Abonnements werden beim Verlag lind dessen belannlen Agenten entgegen- genommen, und zwar zum »»ra u», ahl dar«« ' VierteljahripreiZ don: Ml. 4,40 für Deutschland(titelt per Brief-Souverl) Swsl. 2,7! für Oesterreich(direlt per Bricf-Souvertl Chili. 2,— für alle übrigen Länder de» Weltpostverein»(Kreuzband). Juseriie die dreigespaltene Petitzeile L Pence— 25 Pfg.----- 30 EtS. Erscheint Hrgan der Sozialdemokratie deutscher Junge. VSchettbU««inmal w London. Aerlag " der Qsrmnaporatire?ud!igd!llx Co, E. Bernstein& Co., London N. W. 1H Kentlsh Town Road. Kistseudmlitil franko gegen franko. Eewbhuliche Briefe nach England kosten Doppelporto/ �50. «riefe an die«edaktion»nd Erpedition de» in lbeutschland und Oesterreich verbotenen.Sozialdemokrat- wolle man unter Beobachtung äub-rst-r Vorsicht abgehen lassen. Zn der biegel schiik« man NN» die Briefe nicht direkt, fondern an die bekannten Deckadressen. Zn zweifelhasten Fällen eingeschrieben. 9. Dezember 1888. parteigeuoffen! Vcrgeßt der verfolgte» uud Gcmaßregelte» nicht! Zur rechtzeitigen Kenntnisnahme. Bei Quartalschluß müssen sämmtliche Briefabonncments vorausbezahlt sein. Belastungen auf Conto-Jnhaber finden also nicht statt. Allen Bestellungen auf direkte oder indirekte Brieflieferung ist ohne jede Ausnahme die volle Baarzahlung beizulegen. Die direkten Briefabonnements sind künftig für's ganze Jahr vorauszuzahlen, sofern von uns nicht andere Abkonimen vereinbart sind. Alle nicht ausdrücklich wiederbestellten Brief-Abonne- ments werden mit Jahresschluß gesperrt. Ersatz für Versandtverluste liefern wir nur gegen Einsendung des Porto bei Reklamationen. Wo anderweitige Bezugsgelegenheit geboten ist, sind Brief- Abonnements unzulässig. Cinzel-Kreuzbandscndnngcn ins Ausland sperren wir mit Quartalschluß, sofern Neubestellung und Geld bis dahin ausbleiben. Für die Schweiz erhöht sich mit Beginn 1889 der vierteljährliche Abonnenientspreis auf Fr. 2.2a pro E r e m p l a r, da der Ein-Rappen-Porto-Aiisatz nur den in der Schweiz herausgegebenen Blättern zukommt. Die Schristtn-Iilialt der„Ärbeiterliimme" in Zürich. Zähringerstraße 12, trägt also fortan diejenigen bisherigen Abonnenten, welche unser Blatt nicht abbestellen, auch für das laufende Quartal vor und erhebt sofort nach Ausgabe von Nr. 1 1889 Nach- nähme, sofern die betreffenden Aboimementsbeträge nicht zuvor eingesandt wurden. London, im Dezember 1883. vir Administration$c krptditioa drs.�onaldemokrat". Posteinzahlnngen an unsere Gcs6»äftsnrma treffen noch immer hier ein, ohne die von uns wiederholt dringend verlangte briefliche Atittheilung der Absendernamen. Man mache alle derartige P 0 st e i n z a h l u n g e n st e t s zahlbar b� Kentish Town Road Post-Office. Es fehlen abermals die Slbscndernamen auf 3 Einzahlungen in Höhe von M. 1«.— vom 14/11., M. 18.— vom 21/11. Ohne Meldung der Absendernamen an unö kann das Geld nicht gehoben werden. Bei Sendungen jeder Art aus Amerika füge man auf der Adresse stets bei:„London in England", da es auch in Amerika ein London gibt. Genaue Adresse: Germau Cooperative Publishing Co. E. Bernstein& Co. 114 Kentish Town Road, London, X. W.(England.) Znr Lage in Frankreich. Paris hat am 2. Dezember wieder einmal seinen Ruf als iadt der großartigen Demonstrationen bewährt. Eine nach Zehn- äsenden zählende Menschenmenge nahm an dem Umzug Theil, r zu Ehren der Opfer des meineidigen Staatsstreichhelden d als Protest gegen vorhandene Staatsstreichgelüste vor dem mkmal des vor 37 Jahren in der Vertheidigung der repu- ckanischen Grundsätze gefallenen Baudrn vorbeidesilirte, d niraends ward die Ruhe und Ordnung in irgend neu- aswerther Weise gestört. Diejenigen, welche öffentlich Be- echtuna geheuchelt, daß es zu argen Zusammenstößen kom- u werde und im Stillen sich aus solche gefreut, um als- nn inl Trüben fischen zu können, haben sich in ihren Er- irtungen schmählich getäuscht gesehen, insofern kann man '0 der Republik zu der stattgehabten Baudul-Feier nur gratu- en Wer sich aber von ihr eine tiefgreifende Wirkung auf ' inneren Kämpfe verspricht, an denen die Republik leidet, r dürfte sich nach unserer Ansicht noch ganz anders täuschen, als die, welche auf den Ausbruch von Konflikten aus Anlaß derselben gerechnet. Krisen wie die, in welcher die Republik sich zur Zeit befindet, löst man nicht mit bloßen Demonstra- tionen, am allerwenigsten mit solchen, die im Grunde nur Demonstrationen für den status quo sind. Es war ein Pro- test, nicht gegen die Ursachen, sondem gegen eine der möglichen Wirkungen dieser Krisis. Seit wann aber schützt man sich vor den Wirkungen, indem man die Ursachen fort- bestehen läßt? Daß der Boulangismus eine Gefahr für die Republik geworden, geht schon aus der bloßen Thatsache hervor, daß die offiziellen Parteien der Republik die Riesendemonstration gegen ihn in Szene gesetzt. Dergleichen unternimmt man nicht gegen ein Phantom, und wenn man es versuchte, würde man nicht solche Mafien auf die Beine bringen. Wodurch aber ist der Boulangismus eine Gefahr? Durch die Person des „brav' general"? Die republikanische Presse wird nicht müde, ihn als unbedeutend, als einen Prahlhans, ja, als einen Dummkopf hinzustellen. Daß er das letztere, möchten wir doch be- zweifeln, wenngleich auch mir den„braven General" für kein besonderes Genie halten. Er macht den Eindruck einer ziem- lichen Mittelmäßigkeit, die unter normalm Verhältnissen schwerlich zu großem Einfluß gelangt wäre. Jndeß, grade die Mittelmäßigkeiten sind zu Zeiten viel gefährlicher als die Leute von Genie. Auch der spätere Napoleon III. wurde vor seinem Eintritt in das französische Parlament als ein unbedeutender Träumer bezeichnet, und seine Begabung war in der That nur eine sehr mäßige. Nichtsdestoweniger wurde er Präsident der Republik und später— Kaiser. Louis Bonaparte hatte sogar nicht einmal das Glück einer hübschen Erscheinung. Er saß nicht halb so schön zu Pferd wie Held Boulanger, und trotzdem gelang es ihm ohne große Schwierigkeit, der Republik Herr zu werden. Spricht sein Staatsstreich gegen ihn, so stellt das Gelingen desselben aber auch der nach 1848er Republik ein sehr schlechtes Zeugniß aus. Und ebenso mag man auf Bou- langer noch so sehr schimpfen, noch so laut gegen ihn demon- striren, er würde keine Gefahr für die Republik sein, wenn es mit dieser gut bestellt wäre. Das Weib, dem der� erste beste Abenteurer gefährlich wird, ist, wie Jeder weiß, auch nicht viel besser als sein Verführer. Es hieße die Augen vor dem Licht der Sonne verschließen, wollte man leugnen, daß das Mißbehagen mit den bestehenden Zuständen in Frankreich groß ist, und zwar in allen Klaffen der Bevölkerung. Die Republik hat keine Klasse als solche für sich—'die unzuverlässigste, das Kleinbürgerthum, vielleicht ausgenommen. Die große Finanz hat sie nie beseffen— dieselbe hat zwar die Republik vortrefflich zu schröpfen verstau- den, ihr sehr einträgliche Konzeffionen abgepreßt, aber sie hat das stets als ihr gebührenden Tribut, man könnte sagen, als eine Gnade betrachtet, die sie der Republik erwiesen; im Herzen sind die Rothschilds, Soubeyrans, Bischoffsheimer immer gute Monarchisten gewesen. Die mittlere Bourgeoisie war bis vor etlichen Jahren republikanisch, denn sie konnte sagen: die Republik, das sind w i r. Aber da die Entwicklung leider nicht stehen blieb, und die Mafien immer ungestümer an die Thore der öffentlichen Vertretungskörper pochten, sich Einlaß erzwangen und im Parlament und in Lokal-Vertretun- gen der Bourgeoisievertretung auf den Leib rückten, hat sich ihre Schwärmerei merklich gelegt und wenn auch keiner eigent- lichen Gegnerschaft, so doch einer ziemlichen Gleichgiltigkeit Platz gemacht. Man ist noch Republikaner, weil die Republik einmal da ist und man sich nicht gern ins Ungewisse stürzt, wie man seiner Frau nominell die Treue hält, weil man nun einmal verheirathet ist und die Umstände der Scheidung fürchtet. Aber die Ehe verhindert bekanntlich nicht, gelegentlich mit einer Schönen anzubandeln, und wer z. B. für den Fall einer Krise auf die„Gemäßigten" und Opportunisten rechnete, der würde sich ebenso verspekuliren wie derjenige, der beim Durchschnittsbürger eheliche Treue suchte. Wenn grade sie heute am lautesten auf Boulanger schimpfen, so sind dafür nicht prinzipielle Gründe, sondern persönliche Rivalitäten und Kliken- Interessen maßgebend, und daneben die Furcht, daß Boulanger den Massen zu große Konzessionen machen könnte. Die Arbeiter waren und sind gut republikanisch, aber seit- dem der Ausbau der demokratischen Institutionen ins Stocken gerathen ist, seitdem sie gesehen, daß die maßgebenden Politiker zuerst aii� sich und ihre parlamentarischen Jntriguen denken und im streit darüber die Interessen des Volkes ganz ver- gessen, beginnt auch ihre Sympathie zu erkalten. Namentlich das Verhalten der Radikalen, die Dank ihren hochtönenden Reden bisher großen Anhang bei den Mafien besaßen und die, seitdem fie an der Regierung sind, sich als die reinen Opportunisten darstellen, hat auf die Arbeiter gewaltig er- nüchtenid gewirkt. Es war unbedingt ein großer Fehler von den Radikalen und Wasser auf die Mühle des Herrn Boulanger, daß sie sich vor den Karren spannten, den die Opportunisten fest- gefahren, 0. h. bei der jetzigen Parteikonstellation in der Kam- mer die Regierung übernahmen. Die letzten Wahlen haben bekanntlich. Dank der Tonkinade Jules Ferry's, die Mon- archiften in einer Stärke in die Kammer gebracht, daß sie jeder der beiden großen Gruppen— Opportunisten und Gemäßigte hier, Radikale und äußerste Linke dort— an Zahl fast gleich sind. So kann keine dieser beiden Gruppen regieren ohne die Unterstützung der andern. Solange nun unter diesen Umständen die Opportunisten am Ruder waren, hatten die Radikalen freie Hand; sie konnten entweder den Opportunisten für den Preis ihrer Bundesgenofienschaft Konzessionen ab- zwingen oder, falls dieselben sich mit den Monarchisten gegen sie verbanden, den reaktionären Pakt dem Lande denunziren. Was sie bei der Bourgeoisie verloren, gewannen sie dafür in den breiten Mafien des Volkes. Jetzt, seit sie an der Regie- rung, ist das genaue Gegentheil der Fall. Da für sie ein Pakt mit den Monarchisten ein Ding der Unmöglichkeit ist, sind sie, um in der Kammer die Majorität zu behalten, un- b e d i n g t auf die U n t e r st ü tz u n g d e r O p p 0 r t u n i st e n angewiesen, die natürlich nicht umsonst zu haben ist. Sie müssen alle ihre früher proklamirten erhabenen Grundsätze verleugnen, sie müssen zeigen, daß sie die Ordnung aufrecht zuerhalten verstehen, d. h. die Arbeiter vor den Kopf stoßen, sie müssen ihre polittschen und wirthschaftlichen Reformpläne in die Tasche stecken, um den guten Bürger nicht zu erschrecken und last but not leasf— die Finanzmogeleien der Opportu- nisten mit dem Mantel christlicher Liebe zudecken. Die Folge ist, daß sie zwar bei der Bourgeoisie nicht gewinnen, denn der sind sie mit ihren doktrinären Schrullen zu unsichere Kantonisten, im Volke aber rapide an Anhang verlieren, wie die Wahl Cluseret'S im Var-Departement, der bisherigen Domäne Clemenceau's, gezeigt hat. Die Unpopularität der Opportunisten kam bisher theilS den Monarchisten, theils aber den Radikalen, also erklärten Anhängern der Republik, zu gut, wem soll die Unpopularität der vereinigten Oppor- tunisten und Radikalen zu gut kommen? Von grundsätzlichen Gegnem der Monarchie sind nur noch die Sozialisten da. Naturgemäß müßte also Alles, was nicht ins Lager der Monarchisten läuft, aber von den erst- genannten Parteien nichts mehr will, die sozialistische Partei verstärken. Dazu gehört jedoch, daß die Sozialisten eine aktions- fähige, nach allen Richttmgen hin unabhängige Partei dar- stellen, und das ist leider nicht der Fall. Sie sind nicht nur in verschiedene Fraktionen gespalten, sondem die eine dieser Fraktionen, und zwar grade die in Paris relativ stärkste, die der sog. P ossi b i listen, hat auch eine Taktik eingeschlagen, die gradezu die denkbar günstigste für den— Boulangismus ist. Jeder überzeugte Sozialist ist ein natürlicher Gegner solcher Allerweltsbeglücker wie Boulanger, das liegt auf der Hand. Wer Alle zu beglücken verspricht, von dem kann man mit Sicherheit annehmen, daß er Alle betrügen wird. Man kann nicht zu gleicher Zeit Freund der großen Geldleute und der kleinen Gewerbtreibendeu, Freund der Latifundienbesitzer und der kleinen Bauern, Freund der großen Unternehmer und der Proletarier sein. Zudem wartet der Sozialist auf keinen Wohl- thäter, sondern weiß, daß die Emanzipation der Arbeiterklasse das Werk der Arbeiter selbst sein wird und sein muß. Soweit es sich also um Herrn Boulanger handelt, wird man es nur in der Ordnung finden, daß die französischen Sozialisten — nnd darin stimmen sie alle überein—• ihn und seine Partei bekämpfen. Aber die Poffrbilisten sind weiter gegangen, sie haben sich so eng an die radikal-opportuuistische Koalition angeschlossen, daß die Kritik dieser bei ihnen ganz aufgehört hat. Es gibt für sie nur noch Boulangisten und Antiboulan- giften, d. h. sie erklären es für die Pflicht der Arbeiterpartei, statt ihre Ueberlegenheit über de»-parlamentarischen Kretinis- mus der Bourgeoisparteien zu beweisen,, wozu doch grade jetzt die beste Gelegenheit vorhanden ist, sich auf denselben einzu- schwöre». Ihr Organ, der„Parti ouvrier", greift mit einer wahren Berserkerwuth Jedm an, der gegen die dunklen Ehren- männer unter den Opportunisten und Gesinnungsverwandten vorzugehen wagt. Das ist aber grade, was Herr Boulanger braucht. Selbst politisch unklar, lebt er von der Unklarheit. Soviel aber hat er, und haben namentlich die geriebenen Advo- katen und Journalisten, die ihn umgeben, weg, sich alle Vor- theile der Opposition zu nutze zu machen. Was kann ihm da angenehmer sein, als wenn die Partei, die nach ihrem Pro- gramm ihm bei der Masse am gefährlichsten sein müßte, sich des gleichen Vortheils freiwillig begibt, und durch das Pro- klaffnren der ganz verfehlten Parole:„Hier Boulangisten, hier Antiboulangisten!" für die ersteren grade die denkbar ange- nehmste Reklame macht. Das ist grade, was Boulanger will, als der Fahnenträger aller wirklichen Oppositton gegen die jetzige Parlamentsmehrheit erscheinen. Aber ist denn eine ent- schiedeue Oppositton gegen dieselbe nicht denkbar, die mit der gemischten Gesellschaft, die sich um den Ex-Kriegsminister schaart, eben so wenig zu thun hat, als mit den abgewirth- schafteten Parlamentsdiplomaten? Es sind uns sowohl französischerseits, als auch von in Frankreich lebenden ausländischen Sozialisten Zuschriften zu- gegangen, die sich in bittersten Ausdrücken über diese Taktik ergehen, wir bringen sie indes; nicht zum Abdruck, weil wir sonst auf interne Angelegenheiten der französischen Sozialisten eingehen müßten und das um der gemeinsam zu vollziehenden Aufgaben wegen lieber vermeide»;. Wir würden die Sache an dieser Stelle überhaupt nicht erwähnt haben, wenn dies nicht zur Beleuchtung der politischen Situation in Frankreich absolut nochwendig wäre. Die. ziveitstärkste sozialistische Partei in Frankreich ist die der Blanquisten. Diese sind, zum Theil aus Opposition gegen die von den Possibilisten eingeschlagene Taktik, in den ent- gegengesetzten Fehler derselben verfallen und richten ihre Ge- schösse fast ausschließlich gegen die opportunistisch-.radikale Koalition. Die andern Fraktionen und Gruppen vermeiden diesen Fehler und treten Boulangisten und Anttboulangisten gleichmäßig entschieden gegemiber, aber Dank der Zerrissenheit der Gesammtpartei ist ihr Einfluß überall nur ein lokaler, auf die allgemeine Entwicklung der Dinge haben sie zur Zeit nur geringen Einfluß. Gegenwärtig belustigen sich die käuipfenden Parteien und Koterien mit dem Waschen ihrer schmutzigen Wäsche. Für jeden Kenner der französischen� Verhältnisse ist es klar, daß keine Partei, die ans Staatsruder gelangt, reine Hände behält. Wo der Staat von altgewohnt her als der allgemeine Wohlthäter betrachtet wird, wo die Bourgeoisie ihren„gesunden" Pro- tektions- und Subventions-Sozialismus so eifrig kultivirt wie in Frankreich, ist das Trinkgelder- und Vetterschaftswesen zu natürlich, als daß man sich darüber verwundern dürfte. Das Uebel ist nur mit der Ursache auszurotten, was aber selbst- verständlich kein Grund ist, das Uebel ungehindert fortwuchem, die Blutegel am Steuersäckel ungestraft sich vollsaugen zu lassen. Bisher waren es fast nur die Sozialisten und einige sozialkonservative Schriftsteller, welche gegen die Verschleude- rungen aus dem Staatssäckel zu Felde zogen, die offiziellen Parteien schwiegen oder beschränkten sich auf Allgemeinheiten. Nachdem aber im Anschluß an den Wilson-Skandal und den Prozeß Gilly der Tanz eröffnet ist, fliegen die Anklagen hin- und heriiber, daß es nur so eine Art hat. Jni Grunde kommt wenig dabei heraus, die gröbsten Schwindeleien lassen sich ge- wöhnlich schwer beweisen, und da bei solchen Anklagen es ohile Uebertreibungen nicht abgeht, so iverdeil ein paar anne Schächer abgeschlachtet, die auf die Aussagen entlassener Kom- Ulis jc. hineingefallen sind, und über den Rest deckt man nach dem Motto: Wer in einem Glashaus sitzt u. s. w. den Mantel christlicher Liebe. Bis dies unvermeidliche Ende da sein wird, zieht jedoch, wiederum Dailk der obengeschilderten Taktik, der Boulangismus gehörig Nahrung aus dem Skandal. Der Boulangismus ist nur der Ausdruck der allgemeinen Unzufriedenheit, ein Parteigebilde, das sich immer neu erzeugen wird, wo die bisher ailerkannteil Parteien sich abgewirth- schaftet, ihre Unfähigkeit, die Situation zu beherrschen, erwiesen haben. Hätten die Radikalen, als sie an die Regierung kamen, die Kammer aufgelöst und mit emem entschiedenen Reform- Programm den Wahlkampf eröffnet gegen Monarchisten und Opportunisten, sie hätten vielleicht die Gefahr vorerst noch be- schworen. Sie haben den Moment verpaßt, und alles Donnern gegen Staatsstreiche und Staatsstreichler hilft ihnen über die Gefahr nicht hinweg, in die sie durch ihre Halbheit sich und die Republik versetzt. Nicht Reden, sondern nur T h a t e n können jetzt noch helfen, haben sie zu diesen nicht den Muth, so werden sie zwischen Boulangismus und Opportunismus aufgerieben werden, bis entweder der eine oder der andere ihnen das Ruder aus den Händen windet. Und in beiden Fällen heißt das Ende vom Liede Reaktion. haltet Euch bereit! Das ist der leitende Gedanke eines Aufrufs, den die s o z i a l- demokratischen Ncichstagsabgeordnetcn soeben an die Genossen im Reich ergehen liehen. Es handelt sich darum, alle Vor- bereitungsmahregeln zu treffen, um für die kommende Reichs- t a g s w a h l gerüstet zu sein, ob sie nun erst am Ende der ganzen Legislaturperiode oder, was mehr wahrscheinlich, viel früher ausge- schrieben werden wird. Der Aufruf lautet: �Parteigenossen! „Nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge würde das Mandat des jetzigen Reichstages im Februar 1890 erlöschen. Aber die Wahr- scheinlichkeit ist vorhanden, daß derselbe früher aufgelöst wird und bereits im Herbst 1889 die Neuwahlen angeordnet werden. Dies veranlaßt uns, Euch zuzurufen: Seid auf der Hut und rüstet Euch! Ieuilleton. Alatt Tisler und die englischen Ritter der Arbeit. (Forksctzung.) Aus diesen berühmten Statuten geht hervor, daß die Höhe der Löhne von den Unternehmern festgesetzt war, und daß man es fiir ungesetzlich erklärt hatte, höhere Löhne als die vorgeschriebenen zu zahlen oder zu empfangen. Klagen über Lohnfragen kamen vor den Gerichten der Lords zur Verhandlung, was ebenso war, als wenn ein Negersklave seinen Herrn auf Zahlung von Lohn verklagt und ihm selber dann die Ent- scheidung überlassen hätte. Wir haben hier in Amerika noch keine„Ar- beiterstaüitcn", da die Monopole auf andere Weise Alles erreichen kön- nen, was früher die Statuten anordneten. Die Herren vermögen es, sich durch Kombinationen, Trusts, Körperschastsrechte, Freibriefe und hunderte Privilegien zu schützen. Da sie im Besitze aller Materialien für den Handel, die Industrie, den Bergbau, das Bankwesen und zum großen Theile auch den Ackerbau sind, können sie in kritischer Zeit die Arbeiter beschäftigungslos machen und so thatsächlich ihren Besitz vcr- mehren, indem sie die Räder der Arbeit zum Stehen bringen und einen Nolhuaiid heraufbeschwören. Sie können es so einrichten, daß auf jeden beschäftigten Arbeiter der Schatten eines Unbeschäftigten fällt, der an seine Stelle zu treten verlangt. Die modernen Lords bedürfen keiner Arbeiterstatutcn, aber wenn sie solche haben wollten, so würden sie da- bei im Staate Illinois keine Schwierigkeiten finden. Eine Legislatur, welche der Verfassung der Vereinigten Staaten so Keulos ist und so wenig von dem Geiste der amerikanischen Republik versteht, daß sie ein Mcrittschcs Verschwörungsgesetz erläßt, würde auch Arbeiterstattitcn machen, wenn das Monopol es verlangt und würde sogar den sechsten Paragraphen der alten Statuten auslassen. Die Arbeiterstatutcn wurden anfänglich von den Arbeitern verletzt und umgangen, so daß sie durch andere Stattlten verschärft Iverden mußten. Entfliehende Arbeiter wurden mit eincni glühenden Eisen auf der Stirn gesteinpelt, wie man in unscreu Tagen Neger gestempelt hat. Es wurde für ein Kriminalvcrgehen erklärt, einen entflohenen Knecht zu beherbergen. Der Widerstand gegen die Statuten nahm die Form von Streiks und ähnlichen Oppositionsniitteln an. Um diese wirksamer Sammelt Geld und abernials Geld, damit Ihr für den Wahl- kämpf mit der nöthigen Munition versehen seid. Der nächste Wahlkampf wird sehr heftig werden. Nicht weil zu befürchten ist, daß die Wählerschaft sich durch Schreckgespenster, wie sie die Kartcllpartcicn in den bcrüchttgtcn Tagen des Februar 1887 durch Wort und Schrift dem Volke vorschwindelten, sich wiederuin einschüchtern lassen wird— die Pikrinsäure, die Bretterbaracken, die Melinftbomben nebst den famosen Bildern, welche die Wehr- losigkeit der deutschen Grenzen dem Philister vorlogen, haben wohl für immer ihre Zauberkraft verloren und auch Herr Boulangcr, der Wau-Wau der Kartellparteien, ist in seiner Nichtigkeit entlarvt — der Wahlkampf wird heftig werden, weil der Reichstag nicht wie die bisherigen Reichstage nur auf drei Jahre, sondern auf fünf Jahre gewählt wird. Diese Verkürzung des Volksrechts ist auch eine Errungenschaft der Kartcllpartcien. Letztere werden alle Anstrengungen machen, sich abermals die Mehrheit zu sichern, einerlei durch welche Mittel. So viel an uns liegt, muß dieser schöne Plan zerstört werden. Die deutsche Arbeiterklasse muß endlich überall einsehen, daß sie aus Parteien nicht bauen darf, welche die reinste Klassenherrschaft re- präsentiren. Dies des Näheren zu beweisen, wird unsere Aufgabe fein, sobald der Wahlkampf beginnt. Wir werden dafür sorgen, daß Euch das entsprechende Material nicht fehlt. , Zunächst handelt es sich darum, wie schon erwähnt, Mittel für den Wahlkampf zu sanimeln. Eure stets bewährte Opferwilligkeit läßt uns das Beste hoffen. Geld kann nie zu viel vorhanden sein. Alsdann ist es eure Aufgabe, überall in den Wahlkreisen Anknüpf- ungen zu suchen und Vertrauensmänner zu gewinnen, welche zu gegebener Zeit die Agitation in die Hand nehmen. Später sind Wahlvereine und Wahlkomite's zu bilden. Nach den Beschlüssen des St. Galler Parteitages, welche fiir unsere Taktik maßgebend sein müssen, sollen in allen Wahlkreisen, in welchen Parteigenossen vorhanden sind, Kandidaten unserer Par- tei aufgestellt werden, für die mit Aufbietung aller Kräfte zu agi- tiren ist. Wo immer also ein Parteigenosse zur Wahlzett sich be- findet, er muß für die Abgabe sozialdemokratischer Stimnien thätig sein. Es handelt sich nicht blos darum, die Vertretung unserer Partei im Reichstag möglichst stark zu machen, es handelt sich nicht weniger auch darum, durch die Abgabe sozialdemokratischer Stimmzettel festzustellen, wie groß die Schaar der wahlberechtigten Staatsbürger ist, die unsere Gesinnuuge» thcilen, in der Sozial- demokratie die Vertreterin ihrer Interessen sehen. Darum Agitation bis in die entlegenste Hütte. Eine Million Stimmen und eine entsprechende Anzahl Vertteter nmß das Min- bcstc sein, was die nächsten Wahlen uns bringen. Dafür müssen wir unsere ganzen Kräfte einsetzen. Ein anderer sehr wichtiger Punkt bettifft die aufzustclleudcn Kan- didatcn. Es müssen Vielkandidaturcn vernüeden werden, wie auch in St. Gallen und früher schon beschlossen wurde. Aber es lvird bei der großen Zahl tüchtiger Kräfte, welche der Tod und andere Umstände ans nnsern Reihen entfernten, hier und da Mangel an geeigneten Kräften eintreten. Viele brave und befähigte Genossen besitzen nicht die Unabhängigkeit der Stellung, um eine Kandidatur annehmen zu können. Es wird also nicht zu umgehen sein, daß hier und da eine Doppelkandidawr vorkommt. Treten solche Fälle ein und sollte eine Doppelwahl daraus hervorgehen, dann erwarten wir von Eurer Disziplin, daß Ihr alsdaim die Entscheidung da- rüber, wo der Doppclt-Gewählte das Mandat annehmen soll, dem später von uns zu ernennenden Zentral-Wahlkomitc überlaßt, das die Frage tinter Hinzuziehung von Vertrauensleuten aus den be- thciligten Wahlkreisen erledigen wird. Wir erwarten also, daß kein Kandidat, welchen! die Umstände eine Doppclkandidatur auf- erlegen, sich im Voraus über die Annahme der Wahl in einem bestimmten Kreis im Falle seiner Doppclwahl verpflichtet. Das allgemeine Interesse inuß über dem Wahlkreisintcrcsse stehen. Parteigenossen! Die Zeiten sind uns günsttg wie nie zuvor. Die arbeitenden Massen fühlen jeden Tag mehr, daß die Dinge auf die Dauer so nicht weiter gehen können, daß gründliche soziale Umgestalttingen nöthig sind,„um die Roth der Zeit und und das menschliche Elend" zu heilen, nicht klägliches Flickivcrk und Stückwerk, wie es bisher unter dem Titel der Sozialresorm ihnen geboten wurde. Und wie der Arbeiter, so leidet auch der Bauer und der Kleinbürger. Alle führen mit ihren letzten Kräften den verzweifelten Kampf um das Dasein gegen die Kapitalmacht und suchen nach Hilfe und Rettung vor dein Untergang. Sorgt also für ihre Aufklärung. Thut Ihr, thun wir unsere Schuldigkeit, dann kann der Erfolg nicht fehlen. Frisch au's Werk! Berlin, den 27. November 1888. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstags. Bebel. Dietz. Frohmc. Grillenbcrger. Harm. Liebknecht. Meister. S a b o r. Schumacher. Singer." Der Aufruf ist jedenfalls sehr zeitgemäß. Wie unsererseits schon wiederholt angedeutet ward, ist es sehr wahrscheinlich, ja m e h r a l s wahrscheinlich, daß eine abermalige Ucberrumpclung der Wähler versucht werden wird, und daß die nächsten Wahlen schon im Laufe des Jahres 1889 stattfinden sollen. Die Regierung weiß, daß sie unter normalen Verhältnissen auf eine Erneuerung der Kartellmehrheit nicht zu rechnen hat, und wird daher sich selbst den zu machen, bildeten auch die Arbeiter Kombinationen, welche nicht unter- drückt werden konnten. Diese Kombinafionen oder Vereinigungen ähnelten im Prinzip und in der Praxis sehr denjenigen, welche die Arbeitsritter unserer Tage angenommen haben. Professor Thorald Rogers sagt in seinem großen Werke:„8ix Centuries of Work and Wages": „Obgleich diese Gesetzerlasse unwirksam waren, so wollte man sie doch wirksam machen, und das wirtte störend; die Landbevölkerung leistete ihnen vereinigten Widerstand. In moderner Sprache ausgedrückt: die Knechte vereinigten sich zu Gewerkschaften(Trades IJnions) und unterstützten einander in der Opposition gegen das Gesetz und in dem Strc- ben nach höheren Löhnen." Dieser Kampf zwischen Kapital und Arbeit blieb bis etwa 30 Jahre nach der schwarzen Pest im Gange. Semen Verlauf können wir in den verschiedenen Gesetzen verfolgen, die vom Parlament gegen die freie Arbeit erlassen wurden. Die allererste Akte, welche nach der schniarzen Pest erlassen wurde, enthält Klagen darüber, daß die Arbeiter„den doppelten und dreifachen Lohn wie früher" verlangen, und daß es Leute gebe, welche sich diesen Forderungen fügen. Im Jahre 1357 beklagt sich eine Akte des Parlaments über„Bündnisse" und„Vereinigungen" von Maurern und Zimmerleuten,„mit Eiden aneinander gefesselt", und spricht von flüchtigen Knechten, die„ihrem Dienst" entlaufen. Das war vor 500 Jahren. Im Jahre 1338 wurden neue Kommissionen eingesetzt, welche die Arbeiterstattitcn durchfiihren helfen sollten, ein Be- weis, daß diese 18 Jahre hindurch mit Erfolg unbeachtet gelassen wor- den waren. In 1377 wurde eine Akte erlassen, welche deutlich zeigt, daß„der große Stteik" auch damals noch im Gange war, und daß er ebenso iinterstützt wurde wie heute, nämlich von Kombinationen und durch Sammlungen für die Stteiker. In besagter Akte wird Klage darüber geführt,„daß die Arbeiter ihren Herren ihre Dienste entziehen, und zwar mit Hülfe ihrer Berather, Gehülfen und Genossen, daß sie ferner sich in großer Anzahl vereinigen, und sich unter einander verpflichten, daß jeder dem anderen helfen solle, den Herren mit starker Hand Wi- derstand zu leisten."*) *) Auch in Illinois gibt es Statuten, die sich ganz so lesen, wie Obiges, obschon es Philosophen gibt, welche uns sagen, daß Revolu- ttonen niemals rückwärts gehen. Dies ist nicht ganz wahr, dagegen ist es wahr, daß sie nicht von selber vorwärts gehen. Wackere Männer müssen sie nach vorwärts schieben. Es gibt stets und in jedem Augenblick wählen, wo es für ihre Zwecke am günsttgsten erscheint, das Volk an die Wahlurne zu rufen. Man mag vom Standpunkt der po- litischen Moral darüber denken wie man will, wir haben uns an die T h a t s a ch e zu halten, daß die Regierung zu solchem Vorgehen die Macht hat, und von dieser denjenigen Gebrauch zu machen gewohnt ist, der ihr gerade in die Rechnung paßt. Tie von der offiziösen Presse erhobene Debatte, ob die Rücksicht auf die Erneuerung des Sozialisten- geseycs eine„abermalige Befragung der Wähler" nöthig macht, zeigt, dafi mau nur nach emem plausiblen Vorwand zur vorzeitigen Auflösung des pattwttschsten aller pattiottschen Reichstage sucht. Die Partei muß also unter allen Umständen und ohne Verzug in vollste Wahlbereitschaft treten, so daß keine Ueberrumpelungcit und keine Ucberraschungen mehr möglich sind. Selbstverständlich haben auch die im Ausland weilenden Genossen sich das zu Herzen zu nehmen und Maßregeln zu treffen, um im geeig- netm Moment schnell und möglichst ausgiebig„Munition" nach Deutsch- land schicken zu können. Das„Doppelt gibt, wer schnell gibt" heißt bei den Reichstagswahlrn: zehnfach, hundertfach gibt, wer schnell gibt. Mancher Wahlkreis kann gewonnen werden, wenn die Genossen von Beginn des Wahlkampfes an, über genügende Mittel verfügen, das Feuer auf allen Punkten gleichzeitig zu eröffnen. Noch einmal, Parteigenossen nah und fern: Haltet Euch bereit! Mörder! In Nr. 46 unseres Blattes(vom 10. November) brachten wir einen, zuerst in, der Wiener„Gleichheit" veröffentlichten Brief zum Abdruck, der die mörderische Behandlung der Kohlcnschauflcr aus Schiffen des Bremer„Lloyd" kennzeichnet. Was in jenem Brief gesagt worden, klang so grauenhaft, daß unser Bruderorgan einen Zweifel an der vollständigen Richtigkeit des Gesagten nicht unterdrücken konnte, und in der That sträubte sich das Gefühl dagegen, an so viel Unmenschlichkeit zu glauben. Aber leider war die Darstellung nicht übertrieben; was der Brief sagte, wird jetzt durch folgende, der„Frank- furter Zeitung" von glaubwürdiger Seite zugehende Erklärung bestätigt: „Unterzeichnete Passagiere, an Bord des Norddeutschen Lloyd-Dam- pfers„Graf Bismarck" auf der Reife von Bremen nach Buenos-Aires begriffen, sehen sich veranlaßt, Folgendes öffentlich festzustellen und eventuell auch die Aufmerksamkeit deutscher Behörden darauf zu lenken. Am 28. September unterm(zirka) 15. Grad nördlicher Breite hatten wir eine so hohe Temperatur, daß der Aufenthalt fiir die im Kohlen- räum beschäftigten Arbeiter, welcher unserer Ansicht nach ungenügend ventilirt war, fast unmöglich erschien, umsomehr als die bcttcffenden Arbeiter nur alle vier Stunden abgelöst ivurden. Ein siebzehn- bis achtzehnjähriger Mann, der als Kohlenziehcr in Bremen angemustert lvar, mußte infolge dieser Umstände zu verschiedenen Malen fast besinnungslos die Arbeit unterbrechen und eröffnete sowohl dem�Schiffsarzte als auch den Passagieren, daß er die Beschäftigung nichff länger aushalten könne und seinem Leben ein Ende machen müsse. Trotz alledem brachte man den betreffenden jungen Mann zwangsweise wieder zur Arbeit. Die Folge davon war, daß der Unglückliche das wahr machte, was er Tags zuvor geäußert: er sprang Nachmittags 2'/- Uhr über Bord und konnte nicht mehr gerettet werden. Am 26. September hatten wir einen zweiten ähnlichen, gewissermaßen noch traurigeren Fall zu vcr- zeichnen. Ein verheiratheter Mann von zirka vierzig Jahren, Vater von drei Kindern, welcher gegen Arbeitsleistung die Ueberfahrt nach Buenos-Aires machte, wurde, nachdem einer der ge- musterten Arbeiter erkrankte, ebenfalls zum Kohlcnziehen herbeigezogen. Der betreffende Mann sprach sich gegen die Passagiere wiederholt dahin ans, daß er bei seiner Körperkonftittition eine derartige Arbeit un- möglich aushalten könne. Dessenungeachtet wurde er selbst dann noch gewaltsam dazu herangezogen, als er fast bewußtlos in krampfähnlichem Zustande auf Deck gefchafft wurde. Dem Schiffs- a r z t e vorgestellt, erklärte dieser den Zustand als Verstellung. Nachdem der Unglückliche sich einigermaßen erholt, wurde er von Neuem in den Kohlenrcmm gebracht. Dort konnte er es natürlich nur ganz kurze Zeit aushalten, die Ohnmächten wiederholten sich in ichr bedenklicher Weise und nach Verlauf einiger Stunden war derselbe eine Leiche. Sollte diesen nicht zu leugnenden Ucbelständen nicht in der Art abzuhelfen sein, daß Ventilatoren angebracht werden oder daß das ohnehin nur mit 30—40 Rlark bezahlte Personal verdoppelt würde? Könnte man einen solchen Arbeiter, statt ihn, namentlich in den heißen Zonen, vier Stunden und mehr arbeiten zu lassen, nicht etwa alle zwei rcsp. eine Sttmde ablösen? Unsere Fabrikgesetze auf dem Festlande schlitzen doch den Arbeiter in jeder Weise, warum geschieht dies nicht auf See? W. Ortlieb ans Kaufbenren. Franz Blanchard aus Erfurt." Wie ans dem Schlußsatz hervorgeht, sind die Einsender durchaus keine„sozialdemokratischen Hetzer", sondern sehr loyale, in Bezug auf die Ansprüche an den Arbeiterschutz durchaus bescheidene Bürger; nur solche können davon reden, daß die deutschen Fabrikgesetze den Ar- beiter ,in jeder Weise schützen. Wer grade aus solchem Munde klingt die Anklage doppelt belastend für die verruchten Mörder. Denn Mörder, infame Mörder sind sie, die Ungeheuer, welche solche Schändlichkeiten dulden, solche schurkische Preisgabe von Menschen- leben hegen und pflegen. Das Mitgctheilte ist kein vereinzelter Fall, es ist System; was der Korrespondent der„Gleichheit" vom Schiffe „Sachsen" des Bremer Lloyd berichtet, wird hier vom Schiffe„Gras Bismarck" derselben Gesellschaft bestätigt. Hier wie dort ganz dieselbe brutale Rücksichtslosigkeit, hier wie dort dasselbe bewußte H i n m o r- Es erscheint etwas räthselhast, wie ein ungebildetes, unterdrücktes Volk, das unter dem Joche der Knechtschaft gehalten wurde, sich erfolg- reich zu vereinigen vermochte, in einer Zeit, in der es weder Zeitungen noch Postverbindungen, weder Telegraphenlinicn noch Eisenbahnen und thatsächlich keine öffentliche Verbindung zwischen den einzelnen Orffchaf- tcn gab. Dieses Räthsel kann nur auf eine Weise erklärt werden. So haben wir uns auch gewundert, wie Sieger, die weit von einander wohn- tcn, von den Vorgängen in den entscrntestcn Landcstheilen erfuhren. Wir schrieben dies, weil wir es nicht anders zu erklären vermochten, dem„Wcinrebcntelegraph" zu. Nun, es hat auch vor 500 Jahren einen solchen„Weinrcbcntclegraph" gegeben und ich glaube entdeckt zu haben, wer die Telegraphisten waren. Einige Jahre vor der Zeit, von welcher hier die Rede ist, hatte John Wickliffc eine Reform in Kirche und Staat begonnen. Einen Theil seiner Pläne bildete die Gründung des Ordens der„Armen Priester", deren Aufgabe es war, von Ort zu Ort zu ziehen, die Laster der Höheren Massen zu schildern, das Volk zu einer besseren Kenntniß der Rechte der Arbeit zu erziehen und die Mittel und Wege anzudeuten, mit deren Hülfe diese Rechte errungen werden konnten. Diese Leute ge- wannen die Herzen der Arbeiter leicht genug, denn sie brachten ihnen Sympathie entgegen. Sic predigten eine Art von radikalem Sozialis- mus und basirten ihre Lehre auf der Dokttin der absoluten Gleichheit, welche— nach ihrer Erklärung— im Garten Eden, wo die mensch- liche Gesellschaft ihren Ursprung genommen hat, von Gott selber einge- setzt worden ist. Diese arnien Priester waren Vorläufer der ftanzösi- scheu Revolution, und zwar 400 Jahre vor dieser. Auch sie prokla- mirlcn die Freiheit, die Gleichheit und die Brüderlichkeit! Ter kühnste und beredteste von diesen Männern, der einzige, dessen Namen die Ge- schichte aufbewahrt hat, lvar John Ball,„der tolle Priester von Kent." Wenn die'Ansichten eines Mannes unserer Zeit weit voraus lind, und besonders, wenn wir keine Antwort auf seine Argumente zu finden Lande ein reiches'reakfionäres Element, welches bestrebt ist, Revolu- tionen nach rückwärts zu schieben.� Außer diesem gibt es ein kon- servatives Element, das stets bereit ist, zu rufen:„Halt! Still ge- standen!"— Der Sturmruf der Menschheit aber lautet: Vorwärts!' Wir können den Massenschritt der Legionen hören, die bei jedem Meilen- stein anhalten, um ein altes Unrecht zu begraben. Es ist das ein har- tes Marschiren, denn der Weg führt bergaufwärts, nicht abwärts, auf- wärts in eine reinere'Atmosphäre und helleres Licht,— auswärts zu einer Hochebene, einem Lande, in dem es gleiches Brod und gleiche Ar- jheit für Alle gibt. den der armen Opfer. Es ist nicht ein roher Heizer, der eine Aus- nähme von vielen bildet, für dessen Handlungsweise man daher Nie- niand verantivortlich machen kann— Ausnahmen kommen ja überall vor— nein, sie machen es a l l e so, und sie machen es berufsmäßig so, die ttapiränc der Schiffe wissen davon und sehen es ruhig mit an, sie helfen sogar den Mördern, indem sie es dulden und ihre Leute dazu hergeben, die Opfer gewaltsam in die tödtliche Glnth zu treiben. Und Niemand macht uns weiß, daß, was das ganze Schissspcrsonal weiß, die Oberleitcr nicht auch wissen— die Herren Direktoren und Vorsteher des„Lloyd", diese bebänderten und besternten Musterbürger. Diese Morde gehören ja zu dem von ihnen mit so großem Erfolge prak- tizirten S p a r s y st e m, wie könnte sie sonst alle Konkurrenz siegreich aus dem Felde schlagen— zur größeren Ehre des deutschen Namens? O diese„Ehre des deutschen Namens", wie viel Verbrechen sind nicht schon ihretwillen begangen worden und werden noch täglich niit ihr als Aorwand begangen l Die Zeiten, wo man glaubte, die Ehre einer Nation liege darin, alle übrigen an Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu übertreffen, sind längst dahin. Heute heißt es nur noch, und grade in Deutsch- land, die andern an R ii ck s i ch t s l o s i g k e i t zu übertreffen, an Rücksichtslosigkeit natürlich gegen die, die zu schwach sind, sich wirksam ilirer Haut zu wehren. Deutschland ist die größte Militärmacht der Welt, Deutschland hat aber die niedrigsten Löhne der modernen Staaten, die höchste Arbeitszeit, die stärkste Bedrückung der Arbeiter.„Auf deutschen Schiffen grade"— heißt es m dem erwähnten Brief an die„Gleichheit"—„habe ich r o h e, u n g e- schliffenc Borgesetzte angefunden, Franzosen und Eng- l ä n d e r sind b c i W e i t e m a n st ä n d i g e r." Und:„e h e r ans einem chinesischen oder sonst einem Schiffe, nur nicht beim„Norddeutschen Lloyd.". Hier, Zhr Patrioten, wenn es Euch mit Eurem Eintreten siir die Ehre des deutschen Namens Ernst wäre, gäbe es etwas zu erröthen, dies Wort aus Arbcitcrmunde müßte Euch die brennende Röthe der Schani ins Gesicht treiben, Euch zum leidenschaftlichen Protest, zur energischen Aktion entflammen gegen diese Mißstände, zur Aktion, die nicht rastet und nicht ruht, bis ein solches Wort ein Ding der Unmöglichkeit isl. Aber dafür habt Ihr das Gefühl verloren, nnd darum werden w i r dafür sorgen, diese Schmach von dem Schilde des deutschen Namens zu entfernen; darum haben wir es uns zur Pflicht gemacht, derartige Ver- breche» rücksichtslos zu brandmarken und die Verbrecher unbarmherzig an den Pranger zn stellen. Zunächst aber rufen wir die z u st e h e n d e B e h ö r d e auf, ihre Pflicht zu thun und die Mörder vor Gericht zur Verantwor- t u n g zu ziehen— die Mörder und ihre Mithelfer! Soucholitische Lulldschatl. London, 5. Dezember 1888. — Aus dem Reichstage. Unsere Abgeordneten haben gleich in den ersten Sitzungen der neuen Session Gelegenheit genommen, cner- gisch in die Debatten einzngreifcn. Zum Reichs- Etat sprach Lieb- I n e ch t, zum ersten Mal als Vertreter eines Berliner Wahlkreises. Wie verschieden auch, je nach den betr. Standpunkten, die Urthcilc über seine Rede lauten, das Eine können sie nicht bestreiten, daß Liebknecht die Debatte erst ans dem Fahrivasser rein technischer Erörterungen auf das Niveau hob, auf das sie gehört: zu einer a l l g e ni e i n e n K r i- tik der Reichspolitik. Ohne damit jedes Wort, das er ge- sprochc», buchstäblich unterschreiben zu wollen. können wir seiner Rede, wie sie uns im Stenogramm vorliegt, nur volles Lob spenden. Sie ist energisch und gehaltvoll, frei von aller Deklamation und doch lischt trocken. Daß sie eingeschlagen, beweisen die verunglückten Widerleg- nngSversnchc der Herren B ö t t i ch e r und Bennigsen, bei welcher Ge- legenheit der neugebackene nationallibcrale Oberpräsident von Hannover das Glück hatte, den preußischen Minister in Pnnkto Entwicklung reaktionärer Grundsätze noch um drei Nasenlängen zn schlage». Die Revolutionstheorie, die Bennigsen zum Besten gab. zeigt von ebenso gründlicher Geschichtskcnntniß wie tiefem Vcrständniß der sozialistischen Bestrebungen. Aber wie Marx sagt, wenn es das Eigcnthuin zu retten gibt so liebt man es heutzutage, auf den Kindcrfibel- Standpunkt her- abzusteigen. Puttkamer wird grün und gelb vor Neid geworden sein, als er diese Rede las._, Es fehlt uns leider der Raum, Liebknechts Rede genauer zu analy- sircn, die Genossen werden ihren Gedankengang aus den Tagesblattern ersehen, deren Berichte in Bezug ans korrekte Wiedergabe der Lieb- kilecht'schen Erklärungen allerdings viel zu wünschen übrig lassen. Wir werden daher einige der wichtigeren Stellen ans derselben in nächster Nummer zum Abdruck bringen.. Am 29. Novcniber sprach Singer zu einem von den Deutschsre,- sinnigen eingebrachten Antrag, den Bock auszufordern, sich die Beauf- sichtigiiiig des Gemüsegartens angelegen sein zu lassen. nämlich den Reichskanzler zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß die verbündeten Re- gicriingen ihre Beamten instruircn, die aus das Versainmluiigswcsen, Wahlagitation bezüglichen Paragraphen des Sozialistengesetzes, der Rcichsgewcrbcordniing und des Reichswahlgesetzes genau zu beobachten. Singer benutzte den Antrag, um in längerer Rede die schreiende Willkür, die in alle» diesen Dingen heute herrscht, an der Hand zahlreicher Beispiele zu»k e n n z e i ch n e n, ließ aber im Uebrigcn keinen wissen so ist es sehr beguem, ihn einen Crank(d. h. überspannt) zu nennen Das war die Antwort, welche Ball erhielt; man nannte ihn verrückt. Zwanzig Fahre lang durchreiste John Ball btt östlichen Grafschaften Englands und predigte— Sozialismus! schließlich gelangte die Rcgicnlng zu der Ansicht, daß man ihm am besten aiittvortcn würde, wenn man ihn henkte. Sie henkten ihn-auch aber sie thatcn es 20 Fahre zu spät' Er hatte seine Arbeit vollbracht! Er hatte die«aat der Freiheit schon gesact! Als nian das Leben ans dem Körper Balls hcraiiswürgte, da vergaß man, auch die Reden hcraiisznwürgen, die er in den 20 Jahren vorher gehalten hatte. Zu letzterem gab es freilich in England nicht Stricke genug. Die Reden John Balls waren von Mund zu Mund gegangen, bis sie für lcden Arbetter Englands zu einer Inspiration, einer Hoffnung geworden waren zu einem Versprechen der Erlösung, das ninliner vergessen werden konnte. Die Worte der Wahr- hcit, der Gerechtigkeit sind die Worte des ewigen Lebens und kein Hen- �Xei1 Genius John'Balls ist seit 500 Jahren die Inspiration jeder Volksbewegung in England geivescn, und auch von ihm können wir, wie von einem ähnlichen Charakter, der vor nicht gar langer Zeit ge- henkt wurde, sagen:... „John Balls Korper liegt Faulend in der Gruft, Doch sein Geist geht lins voran!" Der enalische Historiker sagt über ihn(John Ball):„Wenn ihn auch die"and ia tthich r toll nannten. so ist es doch Thatsache, daß John Ball den �gländern als Erster die Menschenrechte erklärte und dem " aE"? ,l"»of iS'Äf'Si fei«'«»'« mchi in ÄÄ'tÄÄ Nur Weniges von dem, was er getagt hat, ist uns libcrlicfcrt worden, aber dieses Wenige setzt uns in den stand, über das Ganze zu ur- theilcn. �Guttf Le'ilte' Solange es Kirchen und Herren gibt, solange die Gitter nicht gcmcinsanl sind, kann es nicht giu werden in England. Was bercclitiat Dieiciiiacn welche wir Herren nennen, sich besser zu dünken, M wir es N Wodurch haben sie dergleichen verdient? Weshalb halten sie' iins in Knechtschaft? Wenn wir denn doch von dcm,elbe» Eltcrnpaarc, von Adan- und Eva, abstammen wie können sie sagen oder beweisen daß sie besser sind als wir, außer daß sie es damit be- gründeten daß wir im Schweiße unseres Angesichts das erwerben, was Zweifel darüber aufkommen, daß er sich von dem Antrage absolut nichts verspricht, solange der Bock— Reichskanzler ist. Da die Kartellmehr- heit derselben Ansicht ist, so stimmte sie dem Antrag„prinzipiell" zu. Und in der Praxis bleibt„Thema" verboten. Eine Polemik über die Wirkungen des Kunstbuttergesetzes gab am gleichen Tage Bebel Gelegenheit, den Agrariern ihre Volks- feindlichen Pläne, die sie seinerzeit bei Schaffung des Gesetzes mit dem- selben verbunden, und die sie jetzt gerne abstreiten möchten, gehörig unter die Nase zu reiben. Bekanntlich ivollten die Herren durch die Verpflichtung des Blaufärbens der Kunstbutter den'Genuß derselben dem Volke verekeln, damit der Preis der sog. Naturbutter in die Höhe schnelle. — Der Ausruf der sozialdemokratischen Rcichstagsabge- ordneten bezüglich der Vorbereitungen zu den Neuwahlen hat in der Reptilpresse, nainentlich der nationalliberalen, einen Sturm deiinnziatorischer Wuth hervorgerufen. Er wird als„revo- lntionär",„umstürzlerisch" bezeichnet, nnd die Behörden werden ziem- lich unverblümt zum Einschreiten aufgefordert. Nun— abwarten und Thec trinken. Wie die Denunziation in den maßgebenden Kreisen auf- genommen wird, ist uns ziemlich gleichgiltig. Was allein uns an der Sache interessirt, ist die symptomatische Bedeutung. P u t t- kam er's Geist geht herum, und es wird gegenwärtig von den rcak- tionären Krautjunkern ein Anlauf gemacht, um erstens die Wieder- cinsetzung des„schneidigen" Jhring-Ptahlow-Mannes zu erwirken, und zweitens die Aufhebung oder Umgestaltung des Sozialistengesetzes zu verhindern. Ob diese Bestrebungen Aussicht auf unmittelbaren Erfolg haben, das wissen wir nicht. Und zwar ans dem einfachen Grund, weil in den maßgebenden Kreisen, zu denen wir die höchsten und allerhöchsten rechnen, eine rathlose Zerfahrenheit herrscht und die entgegen- gesetztesten Pleinungcn und Pläne>vild durcheinander wogen. Das wunderbare DesorganisationStalcnt des Kanzlers Eiscnstirn bethätigt sich jetzt in der denkbar wirksanisten Weise. Die Zeit ist herangekommen, wo er seine politische Familiendomäne ganz oder theilweisc abgeben muß. Und da entwickelt sich denn jenes wüste Tohnivabohu, welches wir seit Jahren für diesen Zeitpunkt vorausgesagt haben. Alles war nach den persönlichen Launen und Interessen des Rcichshamsters eingerichtet wor- den, der keinen Andere» neben sich duldete nnd sein Leben lang nach dem Grundsatz handelte, daß jedes Machtpartikelchen und jeder Groschen, der nicht in seine Hände und in seine Tasche gelangt, seinen Be- ruf verfehlt habe. Jetzt haben nun fremde Hände m den Reichs- Hamsterbau hineingegriffc», und ivohl die schönste Ordnung im Sinne des Hamsters und seiner Sippe, aber auch die denkbar größte Kon- fusion im Sinne des Reichs gefunden. Familie und Staat sind in einen unentwirrbaren Knäuel zusammeugeballt, und wohl mancher Faden, manches Band wird zerrissen, mancher„kühne Griff" wird ge- niacht, und mancher Personenwechsel ivird vorgcnominen werden müssen, ehe dem Chaos des Kehraus eine erträgliche Ordnung gefolgt ist. Jedenfalls ist es mit dcni Reichshamstcr-Slbsolutismus vorbei. Wir erwähnen diese Vorkommnisse in den obersten Regionen nur, um die Unsicherheit und Ungewißheit der Lage zu kennzeichnen. Das traurigste Bild der Rathlosigkeit bilden übrigens die Ratio- na k liberalen, deren„staatsmännischcr" Führer Bennigsen in seiner Antwort auf die Licbknecht'schc Etatsrede den Jammer und die Angst dieser Eunnchenpartei zum klassischsten Ausdruck brachte. Daß die Rede Liebknccht's dem Reptilgcsindcl zu den gistigsteii Angriffen und gemeinsten Verdrehungen Anlaß gegeben hat, versteht sich von selbst. Das Pack qnittirt durch sein Geheul blos die Peitschen- hiebe, welche es erhalten. — Die Herren sind noch nicht genug gcdciniithigt. Ter Berliner Magistrat, an dessen Spitze der freisinnige Herr von Forkcnbcck steht, hat es fertig bekommen, in einer Veröffent- lichung ini Gemeindeblatt Wilhelm II.„S e. M a j e st ä t unser n kaiserlichen Herrn zu nennen.„Wir wissen nicht", bemerkt dazu die„Berliner Volksztg.",„weshalb der Magistrat in seinen amt- liehen Veröffentlichungen von dem Gebrauche abweicht, welcher in den amtlichen Schriftstücken aller Behörden befolgt wird. Da heißt es stets„Seine Majestät der Kaiser und König", nnd dabei kann es auch der Berliner Magistrat belassen. Die von dem Magistrate jetzt nicht zum ersten Male gebrauchten Worte sind von der„Krcuzzeitting" in die jonrnalisttsche Sprache eingeführt nnd vom Reichskanzler in seinen parlamentarischen Reden mehrfach gebraucht worden, es liegt aber hierin kein Grund für den Magistrat, sie nunmehr auch in seinen amtlichen Veröffentlichungen anzuwenden. Schon verfassungsmäßige Bedenken miiß- ten ihn davon abhalten." Das stimnit, denn der Magistrat der Stadt Berlin besteht nicht oder soll wenigstens nicht bestehen aus Bedienten des Kaisers, sondern aus Leuten, die Vertrauensleute des Volkes von Ber- l i n sind, und darin allein ihren Rechts-, ihren höchsten Ehren- t i t c l erblicken. Der Kaiser ist Regent des Landes, aber auch nicht des letzten Landesangehörigen„Herr" Er hat dein ärmsten Dorfpro- lctarier nichts zu befehlen, gcschlveige denn dem Magistrat der Hauptstadt Berlin. Man könnte freilich sagen, Verfassung hin, Verfassung her, das ist Larifari, der Kaiser thut eben doch, was er will, und die Andern haben zu parircn; aber wenn der Kaiser sich Rechte usurpirt, die er nicht hat, seine Stellung in einer Weise deutet, die mit Sinn und Wortlaut der Verfassung im Widerspruch stehen, ivenn er den Magistrat als seine Lakaien behandelt, nun, so hat dieser, wenn er das Herz ans dem rechten Flecke hat, doppelten Grund, sich und seinem Rechte formell wie materiell nicht das Geringste zu vergeben, um so eiftiger bei jeder Gelegenheit seine rechtliche Stellung zum Ausdruck zu bringen. sie im Ucbcrmuth verschwenden! Sie haben Wein, haben Gewürze und feines Brod; wir haben Haferbrod und Stroh und müssen Wasser saufen. Sie haben Muße und prächtige Wohnungen; wir haben Mühe und Arbeit, Regen und Sturm auf den Feldern und doch verdanken jene all' ihre Gitter uns und unserem Schaffen!" Noch cinnial zitirc ich Green:„Die Eigcnthumstyrannci wandte sich auch damals, wie immer, gegen den Sozialismus. Natürlich ein Sozia- lismus im Geiste des Mittelalters, welcher in dem Reime Ausdruck fand: „Als Adain pflügt' und Eva spann, Wo war denn da der Edelmann?" Professor Rogers sagt:„Witcliffe und seine armen Priester hatten den Geist des Lölkes mit einer Denkungsart„durchseucht", welchen man füglich„religiösen Sozialisnms" nennen könnte... Der Sttirm, den kein Politiker jener Zeit crivartete, brach am 10. Jnli 1381 aus. Die Bevölkerung des Hochlandes erhob sich wie ein Mann. Der Aufftand erstreckte sich von der Küste von Kent bis nach Scarborongh(Nordost- England) und durch alle östlichen Grafschaften. Im Westen ging er von Hampshire bis nach Läncashire." Aus allein diesem geht hervor, daß diejenigen, welche damals die „Gewerkschaften" nnd die„Arbcitsritter" organisirten, die armen Priester waren. Die Treue dieser nnd der Arbeiter selbst wird da- durch bewiesen, daß sich in ihren Reihen keine Angeber, keine Pinkertons befanden, welche„die Behörden auf dem Laufenden gehalten hätten." Die Regierung war vollständig überrascht, als am 10. Juni 1381 die Revolution ausbrach. Ans diesen Tag muß man sich vorher geeinigt haben, denn der Aufstand wurde in allen Grafschaften gleichzeitig in Szene gesetzt. Watt Tylcr wurde zum Leiter des Aufstandes ernannt. Wer dieser Mann>var oder wie sein wirklicher Name lautete, werden wir niemals erfahren. Man kam im Allgemeinen überein, daß er ein Soldat ans dem französischen Kriege gewesen sein müsse, und das ist wohl auch wahrscheinlich, denn es hat etwas für sich, anzunehinen, daß ein in der Revolution begriffenes Volk sich als Leiter einen Mann von militäri- iclicr Erfahrung und erprobtem persönlichen Muthe aussucht. Daß Watt -ryler fähig war, eine Arbcitcrgruppc in eine bis zu einem gewissen Grade disziplinirtc Armee zu verwandeln, beweist der Ilmstand, daß er die Qualisikation znm Führer hatte; und die Gewandtheit, mit welcher er London eroberte und den Tower stürmte, schuf die stärkste lieber- zeugimg, daß er, wenn er nicht ermordet worden wäre, die Regierung gestürzt und der Revolution die Krone aufgesetzt haben iviirde. Es ist nicht platterdings unmöglich, daß sein richtiger Name Tyler war, aber Was der chrenwerthe Berliner Magistrat thut, ist genau das Gegen- theil davon. Er selbst thut alles Mögliche, seine rechtliche Stellung in falsches Licht zu setzen. Er selbst drückt sich in einer Weise aus, die ein Abhängigkeitsverhältniß zwischen ihm und dem Kaiser voraussetzt, und er beugt den Rücken, wo er sich aufrichten und die Faust zeigen sollte. Die Knechte sind noch nicht genug gcdemüthigt»vor- den, sie verlangen sehnsüchtig einen zweiten Fußtritt. Hoffentlich läßt er nicht lange auf sich warten. Sie haben ihn wirklich redlich ver- dient. — Internationale Arbcitcrkongrcssc. Nachdem es den deutschen Arbeitern durch die Engherzigkeit des Parlamentarischen Ausschusses der englischen Gewerkschaften unmöglich gemacht ivorden war, den für November dieses Jahres nach London berufenen„Internationalen Kon- greß" zu beschicken, mußte der Plan, den Beschluß des St. Gallener Kongresses im Laufe dieses Jahres zur Ausführung zu bringen, auf- gegeben werden. Von der Fraktion wurde der Beschluß gefaßt, den Kongreß im n ä ch st e n I a h r e in der S ch w e i z abzuhalten, nnd Seitens der Schweizer Freunde wurde auch die Bereitwilligkeit erklärt, die nöthigen Vorarbeiten zu treffen. Inzwischen wurden aber diese Dispositionen durch die Ereignisse ge- ändert. Ter nationale Kongreß der französischen Gewerkschaften und Fachvereine, welcher Ende Oktober in Bordeaux zusammentrat, nahm die Einladung zu dem in der Schweiz zu veranstaltenden Kongreß zwar auf's Sympathischste auf und beschloß einstimmig die Beschickung, gleichzeitig aber richtete er auch an die deutschen Arbeiter die Ein- ladung, den vom Aordcauxer Kongreß beschlossenen, für nächstes Jahr in Paris geplanten internationalen.Kongreß zn besuchen. Und acht oder zehn Tage später faßte der L o u d o n e r i n t e r- nationale Gewerkschaftskongreß, welcher sich erfolgreich gegen die Engherzigkeit des Parlamentarischen Ausschusses auflehnte, den einstimmigen Beschluß, im nächsten Jahre einen internationalen Ar- bciterkongrcß in Paris abzuhalten. Die Beschlüsse dieser beiden Arbcitcrkongresse konnten v o n d c n deutschen'Arbeitern nicht ignorirt werde». Und es fragte sich jetzt blos, ob, angesichts der Thatsache, daß im nächsten Jahre ein internationaler Kongreß in Paris stattfinden wird, die mit Ausführung des St. Gallener Beschlusses betraute Fraktion der dcut- scheu sozialdemokratischen Abgeordneten an dem Plan festhalten würde, den Kongreß nächstes Jahr in der Schweiz stattfinden zn lassen. Nach reiflicher Erwägung gelangte man zur Berneinung dieser Frage. Von dem Plan, nächstes Jahr einen Kongreß in der Schweiz abziihalten, ist Abstand genommen, und es ist beschlossen worden, eine Einladung zum Pariser Kongreß an zunehmen— aller- dings unter der Voraussetzung, daß die französischen Arbeiter sich b c- züglich dieses Kongresses einigen. — Die„huldvolle Aufnahme", welche die B r e s l a u c r Tal- mi- Arbeiter bei dem deutschen Kaiser gesunden, und der Wunsch desselben, im ganzen Lande herum solch schöne rcichstteue Fackelzuge wiederholt zu sehen, werden hoffentlich ihre Wirkung nicht verfehlen. Die Veranstalter des Breslauer Späßchens haben bereits eine Loyali- tätskollekte organisirt, der L o y a l i t ä t s- B e t t c l h u t geht bereits herum, und der famose L o y a l i t ä t s f r a ck aus den Zeiten des großen Vcrfassungskonflittcs ist schon frisch aufgebügelt,— der Rummel kann also losgehen. — Lämmcr-Politik. Die„Kieler Zeitung", eines der Haupt- organc der D e n t s ch f r e i s i n n i g c n, verwahrte sich neulich mit großer Emphase gegen den von der kartcllbrüdcrlichcn Berliner„Post" erhobenen Vorivurf, daß die Freisinnigen in Flensburg zur Wahl eines „dänischen Demokraten" mitgewirkt haben.„Diejenigen Konservativen", schrieb das dem Syrupsrcdncr Hänel befreundete Blatt,„denen der Hergang bei der damaligen Wahl bekannt ist, werden der„Post" nicht sehr dankbar sein, daß sie an diese Sache wieder erinnert, denn Ehre hat diese Partei sich bei der in Rede stehenden Wahl nicht eingelegt. Nicht Freisinnige, sondern Konservative, speziell Agrarier, waren es, welche im Jahre 1881 die Wahl des dänischen Kandidaten Johannscn vcranlaßten. Und hier kam nicht einmal die Theorie vom geringeren llcbcl, welche sonst mitunter Wahlkomvromisse schließen läßt nnd die Wähler zur Stimmabgabe für einen ihrer Partei nicht angehörenden Kandidaten oder zur Wahlcnthaltung veranlaßt, in Betracht. Nein, es war das doppelte Uebel, welches man wählte, denn Johannscn war Liberaler und Däne zugleich, aber man wählte ihn, iveil man dem Wahlkanbidaten, den man in dem deutschen Thcile des Wahlkrciscs�bci der Hanptwahl als Gegner zunächst und hauptsächlich bekämpft hatte, den Sieg nicht gönnen mochte. Dagegen haben bei den späteren Wahlen die Freisinnigen, weil sie die n a t i o n a l e F r a'g c als z n wichtig ansahen, geqon den Dänen, obgleich der- selbe freisinnige A» sch a» n n g e n hatte, und für den dem Kartell angehörenden deutschen Kandidaten g e st i m m t." „Spottet ihrer selbst und weiß nicht wie"— drastischer kann man die Länimerpolitik der Dcutschfreisinnigen gar nicht kennzeichnen, als es durch dieses von der„Kieler Zeitung" angezogene Beispiel geschieht. Da werden sie von der offiziösen Meute jahraus, jahrein als Reich s- feinde denunzirt und dem Abscheu aller Gutgesinnten preisgegeben, und wenn es in ihrer Hand liegt, sich an ihren Feinden zn rächen nnd denselben eine eklatante Niederlage zu bereiten, fühlen sie kein anderes Bcdürfniß als nur ja zu bcivciscn, daß sie gute, ivohlcrzogene Kinder sind. Und anstatt dirett für den Kandidaten zu stimmen, der, mag er so„reichsfeindlich" sein als er will, der Sache des deutschen Volkes wahrschemlich ist es nicht, denn die Leiter der Verbindungen verbargen sich hinter falschen Namen wie z. B. Jack Straw, Jack the Miller, Tom the Carter, Piers Plowman, Ralph Trewman, John Nanclcp und ähn- lichen Umschreibungen, durch welche sie bei ihren Freunden, nicht aber bei den Behörden bekannt waren. Es ist daher sogar wahrscheinlich, daß Watt the Tyler ein Pseudonym war. Ich bin in der That zu der An- ficht geneigt, daß Watt Tyler nnd Jack Straw verschiedene Namen siir dieselbe Person waren, doch ist dies nur eine Mnthmaßilng von mir. In der Geschichte kommen diese Namen in Verbindung mit vcrschic- denen Personen vor. Vielleicht waren es ja auch verschiedene Personen. Allgemein glaubt man, Watt Tylcr sei ein Schmied gewesen, aber ich glaube, daß auch diese Annahme nicht genügend bewiesen ist. Nachdem die Stadt von den Rebellen eingenommen ivar, gab der König einer Dclegatton von ihnen zu Mile End im östlichen Thcile der Stadt eine Audienz und fragte sie nach ihren Wünschen nnd Absichten. Ihre Antwort lautete: Wir wollen, daß man für alle Zeiten frei mache uns selbst, wie unsere Erben und unser Land; wir wollen nicht mehr Sklaven sein oder so genannt werden. Auf diesen Wunsch ging der König ein, und der ganze Tag wurde damit zugebracht, Frciheitsbriefe und Amnestieschreibcn auszufertigen. Ein allgenicincr Pardon wurde den Rebellen gewährt und, trauend ans das königliche Wort nnd die Frei- heitsbricfe, ivclche mit dem Großsiegel versehen waren, ging das Boll auseinander und suchte seine Wohnungen wieder auf, während 30,000 Leute bei Tyler blieben, um den gcivonncnen Sieg zn sichern. Es ist merkwürdig, daß die Bauern auf dem Wunsch bcharrten, daß sie die von ihnen bcbantcn Farmen als Eigcnthnm haben ivollten. Dies ereignete sich Alles am Freitag und am Samstag traf Tylcr mit dem König in Smithfield zusammen nnd wurde, wie ich schon vor- her erzählte, gctödtct. Seine Leute erhielten vom König die Versiche- rung, daß er selbst den Platz ihres gesallenen Führers übernehmen nnd ihnen ihre Rechte und Freiheiten schützen werde. Die Leute waren durch den Verlust ihres Generals plötzlich muthlos und schwach gewor- den, und so gingen sie denn auseinander und begaben sich zu ihren Familien.. m. Als die Gefahr für den Staat vorüber war und die Regierung!>ch sicher fühlte, begann die übliche Rachepolitik. Die Freiheitsbriefe wnr- den widerrufen, Verfolgungen vorgcnomnicn und mehrere himdcrt Rc- bellen aufgehängt. (Schluß folgt. absolut keinen Schaden, durch seine Stimme aber der Sache der Oppo- sitlon, nach der Ansicht der Dentschsrcisinnigen also der des Rechts, nur Runen bringen kann, oder wenn sie nicht für ihn stimmen, so doch wenigstens es ihren Feinden zu überlassen, wie sie mit ihm fertig werden, laufen sie hin und stimmen für die Kartellbrüder— wegen der„nationalen Frage". Und das, nachdem ihnen die geaichten Vertreter der .Reichstrene" bei einer früchcren Gelegenheit bereits gezeigt, was diesen, den Schoßkindern der sttegicrnng, diese nationale Frage Werth ist. Im Kampf mir den Wölfen verfolgen sie die Politik der Lämmer, denn was ist nothwendiger als der Welt zu beweisen, daß man nur zu blocken, nichts als zu blocken, aber beileibe nicht zu beißen im Stande ist?! — Neber die Zlnssichten der Kartcllbriidcr bei den nächsten Wahlen, wenn dieselben unter normalen Verhältnissen— ohne Kriegswauwau k.— vor sich gehen, giebt folgende Zusammenstellung der„Poscncr Zeitung" Auskunft: „Bis jetzt haben bei den nenn Nachwahlen in Querfnrt-Mersebnrg, Sagau- Sprottan, Greifcnberg-K ammin, Altcna-Jserlohn, Sternberg, Berlin VI., Ansbach-Schwabach, Schlochan-Flatow und Stade die Kar- tcllpartcicn n n r i n d r c i W a h l k r e i s e n von acht, in welchen sie 18«7 gesiegt hatten, ihre Sitze behauptet, darunter in einem lSchlochau) mit llnterstützniig aller deutschen Wähler; sie haben vier Wahlkreise an die Freisinnigen, einen an die Volkspartei verloren, einen Kreis(Berlin VI.) haben die Sozialdemokraten behauptet. Wenn man die Stimmenzahl bei diesen neun vorliegenden Wahlen und beider jetzigen„ersten" Wahl in Rtelle-Tiepholz, wo die Stichwahl noch ans- steht, in Betracht zieht, indem man K a r t e l l f r e n n d e und Kar- t e l l g e g n c r einander gegenüberstellt, so ergicbt sich folgendes Resultat. Die Kartellfrcnnde erhielten bei den entscheidenden Wahlen 1887 in den zehn Kreisen 108,15«,, bei den Nachwahlen«-6,884, die Kartellgcgncr 1887 101,71!), bei den Nachwahlen 09,654 Stimmen. Die Anzahl der Kartellstimmen hat sich also um 8 0,2 7 2— 37 pCt., die ihrer Gegner mir um 2065= 2 p(5 t. verringer t." Durch die letzten Nachwahlen in Anklam-Demmin und Jnsterburg ist inzwischen auch das Minus von 2065 Stinimen nicht nirr Iviedcr ein- geholt, sondern auch noch ein hübsches Plus hinzugcivonnen worden, während das Defizit der K a r t e l l b r ü d e r sich um za. 4000 Stimmen gesteigert hat. Nur hübsch so fort gearbeitet, wie bisher, und die Herren werden ihr blaues Wunder erleben. — A« die falsche Adresse gerichtet.„Der„Sozialdemokrat" entschädigt sich in den auf Teutschland bezüglichen Angelegenheiten durch eine R o h h e i t der Sprache, die alles selbst in den Spalten dieses Sozialistenorgans bisher Dagcivescnc weit in den Schatten st c l l t. Das Blatt hat mit seiner Ucbersiedclnng ans englischen Bo- den niit jeder Rücksicht auch jeden Rest von Scham abge- st r�c i f t." So der„Hamburger Korrespondent", der, seit er ans einem anstän- digen konservativen Blatt ein Organ der Kartellbrüdcrschaft geworden ist, jeden Rest von Logik abgestreift zu haben scheint. Zunächst: über- raicht es den Korrespondent der Puttkamcr-Krügcr'schen Spitzele! wirk- lich. daß wir, ans das Drängen seiner guten Freunde hin vom Schwei- zcrboden vertrieben, nicht die geringste Neigung verspüren, unsere Feder von jetzt ab in Rosenwaffer zu tauchen und von einem Lande her, das der Presse das Recht der schärfsten Kritik zuerkennt, die Ehrenmänner, die den nichtswürdigen Schlag gegen uns geführt, und die heute in Deutschland mehr als je das große Wort führen, mit Glacehandschuhen anzufassen? Zu solcher Lämmcrtugend haben wir um so weniger Veranlassung, als iinsre Widersacher sich zwar auf ihr Ehristenthnm sehr viel zu Gute thnn, aber den Grundsatz des„Liebet Eure Feinde, thuet Wohl denen, die Euch verfolgen zc." jeden Tag durch ihr Verhalten Lügen strafen. Uns aus der Rücksichtslosigkeit unserer Sprache einen Vorwurf zu machen, sind Diejenigen zu allerletzt befugt, die im Bis- marckkultus den Kultus der Rücksichtslosigkeit im Sprechen und Hau- dein in Teutschland errichtet haben. Jndeß Rücksichtslosigkeit ist noch nicht Rohhcit, wenigstens bei uns nicht. Grade in dieser Hinsicht unter- scheidet sich unsere Sprache von der der Kariellpressc, den„Hain- burger Korrespondent" nicht ausgenommen, Wohl ist unsere Sprache offen und auch derb, aber Rohheit wird man vergeblich in unser» Spal- teil suchen. Wir hassen alles Rohe, wir, die Erstreber einer höheren Kultur, die Kämpfer für eine Organisation der Gesellschaft, die nicht auf der rohen Gewalt, sondern auf den Grundsätzen der Freiheit und Gerechtigkeit aufgebaut ist. Wir hassen aber auch die Lüge, und wenn wir die Dinge beim rechten Namen nennen, so mag das den modenieu Ohren unangenehm klingen, die verwöhnt sind durch die für anständig geltende, alles Schlechte verbrämende Heuchelei der Ehrbarkeit, aber das ist nicht unsere Schuld, sondern die Schuld der Dinge, um die es sich handelt, oder richtiger der Personen, die diese Tinge verübt. In den Ohren derer, die gestohlen, hat das Wort„Dieb" cinen sehr häßlichen Klang, und doch ist es ein legitimes Wort der deutschen Sprache. Aber freilich, wenn der Dieb— nicht doch, der geschickte Spekulant, Hnndcrttaiisende und Millionen auf iiilehrlichem Wege angeeignet hat, wenn er über dem Staatsanwalt steht, dann wäre es maßlos roh und hieße jeden issest von Scham abstreifen, den Herrn von Ehrlich, den Geheimrath Biedermann oder den Minsster Rcinehand als cinen Dieb hiilznstelleil. lind dasselbe gilt von dem Ehebrecher, dem Be- trüger, dem Fälscher, bis herab zum Mörder. Den Diebstahl, den Mord abstrakt verurtheilen, daö ist— schön und edel, ihn an den kleinen Dieben, Betrügern, Fälschern und Mördern brandmarken, das ist tugendhaft, ihn den fremden Nationen anhängen, das ist patriotisch, aber die Großen im eigenen Land, die Machthaber und ihre Helfers- Helfer daheim nach ihren T h a t e n zu beurthcilen, das ist der Gipfel der Rohheit, das heißt der Scham alle Grenzen abstreifen. Wir sind anders organisirt, wir halten die Laster und Verbreck)«» der Großen für nicht minder bckämpfcnsivcrth, als die der Kleinen, und so lange wir unsere Feder noch führen können, soll sie in diesem Sinne geführt werden, ohne Rücksicht auf die falschen Anstandsgesctze einer vcrhcucheltcn Sitte. Wem das nicht paßt, der mag sich an die Großen wenden und sie bitten, ihre Handlungen nach ihren Worten einzurichten, aber uns soll er— ungeschoren lassen. — Noch eine Vcrurthcilung wegen des G e n t l c m a n K r o h m. Der Redatteur der„Berliner Zeitung", Paul Ehrentraut, der den Krohm ebenfalls im Hinblick auf die Veröffentlichung der Eiser- neu Maske als Polizeispitzel bezeichnet halte und dafür vom Schöf- fengericht in Berlin zu drei W o ch e n G e f ä n g n i ß vcrurtheilt wor- den war, ist jetzt endgiltig von der Strafkammer des Berliner Landge- richts wegen„Beleidigung" zu 2 00 Mark Geldbuß c, ev. 20 Tagen Gefängniß vcrurtheilt worden. Sowohl die vom Schöffengericht er- kannte S t r a f a r t, als die Strafhöhe waren von dem genannten Tri- bnnal als„nicht gerechtferttgt" bezeichnet worden. Wahrscheinlich kam ihm das Schweigen der zitirten Polizeizeugen weniger„prinzipiell" als — geboten vor, und es vcrurtheiltc, weil ja die s o r m e l l e B e- l e i d i g n n g nicht zu läugnen war. Sehr richtig schreibt die„Fränk. Tagespost" zu diesen Prozessen: „Wann wird der durch das Schweigen der Polizisten so glänzend gc- rechtfertigte und geehrte Medailleur sich an derartigen Vernrthcilungen satt gesiegt haben? Wenn die Sättigung eingetreten ist, mag er zu Ehren seiner Pnrrhussiegc eine Medaille schlagen; der Avers kann sein Bildniß sein; die N i ch t- A u s s a g e des M o l k c n m a r k t s aber ist der Revers der Medaille." — Von der„sieghaften Macht" des Christenthums, so lesen wir in amerikanischen Zeitungen, legen einige Taten über die„Ersolgc" der M i s s i o n auf der Insel Ceylon Zcugniß ab. 4 2 8 M i s s i o- närc„arbeiteten" dort voriges Jahr„für den Herrn", �.as Netto- Resultat war 10 0 Bekehrungen, welche 55,000 Dollars kosteten. Aber in derselben Zeit fielen 3 30 Eeyloner wieder vom„wah- reu Glanben ab, so daß ein Defizit von 143-seeleu herans- kommt und die 55,000 Dollars rein weggeschmissen sind. Dabei gibt es noch immer Dumme, welche ihre sauer verdienten Cents„zur Be- kchrnng der Heiden" anlegen. �. Wenn nur der zehnte Theil von diesen Opfern �dazu aufgewendet würde, die Zustände in den sogenannten christlichen Staaten so zu gc- stalten, daß sie den„Heiden" nicht als schlimmer als ihre Barbarei erscheinen müssen, dann würde wahrscheinlich auch das Bekchrnngs- werk bald schneller gchen. Aber freilich, dann brauchte man auch keine „Missionäre" mehr. — Chronik der Tozialistenprozcssc. Im Freiburger Prozeß sind Adolf Geck zu 4, Louis Dotter, Aennis, Frau Zwick, so- wie die„Kronzengin" Frau Pinkcrt zu je 3, Weber und Zinn zu je 2 3ss o ii a t e n, Holzwarth zu 6, Kctterer und Strütt zu je 4, und deren Ehefrauen zu je 2 Wochen Gefängniß vcrurtheilt. Ein Theil der Strafen wurde durch die Untersuchungshaft als ver- büßt erklärt. Wie wir hören, erfolgte die Vernrtheilung Geck's hauptsächlich daraufhin, daß man bei ihm einen Zettel gefunden, der eine Warnung vor einem gewissen Stollcr in Mülhausen enthielt. Der Zettel war Geck von außerhalb zugeschickt worden, es wurde aber behauptet, er rühre von seiner Hand her. Da der Beweis, daß der Zettel nicht von Geck geschrieben, dessen Vertheidiger in den Stand setzen würde, Wiederaufnahme des Verfahrens in Bezug auf Geck zu beantragen, so richten wir an den wirklichen Urheber des Zettels die Austordcrung, sich bei uns zu melden. — Frankreich. Folgender Aufruf geht uns mit der Bitte um Veröffentlichung zu: Internationaler Arbeitcrkongrest 1889. Bürger! Die internationale Konferenz, welche 1886 in Paris tagte, und auf der England, Deutschland, Belgien, Oesterreich, Schweden, Australien und Frankreich vcrtteten waren, hat in ihrer Sitzung vom 28. August folgende Resolution beschlossen:„Im Jahre 1880 soll in Paris ein internationaler Arbeiterkongreß abgehalten werden: die französische fo- zialistische Arbeiterpartei(Fedcration der sozialistischen Arbeiter Frank- reichs) wird mit seiner Organisation beauftragt." Der internationale Gewerkschaftskongreß, der in London stattgefnn- den und an welchem Delcgirtc ans England, Belgien, Holland, Däne- marck, Italien und Frankreich theilnahmen, hat in seiner Sitzung vom 10. November diese Resolution durch folgenden einstimmig angenom- menen Beschluß bestätigt:„Der Vorschlag einer internationalen Arbeits- gcsetzgebung soll endgültig zur Abstimmung kommen auf dem intcr- nationalen Kongreß, der, gemäß dem Wortlaut des Beschlusses der in- ternationalcn Konferenz von 1886, im Jahre 1880 in Paris stattfin- den soll." Das Nationalkomitc der ftanzösischcn sozialistischen Arbeiterpartei (Fedcration der sozialistischen Arbeiter Frankreichs) beehrt sich daher, Sie zn benachrichtigen, daß es nunmehr die Organisirung dieses Kon- grcsscs in die Hand genommen hat, der berufen ist, eine hohe Beden- tnng zu erlangen. Gemäß dem in Paris gefaßten und in London bestätigten Beschluß soll der Kongreß von 1880 cine internationale Organisation ins Leben rufen, deren Grundzüge in der Sitzung vom 0. November 1888 ent- warfen worden sind. Die Arbeiter allerorts können angesichts dieses sozialistischen Auf- schwungs, der sich bei allen Nationen offenbart, nicht thcilnahmslos bleiben. Die Organisation, die aus dem Kongreß von 1880 hervorgehen, und die heute noch zerstteuten sozialistischen Kräfte ordnen und zusammen- fassen wird, wird die Macht der organisirten Arbeiter beträchtlich erhöhen und ihnen die Gewißheit geben, daß der Triumph der Arbeiter- bestrcbmigen und die Aushebung der Grenzen, die uns zwar nicht in- nerlich, wohl aber materiell scheiden, imnicr näher rückt. Wir laden Sie daher ein, an den Berathungcn dieses Kongresses thcilzunehmcn. Zirkuläre, welche Organisation und Tagesordnung bekannt geben, werden später verschickt werden. Durch eine Antwort, ob die zu Ihrer Organisation gehörenden Kör- perschaften geneigt sind, sich auf dem Kongreß vertreten zu lassen, wer- den Sie uns sehr verpflichten. In der Hoffnung, bald mit Ihrer Antwort erfreut zu werden, bitten wir Sie, unfern brüderlichen Gruß entgegenzunehmen. Das Nationalkomite: E. Andrs-G6l y 11 die Marie, 17 Arr. Paris. — Amerika. Die Präsidentenwahl hat, wie imsere Leser bereits wissen, mit dem Sieg der Republikaner, der Tchunzoll- Demagogen, geendet. Die frcchändlcrischen oder, wenn man will, ge- mäßigt-schutzzöllncrischeu Demokraten sind so gründlich geschlagen worden, daß sie nicht nur Präsidenten und Vizepräsidenten, sondern auch die Ntajorität im Repräsentantenhaus an die Republikaner abtreten müssen(im Senat besaßen dieselben bereits die Mehrheit). Die Gründe für die Niederlage sind zn mannigfaltig, als daß nian sie mit eineni Schlagwort erschöpfen könnte. Die Republik der Ver- einigten Staaten ist längst ans ihrer Verfassung herausgewachsen, und darum kann eine Wahl wie die eben stattgeliabte unmöglich als der Ausdruck der Volksmeinung gelten. Interessen der verschiedensten Art durchkreuzen einander und machen selbst deui mitten in der Bewegung Stehenden ein abschließendes Urthcil schwer, umwieviel mehr erst dem aus der Ferne Zuschauenden. Um aber dem Leser doch ein Bild zu � „Nur vier Jahre in der Gewalt und die Demokraten sind wieder in die Wüste hinausgestoßen. Es kam unerwartet. Das Regiment unter Clevcland war sicher nicht das schlechteste, das die Vereinigte» Staaten zu ertragen hatten. In der Verwaltung geschahen verschiedene Reformen, und Skandale von Bedeutung waren nicht zu verzeichnen. Der Präsident erwies sich persönlich als ein achtnngswerther und fester Charakter. Er hielt das Beutc-Element in seiner Partei im Zaume, soweit das eben möglich ist. wenn man auf einen zweiten Termin spckulirt. Er hatte den Much der llcbcrzcugnng und bcthätigte ihn in einer Menge Vetos, die ihn durchaus nicht populär machen konnten. Auf der andern Seite, was war von den Republikanern zu erwarten? Vor vier Jahren als Strafe für viele Schnftcreien hinmisgeworfen, blieben sie noch immer unter der Leitung der alten Garde imd nament- lich B l a i n c behielt seinen alten Einfluß. Ihr Präsidcntschafts-Kan- didat Harriso n wird, und wahrscheinlich mit Recht, als eine Mario- n c t t e d c s s e l b e n B l a i n e betrachtet, den das Land vor vier Jahren zurückwies. Ihr Vizepräsidentschafts-Kandidat Morton war nichts als ein Geldsack und an Fähigkeiten und Ansehen dem alten Thür- mann(dem entsprechenden Kandidaten der Demokraten) bei Weitem nickt gleickzustellen. Und doch dieser Sieg! Was ist die Erklärung dafür? Dic„Boodle" (Stimmenkauf) nicht, oder wenigstens nicht entscheidend, diese stand auch den Demokraten zu Gebote. Tic Schachereien in Neivpork*) auch nicht, obwohl sie dazu beigetragen haben. Aber die Mehrheit Harrison's ist zu groß, als daß sie durch solche Machinationen hätte herbeigeführt werden können. Nein, es ist die alte Geschichte von Anbeginn der Union an: Ter?! o r d e n stand wieder gegen den Süden und die Zoll- frage, die Clcveland ausgeworfen, gab die Basis für die Erneuerung des Konflikts. Das war sein Fehler, und dafür zahlt er mit dem Verlust seines zweiten Termins. Ew folgte den Süd-Demokraten Millcs, Bretten- ridgc, McAtillan 2C., während er R a n d a l l und den andern Demo- traten a n S dem Norden hätte folgen sollen. Es hat sich einfach die alte Erfahrung wieder bestätigt: Wenn die Bourgeoisie im Kampf mit einem feudalen Element steht, helfen ihr die noch nicht zum Klassen- bewnßtsein erwachten Arbeiter. Ein solcher Streit lag vor, wenn man der Sache auf den Grund geht: es handelte sich darum, ob die Kava- licre des Südens oder die modernen Schlotjnnker des Nordens herrschen sollen. Und diese haben gewonnen. Für Diejenigen, welche ihre Hoffnungen auf eine neue Partei setzen, ist der Ausfall durchaus nicht erbaulich. Wären die Nepndlikaner nochmals geschlagen worden, dann würde ihre Partei in Stücke gegangen fein. Tic Reaktionären in derselben hätten sich wahrscheinlich mit den Prohibitioniftcn(Anhänger der Unterdrückung aller Verkaufsstellen *) Dort stimmten die korrupten Tanimaiiy-Demokratcn für die Repu- blikaner, um ihre Lokalgrößen für die Stadt- und Staatsäniter durch- zusetzen. für alkoholische Gettänke) und Knownothings(Partei der Nur-Ameri- kaner) verbunden; ihre fortschrittlichen Elemente imter den Kleinfarniern und Arbeitern hätten in Verbindung mit den schon bestehenden Organi- sationcn den Grundstock zu einer großen mitikapitalistischcn, einer Arbeiter- Partei gebildet. Die demokrattsche Partei dagegen geht nicht aus dem Leim, wenn sie auch geschlagen wird, solange' der Süden nicht mehr indnstticll entwickelt und die Masse der Farbigen intellckttiell so gehoben ist, daß sie der herrschenden Klasse die Spitze bieten können. So bleibt eben, des Szenerie-Wechsels imgeachtet, in der Hmiptsache vorläufig Alles beim Alten." � r. i Korrchoildtlljcv. — Mannheim. Am Sonntag, den 25. November, wurde hier ein wackerer Genosse, Karl Ziemer, Getteidearbciter, begraben. Trotz- dem die Beerdigung in früher Morgenstunde stattfand, hatten sich doch vor dem Trauerhause eine große Anzahl Freunde und Genossen ange- sammelt, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Aber auch die Polizei war auf dem Plane erschienen. Komniissar M i t s ch musterte den Leichenwagen und die Kränze, und da er kein verdächtiges Roth fand, so hofften wir schon, der ungebetenen Gäste lcdig sein, aber da hatten wir die Rechnung ohne Schnüffler Guggenbühlcr gemacht. Dieser Staatsretter umstellte in Begleitting von fünf gleichgesinnten Helden das Grab und grinste während der Leichenrede, die der freireli- giose. Sprecher Schneider hielt, die Traucrversanimlung in der höhnischsten Weise an, bis sich dieselbe, ohne Anlaß zum Einschreiten gegeben zu haben, auflöste. Ntan sah Held Guggenbühl recht ärgerlich den Heimweg antteten! Aufgepaßt! Der Aachener Polizeikommissär Möhlig ist für mehrere Wo- chen ans Reisen und— wie es heißt— nach Brüssel gegangen. Wir warnen deshalb unsere belgischen und holländischen Genossen, da Möhlig voraussichtlich eine w e i t e r e M i s s i o n besorgt. Auch England dürste sich seines Besuchs erfreuen. Möhlig ist za. 50 Jahre alt und etwa Meter 1,70 groß, trägt dunk- len Schnurbart, hat volles Kopfhaar und intelligentes Gesicht. Etwaige Begegnungen mit demselben berichte man umgehend an be- kannte Stelle und sorge für entsprechende Aufnahme und Begleitung» wo er sich zeigt. Der Maas-Hecht. Sprechfaal. Hohcnstein-Crnstthal(Sachsen), Ende November. Die von uns im Juni d. I. nach Zürich gerichtete Warnung scheint nicht in Ihre Hand gelangt zu sein.*) Es ist aber inzwischen gerichtlich festgestellt, daß der damalige Verdacht gegen den Arbeiter und Hausbesitzer Franz Möser vollständig begründet war. Moser arbeitet zur Zeit in der Destillation von Otto Lindner in Hohenstein und ist wohnhaft in Hohen st ein- Neustadt Nro. 13. Möser denumzirte den seinerzeit im Hanse wohnenden Eigarren- Arbeiter Schroth wegen angeblicher Verbreitung verbotener Schrif- tcn, die er daraus folgerte, daß ein bekannter Sozialdemokrat einige Male bei Schroth verkehrt hatte. Wir bitten nunmehr um öffentliche Warnung im Parteiorgan vor deui fteiwilligen Denunzianten. Die Genossen von.Hohenstein-Crnstthal. *) Doch;— aber wir warnen nur dann öffentlich, wenn uns unzweifelhafte B e w e i s st ü ck e gegeben, oder mehrere bek