Avotmemekts Bttlen bei allen schweilerischen > yostbureaux, sowie beim Verlag and dessen bekannten Agenten «igegengenommen. und lwar tum v»«a««»ahlb»«»« Viertels uchrzpreis von: ff». 2,— für dieEchweiz koste» Doppelport». �1«. Briefe an die Redaktion und Srpedition de» in Deutschland und Oesterreich verbotenen.Eotialdemokrat' wolle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lasten. In der Regel schicke man un» die Briefe nicht dlrelt, sondern an die bekannten Deckadresten. Zu tweiselhaften Fällen eingeschrieben. 14. April 1888. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Eine Krisis. Die Blätter sind voll von Berichten und Artikeln über die oKanzlerkrisis", die sich in diesem Augenblick in Deutschland abspielt, und auch wir halten den Gegenstand für interessant und lehrreich genug, ihm eine Reihe von Betrachtungen zu widmen, und unterbrechen daher für diese Nummer die Weiter- führung des vor acht Tagen begonnenen Artikels über Pro- gramm und Aufgaben unseres Blattes. Zwischen dem neuen Kaiser und dem alten Kanzler ist ein Konflikt ausgebrochen— oder besser, der Konflikt ausgebrochen. Denn dieser Konflikt bestand schon lange, er ist nicht das Produkt eines Zufalls, einer momentanen Laune, der Pteinungsverschiedenheit über eine bestimmte Frage, er ist auch nicht oder höchstens nur zu einem sehr geringen Theil das Produkt gegenseitigen persönlichen Hasses, er ist die noth- wendige Konsequenz der Organisation der Regierungsgewalten, des herrschenden politischen Systems in Preußen-Deutschland. . Daß Friedrich III. den„großen" Kanzler nicht liebt, ist eine� alte Geschichte. Derselbe hat ihm und seiner Frau im Sause der Jahre gar viel— Artigkeiten erwiesen, die auch eine weniger empfindliche Natur als die des„liberalen Krön- Prinzen" zu Spaziergängen aus der eigenen Haut veranlassen könnten. Jndcß dergleichen vergißt sich oder wird unterdrückt, wenn die Nothwendigkeit eingesehen wird, mit einander an einem Strange zu ziehen. Diese Nothwendigkeit ist gegeben und wird wohl auch beider- seits eingesehen, nur ist noch ein kleines Aber dabei. Man ist sich noch nicht einig, was das für ein Strang sein soll, ob einer aus reinem uckermärkischem Hanf, Marke Friedrichs- ruh, oder ein mit mehr oder weniger englischer Jute durch- setzter. Gegenwärtig wird nun eine Kraftprobe angestellt— der Stränge nämlich, und-solche Kraftproben nennt man in Deutschland Kanzlerkrisen. Soll überall, wo ER eS für nothwendig hält, Bismarck's Wille den Ausschlag geben, oder soll Friedrich III. sich ge- legentlich erlauben dürfen, ein Wort mit dreinzureden? Das ist die Frage, und zwar die einzige Frage, um welche die „KanzlerkrisiS" sich dreht. Dem deutschen Philister, der sich seit dem 9. März d. I. in schrecklichen Nöthen befindet, weil er nicht weiß, von woher er nunmehr die Parole des Tages zu erwarten, wohin er nach Regen und Sonnenschein auszuschauen, wovor er am inten- sivsten zu bauchrutschen hat, wird sie als die welterschütternde Frage dargestellt: Darf der aus Hessen stammende Ex-Fürst »on Bulgarien die zweite Tochter des deutschen Kaisers hei- rathen? Ein wahrer Leckerbissen für den patriotischen Kannegießer. Bekanntlich erfreute sich Alexander von Battenberg seinerzeit de«_ intensivsten Hasses seines zarischen Namensvetters in Tatschina. Das genügt, um dem Reichsphilister darzulegen, daß die Ehe zwischen ihm und des Kaisers zweiter Tochter den Zorn Väterchens auf das deutsche Reich lenken und so daS- | selbe in Kriegsnöthen stürzen würde. Und derselbe Spießer, der vor kaum acht Wochen ob des Kanzlers Erklärung, daß orül» wenn erst das neue Wehrgesetz bewilligt ist,„wir" Niemand in der Welt zu fürchten haben, hell aufjubelte, bekomint Plötz- lich Beklemmungen und meint kleinlaut:„Wenn die Sache so ««»t- steht, dann wäre es doch besser, der Battenberger kriegte die Kaisertochtcr nicht. Ist ja auch für diese gar keine ebenbürtige ' Partie." Natürlich steht die Sache nicht so. Väterchen ist zwar sehr jähzornig, aber wo der Knüppel beim Hunde liegt, weiß auch n seinen Zorn zu dämpfen. In den Balkanstaaten Unruhen in stiften und einen europäischen Krieg zu führen, ist zweier- Mff", lei. Wäre Rußland zu letzterem im Stande, sof wäre der � Krieg auch ohne Battenberger da; da dies nicht der Fall ist, so würde Väterchen seine Preßkosaken schimpfen lassen, im St»««» Uebrigen aber den kleinen Verdruß zu den anderen legen, die er sich im Laufe seiner an Ehren so armen Regierungsthätigkeit bereits geholt. ! Väterchens Haß muß nur den Wauwau abgeben, in Wahr- heit steht der Heirath deS BattenbergcrS ein ganz anderes Hinderniß entgegen. Die„Engländerin" wünscht sie. Die .Engländerin", das ist Viktoria, Kaiserin von Deutschland. Mit Friedrich HI., der heftig, aber grade deshalb nm so | leichter zu bearbeiten ist, würde Bismarck spielend fertig, aber rcom die„Engländerin" I Das ist eine zähe, obstinate Natur, die sich nicht herumkriegen läßt. Ehe die nicht lahmgelegt ist, ist an eine ungestörte Ausübung der Herrschaft nicht zu denken. > Die„Engländerin" ist die„böte noire" des„eisernen Kanz* tV.| lers", gegen die er seit Jahren einen erbitterten Kampf führt, dezw. führen läßt. Ein wahrer Kulturkampf, bei dem er die ganze uckermärkische, pommerschc, oft- und westkalmückische aristokrätzige„Damen"-Welt auf seiner Seite hat, der gleich ihm eine Frau tödtlich zuwider sein muß, die, anstatt sich pulverisirte Krähenherzen zu bestellen, Helmholtz'sche Vorträge besucht. Gegen die„Unterröcke" im Allgemeinen ist in der Reptilien- presse oft geeifert worden, seit Jahren aber geht der Kampf gegen den englischen„Unterrock" im Speziellen. Ganz un« zweifelhaft entstammt z. B. dem Berliner Preßbureau die vor ca. 3 Jahren im Verlagsmagazin inZürich erschienene Broschüre:„Mitregenten und fremde Hände in Deutschland", in der das deutsche Volk zum Widerstand gegen die Aufsicht durch die englische„Gouvernante" aüfgerufen wird. Herr Schabelitz, dessen Ehrlichkeit keinem Zweifel untersteht, hat sich damit ein schönes Kukuksei in sein demokratische« Nest legen lassen. Wir kommen vielleicht ein andermal auf das sehr charakte- ristische Pamphlet zurück, hier würde es uns zu weit von unserem eigentlichen Thema abführen. Das schlimmste Verbrechen, dessen sich die„Engländerin" schuldig machte, war die Berufung des Dr. Mackenzie nach San Remo. Es ist ein offenes Geheimniß, daß sie es war, der die skandalöse Mackenzie-Hetze des„gebildeten" deutschen Janhagels gegolten hat und»och gilt. Denn noch heute gibt es in Deutschland warmfiihlende Patrioten, welche es Herrn Mackenzie nicht verzeihen können, daß er den kaiserlichen Patienten nicht durch einen kühnen Kehlkopfschnitt von seinen Leiden— geheilt hat. Genug, die„Engländerin" hat einen eigenen Willen, und muß daher unschädlich gemacht werden. Die erste Gelegen- heit, die sich dafür bietet, ist die beste. Und dazu eignet sich das Projekt mit dem Battcnberger vorzüglich. Die auswärtige Politik ist Michels schwache Seite. Auf diesen Köder beißt er immer wieder von Neuem an. Weniger aus Dummheit als aus Dankbarkeit. Hat sie ihn doch„groß" gemacht, ist sie doch das magische Zaubermittel, das alle seine bekannten Fehler als glänzende Tugenden erscheinen läßt. Da wird feiges Ducken zur patriotischen Selbstbeherrschung, der schmäh- lichste Prinzipirnverrath zur staatsmännischen Klugheit. Michels auswärtige Politik aber heißt Bismarck. An der inneren Politik des„eisernen" Kanzlers gefällt ihm ja Manches nicht und hin und wieder ballt er einmal die Faust— in der Tasche natürlich. Gegenüber seiner äußeren Politik ist er eitel Bewunderung. Wer sich dem Willen BiSmarck's widersetzt, hat Michel von vornherein gegen sich. Und da ist es denn ganz natürlich, daß sich Bismarck dieses Terrain auswählt, um seine Widersacher zu schl'gen, sich unbequemer Gegner zu entledigen. Eine Gelegenheit dazu bietet sich immer. Sankt Matiheis Bricht's EiS; Hat er keins, So macht er eins. Und so wurde die Heirath des Battenbergers zum Stein dcö Anstoßes für den— Zaren. Michel aber, der, soweit er bürgerlich dachte, bisher für die bürgerliche Kronprinzessin geschwärmt hatte, erscheint dieselbe jetzt in einem ganz andern Lichte. Sie wird zur Agentin Englands am deutschen Hofe. Denn wer nicht für den Zaren ist, nicht vor dem Zaren kriecht, der ist selbstverständlich ein Agent— Englands. Und die„Krisis" am Berliner Hofe wird zur KrisiS in Michels Herzen. Seine Unterthanentreue kommt in Konflikt mit seinem Patriotismus. Ein schmerzlicher Konflikt, um so schmerz- licher, als man gar nicht mehr weiß, woran man mit der Krankheit Friedrich's III. ist. Ist sie Krebs, ist sie nicht Krebs, ist ein Ende abzusehen oder wird's noch lange dauern? Das ist die große Frage. Und je mehr sich die Wage auf die Seite des Krebses neigt, um so höher schwillt der— Männerstolz vor Königsthronen. Dieser bisher in Deutschland, ach, so seltene Artikel ist über Nacht zur billigen Waare geworden, die fabrikmäßig hergestellt wird. Man kann sie zu wahren Schleuder- preisen haben. Eines der leistungsfähigsten Stapellager ist z. B. in Köln etablirt— zu erfragen in der Redaktion der „Kölnischen Zeitung". Judcß braucht man sich nicht so weit zu bemühen. Die Fabrik ist groß und ihre Verbindungen wohl organisirt. Kein Flecken in Deutschland, wo sie nicht ihre Ablagestätte hätte. Aber Viktoria ist doch nicht Friedrich HI.? Darf es dem um das Wohl des Vaterlandes besorgten Staatsbürger nicht gestattet sein, sich gegen die Einmischung einer Frau in die Politik de« Landes zu erklären? Nein, das darf es nicht, denn das ist �in Eingriff in daS „Recht der freien Entschließung" de« Monarchen. Wenn sich der König von Gottes Gnaden beeinflussen lassen will, so ist daS ausschließlich seine Sache. Ebenso, von wem er sich beeinflussen lassen will. Lassen sich andere von ihren„Freun- binnen", von irgend einem Günstling, von ihrem geschorenen oder gescheitelten Beichtvater„Rathschläge ertheilen", warum nicht dieser einmal abwechslungshalber von der ihm angetrauten Frau? Jeder Versuch, dem König von Preußen und Kaiser von Deutschland in dieser Hinsicht Vorschriften machen zu wollen, ist Rebellion, ist ein„Stoß ins Herz" des monar- chischen Prinzips. Tausendmal ist das unter Wilhelm I. im Reichs- und Landtage vom Regierungstische aus dargelegt, tausendmal mit scharfsinniger Deduktion nachgewiesen wor- den, daß jedes Abweichen von diesem Standpunkt der leibhaf« tige-j-j-f RepublikanismuS sei. Und was damals galt, muß natürlich auch noch für heute gelten. So erleben wir denn das Schauspiel, plötzlich Deutschland' in eine„Pflanzstätte republikanischer Umtriebe", um uns der Polizeisprache zu bedienen, verwandelt zu sehen. ES ist eine gar einflußreiche, hochmächtige Partei, welche diese' Propaganda führt; sie zählt ihre Anhänger in den höchsten Gesellschaftsklassen, hat ihre Agenten in allen Behörden, im Heer und in der Marine, an den Universitäten und auf den Kanzeln. Es sind muthige, energische Kämpen darunter, Leute, die sich z. B. nicht scheuen, in der Residenz des Kaisers Pla« kate anzuheften, die denselben als„König der Juden, genannt Cohn", verhöhnen. Die Partei gebietet über enorme Macht- mittel, eine weithin verbreitete Presse, die stramm der von obeir ertheilten Parole gehorcht. Und sie wühlt, und sie hetzt und sie schürt, wie nur je republikanische Verschwörer geschürt haben. Nach den neuesten Depeschen ist sie schon so weit, ein Plebiszit in Form von Zustimmungsadressen an den Präsi- denten der Re—, pardon, an den Kanzler des deutschen Reiches zu arrangiren. Eine verständliche Warnung an Friedrich III., bei Zeiten nachzugeben, sonst--- AlleS das spielt sich mit einer verblüffenden Deutlichkeit vor den Augen der großen Masse des Volkes ab. Mit der ihm eigenen Rücksichtslosigkeit hat Bismarck den Streitfall natürlich in der ihm genehmen Lesart sofort in die Oeffentlichkeit bringen lassen, nm noch zur rechten Zeit das nach bewährtem Muster erzielte„Urtheil der öffentlichen Memnng" für sich in die Wagschaale werfen zu können. Ein demagogisches Kampf- mittel, über das sich zu entsetzen wir indeß den starren An- hängern des monarchischen Autoritätsprinzips überlassen müssen. Wir können dem ersten Diener des Kaisers nur dankbar dafür sein, daß er es augewendet. Er hat auf diese Weise eine Diskussion eröffnet, die in ihren Folgen nur von höchst wohl- thätiger Wirkung auf das politische Lebeil des deutschen Volkes sein kann. Er hat dafür gesorgt, daß das Volk sich wieder daran gewöhnt, die Vorgänge in den höheren und höchsten Regionen mit kritischem Auge zu betrachten, die Verkehrtheit und Schädlichkeit der gegenwärtigen politischen Einrichtungen in Preußen-Deutschland dem Volk zum Bewußtsein gebracht, und damit eine Krisis angebahnt, von viel weittragender Beden- tung als alle zwischen ihm und Friedrich III., bezw. Viktoria, entstandenen und noch bevorstehenden„Kanzlerkrisen". Die KanzlerkrisiS ist nur erst die Einleitung zu dieser Krisis, aber je länger sie andauert— und sie wird, da Bismarck im Ernst gar nicht an's Abdanken denkt— so lange andauern, als Friedrich III. an der Regierung bleibt— ihr nur um so wirksamer vorarbeiten. Dem deutschen Volk hat eine Aufrüttelung auS der politi- scheil Lethargie, der stumpfsinnigen Resignation, in das es die Jahre der absoluten Kanzlerherrschaft versenkt, dringend Roth gethan. Sie ist jetzt erfolgt, es herrscht wieder Kampfes- atmosphäre in Deutschland. Daß der Kampf sich zunächst nur in der Forin eines Streites zweier Rivalen um die maß- gebende Rolle im Staate abspielt, ist Nebensache. Die Waffen, mit denen er geführt wird, werden ihm bald einen anderen Charakter geben. Bismarck's Waffen sind die eiueS Revolutionärs— die Sozialdemokratie hat keine Ursache, darüber ungehalten zu sein. In Sachen des Internationalen Kongresses. Unter dem Titel:„Erklärung der sozialdemokratischen Föderation Englands in Sachen d«S nach London einberufenen internationalen Gewerkschaft«?»»- grosses" geht unS folgender Aufruf mit der Bitte um Veiöffent« lichung im„Sozialdemokrat" zu: „An die Sozialdemokraten allerLänder. Genossen l Uns« Freunde und Kampfgenossen, die Vertreter der Sozialdemokratie im deutschen Reichstage, haben kürzlich einen Aufrof an dt« Arbeiter aller Länder erlassen, mit Bezug auf den internationalen Gewerkverein»- Kongreß,«elcher kommenden November in London abgehalten werden soll. Das Parliamentary Committee der englischen TradeS-UnivnS hat bekanntlich den Beschluß gefaßt, und zwar aus Grund einer zwanzigjährigen Praxis, auf dem internationalen GewerkvereinS-Kongreß nur diejenigen zuzulassen, welche einen Gewerkverein vertreten; in Folge dieses Be» schlufl-S nun suchen unsere Genossen im deutschen Reichstag die arbeitende«lasse aller Länder zu bestimmen, an dem englischen Kongresse nicht Theil zu nehmen. Wir bedauern, daß unsere deutschen Freunde eS nicht für richtig ge< halten haben» uns zu befragen, bevor sie diesen Aufruf erließen u„d damit die Verantwortung auf sich luden, eine wichtige und viel ver- sprechende Bewegung zu durchkreuzen. Wir sind die kämpfenden Vertreter der Sozialdemokratie Englands, wir haben durch die Gefahren, welchen wir uns auSg-sttzt haben, sowie durch die gebrachten Opfer erwiesen, daß wir uns völlig in den Dienst der Partei stellen, und ist eS zum großen Theil unsern Bemühungen zuzuschreiben, daß die Führer der englischen TradeS-Unions so weit ge» bracht wurden, diesen internationalen GewerkvereinS'Kongreß überhaupt in'S Werk zu sitzen. . Wir hier am Platze, die wir mitten im Kamps sür unsere Partei stehen, sind sicher eher im Stande, zu beurtheilen, welcher Weg am besten im Jnteresis der Partei in England einzuschlagen ist, als irgend eine ausländische Partei, möge sie noch so geschickt und energisch geleitet sein. Wir geben unbedingt zu, daß „das Parliamentary Committee in dieser Angelegenheit eine Haltung beobachtet hat, wie sie einer Arbeiier-Bertrstung, die das wirkliche Interesse der von ihr vertretenen Klaffe im Auge hat, nicht würdig ist." Zur Orientirung unserer deutschen Freunde wollen wir hinzufügen, daß einige Mitglieder des Parliamentary Committee ihr Möglichstes auf« geboten haben, die Abhaltung dieses internationalen Gewerkvereins- Kongresses zu hintertreiben, und daß diese nichts mehr freuen würde, als wenn der Kongreß in's Waffer fiele. Die ReichStagsfraklion der deutschen Sozialdemokratie spielt also unbewußt diesen Verräthern an der Arbeitersache in die Karten, wenn sie die Arbeiter Europa? bestimmt, den Londoner Kongreß nicht zu besuchen. Seit vielen Jahren sind wir angestrengt bemüht, die englischen TradeS'UnionS zum Sozialismus zu bekehren, und wir betrachten den einberusenen Kongreß als die beste Gelegenheit, in der Mitte unserer Gegner unsere Lehre zu verkünden. Wir ersuchen daher unsere Kameraden aller Nationen dringend, die Gewerkvereine ihrer betreffenden Länder zu veranlassen, Vertreter auf den englischen Kongreß zu entsenden. Die englischen Trades-Unions Mitglieder sollen durch das Beispiel der Arbeiter des Kontinents belehrt werden, daß in der Regel die besten Mitglieder der Gewerkvereine auch die hingebendsten Sozialisten sind. Da die sozialdemokratische Federation Englands keine fachliche Gewerk' schaft ist, sondern eine soziale und politische revolutionäre Partei, so kann sie als solche an dem internationalen Trades-Unions Kongreß eben so wenig theilnehmen, wie die Abgeordneten des deutschen Reichstag», welche die politische Partei in Deutschland vertreten. Wir müssen Beide bei Seite treten; aber wir sollten unbedingt Beide alle» aufbieten, was in unfern Kräften steht, um diejenigen zu unterstützen, die auf einem Kampfgebiete, das nicht unser eigenes ist, unsere Sache führen. Es ist höchst wichtig für den Erfolg unserer sozialistischen Propaganda in England, daß die Arbeiter des Kontinents bei dieser Gelegenheit eine imponirende Demonstration darstellen. Am besten geschieht dies durch eine Vertretung, welche durch ihre Zahl und die Verschiedenheit der durch sie vertretenen Länder und Gewerkoereine einen tiefen Eindruck auf die Mitglieder der TradeS-UnionS diese? Landes macht. Die aus- ländischen Vertreter werden durch ein festes, mit dem Ernst, den wissen» schaftliches Denken und tief« Ueberzeugung verleihen, verbundenes Ein- treten für die Lösung der zur Diskussion gestellten Fragen im Sinne des Sozialismus ein großes Erziehungswerk verrichten, sie werden das gegen die Ausländer waltende Vorurtheil beseitigen, welche» bei den englischen Arbeitern durch die unter dem Einflüsse von Kapitalisten stehenden Zeitungen eingeimpft worden ist, und ferner werden sie uns helfen, den uns von gewissen Mitgliedern der Trades-Unions dieses Landes ent« gegengesetzt-n Widerstand zu bewältigen. Wir richten daher an unsere sozialistischen Freunde aller Länder, besonders aber an unsere deutschen Genossen daS Gesuch, unS bei diesem großen Werke zur Seite zu stehen. I« unwürdiger die Führer der englischen TradeS-Unions unser» Freunden im Auslande erscheinen, desto nöthiger ist es, daß diese uns dabei unterstützen, unter den Massen der Mitglieder der Gewerkoereine Englands eine wirkliche Kenntniß der Grundsätze deS Sozialismus zu verbreiten. Mit sozialdemokratischem Gruß! London, l. April 1888. Für den Vorstand der sozialdemokratischen Federation Englands. Der Sekretär: H. W. Lee. Ohne den Entschlüssen der ReichstagSfraktion der deutschen Sozial- demokratie in irgend einer Weise vorgreifen zu wollen, erlauben wir unS, zu dem Vorstehenden folgendes zu bemerken: Unsere Genossen von der Svzialdemokratsschen Federation England» fassen die Frage ausschließlich vom Standpunkt der sozialistischen Agita- tion ihres Landes auf, und von diesem aus begreifen wir ihre Be- schwerde. Run hat aber gerade der Gegenstand, der auf den geplanten Kongressen berathen werden soll, für die Propaganda des SozialiS- mus eine verhältnißmäßig untergeordnete Bedeutung— der gesetz- liche Arbeiterschutz ist keine speziell sozialistische Forderung, so wichtig er sür die Hebung der Arbeiterklasse und damit indirekt für ihre politische Emanzipation auch ist. Der sozial- demokratischen ReichStagsfiaktion. bezw. dem St. Galler Parteitag, kam es nun, soweit wir unterrichtet sind, bei Beschlußfassung über den einzu- berufenden Internationalen Kongreß gerade auf eine große Demonstra- tion des organisirten Proletariats aller Länder und dadurch aus«inen moralischen Druck auf die gesetzgebenden Körperschaften zu Gunsten durchgreifender Arbeiterschutzgesetzgebung an. Daher mußte die Fraktion sich mit aller Energie dem Versuch widersetzen, mittel» rigoroser, nur für bestimmte Länder durchführbarer Zulassangsbestimmun- gen einen Kongreß zustande zu bringen, und ihm eine maßgebende Bedeu- tung zuzuerkennen, der Dank dieser Bestimmungen nur ein Rumpf- kongreß sein kann. Außerdem aber liegt die Gefahr nahe, und zweifelsohne ist bei den leitenden Elementen des parlamentarischen Komites der Gewerkvereine auch dieser Gedanke ausschlaggebend gewesen, daß Dank der so kunstvoll konstruirten Zulassungsbestimmungen die Ver- tretung der kontinentalen Arbeiter keine genügende sein wird, den zur Zeit noch maßgebenden Elementen in den englischen Gewerkvereinen ein energische» Gegengewicht entgegenzusetzen, und so der Kongreß zu einer Demonstration gegen statt für das Postulat der vorgeschriiteneren Arbeiter und damit zur Ermunterung der Ausbeuterparteien aller Länder sich gestaltet. Und das würde sogar noch der Fall sein, wenn die Vorschläge der vorgeschrittenen Arbeiter nur eine verhäUnißmähig geringe Majorität auf sich vereinigten. Dieser Gesichtspunkt ist unseres Erachtens mindesten» ebenso wichtig als der von den englischen Genossen hervorgehobene, und wir gehen wohl nicht fehl mit der Vermuthung, daß er, neben der Entrüstung über die schmähliche Hinwegsetzung des Parlamentarischen Gewerkschastekomite über die elementarsten internationalen Pflichten einer Arbeitervertretung, hauptsächlich den Protest der Reichslagssraktion der deutschen Sozial- demokratie bestimmte. Handelt« es sich nur um ein persönliches Beiseitetreten, so wären unser« Genossen gewiß die ersten, die sich diesen Anforderungen gefügt hätten, aber es handelt sich um wichtige Interessen der Allgemeinheit, und dies« zu wahren, war, so wie wir ihn ausfassen, der Zweck deS Protestes der Reichstagsfraltion. Indem wir das feststellen, wollen wir aber keineswegs einer unbe- dingten Aufrechterhaltung der Aufforderung der Fraktion, den englischen Kongreß nicht zu beschicken, das Wort reden. Im Cegenlheil möchten wir derselben empfehlen, nachdem unsere belgischen Genossen sich im Prinzip sür die Beschickung beider Kongresse entschieden, die englischen Sozialdemokraten den Wunsch nach Beschickung� des englischen Kongresse» so lebhast geäußert haben, die Frage in Wiedererwägung zu ziehen. Gelingt es den Bemühungen unserer belgischen Freunde nicht, noch nachträglich daS Gewerkschastskomite zu Konzessionen zu bewegen, so dürste eS unsere? Erachtens genügen, wenn die Parteivertretung der deutschen Sozialdemokratie ihren Protest gegen die AuS» s ch l i e ß u n g«ine» so großen Theile» der kämpfenden Arbeiterschaft in aller Schärfe aufrecht erhält, im Uebrigen aber, indem sie das Parlamentarische Gewerkschastskomite für alle Folgen feiner engherzigen Haltung verantwortlich macht, die Aufforderung, den englischen Kongreß nicht zu beschicken, zurücknimmt.(Red. d.„S."j „Wir betrachten es nicht alS ein Lob, sondern al» einen berechtigten Vorwurf gegen die Kommune, daß sie vor der Bank von Frankreich, vor den Geldschränken der Rothschild respektvoll Halt machte. Hier, an ihrem Nerv, war die herrschende Kiasse zu packen; wurde hier energisch zugegriffen, so wäre es schwerlich zu dem Maflacre der blutigen Mai- woche gekommen." Wir wollen es dahingestellt sein lassen, ob der Ausdruck„niederträch- tigeS Machwerk", mit dem der preußische Tugendminister die betreffende Nummer unseres BlatteS beehrte, sich speziell auf diesen Satz bezog, jedenfalls schien er ihm vortrefflich geeignet, den guten Reichstagsabge- ordneten da« Gruseln vor unS schändlichen Sozialdemokraten beizubringen. Was soll aus der Welt noch werden, wenn selbst die Rothschild'« schen Geldschränke nicht mehr heilig sind?! Allerdings, wenn zwei dasselbe thun, so ist es nicht dasselbe. Als im Jahr« 1866 die Preußen Frankfurt am Main besetzten, da sollen die Generale Vogel von Falken st ein und von Manteuffel einen äußerst geringen Respekt vor den Geldschränken der Frankfurter Börsenmagnaten an den Tag gelegt haben. Es liegt un» über daS damalige Vorgehen der Preußen ein von dem durchaus nicht kommunistisch gesinnten Karl Heinzen verfaßter und von dem höchst relvektablen Karl Blind im„Deutschen Eidgenossen" reproduzirter Artikel vor, gegen den das Baseler Karnevalsgedicht in der That nur ein Karneval»- scherz ist, und den wir daher— lieber nicht abdrucken wollen. Wir schreiben eben 1 8 8 8, und das demokratische Hauptorgan der Stadt Frankfurt am Main weiteifert mit dem Organ des Ministers von Puttkamer in maßloser Verherrlichung de» Siegers von 1866. Das Joch, das Wilhelm von Preußen der weiland„freien" Stadt auferlegte, hat sich, scheint es, in duftende Rosenketten verwandelt— wenigstens für die Frankfurter„Respektabilität", und die mit dem„kleinen Belagerungs- zustand" bedachte Arbeit' rwelt zählt nicht. Lassen wir e» un» also an derThatsache genügen, daß kaum 5 Jahre vor der Erhebung von Paris das Gottes gnadenthum gezeigt hatle, wie ein kräftiger Druck aus die Geldschränke der hohen Bourgeoisie genügt, um dieselbe sür die weitgehendsten Forderungen breitzuschlagen. Von dieser Lehre in ihrer bediängten Situation keinen Gebrauch gemacht zu haben, das ist alles, was in dem„niederträchtigen Machwerk" der Kommune zum Vorwurf gemacht wurde. Und zwar in Hinblick darauf gemacht wurde, daß wenn die Pariser Kommune nach dieser Richtung hin von ihrer Macht einen verständigen Gebrauch gemacht hätte, großes Blutvergießen vermieden worden wäre. Wie zahm, wie lammsromm sich die„fürchterlichen Mordbrenner"— wie die Bourgeoispresse noch immer die Kommunemitglieder titulirt— der Bank gegenüber benommen, darüber hat Herr Paul Brouffe, jetzt einflußreiches Mitgtied des Gemeinderaths von Paris(er ist zweiter Vor- sitzender der Sanitätskommission desselben) jüngst in der Märznummer des„Proletariats", einen instruktiven Artikel veröffentlicht. „In Paris", schreibt er,„wollte man weit mehr als in Versailles der Bank von Frankreich seinen Respekt bezeugen, und begnügte sich daher, neben den vom Staat ernannten Gouverneur derselben einen von der Kommune gewählten zu setzen. Aus Herrn Rouland wurde Herr B-slay gepfropft. „Und nun kommt das unverzeihliche Vergehen: Min erlaubte der Bank, gegen Paris zu rüste», Versailles beizustehen,— Millionen an Versailles zu verschwenden, während sie mit der Revolution um bescheidene Almosen feilschte. „Am 19. Mär, 1871 wies die Bilanz der Bank folgende Zahlen auf: Baarbestand 213 Millionen; Portefeuille(W-chselbestand) 468 Millionen; Prolongationen 431 Millionen; Vorschüsse auf Werthpapiere 12» Mit- lionen; hinterlegte Barren 7 Millionen; Depositen 309 Millionen; fertige Banknoten, denen nur die Unterschrift des Kassierers fehlte, 800 Millionen. Alles in allem rund drei Milliarde». „Die Kommune konnte die sofortige Regulirung deS Guthabens der Stadt Paris, d. h. 3 Millionen verlangen. Sie konnte ferner provisorisch den ganzen Rest mit Beschlag belegen, und so auf da» Ge- wissen der Bourgeoisie einen Druck ausüben, der Versailles mit größerer Sicherheit als die Kanone» z« einem Vergleich bewogen hätte. Hier war die wirkliche Geisel, deren Sicher- heit der Bourgeoisie mehr am Herzen gelegen wäre, alS das Leben einiger Gendarmen, eines Senators, eine? Erzbijchof» und eine» Dutzend Kapu- ziner. Man begriff eB nicht. „Und doch wurde diese Maßregel der Selbsterhaltung al» so sicher bevorstehend vorausgesehen, daß die Administration der Bank alle Maß- regeln ergriff, um die Gefahr abzuwenden. Sie grub ein Gesetz aus dem Jahre 1732 aus und verlangte auf Grund desselben von der Kommune das Recht, ihre„Grauröcke" zu bewaffnen, sie in Bataillone zu formiren, und ihnen die alleinige Bewachung ihrer Geldschränke zu übertragen. Sie organMrte eine richtige„Bergung": am 23. März reist, buchstäblich vollgepfropft von Banknoten, Herr de la Rogerie nach Versailles; Ende März wandern die Platten nach Lille, und im Mai versteckt man alles in den Krllern und verschüttet die in dieselben führende Treppe. „Jourde, B.Slay, Varlin, die Beauftragten der Kommune, debatttrten lange Stunden hindurch über Kredite von 400,000 Franken. Thier? seinerseits spaßte nicht mit der Bank: er hat 10 Millionen und braucht 200 Millionen. Er entbietet daher Rouland nach Versailles, hält ihn dort zurück und läßt ihn„speien". Während der Dauer der Kommune läßt sich Thiers 2S? Millionen von der Bank geben, Jourde und Beslay nur 16 Millionen. „So bleibt während zweier Monate, kaum bespült von den Wogen, die goldene Jnlel mitten im revolutionären Ozean unbeschädigt. Die Sol- baten der Kommune haben kein Brod, keine Kleider; ihre Frauen, ihre Kinder sind aller Mittel entblößt, aber die goldene Insel bleibt unange- tastet, man darf an dies-s gelobte Land nicht rühren. Man retpektirt es sogar in dem Augenblick, da es in die Dünen der Deportation und in's Exil gehen heißt. Die Kap talisten haben alles gelhan, um die Kommuneleute als die reinen Kanaillen hinzustellen, aber vergeblich. Rein, unsere Freunds waren keine Kanaillen, aber waS für naive Seelen!" So der Führer der französischen„Possibilisten"— deS gemäßigten Flügels der sozialistischen Arbeiterschaft. Und wir haben die gleiche Ansicht auch von Leuten äußern hören, die überhaupt gar keine Sozia- listen sind, die aber eiwas von Kriegsrecht und Kriegsgebrauch verstehen. Und die Kommune befand sich im Kriege mit Versailles, in einem regel- rechten Kriege, und hatte daher da? Recht und die Pflicht, diejenigen Maßregeln zu ergreifen, welche die sicherste Aussicht auf einen günstigen Frieden boten. Und daß die in Versailles vertretene Bourgeoisie ihre „Bank" und ihre Geldschränke nicht so leichtherzig preisgegeben hätte, wie den Erzbischof D a r b o y, wird kein Vernünftiger bezweifeln. Ein energischer Druck auf die Eritere wäre aber nicht nur die wirksamste, sie wäre auch die humanste Maßregel gewesen, die Paris zu seiner Vertheidigung ergreisen konnte. Die Pariser Kommune und die Bank von Frankreich. .In der ReichStagssitzung vom 27. Januar d. I. verlas bekanntlich Herr »on Puttkamer mit dem Auswand höchster sittlicher Entrüstung aus der »ummrr II unsere» Blattes vom Jahre ISSS«.«. folgenden Passus: Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 11. April 1888. — Ueber die Beerdigung Max KayferS schreibt man uns aus VreSlau:„Am I. April(Ostersonntag) trat die traurige Pflicht an uns heran, einen unserer braven Mitkämpfer, der zugleich bei der 87er Reichstagswahl unser Kandidat für den Ostkreis unserer Stadt war, den Genossen Max K a y s-e r zur letzten Ruhestatt zu begleiten. Der Zufall hat es gewollt, daß Kayser an dem Orte, wo er zuletzt Kandidat war, wo er seine nächsten Verwandten hatte, und von dem er in brutalster Weise ausgewiesen wurde, sein kurzes, mühevolles, uneigennütziges Leben auch beschließen sollte. Als die traurige Kunde von KayserS Ableben die Stadt durcheilte, hört« man nur eine Stimme de« Schmerzes von Sei- ten der Genossen, daß ein so eifriger, braver Kämpfer für Recht und Freiheit uns so früh verlassen mußte. Dieselbe Meinung muß wohl allerorts im In- und Auslände geherrscht haben, denn al» die Zeitungen die Nachricht weiter trugen, trafen Beileidstelegramme und Bestellungen auf Ehrenspenden von Rah und Fern ein. Und so gestaltete sich die Beerdigung zu einer wahrhast großartigen Huldigung für den Ver« storbenen. Nach Eintritt de? Todes war die Leiche sofort nach dem Leichenhause des jüdischen Friedhofes übersührt worden, in Folge dessen mußten alle, die an dem Akt der Pietät theilnehmen wollten, sich direkt dorthin be« geben. Zwei Stunden vor der festgesetzten Zeit strömten die Arbeiter mit ihren Familien, trotz des Regens, in Massen hin, so daß die Theil- nehmer zur festgesetzten Stunde nach Tausenden zählten, ohne die Schutz» leute und ihre Vorgesetzten, deren Zahl über hundert betrug. Die Leiche unseres Genossen wurde von der Halle zum Grabe, so weit es anging, von den Genossen getragen, unter Anderen auch von den Genossen Singer und K r S ck e r. Die Masse der Genossen bildete bis zum Grab« Spalier;«in stiller, schmerzlicher Ernst beherrschte die Menge. Nicht weniger alS 26 Lorbeerkränze und Palmzweige wurden auf daS Grab niedergelegt. Dresden allein legte sechs Lorbeerkränze nieder. Die Schleifen waren meist vorsichtshalber aus weiß-m Atlas gefertigt— diejenigen, welche die verpönte rothe Farbe trugen, wurden natürlich sofort konfiszirt. Wer aber glaubte, daß uns die weißen Schleifen un- versehrt bleiben würden, der täuschte sich gewaltig, denn als wir am folgenden Morgen revidiren gingen, fehlten die von der Fraktion und von Kottbus- Spremberg gewidmeten Schleifen ganz und von fünf an« deren waren die Inschriften abgeschnitten. Wer diesen Akt der Grab« schändung begangen, wird sich jeder Leser dieses Blattes selbst sagen können. Unsere Feinde scheuen in ihrem Haß vor dem scheußlichsten Verbrechen nicht zurück. Das Begräbniß selbst verlief trotz der viele« Polizei in bester Ordnung. Unseren Genossen hier am Orte rufe ich nur noch zum Schluß zu: Azitirt und reformirt nach Kräften, so ehrt ihr den Genossen, dem wir die letzte Ehre erwiesen, am nachhaltigste« und würdigsten." Soweit der Bericht. Des Weiteren theilt uns der Schreiber noch mit, daß bei den zur Beerdigung eingetroffenen Genossen aus Berlin und Dresden sofort nach ihrer Ankunft im Gasthause nach— ver« botenen Schriften gehaussucht wurde, natürlich vergebens. Der„Fränkischen Tagespost" entnehmen wir noch folgend« Einzel« heiten: „An gestifteten Kränzen mit Widmung wurden nacheinander nieder» gelegt: Dem Freunde und Heimgegangenen Kollegen. Die Fraktion der sozialdemokratischen Partei deS deutschen Reichstags. Zu früh bist Du von uns geschieden! Seine trauernden Genossen im 8. sächsischen Reichstagswahlkreis«. Dem muthigen Kämpfer für die Arbeitersache. Arbeiterverein DreSden-Reustadt. Seinem theuren Mitglied«! Volksbildunzsverein Dresden. Dem Kämpfer für Recht und Freiheit. Der Tischlerverein zu Dresden. Unserem unvergeßlichen Freunde und Genossen. DaS Personal der Firma Schoenseld und Harnisch, Dresden. Dem wackeren Streiter für Recht und Wahrheit. Redaktion des„Sächs. Wochenblatt". Unserem früheren Kandidaten Max Kayser. Die Genossen des Wahlkreise» Cottbus-Spremberg. Unserem Vorkämpfer reichen in stummem Schmerz die Hand Die Parteigenossen von München. Dem Freunde und Mitkämpfer. Die Parteigenossen von Nürnberg. Ihren: Freunde Die Sozialdemokraten Württemberg». Unserem Parteigenossen und Mitkämpfer. Redaktion und Expedition de»„Sozialdemokrat" in Zürich. Außerdem ließen Kränze niederlegen die Familie Bebel, Plauen bei Dresden, die Arbeiter Berlins(nach einem Bericht der „Berliner VoUstribüne" mit dem Motto übergeben:«Dem Mitkämpfer für Recht und Licht sendet den letzten Sch-id-gniß die Berliner Sozial- demokratie." Red. d.„S.-D.") und die Genossen von Dresden und Umgegend einen ca. 1 Meter im Durchmesser haltenden Loibeerkranz. In der Leichenhalle hatte ein Rabbiner eine einfache, taktvolle An- sprach« an das Trauergesolge gehalten, die in dem Satze gipselte:„Des Menschen Leib ist vergänglich, seine Werke werden fortbestehen." Schwache, am Grabe gemachte Versuche, einige Wort« zu sprechen, wurden polizeilich unterdrückt, und so zog die Menge schweig- sam an dem offenen Grabe vorüber, die üblichen drei Hände voll Erde dem Tobten als Scheidegruß nachsendend. Aber in den Mienen der zahlreich Erschienenen prägte sich Kummer und Trauer auS, sie wußten, daß einem wackeren Streiter für die Arbeitersache und einem begabten Redner nun für immer der Mund geschlossen." — In Max Kahser— so schreibt un« ein alter Genosse an» Deutschland— hat unsere Partei eines ihrer tüchtigsten Miiglieder, einen ihrer besten Parlamentarier und Agitationsredner verloren. Der journalistische Beruf sagte ihm weniger zu. Hälte Kayser länger gelebt und sein« Stimme behalten, so würde er im Reichstag Hervorragendes geleistet haben. Schon jetzt gehörte er zu den besten Rednern, und wa» parlamentarische Schulung, Kenntniß der Geschäftsordnung u. s. w. be- trifft, so wurde er von k-inem Genossen übertroffen. Von einer seltene« Selbstlosigkeit, ging er in der Partei vollständig auf. und hatte den echten Parteiinstinkt oder Parteitakt. Riß ihn sein versöhnliches Naturell, was mitunter vorkam, etwas zu weit rechts, so brachte sein Parteiinstinkt ihn schnell wieder auf den rechten Weg. Und wenn die Partei rief, so fehlt« er nie. Im vorigen Herbst war er schon schwerkrank— kränker als wir Alle. vermutheten. Der Parteitag wurde angesetzt. Er hätte sich entschuldige» können— aber Max Kaiser kam nach St. Gallen, und wie krank er war, das erkannten wir erst damals. Er ist gehetzt worden, wie ein wildes Thier. Das Sozialistengesetze hat ihn„vatertandsloS" gemacht— das„vaterlandslose Gesindel" aber, wie wir mit Stolz uns nennen, hat in seinem Herzen dem todtgehetzten Vorkämpfer«ine Heimat dereitet. Es wird den treuen Genossen nicht vergessen. Und es wird auch die* Lieben nicht vergessen, welche er hinterlassen hat. — Die prentzijchcn Locksp itzel von den S o z i a l d« m o k r a t«» bestochen, das wird jetzt von den preußischen Lockspitzelorganen in alle» Tonarten herunter geleiert. AlS die Herren K r ü g e r und Konsorten sich diesen„Witz" zuerst erlaubten, konnte man allenfalls noch denke«, -S sei die flüchtige Ausgeburt einer besonder» ungünstigen Geistes- stimmung— die ja unter den obwaltenden Verhältnissen nichts Auf» fallendes haben kann. Allein au» dem„Witz" ist wirklicher Ernst geworden— der beste Beweis dafür, daß der deutsche Polizeiwitz nicht über diesen Witz hinauskommen kann. Nun— uns, die wir die Leut« che» so oft an der Arbeit gesehen haben, ist daS nichts Verwunderliches. Ein Schelm, der mehr thut als er kann. Unter den deutschen Polizei- blättern ist es die„« r e u z»« i t u n g", welche sich in erster Linie zur Verbreitung und Verarbettung dieses neuesten Polizeiwitzes hergegeben� hat. Und wie bei dieser Arbeit verfahren wird, das wollen wir an' einem kleinen Beispiele zeigen. Liebknecht erwähnte neulich in einem deutschen Blatt de» psychologisch interessanten Faktum», daß der Lock-. spitzet Haupt sich über die Undankbarkeit der deutschen Sozialdemo» kraten bellaze, denen er doch so hübsch Alle» gestanden. Hieraus macht. nun Herr Krüger in seinem Moniteur Folgendes:„Wie richtig unseres Behauptung war, daß die„Geständnisse" des Polizeiagen» ten Haupt von den Beauftragten de» Herrn Singer erkauft. seien, beweist eine guschrist de» Herrn Liebknecht an daS„Berlin» Volksblatt" aus der Schweiz. Danach soll sich Haupt, der sich gegen» wärtig in Genua befinde,„bitter über die Undankbarkeit der Sozial. demokraten und die Schweizer Behörden beklagen". Also das offen« Zugeständniß eine» der ersten sozialdemokratischen Führer, daß de» Haupt sowohl vondenLeutenvinger's große Versprechun». gen gemacht, al» von dem Polizeihauptman« Fischer völlige Straslosiz, keit zugesichert war, falls er sich in der gewünschten Weis« zu dem heimtückischen Vorstoß der Sozialdemokratie urd der Jntransigenten d» „Agence libre" gegen den Minister v. Puttkamer benutzen lasse. Dach Schweizer BundeSrath durchkreuzte jedoch die Fürsorge für den so werih> vollen Schützling des Herrn Fischer und verfügte dessen Ausweisung aus der Schweiz." Nun— Singer und Liebknecht haben dem Patron, der die klasstsche Notiz verfaßt hat, gebührendermaßen heimgeleuchtet(obgleich das kaum «ölhiz gewesen wäre). Für uns hat die Notiz nur eine symptomatische Bedeutung. Wie gesagt, sie stammt au? erster Quelle, d. h. vom Krüger, der richten Hand des Puttkamer. I�s style o'est rhomme. Der Stil ist der Mensch. Aus diesen paar Zeilen kann sich ein sachkundiger Menschenkenner die ganze deutsche Polizei konstruiren, gerade wie C»vier aus einem einzigen Knochen ein vorweltliches Thier zu konstruiren ver« «achte. »Liebknecht hat offen zugestanden, daß Singer die Spitzel gelauft." Der Krüger hat sie nicht gekaust. Der Puttkamer hat sie nicht gekauft. Der Singer hat sie gekauft. Beweis: der Liebknecht hat es«offen zugestanden". Das Polizeikunststück ist so plump, daß der dümmst- Kartellgimpel die Mache steht. Aber— und dies ist der Punkt, ans den es uns an- kommt— wir haben hier die deutsche Polizeimache vor uns. S o arbeiten die Leute des Herrn Puttkamer. So arbeiten die ckeute, in deren Händen jetzt die thatsächliche Regierung Deutschlands Regt, und welche, ihrer eigenen Behauptung nach, die Weltordnung mit- tmmt der Moral vor dem Ansturm der kulturfeindlichen Umstürzler wahren wollen. An dem einen Beispiel sehen wir die ganze Praxis, das ganze »gen- und Fälschungssystem. In dem vorliegenden Fall ist die Sache freilich nicht schlimm, weil dai Manöver im Licht« der Oeffentlichkeit vor sich geht und die Infamie durch ihre eigene Dummheit aä absuräum geführt wird. Aber nun be- denk- man: die eigentliche Thätigkeit der Polizei— es versteht sich von selbst, daß wir nur die sogenannte„politische Polizei", d. h. daS höhere und niedere, das offizielle und offiziöse Spitzelthum im Auge haben— also die Thätigkeit der Spitzelpolizei, welche jetzt in Deutschland herrscht, ist wesentlich eine geheime, ste scheut dai Tages- licht, sie geht imDunkelnvorsich, ohne jegliche Kon- i r o l e. Und wie sie arbeitet, das haben wir an dem vorstehenden Beispiel Sehen, welches uns, wie man durch einen Glasbienenstock daS Treiben ! Bienen sieht, das Treiben der Polizei genau sehen, ihr gewiffermaßen in» Herz hineinschauen läßt. So lügt die Polizei. So fälscht die Polizei. So zieht die Polizei ihre Schlußfolgerunge». Und nun bedenke man: aus Grund solcher Lügen, Fälschungen und Schlußfolgerungen handelt die Polizei, verhaftet die Polizei, «erfolgt sie, zettelt sie Prozesse an. Die Zeugen, welche sie in den Prozeffen gegen unsere Genoffen auf- «arschiren läßt, sind Kollegen, Handwerksgenossen, Agenten des Individuums, welches die obige Notiz angefertigt und darin seine Ge- schästspraktiken, sowie die seiner Menten und Patrone mit so lobens- «erther Deutlichkeit enthüllt hat. Kurz— so ist die deutsch« Polizei der Puttkamer «nd Krüger. Undror dieser Polizei sollen wir uns demüthig verneigen? Und daß »>r diese Polizei und ihre Praktiken bekämpfen, wird uns als Ver- brechen angerechnet— von„freien Schweizern"?! Nachschrift. Ehe wir uns von der journalistischen Leistung deS Herrn Krüger verabschieden, wüffen wir aber den„heimtückischen Vor- stoß gegen den Minister von Puttkamer" noch in unser Rarttätenkabinet ausnehmen. Der Haupt, der Schröder und andere„Nicht-Gentlemen" wurden von Pultkamer's Krü er dafür bezahlt, ihm Material für das Expatriirungsgesetz zu verschaffen, und zwar um jeden Preis. Der— »alürlich nicht„heimtückffche" Vorstoß des Puttkamer gegen die deutsche Sozialdemokratie ist kläglich mißlungen, die Haupt, Schröder und Kon- sorten sind von der sozialdemokratischen Sicherheitspolizei abgefaßt und »»schädlich gemacht worden, Herr von Puttkamer ist schrecklich„herein- gefallen"— und das nennt der journalistische Spitzel und Spitzel« Journalist der„Kreuzzeitung" einen„heimtückischen Borstoß gegen— Puttkamer". Ach, der Arme I Er hat diesen jammervollen Appell ans Mitleid wahr- haftig verdient. — Von einem altbewährten Parteigenoffen wird uns geschrieben: Die Differenzen, zu welchen die letzten Stadtverordneten- Ersatzwahlen unter den Genossen in Berlin geführt haben, sind nunmehr zu aller Genugthuung in daS Stadium ruhiger Erwägung getreten, und wenn man die Erklärungen liest, welche jetzt von beiden Sellen veröffentlicht werden, so begreift man in der That nicht, warum der ganze Streit ausgebrochen ist. Hätten die Befürworter der Enthal- tung sich von Anfang an klar ausgesprochen: wir wollen uns dies- w a l nicht bethecklgen, weil es uns an geeigneten Kandi- daten fehlt, so würde Niemand etwas auszusetzen gehabt haben— jedenfalls wäre der Vermuthung, es handle sich uui irgend eine„prin- »ipielle" Stellungnah,« gegen das Wählen, von vornherein der Boden entzogen worden. Aus gewissen Redewendungen konnte das allerdings •'schloff.» werden— und obgleich diese Wendungen oder Andeutungen sich nur gegen das Wählen mit beschränktem Wahlrecht und ö e n s u S richteten, so mußten ste doch bei manchem Parteigenoffen, der die Geschichte der Partei und der Parteikämpfe kennt und die un- geheuren Vortheile, welche daS Wählen unserer Sache gebracht hat, p« schätzen weiß, ernsthafte Bedenken erregen. Wo sollte die Grenzlinie des WählenS und Nicht« »ählens sein? B.im Zensus? Ja, aber auch die sächsischen LandtagSwahlen sind Z e n« tu s w a h l e n. Und genau mit demselben Rechte, wie die Wahlen zur ierliner Gemeindevertretung, wäre die Betheiligung der Sozialdemo- traten an den sächsischen Landtagswahlen zu verurtheilen. Und wäre es nicht geradezu ein Selbstmord, wollten wir unsere Position im sächsischen Landtag aufgeben? Also der Zensus bildet keine sichere Grenzlinie. Ebensowenig die Definition: Beschränktes Wahlrecht. Luch das Wahlrecht zum Reichstag ist beschränkt. Die Aus- schließung der Männer vom 21. bis zum 2S. Jahre ist eine arge Beschränkung. Und welcher prinzipiell durchgebildete Sozialdemo- trat will bestreiten, daß die Ausschließung der Frauen vom Stimmrecht eine Beschränkung des Wahlrecht» ist und unseren Prin« »ipien zuwiderläuft? Kurz, wir wären auf der schönsten„schiefen Ebene" und kämen zu- letzt konsequenterweise zum absoluten Nichtwählen, das heißt dahin, wo die Puttkamer, Schröder und Konsorten uns haben wollen. Wer dies erstrebt, ist entweder ein sehr großer Wirrkopf oder »r ist ein Feind unserer Partei, und wenn er hundertmal seine „Begeisterung" für unsere Sache an die große Glocke hängt. Hier gilt daS„prmoipiis obsta!" In den Anfängen muß man «lue falsche Richtung, einen Jrrthum bekämpfen. Man darf den Jrrthum Ach nicht einwurzeln, ihn nicht mächtig und groß werden lassen. Daß das Wählen uns nicht Zweck ist, sondern Mittel— das »ersteht sich von selbst. Und ebenso versteht es sich von selbst, daß wir dieses Mittel zu dem Zweck der Stärkung unserer Partei anzuwenden haben. Ob das Wahlrecht ein beschränkt. 3 ist oder nicht— das ist hierbei «ine untergeordnete Frage. Nur ein haarspaltmder Prinzipienreiter wird da Bedenken haben. Die Frage ist blo»:biet«tda« Wahlrecht un» Aussicht auf praktischen Erfolg— natürlich ohne PreiSgebung des Prinzip», ohne entehrende und schädliche Kompro- «ntffe. Für die Berliner Stadtverordnetenwahl braucht aber die Frage nicht «rst beantwortet zu werden. Sie ist seit Jahren beantwortet. Die Po- t:ion im„rothen Hause" hat der Partei wesentlich genützt. nd auch Diejenigen, welche diesmal für die Enthaltung waren, haben da»> ückhaltlo» zugegeben. Und eine Position, die man hat, gibt man nicht auf—» fei denn, daß zwingende Gründe das Ausgeben gebieten. Und solche zwingende Gründe liegen im gegenwärtigen Falle nicht vor. Sie sind nicht einmal behauptet worden; und die Opposition gegen die Betheiligung an den letzen Berliner G-meindewahlen ist, wie schon an- gedeutet, auf rein zufällige, auf persönliche Motive zurückzuführen. Wir können uns darüber nur freuen, und wäre der Sachverhalt gleich von Anfang an klar zum A iSdruck gekommen, so hätten diese meine heutigen Bemerkungen keinen Sinn. Sie sind geschrieben in der einzigen Absicht, die Wahrheit festzustellen und Mißverständnisse zu beseitigen." So unser Genosse, dessen Standpunkt wir im Wesentlichen nur theilen können. Auf einige von ihm nicht berührte Punkte der Frag« kommen wir gelegentlich noch zurück. — Erwiderung auf den Artikel„Fort mit den Illusionen"! Wir erhalten folgende Zuschrift:„Durch Zufall habe ich erst diesen Monat die Nummer 12 des„Sozialdemokrat", worin der Artikel„Fort mit den Illusionen" abgedruckt war, erhalten. Genosse Dixi hat mich wohl nicht ganz richtig verstanden. Das, was er in seiner Zuschrift ausführt, unterschreibe ich auch, bis aus einige kleine nebensächliche Punkte. Der Grundgedanke, den ich in meinem Brief behandelte, war:«Wie würde bei einem etwa ausbrechenden Kampfe zwischen Negierung und Volk, das jetzige Militärsystem sich bewähren? Ich schrieb: Unter„Vertheidigung des Vaterlandes" kann man Verschiedenes verstehen. Zum Beispiel: Gegen einen Staats« streich, gegen eine Verschwörung von Volksaushun- g« r e r n, kurzum, e» muß nicht immer gegen einen äußern Feind sein." Damit ist wohl ganz bestimmt gesagt, daß ich einen inneren Kampf meinte. Denn, wenn Deutschland von Außen angegriffen wird, wird es wohl kaum einen Genoffen geben, welcher sich der Vertheidigung widersetzen würde. Ein solches Beginnen wäre Wahnwitz, bei welchem die Sache nur Schaden, aber keinen Nutzen zu erwarten hätte. Es wird oft die Ansicht laut: Wenn einmal die Regierunzen oder, was so ziemlich dasselbe ist, die herrschenden Klaffen eine„Revision" d e r Verfassung mit Gewalt und widerrechtlich vornehmen, so haben sie das Militär zur Verfügung des Staatsstreiches, und eS wird den Vertheidigern der Verfassung und des Gesetze» unmöglich sein, die Vertheidigung mit Erfolg zu führen. Um diese irrige Ansicht zu widerlegen, führte ich auS, daß im ge- gebenen Falle das jetzige MilitSisystem gegen daS Volk versagen und zum Borthetl deS arbeitenden Volkes umschlagen dürfte. Dies der Grundgedanke, und diesen wird wohl auch jedenfalls Genosse Dixi richtig find».— Von äußeren Feinden habe ich nicht gesprochen. Bei Beleuchtung der Frage muß ich noch hinzufügen, daß 1848 das Heer der Regierung klein, aber auch die Zahl der geübten Barrikadenkämpfer sehr klein war. Heute ist das Heer der Regierung groß, aber auch die gedrillten und geschulten Volkskämpfer wären in Millionen vorhanden. Uno so wird sich der Fortschritt des Militär- systems wieder durch die gedienten gewaltigen Rejeroemaffen aus- gleichen. Ob der nächste Kampf auf Barrikaden oder in einer an- deren Form stattfindet, lag außerhalb meiner Untersuchung. Es wurden Betrachlungen über die gegenseitigen Kräfte angest-llt und das Ergebniß derselben als durchaus nicht ungünstig für die Arbeiter geschildert. Bis jetzt haben sich die Arbeiter m�Hrem Kampfe gegen Ausbeutung und Unterdrückung meisterhaft gehalten, mögen sie es auch fernerhin thun und sich nicht zu Putschen hinrerß.». lassen, dann wird, dann muß ihnen der Sieg zufallen. Wenn es die Regierenden aber gewaltsam zu einem Zusammenstoß treiben sollte«, so würde das Resultat eines solchen wahrscheinlich ihnen frlbst am verderblichsten sein. Mit sozialdemokratischem Gruß Der„Landwehrmann". - Wahrhaft kläglich ist die Haltung, welche die Deutsch. Freisinnigen gegenüber der von Bismarck eröffneten Hetze gegen Friedrich III. und dessen„Mitregentm" einnehmen. Statt sich darauf zu beschränken, die Jntriquen und Gem-inheiten der Hosklique, sowie die Lügen der reptilisirten Presse:c. bloßzulegen und der verdienten Ver« achtung vreiszugeben, zetern sie darüber, daß Leute es überhaupt wagen, andere Meinungen zu vertreten, al» die Friedrich lll., d. h. sie stellen sich auf denselben hyperloyolen Standvur.il, den die Blsmarck'schen Ossi- ziösen bisher ihnen gegenüber eingenommen, und eifern gegen die Hal- tung, die sie selbst nothgedrungen einnehmen müssen, wenn Wilhelm II. an die Regierung kommt, ja, die sie sehr leicht gegen Friedrich III. noch einzunehmen gezwungen sein können. Gegenüber diesem Gebahr-n sind natürlich die Blsmarck'schen R.ptile vollständig im Recht, wenn sie sich über die„absolutistischen Neigungen" der Fre si inigen lustig machen. Wenn z. B. nationalservlle Zeitungen Friedrich III. verbieten, des Kanzlers auswältige Politik zu durchkreuzen, nachdem derselbe kürz- lich von Reichs- und Landtag so rklatauie Vertrauensvoten erhalten, so fordert diese Berufung auf einen Grundsatz des von eben die'en National- servilen als der wahre Gräuel vor dem Herrn verschrienen parlamen- tarischen Regierungsiystems gewiß den laut. st n Spott herau», und, da es außerdem mißbräuchlich geschi ht, auch scharfe Brandmarkung. Aber mehr auf keinen Fall. Sonst schlägt der Angriff in einen Angriff auf die Rechte der Volksvertretung mw Und gerade das thun die Deutsch Freisinnigen jetzt, und zwar einem Manne zu liebe, der ihnen bis jetzt nur Enttäuschungen bereitet hat. — Etwas zur Naturgeschichte der Polizel-Pfaffe«. Da» Berliner Stöckerorgan schreibt: „Es ist eine überall wiederkehrende Erscheinung, daß jeder sozialdemo- kratische Agitator, sobald er auch nur einmal öffentlich von sich reden gemacht, sofort seine bisherige Arbeit aufgibt und sich von seinen Partei- genossen ernähren läßt. Da erscheint er entweder als Zigarrenhändler, Redakteur oder Kolporteur sozialdemokratischer Preßerzeugnisse, nur eins ist er nicht mehr, nämlich Arbeiter. Hier in Berlin existirt auch nicht ein einziger der bekannt gewordenen Agitatoren, der sich noch mit seiner Hände Arbeit ernährte, sondern bei allen hat sich diese Metamorphose vollzogen, und wir sehen jetzt diese Leute unthätig in ihren Läden und Schanklokalen die Arbeiter zu unnützen Ausgaben verleiten. Die Quelle aller dieser sozialdemokratischen Geschästsunternehmungen aber ist der Name Singer, der sich auf diese Weise eine Truppe gefügiger Werkzeuge schafft, niit deren Hilfe er seine demagogischen Gelüste zu befriedigen weiß. So gibt es für all« jene Hetzer nur ein Streben, die Partei zu ihren persönlichen Geschäft-zwecken auszunutzen, die Befreiung von jeder berufsmäßigen Arbeit und das mühelose Leben eines Zigarrenhändleri oder RestaurateurS. Da nun freilich die Zahl Derer, die nach diesem Preise streben, eine recht große ist, so entwickeln sich inmitten dieser EU» mente oft genug die widerlichsten Kankurreuz'ämpse, in denen der eine „Genosse" dem anderen seine Sinekure zu entreißen sucht. Hierin allein haben alle jene widerwärtigen Zänkereien der Sozialdemokraten unter «inander ihren Grund, und dies ist auch der Boden, aus dem die Kor- ruption groß gezogen wird. Daß ein solches Schmarotzerthum aber leicht dazu kommt, sich, um seine Einnahmen zu erhöhen, auch dem Gegner anzubieten, scheint uns durchaus nicht unbegreiflich. Um so mehr aber ist es an der Zeit, eine derartig verkommene Partei der öffentlichen Verachtung preiszugeben." So schreibt Stöcker, der Eidesheiäger. Allerdings die geeignetste Per- sönlichkeit, um das Zensoramt über die Sozialdemokratie auszuüben. Wir sind ganz zerknirscht. O diese Korruption I Was die Spatzm bisher von den Dächern heruntergepfiffen, betreffend den großen Reptilienfond, aus welchem die Preßkloaken gespeist werden, das Alles war Märchen und Lüge. Nicht der sechszehn Millionen starke Reptilienfond ist «S, der die Korruption im Großen organ sirt— nein, eS ist da» große Portemonnaie Singer'», dem, gleich der Büchs« der Pandora, alle Uebel der Welt entspringen. Nun— der Stöcker hat's gesagt, folglich ist'S wahr. Und doch möchten wir einen bescheidenen Z v.isel äußern. Ent- weder muß der böse Singer nicht der dämonisch« Schlaumeier sein, als den Stöcker ihn durchaus hinstellen will, oder sein Portemonnaie muß doch nicht so ganz unerschöpflich sein. Denn wie wäre eS sonst möglich» daß die Stöcker und Konsorten— gar so schlecht auf ihn zu sprechen sind? Di« Fähigkeit, zu wedeln, verstehen sie doch, trotz dem gelehrigsten Pudel? — Nur»eine„Tendenz". In einem Bericht der Münchener „Allgemeinen Zeitung" vom S. April über die Wochenautstellung de» Münchener Kunstvereins stoßen wir auf folgende Stelle: „M. Gcönvold's Bild„Arbeitsfose" schildert eine grelle Szene aus dem Leben einer Arbeiterfamilie, welche mit ihrer Habe auf einem Karren auswandert; es wirkt wie der Jammerschrei eines Agitators und gehört zu jener Tendenzmalerei, welche die Kunst durch pessimistische Sozial- Politik trübt. In Norwegen sieht man häufig genug Familien, welche mit Kind und Kegel nach Amerika auswandern; doch sind es nicht dürre Gestalten mit blutunterlaufenen Augen und mit hohlen Wangen, wie man sie auf dem Gemälde Grönvold's sieht, sondern kräftige Arbeiter, welche wohlgemuth der Zukunft entgegensehen. Solche Auswanderer liefern einen kunstwürdigen Bildervorwurf. In Deutschland begegnet man kaum einer solchen Auswanderersamilie, wie sie Grönvold darstellt, denn es wird da nureineFormderArbeitschlecht gelohnt: das Hetzen für den Umsturz der Staatsordnung und gegen eine organisch sich entwickelnde humane Gesetzgebung. Um gerecht zu sein, darf man im übrigen dem Gemälde Grönvold'» eine erbarmungslose Kraft im aufreizenden Charakterisiren nicht absprechen." Ein netter Kunstkritiker, der das geschrieben.„Tendenzmalerei, welche die Kunst... trübt". Und die Kaiser-, Bismarck- und Mollkebilder, die Schlachten- und Heiligenbilder, die man heute auf allen deutschen Kunst- ausstellungen dutzendweise antrifft, gehören sie etwa nicht zur„Tendenz- malerer"? Allerdings, aber Tendenz und Tendenz sind zweierlei. Es gibt eine erlaubte Tendenz und eine unerlaubte Tendenz. Tendenz, die dem satten Mäzm seine Arbeit des Berdauens durch beruhigende Zu- stcherungen oder durch Erregung des beseligenden Gefühls platonischer Rührung verschönert, da» ist die gute Tendenz, die läßt man sich gefallen. Aber eine Tendenz, die seine Ruhe— seine theuere, unschätzbare Ruhe stören, in ihm unheimliche Betrachtungen wecken könnte, das ist die häßliche, die schlechte Tendenz, die wird verpönt. Von der albernen Bemerkung, daß eS in Norwegen kein Elend gebe und daß in Deutsch- land nur das„Hetzen", d. h. das Eintreten für die Sache der Unter- drückten und Ausgebeuteten schlecht gelohnt werde— wir„Hetzer" hätten gewiß nichts dagegen, wenn es mit dem„nur" seine Richtigkeit hätte — gar nicht zu reden. Nur ein Jahr— was sagen wir? eine Woche zu Arbeitslöhnen schlesischer Bergleute, sächsischer Weber und Wirker, thüringischer Spielwaarenarbeiter verurtheilt, und der Herr, der sich mit pü zeichnet, wird so sicher zu andern Ansichten über„Tendenzmalerei" kommen, wie er nach VerÜbung obiger Leistung zu irgend einem„Bräu" gewandert ist mit dem Ausruf des echten Jsar-Athener»: Mei' Ruh' will i hob'n! — Tltilv«een»«kulee— da» Nützliche mit dem Ange« nehmen verbinden, ist die höchst« L.bensweiSheit. So lehrten schon die Alten, und Niemand hat das besser kapirt, al» da» kapitalistische Profitbürgerthum unserer Tage. Utile cum dulci— man suche aus allem sein schönes Profitchen herauszuschlagen. Da ist ,. B. der Kaiser Wilhelm gestorben, der„Begründer der deutschen Einheit". Utile— Pflicht jedes guten Deutschen ist es, sich über den Tod eines längst hinfälligen neunzigjährigen Greises so trostlos zu geberden, als hätte ein Elementarereigniß das blühendste, hoffnungsreichste Leben zerstört. Und natürlich überbot man sich in den rührendsten Schmerzensergüffen. Aber das dulce— die Prozentchen— werden dabei in keiner Weis« vergessen. Vor uns liegt die Nummer 11 der zu Berlin erscheinenden„Eisen- Zeitung", Organ des Verein» deutscher Eisengießereien. Sie trägt einen dicken, schwarzen Rand, denn eS ist die erste nach dem Tode des Deutschen Kaisers erschienene Nummer dieses interessanten Blatte». Und statt eines Leitartikels gegen die Begehrlichkeiten der Arbeiter, bringt sie einen gar wunderbaren Artikel über„des Kaisers Andenken". Da heißt es u. A., nachdem alle die großen technischen Fortschritte aufgezählt wor« den, die Kaiser Wilhelm— auch ein Verdienst!— mit erlebt hat, wörtlich: „Aber was ist all' der technische Fortschritt gegen die eine Thatsache, die Begründung des deutschen Reiches, das eigenste Wer? de» deutschen Kaisers und seines großen Kanzlers!" Ein Pfeifenstiel, selbstverständlich. Die riesenhafte Entwicklung der ProdultionS- und Verkehrsmittel bedeutet für die Geschichte der Mensch« heit keinen Pfifferling, gegenüber der Thatsache, daß verschiedene Grenz- pfähle anders angestrichen wurden.„Erst von dem Zeitpunkt an hat der Deutsche als Deutscher fühlen und handeln gelernt." Sehr richiig. Schiller und Göthe, Kant und Fichte fühlten und handelten als Boto- luden.„Er braucht weder mehr seine Waare, noch seine Sprache hinter anderen Völkern zu verbergen", wie das z. B. die armen Bewohner der Vereinigten Staaten von Amerika müssen u. s. w. u. s. w. Mit einem Wort, vor dem glorreichen Jahre 1870 war alles wüste und leer, seit- dem aber herrscht eitel Wonne in den deutschen Landen. Soweit das Nützliche und nun kommt daS Angenehme. Kaiser Wil- Helm hat sich zwar im Herzen jedes Deutschen ein Denkmal gesetzt, das „wahrlich mehr werth ist, wie jedes Denkmal von Erz", aber so»echt viel Denkmäler von— Gußeisen wären auch kein schlechtes Geschäft. „Uns aber", heißt es,„die wir diese Sonne"— näml'ch Wilhelm, den Siegreichen— noch selbst im vollen Glänze geschaut haben, uns ist zugleich die Aufgabe gestellt, unfern Nachkommen die lebhaste Erinne- rung an diese historisch so große Zeit wach zu halten. Wir pflegen in Deutschland den Scdantag zu feiern, wie wäre eS, wenn wir diesen Tag gleichzeitig zu einer großen Feier für unfern verstorbenen Kaiser erweiterten, wenn wir die Jugend vor das Standbild dieses Kaisers führten und sie lehrten, gerade wie dieser Kaiser, Bürgertugend üben, im Frieden durch strenge Pflichterfüllung und im Felde— im Kamps für den vaterländischen Herd— als tapfer« Männer, getreu bis in den Tod.» Srhr schön. Und zu solch' löblichem Beginnen braucht man natürlich vor allen Dingen Standbilder. „Wir sollten denken, es dürfte keine Stadt, groß oder klein, ja kein Dorf bis hinaus in die entlegensten Gebirge ohne ein nationales Denk- mal für Kaiser Wilhelm sein. Hier— und nun kommt die Haupt- fache— hat auch unsere Eisenindustrie ein dankbares Feld, denn sie ist sehr wohl in der Lage, gute Standbilder zu verhält» nißmäßig so geringem Preise zu liefern, daß auch fast das ärmste Dorf sich damit schmücken kann. Es findet sich überall ein Brunnen oder ein anderer passender Platz, wo das Bild des Kaisers eine würdige, weit sichtbare Ausstellung findet. Mögen sich die großen und wohlhabenden Släote theur« Denkmäl-r aus Marmor und Granit bauen, die Uebrigeu finden auch im Erz einen guten Ausdruck ihrer vaterländischen Gesinnung. Wir regen diese Frage hier deßhalb an, damit die Fabrikation sich sobald wie möglich zur Lösung der an sie herantretenden Ausgab« vorbereite, zugleich aber auch, damit diejenigen unserer Leser, welche in den Gemeinden ein Wort mitzureden haben, diesen Gedanken weiter anregen und verfolgen, und die Parole ausgeben: „Keine Stadt, kein Flecken, kein Dorf ohne Stand« „bild des großen Kaisers Wilhelm I." Eine geniale Idee, die es der Mühe lohnt, weiter auszudenken. Wie hübsch wird sich z. B. so ein H a n d lu n g s r« i s e n d e r in„Stand- bilde rn" ausmachen.„Brauchen Sie kein Kaiser Wilhelm Denkmal?" Habe vorzü stich« Muster aus Lager. Reichste Auswahl von Inschriften. Elegant, billig, dauerhaft." Nur Eine» darf nicht vergessen werden:„Wiederverkäufer«rhatte« Rabatt".— Utile cum äulo,-. — Unverständlich und doch verständlich. Unter diesem Motto schreibt die Brllnner„Arbeiterstimme":„Die Gemeinde Enzesseld in Nieder-Oesterreich hatte eine Versammlung einberusen, um über eine Petition gegen den Lichtenstein'schen Schulgesitzentwurf zu be» rathen. Gegen diese Petition stimmte nicht nur der Pfarrer, wag ja auch selbstverständlich war, sondern auch d-r Gutsverwalter des Juden Rothschild. Unter den heutigen Parteiverhältniffen und der Kampfestaktik im politischen Leben hat für Jeden, der eine solche St-llung einnimmt, das alte Sp-üchlein:„Wessen Brod ich esse, dessen Lied ich singe", ziemlich stramme Geltung, also ist anzu- nehmen, daß dieser GutSverwalter im Sinne seines Herrn gestimmt hat. Diese Annahme wird noch dadurch gerechtfertigt, daß ,. B. in Mähiisch- O st r a u ein Arbeiterblatt von chrtstlich-sozialer Fär- bung erscheint, welches die Arbeiter in den M.-Ostrauer Eisenwelken, die ebenfalls dem Haus« Rothschild gehören, abnehmen müssen, indem ihnen der für diese» Blättchen zu zahlende Betrag ganz einfach vom Lohne abgezogen wird. Die Arbeiter verwenden dieses Blättchen allerdings zumeist an dunklen Orten, allein charakteristisch bleibt e» doch, wenn da» Hau» Rothschild durch sein« . Unterzsbenen dafür sorgen läht, daß das christlich- sozial angehauchte Bläitchen seinen Arbeitern aufgezwungen werde. Der jüdische Finanzlöniz als Kolporteur eines Blattes, das die soziale Frage im christlichen Sinne zu lösen versucht, wer würde darüber nicht lachen? Und doch ist die Sache verstünllich, und doch liegt System darin, � und doch ist es keine politische Komödie, sondern wirklich großkapita« ltstischer Ernst. Man darf nur darüber nachdenken." Stimmt. Es gibt eine Anekoote, die einen„bekehrten" Großhändler aus dem Stamme Juda auf die Frage, zu welcher speziellen Religions- gemeinschaft er denn gehöre, antworten läßt: Ich bin ä Christ, auf Details laste ich mir niicht ein.» Der Witz ist nicht schlecht, nur trifft «r nicht den Kern der Sache. Wenn man die Rothschild, die Erlanger, die Bleichröder und gleichzeitig die Thiele-Winkler, die Krause, die Herzog zwingen könnte, zu sagen, zu welcher Religion sie schwören, so würden sie sammt und sonders antworten: Zu der des Großkapitals. Aus Details lassen wir uns nicht ein." Die christlich soziale Agitation aber ist eine Agitation zu Gunsten des Großkapitals, des„jüdischen" wie deS„christlichen".— und das„in Oesterreich wie in Preußen." — Die Spitzel an der Arbeit. Aus Deutschland schreibt man uns: Es liegt in der Natur der eigenthümlichen Verhältnisse, in denen wir uns jetzt befinden, daß die Spitzel(und ich nehme hier das Wort im ausgedehntesten Sinne) jetzt eine fieberhafte Thätigkeit entfalten. Sie fühlen den Boden nicht mehr ganz fest unter ihren Füßen, sie kämpfen um ihre Existenz— und wir wissen ja, eine Spitzelexistenz ist keine schlecht«. Das„rothe Gespenst" muß fürchterlich ausstaifirt, dem neuen Kaiser und andern etwa schwankenden Elementen Angst vor der Sozialdemokratie eingeflößt werden. Und da die böse Sozialdemokratie so boshaft ist, die wohlgemeinten Rathschläge der Lockspitzel nicht zu be» folgen, und weder mit Dynamit noch mit Dolch die„Propaganda der That" treiben will, so find die. in der Kartellpresse, sehr zahlreich vertretenen Spitzel auf's Lüge» angewiesen. Und sie lügen mit wahrer Wollast, mit verzehrendem Elser— ste lüz-n, wie nur Spitzel lügen können, die in Angst sind um die f-tt-n Bissen, mit denen ste auf Kosten des steuerzahlenden Volkes regalirt werden. So wie seit einigen Wochen ist niemals gelogen worden. Niemals so massenhaft. Ein wahrer Wolkenbruch von Lügen.„Die Sozialdemokraten sind zu den Anarchisten übergegangen."„Dem„Berliner Volksblatt" ist es verboten worden, Most anzurufen."„Die Sozialdemokraten h,ben am 18. März in ganz Deutschland Flugblätter vertheilt, welche den neuen Kaiser maßlos besch mpsten"— und so weiter, und so weiter. Freund Puttkamer scheint den nahrhaften Ast, auf welchem er sitzt, wirklich nicht mehr für sicher zu halten. In dieses Kapitel gehören auch die neuesten Massenverhaftungen im Rheinland. Darüber demnächst mehr. — Die„Gentlcmen" klagen, aber sie verklagen nicht. Aus dem Kreise unserer Leser wird uns ein Rundschreiben übersendet, das der in Nr. 3 unseres Blattes gekennzeichnete Robert Conrad in Breslan an die früheren Vertreter und Leser der„Bceslauer Volks- stimme"— dieS der Titel des von ihm herausgegebenen Blattes— ge- richtet hat. In diesem Rundschreiben, das unser Blatt in einer W.use beschimpft, deren ein überzeugter Sozialdemokrat selbst in der größ-en Erregung unfähig wäre, erklärt Herr Conrad, daß er gegenüber dem „Bubenstück", wie es im„Sözialdemokcat" gegen ihn verübt worden, sich genöthigt g sehen hat, sich„hilferufend an daS Gericht zu wenden." Dsss-lbe werde hoffentlich„die Urheber des Bubenstückes zu Nutz und Frommen aller ehrlichen Leute entlarven".„Vor Gericht uno so- mit vor der O-ffentlichkeit wird derBeweis erbracht werden, daß ich daS Opfer elender Schurkerei— nrch bekanntem Breslauer Muster— geworden b i n", heißt eS wörtlich. Und am Schluß versichert Herr Conrad nochmals, er werde „keine Mittel scheuen, Klarheit in die Sache zu bringen." DaS Rundschreiben ist datirt: Breslau, im März 1883, und ist auch im vorigen Monat versendet worden. Heute schreiben wir den 12. April, aber bis zur Stunde, da dies Blatt in die Presse geht, ist nnS von einer Klage deS Herrn Conrad noch nichts zu Ohren ge- kommen. Merkwürdig, höchst merkwürdig! Sollte der Klageschrift inzwischen etwas zugestoßen sein? »et dieser«Selegenheit sei erwähnt, daß wir von der Klage, die der in Nr. 9 unseres Blattes von uns als Polizeiagent gekennzeich. nete Buchdruckereibesitzer Römer in Berlin sofort gegen uns eingeleitet zu haben erklärie, bis zum heutigen Tage ebenfalls absolut nichts weiter vernommen haben. Min sollte fast meinen, die Herren bildeten sich ein, ein« Klage« androhung genüge, sie reinzuwaschen. Da sind sie aber gewaltig aus dem Holzwege. — Literarisches.„Liberias" ist der Titel einer neuen Halbmonatz. schrift, die uns aus B o st o n(Massachusetts) zugeht. Sie wird herausuegeben von Herrn Benjamin Tucker, und ist gewissermaßen eine deutsche Ausgabe der„Liberty" desselben Schriftstellers. Sie vertritt im Gegen- sah zu dem„kommunistischen Anarchismus", wie ihn Mi st, Krapot kin»c. predigen, den unbedingten Anarchismus, wie es sich aus dem Grundsatz der„absoluten Freiheit des Individuums" ergiebt, und hat insofern wenigstens das Verdienst der größeren Konsequenz für sich. Als Probe dieses Anarchismus mag folgende Stelle aus dem,„zur Klarste!- lung" überschriebenen Einleitungsartikel dienen: „Die Richtung der gesellschasllichen Entwicklung deutet auf die Auf« lösung des politischen Staats im ökonomischen Organismus. Der Anarchismus stellt Produktion und Konfumv- tion, Handel und Wandel, Kunst und Wissenschaft, Literatur und Er- ziehung der Privatinitiative anHeim, und überläßt ruhig die Sorge für die immer höhere Entfaltung und Vervollkommnung dieser Dinge dem freien Uebereinkommen der dabei interesstrten Individuen. Er hat die unerschütterliche Ueberzeugung, daß das gemein- same Interesse, welches nicht weggeleugnet werden kann, sondern mit der wachsenden Intelligenz immer offenbarer werden wird, die Menlchen fester aneinander anschließen wird als aller gesetzliche und polizeiliche Zwang. I-aisser-fairg ist sein leitendes Prinzip, aber das bedeutet nicht, um mich der Worte eines neuen Schriftstellers zu bedienen,„wie die Gegner verächtlich hinzuwerfen pflegen, Anarchie im üblen S-nne des Wortes, oder freies Schalten aller bösen Triebe der menschlichen Gesellschaft, sondern die Freiheit ist auch hier geregelt, aber von einem andern Gesetzgeber als dem hinter dem grünen Tisch sitzenden, nämlich von den ewigen und unabänderlichen, im sreiententwick-lten Verkehr sich deutlich offenbarenden Naturgesetzen, denen alle Interessenten bei Strafe der Vernichtung ihre« Wohlergehens sich unterwerfen müssen." „Dieser Entwicklungsprozeß, heißt es dann weiter, werde voraus« sichtlich nicht so friedlich verlaufen, wie es zu wünschen wäre.„Aber so lange unS das Recht der freien Rede unbenommen bleibt, wird sich Liberias mit der energischen Betreibung der geistigen Agitation begnügen, die Anwendung aller Gewaltmittel zwecks Beseitigung der herrschenden Ordnung verwerfen, und sich auf die Macht deS passiven Widerstands verlassen." Die Aufklärungsarbeit auf der einen Seite, und der gesell' schastliche Entwicklungsprozeß aus der andern, verbürgen«die Erreichung des gtstecklen Zieles." Der ersten Nummer lag ein sehr gute» Gruppenbild von über b0 der bekanntesten Kommunekämpfer bei. — I« London(Verlag von William ReeveS, 18S Fleet Street) ist in diesen Tagen eine neue englische Ausgabe deS kommunistische« Manifestes erschienen. Du Uebersetzung rührt von Samuel M o o r e her, der auch den größeren Th-il von Marx'„Kapital" in'S Englische übertragen hat. F r i e d r i ch E n g- l s hat st- in Gemeinschaft mit dem Uebersetzer revidirt und ihr einige Noten sowie eine interessante Vorrede beigegeben, die wir, soweit sie nicht daS in den Vorreden zu den deutschen Ausgaben Gesagte wiederholt, hier folgen lassen. Nachdem er die Entstehungsgeschichte des Manifests, die Rückwirkung der Niederlage der 1848er Revolution auf die proletarische Bewegung und speziell den Kommunistenbund geschildert, fährt Engels fort: „Ali die Arbeiterklasse wieder Kraft genug gewonnen hotte zu einem erneuten Angriff auf du herrschenden Klassen, trat die Internationale Arbeiter-Assoziation in» Leben. Dies- Assoziation, welche mit der be- stimmten Absicht gegründet worden war, daS gesammte kämpfende Pro- letariat von Europa und Amerika in einen Körper zusammenzuschweißen, konnte jedoch die Grundsätze, die im„Manifest" niedergelegt waren, nicht sofort als die ihrigen proklamiren. Die Internationale mußte ein Programm haben, breit g'nug, den englischen Trade» Unionisten, den Proudhonisten in Frankreich, Belgien. Italien und Spanien, sowie den Lassilleanern in Deutschland*) annehmbar zu erscheinen. Marx, der dieses Programm zur Befriedigung aller Betheilizten abfaßte, rechnete mit vollem Vertrauen aus die, aus der gemeinsamen Thätigkeit und gegen« seitizen Diskussion mit Sicherheit zu erwartende geistige Schulung der Arbeiterklasse. Die wechselnden Ergebnisse deS Kampfes gegen das Kapital, die Niederlagen sogar mehr noch als die Siege mußten den Leuten noth« wendigerweise die Unzulänglichkeit ihrer verschiedenen Universalrezepte zum Bewußtsein bringen und einer tieferen Einsicht in die wirklichen Bedingungen der Emanzipation der Arbeiterklasse oen W'g ebnen. Und Marx hatte Recht. Die Internationale ließ bei ihrer Auflösung im Fahre 1874 die Arbeiter als ganz andere Menschen zurück, als st- sie im Jahre 1864 vorgefunden hatte. Der Proudhonismus in Frankreich und der Lassalleanismus in Deutschland waren im Aussterben, und sogar die konservativen englischen Trades-Unionisten, obgleich die Mehrzahl oon ihnen sich seit Langem von der Internationale getrennt hatte, näherten sich allmälig dem Standpunkte, von welchem aus im litzien Jahre iv Swansea ihr Präsident sagen konnte: „Der festländische Sozialismus hat seine Schrecken für uns verloren." In der That: die Lehren deS„Manifestes" hatten sich bei den Ar« heitern aller Länder Bahn gebrochen. Das Manifest trat so wieder in den Vordergrund. Der deutsche Text desselben war seit 1850 zu verschiedenen Malen in der Schweiz, in Eng- land und Amerika veröffentlicht worden. Im Jahre 1872 wurde es in Nevyork ins Englische übersetzt und die Uebersetzung im„Woodhull und Clafins Weekly" veröffentlicht. Nach dieser englischen Uebersetzung wurde ein« französisch.' in dem in Newyork erscheinenden Blatte„Le Socialiste" gemacht. S.-itdem sind mindestens noch zwei mehr oder weniger ver- stümmelte Uebersetzungen in Amerika herausgegeben worden, von denen eine in England nachgedruckt worden ist. Die erste russische Uebersetzung von Bakunin wurde gegen 1863 in Genf in der Druckerei von Herien S „Kolokol" veröffentlicht; eine zweite, von der hsrosschen Vera Sassulitsch, ebenfalls in Genf im Jahre 1832. Eine neue dänische Ausgabe findet sich in der„Sozialvemokratisk Bibliothek", Kopenhagen 1885, eine neuere französische Übersetzung in„Le Socialiste", Paris 1386. Von dieser letzteren wurde ein« llebertraqung ins Spanische angefertigt und 1336 in Midrid veröffentlicht. Die Zahl der deutschen Auflagen läßt sich nicht feststellen, es sind zusam nen mindestens zwölf. Eine armenische Uebersetzung, welch- vor einigen Monaten in Konstantinopel erscheinen sollte, hat das Licht der Welt, wie man mir mittheilt, nicht erbl ckt, weil der Verleger sich fürchtete,«in Buch mit dem Namen Marx zu verlegen, und der Uebersetzer sich weigerte, es ali sein eigenes Werk auszugeben. Von weiteren Uebersetzungen in fremde Sprachen habe ich gehört, habe sie aber nicht zu G-sicht bekommen. So spiegelt die Ge- schichte des Manifestes die Geschichie der modernen Arbeiterbewegung wieder; heute ist dasselbe zweifelsohne das verbreüetste, internationalst- Erzeugmß der sozialistischen Literatur, das von Millionen von Arbeitern, von Sibirien bis Kasifornien aneikannte gemeinsam- Programm. Aber als es verfaßt wurde, durften wir eS nicht ein sozialistisches Manifest nennen. Unter Sozialisten verstand man im Jahre I8i7 einer» seits die Anhänger der vei schieden-n utopistisch-n Systeme: die Owenisten in England, die Fourieristen in Frankreich, die beide bereits aus den Stand bloßer Sekten gesunken waren und nach und nach ausstarben, andererseits die verschiedentlichsten Quacksalber, welche behaupteten, mit allerhand Flickwerk, ohne G-sahr für Kapital und P.ofit, all- möglichen sozialen U-bel beseitigen zu können.— In beiden Fällen Leute, die außeihalb der Arbeiterbewegung standen und mehr die Unterstützung der„gebildeten" Klasse suchten. Wsnn Angehörige der Arbeiterklasse zur Erkenntniß der Unzulänglich keit bloß politischer Revolutionen gelangten und die Nothwendigkeit einer völligen sozialen Umwä zung prokiam rien, so nannten sie sich damals Kommunisten. Es war ein roher, unbeholfener, rein instinktiver Kom- munismus, aber er berührte den Hauptpunkt und war unter der Ar- beiterklasse stark genug, in Frankreich den utopischen Kommunismus Cabet's, in Deutschland den Wutling'S hervorzubringen. So war im Jahre l347 der Sozialismus eine bürgerliche, der Kommunismus«in« proletarische Bewegung. Der Sozialismus war, wenigsten» auf dem Festland,„respektabel", der Kommunismus das gerade Gegentheil. Und da unsere Ueberzeugung von Anfang an die war, daß die„Emanzipation der Arbeiter das Werk der Arbeiterklaffe selbst sein muß", so konnte eS keinem Zweifel unter- liegen, welchen von beiden Namen wir anzunehmen hatten; überdies sind wir auch später weit entfernt geblieben, ihn zurückzuweisen." *) Hiezu macht Engels folgende Note: Lassalle selbst bekannte sich unS gegenüber stets als Schüler von Marx und stand als solcher auf dem Boden des„Manifestes". Aber in seiner öffentlichen Agitation der Jahre 1862-64 ging er nicht über die Forderung von Produktiv» Genossenschaften mit Staatshülse hinaus. — Krimmiischan im März. Mit welcher Verbissenheit unsere Gegner ihre Ziele verfolgen. Mit welcher Raffinirtheit ste dabei zu Werke gehen, und mit welcher Eleginz ste eS verstehen, hinter angeblichem Christenthum die schamloseste Ausbeuterei zu betreiben, ist schon oft hier gekennzeichnet worden. Auch heute sehen wir unS veranlaßt,«inen der« artigen Mann an den Pranger zu stell n und den Arbeitern, welche sich noch unter Militärvereins- oder Schützenflagge bewegen, zu zeigen, wie ihre Oberschreier e» verstehen, ihre Interessen zu wahren. Seit dem Jubiläum des großen Reformators Luther soll unsere Pleißenstadt so bekehrt sein, daß die eine Kirche nicht mehr ausreich«; auch für unfern Oberpsarrer Gretschel ist bei 150 Mari wöchent- lichem Einkommen die ganze Arbeit von ungefähr 3 Stunden unbedingt zu viel, und demgemäß soll durch E-bauunz einer zweiten Kirche die Arbeit getheilt werden. Daß dann noch zwei oder drei solche— Luther« Helden gebraucht werden, davon verlautete vorläufig nichts. Es halten nun, wie im hiesigen Wurstblatt zu lesen, eine große An- zahl Bürger beschlossen, einen Kirchenbauverein zu gründen. Auf deutsch: Eine Anzahl Beamte, Fabrikanten, Rentiers und Konsorten be« schloffen, die nöthigen Gelder für den Kirchenbau herzugeben— bald hätte ich mich verschrieben: zusammenbetteln zu lassen, denn „nehmen ist seliger denn geben". Und so wird bei uns zum Besten der VolkSverdu— stlunz die Bettelei mit allen Mitteln betrieben. Sogar der wegen feines Fleißes berühmte Friedensrichter G l a f e y möchte den Ar« beitern einreden, daß für ein paar erhaltene Ohrfeigen die beste Sühne einig« Mark für den Kirchenbauverein seien. Der Rang als Ober— sammler aber gebührt dem Held unseres Berichts, dem Blech, spulenfabrikant Fr. Wagner, ehemals armer Klempnerzeselle, jetzt Besitzer zweier Fabriken— ein Zeichen, daß bei diesem christlichen Ranne Gotte» Segen sich bis auf den Geldbeutel erstreckt. Wagner ist Obermeister der Klempner-Jnnung, Vertheidiger de» ganzen Ack-rmann'schen Zunftwesen«, des BesähigkeitsnachweiseS u. f. w. In echt christlicher Weise läßt Wagner die„Kmdlein" zu sich kommen, d. h. junge Leute von 14—17 Jahren, die 12—14, ja auch manchmal 16 Stun« den täglich schaffen müssen. Der Lohn beginnt mit S Pfennig per Stunde und endigt mit 12 Pfg., welchen Lohn aber nur diejenigen erhalten, die schon 5—3 Jahre im Fache thätig find. Um die Zunst mitzumachen, hält Wagner auch einige zünftig gelernte Arbeiter. Dies« aber bekommen, wenn die Arbeit schwach geht, vorzugsweise Schicht— die Unzünstigen arbeiten ja auch billiger. Erst kürzlich wieder wurden drei solche zünftige Arbeiter entlassen. Wagner ist Mitglied des Kirchenoorstandes; derselbe besteht vorzüglich aus fleißigen Kirchengängern, welche dann einander selber wählen. Die» selben müssen als Hauptbedingung das dritte Gebot kennen.„Du sollst den Feiertag und jeden Sonntag von früh 6 bis Nachmittags 4—5 Uhr arbeiten lassen"— denkt Wagner. Die jugendlichen Arbeiter haben oft kaum Zeit, sich zu reinigen, ehe sie in die Fortbildungsschule gehen, ja, sogar an den in Sachsen so streng gehaltenen Bußtagen wird gearbeitet. Ob Wagner stets den sogenannten Ablaßzett el für 25 Pfg. holt, etz" auf welche Weise er sonst die Polizei zu ver— i öhnen versteht, mag uns« sonst so strenger Bürgermeister selbst untersuchen, hier sei nur die fr— eimüthige Art gekennzeichnet, die diesem AuSbeut-r es erlaubt, bei Ge- legenheit eine: Lage der grauen Schützen kompagnie, deren Hauptman» er ist, herauszutreten und zu sagen-„Kameraden, die Religion, der Glaube muß das Erste sein, alles Andere findet sich dan» schon!" und den Leuten seine Kirchenbauvereinsliste behufs Beitritt zu präsentiren. Leider aber machten von dieser Ehre nur wenige G brauch und einer hatte sogar den Muth, zu sagen, die Stadt möge lieber erst für genügend gutes Trinkwasser sor gen. Diese schüchterne Aeuß» rung aber wurde schnell niedergedonnert und da Wagner wahrscheinlich in der Wuth einige gelehrte Ausdrücke im Halse stecken geblieben n areitz übernahm der Maler L o n i tz die En tgegnung.„Ich schäme mich, im« solchen unchristlich en Leuten zu sein ic." Der gute Mann trinkt waho- scheinlich nur Himmelswasser Nun, yoffentlich wird ihm später das Glück zu Theil, in der neuen Kirche«in ige Heilande mitmalen zu dürfem aber nicht— um Gotteslohn. Doch aus Wazn er zuiückzukommen. Derselbe ist auch noch Vorstand deS Vereins jün aerer Reichskam— vsiustiger, und deklamirl bei jede« Sedan- oder sonstigen Mordverherrlichunzsfeste große, von dem Butle« Händler Schutte»«faßte Reden. Genug, wi r könnten ganze Seiten dietzis Blattes mit der Schilderung dieses Must erbüiger? ausfüllen, der die Heiligkeit zur Schau trägt und es dabei vor trefflich versteht, seine Schiff« chen in s Trockene zu bringen. Wir wollen aber schließen, und rufen: Arbeiter, die cht uns noch ferne steht, seht, so sehen unsere Gegner au» Betrachtet ste näher, und beherzigt die Lehre, die sie uns geben Die rothe Wacht a n der Zchworze.-' Pleiße. Zur Beachtung, Wer über den jetzigen Aufenthalt de? Kaufmanns«Seorg Ludwig Gtackler aus Naumburg a. d. S.. zuletz! in Hasel, irgendwelche» Busichiuß geben kann, wird dringend ersucht, denselben sofort z» unserer Kenntniß zu bringen. Die Expedition des„Sozialdemokrat." Briefkasten der Expedition(ab 1 April)' Maßkru g: Nachr. v. 31. 3.«rh. Adr. Ueberweisung macht doppelte Arbeit Betr H noch keine Nachricht. Bsi. mehr.— A B C a. E.: Mk 6— Ab 2 Qu erh. Adr. geordnet. Bstllg. folgt.- W. Sch. KlS.: Mk. 3 10 Ab. 2 Qu. n. Schst. erh.- G P P».: Mk. 4 40 Ab. 2 Qu. erh.- Rebus: Mk. 3— Ab. 2. Qu. erh. Adr. geordn.- I. M. S: Mk 6 45 Ab. 2. Qu. u. Schst. erh. Bstll» folgt.— F. H Bil.: 60 Cts. f. Schst. erh. Sdg. fort— Thophilus: Mk. 3 25 Ab. 2. Qu. erh. u. Adr. notirt. Warum nicht durch bekannt» Hand? Da» ist unerläßlich.— Der Alte Bz.: Mk. 4 40 Ab. 2. Qu erh.— Rothbach: Mk. 3— Ab. 2 Qu. erh. C d e n u n z i r I „Biedermänner", die g a r n i ch t s mit der Sache zu thun haben, dat charakterisirt Alles Weitere.— P. W Rgz.: Fr. 3 35 Ab. 2. Qu.» Schst. erh.- F. G Hlbln.: Mk. 4 70 Ab 2. Qu. u. Schst. erh.— F. M Swde.: 40 Pfg. f. Schst. erh.— F. B Wwl.: Fr. 2— Ab.% Qu. u Fr l— pr. Usd. dkd. erh.— Brüssel: Fr. 63 25 ä Cto Ab. i«. erh Adr geordn. Bfl. Weiteres.— Claus G roth: Mk. 12 15 in Ggr. a Cto gutgebt. u. Bstllg. notirt.— Der arme Conrad: Einverstanden. Nota bfl.— W. W. Stsi. K: Mk. 3 10 Ab. 2. Qu. u. Schst. erh. E. C.Lp.: Mk. 5 60 Ab. 2. Qu. u. Schst. erh. Bfl. Weiteres.— F.», W Rma.: Fr. 5- f. Schst. erh. Bstllg. folgt u. Bf.— Grke. A'fihl! Fr 2— Abon. 2. Qu. erh. Adr. geordn.— Weltkind: öwfl. 3— Ab. 2. Qu. u. Schst. erh. Bstllg. abg.— E. St. Lzu.: Mk. 3— Ab 2. O» erh. Adr. geordn.— St. Roman: Mk. 35 20 Ab. 2. Qu. erh. Weiteres in Nr. 15 guittirt. Referenz dkd. notirt u. serner erwartet.— Lionel! Mk. 600— a Cto Ab. w. erh. Bfl. Weiteres.— F. K. Prsgrund: Fr. 3 51 Ab. 2. Qu. ic. erh. Haben Sie also pr. 3. Qu. Fr. 1— gut.— Spitzberg: Mk. 1 2— Ab. 2. Qu. erh. Adr. geordn.— Ag. Lbr. Pari» Fr. 2 50 Ab. 2 Qu.-rh.— C. A. L. L. b H.: Mk. 1 so f. Schst. u. „Iubiläumsmaterial"-rh. Ihre Wünsche können in der Nachbarschaft ebenso rasch befriedigt werden.— Rolher Lulu: Mk. 46 80 a Cto Ab. ic. erh.— Rothe Fahne: Mk. 51 30 a Cto Ab.»c erh— Rothe« Hans; Mk. 120— ä Cto Ab.»c. erh. Bstllg. folgt nach Wunsch.— O. P. Rhsn.: Mk. 3 20 Ab. 2. Qu. erh. Gewünschtes folgt.— L. N. Chbr.! Fr— 75 für dio. Nr. v. S. erh.— Wbl. Hflgr Zch.: Fr.>2— 2 Ab. pr. 2—4 Qu.-rh.— Lp. Ftn.: Fr. 2- Ab lll ,3» Qu. erh.- H F i B.: Mk. 4 40 Ab. 2. Qu. erh. Mk. 3 60 u. Mk. 2 95 Ueberschuß v. 1. Qu. d. Usd. dkd. zugew. Adr. geordn.— A R. Bzu.: Mk. 3 � Ab. 2. Qu. erh. Wir kennen Niemanden dort.— Ch. Sp. Zch.; 2 Fr. Ab. 2. Qu.«rh.— B. M Z.: Fr. 4— Abon. 2. Qu. erh.— Triller: Mk. 22 05 a Cto Ab.>c erh Bstllg. u. Adr. notirt. Bfl. mehr.— Veilchenstein: Nachr. o. 4. u. 5. erh. Alles beachtet.— Rothe Schwefel« bände: Adr. u. Bstllg. notirt. Zhlg. pr. Asds erw.— VeritaS: Mit uneingelösten Versprechungen können wir nicht wirthschaften. Sperre um vermeidlich. wenn nicht Wort gehalten wird. Adr. Fp. notirt.— Ar. 631 U a. D.: Mk. 5— Ab. 2. Qu. u. Schst. erh. Sdg. abg.- Rr. 7641 N.: Mk. 5 65& Cto Ab. erh. Ihnen gut pr. 3. Qu. Mk. 1 2». - C. P. Vvs.: Fr. 2 50 Ab. 2. Qu. erh.— A. H. Z.: Fr. 2 70 JO. 2 Qu. erh.— L. L. B.: Mk. 4 50 Ab. 2. Qu erh. u. Mk. 1 50 p» Ufdi. dkd. verw.— D. K. Bmst.: Mk. 3— Ab. 2. Qu. erh.— Saue» länder: Mk. 17— Ab. 2. Qu. erh. u. Adr»c. nottfiztrt.— C. B. L.l Mk. 3— Ab. 2, Qu.«rh. Sppl. Sch. L. später.— Lindwurm; 10 öwst» i Cto Ab. ,c. erh.„N. Z." ab 1884(incl.) broschirt zu haben. Erste« Jahrg. vergriffen. Rooa» stets annoncirt.— Tschech: Mk. 4— ä EU Ab. 2. Qu. erh. So billig geht'S nicht. Macht Mk. 6—.— Pk. Dd.! Mk. 4 40 Ab. 2. Qu. pr. Sch. erh.— Swld Mt reux: Fr. 2— Ab. 2. Qu. erh.— M. u. Z. Zch.: Fr. 7 50 Ab. 2. Qu erh.- A. Pt.«phon.i Fr. 2 50 Ab. 2. Qu. erh.- I. G. Kbg.: Mk. 4 80 Ab.-Rest I. Qu. u. Ab. 2. Qu.«rh. Mk. 3 80 f. d. Hasencleversond dkd. zugew.— Blanci Mk. 1— f. Schst. erb. Adr. notirt. Personalien v. K. erwünscht. Sdg- 6/4. abg.- C. Sch. H. a R.: Mk. 4 40 Ab. 2. Qu. erh. Nachlsg. fort. — Moritz: Mk. I 25 f. Schst. erh. Weiteres erwarten.— Distelfink: Adr. K. gelöscht. Alles fort. Liegt an Zwischenhand, vielleicht Einzelne« auch an Ihren Dickadressaten.— I. S. N.: Mk. 2 60 Porto pr. 2. Qu. »rh-— 7/9. N.: Mk. 10— ä Cto Ab. rc. usancenmäßig erb. u. grüßend angebracht.- Nachflgr.: Mk. 5— i Cto Ab. 2. Qu. jc. erh. Beil. dkd. d. Rebaktion auSgesolgt.— P. B. Hdf.: Mk. 6—«b. 2. Qu.«rh.— RomanuS D.: Mk. id—«b. 2. Qu. u. Schst.«rh. Adr. geordn. und Bstllg. notirt.— Donneriberg: Mk. 100— t Cto Ab.»c.«rh. Ad». notirt.— Clara: Mk. 4 40 Ab. 2. Qu. erh. Adr. u. Bstllg. notirt.— Spreequelle: Mk. 15 40 Ab. 2. Qu. u. Schft. erh. Adr. notirt.«I. mehr.— Der Gequälte: Mk. 15— a Cto Ab. ,c. erh. Bstllg. folgt.— Lodernde Flamm«: Mk. 1 80 Ab. 2. Qu. u. Mk. 2— pr.»sd. dkd. erb. - Hnslr.: Fr. 1ö-»b. 2. Qu. erh. Anzeigen. Jentratniedertaae sozialistischer Schriften in Amerika OUlale der» Volksbuchhandlung in Hottingenz empfiehlt sich den Genossen in dm Bereinigten Staaten zum Bezug aller sozialistischen Literatnr. GS«ird zu denselbm Bedingungen geliefert wie von der Schweiz«Uk Ran schreibe für Kataloge an: X, Höhne, New York, 184 William StTOQl oar« of„New- York Yolkaivuuuzf'* Korrespondenzen.