Abonnements Mtbni tri all-n schwri>«rischnl P»fttur«aur. sowie beim Berlag »od dessen tekonnien Agenten entgegengenommen, und zwar zum »«»au» gahlbare« BierteljahrZpreiS von: ff«. I,— für dleEchwriz k»reuzband> DU. S,— für Teutschland(Souvert) sl. 1,70 für Oesterreich(Souderts ffr. ü,!» für alle übrigen Linder de» ststeltpostverrin»(Kreuzbands Znserite die dreigespaltene Petitzeil« W«>».--- 20 Psg. Der SoMliitmolirat Hrgan der Sozialdemokratie deutscher Zunge. Srscheint wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz). vertag der »«lrobuchhandl««« Hottinge», Zürich. b-ßse»d««,t» franko gegen frank«. BewShnliche Briefe nach der Schweiz koste» Doppelporto. M 12* Briefe an die Redaktion und iirpedition de» in Deutschland und Oesterreich verbotenen.Sozialdemokrat' wolle man unter Beobachwng äußerster Lorsicht abgehe» lasten. Ja der biege! schiite man UN» die Briese nicht direkt, sondern an die bekannte» Deckadresten. In zweiselhasten Fällen eingeschrieben. 17. März 1888. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Zur rechtzeitigen Kenntuißnahme. Bei Quartalschluß müssen sämmtliche Briesabonnements-MW baar vorausbezahlt werden. Belastungen auf Conto-Jnhaber finden also nicht statt. Allen Bestellungen auf direkte oder indirekte Brieflieferung ist ohne jede Ausnahme die volle Baarzahlung beizulegen. Alle nicht ausdrücklich wiederbestellten Brief- Abonnenten werden mit Nr. 14 gesperrt. Ersatz für Bersandtverluste liefern wir nur gegen Einsendung des Porto bei Reklamation., Wo anderweitige Bezugsgelegenheit geboten ist find Briefabonnements unzulässig. Abonnements sür die Schweiz erheben wir per Nachnahme, wenn Zahlung nicht mit jedem Quartalbeginn vor aus geleistet ist. Einzel-Kreuzbandsendungen ins Ausland sperren wir mit Quartalsablauf, sofern Neubestellung und Geld bis dahin ausbleiben. Die«qirdiUi» des„SstMmstdrat". Zum achtzehnten März. Die Umstände, welche die Wiederkehr des Gedenktages der Märzrevolution des Jahres 1848 diesmal begleiten, fordern ganz besonders dazu heraus, die damaligen Vorgänge auf's Neue unserem geistigen Auge vorzuführen. Soweit es der Raum dieses Blattes gestattet, wollen wir eS hiermit thun, und zwar an der Hand eines Buches, das vor etwa neun Jahren in Deutschland erschienen ist, aber damals— es war die erste Zeit unter dem Sozialistengesetz— nicht die Würdigung erfahren hat, die es zweifelsohne verdimt. Wir meinen die vortreffliche Schrift:„Robert Blum. Eine bio- graphische Skizze." Dort lesen wir im zweiten Theil: „Wir stehen vor dem„tollen Jahr". „Toll" oder nicht„toll", ei war ein epochemachende« Jahr, ein Jahr der„Weltwende", wenn auch nicht einer so gründlichen wie 1789,— und auch die„Tollheit" will studirt sein, bietet sogar der Wissenschaft bekanntlich tiefere Einblicke als der normale Geisteszustand. Und es gibt eine Tollheit, die nur hochgesteigerte Geistesihätigk-it ist. Da« Jahr 1848 ist nicht vom Mond« heruntergefallen, e« schließt sich naturgemäß und in aller Ordnung den Jahren 1847, 1 848 und so weiter an, und die Ereignisse des Jahre« 1848 find ebenfall« nicht vom Monde gefallen, wie man nach den Aeußerungen gewisser Leute vcr- «eine» sollte, sondern ganz naturgemäß und in aller Ordnung organisch au» den Verhältnissen herausgewachsen, und schließen sich fest und orga» nisch an die Ereignisse der vorhergehenden Jahre an. „Daß e«„nicht mehr lang so fortgehen könne", war in der vor« achtundvicrziger Zeit allgemeiner Glaube und allgemeine Rede. Da« alt« Europa der Wiener Kongreßakte war recht alt und gichtbrüchig gewor- den. Man brauchte keinen außerordentlichen Scharfblick zu besitzen, um auf dem Antlitz die faciea Hippooratica, da» Hippokrattsche Todesgesicht »» erkennen. SS wackelte und knackte in allen Fugen. LouiS Philipp, der große vürgerkönig in Frankreich, welcher der Welt viele Jahre lang al« ein unvergleichlicher und unfehlbarer Staatsmann gegolten hatte, verrieth durch gar manche Unterlassungs- und»egehungs- Mnde, daß entweder das Bewußtsein der Sicherheit oder die Sicherheit de« Bewußtseins ihm abhanden gekommen war: sein Prestige nahm zu- sehends ab, und die schamlose Korruption, welche er, thells au« Neigung, theilS au« Berechnung, systematisch gepflegt hatte, wurde in flandalösen Prozessen enthüllt, welche daS moralische Ansehen der Julimonarchie voll- bändig zerstörten. Di« Opposittonselemente— in Frankreich stets mit de, Revolution im Hintergrunde— wurden von Tag zu Tag stärker und kühner, und Jedem, der die Bewegung genauer verfolgte und mit der französischen Geschichte und dem Nationalcharakter de« heißblütigen, in der europäischen Staatenuhr die„ewige Unruhe" darstellenden Volk« irgend vertraut war, mußte die Ueberzeugung sich aufdrängen, daß eine Katastrophe herannahte. E« gährte überall. Und krachte an verfchiedenm Orten„von unten auf"---- In der Schweiz war da« Maß der Jesuiten endlich voll geworden. Die freisinnigen Kantone konnten die VerdummungSwirthschast nicht länger ansehen, und als die Jesuitenanhänger endlich soweit gingen, die fieben Kantone, in denen sie die Oberhand gewonnen, zu einem Sonder- bund zu vereinigen(derselbe enthielt die drei Urkantone: Schwyz, Uri und Unterwalden, sowie Luzern, Zug, Freiburg und Walli«), da war-S für Jeden klar geworden, daß es sich um die Existenz der Eidgenossenschaft handelte und daß, wenn man die Eidgenossenschaft erhalten wollte, der vonderbund aufgehoben werden mußte. Mit Freischaarenzügen war e« nicht zu macheu, davon hatten sich die Schweizer Demokraten überzeugt— e« galt die verfassungsmäßigen Ge- walten selbst und durch sie die ganze Macht der nicht in den Banden der Jesuiten befindlichen Eidgenossenschast in Bewegung zu setzen. Man ging anS Werk. Und eS gelang." „Im Hochland fiel der erste Schuß!" Und in Frankreich fiel bald der zweite. Das Juli- Königthum, die Herrschaft der bürgerlichen Finanzwelt unter dem Bürgerkönig Louis Philipp, hatte gründlich abgewirth- schaftet. Die Korruption, die es gezeitigt, hatte die Opposition der Volksmassen, auf deren Kosten die bevorrechteten Klassen sich in schamloser Weise bereicherten, herausgefordert, sie wollten ihre Stimme, ihren Protest geltend machen und verlangten Re- formen— vor allen Dingen des Wahlrechts. Die Re- gierung, Louis Philipp und sein Minister Guizot, wollten nichts davon wissen, es kam zu Demonstrationen und im ge- gebenen Moment, am 23. Februar, Abends 9 Uhr, wurde die Reformbewegung zur Revolution. Das Pulverfaß war geladen, und der, wahrscheinlich unabsichtlich abge- feuerte Schuß eines Soldaten brachte eS zur Explosion. Der 24. Februar sah Louis Philipp auf der Flucht und Frankreich als Republik. Die Thatsache wirkte„wie ein Blitzschlag, der die Regie- rungen lähmte und die Völker aus dem Schlafe erweckte." „In Deutschland war die Aufregung, die Begeisterung unbeschreiblich. Bisder war eS nur ein geringer Bruchtheil der Bevölkerung gewesen, der sich am politischen Leben betheiligte. Jetzt war die ganze Nation in den Strudel der Politik gerissen. Als die ersten Nachrichten— man hatte damals noch den Windmühlentelegraphen, der sehr wortkarg und langsam war— auS Paris eintrafen, war Deutschland wie gebannt, man ahnte sofort eine Katastrophe. Das Vertrauen auf die sprichwörtliche Klugheit LouiS Philipp'« verminderte das Vertrauen auf einen Sieg. Man schloß, nicht ohne eine gewisse Logik, daß, wenn es unter einem so klugen Manne zum Ausstand kommen könne, die Lage verzweifelt sein müsse. Und als dann die Nachricht vom Siege de« Volks, von der Prokla- mirung der Republik und der Einsetzung einer provisorischen Regierung eintraf, da war unter all den verschiedenen Elementen, welche die „Opposition" bildeten, de« Jubels kein Ende, und der Jubel erfaßte auch die Volksmassen... Wenn damals in Deutschland die Republik nicht eingeführt wurde, so ist das nicht, wie man vielleicht behauptet hat, der größeren Wider- standskrast der Regierungen zuzulchre'ben—"te im Gegentheil eher geringer war als die des BürgerkönigthumS—, sondern einzig und allein dem Umstand, daß der republikanische Gedanke in den Massen keine Wurieln hatte. Man muß mit den irrigen Borstellungen brechen, die man in Bezug auf diesen Punkt von links und von rechts lange genährt hat." Ueberhaupt fehlte eS in Deutschland an bestimmten orga- nisirten Parteien mit ausgearbeiteten Parteiprogrammen. „Man hatte gewiss- gemeinsame Phrasen und Schlagwörter(Einigkeit und Freiheit de« Vaterlandes, Preßfreiheit, verfassungsmäßige Regierung u. s. w.), bei denen sich Jeder etwas Anderes dachte, vorausgesetzt, daß er überhaupt etwas dachte, und die so lange gemeinsame Phrasen blieben, alS es nicht an die Verwirklichung ging. Im Moment, wo die Phrasen in Thaten und Staatseinrichtungen umgesetzt werden sollten, wo also die Praxis begann, mußten die Phrasen ihren Werth verlieren, hörten sie auf, das einigende Band zu bilden, und machten die bisher verhüllten Gegensätze sich geltend. Dem Märzrausch, der allgemeinen Einigkeit in den Flitterwochen der„Revolution" mußte der Katzenjam- m-r, der Zwiespalt, die Enttäuschung auf dem Fuß folgen... ES erging Deutschland wie einem Kind, dem die Mutter sagt: Wünsche Dir was Du willst zum Mittagsessen, Du sollst es haben! und da« dann vor lauter Wünschen zu keinem bestimmten Wunsch kommt. Widerstand gab e« nicht. Jeder präzisen Volksforderung— wohl gemerkt V o l k s forderung— war die Erfüllung gewiß. Aber noch unglücklicher al» jeneS Ehepaar in dem Märchen, dem eine neckisch gut- müthige Fee drei Wünsche verheißen hatte, kam der deutsche Michel in seiner Perplexität nicht einmal zu einer Bratwurst." Zunächst ergriff die Bewegung die Rheinlande, Süd- und Mittel-Deutschland, dann griff sie nach Wien über und ver- jagte am- 13. März den seit dreißig Jahren unermüdlich„die Hydra der Revolution ausrottenden" Metternich. Und endlich krachte auch in Berlin das alte System. Die Thronrede, mit der Friedrich Wilhelm IV. am 6. März den „Vereinigten Landtag", eine Zusammenknetung der vorsünd- fluthlichen Provinzialvertretungcn, nach Hanse geschickt, und in der er die Februarrevolution möglichst lgnorirte, hatte böseS Blut gemacht, und die berühmten Massenversammlungen in den Zelten begannen. Eine am 7. März beschlossene„allgc- meine Adresse", welche Preß- und Redefreiheit, freies Ver« sammlungsrecht, Amnestie, Einberufung eines deutschen Parla- ments und des Vereinigten Landtags k. verlangte, wurde abschlägig beschieden, was die Erregung noch steigerte. Am 13. und 14. März kam es sogar bereits zu Reibungen mit dem Militär.*) Folgen wir nun wieder der Darstellung der obgenannten Schrift: •) Daß e« an diesem Tage nicht schon zu ernsthaftem Blutvergießen kam, daran ist die damalige Militärvartei unschuldig. In der 1851 im Verlag von Gustav Hempel in Berlin erschienenen„Darstellung der Berliner Bewegungen im Jahre 1848" von Ad. Wolfs lesen wir S. 198: „Als am 14. März Militärabtheilungen vor dem Schlosse aufgestellt waren, gegen welche die sich bald sammelnden Volkshaufen in laute Ver- wünschungen ausbrachen, und gegen die sich bald aus dem Haufen Dro- Hungen erhoben, ließ der General v. P f u e l vor den Augen der Ilm« stehenden die Gewehre laden, verhinderte jedoch, daß aus die Menge ge- feuert wurde. Da trat der Prinz von Preußen, der sich in der Nähe befand, auf den General zu, machte ihm unwillig Vorwürfe darüber, „daß er die Garde demoralisire" und nannte das Benehmen des General« „indigns". Dieser begab sich sofort zum Könige und erklärte,„daß er in Folge solcher Beleidigungen sich genöthigt sähe, sein Amt als Gou- verneur in dw Hände des Königs zu legen." „Die Demonstrationen werden leidenschaftlicher! die Reibungen zwischen Soldaten und Volk heftiger. Die Regierung scheint zu ignoriren, was um sie her vorgeht. Bodel« schwingh sagt am 17. März zu dem russischen Gesandten:„Schreiben Sie getrost nach Petersburg, in Berlin ist die Sache abgemacht." Und so geschah es auch. Am Tag, wo Bodelschwingh die« sagte, wurde die Zensur aufgehoben, und am 18. Mär, Morgens erschien das Königliche Patent, welches den Vereinigten Landtag auf den 2. April berief. Am 18. Mär, 1848. Der König war in der besten Laune. Einer Deputation au« Köln erklärte er, er werde sich an die Spitze der deutschen Bewegung stellen; und eine Berliner Deputation wurde ebenfalls auf da« Huldreichste empsangen. Und draußen— als die Nachricht von der Abschaffung der Zensur und von dem unmittelbaren Zusammentritt des Landtags bekannt wurde, bemächtigte sich tiefe Freude de» Volkes, der Jubel war grenzenlos, Abends sollte die Stadt illuminirt werden. Am 18. Mär, 1848. Ein Jubeltag, ein Freudentag dieser 18. Mär» 1848 für Volk und Regierung. ES kam anders. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben— oder auch schelten — je nachdem. Der Jubel wurde zum Born schweren Leides. Das heitere Festspiel lief aus in eine furchtbare Tragödie. Die Weltgeschichte zeigt kaum einen zweiten ähnlichen Umschlag,«inen so tragischen, schicksalSschwange« ren Umschlag. Das Volk in seiner Freude will dem König danken. Zum Theil im Feiertagskleid zieht«S am Nachmittag gegen 2 Uhr vor das Schloß. Jubel drückt sich in jedem Laut aus, Zufriedenheit auf jedem Geficht. Da reiten plötzlich Dragoner auS einer benachbarten Straße he, vor gegen das Volk, daS sich verblüfft, bestürzt zurückstaut—«ine«btheiluna Soldaten rückt mit gefälltem Bajonnett aus den, Schloßhose. Zwei Schüsse fallen. Was ist daS? Es waren keine blinden Schüsse, denn st« hatten getroffen. Und dir geschwungenen Säbel der Dragoner waren geschliffen. Verrath! Die Konzessionen eine Falle! Verrath! Zu den Waffen! So entrang eS sich aus tausend und abertausend Kehlen. Wilder Zorn hatte den Jubel verdrängt, die Menge, welche gekommen war, dem König zu danken, stäubte auseinander mit Wuthgeschrei und mit dem Entschluß, den Verrath zu rächen. Die zwei Schüsse um 2'/, Uhr Nachmittag de» 13. Mär, vor dem Schloß in Berlin haben eine verhängnißvolle Aehnlichkeit mit dem Schuß um 9 Uhr am Abend de« 23. Februar vor dem Palais Guizot'« in Paris. Es war der Wendepunkt. Das Verhängniß ließ sich nicht mehr aufhalten. Und im Schloß? Wer hat diesen Dragonerangriff verschuldet, wer diesen Jnfanterieauefall kommandirt? Es gibt nur Vermut Hungen. Der König war außer sich. Es ist nur ein Mißverständniß, suchte man dem Volk zu bedeuten. Zu spät! Verständigung war nicht mehr möglich. Der Kampf begann. Die Stadt bedeckte sich mit Barrikaden, die tapser vertheidigt wurden. Dem Volk fehlten Führer— doch es hatte den militärischen Instinkt und operirte mit großem Geschick. Hernach hieß eS,„Juden, Franzosen, Polen, Fremdlinge, eine Rotte Bösewichter" hätten den 18. März veranstaltet— daS ist eine albern« Verleumdung: am 18. März kämpfte Berlin— Bürger und Arbeiter, Schulter an Schulter. Und zu einer Organisation, ohne die eine solch« „Veranstaltung" doch nicht möglich, haben«S die deutschen Demokraten 1848 nicht einmal nach dem Sieg gebracht, geschweige denn vorher, wo es noch gar keine Demokraten gab.— Man kämpfte von beiden Seiten mit großer Erbitterung. Da« Militär, auf's Aeußerste gereizt, tödtete Gefangene, mißhandelte andere. Das schüchterte aber nicht ein, sondern stachelte nur aus. Der Kampf dauerte den Abend und die Nacht. Die Truppen nah- men zwar einige Barrikaden, drangen hier und da vor, hatten im Ganzen jedoch keinen Erfolg. Der Gewinn an Terrain wurde durch die vermehrte Jntensivität des Widerstande» doppelt und dreifach auf« gewogen. Die Militärpartei sah, daß sie da« Spiel nicht gewinnen könne; der König, hin und herschwankend, von den widersprechendsten Gefühlen be- wegt, ließ am Morgen de» 19. da« Zeichen zum Einstellen de« Feuer« geben." Damit war der Kampf zu Ende, das Volt fühlte sich als Sieger. Es verlangte die Entfernung der Truppen aus der Stadt; sie wurde verweigert, aber einige Stunden darauf frei- willig vollzogen. Es forderte die Volksbewaffnung, sie wurde gewährt. Es zwang den König, den Leichen der gefal- lenen Barrikadenkämpfer zu huldigen, er that eS, zitternd und bleich. Es hätte die Republik proklamiren können, ohne auf Widerstand zu stoßen. Aber das lag nicht in seinem Willen, es verlangte nur Freiheit, Befreiung von den Fesseln des bis- herigen Absolutismus und politische Anerkennung, und die hatte es, wenigstens vorläufig, errungeil. Und wenn auch nach verhältnißmäßig kurzer Zeit, Dank der politischen Unfähigkeit des liberalen Bürgerthums, dem die Führung der Volksbewegung zugefallen war, und bei dem zurückgebliebenen Stand der Industrie und damit des Jndu- strieproletariats zufallen mußte, die Reaktion wieder die Ober- Hand bekam, so gelang es derselben trotz aller Anstrengungen nicht, Alles zu beseitigen, was der März geschaffen, Alles wiederherzustellen, was der März beseitigt. Seit den Märztagen des Jahres 1848 exisfirt ein poli- tisches Bewußtsein im deutschen Volke, das zeilweise in den Hintergrund gedrängt, in falsche Bahnen geleitet, nie aber mehr unterdrückt werden kann. Immer weitere Kreise erfaßt es vielmehr und zieht sie ins öffentliche Leben; ohne die März« erhebung des Jahres 1848 wäre die deutsche Arbeiterbeweg« ung nicht das geworden, was sie heute ist. Und wenn das deutsche Bürgerthum, im Gefühl seiner poli« tischen Schwäche, die Erinnerung an den„Völkerfrühling" heute ebenso ängstlich scheut, wie der Philister die Erinnerung an seine Jugendthorheiten, die bei gesunden Naturen doch zu- gleich Beweise zu sein pflegen von überschäumender Jugend« kraft, so hält die deutsche Arbeiterklasse das Andenken an die Märztage, da ihre ersten Streiter in die Arena des öffentlichen Lebens traten, unentwegt hoch, und Arbeiter und Anhänger der Arbeitersache werden es sein, welche die Gräber der März- gefallenen mit frischen Blumen schmücken werden. Die Arbeiter- klaffe schämt sich ihrer begangenen„Sünden" nicht, sie hat ihre Ideale vor sich liegen und fühlt die Kraft in sich, wenn es nöthig sein sollte, für ihre Erreichung den Kampf mit einer ganzen Welt aufzunehmen. Der 18. März ist auch der Gedenktag der Pariser Kom- mune des Jahres 1871. So große Wirkung dieselbe zu ihrer Zeit und noch lange Jahre hindurch auf die Arbeiter- bewegung aller Länder hatte, so erscheint sie uns doch heute nur noch als eine Episode in dem großen Emanzipations- kämpf des modernen Proletariats. Eine furchtbare, erschüt- ternde Episode, aber immerhin nur eine Episode. Das heroische Beispiel ihrer Kämpfer hat Tausende zum gleichen Opfermuth, zur freudigen Hingebung an die von ihnen ver- sochtene Sache entflammt; die unter dem Beifallsgejohle der herrschenden Klassen aller Länder an ihr verübte blutige Re- Pression Tausenden und Abertausenden geoffenbart, wessen sich das kämpfende Proletariat von seinen Gegnern zu gewärtigen hat. Aber sie hat dem Kampf der Arbeiterklasse keine neuen Bahnen eröffnet, ihm keine neue Parole gegeben. Die Be- wegung ist über sie hinweggegangen, gegenüber den Program- men, mit welchen die klassenbewußte Arbeiterschaft Frankreichs wie der anderen Länder heute den Kampf für ihre Befreiung führen, erscheint das Losungswort der Kommune unklar und verschwommen. Und— warum eS verschweigen?— seit die französische Republik die Amnestie der Kommunekämpfer durchgeführt, hat der Name der Kommune den geheimnißvollen Zauber, den er einst auf die Herzen der Arbeiter aller Länder ausgeübt, verloren, hat er aufgehört, Kampfesparole, das Banner zu sein, unter dem sich die Streiter für die Sache des Prole- tariats zusammenschaaren. Heute gehört die Kommune der Geschichte an, und damit der rückhaltlosen, alles Mysterium durch- brechenden Kritik. Das hindert uns, das hindert die fortgeschrittene Arbeiter- schaft aller Länder aber nicht, das Andenken der Kommune hochzuhalten und ihren Todestag zu feiern— der so zu einem internationalen Festtag des Proletariats wird. Und hierin liegt vielleicht seine größte Bedeutung. Allüberall, wo sich am nächsten Sonntag Proletarier zusammenfinden, um das An- denken an die heroische Erhebung von Paris zu feiern, seiner verzweifelten Kämpfe und der blutigen Opfer zu gedenken, mit denen es seine hochherzigen Illusionen bezahlen mußte, wird der Gemeinsamkeit der Bestrebungen der Arbeiter aller Länder gedacht werden, wird der Sammelruf unseres großen Bor- kämpfers Karl Marx ertönen: „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" In diesem Sinne laßt uns den achtzehnten März feiern. In vieinoriain! «m 9. März ist Wilhelm I., Kaiser von Deutschland und K&nig von Preußen gestorben— gestorben unter Umständen, die einer gewissen Tragik nicht entbehren. Niemals hat daS Wort der Alten: kein Mensch ist vor seinem Tode glücklich zu schätzen, sich eindringlicher bewahrheitet. Nach einem Lebensabend, der in fast märchenhaster Weise von der Sonne dei Glückes beschienen war, mußte er es erleben, daß der Sohn und Grbe von unheilbarer Krankheit befallen wurde und der Tod einen Enkel dahinraffte, und damit das Aussterben einer ihm nachstehender Dynastie wahrscheinlich machte. Das doppelte blomsnw mori!, welches die letzten Augenblicke des Sl jährigen Herrschers verdüsterte, kann auch auf den stumpfesten Geist seine Wirkung nicht verfehlen. Das Sprüchwort vom„Glück der Hohenzollern" gehört der Vergangenheit an.--- Die gesammte deutsche Preffe hat— mit Ausnahme weniger Arbeiter- blätter, die lieber schwiegen, als nach dem Beispiel des Hauptorgans der deutschen„Demokratie" eine Loyalität zu affektiren, die grade den wirklich Königstreuen am meisten anwidern mußte— die Verdienste Wilhelm« l. um daS deutsche Volk auf das Ueberschwänglichste gefeiert. Kein HeroS, kein großer Mann in der Geschichte, dem Wilhelm I. nicht in diesen Tagin von der„Norddeutschen Allgemeinen", der„Kölnischen Zeitung", biS herab zum Barden des obskursten Winkelblättcheas, an die Seite gestellt worden wäre. Niemand wird sich darüber verwundern können, Niemand darüber in Eiser gerathen. Die Legende ist einmal da und wird nur sehr allmälig dem unbefangenen, sachlichen Urtheil der Geschichte weichen. Nach der Legend« verdankt das deutsche Volk Alles, was es ist, seine ganze Be- deutung, seinen Rang unter den Völkern der zivilistrten Welt diesem einem Manne— die Geschichte wird ihm höchstens das Verdienst zusprechen, die mililärisch-diplomatische Machtstellung, die Deutschland in diesem Augenblick einnimmt, zu Stande gebracht zu haben. Und dafür möge« ihn Diejenigen preisen, die in dieser Machtstellung, auch wenn sie nur auf Kosten der Wohlfahrt, der Freiheit und Recht« des Volkes durchzuführen und aufrechtzuerhalten, die im äußeren Glanz« das Glück und die Größe eines Volkes erblicken. Wir haben nie diesen Standpunkt vertreten, und können ihn auch heute, am Grabe des„Be- gründers der deutschen Einheit", nicht annehmen. Ebenso find wir bis heute noch nicht überzeugt, daß die Einheit Deutschlands nur durch„Blut und Eisen" zu erreichen war— dieser Weg wurde nur deshalb noih- wendig, weil Diejenigen, die ihn später beschritten, weil Wilhelm von Preußen und seine Paladine die Erringung der Einheit auf d e m o- iratischem Wege, weil sie die Einheit durch die Freiheit nicht wollten und stch ihr mit Ausbietung ihre« ganzen EinfluffeS widersetzten. So ist auch die Erringung von Deutschlands Einheit nur ein sehr r e l a- t i v e s Verdienst, zumal dem von tausend Zufällen abhängigen Glück der Schlachten die entscheidende Rolle dabei zufiel. Und ebenso kann alles das, was Wilhelm l. zur Ausbildung der M litärkraft PreußenS und Deutschlands gethan, nur für Diejenigen in Betracht kommen, die in derselben, und zwar in ihrer heutigen Gestal- tung, das richtige Mittel erblicken, die Unabhängigkeit und die friedliche Fortentwicklung des deutschen Volkes zu sichern..... Wir gehören nicht zu diesen, können uns auch heut« noch mcht, und heute weniger als je, zu dem Standpunkt bekehren, daß ein wirthschaft- lich wie politisch erdrückender Militarismus das richtige oder gar das einzig richtige Mittel sei, dem deutschen Volk den Genuß der oben- genannten Güter zu garantiren— der Militarismus hat sich eher als das G-gentheil denn als ein« Garantie de« Friedens erwiesen, aber er hat die kulturelle Entwicklung zunächst des eignen Solle«, dann aber auch der benachbarten Völker in mehr als einer Hinsicht gehemmt. Das in diesem Augenblick zu verschweigen, wäre ein Verbrech-n an unserer heiligen Uederzeugung, an dem, was wir für recht und gut und der Menschheit allein nützlich erkannt. In allen Nachrufen wird der mild« Sinn, die erhabene Menschlichkeit de» v.rstorbenen Kaisers gerühmt. Und doch gebührt Wilhelm I. ein ganz bedeutender Antheil an der heute herrschenden Reaktion gegen den Geist der Humanität, der das vergangene und die erste Hälfte dieses Jahrhunderts auszeichnet«. Wir gebe» zu, daß er diese Wirkung seiner Politik nicht in dem Maße gewollt haben mag, alS sie thatsächlich ein- getreten ist, aber das entlastet den an so hervorragenden Stelle Stehenden nicht von der Verantwortung vor der Geschichte. Seine eigens Auf- faffung von der Stellung des Regenten, die er mit starrem Sinn immer und immer wieder hervorhob, schließt jede Abschwächung der Verant- wortlichkeit für feine RezisrungsthStigkeit aus. Aber war denn die Milde wirklich eine so hervorragende Charakter- Eigenschaft Wilhelm I.? Wenn wir nicht nach dem urtheilen, waS da- von erzählt wird, sondern nach dem, waS die Thatsachen sagen, so kann unsere Antwort nur eine verneinende sein. Wir wollen nicht bestreiten, daß der Verstorbene in seinen späteren Lebensjahren häufig Beweise einer gewissen Weichheit der Empfindung an den Tag ge- legt hat, aber diese Eigenschaft ist von wirklicher Milde himmelweit unter- schieden. Wir finden sie auch bei den grausamsten, blutgierigsten Gewalt- habern, welche die Geschichte nennt, wie denn überhaupt Grausamkeit und Sentimentalität oft Hand in Hand gehen. Di« wahre Milde, die ächte Güte des HerzenS offenbart sich nicht im Verhalten gegenüber seinen getreuen Freunden und gehorsamen Dienern, sondern im Verhalten gegenüber denen, die eS gewagt, uns entgegenzu- treten, gegenüber denen, die wir al« unsere Widersacher betrachten. Hier aber gerade verließ den Mann, der jetzt alS der Mildeste der Ml- den gepriesen wird, die vielgerühmte Weichheit. An der Bahre der Verstorbenen schweigt der politische Haß. Nicht aber schweigt, nicht aber darf schweigen die historische Wahrheit. Und wenn in tausenden und abertausenden von ZeitungSblättern heute dem deutschem Volk sein« Geschichte zu Ehren eineS einzelnen Mannes in lügen- haftester Weise entstellt vorerzählt wird, wenn Alle», wa« aus dem Schoohe de« Volkes heroorgegan zen, geflissentlich verschwiegen, verkleinert wird, um nur den Ruhm des Einen ins Unermeßliche emporzuschrauben, so mag wenigstens in unserem Blatt die Wahrheit ein bescheidenes Plätz- chen finden. Die Freiheitsbestrebungen deS deutschen Volkes fanden in den vierziger Jahren dieses Jahrhunderts in Wilhelm von Preußen stets einen er- bitterten, bis zur Grausamkeit fanatischen Gegner. Selbst die zu der nächsten Umgebung des preußischen HofeS gehörenden aufgeklärteren Männer hatten darunter zu leiden. Dafür nur ein Beispiel, das Barn- hage« von Ense, seinerzeit geheimer Legationsrath, in seinen Tage- büchern(herausgegeben von Ludmilla Asfing) mittheilt: „17. Mär, 1848: Besuch vom Fürsten Carolath. Er sprach mit ge- sundem Verstand, aus purer Redlichkeit, die gediegensten Wahrheiten aus, die reinsten Sympathien für's Volk; daß man für die Arbeiter und Armen sorgen müsse, und w«nn es Millionen erfordere, daß man Jeden, auch den Besitzlosen, in die städtische Verwaltung ausnehmen müsse, daß Waffengewalt hier gar nichts ausrichte, das ganze Ministe- rium als untauglich und oerhaßt sogleich zu entlassen sei u. f. w. Vor mehr als 8 Monaten hat er so auch mit dem Prinzen von Preu- ßen gesprochen, kam aber schlecht an. und ist seitdem in Ungunst." (Aus Varnhagen's Tagebüchern.) Keine Konzessionen an das nach politischer Bethätigung, nach Befreiung von den Fesseln des Absolutismus lechzende Volk. Da brach in Paris die Februarrevolution aus und bald trug der Wind den Geist der Revolution nach Berlin. Es kam zum Barrikadenkampf des IS. März. Am Kampf selbst nahm Wilhelm keinen Antheil, wie er über ihn dachte, zeigen zwei, ebenfalls von Varnhagen mitqetheilte Aeußerungen: „Als vor dem Schloß durch die hervorstürmenden Soldaten die ersten Gefangenen in den Schloßhof gebracht wurden, meist armselige Leute, Krüppel, die nicht schnell genug hatten fliehen können, schwächliche Alte und unreife Jungen, die darauf in die Schloßkeller gebracht und arg behandelt wuroen, da trat der Prinz von Preußen(Wilhelm) hervor und redete die Soldeten heftig an:„Grenadierel Warum habt Ihr die Hunde nicht auf der Stelle nieder- gemacht?" Der Major X stand dabei und hörte es, auch der General, Fürst X." (Varnhagen von Ense, Tagebücher. Leipzig, BrockhauS, B. ivv.©. 283.) „In der Nacht vom 18. auf den lS. März trat ein angesehener Mann hervor und bat den König flehentlich, er möchte doch Befehl geben, daß der furchtbare Kanpf aufhöre, daß die Truppen das Feuer einstellten. Der König lag auf den Arm gestützt und schwieg. Da trat der Prinz von Preußen heran und rief:„Nein, daS soll nicht geschehen, nimmermehr! Eher soll Berlin mit allen seinen Ein- wohnern zu Grunde gehen! W>r müssen die«usrührer mit Kartätschen zujammenichießen." Der König blieb auf den Arm gestützt und schwieg.(Aus sehr zuverlässiger Quelle.) (läom, S. Bd. S. Sl0.) Wie sich dann schließlich doch die Nothwendigkeit herausstellte, ange- sichts der Stärke der Volksbewegung und der beginnenden Demoralisa- tion der Truppen dem Kampf E.nhalt zu gebieten, und wie Wilhelm bei Nacht und Nebel vor dem drohenden Volkszorn nach London ent- fliehen mußte, das ist bekannt. Bekannt ist auch, wie er 1849 die Ober- leitung der Truppen übernahm, welche die in Baden ausgebrochene Er- Hebung sür die Reichsverfasfanz niederwerfen sollten. D a ß er diese Mission übernahm, ergab stch von s- ner politischen Stellung von selbst. kann ihm also persönlich nicht zum Vorwuif gemacht werden— was sich aber auS semer politischen Stellung allein nicht ergab, das war seine Handlungsweise gegenüber den b siegten Freischärlern. Nach der Niederlage bei Rastatt 2S./30. Juni hatte stch ein großer Th-il derselben in die Festung geworfen, die g-g-n drei Woch-n der Belagerung Stand hielt, bis schießlich, auf Betreiben des dekannten Corvin, ein Kapitulationsvertrag abgeschlossen wurde, in welch-m den Belagerten volle Amnestie zugesichert wurde. „Nun ergaben sie sich auf Treue und Glauben und die Kapitulation ward am 23. Juli vollzogen. Bei dieser Feierlichkeit ritt der Festung«- kommandant Tiedemann dem an der Spitze seines Generalst bes hal- tenden preußisch-n General von der Gröben entgegen und über« lieferte ihm seinen Degen. Di- Ffiungskaballerie, welche absaß, und die Offiziere legten ihre Säbel aus d.e Er°«. und die Infanterie stellte ihre Gewehre zusammen. Nachoem aber die Freiichaaren ihre W-ffen abgeliefert hatten, wurden st- Räuber und L u m p e n g- s r n d e l genannt und als Gefangene in die Kasematten der F stung eingesperrt, wo sie ein« sehr harte Behandlung erleioen mußten- Di« Preußen erklärten den Kapitulationsoertrag jetzt für ungiltig, weil denselben nicht der Prinz von Preußen selber, sondern in seinem Namen nur«in unter« geordneter GeneralstabSosfizier, Major von AlvenSleben, unter- zeichnet hatte." „Zwar war B a d e n kein preußifchesLand, und folglich konnte der A. fstand als kein Hochoerratheverbrechen gegen den preußischen souveränen König gedeutelt werden: auch waren viele von Denen, die gefangen genommen worden waren, weder preußische noch ba- drsche Unterthanen und standen folglich zu dem Prinzen von Preußen in keinem andern R-chtsoerhältniß, wie jeder Mensch im Allgemeinen zu feines Gleichen; ferner war der Kampf formell und auS- drucklich für die in Baden gesetzlich anerkannte R.ichsoersaffung geführt worden, während dieselbe doch der König von Preußen, der in ihr für Deutschland bestimmte Erbkaiser, abgelehnt hatte, w-ßhalb nach dem in Baden gültigen Rechte der Prinz von Preußen sich bei seinem Kriege gegen die Reichsveriassungekämpfer entschieden im Uirechte befand; allein die Reaktion dürstete nach Rache, sie wollte Blut sehen und kümm-rt- stch, al» ste stch einmal nach so vielen bangen Tagen und durchwachten Nächten wieoer im Bollgenusse der unbestrittenen höch- sten Macht sah, um keine rechtlichen und gesetzlichen B-- denken, wie sie etwa befangene Sterbliche hinsichtlich der Heiligkeit der Menschenleben in FriedenSzeiten und hinsichtlich der in den Frieden aufgenommenen Kriegsgefangenen hegen. So wurden denn gerade die tapfersten Männer der Demokratie, und zwar deßhalb, weil sie die tapfer« sten waren, standrechtlich hingeschlachtet Zu Mannheim wurde auf An- ordnung des preußischen Kriegsgerichts das auS Sach en gebürtige Parlaments nitqlied Adolph von Trützschler erschossen, da man ihm seine sozial-demotratlschen Ansichten um so mehr verargte, al» Trützschler auS einer altadeligen, hochangesehenen und begüterten Familie war."(Bernhard Becker, die Reaktion in Deutschland ic. Braunschweig 1873.) In emem Arukel, betitelt„Zu einem Denk- und Markstein", den die „Frankfurter Zeitung"— im Sommer 1874— dem Andenke« b« gp» fallenm Freiheitskämpfer widmete, heißt es: Von dem Oberbefehlshaber der preußisch-n Truppen wurde das Stand« recht verkündet. Niemand hat die Verkündigung desselben zu rechtfertig gen gewagt; von keiner Seite ist behauptet worden, daß diese Kriegs« gerichte auch nur den Schein des Rechts, auch nur des barbarischen Kriegsrechts für sich hatten." „ES ging das Gerücht, daß die Standgerichte Befehl hätte», nur Todesurtheile zu fällen. Manche Umstände machten dieses Ge» rächt höchst wahrscheinlich. Der Erste, der vor das Standgericht zu Mannheim gestellt wurde(am 7. August), war der Heidelberger Student und schweizerische Unterlieutenant Arnold Steck aus Neuenburg. Von allen Gefangenen war er am schwersten belastet, denn man beschul- digte ihn, LudwigShafen in Brand geschossen zu haben. Aber er wurde von Küchler so wacker vertheivigt, daß das Kriegsgericht ihn nicht zum Tode, fondern„in Anbetracht seiner Jugend" nur zu zehn Jahre» Zuchthaus verurtheilte. Da soll auS dem Hauptquartier zu O f f e n b a ch, wo sich der Hauptbefehlehaber der Armee, der Prinz von Preußen, befand, der Befehl gekommm sein, augenblicklich daS Standgericht aufzuheben und ein neues zu ernennen. Wenigstens war zur Sitzung am 13. August das Personal des Ge- richts verändert worden; es wi>d einstimmig behauptet, daß man alle Diejenigen, welche in der letzten Sitzung nicht für Tod ge- stimmt, entfernt und durch andere Soldaten ersetzt hatte." Und so wurden von den Standgerichten zu Mannheim ,c. 30 Kämpfer für die deutsche Reichsverfassung zum Tode verurtheilt und von diese» 28 erschossen und nur zwei— der schon erwähnte Corvin und der württembergische Oekonomierath M ö g l i n g—„begnadigt" und wan- derten mit noch 68 weiteren Kampfgenossen in's Zuchthaus. In den Jahren der Reaktion gerielh Wilhelm, der im Exil in Londo». Mancherlei gelernt und eingesehen hatte, daß er zur Durchführung d«p Einigung Deutschlands unter preußischer Spitze der Mitwirkung weiterer Kreise des Bürgerthums bedürfe, mit der preußischen Erz-Junkerpartei. in Konflikt, und dies erklärt wohl feine, gegen diese und das Mucker- thum der„Stillen im Lande" gerichteten Erklärungen beim Anttitt seiner Regentschaft, die ihn vorübergehend in den Ruf eines„Liberalen" brachte». 1 Daß er nichts weniger als ein solcher war, sondern starr an seinen ab«. solutistischen Vorrechten sesthiett, zeigte sich bei der ersten ernsthaft«' Differenz zwischen Krone und Volksvertretung. Die schnell erlangte Popu» larttät— Völker verzeihen leichter als Fürsten— schwand rasch dahin, um nach dem Kriege von 1866 ihn von Neuem auszuzeichnen und sich nach dem Feldzug von 1370/71 bis zur Vergötterung zu steigern. Vom Glück in einer Weise begünstigt, die er selbst wohl kaum je ge- ahnt, feierte Wilhelm I., Kaiser von Deutschland geworden, einen Lebens« abend, wie kaum je ein Fürst vor ihm. War aber aus dem harte» Mann wirklich ein milder Greis geworden? Das Jahr 1373 brachte die Attentate von Hödel und Nobiling. Ob« wohl eS in ganz Deutschland keine zehn Mann gab, welche dieselben ge« billigt hätten, obwohl vor allen Dingen die Partei, der man diese Attea» tat« in die Schuhe schob, jeden Zusammenhang mit den beiden Atte»« tätern energisch abwies und damit die That selbst entschieden desavouirtr, wurde diese mit einem Gesetz beantwortet, da« hunderttausende von An« gehörigen deS deutschen Reiches zu Bürgern zweiter Klasse degradirt«,! das die Arbeiter ihrer besten Waffe in dem ohnehin so schweren Kampf um'S Dasein, des Koalitionsrechts, beraubte, sowie für Hun« derttausende das elementarste aller Rechte, das Heimathsrecht,! illusorisch macht«. Gewiß, es wäre falsch, Wilhelm l. allein sür diese« Gesetz verantwortlich zu machen, aber seine Minister haben eS aus- gearbeitet, in seinem Namen wurde eS vollzogen und ausgeführt, vo« seiner Regierung wurde immer wieder von Neuem sein« V-rlänge« rung beantragt und durchgesetzt, und wir, daS Organ der folchermaße» Geächteten, wir, die wir aus nächster Nähe Zeugen gewesen sind der Leiden, welches dieses Gesetz über hunderte und tausend« braver, hingebender Genossen gebracht, wir, die wir so manch- unserer beste» Mitstreiter für die Sache des arbeitenden Volkes als Opfer dieses Ge- setzes einem vorzeitig n Tod ha en erliezen sehen müssen, wir sollte» durch feiges Schweigen unsere Zustimmung dazu geben, daß dem Mann«, unter dessen Regierung all' das geschehen, das Beiwort„milde" zuertheilt werde? Nein, da» können wir nicht, das dürfen wir nicht. ES wäre Verrath an unseren Tobten, an unseren Märtyrern. „Man kann Kaiser Wilhelm nicht davon freisprechen", schreibt in einem sonst durchaus wohlwollenden Artikel die demokratische„Züricher Post", „daß er mit Härte politische und militärische Vergehen ahnden ließ, und daß das Begnadigungsrecht deS Landesherrn unter ihm fast zur Fabel verblaßte." Wiederholt bot sich ihm im letzten Jahrzehnt Gelegenheit, durch Ge«! Währung einer Amnestie schreiendes Unrecht gut zu machen— sie ging! jedesmal unbenutzt vorüber. Als er, nach seiner Auffassung durch Gottes Gnade, von den Wunden, die Nobiling ihm beigebracht, glücklich geheilt' in die Hauptstadt einzog, waS lag da näher, als durch einen einzige»! Federstrich denen die Kerkerthüren zu öffnen, die in der Attentatshetze oft auf die harmlosesten Äußerungen hin, wegen Beleidigung seiner Person zu den drakonsschsten Strafen verurtheilt worden waren? Es! geschah nicht. Wo die Milde am ehesten geboten, wurde sie nicht geübt. Man wird vielleicht einwenden, Kaiser Wilhelm habe von den horren«' den„Rechtssprüchen", die in seinem Namen gefällt, von den drakoni« schen Maßregeln, die in seinem Namen verübt wurden, nicht« gewußt. Zugegeben, daß er nicht alle« bis in'S kleinst- Detail gewußt; aber daß er nicht mindestens im Allgemeinen davon unterrichtet gewesen, das! können wir denen am allerw-nigstrn glauben, welche die peinliche Pflicht- treue in der Ausführung des Regentenberufs al« seine vornehmst« Tugend rühmen. Ganz abgesehen davon, daß die Entschuldigung falscher oder ungenügender Information den Herrscher von Gottes Gnaden nicht i decken würde. e Wir wollen hier nicht in eine Kritik der gesammten RegierungSthättg-! kett Wilhelm l. eintreten, noch ein erschöpfendes Bild seines Charalters geben. Beide unterstehen jetzt dem Urtheil der Geschichte, da» zu ver- treten weder wir unS anmaßen, noch unseren Gegnern zuerkennen. Wir| haben nur in einigen Punkten, wo da« Geschreibsel der Weihrauch spende»«! den Tagespr.sse in zu schroffem Gegensatz zur Wahrheit steht, dieser Letzteren die Ehre geben wollen I Und wir haben vor allen Dingen als Dolmetscher der Gefühle all' derer dienen wollen, die unter der Regie« rung des jetzt verstorbenen ersten Kaisers des neugeeinten Deutschland für ihre Uederzeugung verfolgt und geächtet wurden, für die es gegeu polizeiliche Willtür keinen Schutz gab, und gegen behördliche Maßrege, langen keinen Appell. Und die Zahl derselben ist keine geringe. ES ,st in unserem Jahrhundert der konstitutionellen Lüge fast eine «unst für«inen Monarchen, vor der Meng- nicht gut zu scheinen. Sie � stiebt ihm den Ruhm für alles Gut« zu, was geschieht, und entlastet! ihn von der Verantwortung für alle« Schlimme. Er braucht nur kein Mensch zu sein, so vergöttert sie ihn schon. Der GeniuS der Menschhett aber läßt sich durch keinen Weihrauch blenden, und nicht achtend der Lobgesänge der Gläubigen ruft er den Mächtigen der Erde' die herrlichen Worte entgegen, die Deutschlands größter Dichter ihn einst i dem ZeuS ,n'S Antlitz rufen ließ: „Ich Dich ehren?-- Hast Du die Schmerzen gelindert Je dei Beladen«»? Hast Du die Thränen gestillet I« des Geängsteten?" Im zehnten Jahre des»echtungsgesetze«. Fort mit den Illusionen! Bon sehr g«schStzter Sette erhalten wir folgend« Zuschrift: �Di« Glossen, mit welchen ein deutscher Landwehrmann in Rr. 10 de» „Sozialdemokrat" die neueste Heeresorganisation im deutscheu Reiche -«gleitet, nöthigen zu einigen Gegenbemerkungen. Für«ine Paitei wie ->- Sozialdemokratie fin» Jllustonen vom llebel, und stark illusionär cheinen uns jene Auseinandersetzungen zu sein. Zugegeben ist, daß die stehende Armee in den heuttgen Staaten(Re- publiken wie Monarchien) ebenso sehr als Kampfmittel nach Außen, wie als UnterdrückungSmittel nach Innen verwendet und zu diese« Zweck so «ganifirt wird, wie sie organiflrt ist. Zug«gebsn ist ferner, daß mit der Hineinziehung der Masten in die Armee, diese ihren Charakter alS exklusive, dem Volke feindliche Organisation immer mehr verliert. Aber glaubt man, daß das Oben nicht begriffen wird? DaS müßte eine sehr kurzsichtige Regierung sein, die das nicht einsähe und nun sich selbst zum möglichen Schaden dennoch eine solche militärische Organifirung der Masten schaffte. Was zu dieser Einbeziehung der Masten in die Armee zwingt, ist nicht die innere, das ist ausschließlich die äußer« Lage. Die Folgen des Krieges von 1870, die Annexion von Elsaß- Lothringen haben Deutschland zwischen zwei Feuer gestellt. Frankreich, das den Verlust dieser Provinzen nicht vergessen will, fand in Rußland, dai von seinem Standpunkt aus naturgemäß auf die Erweiterung seiner Macht in der Ostsee und auf die Eroberung der Türkei angewiesen ist, und all' sein Dichten und Trachten auf die Eroberung dieser Macht richten muß, einen Bundesgenoffen. Dirch seine Machtstellung nach dem Jahre 1870 war Deutschland dem russischen Einfluß entwachsen. Rußland mußte erkennen, daß es in Deutschland, wie freundlich immer die offiziellen Kreise sich zu ihm stellten, einen Gegner hatte, der alle seine Berechnungen im Westen und Südosten seines Reiches zu Schanden machte. Darüber konnten es auch die„ehrlichen Mallerdienste" Bis- «arck's auf dem Berliner Kongreß nicht täuschen. Blieb ihm noch ein Zweifel, so mußte ihm dieser durch die einstimmig« Haltung der öffentlichen Meinung in Deutschland nach dem bulgarischen Staatsstreich chwinden. Wie immer Bismarck die russischen Pläne auf Bulgarien zu unterstützen suchte, in Deutschland fand diese Politik, ohne Unterschied der Partei, von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken, entschiedenen Widerspruch. Tanz Deutschland fühlte, allen »fstziösen Ableugnungen zum Trotz, daß es sich in der ZurllckvSmmung der russischen Macht auf dem Balkan um eminent deutsche und im wei- teren Sinne um allgemeine Kulturinteressen handelt, als deren ausgesprochenster Feind das offizielle Rußland vor ganz Europa erscheint. Diese ostentativ feindselige Stimmung des deutschen Volks gegen daS offizielle Rußland hat man in letzterem sehr deutlich erkannt, und von da an datirte erst recht eigentlich die ebenso ostentative Spekulation auf daS Bündniß mit Frankreich. Obgleich dieses unmöglich eine erhebliche Machtverstärkung Rußlands in Europa wünschen kann, weil diese srüher oder später zu seinem eigenen Verderben ausschlüge, hat daS Streben nach der Wiedereroberung Elsaß- Lothringens einen großen Theil der französischen Bourgeoisrepublikaner in die Arme Rußland's getrieben. Blind in der Sehnsucht nach der Wiedererlangung der verlorenen Pro- vinzen, scheuen sie sich nicht, mit dem russischen Despotismus und Bar- darismus gemeinsame Sache zu machen. Die bürgerliche Republik und ihr denkbar schroffster Gegensatz, der zarische Despotismus, liegen sich «U Bundesgenossen in den Armen. Bräche nun der Krieg aus und siegten Rußland und Frankreich, was würden die Folgen sein? Frankreich begnügte sich auf keinen Fall mit der bloßen Wiedereroberung von Elsaß- Lothringen, eS würde ihr die Wiedereroberung des linken Rheinufers und wahrscheinlich auch die An- »exion von Belgien und Luxemburg folgen lassen.*) Rußland würde öie europäische Türkei und— die deutschen Ostseeprovinzen mit Beschlag belegen. Wie immer man eine solche Situation auffassen mag, für Deutschland und die ganze Kulturentwicklung wäre sie ein ungeheurer Schade. Der Völkerhaß feierte wahre Orgien und der russische Despo- tiimus lastete wie ein Alp auf Deutschland und ganz Europa, Frank- reich einbegriffen, dem der wiedererwachte Chauvinismus mit Unterstützung Rußlands rasch zu einer monarchischen Restauration verhelfen würde. Zu glauben, daß die stegreichen Fahnen Frankreichs Deutschland die soziale Republik brächten, ist eine der schlimmsten Illusionen, die ein Hirn erfassen kann. Aus dem Bündniß zwischen dem französischen Bour- geviS- Republikanismus und dem russischen Despotismus kann nur der ZäsariSmus blühen. Nichts weiter. Die deutsche Sozialdemokratie darf sich über die Situation nicht täu- schen. Feindin jede« Kriegs, jeder Eroberungspolitik, jeder Lölkerverhetzung, jeden Augenblick bereit, mit Frankreich eine für beide Völker ehrenvolle Aussöhnung herbeizuführen, kann sie wider Willen in die Lage kommen, auch wider Frankreich zu kämpfen, wenn dieses an der Seite Rußlands, des größten Feindes aller Völk-rfreiheit, Deutsch. land angreift. Gegen das heutige Rußland, das grausam jede freie Regung des Volksgeistes unterdrückt, das für die edelsten Kämpfer de« Volkes nur den Galgen, das Zugrunderichten und langsame Hinmorden in den Bergwerken, die Verbannung in die sibirischen Eisgefilde kennt, herrscht im deutschen Volke und besonders in der deutschen Sozialdemo. kratie ein tiefer, unauslöschlicher Haß. Rußland ist der Grund- und Eckstein der europäischen Reaktion. Gegen die Abwehr eines Angriffs dieses Rußlands und eventuell für eine Selbstständigmachung Polens, dürste die deutsche Sozialdemokratie jedes Opfer zu bringen bereit sein. Frank- reich, als Bundesgenosse des heutigen Rußlands auftretend, müßte die Konsequenzen dieser Stellung tragen. Wir begreifen Frankreichs Stim- vung gegen Deutschland und sein Verlangen nach Elsuß-Lothringen, aber Segen den Bundesgenossen Rußlands, der auf die Zertrümmerung Deutschlands spekulirt, müßten wir Front machen. Wer unter uns glaubt, daß es gegebenen FalleS anders sein könnte, täuscht sich wiederum. In der ganzen Welt ist die Vorbedingung des Klassenkampfes die B e- freiung der Nationalität. Wo diese unterdrückt wird, tritt der Klassenkampf hinter d en N a t i o na lit äten k a m p f lurück. Beispiele: Oesterreich, Polen, Irland. In Deutschland nahm der Klassenkampf von dem Augenblick an einen ganz andern Aufschwung, als die nationale Frage entschieden war. Eine Zerstückelung oder Verstümmelung Deutschlands würde die sozialen Kämpfe in den Hintergrund drängen, die soziale Bewegung wäre auf «ange zu Grunde gerichtet. Wer da glaubt, daß in Kämpfen um die Nationale Existenz, waS ein Kampf Deutschlands gegen Rußland und Frankreich unter allen Umständen sein würde, der geeignete Zeitpunkt mr die Verwirklichung sozialer Umwälzungen sei, befindet sich in schweren Illusionen. Unser Landwehrmann irrt sich gleichfalls i«hr bedeutend, wenn er in einem Krieg dergleichen erwartet. I N einem Kriege und während eine« solchen wird daS nicht ge- Ichehen, dann nimmt die Sorge um die nationale Existenz alle andern Sorgen gefangen. Dann handelt es sich vor allem um die Sicherung der heimathlichen Unabhängigkeit, der Zurückdränzung des fremden Er- dbererS. Anders liegen die Verhältnisse nach einem Kriege und zwar auch nach einem siegreichen Kriege. Der kommende Krieg, mag er schon morgen oder erst nach fünf Jahren »«ginnen, wird ein europäischer Krieg. Er wird geführt mit einem Auf- S«bot von physichen und materiellen Kräften, wie noch nie ein Krieg Sesührt worden ist. Er wird geführt bis zur äußersten Eischöpfung der Kräfte. Entscheidender Sieger wird wahrscheinlich Niemand sein, Deutschland sicher nicht der Besiegte, dafür ist es zu gut vor- «reitet. Aber dieser Krieg, wie immer er schließlich endet, wird eine Zerrüttung dnb eine Zerstörung aller alten sozialen Verhältnisse herbeiführen, wie m zwanzig Jahre ruhiger ökonomischer Umwälzung nicht herbeizuführen »ermögen. Die zum heimischen Herde zurückgekehrten Heeresmassen, und twar auch die der Sieger, werden Veränderungen vorfinden, die sie »»st jetzt die ganze Größe der Verluste, und die groß« Masse die Unmög- «chkeit der Reparirung derselben erkennen läßt. Hunderttausende selbst, ständiger Existenzen werden vernichtet sein, der Großkapitalismu« feiert ihren Trümmern seine Orgien. Dazu kommen die ungeh uren finan- Miellen Lasten, welche jeder Nation die Kriegsopfer auferlegen werden. vür die meisten Großstaaten wird der Krieg mit dem Staatsbank« »ott enden. Damit ist der Boden geschaffen, aus welchem die UmgestaltungSgedanken stir ein« Umwälzung der sozialen Ordnung von Grund auS den frucht- »arsten Boden sinden. Wie die Pilze nach einem Regen in einer warm-n Hochlommernacht aus dem Boden schießen, so weiden die neuen Ideen »>« Massen ergreifen un» sich blitzartig verbreiten, mit der Unsichtbarkeit bnd der Schnelligkeit eines Kantagiums, das für seine Entwickelung die Ilünstigsten Vorbedingungen findet, bis in die abgelegensten Ort- haften der entferntesten Provinzen. Die Revolution ist über Nacht da, ?hne daß Einer sie ruft, ohne daß man sie provozirt, noch ohne daß '«md eine Macht der Erde sie zu hemmen vermag. In sich selbst un- j?"bar, weil gegen die Jntereflen und die Ansichten der Ungeheuern T�lksmehrheit unmöglich geworden, sinkt die atte Gesellschaft sich selbst zusammen. Aehnlich wie Gottlieb von *) Hier möchten wir doch ein Fragezeichen einflechten. Red. d. S. Spanien den Thron freiwillig aufgab, weil er fühlte, er sei auf ihm unmöglich, ähnlich wie Bonaparte III. den französischen Thron preis gab und sich bei Sedan seinen Feinden in die rettenden Arme warf, so dürften die herrschenden Klassen in Deutschland und Europa alsdann daS Gefühl ihrer vollkommenen Usberflüssigkeit und Unmöglichkeit er« füllen und sie sich resiznirt in das unabwendbare Schicksal erzeben. „Die Stunde der kapitalistischen Produktion hat geschlagen. Die Ex- propriateure werden expropriirt," so ruhig, so selbstverständlich, als könnte es gar nicht anders sein. Das Wahrscheinliche ist, daß es so kommt, und nicht wie unser Landwehrmann in Nr. 10 sich träumt. Von Grund aus neu und heute nur geahnt, wie die Zustände nach der nächsten sozialen Umwälzung sein werden, eben so neu, nie dagewesen und von all em b i Sherigen Er lebten a b« weichend wird die Art sein, wie diese Umwälzung sich vollzieht. Zerbrechen wir unS nicht die Köpfe und ereifern wir uns nicht, es kommt was kommen muß, nicht wegen unS, sondern eventuell selbst trotz uns. Was wir sind, sind wir, weil wir es werden mußten und die gesellschaftlich; Umgestaltung, die mit Macht im Anmarsch ist, frägt nicht, wie wir sie verwirklicht wünschen. Wenn die Stunde kommt, wird manViele nicht sehen, die heute da sind, und Millionen werden dasein, die man beute nicht sieht. Dixi. Sozialpolitische Rtmdscha«. Zürich, 14. Mär, 1888. — Durch den Tod Kaiser Wilhelms ist die Krone von Preußen und dam t die deutsche Kaiserwürde auf dessen Sohn, den bisherigen Kronprinzen, übergegangen, der als Regent den Ramen Friedrich III. führen wird. Er hat bereit», von Charlottenburg bei Berlin aus, wohin er sofort übersiedelt-,«ine Proklamation an das deutsche Volk und einen Erlaßan denReichskanzler ergehen lassen, die zusammen als sein Regierungsprogramm zu betrachten sind. Aus dem Crsteren sei folgender Satz abgedruckt: „Meinem getreuen Volke, das durch eine Jahrhunderts lange Geschichte in guten wie in schweren Tagen zu meinem Hause gestanden, bringe ich mein rückhaltlosesVertrauen entgegen; denn ich bin überzeugt, daß auf dem Grunde untrennbarer Verbindung von Fürst und Volk, welche, unabhängig von jeglicher Veränderung im Staatenleben, das unvergängliche Erbe des Hohenzolleinstammes bildet, meine Krone alle- zeit ebenso sich-r ruht, wie das Gedeihen deS Landes, zu dessen Regie- rung ich nunmehr gerufen bin, und dem ich gelobe, ein gerechter, und in Freud wIE Leid ein treuer König zu sein." In dem Erlaß an den Reichskanzler erklärt Friedrich III. u. A., es seien unter seiner Regierung,„die Erschütterungen möglichst zu vermeiden, welch« ein häufiger Wechsel der Staatseinrichtungen und Gesetze veran« laßt",„die verfassungsmäßigen Rechte aller verbündeten Regierungen zu achten, wie die des Reichstages; aber von beiden ist gleiche Ächtung der Rechte des Kaisers zu erheischen." Dabei sei jedoch„im Auge zu behalten, daß diese gegenseitigen Rechte nur zur Hebung der ö f f« n t« lichen Wohlfahrt dienen sollen, welche das oberste Gesetz bleibt, und daß den neu hervoi tretenden, unzweifelhaften nationalen Bedürf- nissen st-ts in vollem Maße Genüge werden muß." Weiter erklärt sich Friedrich III.„entschlossen, im Reiche und in Preußen die Regierung in gewissenhafter Beobachtung der Bestimmungen der Reichs- und Landesverfassung zu führen",„den Grundsatz der„religiösen Duldung" hochzuhalten und alle Bestrebungen zu unterstützen, welche geeignet sind, das wirth'chaftliche Gedeihen der verichieoenen Gesell chaflsklassen zu heben, widerstreitende Interessen derselben"zu versöhnen und unvermeidliche Mißstände nach Kräiten zu mildern, ohne doch die Erwartung hervorzurufen, als ob es mögl ch sei, durch Eingreifen des Staats allen Nebeln der Gesellschaft ein Ende zu machen." Auf dem Gebiete der Erziehung„soll Gottesfurcht und einfache Sitte" gepflegt werden. „Möge es mir beschieden sein", heißt es zum Schluß,„dergestalt unter dem e'nmüthigen Zusammenwirken der Reichsorgane, der hingebenden Thätigkeit der Volksvertretung, wie aller B.chöcden, und durch die ver- trauensvolle Mitarbeit sämmtlicher Klassen der Bevölkerung Deutschland und Preußen zu neuen Ehren in friedlicher Entwicklung zu führen. Un« bekümmert um den Glan, ruhmbringender Großthaten, werde ich zu- frieden sein, wenn dereinst von meiner Regierung gesagt werden kann, sie sei meinem Volke wohlthättg, meinem Lande nützlich und dem Reiche ein Segen aewesen!" Im Einielnen sind die hier entwickelten Sätze Blanketts, in die man bei der Ausführung alles Mögliche hineinlegen kann, in ihrer Zusammenfassung lassen sie die Absicht erkennen, ein liberal-konsiitutionelles Regiment zu führen. Damit würde zunächst Herr Puttkamer von der Bühne verschwinden, und in dieser Vorahnung geschah es, weifelohne, daß der das Gottesanadenthum sonst über alles stellende Minister bei der An- kündigung deS Todes von Kaiser Wilhelm im Preußischen Abgeordneten- Hause des neuen Kaiser? zu erwähnen— vergaß. Unter anderen Verhältnissen könnte man in dem Verhalten deS Minist-rS nach dem Herzen der„Kreuzz-itung" etwas wie„Männ-rstolz vor Königsthronen" erblicken, wie die Dinge im vorlleqeniM, Falle liegen, ist es nur die Fortsetzung dess-n, was in den Spalten der„Kreuzzeitung" schon sett Monaten sich abspielt. Fällt Herr Puttkamer, so müßte loqssch-rweise auch das System Buttkamer fallen, und damit selbstverständlich auch das Ausnahme« Gesetz, das ohnehin mit Reqierungsgrundsätz-n wie die ob-n ent« wickelten schwer zu vereinbare» ist. Aus der Stellunqsnahme Friedrich III. gegenüber dem Sozialistengesetz wird sich ergeben, in welchem Sinne die- selben zu verstehen sind, eS ist ein guter Prüfst in für die arbeiter- freundliche Gesinnung deS liberalen Kaisers. Warten wir ab. — Die Zeltungen werden nicht müde, von den Beweiseu'tiefer Draner zu berichten, auf die man überall in ganz Deutschland und speziell in der Reichshauptstadt stößt. Wir wollen nicht untersuchen, wie viel von diesen„Beweisen" Ausdruck eines wirklich empfundenen Schmerzes, wie viel blos Modesache oder gar nur Reklame ist— die letztere macht sich so aufdringlich bemerkbar, daß eS geradezu anwidert— genug, wie in den letzten Jahren in Deutsch- land zum„guten Ton" gehörte, unterbyzantinische Verehrung vor dem Staatsoberhaupt zur Schau zu tragen, so ist im gegenwärtigen Moment jeder gute Bürger im deutschen Reiche moralisch verpflichtet, sich in Trauer zu hüllen. Darüber lange Betrachtangen anzustellen, ist zweck- loS, wer sich einigermaßen auf die Psychologie der Sitten versteht, tonnte nichts anderes erwarten. Zudem ist gerade die Trauer eine Angelegenheit, bei der ja auch sonst die Konvention eine groß« Rolle spielt. Man sollte nun meinen, daß selbst der Loyalste, selbst der Königstreueste mit dieser Alliemeinheit der mehr oder minder freiwilligen Trauer- b-zeuqungen zufrieden sein könnte. Aber weit gefehlt, eS ist nicht genug, die Trauer zur Mode zu machen, sie soll auch sportsmäßig be- trieben«erden. Wie ein Telegramm meldet, geht man mit dem Plan um, am Tag« der Beisetzung der Leiche von den Arbeitern Ber« l i n« eine„lebendig« Hecke" zu bilden, die von dem Dome im Lustgarten bis zum Mausoleum in Charlotlenburg reichen und ungefähr 180 000 Menschen umfassen soll. Damit sollen die Arbeiter ihren Dank bekunden für die der Jaitiative Kaiser Wilhelms geschuldete„Bersiche- rung gegen Unfall und Krankheit." Wie die Arbeiter Berlins über daS UnsallversicherungS« und daS Krankenkassengesetz denken, ist bekannt, sie haben eS bei unzähligen Ge- legenheiten offen zu erkennen gegeben. Aber davon abgesehen, haben die Arbeiter B-rlinS den Druck des Ausnahmegesetzes in einer Weise zu fühlen gehabt, wie die keiner anderen Stadt— man hat ihnen ihre Vereine aufgelöst, ihnen ihre Kassen zerstört, sie unter die ent- würdigendste Aufsicht gestellt, als wären sie der Abscheu der G sellschatt. Und jetzt sollen sie sich hinstellen und die beglückten Kinder spielen? Wer den Gedanken ausgeheckt, kann sich unmöglich eingebildet haben, daß sie daS freiwillig thun werden. Die Arbeiter haben gezeigt, daß sie den Tod zu achten wissen, und damit konnte man es genug sein lassen. Aber durch allerhand Zwangsmittel sie zu einer Schaustellung presse» wollen, die nur in den berüchtigten Potemkin'schen Dörfern ihr Seiten« stück findet, da? ist ein Unternehmen, das den entschiedenste» Protest herausfordert. Gerade die wirklichen Verehrer deS verstorbenen Kaisers müssen sich gegen ein solch' unwürdiges Spiel auslehne». Eine der ersten Regierungshandlungen Friedrich's III. war die sehr vernünftige Verfügung, daß die offizielle Landestrauer unterbleiben und es jedem Deutschen überlassen werden soll, ob und in welchem Maße er trauern wolle oder nicht. Man sieht auch hier wieder, wie die Knechts« seelen päpstlicher find als der Papst. Wäre der Moment nicht so ernst, so könnten sie sich auf eine Antwort gefaßt machen, die sie sich nicht vor den Spiegel stecken würden. — Schlägst d« meinen Lockspitzel, so schlag ich dich, denkt Herr von Puttkamer nebst Anhang, und so sehen wir denn, daß jetzt in Deutschland eine kräftige Hätz gegen die Schweiz organisirt wird. Das war zu erwarten, und wird die Schweizer um so weniger auS der Fassung bringen, als die Hätz mit einer Plumpheit betrieben wird, die von vornherein jeden anständigen Menschen mit Ekel erfüllen muß. So werden z. B. wegen eines albernen Schimpfliedes, das während des Basler Karnevals das Licht der Welt erblickt haben soll, und vielleicht einen Kollegen deS Herrn Schröder zum Urheber hat, von unserer Reptilpresse die Schweizer in ihrer Gesammtheit als „Kretin?" und„Microkephalen" bezeichnet. Angestchls der Schädel- beschaffenheit des Herrn Puttkamer zeugt der Ausdruck Microkephale, d. h. Klein- und Schmalschädler, übrigens von einer anerkennenewerthe» Kühnheit, welche das Sprichwort: im Hause des Gehenkten darf ma» nicht vom Strick reden, tapfer zu Schanden macht. — Gegenüber dem Vorwurf de? Deutschenhasses, der de» Schweizern von deutschen Reptilen vorgeworfen wird, schreibt ein demo« kratisches Schweizer Blatt, der„Solothurner Volks freund", und die deutschen Reklamepatrioten können sich das zu Herzen nehmen: „Um auch unsere Meinung über den uns Schweizern imputirten Deutschenhaß zu sagen, bemerken wir, daß ein solcher Deutschenhaß schon deßhalb nicht vorhanden sein kann, weil Haß nicht gleichzeitig mit Mit- leid gepaart sein kann. Mitleid aber müssen wir mit dem deutschen Volke deßhalb haben, weil dasselbe Schritt für Schritt einer Reaktto» zum Opfer füllt, wie sie selbst in der ersten Hälft- dieses Jahrhundert? nicht vorhand-fti war. Alle großen Reden großer Staatsmänner, mittelst welcher von Zeit zu Zeit das politisch- und soziale Elend deS Volke? übertüncht wird, können schließlich doch den Zusammenbruch diese? Systems der Reaktion nicht aufhalten. Wenn wir irgendwie einen Haß in uns aufkommen lassen, ist es also durchaus nicht der Haß gegen da? deutsche Volk, sondern der Haß gegen die deutsche Reaktion, welche leider Gottes auch auf unsere Entwicklung«inen größeren Ei» fluß ausübt, als viele sehen können oder wollen. Gegen die deutsche Reaktion aber Front zu machm, so weit sie auch auf unsere Verhältnisse ihren Einfluß ausüben kann, liegt in unserer Psiicht."— Unser Namensvetter, der in Bern erscheinende„Schweizerische Sozial- demokrat", dem wir die Notiz entnehmen, bemerkt dazu: „Die solothurnische„freisinnige Jungmannschaft" ist in dieser echt schweizerisch gedachten Aeußerung ehrenvoll vertreten." — Ei« treffendes Wort über die kapitalistischen AuS- beutungsverschwörungen— Kartelle, Syndikate, wie man dieselben in der alten, Trusts, wie man sie in der„neue» Welt" nennt— finden wir im„Philadelphia Tageblatt". Raster, der Herausgeber der sozialistenfresserischsn„Jllinois StaatS« zeitung", hatte geschrieben: „Wenn diejenigen Menschen, die weder Kapitalisten, noch Handwerks« gesellen sind, bittere Klagen über das Umsichgreifen der sogenannte» „Trusts" führen, d. h. jener Verbindungen von Fabrikanten, Bergwerks« besttzern, Gaszesellschaften, Großkaufleuten K., welche durch freiwilligen Verzicht aus Mitbewerb untereinander die Preise ihrer Maaren zu befestigen, oder zu steigern suchen,— so sind diese Menschen in gutem Recht. Denn sie sind es, die in erster Reihe darunter leiden.— Aber wenn die Zunft A.beiter über diese„Trusts" heulen und zetern, so haben sie kein Recht dazu. Denn sie werden nur an dem gestraft, woran sie gesündigt haben. Sie sind eS, welche zu der Vernichtung de? freien Mitbewerbs durch Verabredung zu gemeinsamem Auftreten dagegen, ja sogar durch rohe Gewaltthaten, das Losungswort ausgegeben habe». Die Zunftgesellen, die Handwerksgenoten mit ihren„Trades Union?" und Ritterorden sind die Lehrmeister der„verruchten Kapitalisten" gewesen, und diese machen ihnen jetzt nur nach, was die Gesellen ihnen vorgemacht haben." Darauf bemerkt unser obengenanntes Bruderorgan sehr richtig: „Raster möge sich gesagt sein lassen, daß höchstens die ignorantesten unter den„Zunstarbeitern" über die Trusts„heulen und zetern"; daß aber die aufgeklärten Arbeiter in denselben lediglich die nothwendtge Borbedingung für die Umwälzung des kapitalistischen Systems erblicken und sie in diesem Sinne willkommen heißen. Ueberdies ist der Vergleich zwischen Union und Trust oberfaul. Wenn die Arbeiter sich verbinden» so geschieht es zu dem Zweck, einen größern Antheil an dem ihnen vorenthaltenen Arbeitsertrag zu bekommen. So viel sie auch dabei erlangen mögen, erhalten sie noch immer nicht den vollen Ertrag ihrer Thätigkeit. Ihre Kombinationen haben also nickt den Zweck, Jemand zu berauben, sondern ihnen zu sichern, was ihnen von Rechtswegen zukommen soll. Bei den kapitalischen„KombineS" ist es aber gerade umgekehrt. Sie gehen darauf aus, einestheils die Arbeiter, anderntheils die Konsumenten zu schöpfen. Das ist der Unter» schied."— Als eine Illustration dazu mögen folgende Zahlen dienen, welche in Bezug auf einen„Trust s" bekannt geworden sind» den die Ofen» gieß«reib est tzer drüben- dieselben Menschenfreunde, die vor Jahresfrist ihre Arbeiter durch einen Lockout aushungerten— behuf« intensiver Ausbeutung des Publikums zu errichten beschlossen haben. Dank demselben wollen sie jährlich sparen: An neuen Modellen........... Doll. 1,000,000 An Katalogen und Drucksachen........ 250,000 An Ausgaben für Reisende......... 1,500,000 Durch Abschaffung von Agenturen....... 250,000 An Frachten.............. 200,000 An schlechten Schulden.......... 100,000 Zusammen per Jahr.......... Doll. 3,300,000 Was aus den Reisenden. Agenten und Modellirkünstlern werden soll, die außer Beschästigung kommen, daS kümmert natürlich die Ofenkönige nicht. — Sin wteressanteS Dokument zurGeschichteder öko- nomischen Entwicklung ist ern vor Kurzem der in Newyork tagenden Untersuchungskommission in Sachen der „Trust?" vorgelegter Kontrakt, welcher im Jahr 1882 unter dm verschiedenen Oel-Kompagnien von Pennsylvani e n, R e w» Jersey und New-Iork abgeschlossen wurde, und nach dessen Be« stimmungen die gegenwärtig da» Oelgeschäft beherrschende„Standard Oil Company" gegründet wurde. „Dieser Kontrakt", schreibt die„New-P orker Volkszeiwng, war that« sächlich der erste bedeutende Schritt auf dem Wege zur Monopolifirung und Abschaffung der„freien Konkurrenz", auf dem wir seitdem so reißend rasch vorwärts getrieben worden sind. „Das betreffende Uebereinkommen wmde von über vierzig einzelnen Kompagnien und über fünsundvierzig Individuen» welche Oel- Quellen eigneten, abgeschlossen, zu dem Zwecke, das ganze Oel-Ge schüft des Landes unter«inen Hut zu bringen, die Konkurrenz der einzelnen Unternehmer unter einander a b z u- schaffen und dadurch die Macht zu gewinnen, die Preise nach Willkür zu bestimmen. „Die einzelnen Bedingungen dieses Uebereinkommen? sind sehr interessant. Die geschäftlich- Selbstständigkeit der verschiedenen Korpora- tionen und Individuen, welche am Trust theilnehmen, wird insofern nicht zerstört, als jeder Einzelne eine, dem Werths seines Geschäites ent- sprechende Anzahl Aktien bekommt und auch in allen inneren Verwaltung?« Angelegenheiten vollständig freie Hand behält. Der von sämmtliche» Theilnehmern erwählte Verwaltungs>Rath, resp. in letzter Instanz die Versammlung sämmtlicher Aktionäre, behält sich nur insofern die oberste Kontrolle vor, alS durch sie die Preise, die Produktion ge» regelt und jedem einzelnen Mitgliede des Trusts sein Antheil am Geschäft bestimmt wird> „Dieser ökonomische Riesenorganismus besteht nun seit sechs Jahren in voller Blüthe und eS ist noch keinem GesellschaftSretter im Traume eingefallen, demselben komr.iunistische Tendenzen vorzuwerfen. Auch HSrt man seitens der einzelnen Glieder desselben keine Klagen über den„DeS- potismus", welchen er über sie ausübt. „Und doch sind in einer solchen Organisation wie die der„Standard Oil Kompagny" alle Prinzipien des manchesterlichen Individualismus und der„freien Konkurrenz" auf's Gröbste verletzt. Die Idee der planmäbigen Produktion, welche, wenn sie die Sozialisten befürworten, als„Utopie" verschrieen wird, ist hier in vollstem Umfange verwirklicht. Mit einem Worte,— in der Erscheinung der Trusts sehen wir heute schon alles das, was in der sozialistischen Lehre von ihren Gegnern als unmöglich oder„freiheitswidrig" beanstandet wird. Der Unterschied ist nur der, daß die Trusts, wie sie gegenwärtig bestehen, nur Denjenigen zu Gute kommen, welche in den betreffenden Jndustrie-Branchen nicht wirklich arbeiten, während die sozialistische Organisation der Produktion Produzenten wie Konsumenten zu den Eigenthümern des Ganzen machen würde." Das Lktztere ist eben gerade daS„Unmoralische" beim Sozialismus. — Folgende beherzlgenötverthe Mahnung geht uns aus München zu: Die letzten Haussuchungen haben ein irgendwie gravirendeS Material nach keiner Richtung hin ergeben. Wo nichts ist, kann eben auch die findigste Polizeinase nichts ausspüren. Zur Darnachachtung für die Genoffen möchten wir bei der Gelegenheit aber doch auf eine Gewohnheit hin- weisen, die ebenso verbreitet als überflüssig und unter Umstän« den sogar gefährlich ist. Wir meinen nämlich das Aufbewahren aller, überflüssig und zwecklos gewordener Drucksachen. So wurden auch hier bei einem Genoffen eine große Maffe von Wahlflugblättern beschlag- nahmt, von denen sich wirklich nicht sagen läßt, zu welchem Zweck sie bis jetzt aufgehoben wurden. Zunächst hat das freilich keine schädliche Wirkung, denn daß die Blätter schreiben, man habe eine Wagenladung verbotener Schriften beschlagnahmt, kann gleichgiltig sein. Für einen späteren Prozeß ist es aber nicht gleichgiltig, wenn in der An« klage darauf hingewiesen werden kann, daß man bei dem Angeklagten ein Lager verbotener Schriften zu der und der Zeit beschlagnahmt habe. ES ist ras immer ein in's Gewicht fallendes Indizium, und wir haben doch wahrlich keine Ursache, in solcher Weise das Material zu unseren Prozeffen selbst zusammen zu schleppen. Ein Wahlflugblatt hat mit der Wahl seinen Zweck erfüllt unds was davon nach der Wahl noch übrig ist, kann getrost in den Ofen wandern. Die ausnahmsweise» Zustände, unter denen wir uns befinde», erfordern eben ausnahmsweise Borstchts- maßregeln. — In unserm zweiten Artikel haben wir der l849 verübten Stand- rechteleicn in Baden gedacht. Hier noch ein Beispiel, wie dabei verfahren wurde. Wir entnehmen es der schon erwähnten Schrift von Bernhard Becker„die Reaktion ic.": „An diesem 13. August wurde als erster Adolf von Trützschler dem neuen Kriegsgericht vorgesührt. Adolf von Trützschler stammte aus einer angesehenen Adelsfamilie Sachsens. Es war ein junger Mann, war als Asseffor im Appellationsgericht in Dresden beschäftigt, als ihn daS obere Voigtland zum Abgeordneten nach Frankfurt wählte. Er faß auf der äußersten Linken und hielt bis aus den letzten Mann im Par- lament aus. Als der badische Aufstand losbrach und die Führer dessel- ben im Namen der Reichsverfaffung auslralen, ging Trützschler nach Baden. Am 19. Mai erließ der badische Landeiausschuß einen Aufruf an das deutsche Volk und einen zweiten an die deutschen Soldaten, in welchem gesagt war, daß die Mitglieder der deutschen Nationalverfamm- lung in Frankfurt, von Trützichler, Raveaux und Erbe, den Schutz des badischen Volkes für die Nationalversammlung gegen die zum Umsturz der Reichsverfaffung verbündeten Mächte verlangt hätten, weshalb Volk und Soldaten aufgefordert würden, sich gegen die Feinde der Reichs- Verfassung, die Feinde der deutschen Freiheit und Einheit, zu erheben. Diese beiden Aufrufe erschienen, als gleichzeitig von dem badischen Landesausschuß und den genannten Mitgliedern des Parlaments erlaffen und von ihnen unterzeichnet, in den öffentlichen Blättern. Wenige Tage später ernannte der Landesausschuß von Trützschler zum Zivilkommiffar der Stadt Mannheim und zum Regierungs- Direktor des Unterrhein- Kreises. Nur in diesen Stellungen hat er an dem badischen Ausstande theilgenommen und— wie ihm widerwillig genug bezeugt werden mußte— mit größter Gewiffenhasttgkeit und nicht zum Schaden des Landes. DaS war die ganze Anklage, welche gegen Trützsch- ler erhoben wurde.— Trützschler wurde auss beste von Küchler vertheidigt. Am Tage des Standgerichts kam von den Pachtgütern Trütz'chler's eine Bittschrift nach Mannheim: Alt und Jung, Männer und Weiber, Knechte und Mägde baten und bettelten für das Leben ihres geliebten, wohlwollenden Herrn. Die Bittschrift wurde augenblicklich durch einen besonderen Eilboten. Bs- dienten der Trützler'schen Familie nach Karlsruhe geschickt. Noch während der Sitzung des Standgerichts brachte der Eilbote zitternd und weinend die Antwort— ein kaltes, unbarmherziges Nein!" — In der letzte« Nummer uusereS New-Aorker Partei» orgauS, der„Sozialist", befindet sich eine interessante Enthüllung über die Entstehung des Programms der„Knights of Labor" Es geht daraus hervor, daß der Gründer des Ordens, der alte Stephens, bei einem Besuche London« mit I. G. E c c a r iu s. dem Verfasser von „Der Kamps des großen und kleinen Kapitals" und EineS Arbeiters Widerlegung der ökonomischen Lehren John Stuart MillS" zusammentraf und von diesem ein Exemplar de?„Kommunistischen Manifest's" erhielt.„Dies Mani- fest"— sagte Stephens—„hatte ich vorher nie gesehen, aber eS drückte ungefähr Alles aus, was ich mir in meinem Kopfe zurechtgelegt hatte und ich benutzte es beim Entwurf der Prinzipienerklärung, welche noch jetzt vom Orden anerkannt und hochgehalten wird." Daraus erklären sich auch die sozialistischen Züge, welche in der Plat« form der„KnightS" erscheinen und die in Folg- de, etwas konfusen Gedanken-Entwicklung von Stephen» eine verschwommene Gestalt ange. nommen haben..„.„ Also da« war de« Pudels Kern", schließt der Verfaffer de« betreffe«. den Artikels,„das kommunistische Manifest war die Grundlage und der Anstoß für die Aufstellung des Programms der Knights of Labor gewesen! Von Tausenden von Knights weiß dies natürlich kaum Einer. und wenn sie eS wüßten, sie würden nicht davon reden, denn der kommunistisch- Name, der Geruch d«S Sozialismus ist ihnen noch immer nicht genehm, und aus dem Ideal des alten Stephens, aus einem sozialistischen Propaganda-Apparat, wie er für die hiesigen Verhältniffe nicht viel bester hätte geschaffen werden können, haben elende Schwäch- linge und selbstsüchtige Streber, die heut- das Andenken de« alten Stephens mit Füßen treten und über seine„Marotten" lachen, eine Maschine gemacht, die weder kampffähig, noch auf die Dauer zur Wider- standsleistung gegen die kapitalistische Räuberbande geeignet ist. Aber trotzdem war das kommunistische Manifest da» Senfkorn, aus welchem der Baum de« weitverzweigten Orden» emporgewachsen ist und wer weiß. waS noch au« ihm GuteS werden kann, wenn nur alle Sozia- listen sich bestreben wollten, innerhalb der Lokal-Affemblee's, denen sie angehören, im Sinne des Manifestes weiterzuwirken." — Ueber einen seltenen Beweis internationaler SolidaritSt lesen wir im Chicagoer„Vorbote": „AuS Havanna, der kubanischen Handelsstadt, ist fol- gendes Schreiben hier eingetroffen, welches beweist, daß das Solidarität»- gefühl unter den Arbeitern aller Nationen, bei den Unterdrückten unter allen Breitengraden, mächtige Fortschritte macht: „An die Familien unserer geliebten Genossen August Spies, Albert ParsonS, Adolf Fischer, Georg Engel und Louis Lingg, sowie an unsere in Joliet eingekerkerten Brüder Michel Schwab, Samuel Fi-lden und OSkar Neebe! Herzlichen Gruß! Wir, die Arbeiter der Insel Euba, glauben, daß Spies, Parsons, Fischer, Engel, Lingg, Schwab, Fielden und R-ebe treue und aufrichtige Freunde des arbeitenden Volkes gewesen sind. Wir glauben, daß fie für die wirthschastliche Befreiung der Arbeiter auf dem ganzen Erdenrund Leben und Freiheit geopfert haben. Wir glauben, daß sie sich nur durch ihre Ehrlichkeit und Fähigkeit den Haß der kapitalistischen Klasse zugezogen haben. Wir glauben, daß die Richter, die Geschworenen und die Belastungszeugen in dem Monstre-Prozeß bloße Werkzeuge der Geld-Aristokratie gewesen sind, und daß die am 11. Nov. 1887 erfolgte Hinrichtung unserer Genoffen der verabscheuungS« würdigste Mord war, der je in irgend einem Theile der zivilifirten Welt begangen worden ist. Aus allen diesen Gründen beschlossen wir, am 11. November 1887 zu Havanna in Mass« versammelt, einen Fond unter dem Volke für die Unterstützung der Familien unserer gemeuchelten und eingekerkerten Genossen aufzubringen, der jetzt auf SSS Doll. angeschwollen ist. zu welcher Summe 4372 Arbeiter beige- steuert haben. Empfangen Sie, zugleich mit dieser Beisteuer, den Aus» druck unseres aufrichtigen Beileids und die Versicherung, daß wir die Namen SpieS, ParsonS, Fischer, Engel, Lingg, Schwab, Fielden und Neebe in die Reihe der uneigennützigsten Märtyrer der Freiheit stellen. Havanna, 20. Januar 1888. Das Unterfiützungs-Komite. Gezeichnet: Ramon Rocha, I. C. C a m p o s. Die eben erwähnte Summe ist vorgestern hier eingetroffen und der Empfang wird hiermit von Herrn Georg Engelhardt, dem zeitweiligen Stellvertreter des Hülfs-Schatzmeisters Frank A. Stauber, bescheinigt." Achtung vor solcher Opferwilligkeit, die um so höher anzunehmen ist, da die Arbeiter der Havanna durchaus nicht auf Rosen gebettet sind. — AuS Norwegen. Bergen, 2. März. Wie der Dampf auch iu der Schiffahrt mehr und mehr„Hände überflüssig macht", zeigt solgende, vor Kurzem publizirte Schiffahrtsstati- st i k für Bergen, welches in der Rh-derei bei unS die Hauptrolle spielt, da beinahe die Hälfte aller Schiffe in Norwegen aus Bergen ent- fallen. Die Summe aller Segelschiffe belief sich 1884 auf 356 mit einer Tragfähigkeit von 47,933 Tonnen, 1887„ 303 ,,„„„ 39,416„ 1888„ 285„„„„ 34,346„ Dagegen betrug die Zahl der Dampfschiffe 1884 128 mit 8358 Pferdekr. und 51,184 Tonnen Tragkraft 1887 144„ 8297*)„„ 55.416„„ 1888 150„ 9507„„ 59,501„„ Wie in der Industrie und dem Rckerbau, so übernimmt auch auf dem Gebiete des Transportwesens die Großproduktion die Herrschaft und nehmen die Produklions mittel, um diele Bezeichnung zu gebrau- che», riesenhafte Dimensionen an. Der Privatbesitz an diesen Produktionsmitteln, der, wie aus dem Verzeichniß der Rhedereifirmen her- vorgeht, sich auch in immer weniger Händen konzentrirt(d. h. die An- zahl der einer Gesellschaft gehörenden Schiffe nimmt in demselben Maß« zu, wie die Anzahl der Gesellschaften abnimmt), dieser privatkapitalistische Betrieb wirft die bisher auf den Segelschiffen beschäftigten Matrosen in den Konkurrenzkampf mit den andern, und die Folg�davon ist natürlich ein Sinken der Löhne. Daß es dem, auf den großen Ostindien- und Amerika-Dampfern be- schäktigten norwegischen Schiffsoolk traurig genug geht, erhellt aus der Masse von Desertionen deffelben aus andere, meist englische Schiffe. Schlechte Kost und miserable Bezahlung im Verein mit hundemäßiger Behandlung zwingen die gepeinigten Proletarier der See, bei erster bester Gelegenheit das Weite zu suchen. Im Gegensatz dazu ist zu konstatiren, daß die Dividenden der Aktien von Dampfschiffgesellschasten ganz beträchtlich gestiegen sind. Es ist dasselbe Phänomen, das sich überall zeigt, wo die privatkapitalistische Produktion herrscht: beständig abwärts gehender Lohn, beständig aufwärt« gehender Kavitalgewinn, den die Hyänen der heutigen Geselllchast unter ffch vertheilen. Und bei alledem ist die Bevölkerung so grauenhaft unwissend und er- geben, daß sie diese in die Augen springenden Mißverhältnisse stoischen Sinne« ignorirt. Zu verwundern ist es freilich nicht, sorgt doch ein rasfinirteS Pfassenthum dafür, daß die— Religion dem Volk erhalten bleibt. Wie lange noch? Dem unermüdlichen Arbeiten der Sozialisten ist es gelungen, in Gestalt eines— wenn auch nur zehnstündigen— Normalarbeitstages und eines Arbeiterschutzgesetzes die ersten Siege über die unbeschränkte Herrschaft deS Ausbeuterthums nach etwa fünfjähriger Agitation zu erringen. Bald wird wohl auch daS allgemeine Stimmrecht, und diesem das direkte Stimmrecht folgen. Viel ist es nicht, aber aller Anfang ist schwer. Man weiß, daß der Bauernschädel, welchem wir hier oben den Sozialismus einzuträufeln haben, von je der herrschenden Klaffe festestes Bollwerk war, und dessen sind sich die Seelensorger und Seelen- länger wohl bewußt. Mit Rücksicht darauf hat denn auch die Kommission, welche mit einer Revision des Schulwesens betraut war, als ersten und obersten Grundsatz eines neuen Schulgesetzentwurfes aufgestellt: der Religionsunterricht loll das Hauptfach bilden! Ja, je: Die radikale Rotte Weiß nichts von einem Gotte. Der sinnliche Rattenhaufen, Er will nur fressen und saufen, Er denkt nicht, während er saust und frißt. Daß unsere Seele unsterblich ist. Im polirischen Treibhause blühen auch recht nette Pflänzchen. Seit dem 17. Februar sind wir schon ohne Regierung, und doch segelt daS Staatsschiff ganz munter weiter. Von dem Ministerium, welches nach dem Grundgesetz au« zwei Ministern(einem norwegischen und einem schwedischen) und sieben Staatsräten bestehen soll, sind drei— liberale — Staatsräthe durch die Manipulationen der— christlichen Zentrums- männer, die der Pfaffe LarSOftedalausStavanger regiert. „atmosphäristrt" worden. Ostedal hat mit seinen Leuten, zu denen auch der Vetter des Staatsministers. Jakob Sverdrup, zählt, mit 1, sage und schreibe: einer Stimme Majorität ein Kirchengesetz durch- gedrückt, welches den Pfaffen ziemlich uneingeschränkte Herrschaft ge. währt. Darüber ärgerten sich natürlich die von dem Zentrum im Bündniß mit den Konservativen„eingewickelten" Liberalen, und sie verlangten, daß Jakob Sverdrup gegangen werde, aber sein Oheim, Johann Sver- drup, Exzellenz, erkannte mit gewohntem diplomatischem Adlerblick die Nothwendigkeit. daß— die Religion dem Volke erhalten bleibe, und so ließ er lieber die drei Liberalen abmarschiren. als daß fein Bruderssohn die 12,000 Kronen jährlich einbüße. Johann Sverdrup wird nun von den Liberalen gehörig zwischen die Scheeren genommen. Sie interpellirten ihn bi» auf— die Knochen, und da gerade in der Jnterpellationszeit daS Jägerkorps sein hundertjähriges Stiftungsfest mit solenner— Soiree, glaube ich, nennt man daS in Hoskreisen, gewöhnliche Leute bezeichnen es einfach mit Kneiperei, feierte, so geschah e«, daß Exzellenz einen ganz gehörigen K-rampf- artigen Gichtanfall bekam, und deshalb in einer abgelesenen Red- um Aussetzung der Beantwortung der Interpellation bat. Sonderbarerweise hat sich biS jetzt nur Einer, ei« Oftedöler, ge. funden, der in'S Ministerium eintreten will: zwei Plätze find noch un- besetzt. Wir leben jetzt also in einer Zeit, wo die Portefeuilles wie saures Bier auSgeboten werden, und Keiner fich findet, der haben will. Unsere„bessere" Gefellschaft macht fich.» A. Rüben. Die Regierung ist grundgesetzmäßig unvollständig zusammengesetzt; da« konnte aber unser Lagthing(der gesetzgebende Theil des Storthings) nicht hindern, den Tabakzoll um 50 O-re(«0 Pfenning) pro Kilogramm zu erhöhen, wodurch dem Staatssäckel angeblich 900,000 Kronen zufallen sollen. Wie viel wirthschastliches Elend aber diese Summe anrichtet, darum kümmert fich da« edle Lagthing den Teufel! Korrespondenzen. Reichenbach t. B. Von Zeit z« Zeit mag auch aus unserem Kreise ein kleiner Bericht gestattet sein. Haben wir auch bis jetzt noch nicht von dem großstädtischen Geheimpolizei- und Lockspitzellhum Schandthate« z» berichten, so müssen wir immerbin auf der Hut sein, da Elemente trauriger Natur sich überall einzunisten suchen. Im Allgemeinen läßt der Parteistand im Kreise zu wünschen übrig, wie eS wohl den meisten, auS einer großen Zahl Orte— hier über 120 — bestehenden Kreisen ergeht. Armuth, geistige Trägheit, vorzüglich aber die wirthschastliche Abhängigkeit lähmen die Aktionsfähigkeit. Umsomehr anerkennen wir die Rührigkeit einzelner Städte im nordwestlichen Theil unseres Kreises, woselbst es lebhaft vorwärts geht. Wem durch die jetzige Vertretung im Reichstag(Kur,) die Augen nicht geöffnet werden, kann überhaupt nicht sehen. Kurz hat ja zur Ver» schärfung auch geredet und gezeigt, daß ihm alle Regierungsmaßnahme» noch zu kurz waren. Dafür ist der Mann-ben auch sächsischer— Richter! Unsere„Patrioten" verhalten sich angesichts der allgemeinen Lage ziemlich ruhig und beschränken sich darauf, ihrer Gewohnheit gemäß durchreisende Fürstlichkeiten am Bahnhof anzuhochen. Daß aber die allerwärtS kranken Majestäten auch daran keinen Gr- fallen mehr finden, zeigte sich am 5. März, Vormittags 9 Uhr, woselbst das sächsische Königspaar, nach dem Süden reisend, hier ankam. Ent- blößten HaupteS standen die getreuen„Partioten" und erwarteten unter. thänigst daS Aussteigen. Von alledem erfolgte nichts, auch nicht ei« Wink oder Blick vom Fenster. Der Zug dampfte ab. Die„Patrioten" bedeckten fich und gingen heim. Ein« so heilsame Douche von solcher Seite wird ihnen zu gönnen sein. Zur Beachtung. AuS Leipzig erhalten wir die Rittheilung, daß die im Bund mit den JnnnngSmeisteru arbeitende Polizei einen neuen Stretch gegen die St-inm-tzg-hilfen geführt und gegen die Mitglieder des aufgelösten Fachvereins einen— GeheimbundSprozeh«i» geleitet hat. Näheres über dieses skandalöse Borgehen zu Gunsten einer ohnehin privilegirten Kaste in nächster Nummer. Für heute nur der dringende Appell an die Arbeiter allerorts, nach Kräften Zuzug von Steinmetzgehilfen«ach Leipzig fernzuhalte«. Löschung. Man ersucht uns, eine LegitimitationSkarte aus den a«». gewiesenen Maurer S. Krüger au» Niederbarnim alS erloschen zu erklären, da dieselbe von dem Genannten verlor«« wurde. Bis zum Widerruf ist jeder dieselbe etwa Präsentirende«SS Schwindler zu behandeln und ihm die Karte abzunehme«. Briefkasten ♦) Die scheinbare Abnahm- erklärt sich auS dem Umstand, daß für 5 Dampfer die-infchlägigen MiUhellungen fehlen. der Redaktion: Briefe und Einsendungen ,c. find eingetrvfse» au» Brüssel, Darmstadt, Dresden, Hannover, Neisfe, Parts, Pegau. Winterthur.— F. L-r. in London:«n- gesandt erst in nächster Rr. Für die Denkschrift erhalten: Einsendungen aus B u r g be Magdeburg, Hannover, 9. hannöverischerWahlkret» Stuttgart. der Expedition: Philo: Fr. 1 85 irrig als„Vorschuß auf Schstlfrg.„dunnemals" vorgemerkt worden und jetzt a Cto Ab. 2. Qu. eingerenkt. Liefern Ausgebliebenes u. nehmen Absolution wie Beil. dkd. entgegen. Gruß!— C. G. Port-AIegre: Fr. 30— Ab. pr. 88 u. Fr. 5— pr. Ufd. dkd. erh. R. T. erscheint nicht mehr.— Fvy: Rk. 1 20 f. Schst. erh. Sdg. abg.— Dtschr. Gesangsclub„Männerchor" Pari«: Fr. 11— Ertrag einer Tellersammlung bei einer Abendunterhaltung pr. UfdL. dkd. erh.— P. Stg.: Mk. 50— a Cto Lb. ic. erh. Adr. n. Bstllg. nottrt. Bfl. mehr.— Alte Garde: Mk. 50— a Cto Ab.»c. erh. Mk. 15— pr. Ggrch. gutgebr. Adr. nottrt. Bfl. Weiteres.— F. F. R.» Utzwl.: Fr. 2- Ab. R. Mär, 1— Mai 31. Fr. 2 10 f. Schst. u. 90 Centimes f. d. Hasencleverfond dkd. erh. Bild später, da erst bestellt werden muß.— G. Sch. Rstl.: Fr. 3 85 Ab. 1. Qu. u. Schst. erh. Fr. I 15 pr. AfdS. dkd. verw.— Maßkrug; Mk. 100— a Cto Ab. h. erh.- H. F. B.: Mk. 6- a Cto Ab. 1. u. 2. Qu. erh.— Rother Holländer: Mk. 3— Ab. 1. Qu. u. Mk. 160 pr. Hasen clever. s o n d dkd. erh. Werden D. benachrichtigen u. Weiteres ftanco besorgen. Gruß.— Rother Exekutor: Mk. 29— a Cto Ab. jc. erh. A. B. soll erst das Alte ordnen. Bfl. Weitere».— Dtschr. Verein Zürich: 47 Fr. f. d. Hasencleverfond dkd. erh.— Bierbauch: Nachr. v. 12. ds. erh. Gut.— Gcts. M.: Mk. 10— a Cto Ab. ic erh. Nr. 20 u. 21 ginge» mit 10; 18(D.) u. 19 müssen bei einander gewesen sein. Bfl. mehr.— Hannibal: Mk. 110— ä Cto Ab. ,c. erh. Adr. geordn. Bstllg. nottrt. — Carl Schwarz: 100 Mk. ä Cto»bon.»c. erh. Näheres lt. Spezialaufstllg. Mk. 25 70 pr. Ggr. gutgebr. u. Adr. ic. notirt.— Ch. Pommer Lim« meira: Rk. 16 84(Fr. 10— Ab. pr. 87 u. Fr. 11 05 f. Schst. v. 3/5. 87) p, Z. erh. Gruß!— u. F. G.: Mk. 400— a Cto. Ab. ic. erh. Bstllg. unterwegs. Mttthlg. f. M. dkd. berichttgt.— Ldkr. C. a. Zt.: Mk. 100— ä Cto Ab. ,c. erh.— Rthr. Apostel: Nachr. v. II. erh. u. am 13/3. beantw. Bstllg. folgt— Nr. 2002: öwfl. 3— ä Cto Ab. »c. erh. Das ist der billigste.— Dt« rothen Calenberger: Bstllg.»nd Beil. v. 12/3. erh. Adr. geordn. Anzeigen. Durch Unterzeichnete ist zu beziehen: Robert Blum. Eine biographische Skizze. Preis: 50 Ct«.(40 Pf.) Diese Schrift gibt eine eingehend« Schilderung der F«br«a»e Revolution in Paris und der Mä r, kämpfe in»e«lt» Wir empfehlen dieselben allen Genossen auf'» Angelegentlichste. Kapital und Kröeit. Eine gedrängte Darstellung der Marx'schen Lehrst von Domela-RieuwenhuiS. Uebersetzt von Carl Derossi. Preis:«0 Pfg.- 75««. Zahlreiche» Bestellungen fleht entgegen: ffxiedittsm des„Hestsldc Mottiscem-Ktxiek.