Abonnements »trtm i«ha Verlag nnb dessen belannlen Agenten entgegen» genommen, und zwar zum vorau» zahlbare«, Vierteljahrs prei- von: DU. 4,40 sdr Deutlchland»d sie alle stellten sich auf den gleichen Standpunkt, welchen sie in einer am Schlüsse gemeinsam abgegebenen Erklärung dahin zusammenfaßten:„daß sie wohl i m P r i n z i p für die Errichtung von Arbeiterkammern sind, jedoch nur dann eine ersprießliche Thätigkeit derselben er- warten können, wen»» denselbei» ei»» Wirkungskreis zugewiesen wird, welcher die thatsüchlichen Arbeiterverhält- nisse berücksichtigt. Der vorliegende Gesetzentivurf aber, heißt es,„entspricht w e d e r unseren wirthschaftlichen noch politischen Anforderungen." Unterzeichnet ist diese Erklärung von den Experten: Ulbrich, Bardorf, Rieger, Kroupa, Ruzicka, Mankoivski, Tabaczkowski, Gerin, Friemel, Prokop, Leißner, Popp, Popper und Gehrke. Eine ganz über- einstimmende Erklärung gaben die tschechischen Experten Schima, Jirasek ui»d Kosiina ab. Bemerkensiverth ist, daß die polnischen Experten Mankowski und Tabaezkowki und der Italiener Gerin, sowie die drei Tschechen, bisher in keiner Fühlung mit der sozialdemokrati- Partei standen; es»varderKlasseninstinkt, der sie trieb, sich mit unserei» Experten auf den gleichen Standpunkt zu stellen. Wir dürfen aber»vohl erivarten, daß dieser„inter- nationale Arbeiterkongreß", der da auf Staatskosten organi- sirt worden, einen engeren Zusaminei»schluß der verschiedenen sozialistischen Bewegungen zur Folge haben»vird, und daß das einheitliche Vorgehen, das diesmal ohne Verabredung aus der Gleichheit der Situation und der Jnteresicn sich er- gab, zu einem mehr planmäßigen sich gestalten wird, daß, wenn auch jede dieser Bewegungen selbständig bleibt und blei- bei» muß, die Fühlung zwischei» ihnen eine engere wird. Auf jeden Fall können wir mit der Enquete zufrieden sein. Unsere Genossen sind es denn auch. Die„Gleichheit" schließt ihren Artikel darüber mit folgenden Worte»», denen»vir voll- kommen beipflichten: „Die Expertise hat für die Partei einen außerordent- lichen Werth gehabt, wenn»vir auch glauben, daß die Herren Parlamentarier»veilig Gebrauch voi» der Belehrung machen»verden, die ihnen geboten w»>rde. Sie hat trotzdem Werth gehabt,»veil sie wieder einmal der großen Masse ge- zeigt hat, wo allein die bewußte»»»nid energischen Vertreter der Arbeiterinteressen zu suchen sind,»velche wissen, was sie wollen. Die Expertise.hat gezeigt, daß die Arbeiter die Ar- beiterkammern ausnützen wollen für ihre Organisation und den Schutz ihrer ökonomischen Interessen, daß sie aber»»icht a»lf jeden Schivindel hineinfallen. Die Liberalen, die auf Gimpelfang ausgehen,»verde»» nunmehr darüber belehrt sein, daß dazu eine Kleinigkeit fehlt— die Gimpel." AnS Frankreich. Ca Paris, 28. Februar 1880, Die von den unadhängigen blanquistischen und kollektivistischen Ke- werkschaften fiir den 24. Februar anberaumte Manifestation, welche die Empfangnabmc der Äntwort auf die am»0. Februar ein- gereichten Forderungen begleiten sollte, lieferte dem opportunistischen Mini- sterium Tirard erwünschte Gelegenheit, sich als Klassenregiment ein- Ui führen. Das böse, vor einer Abrechnung zitternde Gewissen der Bourgeoisie verkroch sich wieder einmal hinter das in letzter Zeit so gebräuchliche und so bequeme Feigenblatt der Gefahr B o u l a n g e r. „Ter Boulangisinus steckt hinter der Manifestation, er wird dieselbe zum Verderben der Republik ausnützen"- mit diesem Geschrei suchte man die Demonstration bei den breiten Schichten der Bevölkerung zu dis- krcditiren. Wie stets, wem, es gilt, Über das Proletariat herzufaUcn, so zeigte auch diesmal die Bonrgeolsprcsse aller Schattirnngen eine rührende Einigkeit, und während die radikalen Blätter mit den» Brust- ton der Entrüstung das„bonlangistische Manöver" dcnnnzirten, behau- deltcn die opportunistischen Organe die Manifestation ohne Weiteres als„Em e nie, die mit allen Mitteln niedergeschlagen»verden»nüsse". Die Regierung beeilte sich, die gegebenen Winke richtig auszulegen,— das abtretende„radikale" Kabinet»nit Floskeln, verbrämt durch Flo- quet's Ordre an die Präfekten, die Delcgirten nur zu empfangen, wenn sie sich allein, ohne von einem Zug oder einer drodendcn Manifestation begleitet zu sei», präsentirten: das die Zügel ergreifende opportunistische Kabinet mit nngcschminkter Brutalität durch den Bcfelil, die Delegirten überhaupt gar nicht zu einpfangcn. Der„Tcmps", das Organ der an- st ä n d i g e n Bourgeoisie, bezeichnete die erstere Masiregel als ein Par- lamentircn mit der Eineute, die ztveitc jedoch als die seinein Herzen thenrc Erklärung,„die Emcutc kurz und bündig" unterdrücken zu»vollen. Zn der fröhlichen Hoffnung auf ein gehöriges Geinctzel»aar deshalb aller Orten, wo man eine Mainfestation envartcte, Polizei und Mililär aufgeboten: ganz besonders aber in Paris, wo incht nur die gesainmte offene und geheime Polizei auf den Füßen, sondern auch die Garnison von Paris, die von Versailles und eine Artilleriebattcrie von Vincennes konsignirt»var. Unter diesen Umständen hielten es die Organisatoren der Manifestation für geboten, in Paris auf dieselbe zu verzichten, um, wie sie in einem Aufruf erklären,„die Arbeiter nicht nutzlos dein ge- wünschten Massakre auszusetzen und den Herrschenden nicht die Gelegen- hcit zu liefern, die Republik noch mehr zu schwächen." Das Manifest fchließt mit der Aufforderung, die Arbeiter möchten eine Organisation schaffen,»velche erlaubt, mit eigner Kraft die Verwirklichung oer prole- »arischen Forderungen durchzusetzen. Die einzelnen für die Maiiifcstaticni vorbereiteten Gewerkschaften von Paris und dem Seincdeparteinent haben sich dieser Parole gefügt, und dies, obgleich zu erivarten stand, daß sich die Kundgebung in Folge des Ausschlusses der Kunst- und Möbeltischler des Faubourg Saint-Autoine zu einer großartigen gestalten würde. In der Provinz ist es in einer ganzen Reihe von Industrie- Zentren wie Lyon, Marsaille. Trotzes, Roubaix, Lille, Nantes it. zu Manifestationen gekommen, die ausnahinlos einen friedlichen Charakter trugen, trotzdem die Hetzspiyel der„Ordnung" es nicht an Eifer fehlen ließen, die Arbeiter zu Tumulten hinzureißei». Der Anweisung der Re- gierung entsprechend haben die meisten Provinzialbchörden die Arbeiter- Delegationen nicht empfangen,»vährend die Gcmetnderäthe dieselben vorkoininen ließen, allerdings um sie mit gewundenen Erklärungen ab- zuspeisen. Eine Ausnahme im schlimmen Sinne machte der mit Hilfe der P o s s i b i l i st c u gewählte Vorstand des Pariser Gemeinde- raths. Entgegen der bisherigen Tendenz dieser Körperschaft ließ er den Delegirten kurzweg sagen, daß„Sonntag den 24.,»vie alle Sonn- tag-, das Stadthaus geschloffen bleibe." Dafür wiederum hatten die Präfekten von Marseille. Lille und Bordeaux die Arbeitcrdelegalioncu nicht nur empfangen, sondern sogar— schrecklich zu sagen— sich längere Zeit und in zuvorkommender Weise mit denselben unterhalten. Die opportunistische Presse lief vor Zorn über solch« den Arbeitern angc- thaue Ehre schier blau und grün an und wußte nicht, sollte sie mehr iibcr die Präfetten oder den vielversprechenden Minister des Innern, Constans, herfallen, der vielleicht gar einen Tag und eine Nacht ver- säumt, die NZthigen Befehle zu geben. Einen that sächlichen Erfolg haben die Gewerkschaften von Lyon in Folge ihrer Anforderungen erzielt. Laut stadträthlichen Be- schlusscs find ihnen folgende Konzessionen zugestanden: Ueberwetsung eines Fonds von 20(X1 Franken, um unbemittelten, vor dem Gewerbe- schiedsgericht klagbar gewordenen Arbeiten die Kosten vorzuschießen: Er- richtnng einer Arbeitsborse; Gewährung eines Kredits von lO.OOOFrä., um einstweilen den Gewerkschaften die Micthc entsprechender Lokalitäten zu ermöglichen. Gründung eines Asyls für Arbeitsinvaliden: Aufstellung eines festen Lohntarifs für städtische Arbeiten: Ilntcrstcllung der Streit- fälle in gewissen Industrien unter das GcwerbeschicdSgcricht. In agitatorischer Beziehung hat der Schritt der Gewerkschaften seinen Zweck in vollstem Maße crftillt, ganz gleich, ob die Manifestation er- folgt oder unterblieben ist. Alan kann wohl behaupten, daß dies im letzteren Falle erst recht geschehen ist. Die zur Unterdrückung der Mani- fcstion ergriffenen Maßregeln haben die sentimentale Phrase von der Gleichheit Aller vor dem Gesetz in ihrer ganzen Hohlheit gezeigt. Was dem Hinz recht ist, ist dem.Kunz nicht billig, sobald letzterer� nur ein Arbeiter ist. Eine durchaus friedliche Manifestation der Proletarier wird von vorn herein als Rebellion, als uiiistürzlerisches Manöver an- geschivärzt, sie wird verboten, die Gewalten schicken sich an, dieselbe mit Lust und Liebe zur Sache niederzukartätschen. Eine Manifestation des angemästetcn Bnrgcrthums hat dagegen stets ans den Beistand von Rc- gicrnng und Polizei zu zählen. Alan vergleiche mit dem Verhalten der Regierung der beabsichtigten Atanifcstation der Gewerkschaften gegenüber die stillvergnügte Bereitwilligkeit, mit der die Staatsgewalt im vorigen Jahre die Temonstrationcn der anti-bonlangistischcn Studenten zu- ließ, Dcinonsttationcn, die in wahre Straßenschlachten, mit crnfgehal- teilen Wagen, rniiurten Ladenauslagen ausarteten. Die Lehre wird für da» französische Proletariat nicht verloren gehen. Die Aktion der unabhängigen kollektivistischen und blanquistischen Ge- wcrkschaftcn ließ wieder die Spaltung der französischen Arbeiterbewegung scharf hervortreten. Die Possibilistcn hielten sich allen angebahnten Schritten nicht nur fern, sondern bekämpften dieselben in scharfer Weise. Joffrin bezeichnete die Manifestation als„ein bonlangistifchcs Manöver", das Nationalkoinitö erklärte, sich von ihr fernzuhalten, weil ihre Or- ganifatoren verdächtig feien»nd die Lage der llicpnblik die Manifestation noch verdächttger mache. Die Versammlung der Delcgirtcn der„Fe- deration des Zentrums" gab eine dahin lautende Erklärung ab, daß die betreffende Organisation von einer Betheilignng an der Manifestation absehe, um die im Lande herrschende Verwirrung nicht noch zu steigern und die Republik nicht noch mehr herabzusetzen. Beachtung verdient die mit Vorstehendem verbundene Erklärung, daß sämmtliche bürgerliche Parteien für die derzeitige Sittiation verantwortlich seien, und daß die poffibilistische Arbeiterpartei folglich bei den bevorstehenden Wahlen allen bürgerlichen Partelen Klassenkaiididaten gegenüberstellen werde. Drasti- scher kann eine Partei ihre eigne Taktik"nicht als abgeschmackt hinstellen, als es damit wider Willen— die possibitistische thut. In der That, wodurch wird sich die Situation in etlichen Monaten von derjeiiigen vor etlichen Monaten unterscheiden? Aller Wahrscheinlichkeit nach durch eine weitere riesige EntWickelung des Bonlangisinus. Die Republik ist also nach wie vor„in Gefahr", und die verändert Taktik beweist mir, daß die„republikanische Konzenttation" ein verfehltes Mittat zu ihrer Rettung war. Der Gemeinschaden niedriger Löhne. Von Adolph Hepner. Die Fabrikanten und Industriellen aller Art in den Vereinigten Staaten haben es bis jetzt noch nie zu bereuen gehabt, wenn sie relativ höhere Lohne als das Ausland zahlten. Denn so viel man auch über die Konkurrenzfähigkeit dem Auslände gegenüber und die Bedeittmig des Exports sagen mag,— das InlaudSgeschäft ist hnndertinal wichtiger. Wir behaupten, daß man— von Ackcrbauprodnkten wie dem ameri- konischen Weizen abgesehen, der in größerer Menge erzeugt wird, als für dieses Land nöthig ist— an die Beurtheilniig des Exports bisher einen falschen Maßstab gesetzt hat. Die Alltags-Statistiker und Bourgeois-Ockonoinen stellen in der Regel den Export als Gewinn und den Import als Verlust für ein Land dar, weil beim Export Geld in'S Land kommt, beim Import Geld hinausgeht. Wenn der Export dem Import ungefähr gleichsteht oder ihn gar Übertrifft, halten diese Weisen die Handelsbilanz der Nation für günstig: geht aber mehr Geld In's Ausland durch den Import, als durch den Export hereinkommt, dann steht es ihrer Ansicht nach faul mit dem Staate. . In Wirttichkeit liegen aber die Dinge ganz anders. Wenn wir solche Stoffe und Waaren-Artikel in großen Quantitäten cxportiren, an denen im Jnlande kein Ueberfluß vorhanden ist, dann ist solcher Export ein Armuthszeugniß für uns; sie werden cxportirt, weil unser Volk zu arm ist, sie niassenhast zu kaufen; wäre das Volk besser situirt, so würde die heimische Jndusttie jenes Artikels vom heimischen Markt so in Anspruch genommen sein, daß ihr am Ausland, am Export, nicht viel läge. Denn das ist eine Alltagserfahrung. Wenn der Industrielle oder Kanfuiann seine Waare daheim oder in allernächster Nähe mit einigem Profit schnell umsetzen kann, so schweift er nicht in die Feme. Das allererste und toichtigste Prinzip jedes Geschäfts ist: Schneller Umsatz mit möglichst geringen Unkosten(Spesen,„deutsch-anicrikanisch" Ex- pcnscs). Großstädtische Fabrikanten und Engroshändler, die eine bedeutende Lokalkundschaft haben, stellen sich immer weit besser, als die Konkurrenten desselben Genres und desselben Geschäftsumfanges, welche die kolossalen Spesen für Reisende zu tragen haben und über Kreditfähigkeit der aus- wältigen Kunden schlecht informirt sind. Es würde also jeder Industrielle mit Vergnügen dem ausländischen Markte den inländischen vorziehen, wenn er ihn fände. Darüber kann kein Zweifel sein. Aber das Volk ist zu arm, um sich Komfort-Gegenstände m genügender Quantität und Qualität anzuschaffen; das arbeitende Volt einer Jndusttic- brauche ist nicht in der Lage, das mit seinen eigenen Händen hergestellte Gut für seinen eigenen Gebrauch käuflich zu enverben. Der Weberei- arbcitcr muß mit einem billigen Stoff-Anzug fürlieb nehmen und der Kunsttischler mit schmucklosem Mobiliar; die Niedrigkeit ihrer Löhne gestattet ihnen nicht, als Kunden der von ihnen selbst für den Fabri- kanten verfertigten Waaren aufzutreten. Und so ist im Allgemeinen die Kauftähigkeit der arbeitenden Klasse in die engsten Grenzen gebannt. Das ist die Ursache, daß die Industrie ein Ventil im Export nach dem Auslande sucht. Wären die Löhne allgemein höher, dann würde der Export— ohne daß man ihn gerade zu verachten brauchte— nicht die schwere Be- dcutnng erlangen, die er für ärmere Länder, wie Deutschland und Belgien, bereits besitzt. In den Ver. Staaten ist die Sache nicht ganz so schlimm; denn mehr als die Hälfte unseres Exports bestebt in Baumwolle und land- wirthschaftlichen Massenprodutten, in Artikeln also, an welchen das Land so viel erzeugt, daß- bei vernünftiger Regulirung der Gesellschafts- Verhältnisse— ein Thcil der Produkte an das Ausland abgegeben werden könnte, ohne daß das Inland Mangel daran litte. Ter Export fertiger Zndnstrie-Artikcl ninimt in der amerikanischen Gesauiint-Industrie keinen so unbescheidenen Theil ein, wie in Deutsch- land und Belgien. �, Das kommt aber nicht daher, weil die hiesige Industrie wegen der höheren Löhne nicht mit dem Auslände konkurriren kann, sondern um- gekehrt, weil in Folge der etwas höheren Löhne der amerikanische Arbeiter leichter, als der deutsche und belgische, einen Thaler ausgeben kann und daher die amerikanische Industrie für ihre Erzeugnisse mehr Verwendung im Inland findet, als die deutsche und belgische. Die Kausfähigkeit des amerikanischen Arbeiters ist ein wenig stärker als die des kontinental-enropäischen. Je höher die Löhne hier steigen, desto mehr würde jene Wahrheit in die Augen fallen. Hohe Löhne steigern dm Gesammtverbrauch, die Industriettast im Innern; niedrige schwächen nicht blas die Konsumfähigkeit des Lölkes, sondern seine ArbeitSttaft und Leistungsfähigkeit und damtt die Möglich- keit der Export-Konkurrenz. Weiter: Wir sahen, wie die niedrigen Löhne sich in zweiter Linie gegm die Industrie selbst bedrohlich richten.„Hat der Arbeiter kein Geld, kauft er Nichts." Die Industrie arbeitet daher für den Export, weil ste im Jnlande keinen genügenden Abiatzmarkt findet. � Nun tritt folgende Merkwürdigkeit ein. Die Strafe für niedrige Löhne ereilt die Industriellen nicht blas auf heinnschem, fondern auch auf ausländischem Markte, und zwar in einer hochinteressanten Form, die das Studium aller Interessenten Werth ist. Di« Sttafe, von der wir hier reden, ttitt als ein« N«m«fis auf, die den Industriellen an dein Gliede, mit dem sie gefrevelt, Vergeltung zu- kommen läßt. Die Industrie mancher Länder rcdiizirt die Löhne zeitweilig, um an- geblich die Konkurrenz mit dem Ausland anszichalten; für die ersten paar Jahre mag die Konkurrenz gelingen; dann stellt sich jedoch ein Nachtheil ein, der von verheerenden, dauernden Wirkungen ist, wie jetzt Belgien an sich selbst erfahren muß. In Belgien hat man im Laufe der Jahre der„Nnslcmd-Konkurrenz" halber die Löhne auf eine uncrttägliche Minimalstufe hinabgedrückt. Trotz alledem hapert's aber jetzt mit dem Ansland-Export; die In- dusttiellen und Staatswciscn zerbrachen sich die Köpfe und grübelten den Ursachen nach.„Wir zahlen niedrigere Löhne", sagten sie,„als irgend ein Land und können mit Ländern, die höhere Löhne zahlen, doch nicht im Auslände konkurriren." lind die Antwort kommt nun vom Anstände:„Ihr habt Eure Zkr- beiter so lange ausgesogen, daß die Generation geschwächt wurde und die belgischen Arbeiter nicht mehr so viel leisten können, wie Andere, die höhere Löhne bekommen, daher besser essen und trinken. Das ist die Lösung des Räthsels." Für einen Kenner amerikanischer Verhälttiisse und besonders für den Arbeiter, der in Europa und hier geschafft hat, ist das längst kein Ge- heimniß mehr, daß für den hiesigen Fabrikanten der etwas höhere amerikanische Lohn kein weggeworfenes Geld ist. Durch die größere Leistungsfähigkeit des amerikanischen Arbeiters wird dem Fabrikanten das Plus des hiesigen Lohnes über den europäischen zehnfach wiedergegeben. lind bekannt ist es, daß seit einer Reihe von Jahren alle Verewigte Staaten Konsuln im Auslande in ihren amtlichen Jahresberichten dar- gethan haben, daß Amerika nicht bloß trotz, sondern in Folge höherer Löhne konkurrenzfähig mit dem Auslände bleibt, weil für den ameri- kanischen Lohn ein ungleich größeres Quantum Arbeit geleistet wird, als in Europa. Alle Ver. Staaten Konsuln lzaben in einer ununter- brochcnen Reihe von Jahren das Quantum der im Auslände geleisteten Produlliou mit der amerikanische« unter Zugrundelegung des Gcsaimnt- lohncs verglichen und gefunden, daß der amerikanische Produzent durch den höheren Lohn und die damit verbundene stärkere Lcistmigssähigkeit des Arbeiters ein größeres Quantum Arbeit erhält, als der europäisch« Produzent bei niedrigen Löhnen. Für Amerikaner ist das also nichts Neues. Neu aber ist, daß die Bourgeoisie in Deutschland diese Wahrheit zn begreifen ansängt. Kein geringeres Blatt, als die„Deutsche Volks- wirthschafkliche utorrespondenz", das offizielle Organ des des deutschen Fabrikaiiten-Verbands, äußert sich über den Niedergang der belgischen AuslaiidS-Konkurrenz wie folgt: „Daß gerade von Belgien ans die Weltmarktpreise mit Rücksicht auf die geringen Löhne, die man zahlte, so lange unterboten worden sind, bis die Leisimigsfähigkcit der belgischen Arbeiter so weit herabgedrückt imirde, daß mm die belgische Export-Industrie außer Konkurrenz gesetzt zu werden befürchten muß, falls man die Löhne erhöhen würde." So rächt sich der Gemeinfchaden niedriger Löhne an einer Station. Die„Teutsche Lolkswirtlffchaftliche Korrespondenz" sollte nicht ver- fehlen, Deuffchland daran zu erinnern, daß es gewisse Gegenden und teioisse Exportartikel deutscher Distrikte gibt, die in Bälde von derselben strafe heimgesucht werden könnten.(N.-U.„Sozialist".) Zur Frage der Vrelkandidaturen. Von geschätzter Seite wird uns geschrieben: „Wir haben fast noch ein ganzes Jahr bis zn den nächsten Wahlen, trotzdem aber beschäftigen dieselben bereits überall die Genossen. Hie und da mag für diese frühe Thätigkeit die Befürchtung maßgebend sein, daß Bismarck es wieder auf einen Konp abgeschc» habe und den Reichstag eines Tages plötzlich auflösen werde— eine Annahme, die wir aber nicht theiien, denn einen solchen Reichstag wie den jetzigen kriegt Otto der Eisenstirnige sobald nicht wieder zusammen: er wird ihn also ans- nützen bis zur letzten Stunde. Sei dem aber wie es will, auf alle Fälle ist es gut, daß Misere Kcnosscn rechtzeitig auf dem Posten sind. Zu früh kann man in dieser Beziehung nie aufstehen. Daß auch die Partei- leitting, die Rrichstagsfraktion, auf dem Posten ist und die nöthigen Vorbereitungen bereits trifft, darf man wohl daraus stlstießen, daß so- eben eine Rottz durch die deutsche Arbeiterpresse geht, wonach eine Zu- sammcnstelluna jener Genossen, welche geeignet und gewillt sind, eine Kandidattir für die nächsten Wahlen anzunehmen, siebzig Namen aufweist, mit denen aber die wirklich vorhandenen Kräfte noch nicht erschöpft sein sollen. Es wird an diese Notiz ansdrncklich die Bemerkung geknüpft, dag ein Kandidatemnangel also n i ch t vorhanden sei und daß deshalb eine V i c l k a n d i d a k ii r einzelner Genossen sehr wohl vermieden werden könne. Wir gestehen, daß wir in Bezug auf letzteren Punkt von jeher ettvas skeptisch dachten, und wir haben deshalb auch den darauf bezüg- liehen Beschlüssen der verschiedenen Parteitage und Kongresse immer unser Nein entgegengestellt. sind aber damit regelmäßig in verschwm- dender Minorität geblieben. Anders gestaltete sich der Sachverhalt aller- diugs immer, sobald es zu den Wahlen kam, denn seit dem zweiten Eiscnacher Kongreß 1873, wo der Beschluß, daß Vielkandidaturen unzii- lässig seien und deshalb unterbleiben sollen, zum ersten Male gesaut wurde— und seitdem wurde er auf allen Kongreffc» und Parteitagen wiederholt— sind die Vielkandidattircn in geradezu progressiver Weise gestiegen. Haben wir doch schon Favoriten gehabt, die es bis zu 37 Kandidaturen brachten. Ob sich das bei den bevorstcheiiden Wahlen wiederholen wird, lassen wir■ dahingestellt, aufmerksam machen wollen wir aber— und das ist der Zweck dieser Zeilen daß fast zu gleicher Zeit, wo wtt erfahren, daß die Partei über eine ausreichende Zahl von Genoffen verfügt, um die einzelneii Wahlkreise zu besetzen, auch schon wieder die'Nachricht auftaucht, daß die Genossen, in einem Waylkreis, der schon einmal durch einen Sozialdemokraten vertreten war und den man als ziemlich sicher für unsere Partei betrachten darf, namuch Magdeburg, dem Beschluß des St. Gallcner Parteitages bereits wieder ein Schnippchen geschlagen Ijaben.' Die Magdeburger Genossen haben nämlich von der Wiederausstellnng ihres früheren Vertreters, A. Heine, abgesehen und an dessen Stelle den Genossen von Vollmar aufgestellt. Letzterer wird aber in München, wo er bekanntlich bereits einmal gewählt worden ist, ebenfalls wieder kandidiren. Das letzte Mal imterlag er allerdings dem ulttamonianen Gegner mit 12,431 gegen 14,493 Stimmen, aber bei dem starken Wachsthmn Münchens und dem Umstände, dag cnescr Zuwachs fast ausschließlich auf die Arbciterbevölkerung kommt, und daß gerade in Bayern und hier wieder speziell in München der Ultramon- tanisinns in raschem Abwirthschaften begriffen, ist es sehr wahrscheinlich, daß Genosse Vollmar das nächste Mal in München Ick wieder gewählt wird. Daß in dicseni Falle Vollmar das Münchcner Mandat aimehinm wird, ist selbstverständlich. Die Magdeburger werden aber, voransgeietzt, daß Vollmar au» dort gewählt wird— und einen Sieg in Magde- bürg wünschen und hoffen wir doch Alle— das Vergnügen einer Aach- wähl haben, bei denen wir bis jetzt bekannttich meist sehr schlechte Ge- jckiäste gemacht haben. Wenn sich aber die Magdeburger Genoffen über den st. Gallen« Beschluß hinwegsetzen können. dann werde» es natürlich andere Wahl- kreise ebenfalls thun. Der Schreiber dieser Zeilen zweifelt keinen Augenblick, das es auch dieses Mal genau wieder so kommeu wird, wie in alle» früheren Fällen. Das Beispiel Magdeburgs ist schon ein recht respektabler Anfang. Es spielen bei der Kandidatenfrage viele persönliche und fach- lichc Momente mtt, welche durch Kongreßbeschlüsse nicht mir nichts dtt nichts aus der Welt zu schaffen sind. Wir werden also auch dieses Mal wieder Vielkandidaturen und vielleicht auch Doppelwahlen haben. Was aber, fragen wir, haben Kongreßbeschlüsse für eine Bedeutung, die ebenso regelmäßig gefaßt, wie sie ebenso regelmäßig sowohl von dcn Beschließern selbst als auch von den Parteigenossen überhaupt nicht b e- -achtet werden? Im Protokoll über den St. Gallener Parteitag steht Seite 34, daß der Antrag:„Der Parteitag verlangt von dem künftigen Zentralwahl- komite ver Partei, daß dasselbe den Bielkandidattircn einzelner Genoffen nach Möglichkeit entgegentritt" c i u st i m in i g angenommen wurde. Nun möchten wir fragen, ist die Fraktion dem Bcschlnsfe der Magdeburger Genossen„entgcgengetteten"? So viel wir erfahren konnten, hat so ziemlich das Gegcnthcil stattgefunden und ist die Kandi- danir Vollmars mit Z ust i m in u n g der Fraktion aufgestellt worden. Was beweist das? Sollen wir daraus etwa schließen, daß die Fraktion sich leichtsinniger Weise über Kongreßbeschlüsse hinwegsetzt, oder daß es ihr mit der Aufrechthaltung der Parteidisziplin nicht ernst ist? Das wäre gewiß ein falscher Schluß. Die Fraktion hat sich eben wahr- scheinlich vor einer Thatsache gesehen, die sie nicht zu verhindern vermochte, ste hat zngesttnimt, weil auch die Verweigerung ihrer Zustimmung die Aufstellung Vollmars nicht verhindert hätte. Dasselbe Schauspiel aber, wie in Magdeburg, werden wir noch in vielen Kreisen erleben. Es steht also fest, daß die Kongreßbeschlüsse über Vielkandidawren nicht gehalten werden, und zwar ans dem sehr einfachen Grunde, weil sie nicht gehalten werden können. Sachliche und noch viel mehr persönliche Gründe stellen sich der Durchstihrung dieser Beschlüsse als un überwind- liche Hindernisse in den Weg. Mögen sich die Genossen dies entschieden klar machen, dann wird ein derartiger überflüssiger Beschluß nicht mehr gefaßt werden und Theorie und Praxis wird nicht fortlaufend m schreiendem Widerspruch stehen. Will man aber, ttotz dcn bisherigen Erfahrnngen, an dem bisher inne gehaltenen Standpunkt festhalten, dann schlägt der Schreiber dieser Zeilen vor, das nächste Mal nicht mehr einen doch nur platonisch gedachten Beschluß zu fassen, sondern zu bcanttagen, daß sämmtliche anwesende Parteitag- Besucher sich auf Ehrenwort verpflichten, bei der nächsten Wahl nur Eine Kandidatur aiizimehmcn. Man wird sehen, es werden dann so viel Bedenken laut, daß eö zu einem Verbotsbeschluß nicht kommt." Soncholitische Lnudschau. London, 6. Mittz 1889. — Noch Etwas über die in Teutschland waltende Glcichbcrcchti- gnng. Der„Sozialdemokrat", schreckt man»ins ans Deutschland, hat schon wiederHoll aus die charakterischc Eigcnthüinlichkeit des herrschenden Systems aufmerksam gemacht, seine verwerflichen Handlungen und Strebniigen mit der Flagge ehrlicher Ausdrücke zu decken und zn diesem Zweck eine planmäßige Wort-Falschmünzcrei zu tteiben. Der Inhalt der Wörter wird in sein Gegcntheil verkehrt, und je gemeiner die Sache desto ehrwürdiger die Form, welche dafür gewählt wird. Eine besonders intcressanle Geschichte»ach dieser Richtung hin hat z. B. das Wort:„Patriot". ES kam ans in der französischen Revolution und bezeichnete den Anhänger und Vorkämpfer der Revolution, welcher das Vaterland derselben gegen die ver- schwornen Monarchen des Auslands vcrtheidigte. Das Vaterland— Ja patrie— war das Vaterland der Revolution, war die Revo- lulion, und der Patriot ein Nevoluti ans mann. Später wurde das Wort von der siegreichen Reaktion oder Kontre- revolution gestohlen, der Patriot verwandelte sich in einen Anhänger und cm Werkzeug der Reaktion, der Kontterevolution, und der deutsche Patriot von heule ist der Todfeind alles dessen, was der französische Pattiot zu Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts als sein Ideal betrachtete und wofür er sein Herzblut hingab. Der patriotische Revolutionsmann hat sich in einen patriotischen Speichellecker und Gewalthaber verwandelt. Achnliche Metamorphosen lassen sich zu Dutzenden und Hunderten nachweisen. Das jüngste Opfer dieser modernen Falschmünzerei(die natürlich auch„pattiottsch" ist) heißt„Gleichberechtigung." Unter Gleichberechtigung verstand man Visher die Gleichheit der poli- tischen Rechte— die politische Gleichstellnng der Individuen, der Stände, der Klassen. Und die deutschen Arbeiter, welche gleich anderen gewöhn- lichen Menschen das Wort in dieser Bedeutung, und nur in dieser Bedeutung, verstanden, waren in Folge dessen mit Rücksicht auf das Sozialistengesetz und die Proskriptcm der Sozialisten der festen lieber- zeugnng, daß in Deutschland, für die Arbeiter wenigstens, von einer' Glcichbcrechttgung nicht die Rede sein kann. Die deutschen Arbeiter haben sich geirrt; sie sind der Gleichbcrechti- gnng theilhaftig— das Sozialistengesetz und die Preßkormptton sind bloße Phantasiegebilde und in keinem Lande der Welt ist die Gleich- berechtigung überhaupt so vollständig verwirklicht und ist für die Ar- beiter so viel geschehen als in dem„monarchischen" Deutschland. Das ist die neiiestc Wahrheit. Und wer sie nicht glaubt, der macht sich einer— zum Mindesten indirekten— Majestätsbelcidigung schuldig; denn der Mann, der das gesagt hat, ist Niemand anders als Wilhelm der Zweite, König von Preußen und Kaiser von Deutschland. Wenn künftig ein Arbeiter, der für die Rechte der Arbeit, und der Arbeiter eintritt, deshalb weil er dies thnt, ins Gesängmß geworfen, von Frau und Kind gettennt und wie ein wildes Thier durch das Land gehetzt wird, dann kann er sich mit dem Gedanken trösten: das ge- schieht im Namen der Gleichberechtigung— mein Kaiser, mein Kaiser hat's ja gesagt.— Für den Frevel des Hohns, der in diesem Katserwort liegt, wollen wir den Kaiser nicht persönlich verantworten machen— bei dem Leben, welches man ihn hat führen lassen, ist er nicht im Stande gewesen, sich über so unwichtige Dinge wie„Gleichberechtigung", Ausnahmegesetze, Sazialismns, Arbeiterbewegung u. s. w. zu unterrichten. Aber welch vernichtendes Urthal mutz ein S y st e m tteffcn, dessen vornehmstes, mit fast göttlichen Attributen misgcstattetes Organ in solcher Weise die That- fachen ans den Kopf stellt und der Wahrheit nicht minder heftig als dem gesunden Meiischenverstand ins Gesicht schlägt? — Die Dynastie Bismarck, die„providentielle" Behüterin und Schirmerin der Tynastic Hoheuzollern, sieht sich von immer gesiihr- licheren Schwierigkeiten umringt. Ein wahrer Wolkenbruch von Mißerfolgen in der auswärtigen Politik regnet auf sie herab. Die auswärtige Politik, für deren Meister sich Bismarck von seiner Reptilienpressc ausgeben ließ, bringt seit längerer Zeit mir Niederlagen und Blamagen. Die in widerlichem„Weit- kriechen" erbettelte Allianz mit Rußland ist schmählich in's Wasser gefallen. Der Dreibund hat in Ungarn und in I t a l 1 e n „Stöße in's.Herz" erhqlten und pfeift ans dem letzten Loche. Und nun erst die K o l o n i a l p o l i t i k! Daß Gott sich erbarm. Bismarck spricht schon von den„sogenannten Kolonien" und dem Unverstand der consrnle« misei— der ciitscndeten Kolonialbeamten, die an allem Sclnild seien. Natürlich weiß jeder Denkfähige, daß dies eine freche Lngerei ist und daß, soweit nur von einer Verantwortlichkeit die Rede sein kann, in erster Linie der„ E h e f" der consuies minsi die Verantwortlichkeit trägt. Aber die Thatsache, daß der bankerotte Gelvalt- und Schwindel-Politiker die Schuld auf seine Werkzeuge zu wälzen sucht, hat insofern Bedeutung, als sie verräth, daß er den Bankerott seiner Politik begriffen hat. Zu unserer großen Genugthiimig hat diese Erkenntniß ihm nicht die Besonnenheit zurückgegeben— er taumelt nach wie vor von ' Fehler zu Fehler, und hat es jetzt durch die blödsinnigen Provokaticmeu semer Leibreptrlien(der Bnsch'chcn und sonstiger Fartcatcher) glücklich so weit gebracht, datz die einzige Regierung, mit der das bisinarck'sche Reich noch auf leidlich gutem Fuß stand: die a m e r i k a n i s ch«, in die schärfste Opposition gegen die deutsche Politik getrieben worden ist. .Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit" — was in's Moderne übersetzt ungefähr lauten würde: Entlarvt« Berbrecher drehen sich selber den Strick. In den obersten Regionen herrscht die wildeste Anarchie, der 5trieg Aller gegen Alle. Hie Bismarck Vater und Sohn! Hie Waldersee und Stöcker! Hie Hayscldtl So schwirrt es durcheinander, und aus dem tausendfach verschlungenen Intriguengewebe ist es schwer, die einzelnen Aettelungen und Ränke genau von einander zu unterscheiden. Dast neben der Dynastie Bismarck zwei Prätendenten sich hervorgcwagt haben, oder richtiger: mifgestelltjuerden konnten, das kennzeichnet die Situation und verkündet den Sturz der Dynastie Bismarck. Wenn das persönliche Regiment aufhört absolut zu sein, hört es auch auf zu existircn. Wer die Rolle des eisernen Kanzlers spielen will, darf sich nicht schwach zeigen, darf nicht altern. Der alternde Kanzler, — das ist der zahnlose Löwe, dcni jeder Esel einen Fußtritt versetzen kann. Und die nationallibcralen Esel haben den Fußtritt allerdings schon eingeübt, so krauipshaft sie es auch ableugnen. Der„Eiserne" aber behauptet, er„altere" nicht, er habe blos neulich, als er sich in der Kolonialdebatte so arg blamirt, kein ordentliches— Frühstück im Leibe gehabt. und da habe ihm der nöthige Spiritus gefehlt. Das trotz der 6 Wassergläser voll Kognak— rmgewässert, unverzückert— ist in- deß ein sehr bedenkliches Zeichen. — Die Mohrenwäsche verungliickt. Der„neue Mahlow- Jhring-Prozeß", lesen wir in deutschen Blättern, ist jetzt ein- gestellt worden, nachdem die Verhandlmig neun bis zehn Mal vertagt worden war. Man wird sich erinnern, daß dieser Prozeß den Schutzmann Jhring, welchem das Landgericht I. die Glanbwür- digkeit abgesprochen hatte, rehabilitircn sollte. Wenn dies nicht gelingen würde, so könnte, nach einer Aeußerung des damaligen Ministers v. Puttkamer im Abgeordnetenhause, Jhring„nicht im Staats- dienste bleiben." Thatsächlich ist Jhring jetzt Stationsvorstcheradspirant ln Oeynhausen. Die Anklage im„neuen Mahlow- Jhring- Prozeß" richtete sich gegen Herrn Drescher, danials Redakteur der„Volksztg.". Tie Einstellung des Verfahrens wird auch dadurch bestätigt, daß seit der letzten gerichtlichen Handlung, der im Juni erfolgten Vernehmung des Zeugen Ehristensen, niehr als sechs Monate verflossen sind." Damit wäre also indirekt zugestanden, daß Mahlow- Jhring ein unglaubwürdiges Subjekt ist. Wir wußten das bereits vor- her, wollen also auf die Schlüsse, die sich daraus für das S y st e m ergeben, dessen Früchtchen Jhring- Mahlow ist, heute nicht weiter zu- rückkommeu. Aber eine andere Frage niüssen wir zur Sprache bringen. Nicht nur find auf die Angaben dieses u n g l a u b>v ii r d i g e n Bur- scheu hin eine Anzahl braver Arbeiter seinerzeit aus Berlin ansgc- wiesen und damit in ihrer Existenz schwer geschädigt worden, es sind auch zwei weitere'Arbeiter, die Tischler Ä! a r k o w s k i und Wittkowski, wegen ihrer Zeugenaussagen gegen ihn auf den Dienst- Eid seines Kumpans Raporra des Meineids für schuldig erkannt und zu je einem Jahr Gesängniß und zivei Jahren Ehrverlust vcrurlheilt worden. Nun, wenu die Staatsanwaltschaft selbst den Versuch aufgibt, Mahlow-Jhring gegen den Vorwurf der Unglaubwürdigkcit zu vcrthei- digcn, so liegen tausend Wahrscheinlichkeiten gegen Eine vor, daß wäh- rcnd der meineidige Schuft frei umherging und auf Staatskosten gc- mästet wurde, ehrliche Arbeiter seinetwegen mit dem Brandmal des Meineids behaftet und der entehrenden Behandlung im Gesängniß aus- gesetzt wurden. Gäbe es eine Gerechtigkeit in Preußen, so würden sie für die zu Unrecht erlittene Strafe entschädigt und der freche Per- lcuindcr zur Rechenschaft gezogen. Aber Gerechtigkeit in Preußen! Sie ist vorhanden, o ja, aber es steht mit ihr genau so>vic mit der famosen„Gleichberechtigung". Und darmn bleiben die beiden Arbeiter„meineidig" ihr Leben lang «nd Jhring-Mahlow behält das— Allgemeine Ehrenzeichen. — Beiläufig muß auch crivähnt werden, daß es R a ch c f ü r d i« Entlarvung Jhring-Mahlows war, daß Jens E h r i st e n s e n aus Berlin ausgewiesen und durch und ans Deutschland gehetzt wurde, und daß es aus Rache für die Kennzeichmiiig des Burschen im Reichs- tag geschah, daß Genosse Singer die Ausweisung erhielt, die ihn zwang, aus seinem blühenden Geschäft auszutreten. Soviel Schurkerei um einen Schurken! — Pnttkamcr'schc Ehrenmänner nntcr sich. Der Ex-Spitzel W i ch in a n n hat an Genosse Auer als Antwort auf die Veröffent- lichnng seiner„Geständnisse" folgende Postkarte gelangen lassen: „A l t o n a, 17. Febr. 1889. Herrn I. Auer, Wohlgeborcn. Gelesen! Falls Sic noch niehr Thatsachen wünschen, bitte um Nachricht. Denn es ist die höchste Zeit, daß das Treiben eines Engel, seinen Kollegen w. gegenüber, endlich einmal aufgedeckt wird. Ich weiß wohl die Tragweite meiner Mittheilungcn zu ermessen, doch die Wahrheit muß endlich mal gesagt werden; da es ja noch R i ch- ter in Deutschland gibt. Ergebenst Wichmann." Herr Wichmann scheint also noch viel Material gegen seinen früheren Vorgesetzten und Gönner auf dem Herzen zu haben, und wir können nur wünschen und hoffen, daß der Altonaer Polizei-Engcl Gelegenheit nimmt, sich gegen die von Wichmann ihm nachgesagten S ch u f t e r e i e n vor Gericht zu verantworten. Denn man beachte wohl, durch seine Postkarte bestätigt Wichmann die in seinem Brief vom 1. Juni abgc- gehene Erklärung, daß Ehren-Engel im Korrespondenzen an die Most'sche „Freiheit", in denen Auer und andere Hamburger lssenossen in schäm- loser Weise verleumdet worden, in die Feder dikttrt habe. Einen solchen Vorwurf darf kein Mensch, der als anständig gelten will, am > allerwenigsten ein Beamter, unerwidert auf sich sitzen lassen. Man denke nur, welcher Art die Korrespondenzen an das Organ der a n a r ch i- st i s ch e n R e V o l u t i o ii s m a ch e r c i ivaren. In derselben Notiz des Berliner„Volksblatt", welche die Postkarte des Wichmann ver- öffentlicht, wird auch eine der in der„Freiheit" erschienenen, nach seiner Angabe also von Engel verfaßten Korrespondenzen abgedruckt, die in der That des„Niedriger Hängens" Werth ist. Man höre nur: „H a in b n r g. Die Lumpenstreiche seitens der Anhänger der Zürich-Leipziger Richtung mehren sich. So sst von hier ein ganz gemeiner Akt zu melden, nämlich der Liquidator der Genossenschaft, Garve, welcher sich in Harburg aufhielt, hat sich heimlich nach 'Amerika geflüchtet, unter Mitnahme von 4000 M., welche Schurkerei einigen Herren ganz gelegen zu kommen scheint, denn die Herren Braasch, Kapell und Auer haben jeder noch das Sümm- chen von'2000 M. Genossenschaftsgelder in Händen, welche die- selben sich weigern heraus zu geben. Ebenso kommt dieser Streich den in Amerika weilenden Herren Reimer, Brügmann und Walther sehr gelegen, denn dieselben haben bis jetzt von den Partcigcldern, mit welchen sie sich seinerzeit ausrüsteten, noch keinen Heller zurück- erstattet, wie sie versprochen. Durch das Verschwinden Garve's ist jeder Anhaltspunkt verloren gegangen und dürfte es uns durch- aus nicht wundern, wenn diese schöne Seele, ähnlich wie der alte Ausreißer Fritzsche, eine Schnaps- und Bierwirthschaft eröffnete, wo dann die von den Genossen sauer erworbenen Gelder ver- pulvert werden. Die amerikanischen Genossen seien hiermit vor dem Lumpen Garve gewarnt und gleichzeitig aufgefordert, wenn er in ihrer Mitte auftauchen sollte, denselben so zu behandeln, als er es seinem Schurkenstreich gemäß verdient." Kein Wort von dem da Gesagten ist wahr, alles Lüge, bübische Lüge, um die Opfer der b r u t a l c n L e r f o l g u n g s w u t h des Emgel noch hinterher durch Ausstreuen verleumderischer Ver- dächtigungen zu schädigen. Wer immer es gethan, ist ein Schuft, hat es aber der Engel gethan, nun, so ist es eine doppelte, eine tausendfache Schufterei, so infam, daß sie ihrem Urheber die un- barmherzigste gesellschaftliche A e ch t u n g zuziehen müßte, ihn ober jedenfalls der Verachtung jedes anständig Denkenden über- liefert. In einer Hinsicht hat der„Engel" allerdings seinen Lohn zum Theil weg. Am 80. März 1881 ist er von Herrn von Puttkamer in öffent- licher Reichstagssiyiing mit folgenden Worten als gefügiges Werkzeug des Protektors aller meineidigen Polizei- Hallunken gelobt worden: „Bevor ich so gleichsam ans dem großen Korbe alle Dinge hier zur Entgegnung wieder vorbringe, will ich zunächst einen Ehren- mann gegen die— ich darf wohl sagen— Venmglimpfnngen des Herrn Vorredners in Schutz nehmen; das ist der Polizeikom- missarius Engel in Altona. Meine Herren, das ist ein sehr treuer, zuverlässiger Beaniter; er ist protokollarssch vernommen worden über alle diejenigen ihm schon vorher bekannten Jnsinua- tionen, welche der Herr Vorredner eben von der Tribiine gegen ihn vorgebracht hat; er hat auf s e i n e n D i e n st e i d versichert, daß kem Wort von dem wahr ist, was davon im Reichstage der Herr Abgeordnete Auer gegen ihn vorgebracht hat." Dithyrambischer hat der Ex-Spitzelniinister selbst den Jhring-Mahlow nicht gefeiert— man ermesse daraus die Verworfenheit des Al- tonacr Ordnungshelden. Daß er es nicht gewagt, den Wichniann zu ver- klagen, ist an s i ch schon Beweis, Puttkamcrs Lob aber die a u t h e n- tischst e Bestätigung, daß seine Diensteide nichtswürdige Mein- eide waren. Je frecher der Meineid, um so höher die Auszeichnung, die dem „Pflichtgctteuen" zu Theil wird: Jhring-Mahlow erhielt das allgemeine Ehrenzeichen, Herr Engel hat bereits den rothen Adlerorden vierter Klasse eingeheimst. Es ist unschwer, danach zn bemessen, tvie viel Jahre Zuchthaus ihm von Rechtswegen gebühren. — Unsere Leser werden miS der Tagespresse über die Einzelheiten der Entlarvung deck„Ehrenmannes" Pigott als Fälscher und der hochachtbaren„Times" als Hehlerin desselben gelesen haben. Das Organ der„ordnungs"liebenden Bourgeoisie nahm keinen Anstand, die angeblich von Parncll herrührenden Briefe, deren zweifelhafter Ursprung von vornherein den Gedanken einer Fälschung nahelegte, gegen de» politischen Gegner auszuschlachten und wurde darin in jeder Hinsicht von der k o n s e r a t i v c n Regienina des Herrn Salisbury unterstützt. Nim, Dank der Geschicklichkeit des Advokaten ParncllS, ist das Komplott an den Tag gebracht, Ehren-Pigott hat sich in Madrid erschossen, und seine Hintermänner scheu ihr Spiel verloren. Ein wahrer Sttirm der Entrüstung ergießt sich über die„Times", und zu den enormen Kosten, die der Prozeß dem Organ für �.Ordnung" und „Gesetzlichkeit" verursacht, gesellt sich noch eine ganz empfindliche Einbuße an Ansehen und Verbreitung. Und was die'Regierung anbetrifft, so ist alle Welt darüber einig, daß ihre Tage gezählt sind. Alles das ist gewiß sehr zu begrüßen, und man kann dem englischen Volk nur dazu Glück wünschen, daß es sich noch soviel Rcchtssinn er- halten, gegen Betrug und Fälschung im politischen Kampf zu protcstiren. Wenn aber das Pharisäerthum in der deutschen Reptilienpresse meint, sich nun auf Kosten der„Times" gütlich thun zu dürfen, weil„wir nicht sind wie diese da", so muß ihm ein entschiedenes Halt da! zuge- nifen werden. Alles, was die„Times" gesündigt, so schmachvoll es auch ist, ist doch nur ein winziges Splitterchen, verglichen mit dem Riesenbalkcn politischer Infamie, welche die Zuhälter des Bis- marckischen Regiments in Deutschand gegen die Oppositionsparteien, insbesondere die Sozialdemokratie entfaltet. Hätte die Times- Pigottaffäre in Deutschland gespielt, der Fälscher sähe seine Brust geschmückt mit dem allgemeinen Ehrenzeichen, sein Gönner aber würde in das auserlesene„Kapitel" jener A l l e r e d c l st e n und A l l e r b e st e n der Nation aufgenommen, welche als Ritter des schwarzen Adlerordens das höchste Ansehen im Lande genießen. Die englische Regierung ist tief gesunken, aber auf den P u l t k a m e r ist sie doch noch nicht gekommen. — Mit Beziig auf den Jnternationalc« Kongreß sind wir in der Lage, mitzntheilen, daß am 28. Februar in Haag eine von den Vertretern der deutschen Sozialdemdkratie cinberuseiien Konferenz statt- gefunden hat, an welcher außer zwei Vertretern Deutschlands, je zwei Vertreter der belgischen, holländischen, schweizerischen Sozialdemokratie und Genosse Paul L a f a r g n e im Austrage des Pariser Verbandes , Agglomeration) der französischen Arbeiterpartei thcilnahmen. Die sozialistische Fedcration(„Possibilistcn") war ebenfalls aufgefordert worden, l Kitte aber die Beschickung unter der Erklärung abgelehnt, daß sie ein Mandat von dem Londoner Kongreß habe und sich an dieses zu halten gedenke. Dieses Steifen auf den Buchstaben wurde allgemein verurtheilt, deim selbst wenn man davon absieht, daß der Londoner Beschluß nur für Diejenigen bindende Geltung haben kann, die ihn gefaßt, nicht aber für die, welche von dem Kongreß ausdrücklich ans- geschlossen worden, muß jeder llnbefangene sofort zugeben, daß aus jenem Mandat unmöglich das Recht hergeleitet werden kann, ganz ein- seitig nach eignem Bedürfniß oder gar Laune, Datnin und Ort der Abhalttmg eines internationalen.Kongresses festzusetzen. Die französischen Possibilistcn haben sich aber von jeher über die clcmentarsten Regeln internationaler Rücksicht hinweggesetzt und sich geberdet, als hätten sie nur zu befehlen und die Sozialisten aller andern Länder zu gehorchen. Dabei zeigt z. B. die Festsetzung des Znsamincntritts des Kongresses auf den 14. Juli, dem Jahrestag des Bastillesttirmes, keineswegs die- jenige Unisicht, die im Interesse der Berathungen geboten wäre. An jenem Tage, bekanntlich das Nationalfest der Republik, wird die Anftnerksamkeft des Publikums auf alles Andere eher gerichtet sein, als ans den Kongreß der Arbeiter, und das Tagen mitten im heißesten Sommer wird auch auf den Verlauf der Debatten nicht gerade crsprieß- lich wirken. Ein späteres Datum, wenn der Trubel der offiziellen Fest- lichkeitcn vorüber, würde also entschieden angemessener gewesen sein. Dies nebenbei. Einstimmig wurde auf der Konferenz dem Verlangen zugestimmt, daß der llnftig einseissg veranstaltctcr internationaler Kon- gresse aufhören müsse und in Zukunft dieselben nach vorheriger gemein- sanier Vereinbarung der Arbeiterparteien und groößeren Arbciterverbände der Kulturländer stattzusinden haben und von den Vertretern dieser, nicht aber von denen einer Nation einzuberufen sind. Um aber für diesmal eine Verständigung anzubahnen und der Welt das Schauspiel zweier gleichzeitig tagender internationaler Arbcitcrkongrcsse oder eines neuen Runipftongresses zu ersparen, ward beschlossen, den Possibilisten insoweit entgegen zu kommen, ihr Londoner Mandat in Bezug auf die Vorbereitungen k. des Kongresses anzuerkennen, von ihnen aber zu ver- laugen, daß sie die Festsetzung der Tagesordnung, die Einladungen zum Kongresse:c. in Gemeinsamkeit mit den übrigen Arbeiterparteien vor- nehmen. Gehen sie darauf nicht ein, so werden sie, nach der Stimmung, die in der Konferenz herrschte, zu schließen, ihren Kongreß unter sich abholten können. — Auch der New-Porker„Sozialist" legt gegenüber dem„Proletariat" eine scharfe Lanze für das Recht der Kritik ein. Er druckt unfern Artikel„Zur'Abwehr" vollinhaltlich ab und schreibt weiter in einem Artikel„Ter intcniationale Kongreß in Paris": „Wollen wir nun zugeben, daß das Recht der Kritik im internatio- nalcu Sozialismus(denn es gibt keinen deutschen, französischen oder englischen Sozialismus, es gibt nur einfach Sozialismus, und der geht uns Allen an, gleichviel ob er in Paris, London oder New-Dork ver- treten wird) ausgenommen, daß Paris, die Wiege der Revolution, die Hoffnung des Proletariats der ganzen Welt, von einigen ehrgeizigen Männern in den Sumpf hineingeritten, völlig korrnmpirt werde? Ich glaube, das dürfen wir auf keinen Fall zugeben. Liebknecht, Daniela Nicwciihnis und Andere haben schon die Sache in die Hand genommen, an uns deutschen Sozialisten in Amerika ist es, dieselben min zu unter- stützen.Schicken wir recht viele Genossen hin, halten wir fest zusammen und vcrthcidigcn ivir ernstlich unsere Prinzipien, dann geht es den Possibilisten in Paris, wie es den Londoner Gewerkschaftlern ergangen ist, sie werden von den auswärtigen Genossen in die Schranken zurück- geschickt werden, aus denen sie herausgetreten sind." — llnserc Hoffnung, daß die„E g a lits" sich zu einem würdigen und lebenskräftigen Organ des unabhängigen französischen Sozialismns ent- wickeln werde, ist zu nichte geworden. Zwar hat sich das Blatt unter der tressliche» Redaktion schnell einen ansehnlichen Leserkreis erworben, so daß zu hoffen stand, es werde in abschharer Zeit seine Kosten decken, aber der kapitalistische Eigenthiimer und geschäftliche Leiter desselben schien diesen Zeitpunkt nicht erwarten zu können imd stellte weibliche Arbeiter und Setzer, die unter dem Tarif der organisirten Schriftsetzer arbeiten, in seiner Druckerei ein, so daß die sozialistischen Redakteure und Mitarbeiter, nachdem ihre Gegenvorstellungen sich als ftnchtslos erwiesen, es mit ihrer Ueberzeugung unvereinbar hielten, noch länger an dem Blatt zu arbeiten. Der gesanimte Rcdaktionsstab— Daumas, Eh. Lonquet, Ed. Vaillant, Gemeinderäthc von Paris, sowie Dr. L. Fiaux, Granzer, Jules Guesde, Paul Lafargue, B. Malon und A. Brcnillee und ebenso sämmtliche sozialistischen Mitarbeiter: O. Archain, Louis Besse, Bouls, Chauviere, G. Deville, G. Felinc, C. A. Machcreh, Fr. Maquaire, H. Steven und H. Place, erklärten unterm 1. März ihren Austritt aus der„Egalits". Wir brauchen nicht erst zu sagen, daß. so sehr wir es bedauern, daß auf diese Weise die besten Kräfte des französischen Sozialismus sozusagen literarisch obdachlos geworden, mir das Verhalten derselben in dieser Angelegenheit nur mit Genugthming begrüßen können. Was in Frank- reich vor allen Dingen heute Roth thut, ist das Beispiel und eng- samer Gesinnungstreue. Der Opportunismus in seinem schlimmsten Sinne— denn es gibt auch einen berechtigten, einen noth- wendigen Opportunismus— beherrscht so sehr das öffentliche Leben, hat sich so in alle Parteien eingesressen, daß die Sozialisten die doppelte Pflicht haben, auf die Reinheit ihres Wappenschildes zu halten. Es ist das eine schwere Aufgabe, denn es beißt zum guten Theil den Verzicht auf das Wirken für die vertretene Sache, aber sie muß erfüllt werden. Der Außenstehende hat keine Idee, wie jammervoll es in Frankreich mit den Preßvcrhältniffcn bestellt ist. Die Preß- Gesetzgebung des Kaiserreichs in Verbindung mit der kapitalistischen Entwickclnng hat im Zeitungswescn allmälig Zustände geschaffen, unter denen ein nnab- hängigcs Blatt, hinter dem nicht ein Finauzmann oder eine Finanz- gcscllschaft steht, geradezu ein Ding der Unmöglichkeit ist. Tie Ein- führungskosten eines täglichen Blattes— und Wochenblätter werden in Paris überhaupt nicht gelesen— berechnen sich nach Hundcrttausenden. Als vor einigen Jahren die Possibilistcn den Versuch machten, das „Proletariat" täglich erscheinen zu lassen, mußten sie ihn nach den ersten Wochen aufgeben, und n o ch h c n t e sind die damas gemachten Schuldeil nicht abbezahlt. Wer das Defizit des„Parti Ouvricr" zahlt, wissen wir nicht, wohl aber, daß es sich nicht im Entferntesten deckt. In gleicher Lage befinden sich noch eine ganze Anzahl politischer Blätter, darunter einige vortrefflich geschriebene. Rentabel sind fast nur die Klatschblätter, die Scnsationshlätter und einzelne politische Blätter mit einer„festen Kundschaft", wie der„Temps"?c. Alle übrigen werden subventionirt— sei es von Finanzgcsellschaften, deren Interessen sie vertreten, sei es von politischen Kotcrien, hinter denen gewöhnlich ebenfalls Finangesellschaftcn stehen. Unter diesen Umständen sind die Redakteure eines Blattes nichts, der Eigenthiimer alles. Alle Augen- blick lesen wir, daß aus irgend einem Blatt der gesanimte Rcdaktions- stab ausgetreten ist— warum? Es hat dem Eigenthümcr beliebt, den Redakteuren Bedingungen aufzuerlegen, die ihnen das Verbleiben unmöglich machten. Am schlimmsten sind unter solchen Verhältnissen natürlich die Sozia- listen dran. Je fester sie in ihrer Ueberzeugung, um so weniger können sie die Konkurrenz mit dem Gcsinnungsluinpenlhum der kapitalistischen Presse durchfiihrcn. Und hieran trifft ein gut Theil Schuld die franzö- fischen Arbeiter selbst. Sie stellen an ein sozialistisches Blatt die höchsten Ansprüche, sind aber, von einer kleinen Anzahl um so opfer- willigerer Genossen abgesehen, keineswegs gewillt, für seine Existenz- fähigkeit nun auch ihrerseits thatkräftig einzutreten. Nicht daß sie politisch indifferent oder Gegner des Sozialismus wären. Keineswegs, aber sie sind zum Theil durch die früheren Partcikämpfc abgestumpft, zum Theil auch durch die von der Minderheit gebrachten Opfer ver- w ö h n t. Diesem Umstand ist es auch mit zuzuschreiben, daß die Gc- schichte der sozialistischen Bewegung in Frankreich in der Neuzeit so ivenig erfreuliche Bilder aufweist. Hoffen wir, daß es schließlich doch einmal bessert. Und hoffen w'r weiter, daß es den vereinten Beinühnngcn der unabhängigen Sozialisten gelingen möge, trotz aller Schwierigkeiten, recht bald ein Organ des Sozialismus in's Leben zu rufen, das in jeder Beziehung aus der Höhe seiner Aufgabe steht. „Amerika, Du hast es besser"— so werden sicherlich die Herren Steuer- und W i r t h s ch a f t S- R e s o r m e r, null heißen Landprotzen, denken, die kürzlich auf einem Kongreß in Berlin über den „Arbeitcrmangcl in der Landwirthschast" heulmeicrten und nach Maß- regeln zur Abhilfe des schrecklichen Nothstandes schriee», ein diesem Bchufe beschlossen sie, sollen Erhebungen in allen bcthciligtcn Ge- gcnden Deuffchlands veranstaltet werden über die Gründe?— o nein, die kennen die Herren sehr gut— nur so allgemein die U m st ä n d e, nuter denen die Flucht der Landprolctaricr von den Domänen sich voll- zieht, und wie man ihr durch Rcglcmentationcn:c. entgegentreten kann. Nichts anderes bedeuten wenigstens folgende der von sie aufgestellten Fragen: „Welche Maßnahmen sind getroffen, um im Interesse der Wohl- fahrt und Sittlichkeit die periodisch beschäftigten Arbeiter in den bezüglichen Betrieben*) unterzubringen?— Welche Maßnahmen sind ge- troffen, um das Treiben der Arbeiter-Ver mittel u n g s- b e a m t e n zn beaufsichtigen, speziell nach der Richtung der Erregung betrügerischer Hoffnungen und Verlockungen zum Kontraktbruche? Landjnnkcr, die sich für Sittlichkeit und Wohlfahrt ihrer Arbeitssklaven intcrcssiren— wer lacht da nicht?'Als ob nicht Jeder- mann wüßte, wie es ans den Gütern dieser Tugendbolde in ersterem Punkte zugeht, und als ob sich die Arbeiter zum Fortziehen verlocken lassen würden, wenn für ihre Wohlfahrt auch nur im bescheidensten Maßstabe gesorgt würde. Selbstverständlich haben wir gegen die Erhebungen an sich nicht bas Geringste einzuwenden, es dürsten bei derselben recht hübsche Enthüllungen zur Sprache kommen. Vielmehr ist es traurig, daß die armen Landprotzen solche vcrhängnißvolle Umwege einschlagen müssen, uni zu ihrem Ziel— Festhalten der Land- Proletarier an die Scholle, zu gelangen. Da machen es ihre Kollegen jenseits des großen Baches weit einfacher. Man höre nur, was erst neulich wieder amerikanische Blätter zu berichten wußten: „Aus Nord-Carolina kommt eßie Nachricht, welche nur wieder auf's Neue bestätigt, daß dort die Sklaverei blos der F o r in nach ausgehoben ist. Dieser Bericht sagt: Wegen Befürchtung von Aufruhr in Waync-Connty wird die Miliz in Bereitschaft gehalten. Jedes Jahr um diese Zeit beginnt eine größere oder geringere Zahl Neger ans- zuwandern, deren Abreise von den Farmern aus j c d e W e i s e zn hindern versucht wird. Die Farmer verlieren ihre billigen Landarbeiter und können sie nicht ersetzen. In diesem Jahr ist die Zahl der Auswanderer größer als je zuvor und die Farmer drohen jedem, der Sieger zum Fortgehen zu überreden sucht, mit de m Tode. Ein Telegramm aus Wahne Connty meldet, daß die weißen Bürger bis an die Zähne bewaffnet herumstreichen und die Neger einschüchtern. John P. Richardson, einer der größten Pflanzer des Südens, welcher Neger für seine Farmen in Tcnessec, Mississippi und Louisiana anwarb, wurde zum Verlassen des E o u n t y' s g e- zw» n gen. Gestern trafen in Goldsboro 1500 Neger niit ihren Familien ein, welche, nachdem sie ihr bischen Hab und Gut verkauft hatten, auf die vertticbene» Agenten für Transportation warteten. Es bedarf nur geringen Zündstoffes zum Ausbruch eines Ausftandes.— Die Freizügigkeit cxisttrt da also für die arbeitenden Klassen nicht. Abgesehen von perfiden Dienst- und Pacht-Koutraktcn, auf deren Verletzung K r i m i n a l st r a f e steht, muß nöthigenfalls das altbewährte südliche Argumente, die„Shotgun"( S ch i e ß p r ü g e l>, in Anwendung gebracht werden, um die Leibeigenen an der Scholle zu halten." Schade, Schade, daß unsere preußischen Landjunker ans dieses„probate" Mittel verzichten müssen. Aber das ist wieder auch nur eine Folge der falschen Humanität unserer Zeit. Wenn nur mit der einmal gründlich aufgeräumt wurde! — Steht Deutschlands Kaiser auf dem Boden der Arbeiter- bewcgnng? Angesichts seines jüngsten Verlangens nach Lohnerhöhung wareu Vicle geneigt, es anzunehmen. Ein Mitarbeiter der Wiener„Gleich- heit" meint jedoch, so absolut hätten die kämpfenden Arbeiter Wilhelm noch nicht als ihren Bundesbrudcr anzuerkennen.„Dieses so vielver- sprechende Ereigniß", schreibt er,„wäre dann eingetreten, wenn Wilhelm *) Die nämlich, denen sich die Arbeiter zuwenden. für bcu Fall der Ablehnung seiner Forderungen mit der Arbeits- einstellung gedroht hätte. Wir wollen ihm seine Zurnckhaltnng jedoch nicht allzusehr verübeln. Der arme Teufel wohnt im Bereich des kleinen Belagerungszustandes und weiß sehr gut, daß ein Streik oder Streikvcrsnch zur Verbesserung der Hungcrlöhne nur zu leicht die unerbittliche Ausweisung, namentlich von Familienvätern, nach sich zieht. Es war daher sehr human von den Deutsch-Freisinnigcn, die Lohnerhöhung zu bewilligen, ohne es auf einen Streik ankommen zu lassen". Zweifelsohne, und den Herreu Nicfert, Zelle und Konsorten gebührt dafür unbedingt die Biirgcrkrone als„Netter des Vaterlandes". Was nun aber n n s e r n Wilhelm anbctriffi, so ist eS ja wahr, mit dem Streik hat er nicht gedroht, aber dafür hat er eine ganz respektable Leistung auf dem Gebiete des B o y c o t t' s aufzuweisen. Als neulich die Berliner„Krcuzzeitung" emcn Ton anschlug, der Wilhelm nicht paßte, da wurde das junker-fcndale Blatt von ihm in aller Form gcboycottet. „Tu kriechst zu Kreuze, oder Du verlierst Mich und M eine Leute als Abonnenten" erklärte Wilhelm, und bei der straffen O r g a n i- s a t i o n, über die er verfügt, schltig seine Erklärung durch— die „ftrenzzeitnng" hat schnell Einkehr gehalten, nnd die offizielle Beilegung des Bopcott's soll binnen Kurzein erfolgen. Man kann dieses Beispiel den Arbeitern nicht genug zur Nacheifcning ancinpfchlcn. Abester, blickt auf unfern Wilhelm und thut, wie E r gcthan! — Zweierlei Maß. Wenn ein Vernrtheilter sich während seiner Haft ordentlich aufgeführt hat, so kann er nach Verlauf von drei Vierteln der ursprünglich festgesetzten Strafhaft unter dem Vorbehalte ans derselben entlassen werden, daß er bei rückfälliger Aufführung auch den Rest der Strafe absitzen nmß. Nach diesem in Preußen geltenden Grundsätze sind bereits wiederholt W c ch s c l f ä l s ch e r, Diebe, betriigerischeBankrottenre, wegen fahrlässigen Mords, wegen Unterschlagung, wegen raffinirten Betruges Ver- nrthciltc bereitwilligst„vorläufig" auf freien Fuß gesetzt worden, nnd selbst bei keineswegs musterhafter Führung ist oft aus dem Provisorium ein Dcfinitivnm geworden. Zm Hinblick auf diesen Uinstand haben die Eltern unseres vor drei Jahren als Opfer eines schmachvollen Justizmordes zu drei »ud einem halben Jahr Gcfängnist verurtheilten Genossen Aug. .« ü ck e l h a h n vor etlicher Zeit ein Gesuch um vorläufige Entlassung ihres im Gliickstadter Gcfängniß internirten Sohnes eingereicht. Gegen Kiickclhahn's Aufführung im Gefängniß lag auch nicht der geringste Tadel vor, trotzdem erkannte der preußische Justizimmster, dem das Gesuch in letzter Instanz zur Entscheidung unterbreitet worden, daß Üiickclhahn bis zum letzten Tag der erkannten Strafzeit in Haft bleiben muß. Auch nicht eine Sekunde könne dcni gefährlichen Jndividunm gc- schenkt werden, das— und darin bestand sein„Verbrechen"— sich der Beihilfe der Verbreitung des„Sozialdemokrat" schuldig gemacht. Die hochbctagten Eltern sollen, als sie den Bescheid erhielten, vor Ver- zwciflnng schier außer sich gewesen sein. Wir können die armen Leute nur von Herzen bedanern. Ueberrascht aber hat uns der Entscheid nicht. Tie Vergünstigung gilt eben mir für g c m eine Verbrecher. Sie hat aber keine Giltigkeit für die Opfer gemeiner Richter, gemeiner Justiz. — Geschieht ihnen nur recht. Der deutsch-freisinnige„Reichs- freund" schreibt:„Jede Schuld rächt sich auf Erden. Dies alte Wort findet wiederum eine Bestätigung bei dem am 19. d. M. vorgebrachten .Hingen des Abgeordneten von Czarlinski. Es handelte sich um das Verbot der 5k o l p o r t a g e von neun polnischen Gebet- b ii ch c r n, das der Regierungspräsident von Massenbach auf Grund des 5G Nr. 10 der Reichs-Gewerbcordnung vom l. Juli 1883 ver- fügt hatte. Tiefe Gcivcrbcordiinng aber ist mit Hilfe der p o l n i- scheu Abgeordneten z n Stande gekommen nnd haben solche auch ganz besonders dem 8 5t! Str. 10 zugestimmt. Sic ernten jetzt, was sie gcsäct. Hoffentlich dient dieser Fall den Herren für die Zukunft zur Warnung, nicht solche kautschukartigen Maßregeln_ einer Bureaukratie anzuvertrauen, die nach den im letzten Jahrzehnt bei uns maßgeblichen(Grundsätzen herangebildet ist. Jedenfalls können sich die Betroffenen hinterher über die Auslegung solcher Paragraphen nicht ohne Reue über ihre Haltung in der Gesetzgebung beschweren." Ehedem waren die Abgeordneten der Polen im Parlament gut dcmo- kratisch, wie es sich für Volksvertreter einer unterdrückten Station gc- ziemt. Allmälig aber, und namentlich seit dem„Hultnrlampf", haben die polnischen Großgrundbesitzer die Mandate zum Landtag nnd Reichstag an sich gerissen und seit einer Reihe von Jahren weit mehr dazu benutzt, ihre Klasseninteressen als selbst ihre nationalen Interessen zu fördern— die Interessen der Freiheit und des Rechts aber schmählich verrathen. Handelte es sich um die letzteren, so waren die Herren gewöhnlich nicht im Hause, vollzählig aber stets anwesend, wenn es sich um Interessen des Landjunkerthums handelte. So ge- schiebt ihnen also nur ihr Recht, wenn sie jetzt mit demselben Messer geschnitten werden, das sie selbst zu schmieden geholfen. — Auf Grund seiner absolut unpolitischen Thätigkcit im Interesse seiner Fachgenossen ist der Eisendreher Te ub e r t aus dem BelagerungSgebiet von Leipzig u ud Umgebung ausgewiesen worden. Er war von den Metallarbeitern Leipzigs zum V e r- trauensmann für ihre fachlichen Interessen gewählt worden nnd hatte dafür gearbeitet, daß die Leipziger Kollegen wieder einen Fachverein haben sollten. Dies die Ursache seiner Ausweisung. In Preuße n hat man in letzter Zeit auf das Ausweisen verzichtet, weil mau die Rachthcile dieser zweischneidigen Waffe zu intensiv empfunden hat und bessere Waffen zu haben glaubt, dem Ausbeuterthum seine Bundcsgenossenschaft ivider die Arbeiter zu bekunden. In Sachsen aber traut man sich in dieser Hinsicht weniger zu, und darum muß der schändlichste Paragraph des Schandgesetzes immer wieder an die Reihe. Nun, wie es den Herren beliebt. So geräth doch nicht in Vergessenheit, daß dasselbe nichts ist und nie etwas Anderes>var als ein G c s e tz z u r Unterdrückung der Arbeiter in ihrem 5k ampf wider das Kapital. — Der Vorstand der sozialdemotratischen Fraktion des dcut- scheu Reichstags versendet nachfolgendes Zirkular: „Wir theilcn unseren Parteigenossen hierdurch mit, daß für den Unter- stützungsfond fiir die Familien ausgewiesener und politisch gcmaßregeltcr Parteigenossen von Ende Septeniber bis Ende Dezember folgende Bei- träge eingegangen sind: Herr Fischer in St. M. 200.—, aus Mcrseburg- Qncrfnrt-Schkeuditz M. 40.—, Magdeburg-Buckau M. 100.—, Frank- furt a. M. M. 5.—, Görlitz durch 5t. M. 28.50, Hohenstein-Ernstthal M. 10.—, Jena M. 100.—, Quedlinburg M. 9.10, K. Wiesbaden M. 6.25, Frankenhausen M. 14.—, Langenbielan M. 85.—, Eonrads- thal M. 3.—, P. S. Berlin M. 250.—, Lambrecht M. 1.50, B. Brom- berg M. 2.—, Brandenburg M. 25.—, Liegnitz M. 30.—, Potsdam M. 16.—, Brandenburg M. 25.—, Lambrecht M. 3.—, Brandenburg M. 25.—, Buckau-Magdeburg M. 27.50. Wahl- und Diäten-Fond: Ungenannt M. 960.25, Zeitz M. 30.—, Jena M. 200—, Rother Bär M. 450.—, Quedlinburg M. 20.—. Slürnberg M. 150.—, Hannover M. 200.—, Lübeck M. 100.—, Herr Fischer in St. M. 100.—, Freidenker Berlin M. 3.—, O. H. Unter- weißig M. 3.—, Paderborn M.—.50, B. Berlin M. 150—, H H. Eottbns M 20-, Berlin M. 3.—, Sphinx M. 2000.—, Herr Fffcher in St. M. 100.—, ans U. M. 200.-, Osnabrück M. 50.—. A. Bebel, E. Grillenbcrger, W. Liebknecht, H. Meister, P. Singer. Für die Familien unserer Verstorbenen gingen bis Emde Dezember ein: aus Dresden M. 100.-. B. Pl.-Dr.M. 10.-, Zwickau M 50.-. Hannover M. 50.-. Lübeck M. SO.- Forst>. L- M. 160.-. K. und € Stuttgart M. 100.—, K. 27. 11. 88. Berlin M. 100.— ,L. Sch. Frankfurt a. M. Vi. 30.—. Nürnberg M. 75.50 Potsdam M. 30.—. Augsburg M. 20.—. L. Luxemburg M. 250.—. Hamburg M. 1500.—, Rostock M. 25.-. S. Frankfurt a. M. M IOO.-, Halle a.�S. M. 50.-, Reichenbach i. V., M. 50.—, Chemnitz M. loO—, P. S. M. 30—, Dresden-Neustadt M. 50.—, Bielefeld M. 43.20, Hohenstein M. 10.—, Pforzheini M. 31.20, ltaufbeuern M. 4.—, Ober-Weimar M. 10.—, Eoblenz M. 10.—, Cassel M. 50.—, Spremberg M. 50.—, Wilhelmshaven M. 50.—, Niinden M. 16.—, Osterode M. 10.50, Hof M. 15.—> Wcrdau M. 15.—, Neustadt a. H. M. 14.—, Halberstadt M. 42.—, Äterscbnrg M. 9.40, Königsberg M. 50.—. Hasenclever-Foud: Die rothen Gürtler B. M. 10.—, Eöln 2. Rate M. 180.—, Hof M. 16.50, Offcnburgcr Stachrichten M. 15.24. A. Bebel, C. Grillenberger, W. Liebknecht, H. Meister, P. Singer. Korrespondenzen. Sechster sädffischer Rcichstagswahlkreis(Dresden-Land). (Schluß. s Auch in anderen Orten unseres Wahlkreises passircn rechr heitere Dinge. Am 9. September wurden die Genossen St rießen's von einer gründlichen Hansfuchnng überrascht. Eine Polizeimacht von 16 Mann in 4 Kolonnen war aufgeboten worden, nnd wer nicht wußte, um was es sich handelte, mußte glauben, daß ein fürchterliches Verbrechen begangen und eine ganze Bande der greulichsten Verbrecher aufzuheben sei. Die Veranlassung zu dieser staatsretterischen Aktion war ein Ausflug einiger Stricßener Genossen am St. Scdanstag nach Wesenstei» um Lassalles Todestag zu seiern. Auf deni Stückwege kehrte man im Gast- Hof zn Mügeln ein, wo verschiedene Arbeiterlieder gesungen wurden. Einein mordspatrsotischen Buchhalter einer dortigen Fabrik niochte dies als eine Entweihung des heiligen Sedantagcs erscheinen, denn das Herrchen hatte nichts Eiligeres zu thun, als seine Qualifikation zum Denunziattonslumpcn dadurch zu beweisen, daß er eiligst auf dem Ge- ineindcanite das Absingen der Arbeiterlieder ineldete. Unterdessen hatte sich die freche Sängerschaar in ein anderes Lokal begeben, woselbst sie von dem abgeschickten Gensdarmeriebrigadier nnd dem Nachtwächter beim Tanze betroffen wurde. Hier soll nun das fluchwürdige Verbrechen begangen worden sein, dem Nachtwächter die Taschen seines Maiitds mit Exemplaren des„Sozialdemokrat" vollgestopft zu haben. Als die Unthat entdeckt wurde, waren die bösen Urheber längst über alle Berge. So groß aber auch die aufgebotene Polizeimacht war, die Hansfuchnng war im Großen und Ganzen erfolglos, gesunden wurden nur einige Nunimern des„Sozialdemokrat" aus dem Jahre 1P83. Bei dieser Haussuchrng that sich der Ortsbiittcl durch brutales Auftreten ganz besonders hervor. Zur Feier des zehnjährigen Bestehens des Schandgesetzes ivolllen die Genossen Strießcn's eine röche Fahne mit entsprechender Inschrift auf- hissen, wurden aber dabei gestört und warfen die Fahne über einen Gartenzaun, um sie später wieder zn holen. Zufällig war es der Restaiirationsgarteii„Zur Post", in welchem zur selben Zeit gerade ein „seliges" Schnciderlein seinen Rausch ausschlief nnd neben ihm kam min die rothe Fahne zu liegen. Der Mann mit der Fahne wurde gefunden und eine Anklage wegen VerÜbung groben Unfugs und Hausfriedens- brnch war die Folge. Die Verurthcilung lautete auf 3 Wochen Frei- heitsstrafc. In der Berufungsinstanz gelang es, den hohen Gerichtshof zn überzeugen, daß ein schlafender Mensch keine rothe Fahne aufhissen könne, lind so erfolgte fiir den ersten Punkt der' Anklage Freisprechung. In Bezug auf die kürzlich stattgehabte Gemcinderathswahl ist aus denselben Gründen wie in Löbtau auch der Ausfall ein ähn- sicher. Dem Flugblattverleger zur Gemcinderathswahl brachte dieselbe jedoch einen Bcamten-BeleidignngSprozcß seitens des GcmeindevorstandS Elans, obgleich derselbe mit keiner Silbe benannt war. Sollte diese allzu große Empfindlichkeit nicht auf so etwas wie böses Gewissen deuten? Recht gemüthlich geht es auch in dem von Berg- und Fabrikarbeitern aller Branchen dicht bevölkerten Plaue tischen Grund zu. Trotz- dem sämmtlichc Wirthe und Saalbesitzcr auf die Arbeitergroschen angc- tvieseu sind, ist es den Arbeitern doch nicht möglich, zur Abhaltung eines Festes, viel»veniger denn zu einer Versammlung, ein Lokal zu erhalten. Ans Furcht vor' der Polizei verzichten diese Helden lieber auf den Profit. Selbst die Freien Hilfskassen gelte» hier als staatsgefährlich. (Gelingt es einmal, einen Wirth zur Hergabe seines Lokals zu destiminen, so koinnit der Herr Gensdarm, genannt das Bierfaß mit der Pickelhaube, nnd eine Absage des Lokals ist dann die regelmäßige Folge. Militär- und Kriegervereins-Feste, von der Bourgeoisie veranstaltete mords- patriotische Festlichkeiten, auf denen genanntes Biersäßchen sich gratis gütlich thun kann, solche blühen und gedeihen, und haben von Lokal- abtreibung nichts zu spüren. Vor einiger Zeit wollte unser Pfaffe religiöse Vorträge mit freier Diskussion arrangiren, um die verirrten Schaafe»vieder zu sammeln. Mangels jeder anderen Gelegenheit zum öffentlichen Auftreten»vollten »vir diese Vorträge nicht unbenutzt vorüber gehen lassen. Man merkte Wind und der Plan»vard aufgegeben, die verirrten Schäflein laufen nach wie vor ungcrcttct in der Irre umher. In der nahen Bezirksaustalt S a a l h a u s e n,»vo alte und verarmte Proletarier zur Besserung untergebracht werden, ist ei» Inspektor, ein Muster von Brutalität: derselbe soll den dort untergebrachten Franz Kunitz derart mißhandelt haben, daß er an Verletzungen der Hirnschale und des Rückgrates starb. Die Heimbürgin brachte Licht in die Sache, der Herr aber blieb bis dato unbehelligt iin Amte. Ein anderer Arbeiter mußte in einfachen Drillhosen Schnee aufwerfen, erftor beide Beine und starb ebenfalls. Geiviß eine nette Aussicht für den alternden Arbeiter, in solcher Weise„altersversorgt" zu»verde». Im Allgemeinen beivciscn die Wahlen zu den Gemcinderathskörpern ein Erwache n und eine rege Thcilnahmc der Bevölkeruug an den» öffentlichen Leben und find somit als ein gutes Omen für die bevor- stehenden Reichstaasmahlei» zu begrüßen. Fast in allen Genicinde»», wo die Arbeiterpartei in dcn Kampf eintrat, wurden Erfolge errungen. Selbst in den Klassen der Ansässigen,»vclche die Reaktion bisher als ihre un- bestrittene Toinaine betrachtete, erzielte sie einzelne Siege, oder doch wenigstens bcachtcnslverthe Minoritäten. Die Zölle auf laiidwirth- schaftliche Produkte scheinen hier gerade das Gegcntheil der beabsichtigten Wirkung zu zeitigen. Das Jammern der Gegner belvcist, daß sie den Boden unter dcn Füßen schlvankcn fühlen. Man scheint sich nachgerade beimißt zu werden, daß es nur noch eine Galgenfrist ist und Herr Geh. Hofrath mit der weißen Weste in unserem Wahlkreis seine Rolle aus- gespielt hat. Bis aber die Sozialdemokratie seine Erbschaft voll und ganz angetreten hat, werden wir unermüdlich»veiter arbeite». Die rothe Rotte des 6. Wahlkreises. Einige vom dritten Dutzend» (Anschluß zu Nr. 47 des„Sozialdemokrat" 1888. Wir haben'unseren„ G entl c m en" einigc Muße gelassen, sich nach ehrlicher Arbeit umzusehen nnd wollen auch beute nilt clnigen kleineren„Sündern" nicht einläßlich in'S Gericht gehen. OrdnungS- halber dürfen ihre Name n indeß nicht in der„S ch w a r z e n L l>t c" fehlen. Wir veröffentlichen sie deshalb, ausdrücklich bemerkend, daß die- selben bereits Anfangs Dezember 1888 spruchreif waren. Da ist zunächst ein Kolporteur Thomas, welcher Berlin und II m g e g e n d als V e r t r a» e n s m a n u d e r Polizei unsicher macht..... Im Kreise seiner Gönner soll man seine Lelstungeii mcht auf gleicher Höbe niit dem guten Willen finden. Achnlich steht es mit Fritz Fe chncr, Maurer(Schieferdecker), Admiralstraße Nr.?—, der als Vertrauensmann der Polizei von geringer Bedeutung, beini Glase aber ein gc- sprächiger Gesellschafter ist. Wenn wir ihn recht verstanden, war semc HanSnummer Nr. 25. Die Ihnen Anfangs Januar ab B a s e l signalifirten drei Berliner Beamten, haben daselbst Nichts ausgerichtet. Wie wir(am 24./1.) meldeten, baden wir denielben das Geleite nach Berlin gegeben, wo am 26./1. glücklich gelandet wurde. Ter Geheim- Polizist Bernhardt au? Berlin hatte zur selben Zeit in Elber» f e l d- B a r m e n dcn Vertrieb deS„Sozialdemokrat":c. auSzuspioniren. Als Händler mit Kurz- und Galantcriewaareu sollte er sich unter unsere Leute einschleichen und hinhorchen. Bernhardt hat dunkles Haar, ansrasirteS Kim und spricht Tbüringcr Dialekt. Er vermochte daselbst Nichts auszurichten und ist unverrichteter Sache zurückgekehrt. Dieselbe Aufgabe wurde auch einigen Berliner Geheimpolizisten für Hamburg zuTheil, wo wir sie in der letzten Januarwoche noch ohne Erfolge sahen. In Berlin, Feniisttaße 17, befindet sich ein Kellerschanklokal von Gacd«. Dort verkehren Arbeiter und wird über deren Unterhaltungen und gelegentliche Vornahmen vom Schenktische aus durch den „ll n t e r r o ck" das Jntercssailtcstc polizeikundig gemacht. Sehr sachkundig berichtet ferner an die Polizei der Schriftsetzer Robert T n l g a, ivohnhaft Molkenstr. 4/5 in Berlin. Derselbe arbeitet Posistr. IS bei G c l h a a r, ist Mitglied der Ortskrankenkasse der Berliner Buchdrucker (Nichtvcrbandsmitglied), und widmet Genossen, die in der Bewegung her- vorragend thätig sind, ganz besondere Anfincrksamkeit. Zur Zeit unserer Bcobachtnng trug Sulga blonden Bollbart, den er nach anderwcttigm Berichten zeitweilig ablegen soll, Kopfhaar dmikelblond, mittlere Figur, Alter ca. 30 Jahre. Gilt unter seinen Intimen für besonders gründlich. Als sehr thätigcr Spitzel arbeitet auch der Cigarrcuarbeitcr K. I. Eltze