�oonnemenis werden beim Verlag und dessen bekannten Agenten entgegen- genommen, und zwar zum voraus zahlbar«« DierteljahrSpretS von: Mk. 4,40 für Deutschland(direkt per Bries-Eouvert) ötofl. 2,75 für Oesterreich(direkt per S�rief-Couvert) Thill. 2,— für alle übrigen Länder des Weltpostvereins(Kreuzband)* Zuscrate die dreigespaltene Pctitzeile »Pen-« 25 Psg.---- 30 6tS. Der Soiialöfiuohrat (? Krgan der Sozialdemokratie deutscher Junge. Erscheint wöch eutlich einmal in London. Dtttag der Serwn»(?<>opsrative?udUsd!ng'v i c g l c r",„R ä d c l s f ü h r c r",„II nz u- f r i e d e n e" lesen, und der P n t t k ä m e r'sche S t r e i k c r l a ß hat ks mit sich gebracht, daß die Beamten in Arbeitseinstellungen von vorn- herein„sozialistische Wühlereien" zu erblicken pflegen. Lau sachlichem Eingehen ans die rein ökonomischen Forderungen der der Arbeiter dagegen nieist keine Spur, wie es dcmi so bczeich- vend wie nur möglich ist, was der Dresdener Beamte in feinem letzten Jahresberichte mitthcilt. Er besuchte gerade eine Fabrik, als eine Depmation der Arbeiter beim Unt-rnchmcr die Wünsche der Arbeiter bezüglich günstigerer Lohnbedingiingen vortrug. Dem sächsischen Beamten genügte eine Aachimisung über die Berdienstverhältnissc der Arbeiter, welche er sich sofort vom Uiitcriichmcr anfertigul ließ, und dst ihn seiner Menumg nach von der günstigen Lage der Leute unter- nchtetc, um die Arbeiter mit einer salbungsvollen Aede heimzuschicken. Daran, daß es nothwendig und geboren wi. die Forderungen dcr Arbc-tcr auch nnx iu-vatfcii, daran briu; der Beamte gar nichr. Er ließ sich- also die dankbare Gelegenheit, wirktich vcrnlittclnd und ausgleichend elnznhreifeu, völlig entgehen. Denn es ist doch klar, daß die Wünsche der Arbeiter durch pathetische Anreden "•cht erledigt werden konnten und daß selbst zur sachlichen Widerlegung chrcr Forderungen näheres Eingehen auf ihre Argumente nothwendig war. Kein Wunder, daß die deutschen Arbeiter von solchen Beamten keine thatkräftige Vermittlmig erwarten und ihre Sache allein auszii- fachten suchen, ein Zustand, der die sozialen Gegensätze nur verschärfen Soweit die„Franks. Ztg.", und Niemand wird dem volks- parteilichen Blatt nachsagen können, daß es in Bezug auf die Dinge in Preußen-Deutschland übertreibt. Und nun das andere Bild: .... Zu einem Wiener Etablissement der Pavicrindustrie stellten Arbei- ermnen die Arbeit deshalb ein, weil sie plötzlich im Akkord, dessen Breis ihnen zu gering ivar, statt im festen Lohne arbeiten sollten. Mit Rücksicht auf die in der Arbeitsordnung normirte l4tägigc.Kündigung verweigerte die Direktion die sofortige Herausgabe der Arbeitsbücher. »Voiz den Arbciteriimen zur Intervention veranlaßt", berichtet nun wörtlich der Inspektor,„habe ich den Standpunkt vertreten, daß der Akkordprcis mit Rücksicht aus die festgesetzte ttiindigungsfrist mindestens f t Tage vorher hätte vereinbart werden müssen, und daß die Arbei- keriiinen nur uiiter Belassung im alten Lohnvcrhältnisse zur Einhaltung ort ätündiguilgsfrist verhalten werden können. Diese Ansicht wurde wzcptirt und nach l'/istündiger Unterbrechung, für welche Zeit die Ar- veitnimicii Vergütung erhielten, wurde die Arbeit wieder aufgenomnlen." Ebenso schlichtete derselbe Beamte den Wiener Setzerstteik, der honges Jahr einiges Aussehen erregte, und zwar wiederum einen, Er- juchcn der Gehilfen folgend. Er konferirtc mit Vertrauensmännern vcr Prinzipale und Arbeiter und verniochtc die ersteren dazu, den Haiiptthell der Setzerfordcrungen zu gewähren. Der Inspektor des zweiten Aufsichtsbezirkes(W i e n e r- N c u st a d t) wachte die H e r a b s c tz u n g der Akkordsätze um lö Prozent, welche in einer Eisengießerei beabsichtigt Ivar und zum Streik geführt hatte, durch Rücksprache mit dem Unternehmer rückgängig, per- hütete in einer Spinnerei und Weberei eine Lohnred nktion, we infolge Wegfalls der zwölften Arbcttsstunde eintreten sollte, zu Gunsten der schlecht gestellten Arbeiter und erzielte ähnliche Ergebnisse w anderen Fällen, wo er„das ruhige und tattvollc Auftreten der Ar- bciter" rühiiil. Zin Referate des Grazer Inspektors findet sich folgende Stelle Es handelt sich um eine Schuhwaarenfabrik, in welcher eine gewissen Arbeitern uiivortheilbaftc Acnderung in der Arbeitscheilung zum Streik 9erührt hatte):„In weiterer Verhandlung suchte ich dann den Direktor »um Einlenken auf die Forderungen der Arbeiter zu bewegen, was jwch gelang. Derselbe gab die Zusicherung, daß keiner der am Streik vcthciligt�gewescnen Arbeiter entlassen werden ivürde." � Diese Stellen aus den neuesten Berichten der österreichischen Gewerbe- 'wspektorc» ließen sich leicht vermehren. Was ist ihnen allen gemein- iatutz Die Unbefangenheit, mit welcher die Beamten an die Bcurthei- jung der Streitfragen herantreten, was umgekehrt ihre regelmäßige Prüfung durch die Arbeiter erklärt, die Energie, mit welcher sie sich Vie Scheu vor giftigen Borurthcilcn auf die Seite der wirthschastlich schwächeren, der Arbeiter, stellen, sobald sie deren Forderungen als vttechtigt erkannt haben, die rein wirthschaftlichc Betrachtungsweise, vsren sie sich ohne Rücksicht auf politische Momente befleißigen, und die Arcnc � mit welcher sie selbst für das künftige Schicksal der am Streik BrtheUigten, die etwa einer rachsüchtigen Entlassung anheimfallen könn- °n. sorgen. Durch dieses ziclbeivußtc Vorgehen ist der soziale Friede »wpchcn großen Erwerbsklassen der österreichischen Monarchie nicht er- nyuttert. sonder» erhalten und gefestigt worden, wie denn in dem Werth- ollen Äerichtsbandc, der diesen Betrachtungen als Grundlage dient, wehrfach die Feststellung wiederkehrt, daß die Unternehmer den Jnspek- .°rcn und Arbeitern dankbar dafür waren, daß sie gewisse Mißstände " ihren Fabriken in Erfahrung brachten, von denen sie vorher bei der "ttiligen weitgehenden Arbeitstheilung gar keine Ahnung hatten." Auch diese Darstellung entspricht im Wesentlichen durchaus der wirklichen Sachlage. So lasen wir erst dieser Tage wieder in einem Artikel des Briinner„Volksfreund":„Die Arbeiter sollen zu den Gewerbeinspektoren Vertrauen haben, und sie können es auch; denn bis jetzt liegt wohl kein Fall vor, daß die Gewerbeinspektoren das in sie gesetzte Vertrauen in irgend einer Weise zu Ungunsten der Ar- b e i t e r mißbraucht hätten." Wie spärlich sind die Fälle in Deutschland gesäet, wo ein Arbeiterblatt von einem Fabrikinspektor ein Gleiches sagen kann. Die große Mehrzahl der Herren betrachten es als ihre Aufgabe, Schönfärberei zu Gunsten der Aus- beute r zu treiben. Wir sind gewiß nicht gesonnen, hier ein Loblied auf Oesterreich anzustimmen, aber was wahr ist, ist wahr: Drüben in Oesterreich fassen die Fabrikinspektoren ihre Aufgabe als eine soziale, hüben in Preußen-Deutsch- land als eine polizeiliche auf. Der Gegensatz zwischen hüben und drüben hat ja auch seine ganz natürliche Erklärung. So verrottet die politischen Zu- stände in Oesterreich auch sind, so hat der tiefgehende Streit der Nationalitäten doch die Wirkung, daß er— periodisch— die Klassenherrschaft mildert—- vielleicht sagen wir besser schwächt. In Oesterreich herrscht die Bureaukratie allerdings als Vertreterin der besitzenden Klassen, aber doch zur Zeit mit einer größeren Selbständigkeit ihnen gegenüber als in Deutschland. In Deutschland haben trotz politischer, religiöser und selbst nationaler Differenzen sich die Parteien der Be- sitzenden auf dem Boden des gemeinen Klassen- Interesses gefunden— die politischen Kämpfe unter ihnen sind nur noch vergleichsweise harmlose Plänkeleien. Ostpreußische Landniagnaten und rheinische Schornsteinbarone, katholische und protestantische, muckerische und freigeiftige Ausbeuter sehen sich die Staatsgewalt allüberall da zur Verfügung gestellt,-wo es ihre wirthschastlicheu Sonderinteressen gegenüber der Allgemeinheit zu vertreten gilt. Die Bureau- kratie herrscht, aber als absolute Dienerin des Aus- beuterthumS, das im unübertrefflichen Sozialreformcr Bis- marck seinen verstüiidnißiningen Führer verehrt. Die Zeit, da Bismarck die Arbeiter gegen die Bourgeoisie ausziffpielen ver- suchte, ist längst vorüber; seit er selbst Geschäftsmann ge- worden, hat er wohl zeitweise die verschiedenen mit ihm ver- büudeten politischen Parteien, nie aber das Ausbeuterthum verratheu. Alle seine Freunde aus früherer Zeit haben den benihmtm Fnßtritt erhalten, nur Freund Bleichröder nicht. Zehnmal eher im Militärstaat Preußen einen Kriegsminister stürzen, als den geadelten Börsenjobber. Bismarck ist es nun, dem als preußischen Handelsminister die preußischen Fabrikinspektoren iliiterstellt sind. Was das heißt, ist in dem Sprüchwort„Wie das Haupt, so auch die Glieder", bereits gesagt. Die Herren müssen, wie der Ehef ihnen befiehlt, oder sie haben sich ihrer Wege zu scheeren. Die meisten von ihnen sind aber viel zu getreue Staatsdiener, um das Letztere zu wählen, und so eignen denn auch sie sich mit der dem Beamten so schön stehenden Anpaffungsfähigkeit die Sprache und Auffassung der„Sozialresorm" an. Jeder Schwindel, der unter dem Namen„Wohlfahrtseinrichwng" vom Ausbeuterthum in die Welt gesetzt wird, wird verhcrr- licht, jeder Versuch der Arbeiter selbst, ihre Wohlfahrt zu er- kämpfen, aber verdammt. So sind die Berichte der deutschen Fabrikinspektion von Jahr zu Jahr bedeutungsloser geworden, und seit sie im Handelsministerium für den Gebrauch des Publikums„bearbeitet" werden, haben sie vollends jeden Werth eingebüßt. Und das ist das Land, dessen Regierer an der Spitze der Sozialreformer unserer Zeit zu marschireil— behaupten. Eine größere Unverschämtheit, als in dieser Selbst- reklame liegt, war noch gar nicht da. Sie ist die dickste Lüge unseres in dieser Hinsicht gewiß nicht armen Zeitalters. Wir sind weit entfernt, uns über den Nutzen, den Fabrik- Inspektoren stiften können, Täuschungen hinzugeben, beim besten Willen können sie die Unternehmer nicht zu Lämmern machen, die Arbeiter nicht vor den verheerenden Wirkungen des kapitalistischen Entwicklungsprozesses bewahren. Aber sie können manches Unheil von ihnen abwenden, sie können ihnen direkt und indirekt den Kampf gegen den Kapitalistenübermuth erleichtern. Und das ist unbestritten: eine ehrliche, un- abhängige Fabrikinspektion ist die elementarste Vor- bedingung einer wirklichen Sozialreform. Daß das Reich des praktischen Ehristenthums in Bezug auf diesen Punkt noch weit, weit hinter dem verrotteten Oesterreich zurück ist, gibt es ein schärferes Verdammungswort, das ihm nachgesagt werden könnte? Die österreichische Sozialdemokratie und der Streik der Tramwaykutscher in Wien. Aus Wien schreibt man uns unterm 27. April: „Das Wachstlmm der sozialdemokratischen Bewegung in den letzten Jabren, die Thatsache, daß die Sozialdemokratie mit der Masse der arbeitenden Bevölkerung in immer engere Verbindung getreten ist, ist schon seit einig r Zeit in den oberen Regionen sehr»ntiebsam bemerkt ivvrdcn, und die Polizei hat daher den Auftrag erhalten, wenigstens im Bereich des Ausnahmszustandes jede Vtasscnkundgcbung der Partei unmöglich zu machen. Gesagt, gcthan. Das Vcrsaimnlungsrecht wurde für uns einfach konfiszirt. Die„gesetzliche Handhabe" dazu bietet die Ausnahmsverordniliig, die eben die polizeiliche Willkür zum Gesetz er- hebt. Daß, trotzdem sich die Ausnahmsvcrordnuug nominell bloS gegen „anarchistische Verbrechen" richtet, diese scharfe Praxis erst eingeführt wird, seitdem jede Spur von Anarchisnms aus unserer Bewegung ver- schwunden ist, beweist, daß der Polizei die öffentliche und gerade deswegen von ihr nicht leicht zu vceinflußende Partcithätigkcit viel»n- angenehmer ist als jene, die geheim ist blas für das Volk, nicht aber für das„Auge des Gesetzes", das sie nicht blos leicht durchschaut, son- dern auch dirigirt. „O e f f e n t l i ch e A r b e i t e r v c r s a m m l u n g e n w e r d e n in Wien nicht mehr erlaubt", erklärte vor kurzem der Polizei- Direktor. Auf daß dies Verbot nicht umgangen werde, haben zu Vcr- sammlungen des Vereines„Wahrheit", des einzigen politischen Vereins, den wir in Wien haben, des einzigen, der politische Themata diskntircn darf, als Gäste nur diejenigen Zutritt, die ans den Namen lau- tendc Einladungskarten erhielten und die auf einer der Polizei vorzulegenden Liste stehn. Mit andern Worten, die Polizei will uns von der großen Masse überhaupt abschneiden und uns frühzeitig vor die Alternative stellen, unsere Agitationsthätigkeit cnt- weder auf den engsten Zirkel zu beschränken oder der Polizei eine Proskriptions liste aller Derjenigen zu liefern, die sich für unsere Sache interrssiren, ihr aber als Vereinsmitglieder noch nicht be- karnit sind— die Mitglieder von politischen Vereinen sind von vornherein der Polizei bekannt zu geben. Wenn man glaubte, unsere Leiste dadurch zu schrecken, irrte man sich. Die VcrciiiSvcrsamuilung der „Wahrheit", die seitdem unter diesen Bedingungen stattfand, war besser besucht als die früheren, trotzdem beim Eingang des Lokals vier Spitzel mit der Liste standen, um die Identität jedes geladenen Gastes fest- zustellen. Und unmittelbar darauf trat ein Ereigniß ein, das die Masse des arbeitenden Volkes in innigeren Kontakt mit der Sozialdemokratie brachte und für ihre Lehren empfänglicher machte, als es in der gelungensten Volks vcrsatmnsimg möglich gewesen wäre: der Streik der Traimvah- Kutscher mit seinen Folgen._ Wie derselbe entstanden, wie er verlaufen. darüber hat die Tages- presse nicht blos Oesterreichs sondern auch Teutschlands so ausführ- liche Berichte gebracht, daß es höchst überflüssig wäre, mit cincni wci- teren Bericht um eine Woche verspätet im„Sozialdemokrat" nachzu- hinken, der ohnehin kein Nachrichtenblatt ist. Einige Streiflichter auf charakteristische, im Reich kaum genügend bekannte Vorkommnisse, die direkt an diesen Streik anknüpfen, dürften indeß nicht überflüssig sein. Charakteristisch war vor Allem die Haltung der Polizei. Es war diesmal der äußerst seltene Fall eingetreten, daß»Alles mit den Kutschern sympathisirte, vom Proletariat angefangen bis zum Minister- Präsidenten und Kaiser. Die Ausbeutung der Kutscher war so offen- kuiidig und horrend, ihre Forderungen so bejchcioen, chr Auftreten so ruhig, daß das allein schon hätte für sie Svmpathicn erwecken müssen. Doch ist das bei andern Streiks nicht der Fall, wo dieselben Beding- iinge» eintreten. Aber hier kam noch hinzu, daß die Tramwatzgesell- schaft so schmutzig und habgierig ist, daß sie schon längst aiich das fahrende Publikum durch Nichtbeachtung seiner Wünschc erbittert hatte, und daß sie sich nicht einmal zu jener Generosität anfschwang, mit deren Hilfe man heute jede Gemeinheit der gedankenlosen Masse gegenüber beschönigen kann: zur ausgiebigen Erkanfung der Presse. Nur ein Organ scheint genügend gespickt worden zu fein, das„Tagblatt" des Herrn Szcps; die andern zeigten sich neutral, einige sogar kutschcrfreundlich. Dem Zusaimnciiwirkcn dieser Umstände ist es zuzuschreiben, daß Alles sich entschieden für die Kutscher aus- sprach. Das hinderte jedoch die Polizei nicht, diese auf das Gemeinste zu brutalisiren. Der Tramlvaygcscllschaft wurde jede Ungesetzlichkeit erlaubt. Sie durfte, entgegen den bestehenden Vorschriften, als Kutscher fahren lassen, wen sie wollte; daß zahlreiche Unglücksfälle durch diese»nerprobtcn Arbeitskräfte veranlaßt wurden, kümmerte sie nicht. Die Kutscher, naive, unerfahrene Leute, hatten im Vertrauen auf die Gerechtigkeit ihrer Sache alle Hoffnungen auf die Polizei ge- setzt. Sic hatten erwartet, diese werde das Gesetz streng handhaben und keinen ungeprüften Kutscher durch die Straßen Wiens fahren lassen. Damit wäre der Streik zu ihren Gunsten entschieden gewesen. Die Po- lizet hat dafür gesorgt, daß diesen Leuten und allen, die mit ihnen sympathisirten, über die polizeiliche Gcsctzeslicbe und Unparteilichkeit gründlich der Staar gestochen ivurde.. Die Pferdebahngesellschaft durfte thun, was sie wollte. WaS that aber die Polizei mit den Kutschern? Schon am Samstag vor dem Streik wurden ihre Vertrauensmänner zum Kommissär B r e i t e n- feld beschieden und ihnen daselbst angedroht, daß die Kutscher beim geringsten ungesetztichen Schritt oder wenn der Streik nicht rasch be- endet werde, a n s g e w i c s e n würden. Daß man Arbeitern im Lohn- kämpf in dieser Weise in den Rucken fallen kann, dafür sorgen nebst der thatsächliche» Allmacht der Polizei zwei Gesetze, die in der Zeit der„Sozialreform" in Wirksamkeit getreten sind: das„Vagabun- d e n g c s c tz", das jeden Arbeitslosen zum Vagabunden erklärt und seine„Abschiebung" in die Heimath erlaubt, und die Aus» ah ms- Verordnung, die die Ansiveismig jedes unbequemen Arbeiters aus dem Bereich des Ausnahmszustands ermöglicht._ Auch während des Streiks wiederholten sich die Angriffe der Poll- zssten auf die Kutscher, die eine bewunderungswürdige fltuhe bewahrten. Polizisten erschienen in den Remisen, faßten die Leute an der �Brnir und rissen ihnen gewaltsam ihre Uniformen herunter; einzelne Sttci- kendc wurden vor die Polizei zitirt und ihnen daselbst die Alternative gestellt, entweder die Arbeit wieder aufzunehmen oder ausgewiesen zu werden, worauf sie für Ersteres sich erklärten u. s. w. Aber die Polizei fand Gelegenheit, ihre brutale Niedertracht auf einem noch wetteren Gebiet zn bethätige». Am Morgen des Ostersonntag, des Tags, an dem der Streck be- gann, hatten sich bei den verschiedenen Pferdebahnrcmisen zahlreiche Arbeiter und überhaupt Leute aus dem Volk eingefunden, den Streiken- den ihre Sympathien zu bezeugen. Die Kutscher wurden mit Hn-rtahS begrüßt. Die Menge war gntmüthig gestimmt und selbst das„schnei- dige" Vorgehen der Sicherheitswache gegen sie brachte sie nicht aus ihrer Stimmung. Diese änderte sich erst, als dieselbe Polizei, die so streng Sympathiekundgebungen für die Kutscher unterdrückte, nngepruftc Kutscher in ungesetzlicher Weise fahren ließ. Die ersten Stabs wurden — nicht von den Streikenden— mit Pfeifen und Gejohle empfangen, als aber immer mehr Wagen ausfuhren, da stieg die Ervitterung der Menge auf's Aeußerstc, sie zwang die Kutscher gewaltsam. umzukehren und machte so wenigstens auf zwei Linien— Favoriten und Hcrnals— jeden Pferdebahnverkchr unmöglich. Die zahlreiche Wachmannschast fand nun erwünschte Gelegenheit, endlich einmal mit blanker Waffe einzu- hauen, aber die Menge war z» stark, als daß sie mit ihr fertig ge- worden wäre. Sie mußte sich darauf beschränken, eine Erstürmung der Remisen zu verhindern. Im Kampfe wuchs die Erbitterung und Eni- schlössen heit der Menge, im», er größere Dimensionen nähme» die„Ex- zessc" an. es kam zn förmliche» Straßeuschlachteu und erst ein geival- tiges Aufgebot von Militär war im Stande, die„Ruhe" wieder her- zustellen, aber erst, nachdem die gestimmte arbeitende Bevölkerung Wiens in der gewaltsamsten Weise aufgerüttelt worden. Daß das Lumpenproletariat diese Gelegenheit benutzte, seinen Haß gegen Gesellschaft und Eigenthum und deren Wächter in seiner Weise Llusdruck zu geben, ist nicht zu leugnen. Das wird sich immer und überall creigucu, wo das Volk nnt der bestehenden Ordnung in gewalt- sameu Konflikt kommt, und diese Betheiligung wird umso intensiver werden und umso häßlichere Gestalt annehmen, je länger die heutige Gesellschaft dauert, die das Lumpenproletariat züchtet und verkommen läßt. Die Verantlvortung fiir dessen Gebühren fällt ausschließlich auf die kapitalistische Gesellschaft, deren ureigenstes Produkt das„Gesindel" ist; sie hat es geschaffen, sie mag zusehn, wie sie damit fertig wird. Erscheint es ihr während eines Volksaufstandes besonders gefährlich, so ist das ein Grund für sie, für ihre Stützen und Leiter, jede Pro- Lokation eines solchen auf das Aengstlichstc zu meiden, es ist kein Grund für die Arbeiter, vor jeder Provokation zurückzuweichen. Es heißt die Bedeutung der„Exzesse" abschwächen, wenn man, wie die Tagespresse es thut, behauptet, blos das„Gesindel" habe sich daran betheiligt. Das ist nicht wahr, wie Schreiber dieses aus eigener Wahrnehmung behaupten kann. Die ganze Bevölkerung der Arbeiter- quartiere war auf den Beinen, auf das Nachdrücklichste gegen die Polizei und ihr Verhalten im Streik zu demonstrircn.„Pilger", wie man hier die Lumpenprolctarier nennt, waren dabei, aber' sie waren die Minderheit gegenüber Arbeitern und Kleinbürgern und deren Frauen. Auch. Sozialdemokraten fehlten nicht. Es wäre ein Unding, wollte unsere Partei als solche„Exzesse" arran- giren; nicht nur, daß dergleichen sich nicht arangiren läßt, so beruht deren Bedeutung ja nur auf ihrer Spontanität; sie erlangen kaum je politische Bedeutung, sie ändern nichts am Kräfteverhältniß der Parteien, ihre Wirkung ist bloß eine moralische, indem sie blitzartig die Stimmung erhellen, die in den Volksmasscn herrscht, die fiir gewöhnlich nicht zum Wort kommen und die man für zufrieden hält, weil man sie nicht murren hört. Aber wenn es ein Blödsinn für die Sozialdemokratie wäre, Exzesse und Putsche zu arangiren, so ist das doch kein Grund, warum gerade Sozialdemokraten sich von einem thatkräftigcn Protest ihrer Klassengcnosscn gegen die Willkür des Klasscuregimeuts fern halten sollten. Im Gegeutheil, ihr zahlreiches Einschreiten bei solchen Gelegen- heiten kann nur die vortheilhafte Wirkung haben, den Einfluß des Lumpenproletariats niederzuhalten, die Menge vor thörichten Streichen zu warnen und dahin zu wirken, daß der Protest sich auch wirklich an die gehörige Adresse richte. Wir freuen uns, konstatiren zu können, daß auch die klassenbewußten Arbeiter, daß auch viele Sozialisten auf die Seite der„Exzedenten" traten: ihnen vor Allem ist es zu verdanken, daß die Spitze der Demonstrationen gegen die Tramway- Gesell- schaft und die Polizei gerichtet blieb und daß die entstandene Be- wcgung nicht zu einem I u d c n- K r a w a l l sich umwandelte. Man kann solche Bewegungen nicht machen, aber bis zu einem gewissen Grade leiten, und daß ihre Richtung gegen die wirklichen Vcr- anlassungcn eines Mißstandes sich wende— und weiter kann ja eine plötzliche Bewegung unorganisirter Massen in der Regel nicht gehen, die Grundursachen der Roth bleiben davon unberührt— daß die Bc- wegung gegen die wahren Schuldigen sich wendet und nicht am Ziele vorbeischießt, dafür haben gerade die Sozialisten zu sorgen, ihr überlegenes Wissen und ihre überlegene Erfahrung zu bcthätigen. Da fast die ganze Bevölkerung der Arbeiterviertel an den„Exzessen" sich betheiligtc, waren außer Sozialdemokraten auch Antisemiten dabei vertreten, das heißt, die große Masse der Kleinbürger, die, halb vcr- zweifelnd, doch noch glaubt, ihr Ruin sei die Folge einzelner Personen, nicht des Systems; die im Antisemitismus den richtigen Ausdruck ihrer denkfaulen und beschränkten dumpfen Unzufriedenheit gefunden hat. Wahr- hast erbärmlich dagegen haben sich die antisemitischen Führer be- nommen. Selbstverständlich verlangte man von den Herren nicht, daß sie in Favoriten und Hernals mitdcmonstrircn sollten. Sie hatten andere, wirksamere Mittel, ihren Sympathien für die streikenden Rutscher Aus- druck zu geben, und man durste das um so eher erwarten, als diese „Christen" sind, die Pfcrdebahngesellschaft dagegen eine„Iudcngescll- schaft" ist, beherrscht vom Juden Reitzes. Aber für die antisemitischen Führer ist der Kmnpf gegen das Iudcnthum nur ein Kanipf um die Beute, ein Kampf um das Privilegium auf Ausbeutung, nicht ein Kampf gegen die Ausbeutung. An Stelle der ausbeutenden Anden sollen ausbeutende Christen treten, die Ausbeutung selbst nicht angetastet werden. Da es nicht zu erwarten ist, daß Tramwaykutscher selbst nach radikaler Austreibung der Juden zu Ausbeutern werden, haben sie kein Anrecht auf die Sympathien unserer antisemitischen Herren. Dieselben rührten keinen Finger für die Streikenden; ihr Blatt, das täglich erscheinende „Deutsche Volksblatt", äußerte sich kühl und nichtssagend und dachte nicht im Entferntesten daran, etwa eine Sammlung zu Gunsten der Kutscher einzuleiten. Im Gegeutheil. Die Liberalen wollten in höchst einfältiger Weise die Antisemiten als die Macher der Exzesse hinstellen. Unter Anderem behaupteten sie, dieselben hätten den streikenden Kutschern Geld gegeben; da verwahrte sich nun das„Volksblatt" im Brustton tiefster Entrüstung gegen diese„elende Verläumdung" und erklärte, daß vielmehr die Juden die Streikenden unterstützt hätten, nämlich der Jude Dr. Adler, der auch „die Streikenden aufhetzt und haranguirte". So das Blatt, welches vorgibt, die Interessen der„werkthätigen Bc- völkerung gegenüber der Ausbeutung durch das jüdische Kapital" zu vertreten! Die Herren Liberalen und Antisemiten haben sich übrigens gegenseitig nichts vorzuwerfen, die Einen wie die Anderen haben sich gleich schäbig und feig benonnncn. Wer die Streikende» unterstützte, das waren nicht die Antisemiten, nicht die„Juden", sondern die„Sozial- demokraten". Nicht der Jude Adler, sondern der Sozial- d e m o k r a t Adler ist fiir sie eingetreten. Unsere Genossen haben den Streit natürlich nicht provozirt, sobald aber einmal die Kutscher ihren Entschluß geäußert, zu streiken, haben unsere Genossen Alles aufgeboten, daß der Streik günst g für dieselben ausfalle. Sie haben sie mit den betreffenden Gesetzesbestimmungen bekannt gemacht, so daß die Kutscher auf gesetzlichen! Boden verblieben und den Herren Polizeikommissärcn die Freude verdarben, die schon in der Vorahnung der kommenden Ungesetzlichkeiten geschwelgt hatten. Sic haben den Kutschern gezeigt, wie man sich organisirt und wie die Einzelnen in Fühlung mit dem Gros bleiben; sie haben endlich in der„Gleichheit" eine Sammlung er- öffnet, die binnen wenigen Tagen achthundert Gulden ergab, eine für unsere bescheidenen Verhältnisse bedeutende Summe. Leider dürfte damit ein Auslangen nicht getroffen werden; es dürften manche der Streiken- den gemaßrcgelt werden, die Leute haben gar keinen finanziellen Rückhalt; es gilt, ihnen und durch sie der ganzen arbeitenden Be- völkerung zu zeigen, daß die Arbeiter in ihrem Kampfe nur einen Freund haben, der thatkräftig für sie eintritt, die Sozialdemokratie, zu- nächst des eigenen Landes, wo die nicht ausreicht, die int er- nationale Sozialdemokratie. Es würde daher die Redaktion des„Sozialdemokrat" der Sache einen großen Dienst leisten, ivenu sie eine Sammlung für die Opfer des Tramwaystrites eröffnen wollte. Die moralische Wirkung dieser Unterstützung wird eine noch viel größere sein als die finanzielle; sie wird in den Arbeitern Oesterreichs das Bewußtsein ihrer internationalen Solidarität, vor allem mit den Genossen im Reich, verstärken. Die Arbeiter Oesterreichs haben trotz ihrer Armuth bei den letzten Reichs- tagswahlen in Deutschland 300 Gulden für ihre deutschen Genossen ans- gebracht. Mögen diese sich jetzt revanchiren. Heber den Ausgang des Streiks ist zur Stunde, wo ich dies schreibe, Sicheres noch nicht zu melden. Die Unterhandlungen schweben noch. Die Absendung dieses Berichts läßt sich indeß nicht verzögern, wenn er noch vor Redaktionsschluß einlaufen soll. Wenn es den Kutschern gelingt, etwas zu erreichen, haben sie es nur demEingreifen ihrer Klassengcnosscn zu verdanken. Ohne das Eingreifen der Sozialdemokraten durch Rath und Geldsammlungen wären die Kutscher schon am ersten Tag unruhig und uneinig geworden und schmählich unterlegen. Und trotz des festen Zusammenhaltens der Ruhe. Besonnen- heit und Ausdauer, die sie thatsächlich an den Tag gelegt, wären sie schließlich doch auf Gnade oder Ungnade der Rache ihrer Peiniger preis- gegeben worden, denn ökonomisch waren sie besiegt, sobald die Polizei gegen sie und für die Scabs eintrat. Wenn sie trotzdem nicht unter- legen sind, so danken sie es den„Exzessen" ihrer KlassiMgenoffen. Die Kapitalistcnpreffe behauptet heuchlerisch, diese Exzesse schadigten die«ache der Kutscher, raubten ihnen die Sympathien des Publikums. That- fache ist, daß diese Sympathien des Publikums, soweit dasselbe nicht aus Arbeitern besteht, keinen Finger in Bewegung setzten. Erst als die Exzesse vom Samstag, Montag und Dienstag der Bourgeoisie in die Glieder fuhren, daß ihr die Knie schlotterten, gelangte sie zur Erkcnntniß, daß„etwas geschehen" müsse, verhängte der Geineindc- rath einen Kautionsverlust von 50,000 Gulden über die Gesellschaft, versprachen Statthalter und Ministerpräsident, fiir die Streikenden ver- Mitteln zu wollen. Ohne die„Exzesse" wäre es keinen! dieser Herren auch nur im Schlaf eingefallen, sich mit der Sache der Kutscher ernsthaft zu befassen, mau hätte diese ruhig ihrem Schicksal überlassen. Aber man kann doch nicht Eigenthum und Leben aufs Spiel setzen, der fetten Dividenden des Herrn Reitzes wegen s Wir Sozialdemokraten können zufrieden sein. Die Polizei hatte uns einen Maulkorb augelegt, uns zu hindern, die Bevölkerung zu„ver- hetzen". Aber ihr Verhängniß will es einmal, daß, so oft sie uns die „Verhetzung" erschwert, sie selbst dies Geschäft in weit lvirksamerer Weise besorgt. Die Bevölkerung wird wieder zur Ruhe gelangen, die große Masse wieder in Indifferenz versinken. Darüber geben wir uns keinen Illusionen hin. Aber gar mancher ist doch zuni Denken gebracht worden, gar nianchcr geheilt von seinem Vertrauen in die Gcrcchtigkeits- und Gesetz- lichkeitsliebe unserer Polizei, gar mancher zur Einsicht gekommen, daß nur in der Sozialdemokratie das Heil der Arbeiterklasse zu finden ist. Und auch die große Masse vergißt nicht, was die Sozialdemokraten für die Arbeiter gethem haben, was die Polizei wider die Arbeiter ver- krochen. Und das Eine wie das Andere wird eines Tages seine Früchte tragen. -■vAAraA/xr*- Sozicholitilche ilundscha». London, 1. Mai 1389. — Aus Deutschland wird uns geschrieben: Die See schlänge des Elberfcldcr Monstre- Prozesses hat wieder eine andere Gestalt; sie gleicht der Wolke des Polonius, die erst ein Wiesel ist und dann ein Wallfisch: Gestern war es ein Wall- fisch, der, noch schlimmer wie der Wallfisch des Jonas, die ganze sozial- demokratische Fraktion verschlingen wollte; und heute ist's ein dummer schmächtiger Wiesel. der Einem unter den Fingern wegschlupft und dem nicht einmal die gewandtesten der Neptilicn Salz auf den Schwanz zu streuen vermögen. So schreibt z. B. Hr. Pindter von der„Nord- deutschen Allgemeinen", die Absicht des Elbcrfclder Staatsanwalts, die sozialdemokratische Rcichstagsftaktion in seinen Prozeß zu verwickeln, sei nicht recht verständlich; und gleichzeitig wird aus Elberfeld in auf- fallend emphatischer Weise gemeldet, daß für den Prozeß iveder ein Termin anberaumt. noch die Zahl der Angeklagten schon bestimmt sei. Das heißt: die blödsinnige Anklageschrift des Elberfelder Staatsanwalts hat im Richterkollegium Bedenken erregt und es wird jetzt erst geprüft, in wie weit die Anklage überhaupt aufrecht zu erhalten ist. Kurz, durch die neuliche Reptilnotiz betreffend die phantastischen Plane des Elberfelder Staatsanlvalts sind„die Blicke der Oeffentlichkeit" auf das Treiben dieses Herrn gelenkt, sind einflußreiche Personen gezwungen worden, sich die Frage vorzulegen, ob es im I n t e r e s s e d e s h c r r- s ch e n d e n S Y st e m s, das ohnedies in allen Fugen wackelt, rathsam ist, den Kredit der neudeutschen Justiz noch weiter zu untergraben und durch ein schreiendes Attentat gegen Recht und Gesetz das ganze deutsche Reich der Verachtung aller Kulturvölker zu überliefern. Denn das weiß schon jetzt alle Welt, daß in Deutschland ebensowenig wie in Ruß- land ein Prozeß dieser Art denkbar ist, ohne daß die Regierung cnt- weder den Anstoß oder zum Mindesten ihre Zustimmung dazu gc- �Gemig*'— es ist offenbar„abgewinkt" worden, und das Blech des Elberfeldcr Staatsainvalts soll nun in eine etwas präsentablere Form gehämmert werden. Was schließlich herauskommt, wissen wir nicht, und wir haben auch keine Lust, uns den Kopf anderer Leute wegen zu zerbrechen. Die Thatsache selbst hat aber insofern eine unleugbare Be- deutung, als sie das böse Gewissen unserer Machthaber verräth, diesen die Ahnung aufzudämmern beginnt, daß auch ihre Krüge nicht da- gegen gefeit sind, zum Brunnen zu geh» bis sie zerbrechen. Eine andere Thatsache ist dem gleichen Motive entsprungen: die„K a l t st e l l u n g" Stöcker's, dem besohlen worden ist, sich vorläufig von aller Agi- tation fern zu halten. Herr Stöcker ist bekanntlich der Lehrer und Vertraute des neuesten Kaisers, der ihn bis in die jüngste Zeit gegen alle Angriffe so warm verthcidigte, sich jedoch schließlich belehren lassen mußte, daß der Meineidspfaffe ihn, den schon so viel kompromittirten. doch allzu heillos kompromittirte. Da Bismarck dem Stöcker nicht mehr grün ist. seit dieser seine Nase in die Waldersec- Verschwörung gegen die„Dynastie Bismarck" gesteckt hat, so wird die Kaltstellung des Stöcker vielfach als Sieg Bismarcks aufgefaßt, jedoch ganz mit Unrecht, sintemalen Waldersee und seine Kliquc mehr als je sich der Gunst des neuesten Kaisers erfreuen. Eher ist anzunehmen, daß Waldersce selbst zur momentanen Kaltstellung seines Lieblings gcrathen hat, der ja bei der ersten passenden Gelegenheit wieder hinter den Koulisscn her- vorgeholt werden kann. Gras Waldersee ist trotz seiner Frömmigkelt ein sehr weltklugcr Mann; was nützt ihm der Mantel, wenn er nicht gerollt ist. und>vas der Kaiser, wenn er nicht regiert? Sind die Hohcnzollern futsch, dann kann auch der Waldersee einpacken und mit demselben Eisenbahnzug abdampfen, wie„die Dynastie Bismarck" und andere Parasiten der Monarchie. Er hat also ein lebhaftes Interesse, seinen jungen„Herrn und Gebieter" vor Handlungen zu bewahren, die unmittelbar schlimme Folgen nach sich ziehen könnten. Und d a s hat er begriffen, daß das Matz des Anstößigen und Verletzenden zum Ueber- laufen voll ist, und daß das Haus der Hohenzollern kem Kapital der Popularität mehr zuzusetzen hat. r,. Und so wurde der Stöcker geopfert. Aehnlich geopfert, wie vor 15 Jahren der„a l t e W a g e n e r", der in den Ostertagen gestorben ist. Freilich, diesem wollen wir nicht die Schande anthun, ihn mit«nem Stöcker zu vergleichen. Wagener war in seiner Art ein Genie. Er war es, der das auf den Knauf des Schwertes und das allgememe Stimmrecht sich stützende„soziale Königthum" oder„Volkskönigthum" erfand. und dem brutalen umvissenden aber thatenlustigen Krautiunkcr Bismarck von Schönhausen die Gedanken lieferte und die gelingen Waffen schmiedete. E r war es, der die napoleonischc Idee vom demo- kratischen Kaiserreich auf Grundlage des allgemeinen Stimmrechts in s Deutsche übersetzte, die zäsaristische Sozialdemagogie entdeckte, die rcvo- lutionäre Nationalitätenpolitik mit dem legitiniistischen Prinzip des Gottesgnadenthums verkuppelte— mit einem Wort er war der in- tellektuelle Urheber jenes politischen Wechselbalgs, den der raubritter- liche Feudalismus des Mittelalters mit der diebischen Bourgeois- Kor- ruption der Gegenwart gezeugt hat, und der unter dem Namen„System Bismarck" bekannt ist, aber mit viel mehr Recht den Namen„System Wagencr" führen würde. Doch nein! Wagner harmonirte nicht mit dem„System Bismarck", obschon er ihm die Ideen geliefert,-vie Ausführung war ihm zu stümperhaft. Er war ein abgesagter Feind der kleinlichen Polizciwirthschaft und vor Allem der unverantwortlich bornirten Sozialpolitik und Sozialreform, die sein mißrathener Schüler zusammcngepsuscht hat.. Wie er zu Fall kam, das ist Vielen unserer Leser wohl noch im Gedächtniß. Den Tanz ums goldene Kalb, der organisch zum System gehörte, machte er in den Schwindeljahrcn des Milliardensegcns lustig mit und pickte ein paar Brosamen auf, die von seinem glücklicheren Mittänzer verschmäht worden waren, lind siehe da, das uralte Sprich- wort von den großen und kleinen Spitzbuben bewahrheitete sich wieder. Es erfolgte die famose Komödie des Entrüstungssturms, eingeleitet durch Laskers„berühmte" Gründerrede. Der See ivollte ein Opfer haben. Damit er das richtige bekomme, wurde eine„königliche Untersuchungskommission" niedergesetzt, die alle großen Spitzbuben rein wusch— und während diese schwierige Arbeit vollbracht ward, organi- sirten die Pächter der nationalen Sittlichkeit eine Hätz gegen Wagencr, der denn auch von seinem niißrathenen Schüler schnöde verlassen und den Lynchrichtcrn überliefert und von ihnen in den rasenden See ge- warfen wurde. Das Volk jubelte, die öffentliche Meinung feierte einen Triumph, und vergnügt drückten sich die großen Spitzbuben, darunter der mißrathene Schüler, die Ehre war gerettet, mitsammt der Kasse. Wagner hat dieses Schelmenstückchen— das die Ehrlichkeit unter Dieben so arg Lügen strafte— seinem mißrath enen Schüler niemals verziehen; und unter allen Menschen, die letzteren gekannt haben und kennen, hat ihn geiviß keiner so gründlich verachtet, wie Wagener es gethan hat— der ihn a m b e st e n kannte. — Ueber die Art, wie die Untersuchung gegen die sich in Zürich wie überhaupt in der Schweiz aufhaltenden russischen Sozialisten� und Revolutionäre geführt wird, gelangen immer skandalösere Einzelheiten in die Oeffentlichkeit. So meldete die „Züricher Post" Anfangs voriger Woche, daß sämmtliche in Zürich verhafteten Russen, auch solche, gegen welche keinerlei Indizien eines politischen Vergehens vorliegen(iinddietrotzdein verhaftet wurden!) im Gefängniß photographirt worden sind.„Wir sind der Meinung," fügte das genannte Blatt seiner Meldung hinzu,„daß dieses Photographiren unstatthaft ist und über das Maß dessen hinausgeht, was der Schutz unserer Landesinteresscn verlangt. Jedermann begreift die schwierige Lage unserer Behörden, doch wünscht Niemand, daß von Männern/ deren Verbrechen ihre politischen Bestrebungen sind, Ver- brech erPhotographie n aufgenoinmen werden. Solche Photo- graphicn sind dem Zufall preisgegeben, sie können ver- u n t r e u t iverden und Unschuldige zum Opfer fremder Polizei- Willkür machen." Das stimmt, und deshalb fordert diese, für den angeblichen Zweck der Untersuchung absolut wcrthlose Maßregel den energischen Pro- t c st aller Freunde des Rechts und der Freiheit heraus. Leider aber scheint es in dieser Hinsicht zur Zeit in der Schweiz nicht so zu stehen wie es sollte. Man hat sich bisher aus einige tadelnde Bemerkungen in der Presse beschränkt, und selbst diese athmen zum Theil einen so fatalistischen Geist der Ergebung in alles, was dem Bundes- rath zu thun beliebt, daß es ein Wunder wäre, wenn Herr Droz seinen liebedienerischen Gelüsten gegen das Ausland Zwang anthun, oder wenn dieses seine Anforderungen an die Bnndcspolizei nicht immer höher schrauben würde. Auch wir verkennen nicht die eigenartige Situation der Schweiz und die Verpflichtungen, welche dieselbe heutzutage den Großmächten gegenüber hat, aber man soll sie auch nicht übertreiben und jedem Handlangerdienst an dieselben einen Freibrief ausstellen. Ob beabsichtigt oder nicht, that- sächlich war die Abnahme der Photographien ein solcher Handlanger- dienst, sie ist in ihren voraussichtlichen Wirkungen geradezu die in- direkte Auslieferung an die Henkerpolizei des Zaren. Mögen daher unsere Freunde in der Schweiz sich tüchtig rühren, die Untersuchmig hat einen Charakter angenommen, daß ihr gegenüber ob- jektives Abwarten nicht nichr am Platze ist. Proteste hinterher helfen nichts. — Zur Frage dcS Jnternatianalcn Arbeiter- Kongresses. — Einen sonderbaren Beschluß hat der in den Ostertagen in I o l i m o n t abgehaltene Kongreß der belgisch enSozia- listen gefaßt. Da auf der Tagesordnung desselben auch die Frage der Beschickung des Internationalen Kongresses in Paris stand, so hatten die Possibilisten einen der Ihrigen, Paulard, von Paris dortbin geschickt, um die Belgier in ihrem Sinne umzu- stimmen. Ganz ist ihm das freilich nicht gelungen, aber Dank dem Umstände, daß Genosse A n s e e l e durch die Eröffnungsfeierlichkeiten der vergrößerten Institute des„Booruit" in Gent zurückgehalten war, und Dank der von Paulard— wir urthcilcn nach seinein eigenen Be- richt im„Parti Ouvrier"— gegebenen Entstellungen der wirklichen Sachlage, ist es demselben gelungen, den Kongreß zu einem Beschluß zu bewegen, der die Situation, anstatt sie zu klären, immer mehr ver- wickelt: nämlich sowohl auf den Kongreß der Possibilisten. als auch auf einen von nichtpossibilistischen Sozialisten Frankreichs einzuberufende« Kongreß je einen Delegirtcn z» entsenden. Der crstere Antrag ward mit 39 Stimmen gegen 33, 18 Enthaltungen, der zweite mit 50 Stimme« gegen 16 bei 21 Enthaltungen beschlossen. In der Ostermimmer des Berliner„Volksblatt" tritt ein Mitarbeiter desselben— nach der Berliner.Volkstribüne" Genosse Auer— da- fiir ein, daß deutscherseits der von den Possibilisten einberufene Kongreß beschickt werde— erstens, um in Paris gegen den Chauvinismus z« demonstrircn, und zweitens in der Annahme, daß,„wenn die deutsche« Sozialdemokraten durch ihre Anwesenheit bekunden, daß sie im Interesse der großen, gemeinsamen Sache der Arbeiter zu einer Verständigung gern die Hand reichen", die PossibUisten �vernünftigen Vorstellungen lin Bezug auf die Zulassung anderer französischen Sozialisten auf dem Kongreß) um so eher zugänglich sein werden." Wir meinen, die Haager Beschlüsse waren bereits ein Beweis, daß die deutschen Sozialdemokraten zu einer Verständigung die Hand bieten, und doch sind die Possibilisten auf sie nicht eingegangen, sondern habe« sich durch Winkelzüge um sie herumgedrückt. Dann aber geht der Ver- faffer von der irrigen Auffassung ans, daß sich in Paris noch werde gut machen lassen, was vorher zu regeln verabsännit worden. Dara« ist schwerlich zu denken. Man kann doch den Sozialisten der Provinz nicht zuinuthen, auf die Möglichkeit hin, daß sie in Gnaden zu- gelassen werden, mit großen Kosten Delegirte nach Paris zu entsenden, während die Possibilisten, die speziell in Paris ihre Stärke haben, de« Kongreß mit Delegirtcn geradezu überschütten können. Einen durchaus falschen Standpunkt nimmt auch die Berliner„Volks- tribünc" ein, wenn sie meint, dadurch, daß die Mandatsprüfung de« einzelnen Nationalitäten zugewiesen sei, seien„die Reibungen zwischen Guesde und Brousse zu einer inneren Angelegenheit der Franzose« geworden, die man ihnen überlassen mußte." Erstens handelt es sich nicht um eine Personen frage, der schwerkranke Guesde wird— leider— schwerlich an irgend einem Kongresse theilnehmeu können, sondern um eine Frage des Rechts. Und zweitens ist diese keine innere Angelegenheit der Franzosen, sondern eine wichtige Angelegenheit aller Theilnehmer des Kongresses. Alle haben ein Interesse daran, daß der Kongreß eine möglichst vollzählige Vertretung der klassenbewußte« Arbeiterschaft aller Länder werde, Alle müssen dafür eintteten, daß Niemand vom Kongreß ferngehalten wird, der begründeten Anspruch auf Zulnß hat. Versetze sich doch jeder Einzelne in die Lage der anti- possibilistischen Sozialisten Frankreichs, die, obwohl in ganz Frankreich die Mehrheit, in Paris doch möglichcriveise die Minderheit der Dele- girten bildeil werden und daher gewartig sein niiissen, daß grade ihre« besten Wortführern von den Possibilisten das Mandat streitig gemacht wird. Hält man die Letzteren dessen nicht für fähig? So beantworte ma« sich' doch die Frage, ivarum sich die Possibilisten so sehr gegen die Haager Porschläge sträuben. Enthalten diese irgend etwas Unbilliges? Bestehen sie nicht aus Forderungen, die sich im Grunde ganz v o« selbst verstehe», die überhaupt die elementarsten Voraus- s e tz n n g e n jedeS Kongresses sind? Welcher Kongreß läßt sich seine Souvcränetät in allen inneren Fragen bcstteitcn? Welcher Kongreß verzichtet ans das Recht, Appelinstanz gegen Beschlüsse einzelner Aus- schüsie zu bilden? Wir haben die Haager Konferenz nicht veranlaßt, noch auf ihr mitgestimmt, aber wir haben ihre Beschlüsse begrüßt, iveil wir in ihnen ein Mittel sahen, einen würdigen Kongreß der Arbeitet aller Länder zustande zu bringen, einen Kongreß, auf dem kein nur irgend namhafter Bruchthcil der kämpfenden Arbeiterschaft unverttcte« bleibe. Dazu war freilich nothwendig, daß alle, welche diese Beschlüsse ge- faßt, alle, welche sie gebilligt, mit voller Energie für sie eintraten. Ihrem cinmüthigcn, entschieden ausgedrückteil Wille« hätten sich die Possibilisten gefiigt, würden sie sich iv a h r s ch e i n- lich noch fügen, jede Nachgiebigkeit legen sie als Schwächt! aus und bestehen um so rücksichtsloser auf ihrem Schein. >Wer den Beschluß von Jolimont näher ansieht, wer den Artikel des „Berliner Volksblatt" genauer durchliest, der wird finden, daß Beidp nichts weniger als ehrenvoll für die Possibilisten lauten, und doch habe«! diese mit Triumph von ihnen Notiz genommen, aus ihnen Erniuthi-! gung geschöpft, auf ihrem Eigensinn zu beharren, sie dazu benutzt, in den mit den Verhältnissen Unbekannten den Glauben zu erwecken, als bedeuten sie Vertraileusvoten zu ihrem Gebahrcn. Soweit hatten wir geschrieben, als wir die Nnmmer des Berliner „Volksblatt" vom 30. April erhielten, in der, offenbar von gut unter- richteter Seite, dargelegt wird, daß u n s r e deutschen Genossen au dem im Haag vertreteneu Standpunkt festhalte». Wir hatten nichts anderes erwartet. Wie oben dargelegt, handelt es sich in der Kongreßstage um die Anerkennung des Prinzips des gleichen Rechtes für alle. Die deutsche Sozialdemokratie würde ihren Traditionen in's Gesicht schlagen, wenn sie sich auf oin Markten und Feilschen um diesen Grundsatz einließe. Mit Vergnügen ersehen wir aus dem Bericht des„Peuple", daß auch der Delegirie für Gent in Polimont diesen Standpunkt vertrat und er- klärte: solange die Possibtlistcn auf ihren Anmaßungen beharren, werden die Genter ihren Kongreß nicht beschicken. Wir wiederholen, wenn alle Thcilnehmcr an der Haagcr Konferenz so handeln, würden die Aussichten auf eine schlicßliche Einigung nicht verringert, sondern v c r- größert. — Der Streik der Tramwaykntscher ist beendet. Unter dem Druck von oben, wo man A n g st v o r W i e d e r h o l u n g d e r„E x- z e s s c" hatte, sind die wesentlichsten Forderungen der Kutscher, vor allem die zwölfstündige Arbeitszeit, bewilligt worden. Die Kutscher werden von der Gesellschaft„in Gnaden" wieder aufge- nominell, ausgenommen Diejenigen, die sich durä' die Provokation der Eolizei zu„Ausschreitungen" hinreißen ließen. Es ist klar, daß diese pfer des Streiks, wenn sich nicht die kämpfende Arbeiterschaft ihrer annimmt, der schlimmsten Ztoth ausgesetzt sind, und im Hinblick darauf kommen wir der in der oben veröffentlichten Korrespondenz aus Wien ausgesprochenen Bitte gern nach und eröffnen hiermit eine Sammlung zu Gunsten der Ge maßregelten des Wiener T r a m w a y st r e i k s. Von den« Gnindsatz ausgehend, doppelt gibt, wer schnell gibt, lassen wir iudcß im Voraus 100 Gulden ö. W.(170 Mark) an die Wiener„Gleichheit" fiir die gemaßrcgclten Tramwaykntscher abgehen. Es ist nur ein kleiner Betrag, aber er wird den Genossen Wiens ein Zeichen sein, daß ein Appell an die Solidarität bei ihren deutschen Brüdern nicht ungehört verhallt. — Die mnthige Haltung der Wiener„Gleichheit" und speziell Dr. Viktor A d l e r' s während des Tramwaystreiks verdient das h ö ch st e Lob. Während die Antisemtten, die doch vermöge ihrer Verbindungen mit dem„höchsten Adel" blutwenig zu fürchten haben, die Streikenden schmählich in Stich ließen und die Betheiligung ihrer Anhänger an einer Erhebung berechtigter Volksenttüstung in feig- ster Weise in Abrede stellten, hat Dr. Adler in der„Gleichheit" in schneidigster Weise die Sache der Streikenden vertreten und keinen Augenblick sich durch die Angriffe der Gegner zum Ableugnen bewegen lassen. Kein Zweifel, daß er dabei die große Masse der Wiener Ge- »offen hinter sich hatte, aber das verkleinert sein Verdienst nicht. Sehr gut wird in der neuesten Nummer der„Gleichheit" dem anti- semitischen„Deutschen Volksblatt" heimgeleuchtet. Dieses Blatt hatte die D u m ni h e i t, es für eine„elende Verleumdun g" zn er- klären, daß Leute seiner Partei, d. h. Antisemiten, den Tramway- k u t s ch e r n,— nicht etwa den Krawallniachern, nein, den im ge- rechten Kampf stehenden Tramwaykutschern Geld zur Verfügung gestellt haben, und hinzuzufligen, das Geld stamme„von den Jude n". „Die" Juden rcduzirten sich aber gleich darauf auf den„Juden", nämlich Dr. Adler.„Oder", heißt es nämlich,„hat vielleicht Dr. Adler die Stirn, zu leugnen, daß er zwei Delcgirteu der Kutscher von den Prater-Remisen Gelduntcrsttitzung in Aussicht gestellt hat V" Darauf antwortet die„Gleichheit" vorttefflich: ,Mas wird das.Molksblatt" sagen, wenn Dr. Adler sogar„die Sttrne hat" zu bestätigen, daß er das nicht nur in der Prater- Remise, sondern in allen Remisen gethan. Er hatte sogar die Sttrne, das in der„Gleichheit" gesammelte Geld— leider viel zu wenig im Verhältniß zum Bedarf— auszufolgen. Er„hat die Stirne" zu er- klären, daß er, sobald er von der Lohnbewegung der Traiinvaybcdicnstctcn erfuhr, es wie jeder sein erParteigenossen für seine Pflicht als Mensch und Sozialdemokrat gehalten hat, sich in jeder Weise ihnen nützlich zu»lachen. Er„hat die Stirne" zu erklären, daß er das auch weiter lhun wird, ob das dem auttscmitischcu„Szeps" angenehm ist oder nicht."- Und weiter: .. Von„Machern" des Streiks zu reden, ist natürlich ebenso abgcschniackt; als ob es nöthig wäre, einen Streik zu„machen", wo die Roth den gequälten Menschen auf den Nägeln brennt; als ob das .�Zolksblatt" ni«l>t wüßte, daß vor 14 Tagen ein partieller, verun- glückter Streik ausbrach, von dem kein Mensch vorher eine Ahming hatte. Wie der Streik auch verläuft, die Sozialdemokraten dürfen von sich sagen, sie haben ihre verfluchte Pflicht und Schuldigkeit redlich gethan. Wenn das Andere ärgert, so ist das ihre Angelegenheit." Das ist mäimlich gesprochen. — In K a p p e l b e i C h e m n i tz hat am 23. März unter dem Vorsitz von Bebel und Geyer eine Landeckkonfcrcnz sächsischer Sozialdemokraten stattgefunden, die von gegen 100 Personen besticht war. Sämmtllch« 23 Wahlkreise Sachsens waren vertreten. In fünf- sttindigcr Berathung verständigte man sich, wie dem„Berl. Volksblatt" geschrieben wird, über die Aufstellung folgender Kandidaturen: 1. Wahlkreis(Zittau): Kell er-Görlitz; 2. Wahlkreis(Löbtau): P o st e l t- Dresden: 3. Wahlkreis(Bautzen): Kandidatur vorbehalten; 4. Wahlkreis(Dresden r. d. Elbe): Kaden- Dresden; 5. Wahlkreis (Altstadt-Dresden): Kandidatur vorbehalten. An Bebels Stelle, der für Leipzig und Hamburg bereits kanditirt, soll ein anderer Kandidat aus- gestellt werden; 6. Wahlkreis(Tharandt): Horn- Löbtau; 7. Wahl- kreis(Meißen): Buchhändler G o l d st ei n- Dresden; 8. Wahlkreis (Pirna): Schriftsteller Wurm- Dresden; S. Wahlkreis(Frcibcrg): K. Riemann-Ehemnitz; 10. Wahlkreis(Döbeln): Fabrikant K. Grünberg- Hartha; 11. Wahlkreis(Oschatz-Wurzen): Kandidat vor- behalten, der bisherige Kandidat Kögel-Wurzen lehnt ab; 12. Wahlkreis: (Stadt Leipzig): Bebel- Plauen-Dresdcn; 13. Wählst.(Lcipzig-Land): G e y e r- Großenhain; 14. Wahlkreis(Borna-Penig): Musikdirektor H. Stolle- Mecranc; IS. Wählst.(Mittweida-Burgstädt): M. Schipp el- Berlin�); IS. Wahlkreis(Chemnitz): Kandidatur vorbehalten; der in Aussicht genommene Kandidat Fr. Hoffmann-Chemnitz hatte im letzten Augenblick die Kandidatur abgelehnt; 17. Wahlkreis(Glauckiau-Mecranc): I. Auer- München; 18. Wählst.(Zwickau-Crimmitschau): W.Stolle- Gesau; 19. Wahlkreis(Swllberg-Schnceberg): I. Seifert-Zwickau; 20. Wahlkreis(Zschopau): Th. Su st-Chemnitz; 21. Wahlsteis(Anna- berg): E. G r e n z- Chemnitz; 22. Wahlkreis(Rcichcnbach-Auerbach): Robert Müller- Ncichenbach; 23. Wahlkreis(Plauen i. V.): A. Kaden- Dresden. Ferner stellte die Konferenz für die im Laufe dieses Sonimers statt- findenden Ergänzungswahlen zum sächsischcnLandtage für zehn Wahlkreise Kandidaten auf, ivährend für Dresden und Leipzig die Kandidaten erst später von den dortigen Genossen nominirt werden sollen. Für die Landtagsivahlcn wurde ein Z c n t r a l- W a h l- k o m i t e, bestehend aus den Genossen K. Ii i c m a n n, Th. S u st und Fr. Hoffmann, sämmtliche in Chemnitz, eingesetzt. Außer den oben aufgezählten Reich stagskandidaturen sind bereits folgende festgesetzt: In Preußen: Berlin II: Max Schippet; Berlin IV: Paul Singer; Berlin V: Kurt B a a k e; Berlin VI: Wilh. Liebknecht; Breslau West: A. Kühn; Breslau Ost: Franz Tutzauer; Görlitz: I. A u c r; Köln: H. Woldersky; Magdeburg: G.».Volkmar; Bitterfcld-Dclitzsch: S ch m i d t-Wurzen; Calbc-Ascherslcbcn: A. Heine- Halberstadt; Burg-Geuthien: W. Liefländer- Berlin; Hanan-Geln- hausen: Wolf- Mülheim; Lüdenscheid: C. M c i st- Köln; Neuhaldens- leben-Wolmirstebt: A. S ch>nl z o- Magdeburg; Sckileswig- Holstein I (Apcurade-Fleusburg): M a h l k e- Flensburg; Schlcswig-Holsteiij III (Schleswig): A. R ö s k c- Kiel; Schleswig- Holstein VI(Glückstadt- Eliushoru): H. M o l k c n b u h r; Schlcswig-Holstein VII(Kiel-Neu- Münster): Joh. W c d d c- Lübeck. Austcrprcnstischc Länder: München I: A. Birk; München II: G v. V o l l m a r; S. badische Wahlsteis(Frciburg): A. G c ck; S. hessischer Wahlkreis(Offciibach-Dicbnrg): Karl Ulrich; 1., 2. und 3. *) Hat abgelehnt, sein Ablehiiungsschrcibe» traf verspätet ein. mecklenburgische Wahlkreis(Hagenow, Schwerin, Parchim): Th. S ch w a r tz- Lübeck; 4. und 0. mecklenburgischer Wahlkreis(Malchin-Güsstow): H. Peters- Schwerin; S. mecklenburgische Wahlkreis(Rostock) K r e t s ch- m a n n- Hamburg; Oldenburg I: P. Hug-Bant; Braunschweig: W. V l o s; Gotha: W. B o ck. Aus anderen Wahlkreisen ist eine besondere Veröffentlichung der Kau- didaturen nur deshalb noch nicht erfolgt, weil die Genossen an ihren bisherigen Vertretern, bezw. Kandidaten f e st h a l t e n. Man sieht, es regt sich schon tüchttg im Reich, die Vielkandidaturen, wenn sie auch noch nicht vollständig verschwunden sind, nehmen immer mehr ab, eine ganze Reihe neuer Namen legt den Beweis dafür ab, daß es der Partei au Nachwuchs nicht fehlt. Mögen die bisher Säumigen sich den Eifer der Andern zum Beispiel nehmen und unverzüglich alle Vorbereitungen treffen, die nöthig sind, daß die Partei vor jeder Ueber- raschung geschützt ist. Kampfhereit— jederzeit, das ist unsere Parole. — Von der Prcstknebelaktc ist's ganz still geworden. Die preußische Regierung scheint den Antrag, welchen sie vor fünf oder sechs Wochen im Bnndesrath einbrachte, endgiltig zurückgezogen zu habe». Nach dem Entscheide der Ncichsgalgenkommission in Sachen der„Berl. Volkszeitung" ist die geplante Preßknebelakte auch gegenstandslos. Da- gegen beabsichtigt die preußische Regierung eine Erweiterung des§ 4 des R e i ch s st r a f g c s e tz b u ch e s, welcher von den„im Ausland verübten Vergehen und Verb reche u" handelt. Stach der jetzigen Fassung können derartige Strafthaten in Deutschland nicht ver- folgt werden, außer in dem Falle von Hoch- oder Landesver- r a t h, M a j c st ä t s b e l e i d i g u ii g oder Müuzverbrechen. Diesen Ausnahmen sollen nun noch verschiedene andere hinzugefügt werden, die sich auf die politische T h ä t i g k e i t Deutscher im A u s l a n d e beziehen(Theilnahnie an Versammlungen— Kongressen — Agitation, P r e ß t h ä t i g k c i t u. s. w.). Der Krautjunker Bis- marck hat mit seinen bisherigen Blamagen nicht genug, er will sich neue Niederlagen im Kampf mit den Ideen holen. Sein Wunsch wird ihm erfüllt werden. Aitdj_ diese Prcßnovelle gehört zu den Wahlvorbereitungen, und daß die Regierung es damit so eilig hat, kann uns nur in der Annahme bestärken, daß d i e W a h l c n für d i c s e n H e r b st ge- plant sind. Leider finden auch in sozialdemokratischen Kreisen die gegentheiligen Behauptungen der Reptilpresse hier und da Glauben. Man sagt sich, die Regierung könne einen besseren Reichstag als den jetzigen nicht bekommen und habe deshalb keinen veriiüustigen Grund, ihn aufzulösen. Allein man vergißt, daß der jetzige Reichstag, nachdem er noch das Sozialistengesetz erneuert und diese und jene Geldbewilligung gemacht hat, die etwa noch gefordert werden sollte, der Regierung keine D i e n st e mehr leisten kann; und daß es der Regierung, so lange der Ausfall der nächsten Wahlen eine unbekannte Größe ist, au einem festen Rückhalt und an Autorität'fehlt. Die Regierung selbst hat demnach, abgesehen von dem Bestreben, die Wahlen zu über- rumpeln, auch ein ganz b e st i m m t e s politisches Interesse, die Wahlen möglichst bald vorzunehmen. Natürlich kommen so viele Faktoren in Berechnung, daß es schwer ist, zu einem sicheren Fazit zu gelangen. Das Eine aber dürfte fest- stehen, daß, w c n n es der Regierung gelingt, vor Eintreten des Hoch- sommers das Alters- und Jnvalideiigcsctz, sowie das Sozialistengesetz, beziehentlich die Knebelaktc imter Dach und Fach zn bringen, dann mit f a st m a t h e m a t i s ch e r G e w i ß h c i t d i e N c ii w a h l c n noch im Laufe dieses Jahres zu erwarten sind.-- — Die deutschen Spitzel haben fortgesetzt Pech. Wie wir schon wiederholt andeuteten, erhielten sie voriges Jahr, nachdem der erste Schreck über den Reinfall der Haupt-Schröder verflogen war, und als es galt, das neue Sozialistengesetz vorzubereiten, von ihren Brod- gebern den Auftrag,„Material" zu sammeln und— sich nicht erwischen zu lassen. Erstercs war leichter als das Letztcrc.„Material" ist immer zu beschaffen,»vcnn man Geld hat. Was nicht ist, läßt sich machen. Lumpen, die für ein paar Silbcrlingc polizeilichen Hoch- und Landes- verrach und polizeiliche Majestätsbeleidigungen und Attentate verüben, sind haufenweise zu haben, und den Herren von der Polizei, die uach Oben und nach Unten— namentlich nach Oben— fast nur mit Luuipen zu thun haben, ist es wahrhaftig nicht schwer, die für die„Beschaffung" von Material geeigneten Lumpen zu finocn. Erfordcrlictieiifalls kann sie selber sie stellen. Also hier liegt die Schwierigkeit nicht. Im Gegentheil— die einzige Schwierigkeit ist höchstens ein embarras de richesses— ein unheimlicher Ilebcrfluß an Lumpen. Nicht so leicht ist die zweite Bedingung zu erfüllen. Ein preußischer Spitzel und sich nicht erwischen lassen! Ebenso gut kann man von einer Katze verlangen, daß sie das Mausen lasse. Es geht gegen die Statur. Und die Natur des preußischen Spitzels ist, sich erwischen zn lassen. Deshalb wird auch Keiner der Braven durch das Mißgeschick des Andern abgeschreckt. Niemand kann seine Natur verläugnen. Wie lang ist schon die Reihe der bekannten Erwischte», doch todcsmuthig hupfen immer frische Mannschaften auf den Leim. Diesmal hat sich ein Straß- burger Polizist— ein Nachfolger des Kaltenbach— Wohlgemuth (dem es aber schwerlich jetzt wohlgemuth ist) erwischen lassen. Und außer ihm sind noch verschiedene Andere in ähnlicher Lage, von denen tndeß vorläufig des Sängers Höflichkeit schweigt. Wir wollen bloß bemerken, die nächsten Sozialistcngcsetzdebatten des Reichstags werden nicht weniger interessant sein, als die vorigen. — Ueber den im Vorstehenden genannten Polizei-Jnspcktor Wohl- gcmuth schreibt der„Baseler A r b e i t e r f r e u n d": „Den meisten unsern Lesern wird die letzten Sonntag in Rheinfcldcn wegen Lockspitzelei erfolgte Verhaftung des Poliziinspektors Wohlgemuth aus M ü h l h a u s e n i. E., welcher Herrn Schneidermeister Lutz in Basel zur Spitzelschufterei anwerben wollte, durch die Tagesblätter bekannt ge- worden sein. Wir hätten ihnen das in letzter Nummer schon aus erster Hand mittheilcn können, glaubten aber damit der Untersuchung wegen noch zurückhalten zu sollen. Wir kommen in nächster Nummer eingehend auf den Fall zu sprechen. Nur so viel sei einstweilen bemerkt, daß Wohl- gemuth, der er st vor 8 Tagen zuui Polizeiinspektor bc- fördert wurde, einer der H a u p t h a l l u n k c n aus dem Gebiete der Spitzelet ist und schon lange sein infames Handwerk getrieben hat. Vor etlichen Wochen erst hat man ihn in einer Wirthschaft Klein- Basels in sehr verdächtiger Situatton mit einem dem Beobachter un- bckaiiiiten Manne— anscheinend einem Arbeiter—, den er offenbar zum Spitzeln verleiten wollte, beobachtet." Auch wir haben von dieser Zusammenkunst gehört, sowie sonsttge, zum Theil recht heitere Dinge von den Fahrten dieses strebsamen Seelen- fängers vernommen. So haben Grenzer in„gesprächiger Stimmung" recht merkwürdige Enthüllungen gemacht über eine„Entrevue" in L c o- poldshöhe bei Basel, bei welcher Herr Wohlgemuth, damals den Grenzern noch unbekannt, auf Grund seines auffälligen Benehmens als ..Uhrenschmuggler" verhaftet wurde, aber auf der Grenzwache, sobald er zu erkennen gegeben, welch' edlem Handwerk er angehört, natürlich sofort wieder freigegeben wurde. Inwieweit er mit seinem da- maligen„Präparanden" Glück gehabt, bleibe hier dahingestellt. Genug, er ist diesmal gründlich hineingefallen, und daß er es nicht beim Spitzel- werben bewenden ließ,, andern im Interesse des„Geschäfts" Lock- spitze! brauchte, zeigt die von der„Züricher Post" mitgetheilte Stelle aus seinem Brief an Lutz, derselbe solle nur„recht tüchttg weiter- wühle n". — Beiläufig. Von mehreren Freunden in der Schweiz sind wir ersucht worden, ihnen zu Händen der jetzigen Untersuchung eine Serie von Briefen aus älterer und neuester Zeit zu überlassen, die Herr Wohlgemuth und andere Spitzclwerber seit einer Reihe von Jahren an verschiedene Gcuosseii in der Schweiz geschrieben hatten, von diesen aber jcweilcn uns übergeben worden waren. Wir mußten dies ablehnen und zwar aus folgenden Gründen. Als wir Ende 1887 die Hallunken Schröder, Haupt, Heinrich und Konsorten cntlarvtcu und den Schweizer Behörden das bezügliche Bcwcis-Matcrial überlieferte», da waren wir es, die der Bnndesrath außcr Landes trieb, um die durch jene Euthiillungen vor aller Welt gcbrandmarkte deutsche Regierung sich wieder zu versöhnen. Herr Droz,' der damals mit beispielloser Felonie sich zniu Werkzeuge des Schweizer Kaulbars, Herrn von Bülow, erniedrigte, steht heute au der Spitze des Schweizer BuudesratheS. Und alle Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß auch heute wieder n n s c r c Genossen nachträglich dafür bestraft würden, wenn sie die Infamie der deutschen Regierung zur Kemiintß der Gerichte bringen wollten. Es sind aber auch noch andere Gründe für uns vorhanden, diese die deutsche Polizei kompromittirenden Be- wcisstückc nicht aus unserer Hand zu geben. Bis zur Stunde haben wir ttotz wiederholter Reklamationen' und entgegen dem sciuerzeitigen Versprechen keines jener Belegstticke zurückerhalten, die wir in Sachen Haupt und Schröder zu den eidgenössischen Untcrsuchungsakten ein- reichten. Wir wollen aber solche Aktenstücke nicht einer Untersuchung anverlraucn, die voraussichtlich in die Hände eines Dr. Trachsler ge- legt würde, der mit dem berufsmäßigen Deiiiiuziauten und Verlemuder Atteuhofcr in notorischer Beziehung steht. Und die Beziehungen dieses heriliitcrgckommenen Majors zu deutschen Staatsanwälten und deutschen Reptilblättcrn sind ja aller Welt bekannt. Zu allem lieber- fluß hegen wir aber noch die persönliche Meinung, daß der schweizerische Bundesrath— der Schöpfer der Bundcsspitzclci— gar nicht die Ab- ficht hat, der deutschen Polizei wehe zu thun oder der deutschen Polizei- fpitzelci in der Schweiz ein Ende zu machen! Nachdem uns die Acußerungen der deutschen Reptilpresse wie„Straß- burger Post":c. zu Gesicht gekommen, die natürlich alle krampfhafte Versuche machen, den Herrn Polizeikommissär zum„P r i v a t m a u n" zu stempeln und die Sache als einen von den Sozialisten arraugirten Hinterhalt darzustellen, sehen wir uns doch zu folgenden Miltheilimgeii veranlaßt: Genosse Lutz hat vom ersten Tag an, da Herr Wohlgemuth sich au ihn wandte, bewährte Genossen davon in Kenntniß gesetzt, kann also keinen Augenblick dem Verdachte unterliegen, mit dem deutschen Polizcilumpen gemeinsame Sache gemacht zu haben. Er hatte vielmehr, im Glauben an die Unabhängigkeit der schweizerischen Beamten, mit uns das Bestreben, an einem drastischen Beispiel wieder einmal das f o r t g e s c tz c Lock- spitzelwcrbcn der deutschen Polizei zur Kenntniß der Schweizer Behörden zu bringen. Bereits im Jahre 1885 hatte sich derselbe Herr Wohlgemuth von Freiburg aus au Lutz gewandt und damals hatte Luv uns sofort den Brief übergeben, den Herr Wohlgemuth mit andrer Handschrift und unter anderem Stamen hatte abgehen lassen. Lutz hatte im Jahre 1885 den Brief mit einer schroffen Ablehnung beantwortet. Auch au einen zweiten Genossen in Basel hatte Wohlgemuth im Jahre 1885 sich persönlich und brieflich, und zwar vom Elsaß aus, gewandt, aber auch dieser hatte uns sofort davon in Kenntniß gesetzt. Seine Mißerfolge in Basel schreckten den edlen Spitzclwcrber nicht ab. Er wandte sich jetzt nach Zürich, an einen Schuhmacher H. in Außerfihl, besuchte dessen Frau, ließ Geldgeschenke zurück, zeigte verschiedene 100-Markschcine, stellte der armen Frau mit ihren zahl- reichen Kindern eine glänzende Existenz in Aussicht und propouirtc schon damals auf Pfingstmontag eine Zusammeiikunft in Rhetu selbe n. Auch dieser Umworbene hatte uns sofort je nach Eingang die Briefe übergeben. Kurz vorher hatte Wohlgemuth sich mit gleichem Erfolge au einen Genossen in Hottingen, ebenfalls Schuhmacher, gewandt. Und merkwürdiger Weise stimmten diese Handschriften mit d e r H a n d- s ch r i f t des„a n a r ch i st i s ch e n" Drohbriefes a n Schuh- machcr Saladin in Basel auffallend übe rein. Alle diese Briefe sind in unserem Besitze und sind wir zn deren Herausgabe bereit, aber nur wenn wir über ihre richtige Verwendung Garantien haben. Räch längerer Pause tauchte in Nachrichten von Basler Genossen Herr Wohlgemuth wieder in einem Briefe vom 17. Februar 1889 als F. L. R o m a n n, p o st l a g e r n d B r u n u st a d t, Kreis Mülhausen, auf. Dieser Brief, mit abermals anderer Handschrift, enthält die, den„Privat- mann" charakterisircndc Phrase:„Strengste Schonung Ihrer Person sichere ich Ihnen im Boraus zu" und erlaubt die Frage: Welche Macht hat der„Privatmann" und welchen Anlaß der Polizeibeamte, Schonung der Person zu garantircn, wenn nicht Lock- spitzelet getrieben werden sollte ik Wohlgemuth schlug in dem Briefe ein Rendezvous nach Leopoldshöhe vor, bas denn auch, wie oben schon erwähnt, am 10. März ds. Js. stattfand und zu welchem Wohlgemuth das gleiche Erkennungszeichen wie bei allen früheren Gelegenheiten im Jahre 1835 wählte. Bei dieser Zusammeiikunft forderte der Polizei- kommissär Wohlgemuth seinen llmworbcnen offen auf,„Vorträge z» halten, es könne ihm(für die Vorttäge in der Schweiz!!) nichts passiren, er stehe unter seinem Schutz I" lind der„Privatiuanu", der solchen Schutz gewähren kann, begleitet seinen Mann nach Basel, spcndirt ihm Gold, bewirthct ihn— so unvorsichtig!— in dein Restaurant zur „Johanniterbrücke", packt ihm noch„für die lieben Kinder" Schinken ein — alles aus der Privat-Tasche, beileibe nicht ans der deutschen Spitzclkassc. Endlich am 1«. März bekannte sich der„Privatmann" Romann in eigener Handschrift schwarzaufweiß als der P o l i z e i k o m m i s s ä r„A. Wohl- gemuth. Jllzacherstr. 45. Mülhausen." Zu gleicher Zeit, da Wohlgemuth diese Korrespondenz und Znsam- mcukunft pflog, hatte der spitzeldurstige Mülhanser Polizeikommissär sich wiederum an den Genossen Lutz in Basel gewandt, der ihm denn endlich den verdienten Reinfall in Rheinfeldeu bereitete, nicht ohne daß der„Privatmann" vorher Instruktionen, fixes Engagement und Bc- soldung in üblicher Höhe gespendet. — Man schreibt uns: Die Ungewißheit, in welcher wir betreffs des internationalen Arbcitcrkongrcsses sind, fängt an in deutschen Arbeiterkrciseu eine sichtliche Ungeduld zu erzeugen. Der Wunsch, daß die deutschen Arbeiter den französischen Brüdern einen Friede nsgruß über- bringen, ist allgemein, und groß würde die Enttäuschuug sein, sollte nicht noch in letzter Stunde das Zustandekonimcn des Internationalen Llrbeiterkongresses in Paris ermöglicht werden. — Aus einem„Gehciinbnnds"prozcst. In F r a n k c n t h a 1 in der Pfalz spielte sich am O.April einer jener„Gehcimbunds- Prozesse" ab, ohne die das neue großmächtige Deutsche Reich be- kanntlich keinen Tag existiren könnte. Die Bcstandstücke des Prozesses waren die altbekaniiten Einige Arbeiter, welche den„Sozialdemokrai" verbreitet haben sollten, einige gedächtnißschwachc Zeugen, die allerhand gehört habe», allerhand erzählt haben, aber, da es zum E i d kommt, sich auf nichts„besinnen" können, das heißt nichts wissen. Denn einige auf die Staatsrcttung erpichte Polizciscelen und— last but not least — der obligate Angeber— entweder von Hause aus ein„Pflicht- getreuer" oder ein reuig zur„Pflicht" Zurückgekehrter. In diesem Falle wars Einer von der letzteren Kategorie. Der Mensch heißt S ch u m p und ist seines Zeichens ein— ehemaliger Hausknecht. Selbst der Gerichtspräsident sah sich veranlaßt, schon bei Eröffnung der Verhandlung ihm ein Sündenregister vorzuhalten, das in der Frage gipfelte:„Sic verkauften ihre Freunde für einen Schnaps?" Doch hören wir, wie der Vcrtheidiger Rechts- anwalt Mcrkle in seinem Plaidoyer die Rolle des Schump keunzeichncte: „Meine Herren! Ein Schump war früher Diener des Wahlvereius in Neustadt, als solcher kassirte er die monatlichen Beiträge ei», e i n Schump hat die„Pfälzer Freie Presse". Heren Verleger Bcyerlc war, in Neustadt zu den Abonnenten getragen und ebenfalls das Abonnements- geld cinkaffirt; nachdem dieser Schump zirka 45 Mark von Viesen Geldern unterschlagen, bezw. vertrunken hatte, geht d i e) e r Schump zu Herrn K o m m c r z i e n r a t h K u ö ck e l in Slcisstadt und erbietet sich, wenn Herr Knöckcl ihm(Schump) 25 Mark gebe, sei er bereit, Bayerle und Genossen der Staatsanwailschaft ZU d e N u u- z t r e n wegen sozialistischer Umtriebe. Dieser Herr K n o ck c l sichert diesem Schump die verlangten 25 Mark zu unter der Bedingung, daß er auf das Bezirksamt gehe und die Sache anzeige, er solle dann den anderen Tag kommen, das Geld holen. Mittlerweile erkundigt sich Herr Kuöckel, ob dieser Schnnip auch wirklich dciiunzirt habe, und richtig, Schump hat seine Schuldigkeit gethan. Anderen-vatz« der- fügt sich dieser Schump wieder in die Wohnung dieses Herrn Kommer- zienraths Knöckcl und empfängt dort den Judaslohn von 25 Mark? Meine Herren! Eben d i c sc r S ch u m p verlangte früher von Beycrle Geld für eine rothc Fahne, um diese a» Kaiser» Gcburts- tag a u f K n ö ck c l' s V i l l a zu stecken und die«tauge dieser F a h n c m i t K o t h zu b c s ch m i c r c u!" Schnnip wußte auf alle diese Vorhalte nichts zu erwidern als: er habe nur geihan. was ihm der Angeklagte Beycrle, sein srühcrcr Prinzipal geheißen. Diese jaiuiucrvollc Ausrede verachtete der Gerichts- Präsident, der ein weißer Nabe unter seinen Kollegen zu sein scheint: mit der ruhigen Frage:„Hat Ihnen auch B e y c r l c gesagt, Sie sollen zu Herrn Knocket gehen und 25 Mark holen?"— auf die ein klciiilantcs Nein! erfolgt. Ein Erzlump, dieser Schnmp, urtheilt der Leser. Gewiß, ein durch und durch verkommenes Individuum. Aber da ist noch dieser Koinmcrzicnrath Knöckel, der den Erzlumpen für Geld dingt, poli- tische Gegner zu denunziren, ist er um einen Deut weniger schlecht als jener? Sicherlich nicht. Und darum gehöhrt neben dem, nachdem eigenen Geständnitz der Polizei,„arbeitsscheuen und versoffenen" Schnmp der reiche Kommerzienrath Knöckel an den Pranger! Als Dritter im Bunde verdient der Schneider Peter S t r i c f f l e r in Neustadt zu figuriren. Dieser Staatszcnge mutz auf Befragen Folgendes zugeben: Die Frau des Zeugen hatte wegen Beleidigung der Frau des Angeklagten Moser von dem Schöffengericht Neustadt drei Tage Gefängnitz erhalten. Zeuge appellirtc an die Strafkammer des königl. Landgerichts in Frankenthal, wurde jedoch ab- gewiesen. Reicht daraus an allerhöchster Stelle ein Gnadengesuch ein, dasselbe wurde ebenfalls abschlägig beschicden. Darauf- hin hat Zeuge den. Moser der Staatsanwaltschaft .1 n g e z e i g t. Als diese nicht zog, reichte er anonym eine zweite Denunziation ein, deren Berfasserschaft er später gezwungener- maßen zugab. Mit anderen Worten, niedrigste Nachsucht war das Motiv, das diesen Burschen bei seinen Aussagen leitete. Dies einmal festgestellt, mutzte natürlich das ganze Gebäude der Slnklage kläglich zusammen- brechen; es blieben einige unwesentliche Verstöße gegen das Schand- gesetz übrig, die dem Hanptangeklagten Beyerle nachgewiesen werden konnten und wofür der Gerichtshof 14 Tage G e s ä n g n i ß für aus- reichend hielt, Schump erhielt auf Grund seiner eigenen Aussagen acht Tage Gefängnitz, die anderen Angeklagten wurden freigesprochen, der bereits erwähnte Moser unter der Motivirung, daß die Anklage gegen ihn in der Hauptsache auf der Aussage unglaubwürdiger Zeugen(Strieffler) beruhte. Stellen wir zum Schluß dem Bild, welches die„Zeugen des Staates" darbieten, das eines der angeklagten Umstürzler gegenüber. Von Moser sagte sein Chef, der Möbelfabrikant Niederhöfe r, ehedem in Neustadt, jetzt in Edeukoben: „Moser ist seit 1882 in mciuem Geschäfte. Derselbe ist ein fleißiger, treuer, zuverlässiger und einer meiner beste» Arbeiter. Ich weiß, daß Moser sich zur sozialdemokratischen Partei bekennt, aber daß er„gefährlich" ist, davon konnte ich mich bis heute noch nicht überzeugen, denn als ich seinerzeit mein Geschäft von Neustadt nach Edeukoben ver- legte, war Moser e i n e r b c r Ersten, den ich zur Mitübersiedelnng animirte." Dies Zeugniß aus unverdächtigem Munde für den Umstürzler, und ihm gegenüber das schon erwähnte Zeugniß der Polizei über den eigenen Zeugen Schump— kann man die unter dem Schandgesetz herrschenden Zustände vernichtender brandniarken als es dieser Gegeitsatz thut? Und kann ein schärferes BerdammungSurthell über ein Negicrungssystem ausgesprochen werden, als wenn man sagt, es könne ohne ein" solches Aus- nahniegesetz nicht bestehen? — lieber das Wesen der deutschen Arbeiterbewegung sind unter den ausländischen Sozialisten noch recht viel irrige Äüffassnngen verbreitet. Eine ganze- Reihe von Leuten sehen nur die politische Seite derselben, die Wahl- und parlamentarische Aktion der deutschen Sozialdemokratie, und da die letztere ganz naturgemäß viel weniger auffallend ist als die crstere, so sind sie schnell bei der Hand, der Partei vorzuwerfen, daß sie im Verhätttziß ihrer Stärke nicht genug leiste. Fragt man sie, worin die Leistungen denn bestehen sollen, so erhält man Antworten, aus denen hervorgeht> daß die guten keine Ahmuig von den Schwierigkeiten haben, mit denen die Genossen in Deutschland zu kämvfeu haben, daß sie meinen, eine Partei, die 700,000 Stimmen bei den Wahlen aufbrmge, könne die Verhältnisse ganz nach Belieben leiten, sozusagen von heut auf morgen Revolution machen. Daß den 700,000 sozialistischen Stimmen noch über 4 Millionen niclst-sozialistischer gegenüberstehen, sehen sie nicht, die Bedeutung der. Thatsachc, daß trotz einer erdrückenden Uebenuacht unsere Feinde gegen unsere Partei ohnmächtig sind, daß trotz einer Regierungsallmacht, wie sie kein, zweiter Gewalthaber in Europa genießt, Bismarck das Rad der Entwicklung nicht nin eine Stunde aufzuhalten vermag, fassen sie nicht, sonst würden sie unserer Partei keinen Vorwurf daraus machen, daß sie dieses Rad nicht in schnellere Bewegung bringt, als cS die Verhältnisse ermöglichen.> Dies die eine Seite. Noch größer aber ist die Unkenntnis; und daher Uuterschätzung dessen, was die deutsche Arbeiterbewegung in wirth- schaftlich-sozialcr Beziehung, auf dem Gebiete des eigentlichen Klassen- k a m p f c s und der f a ch l i ch e n ec. Organisation leistet. Ist es de» deutschen Arbeitern auch, angesichts der brutalen Handhabung des Schandgesetzes und der deutschen Vereins- und Versammlungsge- setze überhaupt, die nämlich an sich schon Ausnahmegesetze gegen die Arbeiterklasse sind, unmöglich, zentralisirte Widcrstandsvcrbändc von dem Umfange der englischen Trabes- Uuions zu bilden, so haben sie doch Schöpfungen anzuweisen, die, lvenn man alle Umstände in Bc- tracht zieht, wahrhaft bedeutend zu nennen sind. Was aber die deutsche(Gewerkschaftsbewegung vor Allem auszeichnet, das ist die Klarheit und Z i e l b e w» tz t h e i l derselben. Nirgends wird über den Aufgaben des Tages das endliche Ziel der Arbeiter- bewcgung vergeffen. Das zeigt sich u. A. auch auf den Gcwerk- s ch a s t s k o n g r e s s e n, die zugleich immer größeren Umfang annehmen. Wir haben von einigen derselben früher bereits berichtet, heute wollen wir deS Kongresses der deutschen T a b a k a r b c i t c r ge- denken, der gegenwärtig in Erfurt tagt und von 137 Delegirten bc- sucht ist, die 4 4 8 Orte und 71,000 Arbeiter vertreten. Das sind Zahlen, die jedem Einzelnen imponiren müssen; was aber noch mehr imponirt, das ist der Geist, der auf diesen Kongressen zu Tage tritt, und der sich ebensosehr von deklamatorischer Revolutionsschrcierci entfernt, wie von dem engherzigen Opportunismus der großen Mehr- zahl der englischen Gewerkschaftler.. Die deutsche Arbeiterbewegung ist i n a l l c n ihren Gliedern vom Geist des Sozialismus durch- drungcn, das ist eine Thatsache, gegen die kein Bismarck, kein Wilhelm, kein Pfaff und kein Bourgeois etwas vermag. Wir sagen das nicht in selbstgefälliger Ücbcrhebnng, nicht um in pharisäerhaftem Hochnmth auf andere hinabblicken zn können. Wir sind uns viel zu sehr dessen bewußt, ivelch großes Stiick Arbeit noch vor uns liegt, um die Bedeutung des Erreichten übertreiben zn»vollen. Aber wir halten es andernfalls für unser gutes Recht, der geflisscnilicken Verkleinerung der deutschen Arbeiterbewegung, wo wir ans sie stoßen, ent- gcgcnzutrcten und für sie diejenige Achtung und Berücksichtignug zu reklamiren, welche ihr ihrer Bedeutung und ihren Leistungen nach gebührt. — Die Thatsache, daß die französischen Marxisten in Folge des Austritts ihrer Vertreter aus der lltedaktion der„Egalite"*0 momentan in Paris in und to dt sind, wird von den Poisibilistcn und deren Agenten dazu benutzt, die Erstcrcu als eine ganz unbedeutende Gruppe von Sektirern und Intriganten hinzustellen, die gar keinen Einfluß auf französische Arbeiter haben. Diese Redensart wird bereits durch die einfache Thatsachc der Kongresse von Troycs und Bordeaux widerlegt, sowie ferner durch den Umstand, daß kein Einziges der in der Provinz erscheinenden sozialistischen Arbciterblätter possibilistisch, eine ganze An- zahl derselben aber, wenn dieser Ausdruck einmal gelten soll, marxistisch sind. So der in Lille erscheinende„Eri du Travailleur", so der in Calais erscheinende„Rcveil du Travail", so die„Union Socialistc" zu Marseille. Seit Ostern ist zu ihnen nock„Lc Socialistc", Organ der Arbeiterpartei in Mittclfrankreich, hinzugekommen, der in E o l» m e n t r y(Departement Allier) erscheint. In jenem Departement haben unsere Genossen in verschiedenen Gemeindevertretungen ihre Leute sitzen, in Commentry war es ihnen sogar gelungen, die Wahl eines ausgesprochenen Sozialisten zum Maire durchzusetzen. Fanatisch *) Unsere Leser wissen, daß der Austritt aus dem Grund erfolgte, weil der Verleger das Blatt von unterbezahlten Frauen herstellen läßt. Ter Pariser Typographenbund hat das Verhalten der betreffenden Re- daktcnce in einer besonderen Erklärung allen republikanischen Journatisten als Muster anempfohlen. von der Bourgeoisie gehetzt, ist derselbe gegenwärtig— provisorisch— unter einem nichtigen Vorwand seines Amtes enthoben. Ueberhaupt macht sich in der Provinz der Klassenkampf viel ent- schiedencr bemerkbar als in Paris, Ivo er in regelmäßigen Zeitläuften gegen die Tagespolitik zurücktritt. So sind in Commentry und Moni- lutzvn jüngst die Vertreter der verschiedenen Arbeiter-Syndikatskammern wegen formeller Verstöße gegen das Vereiusgesetz verurtheilt worden, während ganz dasselbe„Vergehen" in Paris unbestraft und unverfolgt bleibt. — Bon hinten herum. Unter dem sonderbaren Titel„Ratio- n a l i st i s ch e r Klub" sind in B o st o n und N e w- P o r k Vereine entstanden, welche die staatliche O r g a n i s a t i o n, b e z w. K o n- trole von Landwirthfchaft und Industrie ans ihre Fahne geschrieben haben. Folgendes ist z. B. die Prinzipien-Erklärung des New-Vorker Nationalistischen Klubs: „Solange die Konkurrenz der herrschende Faktor in unserem industriellen System ist, kann die höchste Entwickclung der Individuums, können die höchsten Bestrebungen der Menschheit nicht verwirklicht werden. Wer die Wohlfahrt der Menschen zu fördern snchr, muß versuchen, das System zu unterdrücken, welches auf das bestialische Prinzip der Konkurrenz gegründet ist, und an seiner Stelle eine andere(Grundlage auf dem höheren Prinzip der Assoziation erstreben. Indem wir dieses zu erlangen suchen, befürlvorten wir nicht plötzliche und unbc- dachte Aenderungen; führen wir nicht Krieg gegen einzelne Personen; tadeln wir nicht diejenigen, welche enorme Reichthümer nur deshalb angesammelt haben, weil sie ein falsches Prinzip bis zum logischen Emde geftihrt haben. �„Die Kombinationen, Trusts und Syndikate, über welche sich das Volk jetzt beschwert, beweisen die Durchführbarkeit unseres grundlegenden Prinzips der Assoziation. Wir suchen lediglich dieses Prinzip auszu- dehnen und wollen alle Industrien im Interesse aller durch die Nation — das organisirte Volk— die organifirte Einheit des ganzen Volkes betrieben haben. „Das gegenwärtige industrielle System beweist selbst seine Schädlich- keit durch die Schäden, die es erzeugt; es erweist sich als absurd durch die immense Verwüstung von Energie und Material, welche zugestandener Maßen seine Bcglcitmig bildet. Gegen dieses System erbeben wir unfern Protest und verpflichten uns, mit allen Kräften fiir die Ab- schaffung der Sklaverei zu wirken, welche es geschaffen hat und ver- ewigen will." Soweit das Programm. Was da als„Nationalismus" auf- tritt, schreibt das„Phil. Tageblatt", heißt in Europa S o z i a l i s- ui n s. Indessen können wir in dem neuen Rainen für eine alte Sache keine Verbesserung finden. Zudem steht das Wort„Nationalismus" für einen ganz andern Begriff als den, der ihm hier untergelegt wird. Es lvürden also gerade so viele Erklärungen über die Bedeutung des Wortes uöthig sein, als die Richtung jetzt uStliig hat, welche sich das Wort„Anarchie" als Bezeichnung wählte, das auch hergebrachtermaßen eine ganz andere Bedeutung hat, als ihm neulich gegeben wurde. Wcim jedoch die Anglo-Amcrikancr auf der neuen Bezeichnung bestehen, und den Sozialismus unter diesem Ramm in ihrem Volk einbürgern wollen— mögen fie es thmi. Es kommt schließlich nicht auf den Namen an." Das ist richtig, viel wird aber bei diesen Klubs überhaupt nicht heraus- kommen. Die vorsichtige Wahl des Titels zeigt, daß die guten Leute den Sozialismus ohne d e u K l a s s e n k a m p f wollen, einen unan- stößigen Sozialismus, den man den Philistern mundgerecht machen kann. Das ist eine Utopie. Nach Lage der Dinge in Amerika emc harmlose, aber darum doch eme Utopie. Korrespondenzen. Vasel-Lörach. Noch einmal halten wir es für nothwendig, die Spalten dieses Blattes in Anspruch zu nchmcil, um den Genossen dir niederträchtige Handlungsweise des Lörachcr Bezirksamtniauns vor Augen zu führen. Die Leser werden sich iwch des lächerliche» Versammlungsverbots erinnern, das wir in einer der früheren. Nummern dieses Blattes brand- markten. Am 25. März nun beriefen die Gründer des Ärbeiter-Wahl- Vereins abermals eine Versammlung ein behufs Statutenberathuug. Aber wieder war der Orduungsheld mit dem Verbote gleich bei der Hand. Diesmal nicht weil der Referent— sintemalen ein solcher über- Haupt nicht bestellt lvar, sondern weil der Einbcrufer der Partei angehöre, und, was das Schönste ist, weil in der ersten Ver- sammlnng in Richen zur Gewalt aufgefordert worden sei. Eine frechere Lüge kann man sich nicht denken. Doch halt: etwas ist wirklich daran. Der Vorsitzende jener Versammlung, ein wohlbe-- kaunter schweizerischer Genosse, hatte die Aufforderung erlassen, wenn etwa ein Polizeispitzel anwesend sei, so möge er sich entfernen, andernfalls er den fliegenden Treppenmarsch zu gewärtigen habe. Aber selbstverständlich verlief alles ruhig, trotzdem zwei solche Subjekte anwesend waren, und so muß der biedere Bezirkspascha schon die Warnung als Gewaltakt ansehen. Als dann Abends die Zlnwcsen- den die Grenze passirtcn, wurden sie von den Grcnzanfsehern ange- halten, mit dem Bemerken, es seien in der Versammlung Zeitungen per- theilt worden und sie sollten diese abgeben. Wirklich war in der Ver- saminlung zum Abonnement ans die in Nürnberg erscheinende „Arbeitcrchronik" aufgefordert und eine Anzahl von Exemplaren derselbe» vertheilt worden, und obwohl die„Arbeitcrchronik" durchaus gesetzlich ist, nahmen die beschränkten Grenzer alle Exemplare, die sie fanden, an sich. Da in der Versammlung auch zwei ehemalige Gensdarmcn anwesend gewesen waren, so ist mit aller Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß einer derselben den Spion gemacht. Wir werden der Sache noch auf den Grund kommen. Nun zur Sache zurück. Die Eingangs erwähnte dritte Versaimnlnng war auf den siebenten April anberaumt. Gegenstand der Tagesordnung war: Besprechung des Vereins- und Versammluugs-G efetzcs. Schon glaubten wir, nachdeni zwei Tage seit ihrer Ankündigung vergangen, daß sie uns diesmal gestattet werden würde, aber wir ivurdcn eines Besseren belehrt. Drei Stunden vor Beginn derselben erschien ein Henkerskncckit des genialen BezirkSamtmaunes mit deui Verbot. Unsere Genossen ersehen daraus, wie schwierig wir zu kämpfen� haben. Beschwerde über diese Niederträchtigkeit ist eingereicht. Wir sind ge- spannt, loas dabei herauskommen wird. Aber so viel ist sicher, daß - daß das Vcrfaminlungsverbot ein kräftiges Agitationsmittcl ist. Der Bezirkspascha arbeitet trotz alldcdem uns in die Hände, was seine Schlechtigkeit uns schadet, nützt uns in doppeltem Maße seine Dummheit. Wenn die Zeit der Wahl gekommen sein wird, da werden wir kräftig in die Aktion treten und auf das Sozialistengesetz, sowie auf den Bczirksamtmann und seine Helfershelfer pfeifen.. Hannover. Wir haben einen herben Verlust zu beklagen. Am 7. April ist uns einer unserer trcuesten und tüchtigsten Genossen, der Schlosser Heinrich Barnkothe 'durch den Tod entrissen worden. Trotz langjähriger Krankheit und 'Maßregelungen hat Barnkothe unermüdlich gelvirkt, stets voranstchcnd, wenn es galt, für unsere gerechte Sache einzutreten. Doppelt trifft der Schlag die Sache der Arbeiter, da Barnkothe auch in gewerkschaftlicher Beziehung aufopfernd thätig war, solange er sich überhaupt noch auf- recht erhalten konnte. 400 Leidtragende folgten ihm zur letzten Ruhestätte, ein Beweis, welch hoher Achtung der Verstorbene sich erfreute, denn, da er au einem Wochentage beerdigt wurde, muß die Zahl der Theilnchmer zehnfach höher angeschlagen iverden. In Ehren werden wir seiner stets gedenken. lieber die bei der Beerdigung ergriffenen Polizcimaßrcgelii im nächsten Brief. Die Genossen des 8. hannov. Wahlkreises. Briefkasten der Expedition:-� Schneiderwerkstätte Zrch.: Fr. 2. 25 Ab. 2. Qu. erh.— Zeisig: Mk. 3.— Ab. 2. Qu. crh.— Allg. Arbeiterverein Lausanne: Fr. 25. 60 Ab. 1. Qu. u. Schft. erh.— W. Bsnbk. W'weil.: Fr. 1.— Ufds. crh.— F. Rsngr. W'thur.: Fr. 16. 50 Ab. 1. Qu. u. Fr. 29. 50 f. Schuhm. Gewerk. erhalten.— Rother Geldsack: Mk. 53.95 Zhl. an K. F. Z. a Cto. Ab.-c. pr. 24/4 gutgebr.— Louise: Mk. 3.— Ab. 2. Qu. erh. Nota folgt. Wie stehts denn nun endlich mir Zuwachs? Wohin ging d. Betreffende? Unter diesen Uniständen müssen die Genossen daselbst"mindestens Wink erhalten.— Muth u. Kraft: Mk. 25.— a Cto. Ab. jc. erh. u. Mk. 19. 20 pr. Ggr. gutgebr. Bstllg. folgt.— Balthasar: Adr. gcord. Bestellung k. folgt. Angeregtes stets von uns gepredigt.— Nubicon: tztachr. v. 4. am 25/4 unversehrt augelangt. Verzögerung unbe- greiflich. Adr.:c. vorgemerkt. Bfl. mit Antw. auf Bf. v. 26. Weiteres. — Pharao: Adr. v. 24/4 notirt u. Ldrb.-Bstllg. geord. Weiteres be- sorgt. Bitten Derartiges stets auf separates Blatt zu schreiben.— Veritas: Unbegreiflich, da Zwischenhand Eingang längst meldete. Bfl. am 26/4 Näheres.— Fuchs: Bf. v. 21. mit Poststempel v. 23. am 24/4 erh. n. Beil. sofort wciterbesorgt. Bstllg.?c. vorgemerkt. Bfl. Weiteres.— Steineiche: ffband u. Bf. v. 23/4 hier. Adr. x. vorgemerkt. Querholz ist trotz wörtlicher Weitergabe Ihrer Vor- fchrift pr. Fp. verschuldet worden. Rüffler besorgt. Gruß!— Blöder: Mehrbestllg. u. Ad. notirr. Auszug folgt.— ck'anthias: Bfc. v. 24. am 26/4 beantw.2D.crh. u.bfl.nm 29/4u.1,5 mehr.— Romanns D.: Ad. lt. Vorlage v. 27/4 eingerenkt. Katlg. sobald Neudruck fertig. Bis da- hin siehe in Nr�51 u. 52 1888 u. Nr. 3, 4, 5 und 6 1889. Bfl. Weiteres.— Schippe: Ad. v. 25/4 erh. u. Notifizirtes beachtet.— Herbert: F. sollten mit d. A. fort. Im Uebrigen müssen wir erst ge- uau wissen, wie's mit Abwicklung b. den Alten steht.— Pfaffenfeind: Mk. 60.— a Cto. Ab. 1. Qu. x. erh. War Dcpcscheubeilagc ernstlich weiterzugeben? Dann sofort Antwort. Nachr. v. 26/4 dkd. crh. Rechng. folgt.— X. Z.: Nachricht erhalten.— Lasse: Notiren Adressen und gewärtigen Avisirtes. Weiteres stündlich in Aussicht.— Arabi Pascha: F. P.-Adr. geordnet. M. wird doch besser durch Sie besorgt.— Clara: Adr. u. Bstllg. notirt. Wo bleibt längst avisirte Kassa?'— Hlg. Josef: V. wird besorgt. Erwarteter Vorthcil pr. M. im Prozeßfall ist eine große Illusion.— Merlin: Ad. v. 26/4 hier u. notirt.— Dante: Mk. 100.— a Cto. Ab. jc. erh.— Oncel: Mk. 6.— Ab. 2. Qu. erh. n. Adr. gcord. Recl. folgt. Weiteres beachtet.— Nsbch.: Mk. 18.— f. Ldb. crh. u. Mk. 2.— a Cto. gutgebr. Bstllg. folgt. Weiteres nach Wunsch.— Dtschr. Soz. Elb. Paris: Fr. 25.— Ab. 1. Qu. crh. Adr. G. gcord.— Lionel: Mk. 340.— a Cto. Ab. jc. crh. n. Mk. 38.— p. Ggrchng. gutgebr. Aszg. folgt. Adr. T. gcord. Selbstverständlich nehmen wir Briefmarken. Rclts: wird indeß angelangt fein. — Manfred: Adr. geordnet. Schildern Sie uns sofort den Betreffen- den genauer.— D. L. G. Kophgn.: Wer hat Ihnen denn diese?ln- gäbe gemacht? Rückhaltlose Antwort»nerläßl.— E. K. Odensec: 1 Kr. 40 Oer. f. Schft. erh. Nachr. betr. Brdrs. keine. Weiteres bfl. Aufenthalt des Denunzianten Zigarrcnmacher C.Hardt(1883 in Bremen, Schw. Lste. Seite 11) zur Zeit unbekannt. M. besorgt.— P. Fschr. Ldn.:©ch. 2.— Ab. 2. Qu. erh.— Sprecquclle: 3)1. 20.30 .Ab. 1. Qu. u. Schft. crh. Bestllg. u. Alles Weitere folgt.— Wahrer Jakob: Adr. notirt. Nota u. Bstllg. folgt.— Winterthur E.: Mit Mitglicdschaftssteinpcl u. Unterschrift d. Vertrauonsiuanncs versehene Einsendungen- haben die Absender und nicht wir zu verantworten. In Bfk. Nr. 17 von uns Gesagtes konnte auch Ihrer Gerechtigkeitsliebe genügen. Ihre weitere Schlußfolgcning i. d.„Arbtst." kann uns kalt lassen.— Bnt. London: Sch. 3.06 f. Schrft. erh. Durch Unterzeichnete ist zu beziehen: SosialdeNokratischc DidMhcZ;. 1. KkstMiastiilhts und Plioai-AzenIiMA. Ein Beitrag zur Erläuterung des sozialistischen Programms. 25— 20 2. Sur! Sinn; vor den fiolner Ecsqwornen. Prozeß gegen den Ausschuß der rheinischen Demokratenwegeu Aufrufs zum bewaffneten Widerstand.(9. Febr. 1849.) Aus der„Nene» Rheinischen Zettung". Mit einem Vorwort von Fr. Engels.»— 25— 20 3. Nie oiidunst der Somitemoitratie. Von I. Dietzgen.— 15— 15 4. ffuihiitlnngrn über den üommiinilen-Projejs z« fioln. Von Karl Marx. Mit Einleitung von F r. E n.g e l s und Dokumente».— 60— 45 5.»lnstre Ziele. Von A. Bebel. Eine Streitschrift gegen die„Demokrattsche Korrespondenz".— 35— 30 6. Zie lchlrlische Uttlliorde. Von W i lh e l in W o l ff. Abdruck aus der„Neuen Rheinischen Zeitung" März bis April 184!». Mit Einleitung von F r. E» g e l s.— 40— 35 7. Smuliioliülcht llortriige von Joseph Dietzgen. 1) Nationalökonomisches. 2) Die bürgerliche Gesellschaft.— 25— 20 8. Der todte Schniie gegen den lebenden knffalie. Aus dem Berliner„Sozialdemokrat" 1868.— 50— 40 9., Der nntthlchnlilichc Wairriolionius nach den'.Inlchauungcn von Larl Sinn. Von P. L a f a r g u e.— 30— 25 10.« Ardciterprogramm. lieber den besonderen Zusammen- hang der gegenwärtigen Geschichtsperiode mit der Idee des Arbeiterstandes. Von F. L a s s a l l e.— 20— 15 11. LIiihelm LIeilling. Seine Agitation und Lehre im geschichtlichen Zusammenhange dargestellt von Emil Kaler.—65— 50 12. ChnSenthmn und Sonnlisnins. Eine religiöse Polemik. Scparatabdruck aus deni„Volksstaat" 1873/74.— 15— 15 13. Zur Wohnnngsstnge. Von F r. E n g e l s. Separat- Abdruck aus dem„Volksstaat" 1872.— 50— 40 14. Ernechno Lnbenk nnd die Verschwörung der Gleichen. Von G. D e v i l l c. Aus dem Französischen und mit einem»Nachwort von E. B e r n st e i n.— 55— 45 15. Die Wilsenschaft und die Arbeiter. Eine Vcrtheidigungs- Rede von F. L a s f a l l c.— 25— 20 16. Die phattiiienbewegnng in Snglnod. Mit Anlagen: a) Rede von Jos. Rayncr Stephens, gehalten am 10. Febr. 1839 in Staleybridge. b) Beschlüsse der Chartistenkonferenz v. April 1851— 40— 35 17. ssochverrnth und Lcvolnli«». Bon W. L i c b k n e ch t.— 40— 35 "18. Slreißiige eineo Zoiialilien in dos Gebiet der Erbeuntniß- Iheorie von I. D i e tz g e n.— 45— 40 19. Das«echt auf Fnncheit. Von P. Las arg ue.—25—20 20. Arbeiterlestduch. Von F. Lafsallc. 40_ 35 21. Eineo Arbeilero Widerlegung der nattonalökonomischcn Lehren John Stuart Mill's von I. Gg. Eccarius— 65— 50 22. Wüien iit Swcht. Macht ist Wilsen. Von W. Liebknecht— 40— 35 23. Kleine Änssiitze von F. L a s s a l l c. 1) Die französischen Nationalwcrkslätten von 1848. 2) Antwort an Herrn Professor Ran. 3) Lassalle nnd die Statistik von W. Wackernaget 4) Herr Wackcrnagel oder der moderne Herostratus 5) Erwiderung auf eine Rezension der bkreuzzeitmig— 25— 20 24. Zur Erinnerung fiir die deutschen Morbopnirioien. 1806 bis 1807. Von S. B 0 r k h e i m. Mit einer Ein- leitung von Fr. Engels........— 50— 40 25. Zleber die politische Sieilnng der S-iialdeniobtiitie. Von W. L i e b k n e ch t...........— 25— 20 German Cooperative Publishing Co. > 114 Kentish Town Koatl, London N. W. Pnnted for the proprietors by the German Cooperative Publishing Co. 114 Kentish Town Road London K. W.