ZbsMeme«ts �09% /�V+ J A � Krscheint •ttkw W« v«rl«, un> dch-il£ W R ZL.■■■ w»»««»»««««n«»r Mawmotot � Iwfl. 2.75 für Oeflcrrkich stirelt W"▼""▼■ German CooporatiTePublishingC«. Chill. 2.— f»r alle Übrigen Linder jr E. Bernstein � Gib, London N.W. de« weltpostv-nin«(Rteujboni), Qm 114 Konli.h Town Road. .Ä�rssa Argan der Sozialdemokratie deutscher Zunge. JSpL 14;» Brief« an dl« ItedaMon und Crptdilion de» in Deutschland und Oesterreich verbotenen.So,l«ld,moIea>'«olle man unter Beodnchtung düsterster Vorsicht„ abgehen lassen. In der Regel schicke man un» bl- Briefe nicht direlt, sondern an die b-lannten Deckadressen. Zu ,w«ifelhaftin Fällen«ingeschrteben."PW» 1889. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemahregelten nicht! Zur Beachtung bei Posteinzahlungen. Für Postcinzahlungcn ist nur zu ndressiren: (f. Bcrllstcin St(Sie., 114 Kentish Town Road, direkt zahlbar bei der Kentish Town Road Post-Office, London N, W, Bei A b s c n d u n g ist uns der A b s e n d e r n a m e und Ort sofort direkt brieflich anzumelden und Alles direlt zahlbar zu machen b e i der Kentish-Town-Road Post-Office. Die Absender nachbcnannter Posteinzahlungen aus Deutsch- l a u d, ivelche obigen Vorschriften nicht nachgekommen sind, weshalb wir auch bis heute diese Gelder nicht ausbezahlt erhielten, werden wiederholt aufgefordert, ungesäumt ihre Namen hierher zu melden, da Gutschrift der gesandten Beträge sonst nicht bewirkt wer- den kann. Es sind dies: zirka N!k. 10— hier eingegangen am 14. Nooenibcr 1888 „, 17 60,.„ 21.. 1888 „„ 20—„„„ 29. Dezember 1888 n» 10—»„. 17- Februar 1889 .» 8 SO„,„21. März 1889 P o st s ch e i n e sind als Ausweis beizulegen. Scudungeu durch Tcckadressaten erfolgen in bisheriger Weise. Tic Expedition des„Sozialdemokrat". Aus Deutschland. Als Kanzler Ochfenftirn sein berühmtes Wold aussprach: „Es ist wunderbar, mit wie wenig Verstand die Welt regiert wird", wollte er nicht, wie das profane Volk glaubt, die Gewalthaber verspotten— ganz im Gegentheil: er wollte ihnen ein Kompliment machen und die ungeheueren Vorzüge des monarchisch- absolutistischen Regierungssystems, dessen Vertreter und Stütze er ja war, gegenüber den d em o- k r a t i s ch e n Staatswesen zur Geltung bringen. Was er sagen wollte, das ist, daß die in Demokratien so außer- ordentlich schwierige Kunst des Regierens in der Monarchie kinderleicht— mehr als kinderleicht: narren leicht ist. Während die demokratische Regierungsform jeden Staatsbürger zur geistigen Arbeit zwingt und die an der Spitze des Staats- wesenö und der einzelnen Theile desselben stehenden Staats- bürger sogar insofern zu einer bedeutenden geistigen An- strengung nöthigt, als sie auf die Wünsche und Forderungen sämmtlicher Staatsangehörigen Rücksicht nehmen und aus den in diesen Wünschen und Forderungen sich ausdrückenden Kräf- ten das Parallelogramm der Kräfte berechnen müssen, was, wie jeder Mathematiker weiß, bei so schwer be- rechenbaren Faktoren eine verteufelt schwierige Sache ist,— bedarf es in einem wohleingerichteten monarchischen Staat gar keiner geistigen Anstrengung und Arbeit. Während die demokratische Regierung, weil jedes Individuum bei ihr in Betracht kommt, einer sehr komplizirten Maschine gleicht, die zu lenken und in Ordnung zu halten viel Kunst und Geschicklichkeit erheischt, ist die Monarchie so einfach und fadengerade wie ein Knüppel oder ein Stock— weshalb auch der Knüppel, die primitivste und urwüch- sigste aller Maschinen, unter dem griechischen Namen skeptron, Szepter, das würdige Emblem der Monarchie geworden ist. Jedes Kind, jeder Narr, jeder Idiot kann einen Stock schwingen, mit einem Knüppel oder„Szepter" herumfuchteln und herumschlagen. Und wahrhaftig, der Kanzler Ochsenstirn hat Recht gehabt in seinem— von beschränkten Geistern so arg verkannten— Lobe der Monarchie. Je mehr die Monarchie sich ausgebildet, zu je größerer Vollkommenheit sie es gebracht hat, desto einfacher, fadengerader ist die Maschine geworden, eines desto geringeren Aufwandes von Verstand bedarf es, um die Völker zu beglücken und den Knüppel, genannt Szepter, auf ihrem vor Wonne sich krümmenden Rücken herumtanzen zu lassen. Wenn Kanzler Ochsenstirn sich heute aus dem Grabe er- heben und die im Glänze der Zivilisation und Kriegswaffen prangende Erde besuchen könnte, er würde seinem Nachfolger, dem Kanzler Eisenstirn, entzückt um den Hals fallen und ihm bewundernd zurufen: He Brüderchen! Das hätte ich allerdings nicht geahnt; ich dachte, schon zu meiner Zeit sei das Quantum von Verstand, welches zum Negieren der mo- narchischen Staaten nöthig ist, auf das denkbar niederste Mi- mumm zurückgeführt worden, allein ich sehe jetzt, wie sehr ich mich geirrt und welcher Verschwendung wir uns zu meiner Zeit in Bezug auf den Verbrauch von geistiger Kraft schuldig gemacht haben. Was für elende Stümper sind wir doch gewesen, und welch ungeheure Fortschritte hat doch der Monarchismus in puncto des Min de st Verbrauchs von geistiger Kraft gemacht— und ganz wesentlich Dir und Deiner Genialität ist dieser riesige Fortschritt zu danken. Zu meiner Zeit mußte ein Reichskanzler noch lernen, ge- lehrte Bücher studiren, sogar schreiben, wie ich und meine jüngeren Kollegen Thomas Morus und Baco von V e r u l a m— und auch das Haupt der herrschenden Dy- nastie mußte sich Schulkenntnisse erwerben, wieeinPle- bejer, und wie der gemeinste Plebejer auch mitunter gemeine Hirn arbeit verrichten— das ist aber zum Glück abge- schafft worden. Jetzt ist man der größte Staatsmann der Welt, ohne sich den Schädel auch nur mit den Anfangs- gründen der Wissenschaft und namentlich der bösen National- ökouomie belasten zu müssen, die zu meiner Zeit glücklicher- weise noch fast unbekannt war— man barbirt ein paar an- dere Staatsmänner über den Löffel, wozu der Verstand des ersten besten Hochstaplers ausreicht, läßt ein paar mal hun- derttausend Menschen todt oder zu Krüppeln schießen, wozu der Verstand eines Fleischergesellen ausreicht,— läßt sich von ein paar tausend Zeitungen für das Geld des Volkes als den größten aller Staatsmänner preisen, läßt Jeden einsperren, der den Zeitungen nicht glaubt und an der Glück- seligkeit des Volkes zweifelt— und man ist der größte aller Staatsmänner. Und der Aufwand von Geistesarbeit? Rein null! Die Bewohner der Gefängnisse stehen, wie Euere neueste Wissenschaft festgestellt hat, weit unter dem geistigen Durchschnitts-Niveau— doch ich wette, aus den Gefängnissen könnten wir einige hundert Leute herausholen, welche den zu diesen Leistungen erforderlichen Aufwand geistiger Arbeit be- streiten könnten. Wahrhaftig, Du bist ein großer Mann, ein säkulares Genie! Und staunend blicke ich zu Dir empor! Aber fast noch mehr staune ich über die Vervollkonimnung der Monarchie in der Qualität ihrer dynastischen Häupter. Ihr habt da meine kühnsten Hoffnungen übertroffen. So wenig Verstand ich zu un ner Zeit für die Regierung der monarchischen Staaten nothwendig hielt— das konnte ich nie ahnen, daß ein König 17 Jahre lang wahnsinnig sein könne, ohne daß er am Negieren verhindert ward, und daß Einer ein großer Kaiser sein kann, ohne zu wissen, daß seit den Zeiten des dreißigjährigen Kriegs eine indu- strielle Revolution sich vollzogen hat, und daß das kleine Handwerk, das zu meinen Zeiten schon todtkrank war, heute ebensowenig mehr aufblühen kann, wie das Ritterthum des Mittelalters. Freilich— der Vergleich hinkt etwas, das Ritterthum in der Gestalt des Raubritterthums blüht heute— und auch das ist Dein Verdienst, Du großer, großer Kanzler Eisenstirn! Es muß sich aber in andere Formen hüllen, sich modernisiren. Ich will nicht behaupten, daß es mir gefällt— dieses Raubritterthum. Wie dem indeß sei. Du bist der größte Staatsmann der Welt— denn Du hast den Beweis geliefert, daß ich noch ein Optimist, ein unpraktischer Idealist war, als ich mein so schmählich mißverstandenes Wort sprach und damit dem Jrrthum Ausdruck gab, zur Regierung der monarchischen Staaten bedürfe es überhaupt des Ver- standes. Das ist ein überwundener Standpunkt.--- Nun— der Ochsenstirn ist todt, und der Eisenstirn lebt. Und sein Herbert lebt. Nur der Tyras ist todt. Der arme Tyras! Hätte er länger gelebt, vielleicht wäre er noch Reichs- kanzler geworden. Und verschlechtert hätten wir uns gewiß nicht.— Apropos, die großen Geister finden sich zu Wasser und zu Land. Wie sagte doch Cavour? „Jeder Esel kann mit dem Belagerungszustand regieren", — dieses Wort ist eine Ergänzung des Ochsenstirn'schen. Ob unsere Nationalliberalen nicht bald auf den Gedanken ver- fallen werden, das Beispiel des römischen Kaisers nachzu- ahmen, der ein Pferd zum Senator ernannte? Nur sollte man es nach dem Cavour'schen Rezept mit einem Esel ver- suchen. Und da wir keinen Senat haben, so müßte man den Esel an den von Cavour ihm angewiesenen Posten stellen. Das deutsche Volk würde sicherlich keinen Grund zur Unzu- friedenheit haben. Noch Eins, ehe ich zu etwas Anderem komme. Der Szepter, das Emblem der Monarchie, bedeutet Knüppel oder Stock, wie wir eben gesehen. Auf lateinisch heißt aber das griechische skeptron und der deutsche National-Knüppel ba- culus, in der Verkleinerung— und die modernen Szepter sind bekanntlich kleine Knüppel— ba eil Jus. So hätte ich denn mit Erlaubniß des Herrn Koch einen neuen Ba- cillus entdeckt, der sich dem Cholerabacillus würdig an- reiht— nämlich den bacillus rnonarchicus— den königlich kaiserlichen Monarchie-Bacillus!-- 128 Angeklagte, 430 Zeugen und 109 gedruckte Folio- Seiten der Anklageschrift— das ist der monströseste Monstre- Prozeß— natürlich spreche ich vom„rheinischen G e- Heimbundsprozeß", der ganz Deutschland umspanut und die Größe und den Gehalt eines Nebelgebilds hat, was er auch ist.— Ganz irrig ist die Annahme, die von Bismarck eingebrachte und zunächst dem Bundesrath vorge- legte Preßknebelakte sei blos eingebracht worden, um das Sozialistengesetz glatt durchzudrücken. Das Sozialistengesetz genügt den„Eseln"(nach Cavour), die nur mit dem Belagerungszustand regieren können, nicht mehr. Sie wollen die gesammte Opposition erdrosseln. Und das geht nicht mit Hülfe eines Ausnahmegesetzes, welches sich obendrein den Sozialdemokraten gegenüber ganz wirkungslos erwiesen hat. Der bürgerlichen Opposition hofft man auf dem Weg des gemeinen Rechts leichter Herr werden zu können, und bei der Waschlappigkeit des deutschen Bürgerthums dürste diese Rechnung auch nicht ohne den Wirth gemacht sein. Jedenfalls ist es der Regierung mit der Preßknebelakte durchaus ernst, und am Kartellreichstag wird dieselbe nicht scheitem. Der internationale Arbeiterkongreß von 1889. Eine Antwort an die„Justice". (Schluß.) Die Beschlüsse eines solchen Kongresses können selbst fnr die, die auf ihm vertreten waren, kaum als bindend betrachtet werden, und seine eigentlichen Einberufer, das Parlamentarische Komite, lehnen sie auch ab, indem sie sich weigern, für irgend einen derselben die Hand zu rühren.("Bericht des P. K., November 1888, S. 2.) Daß sie für diejenigen bindend sein sollten, die nicht nur nicht auf ihm vertrete» waren, sondern mit Vorbedacht ansgeschlossen worden sind und gegen ihn protestirt hatten, ist einfach albern. Unbekümmert darum beschloß der Kongreß, daß im Jahre 1889 in Paris ein Jutcrnationaler Kongreß stattfinden solle und beauftragte die Pariser Possibilisten mit seiner Organisation. Während der Londoner Kongreß tagte, bieltcu die mit den sogenannten Marxisten Frankreichs verbundenen französischen Geiverkvercine in Bor- deaux ihren Kongreß ab und beschlossen ebenfalls, daß ein Jntcrnatio- naler Arbeiterkongreß 1889 in Paris stattfinden solle. Ein Delegirter von Bordeaux tvard zum Londoner Kongreß entsandt, kam aber dort erst an, um seinem Schluß beizuwohnen. Weiter. Die Französischen Possibilisten hatten ihren eigenen natio- nalcn Arbeiterkonglcß auf den Dezember vorigen Jahres nach Trohes einberufen. Aber das Organisationskomitc in Trohes— ihre eigenen Leute— hielten es für ihre Pflicht, zu einem solchen Kongreß Tele- girte aller sozialistischen und Arbeitervereine Frankreichs einzuladen. Daraufhin ließen die Possibilisten ihren Kongreß im Stich, der in ihrer Abwesenheit von den sogenannten Marxisten und Blanqnistcn abgehalten wurde, welche die in Bordeaux gefaßte Resolution in Bezug ans einen 1889 in Paris abzuhaltende» Internationalen Kongreß bestätigten. Und das einfach aus Gründen der Nothwehr, denn sie wissen zu gut, daß indem der Londoner Kongreß den Possibilisten die Organisation des von ihm beschlossenen Pariser Kongresses übertrug, er thatsächlich, wenn auch unwissentlich, den Ausschluß aller französischen Arbeiter, die nicht unter dem Einfluß der Possibilisten stehen, vorbereitete. So hätten also zwei konkurrirende Kongresse 1889 in Paris zusammen- treten sollen. Und wenn die„Justice" auch ihre Leser in vollkoi» meiler llnkcnntniß der Thatsache gelassen, daß erhebliche Fraktionen französischer Arbeiter im Herbst 1888 in Bordeaux und Trohes zusammengetreten waren(in Bordeaux vertraten 63 Delegirte 250 lokale Gewerkschaften, n. A. von Marseille, Lille, Lyon, Ronbaix; in Trohes 36 Delegirte 327 verschiedene Organisationen, lokale Fach- und sozialistische Vereine) und einen Kongreß beschlossen haben, auf dem auch sie vertreten sein könnten, so kam diese Thatsache doch zu den Ohren der deutschen sozial- demokratischen Partei. Demgemäß hielten es die Deutschen für ihre Pflicht, ihr Möglichstes zu thnn, die Abhaltung von zwei konkurrirenden Kongressen, die in Gegnerschaft zu einander stehen und die beide ein Mißerfolg sein wurden, zu verhindern, und zu sehen, was gethan werden könne, diese zwei Rumpf-Kongresse zu einem wirklichen Kongreß zu ver- schmelzen. Zu diesem Behuf schlug die sozialistische Fraktion im deutschen Reichs- tag, die die Leitung der deutschen Partei bildet, eine Internationale Kon- ferenz vor, zu der sie beide Fraktionen der französischen Sozialisten,»nd diejenigen nicht- deutschen sozialistischen Organisationen einlud, mit denen sie in Verkehr und Korrespondenz steht. Diese Konferenz hat am 28. Februar in Haag(Holland) stattgefunden, und auch ich war dort— freilich nicht als Delegirter, sondern blos als Znschaner. Beide Parteien Frankreichs waren eingeladen, aber die Possibiltsten lehnten ein Erscheinen ab. Die Marxisten sandten Lafargue. Weiter waren dort: zwei Deutsche(Bebel und Liebknecht), zwei Holländer(Croll und Domelä NienwenHuis), zwei Belgier(Ansecle und Voldcrs), zwei Schweizer(Reichel und Scherrer). Drei Fragen galt es vor allen Dingen zu erledigen. Erstens die Schritte zur Erzielung eines einheitlichen Kongresses, zweitens die Aus- arbeitung von Zulaßbcdingnngen, welche es unmöglich machen, irgend eine Gruppe, die billigerweise Anspruch ans Znlaß hat, auszuschließen, und drittens die SichcrsteUung der Souveränität des Kongresses in seinen inneren Angelegenheiten. Denn die Possibilisten waren bereits in die Fußtapfen des Parlamentarischen Komite der Tradcs-IInions getreten und hatten im Voraus eine Geschäftsordnung ausgearbeitet, welche für den Kongreß bindende Kraft haben sollte. Nicht nur enthielt dieselbe bereits fix und fertig die Tagesordnung, sondern u. A. auch die Vorschrift, daß nicht der Kongreß in seiner Gesammtheit, sondern jede einzelne Nationalität die Mandate der ihr zugehörenden Delegirte» prüfen und über ihre Gültigkeit entscheiden solle. Beides, sowohl diese Tagesordnung, als speziell diese Art der Mandatsprüfnng. mag der Kongreß später annehmen oder nicht, aber jedenfalls muß sein Recht, sie anzunehmen oder zu verwerfen, außer Frage gestellt werden. lind dies um so mehr, als die von den Possibilisten vorgeschriebene Art der Mandatspriifnng es thatsächlich in ihre Hand legt, nur die von ihnen gewählten französischen Delegirte» zuzulassen. Man crinncrc sich nur, wie sehr nahe verschiedene englische sozialistische Delegirte zum londoner Kongreß daran waren, von einem Gcschäftsordiningskomite, in welchem die englischen Trades Unions blos die Mehrheit gegenüber den Ans- ländcrn hatten, aiisgeschlossen zu- werden. Und nicht nur haben die Possibilisten gerade in Paris ihren Hanptanhang, sondern sie bcabsichligen auch, von dem Pariser Genieinderath einen Beitrag von 50,000 Franken zu den Kosten des Kongresses zu erlangen, über welche Summe sie die Verfügung haben lvürden. So beschloß die Haager Konferenz denn einstimniig folgende Reso- lution; c) „3Jle UnttrzekchnitM laden die Fedcratlon der sozialistischen Arbeiter Frankreichs(dies der offizielle Name der Possibilistischen Partei) ein, unter Bezugnahme auf das ihr von dem Londoner Kongreß von 1888 übertragene Mandat, den Pariser Internationalen Kongreß gemeinsam mit den sozialistischen und Arbeiterorganisationen Frankreichs und der übrigen Länder, einzuberufen. Diese Einberufung, welche von allen Vertretern der Arbeiter- und sozialistischen Organisationen zu unterzeichnen, ist alsdann so schnell als möglich den Arbeitern und Sozialisten Enropa's und Amerika's mitzu- theilen. Die Einberusting soll erklären: 1. Daß der Pariser Internationale Kongreß vom 14. bis zum 21. Juli 1889 tagen wird. 2. Daß er allen Arbeitern und Sozialisten der verschiedenen Länder offen steht unter Zulaßbediugungcn, die den politischen Gesetzen, unter denen sie leben, angepaßt sind. 3. Daß der Kongreß in Bezug auf die Atandatsprüfung und die Festsetzung der Tagesordnung souverän ist. Die vorläufige Tagesordnung solle lauten wie folgt: a) Internationale Arbeitergcsetzgebuug; gesetzliche Rcgulirung des Arbeitstages(Tagesarbeit, Nachtarbeit, Ruhetage, die Arbeit er- wachsener Männer, der Frauen, der Kinder). lleberwachung der Fabriken und Werkstätten, wie der Hausindustrie. Mittel und Wege, diese Maßregeln zu erlangen." Zm Haag, den 28. Februar 1889. Die Delcgirten für Deutschland: A. Bebel, W. Liebknecht. „„„ die Schweiz: A. Reichel, H. Scherrer. „„„ Holland: F. D. Ricuwenhuis, L. Eroll. „„„ Belgien: Ed. Ansecle, I. Volkers. „„„ Frankreich: Paul Lafargue. So machte die Konferenz den Possibilisten jede denkbare Konzession. Unter Ausschluß ihrer französischen Rivalen wurde, in Uebereinstimnlung mit der Londoner Resolution, ihnen die Vorbereitung und Organisation des Kongresses überlassen. Alles was man von ihnen verlangte, war, daß sie eine gemeinsam verabredete Einladung erlassen sollten, die eben- falls von allen übrigen intcressirten Parteien zu unterzeichnen wäre und 1) das Datum des Kongresses, 2) die allgemeinen Zulaßbedingungen, und 3) die Souveränetät des Kongresses in Bezug auf seine Tages- und Geschäftsordnung feststellte. Indem sie alle Organisationen, die sie unterzeichnen, bindet, ist diese gemeinsame Einladnngssornl das beste, das einzige Mittel, den wahrhaft allgemeinen und internationalen Charakter des Kongresses zu sichern. Die vorgeschlagenen Zulaßbcding- ungen verhinderten eine Wiederholung der skandalösen Ausschließung von Dclcgirlcn aus Deutschland, Oesterreich und Rußland, infolge deren der Londoner Kongreß nur ein so unvollständiges Bild der proletarischen Bewegung unserer Zeit gab. Die Forderung, daß die Souveränität des Kongresses in Bezug auf seine inneren Angelegenheiten ausdrücklich gesichert werden solle, war eine Nothwcndigkeit geworden, nachdem das Parlamentarische Komite versucht haste, einen Präzedenzfall zu schaffen und die Possibilisten es ihm nachgemacht hatten. Sie verlangte nur, was sich von selbst verstand, und nahm den Possibilisten auch nicht das kleinste Titelchen von dem, was der Londoner Kongreß ihnen über- trage». Denn iveder wollte, noch konnte der Londoner Kongreß das Recht beanspruchen, irgend jemand in der Welt Vollmacht zum Erlaß von Satzungen zu geben, die für künftige Kongresse bindend wären. Daß die Resolution in Haag nicht im hochfahrenden Gegensatz zum Londoner Kongreß gefaßt worden, beweist die Thatsache, daß zwei der Delcgirten, die ihr zustimmten und sie unterzeichneten— A n s e e l e von Gent und Eroll vom Haag— 1888 in London nicht nur als Delcgirte anwesend waren, sondern auch als Tagcspräsideuten für das Ausland fungirt haben. Es geht ferner daraus hervor, daß sowohl die Deutschen, die in London ausgeschlossen, als diejenigen Frauzosen, die daselbst nicht vertreten waren, bereit waren, die Possibilisten im Besitze aller Lolluiachten zu lassen, die der Londoner Kongreß ihnen übertragen hatte und ihnen übertragen konnte. Was dieselben verlangen, ist einzig und allein, daß ihre eigene Zulassung unter gleichen Bedingungen ge- sichert werde, und daß der Pariser Kongreß, einmal beisammen, über seine Interna selbst endgültig beschließen solle. Und dafür, daß sie es gewagt, in so versöhnlichem Geiste vorzugehen, wird die Haager Kon- sercnz von der„Justice" ein„Caucus" genannt I Die Possibilisten haben die ihnen dargebotene Hand ausgeschlagen. Sie wollen den Vcrtreicrn der Sozialisten des Auslands gestatten, mit ihnen die Einladungszirkulare zu unterzeichnen, aber kein französischer Sozialist, der nicht in ihren Reihen steht, soll unterzeichnen dürfen. Sie bean- spruchen dergestalt, die einzige sozialistische Körperschaft in Frankreich zu sein, und verlangen, daß wir Ausländer sie als das anerkennen. Mehr »och, sie wollen nicht zugeben, daß der Kongreß als Körperschaft den Modus der Riaudatsprüsting selbst bestimmt— die von den Possibilisten im Voraus verkündeten Satzungen und Rcglemente sind da, und der Kongreß hat sie gehorsamst hinnnterznschlncken. Unter diesen Umständen ist es mit der Hoffnung, daß der im vorigen November in London beschlossene und den Possibilisten in die Hände gegebene Kongreß mehr als ein Scheinkongrcß sein wird, zu Ende. Es bleibt abzuwarten, was die im Haag vertretenen Gruppen nun ihrerseits unternehmen lveroen; jedenfalls sind dieselben entschlossen gemeinsam vorzugehen.— Vom„Sozialdemokrat" sagt die„Justice", er habe seit dem Londoner Kongreß„unablässig die Possibilisten bekrittelt und beschimpft", und sie appcllirt an alle unabhängige deutsche Sozialdemokraten,„sich mit uns zu einem ehrlichen Versuch zu vereinigen, dieser kleinlichen und bös- willigen Zänkerei und Drahtzieherei ein Ende zu machen." Die„Justice" hat Jahre hindurch in ihrer eigenencn Weise die Reden und Handlungen deutscher Sozialdemokraten kritisirt, aber der„Sozial- dcmokral" hat sich deshalb lvcder über„Krittelei und Schimpferei", noch über„kleinliche und böswillige Zänkerei und Drahtzieherei" beschwert. Wir Deutschen sind gewöhnt, eine unumwundene Kritik sowohl innerhalb unserer eigenen Partei als auch gegenüber den anderen Ratioualitäts- gruppen der proletarischen Bewegung zu üben. Wir wissen zu gut, daß es kein größeres Glück für unsere Feinde geben könne, als diese Bewegung in eine gegenseitige Belveihräuchcrungsgesellschaft oder eine gegenseitige Versicherungsgesellschast für Agitatoren verwandelt zu sehen. Wir sind daher nicht so zartbesaitet, die Attaken der„Justice" nicht ohne Zucken ertragen zu können. Ebensowenig aber sind wir nach England gekommen, um das Recht der Kritik aufzugeben, das wir eineni Bismarck gegen- über hochgehalten, und das durch ruhmvolle Revolutionen gesichert zu haben, mit Recht der Stolz des englischen Volkes ist. Wir werden uns daher die Freiheit nehmen, da, wo wir es für nothwcndig halten, über die„Zänkereien und Drahtziehereien" französischer und— jluvohl— auch englischer Sozialisten" unsere Meinung offen herauszusagen. Die Possibilisten haben seit einiger Zeit eine politische Haltung beob- achtet, die nichts weniger als die allseitige Zustimmung der Sozial- demotraien anderer Länder gefunden hat; aber ihre Haltung bei dem letzten Wahlkampf in Paris ist in der That gar nicht zu vcrtheidigen. Ilnter dem Vorwand, die Republik vor Boulanger zu retten, haben sie sich mit den korruptesten Elementen des Bourgeois-Ncpublikanismns verbündet, mit den Opportunisten, die zehn Jahre lang Frankreich aus- gesogen, um sich zu bereichern. Sie agitirten und stimmten für einen Regierungskandidatcn, einen kapitalistischen Spritfabrikanten,„einen schlechten Kandidaten, den französischen John Jameson"(„Justice" vom 19. Januar 1889), und als ein sozialistischer Arbeiter, Boule, der den neulichen großen Erdarbeiterstreik organisirt,— beiden, Bonlanger und Jacques, gegenübergestellt wurde, stimmten sie in den Bourgeoischorus ein:„Rur keine Spaltung innerhalb der großen republikanischen Partei!" — denselben Ruf, der in England mehr als einmal von der großen liberalen Partei gegen Kandidaten ausgestoßen wurde, die von der„Justice" auf- gestellt worden. Als ob man nicht Boulanger wirksamer bekämpfte, wenn man den Arbeitern Gelegenheit gibt, für einen eigenen Vertreter zn stimmen, statt sie vor die Alternative zu stellen, entweder für Bon- langer zu stimmen oder für einen Vertreter jener Kapitalisten, deren Gier, de» Retchthum Frankreichs in ihre Taschen zu praktiziren(wie dies von Herrn Hyndmann in der„Justice" vom 2. Februar 1889 sehr gut dargelegt worden), Boulanger erst zu dem gemacht, was er ist. Um der„Justice" ttzerechtigkcit widerfahren zu lassen: sie hat dieses Verhalten der Possibilisten nicht vertheidigt, noch ihr„etwas bedenk- liches Bündniß mit der Bourgeois-Partei"(„Justice" 28. Januar), aber sie hat ihren Lesern auch nicht gesagt, daß das Organ der Possibilisten, das„Parti Ouvrter", in seinem Eifer gegen die Boulangisten lärmend für Zwangsmaßregeln gegen diese„ungeheuerliche Preßsreiheit"*) und wider das Versammlungsrecht eingetreten ist.' Die„Justice" hat dies und den Kampf für den Arbeiterkandidaten, sowie die Thatsache, daß er trotz alledem 17, OVO Stimmen erhielt, ihren Lesern nach Kräften vor- enthalte». Und weil mir uns über dieses schimpfliche Verhalten der Possibilisten offen aussprachen, wird uns von einem Blatt Krittelei und Schimpferei, böswilliges Zanken und Drathzieherei vorgeworfen, das die Aufführung seiner eigenen possibilistischen Freunde selbst nicht zu vertheidigen wagt. Die Sache ist die, daß diePossibilisten in dicsemAugenblick im vollenSinn des Worts eine Regierungspartei— m i n i st e r i e l l e Sozialisten — sind und die Wohlthatcn einer solchen Stellung einheimsen. Während der Kongreß von Bordeaux von den Behörden verboten und von der Polizei auseinandergejagt und seine Abhaltung nur dadurch möglich wurde, daß er im Stadthaus einer Nachbargemeinde, deren Maire revo- lulionär gesinnt, Obdach fand, während der Kongreß von Dropes wiederholt von der Polizei überfallen wurde, um das Entfalten der rothcu Fahne zu verhindern— Tinge, die die Possibllfften in ihren Blättern weder tadelten, noch auch nur erwähnten—, sind diese„hoch respektablen" Sozialisten die Vertrauten der Charles Warren von Paris. Und sie haben denn auch nicht nur nicht protestirt, sondern dirett Beifall geklatscht, als die Pariser Behörden die von den unabhängigen Sozialisten und Fachvercinen eingeleitete Demonstration fiir den Achtstundenarbeits- tag verboten. So wird, wenn es dahin kommt, daß in diesem Jahr zwei Kongresse in Paris abgehalten werden, der Eine derselben nicht nur unter dem Schutz, sondern geradezu unter der Gönnerschaft der Polizei stehen. Er wird von der Regierung, von der Departemcntalbchörde, vom Gemeinde- rath von Paris gcliebkost werden, gefeiert und feierlich bewirthet werden. Er wird aller Begünstigungen theilhaftig werden, welche auf die offi- ziellen ausländischen Gäste der Bourgeois-Republik herabreguen. Der andere wird von der republikanischen Ehrbarkeft gemieden, von den Behörden streng übcnvacht werden und in der That froh sein können, wenn man es ihm überläßt, für sich selbst zu sorgen. Denn weml Engländer ihn besuchen sollten, kann es ihnen passiren, daß sie sich mitten in Paris plötzlich wieder ans Trafalgar Square befinden. Office des„Sozialdemokrat". 114 Kentish Town Road dl IV, E. Pcrnftcin. Die Vergötterung des Weibes. (Schluß.) Um zu zeigen, in welchem Grade Sentimentalität das Urtheil eines Mannes trüben kann, wenn er sich dem Franenkultus ergeben hat, müssen wir nochmals auf Bebel zurückkommen. Seite 12ä seines Buches spricht er von der Schwangerschaft und ihrer Tragweite in der Franeufrage. Er geräth in einen heiligen Eifer über die Männer, welche etwas Un- ästhetisches in einer schwangeren Frau erblicken; nennt Jeden, der eine schwangere Frau auf der Rednertribüne komisch findet, einen„elenden Wicht" und verhöhnt die Männer, die das Unglück haben, sich einer „körperlichen Ueberfüllc" zu erfreuen. Bebel sollte doch wissen, daß, wenn etwas dem Auge komisch erscheint, es ungerecht ist, diejenigen zu tadeln, die das Ding beim rechten Rainen nennen. Warum hadert er nichl lieber mit dem„Schöpfer", der nun einmal die Frau so erschaffen, daß sie im schwangeren Zustand ein groteskes Aussehen hat? Wirkliche Sophisterei ist es aber, wenn Bebel einige Zeilen weiter in einer Art verzweifelter Begeisterung zu behaupten wagt(und noch dazu in einem Militärstaat wie Teutschland mit seineu österreichische» und französischen Fcldzügcn), daß die Opfer, welche die Frauen der Gesell- schast bringen, ebenso groß oder größer sind als die der Mniucr. Er sagt wörtlich:„Die Zahl der Frauen, die an Geburten sterben oder in Folge davon siechen, ist wahrscheinlich größer, als die Zahl der Männer, die auf dem Schlachffeldc fallen oder verwundet werden." Nicht ein Schatten von Beweis wird für diese erstaunliche Behaup- tung beigebracht; eine Behanptmig, dl! so offenbar als geistige Ver- irrung i» Folge einer fixen Idee zu betrachten ist, daß sie wZhl kaum einer Widerlegung bedarf. Wir möchten Bebel nur bitten, uns die Thatsache zn erklären, warum die erwachsene weibliche Bevölkerung die männliche bei weitem überragt, trotzdem Knaben zahlreicher geboren werden als Mädchen. Man sieht hier, wie selbst ein Mann von so hervorragender Befähigung Unsinn vorbringen kann, wenn er sich einmal in eine Idee verrannt hat. Wir glauben hinreichend nachgewiesen zu haben, daß die Gründe der Frauenrechtler nur denen genügen genügen können, die dieser Frage blind und sentimental gegenüberstehen. Es gibt zwei ganz verschiedene Quellen der modernen Frauenver- götteruug. Die eine ist, wie schon angeführt, der Begriff der individuellen Freiheit, welche die Grundlage des heutigen Radikalismus bildet, der sich aber mit merkwürdiger llnlogik selbst übertrifft und statt die Frau dem Manne einfach gleich zu stellen, sie in der That auf das Picdestal einer privi- legirten Klasse erhebt. Durch eine Alliance hat sich nun, wenigstens in England, der radikale Verfechter der Frauenrechte mit den, braven Prediger der geschlechtlichen Moralität zusammengefunden. Und hier ist die zweite Quelle der heutigen Frauenvcrgötterung zu suchen. Diese Letztgenannten suchen ihre bereits diskreditirte Stellung durch ein Bllnd- niß mit der Demokratie zu befestigen. Und das Predigen der gcschlecht- liehen Enthaltsamkeit bezahlt sich, weil es einer schon vorhandenen Strömung schlau entgegenkommt, wie ja die Geistlichkeit in dieser Hin- ficht stets sehr seinfühlend gewesen ist. Dies gift namentlich von den Geistlichen der Dissidenten�), die nur noch wenig Nachfrage nach ihrer alten theologischen Waare finden. Da das gebildete Publikum Jahr für Jahr weniger geneigt ist, sie als die be- rufenen Ausleger der„Natur und des Wesens Gottes" anzuerkennen, so finden sie es vortheilhafter, sich als moralische Zensoren auszuwerfen, und indem sie sich auf den Staudpunkt der konventionellen geschlecht- lichen Moral stellen, statten sie ihr Urtheil, worum es sich auch handle, mit dieser Farbe aus. Mit Freude akzcptiren sie die Theorie von der göttlichen, engelgleicheu Natur des Weibes und ihrer unendlichen Erhabenheit über den Mann. Denn nicht allein, daß sie die Unterstützung der radikalen Frauenrechtlcr damit gewinnen, es paßt dies auch sehr gut in ihre Prinzipien hinein. Sind die Frauen Engel, so ist es gewiß ungehörig, sie vom gcschlecht- lichen Standpunkt aus zu betrachten— denn alle Engel, sagt schon der Talmud, sind geschlechtslos. Die Frau ist nach dieser Theorie ein Geschöpf, das von Weiteni angebetet werden muß.— Wir haben hier einige Punkte bezüglich des modernen Frauenkultus erörtert, und man mag nun billigerweise fragen, welche Meinung wir denn in der sogenannten Frauenfrage haben und wie wir uns den muth- maßlichen Verlauf der Dinge in dieser Hinsicht denken. Wir wollen dies mit wenigen Worten auseinandersetzen. Wir sind der Ansicht, daß eine wirkliche Ungleichheit der geistigen Fähigkeiten zwischen Mann und Frau besteht, eine Ungleichheit, die auf dem Unterschiede der betteffendeu Organismen beruht und welche die Frau dem Maunc vollständig unterordnet. Wir wissen aber auch, daß eine starke Strömung zu Gunsten der Frauenrechtlcr vorhanden ist, und wir sind überzeugt, daß nichts unvcr- sucht gelassen werden wird, die bereits vorhandenen Vorrechte der Frau zu vermehren; denn nichts erschreckt die„Emanzipirte" und ihre männ- lichen Verehrer so sehr, als wirkliche Gleichheit. Um ei» solches Resultat zu erreichen, wird es nicht an thränenrcichen Zeitungsartikeln, an lärmenden Anrufen der„Ritterlichkeit" fehlen, ver- Kunden mit maßlosen Beschuldigungen derer, die sich dem widersetzen. Und höchst wahrscheinlich wird die Bourgeoisie sich dieser„Emauzi- paticm" mit vollem Eifer bemächtigen, um das Proletariat von seiner wirklichen Emanzipation abzulenken. *)„Wir dürfen nicht ablassen zu wiederholen, daß in der Krisis, in der wir uns befinden, diese P r e ß f r e i h e i t unterdrückt werden muß."„Partt Ouvrier" vom 18t. März(der passendste Tag in der That) 1889. **) Die englischen Dissidenten sind zum großen Theil orthodox. Mit der Errichtung einer definitiv sozialistischen Verwaltung der Dinge, die unserer Ueberzengung nach in nicht allzuserner Zukunft kommen muß, wird man den ehrlichen Versuch machen, eine wirkliche Gleichheit durchzuführen. In den angelsächsischen Ländern wenigstens wird die Ungerechtigkeit der weiblichen Privilegien zu offenkundig ge- worden sein. Die neue Gleichheit mag eine Weile dauern, aber wir find gewiß, daß sie am Ende dem unerbittlichen Naturgesetz weichen muß, welches der Frau ein untergeordnetes Hirn- und Nervensystem und mit ihm eine untergeordnete Stellung innerhalb der menschlichen Gesellschaft ange- wiesen hat. Es mag dies ein großes Unrecht sein, und wir fühlen uns am Allerwenigsten berufen, den„weisen Schöpfer der Natur" zu ver- theidigen. Im»ebrigen können wir nur unser Bedauern ausdrücken, daß Genosse Bebel durch ein falsches Gerechtigkeitsgefühl sich verleiten ließ, der sozialdemokratischen Partei Deutschlands das Kuckuksei der Bourgeois- Frauenrechtler ins Ziest zu legen und die veralteten Jrrthünier wieder hervorzuholen, uach denen die Frauen eine unterdrückte Klasse seien. Bebel beklagt es, daß so manche Sozialisten dieses Bourgeois-Schiboleth, von dem er so ganz durchdrungen ist, nicht annehmen wollen, trotzdem sie die llnderdrückung der Arbeiter durch die Kapitalisten sehr wohl begreifen. Er nimmt ganz gelassen an, daß das persönliche Interesse allein einen Mann bestimmen könne, die Vergötterung der Frau zurückzuweisen. Zinn, weun Bebel findet, daß viele Sozialisten in diesem Punkte nicht mit ihm übereinstnnmen. so kann er sich mit dem Gedanken trösten, daß er die ganze liberale Manchesterschulc auf seiner Seite hat. Viele der schlimmsten Vertreter kapitalistischer Ansbentung werden ihn ans Herz drücken, denn seine Gründe und seine sentimentalen Forderungen sind in der That nur eine Wiederanfwärmung von dem, was uns die. radikalen Individualisten seit dem Beginn dieses Jahrhunderts in die Ohren schreien. Wir wollen mit einem Ausspruch Schopenhauers schließen, den auch Bebel zitirt:„das Weib ist nicht zu großen Arbeiten berufen. Sein Charakteristikon ist nicht das Thun, sondern das Leiden. Es bezahlt die Lebcnsschuld durch die Wehen der Geburt, Sorge für das Kind, Unterwürfigkeit unter den Mann. Die heftigsten Aenßernngen der Lebenskraft und Empfindung sind ihm versagt. Sein Leben soll stiller und unbedeutsamer sein als das des Mannes. Zur Pflegerin und Erzieherin der Kindheit ist das Weib berufen, weil es selbst kindisch, zeitlebens ein großes Kind bleibt, eine Art Mittelstufe zwischen Kind und Mann, welcher der eigentliche Mensch ist..... die Weiber" schließt Schopenhauer,„sind die gründlichsten und unheilbarsten Philister." Bebel beschwert sich über Schopenhauers„UnHöflichkeit"(unhöflich ist gut), als ob ein Philosoph, habe er in seinen Ansichten nun Recht oder Unrecht— und anch wir unterzeichnen nicht alles, was Schopenhauer sagt—, verpflichtet sei, in seinen Abhandlungen die Galanterien der „feinen Gesellschaft" nachzuahmen. Noch wunderbarer ist Bebels Beschul- digung, Schopenhauer sei„ordinär", und das, nachdem Bebel selbst die aUergewöhnlichsten Phrasen des englischen Radikalismus in der Frauen- ftagc vorgebracht. Vollends naiv aber wird Bebel, wenn er Schapen- Hauer selbst einen Philister und keinen Philosophen nennt, vcrmuthlich, weil er mit ihm über die hehre Bestinimung des Iveiblichen Geschlechtes nicht übercinstimmt. lind hat denn Schopenhauer, vornrtheilsftei betrachtet, nicht das Wesen der Durchschnittsfrau auf's Treffendste gezeichnet? Gewiß gibt es glänzende Ausnahmen, und wir sind die Letzten, dies zn bestreiten oder ihre Bedeutung verkleinern zu wollen; aber wir behaupten, daß diese vereinzelten Fälle dem ganzen Geschlecht gegenüber nichts beweisen. Weun Schopenhauer sagt, der Mann sei„der wahre Mensch", so meint er damit, daß der Mann das Endziel, der Telos der Dinge sei. Und bezweifelt dies wirklich Jemand? Kann irgend Jemand sich das Weib als unabhängig cxistircndes Wesen vorstellen, sei es einzeln als Persönlichkeit oder kollettivistisch als Geschlecht? In Wirklichkeit erkennt ein Jeder an, wenn er nicht absichtlich und zu bestimmten Zwecken das Gegcntheil sagt, daß die Menschheit im vollsten Sinne des Wortes nur im Manne verkörpert ist, oder, um in der Hegel'schen Phraseologie zu reden, daß, während der Mann„an und für sich, indi- viduell oder kollektiv besteht, das Weib„für anderes" da ist, seine Voll- cndung»nd Vervollkommnung im Manne findet, daß es mit einem Wort die Funktion des WeibeS ist, einen Bcftandtheil ini Leben des Mannes zu bilden. Man gibt dies nicht gern zu, daß man aber in der That so denkt, auch wenn das Gegentheil behauptet wird, davon sind wir fest über- zeugt. Die eine Frage bleibt natürlich offen: haben wir irgend einen Grund anzunehmen, daß durch veränderte ökonomische Bedingungen die Natur des Weibes von Grund aus verändert werden wird? Das ist eine Frage, die nur die Zeit endgültig entscheiden kann, und Jeder von uns wird darüber seine eigene Meinung haben. Slber sie hat nichts zu thun mit den thörichten und unhaltbaren Argumenten, mit denen man heutzutage die weiblichen Ansprüche unterstützt. Ist eine Sache gut, warum dann in aller Welt so armselige Gründe dafür inS Fcld führen? Wir sind keine Frauenhasser, aber wir hassen die privilcgirten Klassen, auch wenn sie aus„flügellosen Engeln" bestehen, und weiter hassen wir schlechte und faule Beweise, selbst wenn sie fiir die beste aller Sachen vorgebracht werden. E. Bclfort Bax. Berichtigung. In Nr. 13 des„Sozialdemokrat", 3. Seite, 1. Spalte, letzte Zeile, muß es anstatt„Beweis"„Aussage", in der gleichen Nummer, 3. Seite, 2. Spalte, Zeile 9 von oben anstatt„öffent- lichc Bloßstellung"„p o l i z e i l i ch e V e r f o l g u n g" heißen. Die Sache ist nämlich die: Es ist von dem ehemaligen Polizeipräsidenten Howard Bin- cent bestätigt worden(„Pall Mall Gazette" vom 13. Juli 1887), daß es e.ne Anzahl hernntergekommener Frauenzimmer gibt, die diese Art Gelderpreffungen gewerbsmäßig betreiben, namentlich in den Koupe's der Londoner Stadtbahn(Metropolitan Railway). Der Verfasser. London, 3. April 1889. — Ucber den prächtigen Verlauf der Beckcr-Feicr in Genf haben wir in voriger Nummer bereits summarisch berichtet, heute sind wir in der Lage, folgenden eingehenden. Bericht bringen zu können: Am 17. März d. I. wurde das Denkmal, welches die Sozialdemokraten aller Kulturländer dem„alten Johann Philipp" geweiht haben, auf dem Kirchhofe Saint George bei Genf enthüllt. Das Denkmal selbst, welches ans dem Grabe Beckers und unmittelbar neben dem seiner treuen Lebensgefährtin errichtet ist, besteht aus einem etwa drei Meter hohen Obelisk von Granit, welcher die von dem Bild- Hauer Charmot lebenswahr hergestellte Büste des Verstorbenen trägt. Eharnwt ist noch ein junger Künstler, durch dieses Werk hat er aber seine Meisterschaft kund gethau. Der prächtige Stein ist von einer Ge- nossenschaft sozialistischer Steinmetzen unter Leittmg des Genossen En- g e l i bearbeitet worden, lind es muß hier erwähnt werden, daß alle mit der Herstellung des Denkmals betrauten Personen mit Lust und Liebe und nicht um des Nutzens willen ihre Aufgabe erfüllt haben— und daß in Folge dessen die Kosten vergleichsweise außerordentlich gering sind. Die Kosten sind— wie schon angedenkt— von Freunden und Kampfgenossen des Verstorbenen ohne Unterschied der Nationalität ge- deckt worden. So ist es denn, was es auch sein mußte— ein ächt internationales Denkmal, das die internationale Sozialdemo- kratie dem internationalen Vorkämpfer des Proletariats gesetzt hat. Den schön polirten Granit schmücken auf allen vier Seiten Inschriften. Auf dem einen Feld die Widmung der deutschen Sozialdemokratie, der Flamländer und der Familie— auf den drei anderen Feldern die Wid- mungcn der Schweizer, Franzosen, Italiener, Belgier, Engländer, Russen und Polen. Die Inschriften sind durchweg kurz, so daß eine lieber- ladnng vermieden ivurde. Als Tag der Enthüllung dcS Denkmals wurde der 17. März ge» wählt, der Sonntag vor dem Geburtstage Johann Philipp Beckers, der am 19. März 1»09 in Frankcnthal in der Pfalz geboren ward, also zwei Tage nach der Feier zu seinen Ehren gerade 80 Jahre alt gewesen wäre. Gestorben ist er den 7. Dezember 1387 zu Genf. Es war Alles geschehen, nin die Feier möglichst würdig zu gestalten — bei aller sozialdemokratischen Einfachheit. Säinintliche Arbeiterver- eine Genfs und der Umgegend, sowie andere sozialistische und demo- kcatische Vereine betheiligten sich vollzählig mit ihren Fahnen, und gegen 100 Vereine und Organisationen von auswärts waren durch Delega- tionen vertreten.,. Gegen zwei Uhr Nachmittags setzte sich der Zug von dem Lokale des deutschen Arbeitervereins in Bewegung— Anfangs vielleicht tausend Mann, aber bald aufs Doppelte und Dreifache anschwellend. Und Tausende marschirteu nebenher— die Bevölkerung verhielt sich durchweg auf das Spmpatischstc. Auf dem Kirchhof— der Weg dahin betrug fast eine Stunde— hatte sich bereits eine dichte Menschenmenge versammelt, die in laitl- loser Stille den Zug passircn ließ, der sofort sich in musterhafter Ruhe und Ordnung neben dem Grabe ausstellte. Einige Schritte von dem verhüllten Denkmal erhob sich eine Rednerbühne. Ein Lied zum Andenken Becker's, vortrefflich gesungen von den Gc- sangvereinen des deutschen und des schweizerischen Arbeitervereins, er- öffnete die Feier. Beim letzten Ton fiel die Hülle von der Büste, und ein bewunderndes, ehrfurchtsvolles Ah! entrang sich der Brust der Tausendc, als sie die ivohlbekannten und so herzlich geliebten Züge lebensvoll hervortreten sahen.„Das ist er!"„C'est lui!"„Ja, so hat er ausgesehen", tönte es aus der dichtgedrängten Menge— aber leise, damit ja der feierliche Eindruck nicht gestört werde. Nach einigen einleitenden Worten des Genossen E n g e l i, der die Bedeutung der Feier kurz darlegte, wurde Liebknecht das Wort ertheilt, der von der deutschen sozialdemokratischen Fraktion entsandt war. Dieser begann damit, daß die Liebe und Dankbarkeit ihn herge- führt habe,— die Liebe und Dankbarkeit, die er selbst für den Führer und Freund enipfinde, und die Liebe und Dankbarkeit, von der die deutsche Sozialdemokratie für den tapferen Vorkämpfer mit Schwert, Wort und Feder erfüllt sei. Die Sozialdemokratie habe keinen Götzen- dienst und Personenkultus. Keiner könne mehr, Keiner dürfe weniger als seine Pflicht thim. Denkmäler für die Lebenden kenne die Sozialdemokratie überhaupt nicht. Wenn aber ein tapferer Genosse sein Leben hindurch für die Enianzipation der Arbeiter- klaffe, für alles Große und Gute gerungen, und durch ungewöhnliche Leistungen die Sache des Volkes gefördert habe, dann sei es auch eine Pflicht der Dankbarkeit, nachdem er von uns geschieden, seiner zu gc- denken als eines Genossen, der sich wohl verdient gemacht hat um die höchsten Interessen der Menschheit,— und als eines Vorbilds, dem wir nachzueifern haben. Redner gab hierauf eine kurze Skizze des thatenreichcu Lebens Johann Philipp Beckers, der mit 18 Jahren beim Hambacher Fest— 1832— in den politischen Kampf eintrat und im- unterbrochen bis zu seinem Tod, volle 55 Jahre laug, über ein halbes Jahrhundert, stets im Vorkampf, im Mittelpnukt der revolutionären Bewegung war. Da voraussichtlich ein näherer Bericht veröffentlicht werden wird, so unterlassen wir es, auf die Ausführungen Licvknechts weiter einzugehen. Nach einer warmen Eharakteristik des todten Freun- des, der in seiner Person die proletarische Volkskraft und das Volks- herz verkörpert habe, wie kaum ein Zweiter,— der nie gezaudert, wenn es gegolten, Stellung und Leben in die Schanze zu schlagen— gedachte Redner noch der treuen Lebensgefährtin Becker's, die ihm auch Kampfgenossin gewesen, die beim Ausbruch der badifchcn Mai- rcvolution von 1819 ihm ihr Liebstes mitgegeben: den ältesten Sohn Gottfried, der später im amerikanischen Krieg im Kampf gegen die Sklaverei gefallen. Liebknecht schloß mit der Mahnung an' alle An- weseuden, im Sinn und nach dem Vorbild des edlen Todten zu han- dein, dessen Geist— wie toeiland der Geist des„alten John Brown" den amerikanischen Kriegern im Kampf gegen die Sklaverei— uns voranzichen werde— inmitten anderer Helden- und Märtyrergestaltcn m dem Feldzug zur Emanzipatton des Proletariats, welcher enden werde mit dem Fall der Bastille des Kapitalismus. Nach Liebknecht sprach F a v o n, Nattonalrath für Genf, ein alter Freund Becker«. Er führte aus, daß Becker neben seinen intcrnatio- nalcn Aufgaben auch die nationalen Pflichten nicht versäumt habe, daß derselbe nicht blas ein guter Weltbürger, sondern auch ein guter schweizer Bürger gewesen sei— und daß er, bei aller revolutionären Gesinnung, doch niemals das Praktische, Erreichbare außer Acht gelassen habe. Redner zählte eine Anzahl von Reformmaßregeln auf, für welche Becker mit Eifer gewirkt habe. Er schloß mit der Aufforderung an seine Mit- bürgcr, für die soziale Emanzipation im Sinne Becker's zu arbeiten und sich zu diesem Zweck der Waffen zn bedienen, welche die Verfassung der Schweiz allen Bürgern bietet.„Wenn Sic Ihr Ziel nicht er- reichen, so s i n d S i e s e l b st S ch n l d d a r a n! Der Wille des Volkes ist maßgebend in unserer Republik." Dritter Redner war Genosse Schräg von Bern, der im Namen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei der Schweiz einen Lorbeerkranz auf das Grab niederlegte und die Verdienste Becker's um die inter- nationale Sozialdemokratie hervorhob. Die schweizerischen Arbeiter brauchten ein solches Vorbild— denn auch sie habe», ttotz der bürgcr- lichen Freiheit, den sozialen Emanzipationskampf zu kämpfen. Nach Schräg betrat die Nedncrbühne der Genfer Sozialist Heriti er, der auch im Namen der Sozialdemokraten von Lyon sprach.' Hcritier führte aus, daß Becker ein Revolutionär gewesen sei vom Scheitel bis zur Zehe, und daß er die Pariser Kommune, deren Fest den folgenden Tag— den 18. März— gefeiert wurde, voller Enthusiasmus be- grüßt habe. Zuletzt sprach Delafontaine, ein Schwiegersohn Beckers, und dankte im Namen der Familie für die Liebe, welche dem Verstorbenen bezeugt worden. Es wurde hierauf noch ein Gesang angestimmt und in feierlicher Ruhe trennten sich— nachdem die Kränze auf dem Grab niedergelegt und an dem Denkmal befestigt waren, die versammelten Tanscndc. Es war eine imposante Feier, und die erbittertsten Gegner haben nichts daran zu mäkeln gefunden. Die elenden Polizeiseclcn aber, die zu umfassenden Sicherhcitsniaßregeln gcrathen hatten, sind dem Ge- lächtcr und der Verachttmg anheim gefallen. Eine Märzfcier, die am Tage darauf stattfand. und in der Lieb- k n c ch t und Hcritier sprachen, bildete gewissermaßen ein Nachspiel der Feier." Dies der Bericht. Von dem Festkoniite werden wir noch ersucht, allen Genossen, die zur Vollendung des Werkes und zum Gelingen des Festes beigetragen, den herzlichsten Dank desselben auszudrücken. — Ter Kuriosität halber oder, wenn man will, als Dokument für des deutschen Reichskanzlers staatsmäimischc Größe, wollen auch wir die H a u p t s ch ö n h e i t e n des von Preußen im Bundesrath ein- gebrachten„Antrages auf Abänderung von Bestimmmigen des Straf- gesetzbuches des Prcßgesetzcs kurz anführen. Nach der offi- Ziösen Berliner„Post" wird im neuen Entwurf„die Definition des Sozialistengesetzes von den sozialdemokratischen, sozialistischen, komnnmisti- scheu Bestrebungen ersetzt durch„Angriffe auf die Grund- lagen des Staatswesens, der Monarchie, der Kirche, der Ehe und des Eigenthum s". Dafür, heißt es, sind n e u e, s e h r s ch a r f e S t r a f b c st i m in u n g e n im Entwurf festgesetzt. Wer auf Grund derselben einmal v c r n r t h c i l t worden ist, kann polizeilich ausgewiesen werden, nicht dauernd, aber auf eine bestimmte Zahl von Jahren. Vereine und Versammlungen, in denen die obenerwähnten Bestrebungen hervortreten, können auf- gelöst werden. Zeitungen und D r ucksache n können dauernd verboten werden, wenn sie wegen derselben Bestrebungen einmal veru rth eilt worden sind, lieber die Fortsetzung solcher verbotenen Druckschriften sind ähnliche Bestimmungen wie im Sozialistengesetz cnt- halten."— Daß Bismarck weiß, daß sein Entwurf selbst in diesem Reichstag keine Annahme finden wird, liegt auf der Hand, aber das widerlegt die Thatsache nicht, daß er ihn nicht angenominen sehen möchte. Es ist gewissermaßen das I d e a l des großen Schnaps— brenners, sein Preß- zc. politisches Ideal, wie die Steuerbefreiung der Millionäre und die Besteuerung aller Lebens- und Gennßmittel der Proletarier sein stcuerpolitisches, der Schutz und die Unterfttitzung des nationalen Ausbeuterthums und die Knebelung und Preis- aebung der Arbeiterklasse sein sozialpolitisches Ideal ist. Er wird von scineni Entwurf durchzudrücken suchen, was er nur kann, das Geschrei der Nationalliberalcn gegen denselben ist daher keinen Pfifferling wcrth. Ein bischen Opposition wird er ihnen gern zugestehen,— schon die Rücksicht auf die kommenden Wahlen gebietet das— aber in der Hauptsache müssen sie über den Stock springen. Wozu ist der agrarische Flügel des Zentrums da? Wer in dieser Taktik des doppelten Aufschlages, um einen recht hohen Preis zu erlangen, etwa einen Beweis hohen staatsmännischen Geschicks erblicken wollte, der muß folgerichtig auch in gewissen unsauberen Prak- tiken des Handels hohe kaiifinännischc Ilmsicht sehen. Thatsächlich aber kennzeichnet das Vorschlagen?c. den Handel auf seiner niedrigsten Stufe, und in der Politik ist es gerade so. Verkäufer und Käufer, Bismarck und seine„Kunden" im Reichstag beweisen durch die inimer wieder von Neuein sich abspielende Komödie mit den„unannehmbaren" Entwürfen, und der„mit schwerem Herzen" erfolgten Zustimmung nur, auf welcher niedrigen Stufe in der Politik Beide stehen. — Bauer, das ist etwas ganz Andres.—?luf Schritt und Tritt, wohin lvir nur blicken, stoßen wir im politischen Leben auf That- sachen, welche diesen Spruch des Dichters— eine andre Fassung des alten: Wenn zwei dasselbe thun, ist es nicht dasselbe— immer wieder auf's Neue bekräftigen. Ganz dieselbe Handlung, die hier verherrlicht wird, wird dort verdammt, für ganz dieselbe Handlung erfolgt hier Freisprechung und dort Verurtheilung, und ganz dieselbe Maßnahme, die gestern noch als selbstverständlich hingenommen, kaum der Erwähnung wcrth befunden wurde, erregt heute einen Sturm allgemeiner Eutrüstnng. Man spricht sehr viel von einem gleichen Recht, von einem allgemeinen Rechtsbewußtsein, aber sie bestehen nur in der Theorie, die Praxis spricht ihnen jeden Augenblick Hohn. Wir denken da nicht an die vielen Beispiele krasser P a r t e i j u st i z — so vcrdammenswerth sie sind, so bilden sie doch im Ganzen nur eine verhältnißmäßig geringe Ausnahme. Die Fälle, die wir im Auge haben, zeichnen sich aber durch eine gewisse Regel und Häufigkeit aus, und die Leidenschaft, die bei der Partcijnstiz eine so große Rolle spielt, tritt bei ihnen in den Hintcrgrunb. Das Unrecht, die Un- gercchtigkeit, die Verletzung aller Begriffe vom gleichen Recht wurden mehr unbewußt begangen. Und nicht eine geschlossene Partei, das uugrcifbare Etwas, die„öffentliche Meinung" genannt, be- geht sie. Die öffentliche Meinung, das ist im Großen und Ganzen die Meinung der herrschenden, der die Epoche beherrschenden Klasse, heute also die Meinung der Besitzenden. Sie wird getheilt und gläubig nachgebetet von der großen Masse der Besitzlosen, die sich noch zu keiner Crkcnntniß ihrer Klassenlage einporgerungen. Die östentliche Meinung ist entrüstet, wenn große Bruchtheilc der herrschenden Klasse cnttüstet sind, und sie bleibt vollständig theilnahmlos, wenn die herrschende Klasse iu ihrer großen Mehrheit keinen Grund sieht, sich zu ereifern. Sic verdammt, was die herrschende Klasse vcrdanimt, und sie findet für durchaus legitim, was die herrschende Klasse für erlaubt befindet. Die herrschende Klasse verdammt jede Gewaltanwendung ihr gegenüber, die öffentliche Meinung ist nngemcin entrüstet, wenn einem Mitglicde oder Mitgliedern der herrschenden Klasse gegenüber Gewalt angewendet wird. Tie herrschende Klasse findet es aber durchaus erlaubt, daß sie gegen ihre Gegner Gewalt anwendet. Die öffentliche Meinung bleibt fast gänzlich unberührt, wenn von Seiten der herrschenden Klasse gegen Angehörige der beherrschten Klasse Gewalt angewendet wird. Die schreiendsten Verurtheilungen gegen Vertreter der arbeitenden Klassen sind fast spurlos an dem vorübergegangen, was mau„das öffentliche Gewissen" nennt, eine den zehnten Thcil so arge Vergewaltigung des Rechts an einem Angehörigen irgend einer größeren Partei der be- sitzenden Klasse verübt, und ein zehnmal, ein hiuidcrtmal stärkerer Pro- test erhebt sich. Warum? Ja Bauer, das ist ganz etwas anderes. Wir könnten das hier Ausgeführte mit Hunderten, tausenden von Beispielen belegen, aber es ist so offenkundig, daß es keiner besondere» Excmplifizirnng bedarf. Unsrc Notiz soll auch keine Beschwerde über einen einzelneu Fall oder einzelne Fälle bilden, sondern eine Erklärung der vielen schreienden Iliigercchtigkcitcn, deren wir täglich Zeugen sind. Eine Erklärung, aber selbstverständlich keine Eutschnldigung oder gar Beschönigung. Alle Bewegungen, an denen Elemente der herrschenden Klassen in größerem Maße betheiligt sind, also namentlich nationale, religiöse.'c. Bewegungen haben den denkbar größten Freibrief für ihren Kampf— sie dürfen sich ungestraft gestatten, was einer proletarischen Partei als das größte Verbrechen angerechnet würde. Die bürgerliche Literatur wimmelt von Verherrlichungen des persönlichen Widerstandes gegen brutale Vergewaltigung— aber wie der gesinnungstüchtigc Bourgeois, nachdem er am Tage seinen Arbeitern die Bethätigung ihrer politischen llcberzcuguug streng verwehrt, am Abend ganz hingerissen ist, wenn Marquis Posa von Philipp II.„Gedankenfreiheit" fordert, so wird er, der vielleicht für Brutus und jedenfalls für Wilhelm Teil schwärmt, kein Verdamiuungswort zu scharf, kein Urtheil zu hart finden, wenn Arbeiter sich gegen Mißbrauch der Gesetze dadurch wehren, daß sie sich — von Attentaten gar nicht zu reden— nun ihrerseits über das Ge- setz hinwegsetzen. Warum? Ja Bauer, das ist ganz etwas anderes, lind so fort, bis in die kleinlichsten Erscheinungen des täglichen Kampfes. — Harun al Raschid, der berühmte Ehalif aus dem Geschlecht d c r A b b a s s i d e n, ist durch die Erzählungen aus „Tausend und eine Nacht" in der ganzen Welt als das Muster eines vortrefflichen Monarchen bekannt geworden— das heißt, in der ganzen Welt Derer, die ihre historischen Kenntnisse aus Märchenbüchern, Anckdotensainmlungen und ähnlichen zuverlässigen Quellen beziehen. War es nicht Hanin al Raschid, der unerkannt die Straßen Bagdads durchwanderte, um sich durch eigne Beobachtung zu überzeugen, wo es Unglück zu mildern, Ungerechtigkeit zu beseitigen, Unrecht zu bestrafen gab? Der, wo er hinkam, Glück und Zufrieden- hcit zurückließ, dessen Andenken Tausende und Abertausende beglückter Unterthanen segneten, als er— zu früh— im Jahre 187 der Hcgira vom Tode ereilt wurde? Deutschlands Kaiser ist nicht damit zufrieden, der„neue alte Fritz" zu sein, er will auch den Ruhm erwerben, der neue Harun al Raschid zu werden. Wir haben seinerzeit bereits mitgcthcilt, wie er den Lei- tern der demnächst in Berlin zu erösfUcndcn UufaUverhütungs- Aus- stcllung angekündigt, daß er in höchsteigener Person unangemeldet die Fabriken zu besuchen und sich davon zu überzeugen gedenke, welche Maßnahmen zum Schutze der Arbeit getroffen und nothwendig seien— jetzt vernehmen wir durch die S ch w e i n b u r g' sche Reptilkorrespon- denz,„Berliner Politische Nachrichten" genannt, daß Wilhelm vorige Woche seine Absicht ausgeftihrt und der„Ludwig Löwe'schen Näh- Maschinenfabrik in Berlin", die sich vorzugsweise mit der Fabrikation von G e w e h r t h e i l e n beschäftigt, einen Besuch abgestattet hat. Ob wirklich unangemeldet, wird leider nicht hinzugefügt. Dagegen beißt es weiter: „Der Kaiser hat sich auf's Genaueste�die einzelnen Maschineutheile und die an den Maschinen angebrachten Schutzvorrichttingen zeigen und erklären lassen, er hat die Arbeitsräiinilichlcitcn einer eingehenden In- spektion unterworfen und sich mit einer ganzen Anzahl von Arbeitern scher deren Vcrhälttiissc im Allgemeinen wie scher ihre Thättgkcit in der betreffenden Fabrik unterhalten. Der Kaiser will selbst sehen, um sich ein völlig selbstständiges, unbccinflußtcs llrtheil in Arbeiterfragen bilden zu können, und zu solchen Entschlüssen kann man ihm und der Arbeiterschaft nur Glück wünschen." Das Zengniß, das der Ofsiziosus da den gewöhnlichen Berichterstat- tern seines Monarchen, den vortragenden Rüthen u. s. w., austhcilt, ist ja sehr liebenswürdig, indeß kann es uns selbstverständlich nicht einfalle», zu behaupten, daß es unverdient sei. Mit dem„Glück wünschen" kann„man" aber gefälligst warten, bis die Resultate der Kaiserlichen Dilettircrci auf dem Gebiete der Fabrik Inspektion vorliegen. Beiläufig ist mit dem Besuch von Fabriken wie die Löwe'sche, in denen schon aus technischen Gründen alles nach dem Schnürchen geht, sehr wenig gethan— wo in diesen die Arbeiter der Schuh drückt, das hüten sie sich, Leuten mitzuthcilcn, von denen sie wissen, daß sie ihnen nicht helfen werden. Will der neue Harun al Raschid die Ar- bciterausbeutung an ihrer klassischen Stätte studiren, dann gehe er zu seinen geliebten Jnnungsmcistcrn oder zu den reichstrenen Weberei- Besitzern in Sachsen, dann besuche er die Brilttstätten der Hansindnstrie oder die landwirthschaftlichen Betriebe seiner schnapsbrenncnden„Edel- sten und Besten der Ration." Oder, da das Beglücken im eigenen Hause zu beginnen hat, wie wäre es mit den M t l i t ä r- W e r k- stätten? Da liegt uns z. B. ein S o l d a t c u b r i c f aus Witten- herg vor, in dem ein„ftir's Vaterland" schaffender Militärhandwerker einem Freunde seine Lage schildert. „Wie die Sklave n", schreibt er,„werden wir hier behandelt. Die Schuhmacher und Sattler arbeiten jetzt für das Landwehr-Bataillon in Brandenburg. Früh um 8 Uhr wird angefangen und Abends um 8 Uhr aufgehört— wer eine Minute zn spät kommt, wird mit drei Tagen Arrest bestrast, ebenso, wer es lvagt, bei der Arbeit ein Wort zu sprechen. Eine Anzahl besonders ausgesuchter Unteroffiziere stehen herum als Aufpasser und Antreiber— es fehlt ihnen zu Sklavcntrci- bern nur die Knute. Gearbeitet wird Wochentags und Sonntags(die „fromme" Militärverwaltting hat von dem dritten Gebot ihre speziellen Begriffe. Red. d.„Soziald.") und das in einem durch und durch feuchten Keller. Kommen die armen Kerle abgerackert nach Hause, dann müssen sie noch die während des Tages eingelaufenen Re- paraturen für die Kompagnie machen, und da wird es 9, auch 10 Uhr____" Man sieht, der neue Harun al Raschid hat ein fruchtbares Arbeits- feld vor sich. Den Privatunternehmern kann er, da mir uns leider nicht mehr in der alten guten absoluten Despotie befinden, keine Vor- schriften machen, aber in der M i l i t ä r v e r w a l t u n g da entscheidet Sein Wille. Ein Wink von Seiner Hand, und die Mißbrnnche sind abgeschafft. Wetten wir— Wilhelm II. liest unser Blatt sehr aufmerksam— daß dieser Wink keine acht Tage auf sich warten läßt? Ter neue Harun al Raschid läßt nicht mit sich spaßen. Oder sagen wir lieber Wilhelm al Raschid. Denn von Harun mit diesem Beinamen berichtet die Geschichte, daß er in Wirklichkeit einen ganz anderen Titel verdient als„der Gerechte". Er war, heißt es, rachsüchtig, blut- und habgierig und ging mit rücksichtsloser Brutalität gegen seine Blutsverwandten vor, die seinem Ehrgeiz im Wege standen. Wer möchte so etwas von Wilhelm II. behaupten? —„Das ist doch nichts Neues, das ist der gewöhnliche Polizcischwindel!"— sagte der famose Polizeispitzel Wichmann, als er sich am 15. Atärz wegen wissentlich falscher D e n u n- ziation zweier Hamburger Bürger— Schubert und Anthony— zn verantworten hatte.„Bei solchen Vorkommnissen— es handelte sich um den Besuch des deutschen Kaisers in Hamburg— werden von der Polizei vielfach ähnliche Mannöpcr gemacht." Er habe den Brief, in dem er die Betreffenden der Aiifreiziiug zum Kaisermord beschuldigte, im Auftrag seines„Ehefs", des Altonaer Polizei-Engcl, ge- schrieben, weil dieser verschärfte Sicherheits maßregeln bei Anwesenheit des deutschen Kaisers gewünscht habe. Blos, daß er die Dummheit begangen, gerade die obigen zwei Persönlichkeiten zu neunen, sei von Engel später gerügt worden. Natürlich bestritt Engel höchst entrüstet die Wahrheit der Wichmanu'- scheu Behauptungen, und wir wollen es auch dahingestellt sein lassen, ob nicht in diesem Fall miiidestciis ein gut Theil Flunkerei ans persön- lichcm Haß den Wichmann'schcn Aussagen zu Grunde gelegen. Trotzdem treffen dieselben das System, dem Wichmann Jahre hindurch als„Pflicht- getreuer" gedient, und brandmarken es und seine Organe vor den Augen jedes anständigen Menschen. Ob das, was Wichniaiiii �angibt, wahr ist oder nicht, ist nur für den Einzelfall von Interesse, aber daß ein Mensch, der lange Jahre hindurch der Vertraute des Polizci-Engel lvar, so sehr j c d e n G e f ü h l s für Recht und Pflicht bar ist, daß er es für eine Bert Heid ig ung hält, wenn er sich als einen p o l i z i st i s ch e n Bravo hinstellt, der auf Kommando lügt und dennnzirt, das ist das Bezeichnende, das b r a n d- markt das ganze System. Wer, der den Prozeßbericht gelesen, wird daran zweifeln, daß Anthony und Schubert nicht— bei Weitem nicht — die Ersten waren, die Wichmann fälschlich dennnzirt hat? Kein urthcilsfähigcr Mcnsch. Sie waren nur die Ersten, bei deren Dciiun- zirung er hineingefallen ist. Und weshalb er hinciusiel, iveshalb sein früherer Gönner ihn jetzt ans Messer lieferte, das wissen unsere Leser: er war unbequem geworden, er hatte aus der Schule gc- plaudert, er mußte unschädlich gemacht werden. lind er wurde unschädlich gemacht. Wofür sein glücklicher Amtsbruder Jhring-Mahlow das allgemeine Ehrenzeichen und eine gute Anstellung erhalten, dafür muß er zwei Jahre ins Gcfängniß wandern, treffen ihn zwei Jahre Ehrverlust. Staatsanwalt und Richter wußten nicht scharf genug über die G c m e i n g e f ä h r l i ch k c i t des Spitzels, über die B e r ä ch t l i ch k c i t seiner Motive zu donnern. Sehr schön»nd gut. Aber Wichmann ist doch schließlich nur ein untergeordnetes Werkzeug im großen Polizci-Apparat gewesen, und mit tauscudfachcr Schärfe trifft daher das Urtheil das System, dem er gedient, konstatirt es die G c m e i n g e f ä h r l i ch k e i t und V c r ä ch t l i ch k c i t des ganzen„ P o l i z e i s ch>v i n d e l s!" — Auf welch niedrigem Staude sich das politische Leben in Deutschland noch befindet, geht auch hervor ans der Gleich- müthigkeit, mit der die schreiendsten parlamentarische» M i ß st ä n d e hingenommen und geduldet werden. Der angeblich so hoch entwickelte Rechtssi nn in Deutschland stößt sich nicht im Geringsten an der Thatsache, daß bei dem geflissentlich langsamen Gang der Wahlprüfungsmaschinerie es fortgesetzt passirt, daß Abgeordnete ganze Legislaturperioden hindurch z n Unrecht im Parlament sitzen und durch ihre Abstimmung über das Schicksal von Gesetzen entscheiden dürfen. Schon wieder lesen wir in deutschen Blättern von solch einem Gesetzgeber wider Gesetz und Recht. Das„Berliner Volksblatt" schreibt: „Die V e r s ch l e p p u n g s k n n st d c r W a h l p r ü f u n g s k o in- Mission des Reichstags unter Vorsitz des Abgeordneten Rtarqnardsen hat wieder einen Erfolg zu verzeichnen. Bekanntlich war es erst möglich, aus dieser Wahlprüfungskoimnission über die Wahl des Abgc- ordneten Dr. W e b s k h in Waldenburg nnter dem 1. Dezember 1388, also in der dritten Session nach der Wahl im Februar 1887 einen schriftlichen Bericht zn erlangen. Dieser schriftliche Bericht kam alsdann erst am 10. Januar 1889 im Plenum des R'eichstages zur Verhandlung. Die Kommission hatte Kilttgkcit der Wahl beantragt, trotz der im Proteste behaupteten Wahlbeciiiflussuiigen des Krcisschulinspettors Gre- gorovius, des Bauinspektors Bothc, des Landraths Lieres.'c. In der Reichstagsverhandlung bcanttagten die Abgeordneten Dr. Hermes und Rickert, die Beanstandung auszusprechen und zengencidlichc Vernehiuiing über die im Proteste behaupteten Thatsachcn vorzunehmen. Es wurde sodann auf den Antrag der Abgeordneten v. Bennigsen und v. Kardorff beschlossen, die Sache zur nochiualigcu Berichterstattung an die Wahl- prüfungskoumiission zurück zu verweisen. Nachdem diese Zurückverwcisuiig erst am 10. Januar erfolgt war, hat die Wahlprüfungskoiuniission mehr als zwei Monate gebraucht, bis sie am 18. März dazu gelangte, wiederum die Angelegenheit durch einen schriftlichen Bericht dem Pleniim vorzulegen. Die Koinmission faßt es allerdings nun so auf, daß die Mehrheit des Reichstages Erhebungen wünsche, che sie sich über die Frage der Giltigkeit oder Ilngiltigkcit schlüssig macht. Die Kommission beantragt daher nunmehr selbst, die Giltigkettser- klärnng der Wahl Wcbskys auszusetzen und über Punkt 11 des Pro- testes zeugeneidliche Vernehmung zn veranlassen. Vielleicht wird der Reichstag vor Ostern über diesen Antrag der Wahlprüfungskolinnission Beschluß fassen. Wenn aber dann die zeugcueidlichen Vernehmungen stattgefunden haben, so wird die Wahlperiode glücklich ab- gelaufen sein. Herr Websky hat alsdann auf Grund eines mindestens zweifelhaften Mandats die ganze Wahlperiode hindurch a l s V c r t r c t e r d c s K r e i s c s W a l d c u b u r g i in R e i ch s- tage gesessen." An Abänderung denkt natürlich kein Mensch, denn der Skandal dauert schon seit Jahren und die die Ordnnng und Gesetz liebende Majorität befindet sich sehr wohl dabei. Erbärmliche Heuchler! — Wenn die Herren Opportunisten, die in Frankreich jetzt am Ruder sind, die ausgesprochene Mission übernommen hätten, die Bourgcois-Rcpublik um ihren letzten Kredit zu bringen, so könnten sie es nicht geschickter aiistclKn als sie es thun. Als echte„Gemäßigte" blind vernarrt in die Anwendung von G c w a l t m a ß r c g e l n und die Schaffung von Ausnahmegesetze n, und als echte Bourgeois doch zu feige, auf den Schein der Gesetzmäßigkeit zu der- zichtcn, haben sie eine Aera von Verfolgungen gegen Boulauger und dessen Leute eröffnet, die diese nur noch populärer machen können und vor allen Dingen die Wirkung haben, daß die„Reklame" für den„braven General" nicht abreißt. Erst wurde die Patriotenliga auf- gelöst, dann wurde gegen deren Leiter ein großer Staatsprozeß einge- leitet, und nun soll gegen Boulauger selbst ein H o ch v e r r a t h s- Prozeß erhoben werden. Abgesehen davon, daß Boulangcr weder eine» solchen Prozeß, noch selbst eine V e r u r th c i l u n g zu fürchten hätte— denn ein Mann mit seinm Hilfsquellen, mit seinen Verbin- düngen in allen Kreisen der b esitz e n d e n Klassen, hat das Ge- fängniß noch viel weniger zu fürchten, wird durch die Gefängnißmauern noch viel weniger von seinen Anhängern abgeschlossen, als z. B. Führer von Arbeiterparteien— abgesehen also von der totalen Nutzlosigkeit des Prozesses, ist auch so wenig Material für einen solchen vorhanden, daß selbst der Obcr-Proknrator der Republik, Bouchez, erklärt hat, dar- anfhin unmöglich eine Anklage begründen zu können, und lieber sein Amt niedergelegt hat, als dem Drängen der Herren Minister nachzn- geben. Diese wollen aber ihren Prozeß und haben nicht geruht, bis sie einen gefügigen„Rechtshüter" gefunden, der an Stelle des Herren Bouchez die Anklage erheben wird. Daß nach alledeni im Prozeß sie die wirklichen Angeklagten und Vcrurt heilten sein werden, das sehen diese weisen und gemäßigten Staatsmänner nicht ein. Selbst einem, der Republik so sympathischen Blatt wie der liberalen englischen„Daily News" ist dieser Skandal zu arg und sie gibt den Freunden der Republik, die„Frankreich zum ersten Rial in seiner Ge- schichte wahre Preß-, Rede- und Versammlungs-Freihcit(mit der Letz- teren war es übrigens nicht weit her. D. Red.) gegeben", den Rath, sich die Sache sehr zu überlegen, bevor sie sie— die Republik—„ihres schönsten Anspruchs auf Unsterblichkeit" berauben.„Es würde besser sein", schreibt das englische Blatt,„an den Folgen dieser hochherzigen Täuschung— wenn es eine Täuschung ist— zu sterben, als durch Ver- folgung zu leben. Die Letztere würde nur eine Galgenfrist gewähren, die Erstere die beste Anwaltschaft auf Wiedererweckung zum Leben sichern." Die„Daily News" kennt die französischen Opportunisten schlecht— mit Nägel und Zähnen klammern sich diese Erz-Bourgeois an die Gewalt, ganz gleich, ob sie den guten Namen der Republik ruiniren, ob sie alle Freiheiten, alle Rechte des Volkes verrathen, wenn sie nur die Galgenfrist ihrer Herrschaft dadurch um einen Tag verlängern. Sie haben Bonlanger die Wege geebnet zu seiner politischen Karriere, jetzt ebnen sie sie ihm auch zu allen drakonischen Maßregeln, die er anzuwenden gezwungen fein wird, um seine Herrschaft zu sichern. Jammervollcrc Politiker hat die Welt noch nicht gesehen. Nachschrift: Jni letzten Augenblick hat wenigstens die Kammer sich aufgerafft und eine von den Herren Ronvier k. eingebrachte Verschlechterung des Preßgesetzcs mit erheblicher Majorität abgelehnt. Die Peitsche sitzt den guten Leuten auf dem Stacken. — Krähwinkclei. Wie man sich erimxrt, ist vor etwa zwei Jahren Genosse Jens C h r i st c n s e n als staatsgefährlicher Agitator aus demGcsammtgebiet des Großherzogthums Sachscn-Weimar ausgewiesen worden. Heute läßt ihn das Großherzoglich sächsische Amtsgericht Weimar(laut Verfügung vom 8. März) öffentlich ausschreiben, weil er— ohne Erlaubniß ausgewandert sei. Sähen wir die Ausschreibung nicht gedruckt vor uns— sie ist enthalten in Nr. 66 der amtlichen Wcimarischen Zeitung, vom If». März— so würden wir die Sache für einen schlechten Scherz halten. Sie ist aber, wie Fignra zeigt, schlechte Wahrheit. Hoffentlich läßt Christensen sich das gesagt sein, denn wenn er sich nicht am 3. Mai auf dem Großherzoglich Weimarischen Schöffengericht, Marienstr. 13 in Weimar, 2. Etage(schade, daß nicht auch das Zimmer angegeben) einfindet, droht ihm das Geschick,„auf Grnnd der nach§ 472 der Strafprozeßordnung von dem Königlichen Bczirkskonimaudo zu Weimar ausgestellten Erklärung verurthcilt" zu werden. Findet er sich aber ein, so wird er nach Paragraph so und so der der Weimarischen Polizeiordnung e i n g e st e ck t. Wehe, wie soll er sich aus diesem Dilemma herauswickeln? — Die Sccschlangc Elbcrfcldcr Gehcimbuildspro.zcß soll nun endlich greifbare Gestalt annehmen.„Seit ich Ihnen nieinen neulichen Bericht zugehen ließ", schreibt man uns von dort,„sind den Angeklagten inzwischen endlich die Anklageakten mitgetheilt worden. Ich theile Ihnen aus denselben Folgendes mit: Angeklagt sind 12 8 Per- s o n e n, sämmtlich wegen Geheimbündelei, darunter ein Theil noch wegen Verbreitung verbotener Schriften, Einige ferner ivcgeu Majestätsbelcidigung, Aufreizung der Klasse n zc. 410 Personen sind als Zeuge n aufgeführt, ohne unsere Schutzzeugen. Die Abgeordneten G r i l l c n b e r g c r, H a r m und S ch u h m a ch e r sind als Vorsteher der geheimen Verbindung ange- klagt. O e r t c l in Nürnberg wegen Verbreitung der St. Gallcr Protokolle durch ganz Deutschland.. Dann sind noch sämmtliche Personen mit hier angeklagt, an die am 17. Dez. 1887 der Tischler Fr. Aug. W a ck e r h a f e u in Rendsburg Packcte mit verbotenen Schriften gesandt haben soll, dieser selbst und seine Frau mit da- runter. Weiter säinmtliche Personen, welche auf einer Liste benannt ind, welche die Polizei Anfangs 1887 bei Hugo Schuhmacher n Barmen beschlagnahmt haben will u. s. w. Die Angeklagten sind außer aus Rheinland und Westphalen aus folgende» Städte» rekrntirt: Apolda, Darmstadt, Ludwigshafcn, Garden bei Kiel, Gaggenan bei Rastatt, Ettlingen, Braunschwcig, Kiel, Reudnitz, Nürnberg, Stuttgart, Suhl, Rendsburg k. Was sollen diese Auswärtigen nun machen? Die Verhandlung wird immerhin 4 bis 6 Wochen dauern, sollen sie etwa während dieser Zeit auf ihre Kosten in Elberfeld herum- bummeln— blas, weil irgend ein Streber sie in den Prozeß hinein- verwickelt? Oder sollen sie fatalistisch z» Hanse abwarten, was ein hochiveiles Gericht in seiner Unfehlbarkeit über sie befinden wird? Dieser Monftrc-Prozeß, lediglich ein Produkt des Schandgesetzes, ist an sich die beste, die schlagendste Verurtheilung dieses Monstre- Gesetzes.„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen." Hoffentlich wird die Verhandlung Anlaß geben, etliche Nicht- Gentlemen in ihrer wahren Gestalt anftreten zu sehen. — In Berlin Massenverhaftungen und M a s s e n h a n S- s u ch im g e n. Weder die in diesem Schnüffelsystem liegende Nieder- t r a ch t, noch seine erwiesene Nutzlosigkeit vermag die Polizei- h— äupter zum Ablassen von denselben zu bewegen. Sic sind so bar jeder Scham, crmangeln so sehr jeden Ehrgefühls, daß sie die Infamie um der Infamie willen betreiben, ganz gleich, was der Enderfolg. Möge er so ausfallen, wie ihn die Burschen verdienen. — Nnmänie«. Die W a h l e r f o l g e der rumänkscheii Sozialisten und das entschiedene Auftreten ihrer Vertreter in der rumänischen Kam- mcr haben auf die junge Partei Verfolgungen seitens der regie- renden Parteien herabbcschworen, die mit aller Brutalität, deren die halbbarbarischen Vertreter für die Rechte und Interessen des Bojaren- thums fähig sind, durchgeführt werden. Zunächst galt es, die Wahl des Sozialisten V e n i a m i n, gegen die ei» künstlich fabrizirter Protest eingelanfeu war, zu annnlliren. Eine Kommission von ausgesprochenen Gegnern des Sozialismus wurde mit der Untersuchung beauftragt, und ein gewisser T e l e m a n zum Prä- fekteu des Kreises(Roman) ernannt, init der Mission, das Terrain vorzubereiten und den Sozialismus mit eiserner Faust dort auszurotten. Der Herr zeigte sich des in ihn gesetzten Vertrauens würdig. Bauern wurden verhaftet, die gekommen waren, mit Mortzrni und Vcniamin, ihren Abgeordneten zu sprechen. Doch hören wir, wie Professor Na- dcjde, der dritte der sozialistischen Abgeordneten, die Vorgänge in einer Korrespondenz an die„Gleichheit" schildert: „In allen Distrikten begann der weiße Schrecken zu herrsche». Tele- man begab sich nach S a b a v a n i, einem Dorfe des Distriktes Ro- man, und gab den Befehl, die Bauern dürften sich nicht mehr bei den Wahlen der Kommunalräthe bcthciligen, an denen sie sich bereits vier- mal betheiligt hatten. Man drohte, sie mit den strengsten Strafen zu verfolgen uiid befahl den Unterpräfckten, sie nöthigen Falls auch zu prügeln. Bei dieser Gelegenheit wagte es Teleman, einem Bauern zwei Ohrfeigen herunter zu hauen, welcher ihm sagte: „Es ist nicht Sache des Präfekten zu entscheiden, wer gewählt werden soll, sondem es entscheidet die Abstimmung." Die Enquete fand statt. Die unverschämtesten Mittel, T e r r o r i s- ni u s und Gold, wurden angewandt, um Zeugen gegen Mortzun zu fabriziren. Geistliche, Landschullehrer, Beamte:c. zeugten wider die Sozialisten, uns anklagend, den Terrorismus bei den letzten Wahlen organisirt zu haben. Und trotzdem Vcniamin 23S Stim- m e n gegen 60, d. i. die absolute Majorität der überhaupt ein- gezeichneten Stimme» hatte, wurde doch seine Wahl anullirt. Mortzun, empört über die infamen Erfindungen, welche man im Berichte der Enquete gemacht hatte, gab seine Demission und das reaktionäre Parlament beeilte sich, dieselbe anzunehmen. Nun ist blos niehr ein sozialistischer Zlbgeordnetcr im rumänischen Parlamente. Bald werden wir drei neue Wahlen haben, zwei in Roman und eine in Vasluiu. Die Sozialisten werden in allen drei Kollegien kandkdircn. Was uns erwartet, ist sehr klar, man wird furchtbare Beeinflussungen gegen uns anwenden. Was sich bei der letzten.Kommunalwahl in Sabavani zugetragen hat, kann uns als Maßstab dienen, wessen die Verwaltung fähig ist. Am S./17. März 1889 war diese Wahl. Am Vorabend ließ der Ilntcr-Präfekt, der Präsident der interimistischen Kommission, der Kapitän, 27 sozialistische Bauern rufen und befahl ihnen, sich bei der Wahl nicht vor Mittag einzufinden, sonst würden sie geschlagen und arrctirt werden. Am Tage der Wahl ernannte nian das Wahlburcaux, statt es auszu- losen, und man machte diesen Vorgang um 7 Uhr statt um 9 Uhr, wie es das Gesetz bei Strafe der Ungiltigkeit vorschreibt. Die berufenen Sozialisten wurden davon gejagt imd verfolgt. Man ließ die Kandidaten, denen nach dem Gesetze das Recht zusteht, die Wahlopcrationen zu kon- troliren, nicht ein: bis 2 Uhr stimmte man bei geschlossenen Thüren und nian erlaubte den Anhängern der Regierung für ihre abwesenden Verwandten zu stimmen, was ganz gegen das Gesetz ist. Mittag sah man eine Kompagnie Soldaten anrucken, welche sich beim Pfarrer, in der Nachbarschaft des Bürgermeisters, aufstellte. Der Kapitän ließ zwei Wähler, F. P. Perca und I. A. Brca, arretiren, bevor sie zum Sttmmen Zeit fanden. Der Polizcimeistcr erwartete das Resultat der Wahl ebenfalls beim Pfarrer. Man zerstörte das Skrutininm der- art, daß eine Kontrolc unmöglich gemacht wurde, und der llnter-Präfett Samsonovici nahm an diesem Diebstahl theil. Mau thcilte ein außer- gewöhnliches Resultat mit. Es waren 316 Wähler und die Rcgiernngs- parte! hatte 208, unsere Partei 178; die Summe der Wahlbcrechtigtcn(?) war 336!! Das waren also um 70 Sttmmen zu viel. Man hatte schlecht gerechnet. Doch die Machthaber machen ähnliche Kleinigkeiten nicht verlegen, man machte ein neues Bild und gab:„316 Wähler, wo- von 208 für die Regicrimg, 108 für die Sozialdemokraten— so daß man uns ganz einfach 70 Stimmen stahl! Am Montag nach der Wahl hielt der Präsident der interimistischen Kommission einen sozialistischen Bauern an und schleppte ihn bei den Haaren auf's Bürgcrnieisteramt; dort wurden ihn, die Hände am Rücken gefesselt, die Füße zusammen- gebunden, dann hing man ihu an einen Balken und es ist nur der In- tervention einiger Bauern zu verdanken, daß er den: Tode entgangen ist. Zwei Bauern kamen nach Roman, um einen Protest gegen die Wahl einzubringen. Sie wurden arretirt, in der schändlichsten Weise geschlagen und auf der Polizei eingesperrt. In I a s s y, S a n d u, R a s c a n i c versuchte der neue Polizeipräsekt durch Verheißungen die sozialistischen Bauern zu gewinnen. Es ist ihm mit den Bauern nicht gelungen, und nun begann er Telcman's Methode, welche dieser in Roman anwandte, auch zu versuchen. Er ließ die Bauern, welche zu dem Abgeordneten Nadejde kamen, arretiren und schlagen; er ließ Lcibcsvisitattonen an allen Bauern vornehmen, welche Sonntags in die Kirche kamen. Er hat zwei Lehrer gewonnen, die bis dahin zum Sozialismus hinstrcbten. Die Anderen, welche sich nicht ergeben wollten, wurden bestraft— man vertrieb sie von ihren Posten! Den Genossen C. Gr. G h e o r g h i u hat man nach Babadagh in der Do- broudja versetzt, die Genossen M. P o st i a und I. P o n a i t e s m hat man von der oberen Norinalschnle fortgewicscn. Man hat die Jagd nach Sozialisten organisirt. Im Distrikt von Vaslnin hat man, obwohl wir uns in der Wahlperiode befinden, mit der Verfolgung und Arrctirung jener Bauern begonnen, welche mau als Sozialisten kennt, um sie zu hindern, für den Sieg des Genossen E. Mille zu kämpfen. Man hat noch mehr gethan! Der Präfekt hat die rekommandirten Briefe geöffnet, welche wir an mehrere Leute in den Kommunen der Distrikte gesandt haben. Man hat unsere Briefe gestohlen und durch erfundene ersetzt, und außerdem hatte man die Frechheit, unsere Briefe dem Haupte der Radikalen, G. Pance, zukommen zu lassen, um Un- einigkeit zwischen den Radikalen und Sozialisten heraufzubeschwören. Zu B a c a u wurde Genosse D. A. T e o d o r u zum Professor am Gymnasium ernannt. Selbstverständlich hatte unser Genosse nichts Eiligeres zu thnn, als mit der Organisation und Propaganda bei den Bauern zn beginnen. Diese Eile war um so nöthiger, als Männer, die der sozialistischen Sache fremd gegenüber standen, dort Propaganda machten, welche neue Bauernunruhen heraufbeschwören konnten. D. A. T e d o r u gelang es bald, Einfluß ans die Bauern zu gewinnen und sie auf den Weg des politischen und ökonomischen Kampfes zn bringen. Doch das stimnite nicht mit den Absichten der Regierung überein, welche den Agitationen der Andern keine Hindernisse in den Weg gelegt hatte. D. A. Tedoru wurde von seinem Posten verjagt und der Schrecken herrscht jetzt im Distrikt Bacan.— In den Distrikten Jlfolv Vlazca, Dimlovita, Jalomite k. ist es ebenso. Daraus ersehen Sie, daß unsere Regiernng schärfere Maßregeln gegen die Sozialisten ergreift, als die in Deutschland, trotzdem die Konstitution kein Ausnahmegesetz gegen die Presse, das Versammlungsrecht und die Propaganda zuläßt." Es geht eben gegen die Kleinen! — Die Opposition in den cnglischcu Gewerkschaften gegen das P a r l a m c n t a r i s ch e K o m i t c derselben ist im b c st ä n d i g e u Wachsthum begriffen. Ihr Zirkular, das von dem Beschicken fernerer Jiiternationalcr Kongresse abräth, hat bei vielen seiner bisherigen An- Hänger dem Faß den Boden ausgeschlagen. Bereits haben drei Protest- Meetings von Vertretern aus verschiedenen Londoner Gewerkschaften stattgefunden und ein ständiges Komite ist eingesetzt worden, um„die üblen Folgen der Aktion des Parlamentarischen Komite in Bezug auf den Internationalen Kongreß ans ein Minimum zu reduziren, wenn möglich ganz zu beseitigen." Verschiedene Gewerkschaften haben ihre Bei- träge an das Parlamentarische Komite demonstrativ herabgesetzt(so die Londoner Schriftsetzer auf Antrag des Sozmlistcn Bateman von 20 Pfund auf 5 Pfund) andere(wie die Manrcrgewerkschaft) sie zeitweilig ganz eingestellt. In der letzten Sitzung(Montag den 1. April) wurde ferner auf den Antrag von Frl. E. Simcox beschlossen, in internationale Korrespondenz zu treten, um festzustellen, „ob die französische« Possibilistcn, welche den bevorstehenden Kongreß organisiren, in gleich exklusiver Weise vorgehen, wie unser reaktionäres parlamentarisches Komite ans dem vorjährigen Londoner Kongreß, wo die deutschen Delegirten ausgeschlosseu wurden." Wir können dieses Vorgehen nur mit voller Genugthuung begrüßen. Korrespondenzen. Plaue» i. Voigtl.(Sachsen.) In unserem letzten Bericht erwähn- ten wir nnscrii hiesigen Bicrstreik und die Klemme, in die unser Stadt- rath infolge eines Gesuches, welches die Saalbesitzer au ihn gerichtet, gerathen war. Heute kann ich Ihnen initth eilen, daß sich unser hoch- weiser Stadtrat!) zu helfen gewußt hat. Die Wirthc haben nämlich nachgegeben— die erwähnten Vereine bekommen ihre Y"» Liter wieder — und der Stadtrath hat auch nachgegeben und den«aalbesitzern ihr Gesuch, d. h. den geivünschten Tanzsonntag noch bewilligt. Somit ist beiden der Mund gestopft imd— d i c S o z i a l d c m o k r a t e n b e- kommen keinen Saal in c h r. Diese werden aber selbstverständlich nicht nachgeben, im Gegenthell, wir werden es auch ohne Versammlungen fertig bringen, unscrn Gegnern das Leben recht sauer zu machen. Diese Maßregelnngen beweisen blos, daß sich die Herren Kartellbrnder nicht mehr sicher fühlen und zu fürchten beginnen, ihren Brodver- thenerer und VolksaushungererHartmann das nächste Mal nicht wieder in den Reichstag zu bringen. Alögen die Wähler das schlechte Gewissen der Herren nicht Lügen strafen! Reumllnster in Holstein. Wir haben heute de» Verlust zweier wackeren Genossen zu vermelde»: Genosse D. P l a m b e ck, Kaufmann, und Genosse Jakob Hauschild sind in ganz kurzer Aufeinander- folge uns durch den Tod entrissen worden. Beide gehörten der Partei seit Anfang der siebziger Jahre an und sind ihr bis zum letzten Athcmznge treu geblieben. Im Austrage sämmtlicher Genossen Neumünster's rufen wir ihnen an dieser Stelle ein herzliches: Ehre Eurem Andenken nach. � Für die kommende Reichstagslvahl ist als unser Kandidat für den VII. Schleswig-Holstein'schen Reichstagswahlkrcis Genosse Johannes Wedde in Lübeck aufgestellt. Wir gehen guten Muthes in den Streit und hoffen auf einen günstigen Erfolg. Fortsehnng pl dritten Dutzend. Für heute veröffentlichen wir kurz zwei den Interessenten bereits signalisirte„Gentlemen". Es ist dies der M a u r e r Pcrndt, Swinemündcrstrabe 16, in Berlin N. welcher der Polizei als Spitzel dient; sowie der Korbmacher Barthold, Wcidcnweg 59 in Berlin O. Signalisirte und begonnene Massenhaussuchungen sollen fortgesetzt werden. Lasse man sich nicht durch Kunstpausen täusche n. Tic eiserne Maske. (Weiteres in Nr. 15. Tie Red.) Zur Beachtung! Unterzeichnetes Komite ersucht alle Vereine und Genossen, welche noch Subskriptionslisten für das Becke r-D c n t m a l haben, anfs Dringendste, dieselben zur lliegclimg der Angelegenheit bis zum 15. April ds. Js. an den Kassirer des Zentralkomite Georg Jacob, r»o Uoti�rie No. 9, einzusenden. Das Zcutral-ilomite. Briefkasten der Expedition: Armer Konrad: Bstllg. u. Adr. v. 23/3 no- tirt. Bf. am 26. beantw.— Muth u. Kraft: Avis v. 26/3 erh. Adr. notirt. Bstllg. folgt. Monirtes geord. lieber Mehrerhaltenes am 1/4 bfl. verfügt.— Dr. Epst. Crpsll.: Sh. 13.— Ab. ab 1/4 bis Ende 89 erh. Katalog folgt.— G. H. Mhdt.: Mk. 3.50 f. Schrft. erh. Sdg. nach Wunsch besorgt.— Zopyron: Mk. 52. 05 a Eto. Ab. k. 88 erh. Brfadr. geord.— A. Sch. Dijon: Fr. 2.50 Ab. 2. Qu. erh. Ge- wünschtes der Nr. 14 beigelegt.— Cöln a/RH.: Mk. 1000.— per Ufds. dkd. erh.— Nother Apostel: Nachr. v. 28. am 29/3 beantw. Adr. k. eingerenkt u. Weiteres nach Wunsch gerichtet.— E. A. Zda.: Mk. 3.20 Ab. 2. Qu. erh. Es genügt nicht blos Abonnent zu sein. In solchem Falle müssen wir Ihre Vergangenheit und auch Ihren Be- ruf kennen.— Anstiftler: Mk. 5.— a Eto. Ab. u. Schrft. erh.„In erster Reihe befindliche Sentenz"— heißt: Ordnung in Permanenz. Dieser„Holden" gegenüber zählen Sie wohl auch nicht zu den„Frauen- vergöttercrn, oller Freund? Frdl. Gruß!— Hexenthurm: Mk. 25.— Ab. 1. Qu. ii. Schrft. erh. Bstllg. notirt. Bfl. das Gewünschte. Haben Sie Deckadr. schon befragt?— Claus Groth: Mk. 80.— a Eto. Ab. ic. erh. Bstllg.:c. notirt. Rchng. folgt. K. dürfte sehr wohl wissen, warum? Bfl. Näheres.— Plattkopf: Mk. 35.— a Eto. Ab. 1. Qu. :c. erh. Adr. u. Bestellung vorgemerkt.— Rthr. Peter: Mehrbestllg. notirt. Erwartetes unterwegs.— Merlin: Adr. v. 31/3 erh. Bstllz. notirt. Weitere Aufschlüsse bfl.— Lionel: Sdg. kreuzte wahrscheinlich mit Bf. v. 30/3. Bstllg. u. Adr. notirt. Weiteres erwartet. Bfl. mehr. — Vcilchenstein: Nachr. v. 27/3 erh. B. besorgt. Möglich, daß P. mit- spielt. Weiteres bfl. klargelegt.— Panzerschiff: Quttg. kreuzte mit An- frage. Siehe Nr. 13. Auszug und Spezialnota folgen.— K. K.: Bstllg. der 100 erh. Mehr Adr. dringend nöthig. Hoffl. wird Wort ge- halten, damits nicht staut. Gruß!— Rother Eisenwnrm: Je prompter Nachr. gegeben wird, je rascher ist Wandel. Betreffs chband bfl. Auf- schluß.— Iltopia: Näheres betr. Nachr. v. 28/3 erbitten u in gehend. Unbesorgt um Weiteres.— Schippe: Notiren Adr. u. Beftllg. Am 1/4 bfl. Weiteres.— Gracchus W.: Adr. geord. u. Beil. besorgt, wie bfl. am 1/4 gemeldet.— Distelfink: Schrftbstllg. unterwegs. Näheres bfl. am 1/4.— M. P. Rbg.: Besorgt wie am 27/3 bfl. berichtet.— Neu- Park Labor News Co.: Wird besorgt. Nota folgt, sobald Beauftragte Abgg. melden.— Sicbcncr: Falsche Voraussetzungen, falsche Schlüsse; bfl. Näheres.— Aaran: Warum Derartiges nicht in erster Linie ausführlich in dortige Arbeiterpresse? VerläuMder u. Ehr- absch neider wie der Schneider Franz Holzhammer aus Hall in Tyrol werden s o am schnellsten kaltgestellt. Wir meldeten Ihnen doch, daß seine sonstigen Angaben erlogen waren. Hinaus mit solchen„Finken"!— O. F. Genf: Brfe. v. 28/3 hier. Letzter kostet 50 Cts. Strafporto. Weiteres demnächst und Gruß.— Laffc: Bestllg. vorgemerkt u. bfl. Antw. auf Nachricht v. 29/3. Vor- geschlagenes unmöglich. Sind das die einzigen Gründe?— -- Marie: Bse. v. 28. u. 30/3 kreuzten mit unsrigeni. Am 1/4 wiederholt, warum Verlangen unerfüllbar ist. Gründe absolut n n- persönlich.— F. L. Hier: Sh. 2.— f. Schft. erh.— I. B. Rsa: Mk. 3.— Ab. 2. Qu. erh.— Johann: Mk. 2000.— a Eto. Ab. k. ii. Nachr. v. 26. u. 28/3 erh. Adr. geord. Bfl. mehr.— Babylon: Mk. 22. 10 Ab. W. 89 II. 1. Qu. K. erh. Letzteres vorläufig gesperrt. Bitten Weiteres nur durch eine Hand.— F. H. B.: Mk. 5.- Ab. 2. Qu. erh.— Alane: Mk. 100.— a Eto. Ab. ic. erh. Bstllg. aus 56 vorgemerkt. Warum kein Bescheid auf frühere Anfrage betr. Ausgl. d. Alten?— Ahasvcrus: Bf. v. 29/3 am 3/4 bcantiv. Sldr. dkd. ge- ord. Die„verjüngte Matrone" hat der Bisherige geleistet.— Frd. Bn: Mk. 4. 40 Ab. 2. Qu. Ii. Mk. 10. 60 pr. Ufds. erh.— Erfenstein u. Spgbrg.: Mk. 5. 10 Ab. 2. Qu. u. Schft. erh. Bstllg.:c. notirt. Ge- wünschtes folgt.— O. M. Paris: Ersvsdg. mit 13 abgg. N. S. nur 1 Expl. i. Archiv, also unentbchrl.— Eowie u. Eo. London: Sh. 2.— Ab. 2. Qu. erh.— Rothbart III.: Nachr. v. 1/4 erh. Bitten vor- wärts mit dem, was da ist.— Ch. P. Vors.: Sh. 2.— Ab. 2. Qu. erh.— X. 3.: Ad. v. 31/3 notirt.— Balthasar: Bstllg. v. 31/3 erh. Weiteres dürfte jetzt dort sein.— Kilian: In Nr. 7 quittirte Mk. 56. 95 jetzt als Mk. 57.— gutgcbr. Adr. notirt u. Weiteres erwartet. Er- satz angeordnet, dürfte zum Theil schon dort sein.— Pharao: Bf. v. 1/4 kreuzte mit unsrigeni v. 2/4, der Gewünschtes enthielt. Weiteres demnächst. Erstes Avis gieng schon am 20. hier ab, nicht am 27! Scheibe: Mk. 4. 40 Ab. 2. Qu. erh.— I. Kpps. Zrch.: Fr. 4. 5G Ab. 1. Qu. erh.— W. A'fuhrn.: Fr. 5.— a Eto. u. Nemmittendc» erh.- D. Schmtz. Hrsldn.: Fr. 2.— Ab. 1. Qu. erh.— Mitglied-l schaft Basel: Fr. 27.— a Eto. Schriften erh.— Gtzff. Bsl.: Fr. 2. 25 Ab. 2. Qu. erh.— I. Mrbch. Luzcrn: Fr. 9.— Ab. 2. Qu. u. Rest 1. Qu. erh. Fr. 3.— Ufds. dankend verwendet.— G. Meier Zrch.:! Fr. 2.— Ab. 2. Qu. erh.— Brngl. A'sihl: Fr. 2.— Ab. 2. Qu. erh.--- Durch Unterzeichnete ist zu beziehen: Der WoMsfreunö. ZUllkrirtc Jeitschnst für Antrrhaltung und jDflfljrung. Mit Beilagen: Die Kuusthallc und Der Hausarzt. Alle 14 Tage erscheint ein Heft(3 Bogen.) Preis 35 Cts., per' Quartal Fr. 2.40. vie Schriften-iilinle irr„Ardritrrllimine" in Iiinch, Zähringerstraße 12. krluteü kor ttto proprietors by fthe German Cooperative Publishing Co. J14 Kentifch Towo Road London N. W.