Abonnements Letten beim SZerlag und deffeu belnnnlen Agenten entgegen- genommen, und zivor ,um '»»ra«» zalilbar««» Dierteljohriprei» von: Wt,<40 sllr Deutschland»diox,uns" ver- pflichtet ist, und das arme Bäuerlein, das' nicht weiß, wo eS die Mittel auftreiben soll, seine Hypothekengläubiger zu zahlen, der verkümmerte Handwerker, der in ewiger Angst schwebt, seine Werkstatt, seinen kleinen Laden wegen mangelnder Biiethe aufgeben zu müssen, der abgehärmte kleine Beamte, der halb verhungerte Bolksschullchrer, der abgerackerte Proletarier legeil das Zeitungsblatt, in dem sie das Alles gelesen, respektvoll aus der Hand und sagen, indem sie den Schmachtriemen enger anziehen:„Wir sind eine große Nation!" Die Menschen sind ja nun einmal so veranlagt, daß sie sich durch glänzende Außenseiten leicht bestechen lassen, und über ein reiches Schaustück ihr eignes Elend für eine Zeitlang vergessen. Es ist bisher nur noch eine Minderheit, der die Augen soweit geöffnet sind, daß sie den Gegensatz zwischen dem äußeren Anschein und dem wirklichen Kern der Dinge sofort herausfühlt, zum Glück für die großen Staatsmänner und die hervorragenden Kriegshelden ist die große Mehrheit für alles Andre blind, wenn man ihr irgend etwas vorhält, was glänzt. Es ist aber bekanntlich nicht alles Gold, was glänzt. Fem sei es von uns, die Thatsache des deutschen Kapital- reichthllms in Zweifel stellen zu wollen. Fem sei es von uns, ihre Bedeutung zu verkleinern. Wenn man trotz eines Schocks von schmarotz enden Gottes gnaden Herrchen fammt ihrem Troß, trotz einer sich von Jahr zu Jahr steigern- den enormen Militär last aus einer auf das Geld des Auslands angewiesenen Nation zu einer demselben leihenden wird, so will das ganz gewiß etwas heißen. Aber das schöne Bild hat eine Kehrseite, und die will auch betrachtet werden. Wir stoben darauf, wenn wir uns die Frage vorlegen: Wo stammt all das„schöne" Geld" her? All dieser Reichthum, all diese Tausende von Millioneil sind fast ausschließlich im Lande selbst erzeugter Werth. Wer etwa hier von den französischen Milliarden reden wollte, der ist daran zu erinnern, daß diese von dem„Säbel", der sie geholt, auch wieder verschlungen worden sind, und daß außer- dem zwei Kriege und sonstige Auswendungeit in Gegenrech- nung stehen. Sie würden außerdem höchstens ein einmaliges, nicht aber das stetige und progressive Anwachsen des deutschen „Nationalreichthnms" erklären. Dieses ist in seinem über- wiegenden Theile das Produkt der deutschen Arbeit, der produkttven Thätigkeit von Arbeitenden in Stadt und Land. Sind aber diese Resultate ihrer Arbeit auch den Arbeitenden zu Gute gekommen? Mit Nichten. Ihre Lage hat sich nicht verbessert, sondern verschlechtert. Von Jahr zu Jahr sind die Löhne der Arbeiter in den großen Jndustrieen weiter herabgedrückt worden, ist der Dmck, der auf ihnen lastet, vergrößert worden. Deutschland zahlt von allen großen : Industriestaaten die schlechte st en Löhne und hat die l ä n g st e Arbeitszeit. Die Einkommensstatistik in Preußen, in Sachsen, in den thüringischen Staaten zeigt ein immer stür- keres Anwachsen des Proletariats, und zugleich sein zuneh- mendes Versinken in Armuth, das Wort in seinem buchstäb- lichsten Sinne genommen. Sobald man sich ein wenig von den Zentren des Verkehrs entfemt, wo eine, verhälttnßmäßig dünne Schicht leidlich bezahlter Arbeiter der Kunst und mitt- leren Industrie lebt, stößt man auf grauenhafte Zustände. Um die Versuche der Arbeiter, sich bessere Arbeitsbeding- ungen zu erkämpfen, beziehungsweise zu sichem, niederzu- halten, ward das Sozialistengesetz geschaffen. Der Puttkamer'sche Streik-Ukas verfolgte denselben Zweck, des- gleichen auch die Begünstigung aller gegen die Arbeiter gerichteten Unternehmer-Verbindungen. In jedem Lande beherzigen die Regierungen in erster Linie die Jnter- essen der Unternehmerklasse, mit der sie sich mehr oder minder solidarisch fühlen, in keinem Lande aber thun sie es heute in so ausgesprochener Ausbeuter-Tendenz wie in Deutschland.„Ich will möglichst viel Mil- lionäre im Lande haben!" rief der große Sozialdemagoge aus, und das Wort war aufrichtig gemeint. Es ist der Leitfaden seiner Sozial- und Wirthschaftspolitik. Kann es ein höheres Ideal geben, als ein Land mit recht viel Geld- protzen? Mögen Hunderttausende im Elende zu Grunde gehen, mögen Millionen des Nothwendigsten entbehren, was das Leben des Menschen von dein des Thieres unterscheidet, eine Handvoll Millionäre mehr macht alles wieder gut, recht- fertigt alles. Nun, die Millionäre haben in der That zugenommen, mit „Stolz" hat neulich ein Organ des deutschen Erz- Philister- thums, das Berliner„Tageblatt", konstatirt, daß die Reichs- Hauptstadt jetzt 926 Personen birgt, die als Mark-Mil- lionäre eingeschätzt sind, d. h. ein Einkommen versteuern, das auf ein Vermögen von mehr'als eine Million Mark schtießen läßt. T h a l e r- Millionäre in diesem Sinne zählt Berlin jetzt 162— 12 mehr als im Vorjahre. Wie viel Schweiß und Blut an diesen Millionen klebt, wie viele Tausende und Hunderttausende weitaus, weitab hungern mußten, um sie zu- sammcnzubringen, davon schweigt des Vourgeoisblattes be- rauschteö Herz. Und nicht nur davon, sondern es frägt auch nicht danach, wie viel bürgerliche Existenzen um dieser Anhäufung der Mllioiien willen ruinirt oder vor den sicheren Ruin gestellt worden sind. Warum sollte es auch? Die Einen sieht man nicht mehr, sie sind von der Bildfläche verschwunden, die an- dem aber schlagen sich, solange die Geschäfte noch leidlich gehen— und gegenwärtig befinden wir uns ja wieder in einer solchen„guten" Geschäftszeit— mit allerhand Kunstkniffen durch und gelten für wohlhabend, bis— der Krach das große Defizit bloslegt und dem verehrlichen Publikum anschaulich klar macht, daß die großen Fische nicht nur die kleinen, sondern auch die mittleren auffressen. Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Neben de» vielen ivirklichen Millionen gibt es eine Menge von Talmi-Gold, bloße Sch ein- Werth e, auf den Kredit, auf den Erfolg der Zukunft begründet. Und daß sie diesem nicht trauen, zeigen die wirklichen Millionen durch ihre Reisen in's Aus- land- Draußen legt man sein Geld an und daheim speku- lirt man. Wie viel Schein-Werthe auf diese Weise in's Leben gerufen worden sind, läßt sich kaum taxiren, aber man kann sich eine ungefähre Vorstellung machen, wenn man sich vergegenwärtigt, was der Bau stellen sch windel, der gegenwärtig im deutschen Reiche blüht, und die Kurstrei- berei an der Börse, von Är das gleiche gesagt werden kann, in dieser Hinsicht zu leisten vermag. Kommt ein Krach, so stürzt das ganze künstliche Gebäude zusammen. Und der Krach wird kommen. Er wird kommen als natürliches Resultat des wahnsinnigen wirthschaftlichen Trei- bens, der fortgesetzten Expropriatton der Kleinen und der damit verbundenen Verengerung des Absatzgebietes für die Produkte der Industrie, und er wird konimen als die noth- wendige Folge der gespannten politischen Situation. Man treibt nicht ungestraft Wirthschaftspolitik für die Herren Blillionäre, und das Spielen mit dem Kriegsgespenst ist noch gefährlicher als das Spielen mit dem bloßen Schießgewehr. Was eintritt, wenn der Krach den Krieg zum Gefolge hat oder umgekehrt, läßt sich nicht voraussagen, ebensowenig wie sich die Dinge vollziehen werden, wenn der Krieg den Völ- kern erspart bleibt. Das aber läßt sich voraussagen: wofür das arbeitende Volk so viel hat leiden und entbehren müssen, di« Anhäufung des„Nationalreichthums" in den Händen der Erzmillionäre, wird sich alsdann als der mächtigste Hebel seiner Befreiung erweisen. Eine Meditation. Berlin, den 14. Febr. Wir leben in der Zeit der großen Skandale— oder man könnte richtiger sagen der Skandale der Großen, der Skandale durch die Großen und unter den Großen. Die sogenannte Meierling-Tragödie, bei welcher der österreichische Thronerbe um's Leben gekommen ist, war ein Stoß in's Herz für die Monarchie. Wie der junge Habsburger seinen Tod gefunden hat, das ist theilwcise noch Gegenstand des Streits, für uns ist es aber sehr gleichgilttg. So diel steht fest— es war ehr riesiger Skandal, und jedes Detail dieses riesigen Skandals ist mi sich. schon ein großer Skandal. Schon die Art, wie das Publikum von den Vorkommnissen unterrichtet ward. Erst die Lüge vom Herzschlag, dann die Lüge von, Selbstmord in einem Anfalle von Wahnsinn— und seitdem die unzähligen Lügen, die sämmtlich zum Zweck haben, das Skandalöse dieses riesigen Skandals etwas zu mildern. Nun— wenn auch der Schleier noch nicht ganz gelüftet ist— viel des Schmutzes und der Schande ist nicht mehr zu verdecken und wir haben doch jetzt schon ein volles Gesammtbild. Und was für ein Bild! Ehebruch, Sittenlosigkeit der rohesten und wüstesten Art— die Hogarth'sche Bil- derreihe von der„E h e nach der M o d e" aus dem bürgerlichen Leben in das fürstliche übersetzt! Ein einziger Sohn, muthmaßlicher Erbe einer Kaiserkrone, von allen Seiten umschmeichelt, durch Schmeiche- leien verderbt, von Höflingen und sonstigem Gesindel umgeben, das jeder Laune, jedem Gelüste fröhnt— zn allen Lastern h e r a n g e- zogen— dann, nachdem die Gesundheit erschüttert und Ucbcrsattigiing eingetreten— dann kommt„die Ehe nach der Mode"— die st a n d e s- gemäße Ehe! Der auf der Schwelle der Jugend schon blasirte, fast genußnnfähig gewordene Alan» wird mit einem ebenso elend erzogenen, höchstens äußerlich oder physisch nicht ganz so sittenlosen Weibe zusammengethan, um— je nun wozu? Wie zwei T h i e r e vcrschie- denen Geschlechts zusammengethan werden: um St a ch k o M m e n s ch a f t zu erzielen. Dem Thron der Habsburger. in deren Sieich einst die Sonne nicht niedergegangen, soll nicht die Gefahr der Verwaisung drohen. Natürlich gibt eine solche fürstliche Musterehe keine Bcfrie- diguug. Der Mann sucht Befriedigung außerhalb der Ehe. Die Frau fügt sich— nach stillschweigendem Uebereiukommen geht jedes der bei- den fürstlichen Gatten seinen eigenen Weg,— die Gattin wohl etwas dezenter als der Gatte. Vater und Mutter— Kaiser und Kaiserin— wissen es, sie drücken ein Auge zu. Ist's ja doch eine M u st e r e h c ii la mode— das heißt nach ä ch t f ü r st l i ch e r Mode. Und haben sie beide es nicht ebenso gemacht? Mußte nicht s i c, die Mutter und Kaiserin, vor einem Viertcljahrhundert in ein südliches Land gehen, um von den abscheulichen Folgen einer„Ehe nach der Mode" genesen zu können? Genug— so geht es weiter; und es geht ganz nach der At o d e In jenen fürstlichen Kreisen, wo nach der monarchilchen Legende, ans welcher thatsächlich der Glaube an die Monarchie nud damit die Monarchie selbst ruht— wo nach der frommen Kiaderlegende die höchste Tugend und die höchste Weisheit, kurz überirdische, übermenschliche Vollkom- menheit, Gottähnlichkcit, Gottgleichhcit wohnen soll. Denn die Fürsten sind entweder Götter auf Erden, oder sie haben überhaupt keine Exi- stcnzbercchtignng. Das müssen wir festhalten. Diese Göttlichkeit oder mindestens Gottähnlichkeit einmal preisgegeben, zerstört, und das Karten- Haus des monarchischen Dogmas ist weggeblasen. Darum umringt man auch die Großen der Erde mit dem Nimbus der Goitähnlichkeit und mit einer Mauer kunstvoller systematischer Abschließung, über welche die Atasse des Volkes nicht hinwegblickcn kann in's Allerheiligste, in den Olymp der irdischen Götter. Stur bei außerordentlichen Gelegen- Helten zeigen sie sich oder werden sie gezeigt im Flitterstaat, von Gold und Diamanten glitzernd, auf daß man die gemeine, nur zu oft u n t e r- menschliche Menschlichkeit der Pseudogöttcr nicht sieht— und wie bei jeder anderen Theatervorstellung bemerkt die Menge nicht, wer und was diese Thcatergöttcr und-Göttiuen sind, sondern nur, was sie bedeuten sollen. Und plötzlich ein Knall, und die Mauer der Mschließung sinkt nieder, und dort, vor den Augen des entsetzt drein schauenden Volkes, liegt einer der Götter mit cingeschlagciicm Schädel und durchschossenem Kopf und neben ihm, ebenfalls todt, ein Frauenzimmer, n i ch t die eheliche Gemahlin— gerade wie in der Welt der bürgerlichen Kanaillen hier und da ein auf Ehebruch ertappter gemeiner menschlicher Sünder mit- sammt seiner Buhlen erschossen oder todtgeschlagen zu finden ist. Ein erschossener Gott— ein in einem Abenteuer von denk- barster Ilnsauberkcit erschossener oder todtgeschlagencr Gott— das stimmt nicht zu der m o n a r ch i s ch e n SN y t h c. Denn kann sie es auch nicht längncn, daß die Götter auf Erden sich von den anderen Göttern dadurch nntcrscheidcu, daß sie sterben und mitunter auch gelegentlich todtgeschlagen werden können, so hat sie doch das lebhafteste Interesse, zu leugnen, daß der Gott ans uiedrig-mcnschliche Weise»ms Leben gekommen ist— nicht göttlicher als irgend ein Dorf- Don Juan, der von einem Nebenbuhler auf verbotenen Pfaden ertappt und todtgeschlagen worden ist. Zum Teufel ist der Nimbus! Der Gottglaube ist todt, der G o t t t st t o d t, der G ö tz e z e r t r ü m m e r t. Der Schlag, den das Köuigthum und Kaiserthum erfahren hat, ist um so vernichtender, als der so jämmerlich zerbrochene Gott noch einer der b e st e n und a n st ä n d i g st e n der Götter war— ein Gott, dessen Horizont und Bildung nicht, wie die semer meisten Mitgötter, durch die Mauern eines Pferdestalls oder einer Kaserne abgegrenzt war. Er hatte, wenn seine göttlichen Passionen ihm Zeit ließen,, ge- lcgentlich höhere, sog. geistige Bedürfnisse. Das ist gerade das Charakteristische und das Fatalisttsche: die Götter, denen solche fatale Katastrophen begegnen, sind die besten ihrer A r t. Auch der Wittelsbacher, den die Staatsraison in den Tod trieb, weil nur hohenzoller' scher Wahnsinn auf dem bayerischen Thron sitzen darf, hatte von Haus aus noble und künstlerische Anwandlungen. Und„unser Fritz", seiner Denkweise nach der beste von all diesen Göttern, er mußte auch früh sterben, freilich nicht durch eigene Hand und nicht durch eigene Schuld. Wir sehen aber, es ist kein Glück und kein Stern mehr im Götterhandwerk— die besten nehmen ein elendes Ende, und die anderen können sich ein Exempel dran nehmen. Das deutsche Volk hat Augen zu sehen und Ohren zu hören. Es hat die Lehre verstanden, und während der Kanzler Eisenstim Tag fiir Tag in die Welt hinauspindtern läßt: Das„wilde" Land Frankreich ist in reißender Auflösung begriffen und die Republik liegt in den letzten Zügen, zerbröckelt— Dank diesen beispiellosen Skandalen und Tra- gödien in den Regionen der irdischen Götter— der Glaube an die Göttlichkeit der Monarchen und mit ihm das einzige Fundament der Monarchie. Aus Frankreich. � Parts, ia ycbruar 1889, Wi«»n erwarten, hat sich der Opportunismus beeilt, dem Radita« lismus die Quittung über dessen so gründliche Niederlage vom 27. Jan. auszustellen. Sie lautete: Sturz dcsKabincts F l o q u e t. Anlaß zu demselben gab ein Antrag des stets zu Seitensprüngen aufgelegten Radikalen D o u V i l l e- M a i l l e s e u, der die Revision bis auf Wei- teres von der Tagesordnung abzusetzen vorschlug. Die für den Antrag stimmende Rtajorität war aus Opportunisten, Monarchisten, Bonapar- tisten und den Boulangisten zusanunengesetzt. Der Opportunisnius trat, — was er sonst stets der äußersten Linken zum Vorwurf machte—, Hand in Hand mit der Rechten als Oppositionspartei auf und schlug dem heiligen Prinzip von der„Stabilität der Ministerien' ein Schnipp- chen. Sein oder Richtsein— nämlich Miuisterpartei— ändert eben die ganze Sachlage. Daß das gemäßigte Zentrum wie ein Mann gegen die Revision stimmcu würde, war im Voraus sicher, die Erhaltung des «tatus quo, welchem die reaktionäre Wallon'schc Verfassung so günstig ist, gehört ja zu den Hauptdogiucn des unbefleckten Ferryismus. Ucber- rascht hat dagegen, daß die Rechte und die Boulangisten sich selbst de- mentirten und einen der Hebel aus der Hand gaben, mit denen sie bis jetzt so glücklich niauövrirten. Nachträglich können sie das Faktum zu deuteln und zu drehen suchen, wie sie tvollen, die Thatsache, daß sie für eine unbestimmt lange Vertagung der Revision gestimmt, sie, die stets von derselben dcklamirt, schaffen sie nicht aus der Welt. Man sollte nun meinen, daß sie genügte, Boulanger's Oppositionsrollc für immer zu einem Fiasko zu gestalten, wenn eben nicht die Fehler der bisherigen Regierungen eine so heftige und tiefe Gegenbewegimg gegen Alles, was offiziell und gouvernemcntal heißt, geschaffen hätten, daß sich Held Boulanger die gröbsten taktischen Mißgriffe ungestraft er- lauben darf. Der Sturz Floquet's war bereits am Morgen nach dem Wahlsiege Boulanger's beschlossen. Die opportunistischen Organe zeigten von da ab, daß ihnen der Kamm gewaltig geschwollen, erklärten ein Kabinet für unmöglich,„das sich vollständig unfähig erwiesen, die boulangistische Gefahr energisch zu bekämpfen." Die Galgenfrist, welche die Porte- feuille- und budgethungrigen Fcrryisten dem Ministerium gewährten, hatte mir den Zweck, die Radikalen noch etliche Zeit Vorspanndicnste leisten zu lassen, sie in der Hoffnung, dadurch ihr Mimsterium zu retten, für Gesetze stimmen zu machen, die unter rein opporttmistischer Flagge auf die cntichicdenc Opposition der äußersten Linken gestoßen wären. Mit Hilfe der naiven Radikalen haben die Opportunisten das früher von ihnen' selbst im Interesse der Diktatur Ganibctta's erfundene Listen- skruttnium durch die Bczirkstvahl mit Einzclkauditatur ersetzt. Der neu aufgewärmte Wahlmodus soll vorgeblich das Kräutlein Wundersam sein, welches das Land nnt einem Schlage von der Boulangitts heilt. Indem er der Aielkandidattir des Exininisters gewisse Schranken zieht, soll er der bonapnrtistisch- monarchistisch-boulangistischen Koalition das Segeln von jeromistischen, Viktoristischen und philippistischen Kandidaten unter Boulanger's Flagge unmöglich machen. Selbstbetrug oder reine Heuchelei. Mit einem durchaus äußerlichen Mittel ivird man nie ein Ucbcl meistern, das in so tiefen Ursachen wurzelt wie der Boulangismus. Alles, was man dem neuen Wahlmodus etwa Gutes nachsagen könnte, ist, daß er ärmeren Parteien die Aufstellung von Kandidaten erleichtert, da die Kosten der Wahlkampagne in einem Bezirk niedriger zu stehen kommen als in einem ganzen Departement. Was die Opportunisten für ihn einnimmt, ist, daß er der amtlichen Kandidatur, welche auf die Lokaleinflüsse und die Kirchthurmsinteresscn spekulirt, im höchsten Grade günstig ist. Die Partei, welche gerade das Heft in den Händen hält und sich der Situation rücksichtslos zu bedienen weiß, kann mit Hilfe des neuen Wahlmodus auf eine gewisse Anzahl von Mandaten rechnen. Die boulangistische Gefahr war wieder einmal der Deckmantel, hinter dem sich die opportunistische Lüsternheit verkroch, um die Radikalen hereinfallen zu lassen. In den Kammerdedatten, in denen das„Produkt der Angst" durchgepeitscht wurde, gelangte die trostlose Oede, die hinter den dcputirlichcn Schädeln grinst, zum unverhohlenen Ausdruck und bewies, wie Recht der für das Listcnskrutiniuin eintretende Radikale Jauräs hatte, als er erklärte, daß sich die Politiker der letzten zehn Jahre gründlich abgewirthschaftet hätten, und daß die neue Situation neue Männer gebrauche. Der neue Wahlmodus, führte er ans, werde die Krise nie und nimmer beschwören, derselben könne nur durch soziale Reformen abgeholfen werden. Diese sozialen Reformen bedürfen aber neuer MÜmter, denn alle Politiker der letzten Zeit haben sich als durchaus unfähig erivirsen, die demokratische Strömung der Zeit zu verstehen und ihr zu folgen. Die Verhältnisse haben die alten politi- scheu Parteien, die rcpublikanschen Kadres zerttümmert und eine neue, unbekannte Demokratie gezeugt, welche auf soziale Ziele zusteuert. Der Sozialismus hat sich ausgebreitet und zählt Anhänger bis in die ent- legenstcn Landgcnieindeu Frankreichs. Und mich hier nianifestirt sich ein Wechsel der Persönlichkeiten, wie das charakteristische Wort eines alten Landmanns zeigt:„Wir wollen nicht mehr Joffrin, wir brauchen einen Vaillant!" Will man über die Krise triumphircn, so müssen sich die nächsten Wahlen nicht auf Personen, sondern auf Prinzipien voll- ziehen und dem s o z i a l i st i s ch e n E l e m c n t e m u ß e i n breiter Raum überlassen werden."— Nachdem ein— und zwar der größere— Thcil der Radikalen trotz der so beachtungswerthen Worte aus der eigenen Mitte dem Opportunismus die gewünschte Waffe schmieden geholfen, beeilte sich dieser, das Kabinet Floquet mit einem übrigens verdienten Fußttitte zum Teufel zu jagen, um sich selbst in den Besitz der Macht zu setzen. Der Opporttmismus rechnet einerseits auf die mit Nachdruck zu be- treibende offizielle Kandidatur, andrerseits darauf, daß sich die Radikalen durch ihr Eintreten ftir die republikanische Konzentration bei ihren Wählen! gründlich unpopulär gemacht. Er vergißt aber bei seiner Rechnung nur den einen kleinen Umstand, daß, was den Radikalismus unpopulär gemacht, bei ihm in zehnfacher Potenz zutrifft. Die Herren dürsten bei den Wahlen Ueberraschnngen erleben. Bis zur letzten Minute seiner Existenz ließ sich das Kabinet Floquet vom Opportunismus auf's Glatteis der Reaktion locken. Es brachte einen Gesetzentwurf ein und durch, Ivelcher nichts Geringeres als eine Beschränkung der Preßfreiheit bedeutet. Von nun an sollen Preßbelcidignngen offizieller Personen nicht mehr von einem Geschworenengericht, sondern von den Strafgerichtshöfcn abgeurtheilt, d. h. nach dem Belieben der Regierung verurtheilt werden. Floquet hoffte ferner dadurch vor Ferry's Augen Gnade zu finden, daß er sich als Justizmiuistcr den als einge- fleischten„Ordnungs'mann bekannten Guyot-Dcssaigue zugesellte, einen Mann, welcher seinerzeit dem Kaiserreich so ergeben war, daß er„mit Bedauern sah, wie dasselbe letzterzeit in liberale Bahnen einlenkte." Aber trotz der zahlreichen Pfänder, die er ihnen gab, trotzdem daß Floquet opportunistischer regierte als manche der Opportunisten, konnten diese es ihm und seinen Mannen nicht verzeihen, daß sie den Platz ein- nahmen, von dem aus sich die nationale Milchschüssel am bequemsten und gründlichsten abrahmen läßt. So beschämend die Niederlage momentan für die äußerste Linke ist so kann sie doch gerade zum Ausgangspunkte eines alten Weiber- sommers für dieselbe werden. Sie giebt ihr ihre alte Aktionsfreiheit zurück und indem sie die Phrase von der republikanischen Konzentration gründlich Lügen straft, erlaubt sie der Partei, wieder entschieden den Standpunkt einer Oppositionspartei einzunehmen. Besitzen die Radikalen die Klugheit und Entsagung, sich von jeder ministeriellen Staats- mannclei fern zu halten, so haben sie alle Aussicht, cmcn Theil wenigstens der an den Boulangismus verlorenen Wahlkundschast zurück- zuerobern. Freilich ist dazu nöthig, daß sie nicht länger m das Geschrei von der von links her drohenden Gefahr einstimmen. Wie es scheint. haben sie das auch begriffen, denn ein Manifest der äußersten sinken erklärt den Entschluß, sich außerhalb jeder mmisteriellen Kombination zu halten. Die Ministcrkrise verspricht übrigens, sich zu einer netten Zwickmühle zu gestalten. Die Opportunisten� wetzen zwar schon die Zahne um den fetten Bissen allein zu verspeisen, allem die Rechte verlangt ihren Antheil an der Beute, zu der sie ihren weiland Verbiindeten ver- halfen. Dazu kommt, daß sich das gejammte Hohepriester- und Leviten- thum des Opportiiilisnius in Schivindeluiitcrnehmungen und WilfontsmuS derart abgewirthschaftet hat, daß sich fast jede Kombination als moralisch unmöglich zeigt. Am annchnibarsten erscheint noch der einzige � unabhängig gemäßigte Freycinet an der Spitze eines„GeschäftsmlNlsteriums. Wi« sehr der 27. Januar den opporwnistischen Ochsenftosch gebläht hat, geht am besten daraus hervor, daß der„Temps" unverftoren genug ist, ein Kabinet Ferry zu verlangen, während das„Journal des Dcbats" für ein Ministerium der Reaktion eintritt, was auf das Nämliche hinausläuft.— Die Grabrede, welche man dem Kabinet Floquet setzen kann, ist, daß es nicht nur den gesammtcn bürgerlichen Radikalismus gründlich diskrcditirt, sondern auch bewiesen hat, daß die Bourgeoisie sogar in ihren fortgeschrittensten Elementen am Rande des politischen Bankerotts steht, daß ste unfähig geivorden, die„res rexudlica", die Republik und die gemeinschaftlichen Dinge, zu verwalten, daß es Zeit ist, den neuen gesellschaftlichen Schichten, von denen Jaures sprach, dm ihnen gebührenden Platz einzuräumen.— Das polittsche Schwertgerassel und Schildklirren war in letzter Zeit so laut, daß die zweite Lesung des Gesetzes über Beschränkung der Frauen- und Kinderarbeit fast unbeachtet vorüberge- gangen ist. Trotzdem, und obgleich auch die Arbeiterkreise sogar in ihren organisirten und aufgeklärtesten Elementen dem Gesetz gegenüber eine geradezu sträfliche Glcichgiltigkeit an den Tag legten, wurde«s ange- nommen; sogar das in erster Lesung verworfene Verbot der Nacht- arbeit für Frauen ward schließlich in das Gesetz aufgenommen. Ständen die Wahlen nicht so nahe vor der Thür, so wäre der Ausgang der Debatten wahrscheinlich ein anderer gewesen, denn die opportunistische Presse hatte bereits seit Monaten eine Kampagne der gemeinsten Art gegen das Gesetz in Szene gesetzt, in der auch z. B. die bekannten, mit der Hungcrpcitsche fabrizirten Petitionm von Arbeiterinnen nicht fehlten, die de- und wehmüthig bitten mußten, die edlen Herren Fabrikanten niöchteu doch ja so gnadig sein, das weibliche Arbeitsvieh nicht nur des Tags, sondern auch in der Nacht auszubeuten. Die betreffenden Dis- kussionen zeigten übrigens wieder die tiefe Gleichgiltigkeit und grauen- hafte Unwissenheit der großen Mehrzahl der Abgeordneten ökonomischen Fragen gegenüber. Der älteste Manchestcrkohl über den Ruin der Natioiial-Judustrie, wenn man der„Freiheit der Arbeit" Schranken ziehe, durfte ungestraft aufgetischt werden. Nur der katholisch-soziale de Nt u n zeigte neben allerhand zünftig-hierarchischen Schrullen Theil- nähme für die Arbeiter und Verftändlnß für die Frage und forderte eine internationale Siegelung der Arbeitsgesetzgebung. Uebcr die im Anschluß an die Beschlüsse der Kongresse von Trohes und Bordeaux stattgehabten Demonsttationcn zu Gunsten durchgreifen- der A r b e i t e r s ch u tz g c s e tz c, hat der„Sozialdemokrat" bereits berichtet. Nächsten Sonntag sollen die Delegattoncn die Antworten der öffentlichen Bchm'den einholen und die Mitglieder der betreffenden Or- ganisationen sollen den Schritt durch eine Mamfestation unterstützen. Natürlich erhoffen die Sozialistm von der Maßregel nicht etwa eine Gewährung der aufgestellten Forderungen, dagegen versprechen sie sich einen guten agitatorischen Erfolg, abgesehen davon, daß es im Wiederholungsfalle impouiren muß, daß der revolutionäre Sozialismus Vertreter in den entferntesten Landgemeinden zählt. Die Orgaiie der Bourgeoisie suchen die Manifestation im Voraus dadurch zu diskrctitircn, daß sie dieselbe als ein bonlaiigistischcs Manöver bezeichnen. Bei allem, Ivas dm Regierenden und Satten nicht in den Kram paßt, heißt es heutzutage„cherchez le general". Die Blinden begreifen nicht, welch' ausgezeichnete Reklame sie dem Pooiadehelden machen, indem sie denselben mit Maßregeln in Verbindung bringen, die von der bewußten Arbeiterschaft schon seit Jahren gefordert werden und deren Stutzen auch dem nichtgcschulten Proletarier einleuchtet. Wenn Boulanger nicht schon existirte, so hätten ihn dir bürgerlichen Parteien eigentlich erfindm müssen, damit er sich zur rechten Zeit da einstelle, wo es ihnen selbst an Begriffen fehlt. •— AAAjDJW*- Sozialpolitische Rnnd schau. London, 21. Febniar 1889. — Ein Nicht-Gentlcman über die Nicht-Gentlcmcn-Zucht. Im„Berliner Volksblatt" veröffentlicht unser Genosse Auer einige sehr charakteristische Briefe uiid Schriftstücke, welche ein lange Jahre wider unsere Partei thättg gewesener Spitzel, der Blaufärber a. D. W i ch m a n n. in der Wuth über den schnöden Undank seiner Auftrag- gcber an die Redaktion eines deutschen Arbeiterblattes, sowie an Auer selbst gesandt— selbstverständlich ohne die erhoffte Gegenliebe zu fiiiden. Daß das Shstem Puttkamer-Krüger die Elenden, die sich, angelockt durch allerhand schöne Versprechungen, in seinen Dienst begeben, hinterher, wenn er sie ausgesaugt hat und sie nicht mehr genug„arbeiten" können, wie eine ausgepreßte Zitrone fallen läßt, das ist ja bei dem schmutzigen Charakter des ganzen Instituts und seiner Leiter sehr begreiflich, aber es ist eine merkwürdige Naivität, anzunehmcii. die Sozialdemokraten hätten nichts besseres zu thun, als den Hineinge- fallenen, sobald ihnen der unter solchen Umständen sehr begreifliche Tugendrappel konimt, schleunigst ihre eklatante Genugthuung zu bereiten. O nein, wer das Sündengeld annimmt, der mag auch die Folgen seiner Käuflichkeit tragen, voll und ganz tragen, und wenn die Brutalität und Filzigkeit der wohlbcstelltcn Chefs sich ihm in ihrer ganzen Gemein- heit offenbart, sich mit Georges Dandin zurufen:„Du hast s s e l b st g e w o l l t!" Aber gut ist's doch, daß die Draußenstehendm von�Zeit zu Zeit erfahren, wie es in jenem Muster-Jnstitut zugeht, tvas für S h Y l o ck s — waschechte, christlich-germanische Shhlock's— seine Leiter find, was für Lumpen seine„Pflichtgetreuen". Braucht man auch nicht alles zu glauhen, was die erwachte Tugend den enttäuschten Spitzeln in den Mund legt— in dieser Hinsicht sprechen sie die Wahrheit. Es ift nur e i n Lied, das sie allesamntt singen,— denn der Hamburger Blau- färber ist der Erste nicht, der aus der Schule schwatzt, und wird auch der Letzte nicht fein. Hören wir nunmehr die Briefe: I. Altona, 1. Juni 1883. Herr Redatteur! Unterzeichneter, ehemaliger Geheimpolizist, ersucht um gefällige Auskunft, ob Sie geneigt sind, ein Inserat etwa folgenden In- Halts aufzunehmen: „Gebotene Erklärung!" Da allgemein geglaubt ivird, ich bezöge infolge meiner xinva- lidität eine Pension von der Regierung, sehe ich mich genothigt, diesen Jrrthum durch folgende Belege zu beseitigen: Schleswig, den 12. Februar 1888. Die an die Kgl. Staatsregierung in Berlin gerichtete Em- gäbe vom 3. ds. Bits., in welcher Sie um Gewährung einer Pension gebeten haben, ist von dem Herrn Minister desJn- nern an uns zur Verftigung abgegeben ivorden. Wir eröffnen Ihnen demnach hierdurch, daß auf Ihren Antrag nicht ein- getreten(?) werden kann, weil Ihnen ein Anspruch auf solche Bewilligung nicht zusteht. Kgl. Regierung, Abthlg. des Innern., Hierauf reichte ich unterm 18. April ein Gesuch nebst«airei- den ans Gericht Hierselbst, resp. bei dem Herrn Landgerichts- direktor Blumenbach ein, worin es nach Mittheilung über wahre Behandlung resp. d.unlle Punkte u. A. wie folgt heißt: „Wo würde man unter den verschrieenstcn Sozialdemokraten verpöntesten Inden und vcrachtctsten Sklavenbesitzern einen Arbeit- geber finden, welcher seinen unverschnldct um seine Gesundheit gebrachten Gehilfen so erbarniungslos dem Verderben Preis giebt, wie der Polizeidirektor Krüger in Berlin mich nebst Familie." Ferner:.. „Ich habe durch Arbeiten und Reisen in den verschiedenftcn Ländern Europas und Amerikas Sachen und Menschen kennen gelernt, aber als Geheimpolizist einen Einblick, resp. Begriff vom Polizeigeschäft erhalten, daß man erschrecken muß, gerade lii diesem Berufe die unsaubersten Elemente zu finden, welchen Gott Gewissen und Meineid weiter nichts als„Blödsinn" zu sei» scheint. „Im Vertrauen auf den Gerechtigkeitssinn des deutsche» RichterftandeS hoffe ich, daß mir aus meinen wahren Mit» theilungen keine Unannehmlichkeiten entstehen. Hochachtungsvoll ttef ergebenst W i ch m a n u, Färber(Adresse). Beschluß. „Auf den Antrag deS Färber Wichmann, Altona(Adresse), ergeht folgender Beschluß: Nach§ 2 deS Pensionsgesetzes vom 27. März 1872 haben die unter d:m Vorbehalt des Widerrufs oder Kündigung angestellten Beamten einen Anspruch auf Pension nach Maßgabe dieses Gesetzes nur dann, wenn sie eine in den Bejoldungsetats aufgeführte Stelle bekleiden. Das Gesuch um Beivilligung des Llrnicnrechts muß destvegen zurückgewiesen werden, weil die beabsichtigte Rechtsverfolgung aussichtslos erscheint, sofern nicht nachgewiesen werden kann, daß der Auttagstellcr eine in den Besoldungsetats aufgeführte oder unkündbare Stelle als Geheinipolizist bekleidet hat. Die Kosten werden niedergeschlagen. Altona, 28. April 1888. Kgl. Landgericht. Zivilkammer II. (gez.) Blumenbach, Nicderstadt, Bauer. W i ch m a n n, Färber(Adresse)." n. „Altona, 21. Juni 1888. Herrn Jguaz Auer, Wolhgeboren. Mit Freuden ergreife ich die Feder, um eine vor Jahren gegen Sie geübte Ehrenkränkung zurücknehmen zu können. Indem ich Ihnen hiermit auf Ehrenwort versichere, daß ich es gewesen bin, welcher Sie in der seiner Zeit in London erschienenen „Freiheit" der Unterschlagung von 1000 Mk. Parteigelder verdachttgtc. Doch ist das darüber in Umlauf gesetzte Gerücht, wonach ich Vorstehendes im Aufttag meines Chefs, Polizeidirektor Krüger und Kommissar v. H a a ck e in Berlin, ausgeführt hätte, u n- wahr. Es geschah vielmehr im Auftrage und nach Diktat des Kommissars Engel Hierselbst. Letzteres wie andere Machwerke sind speziell dem Herni Landgerichts-Direktor Blumen- dach bereits bekannt. Möge es Ihnen eine Genugthuung sein, zu wissen, daß dem „Gerichte in Altona", speziell dem strengen, aber gerechten „Richter" Herrn Blumenbach ineine„Wahren Erlebnisse", daS Eehcimpolizei- Unwesen und meine Behandlung seitens meines Chefs seit 1. Dezember 1885 infolge in meiner Eigen- schuft als Geheimpolizist vorsätzlich mit Messern, Instrumenten k. erlittene Mißhandlung ausführlich bekannt sind. Und denjenigen. welche sich dem Berufe als Geheimpolizist daselbst widmen wollen, möge zur Warnung dienen, daß, wenn sie ihre Gesundheit un- verschuldet eingebüßt haben, sie erbarmungslos dem Verderben preisgegeben werden." Hochachtniigsvoll W i ch m a n n, Färber(Adresse). Das Geständniß des Wichmann, die von ihm in die„Freiheit" lancirte infame Verdächtigung des Genossen Auer entstamme dem schnftigen Altonaer Polizei-En gel, ist gleich bezeichnend fiir diesen Hüter der Ordnung und guten Sitte, wie für Herrn Johann Mo st. Wer aber annehmen sollte, daß Most sich diese Erfahrung zur Lehre dienen lassen wird, der wird sich sehr täuschen. Most wußte, daß die Sache erlogen war, trotzdem nahm erste auf, weil sie ihm gerade in den Kram paßte. Und so wird er auch in Zukunft handeln. Im Uebrigen bedürfen die Briefe keines Kommentar's. Vielleicht aber ergänzen wir sie demnächst durch einiges nicht minder interessante Riaterial aus unserer Mappe der Enttäuschten und„Büß- fertigen. — Auch eine der wohlthätigcn Wirkungen des Kampfes umö Dasein. Im amerikanischen„ P h r e n o l o g i c a l I o u r n a l" vom Monat Dezember schreibt ein amerikanischer Gelehrter, Prof. Hume, über die e r s ch r e ck l i ch e Z u n a h m c der I r r s i n n i g e n u. s. w. in den Vereinigten Staaten während der 30 Jahre von 1850 bis 1880(dem letzten Zensusjahr). Danach betrug die Zahl der 1880 91,997 70,895 48,928 33,378 Bevölkerung des sich also etwas mehr 1850 1860 1870 Irrsinnigen.... 15,610 24,052 37,423 Idioten..... 15,787 18,930 24,527 Blinden..... 9,754 12,685 20,320 Taubstummen.... 9,803 12,821 16,205 Hieraus ergibt sich also, daß, während die Landes von 23 auf 50 Millionen gestiegen ist, als verdoppelt hat, die Anzahl irrsinniger und u n v o l l- k o m m e n e r menschlicher Wesen auf das Vier- bis Fünffache gestiegen ist. „Das wären schöne Aussichten, bewerft dazu die New-Uorker„Volks- Zeitung",„wenn vorauszusetzen sei. daß der gleiche progressive Fort- schritt auch ferner stattfände. Dann wären wir in nicht allzuferner Zukunft eine„Nation" von Starren und Heiinstättlern! „Für uns ist es unzweifelhaft, daß die gesellschaftlichen Zu- stände direkt oder indirekt die Schuld an der traurigen Thatsache tragen, und daß eine gründliche Aenderung derselben nach den Vor- schritten von Vernunft und Gerechtigkeit obiges Verhältniß ungemein schnell umkehren würde." Sicherlich, denn diese ungeheuerliche Zunahme der Zahl der geistig Zerrütteten ist fast ausschließlich auf die immer schärfer sich zuspitzenden Bedingungen des K a in p f e s ums Dasein und ihrer verschiedenen Rückwirkungen auf das gesellschaftliche Leben zurück- zuführen. Je mehr der Jndustrialismus, die Kapitalsherrschaft, um sich greift, um so toller muß sich, und zwar für alle Kreise der Bc- vvlkerung, die Jagd nach dem Glück, der Kampf um eine sorgenfreie Existenz, gestalten, und die Folgen davon sind fürdie Kämpfenden lieber- reizungeil des ganzen Nervensystems, die entweder direkt znin Wahnsinn führen oder— und das ist eigentlich noch schlimmer— sich in allerhand Störungen des Nervensystems bei der nachfolgenden Generation geltend machen. Die.Kinder bringen die Keime des Wahnsinns, eine starke nervöse Reizbarkeit bereits mit auf die Welt, und die inoderne Erziehung, weit entfernt, sie zu unterdrücken, entwickelt sie noch. Alle Bemühungen einsichtiger Pädagogen richten dagegen nichts aus— der Kampf ums Dasein verlangt es, und seine Gebote dulden keinen Wider- stand. Würde er ewig die menschliche Gesellschaft beherrschen, die Menschheit wäre zum Untergehen im Wahnsinn verurtheilt. Das ivollen natürlich die orthodoxen darwinistischen Naturforscher nicht sehen, oder wenn sie es sehen, so hüten sie sich, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Denn diese heißen: V e r n r t h e i l u n g der heutigen bürgerlich kapitalistischen Gesellschaft: und so radikal sich diese Herren zuweilen geriren, so weit reicht ihr Radikalismus doch nicht. Man schlägt allenfalls den lieben Gott der Pfaffen zum dreißig- tausendsten Male todt— es ist ja ein so billiges Vergnügen— man eifert sogar, wenn man Ernst Höckel heißt, etwas gegen den Mili- t a r i s ni u s, der ja selbst der Bourgeoisie zuweilen unbequem ist, aber dem Gott Kapital den Krieg erklären, nein, das geht nicht, das tvürde ja die Wissenschaft—„kompromitttren"! Nun, die Herren können zum Glück andere Leute nicht hindern, die Konsequenzen zu ziehen, die sie festzustellen zu feig sind. Und mag Herr Lirchow sich noch so sehr darüber betrüben, der D a r w i n i s- m n s ist und bleibt eine der schärfsten Waffen aus dem geistigen Arsenal der Sozialdemokratie. *— Der Reichstag hat jetzt wieder einmal Ferien, die bis Anfang März dauern werden. Bis dahin soll die Kommission mit dem Alters- und Jnvalidenversicherungsgcsetz fertig sein und außerdem das neue Gesetz zur Vermehrung der Artillerie. Wir haben wieder einmal zu wenig Soldaten und Mordniafchinen. Blos 30 Millionen Mark sollen gefordert werden— wenigstens für den Anfang. Dann iverdcn freilich weitere Forderungen bald nachkommen. Ist doch auch . die Einführung eines neuen Jnfanteriegewehres endgiltig beschlossen: da es nicht gelungen ist, das Gcheimniß des neuen französischen Gewehres vollständig zu lösen, so will man sich vorläufig mit dem neuen österreichischen Gewehr begnügen, das immerhin besser ist als das deutsche. Der Spaß wird gegen 50 Ätillionen zu stehen kommen, bat jedoch für die Völker den Nutzen, daß der«riegsspektakel auf ewige Zeit ewgcstellt werden muß. Die Vorbereitungen für die Reichstagswahl sind überall im Gang. Leider macht die K a n d i d a t e n n o t h sich in vielen Wahl- kreisen recht unangenehm fühlbar. An befähigten Personen fehlt es zwar nicht, allein wer eine Kandidatur annimutt, begibt sich damit in das Gewühl des Parteikampfs und muß auf die rücksichtslosesten Ver- folgungcn gefaßt sew— und das hat, wenigstens bei solchen, die ewe bürgerliche Position haben, den vollständigen Rum zu bedeuten. — Merkwürdige Metamorphose. Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand, sagt der Volkswitz, in demselben Sinne könnte man auch sagen, wem Gottes„Gnade" die Anwart- fchaft auf eine Krone gibt, dem gibt sie auch— Moral. Kaum ist durch den Tod des Kronprinzen Rudolph die Thronfolge des Erzherzogs Karl Ludwig oder eines seiner hoffnungsvollen Söhne, Franz und Otto, m greifbare Nähe gerückt, so werden dieselben sofort zu Mustern aller denkbaren bürgerlichen und— denn ohne das geht es heute nicht— militärischen Tugenden. Man höre nur, welches idyllische Bild die„Frankfurter Zeitung" einem Pester Blatt enwimiut: „Erzherzog Karl Ludwig erzog seine Kinder sehr streng mit mili- tärischer Disziplin. Auch herrscht im Hause tiefe Religi- o s i t ä t. Nach dem Tode seiner zweiten Gemahlin wäre der Erzherzog in ein Kloster getreten, wenn ihn nicht der Wunsch des Kaisers zurück- gehalten hätte. Die Erzieher seiner Kinder waren die Grafen Degen- feld und Brandis und zwei Geistliche, von denen der Eine Jesuit war. Die Prinzen legten alljährlich vor dem Schottenabte die Prüflingen mit glänzendem Resultate ab. Erzherzog Franz Ferdinand, der Aeltere, ist ein passionirter Militär, ewe zurückhaltende, worttarge Persönlichkeit; sew Aeußeres entspricht dem Charaver. Seine Ncbenpassion ist die Naturforschung und die Antiquitäten- f a m m l u n g. Sein bescheidenes Stübchen im zweiten Stock des Palais w der Favoritcnstraße ist ein kleines Museum. Sein Vater hat ihn für die diplomatische Lausbahn(?) bestimmt, doch wollte er vom Militär nicht lassen. Sämmtlichc drei Brüder sprechen deutsch, ungarisch, französisch, englisch, italienisch und czechisch. Sie lieben «inander sehr, trotz der verschiedenen Temperamente, und halfen «inander stets mit ihrem sehr geringen Taschengelde brüderlich aus. Der lebhafteste und hübschere ist Erzherzog Otto, der auch stets der Anführer bei den Spielen war, wobei er die Gesellschaft durch seine lustigen Einfälle erheiterte. Im Gegensätze zu ihm, hielt sich Erzherzog Franz Ferdwand selbst von den unschuldigsten Scherzen am liebsten fern. Ausgeprägt find bei ihni Willenskraft und Pflicht- tefühl. Was er für gut hält, fichrt er trotz aller Hindernisse durch. )ie Erzherzoge hegen die tiefste Ehrfurcht vor den Eltern. Erzherzog Franz Ferdinand fühlt sich am glücklichsten in Reichenau in der freien Nawr." Das nennen>vir noch Reklame t Der Philister, der das alles liest, muß wahre Thränen der Rührung vergießen ob des Glückes, das Oesterreich in der neuen Linie aus dem Habsburgergeschlecht entgegen- lacht.„Tiefe Rcligiösität",„Innigste Liebe",„Pflichtgefühl" und was der schönen Ding« mehr sind. Die„tiefe Religiosität" hat, wahrscheinlich zu dem famosen Ritt über den Sarg Anlaß ge- geben, und zweifelsohne war es nur sein„Pflichtgefühl", waS den lustigen Otto veranlaßt, scwe besoffenen Kumpane ins Schlafzimmer seiner Frau zu führen. Die Krone von allem aber ist die„all- jährlich mit glänzendem Erfolg abgelegte Prüfung." Der glän- zende Erfolg scheint danach ein Abonncmcutsartikcl zu sein, den man sich bestellt, etwa wie einen Winterrock, llnd das ist gut so. Denn wie käme sonst ein Mensch zu glänzenden Erfolgen, von dem alle, welchen die Gnade seiner Unterhaltung zu Thcil wurde, behaupten, er sei das, was der Wiener einen Trottel nennt! Hier heißt es: Sobald das Geld in dem Kasten klingt, Der Witz in die Seele des Trottels springt. Glückliches Oesterreich! — Ein weißer Rabe unter den Höflingen ist der Vorsitzende des obersten Gerichtshofes in Oesterreich, Ritter von S ch in e r l i n g. Der Mann hatte den Much, ia einer Ansprache an die lliäthe des Gerichts- Hofs offen heraus zu erklären: „Groß und glänzend waren die Hoffnungen, die sich an ihn knüpften. Man durfte erwarten, daß er(der verstorbene Rudolf) dereinst das Szepter Oesterreichs mit Weisheit, Stärke und Milde fiihren werde. Alle diese Hoffnungen sind nun vernichtet. Wir sehen in eine öde, traurigeZukunft." Was muß Herr von Schmerling, Ritter ec., von Karl Ludwig und seineu tief religiösen, vom st reng st en Pflichtgefühl beseelten Söhne halten! — Wider die Thorheit, den Teufel durch Beelzebub auSz«- treibe». wendet sich ein sehr verständiger Aufruf des Fachvcr- eins der Schneider in Zürich. Wir nennen es den Teufel mit Beelzebub austreiben, wenn man, was sich sogenannte Philanthropen gern angelegen sein laffen, die Nothlagc der Arbeiter durch Erwei- terung der Hausindustrie austreiben will, das heißt durch ein Mittel, das die Nothlage noch verschlimmert. Denn man muß absolut blind sein, um nicht zu wissen, daß gerade in der Hausindustrie die scheußlichste Ausbeutung betrieben wird, daß sie das wirksaniste Mittel ist, die Arbeiterklaffe immer mehr dem Kapital zu versklaven, die Löhne immer tiefer herabzu drücken. Aber leider gibt es noch sehr viel solcher Blinder, und namentlich in den Reihen der kleinbürgerlichen.Sozialreformer". Einem solchen, wenn wir nicht irren, entstammt auch die Idee in der B e k l e i- dungsindustrie der Schweiz mit Hilfe von Staat und Gemein- den— manche Leute bilden sich eben ein, es brauchen nur Staat oder Gemeinden sich in etwas zu mischen, und dann sei es schon Sozialis- mus— die Hausindustrie weiter auszubilden. Dagegen wendet sich nun das Flugblatt. „Betrachten wir", heißt es nach einer kurzen Einleitung,„unfern Beruf, wie er jetzt überall der Hausindustrie verfallen ist, so kann man sich eines Gefühls des Schauders nicht erwehren, wenn man sieht, wie nur die schrankenloseste Ausbeutung wohlfeiler Arbeits- kräfte die einzige Grundlage der Konkurrenzfähigkeit bildet. Die Be- richte aus den Konfektions-Distrikten enthüllen ausnahnilos das schreck- lichstc Elend; bei überanstrengender Thätigkeit 14— 1(i Stunden Arbeit, kein Sonntag, keine Fabriksglocke, nichts, rein nichts, was nur einiger- maßen gegen diese geradezu mörderische Ausbentnngsmethode Schutz bieten würde. Da werden die körperlichen Bedürfniffc inimer mehr eingeschränkt, der Arbeitstag immer mehr verlängert, die Arbeit intensiver, alle Familienglieder müssen noch mehr herhalten, bis der Lohn trotz aller Ueberanstrcngung nicht mehr hinreicht für die erbärmlichste Existenz. Wir können von hier aus berichten, daß Hosen von 80 Cts.,(Ar- beiterhoscn 40 Cts.) an, Westen ebenso, Röcke von Fr. 2. 75, lieber- zieher von Fr. 3. 50 an bezahlt werden, ja es ist vorgekommen, daß ein Arbeiter den Prinzipal zur Rede stellte, ihni sagte, daß man bei solcher Bezahlung nicht existiren könne:„Ich weiß es", erwiderte der Protze,„allein ich bekomm's gemacht." So wird die heutige Nothlage von den Fabrikanten ausgebeutet. Was obige Zahlen beweisen, läßt sich denken. Da werden von ge- wiffer Seite noch Ansttengungen gemacht, ein extta präparirtes Kon- fcktionsproletariat durch Konfekttonsschulen herzustellen und so die Hausindustrie zu rcorganisiren! Haben denn diese Leute keinen Begriff vom ehernen Lohngcsetz, von Nachfrage und Angebot?-- Wenn heute durch die technische Entwicklung die Reservearmee auf allen Gebieten größer ist als jemals, wo soll Wohlstand herkommen durch Hausindusttie? Beinahe alle Bcnisszweige genießen doch etwelchen staatlichen Schutz, sei es durch Fabrikgesetz, Haftpflicht?c.; nur da, wo die Hausiiidiistric herrscht,„blüht" die schrankenloseste, an keine Rücksichten gebundene Ausbcuttmg. Die Hausindustrie ist und bleibt der häßlichste Ausivuchs der heuttgen Produttionsweise, aber auch die letzte Form, die arbeitende Klasse dem gänzlichen Ruine zuzuführen. Kollegen, wir übertteibeu nicht. Wir wollen uns organistren, unser« Sttmme erheben, überall her ertönt der Ruf nach internatio- nalcr Arbeiterschutzgesetzgebung, auch wir wollen dabei sein, man wird und muß uns hören. Wir verlangen dcher feste Normalarbeitszeit, Abfchaf- fuug der Stückarbeit und Einführung eines Rt i n i m a l t a g- l o h n e s. Der Fachverein der Schneider in Zürich hat sich zur Auf- gäbe gestellt, von überall her die Berichte entgegenzunehmen: So 1. über Bezahlung: Stück-, Tag- oder Wochenlohu, 2. Arbeitszeit, 3. Dauer der vollen Beschäftigung. Wir richten deshalb die Bitte an alle Berufskollegen, sich zu o r- ganisiren und unserm Ersuchen zu entsprechen. Wir ermuntern dieselben, sich dem Gcwcrkschaftsbunde anzuschließen als unserem äußer- lichen Bindemittel, glauben aber doch, vorliegende Angelegenheit als interne behandeln zu sollen und erbitten uns alles Diesbezügliche unter der Adresse: Schnciderfachvcrein, Kafe Keßler, Zürich. Wir wer- den das ganze Riaterial zusammenstellen, bei einem nächsten hiefür ge- eigneten internationalenArbeiter-Kongrcß, sowie bei Behörden Alles thun, um imsern Fordeningen, welche durch den natär- lichsten Selbsterhaltungstrieb gebotm find. Gehör zu verschaffen." Wir können den hier entwickelten Standpunkt nur theilen und em- pfehlen den Schlußappell nicht nur a l l e n B e r u f s k o l l e g e n der Bekleidungsindustrie— der Schweiz und anderwärts, son- dcrn überhaupt allen Arbeitern zur Beherzigung. Die Verhältnisse sind nicht überall ganz die gleichen, aber die Tendenz ist in der ganzen Welt der„modcnien Kultur" die gleiche. Darum, Arbeiter, rührt Euch, protestirt und organisirt l — Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo! Unter der lieber- schrist„Deutlich gesprochen" schreibt der Brünner„Volksfreund": „In der Wiener Gemeinderathssiöung vom 22. Januar l. I. hat der Gcmclnderath Dr. Grübet folgenden Autrag gestellt: „Die k. k. Schulverwaltung sei zu ersuchen, ihr Augenmerk darauf zu richten, daß nur solche Schüler nach Absolvirung der fünften Volks- klaffe der Bürgerschule zugewiesen werden, welche nach ihren Vorkennt- niffcn und sonstigen Verhältnissen von dem Besuche derselben ein entsprechendes Resultat zu erwarten haben, dagegen minder gceig- ncte Schüler in der Volksschule den für sie und ihre Bedürfnisse Pas- senden Abschluß ihrer Volksschulbildung finden." Aus dem etwas steifen Kanzlcistyle ins Volksthümlichc übersetzt, heißt es nicht anders als: Es ist darauf zu sehen, daß die Kinder armer Eltern in die Bürgerschule nicht mehr aufgenommen werden. Nim ist es allerdings nicht sicher, ob dieser volksfeindliche Antrag angciwui- mcn werden wird, allein das macht nichts, er zeigt doch klar und deut- lich, von woher der Wind weht. Nicht nur die Mittelschulen(Gym- nasien), sondern auch die Bürgerschulen sollen den Kindern armer El- tern verschlossen bleiben. Wenn der Geist des Rückschrittes in solcher Weise einzelne Gemcinderäthe der Hauptstadt beseelt, dann ist es nicht gut einzusehen, warum man sich so gegen den Licchtenstein'schen Schul- anttag steift. Es fängt an und ivird wieder sehr dunkel in Oesterreich, obgleich es das Licht und die Aufklärung nach Osten tragen will."— Die Gründe für diese bildungsfeindliche Tendenz im heutigen Bürger- > thum, die sich ja auch anderwärts zeigt, liegen auf der Hand. Es ist 1 die Furcht vor der Konkurren z, die seinen Söhnen aus den Reihen des Proletariats erwachsen könnte. Ehedem, als die moderne Gesell- schaft der kapitalisttschcn Waarenproduktion im Aufsteigen begriffen war, da wußte der Bürger nicht laut genug das Lob der alleinselig- machenden freien Konkurrenz zu singen, und„Bildung des Vol- kes" war die Parole des Tages. Heute aber möchte er, um seine be- drohte Herrlichkeit zu retten, am liebsten die alten Standes unter- schiede wiederherstellen. Die Bildung soll ein Privileg derer werden, die ettvas haben, der Proletarier aber soll grade soviel lernen, als nöthig ist, um ein brauchbares A u s b e u t u n g s o b j e k t abzugeben, nicht weniger, aber auch ja nicht niehr. Run, grade dadurch, daß sich eine Klasse der Verbreitung des Wissens feindlich in den Weg stellte, zeigt sie, daß sie zum Untergang reif ist. — Aus Obcrschlcsicn. Sie haben in Nr. 4 des„Sozialdemokrat" die m ö r d c r i s ch e A n s b e u i u n g und Abrackerung der Arbeiter in der Z e l l u l o s e f a b r i k in Z i e g e n h a l s bei Neisse geschildert. Daß die scharfen Worte, welche Sie über das Treiben in der gcnaimtcn Fabrik gebraucht, durchaus berechtigt waren, mögen Sic auS beifolgenden Zeitungsausschnitten ersehen. Die Direktion hatte nänilich die Un- Verschämtheit, die in der„Ncisser Zeitung" veröffentlichten Vorkommnisse in Abrede zu stellen, und daraufhin wurden ihr eine Reihe von unwiderleglichen Thatsachen unter die Nase gerieben, die eine immer schimpflicher wie die andere, lieber den Fall des Arbeiters E l s n e r will ich heute nicht mehr reden, dagegen verdient das Verhalten der Herren gegenüber einem andern Opfer der Arbeit eine�Brandinarknng im Organ der Unterdrückten. In dem„Eingesandt" eines gewissen Max Gloger aus Ziegenhalde in der„Ncisser Zcitting" heißt es U.A.: „Es ist fernerhin Thatsache, daß die Firma Tillgner u. Co. in ihrer Arbeitcrftcundlichkeit von der Aufsichtsbehörde gezwungen werden mußte, dem mit kochender Lauge zum Tode verbrühten Rtaurer Göbel aus Dürr-Kunzendorf sein ihm gesetzmäßig zustehendes Kranken- geld zu zahlen." Ist die Thatsache an sich blamabel genug, so kommt erschwerend noch hinzu, welch' gräßliche Leiden der arnie Göbel hatte ertragen müssen, ehe ihn der Tod erlöste. Er war durch kochend heiße Lauge, die einem Bottich entströmte, über den ganzen Rücken verbrüht worden, beim Entkleiden hingen Haut und Fetzen an den Kleidern. Während seines langen Krankenlagers hatte er auf dem Bauche liegen müssen, seine Schmerzen sollen fürcherlich gewesen sein. Und trotzdem haben die Gau- ner von Fabrikbesitzern ihm kein Krankengeld auszahlen wollen! Wie mir damals von dem Maschinenmeister versichert wurde, hat die Firma Tillgner u. Cie. in dem betreffenden Jahr 50,000 Thaler ver- dient. Nicht genug damit; die Fabrikbesitzer sind beim Miuisterinm des Innern danim cingekommen, 12,000 Festnicter Holz unverzollt über die Grenze schaffen zu können, und es ist ihnen auch gewährt wor- den. Wenn aber Zicgenhalser Pferdebesitzer darum einkommcu, wöchcnt- lich einige Zentner Hafer unverzollt ans Oesterreich zu beziehen, so werden sie abschlägig beschicden. Zu Weihnachten hatte die Firma Tillgner u. Cie. 50 Thaler an sogenannte verschämte städtische Arme vcrthcilen lassen. Hier haschte inaii nach Popularität, während die Ar- bester in der gemeinsten Weise ausgesaugt und ausgeplündert werden. Für solche Schurken ist keine Bezeichnung scharf genug. Die weisen Stadtväter von Zicgenhals waren seinerzeit so vernagelt, diese Pesthöhe von. Fabrik im schönsten Theile der Stadt erbauen zu laffen, nämlich an der Promenade, jetzt möchten sie sie gerne wieder sort haben, aber— vergebene Mühe I Mit sozialdemokratischem Gruße! Ihr Vorposten in Obcrschlesien. — Ja, Bauer, daö ist etwas ganz Anderes. Die von uns bereits gekennzeichnete Abänderung des Einwaiidcrungsgcsctics, die jetzt dem Kongreß der Bereinigten Staaten zur Beschluß- fassung vorliegt, findet ihre beste Krittk durch das Schicksal des seit Langem in Amerika auf der Tagesordnung gestandenen Ausliefe- rungsvertrages mit England. Wir lesen darüber in der „Newyorker Volkszeitnng": „Der Äuslieferungsvcrttag mit England ist endlich todt. Lange haben sich die Herren Senatoren geweigert, Farbe zu bekennen. Allein der unermüdliche Riddlcbergcr ließ ihnen keine llttihc. Und als es endlich zum Klappen kommen mußte, da war die Furcht vor den Jrländern stärker als der reaktionäre Drang der großen Ntehrhcit. Der Verttag wurde mit 38 gegen 15 Stimmen in geheimer Sitzung verworfen. Zuerst hatten die Herren die Dynamit-Klansel gestrichen, hernach den ganzen Vertrag verworfen. Kanada bleibt also vorläufig das sichere Asyl amerikanischer Defraudantcn. Da nun die Jrländer ihre Dynamit- Kriegführung seit geraumer Zeit eingestellt haben, so durfte die englische Regierung vielleicht nicht niehr so sehr auf dem an- stößigen Passus beharren.— Run bleibt noch der Vertrag mit Ruß- l a n d übrig, der viel s ch l i m m e r ist als der englische. Der Einfluß der hiesigen ansässigen Russen und Polen ist aber Weitem geringer als derjenige der Jrländer, und da bei den Gelbsack-Senatoren von Wah- rung freiheitlicher Prinzipien doch keine Rede sein kann, so I? es ganz gut möglich, daß sie den Verttag rattfiziren, wenn nicht energisch da- gegen remonstrirt wird." Wäre es den Herren Gesetzgebern wirklich Mir um die Bekämpfung von G e w a l t t h ä t i g k c i t e n im politischen Kampf zu thun, so hätten sie in erster Reihe gegen die irischen D y n a m i t e r Stel- luug nehmen müssen, die an Rücksichtslosigkeit und Wildheit der Grund- sähe ihrer Kriegführung den Vergleich mit den rabiatesten Anarchisten aufnehmen, soweit sie nicht einfach deren Lehrer sind. Ist doch ein großer Theil der Most'schen„revolutionären Kriegswisscnschaft" nur ein Abklatsch der Lehren des irischen Dynamit-Apostels Vtezeroff. Gegen die Jrländer aber etwas unternehmen? O nein, das geht nicht, da würde man ja die irischen Stimmen bei den Wahlen riskircn. Statt dessen opfert man lieber neben den Anarchisten die„Nihilisten", die Kämpfer gegen den russischen Zarendcspotismus. Die„Nihilisten"— das ist etwas ganz Anderes. Die Meisten von ihnen haben zwar mit Dynamit absolut nichts zu thun, aber— sie haben keine Stimmen bei den Wahlen, und darum fort mit ihnen! Sie haben aus dem Boden der Republik eines Jefferson nichts zu suchen. Und das nennen diese Geldprotzen die„freiheitlichen Grundsätze der Väter" wahren! — Beiläufig ist von dem faniosen Einwanderungskomite auch ein Minoritätsbericht eingereicht worden, imd zwar ist derselbe von einem Vertreter des Staates Wiskonsin, Namens Günther, unter- zeichnet und von einem Gegenvorschlag gegen die Ford'sche Bill begleitet. Gunther erklärt sich gegen jedes Gesetz, welches die Einwan- dcnmg arbeitsamer und gesetzliebcnder Personen beschränkt oder durch chikanöse Bestiiuinungen erschwert. Dagegen unterstütze er alle Maß- regeln, welche geeignet seien, Ausländer, deren Einwanderung eher nach- theilig als nützlich für das Land sei, fernzuhalten. Die von Günther vorgeschlagene Gegenvorschlag setzt in§ 1, der die von der Einwanderung ansziischlicßendcn Personen aufzählt, an Stelle der Worte„Anarchisten oder Sozialisten" die Bezeichnung:„Anarchisten oder Personen, die unser politisches, ökonomisches oder soziales System durch gewaltsame Mittel zu ändern oder umzustürzen suchen." Auch in der Ford'schcn Bill ist der Ausdruck„Sozialisten" gestrichen und durch „Nihilisten" ersetzt worden. Günther ersetzt die Nihilisten durch Um- sttirzlcr in der oben gegebenen Definition. Gehüpft wie gesprungen. Schreibt doch lieber: Wir wollen nur Arbeitsvieh, aber keine Menschen! — Desto besser." In einem Leitartikel, den sie dem Aussatz der „Contemporary Review" über die Dynastie Bismarck widmet, schreibt die„Berliner Volksztg.", daß sie von der Veröffentlichung von Auszügen ans demselben zwar absieht, aber, sagt das dcmottatischc Blatt,„keines- Wegs, weil die deutschen Blätter, wie es in der ausländischen Presse heißt,„einen Wink erhalten hätten, ja keine Auszüge abzudrucken"— wir haben keinen„Wink" dieser Art erhalten, und wenn sich irgend iver unterstanden hätte, uns also zu„winken", dann würden wir erst recht Auszüge gebracht haben..." Wir hatten von jener Meldung, die durch einen großen Theil der englischen Presse lief, ebenfalls Notiz genommen, allerdings nur in be- dingtcr Form, denn in dieser Lesart war die Sache von vornherein für die Kenner der deutschen Preßverhältnisse imwahrscheinlich. Nicht unwahrscheinlich aber war, daß durch Beschlagnahme und Ver- bot der betreffenden Nummer der„Contemporary Review" ein Ab- druck von Auszügen ebenso immöglich gemacht wurde, wie s. Z. durch Beschlagnahme der„Deutschen Rundschau". Ganz abgesehen davon, daß eine ganze Anzahl Stellen schon mit Rücksicht auf gewisse Paragraphen des Strafgesetzbuches in Deutschland nicht rcprodnzirt iverden konnten. Natürlich können wir es nur billigen, daß die„Volks-Ztg." sich euer- gisch dagegen verwahrt,„Winken" von Oben zugängig zu sein,»nd möchten wünschen, daß ihr Beispiel in der übrigen Presse ihrer Partei Nachahmung finde. — Polemik. Ein Mitarbeiter der Zürcher„Arbeitcrstimmc" glaubt gegenüber uns für die französischen Possibilistc» eine Lanze ein- legen zu solle», freilich ohne deren Wahltaktik 2c. gutzuheißen. Wir wollen uns hier nicht in eine längere Polemik mit ihm einlassen und bemerken im Allgemeinen mir Folgendes: Es ist uns noch nicht ein- gefalle» und wird auch in Zukunft unsererseits nicht geschehen, Leute ivegcn einer bloßen Mcinuiigsdifferenz als„V c r r ä t h c r" hinzustellen. Aus der bloßen A n s i ch t, daß bei der Wahl in Paris jeder Sozialist für den sog. antibonlangistischen Kandidaten eintreten müsse, haben wir den Possibilistcn keineswegs ein Verbrechen gcniacht, wir haben sie als falsch bezeichnet, und das ist noch henk unser Standpunkt. Was aber nicht nur falsch, sondern ein wahrer S k a u- d a l war, das war die Art, wie die Possibilistcn in ihrem„Parti Onvrier" sich zu wahren L a k a i c n der Bonrgeois-Republikancr herab- würdigten und, während sie die Herren Fcrry und Konsorten nur mit Sammetpfötchcn anfaßten, die anders gesinnten Sozialisten in giftigster Weise begeiferten und bcschinipstcn. Der Einsender gesteht zu, den „Parti Ouvicr" nicht gelesen zu haben, wäre dies der Fall, wir sind überzeugt, er würde von seincni jetzigen Urtheil längst zurückgekommen sein. Der Verfasser glaubt, die Taktik des„Cri du Pcuple" rügen zu müssen, weil derselbe„die deutsche Sozialdemottatic dazu benutzt habe, den Possibilistm„eins zu versetzen". Wieso?„Eine Notiz des„Sozialdem." zu ttzunstcn der Kandidatur Boule's wurde einfach als die Ansicht der deutschen Sozialdemokratie hingestellt, natürlich mit der dazu uöthigcn Sauce aufgetragen. Daß hiergegen die Possibilistcn ini „Proletariat" protestirten und über Einmischung schrieen, braucht uns nicht so zu wundern." Da der„Cri du Peuple" ausdrücklich unser Blatt als Quelle genannt, so fällt für den Ausfall des Herrn Brousse auf unscre Partei icde Entschuldigung hinweg. Im Ucbrigen dürfte grade in der Frage, um die es sich da handelte, die Ansicht des„Sozialdemokrat" wirklich auch die der deutschen Sozialdemottatic gewesen sein, uns ist wenigstens bis jetzt noch kein Beweis für das Gegenthcil zur Keimtniß gekoniiiicn. Daß wir sonst durchaus nicht beanspruchen, als unfehlbares Orakel der Partei zu gelten, wissen unscre Leser. Nun aber, nachdem wir ein Beispiel von der Schlechtigkeit des„Cri du Peuple" kennen gelernt, wird auch eine Probe von der anständigen Haltung des„Parti Onvrier" am Platze sein. Als der Artikel des„Proletariat" über unsere„unerlaubte Ein- Mischung" in die französischen Verhältnisse erschien, antwortete„!>! c ch t v o o r Allen", das tteffliche Organ der holländischen Sozia- listen, unterm 30. Januar— also noch vor unserem Artikel„Zur Abwehr": „Wir meinen, daß die(ftanzösischc) Arbeiterpartei sich doch des intcr- nationalen Charakters unserer Partei nicht so bewußt ist, als sie selbst wohl glaubt, sonst würde sie eine strenge Scheidung allein auf Grund der Grenzen nicht ziehen könne». Wir sind eine Weltpartei, eine Partei in allen Ländern, und als solche geht uns das, was die Partei in andern Ländern thut, wohl ganz ciitschicdcn an, wenn wir auch zu- geben müssen, daß man am Orte selbst oft besser zu urtheilen im Stande ist, als aus der Ferne." „Um aber die Haltung der Arbeiterpartei bei den Wahlen— das Unterstützen des Boiirgcoiskandidaten Jacques schon bei der ersten Wahl— zu b c u r t h e i l e n und zu verwerfen, dazu braucht man warlich nicht in Paris zu wohne n." Das ist gewiß eine ruhige, sachliche Sprache. Die(inzwischen an die Stelle des„Cri du Peuple" getretene„Egalitä" druckte die Stelle, wieder unter Nennung der Quelle, ab. Was schreibt darauf das„Parti Ouvrier"? Man höre: „Ein Blatt, das sozialistische Konzciittation betreibt, indem es die Sozialisten angreift, veröffentlicht einen Auszug ans einem holländischen Blatt, in welchem die sozialistischen Republikaner von Paris hcruntcrgchunzt werden(sont maltraites), weil sie für den Kandidaten der' Republik, Jacques, gestimmt haben. „Die Holländer thäten gut, sich ihres Königs zu entledigen, be- vor sie die ftanzösischen Sozialisten kritisiren, die sich keinen Herrn schaffen wollen." Kann man unehrlicher und zugleich alberner polcniisiren? Das anerkannte Organ der holländischen Genossen wird schlechtweg„ein holländisches Blatt", es könnte also irgend ein Bourgeoisblatt, ein Pfaffen- blatt 2C. sein. Dann wird das, was es gesagt, so schief dargestellt, daß der Leser zu allen möglichen Schlüssen gelangen kann, und zuletzt stützt man sich auf's hohe Rotz und brüstet sich mit der Verjagung des Liaiscrrdchs— nach Scdan. Je nun, man kann auch in einer Republik eine L i v r e e tragen. Wir hatten das Vorstehende bereits geschrieben, als wir die Nummer des„Proletariat" vom letzten Sonntag erhielten. Dort erst erhält „Recht voor Allen" die gebührende Strafe für seine Setzerei. Es wird nämlich— armer Freund Nicuwenhuis, wie wirst du diesen Schlag überwinden?— offizielles Organ der marxistischen Führer in Holland genannt. Atarxist zu sein, das ist in den Augen des Herrn Broufse schlimmer, als Darwinist zu sein in den Augen des Pfaffen. Man ermesse danach die Schwere der Strafe. Dann beschäftigt fich das„Proletariat" mit uns. Wir haben aber keine Lust, mit ihm zu polcmisiren, solange es unsere Ausführungen fälscht, statt, wie wir es mit seinem Angriff gethan und was der ele- mcntarstc Anstand erforderte, unsere Antwort im Zusammenhang zu zitiren. Dagegen wollen wir ihni ans eine Frage Antwort erthcilen, um einer seiner beliebten Unterstellungen ein Ende zu machen. Es schreibt: „Er(der Verfasser der Notiz in unserem Blatt) schreibt, daß die deutschen Sozialisten nur zu einem gemeinsam organisirten Kongreß kommen oder zu gar keineni. „Mit welchem Recht führt er diese Sprache? Ist er dazu autorisirt? Es iväre sehr interessant, das zu erfahren. „Stellt man sich beim„Sozialdemokrat" über den Willen der intcr- nationalen Kongresse von Paris und London? Soll der blan- Mlistisch-niarxistische Kongreß von Bordeaux dem universellen Sozialis- mns sein Gesetz vorschreiben?" Hier unsere Antwort: Was wir über die Stellungnahme der deutschen Sozialdemokraten zu der Äongretzfragc sagten, ist nichts als eine Wiederholung dessen, was die berufenen Vertreter der Partei in Deutschland bereits den Bethciligtcn erklärt haben. Weder maßen wir uns an, ihnen eine Parole aufdrängen zu wollen, noch würden sie sich eine solche aufdrängen lassen.. Sic folgen ihrer, durch selbstständiges Prüfen geivonnenen lleberzeugung, und das Verhalten des„Proletariat" ist schwerlich geeignet, sie an der- selben irre zu niachen. Tie Beschlüsse eines Kongresses, von dem die deutsche Sozialdemo- kratic und die Sozialisten verschiedener anderer Länder geflissentlich ausgeschlossen wurden— nicht ohne ursprüngliche Mitschuld der Posiibiliften— können fiir dieselbe keinerlei bindende Verpflichtung haben. Trotzdem lassen sich unsere Genossen durch keinerlei Gefühl der Ranküne leiten, sondern einzig durch den Wunsch, den Kongreß zu einer würdigen Vertretung der g e s a m m t c n Sozial- demokratie zu gestalten. — Aus dem Wahlkreise des Brodvcrthcurers ftardorff (Kreis O els in Schlesien) ist,>vie das Berliner„Volksblatt" mit- theilt, dem Genossen Bebel mit Bezug auf dessen erste Äicde für die Aufhebung der Getretdezölle ein Brief zugegangen, in welchem es n. A. heißt: „Ich war in diesen Tagen in Breslau und habe dort wieder eine Zeitung zu lesen bekommen, denn in der Provinz bekommt man keine zu sehen, da sorgen die Herren dasür, daß die Leute nichts anderes als das Kreisblatt zu lesen bekommen. Sic hatten in Ihren Ansführungen vollkommen recht. Der Kornzoll ist das schlimmste, was wir kleinen Leute ertragen müssen. Ich habe die beste Gelegenheit in dem Wahlkreise, in dem Herr v. Kardorff gewählt ist, zu sehen, wie es die Herren treiben. Die Stallungen, in denen sie ihr Lnxusvieh haben, sind lv a h r c P a l ä st c; sie überbieten sich gegenseitig und laden sich einander ein, um zu bewundern, über i n ihren blrbcitcr Wohn>ni gen sieht es böse aus, da bestehen noch die K o m m u n e st üben. Sie sollten den Kreis einmal bereisen, oder Herrn v. Kardorff das Anerbieten machen, ihn einmal zu besuchen. Ihre Angabe, daß eine Mark Lohn gezahlt wird, ist viel zu hoch, es werden jetzt 5V Pfennig gezahlt. Der Lohn richtet sich dar- nach, ob das Gut näher oder ferner der Stadt liegt. In der Ernte- zeit bekommen die Männer 75 Pfg., d. h. für die Arbeit von Sonnen- aufgang bis Dunkelwerden. Man mutz sich wundern, wie sich die Herren in den Reichs- und Landtagen benehmen, weil sie glauben, sie haben nichts zu fürchten. Tie Wahlen bringen sie mit allen denkbaren Mitteln zu stände; wer anders wählt, als die Herren wollen, verliert seine Existenz. Hier werden die Kleinen immer ärmer und der Reiche immer reicher. Der kleine Mann muß im Verhältniß noch einmal so viel ausbringen, als der Reiche. Und wie verschwenderisch leben die Herren, sie werden es noch dahin bringen, daß..." Dazu bemerkt das„Volksblatt": Ten Schlußsatz unterdrücken tvir, er vcrräth eiiw tiefe Erbitterung des Schreibers, dex ausdrücklich bemerkt, daß er � ein Land in a n n sei. Es wäre sehr empfehlenswerth, ivenn die Arbeiter ans den Städten des Ostens wie Breslau, Posen, Königsberg, Stettin?c. öfter das Land besuchten, sich über die Lage der kleinen Bauern, der Jnstlcute und Tagelöhner unterrichteten und die gewonnene Kenntniß in den Arbeiterblättcrn veröffentlichten. Den Herren Agrariern, die so gern den Mund voll nehmen und sich als wahre Arbeiterfrcundc aufspielen, könnte ans Grnnd solcher mitgetheiltcn Thatsachcn bei den Debatten im Reichstage noch gründlicher als bisher gedient werden." Wir können uns dieser Anfforderung selbstverständlich nur anschließen. Es ist oft schon von Flugblättern und Flugschriften für die Land- bcvölkerung gesprochen und geschrieben worden, und wir sind gewiß die Letzten, welche die Nothwendigkeit derselben bestreiten. Aber um ihre volle Wirksamkeit entfalten zu können, müssen sie nicht nur die allgc- meinen Verhältnisse der Landbevölkerung behandeln, sondern auch auf die speziellen L o k a l v e r h ä l t n i s s e Bezug nehinen, und darum wird jeder verständige Propagandist, wenn er iii's Land geht, �ebensosehr sein Bestreben darauf richten, zn hören als zit lehren. So empfiehlt es sich von diesem Gesichtspuntte aus, nicht erst bei den Wahlen an das Landvolk zu denken. — Eine recht lescnswerthe Fabel. Die Herren von der Feder, welche die Aufgabe haben, die hentigen gesellschaftlichen Ein- richtungen zu vertheidigen und dein Volke das Unmögliche soivie Gefährliche einer Acnderung derselben fiir die„gesummte Kultur und Zivilisation" zu demonstriren, weisen, schreibt die„New-Aorker Volksztg.", mit Vorliebe in ihren Argumenten darauf hin, daß durch Verwirk- lichnng der sozialistischen Ideen das„Unterste zn oberst gekehrt" würde. Wir wollen diesen Leuten eine alte Fabel erzählen, welche zur„Moral" hat, wie wenig durch eine„Uiiikrempeluiig" die Ordnung der Gesellschaft gefährdet wird und wie leichtste zn bewerkstelligen ist. Die Fabel lautet: Die obersten Sprossen einer Leiter sagten einst sehr hochnäsig zu den unteren:„Ihr müßt nicht denken, daß ihr nnscrcsglcichen seid; ihr steht im Dreck, während wir uns hoch in die Luft erheben; unsere Hierarchie ist durch die Statur eingeführt, geweiht durch die Zeit, be- festigt durch das Gesetz." Ein Weiser, der gerade vorbeiging und dies hörte, lächelte und— drehte die Leiter um.— Wir Sozialisten beab- sichtigen nun freilich nicht eine Umkehrung der gesellschaftlichen Leiter in dem Sinne, daß Diejenigen, welche heute oben sind, an Stelle der unten Befindlichen kommen sollen. Wir wollen bekanntlich die Leiter überhaupt abschaffen und dafür einen den„Ansprüchen der Neuzeit" entsprechenden Elevator setzen, resp. dem gesammten Volke die gleichen Bedingungen einer menschenwürdigen Existenz schaffen. Den heute ans den obern Sprossen der Gesellschaftsleitcr Stehenden lväre indessen doch anzurathen, sich in einer nützlichen Thätigkeit zu üben oder wenigstens ihren Kindern eine solche beizubringen, gleichwie die Porentaten Europas zur Zeit der„großen Revolution" gethan, da sie sonst bei einer Um- wälzung der Gesellschaft doch einigermaßen in den„Dreck" gerathen könnten! — Tic Rudolfiadc in Wien nimmt allmählich einen tragt- komischen Eharakter an. Während der Hof die Wahrheit über die Umstände, unter denen der Edelste aller Habsburger sein Leben verlor, nach wie vor hartnäckig verschweigt, hat er durch seine Offiziösen zwei Versionen über dieselben in Umlauf setzen lassen, von denen die Eine so wenig geglaubt tvird, wie die Andere. Die Eine, für das Inland bestimmt, läßt Rudolf ohne jede Ronmntik sich auf Grundlage feines fehlerhaften Gehirns erschießen, die Andere, für das Ausland bestimmt, läßt Rudolf wie einen verliebten Prinzen im Roman sich erschießen, weil er, an eine ungeliebte Frau gekettet, die wahre Königin seines Herzens— die Baronin Betsera— nicht heirathen durste. Auf diese Weise will man erreichen, daß die frommen Bauern in Oesterreich Rudolf für keinen gemeinen Selbstmörder, die gottlosen Zweifler im Auslande aber, denen die Vctsera-Assärc nicht zn verschweigen war, ihn für keinen gemeinen Wüstling erklären. Man hat mit der doppelten Buchführung in Oesterreich aber von jeher wenig Glück gehabt. Vorige Woche stand im Burgtheater„Kabale und Liebe" auf dem Reportoir, mußte aber auf ausdrücklichen Befehl von oben schleunigst abgesetzt werden. Wie wäre es mit„Emilia Galotti"? Am Hofe soll eine wahre K e u s ch h c i t s- oder richtiger U N- keuschheitspanique herrschen. Der alte Franz Joseph hat, um sein Leben und Seelenheil zu retten, sofort seine Maittessc, die Hof- schauspielerin Schratt, verabschiedet und sich mit seiner El'sabcth ver- söhnt. Wie lange es dauern wird, darüber sind die Memnngen freilich sehr verschieden. — Aus Oesterreich. Klassenjustiz. In Wien standen am 15. Februar zwölf Arbeiter vor Gericht unter der Anklage der „Geheimbündelei". Was sie verbrochen. bestand darin, daß sie auf eine, allerdings knabenhaft alberne, Einladung hin in einem Extrazimmer eines Gasthauses zusamniengekomnicn waren. Von einer Organisation, von einem bestimmten Zwecke keine Spur eines Beweises. Noch weniger von irgend welcher„Gefährlichkeit". Ihr Benehmen vor Gericht zeigte, daß man es nichts weniger als mit einer Ueberzeugung zn thun hatte, bestritten doch mehrere miter ihnen sogar, Sozialisten zn sein. Im schlininisten Falle konnte die Zusammenkuust(die Geschichte mit den 7 geladenen Revolvern und dem Stück Eyankali hat sich als Reportererfindung herausgestellt) als eine Uebertretung des Vereinsgesetzes angefochten werden. Trotzdem wurden sämmtliche 12 Angc- klagte von dem Erkenntnißgericht des Vergehens der„versuchten Stiftung einer geheimen Gesellschaft" für schuldig befunden und zu Arrcststrafen von 4—8 Wochen verurtheilt. Vorsitzender des Gerichts war der saubere Landgerichtsrath H o l tz i n g e r, ein erprobter Sozialisienfresscr, ohne jeden Rechts- und Gewissensskrupel. Aon diesem Menschen war freilich ein auch nur leidlich vcrnünfttges Nrtheil nicht zu erwarten. — Ans Schweden wird der Wiener„Gleichheit" geschrieben:„Die schwedische Parteipresse ist mit großem Interesse dem Zustandekommen und den Verhandlungen des österreichischen Parteitages gefolgt und hat mit großer Gcnugthuung das Resultat desselben kon- statirt. Thcilweise angeregt hierdurch, doch auch schon lange vorher von einigen Parteigenossen besprochen und von Viele» gewünscht, hat nun der„sozialdemokratische Bund" in Stockholm am An- fange dieses Jahres ein Manifest an alle schwedischen klassenbe- wußten Arbeitcrkorporattonen, welche das sozialdeniokratische Programm anerkennen, erlassen, enthaltend eine Einladung zu einem„konsti- t u i r e n d e n schwedischen P a r t c i k o n g r c ß" zn Ostern dieses Jahres in Stockholm. Dieser Schritt ist überall mit Freuden aufge- nonnnen worden und sind bereits an einzelnen Orten Dclcgirtc gewählt. Leider werden einige vordcrststehendc Genossen nicht dabei sein können, weil, wie ich neulich erwähnte, fast alle Gcsängnitzsttafen abzubüßen haben, doch hält man den Kongreß für zu wichtig, um ihn länger ails- zuschieben. Vor 14 Tagen feierte ganz Schweden und besonders Stockholm den 60. Geburtstag des Königs in übcrschtvänglicher Weise. Auch die klassenbeivußten Arbeiter Stockholms hatten eine M a s s e n v e r- s a m m l u n g angeordnet, Tags zuvor, um auch ihren Gefühlen Ans- druck zu geben. Da ein großer Saal nicht zu bekommen war, wurde, wie schon' früher oft, unter freiem Himmel getagt. Obgleich es einige Grade Kälte hatte und schneite, hatten sich doch gegen 15,000 Menschen versammelt, welche aufmerksam den Reden der von einer rothdrapirten Tribüne zn ihnen sprechenden Genossen Sterky, Branting, Janhekt und Palm zuhörten, und zuletzt mit donnernden:„Ja" eine Resolution an- nahmen, in welcher sie erklärten,„daß es jedes demokratisch und recht- gesinnten Bürgers Pflicht sei, für Abschaffung der Monarchien und Ersetzung derselben durch republikanische Jnstiinttoncn zu arbeiten, ferner, daß auf Grund von König Oskar's Stellung besonders zur allgemeinen Wahlrechtsfrage die würdigste Antwort darauf von Stockholms Ar- beitcrn und demokratisch gesinnten Bürgern gegeben werden soll, durch vollständiges Stillschweigen und passives Verhalten am morgigen Tage." Korrespondenzen. Vnnzlau, 4. Febr. Wir Bnnzlaucr Parteigenossen wollen auch einmal etwas von uns hören lassen. An: 27. Januar d. Js. war unser loyales Städtchen zur Feier des Geburtstages Wilheln: II. ge- ziemendcrmaßcn mit Fahnen geschmückt; auch die Bunzlaner Sozial- dcmokraten hatten es nicht verabsäumt, ihre Pflicht und Schuldigkeit zn thun. Aus einem Baume bei der Richter'schen Kiesgrube— dem schönsten Platz um Bnnzlau— wurde eine große rothe Fahne aufgehißt mit der Inschrift: „Lieber 18 Armeekorps und 42 Millionen Menschen auf der Strecke liegen lassen. Hoch lebe der Massen mor d!" Die Fahne wehte bis gegen 12 Uhr Mittags über die Stadt, erst um diese Zeit merkte die alleSwissende Polizei den Braten. Sofort wurde der Gensdarm H a a s c beauftragt, das rothe Aergerniß zu beseitigen. Er nahm sich als Mithelfer bei dem patriotischen Werk den 17- oder 18jährigen Knecht des Zimmermeisters Ganse! mit, aber als sie zur Stelle kamen, welch' ein Schreck! Der Baun: war so hergerichtet, daß es schier unmöglich war, hinaufzukommen. Jndcß, das Vaterland war in Gefahr und— durch mußte der Knecht. Es kostete sauren Schweiß, aber endlich erreichte er die Flagge, und— der Staat war gerettet. Polizei und Gensdarinerie geben sich natürlich die größte Mühe, den oder die bösen Thäter heramzzukricgen, aber es ist ihnen bis jetzt noch nicht gelungen. Hoffen tvir das Beste. Bei der nächsten Reichstagsivahl werden auch die Bunzlaner Arbeiter ihre Stimmen einem A r b c i t c r k a n d i d a t e n geben, denn Bnnzlau hat einen guten Stamm klasscnbcivnßter�Ilrbeitcr, es hat vier Fachver- eine, je einen der Maurer, Zimmerer, Steimnetzen und Töpfer. Man sieht, es wird auch hier Licht. Der neue Belsazar. Nach Heine. Es schlug die Geisterstunde schon Vom Dom im neuen Babylon. Im neuen Schloß, im Königssaal Der König hält sein Krönungsmahl. Die Gäste saßen in schimmernden Reih'n Und leerten die Becher mit funkelndem Wein. Des Königs Wangen leuchten Gluth, Im Wein erwuchs ihm kecker Much. Und blindlings reißt der Mnth ihn fort, Er fordert den Zeitgeist mit höhnendem Wort: „Dir Zeitgeist kiind' ich ewig Hohn, „Ich bin der König von Babylon!— „Mein Thron ist ans starrenden Waffen erbaut,— „Die Flinte schießt und der Säbel haut. „Und schreit auch der Pöbel: Freiheit und Brod, „Wenn die. Bestie knurrt, so schlagt sie todt. „Ich habe Schiffe, Kanonen und Geld, „Ich bin der mächtigste König der Welt. Schon siegen und rufen fallend Hurrah! „Für mich meine Knechte in Afrika. „Ich baue Kirchen groß und viel, „Ein frommes Volk ist mein höchstes Ziel. „Ich schaffe dem Priester Macht und Geld, „Der Glaube den Pöbel im Zaume hält." Und weiter ruft er mit stolzem Blick: „Bringt mir den Exminister zurück! „Der„edle Graf" ist der rechte Mann, „Dm der Pöbel haßt, den ich brauchen kann. „Den Feinden des Reichs hat mein Vater geglaubt „Und den Thron seiner besten Stütze beraubt. „Die Stütze herbei! Ich geb' ihr zum Lohn „Den höchsten Ordm, Dir, Zeitgeist, zum Hohn!" Doch kaum das letzte Wort erklang, Dem König ward plötzlich im Busen bang. Und sieh, war es Wirklichkeit, war es ein Traum? Die Lichter erloschen im weiten Raum. Und sich! und sich, an weißer Wand Das Bild des verspotteten Vaters stand., Und sieh! und sich, an weißer Wand Der Vater hob drohend die bleiche Hand. Und wie in duinpfcn: Geisterton Dringt's durch den Saal zum Königsthron: „Weh Dir! Du strebst nach Glanz nur und Pracht- „Und Dein Volk versinkt in Roth und Stacht. „Du rufst die Schlechten um Deinen Thron, „Die Edlen leiden Verfolgung und Hohn. „Du hörst nur auf Junker und Pfaffengeschwätz, „Dem Recht und der Wahrheit trotzt Dein Gesetz. „Dein Adel jubelt in Saus und Braus, „Der Arbcitsmann muß zum Land hinaus. „Im tollen Tanze wirbelst Du mit— „Detn Boden wird heißer mit jedem Schritt. „Du hörst den zürnenden Zeitgeist nicht, „Dünkst stärker Dich als das Weltgericht. „Der Staat bin ich! so prahlest auch Du „Und eilst der großen Sündflut h zu. „In Scherben bricht Dir Szepter und Thron, „Sprichst Du den, Geist des Jahrhunderts Hohn!" Die Lichter brennm, das Bildniß schwand, Stier blickte das Aug' auf die weiße Wand. 4-* Dem König ward aber in selbiger Nacht— Aus Wien eine Todeskunde gebracht. Briefkasten der Expedition:— H. Stlpe. Zürich: FrS. 5—& Cto. erh. — K. R. Frbg. i. S.: M. 8— Abou. Febr., Mrz. u. Apr. erh.— A. Heims, Syracuse: Fr. 2 40 P. Btrgc. per 1889 u. Fr. 2 60 für St. erh., wird besorgt. Ja, es ist unser U.!---- Claus Groth: Adr. n. Bestllg. v. 11. ds. notirt. Bett. Anth.-Lö- schung nehmen Vermerk. Ohne Rücklieferung der Originalschcine sind wir indcß unserer Zahlungspflicht gesetzlich nicht enthoben. Bfl. mehr. — Laffe: M. 50— a Cto. Ab.:c. erh. Bstllg. geordn. Bfl. am 13/2 mehr.— Leonidas: Besten Dank für rasche Besorgung. Bestg. abgeg. Bfl. am 15. u. 19/2. Weiteres.— Pickelhaube: Bf. v. 5/2. mit 5 Pcnce Strafporto erh. Bestllg. folgt. Weiteres am 15/2. bfl.— G. Mhler. Cincinnati: Mehrbcstllg. n. lt. P. K. v. 4/2 besorgt. Auszug fort.— Kopenhagen: Brf. v. 12/2 am 15/2 bcantw.— Rthr. Cerberus: Nach- richten v. 12/2 erh. Der dritte Buchstabe des Geschlechts namens der Adresse ist ein„h" und kein„k".— Kronos: Bf. erh. n. Weiteres veranlaßt, wodurch Geldsdg. zugl. vereinfacht wird. Gruß!— Panzer- schiff: Bf. v. 6/2 erh. u. Bestllg.-c. notirt. Antwort kreuzte mit Adr.- Angabe v. 12/2, welche vormerken.— Merlin: Allerdings, aber ver- spätet erst bekamen tvir Kenntniß. Am 15/2 folgte Gewünschtes brief- lich.— Monvcment: Am 15/2 von uns bsi. Berichtetes, schließt jedes Mißverständniß ans. Also einverstandeu.— Sauerländer: Auch eine schrftt. Erklärung der Gründe, könnte nach Außen Nichts bessern, des- halb— erledigt.— Seidcnwurm: Bs. v. 12/2 war doppelt, deshalb 5 Py Strafporto. Bfl. am 15/2 mehr. Referenz bestens besorgt. — Schippe: Nachr. v. 12/2 erh. u. am 15/2 bcantw. Adr. notirt. Fl. u. Beil. besorgt.— Pharao: Adr. nach Vorschrift v. 12/2 geord. Bett. P. Bfe. haben Sie ganz unsere allzcttige Auffassung, wie wtt am 14/2 bfl. näher darlegten. Nachr. über Sa. an: 16. erh. u. am 17/2. Weit, berichtet.— Babylon: Gewärtigen Avisirtes m. d.Andcrcn lt. unscrm Brief v. 14/2.— Claudius: Dank für Nachr. v. 12/2. Antwort am 15. fort.— Rübezahl: Alles beachtet. Hoffentlich bleibt dort endlich Schritthalten möglich. Bfl. am 15/2 Weiteres.— Herbert: Endlich l Weiteres folgt. Aber,—„drängeln, immer drängeln"! Das Kl.- „Gedicht" erinnert lebhaft an:„Quartus, Quintus. Haselnuß, Langohribns, Brummochsius." Wohl ihm, daß er's los ist!— Ba- Be: Mk. 20— a Cto. Ab. pr. Fd. erh.— H. Schtr. Ldn.: Sh. I./C und Sh. 1./— f. Schft. erh.— I. C. Gjovik: Sh. 4./11 f. Schrft. erh.— W. Hssm. Ldn.: Sh. 2./81/» f. Kal. erh.— Rothe Vehme: Mk. 150— a Cto. Ab. K. erh. Bfl. Weiteres.— Kraft und Mnth: Mk. 40— a Cto. Ab. 2c. erh. Weiteres notisizirt.— Dante: Rekla- wirtes hoffen inzwischen, eingetroffen, ebenso unsren Bf. v. 13/2. Adr, geordn. Warum notifiziren Sie denn letzten Bf.-Eiugang nicht?— Wahrer Jakob: Bstllg. Sl. besorgt. Quttg. per Jan.-Zahlg. siehe Bfk. 5, Zeile 9. Bfl. mehr.— Barba: Alles erh. u. bestens verwendet. Gruß allseits.— Philo»: Archivsache('/, Bd. S. D. 1871 und 72 dkd. erh.— H. Ntzsche. N.-Uork: Letzte Reklamation muß offenbar mit unsrer Rachlfg. auf erste Rekl. getteuzt haben. Erstz.„R. W." hatte Verzögerung Rlangels Sammelmnterial, das nun ab Z. folgt.— C. Schtt. Brdfd.: Archwsache dkd. erh. Sh. 13./6 f. Schstsdg. verwendet.— A. Sch. W.: öwfl. 10— a Cto. Ab. erh.— Schwarzer Taugenichts: Adr.-.geord. Reklamirtcs ebcndorthin gegangen.— Rthb. III. Bde.: Brtc. hier. Weiteres besorgt u. bfl. am 17/2 mehr.— H. Sch. K ohgn.: Nachr. v. 18/2 erh. Dank! Hoffentl. kommt Versprochenes bald.— General: 2 Sh. 9 Pc. für diu. Sclift. erh.— D. r. Peter: Mk. 35— a Cto. Ab. 2c. erh. Bestllg. notirt. Bfl. Weiteres.— Rother Geldsack: Nachr. v. 16/2 hier. Beil. besorgt u. Adr. notirt. Bfl. mehr — Rother Holldr.: Mk. 3— Ab. 1. Qu. erh. Beilg. dkd. verwendet. Gruß!— Balthasar: Mk. 70— a Cto. Ab. erh. Bestellung notirt. Weiteres bfl.— Hlg. Josef: Unser Brf. v. 17/2 wird das Räthsel gelöst haben.— Schlachtfeld: Dann muß das vom neuen Quartal stündlich eintreffen. Das Uebrige am 17/2 bfl. berichtet.— Nomanus D.: Mk. 6— Ab. Nn. erh. u. Adr. geordn. Die„Einsichtslosigkeit" des Herrn Schäffle kaufen Sie sich bei jedem loyalen Buchhändler. Ware schade, wenn ffe mit dem Staatsgefährlichen verloren gienge. Weiteren Trost am 19/2 bfl.— Nr. 2002; öwfl. 4— a Cto. Ab.:c. erh. Weiteres folgt, nicht weil,— sondern ob schon.— Anvers: 75*£te-"''t Bf. u.«ufstllg. v. 19/2 erh. Bstllg. fort. Weiteres erw. — Der Blöde: Wunsch wird erfüllt. Hoffentl. auch der unsrige. Bfl. mehr.— Aarau: Wird besorgt. eriQteck for tie proprietor« by tbe German Cooperative Pnbliahinj Co, 1U Kentiah lown Koad London N. W.