ALotmemenrs otti«n beim Verlag und dcssen belannie» Agenten entgegen. genommen, und zwar zum voraut gahlbarai» ZZiettiljahrtpreit don: Ml, 4,40(Cr Deutschlandvo sie noch Schwanz an- derer Parteien sind, nirgends an den Wahlen betheiligt. Herr Eugen Richter bedanptet, die Arbeiter hätten hierdurch gegen ihr eigenes In- teresse gehandelt. Hr. Richter verwechselt offenbar die Interessen d'er Forffchrittsphilister mit denen der Arbeiter. Hätten die Arbeiter in der dritten Klasse für Fortschrittler gestimmt, so würden unzweifelhaft ein paar Dutzend Fortschrittlcr mehr gewählt worden sein. Allein, was hätte das den Arbeitern genützt? Oder hätten die Arbeiter einen Schacher machen und sich die.Handlangerdienste an die Fortschritts- Partei mit ein paar Mandaten bezahlen lassen sollen— wie ja hier und da angeregt worden ist? Das hätte uns alle Nachtheile und die ganze Blamage eines Kompromisses gebracht, ohne den geringsten praktischen Vortheil, da die paar Sozialdemokraten im Landtag ans die Gnade der fortschrittlichen Fraktion, also des Herrn Eugen Richter, angewiesen wäre», und für die Partei absolut nichts zu erreichen vermöchten. Genug— die Fortschrittspartei ist auf dem Aussterbe-Etat, und das Terrain, welches sie für die Demokrat� verliert, erobern wir Sozial- demokraten— und noch ein tüchttges Stück dazu. Ich irrte mich neulich: der R h e i n i s ch e P r o Z e ß, dessen Ver- Handlungen diese Woche begonnen haben, ist nicht der große Monstrc- Prozeß, welcher seit März spielt und in Elberfeld seinen juristisch- po- lizistischen Mittelpunkt hat. Ein Monstreprozeß ist's auch, jedoch nicht so nnifangreich und uichr'lokaler Natur. Die Verhandlungen sind in Düsseldorf Der andere Prozeß ist noch immer in der Schwebe; das„Material" will den Polizisten und Untersuchungsrichtern nicht in den Mund fliegen, und so wird denn fortwährend mit Stangen im Nebel herumgestochcn— hier Haussuchung, dort Haussuchung, u. s.>v. Es will indeß Alles nichts nützen. Das„Material" glänzt durch Ab- Wesenheit. In L e i p z i g hat die Polizei wieder einmal eine Anzahl Genossen verhaftet und möchte gar zu gern ein neues Gehcimbundsprozcßchen— das IG. oder 17. seit Erlaß des Sozialistengesetzes— in Szene scheu. Wenn nur das verwünschte„Material" hübsch auf dem Präsentirtellcr geliefert würde! — Wie daS Kapital, auch wenn das Rohmaterial im Preise steigt, das fertige Produkt aber im Preise sinkt, doch er- höhte Profite erzielt, wird im„Sächs. Wochenblatt" an der Hand des neuesten Geschäftsberichts der Sächsischen Maschinenfabrik in Chemnitz treffend illusttirt. Es heißt da: „Die sächsische Maschinenfabrik(vormals Hartmann) hat wieder ein Geschäftsjahr hinter sich, und die Aktionäre fteuen sich königlich, 2 Pro- zenr niehr als im Vorjahre, wo es 6 Prozent„Entbchrungslohn" gab, einstecken zu können. Es ist belehrend, zu verfolgen, wie dieser Mehr- gewinn entstanden ist. Es wurde dieses Fahr ein Reingewinn gemacht von 668,000 Mark, 132,000 Mark mehr als im Vorjahre. Dieses Mchrergkbniß konnte erzielt werden, ttotzdem im letzten Jahre zuge- ftandenermaßen die Preise der Rohmaterialien, Kohlen u. s. w. bedeutend höhere waren als im Vorjahre, die Preise der fertigen Produkte sich aber nicht gesteigert haben. Der größere Uebcrschnß bleibt in der That räthselhast, solange wir uns nicht mit den Arbeitslöhnen beschäftigen. Da finden>vir, daß im vor- letzten Geschäftsjahre durchschnittlich 2800 Arbeiter beschäfttgt wurden, welche insgesamnit 2,643,000 Mark Lohn erhielten. Es bettägt dies ans den Kopf pro Jahr il-44 Mark oder fast genau 18 Mark pro Woche. Das ist an und für sich schon ein gering- fügiger Lohn, ganz besonders für hier, Ivo die Lebensmittelpreise die fast jeder anderen Stadt übersteigen. Aber es muß noch in Betracht gezogen werden, daß der Arbcitcrdnrchschnittslohn noch bedeutend niedriger ist, da aus obengenannter Lohnsumme auch noch die vielen Hunderte von Beamten, Techniken,, Werkfllhvern bezahlt iverden, welche für ihre incistcntheils nicht gerade anstrengende Arbeit eine ganz erkleckliche Summe erhalten. Im letzten Geschäftsjahre sind aber 304 2 Arbei-- ter beschäftigt worden, welche zusammen einen Lohn von 2,817,0 0 0 Mark erhielten. Das macht a u f d e n M a n n pro Jahr nur z a. «SS Mark also 16 Mark weniger als im Vorjahre. Ans diese Weise sind schon 54,000 Mark direkt am Lohne„gespart" worden. Diese Summe bettägt reichlich Prozent. ES bleiben nun noch die Quellen der übrigen 1'/- Prozent zu suchen und die gicbt uns der Geschäftsbericht des Unternehmens sehr genau an: �»solge bedeutender Austräge angestrengter Betrieb mallen Betriebs- zweigen, deren Leistungsfähigkeit auf das höchste Matz beansprucht ist. Deutlicher gesprochen heißt das: Verlängerte Arbeits- zeit und intensiverer Betrieb. Daraus also sind icne noch fehlenden 100,000 Mark geflossen, die die armen Kouponabschneider mehr erhalten. Es ist, wie gesagt, belehrend wenn auch nicht gerade belustigend zu sehen, ivie trotz preiSerhohter Rohprodukte und verbilligter Fabrikatpreise das Kapital immer noch steigende Ucberschüffe zu er- zielen versteht— ans der Arbeitskraft — Wer erinnert sich nicht der ebenso witzigen als zntteffenden Erklärung, die H e i n r i ch H e i n- in seiner Italienischen Reise von der Ironie gicbt? Sic wird Einem unwillkürlich in's Gcdachtniß gerufen, wenn man sieht, wie jämmerlich feige sich der größte Thcil der deutsch-frcisinnigen Presse gegenüber dem unberecht.gttn und unge- rechtfertigten Ausfall Wilhelm 11. gegen sie benimmt. Statt denselben energisch mit aller Schärfe zuruckzuweis-n p.elt der e.ne The.l die schmählich Verkannten, der andre aber macht seinem Aerger mArtckeln-c Luft, die sarkasti'ch sein sollen, auf die aber, da ihnen icde schneid fehlt', nur die Heme'schc Definition paßt:, „Schönes Nannerl, die Ironie is ta B.er, sondern e.ne Erfindung der Berliner, der klügsten Leute der Welt, die sich sehr ärgerten, daß sie zu spät auf die Welt gekommen sind, um das Pulver erfinden zu können und die deshalb eine Erfindung zu machen suchten, die eben so wichtig und eben Denjenigen, die das Pulver mcht erfunden haben sehr nützlich ist. Ehemals, liebes K.nd, wenn Jemand eine Dummheit beging, was war da zu thun? Das Geschehene konnte nicht ungeschehen gemacht werden, und die Leute sagten: der KeA war ein.limdmch. luflr unaitöcncftm 3� 23crlrnf ti?o tnent citn flnj�ftcn t|t unb bic meisten Dummheiten begeht, fühlte man am tiefsten bieic Unnnncchnlich- feit. Das Ministerium suchte dagegen criisthafte Maßregeln zu ergreifen; bloß die größeren Dummheiten durften noch gedruckt werden die le.neren erlaubte man nur in Gesprächen, solche i!rlaubnilz ersttcckte sich nur auf Professoren unb Ijofje otflflt�becinitc, geringere Leute bmftcn ihre Dummheiten bloß im Verborgenen laut werden lassen;— aber alle diese Vorkehrilngen halfen nichts, die unterdrückten Dummheiten ttaten bei außerordentlichen Anlässen desto gewaltiger hervor, sie wurden sogar heimlich von oben herab protegirt, sie stiegen öffentlich von unten hinauf, die Roth war groß, bis endlich ein rückwirkendes Mittel er- sundcn ward, ivodurch man jede Dummheit gleichsam ungeschehen machen und sogar in Weiheit umgestalten kann. Dieses Mittel ist ganz einfach, und hesteht darin, daß man erklärt, man habe jene Dummheit bloß aus Ironie begangen oder gesprochen. So, liebes Kind, anvancirt Alles in dieser Welt, die Dummheit wird Ironie, ver- fehlte Speichelleckerei wird Satire, nattirliche Plump- heit wird kunstreiche Persifflage, wirklicher Wahnsinn wird Humor.." „Verfehlte Speichelleckerei wird Satire"— zu Dutzenden könnten wir mit Beispielen dafür aufwarten. Wirklich muthig hat sich nur ein Blatt gezeigt, die Berliner.Volkszeitung", die auch dafür der Bann- strahl Eugen Richters gettoffen „Kradc wie vom Teufel gesprochen" erscheint der„Leipziger Zettung", dem amtlichen Organ der Sächsischen Regierung der Ausspruch des— sehr loyalen— Pfarrers Naumann in seinem— bettelsuppcnhasten—„Arbeiterkatechismus":„Das Recht unserer Könige und Kaiser sind ihre Thaten für das Volk... Stände ein schwaches abfaulendes Geschlecht an unserer Spitze, ich wüßte nicht, ob ich ihm mit Freuden huldigte" Die„Leipziger Zeitung" findet solche Sätze immer bedenklich, vor allen Dingen aber aus solchem Munde und in solchem Buche. Gewiß, und sie hätte hinzufügen dürfen:„und bei solchen Mo- narchcn. — Glückliches Oesterreich! Es hat seine Schnaps st euer nach preußischem Muster, es hat seine Ausnahmegesetze nach preußischem Muster, und es wird auch emen Kaiser haben nach preußischem Muster. Unsre Leser erinnern sich ivohl noch der sensationellen Rede des Abgeordneten Perner st orfer im öfter- reichischen Rcichsrath, in welcher derselbe verschiedene Heldenthaten eines sehr hochgestellten Kavaliers brandmarkte, it. A. wie dieser hochgestellte Kavalier mit verschiedenen Freunden einen Leichenzug zum Stehen brachte und mit seinen Freunden— alle ebenfalls Kavaliere— im vollm Galopp über den Sarg hinwegsetzte, wie er nach einem Saufgelage seine bezechten Kumpane— pardon, Mitkavaliere— in das Schlafzimmer seiner Frau führte zc.?c. Herr. Peruerstorfer nannte allerdings keinen Namen, aber der Gettoffene meldete sich, indem er den Verkünder seiner Heldenthaten durch drei— fast hätten wir gesagt Raufbrüder— Mitkavaliere überfallen und ihm mit dem Knüppel den Beweis liefern ließ— oder liefern zu lassen. versuchte, denn die Braven(man bittet, nicht Bravi zu lesen) kamen an den Unrechten— daß sich so etwas kein Privatmann gefallen lassen kann. � Nun, in seinem Buch,„Das Ende einer Welt", theilt der französische Schriftsteller Edm. Drummond— ein konservativer Katho- l i k— mit, daß der fragliche sehr hochgestellte Kavalier Niemand anders ist als— Kronprinz Rudolph von Oester- reich. Glückliches Oesterreich, es wird sein in Jubel und Wonne schwimmendes Nachbarland um nichts zu beneiden haben, nicht ein- mal um seinen unglaublichen Kaiser. Sonderbarer Weise sind die so gleich hochgeborenen und gleich hoch- gesinnten Jünglinge'durchaus nicht so intime Freunde als man nach einem bekannten Sprüchworte meinen sollte. Eine Zeit lang schien es zwar, als sollte zur Freude der beiderseitigen Untcrthanen zwischen ihnen sich ein intimes Freunbschaftsverhältniß entwickeln, sie ließen sich zusammen photographircn und alle loyalen Herzen schlugen höher bei dem Gedanken an das vielversprechende Kronprinzen- Bündniß. Aber ach, die Freude sollte nicht lange dauern. Plötzlich bekam die Freundschaft einen Riß, und seitdem wollen Rudolph und Wilhelm nichts mehr von einander ivisscn. Mit blutendem Herzen müssen wir daran erinnern, daß, als Wilhelm glücklich Kaiser geworden, seine Anttittsvisitte in Wien machte, Rudolph schleunigst in die Karpathen reiste— zur Bärenjagd. Und die Ursache des verderblichen Hasses? Cherebez la— juive. Man suche die Jüdin.'Ein echter deutscher Mann mag keinen Juden leiden, doch ihre Töchter— küßt er gern. Wilhelm fand eines Tages, daß Rudolph einen guten Geschmack habe, und da er auch kein Kost- Verächter ist, so wandelte er gottesfürchtig und dreist zu dem Hanse, zu dem ein freundlicher Stern den Weg verkündet. Und das kann sich— kein Kronprinz gefallen lassen. — Als einen Beweis, wie trefflich die deutschen Arbeiter ihr KoalitionSrccht auszuüben verstehen(vcrgl. unser» heutigen Leit- artikcl) lassen wir hier zioei Notizen folgen, die wir in der Arbeiter- Presse der letzten Woche finden. In der Berliner„Bolks-Trllbüne" lesen wir: „Die Abrechnung vom Hamburger Tischlcrstrcik liegt nun- mehr m einem Schriftstück vor, welches ein imposantes Zcuguiß ablegt von dein Opfermuth und dem Solidaritätsgefübl der deutscheu Arbeiter. Die Einnahme betrug nicht ivenigcr als 88,528 Mark. Darunter sind freilich 15,000 Mark geliehenes Geld, das— t Heils an die Zen- tral-Streikkomniission, theils an Private— zurückzuzahlen ist. Der Be- richt schließt daher mit de» Worten:„... Sollten demnach die Kol- legen im Stande sein, noch zur Deckung unserer Schulden etwas bei- tragen zu können, so ersuchen wir, die Beiträge an die Zcntral-Strcik- kassc in Stuttgart, Herrn E. Kloß, Hauptstraße 37, Heslach, zu senden. Mit unfern lokalen Schulden werden wir schon allein fertig." In einer aus Norddeutschlanp datirten Korrespondenz der Wiener„Gleichheit" lesen wir: „Die Berliner Maurer sind weitsichtige und vorsehende Leute. Letzte Woche haben sie in einer von 3000 Mann besuchten Versamin- lung beschlossen, nächstes Frühjahr die Forderung neunstündiger täglicher Arbeitszeit und eines Stundenlohnes von 60 Pf. zu stellen. Die Bauherren sind also nun unterrichtet und können auf diese For- derungcn hin die neuen Ballverträge abschließen. Die Berliner Maurer sind vorzüglich organisirt und von lebhaftem Korpsgeiste beseelt, so daß zu erwarten ist, sie werden die gestellten Forderungen auch durchsetzen. Motivirt werden die Forderungen der neuiistündigen Arbeitszeit unter anderem mit der stetig sich steigernden Einführung der Maschinenarbeit im Bauwesen, welche Arbeiter überflüssig machen. Gehen diese Fordcr- ungcn durch, so wird die weitere Wirkung eine beschleunigtere Einsüh- rung der Maschinen sein was fiir die Arbeiter selbstverständlich kein Grund ist, ihre Forderungen nicht zu stellen. In diesem Kampf zwischen Arbeit und Kapital muß eben die Ent- Wicklung auf die höchste Spitze gettieben werden, bis der große Um- schlag konimt und die Maschinen statt in den Dienst des Kapitals zur Arbeiteruuterdrückung, in den Dienst der Arbeit zur Ar- beiterbefreiung gestellt werden." Man sieht, wo es die Verhältnisse ermöglichen, wissen die Arbeiter in Deutschland ebenso den ökonomischen Kampf zu sichren, als ihre Kollegen in irgend einem andern Lande. Aber nicht überall, nicht in allen Industriezweigen ist das möglich, es ist nur eine bcgünsttgte Min- derheit, die das noch mit Erfolg vermag, die Mehrheit sieht sich Fak- toren gegenüber, gegen die selbst die beste Gewerkschaft nicht aufzukom- men vermag. Dieser Mehrzahl gegenüber betrachten sich die günstiger gestellten deutschen Arbeiter nicht als eine Aristokratie, die ihnen, wie es die Bourgeoisie heute thut, von Zeit zu Zeit ein Geschenk hiinvirft mit den Worten:„Macht es wie wir!" sondern als ihre nattirlichen Vorkämpfer im Kampf für ihre soziale und politische Emanzipation. — Teutschland ein Narrenhaus. Die außerordentliche Vorliebe Wilhelm II. für das h ö h c r e B l c ch hat zwei Berliner Blcchvirtuo- sen, den Kammcrmusikus K o s l e k und dessen Kollegen E. Philipp zu dem Plan begeistert, demselben im Königlichen Opernhause zu Berlin einen großartigen Kaisergruß mit Paucken und Troin- p c t e ii darzubringen. Alles, was Berlin an Künstlern in Blech be- lierbergt, soll sich zu diesem Zweck vereinigen, und so haben denn die beiden Herren an ihre„Kollegen" folgenden Aufruf erlassen, der in den Kreisen der Sachkenner— wir müssen uns leider für inkompetent erklären— als in Ton imd Inhalt des hohen Zweckes würdig er- achtet worden ist: „Kollegen! Blicken wir in die Geschichte unseres geliebten deutschen Vaterlandes zurück, so leuchtet uns eine Zeit entgegen, in ivclcher mit dem Herrscherhause, mit Kaiser und Reich, die ritterliche Kunst des Trompetcnblasens eng verbunden und die Bläser jener Zeit weit und breit gesucht waren. Mit dem Zerfall des alten deutschen Reiches ver- siechte auch unsere Kunst, ging der Ruf und das Ansehen der Bläser verloren. In Anbetracht der einst so ruhmvo.llcn, erhebenden Ver- gangenheit— sollte da nicht einem Jeden der Wunsch erivachcn, eine ähnliche Zeit wiederkehren zu sehen? Sollte nicht das Verlangen her- vortreten, die edle, ritterliche Kunst wieder zur Geltung zu bringen? Neu erstanden ist das deutsche Kaiserreich, mit ihm ein glorreiches, er- habenes.Kaiserhaus, strahlend hoch und hehr durch die Welt! Die Zeit ist da! Lasset uns dem Kaiser nahen, bringen wir in unserer Kunst, mit schmetternden Trompeten, jubelnden Hörnern und feierlich tönenden Posaunen dem Kaiser unfern Huldignngsgruß! Vereinigen wir uns, wie einst die Kameraden vereinigt waren, zu einer erhebenden Feier, durch die Macht unserer Töne hochzuprcisen nnscrcn geliebten Kaiser Wilhelm II." Nach der Berliner„Volkszeitung" haben sich schon mehr als 300 Trompeter gcstinden, die grandiose Idee auszuführen, ebenso hat Wilhelm bereitwilligst zugesagt, den Kameraden in Blech sein aller- höchstes Ohr zu leihen. Wäre die Farce nicht so zum Todtlachcn albern, so könnte sie einen beinahe erüst stimmen. Sehr geschmackvoll. Folgende Notiz entnehmen wir der„Frank- ftirter Ztg.":„ N e w y o r k, 27. Ott. Die Partei der Weiber- r e ch t l e r(Equal Rights' Party) hat eine alte Jungfer mit Namen Linda Gilbert als Kandidatin für das G o n v e r- neursamt und eine Frau Cynthia Leonard als Kandidatin ftir das Newyorker Mayorsamt aufgestellt." Wir haben die amerikanischen Frauenrcchtler, die in ihrer Mchrheit eingefleischte Bourgeois sind, hier nicht zu vertheidigen, aber als im höchsten Grade abgeschmackt müssen wir es bezeichnen, wenn ein ernst- Haftes politisches Blatt ivie die„Franks. Ztg." doch sein will, die Kandidatin derselben damit gekennzeichnet zu haben glaubt, daß sie sie „eine alte Jungfer" nennt. Als ob es nicht unverheirathete Frauen gäbe, die Taufende von Männern an Wissen, Verstand und Charakter himmelhoch überragen. — Vom Schlachtfcldc der Arbeit. Nicht ivenigcr als vier Grnbenkatastrophen, die zusammen gegen SO« Menschenleben kosteten, sind in der vergangenen Woche gemeldet worden. Wir sagten Gruben katastrophen— dies ist der offizielle Name— thatsächlich aber muß es heißen Gruben verbrechen. Denn der heutige Stand der Bergwerkstechnik ist ein solcher, daß man fast alle Explosionen:c. in Gruben vermeiden, die Verheerungen der sogenannten schlagenden Wetter ans ein Minimum verringern kann, wenn man nur ernsthast will, wenn nicht in erster Reihe die Interessen des Kapitals, des Kapitals und wieder des Kapitals bei den Grubcnverwaltungen cnffchicden. Im Interesse des Kapitals wird an den Schutzvorrichttin- gen gespart, wo es nur immer möglich ist, im Interesse des Kapitals wird mit ungeschwächten Kräften forlgearbeitct, wenn auch schon im- ttllgliche Anzeichen vorliegen, daß sich Wetter gebildet, im Jiitcrcssc des Kapitals wird mit dem Leben der Arbeiter va banque gesvielt, als iväre es eine blecherne Spielmarke, keinen rothen Heller werth. � Geht's gut, so geht's gut, und geht's nicht gut, so— appellirt man an die öffentliche Mildthättgkeit, die Todtcn bleiben— todt, nnd die Mörder— denn sie sind Mörder, die tantieme-lüsternen Direktoren, die das Leben ihrer Arbeiter so gewissenlos auf's Spiel setzen, gehen frei ans, werden möglich noch bedauert. Und stellt man sie wirklich vor Gericht, wo finden sich Richter, ihr verbrecherisches Verfahren so zu brandmarken, so zu bestrafen, wie es geschehen müßte, wenn Recht und Gerechtigkeit walten sollen? Aber ein Narr, der Recht und Gerechtigkeit erwartet im Klasse n- st a a t. — Herr Krohm hat seine eklatante Genugthunng er- halten. In seiner Klage ivider Schippel, die am 8. November zum Austrag kam, hat der Gerichtshof„zu Recht" erkannt, daß die Be- Zeichnung als„Spitzel" eine schwere Beleidigung involvire und den Redakteur der Berliner„Volkstribüne" zu 100 Mark Geldbuße, cvent. 20 Tagen Gefängniß, vcrurthcilt. Wir sind vollkonimen mit dem Gerichtshof einverstanden, daß ein Spitzel etwas so Verächtliches ist, daß die Bezeichnung als solchen einen an ständigen Nienschen tief beleidigen muß. Aber, wenn dem so ist, ivcr ist cigentlich bei dem Prozeß der Verlierer? Als charakteristisch für Herrn Krohm heben ivir hervor, daß während er in der, in unsrer vorigen Nummer veröffentlichten Erklärung sich als den quasi Schutzengel Schippels auffpiclte und uns für dessen voraussichtlich ttanriges Schicksal verantwortlich machte, er vor Gericht eine nachdrückliche Bestrafung Schippels verlangte, iveil es „fast scheine", als habe derselbe„wider besseres Wissen" gehandelt. — Oesterreich. Unsere österreichischen Brnderorgane .Arbeiterstimme",„Volksfrennd" und„Novnost" in Brünn,„Gleichheit" in Wie n und„Hlas Lidn" in P r o ß n i tz veröffentlichten nach- folgenden Aufruf, auf dessen Bedeutung wir nicht erst aiifmerksam zu machen haben: „Arbeiter! Genossen! „Als»ach den folgenschivercn Ereignissen von 1866 Raum für das öffentliche Leben in Oesterreich wurde, betrat die Arbeiterklasse zum ersten Male selbstständig als sozialdemokratische Arbeiterpartei den po- litischcn Boden und ttat damit in die Reihen der internationalen Be- ivegung. Tic überraschend großartigen Fortschritte der Partei iveckten überschwänglichc Hoffnungen auf rasche»nd ausgiebige Erfolge. Aber bald zeigte es sich, daß der Kampf der sozialdemokratischen gegen die herrschenden Parteien ein schivcrer sein, und daß es zähen Ansharrens und einer strammen Organisation bedürfen werde, um den Angriffen von allen Seiten zu widerstehen. Die ersten Opfer fielen, der Versuch wurde gemacht, ihr Fortschreiten zu unterdrücken. Umsonst. Die Ver- nichtung der Beivcgnng scheiterte damals nnd in der Folgezeit so oft sie wieder versucht wurde. Was die Bewegung au Breite verlor, ge- ivann sie an Tiefe und Energie. So ist die Geschichte der östcrrcichi- scheu Arbeiterpartei dieselbe, wie die Geschichte des Proletariats aller Länder: hundertmal geschlagen, aber nie besiegt. Freilich sollte die innere Entwicklung der österreichischen Sozialdcmo- kratie nicht so ungestört ihren Fortgang nehmen, ivie ihr hoffnungsvoller Anfang zu verheißen schlen. Zwar die Verquickung mit bonrgeois- liberalen und kleinbürgerlichen demokratischen Elementen, die sie eine Zeit lang charaktcrisirte, war rasch beseitigt, ebenso wie die späteren Versuche der Feudalen, die Bewegung für sich auszunützen, kläglich mißlangen. Beides besorgte das Verhalten der herrschenden Parteien selber.'Aber indem die Bourgeoisie aus Furcht vor der Arbeiterklasse ihren Sieg nicht voll ausnützte, ließ sie Reste des alten Fendalstaatcs bestehen, die ans Schritt und Tritt hemmend lvirken, sie überließ es der Arbeiterklasse, einen Theil jener Arbeit zu thun, welche selbst zu verrichten ihre weltgeschichtliche Aufgabe gewesen iväre. Weiter erschwerte die absichtliche Hemmung der geistigen Entwicklniig, welche seit jeher die Völker Oesterreichs getroffen, jede» Fortschritt. Schließlich nnd haupffächlich aber ivar die kapitalistische Entfaltung und Ausnutzung der Produktivkräfte, die Entwicklung der Judustrie zwar in riesen- schnellem Fortschreiten begriffen, aber ungleichmäßig und im Verhältniß zu andern Staaten noch wesentlich zurückgeblieben. Zu den Verschieden- heften des Volkscharakters, welche das vielsprachige Oesterreich bietet, kommen so noch die Gegensätze der ökonomischen Verhältnisse cincs�Laii- des, welches neben Bezirken mit moderner Industrie auf höchster Sttlfe, Gegenden mit ganz rückständigen Wirthschastsformcn aufweist. Unter so schwierigen Verhältnissen mußte die cigenthümlich österreichische Methode der Anwendung und Handhabung der Gesetze und Vcrord- nungen, welche endlich im Ausnahmszustand ihren schärfsten Ausdruck fanden, die natürliche Entwicklung um so stärker beeinflußen. Die Arbcitcrbcivegung hatte aber auch unter den eigenen Fehlern zu leiden. Meinungsverschiedenheiten nntcrgcordncter Natur, welche aus dem gemeinsamen Boden der gemciiisaiiieu Bestrebungen nicht nur inög- lich, sondern naturgeniäß sind, einerseits llcbcrschätzung, andererseits Uiltcrschätzung einzelner Agitationsmittcl wurden zur Ursache nberflüf- {igen und schädlichen Streites, der durch Personenkultus, den gcfähr- lichsren Feind aller sachlichen Erfolge, verschärft und verbittert wurde. Schadenfroh schürten die Gegner jeder Arbeiterbewegung überhaupt den unheilvollen Zwist, während sie mit gleicher Rücksichtslosigkeit beiden streitenden Parteien gegcnübertraten. So wurde das Fortschreiten der Partei gehemmt, ihre Thätigkeit gelähmt. Aber was feindliche Gewalt nicht vermochte, konnte auch eigenes Vcr- schulden nicht zu Stande bringen. Die proletarische Bewegung hat immer und überall Beides überwunden. Mehr und mehr wurde es Ueberzeugung der Massm der bewußten Arbeiterschaft, daß die Partei ebenso die Pflicht hat, Schritt zu halten mit der durch die fortschreitende Proletarisirung täglich wachsenden Ent- schlossenhcit der Arbeiterklasse, als es ihre Pflicht ist, in zäher, unoer- drossencr Arbeit ihren Zielen nachzustreben, Ivo sprunghaftes Vorgehen nur fruchtlose Opfer schafft. Zugleich aber bewirkten die traurigen Er- fahrungen, daß heute jeder einzelne unserer Parteigenoffen lebhafter als je von der Ueberzeugung durchdrungen ist, daß der Stampf gemeinsam sein muß, wo die Roth gemeinsam ist, daß es an der Zeit ist, endlich die Waffen gegen den uns umringenden Gegner zu kehren, statt brnder- mörderisch die eignen Freunde zu ttcffen. Jeder einzelne unserer Partei- genossen weiß aber auch, daß die Einigkeit der Partei ebenso möglich, wie nothwcndig ist. Die Vereinigung der klassenbewußten Arbeiterschaft zu einer wirksamen, zielbewußten sozialdemokratischen Ar- b c i t e r p a r t e i, ist eine Thatsache, der Nichts mehr fehlt, als daß sie auch ausgesprochen werde. Genossen, wir laden Euch ein, das .zu thun. Zn diesen! Zwecke haben sich die Unterzeichneten entschlossen, für die Tage vom 30. Dezember 1388 bis zum 1. Januar 1883 einen öffentlichen Parteitag der österreichischen Sozialdemokratie einzu- berufen. Der enge Rahmen unseres Versammlungsgesetzes beschränkt die Thcilnahme auf namentlich geladene Gäste. Der Ort und die genaue Tagesordnung des Parteitages wird recht- zeitig bekannt gegeben werden. Die Genossen, welche an ihm theilneh- mcn wollen, mögen ihren Namen und ihre Adresse längstens bis zum 10. Dezemder an eine der unterzeichneten Redaktionen gelangen lassen. Genossen! Indem wir diese Einladung an Euch richten, sind wir überzeugt, ein Werk zu unternehmen, das geeignet ist, der Arbeiterpartei Oesterreichs wesentlich zu nützen, ihre Thätigkeit wirksamer zu machen, ihre Stampfeszuversicht neu zu beleben. Wir hoffen, daß Ihr Euch zahlreich einfinden werdet, um offen und ehrlich einander die Bru- derhand zu reichen, Ziel und Taktik der Partei klar und unzweideuttg festzustellen. Vergessen sei der alte Hader und Nichts möge unser Herz erfüllen als der feste Entschluß, eine unzertrennliche kämpfende Schaar von Brü- dcrn zn bilden, die nicht ruhen und rasten werden, bis unsere heilige Sache gesiegt hat und das große Ziel erreicht ist: Die Emanzi- pation der Arbeiterklasse. Blicken wir nicht zurück, schauen wir vorwärts! Wir wissen, daß wir die Befteiung nur unserer eigenen Straft, der Arbeiterklasse selbst, wer- den verdanken können, aber nur dann, wenn sie einträchtig zusamnien- steht. Neben wir die Solidarität, die B r ü d e r l i ch k e i t in unsern Reihen, dann wird uns der Sieg Gleichheit und Freiheit bringen." Wir hegen keinen Zweifel, daß Alles, was in Oesterreich auf dem Boden des Stlassenkampfes und der Arbeitercmanzipation steht, diesem Aufruf Folge leisten, und daß der Parteitag der Jahreswende 1888/83 einen Markstein in der Geschichte der österreichischen Arbeiterbewegung bilden wird. Unsern vollen Glückwunsch dazu im Voraus. Was|ilh die haaptfladt erzählt. Herr Wilhelm Lehrbursch(kommt von einem„Bummel" nach Haus und singt vergnügt vor sich hin):„Und so ivoll'n wir noch einmal, woll'n wir noch einmal, heirafsassa, lustig sein, fröhlich sein, hopsassassa!" Herr Ernst Ducken« ich Borken fleck(tritt auf ihn zu und redet ihn in feierlichem Ton und sehr höflich an): Guten Tag, mein lieber fehr verehrter Herr Lehrbursch, wie freue ich mich, daß Sie sich von dem schrecklichen Verlust.... Wilhelm L.(verdrießlich): Laffen Sie mich ungeschoren. B o r k e n f l e ck(fortfahrend): So schnell erholt haben. Ein so präch- tiger Mensch, Ihr Herr Vater Wilhelm L.(immer verdrießlicher): Werden Sie nicht anzüglich. B o r k e n f l c ck: Sein Andenken wird allen, die ihn gekannt haben, unvergeßlich sein— Wilhelm L.(wüthend): Sie unverschämter Flegel, unterstehen Sie sich! Borkenfleck: Und Ihre FranRtutter, Sic wissen gar nicht, wie leid sie mir thut. Eine so wackere tüchtige Frau, die ihrem Manne eine so kräftige Stütze war--- Wilhelm L.(noch wüthender): Das ist zu arg, ich platze vor Aergcr. So eine Gemeinheit! B o r k e n f l e ck: Ach, alle Freunde des Verstorbenen trauern mit ihr. Unsere einzige Hoffnung sind Sie, der Sie ja nicht bloS die äußer-! lichen Bcsitzthümer Ihres Vaters, sondern auch seine ausgezeichneten Eigenschaften geerbt haben, seinen hohen Geist, seine Herzensgüte... Wilhelm(im Stadium der höchsten Wuth): Das kann sich kein Privatmann gefallen lassen.(Haut wie besessen auf Borkenfleck los und gibt ihm schließlich einen Fußtritt, daß er zum Hause hinausfliegt): Da, Du komme mir noch einnial, Du elende Sta- naille, Du Hund von einem ungeschliffenen Tölpel, Du Stoffel, Du Wicht, Du.... Borkcnfleck(unten angelangt, sucht seinen anfgettiebeuen Hut zu glätten): Hoch beglückt über den gnädigen Empfang, mit dem Sie meine von loyalster Gesinnung beseelten.... Ein Schutzmann(kommt hinzu, barsch»: Was murmeln Sie da, ich glaube, Sie erdreisten sich, zu räsonnircn?! Borkenfleck(demüthig): Nichts weniger als das, mein lieber Herr Wachtmeister. Ich gab nur meiner Freunde Ausdruck, daß mein verehrter Freund, Herr Lehrbub, sich in so ausgezeichneter Verfassung... Schutzmann: Halten Sic das Maul! Wenn Sie noch einmal von Verfassung reden, dann schreib ich Sie auf! Fritz P o p u l u s, Arbeiter(geht vorbei): Schnauze» Sie doch den Mann nicht so an, er hat Ihnen ja keinen Brunnen geschenkt! Schutzmann: Halt! Ich verhafte Sie im Ztamcn des Gesetzes. Folgen Sie mir fofort zur Wache, Sie Umstürzler.(Zu Borkcnfleck): Und Sic, mein Herr, sind mein Zeuge, daß der Ntensch aufrührerische Reden gcfiihrt.(Führt Populus ab.) B o r k e n f l e ck(ihm nach): Mit Vergnügen.(Anfathmend): Gott sei Dank, ich bin gerettet! Korrespondenzen. — Hamburg. Der vollen Herrlichkeit des deutschen Reiches ist nun mich die sogenannte freie Stadt Hamburg theilhaftig geworden, und man muß gestehen, daß unsre Herren„Republikaner" sich dafiir dankbar erwiesen haben. Der Zollanschluß ift perfekt ge- worden, auch wir Hamburger haben das Vergnügen, für den Geldbeutel der Herren Schnapsjunker unser Scherflein beizuttagen. Zu der Feier der Schlußsteinlcgung mußte nattirlich das Reichsoberhaupt, Wilhelm der Reichsbummler, geladen werden, und er kam auch. Mit großen Stosten wurden üppige Dekorationen geschaffen und die Hamburger Man- ncsscclen hofften, daß dieselben Gnade vor den Augen des„erhabenen Monarchen" finden würden. Aber— weit gefehlt! Der Mann, dem nur das„auf die Strecke legen" imponkrt, betrachtete den Schmuck der Straßen und des Hafens gleichgiltigen Blickes und nur einmal verstieg er sich zu dem Ausrufe:„Wirklich— sehr schneidig!" Das wenigstens hat der langohrige Vertreter des„ftcisinnigeii" Fremdcnblattes(Organ für höhere Fartcatschcrei) aufgeschnappt. Höchst betrübsam lvar es für das patriotische Gemllth der biedern Hamburger Republikaner, daß das Volk, welches aus Neugierde die Straßen füllte, ihrem heißgeliebten Staifer nicht zujubelte, sondern theils schwieg, theils— zittere Byzanz— pfiff! Der Eindruck dieser Demonstration konnte selbst dadurch nicht verwischt werden, daß die Kriegervercinler und Jnnungs- meister, sowie das Heer der Staatsdiener Hoch und Hurrah gröhlten. Eine traurige Thatsache— traurig für die klassenbewußten Arbeiter— müssen wir indeß leider melden: Es hat sich ein Arbeiterverein gefun- desi, der sich zwar nicht selbst zum Spalierbilden aufstellte, aber doch seine Fahne zum Parademachen hergab. Es war dies der Buchdrulkervercin. Derselbe lieferte der Buchdrucker- Jnmmg seine Fahne aus, daniit die Zunft damit glänze. Zlvar— zur Ent- schuldigung der Mitglieder sei es gesagt— die Auslieferung der Fahne ist nur den Machinationen einiger Vorstandsmitglieder, die theils bc- schränkte Köpfe, theils Hasenfüße find, zuzuschreiben, aber immerhin ist diese„That" wieder ein Zeichen von der Versumpfung eines Theils der Buchdrucker, die sich einst stolz die„Pioniere der Arbeiter" nannten und auch nennen dursten. Hoffentlich wird der zielbewußte Theil der Buchdrucker, durch diese neue Erfahrung belehrt, sich nun auftaffcn und gegen diese Manipulationen energisch Front machen. Der bekannte Senator H a ch m a n n, der übrigens demnächst voll- ständig reif für's Irrenhaus sein wird, hat in seinem Amte als Ober- Staatsoberhaupt wieder eine große„That" verrichtet. In einem se- treten Rundschreiben an die Zollbeamten nämlich hat er den- selben mitgetheilt, daß der Verlag des„Sozialdemokrat" nach Lon- d o n übergesiedelt sei. Es bedürfe wohl nur dieses Hinweises— meinte der würdige Mitlcnker unserer Republik— daß die aus London kommenden Frachtgüter genau untersucht würden. Auch die Passagiere müßten einer genauen Durchsuch- u n g unterzogen werden, man dürfe aber nicht sagen, warum es ge- schehc. Also ein Restchen von Schamgefühl ist dem Hamburger Polizei- meister doch noch geblieben. Schade nur, daß das sekrete Zirkular zu unserer Stenntuiß gekommen ist! Daß übrigens auch andere Senatoren aus lauter Furcht vor dem rothen Gespenst toll geworden, geht daraus hervor, daß die Quaiverwaltung(natürlich auch„fettet") an ihre Be- amten die Weisung hat ergehen lassen, keine Sozialdemottatcn zu be- schäftigen. Wer Sozialdemottat sei, darüber werde die Polizei Aus- kunft geben. Soll dieser an die schönsten Tage von Schöppenstedt erinnernde Ukas strikte innegehalten werden, dann werden die Herren Senatoren sich entschließen müssen, selbst Kelle und Spaten zu ergreifen, denn— wie sogar der„Hamburger Korrespondent" einmal in einem lichten Moment herausgefunden hat— die Begriffe„Arbeiter" und »Sozialdemottat" decken sich bei uns. Zum besondern Gaudium der Redaktton lege ich ein F e st l i e d bei, welches von besoffenen Honorationen am„Kaisertage" gesungen wurde, und das der„Hamb. Korr." der Veröffentlichung werth gefunden hat.*) *) Das„Lied" ist wirklich wunderschön, so schön, daß wir im ersten Augenblicke glaubten, eine— P e r s i f f l a g e vor uns zu haben. Man höre nur: Nach der Wieerfahrt um so weiser Fährt im Sachsenwald der Kaiser Vor im sttllen Kanzlerhaus: Voll Verttau'» der Herrscher lauschet Auf des Meisters Wort und tauschet Ernst mit ihm Gedanken aus. Doch nun flugs, mit Dampfesrosscn» Zu den wackern Reichsgcuossen: Dresden, Detmold wird beehrt; Jung und Alt in Schwaben, Bayern Will den Hohcnzollern feiern; Volkes Gunst ist Goldes werth. Prunkvoll auch im Vaticano Wird empfangen der Prnssiano, Leo drückt ihn an sein Herz; Vor dem schwachen Greis in Ketten Muß ihn Herbert Bismarck retten, Und der Papst— blickt himmelwärts. Alles Schöne hat ein Ende:—> Durch der Alpen Felsenwände Eilt er sttacks der Heimath zu; Schon erwarten ihn die Gäste Bei der Gattin Wiegenfeste; Ach! Wann hat ein Skaiser Ruh!-- Genug.„Von der durchschlagenden Wirkung dieses Liedes", schreibt der früher einmal mit Verstand und Geschmack rcdigirte„Korrespondent",„kann man sich schwer eine Vorstellung machen. Auf lang an- haltendes Beifallstoben und vielfachen Orchefterttich nannte sich schließ- lich als Verfasser Dr. L ü d e r s, der in kurzen Worten der Versamm- lung dankte". Dr. Lüdcrs— ein Häringskommis hätte dergleichen fteilich kaum ferttg gekriegt. Um solche Verse schmieden, so gedankenreich sich aus- drücken zu können, muß man das Gymnasium besucht und studirt haben. Die weiteren vom zweiten Zlntzevd. (Anschluß zu Nr. 11 des„Soz." 1888.) Aus Belgien Anfangs November, meldet unter obiger Spitzmarke ein alter Bekannter die nachfolgenden Daten, die wir des allgemeinen Interesses wegen wörtlich hier wiedergeben wollen: ,,.... Ja, sie umstanden die Grabhügel ihrer Genossen, aufheulend und keifend über das harte Schicksal, das wir ihnen so un- erwartet bereitet hatten. Puttkamer schlummert auf seinen Lorbcern und sein Polizeichef ttägt mit Würde die süße Last des Ordens, den ihm sein promptes Erwischtwerdcn beim polizisttschcn Mogeln eingettagen. Wir konnten uns indessen gedulden, fest die Fäden in der Hand, an denen die Sippschaft sich zu Tode zappeln soll. Jetzt aber ist es Zeit geworden zn zeigen, daß wir auch noch am Leben und an der Arbeit sind. Mit besonderem Ergötzen lesen wir in Brüssel über die Versuchsballons, welche der unsterbliche Pfadfinder zu den„Dynamitkatakomben" in Rom, Herr Polizeirath Krüger, wiederholt aussteigen ließ.— Nach der so im Schutze des Amtsgeheimnisses glänzend bewirkten Ehrenrettung des unglücklichen Medailleur K r o h m, ist es aber auch erklärlich, daß das alte System im Gehirn seines Erfinders neue Sprossen und Nachttiebe angesetzt hat und daß die Zöglinge dieser Schule sachte die Köpfe wieder heben. Herr Krüger hatte unstteitig eine unglückliche Hand, als er zu frühzeitig einige seiner Sctzlmge dirett in den mästen Boden der Sozialdemokratie verpflanzte. Groß in seinen Stonzeptionen wie stets, schlägt er nun die tattische Volte, was uns das Vergnügen verschafft, ihm lvie Bankos Schatten abermals in's Aus- land sowie bald näher, bald von Weitem seinen Futztapfen zu folgen. Belgien überwacht, durch Vertraute der Berliner Polizei, die Berliner Polizei unterrichtet über belgische Angelegenheiten durch den Bildhauer Herrn Heinrich Jordan in Brüssel. Das ist die neueste Frucht, die wir vom Bmmie Krüger'scher Er- kenntniß pflücken können. Dem reiht sich würdig an, ein brillantes Meisterstück polizistischer Geographie. Die Berliner Polizei überwacht die Bewegung in schweizerischen Parteikreiscn durch dcii� Kaufmann Herrn Eugen Lcwi in Brüssel, welcher geschäftliche Reisen in der Schweiz niacht und nach Berlin über seine Wahrnehmungen in P a r t e i k r e i s e n berichtet. Auf Grund unsrcr absolut zweifellosen Anhalte, haben wir die Ge- nassen in Belgiern und der Schweiz rechtzeitig davon unterrichtet und halten geboten, es nunmchr in weitesten Streifen bekannt zu geben. Daß die Wcitsichttgkeit der Berliner Polizei ebenso rechtzeitig Sorge ttug, für den gesetzlichen Verlauf des St. Gallcr Parteikon- g r e f f c s sich lebende Zeugen zu sichern, wurde gmiz richtig voraus vernluthct. In Bezug auf den„unermüdlichen Berichtschreiber während der Speise- pausen", sind seither die folgenden Thatsachcn definitiv konstattrbar ge- worden. Eilen Sie also zu warnen vor dem Bnchbindermeister Th. Rohmann, �Friedrichsttaße Nr. 154 Hof rechts, 3 Treppen, in Berlin geschäftlich chätig, und wohnhaft Wilhclmstraße Nr. 3. Derselbe verkehrt mit Buchdruckern und Schriftsetzern und sendet über deren Thun briefliche Nachrichten ftir die Polizei an die Adresse eines Schutzmanns-- in der----- straße Nr.— N o h m a n n berichtet auch über einige Buchbinderwcrk- st ä t t e n, über deren Berathnngen zur Wahl x.— Diese Nachrichten bekommt er wahrscheinlich von einem Mitglied der Buch- bindergewerkschast, das in vielen Werkstätten verkehrt. R. wurde ent- sprechend beobachtet und dürfte seine weitere Wissenschast aus der Be- wegung, zum Theil auch von den bei ihm arbettenden Gesellen im Wege des Ausftagcns erlangen und weiter verwcrthen. Er ist sehr vorsichtig, jedoch steht absolut f e st, was wir schon vor Abreise hierher meldeten, daß er auf bezeichnetem Wege brieflich an die� Polizei berichtet. Ergänzendes senden wir nach Wunsch über die beiden anderen „Spruchreifen" mit Allernächstem und versichern schließend, daß wir unerbittlich und gerecht auch ferner unsres Warner- und Rächeramtes walten werden. Anderthalb Dutzend sind begraben, die Sippe aber vegettrt weiter, ge- warnt, aber nicht gewitzigt. Thun die Genossen allerwärts ihre Schuldigkeit, so werden wir den„Ludergeruch" der Spionage bald durch einen gesunden Luftzug in der Bewegung hinausgeftgt, das elende System Krüger'scher Polizcikorruption auf den Tod gettoffen haben. Bis dahm allzeit auf Posten. Die eiserne Maske." WriefKclsten der Redaktion: Briefe und Einsendungen erhalten aus Dresden, Elberfeld, Sttaßburg, Wien.„Aus Holland": in nächster Nummer. der Expedition: Dampfhammer: M. 20— a Ew. Ab. 3. u. 4. Qu. erh.— K. Zerenner Rochester: 2 Schllg. Ab. 4. Qu. erh. 41 bis 46 fort. Preis am Kopf des S. links.— Lasse: Nachr. v. 1/11 erh. Bcstllg. u. Adr. nottrt. Bfl. mehr.— Schlachtfeld: Quttg. längst in 42. Weiteres nottrt. Beilage besorgt.— Schippe: Adr. lt. Avis v. 5. ds. geordn. Bfl. Weiteres.— Panzerschiff: Bstllg. v. 6. ds. u. Ad. nottrt. Kassa angenehm.— Ackai: Dank f. prompte Nachr. v. 6. ds. Adr. geord. Bfl. mehr.— Herbert: Näheres v. 6. ds. am 8/11 ein- gettoffen u. Weiteres fofort veranlaßt.— Pickelhaube: Pd. 10.—.— a Cto. Ab. 3C. erh. u. Beigabe v. Gd. zu ihren Lasten gebucht. Rmttd. erwartet. Am 15/10 gingen hier v. 42 zwei Packet« ab, beide zu 7 Pencc ftanttrt. Nachzügler kommt vielleicht noch?— Rother Franz: (1 Doli.) 4 Schllg. a Cto. Ab. jc. p. H. erh.— Der rothc Wilhelm: Bestllg.:c. v. 4. ds. vorgemerkt. Sdg. baldmöglichst.— Fritz: M. 13— P. Ggr. gutgebracht. Bstllg. n. Adr. nottrt. Avisirtcs erwartet.— La Billette: Fr. 26 30 Ab. 3. Qu. u. Schrst. erh.— Därmig: M. 40— a Cto. Ab. 2C. p. Hbt. erh.— Altenburger: M. 60— p. Ufds. dkd. erh.— Muckt: Besten Dank für Referenz u. ftdl. Grüße.— Romanus D.: Bstllg. u. Beilage erh. Bitten künstig Alles dirett hierher, da sonst doppelt Porto u. Schreiberei. Folgt Alles.— Rothr. Eisenwurm: Nachr. v. 11/11 hier u. Adr. geordnet. Bfl. Weiteres. Bstllg. folgt.— Babylon: Adr.?c. nach Vorschr. v. 8/11 geordnet. Bfl. Weiteres.— C. H. N.-Pork: Rechnen bestimmt auf Worthalten.— Setdenwurm: Briefe ttcuzten am 31/10. Erwarten Bescheid auf den unsrigen.— Blank: Adr. Sch. ersetzt. Weiteres vorgemertt. Wünsche sind mitunter gewaltige Jrrthümcr. Gruß.— Rocher Gcldsack: Die alten 6 laufen. Mehr unthnnlich. Dkschft. wird rechtzeitig annoncirt werden. Weiteres bfl.— Ahasverus: M. 3— Ab. Gstt. erh. Ein sonderbarer Heiliger dieser Beschwerdeführer. Liest das Blatt dirett und findet in Rr. 42 seine Quittung nicht. Warum v. F. Dcckadr. nicht verlangt? folgt mit besten Grüßen.— Nr. 2002: Reklamation weitergegeben, Aufschluß folgt durch den Mahner bfl.— Rother Eerberus: Adr. lt. Vorlage v. 4/11 geord. Bfl. am 8/11 Weiteres berichtet.— E. C. Lpg.: Adr. geordnet. Wie heißt denn Ihr Schnüffel-Stante in griechischer Sprache?- — Knnrrhahn: Adr. gelöscht. Bfl. am 12/11 mehr.— Lionel: Run wie stets betr. W. u. F.? Weiteres bfl. am 12/11. Dank für Beilage v. H.— Rothe Schwefelbande: Gewünschtes folgt sobald Antwort auf nnsren Brf. v. 12/11 da ist.— Mönus: Dckadr. am 12/11 abgg. Beil. der Red. ausgefolgt.— Rthr. B. in Ws.: Bstllg. folgt, sobald ver- sandtfcrtig. Suchen Sie Ihn bei den Boeren.— Gracchus W.: Ein- verstanden. Werden Weiteres anordnen.— A. H. N.-Aork: 150 Doll. (Pfd. 30.11.—) a Cto. erh. it. nach Vorschr. gebucht. Bstllg. folgt. Sticder m. d. S. vergriffen. Avisirtes erwartet.— F. Schmidt Philo- dclph.: Pfd. 2.—.— a Cto. Ab.?c. erh. Abrchng. folgt.— I. Fr. M. Gl.: M. 10— a Cto. Ab. 2C. erh. Adr. geord.'Alles unterwegs. — Wmstr. Ztg. Ddf.: Pfd.—.1.4'/- für Schrft. erh. 7'/- Pen« dem Ufds. dkd. zugclviesen.— Philo: Soweit thunlich, folgt Gewünschtes. Weisen Sie lieber die F. P. direkt an, uns den Betrag zuzustellen. Dkschft vorgemerkt.— Aarhus Ch. P. Pdrsn.: Sh. 3.— f. Schrft. erh. Bstllg. folgt. Bitten künftige Zahlungen auf Kentish Town Lost- officc zahlbar zu machen. Siehe Nr. 45, 46 u. frühere„Zur besonderen Beachttuig" am Stopfe des Blattes!— Ofcnthür: Ihre Eutrüstung werden mir zu würdigen wissen, sobald Sie uns sachliche Beweise bringen, daß Sie so ganz unschuldig an dem Stanke sind. Darüber brieflich.— Veilchenstein: Brcht. v. 10/11 erh. und wciterbesorgt.— Roche Faust: Nachr. v. 10/11 erh. u. Adr. geord. M. 7 70 p. Verträge gutgebracht. Zürich. Schristeu-kiliale der Arbeiterflimme Zähringerstrastc 12. Unseren Genossen und Freunden in der Schweiz liefern wir den ausfiihrlichen Bericht über den Münchener Geheimbunds-Prozeft vom 26. und 27. Oktober 1388 vor dem Landgericht I. gegen Auer � Genossen. Derfelbe erschien unter dem Titel: Der erste Mchtgenitemcm auf dem Zeugenstande. und kostet durch uns bezogen A3 Cts. per Exemplar, sowie AN Cts. bei Bezug von 5 Exemplaren und darüber, nur gegen Baarvor- auszahlung, Packet- oder Skreuzbandporto extra. Wir bitten um rechtzeitige Bestellung und machen darauf aufmerksam, daß wir alle Aufträge aus unsere reichhaltige Parteilitcratur und Presse proniptest besorgen. Aufträge für alle außerschweizerischen Länder sind lediglich bei der German Cooperative Publishing Co. 114 Kcntish Tonn Roack, London, N. W. zu bestellen. Sic Schristkn-Filialk der Ardeiterflimme Zähringcrsttaße 12, Zürich. JPriaUzd for the proprietors by the German Cooperative Publishing Co. 1U Kentish Town ßoad London N. W. M