Avonnements «erden beim Verlag und desse« bekannten Agenten entgegen- genommen, und zwar zum voraus zahlbare« ViertelfahrApreiS von: vtt. 4.40 ftir Deutschland jbhtH per Bries-Couvert) öwfl. L,7K für Oesterreich(direkt per Snief-Coudnt) CM. 2,— für alle übrigen Länder des Weltpostverein»(Kreuzband). ?» s k r> t e d!« ircigtspaltene Petttz-il« » Pen«--- xz Psg. so gw. Der Sojinlöcmolir Hrgan der Sozialdemokratie deutscher Zunge. Erscheint wöchentlich einmal in London. Acrlag der QsMnan kooperative kudliadliig E. Bernstein& Co., London N. W. 114 EentiRh Towa Road, PsßsciiÄllnzell J»oato gegen franko. Gewöhnliche Vrics« »ach England kosten Doppelport». M 10. »tiefe an die istedaktioa»i>d Erpeditio» de»« Deutschland und Oesterreich»erdotenen.Sozialdemokrat'«olle«an unter»eodachwng äußerster Borficht atgehen lasten. Zu der Regel schicke»an und die»riefe nicht direkt, sonder» an die t-Iannte» Deckadreste». Z» zwelfelhasten Fälle» eingeschrieben. 11. Mai 1839. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemahregelten nicht! Unentwegt vorwärts! Wir haben in voriger Nummer aus bestiminten Gründen Anlaß genominen, auf die Bedeutung und die Vorzüge der deutschen Arbeiterbewegung, die mit der sozialistischen Ve- wegung Deutschlands zusammenfällt, hinzuweisen; heute können wir das dort Gesagte an der Hand eines Artikels eines ameri- kanischeit Bruderorgaiis weiter ausführen. Unter der gleichen Ueberschrift wie die, welche wir diesevl Artikel vorangestellt, schreibt das„Philadelphia Tagblatt" unterm 22. April: „Es vergeht keine Woche, in welcher das Kabel in semer Uebersicht der Ereignisse imd Stimmungen in Deutschland sich nicht hervor- ragend mit der Arbeiterbewegung und Fragen, welche mit ihr daselbst im Zusammenhang stehen, beschäftigte. Ja, davon abgesehen, vermittelt es überhaupt blas elendes, nichts bedeutendes Zeug; die kläglichen Kolonial-„Affairen", den Samoa- Ruminel, den Klatsch und die Schiebungen am Hofe, wie sich die Allerhöchsten räuspern und spucken— lauter Dinge, welche das Telegraphircn nicht Werth sind. „Der Mann am andern Ende des Kabels hat gewisj nicht die Neigung und den Auftrag. die Bedeutung der sozialistischen Volksbe- wegung zu übertreiben. Wenn er ihr doch so viel Beachtung widmet, so ist er einfach nach Lage der Sache dazu gezwungen. Sie ist eben der Pol, uni welchen sich die ganze politische Lage bewegt. Die arbeitenden Massen in Deutschland haben es fertig gebracht, Respekt für sich und ihre Sache in der ganzen Welt zu erzwiiigen. „Man wollte sie ersticken, und was eine antokratische Regierung dazu thun konnte, das ist geschehen. Aber der Effekt war ein unerwarteter. Je stärker die Unterdrückung, je mächtiger wurde der Gegendruck, Man verbietet Bersainmlungcn und unterdrückt Zeitungen, aber die vervchmte Partei weiss sich vernehmlicher zu machen, als je zuvor. Die Regierung versucht es mit verschärften Zwangsgcsetzcn, sie konstatirt damit ihr Fiasko. Sic macht in„Sozialreform" und verkündigt aus„allcrhöch- stem Munde" als Motiv, dass man die Arbeiter„versöhnen", sie mit Konzessionen von der bedrohlichen Richtung abzuwenden versuchen wolle! Das Eine wie das Andere hat keine aiiderc Wirkung, als die Auf- merksanikeit erst recht auf sie zu ziehen und sie zu stärken. „In England, in Frankreich und in den Bereinigten Staaten hat die Arbeiterbewegung zeitweilig eben solches, vielleicht grösseres Auf- sehen, Bcsorgniss, Hoffnung erregt, je nach dem Standpunkt. Aber dauernd, auf eine so lange Reihe vonJahren, noch nie- mals. Es war ein Aufflackern, ein plötzlicher Anlauf, dem wieder ein jäher Zusammenbruch folgte. In Deutschland �vielleicht auch in dem kleinen Dänemarck) dagegen sehen wir eine stetige, man möchte sagen, gesetzmäßige Entwicklung nach Tiefe und Breite, die selbst durch so ausserordentliche Ereignisse, wie die Revolution von oben herab von IVL«; bis 1871, den deutsch-französischen Krieg und durch den Er- laß des Ausnahmegesetzes, nicht mehr als vorübergehend und oberfläch- lich beeinflußt wurde. Es gab keine Sprünge, aber auch keine Rück- schlüge. „Diese, soweit in der Bölkerbcwcgung vereinzelt da- stehendcErscheinung muß ganz besonders betont werden. Ihre Ursachen sind nicht weit zu suchen. Die deutschen Arbeiter, zum grossen Theil durch den Liberalismus(als er noch ein solcher war) von dem Einfluß des Klerus befreit, besser geschult als diejenigen aller anderen Länder, hatten das Glück, ivissenschaftlich gebildete Vorkämpfer zu besitzen, welche ihnen sowohl das Ziel der Ar- beiterbcmegnng als auch das Mittel zum Zweck in vollster Klarheit vorzustellen wußten. „Was Karl Marx durch die Aufdeckung des kapitalisti- scheu Produktionsprozesses und die Begründung der m a t e r i a l i st i s ch e n Geschichtsauffassung für sie geleistet, das hat die deutschen Arbeiter vor den vielen Jrrgängcn bewahrt, in welche die sogenannten„Praktiker"(die bei näherem Zusehen meistens die größten Utopisten sind) die Arbeiter anderer Länder geleitet haben. Da gab es kein Experimentiren, kein Probiren heute mit dieser „Idee", morgen mit jener, sondern ein zielbewußtes Fortschreiten in der einmal erkannten Wahrheit und auf dem klar vorgezeichneten Wege. „Abschaffung der kapitalistischen Produktionsweise" war das unverrück- bare Ziel, und„Eroberung der politichcn Macht" das Mittel zur Er- reichung desselben. Und ander Konsequenz, mit welchem an beiden festgehal- ten ivurde, scheiterten die Projektcnmachcr ebenso wie die Gewaltmenschen. Dabei hat die deutsche Arbeiterschaft au sogenannten„praktischen Erfolgen" soviel aufzuweisen, wie das unter den gegebenen Verhältnissen überhaupt Möglich>var. Wenn die Arbeitszeit in Deutschland noch heute eine längere und der Lohn ein kleinerer ist als in England, so berechtigt der Hiiiiveis darauf die konservativen„Führer" der Trades-Unious durch- ans nicht, selbstgefällig zu sein. Das liegt an Verhältnissen, über die sie selber keine Kontrolle hatten. „Die deutsche sozialistische Arbeiterpartei ist frei von Einseitigkeiten geblieben. Die Eroberung der politischen Macht ist allerdings und mit Recht, ihr Hauptziel. Aber dabei hat sie jede Gelegenheit wahrgenommen, die Lage dcS Volkes zn heben und der Kampf der Arbeiter in gewerk- s ch a f t l i ch e r Hinsicht hat jederzeit ihre erwünschte U n t e r st ü tz u n g gefunden. Was sie aber nicht zuließ, das war, daß die Arbeiter sich von ihm gänzlich mit Beschlag nehmen lassen...." Soweit das„Philadelphia Tagblatt", dessen Redakteur die deutsche Arbeiterbewegung aus eigener Anschauung genau kennt. Sowenig ihn, als er dies schrieb, sowenig leitet uns irgend ein chauvinistisches Motiv, wenn wir seinen Artikel abdrucken. Wir würden vielmehr glücklich sein, wenn wir aus andern Ländem ein gleiches, ein noch größeres Wachs- thum der sozialistischen Bewegung zu melden hätten. Wenn wir das, grade soweit die größten der fremden Staaten in Betracht kommen, nicht können, wenn wir in Bezug auf sie, trotz mancher Wendung zum Besseren, immer noch gestehen müssen, daß ihre sozialistische Beivdgung noch eine verhältnißmäßig schwache ist, so verkennen mir dabei durchaus nicht, daß die Umstände der Ausbreitung des So- zialismus in keinem Lande so günstig gewesen sind und noch sind, als grade in Deutschland. In Deutschland war das politische Leben noch unentwickelt, als der Sozialismus bereits auf die Bühne trat. Das Bürgerthum wurde von oben künstlich niedergehalten. Deutsch- land hat große bürgerliche Parteien gekannt, aber keine starken bürgerlichen Parteien. Keine der bürgerlichen Par- teien sieht vor sich die Möglichkeit, aus eigner Kraft Re- gierungspartei zu werden, sie können dieses Ziel nur erreichen durch Unterwerfung. Diese Thatsache nimmt ihnen die Attraktionskraft, welche ihre glücklicheren Bruderparteien in andern Ländem ausüben. Sie lähmt ihre Energie und zu- rückwirkend die des Bürgerthums überhaupt, das sich ja in Deutschland seit dem dreißigjährigen Krieg nie durch Ueber- stuß an solcher ausgezeichnet. So fand der Sozialismus po- litisch seine Bahn, und diese einmal gegeben, mußte der Kampf mit der Polizei eine Kleimgkeit für ihn sein. Weiter kam dem Sozialismus in Deutschland zu Gute die große industrielle Revolution, die seit den sechziger Jahren auf dessen Boden sich vollzieht und Tausende und Abertausende von selbstständigen Gewerbetreibenden ruinirt, ins Proletariat geschleudert hat. So spät sie eintrat, um so elementarerwirkte sie, um so mehr vermochte sie die Köpfe zu revolutioniren, um so größeres Verständniß für ihre ge- schichtliche Bedeutung fand sie in den Massen vor. � Die großen Verdienste Bismarcks um das Wachsthum des Sozialismus sind so bekannt, so oft in diesem Blatt darge- legt worden, daß wir im Einzelnen auf sie nicht einzugehen brauchen. Festgestellt sei nur, daß sie immer bedeutendere wurden, je unfreiwilliger sie geleistet wurden. Als Bismarck unter der Hand dem Sozialismus absichtlich Liebes- dienste erwies, da war der Erfolg nur ein magerer; seit er aber den Sozialismus zu vernichten unternommen, hat er sich von Jahr zu Jahr als besserer Agitator für unsere Sache erwiesen. Kein Staatsmann der ganzen Welt, der ihm in dieser Hinsicht heute das Wasser reichte. Erst in neuester Zeit hat er einen Konkurrenten erhalten, der noch größeres zu leisten verspricht als er, aber auch dieser weiht der deut- scheu Sozialdemokratie seine Dienste: es ist der neue deutsche Kaiser, der neue„alte Fritz". Schließlich aber hat die deutsche Arbeiterbewegung noch keine so gewaltigen Niederlagen aufzuweisen wie die englische sie in dem Fehlschlag der Chartistenbewegung, die französische in der Junischlacht von 1848 und der Kommune von 1871 erlitten, und die noch immer in den Köpfen der Arbeiter jener Länder nachwirken. Alles das darf und soll ununnvunden eingeräumt werden, wird doch dadurch durchaus nicht verkleinert, was dem per- sönlichen Verdienste Einzelner, was der beispiellosen Opfer- freudigkeit und Gesinnungstreue der Tausende und Abertau- sende von braven Genossen geschuldet ist. Unsere Partei hat in Deutschland guten Boden und günstige Witterung vorge- funden, und sie hat Beides an der Hand der Rathschläge eines unübertrefflichen Lehrers auf's Gründlichste ausgenutzt. Freuen wir uns des Resultats, aber vergessen wir auch nicht, daß die günstigeren Bedingungen zu immer größeren Lei- stungen verpflichten. Warum es nicht mehr glückt? „Es will Nichts mehr gelingen", sagt die„Germania", und führt in langer Reihe die Mißerfolge und Niederlagen der Bis- marck'schen Politik auf. Die Thatsache ist richtig. Stach dem Grund aber fragt das ultramontane Blatt nicht. Die bürgerlich-demokratische„Volkszeitung" gibt als Grund an, daß das deutsche Voll seine Schicksale aus der Hand geqcbcn, auf selbst- ständiges Denken und Handeln verzichtet, und sich Götzen herangezogen habe, die selbstverständlich nicht allweise und allmächtig sind, und weil sie Alles machen wollen, in ihrer natürlichen Impotenz alles ver- pfuschen. Das ist bis zu einem gewissen Punkte unzweifelhaft richtig, allein genau genommen ist es doch blos eine Umschreibung der Thatsache, die erklärt werden soll. Warum hat das„deutsche Polt", nun einmal diesen etwas mystisch- nebelhaften Ausdruck beibehalten— warum hat es denn seine Schick- sale aus der Hand gegeben, auf selbststäudiges Denken und Handeln verzichtet, und sich einem so wenig anziehenden Götzen in die Arme geworfen? Das ist die Frage. Und die Antwort lautet: diese Erscheinung, welche sich unter ähnlichen Bedingungen in allen Ländern und zu den verschiedensten Zeiten ge- funden hat, entspringt dem Bewußtsein der Individuen, daß sie den Schwierigkeiten, von welchen sie sich uniringt sehen, sich nicht gewachsen wissen oder glauben. Auf der niedersten Kulturstufe findet sie sich bei allen Völkern. Jene Negcrvölker, die ihrem Fürsten unbedingtes Recht über Leben und Tod und die Person eines jeden seiner Unter- thanen eingeräumt haben und sich wie die Hammel abschlachten lassen, wenn es„Väterchen", das heißt der Träger des„väterlichen", Patriarch«- lischen, persönlichen Reginients gebietet oder wünscht, sind der bis in die Gegenwart erhaltene Typus jener einfachen, mit religiöser Muckerei verquickten Regierungsform, welche ein jedes zivilisirte Volk vor dem Eintritt in die, das Recht des Menschen und des In- d i v i d u u m s begreifende(wenn auch noch nicht anerkennende und zur Geltung bringende) Zivilisation einmal durchgemacht hat. Nun hat aber unsere, noch unvollendete, und darum einseitige und widerspruchsvolle Zivilisation die Eigenthiimlichkeit, daß sie bei aller theoretischen Anerkennung des Menschenrechts das Recht des Menschen und des Individuums doch ebenso brutal mit Füßen tritt, wie dies in jener vorzivilisatorischen Periode geschehen ist und bei nn- zioilisirten Völkern geschieht! Nur mit dem Unterschied, daß es jetzt nicht eine einzelne Person, sondern eine ganze Klasse ist, zu deren Gunsten das Menschenrecht einer ander cnBevölkerungsklasse mit Füßen getreten wird. Jndeß auch dieser Unterschied wird so ziemlich ausgeglichen und zwar dadurch, daß die begünstigte Klasse sich in der Minderheit weiß, und um sich gegen die berechtigten Emanzipations- bestrebungen der unterdrückten Klasse zu schützen, in atavistischen! Rückfall ihre Rettung in der nackten Gewalt und in einer das Mensche nrecht rücksichtslos mit Füßen tretenden, die höchstmögliche Macht in ihrer Spitze vereinigenden Negicrung sucht. Das böse Gewissen der römischen Patrizier und Latifundienbesitzer trieb sie dem Zäsarismus in die Arme, und frohen Herzens beugten sie sich vor dem Pferd eines Kaligula — und fanden für ihre niederträchtige Selbstdcmüthigung Trost in dem Gedanken, dass der in diesem Pferd verkörperte Despotismus ihnen zwar den Fuß auf den Nacken setzte, sie aber auch vor dem Zorn und der Rache der unterdrückten, ausgebeuteten Plebejer bewahrte. Die Zäsaren sind verfault und ihr Reich ist verfallen. Siebzehn und achtzehn Jahrhunderte später das nämliche Schauspiel in Frankreich. Die Februarrevolution von 1848 und die Juni- schlacht hatte der entsetzten Bourgeoisie den Abgrund der sozialen Frage gezeigt: das seiner Rechte bewußte und seine Rechte fordernde Prole- tariat— das Memento mori der Bourgcoisieherrlichkeit! Und in toller Angst warf die französische Bourgeoisie sich einem bauernschlauen Halb- idioten in die Arme, der an Geist dem Pferde des Kaligula sicherlich nicht überlegen war— und errichtete das La» Empire Napoleons des Kleinen— oder ließ errichten, was auf das Gleiche hinausläuft. Und fast zwanzig Jahre lang wurde dieser Halbidiot, dessen ganze Mission darin bestand, in seinen Fctischhänden das Szepter, den Knüppel und das Schwert der brutalen Gewalt, über den Unterdrückten und Ausgebenteten zu schwingen, von der französischen Bourgeoisie nicht nur, sondern auch von den Bourgeois der übrigen Ländern mit allen Eigenschaften eines überirdischen, übermenschlichen Wesens, eines Gottes ansstaffirt,— bis eines schönen Tags der Götze zu Boden fiel und in Scherben zerbrach. Wenn die französischen Bourgeois— die Jünger Voltaires und Ronsseaus, die„Enkel und Söhne" der Männer, welche Me Bastille gestürmt, die Julirevolution gemacht und den Thron des Burgerkönigs in Stücke geschlagen haben, vom Anblick der modernen Sphinx so ver- steincrt wurden, dass sie in sinnbethörendem Schreck alle ihre Kultur- idecn und Kulturideale vergaßen und, die Kasse umklammernd, gleich dem ertrinkenden Geizhals, beim nackten Knüppel und blanken Säbel sich Hilfe und Trost suchten— dann kann man sich tvahrhaftig nicht wundern, daß die deutschen Bourgeois, die seit den Zeiten der Bauernkriege stets Hasenfüße gewesen sind, und keine Zeit jugendlicher Heldcnhaftigkeit aufzuweisen haben, wie die französischen Kollegen—; dann kann man sich wahrhaftig nicht wundern, dass sie bcini Anblick der furchtbaren Sphinx: genannt soziale Frage, von blinder Furcht gepackt wurden und mit dem»oilden Instinkt der Sclbsterhaltung, der den Er- trinkenden nach dem Strohhalm greifen läßt, sich an den nackten Knüppel und blanken Säbel anklaniniertcn. Daß die Person, in welcher sich der nackte Knüppel und blanke Säbel verkörpert hat, dort Bonaparte hieß und hier Bismarck heißt— das ist unwesentlich, das ist Zufall. Daß aber die bürgerliche Gesellschaft auf den Bonaparte und den Bis- marck gekommen ist, wie weiland die römische Gesellschaft auf.Kaligula's Pferd, das ist kein Zufall, das ist die g e s ch i ch t l i ch c N o t h- w e n d i g k e i t, das ist das eherne Muß des gähnenden Klasscngcgen- satzes,— eine unvermeidliche Vorstufe der sozialen Gerechtigkeit, dersozialenRevolution. � Und so ein verkörperter Knüppel und Säbel, der bloß zum Nieder- knüppeln und Niedersäbeln da ist, hat selbstverständlich kein Genie für die höheren Aufgaben und Probleme, die er niedcrzusäbeln und nieder- zuknüppcln berufen ist. Wie kann insbesondere solch ein Säbel und Knüppel die soziale Frage studiren und gar lösen? Gerade s i e soll er ja todtschlagcn, erdrosseln, irgendwie ans der Welt schaffen. Und um die s o z i a l e F r a g e dreht sich heutzutage Alles. Dies ist das Alpha und das Omega aller Politik, die jedoch nicht die Politik des Knüppels und Säbels sein darf. Und so drängt sich denn unabweisbar die Kon- seqnenz auf, daß der gesellschaftsrettcnde Knüppel und Säbel, falls er nicht schon Stümper von Haus aus ist, bei Erfüllung seiner Mission ein Stümper sein muß, in allem anderen, außer dem Niederknüppeln und Nicdersäbeln.' Und aus dieser naturnothwendigen Stümperei der sozialen, d. h. der inneren Politik entspringt ebenso naturnothwendig die Stümperei der äußeren Politik. Die kleinen Noßtauscherknnststückchen, mit denen der dänische, der deutsche und der französische Krieg eingefädelt wurden, lassen sich nicht wiederholen, weil Jedcrniann seinen Pappenheimer oder Spicgelberg kennt— und sintemalen Spicgelberg allerhand Faxen und Jcchrmarkts- possen verüben muß, um sein Fiasko auf dem Gebiet der inneren Politik — welche identisch ist mit der sozialen Politik— zu verdecken, so bleibt ihm nichts übrig, als Dummheiten zu machen ö la Samoa und O st a f r i k a. Also das Pech, welches den Fetisch seit einiger Zeit verfolgt, ist kein Zufall— so wenig das Glück, welches er einige Zeit lang hatte, per- sönlichcS Verdienst war. Die Verhältnisse bringen das Pech, wie sie früher das Glück gebracht haben. Die Umstände, welche den nackten Knüppel und blanken Säbel mit der Diktawr bekleideten, waren glücklich für den Knüppel und Säbel. Allein die Welt steht nicht still, der Knüppel mag noch so schwer, der Säbel noch so„schneidig" sein— die soziale Frage ist da, das Proletariat steht vor der Thüre und klopft immer lauter und drohender an und schließlich wird es dem pommerschen Götzen gehen, wie es dem französischen und römischen er- gangen ist. Kaligula's Pferd hat den römischen Geldsack nicht gerettet, Napoleon der Kleine nicht den französischen und Bismarck der Lange wird den deutschen nicht retten. „Es will nichts mehr gelingen." Ganz recht. Uns dagegen, dem Proletariat, der Sozialdemokratie, uns gelingt Alles. Alle Verfolgungen, Alles was gegen uns gethan wird— Alles fördert unsere Sache, und selbst Dunimheiten und Fehler, die wir begehen, können uns nie dauernd schaden, weil die weltgeschichtliche Entwickelnng mit uns ist, und die Kräfte und Mächte, deren Vertreter wir sind, mit elementarer Gewalt wachsen. Unseren Feinden aber kann nichts mehr gelingen, weil die weltge- schichtliche Entwickelnng gegen sie ist, und weil die Kräfte und Machte, über die sie verfügen, fortwährend abnehmen. Hätte der Knüppel und Säbel auch wirklich das„Genie", welches die Reptilien ihm an- lügen,— der Mißerfolg wäre ihm sicher. Es geht bergab mit ihm. Und wir steigen auf. Zur Abwehr. In der neuesten Nuinmcr des.Proletariat" zieht der Possibilist L a v y niit einer wahren Fluch von Jnvektiven gegen unfern Mitarbeiter E. Bernstein los, weil derselbe in zwei Einsendungen in der Londoner„Justice" die sachlichen Differenzpunkte dargelegt, welche nach der damaligen Sachlage dem Zustandekommen eines von allen sozialistischen Parteien beschickten internationalen Kongresses im Wege standen und— müssen wir hinzufügen— Dank der Winkelzügc der Posssbilisten vorderhand noch immer im Wege stehen. Ohne auf die mehr wie albernen Redensarten einzugehen, mit denen Lavy seinen Artikel würzt, wollen wir hier nur feststellen, daß derselbe die— Possi- bilität soweit treibt, Bernstein Worte in den Mund zu legen, die dieser nie geäußert, den wirklichen Darlegungen von Bernstein aber— die wörtlich zu zitiren er sich wohl hütet— einen Sinn unter- zuschieben, den sie nicht haben. So sucht er z. B. bei seineu Lesern den Glauben zu erwecken, die Forderung, daß der Kongreß in Bezug arif seine Tages- und Geschäftsordnung souverän sei, bedeute, daß über- Haupt keine vorläufige Tagesordnung bekannt gemacht werden dürfe, welchen Unsinn zu behaupten Niemand eingefallen ist. Wir unterlassen es, diese Art der Polemik zu qualisiziren, die Leser werden die ent- sprechende Bezeichnung selbst zu finden wissen. Uebrigcns vcrräth Lavy an einer Stelle mit großer Naivctät selbst, welches die Motive sind, die ihn und seine Freunde veranlassen, sich den so einfachen und im Gnind» selbstverständlichen Vorschlägen der Haager Konferenz zu widersetzen. „Aber", ruft er aus,„sind es im Grunde wirklich diese Dinge, nm welche es sich bei diesen erbärmlichen Streitereien handelt? Nein; was man von Seiten der Führer des Internationalen Marxismus fürchtet, was man um den Preis(!) aller Verläumdmigen und aller Beschimpfungen vcrineidcn will, ist, daß die(possibilistische) Arbeiterpartei, die einzige ernsthafte sozialistische Verbindung Frankreichs, durch den Glanz des von ihr organisirten internationalen Kongresses in den Augen Aller größer erscheine." Internationale Kongresse haben nach unserer Ansicht nicht den Zweck, irgend eine nationale Partei in besonderem Glanz aufniarschiren zu lassen, sondern den. ein möglichst v o l l st ä n d i g e s Bild der Be- wegung und der Bestrebungen unter den Arbeitern aller Länder zu geben. Die Ansicht ist der leitende Beweggrund unserer Handlungen, und wenn wir, indem wir sie verfechten, dabei die Rechte von Leuten vertreten, die das Genie eines Karl Marx freudig anerkennen, so thun wir nichts, was wir nicht gegen Jedermann erhobenen Hauptes offen eingestehen dürften. Marxisten in dem Sinne, wie Herr Bronssc und feine Leute seit Jahren die französischen Arbeiter glauben machen wollen, gibt es nicht und hat es nie gegeben, und wenn Herr Bronssc es für opportun hält, am Vorabend des Jnteruationalen Kongresses die alten bakuuistischen Verlänm düngen gegen Marx— das Einzige, was er aus seiner aiiarchislischcn Phase in seine possibilistische hinübergcrettet hat— verbrämt mit neuen Lügen über die„Marxisten" heraus- zugeben, so ist das ein Verfahren, das sich von selbst richtet, auf das wir aber nicht verfehlen wollen, die Aufmerksamkeit aller unparteiischen Genossen zu lenken.*) Der Angriff Lavy's auf die Haager Beschlüsse ist die beste V e r- theidigung derselben, während die Thatsache, daß eine— wie unsere Leser wissen— sehr schwache Majorität des Kongresses von Jolimont, die eigentlich eine Minorität war, beschloß, den Possi- bilisten-Kongreß zu beschicken, nichts gegen die Haager Beschlüsse beweist. Denn es geschah auf die B e t h e u r u n g der Possibilisten hin, daß sie Niemand vom Kongreß auszuschließen gedenken. Aber eine bloße Betheurung ist keine Garantie, und man kann es andern Leuten nicht verdenken, lvenn sie sich damit nicht begnügen, sondern verlangen, daß die Possibilisten sich offiziell und ausdrücklich zu dem verpflichten, was sie indirekt— durch den Mund ihrer Agenten— selbst als berechtigte Forderungen anerkennen. Eine offene, unumwundene Erklärung, statr der adookatorischen Winkelzüge, das ist das Ungeheuerliche, was mir bösen Marxisten von ihnen verlangen. Selbst wenn dieses zugestanden, wird es für Diejenigen, welche die Verhältnisse näher kennen, noch ein großes Opfer sein, wenn sie auf einen Kongreß gehen, auf dem die Possibilisten die Honneurs zu machen haben, lieber theoretische Differenzen sowie über persönliche Nuti- pathien kann man im Interesse größerer Ziele sich zeitlvcisc hinwegsetzen, ob man aber auch dort Nachsicht ivalten lassen darf, wo es sich um den p o l i t i s ch e n E h a r a k t c r, nm die G r n n d s ä tz e unserer Partei handelt, ist eine andre Frage. Wir haben vor einigen Wochen all der Hand von n u u in st ö ß l i ch e n T h a t s a ch e n gezeigt, wie die Possibilisten, statt sich mit einer energischen prinzipiellen Bekämpfung des Boulangisnius zu begnügen, die jeder S o z i a l i st nur gut- heißen würde, sich dazu hergeben, für die gegenwärtig herrschenden Parteien Frankreichs die schmutzige Arbeit zu verrichten. Daß wir da- mals auch nicht ein Wort zuviel gesagt, dafür eine Probe aus den neuesten Nummern des von den Possibilisten herausgegebenen„Parti Ouvrier". Wie bekannt, hat sich vor einigen Tagen ein Sohn Henri Rochcforts in Bona(Algier) erschossen. Da Rochefort gegenwärtig, um sich der ihm aus Anlaß seiner Theilnahme an der Boulangistischcn Verschwörung angedrohten Untersuchungshaft zu entziehen, im Auslände lebt, so wurde in Rcgierungskreiscn die Frage erörtert, ob man ihm nicht behufs Theilnahme an der Beerdigung seines Sohnes freies Geleit zu- sichern solle. Wie man nun auch über den Politiker Rochefort urthcilen mag— und wir sind die Letzten, seine Rolle in der Bau- langisterei zu billigen— Niemand, vor allen Dingen kein Sozialist, konnte etwas dagegen haben, daß gegen den Menschen Rochefort mensch- kiche Rücksichten walten gelassen wurden. Kein Sozialist? Das wäre voreilig geschloffen. Kaum daß die obige Nachricht ruchbar wurde, schrieb das„Parti Ouvrier"(Nr. 122, 1. Mai): „Wenn dies d i c A b s i ch t c n d c r R c g i e r u n g s i n d, so stehen wir nicht an, zu erklären, daß wir sie ganz entschieden mißbilligen. „Eine Zusicherung auf freies Geleit mag einem Fremden oder einem aus dem französischen Ge- biet vertrieben en Prätendenten(!)ertheilt wer- den, aber es märe das erste Mal, daß man eine solche Gunst eineni unter einem V e r h a f t s b e f c h l stehenden Flüchtling gcivährt sehen würde." Und Tags darauf(Nro. 123, 2. Mai): „W i r wiederholen, daß die Regierung die größteDummheit begehen würde, wenn sie einem Flüchtling freies Geleit bewilligen würde,— das nur aus Frankreich ausgewiesenen Präten- deuten oder(!!) Sozialisten ertheilt werden dar f." So schreibt ein Arbeitcrblatt! Lavy findet es„skandalös", daß wir seiner Partei den„Glanz" ihres Auftretens auf dem Kongreß mißgönnen. Er irrt sich. Wir gönnen ihr allen Glanz, den sie zu entfalten vermag, sobald es nur aus eigner Kraft geschieht. Aber er wird uns die Bemerkung ge- statten müssen, daß nichts ein Haus so schmückt als— Sauberkeit. *) Als eine Probe von der W a h r h a f t i g k e i t des Herrn Brousse, und wie skrupellos er bei seinen Verdächtigungen verfährt, mag die Thatsache dienen, daß er sogar nicht davor zurückschreckt, die Summen, welche der verstorbene Höchberg für die erste„Egalitö" gegeben, als Beweis dafür anzuführen, daß man dentscherscits stets die fron- zösischen Marxisten gegen die übrigen Sozialisten Frankreichs unter- stützt habe. Niemand weiß besser als Herr Brousse, daß das nicht wahr ist, niemand besser als dcrMitredakteurder„Eman- zipatiou", daßHöchberg seine politische Sympathie auch in Frankreich nicht auf„Marxisten" beschränkte. Uebrigcns war die erste„Egalite" kemcswcgs ausschließlich marxistisch, und hatte zur Zeit ihrer Gründung gar keinen sozialistischen Konknr- reuten in Frankreich. Herr Brousse ivar zu jener Zeit noch wüthender Anarchist, der„Prolätairc" wurde später als die„Egalite" gegründet, und schwamm alsdann noch lange im Fahrwasser kooperativer und mutualistischer Spicßbürgcrei. Derselben entgegengetreten und ihr die Grundsätze des wissenschaftlichen Sozialismus gegenüber verfochten zu haben, das ist das große, das unverzeihliche Verbrechen der Marxisten der„Egalite". Das„Proletariat" begnügt sich nicht, unsre Ausführungen zu ent- stellen, es läßt auch die Berliner„Voiks-Tribüne" Diuge sagen, die durchaus nicht mit deren Ausführungen übereinstimmen. Wir ivürden das hier nicht erwähnen, wenn es nicht ein Beweis wäre, wie vor- sichtig alle diejenigen, die einen großen einheitlichen Kongreß wollen, den Possibilisten gegenüber sein müssen. So berichtet das„Proletariat" als Ansicht der„V o l k s- T r i b ü n e": „Wenn sich grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten über die Taktik offenbaren, wenn selbst Ausschließungen stattfinden sollten, so haben sie sich einzig und allein im Inneren der Sektionen des Kongresses, die mit der Prüfling der betreffenden Mandate ihrer Landskeute beauftragt sind, abzuspielen." Wie man sieht, denken die Possibilisten allerdings daran, hinter den Kulissen des Kongresses, auf dem sie für Frankreich die Majorität zu erhalten hoffen, die Ausschließungen zu erledigen. Und der Arktikel der„Lolks-Tribüne" dient ihnen als Mittel, ihr Vorhaben als von Andern gebilligt hinzustellen. -�AA/XSA/Ws» ShialpMische Nundschim. London, 8. Mai 1889. — Nun ist auch das Einladungsschreiben der nicht-possibilistischen sozialistischen und Arbeiter-Organisationen Frankreichs zum Internationalen Kongreß in Paris erschienen. Wir lassen das- selbe hiermit folgen. Internationaler sozialistischer Arbeiterkongrest 14. bis 21. Juli 1889. Aufruf au die Arbeiter und Sozialisten Europas und Zl m e r i k a s. Im Oktober 1888 fand in Bordeaux ein nattonaler Kongreß statt, auf dem mehr als 200 Arbeiter- Svndikatskammcrn und Fachgruppen vertreten tvarcn. Dieser Kongreß beschloß, daß während der Ansstel- lung ein internationaler Kongreß in Paris abgehalten werden möge. Der gleiche Beschluß wurde von dem nationalen Kongreß gefaßt, der ini Dezember 1888 in Troyes stattfand und auf dem alle Frak- tionen der sozialistischen Partei Frankreichs vertreten ivaren. Der vom Kongreß von Bordeaux ernannte Nationalrath und die vom Kongreß von Troyes ernannte Exeflltivkommission wurden beauf- tragt, sich zu verständigen, um gemeinsam den Internationalen Kongreß zu organisiren und alle Arbeiter und Sozialisten Europa's und Amerika's, welche die Emanzipation der Arbeit erstreben, ohne Unterschied der Fraktion hierzu einzuladen. Das geschah. Am 28. Februar fand im Haag eine Jnternattonale Konferenz statt, auf der die sozialistischen Parteien Deutschlands, der Schweiz, Bcl- giens, Hollands mid Frankreichs durch Dclegirte vertreten waren. Die sozialisttsche Liga Englands und Dänemarks ließen sich entschuldigen und erklärten im Voraus, daß sie sich den gefaßten Beschlüssen an- schließen werden. Die Konferenz im Haag beschloß: 1) Der Pariser Internationale Kongreß soll vom 14. bis 21. August 1889 tagen. 2) Er soll allen Arbeitern und Sozialisten der verschiedenen Länder offen stehen, unter Zulaßbcoinguugen, die den politischen Gesetzen, unter denen dieselben leben, angepaßt sind. 3) Der Kongreß soll in Bezug aus die Prüfung der Mandate und Festsetzung der Tagesordnung souverän sein. Die vorläufige Tagesordnung solle lauten wie folgt: a) Internationale Arbeitcrgesetzgcbnng; gesetzliche Regulirung des Arbeitstages(Tagcsarbeit,"Nachtarbeit, Ruhetage, die Arbeit erivachsencr Männer, der Frauen, der Kinder). Ii) Ueberwachmig der Fabriken und Werkstätten wie der Hausiudustrie. c) Mittel und Wege, diese Maßregel zu erlangen. Demgemäß, um dem Mandat nachzukoinmcu, welches uns die Kongresse von Bordeaux und Troyes auferlegt haben, und um den von der Haagcr Konferenz gefaßten Beschlüssen zu entsprechen: 1) Berufen wir den Interna tionäleu Kongreß nach Paris ein, der abgehalten werden soll am 14.— 21. Jmi 1889. 2) Die Tagesordnung desselben ist die von der Haager Konferenz festgesetzte. 3) Wir laden die sozialistischen und Arbcitcrorganiiationcn Europas und Amerika's zu diesem Kongreß ein, der die Grundlagen schaffen soll zu einem Bund aller"Arbeiter und aller Sozialisten beider Welten. Wir haben in Paris eine Exckutivkommissiou eingesetzt, die mit der endgiltigcn Organisation des Jnteruationalen Kongresses und der Vor- bcreitung des Empfangs der ausländischen Dclcgirtcn beauftragt ist. Wir senden den Arbeitern und Sozial. stcn der Welt unsern brüder- lichen Gruß. Es lebe die Internationale Emanzipation der Arbeiter' Für den Nationalrath in Für die Exckntivkommission in Bordeaux: Troyes: Der Generalsekretär A. Lavigne Dec Generalsekretär G. Batisse. 18 Rue Sullivan. Die Pariser Exekutivkommission: Für die Federatton der Pariser Syndikatskammecn: Bouls, Bcssct, Fülme, Manceau, Roussel. Für die sozialistischen Organisationen von Paris: Vaillant, Guesde, Deville, Jaclard, Crcpin, Lafargue Für die sozialistische Gruppe des Pariser Gcmcinderaths: Daumas, Longnet, Ehauhiöre, Vaillant, Gcmeinderäthe. Für die sozialistische Gruppe der Teputirteukämmer: Ferroul, Plauteau, Abgeordnete. Adressen: Sekretär für das Inland: Beffet, Bureau de la Cordonnerie, Bouree du Travail, Baris, Rue j. j. Rousseau. Sekretär für das Ausland: Paul Lafargue, Lc Pcrreux, Paris, Banlieue. Die Einberufer wenden sich an die Vertreter der sozialistiichcn und Arbeiterparteien des Auslands um ihre Unterschrift zu dieser Ein- ladung. Wie wir vernehmen, ist ihnen die der Vertreter der dänl- s ch e n, der deutschen, der holländischen Sozialdemokratie und der spanischen Arbeiterpartei gesichert. Dasselbe dürfte mit denen der österreichischen und der schweizerischen Sozialdeuw- kratic, bczw. des s ch lv e i z e r i s ch c n G r ü t l i v e r e i n s der Fall sein. — Zum internationalen Kongreß. Das„Proletariat" ver- öffentlicht einen neuen Aufruf zur Beschickung des von den Possibilisten einberufenen Kongresses. Derselbe enthält u. A. die Bestimmung, daß jede einzelne Gruppe das Recht hat, bis zu drei Dele- girtcn zu entsenden. Für die Pariser Gruppen, die in ihrer großen Mehrheit possibilistisch sind, ist das sehr angenehm, die Gruppen der Provinz aber werden von dieser Vergünstigung schwerlich Gebrauch machen könncu. Freilich heißt es weiter, daß die Delegirten einer Gruppe nur das lltccht auf Eine Stimme haben sollen, aber wozu dann die Ausnahmebestimmung, wenn nicht zu dem Zweck, durch die Masse der Pariser Delegirten die der Provinz zu erdrücken? Nament- lieh wenn der Autrag im Pariser Gcmeinderalh durchgeht, dem— ausschließlich aus Possibilisten bestehenden— Vorstand der Arbeitsbörse 5(1.080 Franken für den Kongreß zur Verfügung zu stellen. Außerdem wird sich bei den"Abstimmungen schwerlich genau koutrolircn lassen, wer von den Anwesenden stimmberechtigt ist, und wer nicht. Die Be- stimmung ist sicherlich nicht geeignet, die Zweifel an der Absicht der Einberufer. ehrliches Spiel obwalten zu lassen, zu zerstören.. Eine weitere Aendcrung besteht darin, daß die Einsendung von fünj Franken pro vertretene Gruppe sich nicht ans die des Auslands bezieht. Der sonstige Inhalt des Rundschreibens ist der bereits bekannte. Unterzeichnet ist dasselbe von: Lavy, Gcmcindcrath von Paris, Sekretär für das Inland. ■Piecni, Schriftführer, Sekretär der Fcdcrativunion des Zentrums. E. Andre- Gely, Sekretär für das"Ausland, Rcdaktionssekrctär des „offiziellen Bulletins der Arbeitsbörse". Ribanier, Generalsekretär der Arbeitsbörse von Paris, Hilfssckretär für das Ausland. I. Allemanc, Ch. Andre, A. Auge, Berthault, Chausse, Dejeante, Heppcnheimer, Lamothe, Mitglieder des Gewerbeschiedsgerichts. P. Brousse, Dumay, Gcmeinderäthe, I. Joffrin, Vizepräsident des Gcmeindcraths von Paris. Die Adresse Audre-Gely'S ist: 11 Cite Marie, 17. Arr. Paris. — Die Jubelfeier der großen französischen Revolution hat am S. Mai ihren Anfang genommen, die ihr zu Ehren veranstaltete Internationale Kunst- und I n d u st r i e- A u s st e l l u n g ist seit dem 8. Mai eröffnet. Me Berichterstatter stimmen darüber überein, daß die Ausstellung ein außerordentlicher Erfolg ist, alle sind hingerissen von ihrer Großartigkeit, von den Wunderwerken der modernen Technik, die sie aufweist, von dem Geschmack ihrer Aus- stattlmg, der Reichhaltigkeit ihres Inhalts. Wir wollen heute von der Schattcnsette dieser glänzenden Schaustellung, von dem Elend, das sich hinter ihr verbirgt, schweigen; die sozialistische Kritik wird noch reichlich Gelegenheit haben, dieses Thema zn erörtern. Nehmen wir die Dinge vielmehr, wie sie sich dem bürgerlichen Auge, den Blicken der An- Hänger der„bestehenden Gesellschaftsordnung" darstellen. Da ist die Ausstellung, die ganze Zentcnnalfeicr ein biirgeriichcr Erfolg, eine Verherrlichung der bestehenden Gesellschaftsordnung. Sorg- fältig hatten die offiziellen Vertreter der französischen Republik dafür gesorgt, sie jedes— wir möchten sagen, unparlamentarischen, beim guten Ordnungsmenschen anstößigen Beigeschmacks zu entkleiden, es war eine durchaus gereinigte, eine st a a t S c r h a l t c n d e Revo- lntionsfeier. Trotzdem glänzten die Vertreter der Großstaaten Europa's an ihr durch ihre"Abwesenheit. Von dem des autokratischen Rußland angefangen bis zum Vertreter des aus Revolutionen hervorgegangenen, der großen"Revolution mittelbar sein Entstehen verdankenden parlamen- tarisch-konstitutionellcn Italien. Fürwahr, die Herren und ihre Auftraggeber daheim spielten eine klägliche Rolle. Vom Vertreter Rußlands ausgenommen, nennen sie sich Anhänger des modernen Staates, und sie flüchten knabenhaft vor einer Feier, welche alles in allem die �Geburtstagsfeier des modernen Staates darstellt. Sic rissen aus, und bekunden damit, daß sie sich in diesem modernen Staat nicht heimisch fühlen, daß sie thatsächlich nicht dorthin gehören. Und sie bekunden noch mehr. Nämlich, daß es sehr gut auch ohne sie geht. Kein Mensch hat ihre Abwesenheit bedauert, ihr Fehlen hat den Glanz des Festes in keiner Weise beemträchtigt. Es geht auch ohne sie. Das alte monarchisch-rcaktionäre Europa hat trotz Ricsenhccre und Ricsenkanonen nicht mehr die Bedeutung, die es ehedem besaß. Neue Gemeinwesen moderner Natur sind neben ihm entstanden, andre sind im Entstehen begriffen, und ihre Atolle in der Handels-, in der b ü r g e r l i cb e n Welt wird von Jahr zn Jahr eine größere. Die Amerikaner des Nordens und des Südens, die Ausstralier fragen nicht nach den Schrullen der europäischen GottcSgnadenthümler, und>vo sie erscheinen, da zieht es auch andre Leute mit magischer Ge- walt hin. Fürwahr, eine treffliche Lehre, dieser Boykott der„von Gott Ge- salbten". Eine treffliche Lehre für sie, eine noch trefflichere für die Gcboykottcten und eine unbezahlbare für uns, die unbethciligtcn Zu- schauer. Kein Volk hat der qroszcn frauzösischcn Revolution, wie überhaupt den französischen Revolutionen, so viel zu verdanken, wie das deutsche. Die Erstere hat es von dein verrotteten Feudal- dcspotismus, die Revolution von 1848 von dem Polizeiabsolutismus und den Resten des Feudalismus befreit."Aber der deutsche Bürger hört nicht gern davon reden, er plappert lieber den offiziellen Gcschichts- fälschern nach, daß er seine staatsbürgerlichen 2c. Rechte der Gnade und Einsicht seiner Fürsten verdankt. Deutschland ist nicht nur in der Person seines Vertreters der Eröffnung der Revolutionsfeicr ferngeblieben, die deutsche Industrie ist auf der großen Judusttie-Ausstellung absolut un- vertreten. Nur, was die Kunst anbetrifft, ist eine kleine Ansnahmc zu verzeichnen. Eine Anzahl deutscher Künstler hat sich über die bornirtcn nationalen und polischen Borurtheile hinweggesetzt und eine, freilich be- scheidene Separatansstcllnng veranstaltet. Anders Herr R e i n h o l d B e g a s in Berlin, der Bildhauer des berühmten Fr enden br nunc ns, den die Stadtväter von Berlin dem huldreichen neuen Kaiser als Geschenk verehrt haben. Man höre nur die nachfolgende Erklärung, die der Herr vorige Woche der„Voss. Zeitung" zugchen ließ: „Auf die Mittheilnng verschiedener Zeitungen, auch ich hätte mich an der deutschen 2 e p a r a t- A u s st e l l u n g in Paris betheiligt, erkläre ich, daß ich nie im Entferntesten die Absicht hatte, in diesem Jahre dort auszustellen. Die Firma Gladenbeck hingegen hat ohne mein Wissen und Willen einen Bronzeguß meiner Centaurengruppc in Paris ausgestellt und habe ich sofort Schritte gethan, dieselbe von der Ausstellung zurückzuziehen. Professor Peinhold Begas." "Also nur„in diesem Jahr n i e", in andern Jahren vielleicht doch. Ein Standpunkt, eines Hoflieferanten würdig, der sich bei dem neuen König beliebt machen will, nicht aber eines Künstlers. Doch was fällt uns da ein! Wars nicht Herr Begas, von dem uns vor etlicher Zeit geschrieben wurde, daß er nicht nur der Mann einer sehr schönen Frau, sondern auch des neuen Königs begnadeter— nennen wir's ebenfalls, Hoflieferant ist? Ganz recht, es stimmt. Und dann stimmt der obige Brief auch. — Man schreibt uns: Die zwei Pindtcr— der lange und der kurze— schimpfen in der„Norddeutschen" wie die Rohrspatzen darüber, daß die Schweiz durch die Behandlung E h r e n- W o h l g e in u th s das Völkerrecht verletzt habe, indem sie einen harmlosen preußischen Nergnügungsreiscnden, der sich bloß zu seinem Privatvergnügen nach den Sozialisten,"Anarchisten und Nihilisten erkundigen wollte, sau» ta�ou hinter Schloß und Niegel beförderte, gerade als ob er ein gemeiner Sozialist, Anarchist und Nihilist wäre. Der lange und der kurze Pindtcr haben ein unwiderstehliches Bcdürfniß, sich lächerlich zu machen und an der Befriedigung dieses Bedürfnisses wollen wir sie nicht hindern."Aller- dings, die„genialen" Doppelgänger, die einander so ähnlich sind, daß man den einen nicht von dem andern unterscheiden kann— zumal beide auch gleich klein sind, trotz der verschiedenen Länge— legen keinen Beweis von diplomatischer Weltklugheit ab, indem sie ihre eigene Blamage an die große Glocke hängen. Sic erinnern an jenen Ehren- mann der Komödie(oder ist die Geschichte wirklich pasfirt), der mit ge- schwnngencm Stock durch die Straßen der Stadt lies und jeden Vorüber- gehenden anschrie:„Haben Sie nicht den£. gesehen? Er hat mich zum Hahnrei gemacht,— ich muß den Kerl todtschlagen!" Der Hahnrei hat den X. nicht todtgeschlagen, und der Pindtcr(lang oder kurz) schlägt die Schweiz nicht todt. Apropos, mit dem langen Pindtcr muß es doch recht schlecht stehen. Er läßt die Reklametrommel mit einer Unverschämtheit für sich rühren, wie sie selbst i h in bisher fremd war. Jetzt hat er zum Beispiel für die„Kölnische Kloake" einen vielspaltenlangen Artikel schreiben lassen, in welchem der erstauntet» Welt mitgctheilt wird, daß Pindter(der lange) unter allen—"Rednern der Neuzeit der bedeutendste ist, und daß der deutsche Reichstag insbesondere niemals einen gleich großen Redner weder besessen hat, noch je besitzen wird. Das eine Wort: „Wir gehen nicht nach Kanossa!" wiege„an granitncr Wucht und Welt- geschichtlichem Inhalt" alle Reden der gewöhnlichen Parlamentarier auf. "Also wörtlich zu lesen in der(lloalca Maxiraa. Wahrhastig, der lange Pindter muß in fürchterlichen Schwulitäten sein, daß er den„Puff" in einer Weise betreiben muß, deren selbst Barnüm sich schämen würde. Eine grausame Ironie des Schicksals aber ist es, daß ER, der ein Menschenalter hindurch den Parlamentarismus für das schlimmste und lächerlichste aller Ucbel erklärt hat, jetzt in seinen alten Tagen,„wo ihm nichts mehr gelingen will", und wo ihm auch seine Domäne der auswärttgen Politik so bittere Früchte trägt, nach dem Ruhme geizt, wenigstens der größte Parlamentarier der Welt zu sein. Sinn— über den(Neschmack'läßt sich nicht streiten. Uebrigcns ganz so gut wie der S t ö ck e r versteht er sich trotz alledem und alledem nicht auf die Reklame. Der Stöckcr hat an dem„neuen L u t h c r" nicht mehr genug, in seinem„Volk" hat er sich zum„neuen Christus", aljo zum„Messias des ucunzchnten Jahr- Kunderts" ernannt.„Stur die Lnmpe sind bescheiden"— denkt der Messias und hat vielleicht schon seine Bestallung als preußischer Kultus- minister in der Tasche. Denn der neue„alte Fritz" schwärmt inbrünstiger als je für den„neuen Christus"— zum großen Aerger der Pindtersippe, die trotz aller Speichelleckerei und Schmarotzerei nicht mehr recht in den Sattel kommen kann. Apropos, die„Nationalzeitung" des schwerfälligen Hanswursts Dern- bürg verlangt für den Wohlgemnth eine„eklatante Genngthuung". Soll heißen das allgemeine Ehrenzeichen äla Jhring-Mahlow und Naporra. Und das Schönste: der Dernbnrg verlangt das nicht„aus Bosheit",— es ist in bitterem, biederem Ernste. So langweilige Burschen sind immer im Ernst— schon weil sie von sich selbst eine so hohe Meinung haben, daß sie sich durch einen profanen Scherz auf das Niveau gewöhnlicher Menschenkinder hernnterzudrücken fürchten. Habeat— et soll es haben— nämlich der Wohlgemnth— hinten her schweizerische Fußtritt, vom der preußische Srden: das paßt zu- ,sammen! — Der Schweizerische Vnndcsrath hat die Affäre Wohlgemuch dazu benutzt, einen neuen Beweis dafür zu liefern, wie viel ihm an der Ehre seines republikanischen Namens gelegen ist. Er hat, weil er ange- sichts der vorliegenden Beweise nicht anders konnte, zwar den Lockspitzel- Werber W o h l g e in u t h, zugleich aber auch— den Preußen zu liebe— den Lockspitzel- Euthiillcr Lutz aus der Schweiz� aus- gewiesen. Damit aber noch nicht genug, hat er, um diesen Akt politischer Feigheit zu bemänteln, zu dem sehr bequemen Mittel gegriffen, Lutz seine Ehre abzuschneiden. Das Aus- Weisungsdekret stellt die Sache so hin, und der offiziöse Telegraph hat es in alle Windrichtungen getragen, als habe Lutz wirklich Agentprovo- kateür-Dienste geleistet, während davon in Wirklichkeit absolut keine Rede gewesen ist. Lutz hat sich mit Wohlgemnth nur eingelassen, um den Buben, der sich fortgesetzt an ihn herangemacht, der ihn durch verlockende Anerbietungen zum Verräther an seiner Ueberzeugung, zur S ch u f t e r e i an seinen Freunden zu bewegen suchte, endlich öffentlich zu entlarven. Er hatte es gethan in dem guten(tzlanben, es liege dem Schweizer Bundesrath wirklich daran, die politische Spionage von dem Boden der Eidgenossenschaft fem zu halten, das eidgenösffsche Gebiet rein zu halten von dem Gewürm der„pflichtgetreuen" Polizeiagenten. Er hat lich getäuscht, er wird für seinen Jrrthnm ausgewiesen— mehr noch, verliiumdet. Das ist das beliebte Verfahren aller Schwächlinge, das heißt, nicht der physischen, wohl aber der moralischen Schwäch- l i n g e. Es ist wahr, der Bundesrath sagt nicht direkt, Lutz sei Agentprovokateur gewesen. Er sagt es nicht direkt, weil es nicht der Fall ist. Aber er entblödet sich nicht, es indirekt durchscheinen zu lassen, es in einer Form anzudeuten, daß jeder, der die Verhältnisse nicht genau kennt— und das ist die große Masse— glauben muß, Lutz habe wirklich Lockspitzeldienste geleistet. Man höre nur: „Der Bundesrath, nach Einsicht der bezügliche» llntersnchimgsakten, in Anbetracht, daß Balthasar Anton Lutz von Forst(Bayern), geb. 1855, Schneider, wohnhaft in Basel, die ihm vom Polizei-Fnspektor Wohlgemnth in Mühlhansen angetragene Rolle eines Agent Provokateur Übernommen, sowie das ihm von gleicher Seite wiederholt iibergebene Geld entgegengenommen hat, um in Arbeiterkreisen Basels-Elsaß-Loth- ringcus und des Großherzogthnm Badens zn wühlen und Wohlgemuth diesfalls Bericht zu erstatten, und daß er solche Berichte wirklich er- stattet hat; in Anwendung von Artikel 70 der Bundesverfassung, beschließt: 1. Balthasar Anton Lutz, geboren 1855, ist aus dem Gebiete der schweizerischen Eidgenossenschaft weggewiesen. 2. Der Beschluß wird der Regierung von Basel mitgetheilt, mit der Einladung, denselben Lutz nebst Artikel 63 lit. A. des Bundesstrafrechts von 1853 eröffnen zu lassen und hierauf die Ausweisung zu vollziehen. 3. Das Fustiz- und Polizeidepartement ist mit lleberwachung der Vollziehung beauftragt." Man kann sich nicht doppelzüngiger ausdrücken, lind, wie gesagt, der Telegraph hat denn auch in alle Winde hiuansgenieldet, daß Lutz als Lockspitzel ausgewiesen sei. Davon, daß er diese Rolle nur zum Schein übernommen, um Wohlgemnth auf frischer That zu über- führen, steht in dem Bundesralhsdekret kein Wort, und doch war es mindestens nöthlg, dies hinzuzufügen. Ader freilich, dann hätte sich die Ausweisung Lutz in den Augen der ganzen Welt als das gezeigt, was sie ist, als eine feigherzige Konzession an das Bismarckische Deutschland, um durch sie Verzeihung zu erlangen dafür, daß man das gute Recht der Schweiz gegenüber den preußischen Lockspitzeln formell Zu wahren sich erlaubte, llm sich den Vorwurf der Feigheit zu ersparen, entschloß man sich zu einer diplomatischen Niedertracht. Und was hat man damit erreicht tz Weit entfernt, sich durch diesen salomonischen„Ausgleich" beftiedigt zu erklären, läßt der Reichsgeivaltige durch seine Reptilien um so ärger aus die Schweiz schimpfen und unter Androhung von Repressalie» weitere Genngthuung verlangen. Ten Nachgiebigen gegenüber anmaßend, war von jeher seine Devise. Wer feinen Theaterdonner für echt nimmt, dem wird er mit immer neuen Forderungen auf den Hals rücken; nur durch kräftigen Widerstand wird man seiner Liebenswürdigkeiten Herr. Und die Schweiz steht nicht so schwach da, daß sie sich vor einem Bismarck zu fürchten hätte. Das deutsche Reich hat nicht viel Smiipatlsien zu verscherzen, es braucht die Freundschaft der Schweiz mindestens ebenso als diese die seine. Das weiß Bismarck sehr gut, und würde es daher auf keinen Fall auf's Aenßerste ankommen lassen. So hat der Bundesrath nicht einmal die Entschuldigung, daß die Sicherheit des eignen Landes dieses Opfer erheischt habe, die Aus- Weisung Lutz's ist und bleibt ein schmählicher Liebesdienst— xour lo roi cks Prasse! 7- Tic Samoa-Konfcrcttg hat begonnen: und damit der mwer- weidliche Rückzug etwas weniger schimpflich erscheine, hat Pindter den famoanischen„König", Malietoa, um den eigentlich der Konflikt entbrannt Et,„freiwillig" in Freiheit gesetzt. Nach einem Monat hätte er es g e- ZW n n g e ii thun müssen.„Vorsicht ist der bessere Theil des Muchs", meinte Fallstaff und meint Pindter.„Wir fürchten Gott, sonst nichts auf Erden". Samoci, welches gewissermaßen das Jena der bisinarck'schen Diplomat!: geworden ist, erinnert lebhaft an das erste Jena, welches genau denselben Ursachen entsprungen ist. Damals maßloser HochMuth und tolle Selbstüberhebung, renommistisches Pochen auf den Ruhm der Armee des„alten Fritz"- heute maßloser Hochmuth und tolle Selbstüber- Hebung,— renommistisches Pochen auf den Ruhm der„großen Armee von 1870/71. Damals wie heute brutales und schneidiges Anrempeln eines Jeden, der nicht gemüthig aus dem Weg ging, bis man endlich an den Unrechten, kam und sich sein Jena holte. Die Prätorianer des ersten und zweiten Kaiserreichs in Frank- reich waren auch rohe Gesellen und ckerle niederträchtigster Gesinnung, allein die französische Höflichkeit und Lebensart bewahrte sie doch vor den grotesken Ansartuiigen, zn denen der Ehanvinismus in den hohlen Schadein der pommerschen Krautjunker mit ihrer Pferdeftatt-Bildung ficfiihrt hat. Dieses„schneidige" Gesindel, das uns die Niederlagen in Samoa und Dstafrika zugezogen hat, ist das würdige Produkt des ueneii Reichs und feines genialen Gründers. Wie der Herr so die Knechte und Diener. — Wie trefflich Reichsgericht und Frcibcrgcr Richter das Sozialistengesetz durch daS famose Erkenntniß über die Dehn- barkeit des Begriffs der geheimen Verbindung„verbessert" haben— lebte Lesstng heute, er würde seinem Riccant de la Marliniere fchwerlich die Worte in den Mund legen, daß„der deutsche Sprak' e>ne„plumpe Sprak' ist"— zeigt eine Statistik über die vor und seit lenein Erkenntniß erfolgten GeheimbundSprozesse(enthalten in einer vNonym erschienenen Schrift:„Was nuutz Jur Geschichte der sozia- istischen Arbeiterpartei"). Danach waren in der Zeit seit Erlaß des Sozialistengesetzes bis zum Freiberger Erkenntniß, d. h. in zirka acht fahren 24 GeheimbundSprozesse anhängig gemacht worden. NMi diese» endeten sechs mit Freisprechung der Angeklagten, i! Khn Fällen wurde das Verfahren niedergeschlagen, und in acht tJW, essen(Frankfurt a. Main 1880, München und Posen 1882, Stettin � Breslau 1884, München, Altona, Augsburg 1886) erfolgte Ver- u»g— im Durchschnitt pro Jahr eine Verurtheilung. Daß dabei der Staat nicht bestehen konnte, liegt auf der Hand. So kam Freiberg an die Reihe und mit einem Male änderte sich das Bild. „Seit dem 4. August 1886 bis Ende Januar 1839 sind 5 5 Pro- z c s s e auf Grund der§§ 128 und 129 anhängig gemacht worden. Von diesen endigten nur zehn mit Einstellung des Verfahrens und nur acht mit Freisprechung der Angeklagten, während in 33 Prozessen Vernrtheilungen ausgesprochen wurden und in vier Fällen das Verfahren noch schwebt. Die 3 3 verurtheilenden Erkennt- nisse erstreckten sich insgesammt auf 2 3 6 P e r s o n e n." Alles das in noch nicht 2'/- Jqhren, macht im Durchschnitt jährlich 13 Ver- urtheilungen und 93 verurtheille Personen. Und Staat und Gesellschaft befinden sich heut 13mal wohler, die heilige Ordnung ist 13inal gesicherter, die Sozialdemokratie aber 13mal mehr„vernichte t" als vor dem Freiberger G— eniestück. Eine wunderbare Zahl, diese Dreizehn! — Gut ausgerechnet, Pater— Eiscnstirn. Die deutschen Blätter berichten:„Die AuffichtSbehörde inHamburg hat beschlossen, dm ortsüblichen Tagelohn von 2 M. 50 Pf. auf 3 Mark zu er- höhen." Das liest sich sehr harmlos, fast arbeiterfremidlich— man denkt dabei unwillkürlich an eine Lohnerhöhung. Davon steht aber selbstverständlich nichts im Buche, es handelt sich nur um den Lohnsatz, der bei der Krankenversicherung als Minimum zu Grunde gelegt werden muß. Da nuii zufällig eine ganze Anzahl fr ei er z entr alisi r t er H i lfsk a s se n i nH amb nrg d o mi- z i l i r t sind, so müssen diese, die sich bei der Reichsregiernng und dem deutschen Unternehmerthum— was übrigens aus dasselbe hinausläuft — besonderer M i ß b e l i e b t h e i t erfreuen, sämmtlich die Bei- träge derjenigen Klassen, die unter den neuen Tagelohn fallen, be- deutend erhöhen. Da es bisher allen besser situirten Arbeitern freistand, sich in einer der höheren Klassen zn versichern, so würde der Erfolg— so ist die Berechnung— ein Austritt der minder gut bezahlten Arbeiter sein. Auf diese Art will man den deutschen Arbeitern Begeisterung für die Bisniarck'sche Sozialreform einpaucken. „Wäre der Gedanke nicht so verwünscht gescheidt, man wäre ver- sucht, ihn herzlich dumm zu nennen." — Russische Zustände. Der in Genf erscheinenden„Somonpraw- lenje"— ein durchaus bürgerliches Organ— entnimiut die„Züricher Post" folgende Mittheilnngen: „In der Stadt llralska hat man kürzlich in den Stuben der Gym- nasiasten nach verbotener Literatur gefahndet; die Anstrengungen waren mit glänzendem Erfolge gekrönt. Man legte eine Anzahl Puhlikationen mit Beschlag, die— nicht etwa verboten waren, sondern im russischen Reiche gedruckt und verlegt sind, so die„Vaterländischen Annalen", eine schon unter Nikolaus I.' gegründete und erst 1883 eingegangene Revue; ferner die Schriften des berühmten Kritikers Piffarjew, an welchem die Zensur bisher keine Schuld gefunden hatte. Alan forschte nach, woher die Schüler die„Waare" bezogen und der Verdacht fiel endlich auf einen alten verhärteten— Schrank, in welchem gemäß dem Zirkular vom 5.'August 1884 die aus der Anstaltsbibliothek entfernten Bücher eingeschlossen lagen. Nun war freilich sonnenklar, daß aus dem in den obrigkeitlichen Hallen stehenden, versiegelten Schranke jene Bücher nicht stammen konnten, aber das hinderte die weisen Saloinone nicht, zn beschließen, daß, um dem Unheil zu wehren, die Bücher alle zn ver- brennen seien. Und so geschah es. Im Verwaltimgsgebände der Intendanz der uralischen Kosaken wurde das glorreiche Ürtheil vollstreckt; drei oder vier ll! ächte hindurch heizte in an die Oesen mit Büchern und zirka zweitausend Bände gingen in Flammen ans. Leider setzten dem die zum Tode Venirtheilten einen gewissen passiven Widerstand entgegen; die ungebührlich voll- gestopften Oesen versagten thetlweise den Dienst, die Verbrennung war eine mangelhafte und zum Gedächtniß an die das neunzehnte Jahr- hundert verherrlichende That legte sich auf Papiere und Möbel des Gebäudes eine dicke Aschenschichte." Und die Vandalen, die solches thnn, geben vor, die Zivilisation gegen die Barbarei zu vertreten, und nennen die Gegner ihrer Schandwirth- schaft'Nihilisten— Leute, denen„nichts heilig" ist! Weiter: „Es hat der Amerikaner G. Keiman, welcher 1886 im Auftrage des „Century Magazins", eine Studienreise durch Rußland und Sibirien machte, Mittheilnngen von hohem Werthe erstattet. Mit ininisterieller Erlanbniß besichtigte Kennan die russischen Gesängnisse, lernte über 500 politische Verbrecher kennen und besuchte nicht minder die sibirischen ZwangSarbeitshäuser. Was er hier gesehen und gehört, übte ans ihn einen solchen überwältigenden Eindruck, daß er zum glühenden Anwalt der russischen Opposition wurde. Er begnügte sich nicht damit, in einer Serie von Artikeln die Zustände schonungslos aufzudecken, er suchte auch durch öffentliche Vorträge zu wirken. So sprach er im Frühjahr 1888 zu Washington vor einem Kreise von Schriftstellerii, Politikern und hervorragenden Männern jeder Richtung und schilderte die entsetz- lichen Verhältnisse so ergreifend, daß der berühmte Humorist Marc T w a i n e mit Thronen in den Augen sich erhob und seine Ge- fühle in einer kurzen Rede ausdrückte, die mit den merkwürdigen Worten schloß: W e n n eine Regierung, wie die gegen- wärtig in Rußland herrschende, nicht anders als durch Dynamit g e st ü r z t werden kann, s o muß man Gott danken, daß es Dynamit gibt!" Der Hanptredaktenr einer der ersten geologischen Revuen der Union schüttelte Kennan die Hand und rief:„Wenn Sie so fortfahren, werden Sie die ganze zivil- firte Welt in Gährung versetzen!" worauf der Angesprochene erwiderte: „Das i st auch meine A b s i ch t." „Kennan hatte schon einmal in Rußland geweilt und weil er damals gegen die Nihilisten Partei ergriff, erhielt er diesmal vom Minister Tolstoi eine Karte, die ihm den Zutritt zu allen Behörden verschaffte und die Möglichkeit gestattete, mit Gefangenen in nähere Beziehungen zu treten und den Dingen auf den Grund zu kommen. Itachdem er aber von der llnhaltbarkeit und Unrichtigkeit seiner frühern Auffassung überzeugt worden, scheute er sich nnnmehr nicht, die Bertheidigung der Revolutionäre zu übernehmen....." Das Verhalten Kenncm'S verdient alles Lob, aber leider werden seine Enthüllungen den Revolutionären Rußlands wenig nützen. Die russischen Henker werden die fatale Erfahrung dazu benützen, ein ander- mal— vorsichtiger zu sein, und das„gebildete Ausland" t! Du liebe Zeit, das wird die vorwärtsstrebenden Elemente Rußlands in Zukunft ebenso im Stich lassen, wie eS sie bisher im Stich gelassen oder, um das richtige Wort zu gebrauchen, verrathen hat. Es gehört ja nicht mehr zum guten Ton, mit Revolutionären zu sympathisiren, und diejenigen, bei denen die„Gährung" über die schändlichen Zustände, die Herr Kennan enthüllt hat, länger vorhält als das wonnige Behagen, das der Genuß einer guten Zigarre in ihnen hervorruft, sind leider sehr dünn gesäet. — Die Beschlüsse deS deutschen Tabakarbciter-Kongresses, über dessen Zusammensetzung wir in voriger Nummer berichteten, sind i n mehrfacher Hinsicht von Interesse. Zunächst verdient die von echt fortschrittlichem Geist getragene Resolution über die Frage der Frauenarbeit Erwähnung. Stach einer sehr interessanten Debatte über diesen Gegenstand, in der die Ansicht, als könnten durch Verbot oder wenigstens erhebliche Beschränkung der Frauenarbeit die Schäden derselben beseitigt werden, als eine reaktionäre, den wirklichen Verhältnissen durchaus nicht entsprechende bezeichnet wurde, ward schließlich nahezu einstimmig solgende, vom Delegirten Bruhns-Breiuen eingebrachte Resolution angenommen: „Der Kongreß erkennt in der immer steigenden Verwendung der Arbeit der Frauen sowohl in der Tabakindustrie wie in fast allen anderen Industriezweigen nur eine Wirkung der gesannnten modernen Produktionsweise und hält daher ein gesetzliches Verbot oder auch mir eine Einschränkung der Frauenarbeit, soweit nicht eine solche nöthig erscheint in Bezug auf den der verheiratheten Frau zurErfüIliing ihrer Haus- lichen P f ich t e n n o t h w e n d i g e n Schutz, wie in Bezug auf diejenigen Beschäftigungen, welche der körperlichen Beschaffen- heit der Frau widersprechen, nicht nur für vollständig u n- iv i r k s a m, sondern auch für eine nicht zu rechtfertigende Beeinträchtigung der auch von den Frauen zu be- anspruchenden wirthschaftlichen Bewegnngsfrei- h eit, und erklärt deshalb als einzig wirksames Mittel zur Besei- tigung der im Gefolge der Frauenarbeit entstandenen llebelstände die politische und w i r t h s ch a f t l i ch e Gleichstellung der Frau mit dem Man n. Der Kongreß fordert daher zur Erreichimg dieses Zieles zunächst das unbeschränkte K o a l i- tionsrecht auch für die F r a u e n wie die Beseitigung aller dasselbe beschränkenden Gesetze und Verordnungen, und verlangt im Weiteren von allen zielbewußten männlichen Tabakarbeilern,»nablässig für Aufklärung und Organisation der weiblichen Kollegen, besonders aber für unbedingte Gleichstellung d e r L ö h n e der Frauen mit denen der Männer zu wirken." Mit Bezug auf die Kinderarbeit wurde beschlossen: „Eine Massenpetition an den SieichLtag zu richten, in welcher das gänzliche Verbot der Arbeit von Kindern unter 14 Jahren verlangt, wie auch Reichsregiernug und Reichstag aufgefordert werden sollen, der von Tabak- und Zigarrenfabrikanten vielfach geübten Ausbeutung von jugendlichen'Ar- d eitern und Lehrlingen durch strengste Zliiwendiing der bestehenden Gesetzesvorschriften resp. entsprechender Erweiterung derselben entgegenzutreten. Zur Abfassung der vom Kongreß beschlossenen Petitionen, zur Sanimlung des dazu nöthigen Materials, wie zur Verbreitung dieser Petitionen in allen Kreisen der deutschen Tabakarbeiter soll eine Kommission von Tabakarbeitern an einem Orte Deutschlands gebildet werden und wird als solcher Ort vom Kongreß Bremen bezeichnet." Sehr bemerkenswerth ist auch der die Fabrikinspcktion betreffende Beschluß: „Der Kongreß beschließt, den Tabakarbeitern Deutschlands zu empfehlen, für jeden Distrikt, welcher der Aufsicht eines Fabrik- inspektors unterstellt ist, einen V e r t r a u e n s in a n n zu wählen, welcher sämintliche ihm von den Kollegen gemachten Mittheilnngen über vorkommende Verstöße gegen die bnndesräthliche» Bestimmungen entgegen zu nehmen und hiervon dem F a b r i k i n s p e k t o r A n- zeige zu machen hat. Grobe Verstöße, welche den Vertrauens- leuten durch glaubhafte Mittheilungen von mehreren Kollegen be- stätigt werden, haben dieselben außerdem durch Veröffentlichnng im„Gewerkschafter" zur Kenntniß aller Tabakarbeiter zu bringen. Der Kongreß ist der Ueberzeugung, daß die Institution des Fabrik in s p e k t o r a t s in dein jetzt hestehenden Umfange den Anforderungen durchaus nicht genügt, welche die Arbeiter an dasselbe zu stellen haben in Bezug auf ausreichende Kontrole der zu beaufsichtigenden Betriebe, und fordert daher den Bundesrath resp. die Bundesregierungen auf, eine ausreichend: Vermehrung der Fabrikinspektoren vorzunehmen, auch denselben Hilfsarbeiter, die von den Arbeitern selbst gewählt werden, zur Seite zu stellen. Im Weiteren hält der Kongreß die gesetzliche Errichtung von A r b e i t e r k a in in e r n für sehr empfehlenswerth, ganz be- sonders auch behufs Unterstützung und Ergänzung des Fabrik- inspektorats. Der Kongreß beschließt, den Bundesrath aufzufordern, für ge- uaneste Ausführung der Äestinimnng des§ 11 des Bundesrathserlasses vom 9. Mai 1838, betreffend das unmittelbare Arbeits- verhältniß des Arbeiters zum Fabrikanten Sorge tragen zn wollen, da Seitens mancher Fabrikanten diese Bestimmung, und zwar zum Schaden der in Betracht kommenden'Arbeiter, dadurch zu umgehen versucht wird, daß sie, statt den Wickelmacher für eigene Rechnung einzustellen, lediglich dem Roller den Lohnbetrag für den Wickel- machet abziehen, und zwar häufig sogar pränumerando." Andere'Resolntioiien betrafen die Hausarbeit, welche der Kongreß womöglich gesetzlich verboten, so lange aber dies nicht angänglich, unter strenge'Aufsicht gestellt sehen will; das floalitiousrccht— eine Schande, dqß deutsche Arbeiter sich immer noch mit der Frage befassen müssen, wie sichern wirunsdieSlnsübrnigdesKoalitioiisrechts?— sowie Fragen der Agitation und Organisation. In Bezug auf die letztere sprach der Kongreß sich durchaus im Sinne der Zentralisation ans. — Ein Arbeitcr-Jnftitut. Unter diesem Titel veröffentlichen deutsche Arbeiterblätter die Ergebnisse des letzten Jahresberichts der „Z e n t r a l-K r a n ke n- lind Sterbekasse der Tischt er und anderer g e w e r b l i 6, e r Sl r b e i t e r", und fürwahr, die Zahlen lassen die erwähnte/ von'Arbeitern gegründete und von Arbeitern verwaltete Kasse als ein Institut erscheinen, auf das die deutsche Arbeiterschaft mit Stolz blicken darf. Die genannte Kasse, welche im Jahre 1876 errichtet wurde, zählte Ende 1888 in 730 örtlichen Verwaltungsstellen 71<>78 Mitglieder, außerdem noch 600 weitere Mitglieder, welche sich nicht in dem Bezirke einer örtlichen VerivaltnngSstelle aufhielten. Tie E i n n a h in e n der Kasse betrugen im Jahre 1888 1,597,103 Mk. 51 Pf., die A n sg ab e n 1,377,233 Mk., darunter 104,749 Mk. 72 Pf. VerwaltnngSkosteii. Keine der unter Unternehmer- oder behördlicher Vormundschaft stehenden Kasse» hat einen so geringen Prozentsatz von Verwaltungskosten. Der Reservefonds der Kasse betrug Ende 1888 610,638'Utk. 49 Pf., über- steigt also die gesetzlich erforderliche Höhe um ein Bedeutendes. Aehnlich günstige Zahlen weisen die zentralisirten Kranken- x. Kassen der deutschen M e t a l l a r b e i t e r, der B u ch d r n ck e r, der S ch n h- macher zc. auf. — Tcrsncuc alte Fritz macht Fortschritte. Erst hielt er Reden, die nach dem Druck korrigirt wurde». Dann hielt er'Reden, die vor dem Druck korrigirt wurden. Als auch dies sich nicht genügend erwies, wurden die Reden korrigirt, ehe sie gehalten wurden; jedoch auch das war noch nicht ausreichend, da manches wegkorrigirte Wort sich beim Reden wieder einstellte. Jetzt ist man in Folge dessen darauf ver- fallen, die Reden vorher n i e d e r z n s ch r e i b e n und dann ablesen zu lassen. Bei der Eröffnung der Uiifall-Verhütnngs-AuSsrellnng wurde die neueste Methode probirt, und es hat auch Hintennach wirklich nichts korrigirt werden müssen. — Ttaatshülfc für die Unternehmer. Unter diesem Titel be- richtet der Leipziger„Wähler" aus H a l l e a. d. S.:„Ter noch immer andauernde Streik der Maurer zeitigt wunderbare Blükhen. Von auswärtigen Garnisonen sind, wie die Berliner„Volks- zeitnng" meldet, 300 Soldaten(Maurer) zur Beendigung des Bahnhofsiienbaues beordert worden. Und da wollen die freien Arbeiter noch nicht einsehen, welchen„St u tz e n" der Militarismus hat." Diese Parteinahme für die Ausbeute'.' gegen die Änsgebeuteten, diese schamlose Unterstützung der Erstereu bei Bekämpfung gerechter Arbeiter- forderungen ist die schlagendste Widerlegung der Lüge„von dem über den Parteien schwebenden Staat." Mögen sich alle'Arbeiter stirer erinnern, wenn die Vertreier des herrschenden Regmies um ihre Stimmen buhlen. — Einer Zusammenstellung der„Freis. Ztg." über die wachsende Schuldenlast des Reiches entnehmen wir folgende Zahlen. Im Jahre 1874 war das Reich. Dank der den Franzosen genommenen Milliarden, so gut wie schuldenfrei. Eine unverzinsliche Reichs- schuld wurde geschaffen durch die'Ausgabe der Steichskaffenscheine. Die Schuld entstand dadurch, daß die Steichskaffenscheine unter die Einzel- staaten vertheilt wurden, um denselben die Mittel zu gewähren zur Einlösung ihres noch iimlaiisenden Staatspapiergeldes. Vom Etatsjahr 1876/7? ab begann alsdanii aber in zunehmendem Umfange eine Auf- nähme verzinslicher R e i ch S a n I e i h e n, hauptsächlich zur Deckung von einmaligen Militär- und Marine-'Ansgaben. Seitdem ist die verzinsliche Reichsanleihe in den einzelnen Etatsjahren derart ge- wachsen, daß sie am Schluß der einzelnen EtatSjahre folgende Betrage erreichte: 16,300,000 Mk. 31. März 1883 31. März 1877 78 72,203,600 138,860,700 218,057,600 267,786,500 319,239,000 348,951,500 Mk. 373,125,200„ 410,000,000„ 440,000,000.. 486,201,000.. 650,000,000 in dem neuen Etat pro 1889/90 und dem Nachtragsetat dazu eine weitere flreditforderiing von 90,•991,517 Mk. Derart würde also die Regierung noch für 419,821!, 517 Mk. Kredite zu geben haben. Stimmt man an, das; diese Kredite ungefähr»l imn begeben werden, so würde also bis Ende 1889 die verzinsliche Neichsschnld l,238,fil4,0()0 Mark erreicht und somit schon eine Milliarde weit überschritten haben. In der That eine sehr„respektable" Leistung! In der Zeit von achtzehn Jahren ist die französische Kriegsentschädigung von fünf Milliarden verbraucht «nd dazu noch eine Anleihe von 1227 Mill. Silk, anfgenoinmen worden. — Als Probe, wie es der Wohlgemuth getrieben, lassen wir hier eine Stelle ans einem seiner Briese an Lutz folgen: „Seien Sie doch nicht so dumm, arbeiten Sie für nns; t h n u Sie's nicht, s o t h n t' s ein Anderer. Ich bin ja selber für trure ivestrebnngen, von denselben kann man aber nicht leben und darum muß man eben nehmen, was kommt. Wenn Sie brav wühle» und berichten, kommt es uns auf das Geld nicht an, es steht uns solches für derlei Zwecke genügend zur Verfügung." „Seien Sie nicht so dumm"....„davon kann man nicht leben"... „thnn Sie es nicht, thnt's ein Andrer"— welche gemeine, niedrige Denkart spricht ans diesen Worten! Das Gesindel ist so durch und durch korrupt, das; es gar nicht begreift, was Grundsätze, Ehrgefühl, Ueberzengnng heißt. Spiegelberg, Schnfterle und Genossen in zehnfach verschlechterter Änslage. Den schwarzen Adlerorden für den„schwer gekränkten Ehrenmann!" — Etwas über Rebellen. Eine Woche vor der Pariser Jubel- feier hatten auch die Vereinigten Staaten eine solche: den hundertsten Jahrestag des Amtsantritts Washingtons, des ersten Präfidenten der Union. Bei dieser Gelegenheit äußerte die„Times", das Organ der englischen Respektabilität:„Nicht jedes Reich kann für seinen Grün- der einen so fleckenlosen Eharakter in Anspruch nehmen, wie dies die Amerikaner mit ihrem Washington thnn dürfen." Sehr treffend weist im Anschluß hieran der St. Galler Stadt-An- zeiger darauf hm, daß Washington ein Engländer war, der einen A n f st a n d englisch erUnterthanen gegen das Mutterland o r g a n i s i r t e und diese Kolonien von dem Mntterlande trennte. Washington war also, schreibt er, nach Ansicht des legitimen Strafgesetzbuches, ein„Rebell" i n s ch ä r f st e r F o r m. Wäre er linterlegen und in die englische Gefangenschaft gerathen, man hätte ihn rücksichtslos hingerichtet. Da er glücklichen Erfolg hatte und Gründer eines neuen Reiches wurde, wird er sogar von den Englän- dern gepriesen. Wie hoch diese Preisschätznng im Munde der frommen Engländer und besonders der„Times" anzuschlagen ist, kann man aus folgenden Beispielen ersehen: Das unglückliche egyptische Volk wurde von den Türken, den eigenen gewissenlosen Behörden und englischen Spekulanten unterdrückt' und ausgebeutet. Da stellte sich ein egyptischer Patriot und Ehrenmann, Arabi Pascha, an die Spitze der Nationalpartei und kämpfte für die Rechte, die Freiheit und das Wohlergehen seines armen Volkes. Die egyptische Regierung und die Pforte tvaren dieser patriotischen Bewegung gegenüber machtlos, doch die Engländer schickten Kriegsschiffe. ließen Truppen landen und besiegten die egyptischen Patrioten.' Arabi Pascha wurde gefangen genommen und schmachtet mm seit sieben Jahren im Kerker. Die Engländer sind es überdies, die sich gegen seine Be- gnadignng stemmten und stemmen. Arabi Pascha, der' seinem Vater- lande die Freiheit hat erkämpfen wollen, ist— w e i l b e s i e g t— ein„Rebell", ein„Verbrecher"! Ferner: Vor etwa zwei Jahren hatten sich einige Zuluhäuptlinge gegen„ihren König" erhoben, der ein Freund Englands war. Die Engländer eilten ihrem königlichen Freunde zu Hilfe, die Häuptlinge mußten fliehen, wurden aber bald erwischt, ausgeliefert und nach zwei- jähriger Untcrsnchiuigshast je zu 15, 12, resp. 10 Jahren Gesäugniß ver- urtheilt. Sie sind besiegt, folglich Rebellen, Verbrecher! Diese zwei Beispiele mögen genügen, um zu beweisen, daß in den Augen der Politiker und Ausbeuter nicht der Kampf für Freiheit und Unabhängigkeit es ist, der als gerecht anerkannt wird, sondern mir der Erfolg. Ein siegreicher Freiheitskämpfer ist ein verehrungswürdiger Held und Ehrenmann, ein besiegter sei dagegen ein strafwürdiger Rebell. Die Jrländer sammt ihren Führern seien, nach dem Ausspruch des kon- servativen Salisbury und des„liberalen" Ehamberlain, nach der Meinung der„Times" und des„Standard", Hochverräther. Sie seien es, weil sie noch nicht Sieger sind. Wären sie es aber, dann würde man sie bei Gelegenheit eines künftigen Jnbilännis als„befreundete Station", beziehungsweise als edle Patrioten lobpreisen und in über- schwänglichen Worten beglückwünschen! ES schien uns angezeigt, schließt der„Stadt-Anzeiger", gerade heute, als an der Jubelfeier der großen französischen Revolution, auf diesen Zwiespalt in den Anschauungen der Machthaber aufmerksam zu machen. Es ist des Stachdenkens Werth. — Zage mir, mit wem Du umgehst:c. Die belgische Regierung hat, seit sie mit Bismarck und Konsorten auf Du und Du steht, v i e l g e l e r n t. In dem Prozeß gegen Defnisseatlp und Genossen, der augenblicklich in Möns verhandelt wird, hat sich bis zur Evidenz erwiesen, daß sie eine ganze Reihe von Lockspitzeln in der Partei unterhält, die in nngenirlester Weise ihr provozirendes Handwerk trei- be». Wir stellen das für heute fest, sobald näherer Bericht vorliegt, kommen wir auf die Sache noch zurück. — Monarchisches Der König von Holland ist von seinem Delirium soweit wieder hergestellt, daß er seinen Namen schreiben kau». Natürlich ist er damit wieder regierungsfähig und hat denn auch die Zügel der Regierung sofort wieder ergriffen zur großen Erbauung seiner getreuen Mynheers. Weniger erbaut war sein„getreuer Vetter", Adolph von Nassau, der bereits mit feierlichem Pomp die Siegentschast von Luxemburg angetreten hatt. Mit der, den Gottesgnadenthüinlern in diesen Dingen eigenen „Fixigkeit", hatte er bereits die bisherige Nationalität abgeschworen und war„ganz Luxemburger" geworden. Er hatte sogar seine lieben neuen Landslente platt angesprochen, und alles hatte vor Rührung Freuden- thränen vergossen. Sinn hat er ans dem Lande müssen, und ist über Nacht wieder der alte— Nassauer. — Die arme Kaiserin von Oesterreich ist wahnfinnig geworden, zu verwundern ists nicht. Das Handwerk der Könige unterscheidet sich zwar dadurch noch vortheilhafter von anderen Handwerkern, daß es noch einen goldenen Boden hat, aber es ist doch vergoldete Fänlniß, und wer in all dieser Ilnnatnr, Heuchelei und monströsen Liederlichkeit nicht ab- gestumpft wird, muß sich entweder selbst iu den Abgrund stürzen, oder den Verstand verlieren,— wenn er Verstand zu verlieren hat.' — Ans Rumänien. Bukarest, 28. April. Die Bukar efter Parteigenossen haben mit Bedauern ersehen, daß die Bestimmungen, welche die Possibilisten und das parlamentarische 5komite für die Ab- Haltung eines internationalen Kongresses im Jahre 1889 in Paris fest- setzen, nicht geeignet sind, einen wirklichen allgemeinen Arbeiterkongreß herbeizuführen: dagegen sprechen dieselben ihre volle Zustimmung ans zu den Bestimmungen der deutschen Neichstagsfraktio» und der Haager Konferenz, einen wirklich vereinigten Arbeiter-Kongreß abzuhalten, auf welchem thatsächlich die Sozialisten aller Länder vertreten sein werden, und zwar iu der Weise, wie es die Verhältnisse des jeweiligen Landes �Ebenso sprechen wir unsere vollste Zustimmung zu dem von der Re- daktion des Sozialdemokrat in London veröffentlichten Flugblatte in dieser Angelegenheit ans. Ferner wünschen wir dem Unternehmen den besten Erfolg und hoffen, daß alle Sozialisten den Beschlüssen der Haager Konferenz möglichst St a ch d r u ck verleihen. — Auch Schweden soll jetzt sein Sozialistengesetz bekommen. Aus Anlaß des jüngst stattgehabten Kongresses der schwedischen Sozialisten, der sehr gut besucht war und zur Konstitnirnng der sozialdemokratischen Arbeiterpartei S ch w e d e n s führte, erklärt,"""" hochoffiziöse„Nya „wie der Münchener„Allgemeinen" geschrieben wird, die ya Dagl. Allehanda" außerordentliche Maß-. nahmen gegen die Sozialdemokratie für dringend geboten,„jffs sei demnach", heißt es,„nicht unwahrscheinlich, daß die Regierung dem Reichstag noch in der gegenwärtigen Session eine darauf bezügliche Vorlage unterbreitet. Stur immer zu, Wenns beliebt. Unseren schwedischen Genossen besten Glückwunsch im Voraus. Eivgtganzene Aruckschristev: —„Moses oder Darwin?" Dies ist der Titel einer Streit- schrift, die der als unentwegter Kämpe für geistigen und sozialen Fort- schritt rühmlichst bekannte Professor A. D o d e l- P o r t in Zürich hat erscheinen lassen.*) Hervorgerufen wurde dieselbe durch den Eut- rüstungssturm, den einige Vorträge Dodel's über das gleiche Thema bei den Frommen und den Halben in der Schweiz hervorgerufen hatten— ganz besonders wohl deshalb, weil sie vor Arbeitern gehalten wurden. Der Verfasser selbst sagt darüber in seinem Vorwort: „Nachdem in der wissenschaftlichen Welt die Frage der Abstammung schon längst zur endgiltigen Beantwortung iu bejahendem Sinne ge- diehen ist. so daß es heute„Eulen nach Athen tragen" hieße, in Ge- lehrten-Abhandlimgen noch weiterhin von Beweisen für die Abstammung in vertheidigendem Sinne reden zu wollen, schien es mir doch an der Zeit, einmal Umschau zu halten und zu sehen, welche» Antheil an dieser Errmigenschaft der wissenschaftlichen Forschung die Volksschule genommen hat. Das Resultat dieses kleinen Abstechers auf die blumige Aue des Volksschulwesens erschien mir so traurig und niederdrückend, daß ich mich nach jahrelangem Beobachten endlich doch entschloß, mit meiner Meinung über den fürchterlich klaffenden Zwiespalt zwischen höherem und n i e d e r e m S ch n l w e s e n nicht mehr hinter dem Berg zu halten und in öffentlichen Vorträgen ungescheut und frei den Krebsschaden bloß zu legen und an den Wahrheitssinn und die Gerechtigkeit der unverdorbenen Volksseele zu appelliren. So habe ich denn im Januar und Februar dieses Jahres hier in Zürich und in St. Gallen in Grütlivereinen und im deutschen Arbeiter- bildungsverein„Eintracht" über den bedauerlichen und unheilvollen Zwiespalt in unserem Schulwesen gesprochen. Das große, fast sensa- tionelle Interesse, welches diesen Vorträgen entgegengebracht wurde— immer waren hier in Zürich die Versammlungslokale zn klein und mußten Hunderte ohne Eintrittsbillete weggewiesen werden— belehrte mich, daß die Frage:„M o s e s o d e r D a r w i u S" in der That zu einer brennenden geworden. Das fanatische Wnthgeheul einiger nltramontaner Heißsporne und die heuchlerisch schemheilige Niedertracht etlicher protestautisch-mnckerischer Ziouswächter, wie auch die prinzipienlose Haltung der„liberalisirenden" politischen Tagespresse haben mich genöthiget, meine drei iu Frage stehenden Vorträge in aller Authentizität Freunden und Feinden der Wahrheit als Broschüre zn weiterem Nachdenken vorzulegen. Hier sind sie, diese Vorträge! Ich denke mir, daß sie nicht nur von bildnngs- durstigen, schlichten Bürgern und Arbeitern, sondern auch von Lehrern aller Schulstufen, von Erziehnngsbehörden und gewiß auch von Theo- logen und Geistlichen diverser Konfessionen mit etwelchem Nutzen ge- lesen werden....." Moses oder Darwin? heißt: soll in der Volksschule immer noch die aller Logik in's Gesicht schlagende, wissenschaftlich in jeder Beziehung hinfällige sogenannte Mosaische Schöpfungsgeschichte gelehrt werden oder„die u a t u r>v i s s e u s ch a f t l i ch e Lehre von der all- mähligen und langsamen Entwicklung der Dinge, die Lehre von der fortschreitenden Weiterentwicklung der lebendigen Welt, allein durch die Aktion der heute noch thätigen Naturkräfte."(S. 6.) Trotzdem diese letzte Lehre durch Darwin's Forschungen überall in der wissenschaftliche» Welt siegreich durchgedrungen ist, werden doch in allen Ländern, selbst iu dem vorgeschrittene» Kanton Zürich, den Kindern in der Schule die Märchen der Mosaischen Schöpfungsgeschichte gelehrt, wird der notorische I r r t h u m, wird das genaue Gegeutheil von dem, was die Wissen- schaften und die lebendige Statur lehren, als Wahrheit verkündiget. Das ist ein ungeheuerlicher, ein unsittlicher, ein unhaltbarer Zu- stand."(S. 49.) Hiergegen wendet sich mm Dodeb-Port mit seinem ganzen Enthusias- mus. Er weist die Ungereimtheiten der mosaischen Schöpfungsgeschichte, wie überhaupt des Kirchenglaubens nach, schildert das Unheil, das der- selbe in der Welt angerichtet, und legt schließlich— nachdem er eine Reihe von Thesen foruiulirt, wie der Volksschnlimterricht und die Heran- bildung der Volksschullehrer zu gestalten— in faßlicher Weise dar, was die Darwinsche Abstammungslehre wie überhaupt die Entwick- lungslehre sagt. Es ist selbstverständlich, daß man an eine solche Gelegeuheitsschrift, namentlich wenn sie wie die vorliegende in der Hitze des Kampfes, wir möchten sagen mit dem Herzblut des Verfassers geschrieben ist, nicht den gleichen Maßstab anlegen kann, wie an eine iu ruhiger Studirstube vorbereitete wissenschaftliche Arbeit. Jndeß glauben wir einen Lapsus, der dem verehrten Verfasser im Eifer des Gefechts unterlaufen ist, doch nicht übergehen zu sollen, da es sich um eine Frage von funda- mentaler Bedeutung handelt. In dem Abschnitt über die natürliche Zuchtwahl und den Kampf«ms Dasein in der Natur läßt sich nämlich Dodel-Port hinreißen, die Wirkungen derselben im Sinne der ortho- doxen Darwinianer zu idealisiren. So sagt er auf S. 100: „So ist Alles, was jetzt lebt und kriegt, fliegt und schwimmt, das Beste von Allem, was unter den obwaltenden Verhält- uissen entstehen konnte. In der freien Natur hat das Bessere selbst das Gute verdrängt. Hier liegt der Angelpunkt der neuen Weltanschauung. Hier liegt der Brennpunkt des Natur-Erkennens." Das ist nur insoweit richtig, als das Angepaßteste zugleich auch das Beste und Vollkommenste ist, was aber keineswegs immer der Fall ist. Wir brauchen einen Dodel-Port nicht erst zu belehren, daß sehr oft der Kampf»ms Dasein Berk n m m e r u n g und Entartung zur Folge hat. Bestimmte, zn seiner siegreichen Führung geeignete Organe wer- den auf Kosten andrer entwickelt und Gebilde erzengt, die nichts weniger als vollkommen sind. DaS muß neben den günstigen Wirkungen, die der Kampf uns Dasein in der Natur- und Menschenwelt gehabt hat, offen eingeräumt werden,— wollen wir uns nicht einem ähnlichen Vor- wurf anssetzen, wie der, den wir den Bibelgläubigen machen. Was die Dodel'sche Schrift auszeichnet, ist ihre klare verständliche Sprache, und was sie zur Propaganda geeignet macht, daß sie, auch in der schärfsten Polemik, nie verletzt. Wir können sie allen, die sich für das Thema interessiren, nur bestens empfehlen. — Vom S ch w e i z e r i s ch e» A r b e i t e r s e k r e t a r i a t sind uns folgende Schriften zugegangen: 1) Unfallstatistik. Darstellung der Körperverletzungen und Tödtungen von Mitgliedern schweizerischer Kranken- und Htlfska'ssen im Geschäfts- jähr 1881». 21 Zweiter Jahresbericht des leitenden Ausschusses des Schwei- zerischen Arbeiterbundes und des Schweizerischen Arbeitersekretariats für das Jahr 1888. — Verhandlungen des Parteitages der österreichische» Sozialdeuiokratic in Hai nfeld(30.-31. Dezember 1888 und 1. Januar 1889). Nach dem stenographischen Protokoll herausgegeben von I. Popp und G. Hafner. Wien, 1889, Verlag von L. A. B r e t s ch n e i d e r. Redakteur der„Gleichheit". Wir brauchen auf die Bedeutung des Hainfelder Parteitages nicht noch einmal aufmerksam zu machen. Wer sich über den Stand der österreichischen Partei nuterrichten will, für den empfiehlt sich das Pro- tokoll des Hainfelder Parteitages von selbst. *)„Moses oder Darwin? Eine Scknilfrage." Wahrheit zum Nachdenken vorgelegt von Dr. A. Zäsar Schmidt. Allen Freunden der Dodel-Port. Zürich. Brieflasten der Redaktion: Briefe und Einsendungen erhalten aus Aachen, Berlin, Gotha, New-Dork. der Expedition:— D. Verein Genf: Fr. 54.— Ab. 1. Qn. erh.— W. A'fhrn. Zürich: Fr. 5.— a Cto. erh.= Mouchard Paris: Fehlgeschossen! Ihr Ideal ist nicht der Lieder- Meister und Ehrendoktor, sondern der Lügen major und Ehren- spitze! in Htg.; Quittung publizirt er wöchentlich, hat Einkommen wie Sie, ohne jedoch der Mildthätigkeit und seinem„lethargischen"— Durst Schranken zu setzen.— Romulus: Etnsdg. v. 28/4 dkd. erh. u. weiterbesorgt.— Rthr. Hlldr.: Mk. 3.— Ab. 2. Qu. n. Mk. 1.— p. Ilfds. dkd. erh. u. Ad. eingerenkt. Weiteres nach Wunsch.— Max: Mk. 60.— a Cto. Ab. rc. erh. Abrchng. folgt. Weiteres dkd. ack uotam genommen u. bfl. Näheres betr. Ldb. k.— Merlin: Ad. lt. Bf. vom 1/5 geordnet.— Fernandez: Nachr. v. 4/5 hier. Gruß!— Rother Geldsack: P. K. v. 2/5 am 4/5 beantw.— 22. D. 3: Am 6/5 Nachr. bett. Bgr. abggu.— Manfred: Unser Bf. v. 30/4 kreuzte mit P. K. v. 3/5. Ad. geordnet.— W. K. Vrsve.: Mk. 1.— f. Porto n. Nachlieferimg erh. Bfl. Weiteres.— Blocksburg: Mk. 81.80 a Cto. Ab. je. erh. Ldb. gutgebr.— Sch. Philadelphia: Pfd. 2.—.— a Cto. Ab. je. erh. Eine Nr. 53 1888 existirt nicht. Lesen Sie gefl. Notiz am Kopf von Nr. 52. Weiteres nach Wunsch u. bfl.— Verein„Vorwärts" Buenos-Aires: Unser Sliiszug kreuzte mit Brf. v. 16 3. Bitten festzuhalten, daß Regulirimg baldigst und direkt cm bekannte Adr. hier- her zu bewirken ist. Bstllg. folgt.— Lionel: Mk. 3. 20 Ab.-Rest pr. 4. Qu. erh. Ad. u. Bstllg. notirt u. bfl. am 7/5 Weiteres berichtet.— Pfaffenfeind: Nachr. v. 5. am 7/5 weitergekabelt. Warum nicht gleich anderseitig erwähnt?— Dante: P. K. v. 5/5 erh. Gruß.— I. B. Bkst.: Bstllg. folgt. M. ii. D. p. Z.— X. 3. V.: Mk. 40.— a Cto. Ab. 2C. erh. Ad. geord. u. Bstllg. notirt.— London v. C. W. pr. C. V.: Sh. 3.— pr. Af. dkd. erh.— Lavillette Paris: Fr. 15.— Ab. 1. Qu. erh. Weiteres bfl.— Der alte Siothe; Fr. 3.— f. Schrft. erh. Weiteres bfl. Crr. sindet sich schwer. Bstllg.?c. folgt. Gruß! — Plaschke: Sdg. unterblieb Mangels Adr. u. ist am 8/5 abgegangen. Weiteres erwartet.— Lasse: Nichts weiter an— p. fort. Weiteres beachtet.?ldr. eingereiht.— Arabi Pascha: Sollte Adressat nicht ge- flunkert haben? Bstllg. nottrt. Auszug kreuzte mit Nachr. v. 5/5.— H. a. S.: Wäre dem so, dann gehörten dem langfingernden Pb. als Antwort gelegentlich ein Paar hinter die Löffel.— Clans Groth: Mk. 10. 60 pr. Ggrchng. gutgebr. Adr. notirt. W. unterwegs.— Für die gcuiaffregclten Tramwaykutscher Wiens v. L. Fßl. Edhvn. öwfl 1.— dkd. erh. Durch Unterzeichnete ist zu beziehen: Sozillidtmokratische Sibliothej!. Fr. CI?. M. Pf. 1. Gtstöschaftliches und prirat-Eigenthum. Ein Beittag zur Erläuterimg des sozialistischen Programms.— 25— 20 2. fiarl illnri cor den üiilner Gkschworneu. Prozeß gegen den Ausschuß der rheinischen Demokraten wegen Auf- rufs zum bewaffneten Widerstand.(9. Febr. 1849.) Aus der„Neuen Rheinischen Zeittmg". Mit einem Vorwort von Fr. Engels.— 25—20 3. Die iZuiiunst der Soiialdemiiliratie. Von I. Dietzgen.— 15— 15 4. ssuthüllmigen iider de» kiommmuSen-Preieh m Kölu. Von 51 a r l Marx. Mit Einleitung von F r. E n g e l s und Dokumenten.— 60— 45 5. Unsere 3iele. Von A. Bebel. Eine Streitschrift gegen die„Demokratische Korrespondenz".— 35— 30 6. Die schlelische Willierde. Von W i l h e l m W o l f f. Abdruck aus der„Stenen Rheinischen Zeittmg" März bis April 1849. Mit Einleitung von F r. E n g e l s.— 40— 35 i 7. S-nalsiiiiitische v-rlriige von Joseph Dietzgen. l)Nattonalökonomisches.2)DiebürgerlicheGescllschaft.— 25— 20 8. Der todte Schulie gegen den ledenden UMt. Ans dem Berliner„Sozialdemokrat" 1868.— 50— 40 9. Der nurtlsichnstliche Wnterinlismns»ach den Änschnnnnzen mm find Iklnri. Von P. Lafargue.— 30— 25 10. Ärdeitergrogrnmm. lieber den besonderen Zusammenhang der gegenwärtigen Geschichtsperiode mit der Idee des Arbeiterstandes. Von F. Lassalle.— 20— 15 11. Wilhelm Weitling. Seine Agitation und Lehre im geschichtlichen Znsammenhange dargestellt von Emil K a l e r._ gz 50 12. sshrikenthnm und Siplumu. Eine religiöse Polemik. Separatabdrnck aus dem„Volksstaat" 1873/74.— 15— 15 13. Zur Wohnungsfrage. Von F r. E n g e l S. Separat- Abdruck aus dem„Volksstaat" 1872.— 50— 40 14. Krachns Ladens und die Derschwornng der«bleichen. Von G. D e v i l l e. Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von E. B e r n st e i n.— 55— 45 15. Die Wilsenschast und die Arbeiter. Eine Vertheidigungs- Rede von F. L a s s a l l e.''— 25— 20 16. Die ssharliliendevegung in England. Mit Anlagen: a) Rede von Jos. Rayner Stephens, gehalten am 10. Febr. 1839 in Staleybridge. 8) Beschlüsse der Chartistenkonferenz v. April 1851— 40— 35 17. Ijochnerrath und Lenolntion. Von W. Liebknecht.— 40— 35 18. Streihiige eines Soiialiken in da» Gediel der Erdenntnih- throne von I. Dietzgen.— 45— 40 19. Da» Leiht auf laulheit. Von P. L a f a r g u e.— 25— 20 20. Ardeiterlesebnch. Von F. L a s s a l l e.— 40— 35 21. Eine» Ärdeilers Widerlegung der nationalökonomischen Lehren John Stuart Mill's von I. Gg. EccariuS— 65— 50 22. Willen iS Wacht, Wacht ii Willen. Von W. Liebknecht— 40— 35 23. Kleine Aufsähe von F. L a s s a l l e. 1) Die französischen Nationalwerkstätten von 1848. 2) Antwort an Herrn Professor Rau. 3) Lassalle und die Statistik von W. Wackernagcl 4) Herr Wackernagel oder der moderne Herosttatus 5) Erwiderimg auf eine Rezension der Kreuzzeitting— 25— 20 24. Zur Erinnerung für die deutschen Word, Patrioten. 180'6 bis 1807. Von S. B 0 r k h e i m. Mit einer Ein- leitung von Fr. Engels........—50—40 25. Leder die politische Stellung der Soiialdemodratie. Von W. L i e b k n e ch t...........— 25— 20 German Cooperative Publishing Co. 114 Kentish Towu Koad, London N. W. Soeben erschienen und durch Unterzeichnete zu beziehen: Moses ober Aerrwin? Eine Schulfrage. Men Freunden der Wahrheit zum Stachdenken vorgelegt. Von vr. Arnold Dodel-Port. Professor der Universität Zürich. NM" Preis für Zlrbeitcr: Francs 1,20. Gegen Einsendung von Fr. 1,28 für die Schweiz und Fr. 1,35 für s Ausland wird franko effektuirt. > Zie Schriflkn-Filialr der..Ärlltüerßimmt" in Zimch, Zähringerstraße 12. Pn'ntcd for the proprietors by the German Cooperative Publishings Co. 114 Kentish Town Koad London N. W.