Abomiemeuts »«btti t({ alle». schwel, rrischm Pistlmreau,� sowie beim Verleg »nb besten betotmten Agenten ottgegengenominen. und iwar-zinn »»«auS»astlbare« Niertkljährixneiz von: str. Z,- strb>,Schwei?s»re-,»imb) «k. 3,- fflt»eutschlanb-sSouvert) st. 1,70 ffit Oesterreich(Sondert) St. aiüO sät alle übrtgen'Sünbet bei weltpostderew» |»fer«ie ble dreigespaltene Petit, eile 25 StS.= 20 Pfg. Hrgan der Sozialdemokratie deutscher Junge. Krscheint «»ch«ntllch»,«««» in Zürich(Schweiz). Mnfug bei B« 1 1«» u d) st««* b I N«I t H-ttingen, Zürich. üoftfeniuasttn ftflnlo gegen frank». Gewöhnliche Briefe nach der Schwei, kost«, Doppelport». JW. 37. Briefe an die Redaktion und Sipebition bei in Deutschland und Oesterreich verbotenen.Soiialdemokrat' wolle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lasten. Zu der Regel schicke man uni die Briefe nicht direkt, fonder» an die bekannten Deckadreste». Zn Zweifelhästen Fällen eingeschrieben. 8. September 1888. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Ein Memento. � Der sechste Berliner Reichstagswahlkreis, der größte Wahl- kreis des deutschen Reiches, hat gesprochen. Er hat der Sozial- demokratie einen überwältigenden Erfolg, ihren Gegnern, ins- besondere den Parteim der herrschenden Reaktion, eine eklatante Niederlage bereitet. Mit 26,067 von 41,759 abgegebenen Stimmen ist Wilhelm Liebknecht zmn Reichstagsabgeordneten gewählt. Der Vertreter der äußersten Opposition hat nahezu doppelt so viel Stimmen erhalten als alle übrigen Parteien zusammengenommen. Das ist ein Verdikt, das an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt, dessen Sinn niemand entgehen kann, der Augen hat, zu sehen, und Ohren, zu hören. � Wir gehören durchaus nicht zu denjenigen, welche dem Stimmzettel eine übertriebene Bedeutung beilegen. Vor Allem Verhehlen wir uns nicht, daß ein Wähler, der für irgend einen Kandidaten stimmt, damit noch keineswegs dessen politisches und soziales Glaubensbekenntniß von A bis Z unterschreibt, wndern daß die große Masse der Wähler nur nach denjenigen Fragen entscheidet, welche jeweilig als die wichtigsten erscheinen, und dem Kandidaten ihre Stimme gibt, der in diesen ihrer Anficht, ihren Interessen den entschiedensten Ausdruck gibt. Air wissen also, daß wenn wir aus dem Wahlergebnisse Schlüsse auf die Ausbreitung unserer Grundsätze, auf die Zahl ber gewonnenen Anhänger unserer Sache ziehen wollen, wir ut den Wahlziffern keine absoluten Größen, sondern nur Ber- gältniß-Zahlen zu erblicken haben, wobei allerdings als zu- gegeben feststeht, daß in keiner Partei das Verhältniß ein so günstiges ist als in der Sozialdemokratie. Keitze Partei hat mlen so großen Prozentsatz überzeugter Anhänger unter ihren Wählern als die Partei des arbeitenden Volkes, bei der ja, und zwar bei ihr allein, das sogenannte Stimmvieh ganz wegfällt. Aber wie jeder Wahlakt, so hat auch der vom letzten Donnerstag neben seiner speziell propagandistischen, seine allge- Uieine politische Bedeutung. Und mit dieser haben wir es hier zn thun. In Bezug auf die Stärke unserer Partei sagt der Wahlausfall vom 30. August wenig Neues, desto mehr Uber in Bezug auf die Schwäche unserer Feinde. Wir haben vor drei Wochen an dieser Stelle dargelegt, �as nach unserer Ansicht gerade der jetzt beendeten Nachwahl iine erhöhte politische Bedeutung gab, und wir können kon- Uatiren, daß die Art, wie in Berlin der Wahlkampf geführt b>urde, unserer Auffassung Recht gegeben hat. Hüben wie drüben hat man es gefühlt, daß es sich um ein Messen der gegenseitigen Kräfte— auch eine Kraftprobe— gehandelt hat, und ganz besonders unsere Parteigenossen haben, waö wir � unserer Freude feststellen können, Alles gethan, den Wählern klar zu machen, worüber sie am Wahltag ihr Urtheil abzu- geben haben. Das Verdikt ist gefällt, und eS lautet vernichtend für die Parteigänger deS herrschenden Systems und damit für dieses !elbst. Vor Allem hat Wilhelm II. eine Antwort auf feine blasse und Erklärungen erhalten, wie er sie schwerlich erwartet, Uber reichlich verdient hat. Das Oberreptil am Rhein sucht die großartige Blamage, Welche die Vertreter des herrschenden Systems erlitten, dadurch fo verdecken, daß es seinen Lesern vorrechnet, wie viel Stimmen gegen den deutschen Freisinn abgegeben wurden. Eitles Be- Uiühen, ebenso lächerlich wie verächtlich. So freut sich der Schulbube, wenn er eine Tracht Prügel erhalten, daß auch lein Nachbar nicht ganz leer ausgegangen, aber den Schimpf, �r ihn getroffen, macht er dadurch nicht ungeschehen. Nein, jeder einigermaßen Denkfähige weiß, daß es sich nicht «w„Freisinn oder nicht" gehandelt hat, sondern um kirchliche, politische und soziale Reaktion oder nicht. Wohl hat der Freisinn, der auch in den Wahlkampf eintrat, eine Niederlage Mitten, und zwar eine wohlverdiente— er ist in seiner Eigen- lchaft als Opponent des herrschenden Systems gewogen und Ä leicht befunden worden— aber sie ist gering im Verhält- «iß zu der der verschämten und unverschämten Dunkelmänner. Wo ist das Schiboleth geblieben, mit dem die„Kölnische" und der ganze Troß des Bismärckerthums sonst so schnell bei der Hand ist? Sind ihnen die Worte Reichsfeind und anti- «ational im Halse stecken geblieben? Es wäre nur natür- lich, denn welchen Vaterlandsfreund muß es nicht eisig über- kaufen, wenn er vernimmt, daß in einem Wahlkreis der Neichshanptstadt zusammen 33,000 reichsfeindliche, anti- «atio nale Stimmen abgegeben wurden gegen zusammen nur 8000 nationale? Und das nach der feierlichen Erklärung «on den„42 Millionen Einwohnern, die auf der Strecke kiegen" gelassen werden sollen. Drastischer ist noch kein Fürstenwort zurückgewiesen, ad ab- «urdum geführt worden, als das des großmächtigeu Kaisers des deutschen Reiches durch die Wähler des sechsten Wahl- kreiseS der Reichshauptstadt. Die Kandidaten, die auf dem Boden dieses Wortes stehen, fallen mit je 4000 Stimmen kläglich ab und mit 26,000 Stimmen entsendet der Wahl- kreis den entschiedensten Gegner desselben, den„französi- scheu Kandidaten" Wilhelm.Liebknecht. Wir können unsren Feinden Pur Dank wissen, daß sie die sympathischen Worte, mit denen'. ein sozialistischer Mitarbeiter des Pariser„Rappel" die Kandidatur Liebknechts begrüßte, zu der obigen Verdächtigung ausgeschlachtet haben. Sie haben damit der Wahl unsres Genossen nur eine um so größere Bedeutung verliehen, sie zu einer um so glänzenderen Ma- nife statt on gestaltet. Wenn 26,000 Wähler der Reichs- Hauptstadt nicht davor zurückschrecken, dem„französischen Kandidaten" ihre Stimme zugeben, so ist das eine Ver- neinung der gegenwärtig befolgten„nationalen" Politik, wie sie nicht schroffer gedacht werden kann. Genau so wie die Wahl des Kommunisten, des Umstürzlers, des„Feindes der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung" Liebknecht beut- lich zeigt, wie wenig selbst diejenigen Wähler, die nicht zu seinen engeren Genossen gehören, von dieser Staats- und Gesellschaftsordnung halten, daß sie sich durchaus nicht„lieber auf der Strecke" hinschlachten lassen wollen, als an ihr rütteln oder einige Steine aus ihrem Fundament entfernen lassen. Ein prächtiges Zusammentreffen, dieses Kaiserwort und diese Volks-Demonstration. Das deutsche Volk darf den Berliner Wählern für die letztere sehr erkenntlich sein, sie haben ihm einen großen Dienst geleistet. Während die chauvinistische Er- klärung des soeben auf den Thron gelangten Hohenzollers alle mordspatriotischen Instinkte jenseits der Vogesen wachrief, wird die großartige Wahl vom 30. August den in Frankreich lebenden Freunden einer friedlichen Verständigung die Be- kämpfung derselben erleichtern. Das Wort Wilhelms II. hat den Deutschenhaß in Frankreich auf's Nene entfacht, die That der Berliner Wähler wird dem deutschen Namen in Frank- reich neue Sympathien erwecken.,.. Das geht schon aus den Worten hervor, mir denen' der„Rappel" die Kandidatur Lieb- knechtS begrüßt, und welche die Erfinder des NamenS„fran- zösischer Kandidat" sich wohl gehütet haben, dem deutschen Volke mitzutheilen: „Wir würden gegen unsere Pflicht als Franzosen verstoßen, wenn wir nicht erklärten, daß alle unsre Wünsche, alle unsre Hoffnungen für den Kandidaten der Gerechtigkeit, der Freiheit, des Friedens unter den Men- scheu sind." Ist die Wahl vom 30. August aber in der That eine Mani- festation für die Sache der Freiheit und Gerechtigkeit, für den Frieden unter den Menschen, so ist sie zugleich ein Memento für die Gegner derselben, für die Anhänger der bestehenden Un- gerechtigkeit, der Unterdrückungsgesetze und der Verhetzung der Völker. Mit allen Mitteln der Demagogie ist es ihnen nicht gelungen, aus einer Körperschaft von 93,000 Wählern mehr als 8000 zur Bekräftigung ihrer Politik zu bewegen. Der kolossale Rückgang der„nationalen" und Kartell-Partei läßt sich durch keinerlei Redensarten ableugnen oder bemänteln. Die Wähler fallen von ihnen ab, sie desertiren in Masse, die Leistungen des kartellbrüderlichen Reichstags und die Reden Wilhelm II. haben ihnen die Augen geöffnet. Sie sind zwar noch nicht zum Feinde übergelaufen, aber sie sind auf dem besten Wege dazu. Das Volk in seiner großen Masse will von keiner Privilegien» wirthschaft, von keiner Pfaffenherrschaft, von keinem Säbel- -regiment etwas wissen, eS dürstet nach sozialer Emanzipation, nach geistiger Aufilärung, nach politischer Freiheit. Statt dessen redet man ihm von einer Kaste der Edelsten, befiehlt man, ihm den Kopf mit Weihrauchdampf zu benebeln, rasselt man ihm mit dem Säbel etwas vor— statt Brod Steine, Steine und wiederum Steine. Es müßte von Holz sein, wenn es unter solchen Umständen nicht dem„nationalen" Kandidaten den „französischen Kandidaten"— Dank Stöcker, daß du uns das Wort gelehrt— vorziehen sollte. „Irrende Gewissen und Fälschung der Begriffe." Gegen den ekelhaften Byzantinismus, der sich letzter Tage in der ganzen deutfchen und einem großen Thsil der ausländischen Presse an- läßlich der Veröffentlichung der eigentlich nichtssagenden Tagebuch-AuS- züge des alten Wilhelm breit machte, sticht vortheilhaft ab ein Artikel, den das katholisch-konfervative„Basler Volksblatt" unter obigem Titel veröffentlicht. Wir halten es für sehr zeitgemäß, diesen Artikel m seinem ganzen Wortlaut zu reproduziren. Gewiß ist der Se- dankengang dieser Kritik nicht der unsere; aber daß er auch vom Stand- punkt deS Christenthums aus ein so vernichtender wird für das ganz« Neqiminzssystem und die„Religiosität" Wilhelms L, die mit einer schließlich zur lieben Gewohnheit gewordenen Heuchelei iso viel Aehnlich- keit hat, und daß er so sehr in Gegensatz steht zu der deutschen offiziell- ultramontanen Stellungnahme gegenüber dem„Kulwrkatnps"-Kaiser, das ist für uns nur ein Grund mehr, diesen Arttkel einem weiteren deutschen Leserkreis zugänglich zu machen. Der Artikel lautet: „Das„große Tagesereigniß" bildet die Veröffentlichung der Auszüge aus dem Tagebuch des Kaiser? Wilhelm I. Man muß eS den Preußen laffen, wie alle Emporkömmlinge verstehen sie eS, Reklame für sich zu machen, welche die wahre Hoheit und Geistesgröße verschmäht. So tritt denn in dem neuesten Erlaß Kaiser Wilhelm II. selbst vor die deutsche Nation, um ihr das Tagebuch seines Großvaters vor Augen zu halten, erklärt dasselbe alS einen Beweis der„Seelengröße" seine? großen Ahnvaters, welcher alles deutsche Volk den Tribut der Bewun« derung und Verehrung darbringen soll. Es ist wahr, fromm, sehr fromm klingen die Worte deS alten Kaisers, aber die Anlässe und Ereigniffe, an welche diese frommen Gemüthsergüffe geknüpft werden, stimmen mit echter Religiosität nicht überein und laffen darum keinen wirklich erbauenden Eindruck auf- kommen. JmJahre 1866 steht der Kaiser zurück auf daS vollbrachte Werk der neuen preußischen Militärversassung, in welcher er seinem Volke eine auf die Länge unerträglich schwere Waffenrüstung auferlegte, welche daS Borspiel und das Vorbild wurde, daS seitdem alle andern Nationen gezwungen hat, sich eine ähnliche übermäßige Militärlast aus- zubürden, welch« die Frucht der nationalen Arbeit für die Werkzeug« deS Völkermords verzehrt. Das war doch wahrlich kein Werk aus dem Geiste Gottes, aus dem Geist des Christenthums!*) Wilhelm I. schaut in diesem Jahr serner zurück auf die Siege von 1866, welche allerding« sein Werkzeug für den Massenmord sehr tauglich und wirksamer als alle andern Militärorganisationen erscheinen ließen; aber die Siege von 1366 konnten den Rechtsbruch gegenüber der bestehenden Verfassung, den Treubruch gegenüber dem deutschen Bund und dessen Genoffen niemals zum Recht stempeln und die Kor« ruption des WelfenfondS nicht zum wohlthätigen, fittigenden Institut umwandeln. Und wieder im Jahre 1871, nachdem der fränkische Gegner niedergerungen, sieht der Kaiser im„frommen Aufblick nach oben", auf die großen Thaten seiner Armeen zurück. Bei allen diesen Anlässen hatte er freilich den— E r f o l g für sich. Eine seltsame Verirrung des Gewissens läßt ihn in jedem Erfolg da« Zeichen der Gnade Gottes erkennen. In dieser„Demuth" sollen wir„Seelengröße" erkennen, so will eS heute der Erlaß von höchster Stelle im deutschen Reiche. Gegen diese Fälschung der Begriffe muß jede« Rechts« und Wahrheitsgesühl Protest erheben. Wäre jeder Erfolg in der Wettgeschichte das Zeichen der Gnade Gottes, wir kämen zu selt- samen Folgerungen. Auch ein- Attila hatte Erfolge— die Erfolge eines Napoleon I. hatten Preußen nahezu vernichtet— auch einem Juda« ließ Gott seinen Verrath gelingen. Nein, wenn wir auch in Allem die Vorsehung Gottes erkennen, so wissen wir doch, daß dieselbe Viele? zuläßt, was gegen ihr heilige? Gesetz ist» daß sie zuweilen auch einer Macht den Erfolg läßt, von welcher der Dichter sagt: „Ich bin ein Theil von jener Kraft, Die Ms daS Böse will und nur daS Gute schafft." Religion und Geschichte belehren uns. daß Gott in seinem großen Haus« halt auch die Zuchtruthen vorgesehen hat und diesen Spielraum schafft, wobei der„Begnadigte" wohl derjenige sein kann, über den die Zuchtruthe ergeht, aber nicht der, welcher unter Verachtung alle? göttlichen und menschlichen Rechtes zur Geißel seiner Zeit sich selbst etwa macht. In schwerem Jrrthum befand sich darum der Kaiser, da er als da? Zeichen der Gnade den— äußeren Erfolg erkennen wollte. „Demuth" soll das sein? Religiosität? Wenn der Südsee.Jnsulaner seinen Gegner, den er niedergeschlagen, verspeist hat und seine innere Verdauungsarbeit mit frommem Augenausschlag begleitete, mit„Dank, Lob und Preis", so sähen wir darin den Ausdruck des Wohlbehagens, aber eine religiöse Phrase in diesem Moment könnte nur Wider- willen erwecken. Wenn das Unrecht einmal gethan wird, dann zeige es fich lieber nackt und roh alS im Mantel der Religiosität, die durch diesen Mißbrauch kompromittirt wird. Nein, nicht„Demuth" war daS, sondern das Streben, die Regungen de« eigenen Gewissens, da? über den Gewaltthaten unruhig geworden war, niederzukämpfen. Der Geist Banco's, das niedergetretene, gemordete Recht in den deutschen Süd- staaten, in Hannover, in Polen, im Kulturkämpfe, ist vor den Geist de? alten Kaisers getreten, und diesen lästigen Mahner sollte der Fettsch„Erfolg" al« angebliches Unterpfand der Gnade Gotte« bannen. Der Kaiser schließt:„Die Menschen haben meine Fehler übersehen wollen, aber der. welcher sie kennt, möge mir ein barmherziger Richter sein."„Uebersehen w ollen," nein„müssen". Dasür sorgte da? Strafgesetz, dasür wirkte die durch den Reptiliensond(das g e- raubte Privat-Erbe der Welsen) korrumpirte, von der Regie« rung geknebelte Presse. Doch eine Instanz»«inen Richterstuhl muß auch er erkennen, an welchen die Macht des Goldes und aller Druck irdischer TageSgötzen nicht hinanreicht, möge er nicht bloS dem Gestorbenen, möge er den Lebenden gnädig sein und sie erlösen von derZucht« r u t h e, welche die Hohen, ollern für daS deutsche Volk und Europa gebunden haben!" Die? der Artikel, zu dem selber wir nicht? mehr zu bemerken haben. Eines darf man dabei freilich nicht vergessen, nämlich daß der Stand« punkt de»„BaSler VolkSblattes" nicht blo? ein katholisch-kon« servativer, sondern auch ein republikanischer ist— und daß dieser Standpunkt mit dem der schlefischen und rheinischen Junker. die in der preußischen Zentrumspartei den Ton angeben, von Tag zu Tag weniger vereinbar ist. Alle diese Herren haben sich mit dem „Verfassungsbruch", mit dem„Treubruch" u. f. w. ausgesöhnt, weniger vielleicht, weil die Ideen deS„christlichen Staates" von den Hohenzollern wieder mehr betont werden, als vielmehr deshalb, weil die Interessen der schlesischen und westsälischen Junker sich mit denen ihrer„altpreußischen" Standesgenossen durch die„neue WirthschaftS- Politik" des Reiche« decken! Wie lange wird's gehen, bis auch die katholischen Arbeiter einsehen, daß ihre Interessen von denen der katholischen Junker verschieden und mtt denen der Gesammtarbeiterschaft identisch sind? Kultur-Fortschritt. (Der„Rew-Yorker Volkszeitung" entnommen.) Auf welcher Stufe der allgemeinen Kulturentwicklung mögen wir un? wohl gegenwärtig befinden? Eine kurios« Frage das— fürwahr l So kann nur Einer fragen, der urplötzlich aus den Wolken gefallen und keine blasse Ahnung hat, daß wir»m Ausgang de» 19. Jahrhunderts leben! Selbstverständlich haben wir bereits„den höchsten Gipfel der Zivilisation" erklommen, oder sind mindestens sehr nahe daran. So denkt wenigstens die große Mehrzahl der Zeitgenossen, für welche eine *) Und dabei darf man nicht übersehen, daß dies« Militärorganisation eingeleitet und erzwungen ward durch«inen Verfassungsbruch, durch einen Eidbruch! Red. d.„S." i höher« Kulturstufe und mit ihr eine bessere, vernünftigere SesellschafS« ordnung kaum möglich, jedenfalls aber gar nicht nölhig oder Wünschens« werth ist. Nur Wenige sind eS, denen die nachweisbare Nothwendigkeit einer höher gearteten Zivilisation al» die gegenwärtige, genügend ein« leuchtet und die Sewihheit einer glücklicheren Zukunft des Menschen« geschsechis klar vor den«ugen schwebt. Bon diesen Letzteren verfallen aber Manche in den Jrrthum, daS bis jetzt Erreichte zu unterschätzen, und reden in ihrem Pessimismus von einer„zersitzenden FZulniß", welche unsere Zivilisation ergriffen habe, und von einer„chinesischen Stagnation", in welche der Kulturfortschritt gerathen wäre..... Dergleichen Redensarten streifen kaum die Ober- fläche der Eischeinungen, während die nüchterne, kritisch« Forschung zum überraschenden Resultate führt, daß wir j u st b« i m A n f a n g uns befinden, daß unsere Zivilisation jugendfrisch ist und all' unser« bis- herigen Errungenschaften nur unansehnliche Noihbehelf« find, im Ber« gleich mit den Fortschritten, welche vielleicht schon in der nächsten Zu« kunft als reif« Frucht vom Baum« der Erkenntniß zu pflücken sein «erden. Von diesem wissenschastlichen Standpunkte ausgehend, wollen wir im Folgenden den Charakter deS sich beständig vollziehenden Kulturfort- schrittS in Bezug auf seine Elemente, st wie in seiner Einwirkung auf die wirihschaftliche Gestaltung der Gesellschaft eiwaS näher betrachten. — Zunächst also von den E l e m e n t e n deS allgemeinen Kulturfort- fchriltS. Derselbe wird vornehmlich durch die fortwährend im Wachsen begriffen« und, soweit wir Menschen eS abzusehen vermögen, ganz un« begrenzte Gewalt charaktertsirt, welche unserem Erkenntnihvermögen über die un« umgebende äußere Ratur verliehen ist. Thatsächlich find biS jetzt auch nicht die geringsten Anzeichen vorhanden, welch« vermuthen ließen, daß unsere Kenninisse von den Eigenschaften der Rateri« und von den Gesetzen der physischen Welt den Grenzen einer erschöpfenden Vollständigkeit sich nähern; im Gegentheil erweitern sich dieselben täglich uns stündlich und werden immer vielseitiger und mannigfacher. Fassen wir das Gesammtwiffen der Gegenwart von einem einheitlichen Gesichtspunkt auf und blicken wir von dieser erhöhten Stellung in die weit« Ferne, so ist eS nicht etwa„die ewige Dunkelheit", welche dahinter ausgebreitet liegt, sondern ein unübersehbar großes Feld von noch Un- bekanntem und Unerforschtem eröffnet sich uns, dessen Weite und Umfang zur Genüge die Meinung rechtfertigen, daß wir noch nicht einmal den geräumigen Vorraum deS Tempels der Ratur in allen seinen verborge« nen Winkeln und Ecken genau kennen gelernt haben. Ein anderes, nicht minder charakteristisches Merkmal des allgemeinen Fortschritts ist die steigend« Schnelligkeit und Schlagfertigkeit, mit welcher die Resultat« der theoretischen Erkenntniß von der Intelligenz der Tech« » i» aufgegriffen und dt« physischen Naturgesetze in mecha- « i sch e Kräfte umgewandelt werden. In dieser Beziehung ist unser Zeitalter besonder» ausgezeichnet, welcher Umstand mächtig auf die Ge- staltung der Produktionsverhältnisse zurückwirkt. GS genügt, diesbezüglich nur auf die Erscheinungen der Elektrizität und deS Magnetismus hinzu- weisen, welche nicht mehr bloS bildlich, sondern in des Wortes buch- stäblichstem Sinne alle Wunder der antiken Magier und der Mittelalter- llchrn Zauberer weit in den Schatten gestellt haben. Und es ist dabei charakteristisch, daß die thatsächliche Ausbeutung der durch die theoretische Naturforschung sozusagen an das Licht gebrachten Raturkräfte mit den Resultaten dieser Forschung gleichen Schritt hält. Di« subtilsten Versuche und die verwickeltsien Prozesse, wie die groß- artigsten Unternehmungen aller Art sie nöthig machen, finden zu ihrer Durchführung stets eine genügende Anzahl geschickter Arbeiter, welche zur Handhabung all' der unglaublichen Feinheiten der Arbeit sich voll- ständig qualtfiziren. Gerade die Existenz dieser glücklichen Kombination reinen Wissen« und angewandten Könnens gibt uns die Garantie, daß in Zukunft, noch viel mehr als heute, eine lange Reihe neuer Erfindun- aen erwartet werden kann; Erfindungen, die alle nothwendiger Weise oieselbe kulturelle Tendenz wie dt« bisherigen haben werden, nämlich die: die menschliche Muskelkraft zu schonen und die menschlich« Arbeit immer leichter und ausgiebiger zu machen. Dieses Resultat so zu verwerthen, daß es nicht bloS verhältnißmäßig wenigen Ausbeutern zu Gute kommt, fondern>n den breiten Mafien de« arbeitenden Volkes in Erscheinung tritt und von diesen die erdrücken- den Lasten unaufhörlichen, mühseligen Schaffens bei kärglichster Ent- lohnung nimmt,— ist da» Ziel, welches die Sozialisten anstreben. Ist da» erreicht, dann erst kann man im eigentlichsten Sinne de« Worte» von einem Kulturfortschritt sprechen, weil dessen Wirkungen sich dann auf Alle erstrecken, die„Renschenantlitz tragen". Sozialpolitische Rundschau. Zürich, ö. September 1888. — Die„Strecken-Rede" de« deutschen Kaiser» hat in der ganzen »ivilifirten Welt berechtigte» Aufsehen erregt, und selbst in dem Theil der Presse, welcher sonst aus dem«inen oder anderen Grunde daS offi« zielle Deutschland zu lobpreisen pflegt, fast durchweg eine ungünstige Be- urtheilung gefunden. Wa» schw ei» er ifche Republikaner von der Red« halten, da» zeigt ein Artikel de» in Winterthur erscheinenden „L a n b b o t e n". Der Artikel ist, gleich dem unsrigen in der letzten Kummer, betitelt„Auf der Strecke" und lautet wie folgt: Feuilleton. Aus dem Kagebuche eines Philisters. Di« nachfolgend« gelungen« Persifflag« entnehmen wir dem Pariser „Sri du Peuple". An die Adresse der„Röpublique sranyaise" gerichtet, paßt st« nicht minder auf die mordspatriotische und reptilisirte Presse de« deutschen Reiches, die das Organ der opportunistischen Finanzritter in übertriebenen Berichten und erdichteten Sensationsnachrichten über den Erdarbeiterstreik noch weit hinter sich gelassen hat. So schuftig dieses Treiben, so erfüllt es leider, wie der Verlust de« Streck« gezeigt hat, nur zu oft noch seinen Zweck, und kann daher von allen, die zur Sache der Arbeiter stehen, nicht scharf genug gegeißelt«erden. Hier geschieht di«S mit der Waffe der Satire. Der Verfasser, der sich?ipo ea buis zeichnet, führt uns«inen Philister in der Provinz vor, auf den die Heulereien der„Röpublique franxaife" ihre Wirkung nicht verflhtt haben. Beide, der Philister und sein Evangelium natürlich in entsprechend kräftigeren Farben. Hören wir also: Tagebuch über den Streik. Herr HieronimuS Weidegern verzeichnet, getreu seinen übrigen Lebeni- gewohnheiten, alle Borkommnisse, die auf ihn im Laufe deS Tages ein- wirken, des Abends in ein besonderes Buch, das dereinst veröffentlicht werden soll, wenn er nicht mehr ist. Gr hatte die Güte, die dem Erd- arbeiterstreik gewidmetm Sellen uns zur Verfügung zu stellen und wir zweifeln nicht, daß sie da» volle Interesse unserer Leser in Anspruch nehmen werden. »«. Juli.... Heut« morgen habe ich in der„Röpublique fran« gaise", deren Abonnent ich bin, gelesen, daß die Erdarbeiter von Paris und Umgegend«inen allgemeinen Streik proklamirt haben und ent- schloffen find, Religion, Eigenthum und Familie mit Stumpf und Stil auszurotten. Ich habe die Nummer zerrissen, damll Malwine, meine zärtliche Gattin, nicht durch da» Lesen derselben erschüttert werde. Welch« schädliche Ausregung könnte sich ihrer bemächtigen, wenn selbst ich meine Ruhe wanken fühl« bei dem Gedanken, daß die Streikenden sich jeden Augenblick auf Eharenton, wo ich meine alten Tage in Ruhe zu be- schließen gedachte, stürzen und dort Mord und Brand verüben können. S. August.... Nun ist'S aus. Wie der Redakteur der„Röpublique franyaise" haarscharf beweist, beginnen die Junitage auf's Neue. Täglich röthen blutige Metzeleien das Pflaster der Hauptstadt. Im Augenblick» „Die Politik wiegt Objekt und Opfer gegeneinander ab und weiß zu verzichten, wenn diese» jenem gegenüber allzugroß erscheint. Dabei ist freilich ein Unterschied beim Erwerbe« und Verlieren. Nicht zu kaufen, waS zu viel kostet, verlangt, auch wenn der Appettt gereizt ist, keine allzu große Ueberwindung; wenn aber einem Staat zugemuthet wird, herzugeben, wai er unter Anspannung aller seiner Kräfte errungen, so muß er nicht nur das in Rechnung bringen, wa» die fernere Behauptung diese» Objekte» ihn direkt an Blut und Geld kosten könnte, sondern auch den Abbruch an Macht, Ansehen und Selbstvertrauen, den da» Preisgeben mit sich zöge. ES läßt sich daher begreifen, wenn deutscherseits auf die Zumuthung, Elsaß und Lothringen um des lieben Friedens willen wieder an Frankreich zurückzugeben,»n bestimmten und starken Ausdrücken ge- antwortet wird. In Parenthese ist gleichwohl zu sagen, daß die Er« oberung dieser Provinzen nur ein begleitendes Moment de» Krieges von 1870/71 und keineswegs Zweck desselben war, und daß vlelleicht doch die Verhältnisse sich sügen könnten, um über allen stürmischen Wallungen deS MachtgesühlS vernünitigermaßen jene Abwägung zwischen Objekt und Opfer durchgreisen zu lassen. „Wo aber alle und jede Rücksichtnahme auf daS Verhältniß zwischen dem Gegenstand und dem PreiS in den Wind geworfen wird, da handelt nicht mehr der Politiker, sondern— sei sein Machtgebiet klein oder groß— der leidenschaftlich erregte Gewaltherrscher, da tritt daS: „sie toIo, sie jubeo, etat pro ratione yoluntas**) ein, das Merkzeichen de« Despoten. „Gottlob ist aber daS Reden nicht schon daS Thun; die Zunge schnellt oft wett höher, als die Hand ausführen könnte oder wollte. So darf man denn von der pyramidalen Enormität der Ansprache de« deutschen Kaisers an den Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt an der Oder ein guteS Stück auf Rechnung jenes kleinen Gliedes setzen, von dem der Brief Jakobi sagt, daß es oft groß« Ding« verrichtet. Immerhin läßt dies« Ansprache einen Blick thun in die Geschmacks- und GemMhsrichtung deS jungen Herrschers, welchem nach dem in neuerer Zeit jenseits deS Rheins so vielgepriesenen monarchischen Prinzip dai Wohl und Wehe von 4? Rillionen Deutschen(nach der Volkszählung vom 1. Dezember 188» 46,85»,704), und indirekt das eines WelttheilS in die Hand gegeben ist. Und dieser Einblick mahnt zur Vorsorge und zum Aufsehen. Stach der offiziösen„Nordd. Allgem. Zeitung" lautete die Spitze jener Ansprache wörtlich und buchstäblich folgendermaßen: „„Ich glaube, daß Wir sowohl im 8. Armeekorps, wie in der ge- sammten Armee wissen, darüber ist nur eine Stimme, daß Wir lieber unsere gesammten 13 Armeekorps und 42 Millionen Einwohner auf der Strecke liegen lassen, als daß Wir«inen einzigen Stein von dem, was wir errungen haben, abtreten. In diesem Sinne erhebe Ich Mein Glas und trinke auf das Wohl Meiner braven Brandenburger, der Stadt Frankfurt und des S. Armeekorps."�) „Wenn auf fürstlichen Treibjagden das massenhaft zusammengeknallte Wild einS hart neben daS andere mit ausgestreckten Gliedern gelegt worden ist, so heißt man das in der Jägersprache die Strecke, und es gehört zum Hochgenuß der Herrschaften, im Triumph zwischen den Reihen durchzuschreiten. Eine ganz« Volksarmee und dazu eine ganze Nation bis zu den ungezähnten Kindern in diesem Jäzerbilde zusammen zu fassen und einem Stein in einer unlängst eroberten Provinz entgegen- zustellen, dazu gehört schon ein« mehr als feurige Phantasie. Beim H.iperbelmachen werden leicht die Maschen zu weit; es verschlägt daher nichts zur Sache, daß in der imperatorischen Ansprach« einige Millionen Deutschs durch'S Sieb gesallen sind. Nachdem Prinz Heinrich vom Hause Lancaster am Sarg« seine» BaterS Heinrich IV. gestanden, überließ er fortan da» Maßlose und Aufgedunsene seinem selber aufgedunsenen früheren Kumpan. In jenem Iägerbilde ist aber nicht nur daS Maß verletzt: eS liegt etwas dämonisch Furchtbares darin. Ein anderer Im- perator hat auch einmal eine solche Kollektivvorstellung gehabt, indem er dem ganzen Volke RomS nur einen Kopf wünschte, damit er ihn könnte abschlagen lassen. Slun bewahren freilich den jungen deutschen Kaiser die auch ihn beherrschenden Gesetz« der christlichen Humanität, seine per« sönliche Erziehung und die Traditionen seines Hauses ganz sicher vor jedem Hauch jener persönlichen Gemüthsverfassung, in welcher der andere Imperator daS erwähnte Wort sprach. Und wir wollen weiter- hin»»geben und hervorheben, daß die ungemeine Entschiedenheit, in welcher der neue Herrscher Deutschland» daS fortwährende französische Jnfragestellen der Resultate deS Frankfurter Friedens zurückwies, für das Weiterbestehen dieses Friedens von guter Wirkung sein kann und insoweit zu begrüßen ist. Aber Eines ist und bleibt doch bedenklich. Die ruhige und in sich gefestete Kraft pflegt nicht über daS Maß der Dinge hinauszugehen. Uebergroß« Wort« deuten gern auf da« Gegentheil von Kraft. Und wo mit diesem stürmisches Wesen sich verbindet, beginnt das dunkle Gebiet d«S Unberechenbaren. Deutschland, da» sei« Geschick auf zwei Augen gestellt und dessen mit großem Schall sich rühmt, treibt für die nächste Zeit in diesem Gebiet, und andere Völker sind in dem Verschlungensein der Verhältnisse mit hineingezogen. „Daran ändern wohl dle kühnen Lustsprünge ttefunterthanlicher Er- geben heit nichts, welche sich links und rechts in der deutschen Press« finden. Die liberale„Boss. Zeitung" ist ganz begeistert und glaubt, daß ♦)„So will, so befehle ich, statt der Vernunftgründe gllt mein Wille. **) Mit der„Nordd. Allgem. Zeitung" brachte auch der„Reich»« anzeige»" und die offiziös«„Post" offiziell obigen Text. Nach Wahrnehmung de» Eindruck«, den die Wort« nothwendig machen mußten, wurde in letzter Stunde die Rittheilung zurückgezogen, so daß fle nur in einem Theil der Auflage dieser Blätter in ursprünglicher Gestalt er« schien, der nachher im„ReichSanzeiger" erschienene Text unterscheidet sich vom ersten nur dadurch, daß er da» Wort Strecke an Wahl« statt»ertauscht. In ihrer überquellenden Loyalität haben andere Blätter weitere, durch nichts beglaubigte Abmilderungen gebracht. da meine zitternde Hand diese Zeilen niederschreibt, brechen vielleicht dieselben Greuel über Eharenton herein. Eine Flucht ist unmöglich. Sich auf der Straße zeigen, heißt vielleicht dem Tod in den Weg laufen. Wai thun? 5. August. Die„Röpublique franyaise" veröffentlicht die Liste der Opfer de» Streiks. E» ist schrecklich. Nach langem Schwanken habe ich Malwine klaren Wein über die Situation eingeschenkt. Mit einem, d«S klasstschen AtterthumS würdigen Heroismus antwortete sie: HieronimuS, da wir nicht fliehen können, müssen wir UN« in unserm Keller verbergen und dort den Triumph der Ordnung abwarte«». Ich werde Lebensmittel einkaufen un), zwischen unsern Flaschen und unfern Fässern«verde» wir der Hossn>M auf besser« Tag« leben. „Theure Frau," habe ich geantwortet,„mach' schnell,«ber hüte Dich, Dich in Deinem gewöhnlichen Anzug auf der Straße zu zeigen. Di« Aufrührer würden sich sicher in Deinem Blute weiden, wenn Du ihnen so begegnest." Und aus meinen Rath hat st« ein Bouquet Klatschrosen in die Haare gesteckt und eine breite roth« Schärpe umgelegt. Nach Ver- lauf einer Stunde ist sie unbelästigt zurückgekehrt. 7. August. Bevor wir uns in dem Keller einouartirt, Hab« ich dem Briefträger, der mir die„Röpubllque ftanyaise" bringt, die beunruhigen- der klingt al» je, gesagt, daß er von jetzt ab meine Post durch eine Briesspalte abzugeben und entgegenzunehmen hat. Dann habe ich ihm zwanzig Franken gegeben, um überall zu erzählen, daß Frau Weidegern und ich nach Amerika gereist sind. 12. Augttst.... Seit fünf Tagen wohnen Malwine und ich im Keller. Wir verbringen unsere Zeit dainit, Karten zu spielen und die„Rö- publique franqais«" immer wieder durchzulesen. WaS für Verbrechen weiß sie nicht täglich mitzuthetlenl Der Justiz» palast verbrannt, fünfzehn Polizeistattonen mittel« Dynamtt zerstört. Die gesamvtte Arbeiterschaft von Pari» hat stch den Erdarbeitern an- geschlossen. Der allgemein« Zusammenbruch fleht vor der Thür. Ueber den Vorwand, eine« der Ihren zum Friedhof zu geleiten, find die Banditen durch die Straßen gezogen und haben die Gensdarmen und die Beamten der Behörde, die den Rustrag hatten, für unbehinder, ten Verkehr zu sorgen, niedergemetzett. Pari» ist in ihren Händen. E« scheint, sagt die„Röpublique ftanqaise", nach den letzten Nachrichten, vaß die Regierung sich nach Fontainebleau hat flüchten müssen, wo fie eine RettungSarmee organisirt." Die Zettungen der Rothen eröffnen Sammlungen zur Anschaffung von Waffen. Nach Berathschlagung mit Malwine Hai« ich dem„Sri du Peuple" die Worte de» Kaisers überall im deutschen Bolle begeisterten Beifall finden werde». Di« stockkonservativ«„Kreuzzeitung" findet, daß dt« Aeußerungen de» Kaisers überall im deutschen Vaterland« erhebeiid ge« wirkt und daß selbst Handel und Wandel fie mtt freudigem Vertraut« begrüßt haben. „Wir mögen denen, die so denken und empfinden» ihr Glück wohl gönnen, fürchten aber, st« und tausend Andere könnten, ehe fie sich'» versehen, in andere SttMmung gestoßen werden." Dies der Artikel. Was in demselben über die Servilität der deutschen Presse, auch der oppositionellen, gesagt ist, ent- spricht leider vollständig der Wahrheit. Freilich, eine freie Kritik der Rede würde unzweifelhast zu einer Anklage auf MajeMSbeleidigung führen, allein die Furcht vor solchen Prozessen und den unfehlbar zu erwartenden exorbitanten Strafen entschuldigt doch unter keiner Bedin- gung die Erklärung positiven Einverständnisses. Wenn die Wahrheit nicht gesagt werden durfte, dann war Schweigen Pflicht. Und das Schweigen wäre in diesem Falle sehr beredt und eindruckS« voll gewesen. — Zum glänzenden Sieg unserer Berliner Genosse» be- merkt der„Schweizer Sozialdemokrat": „Der Sieg der sozialdemokratischen Kandidatur ist also ein außer« ordentlich glanzvoller geworden, trotz Polizeichikauen und Arbetter- abhängigkeit. Wir qratuliren. Kaiser Wilhelm II. aber dürste sagen: „Ein allzu milder Herrscher bin ich noch „Gegen dies Volk— die Zungen sind noch frei, „Es ist noch nicht ganz, wie es soll, gebändigt— „Doch es soll anders werden, ich gelob' es; „Ich will ihn brechen, diesen starren Sinn, „Den kecken Sinn der Freiheit will ich beugen. „Ein neu Gesetz will ich in diesen Landen „Verkündigen.— Ich will"--- (Schiller'? Zell, Akt 4, Szene 3.) — Die Bertheiluug der Stiminen in den einzelne« Stadt- theilen, aus denen der sechste Berliner ReichStagSwahikreiS besteht, gewährt, schreibt die Berliner„Vottsztg." einen recht interessant«» Ueberblick über die Verbreitung der Stöckerei in demselben. „Der Hauptsitz derselben(des Antisemitismus) ist im ehemals so frei« sinnigen Stavtthefle Moabit, in welchem von 283« abgegebenen Stimmen 321 für den verschämten und 1045 Stimmen für den„reinen" Antisemitismus abgegeben sind. Es sind dies mehr als 30 pCt. aller Stimmen und von diesen kommen mehr als 25 pCt. aus den echten, unverfälschten Antisemitismus. Diese Sttmmen find vorzugsweise den dort so zahlreich wohnenden Beamten zuzuzählen. Dagegen hat der größte Ltadttheil, die Rosenthaler Vorstadt, mit 10,269 abgegebenen Stimmen, nur 596 halbechte und 869 unoer- fälschte Antisemiten auszuweisen, also rund 15 pCt. Auf dem Gesund- brunnen mit 3173 abgegebenen Stimmen sind sogar nur 432 für die beiden„Ordnungskandidaten" abgegeben, von denen der in de« Wolle gefärbte Antisemitismus nur 180 erhalten hat, so daß der Prozentsatz für denselben nur etwa sechs Prozent bettägt. Für alle die dort ausgewendete Mühe— selbst der jüdische Antisemit Wilhelm Nathan Schlesinger hat dort seinen Kriegsschrei ertönen lassen— ist dieS eigentlich gar zu bescheiden. In der Hamburger Bor« stadt haben sich die 727 sreistnnigen Wähler mit 7lS konservativ» antisemitischen in den Erfolg ihrer Agitation getheitt, in der Oranien- burger Vorstadt sind die 638 freisinnigen Stimmen von den 912 Mischmaschstimmen überholt, auch die Prenzlauer Lorstadt hat noch gegenüber 728 freisinnigen Stimmen 845 aufgebracht, von denen 458 für den reinen Antisemiten votirt haben. Dagegen hat die Schön- hauser Borstadt dem freisinnigen Kandidaten mtt 1255 Stimmen, Herrn Holtz nur 444 und Herrn Dr. Förster 630 zukommen lassen und auch der Wedding hat mit 1041 für Knörcke dem waschechten Anti« semiten nur 345, seinem Bruder in Antisemitismus 496 Stimmen zu- kommen lassen. Bei 6959 abgegebenen Stimmen sind also nur rund 12 pCt. für die Vaterland SrrNrr au» dein kruiUfiche» Aoiy abgefallen. Das Facit ist: je mehr Arbeiter, je weniger Antisemi« ten; je mehr Beamte, je mehr„OrdnungSmänner". DaS ist nicht gerade neu, aber immer werth, festgestellt zu werden. — Die Berliner Polizei hat«i sich nicht versagen können, ihrer Wuth über den glänzenden Erfolg der Sozialdemokratie in brutal« ster Weise Ausdruck zu geben. Wir lesen darüber im„Berliner Volkiblatt":„Einen kleinen BelazerungSzustand mußte die Defsow'sche Brauerei am Abend des 30.». M.. dem Abende der Wahlschlacht im 6. Berliner ReichstagSwahikreise, über stch ergehen lassen. Dortselbst fand die Verkündigung deS Wahlresultats der sozialdemokrattschen Partei für die Schönhauser und Rosenthaler Vorstadt statt. Wie zu erwarten war, war die Betheiligung eine sehr rege, die Dessow'sche Brauerei hatte gewiß den stärksten Besuch in diesem Sommer und die Polizei hatte in dieser Voraussicht ihrerseits ihre Maßnahmen getroffen. Ein starke» Kommando von Schutzleuten zu Fuß und zu Pferde war zur Stelle und wurde von einem Lieutenant und einem Wachtmeister befehligt. Der «aal selbst war, obgleich nur sehr mäßig defetzt, po« lizeilichgesperrt und wurde jedem der Eintritt»erweigert. Di« große Menge füllt- deshalb den geräumigen Garten, all« Tische und Stühle waren besetzt und der Oekonom der Brauerei machte ein gutes Geschäft. Hunderte von Personen, welche keinen Platz meh» finden konnten, promenirten vor dem Saalgebäude in dem Theile de« Gartens, aus dem Tische und Stühle entfernt worden sind, auf und nieder. Mit Kind und Kegel waren manche erschienen, um da« Resultat Ii.«ngnst. serer unterirdischen müssen noch vierui HungerS sterben. 15. August Die Bohnen, welche unsere Hauptnahrung in mo Zufluchtsstätte ausmachten, sind zu Ende. Und»i« Zwanzig Stunden im Keller bleibe». Wir werde» ..._____, Malwine und ich haben fett gestern nichts ge« gessen. Die„Röpublique franzaise" meldet, daß die Guillotine in Pari» in Permanenz erklärt worden ist. IS.«ngnst..»» Mit thränenerstickter Stimm« Hab« ich zu Mal- win« gesagt: Frau Paturot, wissen Sie, was aus einem Boot Schiffbrüchiger schteht, wenn die Lebensmittel zu Ende gegangen? Du willst km? oder lang ziehen? antwortet« fie mtt einem entsetzlichen Blick. Nein Malwine, nein. Warten wir noch! Nachschrift. Ich werde sie diese Nacht tödten, während st« schläft. Sie ist fett. Tüchtig gesalzen kann sie für acht Tag« vorhalten. 17. August.... Gegen«in Uhr Morgen» hörte ich Malwine schnarchen und griff nach meinem Küchenmesser... Der Ruth versagt« mir— morgen... 18. August.... Mein« Gattin war eben daran, unsre Pantoffeln zum Frühstück einzukochen, al» der Briefträger die„Röpublique sraiü yaise" durch die Spalte wirft. Mit Zittern und Zagen öffne ich st« Ei» Schrei entringt sich mein» Brust. WaS Hab« ich gelesen? Dar! ich meinen Augen trauen? „Der Streik ist beendet!" Ich fliege Malwine an die Brust! Ich hatte ste schluchzend umarmt. Nachvem wir den zärttichen Gefühlen, die unsre Seelen erfüllen, vollen Lauf gelassen, verlassen wir unser düstres Gesängniß. Draußen hat alles seinen alten Anstrich. Di« Armee von Fontaine- dleau ist bei Zetten eingetroffen, um Eharenton vor der Wuth de» Revolutionäre zu beschützen. Gott und die Regierung seien gepriesen. Morgen reisen wir nach Paris, um die Trümmer und die Ruinen zr besichtigen, deren Aufzählung die Spatten der„Röpublique sranyaise' anfüllt. Wir hoffen, zeitig genug dort zu sein, um der Hinrichtung der Haupt rädelsführer beizuwohnen.... 50 Centimes unter voller Angab« meiner Adresse geschickt und ei» Wort der Sympathie hinzugefügt. Diese Demonstratton rettet un» vielleicht bei der Einnahme und Plünderung CharentonS. deS WahlkawpfeS zu erfahren. Hier sah man dm Arbeiter in blauer Blouse am Arme seiner Frau umherwandeln, dort einen andern, einen seiner Sprößlinge auf dem Arme tragend, da? Tanze machte einm mehr familiSren als politischen Eindruck. Hier und da bildeten sich Gruppe«, flüsternd wurden die Hoffnungen und Befürchtungen aus« getauscht angesichts der bekannt gewordenen geringer« WahlbethsUigunz, kaum ein lauteS Wort wurde gesprochen, eS herrschte eine erfreuliche Ordnung. Da— endlich— die letzte Botschaft ist gekommen, dai Wahl- ergebniß ist zusammengestellt, im Saale ertönt die Glocke, das Resultat «Kd verkündet. Lautlose Still« herrscht drinnen und draußen, alles drSngt sich vor der Saalthür und dm geöffneten Fenstern zusammen, aus dem Biergarten strömt die Wenge herbei und staut sich im Bor« garten, alles will hören, hören! Da ertönt im Saale«in jubelndes Hoch, däS jubelnd« SiegeSzeichm pflanzt sich fort von Wund zu Wund die so lange gehegte bange Sorge ist gewichen und löst sich auf in einem begeisterten Hoch der Wenge. Doch noch ist der Jubel« ruf nicht aus den Lippen erstorben, da wird er schon über- tönt, abgelöst von einem SchreckenSruf, von einem Entsetzensschrei l Mitten in die wogende Menschenmasse hinein spren« gen die„Berittenen", eS folgen Szenen, die der Beschreibung spotten. Kinder jammern, Mütter irren, Alles rennt, rettet, flüchtet— doch wohin? Ueber Zäune und Mauern und Gitter geht die wilde Jagd, verfolgt von de»„Berittenen", die schmale AuSgangspsorte vermag kaum Durchlaß zu gewähren, die Menge staut sich, da— mitten hinein stürzt sich von draußen her wieder„Einer zu Pferde", hoch bäumt sich das Roß, aber die Sporren des ReiterS treiim«S vorwärts— Ein Schrei der Entrüstung und Empörung— der Garten ist frei— doch draußen sammelt sich des Volk— die Wähler — Reugierige von der Straße— hier wiederholen sich die Szenen— genug! Allmälig wird es ruhiger, die Wenge ist zerstteut— doch noch lange ertönm, fern verhallend durch die stille, laue Rächt die Ruf«! »Hoch Liebknecht, hoch!" Wie lange wird sich das arbeitende Volk noch solch' nichtswürdige Provokationen gefallen laffen muffen? Pfui der Schande über die bübi- sehen Veranstalter dieses feigen Ueberfalls! — Wie tief die sogenannt«„deutsche Demokratie" gesunken ist, erhellt aus einem Leitartikel der„Frankfurter Zettung" über die Ernennung Bennigsen'S zum Regierungk Präsidenten von Hannover. Das Organ des Herrn Sonnemann erblickt in dieser„Rangerhöhung" des nationalliberalen Kautschukmanns die Vorstufe zu einem M i n i st e r- Posten, und knüpft daran die Hoffnung auf ein« kommende liberale Aera! Wir lasen den Arttkel zweimal durch, wett wir an solche gestnnungs« lose Naivetät kaum glauben konnten und deshalb dachten, der Artikel müsse ironisch gemeint sein. Dem ist aber nicht so; der Schreiber ist vollkommen im Ernst. So wäre denn Herr Sonnemann mit seiner »Volkspartei" glücklich auf den Bennigsen gekommen! — In gerechter Entrüstung frägt der„Schweizer Sozial- demokrat" betreffs einer Nachricht der offiziösen„Augsburzer Abendzeitung", daß die D e n u n z i a t i o n, infolge welcher in Lindau eine Sendung sozialdemokratischer Schriften, sowie der neuesten Nummer des„Sozial- demokrat" aufgefangen und dabei drei Schweizer verhaftet wurden, von der schweizerischen Zollbehörde in Rorschach ausging: „Wird der Vorsteher des eidgenössischen Zoll- departements die Sache untersuchen, eventuell diese Spitzelei eidgenössischer Beamten abstellen oder nicht? Oder soll man es ihm ins Ohr schreien, daß seine Untergebenen ihn zum Spitzeloberhaupt machen? Wir wiederholen: weder schweizerische Zollbeamte, noch schweizerische Polizeibeamte haben die Pflicht oder auch nur das Recht, aus bei uns nicht verbotene Schriften zu fahnden und eine bezügliche Mittheilung an fremde Polizeibehörden zu machen. Oder ist das vielleicht die vielgerühmte nationale Politik unserer Behörden, daß sie für ausländische Interessen die Büttel machen?" Auch andere Blätter— in besonders entschiedener Form der„BaSler Arbeiterfreund"— stellen dieselbe Frage, und wir wollen vorerst die Antwort d«S Bundesrath es abwarten, ehe wir dieses Thema weiterspinnen, auf das wir demnächst zurückkommen werden. Einer optimistischen Täuschung braucht man sich freilich nicht hinzugeben. Der Bundesrath, welcher 20.000 Fr. für die innere Spionage unter dem Tttel„Fremden Polizei" fordert, wird den Schritt zur„gemeinsamen" Operation mit einer„befreundeten Regierung" gegen den„gemeinsamen Feind" wohl im Rahmen der nationalen Politik finden— bekannt- lich ist ja nur der Anfang schwer— und die Ausweisung unserer vier Genossen war schon ein recht hübscher, vielversprechender Anfang. — Sin Eingestündniß. Die nationalliberal«„Kölnische Zeitung" rechnet die Stimmen, die der Antisemit Förster im sechsten Berliner Wahlkreis erhalten, mit auf Konto der von ihr vertretenen Sache. Das ist zwar richtig, aber wir hätten dem Weltblatt den Muth, «S einzugestehen, doch nicht zugetraut. Bisher hielt man eS wenigstens in ihrer Partei auS verschiedenen Gründen für geboten, sich den un- geberdigen antisemitischen BundeSbruder offiziell vom Leibe zu halten, unV nur hinter der Wand mit ihm zu mogeln. So wehrte man die Reputatton und behielt dl« Möglichkeit, bei Bleichröder, Oppenheim und ähnlichen gerechten, d. h. reichen Juden Hausiren zu können. Aber die Roth bricht nicht nur Eisen, sondern auch die Zunge, und so wird plötzlich, um den schmählichm Bankrott zu verdecken, der illegitime Bruder für legitim erklärt. Was verschlägt's? Wenn es darauf ankomm», giebt man auch eines Tages dem„jüdischen Mitbürger" wieder ein gutes Wort. Sin erbauliches Schauspiel. Und lehrreich obendrein. -- Bot» der freche« Willkür, mit der die Polizei in Deutschland heute gegen die Arbeiter vorgeht, hätten wir jeden Tag zu erzählen, wollten wir alle Fäll« registriren. DaS Ausnahmegesetz ist auf Polizei- Willkür berechnet und gebaut worden— kein Wunder also, daß die Polizisten, entsprechend ihrem Charakter und ihrer Bildung, diese in ihre Hand gelegte Willkür ausnützen. Hat ihnen doch ihr Oberster das präch- ttgste Beispiel gegeben durch die Art und Weise, wie Er für sein« Zwecke «die Klink« der Gesetzgebung" handhabt. Ein besonders markanter Fall für die Gewissenlosigkeit und Brutalität, mit welcher deutsche Polizei- beamt« ihre Gewalt zur Befriedigung ihrer Privattach« mißbrauchen, wird au« Aachen gemeldet. Am 22. August wurde dort unser Ge- »off« Krewinkel zum Polizelkommissar der politischen Abtheilung zttirt. Dort angekommen, wurde derselbe um sei« Nationale befragt und dann ohne Weiteres auf den Hof des PoltzeigebäudeS geführt, um von Polizei- wegen photographirt zu werden! Krewinkel weigerte sich und ver- suchte, sich au» dem Hofe zu entfernen, wurde jedoch mit Anwendung v o n S e w a l t vor den Photograxhie-Apparat geführt und, zwar nicht „von Rechtswegen", so doch. waS ja schließlich heut« gleichbedeutend ist. von Polizeiwegen photographirt. Krewinkel wird natürlich den Weg der Beschwerde ergreifen, mit welchem Erfolge, ist heute schon ab- zusehen. Selbst den Fall angenommen, er erhalt« Recht und der Polizei- kommiffar Unrecht— wäre damit waS geändert? Oder wäre Krewinkel Sgen fernere Chikanen geschützt? Nicht im Geringsten! Sett Jahren lon wird Krewinkel von der Aachener Polizei mit ollen Wtttel« zu ruiniren gesucht! Gegen ihn wurden meineidige Zeuge« in'» Feld ge. führt, vollendete Gauner, wie der„Gentleman" K u h n, der heute das Zuchthaus ziert, wurden engaglrt, ihn in's Garn zu locken und zu ver- derbe«-- der Rährvater aller dieser Hallunken aber, Polizei- ko mmissar M öhlig, sitzt fest in Amt und Würden, ihm geht kein Staatsanwalt zu Leibe, er hat keine Untersuchung wegen Stöcker-Eide zu fürchten, er darf Gesetz und Recht mit Füßen treten— seine Schande wird mit Orden bedeckt und mit B-sörderung bezahtt! Dazu ist ja da« Sozialistengesetz geschaffen worden! Und weil ohne Sozialistengesetz solch« Willkürlichkeiten nicht möglich, deshalb bleibt da« Sozialistengesetz! Regierung und Bourgeoisie fühle» sich ohne diesen Freibrief für alle Schändlichkeiten nicht mehr sicher! — Die Hungerpeitsche soll Wunder thun, wenn bei den polizei- lichen Verfolgungen der Spürsinn der Staatsanwaltschaft Schiffbruch erleidet. Sett Monate» und Monaten sucht die Slberselder Staatsanwalt- schaft Material für einen Geheimbundsprozeß on xros. Monate lang wurden Dutzende von Genossen in Untersuchungshaft geworfen, einzelne verfielen in schwere Krankheiten, andere mußten wegen völliger Zer- rüttung des Nervensystems in Folge der Torturen der Untersuchungshaft in Heilanstalten verbracht werden- da« Alles genügt nicht. Jetzt hat die Elberfelder Oberpolizeibehörde einen UkaS erlassen,„daß auf Grund des Z 18(§ 11?) des Sozialistengesetze» das Einsammeln von Beiträgen zur Unterstützung der wegen Geheimbündelei hier» selbst verhastet gewesenen oder noch verhafteten Personen und deren Familien(!) sowie die öffentlrche Aufforderung zur Leistung solcher Beiträge für den Umfang der Stadtgemeinde Elberfeld verboten ist. Zuwiderhandlungen werden nach z 10(§ lö?) a. a. O. mit Geldstraf« biS zu SS0 M. oder mit Gefängnißstrafe bis zu 3 Monaten geahndet." Ob die Elberfelder Oberpolizeibehörde die Paragraphen falsch zittrt oder ob ein Druckfehler vorliegt, können wir nicht entscheiden. Bei der „Schwuppizität", mit welcher in Deutschland auf Grund des Sozialisten- gesetzes VersammlungS-Verbote und-Auflösungen erfolgen, ist ja Alle« möglich. Absolute„Wurstigkeit" nach Unten ist oberstes Regierungs- prinzip. Und ob dai Verbot gesetzlich begründet ist oder nicht, das bleibt sich auch Wurst— wenn nur der Hunger und das Glend oder die Sorg« um die Familie die Opfer der staatsanwaltlichen Jagd gesügiger macht! Und daS System, das solche Prakttken zeitigt, das soll man nicht infam nennen, die Handlanger solcher Willkür soll man als ehren- werthe, gewissenhafte Beamte respektirenl Die deutschen Arbeiter verdienten die Knute, wenn sie zu solcher Charakterlosigkeit und Feigheit sich herabdrücken ließen! Aber da» brau- chen sich die Herren nicht einzubilden! Die Arbeiter werden auch die Skorpionen erwürgen, mit denen Rehabeam sie zu züchtigen gedenkt! — Nicht ganz««recht. Die„Kreuzzettung" schreibt über die Fort« schrittspartei: „Der Deutschfreisinn zerfällt in zwei grundverschieden« Elemente. Auf der einen Seite sehen wir die mammonistisch-kapitalistische Richtung und auf der andern Seite einen der Sozialdemokratie zuneigenden Radika« lismus. Diese beiden Bestandtheile werden sich auf die Dauer so wenig oertragen, wie Waffer und Feuer. Daher auch die auffällige Erscheinung, daß, obwohl die süddeutsche Volkspartei nach der parlamentarischen Geo- Metrie bisher noch weiter links stand als die freisinnige Partei, sich doch die„Frankfurter Zeitung" plötzlich„gemäßigter" erweist als die „Volkszeitung". Die„Frankfurter Zeitung" mag mit der rothesten Demokratie in der schärfsten Weise gegen Reaktion, Feudalismus, Mucker- und Stöckerthum zusammengehen— es gibt einen gewissen Punkt, wo die Geister sich scheiden. Das triviale Sprüchwort:„In Geldsachen hört die Gemüthlichkeit auf" enthält eine tiefe Wahrheit. Die Bourgeoisdemokratie kann noch so radikal sein, sie mag vielleicht geradezu die Abschaffung des Königthum» und die Einführung der Republik erstreben, so wird sie doch der Sozialdemokratie entgegentteten, wenn die Interessen der goldmen Internationale bedroht sind. Die „VolkS-Ztg." und die„Berl. Ztg." werden zwar meist von Juden ge« schrieben, aber sie sind nicht, wie die„Frankfurter Ztg.", alS Organe des internationalen Großjudenthums auszufassen, denn sie kokettiren stets mit der sozialdemokratischen Arbeiterschaft. Sollte die soziale Krists sich zuspitzen— wir wünschen eS beileibe nicht, aber wir fürchten eS sehr— dann wird man sehen, wie der Freisinn auseinanderklafft. Die Zeit wird noch kommen, wo die liberale und radikale Bourgeosie sich zitternd hinter das Militär verkriech t." Mit Ausnahme des Passus gegen die„Volkszeitung", die sich der Fortschrittspartei gegenüber eine unabhängige Stellung verschafft hat, können wir im Wesentlichen der„Kreuzzeitung" nur beipflichten. — Wie da» deutsche Volk belogen«nd verhetzt wird. Vor einigen Tagen tischt« der nationalliberale„Hannoversche Kourier" und mit oder nach ihm die gesammte„nationale" Hetzpresse dem deutschen Lesepublikum folgenden, von„glaubwürdiger Seite" berichteten Fall von„Deutschenhetz« in der Schweiz" auf: „Ein hochgestellter Beamter eines(der Schweiz benachbarten) Land- chens bereffte vor Kurzem die Schweiz. In einem Gasthof in Basel an- gelangt, erkundigte sich der Herr, ob irgendwo am Abend Konzert oder dergleichen stattfände. Ihm wird mitgetheilt, daß in einer nahegelegenen Wirthschast ein größeres Konzert sein würde. Der Herr geht mit seiner Gattin hin, löst Eintrittskarten und setzt sich an einen der Tische. Nach kurzer Zeit wird er von einigen Herren beobachtet, schließlich gefragt, ob er ein Prussien wäre. Als diese Frage mit einem gewissen Stolz bejaht wurde, entstand eine Unruhe im Saale, so daß der Wirth den Herrn durch verschiedene Zimmer, welche stets hinter ihnen abgeschloffen wur- den, hinausführte und in Sicherheit brachte, da die Lage allerdings be- denklich hätte werden können. Nachher stellte sich heraus, daß die feine Wirthschast an dem Abend an eine ausschließlich französische oder fran- zosenfreundliche Gesellschaft zu einer musikalischen Soiree vermiethet war. Unbegreiflich ist eS, daß den Fremden Einlaßkarten gewährt worden sind." Ganz abgesehen davon, daß, selbst wenn der Fall sich so zugetragen, wie er hier geschildert wird, die„Deutschenhetze" noch nicht entfernt an die berühmte Fce iburger Bahnhofsszene heranreicht, da dem„Hochgestell- ten Herrn" absolut kein Haar gekrümmt, er vielmehr, wie das überall vorkommt, nur auS einer Gesellschaft ausgewiesen wurde, in der er nichts zu suchen hatte, daß also selbst dann derselbe keine Ursache hatte, das Wort„Hetze" zu gebrauchen, stellt sich jetzt heraus, daß der Bericht durch und durch verlogen ist, die Vorgänge sich ganz anders abgespielt haben. Wie die„Schweizerische Morgenzeitung" auf Grund einer ihr von sehr gut unterrichteter Seite zugehenden Berichtigung feststellt, ver- hielt sich die Sache so: „Der Regierungsrath K. auS B.(nicht Berlin) weilt« gelegentlich einer Vergnügungsreis« mit seiner Gattin am Tage de» französischen Nationalsestes in Basel; zu letzterem, welche» bekanntlich im Sommer« Kasino abgehalten wurde, begab sich der„hochgestellte deutsche Beamte und Pruffien" nebst Gemahlin und erhielt, wie jeder Andere, gegen den Obolus von 50 Rp. Eintritt in den Garten. Niemand bekümmerte sich um das Paar, bis bei einer Sammlung, die eine junge mit den Farben Frankreichs ausgezeichnete Dame mit einem Teller vornahm, der betref- sende Herr seine Betheiligung an dieser Sammlung ablehnte. Hierauf allerdings machte man dem Herrn begreiflich, daß er nicht dorthin gehöre und bekomplimentirte ihn entsprechend hinaus." Dies der thatsächliche Vorgang. Nun vergegenwärtige man sich, ein französischer Präfekt oder Unterpräftkt hätte sich in gleicher Weise in ein- von D e u t s ch- n inszenirte Nationalfeier eingedrängt und ähnlich benommen, würde er wohl ebenso glimpflich davon gekommen sei»? Wer den Geist der Sippschaft kennt, die bei den nattonalen Festen in Deutschland das groß« Wort führt, wird das— leider— unbedingt verneinen müssen. Aber doch geht der Herr Regierungsrath K. aus B. — da es„nicht Berlin" heißt, wird eS wohl Baden heißen müssen— hin. schlägt nicht nur in der Press» Lärm, sondern beschwert sich auch bei den deutschen Behörden über die ih« ,u Theil gewordene Beletdi. gung, dt« nach seiner Ansicht wahrscheinlich blutig« Sühne verlangte. Nun, bei Letzterer kam er übel an, denn die Sache war zu plump an- gelegt, statt der Genugthuung erhielt er, wie das Basler Blatt feststellt, vom auswärtigen Amt in Berlin einen tüchtigen Rüffel für seine Tölpelei, aber die Hetznvtiz ist durch die Press« gegangen, hat ihre Wir« kung beim deutschen Spießer erfüllt, und an Berichtigung denkt die Presse zu allerletzt, die von„deutscher Wahrhettslieie und Biederkeit" nicht Rühmens genug zu machen weiß. — Eine« drastischen Kommentar zu dem, was wir in der Notiz „Naiv" in Nr. 35 unseres Blattes über die Begriffsverwirrung ausgeführt, die in Preußen-Deutschland in Bezug auf die Aufgaben der Polizei und die Rechte der Staatsbürger bestehen, liefert eine Gericht«- Verhandlung, die sich in diesen Tagen vor einem der Londoner Polizei. Gerichtshöfe abgespielt. Dort stand ein Gastwirth vor Gericht unter der Anklage des thätlichen Angriffs gegen einen Schutzmann. Er hatte an einem Laternenpsahl gelehnt gestanden, als der Schutzmann an ihn her- antrat und ihn sragte, ob er auf einen Freund warte. Daraus soll er, nach der Anklage, erwidert haben:„Was geht das Sie an?" und den Schutzmann zweimal gestoßen und einen Faustschlag auf die Brust ver« setzt haben. Er selbst bestritt das und erklärte, er habe gegenüber seinem WirthshauS gestanden und mit der Hand auf das Schild gewiesen: „Dort steht mein Name." Obwohl nun ein zweiter Schutzmann die Aus- jagen des Ersterwähnten bestätigte, wurde der Gastwirth doch freigespro- chen. indem der Richter sich der Ansicht des Anwalts anschloß, daß„ein Mann daS Recht hat, auf der Straße zu stehen, ohne daß ihn, so lange er keine öffentlich« Handlung begeht, ein Schutzmann katechistren darf." Der liberalen„Pall Mall Gazette" ist die Freisprechung noch nicht ein- mal genug, sie rügt, daß der Schutzmann,„der s e i n e P f l i ch t s o gröblich überschritte n," unbestraft ausgegangen ist. Preußisch-deuisch« Blätter, selbst die allerradikalsten, werden nicht nur da», sondern auch die Auffassung de« Richters„naiv" finden. O, b& Polizeistaat versteht sich auf die Pädagogik. — Fiskus, schnapp z«l„Die Wähler und Verehrer des Abgeord« neten," lesen wir irgendwo,„bezeugten demselben ihr« Werthschätznng seines politischen Wirkens, indem sie ihm gestern eine Dankadresse üb«» reichten, begleitet von einem Eheque über 17,600 Mark." Fiskus d«S berühmten Staates, der„Jedem das Seine"— raubt, wie wird Dir? Da gibt eS etwas zu schnappen. Reiß' Dein nimmer« sattes Maul auf, Fiskus, und schnapp' zu, so unsittliche Geschenke komme» nur Dir und Deinem theuren Eisenstirnigen zu. Wie, Du zauderst, Fiskus? Ach so, Du weißt nicht, wo der Bissen zu finden. Run, so wende Dich glücklichen Lehrling die Hauptadern am Halse durchschnitt. Der schwer Getroffene war kurz darauf«ine Leiche." Vor einiger Zett wurde in Ostpreußen ein Pfarrer von seiner sorge- setzten Behörde zur Abdankung gezwungen, mos deshalb, well seine Söhne auf der Universität zu Sozialdemokraten geworden. Dadurch habe sich gezeigt, wie wenig„christlich" er sie erzogen, lautete ungefähr die Motivirung der Maßregel. Nun, die„mißrathenen" Söhne sind sämmtlich Mediziner, das heißt haben sich einem Berus gewidmet, dessen Aufgabe darin besteht, Menschenleben zu erhalten. Hier sehen wir da- gegen einen PfarrerSsohn, und zwar im Alter, wo er noch der Zucht des Vaters untersteht, als Messerhelden, der im Uebermuth ein Menschen. leben vernichten hilft. Was wird da wohl daS hohe Konsistorium thun? Wird es auch hier den Vater für den Sohn verantwortlich machen und sein« Absetzung versügen? Behüte, eS wird ihm höchstens sein Bedauern ausdrücken über die schwere Prüfung» die der HErr über ihn verhängt. WaS ist auch ein Refferheld gegen einm Sozialdemokraten! — Der im Vergleich zu dm europäischen Löhnen sehr hohe Stanv der Arbeitslöhne i« de« Bereinigten Staate« hat schon Man« chem Amerika alS daS gelobte Land der Arbeiter erscheinen laffen, weil er über dem relativ hoch erscheinenden Kaufpreis der Arbett die theurere Lebenshaltung und die stärkere Jntensivität der Arbeit übersehen hat. Wie sehr dieser relativ hohe Preis der Lohnarbeit zu Trugschlüssen ver- leitet und für den, der sich dadurch verlocken läßt, Enttäuschungen im Gefolge hat, ist schon oft klargelegt worden. Beh-rzigenSwerth sind daher auch folgende Bemerkungen, welche das„St. Louis Tageblatt" unter der Spitzmarke:„Der Zensus lügt", über dieses Thema verliert: „Der soeben erschienene 20. Band deS Zensus bringt«ine tabellarische Uebersicht der Löhne, welche in den verschiedenen Geschäftszweigen in den Vereinigten Staaten und in England gezahlt werden. Aus jener Uebersicht geht hervor, daß der Unterschied zwischen den amerikanischen und den englischen Löhnen in manchen Fällen mehr alS 60 Prozent beträgt. SIBet was verschweigt der Zensu«? Daß der amerikanische»r- beiter fast doppelt so viel liefern muß wie der englische und emopaisch« überhaupt, daß also seine Arbeitskraft weit schneller ausgenutzt ist und daß er frühzeitiger als der europSisch« »rbeiter arbeitsunfähig wird. Abgesehen von der unverhältnißmSßig billigeren WohnungSmiethe des englischen Arbeiters, ist sodann zur genauen Werthschätzung des ameri- konischen Arbeitslohnes die arbeitslos« Zeit in Anrechnung zu bringen. Werden alle diese Momente gebührend berücksichtigt, dann ver- dient der amerikanische Arbeiter unter Umständen nicht mehr oder nur unbedeutend mehr alS der englische." — Zur Nachahmung empfohlen. Die Mitglieder deS bisher in Sonneberg bestehenden nationalliberalen Vereins, welche «inen Unterschied zwischen Nationalliberalen und Konservativen nicht mehr ausfindig zu machen im Stande waren, haben der„Voss. Ztg." zufolge„aus taktischen Rücksichten" beschloffen, daß der Berein fort- hin den Namen„Konservativer Verein" führe. Wahrscheinlich um Jrrthümer zu vermeide«. Und darum rufen wir au« vollem Herzen Bravo! — Kinden auch im„Sparen" ein Haar.„Die traurige Lage de« jüngeren Lehrer höherer Unterrichtsanstalten, namentlich in den Provinzen Ost- und Westpreußen, so lesen wir in deutschen Zeitungen, ist in letzter Zeit mehrfach Gegenstand der Be- sprechung in Fachblättern und Zeitungen gewesen. Die Zeitschrift für das höher« Schulwesen hat in fachlich gehaltenen Artikeln die zunehmend« Verschlechterung der Lage und Aussichten der jsüngeren Lehrer und der SchulamtSkandidaten ge- rade dieser Provinzen nachgewiesen, und dieser Tage hat auch die �Kön. Hart. Ztg." eine Beleuchtung der auf diesem Gebiete herrschenden beklagenSwerthen Mißstände gebracht, welche beachtet zu werden verdient. Di« jetzt an allen staatlichen Anstallen Ostpreußens durchgeführte Herabsetzung der Besoldung der Hilfslehrer von 1800 auf 18 0 0 Mark bei gleichzeittger Aufbürdung von 26 Lehrstunden wird mll Recht als„eine Ausnutzung deS gegenwärtigen starken Angebots von Lehrkräften, wie sie vielleicht einem Geschäftsmann«, aber nicht dem Staate an- steht," gekennzeichnet. Es wird ferner über das herrschende vparsystem geklagt, welches die Einziehung einer Anzahl Lehrer- stellen veranlaßt hat, selbst da, wo die dadurch veranlaßte Zusammenlegung von setther getheilten Klassen eine Ueberfüllung einzelner Klaffen über da« vom Minister für zulässig erklärte Maß hinaus hervorrief, und das die Bewilligung von Vergütungen für Vertretungen, wie sie früher üblich waren, abgeschafft hat, obwohl dieselbe bisweilen Probekandidaten und Hilfslehrern übertragen wird, denen eine Vergütung ihrer außer- ordentlich geleisteten Arbeit wohl zu gönnen wäre. Auch aus die Ver- Mehrung der Pflichtstunden der Lehrer um je zwei Stunden wöchentlich durch Ministerialverfügung weist der Artikel als auf ein Z e i ch e n dieses Sparsystems hin. Er bezweifelt auch, daß in einer anderen Verwaltung bei gleicher Nothlage der jüngeren Beamten die Einziehung von Stellen so rasch erfolgt sein würde und daß bei anderen Beamtenklassen so häufig durch Ausscheiden früherer Inhaber erledigte Stellen längere Zeit unbesetzt bleiben, wie im höheren Schulfach, was um so schmerzlicher empfunden werde, als ja an SchulamtSkandidaten, die auf Anstellung warten, der größte Ueberfluß herrscht." Ja, daß sich die Spitze des herrschenden WirthschaftSsystemS auch gegen das Bildungsproletariat wendet, wen darf das Wunder nehmen? Und warum soll auch der Staat nicht dieselben Praktiken anwenden dürfen wie da« System, dessen Träger und Hüter er ist? WaS diesem Recht, ist ihm billig. Solange er nach dieser Logik gegenüber dem I n d u st r i e< Proletariat verfuhr, hatten die Herren„höheren Lehrer" nichts dagegen einzuwenden, auch da? gegenüber der Volksschule ange- wandte vparsystem hat sie bis jetzt wenig gekümmert. Aber da jetzt an ste die Reihe kommt, finden sie plötzlich, daß Sparen doch sehr unan- genehm werden kann, und schlagen einen Ton an, den sie bei Arbeitern sehr verwerflich gefunden hätten. Nun, durch Schaden wird man klug und durch Erkenntniß— Sozialist. Wir werden eines Tages der Herren gar manche in unserem Lager sehen. — Neber den Verräther D ucatel, der de» Preises seiner Per- rätherei nicht froh geworden und, wie wir schon in voriger Nummer mtttheilten, jetzt ins Irrenhaus verbracht werden mußte, lesen wir in den Tagesblättern noch folgendes Nähere:„Das Irrenhaus St. Anna nahm vor einigen Tagen eine merkwürdige Persönlichkeit auf, JuleS Ducatel, jenen städtischen Piqueur, der am 2l. Mai am Thore von St. Cloud der Armee von Versailles das Zeichen gab, daß die Stelle momentan von den KommunardS verlassen sei, und hierdurch die Kommune an'S Messer lieferte. Ducatel war nahe daran, von den wüthenden Kommunards erschossen zu werden, wurde aber im letzten Augenblicke noch gerettet. Der Staat verlieh ihm das Kreuz der Ehren- legion, 30,000 Franken und eine Einnehmerstelle, wobei ihn jedoch seine Unterbeamten so betrogen, daß er sie wieder abgeben mußte. Der „Figaro" sammelte für ihn 113,213 Fr., fast sämmlliche Theater von Paris gewährten ihm lebenslänglich freien Eintritt." Aber wenn ihm auch die dankbare Ordnungsgesellschast die Mittel gewährte, ein Leben voller Wonne zu führen— Eines vermochte sie doch nicht: ihm die Ruhe seines Gewissens zurückzugeben. So verfolgte ihn das Bewußtsein seiner Mitschuld an den schändlichen Niedermetze- lungen der Maiwoche, bis er, nach unzähligen vergeblichen Versuchen, ste durch Sinnenrausch zu betäuben, erschöpft an der Schwelle de« Irren- Hauses niedersinkt. Genius der Menschheit, du bist gerächt. — Wenn wir Sozialisten die Koalitionen deS Großkapitals (Kartelle, Trusts rc.) kennzeichnen, so sind wir doch selbstverständlich weit davon entfernt, sie, wie das gewisse Kleinbürgerthun, unterdrücken zu wollen. Im Gegentheil, wir erblicken in ihnen revolutionäre Agenten» denen wir zwar, mit Rücksicht auf die heutige Lage der Dinge, keine Privilegien zugesteben wollen, deren Bedeutung für die wirthschaftliche Entwicklung mir jedoch durchaus nicht verkennen. Außerdem unter- scheiden wir selbstverständlich zwisch.n wirklich industriellen und bloßen Spekulationskoalittonen. WaS da» toalirte Großkapital vermag, hat es dieser Tage wieder in Amerika gezeigt. Wir meinen die von der Pennsylvanischen Standart Ott Kompagnie errichteten Röhren-Petrole Umleitung von Lima(Ohio) bis nach Chicago. „Vor einigen Jahren", lesen wir darüber in amerikanischen Zeitungen, entdeckte man gratze P-trolenm-Lager in Ohio, in der Gegend von Lima. Aber das Oel hatte eine sehr schwache Leuchtkraft. Alle Versuche, ste durch Raffinerie zu heben, sind fehlgeschlagen; das Oel blieb un- brauchbar für diesen Zweck. Sein Preis blieb daher sehr niedrig, 18 bi» 28 Cents per Faß. Aber es ist ein ausgezeichnetes Heizmittel und in dieser Hinsicht konnte eS nutzbar gemacht werden, vorausgesetzt, daß sein Preis durch die Kosten des Transports nicht zu sehr erhöht wurde. Der Eisenbahn-Versandt war da ausgeschlossen; es blieb nichts anderes übrig, als zu dem bewährten Mittel der Röhrenleitung zu greifen. Ein solches System anzulegen kostet aber ungeheure Summen; sofern es also nicht als öffentliches Unternehmen inszenirt wurde, blieb nichts anderes übrig, alS daß sich Großkapitalisten desselben bemächtigten. ES ist also kein Wunder, daß die„Standard Oil Kompagnie" zugriff. Sie lettet das pennsylvanische Petroleum nach der Ostküste und wird jetzt da« Ohioer nach dem Westen» zunächst nach Chicago, dirigiren. Die Leitung von Lima nach South Chicago ist fertig und hat die Probe bestanden. Sie ist 206 englisch« Meilen lang und in dieser Länge ist eine Leitung von achtzölligen Röhren gelegt worden, in denen das ungereinigte Petroleum direkt nach South Chicago fließen und dort in großen Behältern gesammelt werden soll. Di« Oel-Ouellen in Lima befinden sich 300 Fuß höher als South Chicago liegt. Nach dem physikalischen Gesetz der kommunizirenden Röhren könnt« nun diese Flüssigkeit ohne Zuhllfenahme irgend welcher Triebkraft nach South Chicago geleitet werden und würde dort die Be- hälter bis zu einer gewissen Höhe füllen. Diese Leitung würde aber, well unterweg» Steigungen zu überwinden sind, nur sehr langsam vor fich gehen und nur geringe Qualitäten überführen. Um nun große Erfolge zu erzielen, sind in Lima Pumpwerke auf- gebaut, welche die in die Röhren eingepumpten Oelmassen, und zwar täglich 800 Faß, in acht bis neun Tagen nach South Chicago befördern. werden. Die Leitung allein soll 68,000 Faß halten und ist so ein- gerichtet, daß vier neue Pumpstattonen, in der Entfernung von 80 Meilen von einander, angelegt werden können. Die Quellen in Lima fallen bis jetzt täglich S0,tXR1 Faß geliefert haben, aber eine noch größere Produkttvität besitzen. Die Röhren-Leitung ist von Lima an den Geleisen der Chicago und AUantic Bahn entlang bis zur Küste des Michigan Sees und dann an dessen Ufern entlang nördlich gelegt. Die ganze Leitung wurde mittelst Maschinen in verhältnißmäßig kurzer Zeit und auf einfache Wesse fertig gestellt. Eine Art Dampf-Pflug zog einen drei Fuß ttefen und einen Fuß breiten Graben. Wo sich Felsen oder Baumstämme als Hinderniffe in den Weg stellten, wurden diese durch Arbeiter beseitigt. Die dem Graben entlang gelegten und, wo thunlich, bereits miteinander ver- bundenen Röhren wurden in den Graben gerollt, in einander einge- schraubt und verlöthet, und wo es nicht anders ging, wurde der Graben in Bogen gezogen und die Röhrenleitung für dieselben angepaßt. In Lima selbst befinden fich in Verbindung mit den Pumpwerken Behälter, welche 38,000 Faß hatten. Bon diesen wird das Oel erst durch Röhren in Behälter geleitet, auf deren Boden sich der gröbste Schmutz absetzt, und dann erst wird eS durch die Pumpwerke in die Leitung getrieben. In South Chicago ist ein großer eiserner Behälter mit einer Aufnahme-Fähigkett von 30,000 Faß aufgestellt und ali Aus- gangspunkt der Röhrenleitung eingerichtet worden. Von dort aus soll das Petroleum, welches, weil ungereinigt, selbst- verständlich nur zu Heiz-Zwecken verwendet werden kann, nach Chicago und überallhin, wo es verlangt wird, mittelst Wagen der„Union Tank Line Kompagnie", welche mit der„Standard Oil"-Gesillschaft in Ver- bindung steht, überführt werden. Diese Wagen sind für eine Trag- fähigkeit von 88 bis 148 Faß«ingerichtet. In der ganzen Länge der Leitung sind keine Borrichtungen zur Reinigung der Röhren angebracht, weil diese durch ein neu erfundenes Mittel den sogenannten„Go-Devil" vorgenommen werden soll. Dieses Instrument wird in Lima in die Leitung gesteckt und durch die Sttöm- ung der Oelmassen weiter geführt. Stellen sich ihm Hindernisse in den Weg, wie z. B. ein hervorragender Nagel, so geben die Seiten de» „Go-Devil" nach, und dieser geleitet ungehindert vorbei, um nachher wieder seine frühere Gestalt anzunehmen. Einige dieser„Go-Demls" sollen, hinter einander abgeschickt, die Leitung von allem Schmutz voll- kommen zu reinigen im Stande sein. Der Preis deS ungeläuterten Petroleums soll stch für Heiz-Zwecke bedeutend billiger als Kohle stellen Drei Fässer Oel sollen in der Er- zeugung von Hitze einer Tonne Weichkohlen gleich kommen, und der Preis per Faß i« Lima soll nur 18 Cents betragen, mithin wird die „Standard Oil Kompagnie" im Stande sein, eS bei großen Abnahmen, und daran ist ja in Chicago und Umgegend kein Mangel, so billig zu liesern, daß die Kohlenhändler nicht mit ihr in der Billigkeit diese» Heizmaterials konkurriren können. Selbstverständlich, schreibt dazu das„Phil. Tageblatt", werden diese nun auch über Monopol schreien. Aber es kann ihnen nichts helfen. Das Unternehmen ist zweckmäßig. Ts wird Chicago einen ähnlichen Vorschub leisten, wie das Naturga« es für Pittsburg gethan. Chicago wird eine riesige Fabrikstadt und eine riesige Handelsstadt zugleich werden. Es wird eine Million Einwohner haben, ehe man sichs ver- sieht. Nur das Großkapital oder die Gesellschaft selbst, durch den Staat, kann solche großartige und nützliche Einrichtungen wie dieses Röhren- system schaffen. Jetzt läßt man in unbegreiflicher Verblendung derartige Werke noch zur Bereicherung Einzelner dienen. Aber das wird einmal aufhören. — Warum detm in die Ferne schweifen, schreibt die Wiener „Gleichheit", wen« das Gnte liegt so nah'? So könnte man mit Recht ausrufen, wenn man beobachtet, wie eifrig die katholischen Missio- näre die Sklaverei in— Afrika bekämpfen. Kardinal Lavigerie predigte vor einigen Wochen in Brüssel in fulminanter Weise den Kreuzzug gegen den Sklavenhandel in Jnnerafrika und man glaubte damals die Absicht der leitenden Kreise Belgiens vermuthen zu können, ewen Abzugskanal für das dortige Lumpenproletariat schaffen zu wollen. Da sich jedoch Kardinal Lavigerie anschickt, auch in Deutschland Antisklaverei-Komites zu gründen, mit der Aufgabe, Geld- und Menschen-Materiale zur Au»- rüstung einer Expedition beizustellen, so kann an dem guten Willen der katholischen Geistlichkeit, den Sklaven in— Afrika beizuspringen, wohl nicht mehr gezweifelt werden. Steht aber der Erfolg einer solchen Ex- peditton im Verhältnisse mit den vielen Opfern an Gut und Blut, welche da unten jedenfalls gebracht werden müssen? Der Herr Kardinal sehe sich um, ob es denn nicht in seiner nächsten Nähe dieselben Zustände zu bekämpfen gibt, wie in Afrika, und zwar unter ftommen Christen, welche die belgischen Machthaber wohl sind. Dort gewaltsamer Menschenraub, Menschenschacher, schwere Mißhandlungen unter Patronanz von arabischen Händlern und wilden Negerfürsten,— in Europa eine Sklaverei, nicht minder verwerflich wie jene in Afrika, wenn auch mehr verfeinert und raffinirt. Auch hier gibt es Menschen, die durch die Hungerpeitsche gezwungen werden, sich um jeden Preis, selbst zu unmoralischen Verrichtungen, zu verschachern; auch hier wird durch das Gebot der Roth das Kind von seinen Eltern, der Mann von seinem Weibe getrennt; auch hier spielen sich die gröbsten Mißhandlungen van Menschen ab; auch hier werden Mädchen und Weiber geschändet und müssen sich's gefallen lassen, wollen sie nicht brotlos werden; und auch hier gibt eS Scheusale, welche kleine Kinder zu ihren Lüsten mißbrauchen, wie die Massenprozefle in Belgien jüngst bewiesen; hat davon Kardinal Lavigerie nichts gelesen? Also warum nicht hier frisch angepackt? Diejenigen, welche hier unter der größten Barbarei leiden, sind ja doch Christen, während die Afri- kaner„Heiden" sind! Kümmern Euch diese mehr als Euere Glaubens- genoffen, Ihr Herren Klerikalen? Ah, dort kann man noch Proselyten machen, während die Sklaven hier schon Christen sind! Ist das echte» Chrtstenthum? Und dafür soll das arme christliche Volk so gut beisteuern, wie das reiche? — AuS Rumänien geht uns über den in Bukarest auSgebro- chenen Gisenbahnarbeiter-Streik folgender nähere Bericht von einem Genossen in I a s s y zu: In Bukarest haben die in den Werkstätten des Norddahnhofs be- schäftigten Holz- und Eisenbahnarbeiter den Streik erklärt. Ihre Zahl beträgt heute bereits 800, und demnächst sollen sich auch die Maschinisten dem Streik anschließm. Sehr wahrscheinlich wird sich diese Bewegung auch auf Galatz, Parcanc, Turn-Severin, also auf alle Orte ausdehnen, wo es große Eisenbahnwerkstätten gibt, so daß binnen Kurzem die Zahl der Streikenden sich auf 2—3000 Mann erhöhen wird. Die Arbeiter des Rordbahnhofs in Bukarest waren schon längst, namentlich ihrer Löhne wegen, unzufrieden. Gestern unterzeichneten nun sämmtliche Ar- beiter eine Petitton an den Direktor, worin sie 28%, Lohnerhöhung forderten, Reduktion der täglichen Arbeitszeit auf 10 Stunden, Ent- schädigung von 80% für Ueberzeit-, bezw. Nachtarbeit. Ferner verlang- ten st« Anschlag der Stücklöhne für Maschinenarbeit, ebenso sollten alle jene Arbeiter, die beretts drei oder mehr Jahre in den Werkstätten be- schäfttgt, fernerhin wegen Arbeitsmangel nicht einfach entlassen werden können. Und endlich wünschten sie viermal im Jahre freie Bahnfahrt, um» ihre Eltern oder Verwandten besuchen zu können. Der Direktor weigerte stch, von diesem Bittgesuch der Arbeiter auch nur Einsicht zu nehmen, und daraufhin legten die«rbeiter sämmllich die Arbeit nieder. Die Eisenbahnverwaltung droht, in keinem Punkte nachzugeben; sie will fremde Arbeiter sowie solche aus Galatz herbeiziehen, und die Po- lizet leistet natürlich wie überall Bütteldienste für den KapttaliSmus. Sie hat alle Straßen zernirt, die zum Nordbahnhof führen, und auch schon eine fchr ernste Schlägerei provozirt. Sogar das Militär wurde aufgklwten, die Arbeiterquartiere abzusperren, und die Stadtsergeanten wollten alle die Arbeiter, denen es gelungen war, sich durch diesen Militärkordon durchzudrängeln, verhaften, und hierin zeich- nete sich besonders der Polizei-Jnspektor Janolescu aus, derselbe, der, wie ein wirkliches Scheusal, 26 Maurer foltern ließ, unter der An- schuldigung, sie hätten an gewissen in der Umgebung von Bukarest be- gangenen Verbrechen theilgenommen. Trotz aller Provokationen werden die Arbeiter sich aber vom gesetz- lichen Wege nicht abdrängen lassen, denn sie wissen, daß sie mit Gewalt- thätigketten nur das Spiel der Bourgeoisie spielen würden. Die Arbeiterpartei organisirt sich in rascher Entwicklung über da»-ganze Land; in verschiedenen Gemeinden ist es uns auch schon ges lungen, bei den Gemeinderathswahlen unsere ganze Liste durchzusetzen, so z. B. in C u c u t« n i, im Bezirk von Jaffy, wo unsere List« 248 Sttmmen auf fich vereinigte, wShrend die alten Gemeinderäthe es nur auf 78 Stimmen brachten. Soweit die Korrespondenz, die mit der Bttte schließt, wir möchten unser Möglichstes thun, die deutschen Arbeiter zu warneu, auf etwaige Anlockungen der Direktion oder deren Mittelsmänner«ach Bukarest zu komme«. Und soweit die klassenbewußt- Arbeiterschaft in Frage kommt, unterliegt es auch keinem Zweifel, daß diese ihre oft bewährte Solidarität mtt dem kämpfenden Proletariat aller Länder auch in diesem Falle bekunden, und so viel in ihren Kräften steht, ihre streikenden rumänischen Brüder m ihrem Kampfe gegen das Ausbeuter- thum und um bessere Lebensbedingungen unterstützen wird. Sprechsaal. Eine offene Antwort. Eine fich„Int. Arb.-Ass.„Berein Freiheit"" nennende anarchistische Gruppe im fernsten Westen Londons fordert in Nr. 38 der ,�ond. Fr. Pr." den„früheren Redakteur des„Sozialdemokrat", E. Bernstein" und den„frühern Redakteur der„Lond. Fr. Pr.", Ferd. Gilles" auf, in einer am Montag, 10. d. Mts., in Poplar staltfindenden Versammlung des genannten„Vereins Freiheit" ihre „eventuellen Beweise" für die S p i tz e l e i g e n s ch a f t des„Mitgliedes Kaufmann" vorbringen zu wollen. Mir meinen Theil habe ich auf diese„Aufforderung" Folgende« zu erwidern: Ich habe am 11. August o. in einer von der Gruppe„Au« t o n o m t e" anberaumten, von Anarchisten der verschiedensten Sektionen besuchten Versammlung, zu welcher ich in meiner Eigenschaft als Sekretär der„Londoner Verlagsgenossenschaft" unter einem falschenBor- wand« eingeladen worden war, zu wiederholten Malen die Erklärung abgegeben, daß ich bereit sei, Alle« das zu vertreten und mit Beweis material zu belegen, was ich geschrieben Hab« (nämlich über die wahre Bedeutung des Anarchismus und über die polizeiliche Züchtung von falschen Attentatsgerüchten rc., mit welchen ich den vielberufenen Kaufmann mit gutem Fug in Verbindung gebracht hatte). Die Herren„Anarchisten" haben mein freimüthiges Anerbieten mtt wahnwitzigem Geschrei zurückgewiesen und sind wie eine toll gewordene Meute wüthend über mich hergefallen, jede Möglichkeit einer sachgemäßen Begründung meiner Behauptungen mir so brutal abschneidend. Man wird es nach diesem Vorgange begreiflich finden, wenn ich es ent» schieden ablehne, wie mit der Peukert'schen„Autonomie", so auch mit den engeren Gesinnungsgenossen derselben noch wieder in sei eS immer welche Beziehung zu treten. London, 1. Septbr. 1888. Ferdinand GilleS. (Von Genosse Bernstem liegt uns in dieser Angelegenheit zwar keine Erklärung vor, doch glauben wir als sicher annehmen zu können, daß er ebensowenig wie der Einsender einer Einladung Folge leisten wird, die auf's Deutlichste zeigt, daß es ihren Urhebern eher auf alles Ander« als auf die Ermittelung der Wahrheit ankommt. Wollen die Herren Anarchisten ernsthaft mit Kaufmann abrechnen, so finden sie in den verschiedenen Jahrgängen unseres BlatteS, insbesondere in der Nr. 82 vom vorigen Jahre, Anhaiispunkte genug dafür, zu einer bloßen Komödie wird sich unsrerseits Niemand hergeben. Red. deS„S.-D.") Briefkasten der Redaktion: Mülhauser Genossen: Warnung erh. Wollen aber noch auf Weitere» warten.— C r e f e l d: F. erh. der Expedition: Killian: Bstllg. notirt. Adr. geordnet.— Distelfink: Bstllg. folgt. Alles hier. Adr. geordnet.- Genossen in«nt- werpen: Mitth.ilg. dkd. erh. L-ut« dieses Schlag«» leben nicht bl»S vom Schwindel, sondern auch vom Skandal. Wir werden ihm die Ehre einer Polemik nicht zu Theil werden lassen. Durch die erfolgten Erilä- rungen ist er für jeden Urtheilssähigen gekennzeichnet. Vielleicht zu ge« legentlicher Abstrafung benützen.— L. Groß, Melbourne: Fr. 24 80 k Cto.Ab. je. erh.— Württemberg: Fr. 16 04(Mk. 13—) ä Cto. Ad. ic. erh. Bf. erw.— H. Oe. Br.: Bstllg. notirt. Weitere« bfl.— Major Eduard: Adr. geordnet. Bstllg. notirt. Situat.-Bericht erw. Am 24. ging Bf. ab. Nicht erhalten? Bfl. mehr.— Claudius: Adr. notirt. Weitere« erw.— Zopyron: Alles notirt.„W." folgen. Alte Adr. noch gut.— S. E.; Fr. 8 30 pr. llfds. dkd. erh.— Schwarzer Taugenichts: Adr. geordnet. Ohne schriftliche Empfehlung gibt es eben keine Garantte. Vielleicht war auch die Annonce noch gar nicht gelesen worden.— I. Ndjd. Jassy: Aufklärung dkd. erh. Anderes werden benützen.— Rothe Vehme: Adr. geordnet. Einverstanden. Weitere« bfl.— Rother Geldsack: Fehlendes durch Zwischenhand weggelassen. Adr. geordnet. Bfl. mehr.— D. R. P.: Adr. geordnet. Mhrbstllg. notirt.— Claus Groth: Nachr. v. 28. hier. Warum ist vorläufig nichts zu machen? Bfl. mehr.— F. H. B.: Fr. 1 60 f. Schft. erh.— Heinrich: Bstllg. notirt. Anderes bald erw.— Siebenter: Adr. geordn.— ,d.": Alle« notirt. Bfl. Näheres. Nach M. werden berichten.— Herbert: Bf. vom 30/8. am 1/3. hier. Adr. notirt. Gemeldet noch nichts. Bfl. mehr.— G. Newyork: Wunsch wird natürlich erfüllt. Verzögerung der Antwort bitten wegen geschäsillcher lleberhäufung zu entschuldigen.— Pickelhaube i Bstllg. notirt. Werden suchen aufzutreiben.— Hansen: 80 Pfg. f. die S.,D.»ibl. gutgebr.- F. M. St.: Adr. geändert.— U.F. G.: Adr. geordnet. Fr. 1 48(Mk. 1 18) k Cto. gutgebr.- V. d. Eider: Rk. 78— k Cto. Ab. ic. erh. Hoffen dringend auf Fortsetzung.— F. M. Lbg.: Fr. 3 78(Mk. 3—) pr. Ab. September— November erh. Bf. erw. — R. H. Alt-Rhlu.: Fr. 17 20(öwsl. 8 40) f. Schft. erh.— C.». Esbg.: Fr. 107 28(Mk.8S S0) f.Trb. erh.— Veilchenstein: Mk.g00— a Cto.Ab. rc. erh. Warum so wortkarg?— Ruth und Kraft: Adr. gelöscht. OrtsverwechSlg. kam daher, daß Bf. in Bln. aufgegeben war. Auch von dort schon reklamirt. Werden Richtigstellung veranlassen.— Seidenwurm: Alles notirt. Mk. 13— pr. Verl. gutgbr. Avifirtes er«. Bett, abggbn.- I. V.»rl.:«eil. erh. Bstllg. folgt.- Maßkrua i Adr. notirt. Weitere» bfl. Sperre!— Major Eduard: Adr. rektifi- zirt. Besten Dank für D.— Abel: Adr. notirt. Weitere« bfl.— Fritz: Adr. gelöscht. Alles notirt. Weitere» bfl.— Fr. Hd. Sch. b. Rstdt.: Fr. 20—(öwfl. 10—) f. Schft. erw. Bstllg. notirt.— Carbonaro: Adr. nottrt u. geordn. Bstllg. folgt. Weitere» bfl.— Dante: Mk. 100—& Cto. Ab. ic. erh. Adr. geordn.„So schnell wie möglich" ist wirklich ebenso nöthig wie z. T.-Schicken des alten Schlendrians!— Akat: Bf. erh. Adr. notirt. Bfl. mehr.— Rentier: Bf. erh. Alles nottrt. Weitere» bfl.- Wolfus: Mk. 44 30 k Cto. Ab. ic. erh.— Ldkr. C. a. Rh.: M«. 200— k Cto. Ab. jc. durch H. erh.— Hz. St. Gll.: Bstllg. notirt. Fr.«0— werden an Ldsschh. zurückliesern.— DonnerSberg: Bf. erh. Antwort bfl.— Für die Denkschrift eingegangen: Einsendungen auS dem Wahlkreis Hanau, Newyork, Aachen. Samstag, 8. September, Abend» 8% Uhr, im groß« Saale(8 Treppen hoch) des Schwanen(Stadt): H, schtosse«- Mersammlung der dentschen Sozialiffe«. Tagesordnung: Innere Parteiangelegenheite«. Zu»ahlreichem Erscheinen ladet freundlichst ein Der Lokalanlschuß. Ohne Vorweisung der Mitgliedskarte hat Niemand Zutritt. Schwei,. Senossenschastibuchdrucker-i und Bolttbuchhandlung von L. Hübscher.