber nur insofern zu bedauern. als dann nur die Form, der Charakter— um un« dietes Aus- drucke« zu bedienen— der fozialvemokratiichen oder proletarischen Be- wegung geändert ist und vielleicht auch ihr Tempo. Die Beweaunz wird keine so ruhig methodrsche sein, wie sie eS bisher gewesen ist. Aber aus d a S Ziel wird st« mit gleicher Sicherheit losgehen— dafür bürgt uns die Summe unausrottbaren WiffenS, die in den deut- schen Arbeitern steckt— Dank dem fünsundzwanzigjähri- gen Erziehungskursus durch die Sozialdemokratie. Und soweit es der Nachhi.fe bedarf, haben wir reichlich Mittel und Wege, um den ausgedehntesten Anforderungen zu entsprechen. Aber die Leidenschaften werden mehr sprechen al» der Verstand. Und darum dürste das Tempo ein etwa» rascheres werden, hier und da in Sprüngen und Sätzen, statt in gle chmäß-gem Schritt. Für die„Führer", welche außer Land» gelrieben werden, ist damit so ipso— ganz von selbst— der Moment gekommen, den sie wied.r- holt im Reichstag alS Möglichkeit angekündigt haben— sie können nicht länger die Verantwortlichkeit für den Sang der Bewegung in Deutschland übernehmen. Sie müssen es den Genossen im Lande überlaff n, das zu thun» was sie im Interesse der Partei für nothwendig erachten; und sie müssen die Verantwortung sür Alles, wa« kommt, den Ur- „Wie bekommt man daS nöthige Renschenmaterial zur Bebauung der adligen Güter zusammen?" So lautet die Frag«, die Junker von Oslierka fich stellt. Und seine Antwort ist von verblüffender Einfachheit. Man verheirathet daS Bauernpack zwangsweise, jedem Hans wird seine Grelhe zugetheilt, und dann Icharwerkt aus den adligen Gütern herum, „als hättet ihr die Li-b' im Letbe." Unser Sozialreformer sogt Seite.b0 seiner Schrift: „Die nöthige Anzahl dieser Leute soll sich sogleich finden, sobald nur Sr. Königlichen Majestät gefallen dörste, allergnäZi st zu verordnen, da- mit ein jeder UnterthanS-Sohn, welcher unter 4 oder auch nur unter 8 Zoll< nämlich unter dem Militärmaß) messen würde, sobald er sein 25. Jahr vollendet hätte, alsofort aus der Rolle gestrichen werden sollte. Denn hieraus müßte« alle von Kriegs-Diensten also losgezählten UnlerthanS-Söhne in ihrem 2«. J-Hre Heirathen und nächstdem durch ihr« Gerichtsobrigkeit auf den tontrtbuale» Husen ohne weiteren Anstand angesetzt werden." Einfach und probat. Aber damit nicht genug. Nicht nur, daß der Bauer auf Kommando verheirathet und aus das adlige Gut verpflanzt wird, nein, er soll auch g.zwungen werden, eventuell daS Geld, das er sich sauer erworben, in daS verödete Limb de» gnäoigen Herr» zu stecken. „Zweiten»", heißt e» auf S. 4,„hat e« auch anjetzo gemangelt, ja, e» mangelt wirklich noch an solchen zu llnterthanen tüchtigen Leuten, welche etwas erkleckliche» von ihrem eigenen Vermögen zu ihrem Anbau(nämlich zum Anbau der wüsten Hufen) mit zu verwenden im Stande wären.... Bettler aber, sie mögen sremd« oder«inheimische sein, anzusetzen, ist kostbar und gleichwohl weder sicher noch nützlich." Erhabene Weisheit, die zu folgender klugen Maßregel führt: „Wo bleibt aber, wird man mich gewiß jetzt um so begieriger fragen, das einem jeden von diesen neuanzusetzenden llnterthanen durch mich zu- geeignete baar« Vermögen von wenlgstenS respektive 8S Rthlr. oder 118 Rthlr.? DieS soll sich auch sofort finden. Man merke zu dem Ende, daß hierzulande ein Knecht von lS Jahren und darüber wenigstens 14 Rthlr. und eine Magd vcn gleichem Alter 8 Rthlr. G-ldlohn jäh,- lich bekomm«. Die Knechte sowohl al« auch die Mädchen verdra. chen davon nützlich nicht die Hülste, well sie nicht» weiter als ihre Bekleidung zu besorgen haben; da ihre Nahrung überdem gereicht wird. Wenn also durch ein Edikt verordnet würde, daß eine jede Herrschast auf dem platten Lande sowohl, al« auch die Bauern ihren Knechten und Mägden nur die Hälfte diese» GeldlohneS in die Hände geben, die andere Hälfte aber in jeden Orts-Gerichten deponiren sollten, so würde ein jeder Knecht und«in- jede Magd von Anfang ihre» IS. Jahre» an bis zum vollendeten 25. Jahre— respektive 4g Rthlr. und 28 Rthlr. überhaupt ersparen. Daraus müßten dlejeniaen dieser Knechte, welche nicht die erforderlich« Größe hätten, um der Königlichen hebern de» Sozialisten-Gesetze» an de« Kop schleudern. Die Herren Bismarck, Puttkamer und Konsorten«erden bald mxHftf wen sie geschädigt haben. Wir waschen unsere Hände in Unschuld. Also nur loS und den letzten Anker gelichtetk Yogne!» galörek — Bon der progressiven Einkommenstener, dieser Srundford» rung der G e r« ch t i g k« i t im St, verwesen, wollen die Biedermänner die in Preußen Deutschland daS Ruder in Händen haben, bekanntliH absolut nichts wissen, um so mehr dagegen vonProgressiv-Dota» t i o n e n. Je reicher einer ist, um so mehr soll ihm— geschenkt wer» den. In der„Bierteljahrsschrift für Volks wirthschaft, Politik und Kultur» geschichte" stillt ein Fachmann eine Berechnung an über die Borth«i le> welche die höheren Setreidezölle dm G rundbefitz- rn b>ingrthsch»stS-„R«jorm".?. K. ober doch war das Fest glänzend besucht und die Stimmung war so feel geistert wie nur möglich. Man feierte eben einen— Schweine» schmauS. Natürlich fehlte e« nicht en einem Festlied zur Erhebung der Gemütber, und wenn der Raum deS„Sozialdemokrat" eS auch nicht erlauben wird, diesen Festgesang, wie er eS verdient, vollinbaltlich abzu» drucke«, so wollen wir doch wenigsten« den Schlußvers desselben der Mit- und Nachwelt nicht vorenthalten. Man höre also, zu welcher Höh« de» Geschmacks sich der„solide Kern unsere« Volke«", wie der gesättigte Bürger bescheiden sich selbst zu ü* nennen pflegt, aufzuschwingen vermag: '„Heil, Heil und dreifach Hell Dem nun jetzt tobten Schwein, dem tobten Schwein. Hoch leb' das ganze Schwein, mtt seinem Hintertheik, Hoch leb' daS Hintertheil, das ganze Schwein!" Welcher Aufwand von Geist! Man sieht, e« ist die g«bildete Gesellschaft, au« der die„Union" sich zusammensetzt. Proletarier kriegten so etwas Schönes gar nicht ferttz. Und deutsche Arbeiter würden auch schön angelaufen sein, wenn sie einen solchen Text zu der angegebenen Melodie— Heil Dir im Siegerkran,— gesungen hätten. Sicherlich hätte sich sofort ein Staatsanwalt ins Zeug gelegt und scharf« sinnig devuzirt, daß hier eine offenbare, schwere Verhöhnung der Majestät de« Staalsoberhauptes vorliege, zumal das Lied aus fft rothem Papier gedruckt ist. Und für Dichter und Drucker wären mindestens ein paar Jahre herauSgesvrungen. Run, die gebildete„Union" hat dem Staatsanwalt in ihrer Art zu schaffen gemacht. Der Kassirer derselben. D i e t m a n n, ist mtt der Kasse der G« ellichaft durchgebrannt und hat bei dieser Gelegenheit auch verschiedene Tausende der Saatfelder Stadtkasse mitgenommen. Jeder in seiner Art. — Daß die Farmer im amerikanische« Westen k-ineSweg» auf Rosen gebettet und, entgegen den Darstellungen der Brodzöllner tm Deutschen Reichstage, mit allerhand Abgaben an das Groß« kapital, theilS in Form von Steuern, theil« von Hypothekenzinfen über« lastet sind, dafür finden wir in einem Artikel des„Phil. Tagblatt" emen interessanten Beleg. Derselbe lautet: ll.ber das Kapital der Verschuldung des Farmers ist in diesen Blät« tern schon ö ters gesprochen worden. Run kommt immer neues Mate« rial, welches das Schlimmste bestätigt, was in dieser Hinsicht vorgebracht wurde. Der St. Louis„Republican", ein größere« kapilalistisches Blatt, hat sich ,. B an die Erforschung der Frag- gemacht, wieviel Kapital aus dem Osten in den westlichen Farmen angelegt sei. Es bestehen nämlich eine Menge Banken, welche Farmen mit Hypotheken belehnen. Die Schuld cheine der Bauern behalten sie selbst und deponiren sie bei Trustgesell'chasten. Dafür geben sie im eigenen Namen Bond« aui, die den Darlehen an die Baue n entsprechen. Damit ist da« Darlehen»« gefchäst in«in förmliches System gebracht und wird im größten Styl betrieben. Auch die Sparkassen im Osten legen Geld in Farmen im Westen an. So rst nach dem Bericht der Examinatoren von New Hampshire allein von den Sparkassen diese« kleinen Staate« die Summe von 18'/, Mil« lionen Dollars nach dem Westen geflossen, und die andere, Banken und Kompagnien>» New Hampshire besitzen noch viel mehr Verichreivungen von den westlichen Farmen, so daß die Schuld dieser an Gläubiger nur in diesem Slätchen auf 70 Willionen Dollars g schätzt wird. Der ZensuS gibt den Werth der Farmen in den zwölf West-Staaten Eolorado, Dakota, Illinois, Indiana, J'wr, Kansas. Michigan. Minne« sota, Missouri, Nebraska, Ohio und Wisconsin auf 5143 Millionen Dollars an. Nun sind nach den Auslünsten des Washingtoner statisti» schen Bureaus die Farmen in Kansas zu 50, in Illinois zu 33 und in anderen Starten von 15 bi« 30 Prozent mit Hypotheken belastet. Der „R-publican" schätzt also, daß die Kapitalisten deS Osten« beiläufig eine Mill arde in diesen Staaten auf Hypotheken auSgelehrn haben, wofür sie jährlich an Zinsen und Kommissionen wenigstens 80 Millionen Dollar» erhalten. Diese Staaten selbst haben aber auch Schulden im Betrage von 230 Millionen Dollars, wovon die Hälfte an Kapitalisten des Ostens. Die Eisenbahnen in jenen Staaten sind mit 3 Mill-arden kapitalisirt, und die Papiere nrößteniheils rm Osten. Es wird demnach berechnet, daß die Farmer rm W.-sten jährlich nur für drei« drei Posten 180 Millionen Dollar« Zinsen an die Kapitalisten des Osten» bezahlen müssen. Und da« ist noch lange nicht Alles. Roch ist ungerechnet, was die Bauern Tribut an die Schutzzöllner, Monopolisten und Patent-Jnhaber bezahlen müssen, eine Summe, die auch in die Hunderte von Millionen Dollars geht. So drückt die Geldmacht auf die Bauern und treibt sie von Hau» und Hof. Man kann sich nun denken, was für Geschäfte H. George bei dieser Beoölkerungeklasse mach-n wird, wenn er ihnen die Berech- tigung des Zinses(notabene 8 bi« 20 Prozent noch dazu) klarmachen wrll. Bei diesem Stand der Dinge, der sich übrigen« durchaus nicht bessert, wird der Gegensatz zwischen Westen und Osten, oder vielmehr zwischen dem westlichen Ackerbauer und dem Sroßtapitalisten de« Ostens, klar. Der Bauer allein ist aber nicht im Stande, diese Last abzuschütteln; der Arbeiter allein kann, bei seiner heuligen Stärke, die Lohnskla« verei nicht brechen. Ader wenn Bauer und Arbeiter zusammenstehen und Front machen gegen die Ausbeuter, dann hat e» für diese geschellt." —„Die Unsicherheit der französische« zustände"— da» ist da« stehende Thema unserer Reptilienpresse. Ja, aber wo ist den» die Sicherheit der v e u t s ch e n Zustände? Da« jetzige System hängt— wenigstens soweit die Person seine« HauptvertreterS in Frage kommt— an einem Haar. Eine kleine Erkältung, und der wankend« Greis, in dessen Name der Hausmeier B smarck regiert, sinkt ins Grab, und für einige Zeit ist'S vorbei mit der Dynastie Bismarck. Sind da« sicher« Zustände? Der Kronprinz, der nach dem Tode de«„Heldenkaiser«" da» Reich aus seinen Schultern tragen sollte, ist von den Aerzten zum Tode verurtheilt. Wird der Kronprinz früher sterben als der Kaiser? Oder wird er ihn aus kurze Zeit überleben? Da« ist die Frage, welche da« ganze offizielle und offiziöse Deutschland beschäjtigt. Sind das sichere Zu« stände? „DeS Reiche« Hoffnung und Zukunft" nannte ein Berliner Blatt vor nicht einem Vierteljahr den Kronprinzen. Und de«„Reiche« Hoffnung und Zukunft"— ist von einer unerbittlichen Krankheit ge». packt, die fester packt als Herr Kraut«, der Hohenzollern-Henker.� Denn ihr ist in Jahrtausenden noch Keiner entronnen, aus den sie die Hand gelegt. Und stirbt der Kronprinz, so kommt ein Mensch auf den Thron,< den nicht« auszeichnet, als totale Unselbständigkeit und«ine so knaben- hast« Unreife, daß Bismarck ihn durch seine Reptile vor aller Wett wie einen Schuljungen abkanzeln läßt. O dre Franzosen können lachen, wenn sie diese« deutsche N a t i o n a l» zuchthauS sich betrachten, da« jetzt in ein L a z a r e t h umgewan« delt rst. Sie müßten toll sein, wollten sie mit dem deutschen Volk« tauschen. Da» Schiedsgericht in der Angelegenheit Gille« gegen de»„Sozialdemokrat" hat folgende Beschlüsse gefaßt: 1) Da« Schiedsgericht erllärt: ») daß e« über die politische Tendenz der Zeitungen, die Gill«» vor 1884 redigirte, nicht entscheide» kann, da dieselbe» ihm nicht vorgelegen haben; b) daß Gilles selbst erklärt hat, die„Allpreußische Zeitung" sei ein sortjchritllichei Blatt, welche« er demokratisch redigirt habe. 2) Daß es »j nach dem vorliegenden Material unzweisilhaft festfleht, daß GrlleS 1884 ver uchi hat, mit Hilfe de« forischritttichen Wahl« verein« in Düss-ldorf ein Mandat zu erlangen. d) daß Oilles, nachdem A. Träger seine Kaudicatur aufrecht er« hielt, zu dessen Gunsten auf die Kandidatur verzichtet« und feine demokratischen Freunde aufforderte, für Träger|u fitirmen. ft) Erklärt das Schiedsgericht über die Beschwerde GilkeS', die Redaktion habe der inNr. ZS veröffentlichten Erklärung desselben(im Passus: Meine Verbindung mit den Wupperthaler Arbeitern datirt jc.) einen Sinn unterschoben, den sie nicht besitzt: „Der Vorwurf der Unterschiebung trifft den„Sozialdemokrat" nicht, da die betriffende Stelle verschiedene Deutungen zu- läßt." 4) a) Die Behauvtung des„Sorialdemokrat", daß Gilles sich erst nach dem Eingehen der„Rheinisch-Westsälischen Blätter" der Partei angeschloffen hat, ist richtig. d) Bezüglich des Vorwurfs, daß Gilles'„Häutungen" ziemlich genau mit dem Krach eines literarischen Unternehmens zu- fammenfallen, lag dem Schiedsgericht nur ein konkreter Fall vor, das Eingehen der„Rheinisch-Westfäl. Blätter". Die bezüglich deffen feststehenden Thatsachen bestätigen, daß Gilles erst, nachdem ihm am 1. Oktober lS8S per April 1886 gekündigt worden und das Eingehen der„Rheinisch-Westfäl. Blätter" vor der Thüre stand, sich in Unterhandlungen wegen Uebernahme der Redaktion der„Elberselder Freien Preffe" einließ. Daß Gilles bei diesem Vorgehen von unehrlichen Motiven geleitet war, darüber lagen dem Schiedsgerichte keine Be> weise vor. 8) Dos Schiedsgericht erklärt, daß zwar in den Briefen der Elber- selber Genoffen vielfach die Behauptung aufgestellt wird, daß Gillei sich der Unwahrheit schuldig gemocht habe. Beweise bringen jedoch diese Genoffen für ihre B.haupiungm nicht. Dagegen findet das Schiedsgericht, daß in den Briefen der Elberfelder Genoffen Unricht Seiten und Ungenauigkeiten enthalten find. 8) Die Mitglieder des Echredsgerichles: Lehne r, Lochner und K a u t s k y haben die Erklärung abgegeben, daß sie über die Elberselder Genoffen und deren in ihrer Erklärung in Nr. 33 des „Sozialdemokrat" vorgebrachten Beschuldigungen kein Urtheil fällen können, da sie von den genannten Genossen kein Mandat haben und diese beim Schiedsgericht nicht vertaten find.— Koch, Hölzer, Varenholz und Rackow halten dagegen dafür, daß auch diese Punkte zur Entscheidung des Schiedsgerichts stehen, da der„Sozialdemokrat" das Schiedsgericht aufgerufen hat, über alle von demselben veröffentlichten Angriffe auf Gilles zu entscheiden.*) In Folge dieses Kompetenzkonfliktes entscheidet das SchiedS- gericht über die allein in der Erklärung der Elberfelder Genoffen vorgebrachten Anklagen wider Gilles nicht, sondern begnügt sich, zu konstatuen, daß Briese vorliegen, in denen erklärt wird: lj daß GilleS aus dem Düsseldorfer altfortschrittlichen Wahl- verein und auS dem Demorratischen Verein in Elberfeld freiwillig ausgeschieden sei; 8) daß Gill«» wegen seiner radikalen Stellung zu dem rheinisch- westfälischen Parteitag nicht zugeloffen wurde. lt. Holz er.«. Kautsky. H. Koch. F. Leßner. H. R a ck o w. C. I. V a r e n h o l z. London, 22. Dezember 1887. S. L o ch n e r. V Daß die obige Abschrift mit dem Original genau übereinstimmt, be- ßcheinigt London, 22. Dezember 1887. H. R a ck o w. *) Letzteres ist ein Jrrthum. Dir haben überhaupt kein Schiedsgericht angerufen, sondern nur eS Herrn Gilles freigefullt, an ein solches zu rekurriren. Die Redaktion des„Sozialdemokrat." Äorrespondenzeu. ?l«S Thüringe«. Ein Vorkommniß zwingt mich, die Aufmerksam- tzrit aus die„gemeinschaftliche thüringische Strafanstalt fchterShausen" bei Arnstadt zu hnk.n. Es ist dies der wie- erholte Ausbruch des Typhus in dieser Anstalt, welche von den sogenannten sieben thüringenschen„Raubstaaten"(Weimar, Meiningen, slltenburg, Coburg. Gotha, Reuß j. L., Reuß S. L. und Rudolstadt) benutzt wird. Die Anstalt(das ehemalige b'ldburghouien-Meiningen'sche Residenz- schloß) beher ergt zirka 420— 470 Fnsoffen, Männer, Flauen und Kinder. Die Arbeitsräume, gröstentleils parterre gelegen, sind ungesund und oft übe. füllt. Bon Ventilation keine Rede. Die Abtritte sind in den Arbeitssälen und bestehen aus einem, resp. zwei Blecheimern mit ein- fächern Deckel. 40-80 Mann verrichten tagüber in diese Kübel ihre Rothdurfk, die einen Gestank verbreiien, daß d e Lust förmlich verpestet P. Wohl soll in die Eimer Karbolsäure geschüttet werden, doch kommt «» vor, daß solche wochenlang nicht vorhanden ist. Ueber den Verbleib pg bafür bestimmten Geldes wird der Hausmeister wohl die b,ste AuS- tatst zu geben wissen. Zu diesem Muster-Jnstitut nun werden Gefangene aller Art zusammen- gesteckt. Politische und gemeine Verbrecher machen miteinander die übl.che Brüderschaft. Die Arbeitszeit ist im Sommer von fruj a»5 Uhr bis'/»8 Uhr, im Winter eine Stunde weniger, bei halbstündiger Früh- und Vesper-Pause und einstündiger Mittagsruhe. Die KCÜ.ü it«sfsnd£;ci~ Dreimal die Woche) wird unter 420- 470 Insassen vertheilt. Also 50 Gramm pro Kops. Früh gibt eS Kaffee oder Hafergrütze, doch wäre ein Schluck guten, frischen WafferS oft besser. Abwech elnd gibt es Erbsen, Linsen, Bohnen. Reis, Hirse oder Gemüse. AlleS vermischt mit Biehkartoff ln. welche vom Rittergut Ichters- Hause« gekaust werden. Abends gibt es Suppe, d. h. verdünntes Mit- lagessen, von Fett keine Spur. Sonntags geht es in die Kirche, wo ein scheinheiliger protestantischer Jesuit höheren Humbug treibt. Die Gesängnlßordnung ist streng. Jedes Wort, Tabakkauen u. s. w. tam mit schmal-r Kost, hartem Lager und Dunkelarrest bestrast werden. Lei der geringsten Gegen-Aeußerung, Wide, stand genannt, gibt eS die Jteüe". Dieselbe ist 25 Psund schwer und ruinirt den Träger derselben physisch und moralisch. Denn Jeder, der sie bekommt, wird zum Menschen- haffer. weil er weiß, daß er das„Geschmeide" umsonst getragen hat. Die männlichen Gefangenen werden zum Theil außer der Anstalt, d. h. als Feldarbeiter aus den Rittergütern, als Bahnarbeiter, in Kies- hrüchen u. f. w. beschäftigt.— In der Anstalt gibt e« Korbmacher, Schuhmacher, Schneider, Tischler, Sattler, Schmiede, Klempner, Räh- maschinennadel Klopfer und-Feiler, Tuchsohlenmacher, Weber, Garten- und Hosarbeiter, Zvllstockarbeiter, Kouvert-Falzer und-Kleber, Woll- zupser und Spinner. D»e betreffenden Regierungen bezahlen pro Kopf 43 Pfg. per Tag, und für 27 Pfg. ernährt, kleidet und bewacht diese„Muster-Anstalt" die Gefangenen. Die übrigen 21 Pfg. darbt man den Gefangenen am Leibe all--- Der„Verdienst" in der Anstalt ist ein kläglicher, trotz- dem viel geliefert wird. Die ersten drei Monate und den letzten Monat gibt eS keinen Verdienst und die übrige Zeit sehr wenig. Im Jahre 188« hat die Anstalt««, 000 Mark Reingewinn an die Eoburg-Gothaische Staatskaffe abgeführt. Um wie viel sich die „Beamten", Direktor Hirling, Hausmeister Frank, sowie der Arbeitsinspektor pro Jahr— verdient machen, ist schwer zu bemessen. Sicherlich nicht wenig.— Diebstahl und Betrug ist in dem Mustermstitut tn der Tagesordnung.„Aufseh r" verleiten die Gefangenen,».«. die Weber, Tischler, Schneider, Schuhmacher ,c. zum Betrug. Havptläch- lich bringen sie die Schreiber auf den Bureau; so weit, daß sie Irr- thümer in den Büchern vornehmen, bezüglich von den Aussehern ent- nommener Waaren.-- � Pen Zeit zu Zeit kommt ein Aufsichtsbeamter von Gotha, Rath »nacker, welcher mit dem Direktor Hirling eng befreundet ist, zur «evision. Selbstredend wird an diesem Tage„geräuchert", damit die feine Rase diese? in„Gothaischer Hoflust" aufgewachsenen Revisors den TyphuS nicht aufnimmt. Beschwerden helfen nichts. Höchstens werden d>e B-ichwerdesührer noch gehörig„geduckt". Der Arzt, ein junger Lasse, dem der Student noch aus den Augen guckt, Sohn eines Arnstäoter Oberpfaffen, behandelt die Gefangenen gleichmäßig als Verbrecher. Von Untersuchen bei Kranksein keine Rede. Doppeltkohlensaures Natron, Naphlalinpulver, Opium, Morphium und Hungeikur sind die Heilmittel. Die in der Anstalt Verstorbenen werden auf dem Anstaltsfriedhose wie Hunde eingehackt, während im Hose der Anstalt der Psaffe vor versam- meltem„Kriegsvolk" an der Wasserleitung(einer Grube, welche das Grab vorstellt) feine Salbadereien hält. Mit einem Wort, die A.. stall ist ein Muster für die anderer Staaten, und Sozialdemokraten sehr zu empfehlen. Der Wunsch der Herren Be- amten ist, daß doch einmal ein„großer"(nicht Spitzbube, denn deren gibt es dort genug), Sozialistensührer, wie Bock ,c., eingeliefert werden möchte, damit sie zusehen könnten, wie der„geschoren" und rasirt werden würde.(Jeder Eingelieferte wird bis aus die Haut geschoren und rasirt.) Im Sozialistensreffen liefert der Direktor Großes. Bei der letz- ten Reichstagswahl haben die Schreiber auf den Bureau; mächtige Pla- kate mit Rundschrist für den Kartellbruder Henneberg anfertigen müssen; Tag und Nacht wurde gearbeitet, ja eS haben sogar Gefangene diese Pamphlete aus den gothaischen Dörfern vertheilen müssen. Daß der Staat solcher Musterinstitute nicht entbehren kann, ist sicher, denn erstens wird, wie oben gesehen, Geld, Geld und nochmals Geld verdient und zweitens bildet man dort tüchtige und brauchbare Staats- bürger auS, oder wird die— Untauglichen durch den TyphuS loS. Alke. Sprechsaal Apolda, 24. November 1887. Daß auf den Artikel„Aus Thü- ringen" in Nr. 40 des„Sozialdemokrat" verschiedene Gegeneinsendungen an die Redaktion eingegangen sind, nimmt unS hier nur Wunder. Wir find vielmehr mit dem Einsender im Urlheil über Dr. Lütt- genau vollständig einig, so sehr wir uns gegen den altmeisterlich über- lezenen Ton gegenüber den Appoldaer Genoffen verwahren, welchen überaroße Vertrauensseligkeit zum Vorwurf gemacht wird. Die? hält« füglich unterbleiben können, denn zur Zeit, als auch der Artikel versaßt wurde, war auch bei den Genoffen hiei ortS kein Zweifel über Lüttgenau vorhanden, und würde das Urtheil über denselben gewiß einstimmig in demselben Sinne, nur noch schärfer als in Nr. 40, ausgefallen fein. Die Vergehen, deren sich Lültgenau schuldig gemacht, sind fo niedriger Art, daß wir davon Atstand nehmen, dieselben hier im Einzelnen aufzuzählen, jedoch gezwungen sind, einen Bericht über dieselben zusammengestellt der Redaktion zur E nstcht zu übergeben. Daß durch Veröffentlichung dei Artikels in Nr. 40 Dr. Lüttgenau an seinem reellen Fortkommen behindert wurde, glauben wir kaum, nehmen sogar nach den gemachten Ei fahrungen an, daß ihm hierzu, zum reellen Fortkommen, der gute Wille gänzlich fehlt, wahrscheinlich würde Lüttgenau sein Treiben anderswo m der Weise wie hier fortgesetzt haben, wenn die Veröffentlichung unter- blieben wäre. Dies vorläufig, um Fürsprechern Lüttgenau'S die Stange zu halten. Weiteres Material außer dem an die Redaktion eingesandten steht noch sehr viel zur Verfügung und kann dies insgesammt dem Schiedsgericht unterbreitet oder, wenn ein solches nicht beliebt wird, mit Bewilligung der Redaktion veröffentlicht werden. Für fä-nmtliche von uns über Lüttgenau gemachten Aussagen treten wir, die Genosse» am Orte, jeder- zeit den Beweis der Wahrheit an. (Nachdem unS auch von den Genoffen Erfurts eine Zuschrift in obigem Sinne zugegangen, sehen wir uns gezwungen, unsere slüh-re vorläufige und bedingte Zurücknahme des in Nr. 40 Gesagten wieder auszuheben. Aus dem mitgetheilten Malerial geht für uns hervor, daß unser Einsender, dem die Thatsachen bekannt waren, vollständig berechtigt war, so über Lütgtenau zu schreiben, wie er es gelhan. Glaub» H«ir Lültgenau das Gegentheil beweisen zu tonnen» so mag er den Spruch eines Schieds» gerichtS anrufen; er wird wohl wissen, an wen er sich dieserhalb zu wenden hat. Wenn er dagegen von uns Nennung des Einsenders ver- langt, um denselben, wie er in einer Zuschrift andeutet, vor deutschen Gerichten zu belangen, so werden wir diesem Verlangen keine Folge geben. Wer gegen Parteigenossen die Hilfe von Bourgeoisgerichten an- ruft, stellt sich selbst außerhalb der Partei. Reo. d.„S.-D.") V Aufforderung. Wir fordern hiermit diejenigen einstmalig-n Mitglieder unsere? Vereins. welche noch Verpflichtunzen gegen denselben haben, aut, solche unverzüglich zu regeln, widrigenfalls wir unS genöthigt sehen, die- selben an dieser Stelle mit Namensnennung zu mahnen. Die Grschäftskommission des deutschen sozialdemokratischen LeseklubS in Pari«. Alle Sendungen sind zu richten an unseren Kassirer: dir. G. Schenk, rue Butte Nr. 16, en Ile St. Louis, Paris. Wachruf. Am 80. November verschied an der Proletarierkrankheit unser treuer Genosse Philipp veckman«. Er hinterläßt eine Frau mit vier Kindern. Der Verstorbene war stet? ein warmer Anhänger unserer Sache und verlieren wir in ihm einen treuen Genossen. Ehre feinem Andenkenl Die Dortmunder Genossen. Ottitttrng. Mk. 87— ksiebenundachzig Mark) erhielten wir von„Für Wahrheft und Recht, Nr. 45". Berlin, im Dezember 1887. Die Empfänger. Erklärung. Am 13. Dezember wählte der 8«. KommunalWahlbezirk mit geringer Majorität in ver Stlchwahl Herrn Schlettstößer zum Stadtoer- ordneten. UnS ist derselbe völlig unbekannt, und lehnen wir deshalb selbstverständlich auf das Entschiedenste jede VerantworUichkeft für die Thätigkert des neuen StadtvaterS im Vorhinein ad. B e r l i n, im Dezember 1887. Spreewacht. Brieftasten der Redaktion: Briefe und Einsendungen jc. find eingetroffen aus Apolda, Berlin, London, Pari«.— A. W. in Paris: Für diese Nummer leider zu spät.— Spreewacht: Warnung vor dem Spitzel August Nickel, Wrangelstraße öS ll, wegen Raum- mangels in nächster Nummer. der E; p e d i t i o n: A. Lg. Fg. i. S.: Mk.— 40 f. Schft. und «0 Pfg. pr. UfdS. dkd. erh.— Knurrhahn: Mk. 155— ä Cto. Ab.»c. erh. Bstllg. folgt. Weitere? vorgemerkt.— R. W. Ptrfna.: Fr. 2 70 Ad. ab 1. Dez. u. 1. Qu. pr. N. R. erh.— s. Sn. Biel: Fr. 8 70 Ab. ab 1. Dez. u. 1. Qu. pr. R. R. erh.— K. K. Mch.: Mk. 4 40 Ab. 1. Qu. erh.— H. P. Mala« g, Java: Fr. 10 33 pr. AgfdS. dkl». erh.— Pfaffengrimm: Mk. 1025 75 pr. Fd. erh. W-ftereS nach Vrschfi» gebucht u. besorgt.— H. P. H. Hfld.: Mk. 4 40 Ab. 1. Qu. erh.—» B. P. Cernier: Fr. 2— Ab. I.Qu. erh.—;. y. Z.: Mk. 3« 70 dio. Ab. pr. Ende 1883, Rest B. u. Schft. erh. u. Mk. 17 80 für die Leute im E;il dkd. verwdt. Bstllg. folgt.-». H. Rustfchk.: Fr. 5 20 Ad. 1. Qu. u. Schft. erh.; 80 Cts. d. Ufd. dkd. zugew. Bstllg. am 24/12. 87 fort. Adr. L. haben wir selbst noch nicht erh., aber nochmals verlgt. — Druide: Mk. 12 20 Ab. 1. Qu. u. Schft. erh. Adr. u. Bstllg. notirt. Bfl. Weitere».— G. B. Detroit: Jubil.-Matertal dkd. erh. u. besorgt. — F. W. Baird, Texas: Desgl.»f. mit'/» Gramm Uebergewicht kostet 50 Cts. Strafporto.— C. Sch. Ranchester: Fr. 2« 50 Ab. Sch. u. K. pr. 1888 u. Schft. v. 26/5. erh., Fr. 23 50 d.«gsd. dkd. zugewiesen. — I. P. I. Kristiania: Fr. 2 50 Ab. 1. Qu. erh. Nr. 50—52 grati«. — H. H. O.: Fr. 7— Ab. 1. u. 2. Qu. erh.— Hl. Josef: Beste» Dank f. Nachr. betr. W.«.— Rheinland: Mk. 4 40 Ab. I.Qu. erh.— C. S. B.: Mk. 4 80 Ab. 1. Qu. erh.— O. Rk. London: Fr. 11— f. Vchst. erh. Sdg. abgg.— Beelzebub: Rk. 4 40 Ab. 1. Qu. erh.— Der Alte v. Berge: Fr. 2— Ab. I.Qu. erh.— W. Adf. Mrgn.: Fw 11- ä Cto. Ab. u. Schft. erh.— Dtfch. Ber. Genf: Fr. 4— Ab. Rest 4. Qu. erh. Weiteres der Bbhdlg. zugestellt.— G. v. Berv».: Fr. 2 50 Ab. I.Qu. erh.— Claudius: Adr.-Veränderung vom 2«/12. vorgmkt.— Hannibal: Rachr. v. 24/12. erh. Adr. AnlangdS. notifizirt.— Felix III: P.-K. v. 26/12. erh. u. am 27. beantw. Beim„HerauSbuch- stabilen" kommen wir mftunter auch nicht zu kurz.— FuchS: Vf.». 24/12. erh. Adr. ,c. vorgemerkt.— Rother Eisenwurm: Rk. 50 22 a Cto Sbon. u. Schft. erh. Adr.»c. notirt. Bfl. Weiteres.— Reck«» fchl-imer: Mk. 15— a Cto Ab. 1. Qu.»c. erh. Bfl. am 27/12. Wei» t-reS.— B. Ddp.: Rk. 4 40 Ab. 1. Qu. i. Sgr. W. d. Z. erh.— Z. H. Hschu.: Mk. 4 40 Abon. 1. Qu. erh.— Frl. S. F.: Fr. 2S5»d. 1. Qu. u. Fr. 2 50 Ab. 1. Qu. Fl,, erh.- B. Bkst.: Fr. 14 55»h. 1. Qu. u. Schft. erh. Fr. 1 45 pr. Ufd. dkd. verw. Bstllg. folgt.— A. R. Bzu.: Mk. 3— Ab. 1. Qu. erh.— Ruff. L. Ver. Bern: Fr. 2— Ab. 1. Qu. erh.- A L. Nr.: 50 Pf. f. Schft. erh.— E.».: 2 Mk. Ab. 1. Qu. erh.— S. R. Ist».: Mk. 4 40 Ab. 1. Qu. erh.—».H. 04 Fr. 2 75 Ab. 1. Qu. erh.— L. Sch. Dd.: Mk. 17 60 Ab. pr. 1888 erh.— I. Sch. Uhy.: öwfl. 2—» Cto Schft. erh. Sdg. folgt, sobald Alles fertig.— I. Sch. Sch. G.: Mk. 4— a Cto Ab. 1. Qu. erh. Fehlen noch 40 Pf.— Wir entbieten und erwidern hier« durch den Unserigen allerseits die besten Glücke wünsche zum Neujahr! Die Expedition de«„Sozialdemok««t*. Anzeigen. Soeben erschien und ist durch unS zu beziehen: Sozialdemokratische Bibliothek. Heft XVIII. Streifzüge eines Sozialisten in das Gebiet Erlenntnißtheorie. Von I. D i e tz g e n. Preis: 40 Pf.— 45 Et«. Heft XIX. Das Recht auf Faulheit. Bon P. Lafargn«, Preis: 20 Psg.— 25 CtS. Heft XX. Arbeiterlesrbuch. Von F. L a s s a l l e. Preis: 30 Pfg.— 40 CtS. V Ferner sind bis jetzt erschienen: Heft XVIl. Hochverrath und Revolution. Von W. Liebknecht. PreiS: 85 Pfg.— 40 CtS. Porto und Versandtspesen außer der Schwei» kommen v» Lasten der Besteller. Bestellungen auf die„Sozialdemokratische Bibliothek" werden erbeten. Die Hefte werden auch einzeln abgegeben. Tolkibneliliudlonf und Kxpodltlea de>„kor." Hottlncen- Zürich. i Zur rechtzeitigen Kenntnißnahme. Bei Quartalschluß V müssen sämmtliche Briefabonnements-MW baar vorausbezahlt werden. Belastungen auf Conto-Jnhaber finden also'nicht statt. Allen Bestellungen auf direkte oder indirekte Briefliefenmg ist ohne jede Ausnahme die volle Baarzahlung beizulegen. Alle nicht ausdrücklich wiederbestellteu Brief» Abonnenten werden mit Nr. 1(1838) gesperrt. Ersatz für Bersandtverluste liefern wir nur gegen Einsendung des Porto bei Reklamation. Wo anderweitige BezugSgelegenheit geboten ist, sind Briefabonnements unzulässig. Abonnements für die Schweiz erheben wir per Nachnahme, wenn Zahlung nicht«it jedem Quartalbeginn vorauSgeleistet ist. Einzel-Kreuzbandfendnngen ins Ausland sperren wir mit Quartalsablauf, sofern Neubestellung und Geld bis dahin ausbleiben. Die Ezfleditii« de«„ZiiialdkAsIttst". Unser» Abonnenten in der Schweiz zur gef. Senntniß, daß wir diejenigen bisherigen Abonnenten, welche die Annahme unsere« Blatte« mit Beginn de« Quartals nicht ablehnen, auch für da» laufende Quartal als Abonnenten vortragen und Nachnahme sofort nach Ausgabe von Nr. 1 erheb« werden, sofern die betreffenden AbonnementSbetrüge nicht schon eingesandt wurden. Sie«ipktiti» de«„S«Mdt«,dr2l'. J______'----— Cfttsitz.»e-offenichatl'lmchdrucknet«attt«gea-8fat4.