Abonnements «frttn brm Bttlaj nnb dcssk» brtatinKn 9i j« n t c« entg-geo- gcnommcit, und zwar ZUM vorau»»ahl»art« Lirrtlljahripreii von: Ii;. 4,40 ffir D-utI»lanv(birctt p-r Vries-Souvtttl »wfl. 2,» für Oeftcrriich sdirilt ! OCI per I�ries-Couvert, tlflcr, iühill, 2.— für alt übrigen LSndrr l Kai» de» wclipostvertin» ttireugdandz. 1864" Zlstrltk die dreigejpaltene Petitzeile mm 8 Pence----- 25 Pfg.------- 30 CtS. Der SoMemkrat Argan der Sozialdemokratie deutscher Junge. Erscheint Wöchentlich einmal/ in Londo«. Anlag der Svr»em v«»vpveativ«?adL«d!a� Co* E. Bernstein& Co., London N. V« 2H Kentisb Town Road. V«?studui|t» sranlo gegen srant». Gewöhnlich, Brief« «ach England losten Toppelpori». JV.2. che», iiigm. a art. dcs- „h. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten erh. Vaibl Brief«-n die RedaNio» und Erpediiion de« in Deutschland und Oesterreich»erboiene».eozialdemolrat-«oll«»um»nie»«eodochwng äußerster Borsicht abgehen lasten. Zn der Ziegel schicke man und die Briese nicht direlt. sondern an die belannten D-ckadresten. In»weifelhast-n Fällen eingeschrieben. 12. Jamiar 1889. und Gemahregelten nicht! Zur allseitigen Seachtang. nstr.: Fr. Adr. erh. . Ab. pngr. Vci Abscnduug von Posteinzahlungcn an unsere Geschäfts- .2 2» ss i r m a ic. ist uns der A b s c n d e r n a m e und Ort �_ "j)0ni sofort direkt brieflich tUu' auMmelden und Alles direlt zahlbar zu machen bei der Kentish Town Road Post-Office. e 8»- i ab- Geschieht dies nicht, so verursacht uns das Einkassiren Extrakosten �>uit„ud große Zeitverluste, da die englische Post eingezahlte !0/12' Gelder weder in Haus liefert, noch Gelder ausfolgt, wenn man j per den Absender x. nicht namhaft machen kann, erh. ossfjs j>er Absender nicht ausdrücklich S3SF~ direkte ÄIB Anö- � Zahlung bei der e Bl." Kentish Town Road Post-Office 40— chcre? durch die Aufgabestellc vorschreiben, so verweist unS die L o n d o n e r ebub: Post zum Erheben des Geldes bald an diese und jene Poststelle, bald nur ans Hauptpostamt der City, Alles m e i l e w e i t von uns h ac- entfernt. > und Wird vom Einzahler nicht direkte Auszahlung bei der Xont,»!, phia:> Town Road Post-Office vorgeschrieben, so werden durch hiesige Posten l pcr sie Scheine häufig zum Inkasso durch hiesige Banken vor- � 11119!— irtlVÄM 2 8S �nos- Alles Verluste an Zeit und Geld, die vermieden werden, � aut sobald man geuaueste�u nach unserer Vorschrift einzahlt und uns noch sofort briefliches Avis einschickt. Leichr 2Sm Alle außerdeiltschel» Aboutteuten rc. lt. L.-Oub ncbstdem dring cnd gebeten. Alles stets direkt au k V» unsere CtcschäftSfirma zahlbar zu machen ,' soweit wir nicht ans- ?'?- I drücklich Anderes bestimmen. . da) m Mchfelt! TtF" Zu ca. Mk. I«.— vom 14/11. und Mk. 18.— vom 21/11., imkeit sowie ca. Mk. SU.— vom 27/12. 88 fehlen uns noch immer JsgT" die Absender namcn x. liathr! Wir lehnen jede weitere Verantwortung für alle 8 de-! Folgen ab, welche die Nichtbeachtung dieser Vorschriften nach ilbflL iiehm mag. n re- Oerman Oooperative Pudlishing Oo. brig� E. Bernstein St Co. Pfote 114 Kentish Town Road, London, N."W.(England.) itroß: I. per. mung. eki dm notirt.i Bal-- crseitS einlich C. A. York- 'eheste es be- stachr. Aus-i wenn. 26/12! Adr. S erh. öuchen vetia r j >. Ddr oartcn .8.— 188» rg. si- tmstr � i iland bschaft' bikon r| . Di-. 10—. Shaw: oerden Harle- 10 88! ig re- mire". > ver- « Ab. h Z»-. E.K.. n Sie t. crh. idney: Stlg.> ab 42 Ein Nauberstück. Es gibt Dinge, die so laut zum Himmel schreien, daß man sich fast schämt, noch von ihnen zu reden. Und doch ist man dazu gezwungen, denn Schweigen, flüchtiges Hinweggleiten über schreiende Mißstände oder Verbrechen heißt Vertuschen, indirektes Beschönigen derselben. Alan muß sie brandmarken, auf die Gefahr hin, oft Gesagtes zu wiederholen. Zu dieser Kategorie von Vorgängen gehört die jetzt halb- amtlich angekündigte Vorlage ans Erhöhung derpreu- ßischen Zivilliste für den deutschen Kaiser. So muß man es ja wohl bezeichnen, wenn der preußische Land- tag aufgefordert wird, dem König von Preußen für glänzen- deres Auftreten als deutscher Kaiser eine Erhöhung seiner Zivilliste um 4 Millionen Alark zu bewilligen. Warum mit einem Male dem preußischen Landtag diese Aufgabe zu Theil ivird, die erst dem deutschen Reichstag zugedacht war, darüber streiten die Bedientenblätter einstweilen noch. Nach den Aus- sagen eines Theiles derselben ist die Absicht, die Borlage vor heil Reichstag zu bringen, deshalb aufgegeben worden, weil sozialdemokratische Abgeordnete in demselben sitzen. Wir akzeptiren dieses„schmeichelhafte Lob", das damit, wie die bürgerlich-demokratische„Volkszeitung" richtig schreibt, den sozialdemokratischen Abgeordneten ausgestellt wird, aber de» wahren Grund vermögen wir in dem Hinweis auf den eventuellen energischen Widerstand der Vertreter des Proleta- riatS im Reichstag doch nicht zu erblicken. Ihre Kritik wäre fatal, aber man würde sich leichten Herzens darüber hinweg- setzen. Der Eindruck einer oppositionellen Rede vergeht, er ist leider nur zu schnell vergessen, aber der einmal bewilligte Budgetpostm bleibt, und der Raub wird Jahr für Jahr mit Seelenruhe weiter eingesackt; kein Hahn kräht später mehr danach. Nein, die Sache hat ihren andern Haken. Die Glücksritter, die in Preußen- Deutschland das Nuder in Händen haben, zittern vor dem Verdikt des Volkes bei der bevorstehenden 'Iteichstagswahl. Sie haben die durch Lug und Trug zusammengebrachte Kartellmehrheit so gründlich für ihre unsauberen Zwecke verwerthet, daß sie ohnehin sicher sind, dieselbe bei der nächsten Wahl nicht wieder durchzubringen. Käme zu allen Spitzbübereien, die sie am Volke begangen, auch noch die der Versd)leuderung von jährlich drei bis vier Millionen für die Füllung des Privatsäckels der Hohenzollern, so wäre die schmählichste Niederlage dieser patriotischen Reichstagsmehrheit bei den nächsten Wahlen besiegelt. Aber warum denn nicht warten, bis die Wahlen vorüber? Run erstens, weil man, wie gesagt, ohnehin sehr an einer Neu-Auflage der jetzigen Hurrah-Majorität zweifelt, zweitens aber, weil man Eile hat. Die Glückspilze können nicht warten. Nicht allein vor den zehn Sozialdemokraten im Reichstag, vor dem allgemeinen Wahlrecht haben sie Furcht. Und ihre Furcht ist begründet. Das Volk wird, das Volk muß diese Aiilliouenzulage als einen Hohn auf seine Nothlage, als einen Faustschlag, als Peitschenhiebe, die ihm ins Gesicht er- theilt werden, empfinden. Wie? Hunderttausende hungern, Hunderttausende frieren in kalten, ungeheizten und nnheizbaren Räumen, Hunderttausende frieren in unzureichenden Kleidern, Hunderttausende hören von nichts als Lohnherabsetzung, und ein Mensch, der für seine, mindestens sehr zweifelhaften Leistungen ein(Ankommen bezieht, bei dem sein Vorgänger in 26 Jahren fünfzig Millionen Mark„sparen" konnte, soll aus der Tasche des geplünderten Volkes eine jährliche Zulage von vier Millionen Mark erhalten? Wie? Jedesmal, wenn die Arbeiter um eine geringfügige Erhöhung ihrer schmalen Löhne einkommen, dann sind es die Reichsglückspilze, die ihnen durch den Mund ihrer Bedienten im Reichstag und in der Presse vorrechnen' lassen, wie sehr die Verbilligung der Produkte Fortschritte gemacht, und daß die Arbeiter grenzenlos unverschämt wären, wenn sie dazu auch noch höheren Lohn verlangten, und eben diese Menschen haben die Stirn, jetzt, trotz der von ihnen gepriesenen Ver- billignng aller Waaren, für den höchstbezahlten aller zu hoch Bezahlten eine nach Millionen zählende Lohnerhöhung vorzu- schlagen? Wie? Man hat sich nicht entblödet, unter dem Hinweis auf das stetige Sinken der Waarenpreise die wichtigsten Lebens- mittel des Volkes mit Zöllen zu belegen, die eine Vertheue- rung dieser und dadurch eine Schmälerung des Einkom- mens der Arbeiter um mehr als 40 Mk. pro Jahr bedeuten, und jetzt will man einem Menschm, der noch absolut nichts geleistet, und dessen Konsum anBrodw. gar nicht ins Gewicht fällt gegenüber seinem Verbrauch au Industrie- Erzeugnissen, eine Einkommenszulage von vier Millionen Mark jährlich aus den, dem Volke abgepreßten Zollertrügnissen in den Schooß werfen? Wie? Der Mann der Arbeit, der in steter Sorge um feine kärgliche Existenz schanzt, muß von jedem Bissen Brod, den er verzehrt, den sechsten Theil des Werths als Zoll der Kompagnieschast von Fiskus und Landprotz in den Rachen werfen, muß sich das Nöthigste versagen, nur um vege- tireu zu können, und ein Mensch, welcher im raffinirtesten Luxus lebt, der ein Einkommen bezieht, das nur bei mahn- sinniger Verschwendung zu erschöpfen ist, soll zu diesem Hei- denlohn noch 4 Millionen Mark pro Jahr mehr erhalten? Dieses Verlangen ist so unerhört, so unverschämt gewissen- los, daß es nur in dem Gehirn moralisch durch und durch verkommener Abenteurer keimen kann. Rur Leute, die das Schröpfen des Steuersäckels gewerbsmäßig betreiben, konnten eö fertig bekommen, in jetziger Zeit dem deutschen Volk, das mehr als irgend ein anderes für Zivillisten aus- gibt, eine Mehrausgabe von 4 Millionen Mark aufzuhalsen, unter dem schäbigen Vorwand, der deutsche Kaiser könne bei seinem jetzigen Einkommen das Reich nicht würdig repräsen- tiren. Die Erfolge, die Wilhelm II. auf seinen„Repräsen- tationö"-Neisen eingeheimst, sind freilich dürftig genug aus- gefallen, aber am mangelnden Pomp und Glanz hat das gewiß nicht gelegen. Die Völker sehen heutzutage auf andre Dinge. Der wahre Grund, der hinter dem faulen Gerede steckt, das nur politische Kinder düpiren kann, ist ein andrer. Die Erhöhung der Zivilliste ist nur ein Mittel von vielen, Wil- Helm II. immer enger an die Dynastie Bismarck zu ketten. Man hat durch eine systematisch geleitete Reklame die Eitel- keit dieses Nienschen in einer Weise genährt und gefördert, daß sie mit jedem Tage mehr die Formen des Zäsaren- Wahnsinns annimmt. Je toller der Zäsar es treibt, um so besser für seine Minister. Je unpopulärer er wird, um so Heller der Glanz, der von ihnen ausstrahlt.„Was würde er erst thun", sagen sich schon heute die Philister,„wenn er den großen Bismarck nicht neben sich hätte". Und wie dafür gesorgt wird, daß der große Bismarck nicht ausstirbt, daß nach und nach dem Vater der Sohn substituirt wird, bis die Leute schließlich gar nicht mehr wissen, ob sie den alten großen Bismarck oder den jungen großen Bismarck mehr zu bejubeln haben, dafür haben wir in unserer vorigen Nummer ein dra- stisches Beispiel angeführt. Die innige Harmonie zwischen Vater und Sohn könnte rühren, wenn man nicht wüßte, daß sie auf beiderseits erkannter Nothwendigkeit beruhte. Der alte große Bismarck weiß, daß er von seinem Sprößling nichts zu fürchten hat und läßt es daher nicht nur gern ge- schehen, wenn dessen Freunde für ihn die Reklametrommel rühren, sondern rührt selbst von Zeit zu Zeit kräftig mit. Jung-Herbert hat es leider so sehr nöthig. Eine Fähigkeit aber hat er unzweifelhaft, und das ist die Anpassung s- f ä h i g k e i t. Wilhelm II. hat keinen aufmerksameren„Freund" als ihn. Er weiß sich, wenn es gilt, den Kaiser in seinem Glanz erscheinen zu lassen, bescheiden im Hintergrund zu hal- ten, und ist doch stets neben und um ihn. Von denselben In- stinkten erfüllt, wie sein erhabener Herr— auch er ist ja in der nationalen Epoche herangewachsen,— ist er stets zu Diensten, wenn es gilt, denselben zu fröhnen. Als treuer Diener verrichtet er auch gern die nothwendige schmutzige Ar- beit. Jung-Herbert ivar es, der, um der„Schweinerei" der Verherrlichung Friedrich III. ein Ende zu machen, die Morier Geschichte einrührte. Kann man einem Monarchen besser dienen, als wenn man seinen Vater als das schwachköpfige Werkzeug in der Hand von Schuften hinstellt? Sicherlich nicht. Daß sich Herbert bei diesem Liebesdienst so scheußlich die Finger verbrannt, wird die Erkenntlichkeit des musterhas- testen aller— Söhne hoffentlich nicht beeinträchtigen. Mit dem Feldzug gegen den Steuersäckel des Volkes wird er ja glücklicher sein. Deutschland die fromme Kinderstube ist keine englische— sagen wir Morier-Grube. Insbesondere hat der preußische Landtag mit dem englischen Staatsmann, der so unstaatsmännisch war, den Verbreiter einer Verläum-- dung einen schamlosen Verleumder zu nennen, nichts gemein. Er wird die vier Millionen bewilligen, vielleicht noch vor lauter Wonne eine fünfte drauflegen. Besser kann er ja gar nicht den Beweis von der Vortrefflichkeit des elendesten aller Wahlsysteme und der fünfjährigen Legis- laturperioden liefern. Abgeordnete, die durch das Sieb der Dreiklassenwahl mit öffentlicher Stimmabgabe hindurch ge- gangen und auf fünf Jahre der Kontrole der Wähler ent- zogen sind, besitzen allein die zur Erfüllung so patriotischer Aufgaben nöthige„Unabhängigkeit". Nämlich die Unabhängig-- keit von dem Urtheil und Willen des Volkes. Ans gut deutsch übersetzt, heißt das: Der Landtag ist ein zum Volksbetrug und Volksverrath zehnmal besseres Werkzeug als der Reichstag. Mögen demagogische Künste einen noch so reaktionären Reichstag zusammenimiigen, solange sie sich gezwungen sieht, dem Volkswillen Rechnung zu tragen, trägt die Demagogie selbst ein gutes Stück ihres Gegengiftes in sich. Dadurch, daß die Herren die Vorlage nicht vor den Reichstag bringen, wohin sie gehörte, erstens weil es sich ja um eine Reichs ja che handelt, und zweitens weil die Bis- marck'sche Steuer- und Wirthschaftsreform immer mehr die Steuerlast dem beim Dreiklassenwahlsystem unvertretenen Proletariat aufladet, durch diese Flucht in den preußischen Landtag beweisen sie selbst, daß dieselbe das Licht des Tages zu scheuen hat, ein infames Stück Volksverrath ist. Run, das Volk kann es nicht ändern, wie eö so manche Spitzbübereien nicht verhindern konnte, welche die herrschenden Ehrenmänner an seinen Rechten und seinen Mitteln vorgenommen. Aber empfunden hat es sie, und jeder neue Schlag, der ihm versetzt wird, ruft die Erinnerung an die früher erhal- tenen wach und mit ihr den Zorn, die gerechte Erbitterung. Mit jedem neuen Schlag, der von der Krone und ihren Stützen gegen das Volksinteresse geführt wird, wächst der Haß und das Verlangen nach baldiger Abrechnung. Und es kommt die Zeit, wo alle die kleinen Listen und Ränke nicht mehr verfangen, wo die künstlichen Dämme, die man gegen sie ausgerichtet, der Woge des Volközorns keinen Widerstand mehr leisten, sondern elend unter ihrem Anprall zusammenbrechen. Bis dahin setzt Euer Spiel fort, Ihr Stützen von Thron und Altar, je uiwerschämter Ihr es treibt, um s« gründlicher wird die Abrechnung sein. Wir haben vor Kurzem aus einem offiziellen Bericht einige. Angaben veröffentlicht, aus denen sich ergibt, wie jämmerlich, die Lage der Arbeiter auf den Domänen des Königs von. Preußen ist, die selbst nach Ansicht der Richter zum Diebstahl gradezu gezwungen waren. Es war das nur ein Bild' aus dem Leben des Landproletariats. Und nur wenig- besser, vielleicht noch schlechter geht es dem Jndustrie-Prol«- tariat. Der kleine Bauer geht zu Grunde, der kleine Hand-' werker zehrt sich ab in Kummer und Sorge. Und in einem Lande, in dem über 30 Prozent der Bevölkerung im Stande absoluter Dürftigkeit leben, eine Bevölkerung von über acht Millionen mit einem Einkommen von noch nicht 420 Mark pro Jahr sich abschinden muß, hat man die Stirn, zu er-. klären, eine Zivilliste von über zwölf Millionen Mark, zu der noch gegen drei Millionen Mark Disposstions-: Fonds hinzukommen, genüge nicht, des Herrschers Em- kommen müsse höher sein! Darauf gibt es nur Eine Antwort, und sie gilt Allen, die sich an dem Verbrecherstück betheiligen: Auf Euch die Sündflutht Die Vereinigung der österreichischen Sonaldemokraten.| Der Parteitag unserer österreichischen Genossen war in jeder B e- flieh il ug ein Erfolg. Wir werden an anderer Stelle eine snm- inarische Zusammenstellung seiner Berathungen, sowie die beschlossenen Resolutionen veröffentliche», und lassen hier zunächst die Zuschrift eines der Thcilnchmer am Hainfelder Kongreß folgen, in welcher das Eini- gungswerl seiner vollen Bedeutung nach dargelegt wird: Wien, 3. Januar 1889. X. Die Bereinigung zweier Partcisrattiouen ist nicht immer ein Ge- winn. Es gibt Meinungsverschiedenheiten, die gerade dadurch, daß man ihre Träger in einen Nahmen pressen will, zu schroffen. Gegensätzen werden und jedes gedeihliche Zusammenarbeiten unmöglich machen— Meinnugsvcrschiedenheitcn, die eine Bereinigung nur ermöglichen ent- weder durch ein«acrilicic, del intelletto-(Opfer der Uebcrzengung) der einen Seite oder durch Vereinbarung einer ganz vagen, nichtssagenden Grundlage. Wir freuen uns, konstatiren zu können, daß die zu Hainfeld vollzogene Einigung diesen Charakter nicht an sich trägt. Es gab bei ihr weder Sieger mzch Besiegte, und sie war auch nicht die Fusion der Konfusion. Es war nicht eine Bereinigung von Anarchisten mit Sozialdemokraten auf Grundlage des gemeinsamen„guten Willens", etwas zu thun, son- dcrn von Leuten, die durchdrungen waren von der Ueberzeugung, daß man, um etwas gemeinsam thun zu können, auch ein gemeinsames Altions- Programm haben müsse. Die Massen der Arbeiter sind in Oesterreich nie anarchistisch gewesen, blos ließ sich ein Thcil derselben eine Zeitlang von Anarchisten leiten, nicht weil sie deren Theorien huldigten oder deren Taktik annahmen, fondcru weil sie an deren Energie glaubten und an der Energie der Vorkämpfer der Sozialdemokratie, namcutlich iu Deutsch a id, zweifelten. Heute sind sie eines Besseren belehrt. Sie sahen, mit welcher Ausdauer, welchen« Opfermuth die deutschen Genossen auf ihrem Posten ausharroii, sie sahen, daß die deutsche Sozialdemokratie ihren revolutionären Eha- rakter bewahrt hat und daß auch die„Gemäßigten" in Oesterreich gleiche Ziele mit ihnen ebenso thatkrästig wie sie verfolgen. Auf der andern Seite verschwanden die Illusionen in Betreff der besonderen Energie der anarchistischen Führer, die, als die Berfolgungen begannen, zuni Theil flüchtig wurden, zum Theil sich zurückzogen, zum Theil als Lockspitzel entlarvt wurden. Von da au bestand zwischen„Gemäßigten" und„Radikalen" kein wesentlicher Unterschied mehr. Wohl cxistircn noch Bcrschicdcuhcitcn des Temperaments und der Auffassung der augenblicklichen Sachlage, aber diese Verschiedenheiten sind nicht größer als in jeder andern Partei und fallen nicht ins Gewicht gegenüber der Nothwendigkeit, den übcrmächti- gen Gegiieni wieder vereint die Spitze zu bieten. Wohl seit zwei Jahren bestand kein auffallender Unterschied zwischen den zivci Fraktionen der österreichischen Sozialdemokratie. Was sie noch eine Zeit lang hinderte, völlig zu einem einzigen Körper zu verschmelzen, waren blos persönliche Gegensätze, der Groll und das Miß- trauen, das man von jeder Seite gegen die andere hegte, eine natür- liche Folge der erbitterten Feindschaft, die bestanden und die nicht von heute ans morgen zu verwischen war. Jndeß auch diese Differenzen schwanden, nachdem es den Bemühungen einiger neutraler Genossen gc- lnngen, die feindlichen Brüder zu gemeinsamem Arbeiten zu bewegen. Plan lernte sich kennen, und Jeder fand zu seinem Erstaunen, daß der Gegner, den er für einen Ausbund von Niedertracht gehalten, so ehrlich und tüchtig sei als nur irgend einer. Daß man sich aber erst kennen lernen mußte, lag daran, daß die alten Genossen� die 18G8 die Partei bildeten, zum großen Thcil vcrschwmiden sind, und der weitaus größte Thcil der Partei heute aus jungen Eleincntcn besteht, die erst>n die Bcivegung eintraten, als der Gegensatz zwischen„Radikalen" und„Gc- mäßigten" sich bereits gebildet. Sobald Groll und Bi.ßtrauen gegen einander aufgehört hatten, lvar die Einigung thatsächlich vollzogen. Der Parteitag zn Hainfcld hat diese Einigung nicht gemacht, er hat sie blos k o n st a t i r t und pro- k l n in i r t! sie ist nicht das Werk einiger Stunden, sondern jahrelangen Zusaiiimcnarbeitcns und bietet daruni auch die Gewähr, eine dauernde zn sein. Und die Z u s a in ni e n s c tz u n g des Parteitags bürgt dafür, daß das, ivas ev konstatirte, für ganz Oesterreich gilt, daß überall die Ar- bciterschaft seine Beschlüsse zu den ihren macht. Bon allen Orten Oester- rcichs(d. h. der dicsscngen Rcichshälfie), in denen eine bedeutendere Arbeiterbewegung besteht, waren Genossen erschienen, und zwar solche, die das Vertrauen der Arbeiterschaft in ihrem Kreise anerkanntermaßen genießen; nicht blos aus Nieder- und Oberöstcrreich, aus Mähren und Steiennark waren Theilnehmcr angelangt; selbst das stockreaktionäre Tirol war durch zwei Jnusbruckcr Genossen vertreten. Wir trafen auch einen polnischen Genossen aus L e ni b e r g, einen S l o v e n e n aus K r a Iii und eine bedeutende Anzahl Tschechen. Daß die Ge- nassen aus Böhmen, sowohl Tschechen wie Deutsche, zahlreich erschienen waren, berührte besonders freudig, da ein brutales Regiment, wie es außerhalb Rußlands in Europa nicht mehr cxistircn dürfte, dort seit einem Jahrzehnt sich bemüht, die Arbeiterbewegung mit Stumpf und Stiel auszurotten. Rund zweitausend Verhaftungen von Genossen sollen in diesem Zeitraum in Böhmen vorgekommen sein, von denen jede niindestcns mehrere Monate Untersuchungshaft bedeutete. Es genügte, für einen Sozialdcniokraten gehalten zu werden, um dem als ein moderncr Jnquisitionsgerichtshof im schlimmsten Sinne des Wortes„arbeitenden" Prager Landgericht zu verfallen. Eine Zeit lang schien dies infame Systeni wirklich Erfolg zu haben. Um so freudiger berührte es die Genossen in Hainfeld, zu sehen, daß die Be- wegung in Böhmen ungebrochen ist und wieder anfängt, Fortschritte zu machen. Im Ganzen waren 89 Thcilnehmer erschienen— abgesehen von den als„Gäste" anwesenden Berichterstattern zc. Es ist nun bezeichnend, daß unter all' den Genossen aus den verschiedensten Theilcn Oesterreichs nur einer gegen das dem Parteitag vorgelegte sozialdemokratische Einignngsprogramm vom anarchistischen Siandpuntte aus sprach. Es war R i ß m a u n aus Graz. Bei der Abstimmung über das Pro- gramm, das die Forderungen des allgemeinen Wahlrechts und der A r b c i t e r s ch u tz g e s e tz g e b ii n g enthält, waren 73 Theil- nchmer anwescnd. Von diesen stimmten 89 für, 3 gegen dasselbe. Einer enthielt sich der Abst mmung. Als aber daraufhin Rißmann er- klärte, an den weiteren Verhandlungen des Parteitags nicht mehr thcil- nehnien zu können, und sich entfernte, folgte ihm Niemand. Si II e folgenden Resolutionen, auch die über die politische Thättgkeit und die Arbcitcrschiltzgcsctzgcbung, wurden e i n st i m in i g angenommen, ein Beweis, daß die paar Dissidenten nur aus untergeordneten Gründen gegen das Prograimn gestimnit hatten. Kein Mißton störte den Verlauf der Verhandlungen, die mit seltener Ruhe sich abwickelten, aber keineswegs ohne Enthusiasmus. Die Bc- gcisteruna war vielmehr eine allgemeine, und mit brausendem Jubel wurde die einstimmige Annahme der Resolution begrüßt, welche die Einigung der Sozia.demokraten Oesterreichs für vollzogen erklärt. Seinen Höhepunkt erreichte wohl der Enthusiasmus bei der Sylvester- feier, als Genosse Auer(München) das Wort ergriff, und dcni Partei- tag die Grüße und Glückwünsche der deutschen Sozialdemokraten über- brachte. Das allgemeine, direkte Wahlrecht war der Mittelpunkt der Berhondlungen des Tages gewesen. Daran anknüpfend wies Auer daraufhin, wie sehr die Sozialdemokratie in Deutschland durch das Wahlrecht gefördert worden. Vor einigen Jahren noch hätte man in gewissen Arbeiterkreisen Oesterreichs einen deutschen„Parlamentarier", der so sprach, mit Mißtrauen, vielleicht auch Enttüstung, vor einem Jahre»och mit kühler Reserve aufgenommen, diesmal enipsing ihn jubelnder Beifall, der deutlich zeigte, wie innig verwandt sich die Arbeiter Oesterreichs mit denen im Reich fühlen, wie sehr sie die Interessen- acnieinschaft erkannt haben, die Beide verknüpft. Als nach den Schlägen von 1878 die deutsche Sozialdemokratie au- {chcinend ihren Halt verlor und die Nothwendigkeit einer Aenderung »er bisherigen Taktik cinttat da wirkte das auf die Proletarier Oester- rcichs zurück. Sie wurden irre an der deutschen Sozialdemokratie, irre vn sich selbst und begannen nach neuen Kampfesmethoden zu stichen. VIc dculsche Sozialdemokratie hat sich in Wyden wiedergcstindcn, die folgenden Wahlsiege stellten ihre Kraft und Zuversicht wieder her. Den Oestcrreichcrn ging es nicht so gut. Den moralischen Zusammenhang mit Deutschland hatten sie verloren zu einer Zeit, wo der Terrorismus der russischen Revoluttonäre seine höchsten Triumpse feierte und das Sozialistengesetz in London«ine Arbeiterpresse geschaffen hatte, deren Sprache dem Thatendrang der gedrückten Masse ganz anders zusagte als die der deutschen Arbcitcrblätter. Dazu kam die fieberhafte Thätig- keit der Polizei, deren Lockspitzel fruchtbaren Boden fanden, indeß das Fehlen des Wahlrechts jede wirfame politische Befriedigung des Thatcn- dranges verhinderte. Kein Wunder, daß in dem wirthschaftlich so rück- ständigen Oesterreich, in dem die Masse der Arbeiter kleingewcrbliche, nicht großindustrielle sind, unter diesen Verhältnissen energisch auf- tretende Anarchisten das Zutrauen der Mehrheit der Genossen an verschiedenen Orten erlangten und die Partei sich in zwei Frakttonen spaltete, die sich zum Gaudium der Gegner unter einander zerfleischten. Viel schwerer als die Sozialdemokratie Deutschlands ist die Oester- rcichs durch das deutsche Sozialistengesetz geschädigt worden. Aber nun !>at auch sie dessen Wirkungen überstanden und sich selbst wiedergefunden. Einig steht sie wieder da und mit der Einigkeit ist auch das Bewußt- sein ihrer Solidarität mit der deutschen Sozialdemokratie wiedererstanden. Der Parteitag zu Hainseld hat nicht blos den Bruderzivist im Innern sondern auch die Entzweiung mit dem Bruder im Nachbarlandc be- graben. Eine neue Aera beginnt damit für die Arbeiterbewegung in Oester- reich. Tie Genossen werden allüberall mit neuer Kraft und neuem Muth an die Arbeit der Propaganda gehen. Aber auch für die deutsche Arbeiterbewegung dürste unsere Einigung nicht ohne Bedeutung sein. Wir werden nicht blos von Deutschland beeinflußt, wir beeinflussen auch dieses. Hat das deutsche Sozialistengesetz in seinen Folgen Vcr- wirrung und Zwiespalt in unsere Reihen getragen, so hat dieser wieder Erscheinungen gezeitigt, die auch die deutsche Sozialdemokratie schwer bedrohten, Erscheiimngcn, deren Folgen abzuwehren, es ihrer ganzen Disziplin und Klugheit bedurfte. Wir dürfen daher nicht nur uns, sondern auch den deutschen Genossen Glück wünschen zu den Ergebnissen des Hainfelder Parteitags. ~*jv\rar\/\r*~ SonalpMische Rundschau. London, 9. Januar 1889. — Die Ruckschau» zu welcher die Jahreswende Veranlassung bietet, läßt für unsere Partei nur die günstigsten und chrenvollsten, ftir unsere Feinde nur die beschämendsten und schimpflichsten Rcsullate erkennen. Kein Jahr hat uns so schwere Prüfungen gebracht, wie das vergangene. Zu den politischen Verfolgungen, die geradezu wahnwitzig gesteigert wurden, hat sich ein System gesellschaftlicher und wirthschaftlicher Acch- timg gesellt, welche sich von der Proskription des barbarischen Alter- thunis nur durch die Methode unterscheidet, mit ihr aber genau das gleiche Ziel verfolgt: die persönliche Vernichtung d c L politischen Gegners. Wohl haben wir auch schon in früheren Jahren Beispiele solcher Aechtung gehabt, doch es waren nur vereinzelte Beispiele: hier und da wurden aus Fabriken, Werkstätten, Werften und sonstigen Be- triebsanstalten die Sozialdemokraten hinauSgeniaßregelt, allein das deutsche Bürgcrthum war in seiner Masse noch nicht so korrumpirt, daß derartige Infamien zur Regel geworden ivärcn. Der pommcr'sche Schnapsjunker, dessen historische Toppclmission es ist, die Monarchie in Deutschland zu Grunde zu richten und das deutsche Biirgcrthum zu denioralisireu, hat e� glücklich zu Wege gebracht, daß eine so nieder- trächtige und barbarische Kampfweise im Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte zur Regel geworden. Die Faschingswahl des Jahres 1887, welche direkt von dem Oberdemagogen Bismarck geleitet wurde, konnte nur vermittelst einer ganz Deutschland umspannenden geheimen Organisation oder, wie der staatsanwaltliche Ausdruck lautet; geheimen Verbindung durchgeführt werden. Und dieser Ge- heimbiind, den selbstverständlich kein Staatsanwalt verfolgt, kein Ge- richtshof strafbar findet, umfaßt außer fäinintlichen Beamten und anderen von den Regierungen abhängigen Personen auch sä mint liche Arbeitgeber Deutschlands, welche nicht den Muth hatten, die k a t c g o r i s ch a n s i c c r g a n g c n e A u f f o r d c r u n g zum Beitritt abzulehnen. Und die Zahl Derer, die den Muth gehabt, ist eine verschwindend kleine. In den Statuten des Geheimbunds, welche uns bekannt sind— der Ausdruck„Statuten" wird allerdings nicht gebraucht— befindet sich aber die Bestimmung, daß die Arbeitgeber ihren g a n z e n E i u f l» ß ans die Arbeiter zur Her- beiführnng„r c i ch s t r c u e r Wahle n" benützen und keinen Sozialdemokraten in ihrcnEtablissements dulden sollen.... gt a ch der Wahl schlief der Gcheimbund auf einige Zeit ein; die Ersatzwahlen, welche nach dem„großen Sieg des natioiialcn Gedankens" siattfailden, riefen aber den Kartellbrüdcrn und ihrem Oberdemagogen ein so deutliches rnernento niori! zu, daß die Urheber des„Angstpro- dukteS" selber in Angst gcriethen und zu der Ueberzeugung gelangten, daß ihr einziges Heil in der Wiederherstellung jenes Geheimbunds und dessen denkbar stranimstcr Organisation bestehe. Jetzt ist dieser Geheimbund der Junker, Bourgeois und Protestant!- scheu Pfaffen wieder im ganzen Bereich des deutschen Reichs— mit Ausnahme der von dem Zentrum beherrschten Gegenden—„stramm" organisirt, und der gesellschaftliche und wirthschaftliche Boykott. der über die Sozialdemokraten und namentlich über die sozialdemokratischen Arbeiter verhängt ist, geht von diesem Gehcimbunde der Reaktion aus, dessen Haupt der Oberdemagoge und Rcichs- Schnapsbrenncr Bismarck ist. Nun,— die deutsche Sozialdemokratie hat auch die Machinationen des Bismarck'schen Geheinibunds zu Nichte gemackst, und auch aus ihnen, wie aus allen Maßregeln unserer Feinde, nur neue Kraft gesogen. Dem Boykott von oben wird der Boykott von unten entgegengesetzt.der unsere Reihen noch fester zusammenkittet, als die politischen Ver- folgungen es vermocht haben. � n ,, Auf die Haussuchungen, Verhafttingen, Sozialistenprozesse, deren Zahl im vergangenen Jahre Legion war, so daß alles ftüher auf diesem Gc- biete Verübte in Schatten gestellt ist, sei hier nicht des Näheren ein- gegangen. Genug— wenn unsere Feinde sich etwa noch in dem Wahne griviegt haben sollten, durch ein polizeiliches S ch r c ck e n s r c g l- ment uns zur Ilntcrwerfting zu bringen oder wenigstens«mürbe zu machen", so müssen sie jetzt, falls sie nicht vollständig blind sind, sich von Ihrem Jrrthum überzeugt haben. Die Stricte, mit denen man die un- aufhaltsam voranschreitende Arbeiterbewegung zu knebeln bemüht ist, sind niir elende Zwirnsfäden, die das sozialdemokratische Proletariat spielend zerreißt»nd die seine Verachtung für die Urheber solch ver- brccherischer Thorhcit blos noch steigern können. Die Festigkeit der deutschen Sozialdemokratie hat sich am Glänzend- sten gezeigt bei den Thronwechseln, mit denen das dcutt'chc Reich der Hohcnzollern in der ersten Hälfte des verflossenen Jahres beschenkt wurde. Alles kam in's Schwanken und Wanken. Die Position des Haiismciers der Hohenzollern lvurde ernstlich erschüttert: an Stelle des willenlosen Schaukatser«, in dessen Namen er unumschränkt geherrscht hatte, kam ein Mann, welcher die Absicht hatte, dem Hausmeierthum ein Ende zu machen und in die Bahnen des bürgerlichen Parlainen- tarismus einzulenken. Ob das Ziel überhaupt zu verwirklichen ivar, bleibe dahin gestellt. Der neue Monarch, der sterbend den Thron be- stiegen hatte, starb noch ehe er zum Versuche gelangt war. Das Einzige, was er thun konnte, war die schimpfliche Entlassung des be- schränktesten, rohe sten und geni ein sten Vertreters des Systems Bismarck, Dem System selbst wurde kein Haar gekrümmt. Der skandalöse Kampf, welchen der in seinem lukrattven Amt be- drohte Hausmetcr der Hohenzolleni gegen den zweiten Hohenzollern- kaiscr unternahm, hatte die gute Folge, daß der schon arg imtergrabenc Glaube an das monarchische Prinzip im denkfähigen Theile des Volks vollständig vernichtet wurde. Wenn der Beamte, welcher sich bei jeder Gelegenheit nicht blos als die Hauptsäule der Monarchie, sondern auch als Schöpfer des deutschen Reichs anpreisen ließ, die Person und Fa- milic des regierenden Kaisers durch seine Soldpresse auf das Pöbel- haftcste besudelte, und seine Verachtung ftir das monarchische Prinzip im Allgemeinen und speziell für die Dynastie der Hohenzollern vor aller Welt kund that, mußte es nattirlich dem V o l k e klar werden, daß das Kön'.zthum und auch das Kaiserthum nichts sind als Trugbilder und Popanze, erfunden von gewissenlosen Eharlatanen und Schwind- lern, um die Völker auszubeuten und an der Nase herumzuführen. Die Herren Auguren haben das Geheimniß verrathcn, und das ist gut. Während alle übrigen Parteien durch den Kampf zwischen Kaiser und Kanzler und den Pcrsoncnivechscl in den obersten Regionen aus Rand und Band gebracht wurden, hatten diese Vorgänge für uns Sozial- demokraten die Bedeutung eines Schattenspiels an derWand. Die P e r s o n des Kaisers oder Königs ist uns eine q u a n t i t e negligeable, um einen neuerdings modisch gewordenen Ausdruck zu brauchen, eine so kleine Größe, daß sie nicht in die Berechnung gc- zogen zu werden braucht. Ob der Monarch uns Freund ist oder F e.i n d, das ist für unsere Bewegnug durchaus glcichgiltig— obgleich es für manche Personen nicht glcichgiltig ist, die persönlichen Launeu zum Opfer fallen können. Wir wissen, daß das Heil nicht v o n o b c n kommt— von den Thronen soivenig wie vom Hiiunicl des Kiiidcrulärchens—, daß Wir die alleinigen Schmiede iin- sercs Schicksals find. Der zweite Thronivechsel hat die Lage nicht entwirrt. Der letzte Hohenzollcrnkaiscr bezeigt schon durch sein nervöses Hin- und Herreisen und sttedehalten den Mangel an Grundsätzen und Festigkeit. Der Kainpf zwischen Kanzler und Kaiser ist aus dem attitcn in das chronische Sta- dluni getreten— der zweite Wilhelm hat offenbar keine Lust, die Nolle des ersten Wilhelm zu spielen und möchte sich gern den Po- .lypenarmen seines Vasallen und der Sippe desselben entivinden, indeß, das hat seine Schwierigkeiten, und die weiteren Peripetien dieser olym- pischen Katzbalgerei werden die Zersevung der bestehenden Zustände noch fördern und beschleunigen. Djc deutsche Sozialdcmokratte geht heiter und siegesgewiß den Kämpfen entgegen, ivclche das Jahr 1889 ihr verheißt. Sie läßt den Blick rückwärts schweifen in die Vergangenheit bis vor hundert Jahren: Als das Jahr 1789 geboren war, stand der Despo- tismus noch auftccht in ganz Europa. Und als das Jahr 1789 zur Ruhe ging, hatte der Dcspottsmus in Europa den„Sws; in's Herz" erhalten. Das Jahr 1889 wird uns harte Prüfungen bescheren, schwere Opfer über uns verhängen— aber keine Verfolgung soll unsern Vormarsch auch nur um eine Sekunde mifhaltcn. Denn wir marschiren zum Sieg, und das Jahr 1889 bringt uns den hundertsten Geburts- tag der„großen Revolution". — Zwei wichtige Gewerkschaftskongresse haben in der letzten Woche des alten Jahres stattgefunden. In Braunschweig tagte vom 28. bis 28. Dezember ein Allgemeiner deutscher Tischler- Kongreß, in Weimar vom 28. bis 31. Dez. ein Allgemeiner Kongreß deutscher Metallarbeiter. Gegen den Erstcren hat die vcrprcußte Regierung Brannschweigs einen recht nichtswürdigen Streich gefuhrt, indem sie, nachdem der Kongreß ivochcnlang vorher angezeigt worden, kurz vor Zusammentreten desselben ein Verbot gegen ihn erließ, dann aber. als bereits ein Thcil der Delegirtcn abgereist war, das Verbot als auf einem.Jrrthum" beruhend aufhob. Leider ist man in Deutschland noch nicht so barbarisch, für solche.Jrrthümer" die Herren Beamten haftbar zu machen, die sie begehen, sondern so zivilisirt, die Tragung der Kosten derselben ihren Opfern zu überlassen. Was nun die Kongresse selbst anbetrifft, so bildete einen der Haupt- gegenstände ihrer Berathungen die Frage der zweckmäßigsten Art der g c w e r k s ch a f t l ich e n O r g a n i s a ti o n der Arbeiter. Zwei Streit- punkte sind es, die in dieser Hinsicht die deutschen Arbeiter gegenwärtig lebhaft beschäftigen. Erstens die Frage, ob spezielle F a ch o r g a n i- s a t i o n oder allgemeine Branchenorgauisation vorzu- ziehen, zweitens ob unter den gegenwärtigen Verhältnisse» a l l g e- meiue Zentralisationen über ganz Teutschland aufrcchtzu- erhalten imd oder durch lokale selbständige Organisationen zu ersetzen seien. Die erste Frage ist weder neu, noch der deutschen Bewegung eigenthünilich. sie wird auch in andern Ländern in den Kreisen der für ihre gewerkschaftliche Organisation intcrcssircndeii Arbeiter immer wieder erörtert. Tie Erfahrung hat gezeigt, daß es viel- fach leichter hält, die Arbeiter bestimmter Uiiterabthcilungcn einer all- gen, m, eil Bcrufsbranchc(also die Dreher, Former, Schlosser?c. in de, NtctaUarbeiterbranchc) zusammenzuführen, als diese alle in einer allge- Uleinen Branchenorgauisation, anderseits ist es aber nicht zu bestreiten, daß die letztere, wenn durchgeführt, ungleich leistungsfähiger sein miiß als die bloße Fachorganisation. Auch ist sie für kleinere Ortschaften leichter auftcchtzuerhaltcn. Aber diese Frage läßt sich nicht kurzerhand mit allgemeinen«eutenzen abthun, hier spielen so viele lokale und fach- liche Spezialintercssen und Bedürfnisse mit, daß man wohl das allge- meine Ziel feststellen und auf seine Verwirklichung hinarbeiten kann, jede Ausschlicßlichkcit sich aber als ein verhängnißvoller Fehler erweist In dicseni Sinne lauten denn auch die Beschlüsse des Metallarbeiter- Kongresses, den grade diese Frage in hervorragendem Maße beschäftigte. Was nun die Streitfrage, ob lokale Organisation oder natio- »alc Zentralisation anbetrifft, so ist die Thatsache, daß dieselbe in Deutschland ernsthaft austanchen konnte, wo die klasscnbeivußtcn Ar- bcitcr von jeher den Werth der Zentralisation zu schätzen gcivußt. nur der paschamnßigen A u s l e g u n g d e r r e a k t i o n ä r c n d c u t s ch e n Bcreinsge setze und des Art. 152 der deutschen Ge- w e r b e o r d n u n g durch die deutschen Behörden zuzuschreiben. Was in dieser Hinsicht auf beiden Kongressen von den verschiedenen Tele- girten mitgetheilt werden konnte, grenzt an das Unglaubliche. Der winzigste Vorwand wird an den Haaren herbeigezogen, um die gcwerk- schaftlichcn Organisationen der Arbeiter zu schädigen, Mitgliedschaften zcntralisirtcr Organisationen als politische Vereine zu erklären und daraufhin gesttitzt a u f z u l ö s e n und ihre Leiter zu b e st r a f c n. In keiner Beziehung wird die„Gleichheit vor dem Gesetz" so schamlos mit Füßen getreten als in der Handhabung des VereinSgesetzes. Dem Aus- beutcrthum, den Bedicntenvcreincn der herrschenden reaktionären Sippe ist alles erlaubt, den unabhängigen Arbeitern wird alles als Verstoß angerechnet. Im Hinblick darauf ist nun seit einiger Zeit eine, literarisch von dem Baurath a. D. Keßler mit vielem Geschick vertretene Agitation im Gange, statt der zentralen Verbände selbständig Lokalvereinc zu Pflegen, denen die Behörden schwerer an den Leib können, und in denen daher die Arbeiter sich weit ftcier bewegen und eine weit um- fangreichere Thätigkcit entfalten könnten als in den Erstcren. Mm, muß blind sein, um dieser Argulneutirung jede Berechtigung zu bc- streite», sie ist sicher der ernstesten Erivägung Werth, andererseits aber ist nicht zu vergessen, daß das Aufgeben der Zentralisationen ein Auf- geben des guten Rechts der Arbeiter heißt, statt eines ftischen fröh- lichen, unablässigen K a m p f e s um'sRecht. Und ob das wohl gcthan, bleibt auch zu überlegen. Auf beiden Kongressen ist man über die Streitftage, wie das nach Lage der Dinge nicht anders möglich, mit einem ttonipromiß hinweg- gegangen. Besser Zentralisation und lokale Koalitionen friedlich neben einander als im Kamps gegen einander. So ergänzen sie sich und die Feinde der Arbeitersache sehen sich um ihre verfrühten Hoff- Nungen geprellt. Ueber dcn Tischlcrkongreß fehlen uns genauere Zahlen, der Metallarbeiterkongreß war von 70 Dclcgirten, die 48 Orte verttaten, besucht. — Von den beschlossenen Resolutionen sind folgende besonders be- mcrkcnswerth: 1) Resolution des T i s ch l e r- K o n g r e s s e s: „In Erwägung, daß gegenüber der immer größeren Konzentration des Kapitals einerseits, sowie der durch die Begünstigung der Behörden sich immer mehr ausdehnenden Innungen anderseits die Lage unseres Gewerbes nur durch eine alle Kollegen des Gewerbes umfassende Or- ganisatton gehoben werden kann, ist von den Kollegen allerorts in Dentschland auf zentrale Organisation hinzuwirken. Stellen sich jedoch imübersteigbare Hindernisse seitens der Behörde der Zenttali- ffation entgegen, so sind st a r k e L o k a l v c r e i n c zu gründen, die für die Interessen der Kollegenschaft am Orte wirken und Aufklärung über die heutigen Verhältnisse geben." 2) Resolutionen des Metall a�rbeiter-Kongresses: „Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß die Arbeiter nicht Im Stande sind, durch die gewerkschaftliche Organisation ihre Lage durch- fl'reifenb und auf die Dauer 311 verbessern, ist sich dcr5koilgreß dennoch bewußt, daß die geiverkschastliche Organisation den Arbeitern ein Mittel bietet, ihre materielle Lage zeitweise zu heben, ihre Auf- klärung zu fördern und sie zum Bewußtsein ihrer K l a s f e n l a g e zu bringen. .Der Kongreß erklärt es deshalb für die Pflicht aller Metallarbeiter, sich den bestehenden Metallarbeiter- Organisationen anzuschließen. und wo solche nicht vorhanden sind, unverzüglich Organisationen zu gründen. Als die zweckmäßigste Organisation erachtet der Kongreß i m P r i n- zip die Zentralisation und erkennt deshalb die bestehenden Zentralisationen an, sieht jedoch mit Rücksicht auf die gesetzlichen und politischen Verhältnisse von der Gründung einer weiteren Zentralisation zur Zeit ab. Gr empfiehlt vielmehr die Förderung und Gründung iotaler Organisationen mit der Maßgabe, daß sowohl Branchen(all- gemeine Metallarbeiter-) als auch Fachorganisationen, je nach den ört- liehen Verhältnissen, für zweckentsprechend zu erachten sind." II. „Der Kongreß erklärt, daß durch den is 152 der Gewerbeordnung die Koalitionsfreiheit der Arbeiter nicht gc sichert i st und erwartet, daß die Metallarbeiter mit aller Energie für die Er- langung eines wirklichen und gesicherten Vcrcinigungsrechtes eintreten." III. „Der Kongreß der Metallarbeiter erklärt, daß eine wirksame Ar- beitcrschutzgcsctzgcbung nur auf internationaler Basis rationell dnrchge- führt werden kann und empfiehlt den deutschen Metallarbeitern, alle gesetzlichen Mittel anzuwenden, welche geeignet erscheinen, die Herbei- führung einer internationalen Arbeitcrschutzgcscygebung zu verwirklichen." — Bivant scqucntcS. Es leben die noch folgen werden! So rufen wir fröhlich aus in Hinblick auf die eklatanten Nieder- lagen, die das System Bismarck gleich in der ersten_ Woche des neuen Jahres erlitten, und die sich betiteln: Freilassung Geffkens und Züchtigung Herbert Bismarcks durch Marter. Fürwahr, Vater und Sohn, die das deutsche Reich und gewissermaßen ganz Europa schon unter ihren Füßen glaubten, sind gleich gut fortgekommen, es ist unmöglich zu sagen, wer von Beiden der Blamirterc ist. Beginnen wir mit dem Vater: Nachdem es Geffkcn 99 Tage in Untersuchungshaft gehalten, Berge von Akten gegen ihn zu- samnceugcttagcn, hat das Reichsgericht ihn am 5. Januar auf freien Fuß setzen müssen mit der Erklärung, es ließe sich mit dem besten Willen keine Klage auf LandeSvcrrath gegen ihn begründen. Und das, trotzdem Bismarck in seiner famosen Jinmcdiat-Eingabc so schön dargelegt, daß und wanim die Veröffentlichung des Tagebuchs Friedrich III. der offenbarste Landesverrath sei, de» man sich nur denken könne. Wer sich crrinnert, wie gehorsam das Reichsgericht in allen früheren Landesverrath»-, Hochverraths- und sonstigen Staats- Prozessen— die Diäten- und Geheinibundsprozesse mit inbegriffen— der Sicchtsbelchrung des allmächtigen Kanzlers gefolgt ist,>vie willig es sich hergab, zu dcduzircn, daß weiß nicht weiß, sondern hcllschwarz oder kurzweg schwarz sei, für den untersteht es auch keinen, Zweifel, daß es in Wirklichkeit nicht am Können, sondern am Wollen des Reichsgerichts gelegen hat, wenn dasselbe den Freund Friedrich III. nicht zum Hochvcrräther gestempelt hat. Welche(st r ü n d e die Herren Reichsgerichtsräthe bewogen haben, von ihrer ruhmvollen Praxis ab- zuweichcn, das entzieht sich allerdings vorläufig der öffentlichen Kennt- niß, wir sind da auf Lermuthungen angewiesen. War es die bezau- dernde Liebenswürdigkeit, mit der Wilhelm II. bei der Einweihung de» Rcichsgcrichtsgcbäudes die Herren behandelt, die sie zu so nnerwar- teter Schwenkung— erniuntert? Oder haben Diejenigen Siecht, die da auuchmeu, daß von Berlin aus dem Steichsgericht abgewinkt wor- den sei, nachdem man sich habe überzeugen müssen, daß man durch eine VerurthcUmig Geffkens nichts gewinnen werde, sondern nur weitere Enthüllungen riskire it Wie dem auch sei, in beiden Fällen bleibt Bis- marck der Geschlagene. Und daß die Niederlage keine kleine, zeigt die verdoppelte Wuth, mit der die Reptilpresse auch nach der Freilassung auf Geffken losschlägt. Und nun zum Sohn. Den Morierhandel kennen unsere Leser. Auf die angeblichen Aussagen eines Bazaine hin hat Herr Herbert Bismarck sich für bcreckitigt erachtet, den Freund des verhaßten„liberalen Kai- fers" de« schuftigsten Bcrraths zu verdächtigen, der nur denkbar ist. Sir Moricr hat dem Vcrliiumdcr darauf eine Antwort gegeben, wie dieser schwerlich zuvor eine erhalten hat. Wir bedauern, daß uns der Raum fehlt, den Briefwechsel vollinhaltlich hier abzudruckon, wir müssen den Leser in dieser Hinsicht auf die Tagcspressc verweisen, und konsta- tiren nur, daß mit Ausnahme der Rcptilicnprcsse alle Welt darüber einig ist, daß noch nie ein Diplomat in einer Streitsache eine kläglichere Rolle gespielt hat, als der große Sohn des großen Vaters. Was muß er nicht alles von Sir Moricr hinunterschlucken?„Größte Verachtung", „handgreiflich abgeschmackte Geschichte",„faule und unglaubliche Ver- läumdmig",„abnormen Zynismus",„schmutzige und schändliche Ver- läumdung", und auf alles hat er nur eine Antwort, die eine Zurecht- Weisung sein soll, thatsächlich aber nur ein feiges Verkriechen vor einer offenen Auseinandersetzung ist. Diese grenzenlose Blamage just zur selben Zeit, da die öffentliche Meinung Deutschlands mit Tampfkrast daraufhin dearbeitet wird, in Herbert Bismarck den denkbar besten Nachfolger des jetzigen Reichskanzlers zu erblicken, in der That, das neue Jahr sängt gut an. Freilich hat die Sache auch ihre andere Seite. Die schamlose Art, mit der die offiziöse deutsche Presse in Artikeln, denen Jedermann ihren amtlichen Ursprung anmerkt, gegen einen akttven Beamten eines— wenigstens offiziell— befreundeten Reiches— beschimpft, hat Teutschland nicht nur in England auf's Neue viel Gegner geschaffen, ihm viel Sympathien entzogen. Und es hat in dieser Hinsicht im Ausland nur noch sehr wenig zu verlieren. Wenn Moltke seinerzeit im Reichstag sich zu dem Gcständniß veranlaßt sah: wir haben in Europa wohl Ach- tung, aber keine Liebe erworben, so stimmt das heute nur noch in Bezug auf die zweite Hälfte. Auch die Achtung, deren sich Deutschland ehe- dem erfreute, ist in rapider Abnahme begriffen— Dank dem System Bismarck, das, auf den Säbelknauf gestützt, die früher nur in der in- nern Politik geübte Tattik seit Langem auch auf die äußere übcrttagc» hat. Was eine solche Sittiation für ein Land bedeutet, braucht nicht erst ausgefiihrt zu werden. Kommt es dahin, daß das deutsche Volk die Konsequenzen derselben in ihrer ganzen Schwere zu kosten erhält, so hegen wir nur den Wunsch, daß dann auch ihre Urheber noch an: Leben sein mögen, um den Lohn für ihr verbrecherisch frivoles Treiben einzuheimsen. Besser wäre es freilich, der Zusammenbruch des Systems erfolgte zeitig genug, um die sonst unausbleiblichen Katastrophen ver-- hindern zu können. Und damit noch einmal: Vivant scquentes! —„Barbarisches." Irgendwo lesen wir(wir lassen die Namen tc. vorläufig weg):„Man wird sich noch erinnern, daß dem hiesigen____ Gesangverein..... vor einiger Zeit von dem Wirthe des Lokals, in welchem der Verein seine Versammlungen abzuhalten pflegt, die weitere Ueberlassung des Etablissements verweigert lourdc in Folge der Droh- uiigcn und Hetzereien der chauvinistischen Presse, insbesondere der.... Die---- hatte nun ein anderes Lokal ausfindig gemacht, wo gestern die übliche Weihnachtsfeier des Vereins abgehalten werden sollte. Doch im letzten Augenblicke kam auch dieser Wirth— es handelt sich um das Eafe____ im____ und erklärte dem Vorstand der...... daß er ihm seine Räumlichkeiten nicht hergeben könne, da auch er zahlreiche Drohungen erhalten habe. Das Weih nachts fest der____ hat demnach nicht stattfinden können." Angenommen, es handelte sich um einen sozialistischen oder auch nur deutschfreisinnigen Gesangverein in irgend einer der— glücklicherweise recht zusanimeugeschmolzenen—„Hochburgen" des„nationalen" Servi- lismus, welcher gutgesinnte Deutsche würde an dem Vorgänge irgend etwas Tadel nswerthcs finden V Kein Einziger. Kein Blatt würde von der Sache?!otiz nehmen, denn sie hat sich, wenigstens den Sozialisten gegen- iibcr, schon zu Hunderten von Malen ereignet und wird sich, solange sich die Bismarckei am Ruder befindet, noch oft wiederholen— in den meisten Fällen unter der verschämten oder unvcrschäinten Mit- Wirkung der Behörden. Und trotzdem ist die obige Notiz in allen nationalen deutschen Blättern, d. h. der ganzen Reptil presse, zu finden. Wieso? Warum? Nun, Franzosen haben den deutschen Staats- rettern das Kunststück abgeguckt, und der Gesangverein„Teutonia" in Paris hat infolgedessen sein Weihnachtsfest nicht abhalten können. Und was, wenn von den Herren„Teutonen" gegen die eigenen Lands- leute praktizirt, gesinnungstüchtig, nur zu bercchttgtes„Ueberschäumcn �dcs Patriotismus" wäre, wird nun, von den Franzosen geübt, schmäh- liche Verletzung der Gastfreundschaft,„gehässige Verfolgung"— ins Bismarck'sche Norddcutsch-Allgemeine übersetzt, vollendete Barbarei. Elende Heuchelei! Um so nichtswürdiger, als dieselben Patrone, die jetzt so entrüstet thun, zuvor Alles aufgeboten haben, die Franzosen noch zu ganz anderen Tingen aufzustacheln als eine bloße Saalabtrcibung. i. In deutschen richterlichen Kreisen thut man sittlich entrüstet über einige Auslassungen des— auch in richterlichen Kreisen sehr fleißig gelesenen—„Sozialdemokrat". Ein Richter, der die„erzieherischen Wirkungen" des Sozialfftcngcsetzes noch nicht bis zur Neige gekostet hat, bezeichnet es als eine Ungerechtigkeit, daß wir„den Richterstand . für die Gesetzgebung verantwortlich machen" und„harte Erkennt- 'nissc, die durch das Gesetz geboten sind, dem Richtcrstand zur Last zu legen". Der Richter habe sich einfach an das Gesetz zu halten: er habe nicht über das Gesetz, sondern nach dem Gesetz zu urtheilen: und es liege im Interesse einer gesunden Rechtspflege, daß die Richter an diesen: Grundsätze festhielten; denn, wenn sie einmal ihre subjektive An- ficht über das itzcsctz stellten, so sei der Willkür Thür und Thor ge- ößnct, und bei der jetzt in Deutschland herrschenden politischen Sttö- mung würde sich eine solche Ariffassimg den Sozialdemokraten am aller- verderblichsten erweisen. Win, wir haben niemals von Richtern verlangt, daß sie ihre sub- jektiven Anschauungen und Meinungen über das Gesetz stellen; was wir verlangt haben und verlangen, ist, daß die Richter sich nicht dazu ge- brauchen lassen, im Namen des Gesetzes und unter der Maske des Ge- sctzes Partcipolitik zu treiben, und den schmachvollsten Will- kürakten den Stempel des Gesetzes aufzudrücken. Was wir den deutschen Richtern zum Vorwurf machen und wessen wir sie anklagen, das ist, daß sie sich seit 187 8 durch da» Sozia listen- gesetz dazu haben„erziehen" lassen, den richterliche» Standpunkt mit dem polizeiliche» zu vertauschen, und Vergehen„anzunehmen" oder„f e st z u st e I l e n", für welche der juristische Beweis fehlt. Was wir ferner den deutschen Züchtern oder doch vielen von ihnen zum Vorwurf machen, ist, daß sie Strafen verhängen, die, selbst die juristische Schuld der Ver- urthciltcn vorausgesetzt, weit über das gesetzlich Roth wen- dige hinausgehen und das Vi c r k m a l des gehässigsten Partcigeists an der Stirn e tragen. Wir erinnern hier namentlich an zahlreiche Erkenntnisse des Leipziger Gerichts, und stellen dieselben in Vcrglcichnng mit den in parallelen Prozessen gefällten Erkenntnissen des Landgerichts Berlin. So viel für heute. Gelegentlich iverden wir auf die Materie zurückkommen. — Unter den im Leipziger«tclicinlbnnde-prozcst Vcrurth eilte» befindet sich auch ein Arbcitsmann ZtamenS Richter.„Dieser Richter", schreibt man uns,„ist an Allem, was den Angcschuldigrcn zur Last ge- legt wurde, so unschuldig wie ein ncngebornes Kind. Er hat mit der Partei gar nichts zu thun und versteht vom Sozialismus auch nicht die Ansangselemente. Er war auch gar nicht in der Tathe'schen Wirtbschast, wo die„Versammlung" stattgefunden haben sollte— sein Verbrechen bestand darin, daß er, als die Verhaftung der Anderen stattfand, auf der Straße ein Stück Pap er aufhob, es zerriß und weiter ging. Das genügte, ihn als„Geheimbündler" in Untersuchungshaft zu nehmen. Nattirlich mußte er freigesprochen werden. Weiter sei noch bemerkt, daß, um die Schuld des Angeklagten Geiger zu beweisen, Herr Häntzschel darauf hinwies, daß im„Sozial- Demokrat" bei Quittungen wiederholt Ggr. steht, das könne nur Geiger bedeuten. Sehr geistreich, Herr Staatsanwalt, fast so geistreich wie die Entdeckung eines Ihrer Kollegen in Linz, daß, wenn im„Sozialdemo- krat" ein Beitrag unter Fuchs quittirt wird, dies für Niemand anders gelten kann als für einen Arbeiter, der wirklich Fuchs heißt, auch wenn dicfer einen Betrag von solcher Höhe— es handelte sich um mehrere hundert Mark— schwerlich je in Händen gehabt. Nein, Herr Häntzschel, fo leicht machen wir unseren guten Freunden, den modernen Jnqui- sitionsbriidern das Handwerk nicht. Das Ggr. können Sie sehr häufig in unseren Quittungen finden, schon zu einer Zeit, wo(Zeiger schwer- lich irgend welche Thätigkeit entfaltet haben konnte. Es heißt nicht Geiger, auch nicht Großgörs6,cncr, sondern einfach: Ei e g c n r c ch n u n g. Und nun sehen Sie zu, ob Sie einen Sozialdemokraten dieses Stamms auftreiben. Geiger wurde zu zehn Monaten Gcfängnisi verurtheilt. — Was in Deutschland begnadigt wird. Ein nnifonnirter Hallunke Namens Zenker, Licutnant icincs Zeichens, welcher vor Kurzem lvegen eines unglaublich rohen Exzesses, lvie nur„Edelste" der Nation" oder deren Kumpane in der Nioltke'schcn Bilduugsanstalt sie verüben können, zu einmonatlicher Festtingshaft verurtheilt wurde— ein Arbeiter, der das Gleiche gethan hätte, wäre mindestens auf l',- Jahre in's Gefängniß gewandert—, ist von Seiner kaiserlichen Ma- jestät, dem obersten ttriegsherrn, huldreichst begnadigt worden. Und da gibt es noch Leute, die sich darüber wundern, daß die letzten Thron- Wechsel keine Amnestie sürSozialdmokratcn gebracht haben. Die Sozialdemokraten find eben anständige Leute. Um in Deutschland der allerhöchsten Gnade thcilhaftig zu werden, muß man auf dem sittlichen Niveau eines Zenker stehen. — AuS einem andern Loch gepfiffen. Wenn die Herrn Aus- benter in der Regel die Lage der Arbeiter nicht glänzend genug darzu- stellen wissen, giebt es doch auch für sie Mornaitc der striktesten Nüchternheit, ja Wahrheitsliebe, wo es ihnen wie Schuppen von den Augen fällt und sie mit wahrem Eifer den Schattenseiten im Daseinskampf des Arbeiters nachspüren. Diesen edlen Trieb in den Untcrnetnncr- herzen zu erwecken, ist z. B. das U n f a l l v e r s i ch c r u n g s g e s c tz vortrefflich geeignet. Wenn es gilt, in den Benifsgenossenschaften die Normen für die Entschädig ungsrcuten der Arbeiter fest- zusetzen, da nehmen die Herren Unternehmer es mit dem schlimmsten „Hetzer" und„Wühler" auf im Nachspüren nach den Schwierigkeiten des Arbciterdaseins. Natürlich nur au» dem ethischen Grunde, daß die Rcnte� auch keinen Heller zu hoch ausfällt. So' lesen wir neuerdings in der Berliner„Volkstribüne": „Auf dem Verbandstagc der deutschen Baugewcrks- Berufsgcnosscn- schafteu am 1. September v.J. zu Stuttgart ist festgestellt worden, daß die durchschnittliche jährliche Arbetszcit der Bauhandwerker zwei- h u u d c r t z w a n z i g Tage beträgt. Wir geben den diese Sache betreffenden Protokollabschnitt jener Ver- sammlung wörtlich wieder: „ad VIII der Tagesordnung ist der bereits im vorigen Jahre verhandelte Antrag der Hainburgischcn Baugelvcrks-Berufsgenossen- schast, betreffend die einheitliche Ermittelung der Durchschnittszahl der versicherten Arbeiter, wiederum eingebracht und damit motivirt, daß die aus dengtcchnungscrgcbnisscn dcsJahres 1886 zu entnehmenden Zahlen, beziehungsweise zu berechnenden Jahrcsarbeitsverdicuste der Arbeiter den Beweis der llnrichtigkcit der Durchschnittszahl liefere, während doch diese Grundlage aller Stattstik möglichst genau sein müsse. Es wird vorgeschlagen, die Summe der aus den Lohnnachweisungen sich ergebenden Tagewerke durch 250 zu dividirc», da diese Zahl bereits als Norm fiir die regelmäßige Beschäftigung eines Arbeiters in einem Jahre, in Be- zug auf die S.'lbstverficherung, vereinbart worden. Herr Gerhardt-Elbcrfeld und Andere unterstützen den Antrag, doch wird die Zahl 250 als Divisor mehrfach für zu groß erachtet und dafür die Zahl 220 vorgeschlagen. Der Herr Vorsitzende führt die Entscheidung durch Abstimmung herbei und dadurch den Beschluß, daß fortan die Summe der Tagewerke durch 220 zu dividireu vorgeschlagen wird. Die Sache ist für die Arbeiter natürlich wichtig bei etwa wieder vorkommenden Ausständen, wenn die Unternehmer dem Publikum von dem hohen Jahresverdienst der Maurer und Zinimerer vorfliiuleni*) 2 20 Tage kann ein Maurer oder Zimmerer durchschnittlich im Jahr. arbeiten, lvcnn er immer Arbeit erhält und nicht wegen Arbeitsinangel feiern muß! *) Es sind übrigens dabei die Tage noch nicht in Abzug gebracht, die der Bauhandwcrker durch Laufen nach Arbeit oder sonstwie bc- schäftigungslos ist, wenn das Wetter das Arbeiten gestatten würde. Das macht im Jahr 22 0: 6— SO2/» Wochen. 4 7 Wochen soll das Beitragsjahr der Alters- und Invalidenversicherung haben, fehlen also 1 0'/s Wochen jährlich. Bei der Altersrente erhöht sich auf diese Weise die Warte- zeit von 30 Beitragsjahren auf nahezu 39 Kalenderjahre. In den 50 Wartejahrcn, die zum Erreichen der höchsten In- validenrente erforderlich sein fallen, sind 2 350 Wochen cuthalten. Ilm sie zu erreichen, braucht der Bauhandwcrker mehr als 04 wirkliche Jahre, wenn er immer Arbeit hat: er wird dann also min- bestens 81 Jahre alt! Wohl bekomm' es ihm."--- Daß die von Bismarck so liebevoll bedachten Unternehmer- verbände selbst das Material zusammentragen müssen zur Zerstörung des Nimbus seiner sozialen Kunstwerke, ist recht hart. Wohl bekomm es Ihm! — Daß die Arbeiter in den englischen Iffcwcrkschaften heute vielfach weit vorgeschrittener sind als die Herren F ü h r e r, dafür können wir heute wiederum zwei drasttschc Beispiele mitthcilcn. , Im englischen Typographenbund, der alle Setzer GroßbritanienS mit Ausnahme der schottischen und der Londoner Schrifffcbervereine um- faßt, fand im Oktober die Urabstimmung über die Frage der A cht- ft u u d e n a r b e i t statt. Nun, bei einer allerdings nicht sehr regen Betheiligung, stimmten 1269 für die Herabsetzung der Arbeitszeit durch ein Gesetz und nur 1141 dagegen. Schade, daß das Resultat nicht schon während des Internationalen Kongresses bekannt war. Dort war der Delegirte des Schriftsctzcrvcrcins grade einer der eifrigsten Gegner der gesetzlichen Regelung des Arbeitstages. Der zweite Fall ist noch viel schlagender. In seiner Wnth darüber, daß eine Londoner Sektion des Allgemeinen Mafchincnbaucr- Vereins den Sozialisten John Burns als Delcgirten zum Internationalen Kongreß gewählt, erließ an dem Tag, da der Kongreß zusammentrat, der Vorstand der genannten Gewerkschaft in den Londoner Zeitungen eine Erklärung, in der er darauf aufmerksam machte, daß Burns nur eine Sektion des Allgemeinen Maschincnhaner-Lcrcins vertrete, sein, des Lorstandes Dclegirtcr aber, Namens Evclcigh, den ganzen Verband. Nun, für diese Erklärung hat, wie wir von gut unterrichteter Seite erfahren, der ehrcnwerthe Vorstand von nicht weniger als 13 L 0 n- doner Sektionen Tadclsvoten erhalten, und die West-Lon- doncr Sektion antwortete damit, daß sie einstimmig John Burns als ihren Vertreter in den Vorstand des Londoner ZcntralvcrbaudeS der genannten Gewerkschaft delegirte. Ebenso haben drei andere Sek- tionen Sozialisten in den Zenttalvorstand gewählt, so daß es nur a» einer Stimme noch hängt, und der Vorstand der Londoner Organi- sationcn des berühmtesten, wohlhabendsten aller englischen(stewerkvcr- eine ist in seiner Mehrheit s 0 z 1 a l i st i s ch. Es tagt, es tagt! -- Wir lesen in deutschen Zeitungen:„Der Kaiser hat den Wunsch geäußert, einzelne Theile des Wagner'schcu„Nibclunqcii-Zykliis" sowie auch Ernst von Wildcnbrnch's„OuitzowS" auf der Bühne des könig- iichen Opernhauses zu scheu. Da die Traucrzeit indessen noch nicht ab- gelaufen ist, und der Monarch vor Beendigung derselben die Borstel- luugcn nicht besuchen will, so werden voraussichtlich dcinuächst an drei Tagen im königlichen Opernhause L 0 r m i t t a g s- P r 0 b c n im K 0- st ü m veranstaltet werden, denen Kaiser Wilhelm beiwohnen wird. Es werden, soweit bis jetzt bestimmt, das„R h e i n g 0 l d". die„G ö 1 1 e r d ä m m c r u n g" und die„OuitzowS" zur Darstellung gelangen." Wilhelm II. sängt etwas früh an mit— Separat- Vor st ekln n g c n. — Der rohcstc, gemeinste und beschränkteste Vertreter des Systems Bismarck, der persönliche Feind Friedrich'S III., Ex-Spitzelministcr P u t t k a m e r, hat zu Neujahr den h ö ch st e n preußischen Orden erhalten. Wann kommt Herbert Bismarck dran? — Oesterreich. Der Partcikongreß in Hainfeld, über dessen Be- dcuwng für die Arbeiterbewegung an andrer Stelle berichtet worden, war im tßanzen von 67 Thcilnchincru besucht und zwar waren er- schienen: Aus Wien 22, Nicdcröstcrreich 5, Obcrösterrcich 5, Salz- bürg 1, Steiermark 6, Kärnten 2, Krai» 2, Tirol 2, Böhmen 10, Mähren 10, Schlcssen 1,(valizieu 1. Außerdem waren noch zirka 30 Gäste anwesend. ♦> Nachdem das Präsidium, bestehend aus Popp(Wien), H y b c S (Brünn) und Bei er(Brünn) als Vorsitzende, Häfncr(Wien), K ö r b e r(Prag) für slavische Sprachen, und Adenau(Kärnten) als Schriftführer, konstitnirt und die Feststellung der Geschäftsordnung erledigt war, wurde zur Verlesung der Bcglückivünschungsschrcibeu und Telegramme geschritten. Telegramme sind eingelangt: aus Neu-Smichov, smichov, Vordernberg, Gabel, Bukarest; Schreiben: aus Wischau, Rossitz, London, Paris, Gotha, Trieft, Dcutsch-Licbau, Rcichenberg, Zwittan, Wien, Freudcnthal, Dornbirn, Boskowitz; ferner von Dr, Kronawetter und Dr. Wengraf, Wien. Nach 1'/-stüudigcr Ilnterbrcchung eröffnet Popp den Kongreß mit einer ergreifenden An- spräche und bringt die bereits von uns veröffentlichte Tagesordnung de» Kongresses zur Verlesung. Zum Punkt 1 der Tagesordnung, das P r 0 g r a m m, rcfcrirt P 0- korny(Wien) und legt dem Kongreß eine von den Einbcrnfcrn ausgearbeitete Prinzipien-Erklärung�) vor. Stach ciuer eingehenden Debatte, in der sich nur R i ß in a n n(Graz) gegen das Programm wendet und zwar wegen der Forderung des AU- gemeinen Wahlrechts, wird da« vorgeschlagene Programm mit 65Stim- men gegen die des Rißmann und drei Stimmenthaltungen unter großer Begeisterung des Kongresses angenommen. Rißmann verläßt alsdann den Kongreß, auf dem von nun an die vollste Einigkeit herrscht. Der zweite Tag brachte wieder eine große Anzahl Bcgrüßungsschrci- bcn. Zum 2. Punkt der Tagesordnung,„Politische Forderungen", referirt Dr. Adler(Wien). Während derselbe just dabei ist, die Rechtszuständc in Oesterreich zu kennzeichnen, ttitt der Bczirköhanpt- mann Graf Auersperg in den Saal, um festzustellen, ob auch wirklich nur geladene Theilnehmer(wie es das Etesctz bei Privatvcrsanimlungen vorschreibt) anwesend sind. Nach erfolgter Rc- vision laden Adler und Pokorny den(strafen ein, dazubleiben und den Sitzungen des Kongresses als Gast beizuwohnen, was dieser dann auch that. Nach E-rlcdignng seines Referats empfiehlt er folgende Resolution zur Annahme: In Erwägung, daß die weltgeschichtliche'Aufgabe des Proletariats die Unigcstaltnng der heutigen wirthschastlichcn Ordnung ist: Daß der Hebel dieser Umgestaltung der Klassenkampf ist, dessen Ver- lauf mit um so weniger Opfer verbunden, um so rascher und ruhiger sein wird, je mehr auf beiden Seiten Klarheit und Einsicht iü die Bedingungen und Ziele der ökonomischen EntWickelung herrscht, daß aber die herrschenden Klassen die Aufklärung durch gesetzliche und poli- zeiliche Maßregelungen zu hemmen und zu verzögern suchen, wodurch die Bewegung zwar nicht aufgehalten, aber verbittert und verschärft wird, erklärt der Parteitag: Jede Einschränkung der Freiheit der Meinungsäußerung, soivic jede Monopolisirung politischer Rechte für die Besitzenden ist verwerflich und ffir die naturgem ße Entwickclnng schädlich. Er verlangt daher vollr Freiheit für die sozialdemokratische'Agitation nnd Propaganda und die Möglichkeit einer ruhigen Organisation des Proletariats, zunächst also: 1. Die Aufhebung der Beschränkung der Freizügigkeit— also der Ausnahnieverfügungen, Vagabunden- und Schubgesetze. 2. Die'Aufhebung der Beschränkung der Prcßfreihcit durch die verschiede»:'» Forme» der Zensur und Aufhebung des Preß« Monopols für die Besitzenden durch Kaution und Stempel, sowie d.'s Verbots der Kolportage. 3. Herstellung des Vereins- imd Versamnilungörechts durch Aushebung der Vereins- und VersaimnlungSgcsctzc. 4. Die'Aufhebung des Monopols der Besitzenden auf das politische Wahlrecht durch die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkte» und geheimen Wahlrechts(u. z. vom 20. Lebensjahre an, wo die Verpflichtung zur Blutsteuer beginnt) als ein wichtiges Mittel der Ag tation, ohne sich jedoch über den Werth des Parlamcn- tarismus irgendwie zu täuschen. *) Wir bringen dieselbe, da uns ihr genauer Wortlaut fi Nummer zu spat zuging, erst in der nächsten Nummer zum Ab! 5. Die ehrliche Sicherung der Unabhängigkeit der Gerichte, Uncnt- gcltlichkcit der Rechtspflege, Ausdehnung der Geschworenengerichte auf alle Bergehen und Berbrechen, sowie Wahl der Geschworenen auf Grund des allgemeinen, geheimen Wahlrechts durch das Volk. ll. Schaffung und Durchführung eines Gesetzes, welches Beamte, die die politischen Rechte von einzelnen oder Bereinen beein- trächtigen, einer strengen Strafe zuführt. Dieselbe findet nach lebhafter Debatte, in der die schreiendsten Will- küraftc von Behörden und Gerichten zur Sprache kommen, einstim- m i g c Annahme.(Schluß in nächster Stummer.) — sttauiumangcl verhindert uns, in dieser Nummer über den in Trohes stattgehabten Kongreß der französischen Sozia- l i st e n zu berichten. Wir werden in nächster Nummer das Versäumte nachholen. — In Amerika haben im Laufe des Monats Dezember sowohl die Arbeitsritter als auch der große Gcwcrkschaftsvcrband„F e d e- r a t i o n of Labor" ihre Generalversammlungen abge- halten. Bon der der A r b e i t s r i t t e r ist nur U u g ü n st i g c s, von der der G e w e r k s ch a f t l e r iv e n i g Günstiges zu berichten. Auf der Konvention der Arbeitsritter hatte die gegenwärtige Exeku- tivc mit dem Konfusionarius Powderley an der Spitze voll- ständig Oberwasser und benutzte diesen Umstand nicht nur dazu, den Führer der Opposition gegen die Lerwalttmg des Ordens aus demsel- den auszuschließen, sondern auch die Macht der Zentralleitung, die sich doch oft schon so gefährlich für die Interessen der Arbeiter erwiesen, noch zu stärken, das soziale Akttousprogramm des Ordens aber, dem honetten Bürgerchum zu Liebe, in jeder Hinsicht abzuschwächen, bis tief unter des seligen Schulze-Dclitzsch' Standpunkt. Statt der Frage:„Wie kann die Arbeit zu ihrem Recht gelangen", wird, so schreibt das „St. Louis Tageblatt", über die„Harmonie d e r I u t c r c s s c n aller Gesellschaftsklassen verhandelt, der Sinn für Kirchlichkeit gepflegt und den: T c m p e r c n z- M u ck e r l h u ni geschmeichelt. „Iah Gould hat j c tz t c r st seinen Eisenbahn- und seinen Tele- graphen-Strcik definitiv gewonnen. Bis jetzt war sttevanche noch möglich; nun kann Iah Gould ruhig schlafen; der jetzige Arbeitsritter-Orden wird ihm nichts anhaben; dafür bürgt Powdcrly's Diktatur." Seitdem sind denn auch weitere Austritte aus dem Orden erfolgt; so sind z. B. ein großer Tbcil der im Orden organisirten Kohlengräbcr ausgeschieden und haben sich dem Siationalverband der Berg- a r b c i t c r angeschlossen. Was uuu den GewcrkschaftSverbaud anbetrifft, so ist als wichtigstes Resultat desselben der Beschluß zu bezeichnen, die Bewegung für den achtstündigen Arbeitstag wieder aufzunehmen. Aber mau erklärte ausdrücklich, dies nur auf dem Wege des Koalitions- kampfes zu wollen und ans jede gesetzliche Beschränkung des Arbeits- tages für e r iv a ch s e u e M ä n u c r zu v c r z i ch t c n, was soviel heißt vis diese lvichtige Reform nur auf die günstigst gestellten Kategorien der Arbeiter zu beschränken. Ter Präsident des G c w e r k s ch a f t s- Verbandes, Sani. G o m p e r S, hielt es sogar für nothwcndig, aus- drücklich der Forderung nach Bildung einer politisch s c l b st st ä n- digen Arbeiterpartei entgegenzutreten. Unter diesen Umständen war ein Borschlag, die Aktion für die Achtstuudenarbeit auf die Bau- Handwerker zu beschränken, nur logisch. Diesen mag sie glücken, auch für die eine oder andere sonstige Geschäftsbräuche, was aber die allgemeine Durchführung anbelangt, so werden auch die amerika- nischen Arbeiter schließlich zu derselben Methode getrieben werden, welche die klassenbewußte Arbeiterschaft auf dein Festlandc Europas befolgt. lieber die sonstigen Ergebnisse des Kongresses lassen wir das„Phil. Tagclatt" sprechen: „Langsam geht es auch mit dem Verband selbst vorwärts. Von 600,000 oder 700,000 Mitgliedern, die er zählen soll, wird wohl vorerst weiter keine Rede sein. Nach dem Ausweis der Steuerzahlung dürfte die Zahl ctiva die Hälfte oder noch weniger betragen. Das ist zwar auch noch ein Fortschritt, aber nickst der phänomenale, welcher von den Beamten selbst ausposaunt wurde. Dann ist der Ber- band noch viel zu lose. Die nothwendige Zenttal-Hilfskassc ist noch nickst geschaffen worden, und die Verhandlungen in St. Louis lassen es sehr zweifelhaft erscheinen, ob jene sobald zu Stande kommt. css gibt da einzelne amerikanische TradeS Unions, wie die der Schrift- fetzer, welche dazu sehr schwer zu bringen sind. Solange aber die Ein- nahmen der Föderation nur die VerwalttmgSkosren und ein wenig Agi- tation decken, ist ihr Werth ein sehr problematischer. Eipe» Fortschritt dagegen stellt der Beschluß dar, welcher verlangt, daß die Regelung oder das Verbot der Kinder- arbeit zur Buudessache gemacht werden soll. Nur geht der Beschluß nicht weit genug. Wenn schon cinmal ein BerfassungS- Amendement nöthig ist, dann doch lieber gleich ein solches, tvclchcs d i e ganze Gewerbe- und Fabrikgesetzgebung der Union überweist. Es ist auch praktisch utzznträglich, daß Beamte der Union die Beschäftigung von Kindern überwachen, während die sonstige� Rege- lnng des Fabrikwesens, die Haftpflicht ec. Sache der einzelnen Staaten bliebe. Was die Konvention sonst verrichtete, war die gewöhnliche Routine- A Arbeit. Hochgespannte Erwartungen hat sie nicht befriedigt; weder hin- sichtlich des Standes derOrganisation noch ihres Programms. Doch soll nicht bestritten werden, daß die„Fcderation" soweit wenigstens einen hoffnungsvollen Ansatz für die Vereinigung der Arbeiter bildet: sie ist i m A u f st i e g begriffen, während es mit dem Orden der Arbeitsrittcr rückwärts gegangen ist. lind was die Hauptsache: sie ist in einer allgemeinen rückläufigen Bewegung erstarkt. Das läßt für die Zukunft Gutes hoffen. Wird die Agitation nun energisch aufgenommen, so dürfte auch jene Tendenz bald überwunden werden. Es gilt vor Allem, das Selbstvertrauen der Arbeiter zu st ä r k e n, und das kann ani besten durch die noch jugendliche und von inneren Konflikten freie Fcderation geschehen." — Aufgepaßt! In B r a u n s ch w e i g befinden fich die Former im Ausstand. Die Fabrikanten suchen Ausländer(Belgier und Böhmen) heranzuziehen. Mögen die Genossen in den betreffenden Län- der» in der Presse vor Zuzug warnen. — Mit der Bitte um Veröffentlichung im„Sozialdemokrat" geht uns ein Wahlaufruf deck sozialistischen Wahlkomitcs für den Wahl- kreis S ü d- S a n k t P a n k r a z in London zu, in welchem die Wähler dieses Bezirkes aufgefordert werden, bei der am 17. Januar stattfindendeu Wahl zum Provinzialrath(County Council) für den Kandidaten der„Bloomsbury Socialist Society": W. W. Bartlctt zu stimmen. Da uns der Raum fehlt, den Aufruf vollinhaltlich abzudrucken, ueh- inen wir hiermit von ihm Notiz, überzeugt, daß sie für alle stimm- berechtigten Deutschen, denen dieses Blatt zu tstcsicht koiiimt, genügt, für die Wahl eines Mannes einzutreten, der in der genannten Körper- jchaft die Interessen der Arbeiter wie überhaupt der großen Masse der Steuerzahler energisch wahrnehmen wird. Korrespondenzen. Plauen im Voigtland. Da wir schon seit längerer Zeit den Raum des Parteiorgans nicht in Anspruch genommen haben, so wollen wir den Genossen heut einige neue Geniestreiche von unscrm Polizei- Sch— warzkopf erzählen.'Nachdem das System der Versammlungs- verbot- seit ungefähr zwei Jahren fallen gelassen worden ist, hat man sich um den Staat vor den bösen Sozialdemokraten zu retten, einer andern Praxis zugewendet— nämlich der Saalabtrciberei. Unser, von seiner Großartigkeit durchdrungener S ch w a r z k o p f lies von einem Saalbesitzcr zum andern, stellte ihnen in beweglicher Rede dar was die Arbeiter für rohes und unanständiges Gesindel seien, und daß die Polizei nichts dagegen thun werde, wenn den Wirthcn in den Versammlungen die Sachen zerschlagen würden u. s. w. Da jedoch alle Versammlungen hier ruhig und anständig verlaufen sind, so hatte der biedere Staatsrctter mit seineu elenden Verläumdungen keinen Erfolg. Schnell wurde daher ein andres Mittel probirt: was man durch glatte Worte nicht erreichen konnte, suchte mau nun durch Gewalt zu er- reichen. Während man denjenigen Saalbcsitzcrn, welche der Polizei willig Folge leisteten, alle denkbaren Vergünstigungen zu Theil werden ließ, wurden die andern mit einer Rücksichtslosigkeit behandelt, die jedem Rechtsgefühl ins Gesicht schlägt. Alle nur denkbaren Schuh- riegcleicn, Anzeigen, Strafvcrfügungcn über. Sttafvcrftigungen ergingen über sie, und die Krone der Liebenswürdigkeiten bildeten Militär- Verbote anläßlich der hier stattgehabten Manöver. Auf diese Weise haben es die Edlen nun glücklich soweit gebracht, daß wir momentan keinen Saal mehr bekomnien. Aber jede Sache hat zwei Seiten. Die vereinigten Saalbesitzer haben sich vor einiger Zeit bei einer Konventionalstrafe von 150'Mark gegenseitig verpflichtet, zu dem Preise, für den sie früher einen halben Liter Bier gaben, jetzt nur noch vier Zehntel Liter in ihren Lokalen zu ver- kaufen. Darüber große Entrüstung im Publikum; fast alle Vereine, imd zwar die patriotischen Militärvereme an der Spitze, haben einen regelrechten Bicrstrcik gegen die betreffenden Saalbesitzer in Szene ge- setzt und sich ebenfalls gegenseitig bei 150 Mark Geldstrafe verpflichtet, so lange keine Festlichkeiten k. in den betreffenden Sälen abzuhalten, bis die Preiserhöhung beseitigt ist. Da nun die Vereine wirklich Ernst machten und einfach keine Vergnügungen mehr abhielten, so dachten die Wirthe: Em Gefallen ist des Andern Werth, und wendeten sich in ihrer Angst an den Stadttath mit der Bitte, derselbe solle ihnen gestatten, alle Sonntage öffentlichen Tanz halten zu dürfen.(Gegenwärtig dürfen sie blos jeden Monat zweimal öffentlichen Tanz und einmal Konzert mit Tanzkränzchen abhalten), als Gegenleistung wollten sie fich verpflichten, ihre Säle nicht mehr zu sozialdemokratischen Versammlungen herzugeben; im Fall der Ablehming würde indeß jeder seinen Saal den Sozialdemo- traten zur Verfügung stellen. Wie sich der Stadttath zu diesem Gesuch stellen wird, wissen wir nicht, aber soviel wissen wir, daß er sich in einer sehr argen Klemme befindet. Nimmt er das Gesuch an, so ist der Bicrstrcik aussichtslos, und es giebt ungeheuer viel böses Blut in den Vereinen, zumal wenn die Sozialdcmottaten den Schacher, welchen der Stadttath gctticben, öffentlich blosstellcn. Lehnt � er dagegen ab, so hat er erst recht den bösen Sozialdemokraten ihr Spiel erleichtert, und daß diese die Situation ganz gehörig ausnutzen werden, daran herrscht an maßgebender Stelle absolut kein Zweifel. lins kann es gleich sein, ob wir an die Polizei oder an die Saal- bcsivcr verschachert werden, wir werden uusre Taktik ganz den Ver- hältnisscu anpassen. Daß wir dabei auf keinen Fall zu kurz kommen, das dürfen unsere Gegner versichert sein. Unsere Bewegung ist so weit vorgeschritten, daß wir jederzeit sehr wohl im Stande sind, auch ohne Lenanimlungen agitircn zu können. Einestheils sind es die überaus traurigen wirthschaftlichen Verhältnisse, welche uns immer mehr An- Hänger in die Arme treiben, anderntheils wird der politische Schwindel der Gegner immer offenbarer, so daß selbst den Blödesten schließlich die Augen aufgehen. Am 21. Oktober flatterte auf dem Kemler Aussichtsthurm eine große rothc Fahne mit der Inschrift„Zur Erinnerung an das Schandgesetz 21/10 1878. Hoch lebe die Sozialdemokratie!" Das Banner des Proletariats konnte erst gegen 11 Uhr vom Kastellan heruntergeholt wurden, da sämmtlichc Schlösser verrammelt waren. Die Hochlöblichc statte den Bärcnstein und andre als geeignet bekannte Punkte die ganze 'Nacht hindurch besetzt, um die Ucbclthäter auf frischer That abfassen zu können, aber vergebens; am andern Morgen flatterte die Fahne lustig auf dem Kcmmler. Ebenso ist es der Allwissenden bis hentejioch nicht gelungen, der Personen habhaft zu werden, die ihr diesen Sttcich gc- spielt. Im klebrigen steht die Bewegung in unscrm Wahlkreis, mit Aus- nähme einiger Orte, gut, und es wird alles aufgeboten werden, unser» reaktionären Staatsanwalt bei der nächsten Wahl aus dem Sattel zu bringen. Reichenbach i. V. Es soll kein langweiliger Bericht gegeben, sondern den Genossen allerwärts als Neujahrs-Gruß mitgcthcilt werden, daß wir hier unsere Reujahrsfeier dazu bcnützten, uns über den Kandidaten fiir die nächste Wahl zu einigen. Es ist dies unser tteucr Genosse R o b e r l M ü l l c r- R c i ch e n b a ch. Mögen die Gegner versuchen, was sie wollen, ärger als das letzte'Mal mit dem KriegSspccktakel können sie es doch nicht treiben. Wir geben mit fester Zuversicht, mit Kampfeslust vor, und werden unsere Pflicht thun. Wir haben in unserm Wahlkreis schon wiederholt gesiegt und geben die Hoffnung, ihn dauernd zurückzuerobern, nicht auf. Die Zcitverhält- nissc sind derart, daß die große Masse der Wähler, die ihre Lage bc- griffen, für uns stimmen müssen. Vorwärts, was auch kommen mag! Sprechsaal. Warnung. Die Schlosser- und Railing(Gelä>ider)macher Progressiv- Union von New-Vork, warnt hiemit alle Genossen, sowie die ganze Arbeiterschaft Deutschlands vor dem Schlosser Ernst Schornstein ans Verlin. Derselbe war unter dem lltamcn Ernst Stein vom Oktober 1887 bis Anfang März 1888 Mitglied obiger Union und wußte sich in dieser Zeit so in das Vcrttauen seiner Mitkollegen einzuschleichen, daß sie ihn zum Beamten wählten und ihm das Bankbuch zur Aufbewahrung an- vertrauten... Durch Stehlen des Vercinsstcmpcls und mittels der geriebenstenvir um Aufnahme der nachfolgenden Warnung gegen Gustav Roth, Schneider aus Sachsen- Meiningen. Derselbe hat mehrere Genossen derart angeschwindelt, daß die Betraf- fcnen sich gezwungen sahen, ihn verhaften zu lassen. Er verduftete indeß zuvor und es ist außer Zweifel, daß Roth zu denjenigen B c- trügern gehört, welche fich unter der Maske von.Parteige« Nossen" auf das Plündern der Vertrauenden verlegen. Wir halten es für Pflicht, im Parteiorgan zu ivarnen, damit dieses Subjekt in allen Arbeiterkreisen unschädlich gemacht wird. Die Mitgliedschaft deutscher Sozialisten. Quittung. Von M. Leipzig 300 Mark für die inhaftirteu Genossen er» halten. Leipzig. DieBeauftragten. Wriefkasten -- der Expedition: G. Wgr. Zch.: Fr. 225 Ab. 1. Qu. erh. — Grnwld. Mnttx.: 25 Cts. Nachzhlg. pr. 1. Qu. erh.— G. Hch. Ashl.: Fr. 2 25 Ab. 1. Qu. erh.— E.A.Zlrd.: Mk. 3— Ab. 1. Qu. erh.— Stgnr. Luzcrn: Fr. 2 25 Ab. 1. Qu. u. Fr. 2— pr. Ufd. dkd. erh.— Brngl. Zch.; Fr. 2— Ad. 1. Qu. erh.— Wnklr. Brünn: Fr. 6 93 Ab. S.-D. u. A.-St. erh.— Mrbch. Lzrn.: Fr. 450 2 Ab. 1. Qu. u. Fr. 175 per Ufds. dkd. erh.— Ftzmn.Blch.: Fr. 2 25 Ab. 1. Qu. erh.— Vorhut E. a. d. E.: Mk. 3— Ab. 1. Qu. erh. D. noch nicht erschienen.— v. Wltrhsn.: Fr. 9— per 1889 erh.— O. Dxn. Ashl.: Fr. 2 25 Ab. 1. Qu. erh.— Brut. Zch.: Fr. 2— Ab. 1. Qu. erh.— M. Stde. O'sttß.: Fr. 2 85 Ab. Dez. u. 1. Qu. und Fr. 5 25 Rest erh.— Frl. Ssmn Httg.: Fr. 5 30 Ab. 1. Sem. erh. — C. Stnmtz. Httgn.: Fr. 2 25 Ab. 1. Qu. erh.--- Seidcnwurm: Mk. 52— pr. Ggr. gutgebr. u. bfl. am 2/1. geantw. — Milano; Nachr. v. 4/1. erh. Haben Sie am Kopf'Nr. 52 nicht ge- lesen'< Für alle Fälle ging Ihnen diese nochmals zu. Weiteres besorgt. — La Billette Paris: Fr. 15— Ab. 4. Qu. 88 erh. u. Weiteres nofirt. — Rother Hahn I.: Mk. 64 80 Ab. 2., 3. u. 4. Qu. 88 erh. Alles unterwegs. Gruß!— Das rothc Häuflein: Mk. 50— a Eto Ab. x. erh. Bstllg. 2C. notirt. Bbthk. mit 48 u. 4!» fort.— Hcxenthurm: Mk. 15— Ab. 4. Qu. erh. Bstllg.?c. notirt. Das Erfragte K. bfl.— Felix III: Mk. 2850 baar u. Mk. 27 10 i. Ggr. a Eto. Ab.?c. erh. Adr. geordnet. Weiteres bfl.— Rübezahl: Nachr. v. 4/1. am 7. erh. u. beantw.— Lionel: Mk. 19 57 pr. Ggr. erh. Adr. u. Bstllg. notirt. Wrng. besorgt.— Herbert: Nachr. v. 3/1. am 5. beantw. Adr. notirt. Die Pause war zu lang.— C. Schwarz: Avis vom 4/1. cingctr.— Hannibal:„Die letzte Nummer"(von 89) war Nr. 1. die von 88 war Nr. 52 laut Notiz am Kopf derselben. Gesperrt war also nicht. Beil. A. u. B. all rvi�bt. Weiteres bfl.— Carbonari: Mk. 10 90 pr Ggr. gutgebr. Adr.-c. Anlangendes nicht leserlich. Litten dringend, Derartiges deutlicher.— Iltopia: Nachr. v. 4/1. hier. Was an u n s liegt, geschieht st e t s,„Wind und Sonnc" aber hängen vom—„Him- mcl" ab.— Pharao: Sonderbar, nähere Umstände wünschen wir des- lmlb um so dringlicher kennen zu lernen. Beil. dkd. erh. Im Weiteren Alles beachtet. Bs. folgt.— Balthasar: Adr.-Acnderung zu bewirken versucht„. hier vorgemerkt.— Babylon: Wir haben pflichtgemäß der gegnerischen Taktik entsprechend die unscrige ew-"rchtcn. Machen Sie's dort ebenso, die charakteristische„Spitze" ivird fich dann g e g e n d i e R i ch t i g e n kehren. W a u n steUcn Sie sich den., ttbri- gcns„persönl." vor? Ihr bezügliches Versprechen ist ja weit..ftereu Datums als das unsere.— Spitzclncst: Alles nach Vorlage vom 2/1. geordnet. Im Bfk.43 finden Sie betr. Quttg. S.-T. 71—73 erwünscht Näheres bfl.— X 3: Outtg. betr. Betrages befindet sich in Nr. 51. Weiteres erwarten laut Avis v. 3/1.- Der Blöde: Das kann aus dem von Ihnen bettetencn Wege erst recht nicht besser werden. Wenn die Alten zurückhalten, müssen die Inngen drängen. Bfl. mehr.— Mö- ros:«ic genießen seit Jahren Ihre„Extrawurst", aber wir sehen nicht. daß das weiter fruchtet. Also in Reih' und Glied oder Schluß!— Donner: Adr. lt. Nachr. v. 2/1. gcordn. Broch, unterwegs.— Rothe Schwefelbande: Mk. 25— Ab. 3. Qu. 88 u. l dir. erh Weiteres notirt lt. Bf. v. 27/12. 88 x.— Rubikon: Bf. v. 31/12. 88 erh Kommt Alles u. bfl. Näheres. Empschlniig wird besorgt—RR"l- öwfl. 2- a Eto. Ab. 1. Qu.:c. erh. Einverstanden. Recherchen sind im Gang.— A.R.Bz.: Mk. 6- 2 Ab. 1. Qu. erh. Dank imd Er- widcrung.— Alte Garde: Mk. 100— a Eto Ab.« erh. Bitten um positive Aufstllg. d. Ggrchg. Bell, besorgt. Gruß.— G. Pr. R.: 3 Mk 'Ab. 4. Qm 88 u. Mk. 6—2 Ab. I.Qu. erh. u. Adr. geordn.— St m' Paria:(Fr. 50—) Pfd. Stlg. 1 19 8 Archivdepot a Eto. gutgebracht. voransgcictzt, daß Sie zustimmen.— C. A. B. Ver. London: 4 Pfd Stlg. a Eto Ab. u. Schft. pr. H. erh.— Prof. Schorl. Manch.: 2>'"■ �chrft. erh. und hiervon « U-, l9""■, a"• ,2 Sh. 5 PC. v. D. dem Aids. dkd. zugciv.— Brüssel: Fr. 43 60 a Eto Ab. u. Schrft. it. Fr. 13— f. d. Gcmaß- rcgclrcn bei einer s.-z. Hochzeit in Brüssel gesammelt, dkd. erh. B. Fr. wird besorgt. Bstllg folgt.- Der rotl>e Wilhelm: Mk. 50 a Eto Ab. x erh. Ebenso Drahtbericht. Bstllg. notirt.- AhasveruS: Mk. 6- Ä' o™ �>6 Beil. f. F. besorgt.- G. B. Vvs.: JaT"? bq F-Sü" et?'— P- Martignetti, Benevento: Fr. 14 4« Ab. pr. 89 u. sschtt. erh. am 1/1. 89.— L. R. Kphan- Pf Stla VullU- Schft- erh. Bstllg. folgt. Bitten künftig r'llles!?- dortige Lkicgescllschaft zu bestellen und ebenso zu bezahlen. Warum machen Sic� die Gelder nicht zahlbar bei der K c n t-i s h T o iv n Po,t-Office, wie wiederholt im S.-D. ausdrücklich gebeten wurde?'. otttzt mustcn wir das Zeug durch die Bank kassiren lassen oder extra Sl,bie �''reisen, um die paar Mark bei der Hauptpost abzuholen. Man erhalt hier k e. n e P o st e i n z a h l u n g i n s H a u s geschickt! — Kopenhagen Hdm.: Fr. 74 50(Pf. Stlg. 2 19 8) Ab. 3. u. 4. Qu. f-c. pr- 5t en t, s h T o w n P o st- O f f i c e prompt erh.- A. K. H. i. Sch.: Mk. 3— a Eto Ab. erh. und bfl. am 9/1. Weiteres.— A; Lnzrm. Chicago: Pf. Stlg. 2-- a Cto Ab.x. erh.- W. Wzbka. Michigan:(1 Doll.) 4 Sh. Ab. 1. u. 2. Qu. erh. Dank u. Erwide- rung.- Rothcr Geldsack: Mk. 29 40 f. fiir bek. 6 d. u. 1 inbir. Ab. /r"; bfl. mehr. Welttinb: Je mehr Zwischcnhändc, je mehr Unklarheit.— Raimund: owfl. 834 It. Aufstllg. v. 4/1. pr. div. Ab. gutgebr Adr gcordn öwfl. 120 W. sind uns unverständlich. Von wann datircn dicielbcn? Bstllg. folgt. Lesen Sic doch am Kops des S. die Prcilc nach. Pr. Z. bfl. mehr. Prosit!— Ter Alte B.: Mk. 4 40 Ab. 1. Q». erh. Bitten, die Notiz am Kopf der Nr. 51 88 zu beherzigen. Weiteres mit Nr. 1 89.- I. Gdt. Amstcrd.: Pf. Ztg..,13 5 a Eto Bbhdlg. pr. Schl. erh.— O. R. Efld.: Mk. 4 50 Ab. l.Qn erh Mit Qu. 2 Rcstregulirung pr. 89 u n c r l ä ß l i ch. Siehe Notiz am K-pf Nr. 51 88.— G. Sch. London: 3 Sh. ab pr. l. O». u a Eto 2 Ou. erh. Wir kennen, wie schon einmal bttichtct. keinen Wlf. u. liefern deshalb an Sie.— Florcstan: Mk. 10— pr. Usd. dkd. erh. u. Frühe- res lt. Quttg. in Nr. 48. Der Schwcrenöthcr Tsch. hat sich noch nicht gebessert, daher die Sperre. Gruß!— Tybald: Mk. 17 60 Slb. pr. 89 pr. E. erh.— Rothcr Kämpfer: Sie lesen wohl grundsätzlich unsere Nottzen am Kopf des S.-D. nicht? Nr. 52 88 sagt deutlich daß Nr 1 erst»in der e r st c n I a n u a r w o ch c" erscheint. Adr. geordnet. Bstllg. nach Wunsch.— Lconidas: Nachr. v. 7/1. erh. Hausnum- c r f-hlte. ums Haar ging der Bf. deshalb zurück. Also aufgepaßt' Am 8/1. bfl. mehr. Durch die S ch r i f t e n f i l i a l e der„Arbcitersftlnme", Zähringer- straße 12, Zürich, sowie durch die Expedition des„Sozial- demottat" ist zu beziehen: Wohlgetroffene Photographie von dem verstorbenen Genossen und früheren Reichstagsabgeordneten , MotX Kctyser. V isitenkartenformat. Preis»O Cts. krlatea f« ihn proprieton bj tbe Gorman Cooperalire PublUbinc v», 114 KenUsh Town Bo«d Londo« K. W. VN. iwfl. -Hill de» Fi