Abonuements werden bei allen schweizerischm Postbureauz, sowie beim Verlag und dessen belannten Agenten eutgegengenommen. und zwar zum voraus zahlbaren VierteljahrZpreig»an: Kr. 2,— sSr dieSchweiz(Kreuzband) SB. 3,— füc Teutschland(Couvert) sU 1,70 für Oesterreich(Co Udert) Kr. 2,50 für alle übrigen Länder de» Weltpostvereins(Kreuzband) Znserate die dreigespaltene Petitzeile 25 C!S. � 20 Psg. Der IoMemokrat Krgan der Sozialdemokratie deutscher Junge. Krscheint wöchentlich einmal in Zürich(Schweiz). Jerkag der »olrsbuchhandlwwG Hottingen, Zürich. Vostscudungeo franlo gegen franlo. Gewöhnliche Briese «ach der Schweiz losten Doppelports. M 28. Briefe an die Redaltion und Erpedition des in Deutschland und Oesterreich verbotenen.Sozialdemokrat' wolle man unter Beobachtung äußerster Borsich» abgehen lasten, z n der Regel schicke man uns die Briefe nicht direkt, sondern an die belannten Deckadresten. In zweiselhaften Fällen«ingeschrieben. 8. Juli 1888. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Alte Taktik. Seit dem Regierungsantritte des jungen Wilhelm treten in der deutschen Presse die Gerüchte von beabsichtigten Attentaten auf den jungen Kaiser und den alten Bismarck immer häufiger auf. Waren es jüngst noch die„Anarchisten", so sind es heute schon die„Sozialisten", und zwar speziell die„Berliner Sozialisten", denen solche Attentatsgelüste— zugemuthet werden. Kein Zweifel, der Kaiser soll für die Zwecke der Reaktion präparirt werden, der„Appell an die Furcht" soll ihn blind machen, und mit berechtigtem Spotte fragte daher jüngst ein oppositionelles Berliner Blatt Bismarck'« Hintermänner, ob denn solche Mittel jetzt schon nöthig seien. Oder will man blos das Publikum an den Gedanken der Attentate gewöhnen? Wahrscheinlich Beides. Da ist uns dieser Tage wieder eine Broschüre zu Gesicht gekommen, die vor ungefähr zwei Jahren unter der lieber- schrift:„Warum verfolgt man uns?" erschien. In derselben finden wir eine Stelle, die für die gegenwärtige Situation uns so zeitgemäß erscheint, daß wir sie nachstehend zum Abdruck bringen wollen: „Es ist eine alte und gute Regel: mau soll auch vom Feind lernen. Und am besten lernt man vom Feind, wenn man ermittelt, welche Handlungen einerseits ihm angenehm und welche ihm unangenehm sind. Man muß immer das thun, was dem Feinde unangenehm ist. Das ihm Unangenehme ist das Beste. Und man muß immer ver- meiden, was dem Feind angenehm ist. Das müssen wir unter allen Umständen festhalten.-- *—#4 H k A.. u i; ch f e» h u'ätig l eilen nunc» dem Feinde jetzt sehr angenehm.--- Lobt der Feind uns, so können wir sicher sein, eine Dumm» heit gemacht zu haben. Zetert er über uns, so find wir auf dem richtigen Wege. Der Tadel des Feindes ist das schönste Lob, die Verleumdungen des Feindes die schmeichelhafteste Anerkennung. Unsere Feinde sind sehr unzufrieden mit uns— ein Beweis, daß wir auf dem richtigen Weg gehen, die richtige Taktik be- folgen— das heißt, die Taktik, welche unseren Feinden am verderblichsten ist, am schnellsten ihre Niederlage herbeiführen muß. Und von dieser Taktik werden wir uns nicht abdrängen lassen. Daß wir„ein Element der Unruhe" sind, leugnen wir lücht. Ohne ein„Element der Unruhe" kein Fortschritt. „Nur indem sie die herrschende Minderheit unruhig macht, kann die beherrschte Mehrheit ihr Recht und die Verbesserung ihrer Lage erlangen," sagte der Engländer Bentham, der ge- wiß kein Revolutionär war. Wir werden fortfahren,„die herrschende Minderheit unruhig zu machen," und wir werden erst dann aufhören,„ein Element der Unruhe" zu sein, wenn wir das Recht der beherrsch- km Mehrheit— das Recht des arbeitenden Volkes zur Gel- kuug gebracht haben. Wir werden Alles vermeiden, was unsere Feinde von uns wünschen. Wir werden keine Exzesse, keine Putsche, keine Atten- täte machen. Wir werden Alles thun, waS unsere Feinde wünschen, daß wir nicht thun. Wir werden nach wie vor dem Volk zeigen, wer und wo die Anarchisten, die Aussauger, die Räuber, die Mörder sind. Wir werden nach wie vor dem Volk zeigen, was die So- jialdemokratie ist und was die Sozialdemokraten wollen. Wir werden nach wie vor dem Volk zeigen, daß die Sozial- demvkratie ausschließlich die Interessen des Volkes befürwortet Mtd verficht; und daß die heilige Doppelausgabe, welche sie sich gesteckt hat, die ist: Licht und Wissen unter die Massen zu bringen. Und das Volk von seinen Unterdrückern, Blutsaugern und Berdummern zu befteien. Diese Aufgabe werden wir erfüllen genau in der Weise, bie unseren Feinden die unangenehmste ist. Und. kein UkaS, keine Verfolgung wird uns auch nur um eines Haares Breite von dem Weg der Pflicht abdrängen, der für unsere Partei auch der Weg des Sieges ist. Der Verfolgung Unserer Feinde spotten wir. Wir wissen, wir werden ver- wlgt, weil wir Recht haben: und so werden die Ver- fagungen für uns nur zu einer Quelle der Stärke, zu einem Hebel der Macht. Und die Geschichte lehrt uns, daß noch keine Idee durch die brutale Gewalk hat ausgerottet werden fonnen. Wohl aber lehrt sie uns, daß alle Regierungen und Systeme, die auf brutaler Gewalt beruhten, mit ffrutaler Gewalt die Ideen und das Recht zu unterdrücken üch vermaßm, jämmerlich zu Grunde gegangen sind. Wir wissen: die stolze Fahne der Sozialdemokratie wird einst ü b er D eutschland wehen und über allen Kulturländern der Erde. Und wir wissen, die Zeit wird kommen, wo die Gewalt- haber von heute entweder der Vergessenheit an- heimgefallen sind, oder der Unsterblichkeit der Infamie— und wo die Menschen sich wundern werden, wie es einst möglich war, daß Personen vom Schlage der heutigen Gewalthaber zu Ruhm und Ehren gelangen konnten. Unsere Genossen bedürfen keiner Mahnung zu muthigem Ausharren und Bordringen. Das ist die gute„erzieherische Wirkung" des Sozialistengesetzes, daß es die Feiglinge aus unseren Reihen getrieben hat und dieCharak- tere härtet wie Stahl. Jeder Hammerschlag der Ver- folgung schmiedet fester die Genossen und die Partei." Wie gesagt, das ward vor zwei Jahren gedruckt; es lautet aber, als wäre es für den heutigen Augenblick geschrieben. Und ganz natürlich, die Regierung bewegt sich im Kampfe gegen uns in dem„fehlerhaften Kreise" der Gewaltspolitik. Bei allen ihren Verfolgungen kommt sie immer wieder an den Anfang zurück— ihre plumpen Fälschungen wiederholen sich immer wieder, längst abgethane und vereitelte Ränke und Kniffe praktizirt sie stets von Neuem, und trotzdem die Dummen nie alle werden, täuscht sie schließlich doch Niemanden als sich selbst!— Unsere Genossen spotten aber der polizeilichen Fallen ebenso, wie sie der Verfolgungen spotten. Briefe aus Deutschland. 28. Juni. Die Junker- und Pfaffenklique, welche das böse„Interregnum" jetzt glücklich los ist, hat sich von ihrem Schrecken und ihrer Verblüfftheit noch nicht ganz erholt. Sie begeht Fehler über Fehler, und das plan- lose, widerspruchsvolle, unstetige Verhalten der Reptilienpresse verräth die innere Brüchigkeit des Systems und das böse Gewissen der Macher. Unter den Fehlern verstehen wir z. V. die Korporalproklamation an das H e e r und vor allen Dingen das G e s ch i m p f e aus Tüticken�i«. Jen. Prsilamat;.: F.-. ir, der ganze.. Welt eine» bitterbösen Eindruck gemacht, der vernü?snger Weise nicht beabsichtigt sein konnte, und dieses G-schimpf-: hat zur Folge gehabt, daß der Schleier nun allmälig abgezogen wird von den unglaublich gemeinen Jntrtguen, deren Zweck es war, die Thronbesteigung„unseres Fritz" zu verhindern. Mackenzie, der.so schmählich Angegriffene, hat es nun offen ausgesprochen, daß die sogenannte Militärpartei, d. h. die Partei des Bismarck und des neuesten Kaisers— Wilhelm II.— die Abstcht gehabt habe, den Kronprinz— den vorigen Kaiser(von heut an gerechnet; bei diesem unheimlich raschen Kaiserwechsel ist es schwer, die chronologische Zeitfolge zu präzisiren) von der Regierung auszu- schließen; daß— um diese Absicht zur Ausführung zu bringen— der Krebs hätte offiziell konstatirt werden müssen, und daß er, Mackenzie, sich der Krebsdiagnose nur deshalb nicht angeschlossen habe, um dieses infame Spiel zu vereiteln. Es mag darüber gestritten werden, ob Mackenzie als Arzt zu einer politischen Rolle berufen gewesen sei, aber es kann nicht geleugnet werde», daß die schuftige Jntrigüe, in deren Mittelpunkt er gerathen, ihm nur die Wahl ließ zwischen zwei Entschlüssen: entweder seinen Pa- tienten, der, weil er die Jntrigüe durchschaute, sich ihm anvertraut hatte, an dessen Feinde zu verrathen, oder so zu handeln, wie er gehandelt hat. Wir stehen nicht an, zu erklären, daß er unter den obwaltenden Um- ständen das gethan hat, was Ehre und Menschlichkeit ihm geboten. Mit welchen Gefühlen muß man aber diese deutschen Aerzte, insbe- sondere den Judenhetzer Bergmann(„von") betrachten, die um jeden Preis vor aller Welt den Krebs feststellen und um jeden Preis den unbequemen Thronerben durch eine chirurgische Operation beseitigen wollten! Was muß man von der P a r t« i denken, die— IHN an ihrer Spitze— die Acrzte anstachelte, und mit Gewalt den Thronfolger vom Throne fern halten wollte, weil er ihrem gemeingefährliche» Treiben nicht huldreich war! Und wie muß vor allen Dingen unser UrtheU lauten über den Sohn, der den Vater durchaus der Bergmann'schen„Operation" unterwerfen wollte, und im November vorigen Jahres ausdrücklich zu dem Zwecke»ach St. Nemo reiste, um die Operation zu erzwingen— und der dann, da ihm dies nicht gelang, nach einer(in der„Times" geschilderten) Szene beispielloser Gefühllosigkeit, in Zorne sich von den Eltern trennte!— Es ist erst der Zipfel des Vorhangs entfernt— aber ein grausiges Bild menschlicher Verkommenheit ist es, das sich uns dar- bietet. Und bald wird auch, was heute noch dunkel ist, aufgedeckt sein. Die Organe der Militär, und Juu.'erpartei find durch Mackenzie's Offenheit ganz niedergedonnert. Daß d i e s e r, oder sonst Jemand von der Gegenpartei, frei von der Leber weg reden werde, das hatten die dunkeln Ehrenmänner, die jene an die finstersten Hoftrazödien des Mittelalters erinnernde Jntrigüe ausgeheckt und durchgeführt haben, sich nicht träumen lassen. Für dies- b-sch-äukten Köpfe hört die Welt näm- lich an den Grenzen des deutschen Reichs auf— daß ein Engländer und daß eine„Engländerin" über Machtmittel verfügen kann, die kein Bismarck'scher Staatsanwalt, Polizist und Soldat zu erreichen, ge- schweige denn zu zertrümmern vermag— daran hatten diese Know- nothingS offenbar nicht gedacht. Einige von ihnen hatten Lunte gerochen und die Verhaftung Mackenzie's vorgeschlagen, den man ja dann & la„einäugigen Wolf" hätte tcaltire» können; allein Mackenzie war eben kein rechtloser D e u t s ch e r, und der Skandal wäre nur noch größer geworden. Genug, das Schlimmste, was wir vermuthet, ist durch die Enthüllungen Mackenzie's im vollsten Maße bestätigt, ja es ist ü b e r t r o f f e n; und wir kennen jetzt authentisch die moralische Qualität der Menschen, mit denen wir unS herumzuschlagen haben. Die„T h r o n r e d e", die gestern unter militärisch, fürstlichem Schaugepränge— die Herren Volksvertreter bildeten nur die Staffage— von dem jungen Kaiser mit schnarrender' Leutnantsstimme verlesen ward, gehört auch in die Reihe der Fehler. Ein Bischen mehr Saniz hätte dem Volk doch in die Augen gestreut werden müssen! Dieses nüchterne, frostige, hochinüthige, jeder Idee baare, die albernsten Einbildungen und Vorurtheile zum Ausdruck bringende Aktenstück zeigt etwas zu deutlich da« Kaliber- seiner Verfasser. Der Entwurf soll nämlich von dem neuesten Kaiser selbst sein— der Hausmeier habe blos etwas„redigirt" und„gemildert". Auf den Knauf deS Schwerts gestützt, der Friede nach Außen gepredigt, und— der B ü r g e r k r i e g nach Innen: das ist der Inhalt. Ob's mit dem Frieden nach Außen ernst ist— das wissen wir nicht und glauben wir nicht,— mit dem Krieg nach Innen, mit dem Bürgerkrieg, ist's aber gewiß ernst. Die 33'/, Pfennig- Sozialreform des„Großvaters"— der Bater wird von dem pflichttreuen Sohn kaum erwähnt— und Kampf gegen die „Umsturzbestrebunge n", das ist das Prozramin für die„innere Politik" dieses Kartellkaisers. Natürlich erheischt der Kampf gegen die„Umsturzbestrebungen" die B e i b e h a l t u n g des Sozialisten- gesetzes. Und nicht blos die Beibehaltung, sondern die„V e r s ch ä r- f u n g".— Wir wären Thoren, wollten wir uns Illusionen machen; und wir wären Lügner, wollten wir Unzufriedenheit äußern. Kein Zweifel, eS wäre uns im Interesse der Humanität lieber gewesen, ein Regiment wäre gekommen, das den f r i e d l i ch en V e rlauf der Arbeiterbewegung und die reformatorische Lösung der sozialen Frage ermöglicht hätte. Wenn aber unsere Feinde denn einmal den„gewaltsamen Weg" wollen, je nun, so ist dieser neuest« Kaiser gerade der Mann, den wir uns als Feind wünschen. Er ist aus dem Holz der Menschen geschnitzt, welche die Vorsehung zur Zerstörung der Reiche bestimmt hat.— Bezeichnend für die Situation ist, daß Bismarck schon zu zügeln beginnt. Er weiß: wer zu schnell geht, kommt nicht leicht ans Ziel, und er möchte doch sein Werk nicht überleben. Aus der„Thronrede" sei blos noch des Passus über Rußland erwähnt. Das Juchtenreich hat selbstverständlich die lebhaftesten Sympathien des neuen„alten Fritz", der sich zu dem alten„alten Fritz" ungefähr ebenso verhält, wie der„neue Luther" zu dem alten. Schade nur, daß das ersehnte Bündniß mit Rußland den Verzicht auf das Bündniß mit Oesterreich und Italien bedeuten würde. Doch laffenwir daS Politisiren.— Der Krieg ist uns erklärt, und wir wissen, was wir zu thun haben.— Ebenso wenig jedoch, wie wir uns einem Zweifel hingeben, was die nächste Zukunft unseren Genossen bringen wird, ebenso wenig liegt für uns irgend ein Grund zur Entmuthigung vor. Unentwegt wird die deutsche Sozialdemokratie den Kamps gegen das heutige Ausbeutungs- und Knechtungssystem auf allen Gebieten des politischen und wirthschastlichen Lebens weiter führen, unbekümmert dar- um, ob die Einzelnen in diesem großen Befreiungskampfe für die Mensch- heit fallen; wissen wir doch, daß die Lücken durch neue Streiter aus- gefüllt werden, und daß jeder Tag, den die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung ihr Leben fristet, unsere Armee verstärkt. Daher Kampf gegen Kampf; unerbittlich und unbarmherzig reißen wir den herrschenden Klaffm die beuchleriiche Maske vom Gesicht, mögen sie sich mit dem Purpur bedeck-, im Frack, im MilitSrrock, ober in der Kutte uns präsentiren, wir werden sie behandeln, wie sie es verdienen. Wem der Sieg zufallen wird? Uns ist es nicht zweifelhaft. Hier die morsche, in allen Fugen krachende, von ihren Lastern zerfressene Gesellschaft und dort daS jugendfrisch im Bewußtsein seines Rechts und seiner unbezwingbaren Kraft sich machtvoll ausraffende arbeit- nde Volk, dem der Sieg bereits aus den kühnen, strahlenden Augen blitzt. Die scheinbar dem Frieden gewidmet« Thronrede ist von dem Geist unduldsamer Herrschsucht diktirt, sie ist eine Kriegserklärung gegen die wichtigsten Aufgaben der menschlichen Gesellschaft, denn mit dem Phrasen- gebimme! von sozialer Ausgleichung, hinter dem nichts steht, fördert man nicht ernsthaft soziale Ausgaben. Die Kundgebung des Bismarck'schen Schülers zeigt, daß er seinen Platz zwischen den Pfaffen und den Militärs einzunehmen beabsichtigt; sie streut zugleich aber eine Saat aus, die aufgehen wird, jedoch nicht zum Nutzen feiner kaiserlichen Majestät und der hinter ihm stehenden Ausbeutergesellschaft. AuS Frankreich. Paris, 2S. Juni. Der Boulangismus hat der französischen Kammer schnelle Beine ge» macht, sie stürmt mit ungewohnter Hast auf die„ A r b e i t e r s ch u tz- Gesetzgebung" loS, nachdem sie sie seit Jahren auf die lange Bank zu schieben beliebte. In der zweiten Hälfte des Mai hatte sie die erste Lesung des Hastpflicht- und U n fa l lv er si ch e r u n g s< G e- s e tz e s im Handumdrehen erledigt, und in der letzten Woche beendete sie die erste Lesung der Vorlagen und Anträge, welche die Regulirung der Frauen- und Kinderarbeit betreffen. Trotzdem legten gerade die betreffenden Verhandlungen beredtes Zeugniß ab von der erschreckenden Gleichgültigkeit, welche die Masse der Parlamentarier aller politischen Fabrikmarken der wichtigen Frage der Arbeiterschutzgesetzgebung entgegen- bringen, eine Gleichgültigkeit, die bei den Debatten über die Frauen- und Kinderarbeit bei einem großen Theile derselben in offene Feindselig- keit umschlug. Während die Herren Abgeordneten keine Sitzung verfehlen, welche durch einen Skandal zu„amüsiren" verspricht, oder in der es sich darum handelt, Hinz den fettesten Bissen zu Gunsten des Kunz zu entreißen, war die Kammer bei den Verhandlungen über die Arbeiter- schutzgesetze sehr schlecht besucht und mehr als einmal beschlußunfähig. Man fügte sich eben nur sehr widerwillig einer unvermeidlich gewordenen Konvenienzpflicht. Wenn trotz alledem in der ersten Lesung ein im Ver- gleich zur bismärckischen Sozialstümperei annehmbares Gesetz zu Stande gekommen, so ist dies nur dem Druck der schwülen politischen Situation zuzuschreiben, welche die Köderung deS ungeschlachten Proletariats allen Parteien zur Pflicht der Selbsterhaltung macht. Denn„Prolo" spricht bei den Wahlen ein gewichtiges Wort mit. Das Unfallsgesetz zerfällt in zwei Theile, von denen der erste die Haftpflicht der Betriebsunternehmer, und der zweite die Unfallverfiche- rung der Betriebsunternehmer unter«inander behandelt. Das Gesetz erkennt das Prinzip der vollen Hastpflicht des Betriebsunternehmers bei allen Unfällen an, die der Verunglückte nicht absichtlich verursacht hat. Letzteren Fall ausgenommen, hat weder Arbeiter noch Arbeitgeber seine respektive Schuld oder Unschuld an einem Unfall nachzuweisen. Die volle Hastpflicht des Betriebsunternehmers wird aus den Artikeln des Zivilrechts abgeleitet, denen zufolge Jedermann für den Schaden auf- kommen muß, den Personen, für die er verantwortlich ist, oder Sachen, die er in seiner Verwahrung und Aussicht hat, verursachen. Das Gesetz gilt für alle Arbeiter, die im Privat-, Staats- oder Kommunal-Betrieb, in Fabriken, Hüttenwerken, Brüchen, Werkstätten, Minen, Magazinen, Verkehrsanstalten, auf Bauplätzen, beim Auf- und Abladen k. beschäftigt sind, für alle Industrie-, Forst, und Land-Arbeiter, die mit mecha- nischen Werkzeugen, mit Damps- und anderen Maschinen umgehen, für Arbeiter, die mit explodirbaren Stoffen zu thun haben»c. Bei voller, dauernder Arbeitsunfähigkeit in Folge eines Unfalls bei der Arbeit hat der Betriebsunternehmer für eine lebenslängliche Rente aufzukommen, die von einem bis zu zwei Dritteln des durchschnittlichen Jnhresmrdienstes steigt, jedoch nie unter 400 Fr. pro Jahr für einen Mann und SSV Fr. für eine Frau betragen darf. Beim Todessall des Verunglückten beträgt die Entschädigung die Begräbnißkosten(Lohn von 20 Arbeitstagen) und Renten an die Hinterlassenen, nämlich 20% des jährlichen Durchschnittsverdienstes an die Wittwe, 15 0/0 für ein, 25% für zwei, 35% für drei und 4)"/, für vier und mehr Kinder. Für mutterlose Waisen ist die Rente etwas höher, von 20—50%, fixirt, Hinterlassene in aufwärtssteigender Linie erhalten je 10 des JahreS- lohnes als Rente. Natürliche Kinder, welche der Vater aner- kannt hat, haben gleiche Rechte mit den legitimen Kindern desselben. Ist der Tod einer verheiratheten Frau durch Arbeitsunfall erfolgt, und find Kinder unter 14 Jahren vorhanden, so erhält der Bater eine Summe, die dem zweimaligen Jahresverdienst der Frau gleichkommt. Auf theil- weise Arbeitsunfähigkeit steht eine Theilrente. Der Betriebsunternehmer hat für die Kurkosten(Arzt und Medika- viente bis 100 Fr.) von Krankheiten und Verletzungen aufzukommen, welche Folgen von Arbeitsunfällen sind. Er muß außerdem drei Monate laug die Hälfte des Lohnes, j-doch nicht unter 1 Fr. und nicht über 2 Fr. 50 Cts. per Tag als Krankengeld zahlen, falls nicht bereits dauernde Arbeitsunfähigkeit kanstatirt ist. Es ist vorderhand noch offene Frage, ob neben dem Hastpflichtgesetz noch zwei Artikel des Strafgesetz- buches in Kraft bleiben sollen, welche dem Arbeiter das Recht zusprechen, den Arbeitgeber wegen Unfällen, die Schuld von dessen Unvorsichtigkeit, Nachlässigkeit ic. rc. sind, zur Verantwortung, resp. Entschädigung heran- zuziehen. Die Regierung war und ist dafür, daß neben der zivilrecht lichen Haftpflicht die flrafrechtliche Verantwortlichkeit des Betriebs- Unternehmers stehen bleibt, die Kommission der Kammer erklärte sich dagegen. Die zweite Lesung wird zeigen, wie weit sich die Kammer über die gröbsten Klasseninteressen erheben kann. Ebenfalls ist noch nicht darüber entschieden, ob die Unfallsversicherung der Betriebsunternehmer, welche der zweite Theil des Gesetzes behandelt, obligatorisch oder fakultativ sein wird. Die Regierung ist für Vcrsiche- rungSzwang, die Kammer für Verstcherungssreiheit. Die Unfalliverstche- rung der Unternehmer soll durch„Berufsgenossenschaften" geschehen, das Personal der in jeder einzelnen versicherten Unternehmer soll nicht un!er 2000 Arbeiter zusammen bötragen. Die verschiedenen Industrien sind behufs der Versicherung beziehungsweise Gründung von Berufsgenossen' fchaften in fünf Gefahrenklassen eingetheilt, in denen die VersicherungS- Prämie pro 1000 Fr. Arbeitslohn 24, 18, 12, 9 und 6 Fr. beträgt. Die zweite Lesung des Gesetzes, welche soeben begonnen, wird an seinen Hauptgrundzügen wenig ändern. Gin Großindustrieller und Kohlenberg- werkiefitzer verlangte zwar, die Rente bei Arbeitsunfähigkeit im Verhält- niß zu 5 Lohnklassen, die unterste zu 1 Fr. 40 CtS., die höchste zu 4 Fr. pro Tag, auf 50 Cts. bis 1 Fr. 50 CtS. festzusetzen, ferner die Kost-n durch departementale Sparkassen, die von Arbeitern und Unter- nehmern unterhalten würden, aufzubringen. Um seinem Antrag mehr Nachdruck zu geben, fügte er hinzu, daß die Kreise der Industriellen von dem Gesetz„schreck.ich entsetzt" seien; derselbe wurde aber trotz alledem verworfen. Die Sitzung führte zu einem hitzigen Duell zwischen den Christlich-(Katholische) Zozialen und den Anhängern des Manchesterthums. Erstere warfen Letzteren vor, daß Dank ihrer Theorien das Kind jedes Arbeiters mit einem Anthcil an der Staatsschuld von 1000 Fr. und mit einer Steuerverpflichtung von 100 Fr. geboren würde, daß der Arbeiter Alles 25— 80 0/0 theurer bezahlen müsse als der Besitz nde, da er nur im Detail und auf Kredit einkaufen könne, daß er der Sklave des Unternehmers und ohne alle Freiheit sei ic. Die Vorkämpfer des süßen und einträglichen Imissor faire warfen den Christlich-Sozialen wiederum die Zustände in den von ihnen gegründeten Kooperativgesell- fchaften an den Kopf, in denen daS Truck-System herrscht, so daß die Arbeiter jahrelang nicht einmal die Farbe des Geldes sehen Das Alles ist nicht neu, aber es ist gut, dies so offiziell konstatirt zu wissen. Für die relativ« Gerechtigkeit, welche die Kammer dem Nusallsgesetz gegenüber zeigt, hat sie sich bei der Behandlung der Frage der F r a u e n> und Kinderarbeit schadlos gehalten,„entsühnt". Die Fassung, welche der betreffende Entwurf nach der ersten Lesung erhalten, macht das Gesetz fast werthlos. Die wichtigsten, grundlegenden Bestimmungen der Vorlage sind verworfen, ein Paragraph hebt den vorhergehenden auf oder schränkt ihn»in. Verworfen ward der Normalarbeitstag, sowie daS Verboi der Nachtarbeit für Frauen, verworfen auch der Artikel, welcher festsetzte, daß Wöchnerinnen erst vier Wochen nach erfolgter Ge- burt eingestellt werden dürfen. Daß der Antrag Basly-Cimölinat auf Einführung eines neunstündigen Normalarbeitstages für Erwachsene (8 Stunden für Minenarbeiter und 0 Stunden für Kinder) mit großer Majorität abgelehnt werden würde, war vorauszusehen,«uße. den so- genannten Arbeiterdeputirten, die zur Gruppe der sozialistischen Radikalen gehören, sowie den Christlich-Sozialen, ist keine Partei für dieselben ein- getreten. Der bürgerlich Radikale Joes Guyot zeigte sich sogar al« dessen erbittertster und hartnäckigster Gegner. Der Einfluß der„Gesell- schaft der Wensch-n- und Bürgerrechte", die Allianz mit den Possibi- listen, hat die Radikalen nicht einmal vermocht, für ein Gesetz in die Schranken zu treten, das nur der gröbsten Ausbeutung der Arbeiter vorgebeugt hätte.— Nebenbei muß hier bemerkt werden, daß sich die Arbeiterdeputirten zwar durchaus korrekt hielten, und ehrlich und voll für die Interessen ihrer Klasse eintraten, allein sich keineswegs der Auf. gäbe gewachsen zeigten, welche die Diskussion der Frage auf ihre Schul- tern legte. Abgesehen von seinem christlich.zünstlerischen Zopf«, erwies sich nur der„Chrisilich-Soziale" De Mun auf der Höhe der Situation. Seiner sowohl inhaltlich wie formell bedeutenden Rede ist es überhaupt zum großen Theil zu verdanken, daß die Kammer wenigstens für das Prinzip der gesetzlichen Beschränkung der Frauen- und Kinderarbeit stimmte, das als Einbruch in die famose„Freiheit der Arbeit" bekämpft worden war. De Mun erklärte das Recht des Staates, in die Produk- ttonsverhältnisse einzugreifen, als Folge der Natur der Arbeit, die eine soziale Funktion sei, gegenseitige Rechte und Pflichten in sich schließe. Der Staat habe außerdem im Namen der Gerechtigkeit die Schwachen zu schützen, und gegenüber der Macht des Kapitals seien die Arbeiter die Schwachen, da diese sie daran hindere, ihre Lage zu verbessern. Die Freiheit der Arbeit sei nur das Recht des Starken, die Schwachen aus- zubeuten und zu unterdrücken. Der einzelne Fabrikant kann die Lage seiner Arbeiter nicht verbessern, da er sonst selbst im Konkurrenzkampfe erliegen muß. Ueberhaupt gibt ei in Folge der Konzentration der Kapi- talien fast keine einzelnen Arbeitgeber mehr, sondern Aktiengesellschaften, die nur an ihren Profit denken, den Arbeiter als ein Instrument be- trachten, Frau und Kinder in die Industrie hereinziehen. Der Staat muß da» Gleichgewicht herstellen, er muß nicht nur die Frauen und Kinderarbeit, sondern die Arbeit der Erwachsenen und all- Beschäftigung überhaupt regeln. Die Arbeit darf nicht die Entartung der Rasse her- beisühren, denn die Industrie ist um des Menschen willen da, und nicht der Mensch um der Industrie willen. De Run fügte in seiner Rede noch hinzu, daß er in seiner politischen Stellung von den Sozialisten zwar durch einen Abgrund geschieden sei, aber sich mit ihnen in dem leidenschaftlichen Wunsche begegne, den Ar- beitern Gerechtigkeit zu verschaff-n. Di- Vorkämpfer des Manchesterthum», die Herren Joes Guyot und F. Passy, welche bis zum Ueberdruß den alten Brei von der Freiheit der Arbeit, der Freiheit des Individuums wiederkauten, zeigten sich der Manschen Argumentation nicht gewachsen. Wenn man die Klagelieder dieser Pfaffen der politischen O-konomie hörte, welche in der Bourgeoisprefle mit Lust und Behagen breitgetreten wurden, so mußte man glauben, das Ende der Welt stünde bevor, die Entwicklung der Menschheit, alle Zivilisation sei mit einemmale vernichtet. Frankreich war rettungslos in dem Abgrunde des StaatssozialiSmus versunken. Sobald sich der Staat einmal herausnähme, die Arbeitszeit zu regeln, die Kinderarbeit sc. zu verbieten, so werde er— schrecklich zu sagen— sogar noch dabei ankommen, den Lohn zu regeln, ein Lohn- Minimum einzuführen! Di« Arbeit eine soziale Funktion, der Arbeiter ein gesellschaftlicher Beamter? ckoae, welche Beleidigung aller servilen Schreiberseelen, die in offiziellm»ureaux mit ihrem Hinteren die Sessel poliren! Der Staat werde durch seine Intervention den Pauperismus allgemein machen, die Tradition der Revolution sei verrathen tc. In diesen Tonarten pfiff es aus allen Löchern. Der„Temps" fand einigen Trost nur in der Erwartung, daß die Fabrikinspektoren nicht streng auf Durchführung des neuen Gesetzes halten würden, denn—„wer wird die Inspektoren überwachen?" ferner in der Thatsache, daß die Arbeiter, wie sie wiederholt bewiesen, sich selbst nicht viel um die gesetzlichen Bestimmungen kümmern werden. Der„Temps" hat mit seiner hämischen Bemerkung ins Schwarz« getroffen. Die Haltung der französischen Arbeiterschaft der Frage der Arbeiter- schutzgesetzgebung, sowie verschiedenen älteren Gesetzen gegenüber, beweist ihr geringes sozialökonomisches Verständniß, und die Schwäche der fran- zösisch-n Arbeiterorganisationen, die sozialistischen mit inbegriffen. Die Verhandlungen der besprochenen Gesetze find an der Arbeiterwelt fast spurlos vorübergegangen. Der hohe agitatorische und erzieherische Werth, welcher der Frage der Arbeiterschutzgesetzgebung, abgesehen von ihren realen Bortheilen für die Arbeiterklaffe, innewohnt, ist den Arbeiter- Organisationen entgangen. Die so günstige Gelegenheit fü. Agitation und Propaganda unter der indifferenten Masse mittels eines Themas. das deren strikte Interessen berührt, ist nicht ergriffen, nicht ausgenutzt worden. Welches Leben, welche Energie haben nicht unter den gleichen Umständen die englischen Arbeiterorganisationen gezeigt, welche imposante Bewegung inszenirten ihre amerikanischen Schwestern zu Gunsten des achtstündigen Normalarbeitstags? Hier herrscht Stille über den Ge- wässern. Sämmtliche Arbeiterkongresse, gewerkschaftliche wie sozialistische, glauben ihrer Pflicht damit genügt zu haben, daß sie in ihren Resolu- tionen prinzipiell Stellung zu den betreffenden Fragen nahmen. Der gegenwärtig tagende Regionalkongreß des Zentrums z. B. hat die Frage der Arbeiterschutzzesetzgebung auf seinem Programm stehen, es find sehr schätz nSwerthe Berichte über das Thema verlesen worden, und damit ist der Pflicht genügt. Die hohe Politik nimmt alle Kräfte in Anspruch, der„Anliboulanzismus" macht eben eine vielseitige Agitation durch das ganze Land nöthig. Was sollte auch sonst aus der rep iblikanischen Konzentration, dem Kabinet Floq.ret und der R-publik werden? Auch die Arbeiter- und sozialistische Presse hat die Fragen in durchaus oberflächlicher und ungenügmder Weise behandelt. Die Arbeiterorganisationen hä ten bei dieser Gelegenheit nicht nur ihr Verständniß, sondern auch ihre Kraft, ihren Einstuß zeigen können. Bei dem geringsten Nachdruck, den sie dem Gesetz durch eine Bewegung der Masse, durch ihr eigenes Auftreten gegeben, hä t« die Kammer viel weiter- gehend« Bestimmungen als die jetzt beschlossenen annehmen müssen. Die Wirkung ihrer Thätigkeit wäre eine um so größere gewesen, als die aktuelle politische Situation der Haltung der Arbeiterschaft großen Werth beilegt, j-de politische Partei im Interesse ihrer Selbsierhaltung gezwun- gen ist, die eventuelle Bundesgenoss nschaft der Arbeiter durch Kon- Zessionen zu erkaufen.— Heber den erwähnten Kongreß und die skandalöse Aufführung der Kohlenbarone von RiveS-de-GierS daS nächste Mal. O-n. Sozialpolitische Rundschau. Zürich, 26. Juni 1883. — Die Thronrede Wilhelm II. Vergangenen Montag waren die „Vertreter Deutschland»", d. h. der vermittelst Bismarck-Puttkamer'schen Wahlerlasse, Melinitbomben, Holzbaracken und Kriegsfurcht zu Stande gekommene Reichstag im Weißen Saal zu Berlin versammelt, um den Worten des neuen Kaisers zu lauschen. Die Vertreter des Proletariats, die Bevollmächtigten des arbeitenden, dafür aber geknechteten und ausgebeuteten Volkes, die sozialdemokrati- schen Abgeordneten, hielten sich selbstverständlich für zu gut, diese Ko- mödie mitzumachen. Und eine richtige Komödie war eS; nachdem das gesammte Reptil- gesindel auf höheren Befehl der Welt das ihr bevorstehende Heil mit Pauken und Trompeten angekündigt, erschien der junge Mann, umgeben von seinen Vasallen, pardon den sogenannten Verbündeten, um dem Reichstage, resp. der Welt zu erzählen, daß er in die Fußtapfen seines Großvaters treten werde. Als ob irgend Jemand daran gezweifelt hätte. Die Betheuerung seiner Friedensliebe tönt aus j-der Zeile der Wil- helm'schen Kundgebung heraus, natürlich fehlt jedoch die abgenutzte Ein- fchränkung nicht, wenn wir nicht durch einen„unchristlichen Angriff" genöthigt werden, daS Schwert zu ziehen. Nun, man weiß, wie leicht sich„Angriff." fabriziren lassen, du- preußisch-deutsche Geschichte ist nicht arm an, durch„Angriffs", erzwungenen VertheidigungSkriegen mit obli- gater Vermehrung des Besitzes. Auch die„Sozialreform" des alten Wilhelm, oder vielmehr seines Hausmeiers, soll fortgesetzt werden, so steht's in der Thronrede. Die„hundert Tage" Friedrich's-III. sollen fo schnell als möglich aus dem Gedächtniß des Volkes getilgt werden und, anknüpfend an die Re- gierung des Großvaters, stützt sich der Enkel auf die Macht der Bajo- nette, gleich ihm fördert er militärische Großmannssucht und christliche ScheinhMgkeit. Der Bismarck'fche Schwindel mit der„Sozialreform" wird weiter ge- trieben,„die Ausgleichung der gesellschaftlichen Gegensätze" zwar ver< sprachen, aber durch die brutalsten Maßnahmen gegen die arbeitenden Rassen gewaltsam verhindert, und j-der Versuch, die Lage der Volks- massen zu verbessern, durch den vollständig im Banne der kapitalistischen Produktionsweise stehenden und aus ihr seine Millionen zusammen- scharrenden„eisernen Kanzler" im Keime erstickt. Nach dieser Richtung hin lassen die dem deutschen Volke von seinem neuen Kaiser verkündeten Regierungsgrundsätze an Offenheit nichts zu wünschen übrig. Wilhelm II. hält es für geboten, die staatlich« und gesellschaftliche Entwicklung in den Bahnen der Gesetzlichkeit zu erhalten, und allen Be- strebungen, welche den Zweck und die Wirkung haben, die staatliche Ocd- nunz zu untergraben, mit Festigkeit entgegenzutreten. Gut gebrüllt, Löwe! Aber in einfaches verständliches Deutsch übersetzt, heißt das nichts weiter, als die bestehenden Zustände werden verewigt und der Ausbeutung der Millionen durch die Einzelnen wird die feier- lichste Sanktion ertheilt. Wie könnte es auch anders sein; ruht doch die Möglichkeit der dynastischen Herrschaft auf der Willfährigkeit der Bour- goisie, und diese wieder opfert einen Theil ihres Raubei, welchen sie aus dem Mark des Proletariat» saugt, einzig nur deswegen, um unter den schützenden Fittigen des kaiserlichen AarL ungestört weiter brand- schätzen zu können. Deshalb muß die„staatliche Ordnung" ausrecht erhalten werden, und deshalb wird der einzigen prinzipiellen, das geschundene und verrathene Volk vertretenden, oppositionellen Partei in Deutschland, der Sozial- demokratie, schon in den ersten Worten des jugendlichen Hohen« zollern die Verschärfung de» infamsten aller Gesetze angekündigt. Uns überrascht dies nicht; es war nach dem bisherige» Austreten desselben vorauszusehen. Auf der einen Seite Frömmelei, auf der andern Brutalität— dies ist die Signatur, unter der sich die Regierung Wilhelm II. ankündigt. In den Reihen der Sozialdemokratie hat man nichts Anderes erwartet, eS wird also auch keine Enttäuschungen geben und je ärger e» der 29- jährige Herrscher von Gottes Gnaden treibt, je schneller wird er die Katastrophe herbeiführen. — Bei der ersten Kahrt«ach verlin, die Wilhelm II. mit seiner Frau machte, fand sich aus der Charlottenburger Chaussee, beim großen Stern, an einem Baum, ein in tiefe Trauer gehüllter, mit Crepe- Schleifen dekorirter todter Kater aufgehängt, an dessen Halse sich ein Paar papierner Psaffen-Bässchen mit folgender Inschrift befanden: „Ich bin Dem Berather! „Rezierst Du wie Dein Vater; „Hängst Du wie dieser Kater!" Vielleicht S t ö ck e r der Verfasser? —„Frömmigkeit und Gottesfurcht zu pflegen"— das hat, laut seinem Erlaß an daS preußische Volk, Wilhelm II.„Gott gelobt", und demgemäß eine Deputation der Behörden Berlins darauf aufmerk- sam gemacht, daß man„neben den schönen Gebäuden für Schul- und Krankenhauszwecke auch den Bau von Gotteshäusern in» Auge fassen sollte". Auch diese seien„eine Zierde der Stadt". So werden wir wohl bald die Kirchen wie Pilze aus der Erde schießen und die Errichtung von„Schulpalästen" entsprechend abnehmen sehen. Was stützt auch alle Bildung, alles Wissen, wenn die wahre Gottes- surcht fehlt l Diese ist die Hauptsache, nur sie macht gute Menschen und nützliche Staatsbürger. Biel wichtiger, als dem Volk die Elemente der Natur- Wissenschaft, die Kenntniß der physikalischen Gesetze rc. beizubringen, ist, «hm immer und immer wieder die zehn Gebote einzup ruken. Nur so wirkt man der eingerissenen Sittenverderbniß entgegen. Da ist zum Beispiel das vierte Gebot:„Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß es Dir wohlergeht und Du lange lebest auf Erden." Man sollte es gar nicht glauben, aber es ist Thatsache, daß in manchen Schichten der Bevölkerung dasselbe vollständig vergessen zu sein scheint. Erst in jüngster Zeit ist uns in dieser Hinsicht von durchaus zuverlässiger Seite eine Geschichte berichtet worden, die geradezu als klassischer Beleg dafür dienen kann. Wir wollen sie daher im Interesse der guten Sache hier weiter mittheilen. In einer ziemlich gut situirten Familie— nennen wir sie, um Nie- mand zu nahe zutreten, mit dem möglichst allgemeinen Namen Schmidt— war der Vater schwer erkrankt und wellte fernab von der Heimath in einem Kurort. Immer trübere Berichte liefen über seinen Zustand von den Aerzten ein, so daß die Angehörigen auf das Schlimmste gefaßt sein mußten. Meinungsverschiedenhellen herrschten eigentlich nur darüber, ob die Katastrophe unmittelbar bevorstehe, oder ob sich das Leben de« Vaters noch durch sorgsame Pflege um etliche Monats werde verlängern lassen. Als eines Tages wieder ganz besonders schlimme Nachrichten eintrafen, reiste der ä.'teste Sohn per Extrazuz zu seinem Vater. Es handelte sich darum, geschäftliche Angelegenheiten, über die wir hier schweigen wollen, zum Austrag zu bringen. Man hätte aber auch meinen dürfen, die natürliche Liebe des Kindes zu seinem Vater habe den Sohn dazu ge- trieben, seinen Bater noch auf dem Sterbelager zu besuchen. Wirklich« Trauer, tiefempfundenes Mitgefühl veredeln ja selbst Barbaren. Auf seiner Rüse berührte der Sohn ein- Stadt, in der ein Arzt wohnte, der für die Behandlung der Krankheit, an der der Vater litt, einen be« sondern Ruf genoß und der deshalb auch an das Krankenbett gerufen wurde. Er sollte den Sohn auf der Reise begleiten. Ernsten SinneS betrat der Jünger AeSkulap's— nennen wir ihn L e h m a n n— zur festgesetzten Zeit den Salonwagen, mußte er doch annehmen, einen vo« Schmerz tiefgebeugten Jüngling anzutreff-n. Er bereitete sich vor, zu trösten, soweit ihm sein medizinisches Gewissen es gestatten würde. Wer schildert daher sein Erstaunen, als er den Sohn des hoffnungslos Kranken, statt in Schmerz versunken, mit zwei Begleitern in aller Ge- müthsruhe das Lieblingsspiel aller KriegSbrüder— Skat spielen sah? Und die erste Anrede, die der Sohn des Todtkranken an den Arzt seines Vaters richtete, war nicht etwa, wie man meinen sollte:„Ist noch Hoff- nung, meinen Vater zu erhalten?" sondern die mit großer Seelenruhe hingeworfene Frage:„Spielen Sie auch Skat?" Und da der Arzt die Frage bejahen konnte— welcher Besucher deutscher Universitäten vermag es nicht?— wurde er eingeladen, in die Partte einzutreten. So Sußerte sich die Besorgniß um das Leben des VaterS. Aber noch mehr. Im Verlauf der Weiterfahrt setzte der Sohn dem Arzt auseinander, um was eS sich eigentlich noch handle. Es komme darauf an, auf Grund ärzllicher Zeugnisse den Vater zu Schritten zu veranlassen, die darauf hinausliefen, den Sohn in Stand zu setzen, unter gewissen Boraus- fetzungen das Erbe seines Vaters schon zu dessen Lebzeiten anzutrete«, diesen noch vor seinem Ende zum tobten Mann zu machen Der Vater aber, und ganz besonders die Mutter, wollten davon absolut nichts wissen, die letzter- gebe die Hoffnung noch immer nicht auf, ihren Mann zu retten, und müsse unbedingt zur Raison gebracht werden.„Vor allem, Dr. Lehmann, bitte ich Sie," sagte Schmidt junior,„retten Sie mich vor der Wuth meiner Mutter." Der gute Sohn hatte nämlich so sehr die kommenden Ereignisse vorweg genommen, daß er kurz zuvor demon- strativ mit einem Mann fraternistrt hatte, von dem er wußte, daß er den Eltern im Innersten verhaßt war. Ist ein solches Benehmen nicht ein wahrer Hohn auf das vierte Ge- bot? Wünschen wir daher Wilhelm II. Glück dazu, daß er sich entschlossen, in dieser Hinsicht bessernd« Hand anzulegen. — Auf dem Gebiete der Genialität gibt eS jetzt Ko«- kurrenz. Wir haben jetzt neben, oben und unter unserem„genialen" Kanzler auch einen„genialen" Kaiser. E« ist natürlich der „neue-alte Fritz". Er wif. gleich diesen-„der erste Dimer des Staat»* sein(ein Citat, das beiläufig die Herren Fortschrittler ganz entzückt hat); er hat entdeckt, daß„Berlin die erste Stadt der Welt ist"— also auch berufen, die Hauptstadt der Welt zu werden— die nur eine» Fehler hat: nicht genug Kirchen zu besitzen; und wer nach diesen er- staunlichen Leistungen noch zweifeln wollte, daß der„alte Fritz" in ver« jüngtem— Maaßstab hätten wir fast gesagt— in verjüngtem Leibe und verbesserter Auflage auf dem preußifch-deutschen Thron sitzt, dem muß es dieser Tage klar geworden sein— seit der Kaiserlich-Königlich« Hosmarschall es feierlichst der Welt verkündet hat, daß der neue Kaiser gar keine Blume bevorzugt, und gar kein Blumenfreund ist. Wir sprechen selbstverständlich nicht von figürlichen Blumen. Kein Blumenfreund! Nun ist die Sehnlichkeit perfekt! Der alte Fritz schnupfte entsetzlich und hatte keine Spur von Geruch. Zwischen dem Gestank einer Kaserne oder eines Pferdestalles und dem Duft eine« thauigen JunimorgenS konnte er keinen Unterschied machen. Und de« neuesten Kaiser ergeht es ganz ebenso. Kurz— Friedrich der Groß« sitzt wieder auf dem Thron! Fridericus magnas Redi virus. Was kann aber auch ein„Soldat" für Vergnügen an Blumen haben? Mit Blumen kann man kein« Kanonen loßschießen, und keine Flinten laden. Mit Blumen kann man Niemand todtschlagen— hoch- fienS Jemanden ersticken, wie es weiland dem alten Voltaire bei- nahe passirt wäre, als er— bei seiner letzten Triumphfahrt durch Pari« so mit Rosen bombardirt wurde, daß er abwehrend ausrief: Von» m'ötouffer sous des roses! Ihr erstickt mich unter Rosen! Auch nicht einmal Kommißbrod kann man von Blumen backe». Da sind die figürlichen Blumen doch nützlicher. Sie sind zur Soldatenfabrikation unentbehrlich; sie liefern wenigstens das„Roh- Material" für die Kaserne. Apropos, die Thronrede am Landtag war etwas zivilifirter al» der dem Reichstag verlesene Ukas. Wenn auch der neueste Kaiser kaum in der Lage gewesen fem wird, zu begreifen, welch miserabler Eindruck sein« früheren„Aussprachen" gemacht haben, so wird eS ihm wohl von seinem Hausmeier und Hofmarschall begreiflich gemacht worden sein. Inzwischen wird lustig gegen Frankreich gehetzt. Kein Tag vergeht, ohne daß deutsche Gensdarmen oder Soldaten die Grenze verletzen. Durch solche Nadelstiche sollen die Franzosen gereizt werden. Dazu kommen noch die Studenten-Rüpeleien in Freiburg und München— die Ausweisung französischer Journalisten und last not least der LandeSverrathSprozeß, der nächste Woche bei vollster O e f f e n t l i ch k e i t, in obligater jouvenistiicher Zubereitung vom Leipziger Reichsgericht verhandelt werden wird, um den Deutschen zu zeigen, welches Gesindel diese Franzosen sind, und wie wunderbar friedlich der deutsche Reichskanzler ist, daß er dem Ge- sindel nicht schon längst„die Hosen ausgeklopft" hat. Und wenn nun die biederen Lock- Spitzel in Frankreich gute Ar- bell verrichten und ein paar deutsche Patrioten von Franzosen— durch- prügeln lassen— dann kommt allmälig die richtige Stimmung! So wird'S gemacht. —„Der erste Schritt ans einer abschüssigen«ahn, deren Endpunkt den Verlust der Freiheit bedeutet"— so nannten unsere vier Ausgewiesenen in ihrem Abschiedswort den G-waltstreich, der sie au« der Schweiz getrieben. Dem ersten Schritt folgen naturgemäß weiter«. Da» System der preußisch-deutschen Polizeikorruptton, da» seine Blüthe in den Bismarck-Puttkamer'schen Krüger, Jhring-Rahlo«, Raporra, Schröder, Haupt, Heinrich, Ehrenberg und tutti quanti treibt, lebt sich auch in der Schweiz allmälig recht hübsch ein. Die„polllische Polizei", die angeblich zur Ueberwachung der Spitzel votirt wurde, wuchert, wie alle Schmarotzerpflanzen, nicht blos auf dem Mistbeete der preußischen Lockspitzel, fondern gedeiht auch recht üppig auf dem offenen, freien Felde der Arbeiterpropaganda. Man steht da« wieder aus einer Korrespondenz, die der„Schweizerische Sozialdemokrat" in seiner neuesten Rummer veröffentlicht: „Als der Bundesrath gegen die Anarchisten und Polizeispitzel ew- schritt, hatte er unbestritten die große Mehrheit des SchweizervolkeS auf femer Seite; als er gegen Redaktion und Verlag de»„Sozialdemokrat" vorging, waren die Meinungen getheilt. Man hätte ein weniger schroffe« Snd mehr gerechte« Bersahren gewünscht, entschuldigte aber Manches mit der Süßeren Stellung der Schweiz. Nun scheint aber die Bundesbehörde allmälig auf einen Weg zu gerathen, der denn doch Kopfschütteln erregt. heute begnügt man sich bereits nicht mehr mit Anarchisten, Polizei- ftnheln und heißblütigen Preßmannen, sondern es wird nun Jedermann, der überhaupt über soziale Dinge an irgend emer Versammlung spricht, unter Polizeiaussicht gestellt! So lesen wir es gedruckt, schwarz aus weiß, in einer Polizeiinstruktion. Wir trauten unsern Augen kaum, aber es ist leider traurige Wahrheit, daß die P o l i z e i i n st r u i r t worden ist. alle öffentlichen und geheimen Versammlungen, in welchen über soziale Fragen diskutirt wird, inskünftig streng zu überwachen und über alle gehaltenen Reden an das eidgenöffische Justiz- und Polizeidepartement zu rapportiren! Diejenigen Revner, welche sich nicht über den Besitz eines Bürgerknebels ausweisen können, sollen unter besondere Polizeiaufsicht gestellt werden. Das riecht ja ganz preußisch! Welch Vergnügen muß es inSkünstig für Diejenigen sein, welchen die Befferstellung der arbeitenden Klaffen am Herzen liegt, wenn sie öffentlich wirken und reden wollen, fühlen zu müffen, daß sie polizeilich bewacht werden, ja daß man vielleicht aus purem Diensteifer ihre Worte verdreht und eine Denunziation daraus schmiedet. Welche prächtigen Rapporte muß es bei der Qualifikation der Mehrzahl der Polizeisoldaten geben! Sind wir wirklich in der Schweiz so weit gekommen, daß man dem fteien Bürger «inen Maulkratten anhängen will? Ja, dann allerdings bliebe uns nichts Anderes übrig, als den Bundesrath abzudanken und den Herrn Putt- tamer zum Diktator der schweizerischen Republik auszurufen!" Im Interesse der schweizerischen wie der Arbeiterbewegung überhaupt kann man diese Art„Sozialreform" nur begrüßen. Die Ernte wird die gleiche sein wie in— Deutschland. Gleiche Ursachen erzeugen gleiche Wirkungen. — Die zynische Verlogenheit der heutigen Gewalthaber in Deutschland kennzeichnet sich durch das schändliche Fälschungsspiel, welches Mit der ehrlichen deutschen Sprache getrieben wird. Wir deuteten schon früher aus dieses Moment hin, das sich allerdings auch in andern Län- dern findet, jedoch nirgends so ausgebildet, wie in dem Bismarck'schen Deutschland. Daß Parteien und Regierungen Worte, die einen guten Klang haben, für fich beschlagnahmen und ihnen einen ganz anderen Sinn unterlegen, das kommt überall vor. Allein, wie gesagt, nirgends wird dieses System der Fälschung, dieses auf den Kopfstellen der Be- griffe des Sprachgebrauchs so schamlos und so planmäßig betrieben, wie ln Deutschland. Es ist das eine der„Eigenlhü nlichkeiten" des Fürsten Bismarck, die er aus der Göttinger Korpskneipe ins politi- sche Leben eingeführt hat. Es gehört nämlich seit I»hrhunderten zu den üblichen Späffen der rohesten Studentensorte, die handgreiflichste Un Wahrheit zu sagen und— Zustimmung zu fordern. Wenn z. B. die Sonne recht stechend scheint, sagt der betreffend« Saufwitzbold zu Jemand. der geärgert werden soll, mit der ernstesten Miene von der Welt: es ist heute trübe und kalt! und, wird dem nicht beigepflichtet, so erklärt «r dies für eine Beleidigung und verlangt„Genuzthuung". Bismarck hat im Reichstag schon Dutzende solcher„genialen" Späße «-macht. Zum Beispiel an jenem Tag, wo er dem armen fortschrittlichen »Landrath" B a u m b a ch Wahlbeeinflnssimg vorwars, weil derselbe— keine Wahlbeeinfl rssung trieb, wie die Bismarck'schen Landräthe, bei Strafe der Absetzung sie zu übe» gehalten sind. Eines der schönsten Stückchen in dieser Kunst ist die„Denkschrift", durch welch- der P u t t k a m e r fich bei dem vorigen Kaiser gegen den Borwurs der Wahlbeeinfiußung vertheidigte. I" diesem klassischen Schrift- stück deduzirte der Puttkamer mit dem ihm eigenen Pathos, er— der Puttkamer— habe die Wahlsreiheit stets aus das Nachdrücklichst? gegen die— fortschrittliche und sozialdemokratische Wahlbeeinfluffung vertheidigtl Dem vorigen Kaiser gefiel die Deduktion nicht, und er jagte den Urheber »um Teufel, hier eigentlich zu seinem Sohn, der ihn wohl wieder in Bmt und Würden bringen wird. Bon seinem Standpunkt aus hat aber der Puttkamer ganz recht. Wahlfr-.iheit muß sein. Das Wort hat einen so vortrefflichen Klang! Was würden die Spießbürger sagen, wenn der Wahlminist r, Bismarcks Letter und Hausknecht für alle schmutzigen Arbeiten, erklären wollte: »Wir find Feinde der Wahlfreiheit! Wie dumm und plump das wäre. Im Gegentheil! Wir schwärmen für die Wahlfreiheit Nur wuß si? richtjg ausgesaßt w-rdep. Wahlsreiheit, die wir meinen!" Die üchte, wahre Wahlsreiheit, die darin besteht, daß der Wähler so wählt, wie sein wohlverstandenes Jntereffe es erheischt. Und da der brave Leichsbürger mit seinem beschränkten Unterthanenv-rstand seine Jntereffen dicht so gut kennt und v rsteht, wie der zum Gärtner gesetzte Bock Putt- kamer nebst seinen Vettern, Schwägern und der ständigen Junker- und Pfaffensippschaft, so hat die Wahlsreiheit sich darin zu äußern, daß der brave Reichsbürger so stimmt, wie die Regierung— der Bunbesrath, Legierungsrath u. s. w.— eS vorschreibt. Kommt aber so ein staats» feindlicher Sozialdemokrat oder Fortschrtttler, der den braven Reichs- iürger verhindern will, seine Wahlfreiheit zu bethätigen, daß er für den Regierungskandidaten stimmt,— so muß die Regierung die bedrohte Wahlfreiheit beschirmen, und den Feinden der Wahlfreiheit und der Re< gierung da? Handwerk legen. Nichts kann logischer sein.-- Glaube der Leser ja nicht, daß wir uns hier einen Scherz erlaubt haben. Was wir als Inhalt der Puttkamer'schen Denkschrift mittheilten, entspricht vollständig den Thatsachen', wir haben bloß bie Form schärfer hervortreten laffen: im W e s e n t l i ch e n ist dies dicht bloß genau der Inhalt der Puttkamer'schen„Denkschrift", sondern auch das ganze Bismarck'sche Regierungsprogramm sürdie Wahlen— daS Regierungsprogramm, nach welchem— mit steigender Laffinirthett und Energie— bei den bisherigen Wahlen verfahren wor- de« ist, und nach welchem bei den nächsten Wahlen oerfahren »Verden wird. Wir haben da überhaupt die Schablone Bismarck'scher Politik Und Praxis. Und jeder Quartaner, der die Schablone hat, kann darnach arbeiten. Man nehme z.B.„Das Wohl deS armen Mannes". Heiß ist kalt. Wahlfreiheit ist Wahlbeeinfluffung. Der arme Mann ist der reiche Mann. Kurz- man stellt den Begriff auf den Kops und >v jeu est fair— das Kunststück ist gemacht. Die Fürsorge für den armen Mann ist— daß ihm die Taschen vollends geleert und die ple< befischen Arbeitergroschen— in die Taschen der aristokratischen Junker befördert werden, die Keffer damit zu wirthschasten wiffen, als die dum- wen armen Leute, und außerdem für die dummen armen Leute poeit bester sorgen, als diese selbst es vermögen. Jeder unserer Leser kann die Schablone beliebig auf jede beliebige Legierungspraxis des eisenstirnigen Kanzler«, aus die leitenden Prin< «ipien der deutschen Justiz anwenden— die Schablone wird sich in allen Fällen bewähren. Bielleicht machen wir unS gelegentlich wieder einmal das Vergnügen, einige Pröbchen zum Besten zu geben. —„Einer der Hauptagitatore« der Sozialdemokraten t« Mainz ist nach Berübung eines Ei n b r u chd i e b st a h l s flüchtig gegangen. Die Polizei fahndet eifrig nach dem Entflohenen, der seine Familie in bitterster Roth zurückgelaffen hat"— also lesen wir in OrdnunzSblättern. Wir kennen besagten„Hauptagitator" nicht, »nüffen aber sagen, daß er ein entsetzliches Scheusal sein muß, denn sonst hätte er doch nach kartellbrüderlichem Rezept so viel gestohlen <ä Ja Winkelmann und Jerusalem, ordnungS- und industrie- ritterlichen Angedenkens), daß für seine Familie etwaS Ordentliches abgefallen wäre. UebrigenS hoffen wir, die Notiz möge nicht erlogen fein. Dann gibt eS doch wenigstens einen sozialdemokratischen„Agt- tator"(ja„Hauptagitator"), welcher würdig ist, von Kaiser Wilhelm II. begnadigt zu werden. — Der Staatsanwalt, welcher den unschuldigen L i«« k e auf's Schaffst brachte und dabei den Eifer und Blutdurst, wenn auch nicht den Scharfsinn eines Schweißhundes an den Tag legte, wurde bekannt- »ich bald nach der Hinrichtung seines Opfers geistesgestört— wie vor ihm schon so viele M-nschenjäger ähnlichen Kalibers in Frankreich, Deutschland und anderen Ländern. Er befindet sich jetzt, als unheilbar Kranker, in der Irrenanstalt des Herrn Dr. Edel in Charlotten- bürg. Die„Frankfurter Zeitung" veröffentlichte vor Kurzem ein inter- effantes Feuilleton über einen Besuch in jener Anstalt und ein Gespräch mtt dem kranken Staatsanwalt. Der Geist LieSke's verfolgt diesen— Zweifel an der Schuld des Unglücklichen, den er dem Tod über- antwortet, wühlen in ihm und die prophetischen Worte des soeben ver- urtheilten Lieske:„Herr Staatsanwalt, Sie werden kein Todesurtheil «ehr beantragen!" haben sich ties in die Brust des zerknirschten Menschen« jägerS und Mörder? gebohrt und sind ihm zur Zuchtruthe geworden— selbst im Irrenhaus, das sonst den Frieden der Unbewußtheit gibt. Dieser Verbrecher— F r e h s e e heißt er— hat in seiner Geistes- nacht die Folterqualen der D a n t e'schen Hölle zu ertragen. — Der St. Sallener Parteitag faßte bekanntlich mit Einstimmig- kett folgenden Beschluß: „Der Parteitag fordert die Genossen auf, der Flucht von Parteigenossen wegen drohender Prozesse oder G e s ä n g n i ßstr af e n möglichst ent- gegenzutreten und eventuell jede materielle Unterstützung zu versagen." Die Bedeutung dieses BeschluffeS scheint von den Genoffen nicht überall erkannt worden zu sein, oder doch nicht genügend gewürdigt zu werden. Es ist auch nach dem Parteitag vorgekommen, daßGenoffen, denen eine Gefängnißstrafe drohte, die Flucht ergriffen haben. E i liegt in einem solchen Vorgehen ein Mangel an M u t h, wie ein Sozial- demokrat ihn niemals bekunden sollte, und ein- RücksichtSlosig- keit gegenüber denGenossen. welche den Solidaritätsbegriffen der Sozialdemokratie in's Gesicht schlägt. Wie uns mitgetheilt wird, herrscht hier und da die irrige Auffaffung, der Parteitag habe bestimmt, daß nur solche Prozeffe, in denen eine kürzere Gefängnißstrafe— bis zu sechs Monaten— verhängt sei, oder verhängt werden könne, unter den Beschluß fallen sollten. Wir können indeß nicht glauben, daß eine solche Auffaffung wirklich besteht. Hätte der Parteitag den Beschluß in diesem Sinne gefaßt, dann wären that- sächlich alle diejenigen Genoffen, die größere Strafen zu besürchten haben, der Staatsanwaltschaft gegenüber sür vogelfrei erklärt und nur Diejenigen hätten Vortheil, die geringfügige Strafen zu erwarten hätten. Das wäre ja ein absoluter Widersinn! — Die schmachvolle Aera der Majestätsbeleidigungen kommt fett dem jüngsten Thronwechsel in Deutschland wieder in Blüthe. Wie im Jahre 187« das Denunziantenthum bis in die sogenannten höchsten Kreise der Gesellschaft seine Ableger sandte und in dem Münchener Akademiedirektor P i l o t y, der einen 7gjährigen Greis, Dr. Trettenbach, persönlich denunzirte, seinen charakteristischen Typus fand, so erstehen auch heute bereits wieder die Denunzianten aus den Reihen der„befferen" Gesellschaft. Daß Spitzel- und anderes Polizeigesindel in streberhaftem Eifer nach Beförderung die Ohren steift und, wo es nichts hört, provo- zirt, fälscht und lügt— ist eine so selbstverständliche und nirgends be« strittene Thatsache, daß man darüber kaum ein Wort zu verlieren braucht. Bezeichnender für die fortschreitende Gestnnungsverlumpung unserer bürgerlichen Gesellschaft ist die Rekrutirung dieses elenden Denunzianten- thums aus ihren Reihen und ihre Stellungnahme diesem gegenüber. In Wilhelmshaven denunzirte der Stadtverord- nete Schindler den Rathsherrn P?p-r auf Wajestätsbeleidi- gun g. Ein Stadtverordneter, Schröoer, stellt? ihn in öffentlicher Sitzung zur Rede, und auf das freche Zugefiändniß Schindler's erklärte er, daß er eine solche Handlungsweise gemein nenne und den St.-B. Schindler, der sich zum Denunzianten erniedrigt habe, für unwürdig erkläre, dem Kollegium weiter anzugehören. Er könne unmöglich mit einem Denun- zianten an einem Tische sitz-n und beantrage deshalb, den pp. Schindler von der Sitzung auszuschließen. Auf einen Ordnungsruf des Präfidenten hin wiederholte Schröder sein- Worte und verließ die Sitzung. Rur drei Kollegen folgten seinem Beispiele, alle übrigen ratheten und thateten gemeinsam mit dem Denunzianten, trotzdem seine Denunziation sich als fälschlich herausgestellt hatte, ja sie wählten ihn sogar noch in eine Kommission!! Also so baar jeden Ehrgefühls sind diese Vertreter des ehrenwerthen Mittelstandes, des Bürgerthums par excellencc, daß sie sogar das G e- fühl für die Schändlichkeit solcher Schurkerei verloren haben, und eine so ehrlose Handlung als selbstverständlich und wohl verträglich mit dem ..Ehren"amle eines Stadtverordneten halten. Für dies?„Blüth? des Volkes" ist die heutige„Spitze" der Nation wirklich prädestinirt Di? glorreiche Hohenzollernthat im Grunewald findet ihre Nachahmer! Toi mnürs, toi valat—„Wie der Herr, so's Gscherr." — Eiu kräftiges und deutliches Wörtlew spricht zur rechten Zeit der„Schv-efieriiche Sozialdemokrat" an die Adreff« des Berner Bund-SralheS. I n Rationalrath?.tten nämlich die Herren DeeurtinS und Favon folgenden Antrag eingebracht: „In Erwägung, daß eine Reihe von Staaten bereits ew« Ar- beitergesetzqebung besitzen oder anstreben, die von Gesichtspunkten ausgeht und Tendenzen verfolgt, welche auch diejenigen der schweizerischen Arbeitergesetzgebung sind, wird der BundeSrath ein- geladen, sich mit jenen Staaten in Verbindung zu setzen, um durch internationale Verträge oder eine internationale Arbeitergesetzgebung hinsichtlich 1. d-S Schutzes minderjährigen Personen, 2. der Be- schränkung der Frauenarbeit, 3. der Sonntagsruhe und 4. des Normalarbeitstages gleichartige gesetzliche Vorschriften zu erzielen."— Der Bundesrath erklärte sich mit dieser neuen Anregung einverstanden. Bekanntlich hatte er schon früher einen diesbezüglichen Austrag von der Bundesversammlung erhalten, war aber in sein?»„diplomatischen Schritten" nicht weiter gekommen, als zu einer sehr bescheidenen Anfrage bei den in Frage kommende? fremden Regierungen, ob sie ge- neigt seien, zu einer int-rnationalen Regelung der Fabrikgesetzgebung die Hand zu bieten. Die Antworten, sow« it überhaupt solche einliefen— der Musterstaat aus dem Gebiete der Frauen- und Kinder-Ausbeutung, Belgien, gab gar keine Antwort, die Republik Frankreich und das industriell so hoch entwickelte und auf dem Gebiet der Arbeiter- schutzgcsetzgcbung voranmarschirende England ertheilten ablehnenden Bescheid, nur Oesterreich war bezeichnender Weise das einzige Land, daS im Prinzip wenigstens sich zustimmend äußerte— waren solcher Art, daß der Bundesrath, wohl kaum mit besonders schwerem Herzen, die Gelegenheit benutzte, die ganze Frage auf eine Reihe von Jahren hinaus schlafen zu lassen. Durch die Motion Decortins- Favon wurde sie nun zu neuem Leben geweck, und Herr BundeSrath D e u ch e r, ein Mann, der an sein« diplomatischen zc. Fähigkeiten mit der- selben Ueberzeugungtkraft glaubt, mit der andere Leute sie skeptisch kriti- siren, benützte die Gelegenheit zu einer Standrede gegen die Arbeiter, die auf diesem„praktischen Boden"(des Bettelns und deS Hin- gehalten- und Vertröstetwerdens) mehr erreichen könnten als auf dem „idyllischen" der Arbeiterverbrüderung und deS internationalen Eman- ztpationskampfes. Als Antwort aus diese süffisante Rede reicht seinem Siebentel-Landesvater der„Schweizer Sozialdemokrat" folgende„Schweizer Pille": „BundeSrath D euch er erklärte,' oß der Bunoesrath mit dieser Anregung einverstanden sei. Der Bunbesrath hofft, von der schweize- rischen Arbeiterschaft in dieser Frage träftiger unterstützt zu werden, als dies bis an hin der Fall gewesen sei. Deucher erkärte ferner, daß das für unsere Arbeiter ein würdigeres Arbeitsfeld und für sievon größerem Nutzen wäre al« die Beschäftigung mit sozialistischen Theorien. Herr BundeSrath Deucher will ein« internationale Arbeitergesetzgebung, aber keine sozialistischen Theorien! Das ist so klar zu den Arbettern gesprochen, daß es eigentlich überflülfig ist, die Worte zu kommentiren. Die Herren Bundesräthe, seit sie sich in der Soztalistenhetze, vulgo -Ausweisungen, an den breiten Schichten der intelligenten«rbefter- bevölkerung die Nase verstoßen, haben nunmehr einen so großen Wider- willen gegen Alles, was sozialistisch sich nennt, daß sie es am liebsten ausreuten möchten wie Unkraut. Die Arbeiter streben schon lange noch einer internattonalen Arbeiter- gesetzgebung. Wenn bis jetzt noch Alles beim Alten ist, so sind die Arbeiter nicht daran schuld. Der Bundesrath unterhält„herzliche Be> Ziehungen" mit dem Ausland, hat allüberall seine diplomatischen Ver« treter, und doch hat er es noch nie zu Stande gebracht, in der inter- nationalen Arbeitergesetzgebung auch nur den geringsten Anfang zu bewerkstelligen. Es ist leicht, die Schuld auf die Arbeiter zu werfen; aber lese man die Arbeiterblätter, dir.Ardeiterprogramme seit Jahren, so wird man überall dem Rufe nach einer solchen Gesetzgebung be> gegnen. Taube Ohren hören nicht und andere wollen oft nicht hören, da« erwidern wir dem Herrn BundeSrath Deucher aus seinen Vorwurf. Wie aber denkt Herr Deucher die Mithülfe der Arbeiterschaft? Aus seinen Bemerkungen könnt« man fast schließen, die Arbeiter müffen zu- erst ihre sozialistischen Ideen verlaffen oder abschwören, und wie die Heerde ihrem Hirten sanft und ergeben dem Bundesräthe folgen, nur nach seinem Katechismus fühlen, denken, reden und beten oder bitte«. Nachdem wir unsere oberste Bundesbehörde einmal erkannt haben, nehmen wir von ihr keine Rathschläge an; es ist genug, wenn dies ein Theil der Bundesversammlung thut. Wir finden den Rank ohne dies« Strategen auf dem politischen und wirthschaftlichen Terain. Wir werden den Bestrebungen zur Verwirklichung einer internattonalen Arbeiter- gesetzgebung sympathisch entgegenkommen, wennsie etwasRechte« zu werden versprechen— sonst nicht—, nicht aber, weil der Bundesrath, nachdem er findet, man mllffe dem Arbeiter nun wieder einen Leckerbiss?» durch den Mund ziehen, um ihn zu versöhnen, diese Bestrebungen fördern will, sondern weil sie schon seit vielen Jahren einen Gegenstand unserer Anstrengungen bilden. Wir empfehlen Herrn Deucher in dieser Beziehung daS Studium des gedruckten Vortrages deS Herrn Rationalrath Vögelin am GrütlizentrÄ- fest in Grenchm über die internationale Fabrikgesetzgebung, wo er finden wird, daß es gerade die Arbeiter waren, welch? in dieser Sache arbeiteten, während der BundeSrath sie im Stiche ließ. Das aber soll sich Herr Deucher nur aus dem Kopf schlagen, daß die Arbeiter aufhören, sozialistische Ideen zu pflegen und zu vertret«». Das Ziel der Arbeiter ist die Sozialdemokratie, und darum denken si- sozialistisch und sind Anhänger der sozialistischen Theorien. Was übrigens die Wiffenschast predigen darf, und waS sie als wahr und unumstößlich gesunden, das darf der Arbeiter auch kennen lernen, und wir brauchen dem BundeSrath nicht zu sagen, daß in jedem mit Ernst geschriebenen sozialistischen Werke mehr Wahrheit enthalten ist, als in irgend einer diplomatischen Note und in den Worten irgend eines Diplomaten. Zum Schlüsse bemerken wir noch, daß un« all? Lust, dem jetzige« Bundesräthe weiter behilflich zu sein, abhanden gekommen ist, nachdem wir erfahren mußten, wie wenig er den Begehren der Arbeiter Gehär schenkt, und wi? sehr es in seiner Absicht liegt, die freie Bewegung der Arbeiter durch die Polizeiknut? zu hemmen. Die Einrichtung d« politisch-n Polizei vergeffen wir ihm nicht. Etwas Gutes erwarte« wir auch sür die Zukunft von ihm nicht. Wir schreiten über ihn hin- weg zur Tagesordnung und bleiben die Allen, bleiben Sozial- demokraten." Dieser Ton steht allerdings ab von dem, welchen di? deutschen Be- Hörden zu hören gewohnt sind, aber der„niedrige Kulturzustand" der Schweiz— um mit dem davongejagten Puttkamer zu reden— hat doch den Vortheil, daß die Wahrheit hier wenigstens noch deutsch spricht. — Hr. von Wildenbruch,„der größte Dichter des neugebornen Deutschland", wie dieser militärisch bureaukrattsch« Dichterling mit der Vers- und Reim-Diarrhöe sich von seinen Freunden bettteln läßt—- und merkwürdigerweise haben sie Recht, waS allerdings nicht für Hertz« von Wildenbruch spricht— also dieser Poet des Kasernenhofs, desstn Jamben im Stich- oder Gockelschritt hölzern pathettsch dahin schreiten, „jede Bewegung ein rechter Winkel", hat vor Kurzem— ungleich dem Löwen, mit dem er sich gern vergleicht, ist er nämlich sehr fruchtbar und wirft jedes Jahr mindesten? zwei Junge— Verzeihung— zwei Tragödien— also besagter Wildenbruch(von Mldenbruch), hat neulich ein Drama verübt, betttelt die„ M e n n o n i t e n", welches die Herr- lichkeiten des„Soldatwerdens" und„MaulhaltenS" poetisch illustrirt. Di? Mennontten sind bekanntlich eine den englische» Quäkern ähnliche Sekte— sie dürfen nicht lügen, nicht stehlen und nicht morden— was allerdings in den Augen eines A ibeters und Verherrlichers des Bismarck'schen Deutschlands drei todeswürdige Verbrechen sind. Den M-nnoniten nun, welche fich weigern, zum Ruh» eines Hohenzollern ihre Mitmenschen„auf dem Felde der Ehre" zu morden, schleudert unser fürchterlicher Verseschmied— im Namen eines zum Mordhandwerk bekehrten Mennoniten folgende fürchterliche Ver- wünschungen in's Gesicht: „Ihr allesammt seid Schurken, Hier vor der Sonne heil'ger Majestät Werf ich das S ch a n d w o r t vo n mir„Mennonit". Falle der Blitz aus eure Häusernieder Und tilge euch hinweg vo m deutschen Boden, D-n ihr beschmutzt, und wenn der Blitz sich weigert, Lebt und verkommt in eurem eignen Dun st." Alles das, weil die armen Teufel ihre Brüder in Christo nicht todt- schießen wollen. Hoffentlich läßt die Ernennung des königlich-kaiserlichen Kasernenpoeten zum Hofdichter Seiner Neuesten Kaiserlichen Majestät nicht mehr lange auf sich warten. Das nächste Trauerspiel kann er dann schreiben, wen» dessen uniformirtem Jüngsten— er ist 18 Monate alt und Husaren- lieutnant— mit seinen Hosen etwas sehr Menschliches, aber ungemew Disziplinwidriges passtrt. Es wäre da« in der That ein herrlicher Stoff für einen Wildenbruch. — Eine neue Maschine, welche im Postwesen eine ähnliche«e- volutionirende Wirkung ausüben wird, wie sie die in unserer letzte« Nummer geschilderte Wickelmaschine in der Zigarrenfabrikation vollzieht, erregt heute schon unter den Aspiranten und Inhabern von Stelle»«» Postdienst Schrecken und malt das Gespenst der Maffenentlaffn»g und Existenzvernichtung mit all' dem Elend im Gefolge vor ihre Auge«. ES ist das eine Maschine, durch welche die Abstempelung vo» Briefen in den Postämtern automatisch besorgt wird. Sine solche Maschine ist jetzt im Postamt zu Buffalo ausgestellt und bewährt sich ausgezeichnet. Ein Buffaloer Blatt derichtet darüber:„Dir Maschine, die unter dem Namen Hey und Dolphin-Maschwe bekannt ist, ist dazu bestimmt, Briefe, Postkarten, Zirkulare u. s. w. abzustempel«. Der Mechanismus ist großartig. Mit der Maschine können S00 Briefe in einer Minute gestempelt, gezählt und in einzelne Stöße aufgehäuft werden. Große Qualitäten von Briefen werden ungeordnet in eine« Trichter geworfen und machen mit bewundernswerther Schnelligkeit de» Weg durch die Maschine, werden gestempelt, gezählt und stets mit der Aufschrift nach oben aus einem Riemen nach dem Tische der Sorttrer besördert. Der Mechanismus trennt die verschiedenen Briese, befühL dieselben mit der Intelligenz menschlicher Finger, unterscheidet d« Bdressen-Seite von der Rückseite des Brieses und bringt d-n Stempel gerade da an, wo er hin soll. Es ist ganz einerlei, wie der Brief in die Maschine hineingelegt wird, er kommt stets mit der Aufschrift nach oben wieder heraus. Die Stempel sind klar und deutlich und die Briefe werden durchaus nicht durch die Schwärze beschmutzt. Mit der Maschiue ist ein Tisch verbunden, aus welchem die erster« die Briese ganz genau zählt. Wenn die Briese aus-der Maschine herauskommen, so legen sie sich in einer Art Mulde von selbst in Haufen und kommen so m die Hände de« Sortierer». Welch' ein ungeheurer Vortheil diese Erfindung für größere Postämter ist, kann man sich kaum denken. Daß bet de« Abstempeln mtt der Hand oft Verzögerungen in der Beförderung von Briefen entstehen, ist klar, denn die Anzahl der Briefe und sonstigen Postsachen ist oft einen Tag doppelt so groß, wie an andern Tage», wShrend die Anzahl der Bediensteten immer dieselbe ist. Hat man aber eine oder zwei dieser Raschinen, so kann man dieselben je nach der Qualität der Brief- in Gang setzen. Die Erfindung ist in den Ber. Staaten, Kanada, England, Deutschland, Frankreich und Belgien patenttrt worden. Die Maschine wird per Trittbrett in Bewegung gesetzt, doch können auch Dampfeinrichtungen leicht angebracht werden." Der ganze Wahnsinn unserer heutigen Produktionsweise springt in diesem einen Beispiele Jedem m die Augen. Eine der mühsamsten, an- strengendsten, geistlosesten Arbeiten wird durch die Erfindung einer Ra- schin? der Menschenhand abgenommen und aus mechanischem Wege viel schneller und vortheilhafter verrichtet. Statt daß nun dieser eminente Fortschritt auf dem Arbeitsfelde vom Arbeiter mit Freude begrüßt wird, muß dieser in jeder Maschine nicht seinen Erlöser, sondern seinen Tod- feind erblicken, der ihn dem Hungertode überliesert. Und da» nur d«S- halb, weil die Bortheile, welche die Maschine mit sich führt, auSschließ- lich dem Fabrikanten, dem Ausbeuter zu gute kommen, statt der Gesellschaft. Heute ist der Arbetter der Sklave der Maschine, heut« verlängert die arbeitersparende Maschine die Arbeitszeit, heute verkiim- mert und drückt die verwohlfeilende Maschine dem Arbetter noch die Hungerlöhne herunter— ist aber die Produktion vergesellschaftlicht, find die Arbeitsmittel in den Händen der Gesammtheit. so wird auch jede neue Maschine vom Arbeiter begrüßt werden, weil sie dann ihren Zweck voll und ganz erreicht, weil die Vortheile der Maschine Allen zu theil werden, die Maschine ist dann in der That der Erlöser der Arbeit! Korrespondenzen. Hannover.(Ein Beitrag über das zehnjährige Bestehen des Sozia- listengesetzes aus dem 8. hannoverschen Wahlkreis.) 1) Versammlungen: Seit dem Bestehen des Gesetzes bis zur Stichwahl 1884 hat keine einzige Volksversammlung stattfinden dürfen. »ls wir jedoch mit den Welsen zur engeren Wahl kamen, konnten soviel Versammlungen stattfinden, als wir nur wollten. Agitationsversamm- lungen, wie z. B. Berichterstattung vom Reichstage seitens unseres Ab- geordneten Meister, wurden bis heute noch nicht gestattet; auch Singer durfte nach den bekannten Vorkommnissen im Reichstag hier nicht sprechen. Ausgelöst wurden etwa 10 politische Versammlungen. Besonders hervorgehoben zu werden verdient die Volksversammlung, welche Schwennhagen hier abgehalten hat. Dieselbe wurde in dem Augenblick aufgelöst, als dieser zu sprechen aufhörte. Der Auflösungs- Grund war für uns bis heute ein Räthsel, das allerdings gelöst ist: Schwennhagen gehörte eben schon damals zur Polizei! In dies« Versammlung hat die Polizei unter Anführung von Kommissar Neu- mann von der blanken Waffe Gebrauch gemacht; sie hatte den Aus- gang so besetzt, daß Jeder, der den Saal nicht durchs Fenster verließ, gehauen wurde.(Neumann hat sich schon vorher in der Schulze'schen Weinkneipe geäußert:„Heute Abend sollen die Sozialdemokraten zu- sammengehauen werden!") Die angestrengte Klage wurde abgewiesen; doch wurde Neumann wegen Beleidigung des Einberufers zu 20 Mark Geldbuße verurtheilt. Später wurde er von der politischen Polizei davon- gejagt und erhielt einen Distrikt. 2) Haussuchungen fanden seit lv Jahren über 200 statt, bei einzelnen Genossen wohl 12—15. In den meisten Fällen wurde nichts gefunden, im Allgemeinen überhaupt nicht« von Belang. 3) Bestrafungen wegen Verbreitung verbotener Druckschriften, «sp. Vergehen gegen das Sozialistengesetz, fanden statt bei 12—14 Ge- «offen in der Höhe von 2—9 Monaten Gesängniß, in Summa etwa 55 Monate. Dazu kommen noch zirka 25 Monate Unter suchung s- hast, im Ganzen also 80 Monate. Von obigen Verurtheilten hat sich der Schneider Vogeler, ein todtkranker Mann, der vergeblich seine vorläufige Entlastung nachsuchte, aus Verzweiflung und Reue im Gesängniß erhängt. Man hatte ihn mit der alten Geschichte von den „Geständnisten der Mitangeklagten" geködert; nachdem er gesehen, daß man ihn dupirt, entleibte er sich in seiner Zelle. Er war zu 7 Monaten Gesängniß verurtheilt. Ferner wurde der Tapezierer Kaufmann, welcher 1878 oder 79 für die„Freiheit" reiste, hier zu 4 Jahren ver- knurrt, nachdem er ein Jahr in Untersuchung geseffen; auch der Weber Hartmann ist bei Gelegenheit eines Prozesses wegen Verbreitung der„Freiheit" wegen Meineid zu 5 Jahren Zuchthaus verurtheilt wor- ven, als er einen Mitangeklagten(D'abers)„herausreißen" wollte. Die Sache hing mit dem Prozeß Kaufmann zusammen. Der aus Berlin ausgewiesene Barbier Wernstorf wurde mit einem Fortschrittler, F a s ch e r, wegen Verbreitung der„Freiheit" und Majestätsbeleidigung verurtheilt, ersterer zu 9, letzterer zu 1'/, Monaten Gesängniß. Werns- torss Frau wurde nach zweimonatlicher Untersuchungshaft freigesprochen. 4) Sistirungen haben wohl an 100 stattgefunden, die zugleich jeweilen einige Tage Untersuchungshast mit sich brachten, in vielen Fällen auch Verlust der Arbeit u. s. w., namentlich dann, wenn die Polizei zur Arbeitsstätte geht und die Leute holt, was häufig geschieht. 5) Gehet m bundsprozesse hat die gesellschastsretterliche Staats- «mwaltschast und Polizei zweimal zu machen versucht. 1887 sollte ein Uuterhaltungsklub in Geheimbündelei machen; als Zeuge war ein frü- heres Mitglied des Klubs gestellt, das wegen Kaiserbeleidigung eine vier- monatliche Strafe verbüßte. Infolge der fortwährenden Quälerei und Drangsalirung wurde derselbe aber geisteskrank, so daß die Sache nieder- geschlagen werden mußte, nachdem 17 Mann tage- und wochenlang in Untersuchung geseffen hatten. Walter, so war der Name des Betres- senden, ist dann in Hildesheim in der Irrenanstalt verstorben, und man kann wohl sagen, daß diesen Mann die Ordnungshelden gemordet haben. Im Mai dieses Jahres waren 36 Personen wegen Zugehörigkeit zu einer „geheimen Verbindung" angeklagt; doch lehnte die Staatsanwaltschaft die Verfolgung ab, weil das Beweismaterial an sich zu widerspruchsvoll war. Der von der Polizei bezahlte und extra zu diesem Prozeß gedmi- gene„Zeuge" ist der B u ch d r u ck e r Z i g r a von hier. Derselbe ist in der Partei nicht bekannt, weiß von nichts, doch ist er bereit gewesen, Alles zu beschwören; von sämmtlichen Angeklagten kennt er keine 3 oder 4 Mann. Unter obigen 36 war auch der sozialistenfresserische Fort- schrittler Klapproth, Vorsteher der Buchdruckergenoffenschaft, und eine große Anzahl Leute, die sich um nichts kümmern und nie zur Sozialdemokratie gehört haben, wie z. B. ein Kriegervereinler, ein Drucker aus der Druckerei des muckerlichen Stefanstiftes, ein Betbruder corniuö il kaut. 6) Die Fachvereinsbewegung ist unter stetiger Kontrole der Polizei; Chikaniren, Versammlungs-Aufiösungen, Sistirungen, Brotlos- machen gehören zu den täglichen Vorkommniffen. Dieses Bild aus unserem Wahlkreise bildet wohl, ohne allen Kommen- tar, in seiner einfachen, trockenen Zusammenstellung die schärfste Kritik des Sozialistengesetzes— namentlich wenn man bedenkt, daß Hannover M den Orten gehört, in denen die Polizei bisher noch gar nicht darauf ausgegangen war, die infamen Verfolgungs-Orgien zu feiern, zu denen das Sozialistengesetz in anderen Städten— wir erinnern nur an Leipzig, Frankfurt, Berlin, Homburg u. f. w.— willkommenen Anlaß bot. Aber die einfache Aufzählung der Thatsachen zeigt, wie rechtlos und wehrlos die deutschen Arbeiter der Willkür roher und unwissender Po- lizisten preisgegeben sind. Hoffen und arbeiten wir unermüdlich, daß dieses nichtswürdige Ausnahmegesetz, das seine Urheber für ewige Zeiten brandmarkt, bald durch den Sieg unserer Ideen gestürzt werde, denn aon der Einsicht unserer Gegner oder der Regierung dürfen wir keine Aenderung erwarten. xy. Ariedrichsruh.�) Auf dem Teppich der Veranda, anmuthsvoll, wie„hingegossen", Liegt ein großer Neufundländer, schlecht gelaunt und knurrt verdroffen. In des Pelzes Borstenfülle wühlt er mit bekrallter Zehe, »ch, den armen TyraS quälen wieder freche Reiche S.Flöhe! (Dieser Flöhe Herbergsvater nennt man„Reichshund" ichon seit Jahren, �ieichsunmittelbar" sind folglich seiner schwarzen Gäste Schaaren.) Daß der Hund ein kluges Vieh ist, sagen uns die Zoologen, Doch der weiseste der Hunde ward in Friedrichsruh gezogen. In der Zeitgeschichte bildet er ein wichtiges Kapitel, hat er doch beinahe schon den Philosophen-Doktortitel. Wie er daliegt düsteren Blickes, tief versunken in Gedanken, Während er die Hängeohren lüftet mit den starken Pranken! »Tag für Tag," so knurrt er,„schaudernd Hab ich, ach! dieselbe Hetze, Gäb's für dies Gesindel doch auch Ausnahmszwangsgesetze! Könnte man sie deportiren nach dem fernsten Punkt der Karte, Oder bester interniren auf der Hoflakaienschwarte! Ich, des Kanzlers Nächstvertrauter in der ReichsregierungSkllche! Dessen scharfe Hundenase kennt die Diplomatenschliche, Ich, vor dem die Liberalen stehen mit gekrümmten Rücken, Ich, nach dem die Staatsminister selbst mit scheuer Ehrfurcht blicken, Muß in meinem Felle dulden Flöhe der gemeinsten Rasse, Wie sie hegt im Fell der ärmste Pinscher einer Vorstadtgaffe, Wie der Zorn mir heiß herausqualmt in empörter Hundeseele, Käme jetzt vorbei ein Fremder, führe ich ihm an die Kehle. *) W ir entnehmen dieses Zeitgedicht dem neuen Witzblatt„Der Tramp", Jllustrirtes humoristisch-satyrisches Arbeiter-Wochenblatt, das jeden Samstag mit großen prächtigen Illustrationen in N-w-York erscheint. Bestellungen, vorauszahlbar, per Jahr 2 Dollars, pro Quartal 70 Cent», sind zu richten an den Manager A. G-recke, 25 E. 4. Straße, New- York, City. Freunde einer freien, rückhaltlosen Darstellung in Wort und Bild werden diese» sozialistische Witzblatt mit Vergnügen lesen. Schade würd's nicht sein, denn hier verkehren keine Ehrenmänner» . Bin ein Hund nur, aber wohlerfahrner Menschenkenner. Diplomaten, Renegaten, adelige Börsenjuden, Spitzel, Streber, Pfaffen, Krämer, Junker dumm wie Botokuden, Bauernfänger, Preßkosaken laffen sich beim Alten melden, Nicht verlangt er, respektiren soll ich diese schoflen Helden.— — Wieder Einer! etwas Neues!— Der ist wohl zu Gast gebeten? Es ist einer von den„freiheitsstolzen" vielgenannten Rüthen, Zum Lakai herabgesunken! Kommst mir paffend in die Quere, Werde ihm den Willkomm bieten, daß er schwerlich wiederkehre!" Da! ein Sprung— ein Schrei— am Boden liegt der Republik Vertreter, Zähnefletschend vor dem Aermsten steht der strupp'ge Attentäter. Plötzlich leuchtet in der Thüre mondscheinmild des Kanzlers Glatze, „Ah, Herr— Streber!— sehr fatal das— ist natürlich nicht am Platze, Tyras kusch!— Der Hund ist launisch— nicht viel mit ihm anzufangen. Ist dem alten Gortschakoff vor wenig Jahren so gegangen." „Oh Durchlaucht, Sie sind zu gütig!" fängt Herr— Streber an zu lallen. „Nicht der Hund war's— ich glitt aus und bin von selber hingefallen!"— Tyras denkt: der Alpen-Cato läuft schon hübsch an Bismarcks Leine, Und er macht ihm Reverenz mit hochgehob'nem Hinterbeine. Erklärung. Unsere Warnung vor demSpitzel und Klempnergesellen Theodor Weiß aus Dresden (entlarvt in Basel im September 1884 lt. S.-D. Nr. 40 und 41 1884 und Nr. 32 1887) hat, wie uns neuerdings berichtet wird, zu einer wiederholt un li eb s a m e n B e r w e ch s l ung mit einerPer- son gleichen Berufs undGeschlechtsnamens geführt. Der Betroffene, Namens Markus Weiß, Klempner aus Un- garn, wird uns von absolut zuverlässiger Seite als Ge- nosse bezeichnet und hat zufällig aus seiner Wanderschaft mehrere Orte berührt, wo auch Theodor Weiß gewesen ist. Trotz speziellen Signalements des Spitzels wurdeMarkus Weiß von den Genossen für diesen gehalten, ablehnend behandelt und in einem Falle leider auch beruflich benachtheiligt. Wir beeilen uns deshalb, nach Kenntniß des Vorfalls und Klarstellung der Personalien, zu Recht des(ohne unser Verschulden) in Milleidenschaft gezogenen Markus Weiß, Klempner aus Ungarn, zur Zeit außerbalb Deutschlands befindlich, f e st z u- stellen, daß der Spitzel Theodor Weiß aus Dresden zur Zeit angeblich bei Siemens daselbst in Arbeit ist. Jetzt 25 Jahre alt, mittlerer Statur(zirka 1.60 Mir. groß), kräftig, breitschullerig, hat er dunkelblondes, buschiges, mäßig-gewelltes Haar, dünnen Schnurrbart, wafferblaue Augen, stieren Blick, geradlinig nach vorne, etwas gestülpte Nase, speckige Gesichtssarbe und trägt den Kopf beim Gehen meist etwas zwischen den Schultern eingezogen. An einem seiner Füße soll die große Zehe fehlen. Uebrigens spricht Spitzel Theodor Weiß sächsischen Dialekt— Alles Merkmale, welche bei Markus Weiß in keiner Weife zu- treffen. Wir bttten, diese Aufklärung allseits wohl zu beachten, unser« W a r n u n a gegen den Spitzel und Revolutionsmacher Theodor Weiß, Klempner, z. Z. angeblich in Dresden, aber wieder- holt zur Kenntlich zu nehmen und weiterzugeben! Dir«kptdMsu des„Ssjialdrmokrat". Briefkasten der Redaktion: Berlin, Iserlohn, Leipzig Reu- Münster: Einsendungen in nächster Nummer. Für die Denkschrift eingegangen: Einsendungen aus C o t t- bu«, 8. hannover'scher Wahlkreis. der Expedition: C. Hbst.'Httg.: Fr. 4— pr. Hg. erh.— Scheibe: Mk. 5— Ab. 3. Qu. erh.— Dr. H. B. Scholastika:(öwfl. 5—) Fr. 10— erh. Fr. 5 50 Ab. 3. Qu. u. Fr. 4 50 pr. Ufd. dkd. gutgebr. - H. Lfr.-N. Elbch.:-Fr. 5 50(Mk. 4 40) Ab. 3. Qu. erh.— Solo: Mk. 4 10 Ab. 2. Qu. u. Schft. erh.— Harmosan: Adr. notirt. Bfl. mehr.— Rother Geldsack: Mk. 2150 für 5 Ab. 3. Qu. erh. Bstllg. notirt.— H. F. i. B.-D.: Mk. 2— Ab. 3. Qu. erh.— St. Brüssel: Fr. 37 50 ä Cto Ab. 2. Qu. erh.- E. Hk. Paris: Bf. v. 24/6. hier. Bfl. Weiteres.- I. Hchs. Newyork: P.-K. v. 6/6. am 26. hier. Bstllg. notirt.— Dampf- Hammer: Bstllg. notirt. Beil. abgb.— F. Hzi. Bl.: 55 Cts. f. Schft. erh.— Lasse: Mk. 47 50 ä Cto Ab. u. 1 Bf.-Ab. f. 5 Monat erh. Bstllg. notirt. Adr. gelöscht.— Ag. Sbr. Paris: Fr. 2 50 Ab. 3. Qu. erh.— F. Th». Gf.: Fr. 2— Ab. u. Fr. 10— f. P. erh.— Neckarschleimer: Mk. 15 30 f. Ab. 3. u. 4. Qu. nebst Schft. erh.— Sc-An: Fr. 5 50 Ab. 3. Qu. erh.— F. G. G.: Mk. 5— Ab. 3. Qu. erh. Bleibt gut pr. 4. Qu. Mk. 180.— Rother Hans: Bstllg. notirt. Betr. Reklam. bfl.— Veritas: Bstllg. u. Adr. notirt.— Rother Nazarener: Bstllg. u. Alles notirt.— St. Roman: Mk. 300— a Cto Ab. sc. gutgebr. Adr. geordnet. Archivsache szt. eingetroffen. Bstllg. unterwegs. Beil. abgb. Mk. 48 40 für 11 dir. 3. Qu. erh.— Prbs. P.: Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. erh.— Cerberus: Reklam. unterwegs.„R.-B." vergriffen. Adr. notirt. Betr. Flugblatt bfl. mehr.— R. S. Bln.: Mk. 4 30 Ab. 3. Qu. erh. Kostet Mk. 4 40.—-d; Bf. v. 27. hier. Adr. u. Bstllg. notirt. Weiteres bfl.—„H. 3": Mk. 30— a Cto Ab. erh. Mehrbstllg. notirt.— Rufus: Abrchg. hier. Mi. 186 20 Brlg. gutgebr. Versprochenes sehnlichst erw. Warum auf unfere Fragen keine Antwort?— Rother Geldsack: K. v. 28/6. hier. Bei dem Be- treffenden war kein Name angegeben. Bfl. mehr.— Hl. Joses: Erftagter ist u n s unbekannt.— Gllm. Bck. Vvs.: Fr. 2 50 Ab. 3. Qu. u. Mk. 5 f. Schft erh.— F. Dwzk. St. Urb.: Fr. 9 10 Ab. u. Schft. u. Fr. 2 90 f. Hasencleverfond dkd. erh.— A. Lrfrmn. Chicago: Avis auf Fr. 65 70 ä Cto Ab. u. Schft. erh.— Carbonaro: Mehrbstllg. notirt. Adr. gelöscht. Weiteres bfl. Mk. 50— schon in Nr. 27 quittirt.— D.B.a.d.Sp.: Ihr Bf. v. 28/6 kostete 25 Cts. Strafporto! Die Schweiz ist noch nicht preußische Provinz. Also vorderhand 20 Pfg. Briefporto für je 15 Gramm! Adr. geordnet. Weiteres notirt. Aoisirtes erw.— Die alten Rothen©.: Bestllg. und Adr. notirt. Weiteres bfl.— Clara: Mk. 150— ä Cto Ab. und Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. T. erh. S. gelöscht.— Dante: Adr. geord..et. Bfl. mehr.— T. v. M.: Mk. 170— ä Cto Ab. u. Mk. 3— indir. Ab. 3. Qu. erh. Bstllg. notirt. Weiteres bfl.- Hch. Ostrß.: Fr.— 2 Ab. 3. Qu. erh.- A. Bck. Clln.: Mk. 3- Ab. 3. Qu. erh.— Falker, Wien: Fr. 6—(öwfl. 3-)«b. 3. Qu. und ä Cto 4. Qu. erh. Adr. notirt. Heft 3 der I. B. nicht mehr da.— l�r. Gz.: Fr. 2 40(öwfl. 1— u. 50 Pfg.) ä Cto Ab. 3. Qu. erh. Fehlt noch 1 fl.— Soz. Club Sidney: Bf. v. 13/5. am 29/6. hier. Aoisirtes erw.— Der alte Bschg.: Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. erh.— Ed. Ftn. BeauvaiS: Fr. 7— Ab. 3. Qu. u. Schft. Rest u. ä Cto erh.— Heinrich: Adr. gelöscht. Fehlendes unterwegs.— K. S. Pfzm.: Mk. Ii 20 für Ab. 3. Qu. u. Schft. erh.— Claus Groth: Abrchg. hier.— Bbch.; Nachr. v. 2. dS. hier. Adr. I. nicht benützen u. nicht weiter- geben. Diente nur für jenen speziellen Fall.— Zrchr. Pol.: Fr. 11 20 Ab. 3. u. 4. Qu. erh.— H. M. Rcklgh.: Mk. 6— 2 Ab. 3. Qu. erh.— M. Bkmr. St. Glln.: Fr. 2 50 Ab. 3. Qu. erh.— C. Sch. Hlbrn.: Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. u. Mk. 12 90 f. Schft. erh. Adr. I. nichtmehr benützen.— C. H. Mchwk.: Fr. 13—(Mk. 10—) Ab. 3. Qu. u. ff. erh.— Mrbch. Lzn.: Fr. 4— f. 2 Ab. 3. Qu. u. Fr. 2— pr. Ufd. dkd. erh.— Hngr. Thun: Fr. 2— Ab. 3. Qu. erh. - Mllr. Rg,.: 45 Cts. f. 3 Ex.„S.-D." erh.- H. F. i. Berlin: Mk. 4 40 Ab. 3. Qu. u. Mk. 3 60 pr. Ufds. dkd. erh.— A. R. Bzlau.: Mk. 3— Ab. 3. Qu. erh.— Rothe Fahne: Fr. 44 44(Mk. 36—) ä Cto Ab. erh.— Rchtr. Goteburg: Fr. 5— Ab. 3. u. 4. Qu. u. Fr. 2— pr. Usd. dkd. erh.— Hmbcht. Oltn.: Fr. 6 50 Ab. 3. Qu. u. 4. Qu. erh.— Claus Groth: Bf. f. die Red. erh. u. abgb.— Jacby. Md.: Reklam. erh. u. besorgt. Antwort bfl.— L. L.: Bf. v. 28 6. hier. Antwort bfl. Anzeigen. Soeben erschim und ist durch uns zu beziehen: Sozialdemokratische Vivliothek. Heft XXII. Wiffen ist Macht- Macht ist Mffe«. Bon Wik» Liebknecht. Preis: 30 Pfg.— 40 Cts. Heft XXIII.»leine Aufsätze. Von F. L a s s a l l e. Preis: 40 Ct«.(30 Pf.) Heft XXIV. Attr Erinnerung für die Mordspatrioten. Vo» Sigismund Borkheim. Mit einer Einleitung vo« Fr. EngelS. Preis: 40 Pfg.— 50 Cts. Bestellungen auf die„Sozialdemokratische Bibliothek"«erden erbeten. Di« Hefte werden auch einzeln abgegeben. Bei uns erschienen und durch uns zu beziehen: Fr. C. M.Pf. „Vorwärts". Eine Sammlung von Gedichten für das arbeitende Volk, brochirt 3.— 2. 40 In Pracht band gebunden 4. 50 3. 50 Sozialdemokratisches Liederbuch, lote Auflage—. 50—. 40 Sozialdemokratischer Deklamator—. 50—. 40 Wir empfehlen: A. Bebel, Die Frau in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft 2. 50 2.- — Der deutsche Bauernkrieg 2.— 1. 60 Kr. Engels, Herrn Dührings Umwälzung der Wissen- schast 2. 50 2.- — Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft—. 40—. 3t F. Lassale» Bastiat-Schulze von Delitzsch l. 25 1.-> Der Leipziger HochverrathSprozeß 1372 gegen Bebel, Liebknecht und Hepner z. 75 3.— C. A. Schramm, Grundzüge der Nationalökonomie—. 65—. 50 E. Sack, Unsere Schulen im Dienste gegen die Freiheit Mk.—. 60 — Beiträge zur Schule im Dienste für die Freiheit„ l. 20 Porto und Bersandtspesen außer der Schweiz kommen z» Lasten der Besteller. Zahlreichen Bestellungen sehen entgegen Pilksduchhandlullg snd Sipeditisa des ,Li>llüi>evikr»t" Hottingen-Zürich. Zur Beachtung. Alle Genossen, welche nach Amerika(New- York) reisen, werden in ihrem eigenen Interesse ersucht, sich sofort nach ihrer Ankunft nach dem Hauptquartier der Sozialistischen Arbeiterpartei: Rr. 25 Ost 4. Street, zu begeben. Ferner diene Allen, welche gezwungen find, um Unterstützung nachzusuchen, zur Nachricht, daß solche nur gegen Vorzeigung von Legitimationen neueren Datums, unterzeichnet von bekannten Vertrauenspersonen, gewährt werden kann. Berufung auf Genossen, welche schon längere Zeit hier im Lande sind« kann nicht berückstchtigt werden. Das UnterftützungS-Komite der S. A.-P. s3Xj, Sektion New-Yort. �bonnvmvnts auf den �Sozialdemokrat" werden ausser beim Verlag und dessen bekannten Agenten— sowohl auf einzelne Monate als ganze Quartale— jederzeit entgegengenommen bei folgenden Filialen und Verkaufsstellen: Paris„Deutscher Lesoclub1', Cafä de la nouyelM Poste, rue Etienne Marcel 36. I-a Villette-I'aris„Deutscher Sozialdemokratischer Ciob U Villette", nie d'Allemagne Ho. 2/1, Ecke Boulevard la Villette, und Deutscher Sozialistenclub, 176 rue Saint-Honore. Paris. London 1. Batkov, 35 Charlotte Street Fitzroy-Square W. Commnnlstlscher Arbeiter-Blldtmgsvereln, Tottenham Street 49. W. Mr. Schweitzer, Buchhandlung, 43 Commercialroad, B. Schönleben, Friseur, 3 Edwardstreet, Wardouratr., W. Danbenspeck, 168 City Road. Hanstein, Tobaoconist, 51 Charlottestreet, Fitzroy- Square, W. City Club, 42 Sun Str. Finsbury Square. W. Hoffmann, Buchhandlung, 13 Francis Street, , Tottenham Court Read. Castieford bei Torkahlre Theobald Tölkel, i Dentonterrasse. 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Buenos Aires Sociedad„Vorwärts", Calle Comercio 880 nuevo. Porto Alegre Carl Gr 1mm, Bio Grande do Snl Brazil. Melbourne Verein„Vorwärts", Adr. Golden- Flees H&tei, Russell-Street. Sidney, Petersen, Pitt-Street 393. Ülao Paolo(Brasilien) K. Trebitz, Boa San Josd 63. Sie Expedition des„Soilsldemokrst". Schweiz. ScnofsenschafUbuchtcuiinei unb BoWbuchhandlmio von 8. Hübscher.