ibe« zwe >an z«n> ini« da mal est« voi igen mr? Iii. bni sla« •in« ii4'i möff ietj« cht« »tW nd« swij Znze lesa Wil > d« Leid ein« un» «-i» sch« UN ünicl lere« r ,« liste« irfe«. Shr« ienfd !lner ützeii !jagt drui aut« de« Zrad Srd» e l. AHoitttemettts werde» d,i allin schwel,«Ische» Pastdureaux. sowie beim Verlag «id dessen belannten Agenten entgegengenommen, und jwar zum »««au»»ahldareu VierteljahrSPreiZ von: ist. S,— für dieSchweizllireuzdand) W. 8,— sgr Deutschland sCouvert) ?. l,?0 sir Oest«reich(Couvert) Ur. 2,50 sgr alle übrigen Linder dei weltpoflvnein»(Kreuzband) Zuserate die dreigespaltene Petit, eil« 25 815.= 20 Psg. Der oiialöciiiolirat Hrgan der Sozialdemokratie deutscher Junge. Erscheint «Legeutli««sUAal i» Zilrich(Schweiz). 3Ä d«. 0«l<«»uchyau»,«utz Satt luge«. Zürich. Kostsendsiltt» sranka gegen srank». Gewöhnliche Briese «ach t« Schwei, löste» Doppelporto. •M 19» Briefe an die Redaktion und ikrpeditio» de» in Deutschland und veslerreich verbotenen.Sozialdemokrat'«oll« man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lasten. In der Regel schite man un» die Briefe nicht direkt, sonoeru an die bekannte» Titadressen. In jwelselhastin Fällen«Ingeschiiebe». 5. Mai l883. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! ster tich «de« r uni r ist . erht 4 40 :&■ hwiil )un{( 5. 8 ;. ech . un» dr. jc- 89 51 i unl gul » Ab Ib. 3 o As ngetr rh. � lhpia (gleit . QU !. OU> a Iii' 22/4 Bf.» BiU »l«» Se» ren s> ctete». 2t]*1 Eine Antwort. Folgendes ist der Wortlaut der von unseren ausgewiesenen Genossen erlassenen Erklärung, deren wir bereits in voriger Nummer Erwähnung gethan: „An a?e Areunde der Areiheit und des Yechts in der Schweiz! Der Schweizerische Bundesrath hat uns aus dem Gebiet der Eidgenossenschaft verwiesen, unter der Beschuldigung, daß wir durch Herausgabe und Mitwirkung an der Herstellung des„Sozialdemokrat", und Zwei von uns außerdem durch Mitwirkung an der Herstellung des einmal— und zwar vor über Jahresfrist— erschienenen„Rothen Teufels" die , schweizerische Gastfreundschaft mißbraucht" haben. Dieser Vorwurf nöthigt uns zu einer Antwort. Nicht in unserem persönlichen Interesse— denn wir geben uns in keiner Weise der Illusion hin, daß diese Antwort eine Ab- änderung der verfiigten Maßregelung zur Folge haben wird—, wohl aber im Interesse der Sache, die in uns getroffen ist, im Interesse der Freiheit und des Rechts. Alles, was uns in den Motiven, durch welche der Bundes- rath unsere Ausweisung vor dem Schweizervolk rechtfertigen Zu können glaubt, zur Last gelegt wird, sind Bergehen, die sich auf dem Gebiete der Meinungsäußerung durch die Presse bewegen, d. h. auf einem Gebiete, für welches die eidgenössische Verfassung volle Freiheit gewährleistet. Es ist uns nicht eine einzige Handlung nachgewiesen worden, und es konnte uns nicht eine einzige Handlung nach- �wiesen werden, die sich als ein Verstoß gLgeg das gemeine Recht qnalifizirte, weder Borbereitnng noch Aufforderung, noch auch nur Ermunterung zu gewaltthätigen, beziehungsweise hochverrätherischen Unternehmungen. Worauf der Bundesrath seine Maßregel begründet, das ist einzig und allein die„aufreizende Polemik gegen Einrichtungen und Behörden des deutschen Reiches", die der„Sozialdemokrat" unterhalten habe. Diese sei geeignet, die guten Beziehungen der Schweiz zu einem befreundeten Staate zu gefährden. Das ist eine durchaus neue Auffassung von der interna- tionalen Verantwortlichkeit der Staaten. Bisher pflegten die Regierungen einander nur für die Schreibweise derjenigen Blätter verantwortlich zu machen, auf deren Haltung die ein- Zelnen unter ihnen maßgebenden Einfluß ausübten, d. h. der amtlichen oder in notorischer Beziehung zu den Regierungen stehenden(sog. offiziösen) Presse. Nun soll diese Verantwort- "cbkeit auch ausgedehnt werden auf die Presse im Allge- Weinen. Freilich trifft heute die Maßregelung nur„Aus- 'ander". Aber die Schweizerische Verfassung macht in Bezug Wst die Presse keinen Unterschied zwischen Landesangehörigen Und Ausländern, sie gewährleistet sie den Einen so gut wie dr» Andern, wie dies auch dem Geist dieser Verfassung und den Niederlassungsverträgen mit dein Auslande entspricht. Wie will man zudem die Preßfreiheit für Angehörige der Eidgenossenschaft aufrechterhalten, wenn man es grundsätzlich Ks zulässig anerkennt, daß die„freundschaftlichen Beziehungen in benachbarten Ländern" Maßnahmen gegen die Presse, mit Veiseitelassung des gemeinen Rechtes, durch bloße Verwaltungsmaßregeln erfordern und rechtfertigen? Was man uns in Bezug auf den„Sozialdemokrat":c. zur Last legt, würde in keiner Weise ein anderes Gesicht tragen, wenn an unserer Stelle Schweizerbürger gestanden hätten oder wenn wir, bevor wir als„kompromittirt" galten, das Schweizer Bürgerrecht erworben hätten. Wir haben das Letztere im �ertrauen auf die freien Institutionen der Schweiz und das stnabhängigkcitsgefühl des Schweizervolks und seiner Behörden Unterlassen. Wir verschmähten es, die Maöke schweizerischer Landes- Wlgehörigkeit vorzubinden, als wir es unternahmen, als deutsche Republikaner unsere politischen und sozialen Anschauungen offen darzulegen, was uns in unserem eignen Vaterland durch freiheitsfeindliche Gesetze, in brutaler Vergewaltigung unserer �taatsbürgerrechte, bestritten wird. Wir müssen jetzt dafür Wen. Aber zu unserer Genugthuung können wir konsta- Ueen, daß seit dem Augenblick, da der Bundesrathsbeschluß Rkannt wurde, eine große Anzahl von Schweizerbürgern sich frbvten haben, sofort an unsere Stelle zu treten, und zwar jWter Zusicherungen, die Denen, welche unsere Verjagung be- frieden haben, keine Freude an dem Tausch versprechen. Aus verschiedenen Aufsätzen des„Sozialdemokrat" und auS Rl Eingabe des mitunterzeichneten Eduard Bernstein an ?fr Polizeidirektion des Kantons Zürich leitet der Blindesrath Rn Beweis her, daß die Leiter des„Sozialdemokrat" entschlossen sind ,nnr ihre eigene Konvenienz zu Rathe zu ziehen, sowie diejenige der ausländischen Partei, deren Organ sie aus unserem Boden forterscheinen zu lassen sich daS Recht anmaßen, ohne irgend welche Rücksicht auf das Land zu nehmen, das sie gastlich aufgenommen hat." Wir müssen das bestreiten; grade aus der zitirten Erklärung Bernstein's geht das Gegentheu hervor. Es heißt da: ... Meine Ausführungen haben nur den Zweck, darauf hinzuweisen, daß nicht dasjenige, was der„Sozialdemo- krat" iu letzter Zeit geschrieben, neu und unerhört ist, sondern dies eher von etwa darauf sich stützenden Rekla- mationen(des Auslands) der Fall wäre. Sollten indeß solche in Aussicht stehen oder zu befürchten sein, so würde ich, und ich glaube dies auch von meinen Freunden ver- sprechen zu könne», insofern dieser neuen Situa- tion Rechnung tragen, als wir mit dement- sprechend größerer Sorgfalt darauf bedacht sein würden, grobanztößige Wendungen, wie sie bisher zuweilen unterlaufen sind, auS unseren Publikationen auszumerzen". Zeigt das nicht deutlich, daß die Leiter des„Sozial- Demokrat" sehr wohl bereit waren, Rücksicht auf die Lage der Schweiz zu nehmen? Der Bnndesrath spricht ja selbst von einer„neuen Kampfweise" des„Sozialdemokrat". Man muthet uns zu, daß der„Sozialdemokrat" seinen grundsätzlichen Charakter aufgeben solle. Er soll ab- gehen von der Aufgabe, die er sich gestellt, aus deren Erfül- lung allein er seine Existenzberechtigung ableitet: „die Grundsätze der Sozialdemok ratio zu vertreten, die Unterdrückten und Verfolgten zu vertheidigen, die Unterdrücker und Ver- folger zu bekämpfen". Ein derartiges Ausinnen haben wir bisher für unmöglich gehalten von Seiten der obersten Behörde emes Landes, in welchem„Preßfreiheit" herrscht. Wir verkaufen unsere Ueber- zeugung nicht um ein Asyl! Der Bundesralh sagt, der„Sozialdemokrat" sei„nichts als ein Kauipsorgan", er führe eine„aufreizcnoe Polemik gegen Behörden und Einrichtnngen des deutschen Reiches"/ Aber welches politische Blatt ist kein„Kampforgan"? Welches Organ einer politischen Partei begeht nicht die Hand- lung des„Aufreizens" gegen Einrichtungen, welche es für falsch, gegen Behörden, deren Grundsätze es für Verderb- lich hält? Die Tonart ist vielleicht eine andere, je nachdem eine Partei in der Opposition oder gar, wie die unsere, u n t e r d r ü ck t, einem schinachvollen Ausnahmegesetz unter- stellt ist, und die sogen. Konservativen sind es grade, die von diesem Recht des„Aufreizens" den ausgedehntesten Gebrauch machen. Ohne dieses Recht ist die Preßfreiheit eine Unwahrheit, gleicht sie dem Lichtenberg'schen Messer ohne Griff und Klinge. Jedoch wozu mit dem Bundesrath über alle diese Dinge rechten, wo es doch für jeden Kenner der Sachlage klar liegt, daß er aus eigener Initiative nun und nimmer unsere Aus- Weisung verfügt hätte? Wir wollen dem Schweizervolk, unseren speziellen Freunden wie überhaupt allen Freunden der Freiheit und des Rechts, klaren Wein darüber einschenken, wem diese Maßregel zu ver- danken ist, die uns jetzt zwingt, das Land, das wir lieb- gewonnen, dessen Institutionen wir hochschätzen gelernt und dessen Gesetze wir allezeit beobachtet haben, zu verlassen. Nicht die Schreibweise des„Sozialdemokrat" ist daran schuld— diese war früher wesentlich„agressiver" als jetzt— noch die der übrigen Publikationen unserer Druckerei, von denen eine ganze Anzahl nicht einmal in Deutsch» land verboten sind, sondern Unsere EnthNÜUNgtN über das schmachvolle Treiben des preußi- scheu Lockspitzelwesens, das seinen obersten Träger in Herrn von Pntttamer in Berlin findet. Als vor zwei Jahren unser Genosse Paul Singer im deutschen Reichstag das skandalöse Treiben eines solchen Lock- spitzels gekennzeichnet, wurde er in gleicher Münze bezahlt. Bis dahin hatte die Polizei gezaudert, Singer, der sich in Berlin auch in den Kreisen der Gegner unserer Partei der größten Hochachtung erfreute, und dessen uneigennütziges, opfer- williges Wirken im Interesse des Allgemeinwohls allseits aner- kannt ist, auszuweisen, trotzdem ihr seine Parteithätigkeit als Sozialdemokrat bekannt war. Als er aber sich dazu verstieg, einen Elenden— den berüchtigten Hetzspion Jh ring-Mahlow und damit das System, das sich solcher Subjekte bedient, an den Pranger zu stellen, da war seine Ausweisung be- schlossene Sache. Ebenso ereilte die Ausweisung unfern Genossen Jens L. Christensen, der hauptsächlich dazu beigetragen, den Jhring-Mahlow zu entlarven. Sie hatten daS System Puttkamer blosgestellt, und bekamen dafür die Rache des Herrn von Puttkamer zu kosten. Und ebenso geht es jetzt uns. Es ist die Rache des Herr« von Puttkamer, der wir zum Opfer gefallen. Unsre Ausweisung ist die„eklatante Genugthuung" für die beschämende Niederlage, die das preutzifch« Spitzelshstent und seine Leiter im letzten Reichstage vor aller Welt er ritten. Die Schröder, die Haupt, die Heinrich— sie sind gerächt, und ebenso ihre Auftraggeber. Mit welchen Mitteln dieses Resultat erreicht wurde, wollen -wir hier nicht untersuchen, die Art, wie das geschmacklose, politisch aber absolut unbedeutende BaSler Karnevalsgedicht zu einer diplomatischen Aktion des großen deutscheu Reichs gegen die kleine Schweiz benutzt wurde, spricht in dieser Hin- ficht laut genug. Ob aber der Bundesrath wirklich zum Wohle der Eidgenossenschaft und ihrer freiheitlichen Ein- richtungen gehandelt hat, als er der von Deutschland geübten Pression nachgab, darüber zu rechten, ist nicht unsere Sache. Aber wir fürchten, daß mit unserer Ausweisung ein erster Schritt gemacht wurde, der weitere, noch folgen- schwerere nach sich ziehen wird. Die Schweiz soll zum Büttel der Bismarck'schen Polizei herab- gewürdigt werden, das ist der Zweek, den die- jenigen in» Ange haben, die unsere Ausweisnug betrieben. Wir überlassen es dem Schweizervolk, sich darüber klar zu werden, ob eine solche Rolle seiner Stellung, die eS bisher unter den Völkern Europas einnahm, würdig ist. Noch auf einen Umstand müsse» wir hinweisen. Wie schon die Angaben des Buudesrathes in der Botschaft vom 12. März dieses Jahres über die Leitung des„Sozialdemokrat", so stimmen auch die in de» Motiven unserer Ausweisung ge- machten Angaben über unsere Beziehungen zum„Sozialdcmo- krat" fast wörtlich überein mit den Angaben deS Preußischen Polizei-Inspektors Krieter in Magde- bürg in seiner, auf Grund von Spitzelberichten zu- sammengestoppelten Sensationsschrift„Die geheime Organisa- llion der sozialdemokratischen Partei". Auch das geschmackvolle Beiwort„Der rothe Postmeister", das dem mitunter- zeichneten Motteler beigelegt wird, und eine Erfindung ist des berüchtigten Lockspitzels Friedemann, ist der Krieter' schen Schrist entnommen. In stiller BotsMft�jsm 12. März d. Js. an die Bundes- Versammlung erklärte der Bundcörath noch in Bezug auf die sozialistische Richtung, der wir angehören: „Die letztere Fraktion erklärt, daß sie nur mit ge- setzlichen Mitteln den Sieg ihrer Ideen erreichen wolle, und daß sie die Propaganda der That, den Ge- brauch von Dynamit»c. zurückweise. Die Nummern, welche wir vor Augen hatten, bestätigen im Allge- meinen diese Thesen." Und in Bezug auf die Schreibweise des„Sozialdemokrat": „Seine Sprache, im Allgemeinen heftig und beleidi- gend, wenn auch nicht in dem Grade, wie bisweilen diejenige französischer«nd selbst schweizerischer Blätter, hat dazu geführt" jc. ic, Mit andern Worten, der Bundesrath gesteht zu, daß wir diejenigen, die uns und unsere Gesinnungsgenossen ächten, nur mit solchen Waffen bekämpfen, wie sie in jedem freien Land den Bürgern unbedingt zugestanden werden — denen der Presse— und daß die Sprache des„Sozial- demokrat", so scharf sie auch ist, doch keineswegs eine unerhörte ist. Und nun auf einmal werden wir jetzt, sechs Wochen später, ohne Urtheilsspruch des Landes verwiesen!, Wir wissen, an wen wir uns wegen dieser Maßregel zu halten haben, und verlassen daher ohne Groll das Land, mit dessen Bewohnern wir in den Jahren unseres hiesigen Aufenthalts stets den freundschaftlichsten Verkehr unterhalten haben. Ohne Groll, aber mit dem tiefsten Bedauern darüber, daß es den ersten Schritt auf einer abschüssigen Bahn gethan, deren Endpunkt den Verlust seiner Freiheit bedeutet. Hottingen-Zürich, 21. April 1883. S. Keriistei». I. Mittler. H. Schliiter. Z. Tauscher." Etwas über„Gleichheit". Einer der letzten Nummern de, Chicagoer„Vorbole"«nlnehmen wd: den nachstehenden,„Ein Lesefrüchtchen uberschr iebenen Kr Wel Dietzgen's, der besser, als jeder Nachruf es'»nnte. �» Geist de» vortrefflichen Mitstreiters charakteristrt. den der Tod uns so»lötzlich „In seiner vorletzten Nummer bringt„Der arme Teufel" al» Lücken- bußer fr������Mensch mit normalem Gehirn und im»esttz der Durchschnlttsbildung seiner Zeitgenossen«"b, kennt und kann ein Ding am besten von ollen lebenden Menschen. Dieser Ausspruch ist so recht Scht sozialistisch. ES ist dorte et* belangreicher Theil der neuen Lehre enthalten, womit der Sozialismu» Z-i?Äd?r"Ädel''herrschte. spulte-ine ganz umk°k-h'te»n« schauung in den Köpfen der Menschen. Da waren-S einzelne h«vor. ragende Halbgötter und Heroen, welche allein etwa» wühlen, kannten und konnten, was sonst kein Mensch konnte und»"stand. Dann kam das Bürgerthum und machte Furor« m>t seiner Demo k r a t i e, einer Demokratie, welche H e i n r, ch H e r n e imGegensatz zu der Demokratie, die vom Sozialismus angestrebt wird, so trefflich als„ G l e i ch h e i t s f l e g e l e i" b-jeichnet«. H-ine wir seiner Zeit, soweit es damals möglich war. ein angehender revolutionärer Sozial- demolrat. Er, ein kritischer Jünger d:r Hezelschm Schule, würde da8 angeführte Sätzch-n aus dem„armen Teufel" mit lebhafter Zustimmung unterschrieben habm. Ja» ich glaube, daß er in der Sache, von welcher der betreffende Satz handelt, noch einen Schritt weiter gegangen wäre, bis zu der Erkenntniß, daß jeder einzelne Mensch mit normalem Ge- Hirn, selbst ohne die Durchschnittsdildung seiner Zeitgenossen, irgend ein Ding am besten weiß, kennt und kann von allen lebenden Menschen. Die Erkenntniß, welche in diesem Sätzchen enthalten, sowie die nach- haltige Einbürgerung dieser Erkenntniß in den Köpfen der Parteigenossen ist von weittragendster Bedeutung. Sie gibt dem einzelnen Individuum sein individuelles Recht, seine Bevorzugung vor allen Anderen; und weil sie diese Anerkennung Jedem zollt, wird mit der Gleichberechtigung aller Individuen auch da» gesellschaftliche Element in sein Recht eingesetzt. Einer weiß und kann nicht, was der Andere weiß, kann; aber Alle sind dienende Glieder des großen Ganzen. Jedes Individuum ist ein eigen» thümlicher, besonders gearteter Zahn im großen Kammrad der Gesell- schaft.— Dieser Vergleich ist schlecht, weil die Zähne eines KammradeS zu flegelhaft gleich sind. Dennoch, im Zusammenhange mit dem Vorher- gehenden erläutert das Bild die in unserer„Lesefrucht" enthaltene Idee vortrefflich genug. �_ Die bürgerliche Demokratie hat bis heute noch nicht begriffen, daß das wirthschastliche Getriebe, daß die Produktion von Brod, Fleisch k. eine gesellschaftliche«ng-l-g-nheit ist und die B a s i« des politischen Staates abgibt. Die Gleichheitsflegelei der bürgerlichen Demokratie besteht darin, daß sie denkt, Jedermann könne«irthschastlich selbstständig sein und Alle gleich vor dem Gesetz. Dieser bürgerliche Gedanke hat sich als ein sehr sauler Gedanke erwiesen und ist in sein Gegentheil um- geschlagen. AuS der flegelhaften bürgerlichen Gleichheit, die unter den Menschen nichts Hervorragendes anerkennen wollte, erwuchs die indu- striell» Raubritterschaft mit ihrer unterihänigen Lohnsklaverei. Deshalb fordert der Sozialismus jetzt ein« neue, eine bisher noch ganz unbegl iffene Gleichheit, allwo jeder Mann ein vornehmer Mann ist, der etwas weiß und kann, was kein anderer kann. Die Gleichheit alle? dessen, was ein Menschenantlitz trägt, beschränkt sich darauf, daß Jeder sein Wissen und Können in Diensten der Ge- sell schaft verwerthet, daß Jeder sein besonderes Wissen und Können der Gesellschaft zur Verfügung stellt und dafür mit der möglichst vollen Befriedigung seiner Bedürfnisse belohnt wird. Die flegelhaste Gleichheit, welche die bürgerliche Demokratie im Kopf hatte, konnte sie nicht verwirklichen. Mit Recht begegnete man dieser Idee mit der Antwort: Di« Gleichheit ist eine Unmöglichkeit, alle Menschen sind verschieden erschaffen, geboren und erzogen, und können nicht alle gleich sein. Die bürgerliche Demokratie fußte auf einer verkehrten Logik, auf dem Satz: ein Ding kann nicht zugleich zwei widersprechende Eigen- schaften, das Gleiche und Ungleiche in sich vereinigen. Diese Logik ist von der Wissenschaft umgerannt worden. Jetzt können und werden alle Glieder der Gesellschaft vornehme Fürsten sein, deren jeder ein Ding am besten weiß und kann von allen lebenden Menschen. „Am Baum der Menschheit drängt sich Blüthe an Blüthe", sagt der Dichter. Warum soll nicht Jedermann in einem gewissen Kreise, in einem gewissen Fach, in einer gewissen Fertigkeit ein vornehmer Mann sein können. Wer ist nicht schon einem ausgemachten Tölpel begegnet, der eS recht dick Hintsr den Ohren hatte, und wo ist der Geschickte, der nicht unter gewissen Umständen, in einer gewissen Lage sich recht tölpelhaft benehmen würde? Wer durste dem größten Verbrecher die Fähigkeit absprechen, daß derselbe unter anderen Verhältnissen ein höhst schätzbares Glied der Gesellschaft sein könnte? Der Sozialismus will nicht die Unterschiede unter den Menschen ab- schassen, nur die unmenschlichen Unterschiede sollen aufhören, wo derjenige, der die lästigste, schwerste und schmutzigste Arbeit verrichtet, mit einem unwürdigen Lohne abgefunden wird, wogegen derjenige, der der Gesellshaft einen kaum nennenswerthen Dienst leistet, in den siebenten Himmel gehoben ist. Der Sozialismus, der die Unterschiede unter den Menschen nicht aus- heben will, wird auch nicht die Gleichheit Ä-ls�hi�n. Gegenwärtig schon gleichen sich die Menschen in sehr Vielem. Der Sozialismus wird diese Gleichheit vergrößern, um den Unterschied zu vermindern. Daß aber jeder einzelne Mensch mit normalem Gehirn irgend ein Ding am besten wisse, kenne und könne von allen lebenden Menschen— das will der Sozialismus so recht zur Geltung bringen. Ein lehrreiche Streik-Statistik. IL Sobald eine Industrie an Lebhaftigkeit nachläßt, heißt es in dem Bs- richt weiter, würden sofort die Löhne seitens der Arbeit- geber reduzirt, und die so erniedrigten Löhne hätten die Tendenz, auf dieser erniedrigten Stufe stehen zu bleiben. Es sei sprichwörtlich, daß die Löhne zuletzt von allen Preisen steige» und zuerst sinken. Der Einfluß der Organisation kann die Löhne dauernd auf einer höheren Stufe erhalten. Selbstverständlich seien die Vortheile nicht in allen Arbeitsbranchen gleich. Die Bäcker haben einen entschiedenen und, wie es scheine, dauernden Vortheil durch die Verkürzung der Arbeitszeit und Verbesserung der Arbeitsbedingungen errungen. Unter den Baugewerken haben die Zimmerleute einen kleinen und die Handlanger einen bedeutenden Vortheil errungen. Im Ganzen haben in dem am l. November lS87 abgeschlossenen Jahr die Arbeiter in 39t Etablissements aus 1124, in denen Streiks stattfanden, in Folge derselben Lohnerhöhungen durchgesetzt. Abzüge wurden von 50 berichtet, und in K60 traten keine Aenderungen ein. Im Vorjahre errangen in b9S Etablissements aus 691 die Arbeiter Lohnerhöhungen, in 15 Etablissements fanden Reduktionen statt, während in 146 keine Aenderung eintrat. Ein hervorstechender Zug der modernen Arbeiter- bewegung sei das Bestreben zur Berkärznng der Arbeits- zeit. Viele Arbeiter können sich noch der Zeit erinnern, wo die Arbeits- zeit 12—15 Stunden dauerte, während dieselbe in anderen Fällen über- Haupt nicht begrenzt war. Bäcker, Kellner und einige andere Branchen bilden noch Beispiele aus jener Zeit, die jedoch zum Glück immer selte- ner werden. In vielen Branchen bilden jetzt neun bis zehn Stun- den den regelmäßigen Arbeitstag. Die Bäcker haben in Bezug auf Verkürzung der Arbeitszeit einen großen Gewinn zu ver- zeichnen. Aus 909 Etablissements, in denen Streitigkeiten bezüglich der Arbeits« zeit stattfanden, berichteten 739 keine Aenderung, 131 berichteten Ver- kürzung der Arbeitszeit, 22 eine Verlängerung derselben; 181 Personen haben in Folge der Verkürzung der Arbeitszeit Beschäftigung erhalten. Im Vorjahre waren unter 256 Streik» wegen Verkürzung der Arbeits- zeit 74 erfolgreich und 182 gingen verloren; 108 Personen erhielten durch die Verkürzungen der Arbeitszeit Beschäftigung. Der Unterschied in den Ziffern im vergangenen und im vorletzten Jahre kommt daher, daß im Jahre 1836 Streiks zur Verkürzung der Arbeitszeit besonders häufig waren, und zwar hauptsächlich in den Baugewerken von Newyork und Brooklyn. Die Opfer der Arbeiter in Fällen von Streiks, sagt der Bericht, seien einBeweisfürdenErnst, womit die Arbeiter die Sache auffassen. Diese Opfer seien enorm. Wo es sich um eine Lohn- erhöhung oder Opposition gegen eine Reduktion handle, könne man diese Opfer mit einer kaufmännischen Transaktion vergleichen, welche unter- nommen werde in der Hoffnung auf den daraus zu erzielenden Gewinn, doch sei der Gewinn auch in solchen Fällen nie derjenige des einzelnen Ausständigen, der E.nfluß eines solchen Gewinnes mache sich vielmehr aus die gesammte Geschästsbranche geltend. Die Ausständigen sind nicht nothwendigerweise diejenigen, welche den Gewinn einheimsen. Solche Streiks werden vielmehr im Hinblick aufdmgemeinsamenRutzen Aller unternommen. Nicht weniger als 4 0, 8 4 6 Lohnarbester in 988 Etablissements haben freiwillig 2, 013, 229. 4 5 Dollars an Löhnen oder durch- schnittlich je Doll. 4 9, 9 0 geopfert, außer den 606, die keine Berichte eingesandt haben. Im Jahre 1886 betrugen diese Verluste Doll. 2,538,554, abgesehen von den 47 Gewerken, welche keine Berichte «insandten. „Man muß bemerken", sagt der Kommissär,„daß diese Opfer rein freiwillig sind. Es ist keine Regierungs-Steuer, durch eine Zentral- gemalt auserlegt, e» ist eme persönliche Operation, bei der jeder Ein- zelne, wenn er will, mitzureden hat. Es ist nicht immer ein Werk der Weisheit, wohl aber ein Beweis von furchtbarem Ernst, und wenn der Verlust in einem Sympathie-Streik*) erlitten wurde, ist er ein Beweis von Aufopferungsfähigkeit für da» allgemeine Jnter- esse" „ES ist nur zu bedauern," fährt der Berichterstatter fort, nachdem er einzelne der hervorragendsten Sympathie-Streiks im vergangenen Jahre, besonders den großen Streik des Distriktes 49 aufgezählt hat,„daß die Führer und Rathgeber dieser Akt« von Selbstaufopferung nicht immer die richtigen Leute am richtigen Orte waren. „In fast jedem Streik müssen eine Anzahl Personen, welche sich durch besondere Thätigkeit hervorgethan haben, für das allgemeine Beste leiden. Dies ist besonders in Fällen von„erfolglosen" Streiks der Fall; 95 Gewerke berichten, daß 8176 Personen auf diese Weise ihre Stellungen verloren haben; 49 Gewerke berichten nichts hierüber." Was nun den durch Streiks erzielten Gewinn anbetrifft, so schätzt der Bericht, daß in 51 Gewerben, welche in Streiks verwickelt waren, 11,472 Arbeiter eine Gesammt-Lohnerhöhung von Doll. 944,632.55 oder Jeder 82 Doll. pro Jahr erzielten gegen 41 Doll. im Jahr- 1886. Lohnerhöhungen sind in den meisten Fällen nicht bloi temporär. Sie dauern gewöhnlich, wenn keine Krists dazwischen kommt, jahrelang. Streiks gegen die Anstellung von SkabS(„Räudigen") bedeuten eigent- lich nichts Andere» als das Bestreben, die„Unionskala" aufrecht zu er- halten: denn wenn Nicht-Unionleute angestellt werden, die niedrigere Löhn« bekommen, so dauert es gar nicht lange, bis im ganzen Gewerk die Löhne heruntergehen. Daher ist es erklärlich, daß Streiks dieser Art mit solch' großer Hartnäckigkeit ausgekämpft werden. Die Unternehmer haben durch Anstellung von Nicht-Unionleuten an die Plätze von Streikern ungefähr 142,588 Doll. gewonnen, gegen 39,468 Doll. im Vorjahr. Was nun die Verluste der Unternehmer anbetrifft, so haben diese durch Aufgeben von(Lieserungs-) Kontrakten angeb- lich Doll. 481,780.20 verloren, gegen Doll. 692,885 im Jahre 1866. 323 Kontrakte konnten wegen Streiks nicht abgeschlossen werden und die Unternehmer behaupten, sie hätten dadurch Doll. 217,202„verloren", während diese Art von„Verlusten" im Jahre 1838 sich angeblich auf Doll. 603,522 belief. Dadurch, daß die Kundschaft von 100 Unternehmern sich anderen Städten oder Staaten zuwendete, wollen dieselben Doll. 133,109 verloren haben. 1886 betrug dieser„Verlust" 1,148,420 Dollars und ein großer Theil der Kundschaft wandt« sich angeblich Europa zu. Als Abwehr gegen Zttel'i bedienen sich manche Fabrikanten des Mittels, ihre Werkstätten zu schließen und Streikern keine Arbeit mehr zu geben. Im vergangenen Jahr wurden aus diesem Grunde 635 Werk- statten geschlossen, gegen 582 im Jahre 1886. DieArbettersehen die Entlassung eines ihrer Kameraden, außer wegen Unehrlichkeit oder Unfähigkeit, für einen Akt der Unterdrück- ung und Verfolgung an und widersetzen sich daher. 844 Unter- nehmer, denen der Vorwurf gemacht wurde, sie hätten eifrige Union- leute aus die schwarze Liste gesetzt, stellten dies in Abrede; 834 wollten überhaupt auf die betreffende Frage nicht antworten, aber in 171 Fällen wurde die Thatsache festgestellt. Die Anwendung von Gewalt seitens der Streiker, Raufereien und Blutvergießen, ist in jetziger Zeit, verglichen mit früher und ande- ren Ländern, ein äußerst seltenesEreigniß. Im vergangenen Jahre wurden 48 Verhaftungen wegen geringfügiger Ursachen vorge« nommen, z. B. wegen Bertheilung von Boykottzetteln,„unordentlichen Betragens", Versperrung des Trottoirs ,c. Soviel aus dem Bericht des. Heren Pick. Weil der Mann auf Grund feiner objektiven Untersuchung zu Schlüssen kam, die der Kapitalistenklasse gar nicht angenehm sin», so ist es selbstverständlich, daß sich verschiedene Bourgeoisblätter sehr verdrießlich dar- über äußern, voran die„Newyork« Staatszeitung". Dieses ehrenwerthe Blatt, das in Deutschland leider an vielen Orten imm« noch für freiheitlich gesinnt gilt, ärgert sich, wie die„New Herker Volkszeilung« schreibt, schwer über die Schlußfolgerungen, welche Peck aus den That- sachen zieht, und bezweifelt die Richtigkeit der in dem Bericht ange- gebenen Daten, weil ihr diese durchaus nicht in den Kram passen. Dazu bemerkt die„Bolkszeitung" treffend weiter: I», so geht's in der Welt! W-nn die Arbeiter aus Einletzung eines statistischen Bureaus dringen, um der W-lt zu zeigen, wie es in der Welt eigentlich aussteht, so haben die kapitalistischen Blätter gar nichts dagegen einzuwenden. Da sie im Anfang nicht die leiseste Ahnung da- von hatten, was der Zweck und die Wirkung eines statistischen Bureau» eigentlich ist und dasselbe mehr als eine unschädliche Spielerei betrachten, so gönnen sie den Arbeitern das kindliche Vergnügen. Wenn aber— o Wunder!— die neue Institution in einer Weise zu arbeiten ansängt, welche den Arbeitern den Weg zeigt, den sie zu gehen haben, und dem Publikum im Allgemeinen darlegt, wie berechtigt die Forderungen der Arbeiter sind, dann hat's mit der Gemüthlichkeit geschellt und die Kapitalisten und ihre Presse schreien Zeter und Mordio über das„Demagogenthum", welches sich des„statistischen Bureaus" be> mächtigt hat. Man erinnert sich der ganz analogen Thatsachen, welche sich in Preußen abspielten. Das dortige(allgemeine nicht speziell für Arbeiterverhä. wisse bestimmte) statistische Bureau stand unter der Leitung des Geh. Rath Engel, also eines Mannes, den man unmöglich im Ver- dacht„destruktiver Tendenzen" haben konnte. Aber die Daten und Zahlen, welche dieser gewissenhafte Beamte an's Licht befördert«, waren so furchtbarer und Bismarck so unbequemer Natur, daß Engel seinen Platz räumen und denselben einem Manne übergeben mußte, der es besser verstand, die Zahlen im Sinne der herrschenden Klassen zu „mänädschen".**] So einfach und schnell geht«z nun freilich hierzulande mit dem Ab- setzen mißliebiger Beamten nicht, selbst wenn die ganze Macht der, an das„Bsonisiren" unbequemer Berichte gewöhnten„Staatszeitung" in die Wagschaale geworfen wird. Aber der Verlauf der Dinge mit Bezug auf die Wirkung wahrheitsgetreuer politischer Berichte ist der gleiche hüben wie drüben. ES ist überall dieselbe Geschichte; man möchte den Sturmvogel tödten, weil er den drohenden Orkan verkündet;— als ob dieser deshalb aus- bliebe!" Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 2. Mai 1888. — Einem Nachruf der„New Hark« Volkszeitung" entnehmen wir noch folgende biographische Ntitthciluugcn über Dietzgen: „Dietzgen wurde im Jahre 1827 in Uckerath in der Nähe von Sieg- bürg in der Rheinprovinz geboren. Seine Eltern waren wohlhabende Landleute. Sie ließen ihren Sohn zuerst die allgemeine Volksschule besuchm und sandten ihn später auf da» Gymnasium. Nach theilweiser Absolvirung desselben erlernte er das Lohgerberhandwerk. Schon als neunzehnjähriger Jüngling nahm er sehr regen Antheil an der revolu- tionären Bewegung, welche dem Jahre 1848 voraufging. Er widmete sich indeß fleißig und strebsam seinem Handwerk, zeigte sich aber immer sehr wißbegierig und studirte anhaltend mit großem Eifer. Später, im *) Unter sympathischen Streiks sind solche gemeint, welche den Zweck haben, andere im Kampf befindliche Organisationen zu unterstützen. **) Wörtlich: zu dirlgiren. Jahre 1859, betrat er zum ersten Male den Boden der Ver. Staate» und durchwanderte einen großen Theil derselben zu Fuß oder auf Kanalbooten. Er arbeitete läng«« Zeit in seinem ursprünglichen Beruf als Lohgerber, erwarb sich aber auch eine Zeitlang seinen Lebensunt«» halt als Schulmeister. Auch in Milwaukee schlug et unter andere» für kurze Zeit sein Heim auf. Das Jahr 1860 führt« ihn nach de« Süden, woselbst er mehrere Monate hindurch in Alabama lebte. Nach dem Ausbruch des SezessionS-KriegeS trieb er wieder nach dem Norden, aber nicht für lange Zeit. Er zog es vor, nach Deutschland zurückzu- kehren, wo er seine Lohgerberei auf der einen und daneben das Studiu« der Philosophie auf der andern Seite betrieb. Im Beginn d« 60er Jahre entwarf er den Plan zu seinem bede» tendsten W«ke:„Da» Wesen der Kopfarbeit. Eine abermalige Kritik der reinen Vernunft. Von einem Handarbeiter". Inzwischen nahm et vorübergehend eine Stelle in Petersburg an als Werkführer einer groß» Gerberei. Von Petersburg aus schrieb er seine berühmten Artikel über das „Kapital" von Karl Marx, die im demokratischen Wochenblatt, dem Vov läuser des„VolkSstaat" erschienen. Bald darnach kehrte er nach sein« Heimath zurück und siedelte sich dann in Siegburg an, woselbst er sich abermals der Gerberei zuwandte, stets aber sehr regen Antheil an d» Arbeiterbewegung nahm. Seine zahlreichen Artikel im„Volkifiaat" leg» Zeugniß davon ab. Außerdem war er schriftstellerisch thätig, indem et eine ziemlich große Anzahl von kleinen Broschüren veröffentlichte, unt« Anderem auch seine Schrift:„Die Religion der Sozialdemokratie." Fünf Kanzelreden. Von seinen sonstigen Schriften nennen wir:„Die bürgerliche Gesellschaft";„National-Oekonomisch es"; und, soeben er« schienen:„Streifzüge eines Sozialisten in das Gebiet der Erkenntnis theorie.« Im Jahre 1872 erschien er als Delegat aus dem Kongreß in Haag, wo ihn Marx seinen Freunden mit den Worten vorstellte:„Da ist unser Philosoph". Dietzgen hatte mancherlei Verfolgungen zu erdulden; die preußische Polizei sah ihm immer auf den Fersen. Auch eine länge« Haft ist ihm nicht erspart geblieben, so daß er auf diese Weise mit all» Leiden der Arbeiterbewegung bekannt wurde." Dietzgen hinterläßt vier Töchter und zwei Söhne, wovon letztere und zwei Töchter in den„Vereinigten Staaten" leben. Seine Frau ist schon lange todt, doch soll sein Vater noch am Leben sein. — Wie Dietzgen starb, geht aus folgendem Brief seines Sohne» Eugen Dietzzen an die Chicagoer„Arbe iter-Zeitung" hervor: „Mir liegt die schmerzliche Pflicht ob, Ihnen mitzutheilen, daß mein Papa gestern 1.45 Nachmittags am Herzschlag gestorben ist. Der plötzliche Tod traf ihn, während er mit einem Bekannten von mir über Streiks debattirte. Seine letzten Worte galten der Sache, für die er sein Leben gekämpft. Bei Streiks, sagte er, handelt es sich um die Macht- frage. Noch haben die Kapitalisten mehr Macht, als die Arbeiter, und gewinnen daher in d« Regel die Streiks, aber in der nahen Zu- kunft wird sich das Blatt wenden und den Arbeiter« die Macht und der Sieg zufallen. Auf den Einwand meines Bekannten, daß er das Letztere so wenig wie seine Kinder und dm« Kindeskinder erleben würde, erwiderte mein Papa kopfschüttelnd und aufgeregt:„Ich habe schon Manches erlebt, schon vor 40 Jahren sah ich die heutige Arbeiterbewegung vor- a u S l" Mit diesen Worten legte er seinen Kopf zurück, gleichsam uw Athem zu holen, sank vom Stuhle und war zwei Minuten später todt, ohne nur ein weiteres Wort geäußert zu haben." Mitten in der Verkündigung unserer Ideen— gleichsam auf de» Schlachtfeld, wie die New-Horker„Volkszeitung treffend bemerkt— ge- fallen, gestorben mit dem Bewußtsein des bevorstehenden Siege»: ei« schöner Tod, ganz des bewährten Kommunisten würdig. — Neutralität. Man schreibt un»: lieber die angeblichen Pflichten, welche der Schweiz durch ihre„Neutralität" auferlegt seien, ist in neuerer Zeit so viel widersinniges und verwirrtes Zeug geredet und geschriebe» worden, daß eS nöthig ist, uns einmal klar zu machen, was unter Neu- tralität eigentlich zu verstehen. Das Wort Neutralität heißt in seiner« aktiven Sinne: Parteinahme für keinen der streitenden Theil«, und in feinem p a s s iv e n Sinn: Hereinziehung i» den Streit durch keine« der streitenden Thelle. Em Staat beobachtet Neutralität, w»m>. er bei einem Streit(Krieg) gänzlich unbetheiligt bleibt, keinem der streitende« Theile Vorschub leistet, keinem einen Nachtheil zufügt. Und einen Staat, welcher die Neutralität beobachtet, hat selbstverständlich jeder der streb tenden Staaten vollkommen unbehelligt zu lassen. Ist ein Staat, ahn- lich wie dies mit der Schweiz der Fall ist, durch internationale Ver- träge für neutral erklärt, so bedeutet dies, daß der srazlich« Staat einerseits sich in die Streitigkeiten der Mächte, die sein« Neutra- lilät anerkennen, nicht hineinmischen darf, andererseits aber auch, daß db Mächte, welche seine Neutralität anerkannt haben, ihn unbehelligt lasse« und sich nicht in seine inneren Anzelegenheiten einmischen. Jeder Aus- länder, welcher in einem neutralen Staate wohnt, hat sich na-ürlich dei durch die Neutralität geschaffenen Lage anzupassen und Alles zu ver meiden, was sich mit den Pflichten der Neutralität nicht verträgt. Die Schweiz z. B. hat die Pflicht, sich in keinen europäischen Strei (Krieg) einzumischen und unter allen Umständen dasür zu sorgen, das kein« bewaffneten Einfälle gegen Rachbarstaaten, die ihre— der Schweiz-� Neutralität nicht verletzt haben, vorbereitet werden. Dafür sind aber autl die übrigen Mächte verpflichtet, im Fall eines Kriegs unter alle« Umständen, auch wenn die größten augenblicklichen Dortheile dadurl verscherzt werden, das Gebiet der Schweiz zu schonen, und Friedenszeiten nichts zu thun, was gegen die Gesetze und die Versassuns der Schweiz verstößt. Das ist eine durchaus richtige, mit den allgemein anerkannten Lehre« des Völkerrechts übereinstimmende, von keiner Seit« anfechtbare Defiiö tion des Begriffs Neutralität. Haben nun die deutschen Sozialdemokraten, welche soebe« wegen angeblicher Verletzung der Pflichten und Gebote der N-utralitt> aus der Schweiz ausgewiesen worden sind, in Wirklichkeit de« Pflichten und Geboten der Neutralität zuwider gehandelt? N>cht einmal in der Rechtsertigungsschrist des Bundesraths wird ihn«« eine Handlung zur Last gelegt, welche in diesem Sinne gedeutet werde« könnte. Das was den Ausgewiesenen zur Last gelegt wird, sind Meinung» Äußerungen über die Politik und das We sen einer auswärtige« nämlich der deutschen Regierung. Wohlgemerkt Meinungsäußerungen ohne jede Aufforderun zu feindlichen Handlungen im Sinne des Völkerrecht». Hätte z. B. der„Sozialdemokrat" oder der„Rothe Teufel" die Aus forderung enthalten, in der Schweiz, oder auf deutschem oder so« fligen Boden Freischaaren zu bilden, mit deren Hülfe die deutsche Regie rung gestürzt und«ine andere Staats- und Regierungsform eingesüh« werden sollte, so könnte man mit einer gewissen Logik deduziren, daß sch» in solcher Preßthätigkeit die Vorbereitung zu einer feindlichen Akti» liege. Allein Derartiges oder Aehnliches ist nicht vorgekommen und wir> in der R-chifertitzungsschrist nicht einmal behauptet. Doch die Meinungsäu ßerungen sollen das Maß des Erlaub ten, die Grenzen der berechtigten Kritik überschritten haben und geeign« gewesen sein, eine der Schweiz befreundete Regierung zu verletzen. Das ist's, wenn auch nicht in Worten, doch dem Sinne nach, was d» Ausgewiesenen zur Last gelegt und als Grund ihrer Auswei sung bezeichnet wird. Aber besteht denn in der Schwel, keine Preßsreiheit? Ist der Bunde» rath eine Zensurbehörde, welche darüber zu wachen hat, daß„das M« des Erlaubten",„die Grenzen der berechtigten Kritik" nicht überschritte« und die Gefühle ausländischer Regierungen nicht verletzt werden? W» ist das„Maß des Erlaubten"? Wer hat je die„Grenzen der berechtig ten Kritik" ausfindig gemacht? Wie ist es möglich, die„Gefühle" ein« Regierung genau zu berechnen, und waS haben die„Gefühle", was ht das Alles mit der N e u t r a l i t ä t zu thun? In der Schweiz herrscht gesetzlich unbeschränkte Freiheit der Meinung» Lußerung, unbeschränkte Preßsreiheit. Der BundeSrath hat in erster LÄ darüber zu wachen, daß das Gesetz beobachtet werde, und also au< darüber, daß die Freiheit der Meinungsäußerung, die Preßfreiheit leinet Abbruch und keine Schmälerung erleide. Hat der„Sozialdemokrat" irgendwie gegen die Gesetze der Schwei» welche die freie Meinungsäußerung und die Preßsreiheit gewährleiste« verstoßen? Mit nichtm l Er hat von diesen Gesetzen nur den gesetzliche» Gebrauch gemacht. die Macher und Verbreiter des„Sozialdemokrat" und des „Rothen Teufels" sind Suslünder!" Was soll hiermit gesagt sein? Gibt es ein Gesetz, welches die Ausländer von der Benutzung der schweizerischen Gesetze— insoweit es sich nicht um Fragen des Bürgerrechts, Wahlrechts u. s. w. handelt— aus- schließt, und die Benutzung solcher Gesetze durch Ausländer zu einem Verstoß gegen die Neutralität stempelt? Mit andern Worten, gibt eS ein Gesetz, welches die in der Schweiz lebenden Aus- ltlnder vomRechte der freien Meinungsäußerung, vomGenusse der Preßfreiheit ausschließt? Das ist die einzige Frage, auf welche es ankommt, nachdem seitens des Bundesraths auch nicht einmal der Versuch gemacht worden ist, eine thatsächliche Verletzung der Neutralität durch die Ausgewiesenen sin solches Gesetz besteht aber nicht. Und damit fällt die ganze sogenannte Begründung der Ausweisung über den Hausen, und wir befinden unS der nackten a d m i n i st r a- Uven Willkür gegenüber, haben es mit einer Maßregel zu thun, bei der die Laune, das Ermeffen, die Opportunität— kurz alles Mög« liche den Ausschlag gegeben hat, nur nicht daS, was in einem freien, aus dem ehernen Fundament der Gerechtigkeit aufgebauten Gemeinwesen allein hätte den Ausschlag geben dürfen— das Gesetz. — Rußlands Handlauger in Deutschland. Leipzig wird bekanntlich die Hochburg des deutschen Nationalliber a- liS muS genannt, und wenn daS Wort auch längst nicht mehr in dem Sinne zutrifft, in dem es früher gebraucht wurde— die„Hochburg" war schon sehr nahe daran, in den Besitz der„Rothen" zu gelangen— s» darf sich die Pleißestadt doch eines Bürgerthums rühmen, das an nationaler, d. h. mordspatriotischer Gesinnung es mit den begeistertsten Preußen— des Schwabenlandes aufnimmt. Der Leipziger �patriotische" Bürger ist der wahre Fanatiker der„nationalen Ehre", Nirgends war z. B. die Entrüstung über das Basler Karnevalsgedicht so hochgradig als in Leipzig, nirgends wurde die Schweiz und daZ Schweizervolk zur Strafe für das Vergehen eines einzigen Schweizers s» giftig heruntergerissen als in dem„nationalen" Witzblatt„Schalk", «essen Erscheinungsort zu sein sich Leipzig zum Ruhm anrechnen darf, vnd in der Hetze gegen die englischen A e r z t e und die englische Frau des deutschen Kaisers that es das„nationale" Leipziger„Tageblatt" «llen„nationalen" Blättern Deutschlands voran,„kein Akt der Schwäch- dem Ausland und dem Ausländischen gegenüber"— das ist die Parole des patriotischen Leipzig. Run, aus dieser nationalsten aller nationalen Städte Deutschlands «hielt die Berliner„Volkszeitung" in voriger Woche folgende Mit- bheilung: „Vor etwa sechs Wochen wurde in Leipzig ein junger Armenier verhaftet, weil er der Beförderung verbotener Schriften verdächtig war. Wie sich herausstellte, wollteer einige Schriften nach Rußland schaffen; keine derselben ist in Deutschland verboten— es wäre «so kein Anlaß gegeben, ihn in Haft zu behalten, aber die Polizei theilte die Sache dem russischen Konsul mit, und dieser hatte nichts Eiligeres zu thun, als seine Regierung in Kenntniß zu setzen, und die russische Regierung verlangt nun die Auslieferung. »in Freund, der aus der Schweiz herbeieilte, hat bei den einschlägigen stihsiich-n Behörden alle möglichen Schritte gethan, um die Freilassung des Verhafteten zu erwirken, allein bisher ohne jeglichen Erfolg. AIS letztes Mittel ist eine Jmmediat-Eingabe an den König ins Auge Sefaßt, welche von angesehenen Persönlichkeiten in Leipzig unterstützt wird. Der Verhaftete, Gabriel Kafiang, 25 Jahre alt, hat nämlich in Leipzig studirt und ist einigen Professoren als fleißiger Schüler noch in gutem Andenken. Ein Auslieferungsvertrag besteht nicht »wischen Sachsen und Rußland; die sächsische Regierung ist also »ur Auslieferung nicht verpflichtet, und wenn man be- beult, daß sich Kafiang keines Vergehens gegen Deutschland oder deutsche besetze schuldig gemacht hat, und daß ihm in Rußland wegen des ver- suchten Schriftenlchmuggels die Verbannung nach Sibirien und der vollständige Ruin seiner Existenz bevorsteht, so kann man, ganz abgesehen von politischen Sympathien oder Antipathien — nur den lebhaften Wunsch empfinden, daß die sächsische Regierung dem Gebot der Humanität folgen und einen jungen Mann, der sich durch seme FreiheUsliebe zu einer vielleicht unvorsichtigen, aber sicher nicht unehrenhaften Handlung hat fortreißen lassen, dem russischen Barbaren- paat nicht zur Vollstreckung der barbarischen Strafe ausliefern wird." Wir wollen abwarten, ob die sächsische Regierung diesem nur zu be< rechtigten Wunsche nachkommen oder nach bekanntem Muster sich zur Handlangerin der zarischen Brutalität hergeben wird. Fest steht, daß die Polizei der Stadt Leipzig, soweit es in ihrer Macht liegt, diesen Akt schmachvoller Liebedienerei gegenüber einem noto- tischen Feinde Deutschlands begangen, und daß sich in den Kreisen des„nationalen" Bürgerthums auch nicht eine einzige Stimme des Protestes dagegen erhoben hat. Hier, wo die Wahrung der nationalen Ehre mit dem Eintreten für Menschlichkeit und R e ch t zusammen trifft, hier schweigt plötzlich daS sonst so schnell ausbrausende patriotische »emüth. Es schweigt die Presse, cS schweigen die politischen Vereine, es schweigt vor allem die an erster Stelle zum Protest verpflichtete aka- ««mische Jugend. Ja, wenn es sich um eine frische, fröhliche Hätz Legen eine wehrlos gemachte Partei, gegen eine in den„obern Regionen" verhaßte Minderheit, gegen ein kleines Land wie die Schweiz gehandelt tzätte, wenn eS darauf angekommen wäre, einen mißliebigen Dichter in «n Koth zu zerrm, da wären sie alle zu haben, alle muthig auf dem Plan gewesen, aber zum Schutz eines von der zarischen Henkerpolizei Bedrohten einzutreten, die Stimme zu erheben gegen einen Akt nichts- würdiger Feigheit, dazu war keiner von ihnen da. Daß Deutschlands Behörden Handlanger des größten Gegners eines freien und unabhän- gizen Teutschlands sind, das läßt sie vollkommen gleichgültig. Ein Herr- lich-s Geschlecht! Von anderer Seite schreibt man uns noch über diese Angelegenheit: „Die Hoffnung, daß die sächsische Regierung stch noch im letzten Mo- «mt zu anständigem Handeln aufraffe, ist leider sehr gering. Der Wind, welcher jetzt in Deutschland weht, kommt geradewegs aus Rußland, und die„neue Sonne", deren Aufgang von den Bismarck, Slöcker und Ge- Nossen so sehnsüchtig erwartet wird, ist nur eine Nebensonne der Sonne von Gatschina. Gerade Rußland gegenüber hatte die sächsische Regierung, die sich manchmal der einst von„Sachsenkönigen getragenen Krone" Polens erinnern mochte, bisher mitunter Anwandlungen einer L«wissen Selbstständigkeit verrathen, indeß— das sind Dinge der Ver- aangenheit, und da der gefangene Kafiang unzweifelhaft von der russi- schen Polizei als„Nihilist" und„Sozialdemokrat" bezeichnet wurde, so wird Herr von Nostiz-Wallwitz die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, um seine Angst vor den bösen Sozialdemokraten durch Auslieferung «astangs von Neuem glänzend zu bethStigen. „Deutschland. Deutschland über AlleS'." — Auch ritte Begründung. Deutsche Arbeiterblätter theilen dm Wortlaut de« Erkenntnisses mit, auf Grund dessen der Bezirksausschuß von Frankfurt a/O. dem Tuchmacher Robert Gley tn K o t t b u s„die gewerbsmäßige Abfassung der auf fremde Rechts- Angelegenheiten und bei Behörden wahrzunehmenden Geschäfte bezüglichen twelchen Stil) schriftlichen Aufsätze" untersagt hat. Wir haben der Angelegenheit bereits in Nr. 15 des„Sozialdemokrat" erwähnt, und wollen daher auch die entscheidenden Stellen des famosen Erkenntnisses wssern Lesern nicht vorenthalten. Man höre also: „Die Reichsgewerbeordnung. in der Fassung vom l. Juli l8S3, ent- hält im§ 35 Absatz 3 die Bestimmung, daß die gewerbsmäßige Be- Ivrgung fremder Rechtsangelegenheiten und bei Behörden wahrzunehmen- der Geschäfte, insbesondere die Abfassung der darauf bezüglichen schrift- «chm Aufsätze zu untersagen ist, wenn Thalsachen vorliegen, welche die «nzuverlässigkeit des Gewerbetreibenden in Bezug auf diesen Gewerbe- betrieb darthun. Unter den die llnzuverlässigkeit der Ge- werbetreibenden in Bezug auf diesen Gewerbebetrieb erweisenden Thatsachen sind nun nicht blo» diejenigen zu verstehen, welche sich aus die Brauchbarkeit der Schriftsätze des Konzi- siwnten beziehen, sondern es gehören dazu alle diejenigen Thatsachen, welche aus die moralischen Eigenschaften des Gewerbetreibenden «« derartiges ungünstiges Licht werfen, daß er gerade in diesem, so sehr aus Vertrauen beruhenden Gewerbe des Vertrauens unwerth er- scheint. ES ist nun zwar richtig, daß der Beklagte stch eine» ge- »»'inen Verbrechen» oder Vergehens nicht schuldig gemacht hat, eS ist indessen gegen ihn festgestellt worden,»ine Druck- schrift, in welcher sozialdemokratische, auf Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschafts-Ordnung gerichteten Bestrebungen in einer den öffentlichen Frieden gesährdenden Weise zu Tage traten und die durch die Landespolizeibehörde verboten war, verbreitet zu haben, ferner be- züglich einer ohne vorherige Anzeige bei der O-tSpolizeibehörde statt- gssund.-nen Versammlung, in welcher öffentliche Ang«- legenheiten erörtert und berathen werden sollten, als Unternehmer, Leiter und Redner aufgetreten zu sein, endlich eine Versammlung unter freiem Himmel ohne obrigkeitliche Erlaubnis veranstaltet zu haben. Aus diesen Feststellungen erhellt, daß der Beklagte sich n i ch t scheut. die gesetzlichen Vorschriften zu übertreten, nur um seine Partei- zwecke zu fördern. Ein Mann, dem der Sinn für Gesetz- lichkeit und Autorität in so geringem Maße beiwohnen, wird voraussichtlich auch bei Ausübung deS Konzipienten-GewerbeS keine Bedenken tragen, sein« Klienten zur Unzufriedenheit mit der bestehenden Ordnung aufzureizen und sie zu schriftlichen Kundgebungen zu bestimmen, welche von dem Geiste des Widerspruchs gegen alle anerkannten Autoritäten beseelt sind. Der Gerichtshof hat darnach die Ueberzeuzung gewonnen, daß dun Beklagten die erforderliche Zuverlässigkeit in Bezug auf den beab- sichtigten Gewerbebetrieb fehle und mußte demgemäß die Unter- sagung des letzteren ausgesprochen werden." Mit andern Worten: Weil der„Beklagte" ein politischer Sünder, und zwar nichts alsein politischer Sünder ist, ermangelt er der nölhigen„moralische«" Eigenschaften, die zur Ausübung des durchaus bürgerlichen Berufes gehören, wird er nicht nur politisch, sondern auch bürgerlich geächtet. Seine Verbrechen sind allerdings schrecklicher Natur. Er hat eine Versammlung geleitet ohne Polizei- liche Erlaubniß! Kann man sich etwas Abscheulicheres denken? Er hat ein- verbotene Druckschrift, vielleicht gar den s-fl-„Sozialdemokrat" verbreitet! Ist so etwas Schändliches je dagewesen? Dergleichen Dinge sind tn Preußen-Deutschland einfach unerhört. Und einem Mann, der so etwas thut, soll man nicht zutrauen, daß er, wie eS im Erkenntniß h-ißt, „seine Klienten zur Unzufriedenheit mit der bestehenden Ordnung aufzureizen-c." im Stande wäre? Daran zu zweifeln wäre bereits halbe Mitschuld. Schön. Schade nur, daß daS„Ausreizen zur Unzufriedenheit" Hand- lungen sind, die kein Strafgesetzbuch verbietet, die also Niemand in der Welt etwas angehen. So gut man bei keinem Menschen, der den Beruf des Gerichtskonzipienten auiübt, sich darum kümmert, ob er seinen Klienten fromme Hiilstraktätchen, antisemitische Hetzpamphlete, oder Reklamen für„Naturärzte" zustecken könnte, so gut geht eS keinen Menschen etwas an, ob derselbe seinen Klienten die bestehenden Verhält- niffe in rosiger Beleuchtung oder sonstwie darstellt. Die Frage ist ein- zig und allein nur die, ob er ehrlich ist und seine Klienten weder betrügt, noch zu B e t r u g und ähnlichen verbrecherischen Handlungen verleitet. Um diese Frage aber drückt sich das Erkenntniß vorsichtig herum, sie wird unterschlagen und die politische „Unzuverlässigkeit"— d. h. Unzuverlässigkeit im Sinne der biedern Bezirksausschußmitglieder— zur bürgerlichen Unzuverlässigkeit umge— drechselt. Man sieht, die Organe der berühmten„Selbstver- wallung" geben der alten oerufenen Bureaukratie nichts nach. Der alte Essig in neuen Fässern. Wir würden eine schwere Unterlassungssünde begehen, wollten wir die Namen der Urheber des Erkenntnisses unfern Lesern vorenthalten. Sie .lauten: 1) VerwaltungSgerichts-Direktor Schmidt, Vorsitzender; 2) Ritterschastsrath Klingholz', S) Ritterschaftsrath Freiherr von Blomberg, 4) Stadtralh Ehrenberg, 6) Amtsvorsteher Krüger. Ehre, dem Ehre gebührt. Die Herren sind würdige Repräsen- tanten der„bestehenden Ordnung", welche so sorgsam vor sozialdemo- kcatischen Volksanwälten— behütet werden muh. — Aus Deutschland schreibt man UNS: Höchst possierlich sind die Bemühungen der Reptilpresse, uns glauben zu machen, die Schweizer-Behörden hätten au» eigenem Antrieb d i e jüngsten Ausweisungen vorgenommen— beileibe nicht unter der Wirkung eines Druckes von Außen. Natürlich— der deutschen Regierung ist es nicht eingefallen, dt« so zärtlich geliebte Schweiz durch den sanften Bülow„k a u l b a r s e n" zu lassen. Wer könnte den friedlichen Lämmern, die in Deutschland das Regiment führen, derartige Ungemüthlichkeiten zutrauen? Ich brauche nicht zu sagen, daß die komischen Bemühungen der Reptilpress- pour lo Rai äo krusso sind und einen durchschlagenden HeiterksitSeffekt erzielt haben. Nun, unsere so schnöden gemaßregelten Genossen werden ihre Aus- Weisung swohl ebenso zu ertragen wissen, wie die vielen Hunderte, die vor ihnen ausgewiesen worden sind, und die vielen Hundert, die voraus- sichtlich noch nach ihnen der Ausweisung verfallen werden. Wir Sozialdemokraten sind gerade jcht in der Lage, besonders guter Laune sein zu können— nach dem Sprüchwort, daß es etwas sehr Angenehmes ist, Schicksalsgenossen zu haben. Und was für auserwä'flte Gesellschaft, die mit uns daS Vergnügen theilt,„gehetzt" zu werden! Seine Majestät Friedrich der Dritte, Kaiser von Deutschland, Ihre Majestät Viktoria, Kaiserin von Deutschland, Ihre Majestät Viktoria, Königin von England und Kaiserin von Indien, und sonstige Größen und Spitzen. Muß uns da nicht das Herz im Leibe lachen! Und wie die Kronen auf dm erlauchten Häuptern wackeln, und wie der Thron knarrt unter den Giftbissen der Reptilien! Hei! Ist das eine Freude! So gründliche Maulwurfsarb-it ist wohl noch niemals ver- richtet, mit solch„verzehrendem Eiser" sind von den„Stützen des Staats" die Fundamente des Staats noch niemals„untergraben" worden. — Wenn von der Natur der Argumente, mit denen eine Sache von Seiten ihrer berufenen Anwälte v-rtheidigt wird, ein Schluß zu- läßig ist auf die Güte dieser Sache selbst, dann steht es um die vom schweizerischen Bundesrath verfügte Ausweisung der vier deutschen Mitglieder de»„Stabe»" deS„Sozialdemokrat" wirklich herzlich schlecht. Es sind nur wenige Blätter in der Schweiz, welche diese Maß- regel vertheidigt haben, und unter den wenigen, die es gethan, sind noch eine ganze Reihe solcher, die selbst der Bundesrath lieber in den Reihen seiner Angreifer sähe als umgekehrt. Es wird uns daher auch gar nicht einfallen, das ihm oder irgend einem seiner Mitglieder auf Konto zu setzen, was z. B. die„Allgemeine Schweizer-Zeilung" über die Auswei- sung geschrieben— ein Blatt, das darüber triumphirend schreiben konnte, daß der Einfluß des Herrn von Puttkamer, d. h. eines auswär- tigen Ministers, in Bern maßgebend geworden. Unzweifelhaft ist aber der Bern er Korrespondent der„Neuen Zürtcher-Zeitung" von berufener Seite damit beaustragt, die Bundesrathsmaßregel vor dem Publikum zu vertheidigen. Und je mehr stch die, sonst gewiß nicht sozialistensreundlich: Ridaltion des genannten Blattes selbst in ein sehr beredtes Schweigen über die Maßregelung unserer Genosien hüllt,— sie hat ste noch mit keinem Wort zu ent- schuldigen versucht— um so größer sein Eifer, diese Unterlassungssünde gut zu machen. Aber mit was für Waffen wird da gekämpft! Dinge, die zur neuesten Ausweisung passen wie die Faust aus's Auge, werden herbeigezogen, um als Präzedenzfälle zu Gunsten derselben ausgespielt zu werden. So z. B. die Massenausweisungen von Mitgliedern deutscher Arbeitervereine, die im Jahre 1 8 5 0, d. h. ein Jahr nach der Unter- drückung des badisch-psälzischen Aufstandes, vom schweizerischen Bundes- rath vorgenommen wurden, d. h. zu einer Zeit, als die Gemüther noch erhitzt waren und Tausende an einen baldigen Wiederausbruch der Re- volution dachten und sich auf denselben vorbereiteten. Nicht daß wir die damaligen Ausweisungen beschönigen wollten— ste gereichen der Schweiz in keiner Weise zur Ehre, gar mancher brave, hochtalentirte Freiheits- kämpfer ist durch sie in namenloses Elend gestürzt, einem Tode aus Verzweiflung in die Arme gejagt worden— aber festgestellt muß doch werden, daß was den damals Ausgewiesenen zur Last gelegt wurde, den heute Ausgewiesenen absolut nicht nachgesagt werden kann, daß es also gradezu absurd ist, wenn man jetzt die Erinnerung an die l8S<)er Ausweisung ausgräbt, um auf ste gestützt die Ausweisung von 1888 zu vertheidigen. Mit demselben Recht könnte man jede Maßregelung miß- liebi.ier Aussänder rechtferiigen, mag sie noch so sehr dem Recht uOb der Billigkeit ins Gesicht schlagen. Wie faul diese Argumentirung ist, zeigt sich aber am besten daraus» daß ihr Urheber, um sie zu bekräftigen, zu einer— Vermuthuna seine Zuflucht nimmt. Wenn!„Hätte das eidgenössische Justiz- und Polizeivepartement im geeigneten Moment, als die Schuldigen eS am wenigsten vermuthen konnten, die Druckerei des„Sozialdemokrat" mit Beschlag belegt und bei den Leitern Haussuchunzen gehalten, wie dies gegenüber der„Avantgarde" und den Anarchisten geschehen, so wäre man wohl in den Besitz eines Materials gekommen, das noch ganz anders als der„Sozialdemokrat" und der„Rothe Teufel" würde aus- gesehen haben." «Hätte... so wäre man wohl"— das muß allerdi ngs selbst dem Zweifelsüchtigsten genügen. Denn was kann man nicht alles irgendwo vermuthen! Fertige revolutionäre Mobilmachungspläne, Verzeichnisse von Dynamit-, Roburit-, Melinit- und Panclastit-Bomben lagern, Speziak« karten fämmtlicher deutschen Revolutionszentren, ProstriptionSlisten, Brandschatzungsregeln— kurz, die schrecklichsten Dinge, von denen ein Philister nur träumen mag. Wir wollen seiner KombinationSgabs keine Zügel anlegen. Rur eine Bemerkung sei uns dagegen erlaubt. Wen» man eS bedauert, nicht in Besitz„noch ganz andern Materials" gekommm zu sein, als das, was man hat, ist das nicht einverschämtesZu- g e st ä n d n i ß, daß daS Material, was man hat, und woraufhin man gehandelt hat, doch nicht ausreichend war? Der Bundesrath wird nicht sehr gut— vertheidigt. — Die Berliner Polizei hat in voriger Woche hinter einander zwei sozialdemokratische Wählerversammlungen Verbote«, in denen die Frage der Betheiligung oder Nichtbetheiligung an den be- vorstehenden Stadtverordneten-Ersatzwahlen durch endgültigen Beschluß erledigt werden sollte. Die Motivs und der Zveck des Verbots find mit Händen zu greifen. Die Polizei will nicht, daß die Sozialdemokraten Berlins zur Verständigung gelangen, die sich nach dem Verlauf der zuletzt stattgehabten Versammlung erwarten— vom Standpunkt der Polizei sollten wir sagen befürchten ließ; und sie will die Nicht« betheiligung der Sozialdemokraten zur unabänderliche» Thatsache machen. Unsere Berliner Genossen haben das Spiel durchschaut und werde« den säubern Plan zunichte machen. — Unser flämisches Bruderorgan„Toekomst" bringt in semer neuesten Nummer bereits folgende Mittheilungen über die bis zur Stunde vom Parlamentarischen Komite der englischen TradeS- Unions getroffenen Borbereitungen zum Internationalen Kongreß derselben, die es einer von den streikenden Webern Gents zur Untersuchung der Verhältnisse ihrer engli schen Berufsgenossen nach Manchester entsandten Delegation verdanlt: „Die Rundschreiben in englischer Sprache sind fertiggestellt, in nächster Woche werden sie ins D e u t s ch e und Französische übersetzt und versendet. Der Kongreß beginnt Dienstag, 3. November, Montag Abend werden die englischen Trades UnionS festlich empfangen. Broadhurst wird den Kongreß mit einer Begrüßungsrede eröffnen und danach wird der Kongreß sein Bureau ernennen. Die in Aussicht genommene Tagesordnung lautet: „Welches sind die besten Mittel, um die Gesetze, welche einer internationalen Vereinigung der Arbeiter im Wege stehen, z u b e« fettigen? „Praltische Maßnahmen für eine Internationale Ver« einigung der Arbeiter. „Internationale Regelung der Arbeits- stunden? „Ist es rathsam oder nicht, daß der Staat sich einmischt, um die Arbeitsstunden zu regeln? „Jede« Land hat bei der Abstimmung eine Stimme. Die Redner, die einen Bericht oder eine schriftliche Darlegung verlesen, haben eine halbe Stunde, diejenigen, die frei sprechen, 15 Minuten Redezeit. Jeder Redner darf über denselbm Gegenstand nur einmal sprechen. „Jede Nation wird ersucht, einen Bericht auszuarbeiten über die Lage der Arbeiter ihres Landes. „Die offizielle Sprache des Kongresses ist französisch. Die Man- date müssen in französischer oder englischer Sprach- ausgestellt sein."- Schon ein flüchtiger Ueberblick dieses Entwurfes zeigt, wie berechtigt die Forderungen der Rnchslazsfraktion der deutschen Sozialdemokratie waren. Es handelt stch auf dem Kongreß gar nicht um speziell- Ge- werlschaftsangelegenheiten, sondern um Fragen von Interesse für dt« Arbeiierwelt im Allgemeinen, sowohl die gewerkschast- l i ch o r g a n i s i r t e als die— sei es auS ökonomischen, sei es auS politischen Gründen— außerhalb der G e w er ksch as t S- beweoung stehende Arbeiterschaft. Schließt man die letztere grundsätzlich aus, so kann das Resultat der Berathungen nur ein einseitige» sein, das Votum d«S Kongresses keinen Anspruch darauf erheben, als der Ausdruck der Gesinnungen der Arbeiterschaft der ver- tretenen Länder zu gelten. Nehmen wir z. B. an, eS fänden stch in Deutschland einige pvlize,- fromme und daher vor der Anwendung der bekannten Auflösungsgrund- sätze geschützt« Gewerkvereine, die den Kongreß beschickten, wem will man zumuthen, deren Abstimmung irgend welche Bedeutung zuzumessen? Sie würde absolut werthlos sein. Sodann muß es geradezu widersinnig erscheinen, bei der Berathung von Fragen, welche fast sämmtlich in direkter Beziehung zur Gesetz- gebung stehen, anerkannte Vertreter von Arbeitern in gesetzgebenden Körpern auszuschließen, statt Alles auszubieten, sie hinzuzuziehen. Indeß ist über diesen Punkt schon genügend gesprochen worden, so daß wir uns jeder weiteren Bemerkung enthalten können. Auf Wrnsch bringen wir hiermit noch den Brief zum Abdruck, den die sozialdemokratische ReiqstagSfraktion am 12. De- zember v.J. an das Parlamentarische Komite gesendet, und auf welche« die in voriger Nummer von uns publizirte Antwort Broadhurst S vom 24. Dezember erfolgte. Derselbe lautet: „An da» Parliamentary Committee zu Händen des Mr. Broadhurst in London. „Wie dem verehrlichen Parliamentary Committee nicht unbekannt sein dürfte, hat der Parteitag der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands, der vom 2. bis 6. Oktober d. I. in St. Gallen(Schweiz) tagte, unter Anderm den Beschluß gefaßt, für das Jahr 1888 in Gemeinschaft mit den Vertretern der Arbeiter anderer Länder einen internationalen Ar- beiterkongreß einzuberufen. Der Zweck dieses Kongresse soll sein, eine Verständigung herbeizuführen über die Basis, auf welcher sich eine internationale Arbeiterschutzgesetzgebung in allen vorgeschrittener» Industrieländern der Welt ein- und durchführen lasse. Der Parteitag in St. Gallen ging von der Ansicht aus, daß die internationale Arbeiterschutzgesetzgebung eine Frage sei, welche die Arb:iterorganisationen und Arbeiterparteien aller Länder, wieverschieden son st immer ihreBestrebungen seien, zu gemeinsamer Aktion vereinigen müßte, wenn überhaupt etwas für die gesammts Arbeiterklasse Nützlich-s geschaffen werden soll. Da wir nun vernommen haben, daß auch der TradeS-UnionL-Kongreß zu Swanlea im September d. I. einen ähnlichen Beschluß gefaßt hat, so liegt es im allseitigen Interesse, eine Verständigung zu erzielen, damit der Zweck eines solchen internationalen Konzresses möglichst voll- kommen erreicht wird, und die Kundgebunzen eines solchen als einheit liche und geschlossene Kundgebungen der gesammten Arbeiter- klasse erscheinen. Wir, die unterzeichnete sozialistische Fraktion des Deutschen Reichstags, die wir seitens des Parteitags zu St. Gallen mit der Aussührung jenes Beschlusses betraut sind, erllären uns bereit, unsererseits auf die Einberufung eines interna- tionalen ArbeiterkongresseS zu verzichten, wenn da« Parliamentary Committee seinerseits bereit ist, auf folgende Vorschläge einzugehen: 1. daß die Einladung zum Kongreß gleichzeitig nicht blos in englischer und französischer Sprache, sondern auch in deutscher er- scheint; 2. daß die Einladung so gehalten wird, daß eS den deutschen wie den österreichischen Arbeitern möglich ist, trotz der in ihren LSndern bestehenden hemmenden Gesetzgebung über das Verein?- und Versamm- lungswesen und der Ausnahmegesetzgebung gegen die Sozialisten, sich vertreten zu lassen; 3. daß die parlamentarischen Vertreter einer Ar- beiterpartei eo ipso als Delegirte ihrer Partei auf dem Kongreß znze- lassen werden.— Zu Punkt 1 unserer Forderungen bemerken wir. daß diese selbstverständlich ist gegenüber einer deutsch sprechenden, industriell hoch entwickelten Bevölkerung von über SO Millionen. Die Forderung unter Punkt 2 ergiebt sich aus der Zwangslage, in welcher sich die Arbeiterorganisationen und Arbeiterparteien Deutschlands und Oester« reichs befinden. Eine offizielle Vertretung derselben würde auf Grund der bestehenden Gesetzgebung unfehlbar die Auflösung der betreffenden Organisationen und die strafrechtliche Verfolgung ihrer Leiter nach sich ziehen. Eine Vertretung der Arbeiter Deutschlands und Oesterreichs ist Naher nicht anders möglich, als daß, wie es Punkt 3 unserer For- derungen vorschlägt, die Vertreter der Arbeiter in den Parlamenten eo ipso auch als Vertreter auf dem internationalen Arbeiterkongreß zuge« kasien werden, oder daß die Beauftragten den Nachweis führen, daß sie im direkten Auftrag von so und so viel Hunderten oder Tausenden von Arbeitern dieses oder jeneS Arbeitszweiges erscheinen. Die Erläuterung »u Punkt 3 unserer Forderung ist in vorstehendem enthalten. Wir sprechen hierbei die Anficht aus, daß eS zweckmäßig wäre, auf dem Kon- greß«S nicht all zu streng mit den Formalien zu nehmen, sondern daß man jeden zulasse, von dem bekannt ist oder nachgewiesen wird, daß er zu einer Verbindung gehört, die für die Emanzipation der Arbeiterklasse wirkt. Die Aufgabe des Kongresses kann durch die vielseitige Vertretung der Arbeiterklasse nur gefördert werden.— Für den Fall, daß eS dem Parliamentary Committee nicht unerwünscht wäre, weiteren Ausschluß Wer die eigenthümlichen Zustände in Deutschland und Oesterreich zu erhalten, haben wir die Herrn Ch. Kautiky und Adam Weiler London— hier folgen die betreffenden Adressen— gebeten, sich zu mündlicher Auskunft bereit zu erklären. Eine definitive Antwort auf «mfer Anliegen wäre uns bis spätestns 1. Februar erwünscht. Mit kameradschaftlichem Gruß: im Auftrag der sozialistischm Fraktion des Deutschen Reichstag?.. Der Brief spricht, denken wir, für sich selbst. — Und tvär' der Plan nicht so verflucht gescheidt, man wär' versucht, ihn herzlich dumm zu nennen. In höheren Berliner Kreisen kursirt. wie man unS schreibt, das vertrauliche Eingeständniß, daß man auf die Unterdrückung resp.Aufgabe deS„Sozial- d« m o k r a t" ernstlich gar nicht gerechnet habe. Der Hauptzweck des gegen ihn geführten Schlages sei der, die bisherigen um« sichtigen und ehrlichen Leiter von der Geschclstssüh- rung zu beseitigen und dieses Manöver so lang« gegen jeden ähnlichen Ersatz fortsetzen zu lassen, sü!) bis bei Mangel an neuen Leuten sich endlich die Möglichkeit biete,-- einen geschickten Gentleman in's Rest lenken zu«önnen. Wenn nicht, so wird man die Schweiz weiter Mores lehren. «n diese„diskreten" Herzergüsse erinnert eine vor Kurzem in der staaismännischen„Berliner Post" aufgetauchte, aus London getaufte Korrespondenz, worin unter Anderem nach sehr schmeichelhafter Aner- kennung der bisherigen Leistungen in Administration und Verbreitung des zürcherischen Parteiorgans folgendermaßen geschlußfolgert wird: „Es wird daher den Nachfolgern schwer fallen, den bis- herigen Bertrieb mit all seinen Schleichwegen in Beförderung, den Apparat von Deckadressen, den Vertrauensmännern k. nur annähernd im bisherigen Umfange aufrecht zu erhalten, selbst wenn die schweizerischen Behörden nicht— wie dies der Fall zu sein scheint— jetzt ernstlich daran gehen, eine bissere Grenz- Überwachung eintreten zu lassen. Dann ist daS Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie solbstverständlicherstunschäd- lich gemacht." Dieser Erguß hat sich auch»n schweizerische Blätter ausgebreitet, die eifrigst jeglichen Druck von Außen läugnen. während gewisse klei- »ere Leuchten deS politischen Anflandes und der Schweizer Freiheit nicht müde werden, auszurufen:„Was wird wohl Deutschland dazu sagen!?— Die Antwort ist oben gegeben. Wir sind begierig, was das Schwei« » e r Volk und dessen unabhängige Presse dazu sagen und ob sie jene Rufernach„Druck vonAußen" endlich Moreslehren werden. — Emil Zola hat nach seinem Roman„Terminal" ciu große« Drama geschrieben, und dieses Drama ist vor Kurzem im Chatelet- Theater in Paris zur Aufführung gelangt und durchgefallen, oder sogen wir lieber, vom Publikum, das zu"/„ der Bourgeoisie angehört, abgelehnt worden. Einer der Haupteinwänd», die die bürgerliche Kritik gegen da» Stück erhob, war der, daß es melodramatisch im alten Stil sei. Da wir das Stück selbst nicht kennen, so können wir uns natürlich auch kein Urtheil darüber erlauben, in wie weit es diese Bemerkung rechtfertigt, wir wollen sogar zugeben, daß es ein schlechtes Stück sei, aber au» allen Kritiken, die wir zu Gesicht bekommen, blickt doch zwischen den Zeilen ein andererVorwurf heraus: die Bour- geoists will von keinen Konflikten mehr wissen, die sich auS den sozialen Gegensätzen ergeben, sie will nur individuelle Konflikte vorgeführt sehen, Konflikte, die für etliche Stunden angenehm erregen, aber das "oziale Gewissen hübsch in Ruhe lassen. Vor allen Dingen verzeiht sie es Zola nicht, daß er Mißstände auf die Bühne bringt, ohne sie zugleich harmonisch �aufzulösen". Auf alle diese Vorwürfe antwortet Zola im Pariser„Figaro" einem seiner Kritiker des Ausführlichen, und seiner Antwort entnimmt das Brüsseler„Peuple" die nachfolgenden Zeilen, die auch uns deS Abdrucks Werth erscheinen: „.... Auch unser Sozialismus, scheint eS, ist eine alte Geschichte. Er ist«ine ebenso alt« Geschichte wie das Elend, das stimmt. Auf jeden Fall ist er keine ältere Geschichte als der im Roman enthaltene SozialiS- mue, und man hat gern zugestanden, daß der Roman die soziale Frage in ihrer ganzen furchtbaren Gegenwärtigkeit aufwarf. Sie finden Sou- varin veraltet, Sie sind übersättigt. Was brauchen Sie denn, wenn Bakunin Ihnen nicht mehr genügt? Denn ich will Ihnen nur sagen, daß die Mehrzahl der Aussprüche Souvarin's Sätze Bakunin's sind. Urrd Sie belustigen mich sehr, wenn Sie uns fragen, ob wir eine Lösung bringen. Wo haben Sie gesehen, daß Schriftsteller eine Lösung zu brin- gen haben? Sie legen das Uebel bloß, und an der Nation selbst ist es, die Heilung vorzunehmen. „Nein, sagen Sie es doch offen heraus, Sie sind, als Sie von„Ger- minal" fortgingen, in die„Ueberraschungen der Ehescheidung"(Ein neuer, mit großem Erfolg gegebener Schwank. Red. d. S.-D.) gelaufen. Hat man je Leute gesehen, die vor Hunger und Kälte sterben? Und es gibt Bühnendichter, die herkommen und uns von so abscheulichen Dingen reden! Kann man nicht Hungers sterben, ohne diejenigen zu belästigen, die gut gespeist haben? Das Sfiick ist düster, das Stück ruft das Mit- leid wach, und daS ist sein Verbrechen. Wir sind müde der Politik, wir habe» Alle den egoistischen Wunsch, die Ohren vor dem Unglück zuge- stopft, in Ruhe zu leben. Und darum findet„Germinal" in diesen Tagen der Beklemmungen, da Jeder das Thier sein möchte, das seiner Wege geht, das Pferd zu sein wünscht, das sein Heu verzehrt, ein« so traurige Aufnahme. Hier liegt, trotz Ihrer Pariser Windmacherei, Ihre einzige Entschuldigung dafür, daß Sie ein Werk wirklichen Erbarmens so Übel ausnehmen. Sprechen Sie nur diese Entschuldigung auS, wenn Sie nicht für weniger gut und intelligent gelten wollen als Sie stnd." „Ja, es weht in diesem Jahre ein Wind der Schwänke. Nicht daS Lachen ist es, was Sie wollen, denn auch das Lachen hat seine Bitter- k-it, Sie wollen das a b s o l u t I n h a l t S l o s«, ein gutartiges, nichts- Zagendes Stück, aus dem man nichts mit fort nimmt, das man beim Hinausgehen wegwirst, wie den Rest der Zigarre, die man geraucht. Namentlich keine Literatur, denn die Arbeit deS Denkens ist zu hart. Nach den„Ueberraschungen der Ehescheidung" entrang sich dem Herzen des Herrn Sarcey(angesehener Pariser Kunstkritiker) der Ausruf:„Ich schwimme in Wonne". Das ist daS Losungswort des Jahres in Bezug auf das Theater. Mit einem Wort, wir haben Bankerott gemacht. Es giebt keinen Stil mehr, es giebt keine Beobachtung mehr, eS giebt keine Leidenschaft mehr— alles dahin. Es giebt nur noch das Nicht s." So Zola. Man mag manches von dem, was er da sagt, aus daS Konto persönlicher Erbitterung über den Durchfall seines Stücks setzen, trotzdem wird jeder unparteiische Beobachter ihm im Wesentlichen Recht geben müssen. Nur daß der„Wind der Schwänke" nicht erst in diesem Jahre w-h», sondern unsre ganz« Epoche beherrscht. Man muß nur das Wort„Schwant" nicht in zu buchstabUchen, Sinne nehmen, nicht der lustig«, der luftige Inhalt charalterisirt den Schwank, ob das Stück selbst nun fröhlich oder traurig endet. Herr Ohnet's„Hüttenbesitzer", der auf einer der ersten Bühnen von Paris über 300 Aufführungen erlebte und Rzpertoir stück aller Bühnen Europa» geworden ist, gehört trotz seiner„Rührszenen" und Seelenkämpfe ebensowohl zu den Schwänke». wie Herrn WtldenbruchS vaterländische Dramen, an denen sich der patriotische Philister des neuen deutschen Kaiserreichs im Hochgefühl seiner Knechtsseligkeit erbaut, und die neueren Schauspiele des Blumenthal, L'Arronze, Lindau, an denen et sich im Bewußtsein seiner moralischen Absichten erhebt. Wohl dem, der das begreift, und sich von jedem Versuch fern hält, den modernen Theaterbesucher, d. h. unsre Besitzenden, zum Denken anzuregen, er wird zum reichen Mann dabei. Mit Zola's Jrrthümern über den Sozialismus brauchen wir unS nicht erst eingehend zu befassen. Unsre Leser wissen, daß der moderne Sozialismus nicht mit so unstchern Faktoren wie Mitleid und Erbarme« rechnet. — Man schreibt uns aus Deutschland: Die Hätz gegen die englische» Aerzte, welche daS. enorme Verbrechen begangen haben, den Kaiser Friedrich, damaligen Kronprinzen, im November vor dem Messer deS Dr. Bergmann zu bewahren, nimmt immer größere Dimensionen an, so daß die Herren Mackenzie und Howell eS für nöthig gehalten haben, den Schutz der Gerichte anzurufen. Auf die Hetzer macht das jedoch wenig Eindruck— sie haben sehr einfluß- reich« Protektoren, und es wird ihnen kein Haar gekrümmt werden. Dieses Gesindel weiß wohl, daß die thatsächliche Macht nicht in den Händen deS Kaisers liegt. Und wenn man bedenkt, daß nach Mittheilung der Berliner„Post" kein geringerer als Herr Herbert Bismarck der Gewähr«- und Hintermann der„Kölnischen Zeitung" ist, dann wird man die Sicherheit der Hetzorgam und Hetzer begreifen. Unsere Staatsanwälte schlasen— natürlich nur mit ein»« Auge, wie die Hasen. Das rechte Auge schläft, daS I i n f e wacht. Und während das kleinst« oppositionelle Räuschen, das sich heranwagt, erspäht und erhascht wird, können die dicksten patriotischen Elephanten, Nilpferd« und Rhinozerosse herumtanzen, daß die ganze Erde erzittert— sie werden nicht bemerkt. Diese Blindheit nach rechts und S char ffi chtigkeit nach links ist ein seltsames Nawrspiel, sür das uns glücklicherweise' der Schlüssel nicht fehlt. Mr find von diesem Naturspiel auch nicht sonderlich erbaut— trotz- dem fühlen wir uns von Ekel erfaßt, wenn wir sehen, wie gewisse Fort- schrtttsblätter, namentlich der Richter-Parisius'sche„Reichssreund", den — Staatsanwalt um Hülse anzetern. Den Staatsanwalt dem Staatsanwalt denunziren! Kann man sich— von der Unanständigkeit abgesehen— etwas Absurderes denken? — Der„Gnadenerlaß" de» Königs von Preußen— kor- rigirt. Zu den vom Gnadenerlaß Friedrich III.— sagen wir Be- g ü n st i g t e n gehört auch der, seinerzeit in Göttingen wegen Majestätsbeleidigung zu einem Jahr Gefängniß verurtheilte Maurer Hartwig in Hamburg.„Ein Sozialdemokrat und Amnestie? DaS darf nicht sein", dachte da? ehrenwerthe Polizeioberhaupt der hansea- tischen Republik und das verfügte, daß Hartwig auf Grund des AuS- nahmegesetzes auf dem nördlichen Gebiet des Neinen Belagerungszustandes ausgewiesen sei. So ist det Schaden wenigsten? einigermaßen„gut gemacht." Bei dieser Gelegenheit sei übrigen» erwähnt, daß es nunmehr allge- mein eingestanden ist, daß Friedrich III. die Amnestie auch auf die Opfer deS Sozialistengesetzes ausdehnen wollte, aber von Bismarck daran verhindert wurde. Der große Sozialreformer erklärte, für die Ruhe und Sicherheit des Staats dann nicht stehen zu können. Und um seinen Worten größeren Nachdruck zu geben, wurde die großeRazzia gegen die Sozialdemokraten veranstaltet und ein Wolkenbruch von Massen- Haussuchungen und Massenverhaftungen ergoß sich über das Rheinland. Ferner wurde die Polizei angewiesen, Bericht über den Stand der öffentlichen Sicherheit und die seitens der Sozialdemo- kratie drohenden Gefahren an die Berliner Zentralstelle(Puttkamer- Krüger) zu erstatten. Die Polizei kam ihrer Aufgabe prompt nach. Die Razzia fand mit wohlberechnetem Lärm statt und um die Sache noch gruseliger erscheinen zu lassen, wurde im Rheinland«in Theil der Verhafteten„geschlossen" — und wie die Berichte der Herren Ehrenberg und sonstiger„Ver- trauenSleute" deS Herrn Krüger ausgefallen sein mögen, das kann man sich denken. Thatsache ist— und nur deshalb erwähnen wir des Umstandes noch einmal— daß die Massenverhaftungen des vorigen Monats nicht zur Abwehr irgend einer wirklichen oder auch nur vermuthe- ten Gefahr, sondern einzig und allein, um die Rothwendig- keit des jetzigen PolizeiregimentS zu beweisen, in Szene gesetzt worden sind. — Warum Deutschland keinen RormalarbeitStag braucht. Dem Berliner„Volksblatt" geht au« Bredow bei Stettin die nachstehende Einsendung zu: „Der Redaktion des„Berliner Bolksblatt" erlauben wir uns hiermit: die Frage zu stellen: ob eS auch wohl möglich ist, daß ein Arbeiter in dreizehn Arbeitstagen 203 Lohnstunden zu arbeiten im Stande ist. Dieses ist nämlich bei einem Arbeiter des Vulkan Hierselbst der Fall gewesen, wie anliegender Lohnzettel näher nachweist.(Der Zettel liegt bei. Red. d. V.) Es ist im Vulkan nämlich der IS. und 30. resp. 31. jeden Monats Zuhlungsschluß, alsdann findet die Löhnung der Arbeiter drei Tage später statt, d. h. wenn kein Sonn- oder Festtag dazwischen trifft; sonst werden auch wohl vier bis fünf Tage daraus, wie dieses hier zu Ostern er. der Fall gewesen ist: da fand die Löhnung erst am S. April statt, wie auf besagtem Lohnzettel ebenfalls zu sehen ist(diese Zeit gebrauchen die Herren Bureaubeamten zum Btrechnen der Löhne). Es sind also in der Zeit vom IS. März bis zum l. April dreizehn Arbeitstage, und in dieser Zeit soll und will der auf dem Zettel be- nannte Arbeiter 203 Lohnstunden gearbeitet haben. Da unS dieses ganz unnatürlich, ja übermenschlich erscheint, so erlauben wir uns, die Redaktion des„Berliner VolkSblait" hiermit um gütige Aufllärung zu bitten, auf welche Art und Weise ein Mensch dieses wohl im Stande ist, um dabei Mensch zu bleiben und nicht vor der Zeit gänzlich zu Grunde zu gehen." 20Z Arbeitsstunden in 13 Arbeitstagen macht Pro Tag 15, K Arbeitöstnnden. Bleiben dem Arbeiter, wenn er den Gang zur und von der Weristätte abzieht, noch nicht acht Stunden sür EffenS- zeit, Erholung und Schlaf. Daß ein Mensch bei solcher Schinderei absolut nicht bestehen kann, wird jeder Mediziner sofort zu- geben aber— und dieses Aber wird in Deutschland sehr groß ge- schrieben— was hat der Mediziner einzuwenden, wo die Geschäfts- Profite in Betracht kommen? Wenn diese es nothwendig machen, daß der Arbeit« unmenschlich abgerackert wird, so ist das Abrackern ganz in der Ordnung, und keine Gesetzgebung hat sich dreinzumischen. So will es der g r r r o ß e Landsmann des Steltiner Vulkan, und darum braucht Deutschland kein Fabrik-Jnspektorat, kein Verbot der Sonntags- arbeit und vor allem keinen Normalarbeitstag. Sprechsaal. Der in Nr. S2(1887) d. Bl. als„Vertrauensmann" der Berliner Polizei signolisirte Neumann, Tischler aus Hamburg heißt mit vollem Namen: F. A. Reumaun, UNd wohnt Marktstraße 2 S/III. j» Hambnrg-St. Pauli. Derselbe wurde, seinen eigenen Angaben gemäß, am lv. Juli 1882 auS Berlin ausgewiesen und irrte die nächsten drei Monate nach Arbeit umher. Von Beruf Pinnotischler, arbeitete er in Dresden, Leipzig, Köln a. Rh., Magdeburg, Pieschen, Breslau, Halle a. S., Koblenz, Dortmund, Düsseldorf und zuletzt wieder in Pieschen, von wo er an'S B e r l i n e r P o l i ze i p r ä f i d i u in„um Urlaub einkam", weil seine Frau ihr« Niederkunft erwartet«. Dieser wurde ihm von 8 zu S Tagen bewilligt, bis»r in» Januar 1SSS Bertin abermal« verlassen mußt«. Er wandte sich jetzt nach Hamburg, wo er unangmeldet'/, Jahr unbehelligt blieb, eines TageS Vorladung zur Polize, erhiel und dort die schriftliche Erklärung abgab,„fich von jedweder Partei thätigkeit und Agitation fernzuhalte n," worauf er ungehindert tl Arbeiterkreisen ein gewisses Vertrauen erlangen und schließlich al Kassirer eine» Krankenverein» seiner„Aemter" zwnsa walten konnte. Neumann führt einen Blauflempel mit„F. Neumann" und oben an gegebener Adresse. Er liebt es aber, sich bald„A.", bald„F." Neuma« zu nennen, woraus fich der Umstand erklärt, daß einige Namensvetter! gelegentlich mit ihm verwechselt wurden. Seine Reklamatto nenumZurü» nahm« der gegen ihn erlassenen Warnung haben zufällig dfi absoluteste Sicherheit unserer ursprünglichen Gewährscha? weiter bestätigt. Man hatte unS also über diesen Polizei-BertrauenSmann jederzett und allerwärts auf dem Laufenden, wo er sich blickdn läßt. Dies auf die verschiedentlich«» anfragen au» Eingang» erwähnt« Orten. ES geht unS mit der Bitte um Abdruck der nachstehende ««fruf zu, den wir der allgemeinen Beachtung anempfehlen könne». - »NdkN Postbin »nd b «Mgegcr voi 9t. 2- «1.3,- st. 1,70 8t. 2,50 Seit die Pa> An all« Arbeiter»ud Arbeiterinnen DeutschlanstSi Arbeiter, Genossen! Durch die traurigen SrwerbSverhättniffe, welch un»«in menschenwürdiges Dasein nlcht mehr möglich machen, gezwunj legt« am 24. April sämmtliche Arbeiter und Arbeiter nen der Bremer IuteoTpinnerei«nd Weberei zu Heme« lingen, zirka 1000 Personen an der Zahl, die Arbeit nieder. Die Mehrforderung, welche so bescheiden ist, daß st« geringer»ich gedacht werden kann, wurde settenS der Direktion kurzweg aigeschlage« Da die Zahl der Streikenden eine sehr große ist, dieselben sich au« sehr musterhaft hatten, wird der Kamps wohl ein heißer und harte werden. Deshalb, Genossen, helft uns in dem gerechten Kampf gegen dai Ausbeuterthum, wie auch wir ja stets unserer Pflicht gegen die Allge meinheit bewußt waren. Unser Sieg ist auch der Eure. Rasche Hilfe ist ja doppekkt Hilfe. Mit Brudergruß! Da» Streikkomite» Briese und Gelder sind zu senden an Herrn FriedrichBogel in Hastedt, Weserdamu» ist An unsere Leser. Um eine geordnete Fortführung der Geschäfte soförk zu ermikglWeü ist schteunige Abwicklung alles Schwebenden dringend geboten� Veränderungen von Deckadressen und alle weiter nothwendig werbenva Veränderungen im Geschäftsverkehr werden wie bisher stets rechtzekth mitgetheilt. Thue Jeder sein Möglichstes, und der neueste Schlag wird aaslHfii Urheber zurückprallen. Unentwegt und freundlkchst grüßend! Ende April 1888. Die SlprdiN»» de»..SPraldrAißrat". Brieftasten d. er» ■t et» d. er» Nack für de Lint »rb.V Dtfchr. Grütli Ritgl'n S-Kpk Gen. i Kopenl N'uznji Arbeiti Leseclu 34- Ehicag Gen. i Elsäfse Welche haben. der Redaktion: Briefe und Einsendungen erhalten: au» BWi» Elberfeld,„Nirgendheim"(Belgien), Ölten, Zürich(Gedichte und«Volk» freund"), Poris(in nächster Nr.). Für die Denkschrift erhalten: Einsendungen auS Barmstedt Brüssel, Frankfurt a. M., Soldlauter b. Suhl. der Expedition: E.». Brüssel: Jubiläumsmaterkal dkd. Adr. war falsch.— AnverS: Fr. 1k— Ab. 2. Qu. u. Schst. 90 Cts. P. ändern. Halten Sie sich die Beiden vom Hals, biS bfl. Näheres möglich — ClauS Groth: Aufstllg. v. 23. 4. erh. Alle? beachtet u. Beil. besorgt Bbk. hat uns scheint'S nicht verstanden. Allseitige Pflichterfülluni sichert unaufhaltbaren Vormarsch wie bisher. Also fest a»' fassen. Gruß!——d.: Nachr.». 22. 4. hier. Alles beachtet. Sdg- unterwegs. Bauen auf bewährte Hand.— Bbch.: fbd. v. 28.4. erh- Alles unterwegs. 14—17 f. B. ging indir. 13 dir. an richtige Adr- — Wetter a. d. Ruhr: Mk. 5— durch D. pr. Usds. dkd. erh. Anzeigen. Kopenhagen Deutsche Lesegesellschaft. Unsere Vereinsversammlungen finden statt: jeden Donnerstag Atzend g Uhr in RömerSgade 22, 2. Stock(Seitengebäude). Zureisende Genossen wollen genau auf unsere Adresse achten. Der Borstand. C. Mitth Durch scheu s unve Die noch t spruch in der begehe jur S iu den in der Puttka Bunde Kei! gesetzt Unrech gleichg »Au, Bundes Ernste «ach B bw au mcht oi sich aus «« gen haben s ge So vom 2 (her 5 Wahrs Münch sacksm � Als. Auswc Mtfto ?uf be sich be . Ein Ivgen. hören 'vir de �Da ,»Am i* der s'hal "Ott/?*/»« iU/tvtÄ Das Lokal des deutschen sozialdemokratischen Lest' 4)tU IS Elnb» befindet fich: Cafä de la nouTeUo Beate» Eck« der Buo Montmartre und der Bae Etienne Maros!. Ging an g; Bae Etienne Marcel 36. «Oerft-»m-S-aschofirtachs-aerrrt Ortthtan-Psllch. jorten, 'mite» Mchlof si't eini vi der k? eir »ie b, Ie,ch» Viktoria M-'st peststell i"m,öst