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In den Berichten über die erste Lesung des verschärften Sozialistengesetzes im Deutschen Reichstag ist ein Ausspruch fast vollständig übergangen oder doch bis zur Unkenntlichkeit abgeschwächt wiedergegeben worden, der als ein unver- hülltes Bekenntniß aus berufenem Munde die weiteste Bekanntgabe verdient. Es ist absolut nothwendig, die wahren Absichten, die Moral- vnd Rechtsbegriffe Derjenigen kennm zu lernen, welche in dem Feldzug zur Unterdrückung der Sozialdemokratie das entschei- dende Wort sprechen. Der einzige Redner, welcher dem von Herrn v. Puttkamer beantragten Verbannungsgesetz in seinem vollen Umfange das Wort redete, war der ehemalige Fraktionsgenosse des Tugend- Ministers, der konservative Ex-Landrath, Freiherr von Hell- borf-Bedra. Er sprach als auserwählter Redner seiner Fraktion, seine Ausführungen sind also für die Beurtheilung des Standpunktes derselben durchaus als maßgebend zu be- trachten. Run, laut dem amtlichen stenographischen Bericht sagte in der Sitzung vom 28. Januar Herr v. Helldorf- Bedra u. A. wörtlich: »Dann, meine Herren, kann ich doch auch die Konsequenz de« 0e< danken« eigentlich nicht in Abrede stellen. Herr ReichenSperger sagte, die Konsequenz des Gedanken« führte eigentlich nur dazu, daß man den- jenigen, der sich als Feind unserer StaätSordnung erklärt, der staatS- bürgerlichen Rechte verlustig erklärte, und er dachte dabei vielleicht an die staatsbürgerlichen Rechte, als die Rechte des Wählen« und des Ge- wähltwerdens und dergleichen mehr, das, was wir nach unserem Straf- «setzbegriff darunter verstehen.— Ja, meine Herren. daS ist nicht richtig. Die Konsequenz führt weiter: wir dürfen nicht verkennen, daß jeder, der im Staate lebt, von Kindesbeinen bis zum Grabe ge- tragen und gehalten wird von der Organisation des Staates, daß seine ganze persönliche Existenz von ihm abhängig ist. Der einzeln« ist nur zu oft sich nicht bewußt, was er dem Staate in dieser Weise verdankt. Die richtige Konsequenz ist diejenige, welche früher in der Zeit deS alten Rechts gezogen wurde: die«chterklärung; der Staat zieht von demjenigen, der sich al« seinen Feind erklärt, die schützende Hand od: jener ist v o gelsrei, seine Person ist nicht mehr sicher, sein Eigenthum ist nicht mehr sicher; der wird nicht gestraft, der sich an ihm vergreift.(Zuruf bei den Sozialdemokraten.) Da« ist die Konsequenz. Run, meine Herren, wiffen wir aber— und wir können die« al« einen riesigen Fortschritt der Humanität im Lause der Jahrhunderte anerkennen—, daß wir dies« Konsequenz nicht durchführen können; «« würde sich der Exekutor dieser Sentenz nicht finden; wir sind zu human, um die Herren Bebel und Singer, auch wenn sie vogelfrei erklärt würden, die Konsequenzen dieser Ding- fühlen zu lassen. Reine Herren, man kann den Gedanken doch auch noch von einem imderen Gesichtspunkte aus faffen, und den möchte ich hier hervorheben: wenn wir ei erleben, daß«in Theil unserer Staatsangehörigen sich al« erklärte Feinde der Staats- und Sesellschastsordnung dem Staate gegen- über st.llt, wenn er innerhalb seiner Grenzen den Krieg gegen den Staat organisirt,— meine Herren, tritt denn da nicht ein gewisses Recht,«ine gewisse Nothwendigkeit der Rothwehr ein? tritt da nicht ein Fall ein, wo der Staat mindestens die Verpflichtung hat, sich zu schütz n gegen denjenigen, der in dieser Weise sein Feind wird? Und worin besteht dieser Schutz? Darin, daß dem Feind die Bethätigung unmöglich gemacht wird(Bravo! rechts), also, wenn ihm auch das iebtu »icht abgesprochen— da» könnte man ja, die Konsequenz de« Gedanken» führt dazu-, ihm aber mindesten» die Freiheit genommen wird." »Die Konsequenz des Gedankens führt dazu"•— d. h. die Konsequenz des Gedankens, daß die Herren sich als den „Staat", und ihre Ausbeuterprivilegien als die„Staats- und Gesellschaftsordnung" hinstellen, führt dazu, Jeden für vogel- frei zu erklären, der die Ewigkeit und Unantastbarkeit dieser Privilegien in Zweifel zu stellen wagt. Dies der nackte Sinn der obigen Worte. DaS reaktionäre Junkerthum— und man muß den Be- griff nicht nur auf die Handvoll Großgrundbesitzer beschränken, die Bureaukratie, die Finanz, die Großindustrie:c. gehören zum großen Theil auch dazu— ist allerdings noch nicht so weit gegangen, die Achterklärung in dieser„richtige« Ko«- fequenz" vorzuschlagen, aber nicht etwa deshalb, weil ihm die Sache ungeheuerlich erschiene, sondern hauptfächlich deshalb — man lese nur oben nach—, weil sich die Sache in der Praxis nicht so einfach machen würde.„Der Exekutor würde sich nicht finden", sagt Herr von Helldorf und fügt hinzu: »wir sind zu human"— man hört aber deutlich heraus, daß er diesen Umstand mehr bedauert, als er sich dessen freut — feine Phantasie schwelgt ordentlich in dem Gedanken, die kühnen Wortführer des Proletariats niederknallen zu dürfen. Die Verbannung, das Forttreiben aus dem Lande, das Heimathlos-Erklären ist ihm nur ein Nothbehelf, eiu gelindes, ein„humanes" Mittel. „Wir sind zu human"— in diesem Wort verräth sich die ganze Brutalität des frechen JunkerS. Er stößt den Gedanken nicht von sich, er anerkennt ihn vielmehr als„richtige Kon- sequenz", er sieht nur deshalb von ihm ab, weil er ihn für schwer durchführbar hält. Wäre dem nicht so, wären„wir" nicht zu human, Herr von Helldorf-Bedra und seine Genossen wären die Letzten, die sich dagegen erklärten,„die Herrm Bebel und Singer die Konsequenzen dieser Dinge fühlen zu lassen.« Und zu den„Genossen" haben wir auch den Freund und emstigen Fraktionsgenossen des Herrn von Helldorf zu rechnen: Herrn von Puttkamer, Exzellenz. Ihm band natürlich seine amtliche Stellung die Zunge, aber der einzige Redner aus dem Hause, der für sein Machwerk eintrat, kann wohl als der berufene Vertreter seiner wahren Tendenzen betrachtet werden. So wenig wie die konservative Fraktion, hat Herr Puttkamer gegen die Konseqnenzen Verwahrung eingelegt, die Herr von Helldorf-Bedra aus dem„Gedanken" des Gesetzes zog. Darum empfehlen wir unseren Lesern, den deutschen Arbeitern, sowie all' Denen, welche die Emanzipation der Unterdrückten auf ihre Fahne geschrieben, sich die obigen Worte genau ein- zuprägen. Sie zeigen, mehr als alle für das Publikum be- stimmten Programme, was von der Partei der sich christlich nennenden Konservativen zu erwarten ist, wenn sie es zur un- beschränkten Herrschaft im Staat bringen sollte. In die Acht mit Jedem— vogelfrei Jeder, der es wagt, die Rechte der Arbeiter mit Entschiedenheit zu vertreten. Bogelfrei? Nicht doch, der Ausdruck ist veraltet. Für die Vögel gibt es heute Schutzgesetze— allen Spitzbuben und Mördern von Beruf überantwortet, wer es wagt, den ge- setzlichen Diebstahl und den priviligirten Mord zu bekämpfen, wer es wagt, grundsätzliche Reformen auf seine Fahne zu schreiben— das ist die Konsequenz des junkerlichen Ge- dankengangö. Jede Agitation für eine den herrschenden Klassen nicht genehme Aenderung der Staatsverfassung, jede Propa- ganda für soziale Einrichtungen, die dem Klasseninteresse der Herrschenden widersprechen, wird mit dem bürgerlichen Tod bestraft. Und das wird in demselben Moment proklamirt, wo man von oben her selbst eine grundstürzende Aenderung der Staats- einrichtungen in Szene fetzt, natürlich eine solche, die den Interessen der Mächtigen dient— wir meinen die Ver- längeruug der Legislaturperioden des Reichs- t a g e S. Keiner Dialektik der Welt, und sei sie noch tausendmal rabulistischer als die des Cicero-Bennigsen, wird es gelingen, die Thatsache hinwegzudeklamiren, daß die Ausdehnung der Wahlperioden von drei auf fünf Jahre unter den in Deutsch- land herrschenden Verhältnissen eine direkte Verkürzung der BolkSrechte bedeutet. Nachdem man durch das Aus- nahmegesetz Preßfreiheit und Versammlungsrecht von der Willkür der Polizei abhängig, zu einem Privile- gium der Gewalthaber gemacht, wird die einzige Gelegenheit, die dem Volk und den Volksparteien noch blieb, ihrer Stimme einigermaßen Geltung zu verschaffen, der Wahlgang, statt auf alle 3, aufalle5Jahre hinausgeschoben. In einem Land, wo die Volksvertretung nicht einmal die Macht hat, auch nur die kleinste Reform durchzusetzen, welche den Regierungen nicht paßt(man denke an das Schicksal der Diäten- Anträge, der Arbeiterschutzgesetze ze.), wird— das Wahlrecht des Volkes verkümmert. Alles im Interesse der„Ruhe und Ordnung"— selbstverständlich. Aber diese Ruhe und Ordnung ist dieselbe, von der Goethe in seinem„Götz von Berlichingen" sagt, daß sie jeder Raubvogel wünscht, die Beute in Bequemlichkeit zu ver- zehren. Hat er Appetit auf frische Beute, und ist ihm die Situation günstig, so scheert er sich den Teufel um Ruhe und Ordnung und— löst den Reichstag auf. Da« ist die wahre Bedeutung der Verlängerung der Legis- laturperioden. Die nationalliberale Phraseologie will eS natürlich nicht wahr haben, die liberale Seele sträubt sich dagegen, eS sich und der Welt einzugestehen. Aber der gute Verbündete, der Junker, plaudert eS offen heraus, worauf die Sache abzielt. Weshalb sich geniren? Ihm wird ja doch apportirt, was er braucht, und solange apportirt, bis er stark genug ist, sich den Rest selber zu holen. Wozu gibt eS liberale— Staats- männer? Darum tiefer herab mit dem Geständniß der schönen Junker- Seele I Leset es, deutsche Arbeiter, leset eS Alle, die ihr noch einen Funken von Rechtsgefühl, einen Schimmer von Bersiändniß für die Aufgaben der Zeit habt I Leset eS und überzeugt euch, wohin das Schiff treibt, dessen Kapitän Bismarck und dessen Steuermann Puttkamer heißt. Keine Reform, die den Interessen der Mächtigen und Reichen im Wege ist. Wir find der Staat, wir sind die Gesellschaft, und wer sich wider unsere Alleinherrschaft auf- lehnt, der hat den bürgerlichen Tod verdient. Mörder und Spitzbuben über ihn— sein Eigenthum ist nicht mehr sicher, seine Person ist nicht mehr sicher—„die Konsequenz des Gedankens führt dazu!" Das sind die Rechtsbegriffe Derer, die heute im Namen von Ordnung und Recht regieren. A«S der Rede Singers zum neum Sozialistengesetz.*) (Laut dem amtliche» stenographischen Bericht.) Reine Herren, ich habe geglaubt, daß feiten» der verbündeten Regierungen der Versuch gemacht werden würde, da», wa» in der«»- gründung de» zur Berathung vorliegenden Gesetzentwurfs versäumt ist, nachzuholen, nämlich denselben überhaupt zu begründen; denn e« wird wohl kaum jemand im ganzen Lande existiren, der da», was uns sei« ten« der verbündeten Regierungen vorgelegt ist, als eine Begründung. anzusehen vermag. Reine Herren, bei der Verlängerung und ver- schärfung eineS Gesetzes, welche« zahllose Rassen der besten Bürger unsere« Lande« rechtlos macht (Heiterkeit); bei der Verlängerung und der Verschärfung eine« Gesetze«, welche« Roth und Elend in tausende und abertausend« von Familien hinein- trägt; bei der Verlängerung eine« Gesetzes, dessen Handhabung bisher nachgewiesenermaßen trotz der Verstcherung der Vertreter der verbündeten Regierungen in der unloyalsten Weise gehandhait worden ist, (Rufe: Rein!) bei einem solchen Gesetz, denke ich. wäre eS nothwendig gewesen, wenig- stenS den Versuch einer Begründung zu machen. Denn daß die Be- gründung, die un« hier vorliegt, so haltlos und nichtssagend ist, wie irgend jemals etwaS dem Reichstag vorgelegt wurde, darüber wird kein Zweifel im Hause bestehen können.... ... Reine Herren, gestatten Sie mir, in kurzen Zügen Ihnen da« auseinanderzusetzen, was das Sozialistengesetz bewirkt hat, ja, wie e« nothwendigerweise wirken mußte. Das Sozialistengesetz hat nicht die Entwickelung der Sozialdemokratie gehemmt; da« Sozialisten-;..setz hat nicht etwa diejenigen Bestrebungen, die vermittelst dieses Gesetzes getroffen werden sollen, verhindert, son- dern es hat Blüthen gebracht, die, wie ich fest überzeugt bin, jeder ein- zelne in diesem Hause mit mir beklagt. Aber, meine Herren, während die bisherigen Befürworter des Sozialistengesetzes die schwere Schuld auf sich geladen haben, durch die Zustimmung zu diesem Gesetz diese Folgen hervorzurufen, sind wir e« gewesen, die von Anfang an daraus hingewiesen haben, welche Folgen nothwendigerweise ein solches Gesetz hervorrufen muß. Und was die verbündeten Regierungen und mit ihnen die Mehrheit des HauseS bekämpfen will, den Anarchismus, diesen Anarchismus, meine Herren, so weit überhaupt in Deutschland von Anarchismus die Rede sein kann, hat das Sozialistengesetz erzeugt. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das Sozialistengesetz ist der Baterdes Anarchismus und nicht die Sozialdemokratie. (Lachen recht«.— Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) — Ich bin in der Lage, Ihnen daS nachzuweisen, und ich rathe Ihnen, meine Herren, fich Ihr Lachen aufzusparen bis nachher; ich werde Jhnm Dinge vortragen, bei denen, wie ich überzeugt bin, selbst Sie von der> Rechten nicht mehr lachen werden..... .... Ich habe, al« e« sich um die vorige Verlängerung des Sozia- listengesetzes handelte, Ihnen von dieser Stelle den Nachweis führ« können, daß hier in Berlin ein Beamter des Polizeipräsidium« es ge- wesen ist, der die Berliner Arbeiter aufgereizt hat zu Gewaltthaten, der die Berliner Arbeiter verleiten wollte zu Dynamitattentaten; ich Hab« Ihnen nachgewiesen, daß dieser Rann es gewesen ist, der eine Anzahl von Arbeitern dadurch in Differenzen mit dem Gesetz hat bringen wolle«, daß er ihnen zugeredet hat zu Verbrechen und thatsächlich selbst Majestätsbeleidigungen verübt hat. Der Herr Minister von Puttkamer, meine Herren, hat damal«, al« ich diesen Rann hier im Reichstage entlarvte, ihn sehr in Schutz genommen, indem er ihn als einen pflichttreuen Beamten hin- stellte, alS«wen Beamten, der seine Schuldigkeit im höchsten Maße thut. trotzdem der Herr Minister von Puttkamer beim Eingang seiner Aus- sührungen zugeben mußte, daß eben dieser pflichttreue Beamte fich unter falschem Namen in«inen Arbeiterverein eingeschlichen hat, um dort un- gestört und unerkannt seine dunklen Thaten zu vollführen. Al» diese Dinge hier im Reichstag zur Verhandlung kamen, da war, wie ich glaube— ich darf da» wenigstens au» den Mittheflungen schließen, die mir damal» privatim, ich möchte sagen, von allen Seiten de« Hause«, gemacht worden sind— darüber kein Zweifel, daß dieser Sache auf da« allerenergischst« auf den Leib gegangen werden müsse. E« war kein Zweifel darüber, daß gegenüber den Nachweisungen, die ich mit Nennung von Namen belegte, eine Untersuchung wider den Beamten hätte einge» leitet werden müssen, und, meine Herren, ich möchte behaupten, in jede« andern Staate der Welt, so weit er sich überhaupt zu den zivilifirten rechnet, wäre da» geschehen. In Deutschland natürlich, unter dem Regime deS Herrn Ministers von Puttkamer, hat man den Spieß umgekehrt, und hat nicht wider den angeschuldigten Beamten die Untersuchung er- öffnet, um festzustellen, ob da«, was über ihn behauptet worden, wahr ist, sondern man hat die Zeugen in Untersuchung genommen wegen»«- leidigung dieses angeblich pflichttreuen Beamten. Wenn wir nicht hinreichende Erfahrungen mit Herr« von Puttkamer gemacht hätten, wenn wir nicht so klug gewesen wären, einen Theil der Zeugm nicht zu nennen, diese Leute in die Möglichkeit zu bringen, vor Gericht wirklich al« Zeugen zu figuriren, dann wären nicht jene zwei Zeugen, die ich Ihnen genannt, unter Anklage gestellt worden, sondern alle acht Zeugen, und dann wäre es allerdings nicht möglich gewesen, vor Ge- richt den Nachweis der Richtigkeit zu führen. Aber, meine Herren, wir waren, wie gesagt, einsichtig genug, diesen AuSgang vorauszusehen, und die Verhandlung, die dann hier beim Schöffengericht geführt worden ist, hat so recht deutlich bewiesen, wie nothwendig und richtig e« war, in diesem Sinn« zu operiren. Das Schöffengericht hat einfach den sozialdemokratischen Zeugen, die in vollster Uebereinstimmuna— wie eS auch übrigens gar nicht ander« möglich war— da», wa» sie mir durch ihre Unterschrist bekundet hatten, auch vor Gericht bezeugten, keine Glaubwürdigkeit beigemessen, dagegen hat da» Schöffengericht angenommen, daß da« Zeugniß de« Minister« von Puttkamer, der den Jhring-Rahlow al» pflichttreuen Beamten bin- stellte, vollwiegend genug sei, um die thatächlich« Feststellung zu ermög- lichen, daß die sozialdemokratischen Zeugen dem Herrn Jhring-Rahlow dadurch eine schwere«eleidigung zugefügt, daß sie seine Schufte- ♦) Da der vollständige Abdruck der Reden unserer Genossen doch einen zu großen Raum unsere« Blattes beanspruchen würde, und da ein The« der von ihnen im Reichstag mitgethellten Thatsachen unseren Lesern bereU» dekannt ist. so begnügen wir un« damit, ihre Reden nur im Auszug zu bringen. reien, seine Verbrechen, einem Reichstagsabgeordneten mitgetheilt haben. (Unruhe rechts.) — Reine Herren, ich nenne das mit voller Ueberlegung so, wie ich«S bezeichnet habe. Wenn ein Beamter Leute zu Verbrechen anreizt, so ver» dient dies Vorgehen die Bezeichnung, die ich ihm gegeben habe.... ... Reine Herren, gestatten Sie mir, im Anschluß an die Schilderung der Geheimpolizisten, die ich Ihnen eben gemacht habe, noch auf die Worte hinzuweisen, die der Herr Reichskanzler selbst einmal über das Treiben der Geheimpolizei geäußert hat. Reine Herren, ebenso wie der Herr Reichskanzler uns das Zeugniß ausstellen konnte, daß Manches, was die Sozialdemokraten wollen, gut ist, ebenso stehe ich nicht an, ihm das Zeugniß auszustellen, daß er manchmal auch recht richtig««nschau» nngen hat (Heiterkeit) und manchmal den Nagel auf den Kopf trifft. Und, meine Herren, den Raget aus den Kopf getroffen hat der Herr Reichskanzler mit seiner Aeußerung über die Geheimpolizisten, wenn er sagt: Die Polizeiagenten aus Mangel an Stoff lügen und übertreiben unverantwortlich, und wenn er ferner sagt: Der unangenehmste Bundesgenosse unserer Gegner ist der weit- eifernde Ehrgeiz unserer Polizeibeamten, Verschwörungen zu ent- decken und die Resultate ihrer Bemühungen, sowie die beabsich« tigten und verhinderten Verbrechen in einer Weise aufzuputzen, daß man den eingeschüchterten Gemüthern im bengalischen Feuer eines ununterbrochenen RetterS der Krone und der Gesellschaft aus haarsträubenden Gefahren erscheint. Da», meine Herren ist ganz richtig, nur trifft dieser gerechtfertigte Bor- «urf des Herrn Reichskanzlers, den er damals erhoben hat, nicht jene untergeordneten Beamten, die auS übertriebenem Diensteifer, in der Ab- frcht, ihren Vorgesetzten als tüchtige Menschen zu erscheinen, sich zu Ueber- «reibungen und Lügen hinreißen lassen, sondern er trtfft mit voller Wucht das System, unter dem eS überhaupt möglich ist, daß solche Beamte existiren. Schon vor zwei Jahren habe ich an dieser Stelle die Anklage wider das System Puttkamer erhoben, daß es unter diesem System möglich geworden ist, das von aller Welt, in allen Ländern verachtet« Institut der Agents Provokateurs in Preußen und Deutschland zu einer Bläthe zu bringen, tzn«elcher es in den schlimmsten Zeiten Frankreichs nicht gewesen ist.... ... Reine Herren, wir stehen heute vor Ihnen mit so einem unend- lichen Material belastet, wir könnten über die Dinge, wie sie sich unter der Wirksamkeit des Sozialistengesetzes entfaltet haben, so lange vor Ihnen reden, daß selbst bei allem Willen Ihrerseits, eingehend und ganz genau die Wirkungen dieses Gesetzes zu prüfen, e» nicht möglich wäre, einfach auS Rangel an physischer Kraft. Wenn wir Ihne» daS alles vortragen wollten, was sich im Lauf der Zeit über die Handhabung des Sozialistengesetzes ausführen ließe, so würden wir nicht nur die physische Kraft verlieren, Ihnen das vorzutragen, sondern Sie würden ganz naturgemäß, ohne daß Ihnen daraus ein Vorwurf gemacht werden könnte, den Ausführungen nicht genügende Aufmerksamkeit schenken kön> nen, weil Sie erdrückt würden unter der Wucht, unter der Fülle des Materials. Wir haben uns daher entschlossen, Ihnen einig« markante Fälle in einer kurzen Denkschrift zugehen zu laffen, die, wie ich hoffe, in Ihren Händen sich befindet, und die, wie ich ferner hoffe, einer Wür- digung von Ihnen unterzogm worden ist.... ... Reine Herren, eS bleibt aber, wie eS ja ebenfalls unter der Wir- knng eines Polizeigefetzes begreiflich ist, nicht allein bei den Ritgliedem der Partei, für die das Gesetz gemacht ist— und ich finde es ganz natürlich, daß die Polizei, in deren Willkür die Entscheidung über das Wohl und Wehe der Menschen gegeben ist, ein solches Gesetz benutzt, um die ihr auch aus ganz anderen Rücksichten unbequemen Persönlich- ketten abzuschieben— es bleibt nicht dabei, daß dies Gesetz gegen Per- fönen angewandt wird, die zur Sozialdemokratie gehören; nein, man wendet es auch gegen Personen an, die ausgesprochener- und nachgewie- fenermaßen mit den Parteibestrebungen der Sozialdemokratie nicht daS Allergeringste zu thun haben. (Widerspruch recht».) Als ich hier auL Berlin ausgewiesen wurde, konnte ich mir sagen: na, du hast dt« Ausweisung verdient, (Sehr richtig! und Heiterkeit recht«) du hast dazu beigetragen, daß daS System Puttkamer im Reichstag entlarvt worden ist. (Lachen rechts.) Denn eine andere Bedeutung konnte unter den damaligen Verhältnissen meiner Ausweisung nicht untergelegt werden. Denn die Bestrebungen, denen ich seit Jahren gehuldigt habe, sind nicht erst in der Zeit hervorgetreten, w der das Berliner Polizeipräsidium meine Susweisung für nöthig er- achtet hat, sondern meine Ausweisung ist Schlag auf Schlag auf Grund des die beiden Zeugen Christensen und Berndt verurtheilenden Erkennt« niffes de» Schöffengerichts ersolgt. Also ich konnte mich mit dem Be- wußtsein trösten: wer gegen den Machthaber in Bezug auf die Polizeiverwaltung in Deutschland, gegen den Herrn von Puttkamer irgend welche Dinge nachweist, die geeig- net find, feineVerwaltung in kein angenehmes Licht z u s e tz e n, der muß natürlich die Strafe der Alusweisuug auf sich nehme«. Und ich habe mich in diesem Gefühl selbstverständlich recht sehr getröstet gefunden. Run, zu derselben Zeit ist aber hier in Berlin ein Mann ausgewiesen worden, der absolut mit der sozialdemokratischen Partei auch noch nicht so viel zu thun hat, ein Mann, deffen ganze« Verbrechen darin bestand, daß er— er ist ein Restaurateur— sein Lokal zu sozialdemokratischen Versammlungen hergab, zu Versammlungen, die bei der Polizei ange- meldet waren und von ihr überwacht wurden. Dieser Rann, der Re- staurateur Jacoby in Berlin, ist ausgewiesen worden, wie ich glaube, au« Gründen, die mit dem Soüaüslengesetz als solchem auch nicht das Entfernteste zu thun haben. Er ist ausgewiesen einfach— wenigstens nach feiner Aussag«, die ich in diesem Moment nicht anders vertreten kann, al» daß ich mittheil«, daß er sie mir gemacht hat— ausgewiesen nach seiner Ansicht, weil er den Revierpolizeibeamten nicht sehr ange- nehm gewesen ist, weil er den verschiedenen Anforderungen, die die Re- vierpolizeibeamten in Bezug auf Schließung seine» Lokal», in Bezug auf Verwaltung seiner Restauration stellten, nicht diejenige Willfährigkeit gezeigt hat, die jene Beamten von ihm verlangen zu können glaubten. Run gibt es ja für den Fall, daß diese Anschauungen richtig sind, Mittel und Wege genug, die Dinge durchzusetzen, die seitens der Behörde nach dieser Richtung hin für nothwendig erachtet werden. Wie man aber dazu kommt, ein für die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozial- demokratie erlassenes Gesetz gegen einen Rann, der nachgewiesenermaßen mit der Partei auch nicht das Geringste zu thun hat, anzuwenden, nur deshalb, weil er unter der Herrschaft dieses Gesetzes erlaubte sozialdemo- Iratische Thätigkeit, das Abhalten von Versammlungen und Sitzungen von Wahlkomites, in seinem Lokal geduldet hat— meine Herren, das zu erklären, muß ich dem Herrn Minister von Puttkamer überlassen; ich für meinen Theil finde dafür keine Erklärung und will die Bezeich- nung, die-in solche» Vorgehen verdient, hier in diesem Moment nicht näher ausführen.... ____ Da« Gesetz, welches, ursprünglich wenigsten», von Seiten der Majorität dieses Hauses gemacht worden war, um bestimmte Bestrebun- gen der Sozialdemokratie, die Sie, mein« Herren» mit jdem geschmack- vollen Namen„gemeingefährlich" belegten, zu verhindern, diese» Gesetz hat sich nach und nach herausgebildet zu dem, was wir von vorn- herein gesagt haben; nämlich dieses Gesetz dürste jetzt nicht mehr heißen „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemo- kratie», sondern diese? Gesetz verdient nach seiner Handhabung den Titel: „Gesetz zur Unterdrückung der Arbeiterklasse". Da«, meine Herren, ist eS geworden, trotzdem Sie bei der«erathung und«eschlußfaffung über da« Sozialistengesetz von allen Seiten au«. drücklich erklärt haben, die legitimen Bestrebungen der»rbeiterklaffe, soweit sie durch die Gewerbeordnung garantirt sind in Bezug auf da« Koalitionsrecht, in Bezug auf die Erreichung besserer Arbetts» und Lohn- . bedingungen, sollen von diesem Gesetz nicht getroffen werden. DaS, waS Sie damals beabsichtigt haben, ist durch die„loyale" Handhabung des Gesetze« vollständig zu Wasser geworden. DaS Gesetz in seiner jetzigen Wirksamkeit bedeutet nicht mehr und nicht weniger alS die Unterdrückung sämmtlicher Bestrebungen der Arbeiter— ganz gleich, welcher Richtung dieselben sonst angehörten—, für sich bessere Lebensbedingungen zu er- reichen. Wenn es noch einer Illustration für dies« Behaupwng bedürste, dann haben Sie nur die Güte, sich den Streikerlaß des Herrn von Puttkamer anzusehen, den ich Ihnen in einem Wort skizziren möchte. Reine Herren, Herr von Puttkamer hat einmal hier im Reichstag gesagt! „Ich bin der Meinung, daß in der heutigen Zeit und an der Hand der Beispiele, die die wir ja doch aus anderm Ländern leider nur in zu deutlicher Klarheit vor Augen haben, man mst Bestimmtest behaupten kann und muß: hinter jeder größeren Arbeiterbewegung, die in jetziger Zell auf zwangsweise und durch Agitation, namentlich durch plötzliche umfassende Einstellung der Arbest, hinstrebende Erhöhung der Löhne berechnet ist. und welche einen großen, viele Gewerbszweige in Mitleidenschaft ziehenden Umfang gewinnt, hinter einer jeden solchen Arbeiterbewegung lauert die Hydra der Gewaltthat und Anarchie." Mit dieser Anschauung ist sehr leicht jede auf vollständig legalem Boden befindliche Arbeiterbewegung, jede durch die Gewerbeordnung garantirt« Bewegung auf Erhöhung besserer Lohnbedingunge« als eine Bewegung zu bezeichnen, hinter welcher die Hydra der Gewalt und An- archie sich zeigt... ... Meine Herren, Sie werden in einigen Monaten wohl Selegenhest haben, eine Zusammenstellung der Unterdrückungen und Verbote zu lesen, die seit dem Erlaß des Sozialistengesetzes vorgekommen find, und Sie werden finden, welche Unsummen von geistigen und materiellen Werthen unter dem Sozialistengesetz zu Grunde gegangen find. Die Zusammen- stellung, die, wie ich hoffe, auch in Ihre Hände kommen wird, wird Ihnen einen deutlichen Beweis dafür liefern, daß das, waS wir von Anfang an von den Wirkungen des Sozialistengesetzes behauptet haben, voll und ganz eingetroffen ist, nämlich die systemastische Vernichtung der wirthschastlichen und politischen Freiheit der Arbeiterklaffe. Nicht irgend eine Richtung der Arbeiterklasse ist durch dieses Gesetz getroffen; nicht etwa— wenn ich mich einmal auf Ihren eigenen Standpunkt stelle— — nicht etwa die nach Ihrer Auffassung der heutigen Staat»- und Ge- sellschaftSordnung feindlichen gemeingefährlichen Bestrebungen find getroffen worden, sondern Sie haben durch dieses Gesetz getroffen und ver- Nichtetalles Dasjenige, was selbst auf dem Boden der heutigen Staats- und Gesellschaftsordnung durch die Gewerbeordnung den Arbeitern verfaf« fungSmäßig garantirt ist, das Koalitionsrecht.... .... Nun, meine Herren, möchte ich auf die andere Seite des Sozia« listengesetzeS zu sprechen kommen, welche ich vorhin ebenfalls andeutete, indem ich sagte, das Sozialistengesetz ist der Bater des Anarchismus. Meine Herren, es ist jetzt in der Xhat die Ueberzeugung verbreitet, daß, wo überhaupt von anarchistischen Bestrebungen die Rede ist, man absolut sicher fein kann, daß die Polizeibeamten, daß die Polizei es ist, welche diese Bestrebungen fördert. (Zuruf rechts: In Amerika!) Ich bin in der Lage, Ihnen auch dafür diejenigen Beweise vorzulegen, die Sie verlangen können und verlangen müssen gegenüber solchen Be- hauptungen. Sie erinnern sich, meine Herren, daß vor einiger Zeit durch die Presse die Nachricht ging, daß in der Schweiz Agenten des Berliner Polizei- Präsidiums entlarvt worden sind; Sie erinnern sich, daß eine List« durch die Zeitungen ging, welch- die Namen derjenigen Personen umfaßte, die im Dienste de« Berliner Polizeipräsidiums meisten« im Auslande be- schäftigt sind. Meine Herren, al» diese Nachrichten durch die Presse gin- gen, haben wir selbstverständlich es al« unsere Pflicht erachtet, uns über die Wahrheit der Behauptungen zu informiren, und wir haben eS als unsere Pflicht erachtet, daß für den Fall— woran wir übrigens von vornherein gar nicht zweifelten— die Wahrheit der Behauptungen sich herausstellte, wir im Interesse der Sozialdemokratie sowohl wie de» ge. sammten Reiches verpflichtet sind, die Ding- hier zur Sprache zu bringen. Meine Herren, weil der Herr Minister von Puttkamer es bei der vorigen B-rathunz de» Sozialistmgesetzes mit einem ganz untergeordneten Be- amten zu thun hatte, den er allerdings in sehr warmer Weise in Schutz genommen hat, versuchte er, damals immer noch mit einem gewissen Recht, zu sagen: ja, wenn solche Dinge vorkommen, wenn Agents provo- kateurs sich irgendwo finden, so thun das die Leute auf ihre eigene Verantwortung; wir. die Behörden, haben selbstverständlich nicht die geringst- Schuld, denn wir wollen nicht erst Verbrecher züchten, um Verbrecher zu hoben. DaS, meine Herren, sagte der Minister bei dem Fall Jhrmg-Mahlow. Heute kann ich mir gestatten, dem Reichstag und dem Herrn Minister von Puttkamer den Nachweis dafür zu liefern, daß die obersten Leiter der politischen Polizei, die sehr hohen Beamten de» Berliner Polizei- Präsidiums, nämlich der Herr Polizeirath Krüger und der Herr Polizeirath v. Hacke diejenigen sind, durch deren Thätigkeit, wie ich Ihnen nachweisen werde, a n a r« chistisch- Verbrechen gefördert worden---- (Hier folgt die Darstellung der, in Bezug auf die Polizeithätigkeit von Haupt und Schröder ermittelten Thatsachen.) .... Im Verlauf der ferneren Verbindung de« Haupt nnt dem Berliner Polizeipräsidium erhielt er einen«rief von Herrn von Hacke, in dem stand: Wir sind unzufrieden mit Ihnen; Ihre Bericht- sind nichtssagend. Wir müssen mehr haben. Im Jahre ISSl, meine Herren— Sie sehen, die Sache geht schon ziemlich lange—. erschien der Polizeidirektor Krüger— wenn ich nicht irr-, war er damals noch Polizeirath— in Genf, ließ Haupt zu sich ins Hotel kommen und besuchte denselben auch in dessen sechs Treppen hoch gelegener Wohnung, um ihn persönlich zu instruiren. Bei dieser Gelegenheit, meine Herren, legte der H-rr Polizeirath«rüger dem Haupt dessen eigene Berichte vor und erklärte ihm wörtlich: dies seien keine Berichte, sie beträfen nur die Sache; er wolle Mittheilungen über Personen haben. Bei dieser. Gelegenheit wurde Haupt auch von Herrn Krüger ange- wiesen, sich um die in Genf lebenden Polen und Russen zu kümmern, und es wurde ihm von Herrn Krüger gesagt: Sie sind ja ein baumstarker Mann; saufen Sie die Kerle über den Haufen, führen Sie dieselben nach Haus«, bleiben Sie in deren Zimmer über Nacht, so bekommen Sie das Nöthigste. (Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Haupt'» Gehalt wurde bei diesem Besuch auf 12b Mk. erhöht, und eS wurde ihm gestattet, Extraauslagen, Extraspesen in Rechnung zu setzen; und als Haupt, wahrscheinlich noch etwas schüchtern, noch nicht ganz von der Ueberzeugung und von der Rothwendigkeit, dies« Dienste leisten zu müssen, durchdrungen, einig« Einwendungen machte, da sagte ihm der Herr Polizeirath Krüger: Machen Sie sich an die Arbeit. Ich verstehe vollkommen, daß Sie noch von Humanitätsrücksichten geplagt werden. Da» wird sich schon verlieren; arbeiten Sie nur fort. Meine Herren, im Sommer 1884 wurde Haupt von dem Polizeirath von Hacke besucht, der ihn aussorderte, sich unter die Anarchisten zu drängen. Im Jahre 1888 bezog Haupt nun schon 180 Rk. und seit 1888 bis heut- ist ihm sein Gehalt auf 200 Franken— weil das mit der Zahlung nach Genf bequemer ist und damit es nicht auffällt, daß der Mann deutfche« Geld bekommt— erhöht und wird ihm immer in fran« »östschen«anknoten ausbez-hlt---- ... Nun, meine Herren, können Sie gegenüber diesen unwiderlegbaren Thatsachen dasjenige bestreiten oder bezweifeln, was ich im Anfange meiner Ausführungen gesagt habe, indem ich behaupte, daß die preußische Polizei es ist, daß da« System Puttkamer e« ist, welches sich erst dre Ver« brecher züchtet, deren sie bedarf, um nachher gegen die sozialdemokra» tisch« Partei vorzugehen? Reine Herren, wir werden unS im Lauf« der Verhandlungen gestatten, Ihnen noch mit wetterem Material zu dienen; wir werden Ihnen ausführen können, daß da» Berliner Polizeipräsidium der Mittelpunkt einer inter» nationalen Spitzelgesellschaft ist; wir werden Ihnen den Nachweis führen können, daß von Berlin auS die Fäden über die ganze Welt sich spannen, zu einem Netz sich zu- sammenfinden, welches gesponnen wird, um Leute zu Verbrechen anzn- reizen, zu dem einzigen Zweck« schließlich, um das Bürgerthum in Deutsch« land gruselig zu machen, und ich habe auch dafür einen Beweis, der noch auS dem Jahre 1878 stammt, noch ehe überhaupt das Sozialistengesetz als solches in Kraft trat. Meine Herren, als es sich im Jahre 1873 darum handelte, daS So- zialistengesetz hier im Reichstag zur Beschlußfassung zu bringen, da ging ein Brief durch die Presse, der von einer sehr hochstehenden konserva- tiven Persönlichkeit geschrieben war. Gestatten Sie mir, nnt wenigen Worten auf diesen Brief zurückzukommen. Da heißt es: Besten Dank für die Abschrist des Entwurfs. Sie haben ganz Recht, die liberalen Hunde müssen gehauen werden, daß sie Blut spucken. Es wäre ein Jammer, wmn wir unS auch diese Gelegen- heit vorübergehen ließen. Das Uebel muß mit der Wurzel au». gerottet werden. Und wenn es gelingt, nur einen Theil des Ge- setzes durchzupeitschen, dann adieu, ihr liberalen Errungenschaften! Bor Allem muß Preß- und VereinSrecht für alle Zeit unschädlich gemacht werden. Haben wir das erreicht, so findet sich das Uebrtge von selbst. Und zum Schluß, meine Herren— und das beweist die Richtigkett mri- ner Auffassung, wenn ich gesagt habe, die ganzen Dinge werden gemacht, um dem deutschen Bürgerthum graulich zu machen— zum Schluß: Der rothe Lappen muß so lange vor dem Philister hin- und h-rgeschwenkt werden, bis er glaubt, e» sei der Feuerschein der brennenden Städte. Dieser Brief stammt au» der Feder eines sehr hochgestellte« Ko»- servatiom. (Stufe rechts: Wer? wer?) — Ich habe Ihnen gesagt, meine Herren, daß mein« Quelle der im Jahre 1878 in die Zeitungen übergegangene Brief ein«» hochgestellt« Konservativen ist. (Rufe rechtS: Namen!) — SS bedarf gar nicht deS namentlichen Nachweises in dieser Frag«. Es war von vornherein feststehend, daß man hier in Deutschland, um das System Puttkamer-Bismarck zur vollen Geltung, zum vollen Durch» bruch zu bringen, eine gesetzliche Bestimmung brauchte, um alles, waS noch irgendwie freiheitliche, liberale, humane und gerechte Ideen hat, zu Boden zu schlagen. Dazu, mewe Herren, haben Sie das Sozialistengesetz gebraucht; aber das ist dafür eigentlich nicht der richtige Ausdruck: Sie haben das Sozialistengesetz dazu mißbraucht.... ... Weine Herren, wir sehen getrost in die Zukunft; wir wisse» ganz genau— wir haben es aus der Geschichte gelernt—, daß die vorwärtsringende Menschheit durch dieses Gesetz nicht geschädigt und aufgehalten wird. Wir würden— ich habe daS schon vorhin ange- deutet—, wenn wir Bosheitspolitik trieben, Sie hier nur anstachel» können, diesem Gesetz zuzustimmen. Wir aber, meine Herren, nehme» für uns in Anspruch, daß es uns ebenso Ernst ist mit der Wohlfahrt unseres Volkes wie Ihnen, ebenso Ernst wie den verbündeten R-gienm» gen. Wir sehen in der Möglichkeit, solche Gesetze überhaupt zu erlasse», das größte Unheil. Wir können nicht anders, wir müssen es als eint Schande bezeichnen, wenn m Deutschland derarttge Gesetze in Kraft sind. (Oho! Lebhafter Widerspruch.— Glocke deS Präsidenten.) Präsident: Der Herr Abgeordnet« hat gesagt, er müßte es al» nine Schande bezeichnen, wenn in Deutschland solche Gesetz« wie da» bestehende in Kraft sind. Ich muß den Herrn Abgeordnete» w-gen dieser Bemerkung zur Ordnung rufen. (Lkavo! rechts.) Abgeordneter Singer: Wir sind in der Lage— und das, was ich Ihnen sage, bin ich überzeugt, findet einen Nachhall in Millionen vo» Herzen unier unseren deutschen Parteigenossen—, wir find in der Lage» lteder unter diesem Gesetz zu leiden, al» dereinst zusammenzubrechen unter dem Fluche, ein solches Gesetz mit herbeigeführt zu haben. Meine Herren, ich kann schließen nnt den Worten eines Dogen von Venedig, der vor nahezu 800 Jahren in einer Zeit deS Umsturzes auf» Schaffst gebracht wurde. Dieser Mannn— und ich kann für mein« Partei Ihnen dasselbe entgegenrufen— dieser Rann schloß seine Bertheidigung mit den Worten: „Meine Bertheidigung ist eure Anklage, die Ursache«et««» angeblichen BerbrecheuS eure Geschichte:" (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) AuS Frankreich. Pari», 4. Februar 1888. Der Pariser radikale Gemeinderath, dieses Schreckenskind der reak- tionären Bourgeoisie, hat sich wieder einmal eines großen Verbrechen» schuldig gemacht, einer Maj-stätsb-leidigung gegen den Herrscher Kapital. Er hat nämlich beschlossen, für die städtischen Arbeiter fünf Arbeits- inspektoren«inzusetzen, die von ihm auS einer von den Ge« werkschaften präsentirten Liste gewähtt und von der Stadt besoldet werden sollen. Darob Wuthgeheul und Jammer im Lager der Ausbeuter, welche die vielgeliebte, für ihre G-ldsäcke so einträg» liche„Freihett der Arbeit" in Gefahr erklären und die Regierung auffordern, den stadtrathlichen Beschluß sür ungültig zu erklären. Die Frage der Arbeitsinspektoren schien geeignet, eine Verständigung und Konzentration der verschiedenen sozialistischen Fraktionen nicht nur herauszufordern, sondern geradezu zur unbedingten Rothwendigkeit zu machen. Statt dessen ist das Gegentheil geschehen, die feindlichen Brüder, Possibilisten einersetts, Kollektivisten und Sozialisten andersett«, liegen-inander wieder einmal in den Haaren, und während der Zänkereien können die Gegner des Sozialismus im Trüben fischen. Es muß auch bei dieser Gelegenheit wieder konstatirt werden, daß sowohl die unabhängige« Gruppen wie auch die Kollekttvisten zu einer Verständigung berett waren. daß aber die Possibilisten von einer solchen nichts wissen wollen. Nicht etwa dem Gros dieser Fraktion, das aus ehrlichen, gutmeinenden Arbeitern besteht, aber etlichen Führern geht der Einfluß ihrer spezielle» Richtung aus die Gewerkschaften über alles. Wie stark auch in nume- rischer Beziehung der Anhang de« Posfibilismus unter den Syndikats- kammern zur Stunde noch sein mag, so ist doch sein Einfluß moralisch im Sinken begriffen, und die» kotz mancher Konzessionen, die er de» klipp und klar gefaßten Programm der geschmähten„Marxist«»" gemacht. Und in dem Raaße, wie er an Bedeutung verliert, steigt dor Einfluß der Kollekttvisten. Diese Thatsache hat sich nicht nur auf dm Kongreffen der französisch» Gewerkschaften, 1388 in Lyon und 1887 in Montlu-.�n gezeigt, sonder» ist noch weit stärker 1886 auf der internationalen Konferenz von Paris zum Ausdrucke gelangt. Auf Rechnung dieses UmstandeS ist auch der Wunsch zu setzm, vo» dem famosen internationalen Gewerkschaftskongreß von 1888 die deutsche Arbeiterschaft, die klassenbewußteste und prinzipienklarste des KontinmtS, fernzuhalten. WaS soll man von Sozialisten denken, die mit den reaktionärftm. zum Theil notorisch an die Bourgeoisie ver- kauftm Vertretern der englischen Trades-UnionS liebäugeln, und die deutsche Sozialdemokratt« von einem Kongreß fernhalten, der sich inter- national nennt. Aber die Einberufer de« Kongresses fürchtm, daß die Berketer des deutschen Proletariat» den Herren Broadhurst. Burnett und and«ren Shiptons und ihrer flachen Gewerkschaftsstmpelei die Suppe versalzen und die französische Arbetterschast zum bitter gehaßtm„dent- schen Marxismus" hinreißen könnten, und daß dies eventuell dem Kollektivisten zu Gut« käme. Daher die kleinlich« Vorsichtsmaßregel, die ihr« Spitz« jetzt gegen den Sozialismus überhaupt wendet.„Es gehe die Sache zu Grunde, aber es lebe unser persönlich«, Einfluß i" Die«eue sozialistische Fraktion im Parlamente ist de. rettS mehrfach für die Interessen der Arbeiter«in. Detriten. Xachdein sie bei Eröffnung der Kammer einen Antrag auf Amnestie aller politischenBergehen und damit zusammen- gienben sogenannten gemeinen Verbrechen eingebracht und die sofor- Begnadigung der vier Decazevtller Kohlengräber gefordert, welche rzeit ohne jeden Beweis als des an Watrin verübten Mordes mitschul- verurtheilt worden, hat fie neuerdings durch BaSly einen Antrag «uf Verschärfung deS Gesetze« von 1884, die Gewerkschaften be- treffend, gestellt. Dieses Gesetz gibt nämlich de» Arbeitem da« Recht und die Freiheit, sich gewerkschastlich zu syndiktren und affoziiren. Da «der jede Affoziation der Arbeiter den Unternehmern em Dorn im Auge, ho haben die französischen Industriellen, genau wie ihre Kollegen ander« «ärts, die Bildung von Arbeitersyndikaten nach Kräften zu hintertreiben und so das Gesetz illusorisch zu machen gesucht. Und eS standen ihnen mächtige Mittel zu Gebote: die Entlastung, die„schwarze Liste",— Mittel, die sie schonungilo« ausnutzten. Die meisten großen Aktien- »nternehmungen und Fabriketabliffement» verboten ihren Arbeitern ganz kategorisch, sich in Gewerkschaften zu organifiren; Zuwiderhandelnde wur- den einfach entlasten und in dem ebenfalls gesetzlich verbotenen Arbeit«- buch gekennzeichnet, so daß fie nirgends Brod fanden. Bon S 1 G e- »erkfchaften der Kohlengräber RordfrankreichS haben sich nicht weniger als 23 unter dem Drucke der Kompagnien auflösen müssen. Neben der Lohnfrage ist das gefährdete, mit Füßen getre- tene Affoziationsrecht der Arbeiter die Ursache der meisten Streiks der - letzten Jahre gewesen. Die sozialistische Gruppe verlangt nun, daß das Gesetz von 1884 wenigstens respektirt und daß jede Beschränkung deS gewerkschaftlichen Organisationsrechts der Arbeiter unnachstchtlich und streng bestraft werde. Die Wahrung dieses Rechte« soll einen Stein zum Aufbau einer soliden Organisation der französischen Arbetterschaft beitragen, welche ihr die Macht verleiht, mit Nachdruck für die Beobachtung anderer Gesetze ein- t»tr«t«n, die der Ausbeutung des Menschm durch den Menschen gewiffe, wenn auch vorläufig noch sehr weite Grenzen ziehen. Zu solchen Schutz- Gesetzen, welche seit Jahren bestehen, die aber die Regierung stündlich ungestraft übertreten läßt, gehören da» Dekret betreffend die Abschaffung de« Arbeitsbuches, der Erlaß über die Reg e- lung der Kinderarbeit»c. Weiter fordert Basly Namens seiner Fraktion, daß die Regierung den streikenden Gruben- und Hüttenarbeitern von Befföges, Terrenoire und La Boulte 100,000 Franke« überweise. Dieselben haben die Ar- bett eingestellt, weil die Kompagnie seit 3, resp. 4 Monaten mit Aus- zahlung des Lohnes im Rückstand ist. Beretts im vorigen Jahre war eS au« der nämlichen Ursache zu einem Streik gekommen, und diesmal scheint es, daß die Arbeiter nicht nur das Warten, sondern überhaupt das leere Nachsehen haben werden. Die Gesellschaft hat sich in Liqui- dation erklärt, die Passiva sind bedeutend, und die Jntereffen der Ar- beiter werden bekanntlich erst in letzter Linie gewahrt. Unterdeß ist der Kredit der Leute bei Bäcker, Krämer und Fleischer erschöpft, und die Roth ist auf daS Höchste gestiegen. Wenn sich die AuSständischen auch trotzdem durchaus ruhig verhalten, so hat die Regierung doch schleunigst »ach allgewohnter Weise Sensdarmerie und Soldaten ausgeboten, um «uch nicht den leisesten Zweifel darüber aufkommen zu lasten, daß sie die gehorsame Dienerin der BourgeoiS-Ordnung ist.— Wird irgendwo geattentatet, so ist die reakttonäre Meute stets bei der Hand, die Sozialisten,„das wüste Demagogenthum", dafür verantworttich zu machen. Wenn wir Sozialisten mit dem gleichen Maße Westen wollten, so könnten wir jetzt die B o u r g e o i S p r« s s« als die moralische Urheberin des Attentats gegen Louise Michel hinstellen. Louise Michel zählt zu den bestgeschmähten Vorkämpfern der proletarischen Bewegung, und die gutgesinnten Blätter konnten sich nie genug thun, die gemeinsten Verleumdungen und Beschimpfungen über das großherzige Weib auszugießen, sie als ein Scheusal der schlimmsten Art darzustellen. Und so hat sich schließlich ein Halluzinirter, ein Halb- verrückter gesunden, der es einen Augenblick für verdienstlich hielt, dieses Scheusal aus dem Wege zu räumen. Während eines Vortrags, den Louise Michel in Havre hielt, feuert« Luca«, Mitglied eines katholischen Arbeitervereins, aus nächster Nähe zwei Revolverschüffe auf die Rednerin ab, von denen sie der Eine schwer verwundet- Die Kugel ist in den Hinterkopf gedrungen und hat bis jetzt noch nicht aufgefunden werden können. Louise Michel bewahrte ihre volle Geistesgegenwart und Cha- raklerstärke, sie suchte Ordnung im Saale herzustellen und warf sich zur Beschützerin ihres Attentäter« auf, den die empörte Menge zu lynchen drohte. Wie bestimmt vorauszusehen, hat Louise Michel es entrüstet abgelehnt, Klag« gegen Lucas einzureichen, und nur um schlimmeren Folgen für ihn vorzubeugen, hat sie«ine einfache Zeugnißaussage ab- gelegt und die soforttge Freilassung des Mannes gefordert, indem sie sich zugleich bei allen medizinischen Autoritäten dafür verwendete, seine Unzurechnungsfähigkeit zu konstatiren. Ihre schwere Verwundung er- trägt fie mit stoischem Gleichmuth und schenkt ihr nicht die geringste Beachtung, nur um die Jntereffen der Bewegung und ihrer Freunde besorgt. Ihr Zustand hat bis jetzt einen günstigen Verlauf genommen, und es ist zu hoffen, daß dem Proletariat die uneigennützige und auf- opfernde Kämptn noch lange erhalten bleibt. On. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 7. Februar 1888. — Herr vo« Ehrenberg befindet sich wiederum auf freiem Fuß— genau am Tage, nachdem das Schweizerische Bundesblall die Ausweisung de« thatenduistigen und— p e n s i o n s hungrigen Haupt- manns a. D. auS der Schweiz publizirte, vier Tage, nachdem Herr von Puttkamer von der Tribüne des Reichstags herab erklärte, er werde auf Grund der«on Bebel im Reichstag mitgetheilten Thatsachen bei der badischen Gerichtsverwaltung beantragen, Ehrenberg in Anklage- !ust and zu versetzen.„Uns überrascht die Nachricht nicht, so be- r e m d l i ch fie auch klingt", bemerkt dazu die„Züricher Post", und in der That muß es Jeden, der über das Treiben des Ehrenberg in der Schweiz unterrichtet ist,„befremden", wenn er sieht, wie schnell sich für diesen Menschen die Pforten zur Freiheit öffnen, der unter dem dringenden Verdacht steht, Dinge begangen zu haben, die da« deutsche Strafgesetzbuch mit Zuchthau« nicht«nter fünf Jahre» dedroht. ES ist wahr, der Schweizerische Bundesrath hat die Auslieferung der Ehrenberg- Akten an die Bedingung geknüpft, daß Ehrenberg auf Grund derselben kein politischer Prozeß gemacht werde, und wir find in diesem Punkt durchaus mit Herrn Puttkamer einverstanden» der die Gründe, die den Schweizerischen BundeSrath zu diesem Verhalten bewogen, im Reichs» tage als„sehr human" bezeichnete— in Deutschland würde man gegebenen Falls grade umgekehrt handeln. Von Seiten der Schweiz konnte und durste nicht anders gehandelt werden, ohne ein sehr bedenk- liches Präzedenz für später zu schaffen. Also darüber kein Wort. Aber bedurfte es denn überhaupt der Gerichtsakten, um die Anklage gegen Ehrenberg erheben zu können? Will die R e i ch s p o l i z e i der Welt weiß machen, fie fei in Bezug auf Ehrenbergs Treiben so unwis- send wie ein neugebornes Kind? Kein Mensch glaubt ihr daS, wohl aber glaubt man— und die Freilaffung Ehrenbergs bestätigt es— daß Ehrenberg nach einem bekannten Sprüchwort grade von Seiten der Krüger, Zahn und Konsorten, die ein ganze« Heer von Spitzeln in der Schweiz unterhalten, nicht« zu fürchten hat. „Schon als Ehrenberg nach Deutschland zurückkehrte", schreibt die „Zürcher Post" wester,„vermutheten wir, er habe freies Geleit zugesichert erhalten, auf welche« er bester bauen durfte als einst Luther und Huß. Wir sprachen dies« Bermuthung deshalb aus, weil es hier in Zürich immer aufgefallen ist, daß ein Mann, der«» an Beschimpfungen de» deutschen Kaiser« und de« Reichs- kanzler«, an Lobpreisungen Boulangers, anArtireln über varri- kadenbau u. s. w. nicht fehle« ließ, feine Militärpenfion fortbeziehe. Da« deutsche Spitzelthum müßte nicht so ausgebildet »nd gut bezahlt sein, wie e« die« ist, wenn man in Deutschland davon keine Kenntniß gehabt hätte, und zum Uebersiuffe war Ehrenberg» Treiben beiAnlaßvon Prozesse» durch die Zeitung öffent» sich bekannt geworden." Und an anderer Stelle: „EhrenbergS Handlungen find notorisch genug und die deutschen Behörden hätten allen Grund,«ine Untersuchung gegen den eine Penston beziehenden, in der Oeffmtlichkeit so sehr kompromttttrten und wegen anarchistischer Umtriebe von einer StaatSregterung aus ihrem Gebiete ausgewiesenen Offizier einzuleiten. Fraktisch wird eS zwar auf EinS herauskommen, ob sie dies« Untersuchung anstellen oder nicht und Ehrenberg verurtheilen oder nicht; die Strafe würde gewiß nicht grau« sam sein, weniger grausam als etwa bei einem Sozialdemokraten". Die„Züricher Post" pflegt sich, bei aller prinzipiellen Entschiedenhett, in solchen Dingen sehr gemäßigt auszudrücken, da« Mißtrauens- votum, das der deutschen Rechtsprechung in dem Schlußsatz ausgesprochm wird, trifft dieselbe daher nur um so stärker. Die Zeiten sind dahin, da die deutschen Gerichte im Ausland den Ruf der Unparteilichkeit ge- «offen. Man spielt nicht Jahre hindurch den gehorsamen Handlanger der Polizei. Von Ehrenberg ist auf freiem Fuß, man hat gar keine Anstatten gemacht, Zeugen gegen ihn einzuvernehmen, wahrscheinlich hat man ihm aus sein Kavalier«- und OffizierSwort geglaubt, daß Alles, was in der Schweizerischen Preffe über ihn geschrieben, elender Lug und Trug sei. Der Kavalier und Offizier hat zwar sein der schweizerischen Behörde gegebenes Ehrenwort, er wolle nicht entweichen, wenn man ihm auszugehen gestatte, gebrochen, aber das schadet weder seiner Offi- ziers-, noch seiner Kavaliers-Ehre, noch seiner Glaubwürdigkeit vor deut- schen Strafkammern. Er, der vor noch gar nicht allzulanger Zeit un» in der gemeinsten Weis« beschimpfte, weil wir auf seine mit raffinirter Brutalität ausgeklügelte Putschtheorie nicht eingingen, weil wir nicht gewaltthätig genug vorgingen, er steht da wie der frischgefallene Schnee— seine Denunziationen haben Alles gut gemacht. Ob irgend ein armer Proletarier, der feine Barrikaden- rc. Rezepte und seine Re- volutionstheorie für baare Münze genommen, vielleicht auf Jahre hin- aus in irgend einem Zuchthause schmachtet, was verschlägts? Der An- stifter ist ein Ehrenmann, ein Olfizier, ein Kavalier. Er ist frei und theilt Reportern„auf Kavaliersehre" mit, daß die Sonne eine preußische Pickelhaube und der Mond ein Husarentschako sei. Auf dieser Höh« un- gefähr bewegen sich seine Erklärungen, zu deren Abdruck die d e m o« kratische„Frankfurter Ztg." und der demokratische„Badische Landesbote" sich hergaben. Herr von Ehrenberg ist frei— und warum sollte er nicht ftei sein? Jhring- Mahlow ist ja ebenfalls frei und Naporra desgleichen. Sind diese„pflichtgetreue Beamte", warum nicht auch er ein makelloser Ossi- zier? Wären Haupt und Schröder nicht Schweizerischen Behörden in die Hände gefallen, so wären zweifelsohne auch sie Ehrenmänner, und wir würden Niemand rathen, in Deutschland sie mit dem Wort zu be- nennen, mit dem Herr Puttkamer sie im Reichstage abschüttelte,— der „Schuft" könnte ihm etliche Monat Gefängniß einbringen. Herr von Ehrenberg ist frei— die Berichte der„Reuen Züricher Zeitung", der„Züricher Pest" über seine Prozeffe vor den Züricher Gerichten, in denen das Nähere über seine Offerten an die französische Regierung rc. zu lesen— sind für die deutschen Staatsanwälte ebenso schwierig zu erlangen, als sie es zweifelsohne für die deutsche Gesandt- schast in der Schweiz waren, die von all den Dingen nichts erfuhr und dem Hauptmann a. D. trotz der gegen ihn erhobenen Anklage deS Lan- desverrathS— die schwerste, die es für einen Offizier gibt— ruhig seine Pension fortbezahlen ließ. Herr von Ehrenberg war eben—kein Spitzel, er war und ist— trotz Ehrenwortbruchs— ein Ehrenmann, ein Kavalier, ein Offizier. Etwas exzentrisch, aber nichts weniger als „verrückt". Im Gegentheil, in einer Lage, wo andre den Kopf verloren hätten, bewies er eine selten« Um- und Uebersicht. Des LandesverrathS gegen Deutschland überführt, floh er aus der Schweiz nach—Deutsch- land. „Was viele", schließt treffend die„Zürcher Post" ihren schon zitirten Artikel, und auch wir können damit schließen,„was viele für seinen verrücktesten Entschluß erklärten: daß er nach Deutschland zurückkehrte (Sein Anwalt soll ihm gesagt haben:„Da würden Sie ja erschossen!"), das hat sich als ganz verständige Ueberlegung er» wiesen..." Gönnen wir dem Ehrenberg die Freiheit, er hat fie zweifelsohne verdient. — Puttkamer, der WahrheitSfreuud. Die Mohrenwäsche ist ein sehr undankbares Geschäft. Man mag alle Seifen, all« Laugen der Welt in Anwendung bringen, man mag putzen und reiben, daß einem der Schweiß stromweise den Körper hinabtriest— Alles umsonst, der Mohr bleibt ein Mohr. Aber wenn der Mohr absolut weiß sein soll, wenn von des Mohren Weiße die Existenz eines ganzen Systems abhängt, was dann? Je nun, dann erklärt man mit erhobener Stirn den Mohr für weiß und Jeden für einen Lügner, für«inen Verleumder, für einen Strolch, der an der blendenden Weiße des Mohren— nicht doch, deS pflichtgetreuen und wahrheitsliebenden Jhring-Mahlow den ge- ringsten Zweifel äußert. Zu den Zeugen, die seinerzeit gegen Jhring Mahlow ausgesagt, gehörte unser Gencffe JenS Christensen— Grund genug für Herrn Pütt- kamer, Chrifiensen dem Reichttage al» ein durchaus unglaubwürdige» Subjekt erscheinen zu lasten. Aber wie das anstellen? Die Sache ist sehr einfach. Christensen ist vom Landgericht Plauen zu drei Mona- ten Gefängniß verurtheilt worden, weil er einem Soldaten e i n Exemplar de»„Sozialdemokrat" zum Lesen gegeben. Da« verräth schon an sich, wie es im Liede heißt,„nichts Gutes nicht". Aber e» ist doch noch nicht genug, dem Reichstag Gruseln vor einem solchen Scheusal zu erwecken— selbst wenn man verschweigt, daß das Landgericht Plauen als strafmildernd anerkannt, daß Christensen bei seiner That„ d a S Bewußtsein der Rechtswidrigkeit" gefehlt habe. (In einem früheren Reichsger ichtserkenntniß war nämlich ausgesprochen worden, daß das Mittheilen einer einzelnen Nummer einer verbotenen Schrift keine strafbare Verbreitung im Slnne des Gesetzes sei.) Es mußte also noch gezeigt werden, daß grade die betreffende Rum- mer eine ganz besonders scheußliche, die verwerflichsten Grundsätze pro-' pagirende war. Und Puttkamer erhob sich und sprach: „Nun bin ich in der Lage, Ihnen diese heilige Schrift— zufällig ist mein Blick darauf gefallen in diesen Tagen— vorzuführen. Diesen sächsischen Soldaten, die zur Vertheidigung nicht bloS des Baterlandes nach Außen, fondern auch unter Umständen nach In- nen berufen find, denen wird ein Schriftstück folgenden Inhalts mit dem Anhalte eingehändigt, es doch ja nachher zu vernichten, eS könnten sonst Unannehmlichkeiten entstehen— nur zufällig aus den ersten Blick begegne ich in der Nr. Ii des„Sozialdemokrat" vom Jahre 1888 folgendem Passu». Es wird da von der Pariser Kom- mune gesprochen, und die wird in allen ihren Kundgebungen ver- herrlicht. Die Ermordung des ErzbifchofS, die Er- schießung der Generale, die Brandstiftungen und Mordbrennereien, die javonderKommune begangenworden, werden glortsizirt alShvchst nachahmenSwerthe Thatsachen." Nun find wir auch„grade in der Lage", in die betreffend« Nummer einen Blick zu werfen, und da können wir konstatiren, daß von all' den Dingen, die Puttkamer da anführt, auch nicht ein SterbeuSwört» chen in derselben zu lesen ist! Die Ermordung des ErzbifchofS, die Erschießung, die Brandstiftungen rc. sind nicht nur nicht glorifizirt, nicht als höchst nachahmensw-rth« Thatsachen hingestellt, sie find über- Haupt nicht einmal erwähnt! Wir nehmen den stenographischen Bericht noch einmal zur Hand, lesen ihn noch einmal durch— richtig, hier steht«S:„Nr. 11 deS„Sozial- Demokrat" vom Jahr 1888." Aber das kann ja nicht sein, der Minister wird sich geirrt, eine falsche Jahreszahl angegeben haben---- Rein, der M.nister hat sich nicht geirrt, denn nach der summarischen Anführung deffen, was er in der Nummer gelesen haben will, folgt ein Zitat, aus dem hervorgeht, daß er die angegebene Rummer wirklich in der Hand hat. Es heißt da u. A.: „Wir vergeffen nicht, welch' unverzeihliche Schwäche eS war, nach dem fast ohne Kampf errungenen Sieg dem Feinde Zeit zu laffen, Jch zum Gegenschlag zu rüsten. Wir vergeffen nicht, wie schwer die ommune dafür hat büßen müssen» daß sie, statt zum Angriff über- zugehen, fich auf die vertheidigung beschränkte; wir vergeffen nicht, iselche Opfer an Menschenzlück und Menschenleben hätten erspart werden können, wenn die Kommune, nachdem ihr der Kampf auf- gezwungen worden, ihn mit allen ihr zur Verfügung stehende» Mitteln geführt hätte." Ganz recht, das steht im„Sozialdemokrat" und ist auch unsere An- ficht. Hätte die Kommune gehandelt, als es noch Zeit war, so wäre dai spätere Blutvergießen, und damit auch die Erschießung des ErzbischofS, die„Brandstiftungen"»c. wahrscheinlich vermieden worden. So und nicht anders ist der Satz gemeint, und nicht anders ist er auch zu v er- stehen. Exzellenz Puttkamer aber fährt fort: „Di-Mittel, die ich anführte, warenalsonoch nicht ausreichend!" Daraus muß Jeder, der die Nummer nicht zur Hand hat und Sewer Exzellenz auf ihr Gentleman-Gestcht glaubt, schließen, eS feien un» noch nicht genug„Brandstiftungen und Rordbrennereien" ic.«. verübt worden, und nach einem weiteren Zitat, wo von Rothschild und der Bank von Frankreich die Rede ist, kann daher Puttkamer mit erhöhtem Pathos schließen: „Run, meine Herren, diese« heillose Frevel— denn anders kann ich eS doch nicht bezeichnen, der darin liegt, einem Soldaten, de« feinem Kriegsherrn den Fahneneid geleistet hat, solch' ei» nieder» trächtiges Machwerk, um feine Treue zu untergraben, (sehr richtig! rechts) in die Hände zu spielen, ein solch' heilloser Frevel kann gar nicht streng genug aufgefaßt, geahndet und bestraft werden. Christensen gehört gerade zu denjenigen Leuten, von denen ich Ihnen nachher nachweisen werde, daß es nöthig ist, sie bei ihren verbrecherischen Agitationen sehr ernst zu fassen und aus der Gemeinschaft der Nation auszuscheiden, deren sie fich durch solche Machinationen w würdig gemacht haben. (Sehr richtig! rechts.) Nun, das war Christensen, und ich glaube, feine Glaubwürdigkeit ist durch die Rittheilung dieser Thatsache einigermaßen erschüttert." So Herr Puttkamer, der Sittenstrenge. Selbst wenn seine Ausführungen auf Wahrheit beruhten, so bewiesen sie absolut nicht» gegen die Glaubwürdigkeit Christensens. Es fällt un» daher auch gar nicht ein, unfern Genoffen gegen die Ausfälle des Ministers in Schutz zu nehmen. Im Gegentheil, wir betrachten sie al« die Q u i t t u n g Semer Exzellenz für die Entlarvung Jhring Mahlow's— wo dieser Ehrenmann als glaubwürdig gilt, wird Christensen auf da? gleiche Prädikat gern verzichten. Also kein Wort zu seiner Vertheidigung. Aber festgestellt sei, daß Seine Exzellenz, der Preußische Staatsminister vonPuttkamer, Vizepräsident des preußischen StaatsministeriumS, und Bevollmächtigter Preußens im Bundesrath, fich nicht davor scheut, um einem politischen Gegner die Ehre ab-- zuschneiden, aus einem Artikel Sätze zu zitiren, von denen in Wirklichkeit kei« Wort in demselben steht. Im gewöhnlichen Leben nennt man das-- doch nein, mag die Redaktion der„Neuen Züricher Zeitung", welche uns unserer unver» blümten Ausdrucksweise wegen„Fischweiberjargon" vorwarf, selbst da» Wort hinzufügen, das ihr für eine solche Handlungsweise angemessen scheint. — Der Eindruck der Enthüllungen der sozialdemokrattfche» Abgeordneten über das Spitzelwesen ist in ganz Deutschland— schreibt man uns—„ein ganz ungeheurer. Selbst Sozialistenfresser fan- gen an zu begreifen, daß der Kampf gegen die Sozialdemo« kratie ein Kampf gegen die Kultur ist, und es fängt ihnm an zu grauen vor dem, was werden wird, wenn die preußischen Junker am Ruder bleiben. Da»„neue" Sozialistengesetz ist unzweifelhaft abgethan, und da» atte hat einen Stoß erhalten, von dem e« sich kaum erholen wird. Di« So- ztaldemokratie hat ein« Hauptschlacht gewonnen. Und die Schweiz, welche dem Spitzelunwesen so kräftig zu Leib« ging, hat sich Anspruch auf den Dank jedes Freiheit und Recht liebenden Menschen erworben." — Die faule« Kartellbrüder: Die Nationalliberale Korre- spondenz, also das o f f i z i e l l e Organ der kartellbrüderlichen National- liberalen, schreibt dem kartellbrüderlichen Reichstag in ihre Rummer vom 24. Januar folgendes Zeugniß: „Die Bänke des Reichstags sind seit Neujahr wieder außerordentlich dünn besetzt; jede Auszählung würde Beschlußunfähigkeit ergeben; oft sind kaum fünf« zig Mitglieder anwesend. Die Ctatsberathungen mit ihrer ewigen Wiederholung derselben Debatten sind freilich in der Regel nicht geeignet, eine große Anziehungskraft auszuüben; allein zur Erhöhung des Ansehens des Reichstags kann es doch unmöglich beitragen, wenn man ganze Reihen von Sitzen leer sieht. Dabei werden schon am Freitag die Verhandlungen über das Sozialistengesetz beginnen, die fich zu einer Entscheidung ersten RangeS zu gestalten scheinen. ES ist gewiß kein erfreulicher und gesunder Zustand, wenn am Vorabend so wichtiger Verhandlungen die Fraktionen kaum Mit- glieder genug zusammenbringen, um eine erfolgreiche Berathung veran» stalten zu können. Der mangelhafte Besuch der ReichStagSsttzungen weist immer wieder von Neuem auf die Nothwendigkeit hin, die Sessionen durch möglichste Konzentration der Thätigkeit und Fernhalten von praktisch nutzlosen Debatten abzukürzen. ES muß doch alS der normale Zustand erstrebt werden, daß die Abgeordneten, wenn sie nicht ganz besondere Abhaltungen haben, die ganze Dauer der Session über an den Berathungen theilnehmen, was bei der Ausdehnung, welche in den letzten Jahren die Sessionen genommen haben, allerdings für die meisten kaum mehr möglich ist." Dem Zeugniß ist nichts hinzuzufügen. ES ist das uneingeschränkteste Zeugniß der Faulheit, das überhaupt ausgestellt werden kann. Interessant und charakteristisch ist das Kurmittel, welche» die„National« liberale Korrespondenz" vorschlägt. Durch Konzentration der Thätigkeit und Fernhalten von praktisch nutzlosen Debatten, sollen die Sesstonen abgekürzt werden. Da nach nationalliberalen Anschauungen alles„un- staatsmännisch" ist, was von der Regierung bekämpft wird, und da selbstverständlich alle»„unstaatsmännische" auch„prakttsch nutzlos" ist, so darf der Regierung überhaupt keine Opposition gemacht werden und die„Konzentration der Thätigkeit" wird also in der konzentrirtm Zungenthätigkeit des Jasagens bestehen— beiläufig auch die einzig«„parlamentarische" Thätigkeit, für die diese kartellbrüderlichen Nullen und Hurrahbrüder sich eignen. — WaS mag da» für ei« g-eist fein! Wir lesen irgendwo: „Aus der Pariser Gesellschaft.... Di« Leser der ........... wiffen, daß der G-meinderath von Pari« zu zwei Drittel au» Anarchisten zusammengesetzt ist. Man denke sich nun 80 Anarchisten in Frack und weißer Halsbinde, sich in glänzende« prunkvoll ausgestatteten Räumen bewegen(die Rede ist vom Gemeinde- rathSball), sich den Regeln der Etiquette der Gesellschaft fügen, die sie bekämpfen, mit fteundlichem Lächeln die hervorragendsten Vertreter die« fer Gesellschaft begrüßen, und man hat ein Bild, das durch die Kon- traft« zwischen seiner äußern Erscheinung und seine» SedankeninhaltS (welcher Etil!) einen komischen Eindruck machen muß." Stünde dergleichen dummes Zeug in dem Organ, auS dem Berliner Iardelieutenants und pommer'sche Landpfarrer ihre polttische Weisheit beziehen, in der braven„Kreuzzeitung", man würde darüber kein Wort verlieren. Auch der frommen„Germania", für die der Pariser Gemeinde- rath der leibhastige Antichrist ist. würde man e» hingehen laffen. Allein weder diesen, noch gleichgesinnten Blättern ist der zitirt« Satz entnommen. sondern— der demokratischen„Frankfurter Ztg."(Feuilleton der Nr. 31, zweite« Morgenblatt). Also zwei Drittel de« Pariser Ge- meinderathS find— Anarchisten! Mit demselben Recht darf Herr Stöcker sagen, zwei Drittel de» Berliner StadtverordnetenkollegiumS find Anarchisten. Denn die autonomistisch-radikal« Mehrheit des Pariser Gemeinderaths haben mit dem Anarchismus geradezu so viel zu thun, als die Fortschrittler im rothen Hause zu Berlin. ES find Republikaner, zum Theil sogar sozialistisch gefärbt« Republikaner, aber ihr Sozialismus geht durchaus nicht über den im politischen Theil der„Frankfurter Ztg." oft recht geschickt vertretenen hinau». Sollte das der Redaktion der„Frankfurter Ztg." so ganz unbekannt sein? Schwerlich, insbesondere ihr neuestes Mitglied dürfte darüber so gut unterrichtet sem al» irgend sonst jemand. Und doch geht der Blödsinn unbeanstandet durch. Mer« dtngs im Feuilleton, aber wenn man schon im Feuilleton der Versumpft« heit des heutigen Bürgerthums die größten Konzessionen macht, und nur ganz ausnahmsweise ein« Speise bietet, die an den einstigen Berus deS- selben erinnert, so sollte man sich wenigstens eine Grenze stecken und der Ignoranz der Pariser Kokottenliteratur den Eintritt verwehren— denn aus dieser„Gesellschaft" scheint der Verfasser der Notiz— er zeichnet sich— seine Informationen zu beziehen. Für den „Figaro", den„Gaulois" und dergleichen Klatschblätter mögen die Hovelocque, die DaumaS u. f. w.„Anarchisten" fein, für vernünftige Menschen sind sie es ebenso wenig als die Langerhans, Virchow und Genossen. Ist es denn wirklich so schwer, einen Korrespondenten in Paris zu finden, der die politischen Parteien blos nach dem beurtheilt,«aS in gewisien Kaffes darüber geklatscht wird. — DaS neue Wehrgesetz und die 28« Millionen- Anleihe zur Bestreitung der ersten Ausgaben, welche die Durchführung der- selben erheischt, sind vom deutschen Reichstag mit Sack und Pack bewil« ligt worden. Die Veröffentlichung des deutsch-österreichischen Bundesvertrages, der Niemand in der diplomatischen Welt ein Teheimniß war, und eine BiSmarck'sche Rede, die Niemand in der Welt etwas NeueS sagte, aber das oft Gesagte geschickt wiederholte, haben genügt, den Reichstag in eine patriotische Begeisterung zu versetzen, in der er, wenn'S verlangt worden wäre, auch das Drei- und Vierfache bewilligt hätte. Nun, wir wollen sehen, ob auf den Rausch der Katzen- jammer nicht allzubald folgen wird, denn daß in Folge der Bewillig- ungen jetzt der Friede gesicherter sein soll als bisher— die Botschaft hören wir wohl, allein uns fehlt der Glaube. Sicher ist nur Eines, daß der bewaffnete Friede immer theurer wird, und der Zeitpunkt mit Riesenschritten herannaht, wo die Völker bei ihm nicht mehr bestehen können und einen AuSweg suchen müssen, der ste von seinen Segnungen befreit. — Als das Bürgerthnm noch radikal war. Bebel hat in seiner Rede den Herren im Reichstage, die sich so entrüstet über die Stellung der Sozialdemokratie zu den Attentaten in Rußland geberdet, eine wirksame Lektion ertheilt, indem er ihnen an einer ganzen Reihe von Beispielen zeigte, daß das, was sie und ihre anerkannten Vorkämpfer in früheren Zeiten in diesem Punkte geleistet, alles, was man heute der Sozialdemokratie zur Last legt, bei Weitem hinter sich läßt. Wir können diese Beispiele heut um ein sehr drastisches vermehren, daS zwar für die Debatten der ersten Lesung schon zu spät kommt, aber für die späteren nicht ohne Jntereffe sein dürfte. Herrn C. A. Wollenweber, Herausgeber des„Philadelphia Demokrat", wurde jüngst in einem andern amerikanischen Blatt, dem „Pittsburger VolkSblatt" vorgeworfen, er habe 184S einen Ausruf ver- Sffentlicht, in dem Preise für abgeschnittene Fürstenköpse ausgeschrieben waren. Herr Wollenweber, heute eine Zierde der„guten Tesellchaft" von Philadelphia, wußte darauf nichts zu erwidern, alS daß er erklärte, er habe den Aufruf zwar veröffentlicht aber nicht unterschrieben. Was das betreffende Komite gethan, ginge ihn nicht? an. Die Authentizität des Aufrufs erkannte er jedoch an. Der Text des Schriftstücks liegt vor uns— eS erklärt die Fürsten als „Todfeinde der Menschheit", gegen die es„kein anderes Mittel" gibt, als daß„wir deutsche Amerikaner und unsere gleichgesinnt«» Freunde, demjenigen oder denjenigen Belohnungen aussetzen, welche auf irgend eine Weise die Rezenten unschädlich machen werden." Für die pünktliche Auszahlung verpfänden die Unterzeichneten„ihr Vermögen und ihre Ehre." Dann werden die Fürsten„gemeinschädliche Menschen" genannt, deren„Herz gegen alles Gerechtigkeitsgefühl verstockt ist", und deren Handlungen nicht bester sind als die gemeiner Räuber und Mörder. Darauf folgt der Preiskourant. Für Kaiser Franz Joseph werden 25, 000 Gulden, für Friedrich Wilhelm von Preußen 20,000 Gulden, für jeden sonstigen König, Großherzog, Chursürsten, Herzog u. f. w. je 10,000 Gulden festgesetzt.„Alle diejenigen«, heißt es schließlich, welche der Gesellschaft angehören wollen, und eine gewiffe Summe, um obigen Zweck zu erreichen, unterzeichnen wollen, find ersucht, in der Office des Demokraten sich eintragen zu lassen.„Wenn also Herr Wollen- weder auch nicht im Komite saß, so war sein Geschäft doch der Platz, wo das nöihige„Baare" abgeliefert wurde. Leider bringt das„Pittsburger Volksblatt" nicht die Namen der Unter« zeichner. Daß es durchgängig Bourgeois waren, untersteht jedoch keinem Zweifel. Arbeiter hätten gar nicht daran denken können, die auige- botenen Summen aufzubringen. Auch liegt eine so geschästsmäßige Auffassung, wie ste in dem Auftus zu Tage tritt, außerhalb ihrer Jdeensphäre. Im Uebrigen kritisirt der Aufruf sich selbst. Aber, einen so komischen Eindruck er heut« auf uns macht, damals, als er erschien, war er ernst gemeint. Und darauf kommt es an. Man mag uns einwenden, die Unterzeichner waren nur«in Häuf- lein Exaltirter, für die man die große Masse des liberalen Bürgerthums nicht verantwortlich machen kann. Schön, wir wollen das gelten lassen. Aber dann bttten wir uns auch aus, daß man aufhöre, für die Dumm- Helten einiger überspannten Köpfe die ganze kämpfende Arbeiterschaft verantwortlich zu machen. — Sin Kulturbild aus dem Sieich der Gottesfurcht und fromme« Sitte.„In Halle a. d. S.— schreibt die„Lib. Korr«. spondenz", besteht ein Eisverein. Der Vorsteher oder Kassirer desselben veranstaltete eine Schlittenfahrt, auf Kosten, aber ohne Theilnehmer des Vereins. Darob große Ausregung und heftige Debatten in der Bor» standssitzung, welche mit dem Austritt des Veranstalter» der Schlitten- Partie enden. Zufällig war dieser nicht nur Referendar sondern auch Rerserveoffizier. Der Sieserveosfizier nun fordert die Mttglieder, denen er sein Ausscheiden aus dem Berein zur Last legt, zum Duell auf. Unter den also Provozirten befanden sich auch drei Profesforen der Universität Halle, welche die Heraus» forderung höflich aber entschieden ablehnten. Soweit war der Borgang bisher schon bekannt geworden. Das Interessanteste aber kommt jetzt erst. Di« Prof-ssoren glaubten die Sache mit der Ablehnung des Duell« abgethan. Nach kurzer Frist aber werden ste durch die Aufforderung des Kurators derUniversität, Professor Lchr., überrascht, der ihnen mitthettt, der Bezirkekommandeur habe ihm, dem Kurator, erklärt, fall« die Herren Prosefforen auf ihrer Weigerung, dem Referendar und Reserveoffizier... Genuglhuung zu geben, beharren sollten, werde er Beschwerde beim Kultusminister erheben! Aus die Frage der Professoren, ob ein Duell die einzige mögliche Lösung de« Konflikt« sei, erfolgte die Antwort, es würde«ine Erklärung zu Händen de«„Be- leidigten" genügen. Die Folge war, daß die ängstlich gewordenen Pro« fessoren ein« von den Osfiziren deS Bataillon«, dem der Reserveoffizier ange- hörte, formulirt« Entschuldigung unterschrieben haben. Wir theilen, bemerkt dazu die„Lib. Korr.", den Vorgang mit, wie derselbe von glaub- würdiger Sett« erzählt wird, und überlassen den Lesern die Beurtheilung »es Verhattens der BetheUigten unter Hinweis auf den XV. Abschnitt jtzZ 201—210) d. D. Str.-Ges�B., welcher vom Zweikampf handelt." In den zttirten Paragraphen wird das Duell, die»nreizung und die Herausforderung, mit Strafe bedroht. Aber selbstverständlich findet sich kein Staatsanwalt, den rauflustigen Referendar zur Verantwortung zu ztehen, denn derselbe ist ja Reservelieutenant, und für einen solchen existirt in diesem Fall« das Strafgesetzbuch nicht. Da» ist die famose „Gleichheit aller vor dem Gesetz", wie sie die von allen richterlichen Beamten„so wahr mir Gott helfe" beschworne Verfassung vor- schreibt.„Standeivorrechte finden nicht statt" heißt eS in der Ver- fassang weiter, aber der Herr Referendar gehört dem Stande der Reserve- offiziere an, und daher beansprucht er für sich da« Vorrecht, da» Strafgesetzbuch alS nicht vorhanden zu betrachten. Man bemesse darnach, was für einen gesetzliebenden Richter oder Staatsanwalt daS geben wird. Daß sich da« Offizierskorps deS Regiments, der Bezirkskommandeur voran, für die gekränkten„Kameraden" in's Zeug legt, ist zu selbstredend, Ol« daß darüber ein Wort zu verlieren wäre. Die Offiziers ehre verbietet e« zwar nicht, sich au» den Taschen Anderer eine Schlittenfahrt zu leisten, sie verbietet nur, sich dafür zu verantworten. Was aber soll man zu der erbärmlichen Feigheit der Professoren sagen, die vor der Drohung, sie beim Kultusminister zu verllagen, elend zusammen- knicken und, statt ihr gute« R. cht zu wahren, hundedemüthig um Ent- schuldigung bitten, daß sie es gewagt, die Handlungsweise deS Herr« Referendars mit dem richtigen Namen zu bezeichnen? Hier, in der schimpflichen Unterwerfung d-r Vertreter der Wissenschaft unter den mittel« alterlichen Ehrenkodex der Säbelhelden, hier ist das am meisten Be« zeichnende und für jeden Deutschen Beschämende des Vorganges. Dort maßloser Dünkel und hier rückgratlose Unterwürfigkeit, dort freche Mißachtung des Gesetzes und hier feige Preisgabe des guten Rechtes, und daneben die Thatsache, daß diejenigen, die das Unwürdige solcher Vorgänge empfinden, nicht den Muth haben, ste mit den richtigen Worten zu kennzeichnen— der Schluß der Notiz der„Lib. Korresp." ist eher ein Ausweichen— das zeigt, welch ttefen Stand das Rechtsbewußtsein im deutschen Reiche unter der Wirkung des glorreichen Bismarck'schen Regiments allmählig erreicht hat. Vor zwanzig Jahren wäre ein Vor- gang wie der Obige unmöglich gewesen. Vor zwanzig Jahren gab-s aber auch noch keinen Puttkamer, keinen Stöcker und keinen Jhring-Mahlow. — Eine Trauerbotschaft trifft aus Amerika ein. Adolf Douai, der unermüdliche Vorkämpfer für die sozial«, polittsche und geistige Befreiung des Proletariats, ist nach kurzem Krankenlager in der Nacht vom 20. zum 21. Januar aus dem Leben geschieden. Unsere Genossen in Amerika verlieren in ihm ihren treuesten Freund und Be- rather, einen ihrer hervorraqendsten, ja vielleicht den hervorragendsten Kämpfer, aber auch den Genossen in der alten Welt war Douai kein Fremder. Von seinem engeren Heimatland Alten bürg abgesehen, wo Douai's Name noch von 1848 her in bestem Andenken steht, haben ihn seine Schriften, insbesondere sein treff.iches„ABC de» Wissens für die Denkenden" in den Herzen vieler taufender deutscher Arbetter, denen er die Augen geöffnet, ein bleibendes Andenken gestchert. Es fehlt uns heut« der Raum, den Lebenslauf des um die Sache des Proletariats, um den Fortschritt der Mensckheit so verdienten Man- neS eingehend zu schildern, wir werden es in einer der nächflen Num- mern nachholen. Einstweilen nur so viel: Von seinen Jugendjahren an stand Douai stets in den vordersten Re hsn der für die Freiheit des Volkes kämpfenden— gleich bewußt als Mann der Aktion wie als Mann deS Gedankens. Die Liebe und der Dank seiner Ritstreiter, die Achlung der politischen Gegner geleiteten ihn in's Grab, er war der Besten einer, die der Sozialdemokratie als Bahnbrecher vorangingen. Ehre seinem Andenken! Korrespondenzen. Zerbst. Auch hi-r in Zerbst fängt es an zu tagen; das Schandgesetz ist unS eins gut- Hilfe. Bis zum Herbst 1838 hatten wir nichts zu be- richten, bis dahin hielt Alles seinen Winterschlaf, weil wir noch keinen festen Boden gewonnen hatten. Im November 1888 fingen wir an zu arbeiten, nachdem wir festen Boden gesucht hatten. 1884 hatten wir 28 Stimmen, 1387 waren es schon 233. Wir gewinnen von Tag zu Tag mehr und mehr Anhänger und werden immer weiter arbeiten. Den „Zigarren Arbeiter-Reise llnterstützungsverein" hat man hier verboten, denselben Verein, der mit denselben Statuten in andern Städten fortbesteht. Im Februar 1887 hatten wir das erste Flugblatt seit 1873 regelrecht verbreitet. Es kommen Genoffen von andern Städten hier durch und dadurch gelangen wir immer mehr und mehr zur Erkenntniß. Ein Hoch auf das Schandgesetz, denn es ist uns eine gute Stütze! Sprechsaal. ■N/VWVe/V An deu Staatsminister Kerr» v. H'uttkamer. In der Reichstagssitzung vom 27. Januar, bei Berathung der Ver- sckärfung des Sozialistengesetzes, sprachen Sie sich über die deutschen Arbeiter und Gemaßregelten im Auslände, speziell in London, u. A. wie folgt au«: DaS find gewiß keine Beweise dafür, daß eS diesen Leuten infolge der Brutalität der deutschen Polizei so überaus schlecht geht. Nein, ste mästen sich mit den Beiträgen, die fie au« den Hungerlöhnen der deut- schen Arbeiter abpressen(sehr richtig! recht«) unter den Behauptungen, daß sie das Alle« thäten, um die Interessen dieser Arbeiter zu ver- treten.(Abg. Bebel: Wer mästet sich? Namen nennen!) ES fällt mir gar nicht ein, Namen zu nennen, da» ist eine ganze Band«.(Bebel lauter: Namen nennen! Stürmische Rufe recht«: Ruhe!) Da wir unter den deutschen Sozialdemok aten in London niemand kennen, auf den Ihre Bemerkunaen anwendbar wären, so schließen wir un» der bereits im Reichstag ausgesprochenen Aufforderung an: Namen zu nennen! Wer mästet sich? Was da»„Vergnügen" selbst anlangt, so verzichten wir gegenüber den Orgien und der Verschwendungssucht der herrschenden Klassen auf jede Krittk. Wir wählten diesen Weg der Zustellung, da wir einer- theil« wissen, daß Sie ein eifriger Leser des„Sozialdemokrat" find, anderntheil» weil wir in den, durch Ihre Mithilfe geschaffenen„Reich«- Post"-ZustSnd«n keine Bürgschaft für prompte Besorgung sehen. Kommunistischer Arbeiter-Bildungiverein London. 49 Totttenham St. Vf. Warnung. Neinhold Clemann geb. den 28. April 1SVS zu Grüne» berg(invchlesien), hat sich niedriger Betrügereien schuldig gemacht. Bei der heimlichen Entfernung von hier ließ er seine Familie völlig mittellos zurück. Er ist von großer, schlanker Figur, Schnurrbart röth- lichblond, Kopshaar blond und etwa» spärlich. Berlin, im Januar 1888. vpreewacht. V Andererseits geht un» eine zweite Warnung mtt ähnlichem Namen zu, die wir hier folgen lassen, da wir vermuthen, daß nur so der Zweck beider Warnungen erreicht wird. Ein gewisser Hermann«leemann, Schuhmacher, gebürtig aus dem Krei« Neu-Ruppin, hat im Marburger Schuhmacher-Unter» stützungs-Berein, dessen Kassier er war, ISO Mark unterschlage«, und fich auch sonstiger Unterschlagungen schuldig gemacht. In der„Schuhmacher-Zeitung" ist bereit« vor ihm gewarnt: da tndeß Kleemann vorauSfichtlich auch versuchen könnte, sich als„Partei- genösse" einzudrängen und so seine betrügerischen Manipulationen fort- zusetzen, so wird hiemit noch besonders vor ihm gewarnt. Möge man ihm, wo er auftaucht, ja gut auf die Finge, sehen und UN» benachrichtigen. Genaue Personalbeschreibung folgt demnächst. Die Sipkditi«» dt».F«,ialdt«ilmlt". Aufforderttvg. Köhler» warum kew Brief? l7S St».) Siemen Sernier. Auftttf, Sautechniker Julius Thiel, Vergolder Hermaun BauMMt-itft, Kupferschmied Richard Lange, sämwlliche früher in Magdeburg und nicht P..GeN., solle« Atz einer schwebenden Untersuchungssache al« Entlastungszeugen tse» nommen«erden, und bittet man um Mittheilung von deren Adresse» an sMk. 2!-1 Ale feptditii» dt»„Sifialdtmikrat". Brieffasten der Redaktion: Briese und Einsendungen ic. find eingetroffe« au« Braunschweig, Brüssel, Genf(für diese Nr. leider,» spät), Merseburg,New-Haven, New» Dork, PariS» Saar» brücken.— L. in Br.: Sie haben nur zu Recht. Ihrer Anregung wird in nächster Nr. entsprochen werden.— E. G. N e w H a v e n: Ihr Vorschlag ist gut gemeint, aber unpraktisch. Wenn die Genossen in& Leute ermitteln, denen die Lektüre des„S.-D." noththut, so versorge» sie fie doch gleich vom Platz aus, statt auf dem Umweg über den Ozean. Der Angesragte lebt hier in Zürich, ist aber von der hiesigen Mitglied» fchaft deutscher Sozialisten wegen allerhand Händeln ausgeschloffen. der Expedition: I. Hchs. N.-Nork: Fr. 255— ö Eto M.«r. erh. St. ab I. Februar gesperrt. Jubiläumsmateriat dkd. erh. Se» wünschte» folgt nebst Bg. 12 Wbsthl.— Otto Lioge: Fr. 30— für de« Hasencleverfond dkd. erh. Mehrbstllg. notirt.— Rothenberg: Mk. 3— Ab. 1. Qu. erh.— Eiszapfen: Fr. b— pr. Nfd«. dld. erh. — H. Vdrdt. Ramur: Fr. 5 10 f. Schft. erh. Sdg. abg.— Dr. jr. fibi Klg.: Fr. 3 50 Ab. 1. Qu. erh.— Dtsch. Arb.-Ver. Ehur: Fr. 10— f. d. Hasencleverfond. dkd. erh.— F. S. Cernier: Fr.— 75 st Aftst erh.— Sozdem. Leseclub Paris: Fr. 110 45 Ab. 4. Qu. jf. erh. Fr.pr. 11 55 Ggr. gutgebr. u. Fr. 46 45 a. d. Vbhdg.f. Schft. abglfrt.- Mach und Krast: Mk. 53— Ab. 4. Qu. k. erh. Mk. 6 20 pr. Verl. gutgebr. P.-K. v. 6/2. beantw. Bstllg. folgt.— I. M. Stßbg.: Mk. 320 Abt- Rest l. Qu. re. erh.— B. G. B.: Mk. 3500—& Cto Ab. tc, erh.— St. Josef: Mk. 100 60 Ab. 2. Qu. u. Schft. erh. Adr. geordnet.— Dg. K. H. St.: Mk. 2 40 f. Schft. erh. Weiteres retournirt.— Die Rothe» v. Kyffhäuser: 20 Pf. Porto erh. Früheres in Bfk. 5.— St. Galle«: Fr. 50— vom Centralcomite des Schweizer. GrütlivereinS st d. Hasea» cleverfond dkd. erh.— Fuchsschwanz: Mk. 1— Ab. Jan. u. M. 3— pr. Afds. dkd. erh. Weiteres schon früher dahin gewiesen. Bs. v. 4. M. somit erledigt.— G. Sch. Sgn.: Mk. 10— 5 Cto Ab. 1.«. 2. Oa. rc. erh.— Weißbier mit Speckkuchen: Mk. 20— Ab.-Rest 4. Qu. und pr. 1888 erh.— Dtfch. Berein Horgen: Fr. 5— f. d. Hasencleverfond dkd. erh.— P. W. Z. Jdf.: Mk. 4— f. Schft. erh. u. 25 Centime« Strafporto bezahlt, da Frankatur hierher l 0 kr. kostet.— Pf. Httg.: 60 Et», pr. Usd». dkd. erh.— L. Wstfld. Neuchatel: Fr. 210 Ab. 1. Qu. pr. N. R. erh.— E. L. Chauxdefd».: Fr. 2 10 Ab. 1. Qu. pr. N. N. erh.— I. Gg. Basel: Fr. 2 10 Ab. 1. Qu. pr. N. N. erh.— M. v. S. Obst.: Fr. 2 10 Ab. 1. Qu. pr. N. N. erh.— St. I. a.S.: Mk. 3— Abon. 1. Qu. u. Jub.-Notizen erh. Adr. notirt.— Fuchs: P..K. v. 6/2. hier. Alles notirt. V. Anlangendes betrifft eine frühere Nummer.— Demokrit: Liegt an Zwischenhand.»fl. Gewünsch- tes folgt. Adr. notirt. Jrrthümliches wird berichtet.— Clau» Groth: Ist angekommen. Disposition war also erfolgreich. Bfl. mehr.— G. Mhlr. Cincmnatt: Fr. 1015 a Cto Ab. erh.— I. Strauß Newyork: Fr. 20 25 a Cto Ab. ic. u. beide P.'K. erh.— Beilchenstein: Beide Bs» v. 6. d». erh. Bstllg.»c. notirt. Weiteres nächstens.— I. H. Gn.: öwfl. 1— pr. dw. S. erh. Sdg. folgt.— Maijenlocker: Mk. 3— Ai� 1. Qu. erh. Rapport dkd. nottfizirt. Betr. B.-P. Nähere» bfl., sobald eingeholte Aufschlüsse in unserer Hand.— A. Sch. St. i. P.: Mk. SSO a Cto Ab. erh. Anzeige«. Im»erlag der Mitgliedschaft deutscher Sozialisten Zürich erschien u«d sti durch Unterzeichnete zu beziehen: M)i Opfer des Klassenhasses. Lebe« und Sterbe« der verurtheilte» ßhicagoer Arbeiterführer. Preis: 30 Pf.— 40 Ct«. Diese Broschüre enthält eine Darstellung der amerikanischm«cht» stnndenbewegung, der Heamarktversammlnug mit dem vom« benwurf, des Prozeffe», der Hinrichtung und des Begräbniffe» der«hicagoer Arbeiter sichrer. sowie die Biographie sämmtticher Berurtheitten. Bestellungen werde« baldigst erbeten. BolksbuchhandlttRg. Soeben erschien und ist durch un» zu beziehe«: «ozialdemokrattsche Bibliothek. Heft XX. Arbeiterlefebuch. Bon F. Lassall«. Preit: 30 Pfg.- 40 St«. Porto und Bersandtspese« außer der Schwei, komme» ft Lasten der Besteller. f elkebMUmdlug und IrpockM»» Am jta.*! ■•ttlu««-XlrUb. ——---—-—- M Samstag, den 11. Februar, Abend» 8*/, Uhr, im groß« Saale(3 Treppen hoch) de« Schwanen(Stadt): HeffmMch« Agitations-Mtrsammlung der deutsche« SsjUNsta. XafltiSotbitung t Sozialisteugefetz«ud Poli,rikorr«ptio«. Referent:»gr. Bernstein. Zu zahlreichem Erscheinen ladet freundlichst»in De» LokalauIschttI. 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