Zvottnemntts •nk«« beim Verlag uni deffe» •rlaiintrit U g r n I m entgegoi- grvommen, und jm» zum »«rau», ahl dar«« Ivierlrljahripreil»an: «I.<.« für D-utlchland stire,: per vnrs-Taudert) l,?S fik Orsterreich(dlrrlt per»rirf-Soudrrtt Vhttl. s»r»l« übrig«» Liinder dr» veltpostverem»(flrtujboab). ?» se r« t e die dreigespalten« Petitgell« »Pen-« W Pfg.---»»«». Erscheint wöchintlt««in«a» . /' in �......' London. Scrtag de» Q«Tm*n Co»per*tiT«PnbUikfal(C*» E. Bimstein A Co., LondM N. W> 1U Ktnllsh To*» Baad. Dißseiduie» frank» gegen frank». Gewöhnliche Brief«\' »ach England tasten Doppelport». .¥ 30. Brief««« die gtedaNIa» und Erpedition de» I» Denlschland und vesterrrich verbotenen.Sozlaldewotral'«olle«an unter Beobachtung i»t er st er Vorsicht! i abgehen lassen. Inder Itegel schicke man UN»»le Priese nicht direkt, sondern an die bekannte» Deckadressen, z, gweiselhasten Fällen eingeschrieben. 13. Mai 1339. itt? ni'. Die„lustigen Brüder im Elsaß". Wie unsere Leser bereits aus der Tagespresse wissen wer- den, hat Ehren-Wohlgemuth seinen Vorgesetzten in Berlin zu Protokoll Aufschluß gegeben über feinen Verkehr mit Lutz, wie überhaupt seine staatsrettende Thättgkeit an der deutsch- schweizerischen Grenze uild seine Behandlung im Untersuch- ungsgefäflgniß zu Rheinselden. Was der pflichtgetreue Be- anite in letzter Hinsicht auf seinen„Diensteid" zusammenlog, können wir an dieser Stelle füglich übergehen, diejenigen, die es angeht, iverden höffetitlich selbst die Moral daraus zu ziehen wissen. Dagegen hat ein Geständniß, das ihm in Be- Zug auf seine Spitzelthätigkeit entwischte, für uns ein beson- dereS Interesse. Durch dasselbe wird nämlich eine Persön- lichkett eichlich eptlarvt, dk von uns und unseren Genossen in Basel schon längst als höchst verdächtig betrachtet und dem- gemäss behandelt worden war.> v „Als Vertrauensmann der Polizei", berichtet Herr Wohl- gemuth,„diente seit mehreren Jahren ein Arbeiter. Er stand mit dem Schneider Lutz in Basel in Verbindung, welcher als Vertrauensmann der Züricher Zentralleitmig und Hauptför- derer des Schriftenschmuggels bekannt war. Durch jenen Arbeiter wurde ich aus Lutz aufmerksam..." Wie bereits die„Züricher Post" auf Grund ihr zugegan- gener Mittheilungen, berichten konnte, heißt der Mann, von dem WohlgeMitth hier spricht, Stohler.„Er bezog seit langen Jahren zwölf Exemplare des„Sozial- Demokrat", schreibt ste,„welche er für sich an Lutz sen- den ließ und jeden Sonntag bei diesem abholte, angeblich für „Genössen" in Mülhausen. Stohler selbst spielte. sich— natürlich als„Genosse" auf. Bei Bezahlung des Abpnne- wentsgeldes zahlte er auch stets eine Summe für den Unterstützung sfonds der Partes zu quittiren unter de? Spitzmarke-„Die lustigen Brüder im El saß".... Ein treffliches Motto, fürwahr. Ein Motto, das wie kein Zweites auf die Bande paßt, in deren Dienst Stohler sein schmutziges Handwerk mrtv„Luftige Bruder", das sind sie in der That. Warum sollten sie nicht lustig sein, dieie Brü- der, für die das Geld der Steuerzahler stets in Hülle und Fülle vorhanden ist, und deren einzige geistige.Anstrengung im Lügen, deren emzige phyftsche Thättgkeit im Angeben und Verdächtigen besteht? Ein lustiges Amt, einträglich und der Abwechslung voll. Nur schade, daß mau abwechslungshalber zuweilen an den Unrechten kommt. Der„Basler Arbeiterfreund" ist in der Lage, sechs der von Wohlgemuth an Lutz gerichteten Briefe im genauen Wort- laut zu veröffentlichen. Da dieselben sowohl dokilmentarischen Werth besitzen, als auch an sich recht lehrreich sind, so Mögen sie in unserm Blatt ebenifalls eine Stätte finden. Sie lauten: Erster Brief. (Pöststempel Vehlingen, Baden, 26. Februar 1889.) Herrn B. Lutz, Schneidermeister in Basel, Weißegaß Nr. 18. Hierdurch erlaube ich mir die diskrete Anfrage, ob Sic geneigt sind, iKgen angemessene Bezahlung mir über die politischen Verhältnisse der dortigen Vereine Auskunst zu geben. Besahendciifalls ersuche ich Sie, wir unter Benutzung des beifolgenden KvnvertS mitzutheilcn, wann jmd zu avtlcher Stunde ich Sic am badischen Bahnhofe in Basel, oder in Leopoldshöhe treffen kann. Sie werden mich an einem Weihen Rastuch in der rechten Hand erkennen. Ich bin dort unbekannt. Strengste Verschwiegenheit und Schonung Ihrer Person verspreche ich Ihnen im Bormis.- Ich rechne darauf, In den nächsten acht Tagen nnter beiliegendem ttouvert eine Antwort von Ihnen zn erhalten. Ich lvcrdc Ihnen diesen Brief zurückgeben. Ste brauchen.denselben nicht mit Ihrem Namen Zu unterzeichnen.■:■■■■ Theilcn Ste mir»ertrauenSvoll Ihre Vorschlage mit und seien Sie versichert, daß Ihnen keine Falle gelegt werden soll. ..- Ergebenst I. Kamm. 'vi 51 BWWjTiiitfS mi.11 m»•»öii-■«« Zweiter Brief. (Poststempel Basel, 20. März 1889.) Herrn Lutz in Basel. .Aus Ihr Schreiben thcile ich Ihnen mit, daß ich Sie- am nächsten Sonntag den.24, d. MtS. Nachraittags zwischen 8 und 5 Uhr am �aduhos zn Uheinfeldtzn, in der Restauration, oder im Wartezimmer '• Klaffe erwarte. Ich trage weißen Zettel am braimeu Hut 10 Fr. AeiscgSd folgt per Mandat bei. . Fall» Sic nicht kommen können, bitte.ich bis Frettag, den 22.p.>Ws. Aachncht Postlagernd Dornach, Krcjs Mühlhanse», Etsaß. ■!' Ergcbenst■-; I. K a in m. Dritter Brief. (Poststempel Dörnach(Elsaß) und Basel, p. März 1889.) Herrn Lutz, Schneidermeister in Basel. Sie werden meinen in Basel am 20. d. Mts. aufgegebenen Brief vebst Postmandat über 10 Fr. Reisegeid erhalten haben.und sehe ich vuher Ihrem Eintreffen am Bahnhofe Rheinselden morgen, als Smm- wfl'Rachmittag, zwischen 3 und 5 Uhr entgegen. Ich rechne darauf, vuß Sie allein kommen. Sie werden mich am weißen Zettel am Hut �'kennen.! Z. Kamm. Diese drei Briese find augenscheinlich nicht von der Hand Wohl- gemuth'z geschrieben, wohl aber die folgenden; dagegen hat 23. vor ��nksaint Rheinselden ausdrücklich zu Protokoll erklart, daß die ersten vre: Briefe von ilun veranlaßt, d. h. diktstt worden sind. Vierter Brief. (Poststempel Mülhausen, 29. März 1889.):• Liebe? Herr Lutz! In der Anlage erhalten Sie Konverts zur Benützung. Später sende ich Ihnen Deckadressen. Ich hoffe Sie werden nur jede Woche einen Bericht schicken, an Stoff wird es bei.Ihrer umfassenden Kennt- niß der Verhältnisse nicht fehlen. Schreiben Sic alle Vorgänge in der hiesigen und dortigen, bczw. badischen Partei, Orgauisatton, Leitung, Agitation und Verbreitung von Schriften x., wie wir zusammen gc- sprachen. Schonung Ihrer Person liegt am nächsten in nieinem Jercsse. Die Belohnung erfolgt nach den Leistungen in der Weise, daß Sie zu- frieden sein werden. Ergebcost x. Fünfte? Brief. Mülhausen, ff. April 1889. Geehrter Herr Lutz! Im allliegenden 5touvcrt erhalten Sie die erbetenen 200 Mark, über deren Empfang, sowie auch über die erhaltenen 80 Mark Sie mir Be- scheinigung ertheilen wollen. Sie bestanden bei unserer Besprechung auf eine feste Bezahlung von monatlich 200 Franken, welche Ihnen ge- ivährt werben soll und mären Sic jetzt bis zum 1. d. Mts. bezahlt. Von den 40 Mark llcberschuß wollen wir Wetter nicht reden. Hoffcnt- lich werden Sic bis jetzt befriedigt sein. Daß Sie je nach Ihren Leistmlgen neben den 200 Fr. ab und zu mit besonder» Gratifikationen bedacht werden sollen, ist nicht ausgeschlossen und soll nieine Sorge sein. Jetzt sehe ich aber auch Ihren regelmäßigen ausführlichen Berichte« entgegen, von welchen ich außer den besondern schleunigen Mittheilungeu jeden Montag einen solchen erwarte. Also jetzt offenes Entgegenkommen und Nennung von Namen. Zunächst Wahlagitation. Wer ist denn der glückliche Elsäßer, der den armen Schmidt in Dornach abtriinipscn soll mit Stimmeiimchrheit? Halten Sie mich beständig auf dem Laufen- de» und wühlen Sie nur lustig drauf los, nehmen Sie sich aber in Acht, daß meine Briefe in keine fremde Hände gerathen. Wegen Ihrer denmächstigen mündlicheil Mittheilung schreiben Sie mir Näheres. Entweder auf der nächsten Station Lutterbach oder Dornach oder auch Abends auf meinem Bureau, btreisdircktion, Züumer Nr. 8, oder in meiner Wohnung Ah e nd s,.» i Ä t am Tage u n d leg en Sie einen falschen Barl all, damit Sic hier nickt erkannt werden. Das Beste wird sein, Sic kommen in meine Wohnung, dort sieht Sie Niemand, doch nur bei?!acht. Es ist nur erzählt worden, seitens der siesigen Genossenschaft sandeii in einem Hanse im Rehberge Versanimluiigen statt. Ist das richtig? Besten Gruß! i; X. Sechster Brief. (Poststempel Mülhausen, Eingeschrieben unter Nr.'M, Iii. April 1889. Geehrter Herr Lutz! Also am Ostevsonntag am 21. d. Mts. treffe ich Sie in Rheinselden. Stunde und Lokal wir damals, falls Sie micht anders bestimmen. Wie ich höre, hat am 9. d. Mts. der Gendarm in Hüning«» den Genossen Vogel aus Schafihauscn mit Schriften erwischt. Haben Sie bei der Expedition mitgewirkt? Wer ist denn der Herr Fabrikant, der Geld zu Wahlagitations.zwccken zur Acrsügnng stellt? Der Man» muß auch sein Vergnügen haben. E« steht ihm natürlich frei über sein Gut zu verfügen, aber interessant ist die Sache doch. Wer hat denn m der hiesigen Genossenschaft jetzt die Führerschaft? Schreiben Sie nur eine einfache Quittung, dieselbe gilt nur für mich als Nachweis der Ausgabe von wegen der Ordnung. Erkundigen Sie sich doch mal in unaussälligcr Weise, wann und Ivo hier die Versamm- jungen stattfinden. Ich glaube mit ziemlicher Bestimmtheit in der Witthschaft zum„allen Texas" im Rcbbergc, wo schon früher Ver- sammlungcn abgehalten worden sind.- Was thut Jonas hier herum zu spitzeln? An seine. Verwandten- Mid Bekanntenbesuchc glaube ich nicht. Ihrer Antwort entgegensehend, verbleibe mit Gruß Ihr X. Man beachte die Methobe, mit. der der schändliche Seelep- kauf betrieben wird. Durch Stohler erfährt Wohlgemuth, daß Lutz, der„Vertrauensmann der Züricher Zentralleitung"> ein armer Teufel ist und eine starke Familie zu ernähren hat. Da Stohler schon lange nichts rechtes mehr zu be- richten weiß, beschließt der Herr Polizeikommissär, Lutz in sein Netz zu ziehen. Wie unverfänglich lautet nicht der erste Brief! Ob Lutz über die„politischen Verhälttnsse" der Basler Vereine Auskunst geben will. Gjbt es eine unschuldigere Sache? Die Basler Vereine sind ja alle öffentlich, berichten selbst in der Presse über ihre„politischen Verhältnisse"— ivanlm sollte man also die Auskunft verweigern? Es soll ja „keine Falle gelegt werden!" Geht aber der Bogel auf den Leim, dann wird er gesangen, er weiß nicht, wie. Und dann wieder der kordiale, gemüthliche Ton, nachdem die erste Zusammenkunft stattgefunden! Der Bogel ist an- scheinend auf den Leim gegangen, aber nun gilt es, ihm das „Pfeifen" beizubringen. Da wird, dem„Mätzchen" recht liebevoll zugesprochen,—„lieber Herr Lutz"— ihm Zucker vorgehalten, kurz der Himmel, guf Erden versprochen Hat er sich erst a» den Zucker Wohlleben- gewöhnt, dami schlägt man später einen andern To» an. Dann droht man, wenn er nicht genug„pfeift", mit E n t z i e h u n g der Rationen. Jedenfalls hat der in die Falle gegangene das lebhäfteste Interesse daran, daß es immer etwas Interessantes zu melden gibt. Der Spitzel wird naturgemäß zum Lockspitzel. Und daß es nicht wahr ist, was Wohlgemuth in Berlin auf seinen Diensteid ausgesagt: daß er Lutz jede provokatoxjsche Thä- tigkeit untersagt, geht, abgesehen von der famosen Stelle im fünften Brief„Wühlen Sie nur lustig drauf los",' aus der Frage im sechsten Brief hervor:„Haben Sie bei der(Schmuggel-) Expedition mitgewirkt?" So fragt man nicht, wenn mmi eine Sache mißbilligt. Lud sollte beim Schmuggel mitwirken, Leute zum Schmuggel veranlassen und sie dann den„Staatsrettenden" in die Hände liesern. Wie Stohler, der in der That u. A. einigm Ar- heilem den„Sozialdemokrat" lieferte, so sollte auch Lutz mit Bewilligung und Unterstützung der Polizei ver« botene, auf Gmnd des Sozialistengesetzes verbotene Dmckschriften: den„Sozialdemokrat", verbreiten, dessen bloßer Bezug nach neuester Praxis das Kriterium der Theilnahme an einem Geheimbund bedeutet. Wie— lustig! Und weiter. Wst der Schweizerischen„Nationalzeitung" von ihrem Berner Korrespondenten berichtet wird, hat vor anderthalb Jahren die deutsche Polizei Lutz den schweizerischen Behörden als eine„sehr verdächtige Persönlichkeit d e n u n- zirt. Und— einige Zeit darauf verpflichtet dieselbe Polizei denselben Lutz, ihr Spionendienste zu leisten, hält Zusammenkünfte mit ihm ab, läßt ihn ermahnen, lustig drauf los zu wühlen— in der Schweiz. Gleichfalls sehr — lustig. Freilich, es ist nicht das erste Mal, daß die preußische Polizei und speziell die Mülhausener Filialleitung derselben der Schweiz gegenüber so lusttge Spaße ausstihrt. Bruder Wohlgemuth hat nur sortgesetzt, was seine Vorgänger, Bruder Zahn und Bnldet Kaltenbach, zu thun gewohnt gewesen, Heute denunziren, morgen konspiriren und übermorgen rekla- mirm, war auch ihre Methode. Sie verstehen sich voriress- lich auf die doppelte Buchführung, die„luftigen Brü- der im Elsaß". So ist Bruder Wohlgemuth auch gar nicht blvde> in seiner protokollarischen Aussage in Berlin in seiner Verlegenheit schnell— Geschwindigkeit ist keine Hererei— die„Freiheit" aus der Versenkung austäuchen zu lassen.„Die Einsühmng der„Freiheit" und.anderer(!) sozialdemokratischer Schrif, ten ist vielfach über Mülhausen erfolgt.„Die„Freiheit", dieser Popanz für das angstmciemde Philisterthum, soll, wie schon so oft, die unsaubre Machinätion entschtttdigen. Der Satz„und apdre sozialdemokratische Schriften" aber soll diese als auf gleichem Niveau mit dem Mouiteur des Anarchismus stehend bezeichnen. Daß er das Gegentheil besagt, ist nicht Bmder WohlgemuthS Schulh..Die Polizei hat sich nicht um ple- bejische Stilregeln zu scheeren. Aber das Manöver ist zu durchsichtig und zugleich zu ab» genutzt, um irgend welchen Eindruck zu machen. Wie sie sich auch drehen und wenden, wie laut sie auch nach der Manier ertappter Spitzbuben„haltet den Dieb" schreien— selbst das„will nicht mehr gelingen", die verfolgte Unschuld zu spielen, nachdem man im Äiitterhalt abgefaßt- worden.■ Sie sind entlarvt und bleiben entlarvt, die„lustigen Arydcr im Elsaß". Ihre Ränke sind aufgedeckt, ihre. Liste» und Tücken gebrandmavkt. Vor aller Welt in ihrer Nichtswürdigkeit blosgestellt, spielen sie und mit ihnen ihre„lustiger," Brü- der und Schutzmeister in Berlin, die denkbar erbärmlichste, die denkbar traurigste Figur. Pfui der— Schwäche! Die aus Anlaß des.' verunglückten Experiments auf dem Zürichberg veraiistaltetc. Untersuchung hat mit der Ausweisung von dnet- zehn ms fischen Revolutionären aus der Schwerz geendet. Da mau das große Koinplott, welches man suchte, nicht fand, so- beschloß»»an als Ersatz dafür dem monarchssch-dcspotischen Ausland eine— wie die„Züricher Post" es sarkastisch nemit«— Hekatombe. darzubringen. Man kann diese, dem Begriff des Ajylrechts direkt i.n's G e s i ch t s ch l a g e n d e Maßregel nicht schärfer kennzeichnen als durch Wiederabdruck der wahrlMst kläglichen Wotipe des Buudesmths Dieselben laute«: „Der Schivcizerische BundcSrath,«ach Einsicht der Untersilchmigsatten betreffend den Vorgang.ini-Peterstobtl, •. in Erwägung,. i«sR daß am C. Wärz.1389 zwei Russen, Jakob A r y.n st e i u ad«» Stach- ttgalow, Gutmann oder Dembo von Berncrsk(Rußland), geb. 18S3 und Alexander De m.b st». Mitglieder der russischen terroristischen Partei, im Peterstobel hei Zürich Versuche mit Explosionsstoffen machten, wobei unter ihren Händen zwei Bomben platzte»«.ssiid Beihe gesährlich verwundeten; Mlfa'.-J iuit{ JiWuwSC daß kurze Zeit nachher Jakob Brynstein an seinen Wunden gestofben ist, während Dembsky auf dem Wege der Heilung sich besilldet; daß, obwohl durch die Unttrsuchung der Gcdaitt'c a« ein Komplott vollständig widerlegt mid vielmehr festgestellt ist. daß die Versuche von Brynstein und Dembsky noch im Stadium unsicher« Pröbclns sich befanden, dennoch kein'Zweifel walte» kann, daß diese Versuche den Zweck hatten,..die Kampfmittel der russischen terroristischen Partei um eine neue Waffe zu vermehren; in Erwägung, daß Georg Proko.sie.w und Ma r i? G ünzb u rg thattge Mit- glieder der russischen terronstlschen Pärtei sind und von den Versuchen Bryustein's und Dcmbsky's Kemitniß gehabt zn haben scheinen; baß äußer diesen Personen andere in der Schweiz ivohnhaftc Fremde, namenttich 1. Beck, Georg Ehristiau, 2. Stamm Jewns«zechick. 3. Wolkowitsch. Wtadimw alias Kaspare? Theodor, 4. Gurcwitsch, Einamicl, ff. Philippeo, Max, K. Kasianz, Gabriel, 7. Frenke!, Heinrich, 8. Scheinziß, Söpbie, 9. Daszynskri, Felix, 10. Sisojeiv, Alexis Wasfilcwitsch, überwiesen sind, wenn auch nicht von diese» Versuchen Keuntniß gehabt zu haben, so doch mmigstens der terroristischen Organisation anzugthSre«, deren außerhalb der Schweiz wohnende Führer die R e ch t m ä ß i g k e i t der von Brynstein imd Dcmbsky zum Segenstand des Experimentes gemachten Kampfmittel vertheidigen. in Anwendmig von Artikel 70 der Bundesverfassung, beschließt: Die nachgenannten Personen sind aus dem Gebiet der. schweizerischen Eidgenossenschast ausgewiesen... Kommentar überflüssig, könnten wir sagen. Denn in der That, be- darf dieses Aktenstück noch eines Kommentars? Indeß lassen wir- hier wenigstens die Kritik folgen, welche die im Allgemeinen dem Bmidesrath durchaus nicht oppositionell gegenüberstehende.Züricher Post" dem Mach- werk desselben angedeihen läßt. Das demokratische Züricher Blatt schreibt: „Wenn die Motive für die(vorjähriges Ausweisuuader Sozialdemo- lratcn haltlose waren, so ist es mit denjenigen dieser Masseuaudweisung rüsfischor Staatsangehöriger noch schlimmer bestellt. Die Logik und Jnrisprudcnz des BundeLrathes folgt dem Gesetz der schiefen Ebenes Von den Höhen deS Asylrechts, der freiheitlichen Tradition und des nationalen Stolzes sinken wir tiefer und tiefer, und weim die Bundesversammlung nächstens den Auslieferungsvertrag mit Oester- reich gutheißen wird, so wird sie nicht einmal mehr bemerken, wie tief unten wir angekommen sind." Und weiter: »Der Beschluß weiß nur zwei Personen, Prokofiew und Fräulein Günzburg zu nennen, welche von den Ben'uchcn vielleicht Kenntniß ge- habt haben können, aber auch bei diesen muß er sagen, es»scheine" so. Die übrigen Alle haben nicht einmal den Schein gegen sich; durch wochcnlange ungesetzliche Tortur der Gefangenschaft hat man nicht einmal den Beweis des Scheins, den Scheinbeweis, dieses neueste bundesräthliche Rechtsinstrument, gegen sie zu erbringen ver- mocht. Sie sind einfach einer politischen Gesinnung, politischer Sympachien und Bcstrcbungeu bezichtigt, welche bei uns me- «als verboten waren und die sie, wäre die Eidgenossen- schaft noch ein Rechtsstaat, niemals hätten bekennen müssen. Ueber ihre politische Gesinnung hat man sie bei den Ver- hören gefragt, und sie mögen gcanwortet haben, daß sie Gutes für Rußland nur von der Revolution erwarten, weil sie annahmen, daß «In solches Geftändniß ihnen nicht schaden könne, da wir noch nie Jemanden wegen seiner bloßen lleberzeugung und seiner Gedanken des Landes verwiese». Wahrscheinlich aber ist dieser Schluß auf ihre Zu- gehörigkeit zur terroristischen Partei nicht einmal aus Geständnissen ge- zogen worden, sondern nur daraus, daß die Betreffenden diese und jene Schriften besaßen oder sich leihen ließen, Schriften, die in der Schweiz »icht verboten sind.. Und wer ist die terroristische Partei? Wenn sie unter diesem Namen und mit einer bestimmten Orgauisation besteht, so ist sie nichts Anderes als eine Partei, welche sich zu den Prinzipien des westeuropäischen Liberalismus bekennt und für Rußland eine Ber- fassung und ein Parlament fordert. Sie ist hauptsächlich aus der studirenden Jugend rckrutirt,— eine russische Burschenschaft, wie es eine deutsche gab. Run feiern wir die Errungenschaften der stanzösischcn Revolution und am nächsten Sonntag wird man in Aarau das Burschenlied singen, aber zu gleicher Zeit ist es ein Bcrbrechen, an Beide auch nur zu denken.... Die russischen Studirenden, die der Bundesrath über die Grenze der Republik jagt, sind nicht die Schlechtesten ihres Volkes, sondern seine Besten, Männer und Frauen, welche Ideale besitzen, wissenschaftlich arbeiten, politisch denken und denen die Zukunft gehört. Gleichwohl reißt sie die Konvenienz gegen den Zarenswat aus ihren Studien heraus, schädigt ihre Existenz, macht ihre Rückkehr in die Hcimath unmöglich und setzt ihre Familien gefährlichem Verdacht aus; die höchste Behörde eines alten Freistaates ächtet und straft ihre Gesinnmig. Daß die Züricher Hochschulen damit in ein falsches Licht gestellt werden, ist ebenfalls sicher. Unsere Administrativiustiz bringt uns den Regierungen ?egenüber(man sieht's im Falle Wohlgemuth!) nur inVer- egenhcit, vor den Völkern und der Geschichte aber stellt sie uns bloß. Fort mit der Administrativ-, Kabincts- und Zirkularjustiz!" So die»Züricher Post". Und n>er noch eine» Funken von Rechts- gcfühl nnd Freiheitslicbe empsindet, wird ihr beistimmen. Wir benutzen diese Gelegenheit, noch einmal auf die Enthüllungen des Amerikaners Kennan über die schändliche Henkcrjustiz Rußlands zurückzukommen. Es scheint, daß dieselben noch einer Richtung hin doch nicht ohne wohlthätigen Folgen bleiben sollen— in A m e r s k a. Wir lesen nämlich im»Philadelphia Tageblatt": Der Bundes-Senat(der Vereinigten Staaten) war bekanntlich in seiner letzten Sitzung nahe daran, den infamen Ausliefcrungs- Vertrag mit Rußland zu bestätigen. Glücklicherweise konnte das noch vereitelt werden und inzwischen bekommen die Amerikmier von benifener Seite ein Licht darüber aufgesteckt, daß Rußland eine barbarische Macht ist, mit der ein zivilisirtes Land keinen Justiz- Vertrag abschließen darf. Das ist dem Amerikaner George Kennan zu verdanken. Die russische Regierung, welche der— liberale Deutsche! Schönschwätzcr Brehm herauszustreichen versuchte, ist durch die streng sachlichen Berichte Kmnan's vor der ganzen Welt an den Pranger gestellt worden. Kennan macht jetzt eine Vorlesetour durch das Land. In Chikago hielt er einen Vortrag, den er unterbrach und, o berichtet die.Arbeiter-Zeitung" weiter:»erschien dann wieder— n das vollständige Gewand eines sibirischen Sträflings gehüllt, die Beinfeffeln cingesthlosseil. Das Erscheinen Kcnuan's in der Tracht der armen Opfer, deren Leiden er so anschaulich geschildert, rief die Sym- pathic des Publikums erst recht wach und mit verdoppelter Aufmerksam- kcit hing es an dem Munde des Erzählers.»Dieses Gewand," sagte Kenuan,»Ist das Zeich«» der Entwürdigung vom Standpunkte russischer Rtgierungstyrannei; vom Standpunkte der politischen Gefangenen ist es das Zeichen des Märtyrerthums. Dieses Gewand ist von besseren Männern getragen worden, als ich bin, und ich schäme mich nicht, darin zu erscheinen. Jeder Theil dieses Anzuges ist von einem dieser poli- tischen»Verbrecher" in Sibirien getragen worden. Als ich die Stätte des Leidens jener Helden verließ, da gab mir Jeder ein Stück seiner »Entwürdigung", und daraus ist dieser Anzug zusammengesetzt." Bei diesen Worten rasselten die Ketten des Sprechers und ein Schauder durchzuckte jeden Nerv der Versanimlung. Mancher Herr und nianches Dämchen erhielt bei»! Klang dieser Ketten erst einen Begriff davon, was in Rußland edle Menschen für die Menschheit zu leisten im Stande sind, was sie für die erhabenen Ideen des Sozialismus zu dulden und zu ertragen vermögen. ES war eine treffliche Lektion." Kennan wird von den russischen Flüchtlingen in diesem Lande überall mit Ovationen empfangen. Hoffentlich gelingt es seiner Agitation, den Senat zur Scham zurückzurufen und zu verhindern, daß diese Republik zum Schergen des Zaren gemacht wird." Wir können den Wunsch unseres amerikanischen Bruderorgans nur unterschreiben. Die Kennan'schen Enthüllungen aber rufen nicht nur in Amerika, sie rufen in der ganzen zivilistrtcn Welt alle diejenigen, die dem insanien Zarenthum mich nur den kleinsten Liebesdienst zu leisten geneigt sind, zur Scham auf. Aus Frankreich« Paris, 10. Mai 1889. Die Zeit, welche eine der alten Formeln nach der andern zernagt, hat auch mit dem berühmten und berüchtigten pnix-m et ciraenscs der Römer halb aufgeräumt. Die Nachfolger Zäsars erachteten es noch für nöthig, »den süße« Pöbel" Roms mit Brot und Spielen zu zähmen, die moderne Bourgeoisie hat sich die Sache vereinfacht, sie gibt höchstens noch Spiele, um die Menge in einträglicher Unterivürsigkcit und Gleich- gilttgkeit gegen das eigene Wohl zu erhalten. Nach dem Motto: Spiele aber kein Brot, hat auch die französische Bourgeoisie die Reihe der Feierlichkeiten zu Ehren des hundertjährigen Gedenktages der großen Revolution veranstaltet. Sie hat in einem offiziösen, glänzenden und pompösen Fest, welches den gesammten Apparat der politischen Welt in Bewegung setzte, nnd das den am b. Mai 1783 stattgehabten Zusammentritt der General- stände feierte, zwar der Menge Spiele geboten, sich aber wohl gehütet, derselben durch Reformen ein Stück nährendes Brot auf den Tisch zu legen. Und doch, welcher Anlaß wäre dazu geeigneter geweseu, als die Feter der Kämpft, auS welchen die Bourgeoisie politisch unb ökonomisch eman- zipirt hervorging, und an denen gerade die Masse des arbeitenden Volle» nach der Seite der Opfer und nicht der der Vorthetft einen so hervor- ragenden Antheil genonimen hatte? Die angedeutete Einseitigkeit hat der Jubelfeier ihren Charakter aufgedrückt, sie zu einem offiziellen, den Triumph der Bourgeoisie verherrlichenden Feste gestaltet, dem das Voll mit Neugierde, mit einer Art kalten Wohlwollens, aber ohne Enthusias-- mus gegenüberstand. Wohl waren in Versailles, wo die EröffnungS- feier stattfand, Hunderttausende zusammengeströmt, allein ein bedeuten- der Theil von ihnen war erst in zweiter und dritter Linie durch die Absicht herbeigelockt worden, dem offiziellen Feste beizuwohnen, in erster jedoch durch den Wunsch, die großen, hochberühmte» Wasserkünste im herr'ichstcn Frsihlingswetter bewundern zu können. Der Herrgott hatte nämlich alles Bitten und Beten der Reaktionäre, das Fest der fü'-Rcpublik und Revolution durch schlechtes Wetter zu versalzen, nicht erhört. Als guter, sich allen Verhältnissen anschmiegender Opportunist hatte der alte Herr der Republik das prachtvollste Wetter zu ihrer Jubelfeier beschecrt, wie er Deutschland eigens mit dem bekannten»Kaiserwetter" begnadet hat. Monsieur Carnot wurde natürlich auf seiner Fahrt und bei Aus- führung setner Rolle in Versailles mit den üblichen Demonstrattonen und Hochrufen begrüßt. Die offiziöse und offizielle Presse hatte es sich in den letzten Wochen etwas kosten lassen, unter den Industriellen und Kleinbürgern den Anschein eines Enthusiasmus für die Person des »ersten Beamten der Republik" anzublasen, dem die Nation notorisch bis jetzt mit der absolutesten Gleichailtigkcit gegenüber gestanden hat. Das Kleinbürgerthum zumal hatte sich auch thatsächlich in einen An- standscnthufiasmus hineingearbeitet, der dadurch eine bedcutendeSteigcrung erfuhr, daß Carnot am Anfange seiner Fahrt von einem durch aller- Hand Mißerfolge und Schicksalsschläge Halb- oder Ganzverrücktcn be- attentatet wurde.'Natürlich wurde der Präsident nicht getroffen, und es stellte sich sogar heraus, daß der Revolver nur blind geladen ge- Wesen, da Perrin, dies ist der Name des neuesten Attentäters, Carnot keineswegs tödten, sondern nur dessen Aufmerksamkeit auf eine zwischen ihm und dem Gouverneur von Marttnique schwebende Angelegenheit lenken wollte. Aber trotz alledem hatte der Schuß auf alle»empfind- lichen Seelen" seine Wirkung nicht verfehlt, für sie war Carnot niit einem Male der Held des Tages geworden, und so kam es, daß der Präsident einen größeren und sympathischeren Antheil an der Festes- steude zugemessen erhielt, als das Gefühl der allgemeinen Wurschtigkeit gegen seine Nullität erwarten ließ. Nebenbei sei hier bemerkt, daß sich die opportunistischen Organe Carnot gegenüber einer geradezu wider- lichen Speichelleckerei befleißigen; sie verzeichnen gewissenhaft, wie er sich räuspert und wie er spukt, wenn er geruht zu lächeln, zu danken x., dazu nicht minder gewissenhaft die»entzückenden Toiletten" der Frau Präsidentin. Die bürgerliche Republik hat noch eine gute Anzahl von Leuten behalten, die mit einem Schwanz zum Wedeln geboren sind. Das offizielle Fest hat sich natürlich programmgemäß abgewickelt und vereinte die ganze offizielle politische Welt und Halbwelt. Nur die Rechte der Kammer hatte es trotz allen Einladungen für dekorativ wirkungsvoller gehalten, sich in den Schmollwinkel zu setzen und dadurch noch xost festum gegen die Revolution zu protesttren. Die Thatfache erhält einen besonders pikanten Beigeschmack dadurch, daß sich gerade unter den heutigen Reaktionären eine Serie von Nachkommen der alten Konvcntmitgliedcr und Schreckensmänner befinden, die während der großen Revolution durch Wucher mit Nationalglltern x. den Grund zum Rcichthum und Ansehen ihrer Familien gelegt haben. Zeiten und An- sichten ändern sich, sobald sich die Lesitzverhältnissc geändert haben. Angesichts dieser Haltung der Reaktionäre ist es um so bezeichnender, daß Herr Carnot und die übrigen Festredner in ihren offiziellen An- sprachen, deren Plattheit gegenüber die Rede beS Erzbifchofs von Ver- sailles mit ihrem beißenden Hohn ein wahres Meisterstück war. in ser- vilster Weise mit den Konservativen liebäugelten und ihnen durch Ber- Wässerung Revolution und Republik so mundgerecht als möglich zu machen suchten. Tic gemäßigten Bourgeoisrepublikaner thun den Kon- scrvativcn und vor allem sich selbst zu Gefallen lieber zehn Rückschritte, als daß sie sich des arbeitenden Volks wegen zu einem Fortschritte ent- schlössen. Deinciitsprcchcnd war beständig von einer„Aussöhnung der Konservativen mit der Republik" die Rede, machte man Stimmung für eine Einlenkung nach rechts, anstatt nach links! Die Physiognomie von Paris war während der Jubelfeier, solvie am Tage der Eröffnung der Wcltausstcllmig eine ungemein belebte, die Stadt im Allgemeinen war so reich mit Fahnen und Dekorationen ge- schmückt, wie kaum zum 14. Juli. Allerdings war ein wesentlicher Unterschied zwischen der inneren Stadt, dem Sitz von Handel und In- dnstric, des BiirgerlhmiiS und den äußeren Arbeitervierteln zu bemerken. Während die inneren Stadttheile in einem fast überreichen Fahnen- schmucke prangten, war in den Vierteln, wo das Volk zu Hause ist, relativ nur durstig dekorftt worden, gerade das Gegcntheil von dem, was jedes Nationalsest vom 14. Juli aufweist, bei dem sich die Arbeiter- gegendcn durch reichen Schmuck auszeichnen, während sich die bürgcr- lichen Viertel auf das Minimum von Dekoration beschränken. Das Gleiche gilt auch von den Illuminationen, welche am Abend von Sonn- tag und Montag stattfanden; die Arbeiterviertel waren verhältnißmäßig dunkel, die inneren Stadttheile schwammen dagegen in einem wahren Lichlmcer. Die Illumination der öffentlichen Geväudc, der Seinebrücken und Seineufer, die an verschiedenen Punkten der Stadt abgebrannten Feuerwerke boten einen geradezu einzigen, feenhaften Anblick, über den mancher arme Teufel für den Moment vergessen konnte, daß er den gaqzen Tag über noch nicht gegessen hatte. Der äußeren Physiognomie der Stadtgegcnden entsprach auch die ihrer Bewohner. Beide Feste waren in erster Linie Feste des auf der Höhe seiner Machtentfaltung ange- langten Bürgerthums, die Masse der Proletarier wohnte ihnen als Zu- schauer bei, die je nach Temperament mehr oder weniger wohlwollend, gleichgiltig oder auch enttüstet war. Mehr als ein Arbeiter ftagtc sich: welche Ursache habe ich, mich über die Lage zu freuen? Mancher ballte wohl auch die Faust, wenn er daran dachte, daß er und seine Klassen- genossen die Kosten der Feste decken müßten. Die Masse hat zu viel Ursachen zur Unzuftiedenheit, das nöthige Brot ist ihr von den Satten zu leichtfertig vorcnchalten worden, als daß sie rückhaltslos in den Fest- lubel einstimmen und sich an den»Spielen" freuen könnte. Allerdings ivar den Aermsten der Armen ein Almosen hingeworfen worden, damit sich die Bourgeoisie in ihrem Stolzesrausch sagen konnte, ettoas Uebriges für die„Kanaille" gethan zu haben. Der Gemeinderath von Paris hatte 100,000 Frcs., Carnot 20,000 Frcs., verschiedene bekannte Person- lichkeiten ebenfalls etliche tausend FraucS für die Armen gespendet, und das israelittsche Konsistorium, welches die F i n a n z k ö n i g e in semer Mitte enthält oder mit ihnen in engster Beziehung steht, hatte zu dem gleichen Zwecke gnädigst— 1000 Frcs. bewilligt. Aber was bedeuten diese Summen gegenüber dem Elend von Hundcrttansenden? Die Pariser Armenpflege hat ein ständiges Heer von zirka 50,000 Familien zu unterstützen, und diese 50,000 repräsentiren nur einen kleinen Bruch- theil der Bedürftigen. Da verschwinden Hunderttausende von Francs wie Tropfen im Meere, dem Massenelend gegenüber ist es Zeit daß die Wohlthätigkeit verschwindet, und daß die Gerechtigkeit an ihre Stelle tritt.-- Uebrigcns muß bemerkt werden, daß die Eröffnung der Wcltausstel- lung in allen Schichten der französischen Bevölkerung weit mehr Be- geisterung und Sympathie hervorgerufen hat, als die politische Jubel- ftier. Und diese Begeisterung und Sympathie fällt zum guten Theil auf die Republik zurück, so stiefmütterlich sich dieselbe der Mehrzahl ihrer Kinder auch bewiesen. Die Monarchien des Auslandes haben der Mehrzahl nach durch ihre thörichte und kleinliche Weigerung, sich offiziell an den Feierlichkeiten zu Ehren der Republik, darunter der Weltaus- stellung, zu bethcilige«, dadurch, daß ihre Gesandten xar ordre de rnuft in Urlaub gingen, dafür gesorgt, der Weltausstellung einen rein repub- likanischen Charatter zu verleihen. Und der durchaus berechtigte Stolz. die begründete Bewunderung, welche die Franzosen mit Hinblick auf das Riefenunternchmen erfüllen darf, trägt sich zu einem Theil auf die Republik über, unter deren Aegidc es zu Stande g-komnien. Trotz alles böswilligen Rabengekrächzes der offiziösen ausländischen, zumal der rcichsdeutschen Presse ist die Ausstellung bis zum Eröffnungstage bereits zu neun Zehnteln vollendet— und im Allgemeinen im wahren Sinne des Wortes wirklich vollendet gclvesen. Der Eindruck aus den Besucher ist großartig, überwältigend, und der Andrang der Fremden ist bereits kolossal, trotz aller Warnungen der ausländischen Repttlien vor dem„barbarischen" Frankreich. Freilich, wenn man den Blick vo« all den Wundern und Hcrrlichketteu der Ausstellung auf die lentt, welche Alfts geschaffen, so zeigt sich die Kehrseite d«S glänzenden Bildes. Die «lSerielle Lage de» französischen, besonders des Pariser Arbeiters ist i» den letzte» Jahre« kaum armseliger utS» unsicherer gewesen, als gegen- . wärtig. Die Löhne, weit davon entfernt, zu steigen, drohen zu sinken, oder sind schon gesunken, partielle Streiks gehören in fast allen Berufs- zweigen zu alltäglichen Ereignissen, in vielen Industrien herrscht ganzer! oder theilweiftr Arbeitsstillstand. Dab«i sind in Folge der Ausstellung,! auf welche hin Großfabrikanten nnd Großhändler behufs schamloser i Spekulation Ringe und Konventionen geblldet haben, die Preise für Wohnungen und Lebensmittel im Steigen begriffen. Sämmttiche möb- lirte Zimmer sind im Minimum für die bescheidensten Löcher um 5 FrcS. pro Monat im Preise gestiegen, der Zucker ward in einer Woche um! zwei Sous pro Pfund verthenert, das Fleisch hat bedeutend aufge- schlagen, die Gemüse und Salatarten stehen noch auf Winterpreisen;c. Was soll unter solchen Verhältnissen— wir wollen nicht so verwegen sein, um zu ftagcn aus dem Angehörigen der Reservearmee, dem i Lumpeuproletarier, aber was soll aus dem Arbeiter werden, der sich unter relativ günstigeren Verhältnissen nur mit Ach und Krach durch- schlug? Es ist allen Ernstes davon die Rede, nach der Ausstellung die schon seit Jahren geplante und besonders mit Rücksicht auf die Hygicine geforderte Demolirung der Pariser Festungsmauer in Angriff zu nehmen, lediglich um den Arbeitslosen Beschäftigung zu verschaffen, und das! Volk, den»großen Lümmel", der ungeduldig wird, einzulullen. So fest die Bourgeoisie auch noch im Sattel zu sitzen scheint, so wird das Roß, das sie trägt, doch bereits ungeberdig. Es kracht in allen Ver- hältnissen, und der Glanz, mit dem die Bourgeoisie ihre Herrschaft um- gibt, ist ein Abendroth und nicht die Morgenröthe. Den Anzeichen des Bankerotts der alten Welt gegenüber ist das Eingcständniß der„France" festzuhalten, daß„die einzige politische Sfraft, welche am Vorabend steht, eine große Rolle zu spielen", der Sozialismus ist. ■«AA/WWW> Sozialpolitische Rundschaa. London, 15. Mai 1889. — Hunderttausend Bergarbeiter im Rheinland und West- phalen im Ausstand, das ist das wichttgste Ereigniß der Woche, die I bedeutsamste aller zu vermeldenden Thatsacheu. Was man noch vor 1 einigen Wochen kaum für möglich g«haltcn, das ist plötzlich, fast über Nacht, in großartigstem Umfange eingetreten: eine Arbeiterschaft, die mit allen Mitteln der Unterdrückung in Abhängigkeit und Unwissenheit gehalten, geflissentlich dcpravirt wurde, die den polittschcn und sozialen Bestrebungen ihrer aufgeklärten Arbeitsbrüder scheinbar theilnahmsloS I ?egenübcrstand, hat ihren Unterdrückern entschlossen den Fehdehandschuh ingeworfen und erklärt: So lange Ihr nicht bewilligt, was wir ver- langen, so stehen dieAädcr, die unsere Kraft bisher getrieben, still. Und die Räder stehen still, im ganzen Ruhrgcbict feiert die Gruben- bevölkerung, stellen bereits Eisen- und Glashütten aus Kohlenmangel die Thätigkeit ein. Und immer weiter droht der Streik um sich zu greifen, jeder Tag bringt Kunde von neuen Belegjchaftcn, die sich den streikenden anschließen. »Sehr bedenklidz. Ew. Lieb den!" In B e r l i n gericth man, als eine Alarmnachriäit nach der andern eintraf, in nicht geringe Erregimg. Dos' hatte dem Regiment Wilhelm des Unbezahlbaren, der gekommen ist, der Sphinx„Soziale Frage", die der Oedipus des neunzehnten Jahrhunderts nicht gelöst, den(Saraus zu machen, das hatte dem neuen»alten Fritz" nnd dem alien„Sozialresormer" noch gefehlt. Sofott wurde Minister- rath abgehalten.»Wir müssen einen Erfolg erzielen; Ich werde die Herren Grubenbesitzer selbst ersuchen, diesmal nachzugeben, das wird einen vorzüglichen Eindruck im Lande machen", rief Wilhelm aus, und freute sich ini Stillen über die>!i Aussicht stehende Reklame.»Wenn aber die Grubenbesitzer nicht nachgeben? Iii es staatsniännisch, sie zu erbitten, indem wir ihre Autoritol untergraben?" gab der Sägemüller und SchnopSfabrikanl Eiseiistirii kühl zurück.»Rur keine dummen Streiche, junger Mann." Das sagte er zwar nicht, aber der Andere verstand ihn doch. Und der Ministerrath verlief resultatlos. Ebenso resultatlos verlief die Ministerreise. Herr Hcrfurth hatte mit den Grubenbesitzern eine Konferenz, aber die Herren, die politisch zu jeder Liebedienerei bereit sind, die in ihrer großen Mehrheit der servilsten aller servile» Parteien angehören, erklärten dem Minister mit dürren Worten, daß sie sich in Bezug auf die Ablohnung und Behandlung»i h r e r"'Arbeiter von der Regierung nichts dreinreden ließen. Davon verstände sie nichts und solle nur hübsch ihre Hand davon lassen.»Was Deines Amt>s nicht ist, da lasse Deinen Fürwitz". Die Regierung habe weiter nichts zu thun, als tüchtig Militär zu schicken, um die.Kanaille" iw Zaum zu halten. Das Andere werden„wir" schon selbst besorgen. Und. der Minister reiste ab, und die Regierung schickte Milttär. Aber die Wirkung desselben war genau die entgegengesetzte, welche daS Ausbeutcrthum erwartet hatte. Merkwürdig, diese von der sozialdemokratischen Umsturzbcwegunz fast ganz imbceinflußt gcblicbeiieu Bergleute, von denen die gutgesinnte Presse mit Genugthuung vermeldete, daß sie ihr« Versammlungen»mit Hochs aus den Kaiser, auf Landrath und Bürgermeister" eröffnen und schließen und»patriotische" Lieder abfingen— sie wurden durch das Ein- rücken des Militärs in die höchste Erbttterung versetzt. Sic fühlten insttnkttv, daß das Heranziehen desselben ein gegen sie gerichtetes Manöver war, bezw. ist. Sie ließen sich aber nicht einschüchtern. Im Gegcntheil, je mehr Soldaten einrückten, um so mehr wuchs, um so mehr* wächst das Heer der Streiker. Trotzdem dieselben sich im Allgemeinen ruhig verhalten, haben der Säbel, der haut, und die Flinte, die schießt, doch schon ihre Wunderwirkimgcn offenbart. Bor Zeche Schleswig bei Brackel und amBahnhofinBochum hat das Militär auf die unbe- waffucte Menge geschossen,— in beiden Fällen in höchst unnöthiger Weise, in Bochum sogar ohne jede, auch nur scheinbare Provokation. Ein„schneidiger" Lieutenant— leider nennen die Zeitungen den Namen des Buben nicht— ließ ans Anlaß einer ganz im- bedeutenden Rauferei aus die Menge feuern, und eine Anzahl ganz unbethciligter Personen wurde schwer verletzt, zwei der- selben(ein Metzger und ein Fabrikarbeiter) tödtlich getroffen. Im Ganzen wurden bis zum 11. Mai im Streikrevier gegen 15 Personen gctödtct und 20 verwundet, darunter mehrere Frauen und Kinder. Ein.glorreicher" Erfolg, fürwahr. Die Forderungen der Arbeiter sind von einer merkwürdigen Be- scheidenheit. Sie verlangen die Abschaffung des Unfugs, die Wagen, iu denen die Kohlen nicht die vorgeschriebene Größe haben, zu„nullen", während die Kohlen trotzdem zu guten Preisen verkaust werden; ferner, und dies ist ihre Haupts ord er und, die Rückkehr zur acht- ftündigeu Schicht, die früher bestand, aber in den schlechten Ge- schäftsiahren immer höher hinaufgeschraubt wurde; und schließlich mit Rücksicht auf die gcstiegeuen Kohlenpreise eine Lohnerhöhung von mindestens 15 Prozent. Die Herren Grundbesitzer verlangen, die Arbeiter sollen vorerst hübsch zu Kreuze kriechen und in die Gruben zurückkehren, alsdann wollen sie allergnädigst mit ihnen unterhandeln. Dazu verspüren aber die„gemäßigten" Arbeiter nicht die mindeste Neigung, und haben erklärt, ehe ihnen nicht mindestens die achtstündige Arbcitsschicht bewilligt ist, nicht in die Gruben zurückzukehren. So stehen die Dinge im Augenblick, da dieses Blatt in die Presse geht. Ob die Arbeiter auch festhalten werden, wenn der Streik noch länger anhält, läßt sich natürlich nicht voraussagen. Jedenfalls sind die Kmiiuntturcn ihnen nicht ungünstig. Schon jetzt macht sich weit und breit auf vielen Werken Kohlenmangel empsindlich bemerkbar, und jeder Tag steigert diesen Zustand. Fällt den Arbcitcru die Staatsgewalt nicht hindernd in den Arm, so ist ein baldiger, erfolgreicher Ausgang des Streiks sehr wahrscheinlich. Aber man hat offenbar große Lust dazu. Von der Verhängung des kleinen Belagerungszustandes im Streikgebiet hat man einstweilen Abstand genomincn, thatsächlid> hat man ja schon so halb und halb den Großen eingerichtet. Zwischen Ausbeuter und Arbeiter gestellt, wird die Regierung, trotz allen schonen Redensarten, tei mtschtidendra Moment gegen die Arbeiter Partei ergr eisen. Warte» wir es ab. Ans das Geschwätz von der Schürimg des Streiks vom Ausland her. gehen wir nicht ein.(5s ist so albern, dag selbst die Ausbeuter presse in ihrer großen Mehrheit darüber spottet. Noch weniger haben wir Ursache, das Gerede von der Unterstützung der Streikenden durch ihre ausländischen Kollegen zu widerlegen. Im Gegentheil, wir wünsch- ten, wir könnten es als Thatsachc b e st ä t i g e n. Denn ob die Streikenden nun ultramontan oder liberal, königstreu oder was immer ßnd, sie sind Ausgebeutet«, die sich gegen ihre Ausbeuter erheben, und als solchen find ihnen die Sympathien der Sozialisten, der Hassen- bewußten Arbeiter aller Länder gesichert. Nachschrift. Am Dienstag hat, wie der Telegraph meldet, Wil- Helm eine Deputation der Streiker empsangen, und sie huldvollst ange- schnauzt, sie sollten sich gar nicht unterstehen, sich mit der Sozialdcmo- kratie einzulassen. Sie hätten den Behörden unbedingt Folge zu leisten, sonst würden sie seine— Wilhelms— Macht kennen lernen. Im Uebrigen oersicherte er sie seines allergnädigsten Wohlwollens, er werde der Streikbewegung seine volle Aufmerksamkeit schenken und sich von seinen Beamten genauen Bericht erstatten lassen. Sprachs und entließ die Deputatton so klug als sie gekommen war. Die Bergarbeiter werden von dem Erfolg derselben zweifelsohne sehr «baut sein. Für sie Worte, nichts als Worte, g c g r n sie Puloer und Blei, wenn sie sich zu mucke» wagen. Und damit will man uns Sozialdemokraten vernichten! Eine bessere Bekämpfung können wir uns gar nicht wünschen. Die Sozialdemokratie hat zwar keine Zivilliste von zwanzig Millionen Mark zur Verfügung, aber wenn sie einer Bewegung ihre Synipathie schenkt, dann übersetzt sich dieselbe in das, was die Leute am nöthigsten brauchen: Hilfsmittel, ihren Kampf siegreich zu führen. Das werden auch die Bergarbeiter schnell gewahr werden: es gibt nur Eine Partei, die voll und ganz zur Sache der Arbetter steht, und das ist die Sozialdemokratie. So fortgefahren, Wilhelmchen, und das Wort deines lieben Freundes Pntty bewahrheitet sich in imgeahmtem Umfange: hinter jedem Streik .lauert', au« jedem Streik zieht neue Kraft die Hydru der sozialen Revolution. Immer weiter greift der Streik um sich. Jetzt beginnt es auch im Aachener Revier und in Schlesien sich zu regen. Kommt auch noch das Saar-Revier hinzu, dann ist die Sache der Arbeiter muoiderstehlich. Glückauf! — Die Säkularfeier der französischen Revolution, so wird uns aus Deutschland geschrieben, ist unseren Chauvins st cn und Reaktiouären— beide Begriff« fallen zusammen— überaus unbequem. Daß die Herren nur mit Angst und Wuth an jene Um- wäszung denken, welch« ein furchtbares Strafgericht über die Völker- Unterdrücker und-Ausbeuter war und die Vorbereitung zu einem noch furchtbareren und umfassenderen Strafgericht bildete— da« ist natürlich und selbstverständlich. Aber abaesehcn von dem Anlaß ist auch die A r t der Feier unseren Chauvinisten und Reaktionären ein Dorn im Auge Dieses republikanische Frankreich, das von unserer Reptilienpressc auf Kommaudo von oben seit dem Bestehen der Republik als ein verkonnnener Staat, gewissermaßen— um an das bekannte Wort des Zaren Nikolaus von der Schweiz anzuknüpfen.— als„der betrunkene Helot unter den sittsamen monarchischen Mustcrstaaten geschildert worden ist, bietet der Welt statt des verkündigten Bürgerkrieges mit obligater Mordbrennerei und gemeinem Umsturz das Schauspiel eines großartigen Friedensfeste«. Und was die obersten Beamten dem eigenen Volk und den Völkern der Erde sagen, das klingt so ganz anderes wie das, was die obersten Beamten der Militär- und Polizeistoaten zu sagen haben: nicht Drohungen, nicht Prahlereien, nicht Worte blutdürstiger, sreiheitsfeindlicher Barbarei— nein Worte des Friedens, die Sprache der Zivilisatton. Nicht, daß wir die Bedeutung der Worte und auch des Friedcnsfestes überschätzen wollten. Wir wissen sehr wohl, der Boulangismus ist noch »icht tobt und die französische Republik hat ihre Pflicht gegen das arbeitende Volk noch nicht erfüllt— jedoch da« steht trotz alledem fest, und das wird auch dem wenigst scharfsinnigen Zuschauer klar: die Rep- ttlienprcssc, welche Frankreich zum Sodom und Gomoorha machte, hat elend gelogen, und die Regierung dieses angeblich.verkommenen' Frankreich vertritt und verkörpert in sich eine höhere Kulturstufe, als die Regierungen unserer monarchistische» Militär- und Polizcistaaten. Und dieses Beispiel, dieser Vergleich ist unsercu Chauvinisten und Reaktionären so fatal, weil so gefährlich. Ter deutsch« Bürger und Bauer, der bisher an den französische» Wauwau geglaubt, und die sran- Zösische Republik für die Mördergrube, für ein wüstes, blutiges.Anarchisten- nest' gehalten hat, sieht, daß er schmählich getäuscht worden ist, und voller Neid und Bewunderung hört er— denn betrachten darf er sie nicht, das wäre„rcichsscindlich'— von den Wundern der Weltausstellung an den Ufern der Seine, von der Völkerwanderung nach diesen Wundern und von der musterhasten Ruhe und Ordnung in dem verrufenen Babel. Ja sogar der Schuß, den ein Wahnsinniger auf den Präsidenten der Republik abgefeuert hat, fordert zu beschämenden Vergleichen heraus. Die.Fruktifizirung' des Hödcl-Attentats ist in frischem Gcdächtniß. Ein notorischer Halbidiot und Agent des ultta-royalistischcn Meincidspfaffen Stöcker feuert aus «tnem Terzerol, mit dem man auf 10 Schritte keinen Spatzen tödten konnte, auf einen preußischen König,— er krümmt den: Gegenstand dieses.Attentats' kein Haar— er behauptet steif uud fest, blind gc- schössen zu haben, bloß um Aufmerksamkeit auf sich zu lenke»— trotz eifrigsten Suchen« wird acht Tage lang keine Kugel gefunden(dann freilich rasch hintereinander drei— ein bedenklicher emdarra« Je richcsset) — kurz das Ganze ein« einfach« Lappalie. Und wie ist diese Lappalie ausgebauscht worden,— unter Vorgang des Fürsten Bismarck, der so- fort sein:.Ausnahmegesetz gegen die Toziaidemokratcu' forderte— welche Mühe hat die Rcptilienpresse, hat die Polizei, hat die Regierung sich gegeben, den Halbidiot Hödel zu einem monströsm Verbrecher, nnd aus dessen Sackpuffer ein diabolisches Mordinstrument zu machen, das von der Sozialdemokratie geladen wurde, um den besten und ruhmreichsten Monarchen aus der Welt zu schaffen! Wie anders jetzt in Frankreich. Das Opfer des Attentats kümnicrt sich um den Zwischenfall gar nicht, er Hütt ruhig seine Rede, als od nichts geschehen wäre; die Regicrungspresse spricht die Vcrmuthung au«, »S handle sich um einen Dummenjungen-Streich oder um die Handlung eines Wahnsinnigen. Kurz, das offenbare Streben, die öffentliche Meinung zu beruhigen, statt sie aufzuwühlen-, und auch nicht der cnt- fernteste Versuch, den Vorgang nach der einen oder anderen Seite po- litisch zu verwerthen l Nicht einem einzigen französischen Blatt ist e« eingefallen, auch nur andeutungsweise eine polittsche Partei mit den, Vorgang in Verbindung zu bringen. Das sind arge Konttaste. Und die ungünstige Wirkung wird»och dadurch verschärft, daß die deutsch« Reichsregierung im jetzigen Augenblick chre ganze Kraft auf das wenig lohnende Geschäft der Mohrenwäsche zu richten hat. Dem großen Staatsmann Bismarck soll das kolonialpolitischc Fiasko, und dem großen Spitzel W o h l g c m u t h da« polizeiliche Fiasko und der Schmutz des Locklpitzcllhums abgewaschen werden. Ein erbauliches Bild ist das ge- wiß nicht, und der.Erfolg' wird auch hier ausbleiben: alle Seife und alle Putzbürsten im deulichcn Reich sind nicht genügend für diese Arbeit, der selbst ein Herkules nicht gewachsen wäre..Es will eben nichts wehr gelingen.' Mit dem Wohlgemuth hat man übrigens eine spaßhafte Komödie aufgeführt: mau zittrte ihn nach Berlin, ließ ihn erklären, daß er„auf feinen Diensttid' unter„lustigem Wühlen' bloß das„Zusammenwühlen' von Nachrichten aus dem sozialdemottatischen Lager verstanden habe, und daß er— der Wohlgeuiuth— feine— des Wohlgemuth— ehrliche und durchaus gesetzliche Absichten, und sein— des Wohlgemuth— durchaus korrrekte« Handeln auf seinen Diensteid nehmen könne. Und das steht im„Staats-' oder„Reichsanzeiger' zu lesen! Wahrhaftig, in drastischerer Weise konnten unsere Staatslenker es uns nicht all oculoo demonsttiren, wie arg sie auf den Hund gekommen sind. Durch diese Kundgebung im„Reichsanzeigcr' ist auch der Beweis geliefert. daß Kanzler Eisensttrn an seinen kolonialpolitischen Nieder- lagen und Blamagen nicht genug hat, und sich den Wohlgemuth um jeden Preis an die Rockschöße hängen will. Nun— wir wollen ihn Vicht daran hindern. Inzwischen ist Herr H e r r f u r t h so klug gewesen, sich den Jhring- Mahlow von den Rockschößen abzuschütteln. Er hat von dem bSannten, von Ehren- Putttamer eingeleiteten Prozeß gegen die ,B«l. Volkszeitting', durch welchen die Engelreinheit des„psiichtgetreuen Be- amten' festgestellt werden sollte, einfach«inschlafen lassen, so daß dieser Tage die„Verjährung' ausgesprochen wurde. Herr Herrfurth ist jedensalls schlauer als fein Chef. —„Ich kenne den Mensche« nicht".») Der Basler„Arbeiter- freund veröffentlicht in seiner Nummer vom 11. Mai folgendes Ein- geseulbit——-----:------------■■ _ �„Be rn, den 9. Mai 18S9. ,,- Tit. Redaktton bte„Basler Arbeitcrsreund? iu Basel. Herr Redaktor! Mit Bezugnahme auf den Artikel, den Sie in der letzten Nummer vmn 8. Mai aus dem Londoner.Sozialdemokrat' abgedruckt haben, ersuch« ich Sie, meine Erklärung in Ihre nächste Nummer aufzuneh- nie». daß ich zu Herrn Attcnhofer in leinen Beziehungen steh« uud persönlich ihn nicht kenne. In der Hoffnung, daß diese Erklärung durch Ihre Vermittlung auch dem Londoner„Sozialdemokrat' pr Kcnntniß kommen werde, verzichte ich aus cme spezielle Mitthcilung an den Letzteren. Mit Hochschätzung! Dr. Tr achsler, Sekretär des eidg. Justiz- mw Polizcidcpartements.' .Wir begreifen es. daß Herr Dr. Trachsler es mit seiner eidgenössi- scheu Stellung nicht für vereinbar hält, einen Ed. Atttnhofcr zu kennen oder gar zu ihm in Beziehung zu stehen, und theilen diesen Stand- Punkt, bedauern aber erklären zu müssen, daß seiner obigen Behaup- tung einige Behauptungen AttenhoferS gegenüberstehen, von denen wir für heute nur zwei folgen lassen. Atteuhoser hat gelegentlich eines seiner Händel Mit dem Herrn M. von Stern selbst erklärt, daß er eine an Stern gerichtete und bei den eidgenössischen Atten befindliche Depesche von Dr. Draehsler er- halten habe: er hat dieses.Dokument' damals iu seiner Wohnung zwei Studenten gezeigt und ausdrücklich beigefügt, er müsse da? .Dokument' Nachmittags an TrachSler zurücksenden. Bei einer späteren Gelegenheit(Prozeß contra R. Fischer) erklärte Attcnhofer vor dem Untersuchungsgericht Zürich. daß er bis Nachmit- tag« 4 Uhr aus dem eidgenössischen Iustizdepartement den Beweis er- halten werde, daß sein Prozcßgcgner Fischer ausgewiesen werde, es müsse deshalb da« Beweisverfahren geschlossen werden. Herr Dr. Trachsler, Sekretär des eigenössischen Iusttzdeparte- ments, mag nun zusehen, wie er angesichts des Vorstehenden E. Atten- hofer von seinen Ziockschößen abschüttelt. Wir können uns der Erin- nerung an das Heine'sche Verschen nicht einschlagen: .Blamier' mich nicht, mein schönes Kind, Und grüß' mich nicht unter den Linden, Wenn wir nachher zu Hause sind, Wird sich schon Alles finden.' Seit dem 7. ds. Mts. ist der Reichstag wieder versammelt» und quält sich mit der zweiten Lesung des Alters- und Invalidenge- setzes. Diese« Gesetz ist ein zwiefaches Denkmal: ein Denkmal der Schande für das offizielle Deutschland und die Herr- schcnden Parteien, deren gesetzgeberische Impotenz und deren bösen Willen den Arbeitern gegenüber es den lebenden und den kllns tigen Geschlechtern verkündet. Und ein Denkmal des Triumphs für die Sozialdemokratie, welche die Feinde der Arbeiter und der Arbeitergesetzgcbung genöthigt hat, sich mit diesem Gesetz abzn- quäle». Nicht daß gesagt sein solle, dasselbe gewähre den Arbeitern wesentliche Vortheile— es soll aber doch aussehen wie ein im Interesse der Arbeiter gegebenes Gesetz— es ist ein Ausfluß sozial polittschcr Heuchelei, und jener Franzose hatte Recht, der von der Heuchelei jagte, sie sei eine Huldigung, welche das Laster der Tugend darbringt. Das Alters- und Jnvalidengesetz ist eine Huldigung, welche die Reichsregierung der Sozialdemokratie dar- bringen muß. Freilich, der Regierung wird es nicht leicht sein, das Gesetz, dessen sie für die Wahlzwccke dringend bedarf, den Mehrheitsparteien aufzu- zwingen. Die Herren Agrarier wollen nicht» zahlen und auch den nationalliberalen Herren Bourgeois will die Sache keineswegs paffen. gtur die Angst vor den kommenden Wahlen wird eine Ma- jorität erwirken können— und günstigsten Falls nur eine geringe. Hätten die Urheber und Geburtshelfer des Alters- und Invaliden gesetzes die Absicht gehabt, die Unfähigkeit des heutigen Staats und der heutigen Gesellschaft, auf sozialpolitischem Gebiet etwas«rauche bares zu schaffen, an einem großen, augenfälligen Exempel zu zeigen, sie hätten es nicht anders machen können, als sie es gemacht haben und noch machen. — Uebrigens laborirt der Reichstag an chronischer Beschluß- Unfähigkeit. Als es galt, die Millionen des Volk« hundertwcise dem Moloch des Militarismus»nd Massenmords in den Rachen zu werfen, da waren die Bänke des Reichstag? gefüllt. Jetzt, da es gilt, durch das Altersversicherungsgcsetz dem arbeitenden Volk, was ihn, in Scheffeln geraubt worden ist, in Löffeln zurückzugebe», da sind die Herren nicht an dem Posteir. Aus Feigheft wagten die servilen Gesellen nicht, offen gegen ein Regie rungsgesetz zu sttmmen,— und so suchen sie es denn durch Schwänzen der Sitzungen und dauernder Beschlußunfähig- kett hinterrücks zu Fall zu bringen. Gelingt es der Regierung nicht noch, durch Anwendung scharfer Pressionsmittel diesem porlamen- tarischen Streik der Majorität ein Ende zu machen, so wird ihr nichts anderes übrig bleiben, als die faulen Herrn ReichSbotea nach Hause zu schicken. Die Rücksicht auf die Wahlen wird indeß doch wohl die Oberhand gewinnen, und die Majorität über den Stock de« Alters- und Invaliden- gesetzes springen lassen. — Zur Richtigstellung. Durch die deuttchen Arbeiterblätter macht eine Notiz die Runde, es habe die englisch«„sozialdemokratische Federation' in Sachen des Internationalen Kongresses in vermittelnde»: Sinne einzuwirken gesucht. Wir müffen zu unserm Bedauern konstatircn, daß das ein Jrrthum ist, an dessen Entstchiing wir fteilich nicht ganz unschuldig sind. Es schien einen Augenblick, als wollten die Leiter- der Federation in diesem Sinne auf ihre possibilistischen Freunde einwirken, es ist aber --- leider— bei dem Schein gcblicbcn. Thatjächlich haben sie nach wie vor den PossidUifteu in jeder Weise sekundirt, was natürlich diese in ihrem hochmüthigen Eigensinn noch bestärkte. Hätten sie in obige« Sinne gehandeft, so würden die Possibilifte« zweifelsohne nachgegeben haben. Ferner haben wir einen klemm Jrrthum richttg zu stellen. der sich in dm erstm Exemplaren des Aufrufs zum Internationalm Kongreß eingeschlichen hat. Es muß dort nicht heißen:„Die sozialistische Liga Englands ließ sich mtschuldigen' sondern„William Morris von der sozialistischm Liga ließ sich entschuldigen". Angesichts des verspäteten Erscheinens de« Zirkulars haben eine An- zahl englischer Gewerkschaften bereits Delegirte zum Kongreß der Pos- sibilisten gewählt. Doch sind wir in der Lage, mitzutheilm, daß mehrere dieser Delegirten einer Verständigung aus Grund der Haager Beschlüsse sehr geneigt sind. — Es fehlt uns auch heute leider der Raum, dm Aufdeckungen ge- recht zu werdm, welch« durch dm Prozeß von Möns über das infame Treibe« der Lockspitzel in Belgien erfolgt sind. Daher nur soviel, daß vor Gericht festgestellt und durch die Regieru ngsbeomte» zugcgebm ist, daß die ärgsten Heyer und Schreier der sich republikanische Sozialistm nmnendm Gegner der belgischen Arbeiterpartei bezahlte Agenten der belgischen Regierung warm. Die ftommm Herren Beer- naert, Devolder*. hielten es mit ihrem Gewissen für vereinbar, Schufte zu dtngm, welche die Arbeiter in Versammlungen zu Gewalt- thatm aller Art, zu Dynamit und Brandsttstung aufhetzte::, lediglich um eine wirkliche Organisation und planmäßige Aufklärung der Arbeiter zu verhindern."So schamlos haben die L a l o i, Poubaix. Rompff und wie die Burschm alle sonst»och heißen, ihr Handwerk getrieben, daß die Regierung von jedem Versiich, dieselben U deckm, ablassm mußte. So hat sich das Blatt gewendet, statt der rregelefteten Arbeiter sitzen das klerikale Ministerium uud seine Hetz- *) Aergl. Evang. Mach. K. 2«. V. 72 u. 74. agenten auf der Armensiinderbank und die öffentliche Meinung hat ihr IttcheU bereits gesprochen: ein schmachvolles System, das mit solchen Mitteln regiert. Wir heben dm klerikalen Charatter des Ministerium Becrnaert hervor— nicht etwa, weil wir uns einbilden, daß dessen liberale Gegner es in diesem Punkte anders machen würden, wohl aber, um' festzustellen, daß die Klerikalen an der Herrschaft um lein Haar besser sind als die anderm Eigenchumsparteien. Klassenherrschaft ist Klassen- Herrschaft, ob in ein weltliches Gewand gesteckt oder in eine Kutte gehüllt. Mit Recht rügt das Berliner„Volksblatt", daß die ultramontane „Germania" für den Streik der wcstphälischen Bergleute die Aus- Weisung der Jesuiten und den„Kulturkampf' ver- autworttich umcht. Indirekt heißt das— wenn's auch natürlich nicht eingcsianden wird— nichts anderes als daß, wenn die Regierung den Pfaffen fteie Hand ließe, diese schon dafür gesorgt haben würden, daß die Arbeiter sich bei ihren Hungerlöhnen gedulden. Diese Ausdringlich- keit der himmlischen Ämsdarmerie, sobald es aus Kosten der Arbeiter im Trüben zu fischen gilt, verdient die schärfste Brandmarkung. — Eine Bestätigung. Die„Berl. BolkS-Tribüne' protestirt in ihr« neuestm Nummer dagegen, daß das possibiliftifche„Parti Ouvrier' ihre Aeußerungen über den internationalen Kongreß in der„denkbar sinnentstellendsten Verdrehung" wiebergibt. Man steht, wir haben in der vorigen Stummer in Bezug auf das System des„Partt Ouvrier' nicht zu viel gesagt. — Es gibt noch Richter in Berlin, sagte sich ohne Zweifel der Vorschcnde de« Gerichtshofs, vor welchem vergangene Woche das aus der Berliner Arbeiterinnenbcwegung bekannte Fräulein I a g e r t stand, und zwar unter der verrückten Auttage des W i d e r st a:: d s gegen die Staatsgewalt. Fräulein Jagcrt sollte nach einer Versamm- lungsauflösung noch zu sprechen versucht haben. Das war der„Wider- stand gegen die Staatsgewalt'. Sie wies durch Zeugen nach, daß sie das ihr zur Last gelegte Anbrechen nicht gethan hatte und schloß ihre Vertheidigungsrede mit den Worten:„Unter solchen Umständen wird kein Gerichtshof es wagen, mich zu verurtheilen." Der Ausdruck .wagen' war vielleicht nicht ganz geschickt, allein er konnte doch nur be- deuten, daß die Sprecherm es für moralisch unmöglich hielt, der Gerichtshof könne eine Unschuldige verurtheilen. Darin hat sie sich nun gründlich getäuscht. Sie wurde zu mehreren Wochen Gcfängniß verurtheilt und der Borsitzende des Gerichtshofs machte sich der unglaub- lichen Rohheit schuldig, Frl. Jagcrt triumphirend zu bemerken:„Sie sehen, ein deutscher Gerichtshof hat es gewagt, Sie zu verurtheilen! Frl. Jagert dantte dem ttaurigen Patron, Landgerichtsrath Braun, für seine köstliche Aeußcrung, und wir hegen nicht den mindesten Zweifel, daß der besagte Landgcrichtspräsident zu noch größeren„Wag- nissen' bereit ist, wenn es gilt, Recht und Wahrheit mit Füßen zu treten. — Um gegen die französisch« Weltausstellung doch etwas iu die Wagschale zu werfen, wird von der Reptilienpresse die(beiläufig ganz hübsche, jedoch herzlich unbedeutende) UnfallverhütungS- Ausstellung in Berlin reklamcnhaft zu einem großen Ereignisse aufgepilfft. Das Vergnügen, welches ja zugleich Geschäft ist(und zwar in mehr als einer Beziehung) wollen wir den Leutchen gern lassen; allein eine Unverschämtheit, die nicht ungerügt bleiben darf, ist es, wenn bei diesen: Anlaß wieder— z. B. von der„Post'— ansposannt wird, Deutschland sei der e r st e S t a a t, welcher eine Arbeiterschutzgesetzgebung eingeführt habe und auf diesen: Gebiet bahnbrechend vorangegangen sei. Es ist das, wie schon wiederholt benierkt ward, eine grobe Unwahrheit. England hat Arbeiterschntzgesetze schon zu einer Zeit gehabt, da in Deutschland noch kein Mensch, wenigstens kein in Amt und Würden befindlicher Mensch, von einer Arbeiterschutzgesetzgebung auch nur eine Ahnung hatte— und was Deutschland heute hat, reicht dem seit Jahrzehnten in Eng- land Bestehenden nicht entfernt das Wasser— auch wenn der ganze Plunder der sogenannten„Sozialreform' mit eingerechnet wird. Und die Unwahrheit ist darum nicht weniger grob, weil man sie durch den Mund eines preußischen Königs und deutschen Kaisers hat aussprechen lassen.— — Aber hübsch konsequent bleiben. In der Rewyorker„Volks- zeitung' lesen wir von einem recht netten Ausspruch, deu der christlich- sozial-antisemitische Abgeordnete, Pater Eichhorn, jüngst in Wien gethan haben soll. Der hochwürdige Herr soll nämlich erklärt haben:„Wenn jemand zu mir beichten kommt, und er gesteht, daß er einen Juden bestohlen, so ist dies nur eine S ch a d l o s h a l t u n g von dem. was die Juden früher gestohlen haben'. Das dürste in gar manchen Fällen zutteffen, und ist insofern, wenn auch recht kleinbürgerlich, so doch nicht unlogisch gedacht. Aber wenn nun Einer sich an einem christlich-gerumnischcn Eigner von früher Ge- stohlcnem„schadlos hält'? ~ Vom Schlachtfelde des Klassenkampfes in der Republik. Aus Paris wird uns geschrieben:„Das Proletariat im abgetragenen Rock und schäbigen Zylinderhut kommt durch die Verhältnisse mehr und mehr in Trab, wird gezwungen, sich zu organisiren, seine Zugehörigkeit zum Proletariat als Klasse der Ausgebeuteten zu erkennen. Die Handels- gehilsen, deren Ausbeutung sich mit der Entwickelung des Großhandels, der Organisation der Ricsenmagazine, unerträglich gesteigert hat, regen nnd organisiren sich bereits seit langer Zeit und unterhalten eine ziemlich thätige Bewegung für Reduzirung der Arbeitszeit, Errichtung von Handclsschiedsacrichlcn-c. Die Post- und Telegraphen-Bcaniten haben desgleichen Organisationsgelüste gezeigt, denen allerdings behörd- lich«sefts starke Dämpfer aufgesetzt wurden. In den letzten Wochen ist eS unter den Privatlehrern(prokesioara libres) zu einer Bewegung gekommen. Die Gewerkschaft(Syndikatskammer) der Privatlehrer beschloß einen Streit, der den Zweck verfolgte, der schamlosen Ausbeutung der armen Teufel durch die gcwerbsinässigen Stellung«- und Stunden-Vermittler ein Ende zu machen, die Direktoren von Privatschulen zu bestimmen, sich wegen Lehrpersonals direkt au die Syndikatskammer zu wenden und alle Privatlchr« zum Anschluß an dieselbe zu bewegen. Der Beschluß eines Streiks war unter den: Drucke der heutigen ökonomischen Lage der Privatlehrer erfolgt. In Paris und dem Departement der Seine gibt es nicht weniger als 10,000 „protewwiii-» libre*", welche entweder an Privatschulen unterrichten oder Privalsiundeil ertheilen. Diesem Heer gegenüber sind C>0 Privatinstitute für Sekundärbildung vorhanden, die ungefähr von 12,000 Schülern besucht werden. Die Zahl d« Privatschulen und deren Schüler ist be- delftend zusammengeschmolzen, seitdem der Staat die religionslosen Schulen eingeführt hat. Einerseits haben, sich von da ab die Schulen bedeuttnd verbessert, so daß sie auch höheren Ansprüchen genügen, andrer- sefts sendet ein großer Theil des gutgesinnten, gläubigen Bürgerthuin» seine Ktnder in die von religiösen Brüder- und Schwesterschaften gehaltenen lmssessianeUcn Anstalten. Der Mehrzahl der protbfisoiii-s libres ist damit eine äußerst kümmerliche und unsichere Situation geschaffen worden, sie ist meist aus den Ausall angewiesen, der hin und wieder schccht bezahlte Stellen oder Stunden bringt. Die an Privatschulen Angestellten erhalten selten mehr als«0—70 Frcs. pro Bionat, dabei Wohnung und Kost, welche beide viel zu wünschen übriglassen; das Gehalt vieler zirolesseur» libres beträgt sogar nur 20—30 Frcs. pro Monat. Und glücklich noch Derjenige, welcher einen Platz findet. Die uieisten Anstellungen werden durch gewerbsmäßige Vermittler vergeben, welche auf das Jahrcsgchalt 10 Prozent als Provision erheben, die sofort dein: Antritt der-stelle zu erlegen ist. Dabei richten es die Vermittler meist so ein, daß sie die Lehrer in Stellungen unterbringen, welche für die Betreffenden ungeeignet sind und deshalb schon nach« Monaten gewechselt ivrrdeii, was zu erneutem Tribut an das Bureau Anlaß gibt. Kurz, die Stellungs- vermittlungSburcaux der„pr-otesseurs libres" sind die gleichen Raub- höhlen wie diejenigen der Lkellncr, Friseure, Barbiere, Verkäufer.'c. Die Syndikatskammer der Privatlehrer hat zunächst beim Stadtrath von Paris um eine Jahresunierstütziing von 5000 Frcs. nachgesucht. Sic sandte eine aus 30 Mitgliedern(darunter 8 Frauen) bestchendc Tele- gation, welche jedoch nicht cmpfoiigen und aus einen folgenden Tag be- schieden ward. Als die Delegation zu dcu: sestgejcytcn Rendezvous erschien, ließ sie der Präsident des Gemeinderaths mehr als eine Stunde watten, so daß sich dieselbe zuletzt zurückzog und nur Präsident und Sekretär der Syndikatskammer als Beauftragte zurückließ. Der Präsident des Stadtraths versprach diesen, sich der Angelegenheit änzu- nehmen, doch müsse das Gesuch den administrativen Weg gehen. Der „Parti Ouvrier" und das„Proletariat", welche hinter jeder Bewegung, welche nicht possibilistisch geaicht ist, ein boulangistischeS Manöver wittern, bezeichneten auch die Bewegung der prowsseurs librea als ein solches, weil der Präsident der fraglichen Gewerkschaft Mitglied der Patrioten- liga gewesen und machten sich über deren kalten Empfang durch den Stadtrath lustig! Der„Sozialdemokrat" hat zwar bereits über die Auflösung der Gc- werkschafteu zu Montlu�on und Eommentrp berichtet, allein cS scheint uns geboten, die Motivinuifj des betreffenden Unheils hinzuzufügen, da dieselbe ungemein charakteristisch für die Situation und mich für den zielbewußten Geist der gemaßregeltcn Organisationen erscheint. Die Auflösung erfolgte: 1) weil die Syndikatskammern andere als dlos ge- werkschaftliche Ziele verfolgten; 2) weil sie die Wahlen für die Gewerbe- fchiedsgcrichte zu beeinflussen suchten; 3) weil sie vermittels der Wahlen die politische Stacht in die Hände der Arbeiterklasse zu bringen trachteten. Man ficht, die Klassenjustiz macht sich in dem Verdikt mit. unerhörtem Zynisuius breit und müßte, sollte man meinen, zun: schärfsten Protest nicht nur der sozialistischen, nein der einfach gewerkichaftlicheu Arbeiter- organisationcn und Arbeiterblättcr herausfordern. Das ist aber, soweit die Posfibilisten in Betracht komnien, nicht der Fall. Das„Proletariat" hat die Sache ganz nebenher in ein paar Zeilen abgetlian, das Tage- blatt„Le Parti Oiwricr", welches so gewissenhaft alle Reisen des Herrn Earnot und die Visiten von Madanic Earnot registrirt, hat die Auf- lösung nicht einmal erwähnt. Die Genossenschaften waren nämlich kollek- tivistiich, daher die Haltung der Regierung und die Haltung des„Parti Ouvrier".: — Zur Kontroverse über die Fraucnfrage. Von einigen Gcnossinen in Gotha geht uns das nachstehende Eingesandt mit der Bitte um Veröffentlichung zu: „Wir können der geehrten Redaktion Nicht ersparen, einen fener von Herrn Bax in Aussicht gestellten„thräncnrcichcn Artikel" zur Vcröffenb- lichnng zu bringen. Wir können nun freilich als Arbeiterfrauen die Bax'schcn Ausführungen nicht wissenschaftlich widerlegen, denken jedoch, daß das von anderer Seite gründlich erfolgen wirb. Wir wollen unserseits nur bemerken, daß die drei Artikel aus uns den Eindruck gemacht haben, als ob sich der geehrte Herr Verfasser In sehr gereiztem Znstande befunden und daß er nur in der Absicht, Bebel einen empfindlichen Schlag zu versetzen, sich in einen so beispiellosen Pessimis- mus hineinreden konnte. Mau weiß wirklich nicht, was man mehr be- wundern soll, die ungenirtc Verdrehung der Bebcl'schen Ausführungen� oder die wunderbare Sclbstüberhebnng in der Vergötterung des eigenen Geschlechts des Verfassers. Wir geben übrigens Bax Recht, wenn er die heutige Frauenwelt nicht für fähig hält, sich geistig so zu entwickeln wie der Mann. Wir können ihm aber nicht Recht geben, wenn er die jetzigen Verhältnisse mit dem idealen Zustande verquickt, den Herr Bebel zur unerläßlichen Bedingung für die praktische Tnrchsiihrnng seiner Zdeen macht. Herr Bax ist so wenig ivie jeder Andere ini Stande, Behauptungen darüber aufzustellen, wie sich die Dingt in ferner Zukmift gestalten werden, wenn den: einzelnen Jndioidniiiu Gelegenheit geboten wird, sich allseitig zu entwickeln, und in Folge dessen das Gesetz der Vererbung keine nachtheiligen Folgen mehr hgt. Dänn erst Wird man mit Recht aus den Ergebnissen, mögen sie ausfallen/ wie sie wollen, Schlüsse ziehen können. Wir sind keineswegs so verblendet, daß wir uns einbilden, au dem Bebcl'schen Werke dürfe nicht gerüttelt werden; im Gcgenthcil, es kann ups eine ruhige sachliche Diskussion nur erwünscht seim Wer keine wissen- schaftliche Sache erfordert bei ihrer Besprechung so viels Selbstlosigkeit als gerade die Fraucnfragc, und nur Wenige können den Egoismus so weit zurückdrängen, um dieselbe vorurtheilsfrei zu diskntirep, deshalb protestiren wir dagegen, daß diese Wenigen in brutaler, gchässiger Weise angegriffen werden. Einige Arbeiterfrauen Gothas." (Die Einsenderinnen sind im Irrthnm, wenn sie bei Bgx persönliche. Gereiztheit gegen Bebel voraussetzen. Tie Bax'schen Angriffe gelten wirklich nur der von Bebel vertretenen Sache, und wenn sie hier und da die Grenzen einer objektiven Polemik überschritten, so ist dies lediglich dem Ucbereifcr der Leidenschaft zuzuschreiben. Red. d. ,',S.-T.") — Sluf ein recht charakteristisches Zeichen der Zeit weist das „Sächsische Wochenblatt" hin.„In der Nummer vom 11. Mai", schreibt es,„erinnert sich die„liberal c"„Dresdener Zeitung" der vor 40 Jahren in den Dresdener Barrikadenkämpfen gefallenen säch- fischen und preußischen Offiziere und Soldaten und macht darauf auf- merksam, daß deren Massengrab auf dem Neustädter Friedhofe, als Denkmal soldatischer Treue und Tapferkeit, eine pflegende Hand ge- brauchen könne. Schön, sehr pietätvoll. W-u die liberale Zeitimg aber vergessen hat, das sind— ihre ehemaligen Parteigenossen, die Männer, welche einst auf der Barrikade starben; starben für jene Prinzipien, deren Fnicht sich heute die liberalen Zeituilge» und die Liberalen überhaupt besonders erfreuen und die sie zu schützen und weiter zu bauen vorgeben. Jene Kämpfer»vürdigt, die �Dresd. Ztg." keines Wortes, um ihre Gräber kümmert sie sich nicht, ja es ist sogar fraglich, ob sie von denselben eine Ahnung hat oder weiß, wo sich die- selben befinden. Die Arbeiter allein waren es, welche die Gräber jener Männer schmückten und durch Besuch derselben ihnen dis Ehre er- wiesen, die Jedem gebührt, der für seine sctbstgewähltc Sache fällt. Mag man über die Ziele, die diese Männer im Einzelnen verfochten, getheilrer Meimnig sein, mag ein JheU dieser Ziele bereits abgcthau und jcherwnndc» sein, im AUgcmcincu kämpslen nno sielen sie für die Jdecy des unendlichen Fortschritts. Was aber die schmachvoll� Per- lcngnung dieser Männer durch die„Liberalen" und der Ictzlcren Kriechen vor dem hauenden Säbel und der schießenden Zündnadelflintc noch, ekelhafter erscheinen läßt, ist,'daß es sich 1tUl> hier in Sachsen, um Käylpsc für die Reichsvcrfassnng handelte, um Ideale, dic nch nqch den Worten derselben Politiker, die freie Männer zu sein glauben und doch nur bcjammcrnswcrthe Eunuchen sind, im neuen deutschen Reiche „io herrlich erfüllt" haben. Nun, die Gefallenen des Mai merken nichts davon und wenn dies der Fall wäre., dann könnten sie sich mit. dem Gedanken trösten, daß man sie noch mit Ehrerbietung nennen wird, wenn jenes Jammerwesen, zu dem sich der„Lsi'eralismus" euj- wickelt hat, nur noch das Andenken der grenzenlosen Jpsginie hinter- lassen." So das Dresdener Arbciterbjlatt, und es hat nur zu recht. Ganz dieselbe Erscheinung wie in Dresden zeigt sich ja auch jn Berlin, in den Rheinlanden, überall, wo i&p'das Volk sich erhob, um die Forderungen des Liberalismus zu erkämpfen. � In Berlin ist die Stadt- Vertretung in ihrer Mehrheit fortschrittlich- freisinnig, als aber vor; einiger Zeit einer der sozialistischen Stadtverordiictep dcu Antrsig stellte, die verfallene Stätte, wo die Märzkämpfcr bestallet liegen, in wnr- diger Wdise zu rcnoviren, da gingen die Bcnmer des„entschiedenen Freisinns", die soeben ein Denkmal ssir den Kariätschepprlnzcn votirt,! über diesen-h-fst ninstürzlerischen Vorschlag z»r Tagesordunng über. Eine kläglichere Sclbstkastrirung ist nicht denkbar. — Väterche» geht mit der ganzen Brutalität, die dem. halb- asiatischen Despoten eigen ist, gegen das deutsche Etem.e.nt in. den Ostseeprovinzen vor. Da es sich dabei in bcrvorragcudenr Maße«m Elemente der besitzenden Klasse handelt, schlägt die deutsche Ordnungsprcsse großen Lärm über die„unerhörte Willkür". Als mit derselben Willkür gegen die Polen vorgegangen tvurdc, halten ganz dieselben Leute kein Wort des Tadels, sondern fanden es ganz in der Ordnung, daß mit den widerspenstigen Elenienten aufgeräumt werde. Und wenn der Kampf nur gegen dcicksche A r b e i t e r gerichtet wäre, so würden sie schwerlich auch nur ei» Wort darüber verlirren. Stört es doch ihren Gleichmiitb in keiner Weife, daß hunderttausende deutscher Arbester unter ein schmachvolles Ausnahmegcsev gestellt- stnd, das der polizeilichen Willkür den weitesten Spielraum läßt. Und die polizeiliche Drangsaliruug der.unter dcutsckwr Zmangs-HerrsMaft stehenden Polen, Elsässer und Dänen findet ihren lcvhaftesten Beifall. So hat diese(tzcsellschaft jedes Recht verwirkt, über die Willkürakte gegen ihre Klaffcngeiwsscu sich zu beschweren, wemi sie. aber gar, wie es eins der deutschen Polizciblättcr gethan, indirekt Alexander III. mit dem Schicksal seines Vorfahren Paul I.(Aburtheilnng durch mißvergnügte Adlige> drohen, so ist das von Seiten der gewerbsmäßigen D c n u n- zianten der wirklichen Revolutionäre Rußlands schon, mehr wie schamlos. . Uebrigens macht ihr Protest ans Väterchen nicht den mindesten Ew- druck. Dank der günstigem Situation, in die ihn das gespannte Ver- hälwiß zwischen Deutschland und Frankreich versetzt hat, pfeift er auf die„öffentliche Meinung" in Deutschland. Auch ein Erfolg der unübertrefflichen Bismarck'schep Politik l_ Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemahregelten nicht! lumill .Wirt* Korrespondenzen. Gotha.(Sltuqtionsbcricht.1 Die schmählichen Wahl- b c e i n f l u ß u n g e n, die der preußisch-gothaifcha Landvogt Witt- l e n hei der letzten Rcichstagswahl hier in Szene gesetzt hatte, find nun auch von dem Äartellreichstag, resp. der Wahlkommiision gutge- heißen worden, trotzdem aste die Thatsachen, welche das Plenum zur Bcanstandmig der Wahl der KartellnuU Heuncberg führten, vollständig erwiesen wurden. Junker Wittken wußte die Bedenken der Kommission damit zu beschwichtigen, daß er unfern Kandidaten Genosse Bock als einen höchst gefährlichen Menschen darstellte, loeil derselbe — man- höre— vor 16—20 Jabren wegen einiger politischer Vergehen bestraft worden ist. Seit dieser langen Zest ist man Bock nicht einmal sozialistengescdlich beigckommcn, trotzdem sich Willkcns Kreaturen die crdentlichstc Mühe gaben, ihn m einen Prozeß zu verwickeln. So wurde Bock jahrelang in kurzen Zwischenräumen behaussucht, aber immer lvieder mußten die„Gesetzeshüter" mit langen Gesichtern von bannen ziehen. Als letzten Grund für das geniale Verbot aller Versamm- lungcn,Zn denen Bock sprechen sollte, führte Junker Witjken an, daß Bock in einer Vcrsamiistnng, in welcher derselbe über die Thätigkeit des aufgelösten Reichstags referirt hatte,„zu weit gegangen" fei. Elende Heuchelei! Die betreffende Versammlung war, wie hiesige Blätter da- mals meldeten, polizeilich stark überwacht, aber weder war dieselbc auf- gelöst worden, noch fanden die StaatSretter eine Handhabe, gegen Bock gerichtlich vorzugehen- Der großartige E r f o bg, welchen die Sozialdemokraten in der erwähnten Versammlung errangen, war es, der den Patron Wittkcn verschnupfte, und deshalb trat er Gesetz und Recht mit Füßen und versügtc, daß im ganzen Lande den Sozialdemo- kraten keine Versammlung während der Wahl gestattet werde. Daß der zusauimengcjchwiiidelte Reichstag feinem Schwindel Glau- den schenkte, finden wir s e h r n a t ü r l i ch. Mit dem Einzug der preußischen Junker und Pfaffen in Gotha hat mich die Puttkamerci mit allen ihren ftcmstqucnze» ihren Einzug gc- halten. Man stichle durch Berliner Spitzel die Genossen zu bcschnllf- fel», suchte ciilcn Kellner zu bestechen, diesen Spitzelbrüdcrn behilflich zu sein, kurz die Korruption in jeder Form macht sich hier am hellen Tage breit.... Ucbcrall Streberthnm, das sich berechtigt-..hält, gleich seinen Vorbildern Gesetz und Anstand, Recht und Wahrheit mit Füßen. zu treten. Eine dieser Kreaturen, der Redakteur Grünwald vom„Thüringer Tageblatt", ein politisch und moralssch verlumpter Kerl, hat trotz feiner hohen Gönner mit Schimpf und Schande bedeckt Goch« verlassen müffcn. Dieser Ordnungsheld hatte schon in München wegen Wcchselfäl- schnng das. Gcfängniß. geziert, den ncucii gothaischen Staatsgrößen war er aber trotzdem der rechte Mann; verstand er es doch, wie ein Rohrspatz auf die Sozialdemokraten zu schimpfen und über dieselben das Blaue vom Himmel herunter zu lügen. Gegenwärtig ist dieser Galgenvogel an einem nationalliberale n Blatt im.Hannöver'- scheu thätig, wo er von Reuen wegen Betrug und Unterschlagung an- geklagt ist. Eine zweite, von uns. schon früher«wähnte Ordumigssäulc war neulich ebenfalls in Gefahr, zu bersten. Der Kafsirer der verkrachten Grundkaputbank: Bell er mann, Hsuptmann der Reserve, Vorstand des thüringischen KriegcrblindcS, ein wüthendxr Sozialistcufresser in dem Herrn, hatte das Rtalhcur, daß der Diener der. Bank:!0,000 Mark schon ausgezahlter Koupons stahl und sie von Neuem in Kurs setzte, die er, Bcllermann, alsdann zum zweiten Mal auszahlte und—'nichts merkte. Der Diener bekam vier Jahre Gcfängniß und Bellermann, der als Zeuge geladen war, wurde zufällig an dem Tage des Termins krank. Wem Gott will rschtc. Gunst erweisen, den— lasst er zur rechten Zeit krank werden. Damit Herrn Bollcrmann nickst noch. ein-. mal ein solches Malheur pajfirc.-ließ man ihn zum Bank direkt o r avanziren. Ja. ja, Pas beste Geschäft ist heilte die SozmtlsteiisresscreO Was den Einen recht ist, das ist den Anderen billig, denkt der Sozial- dcmokratenvcrtreibcr H e n ß n e r, Schulz von Gräfenroda, der sich bei. der letzten Wahl gegenüver dem Genossen Bock ganz besonders erbarm- lich benahm. j. Dieser Wackere hatte für Gräfenroda cinvi Kotisiimverein gegründet, dessen Vorstand er natürlich wurde. Ein Jahr aber nach dem anderen verging und Hcußner legte keine Rcchmltig ab. Endlich, nach zwölf- Jahren, wlirdcli die Mitglieder ungeduldig«nd bcschivcrten-sich. Es- half jedoch»jchtS. Sie gingen ihm.zu. Leibe, machten Anzeige, es half wieder nichts. Schließlich erklärte der brave Hcußner, daß er den-Kon- snmverein als fein eignes G e sch ä f.t betrachte. Man vernichtet doch nicht umsonst Sozialdemokraten.„Wenn es nichts einbringen soll, dann mag der Teufel den Staat und das Eigenthum lwlen. Werde ich angewiesen, das Wahlgesetz niederzutreten, warum soll ich nicht das Recht haben, ein paar hunderr arme Bauern-und(Tagelölmor lim ein paar lumpige tausend Wart Dividende z» be-zaubern t Wittkcn läßt mich dock, nicht sinken, denn ich bin- sein Man»." Auch die Justiz akkomodirt sich dem-Wiltkcn'schen System. Sozial- deinokraten müssen stramm vcrkmirrt werde». So verhängte der Wal- tershauseiicr Amtsrichter wegen eines Flugblattes, welches eine Be- lcidigung des Oberförsters Bcauregard enthalteil sollte, 240 Mark Strafe über Bock, iveil in dem Flugblatt gesagt ivordcn war, daß der Förster, feinen Leuten mit B r o d s ch l ii ß gedroht habe, wenn sie Bock wählten. Das hat der nichtswürdige Patron thatfächlich gethan, aber es fand sich kemer der armen Schlucker. der gegen ihfl zeugen wollte. und er bchmipterc mit siockerischcr Wahrheitsliebe»nd— nicdergdchta- gtitcn Augen, es sei nicht wahr. Kjy vener Anwalt-des-Staates suchte sich seine ersten Sporen zu verdienen, und..obgleich er bvrnirt ist wie ein Jardelicutenant, so begriss er doch, daß er sein Glück verbessein könne, wenn er sich gegen die Berbxeitcr„schneidig"- zeige,«or Beginn des Termins befand sich der Förster statt in, Zengenzimmer im An- waltszinuner/ jedenfalls um den jungen tzüiwalt zu ,. ermuntern". El» zweiter- Genosse. wurde wegen eines nickst verbotenen Flugblattes mit.50 M. Geldbuße oder 14 Tagen.Haft bestraft. Ein Arbeiten KuS Waltershcniieii, welckcrc soviel Ehrgefühl besaß, den Acrbreit« nicht zu nennen, aber für denselben gehalten wurde, erhielt gleichfalls 14 Tage. Umsonst bethenertc er seine llilschuld, es half ihm nichts, denn— er hatte anf Betragen erklärt, er sei Sozialdemokrat. El» anderer Missethäter. PH. Straube, hatte gleichfalle wegen eines Fliigblattes acht Tage auf dem Kerbholz, aber er war krank- und- konnte dieseDtrafc nicht antreten und sein Zllstand verschlimmerte sich. Der Staatsanwalt-besorgt, daß dieser Mijjcthättr. der irdischen Strafe entgehen»nd von oben herab ihm»nc Mose drehen könlitg„ verlangte, daß er trotz-s eines leidenden Znstandes die Strafe abbüße.. Es fand.sick, auch den tarWlbmderiiche ■ Arzt S ch w e r d t bereit dazu, zn bcsckwinigcii. das; Stmube zwar schlimm krank sei, aber, das-Brummen doch iwcki aushalten könne. Daraufhin mußte der mit dein Tode ringende Mann ins Gesyngniß. Dieser Menschenschinder Schw.crdt hatte uipch- einige Tage, zuvor der de- sorgten Frau des Straube ZU verstehen.gegeben, daß ihr Riaim nicht wieder aufkomme. Strande büßte.- Zur Freude Wittkeu-Z, des Staats- anwaits und des„menicheiifleundlichea" Arztes seine Strafe ab und starb kurze Zeit darauf. Der Schinder Schw.crdt kam bei der Wahl 1387 mit einem ebenso schneldigeu Kartellfreund, anch � Arzt seines Zeichens, Arm in Arm ins Wahllokal, voll der gnten Hoffimng, daß ihre Kartellnull siegen würde. Plan merkt es/ daß die Bismarck-Pytt- kammerliche Erziehung auf den Universitäten khre Früchte träge Fast sämmtliche jüngeren Aerztc äffen die schneidigen Lieutenants nach. Komnien sie zu Arbeitern, deren sauer erarbeiteten Pfennige ihnen doch erst ein gutes Leben ermöglichen, fo fangen die Kerle an, in den Stw- den, wo ein Bild hängt, das ihnen nicht paßt, zu fragen: Sie ssnd wobt Sozialdemokrat Vergebens sucht man bei diesen Gesellen nach jener wohlchneuden hmnanen Gesinnung, welche vielen der älteren Aerzte eigen war. Bei einem armen Teufel thun sie keinen Schritt, bevot sie nicht wissen, ob derselbe zahlungsfähig ist. Sie wollen leben, hcn> lich leben und rasch, sehr rasch sich ei» Vermögen schaffen, das ihnm dann Bismarck und Puttkamer vor den bösen fff Sozialdemokraten schützen sollen. Hreu �kartcllbrüderlichcn Freunden in den BerufSgenossenschastcu schreiben sie die Arbeiter schlankiveg gesund, wenn diese kaum hinken können, sodaß die Arbeiter mit wahrer Bcsorgniß zu diesen Fleischer? Gesellin gehen, die sie obendrein barsch anfahren. Und solchen Bnr- scheu soll die kranke Menschheit sich für die Zukunft mwcrtrauen. Ww haben cS wahrlich weit gebracht in der Humanität und Zivilisation. Aber trotzdem hier jeder Lump sich berechtigt hält, auf die Sozial- demokratic zu schimpfen, uni von irgend einer Seite ein gnädiges La- chestl zu erhaschen,� besser noch einen materiellen Äortheil oder gar ein Stellchcn, steht die Sozialdemokratie doch ungebrochen da und sieht mutbig dem nächsten Wahlkamps entgegen. Wir Ivissen, es blühen uns dabei kerne Rosen,— die Gesetzlosigkeit ist ja mm proklamirt, lflens- barmen und Schulzen, Fürst« und Lakaien all« Art werden uns den Weg zum Volke zu»«sperren suchen; aber wir wissen, daß das Volk mit imS denkt und. fühlt und werden unsere Oledanken mit ihm aus- tauschen. DaS Volt hat von dem Kartellreichstag zuviel gelitten und wird sich nicht ein zweites Mal belügen lassen. Wir haben wieder untren alten Kandidaten Genossen. Bock aufgestellt, der im ganzen Land als em Volksmann bekannt ist, und mit ihm hoffen wir zu siezen.. Versammlungen werden wir kcme abhalten dürfen; und wenn man ja zum Schein uns eine erlaubt, wird man uns wie in Gotha die säle abtreiben. Das schadet aber nichts, um so größer wird uns« Triumph sein..--> t Arbeiter, Kleinbauern und Handwnker„ rüstet Euch schon jetzt zur Wahl, denket an die Lasten, die mau euch aufgelegt, eure Rechte, die man verkürzt! Die sozialdemokrchischc Partei ist die Partei des ar- beitendcn Volkes, alle onderen Parteien sind ihre Gegner ohcr faljchea Freunde. Die Sozialdemokratie bekämpft alle Vorrechte und Privi- legicn und will dem arbeitenden Volke ein menschenwürdiges Dasein erkämpfen. Drum schaart euch Alle, die ihr von der ehrlichen Arbeit lebt, ob ihr geistige od« physische Proletarier seid, um unsrc Fahne. Dic rothc Wache. Briefkasten der Expedition:= Guben: Fr. 9. 88 Ab. 2. Qu. erh.— � R. Sdl. Müs.: Fr. 2.— pr. Ufte, dkd. erh.— Grieb, Zürich: Fr. 2.— Ab. 2. Qu. erb.--- I.- Edrs. i. Hier:!' Py. f. Schrft.«h.— PH. Klpsch. Mchstr.: Sh. 8.— Ab. pr. 1889«h;— Leopold: Mk. 3.— Ab. 2, Qu. erh. Jrrthüml. Gesperrtes wirb eingerenkt.— M. M- V Mk. 100!— a Cta. Ab.:f. erh. Mk. 10.5b pr. Ggr. gittgebr. Bfl. Weiteres.— H. Fischer ans Eisenbcrg: Nicht Ihr„lcderfärbiges Geficht", sondern Ihre „lederfarbigeii T h a t c n" sind Gegenstand der Warnung in 9fr. 15. Schade, daß Ihre Eitelkeit so sehr„am lätzcn Fleck" entwickelt ist. Durch diese Masche entschlilpfm Sic nicht, alter„Praktikus". Karl Schwarz: Nachr. v. 8/5.hier.—. Tantias: Bf. v. 8/5 mit Beil.' erh. n. am 10/5 beantw.— Th. B. London: Sh. 1.3 f. dw. Expl., S. erh.— RcgnluS: Mk. 20.- a Eto. Ab. erh. Gewünschtes bfl. � G. St. Mch.: Mk. 4.— a Eto. Ab. 2. Ou.«h. Das Blatt /kostet übrigens s o bezogen Mk. 4.40. Mit Nr. 19 Verlangtes ist unerläßlich.— Husling s-gn Francisco: Sh. 8.2 f. Schrft. erh. Künftige ZaylnWn lassen Sie doch gcfl. zahlbar po-n-i Poat-OtKno- ausstellen. Siehe S. D. Nr. 3 u. 9fr. 14.— Forest: Mk. 5.— pr. Ufte. Mb. erh. Alles noch zur Hand. Aktuelleres wäre angebracht. Stoff genug in der verkrachten internationalen Spitzelcampagne. Frdl. Gruß!— Rother Exekutor: Mk. 22.40 a Eto. Ab. 1 dir. u. indir.. 2. Qu. erst. Das haben Sie uns ab«, schon s ch o ck m a l versprochen! — Blntnelkc: Mk. 9.-- Ab. 2. Qu. erh. n. Ad. nottrt. Vor Allem mit Quartalschluß stets 9fachricht. was wcit«zulief«n.— RaimnNd: öwfl. if:— Ab. t n. 2. Qu. WfZ Ab. 2. Cht. E. E. n. W., u. 1 Ab. t. Qu. u. 3. Qu. R. erh. Adr. nebst Ggr. p. Lrlg. notirt. Bstllg. folgt. Bfl. Weiteres.— P. M. Bciicvciito: Sh. l.7 f. Schrft. erh. Sdg. folgt. Bitten dringend, einfach. zu adrssircn, wie in 3fr. 3 u. 14 erbeten.— Scidcn.wurm II: Nächrichten, die Samstag Abends hier emtreffen, erhalten tvir erst Montag früh. Antw. auf Bf. v. 9/5 deshalb erst Montags abgg.- Mouchckrd Pari?: Zum Ehren spitze! ernannten wir ihn, denn er rechnet sich's Zur Ehre, Marktschreier sein« eigenen Schmach zu sein. Zugleich aber rangirt er als pubti- zistisch« Ferkelstecher nicht über Ihnen, sondern Vcschcidcntlich wie (sein Jdtdl) der Fusel zum Alkohols Also,— nur keine Eifersucht t — D. rthe. Häuflein: Adr. notirt. 9fäl>cr'es betr. des Schwcoendeit baldigst erwünscht.— 9!thr. Apostel: Bs. v. 13/5.«y. Betr. Ld. Hof- feittlich endl. Wandel.- Gg. M. A.: M. 1V.- a Eto. Ab. erh.—' Elard: Bf. p. 11. am 13/5. beantw. Adr. geordnet. Weiteres bestimmt «wartet.— Schippc: Adressen lt, Vorlagen-.vom 6.«. 10/5. notirt. — Pstmstr.: Bf. v..1.1/' am 13/5/«h. llj bcantiv. Zs. beschlennigen. qMy 55.1 Für dir Schweiz. Durch Unterzeichnete' ist zu beziehen: v BloS, Die französische Revolution, illnstrirt, in 20 Lkeferungflt zu 25 Eis. Dieselbe.kpmplet gebunden in Prachtband 7 Fr. Fern« prachtvolle Einbanddecken zu Mesem Merke per Stück Fr..i>25« Der Bolksfrcund, illusttirte Zeitschrift für Unterhaltung und 33t= lchrmig, mir Beilagen: die„KmistbalU" und der„Hausarzt". Alle 14 Tage erscheint ein Heft(3 Bogen): Preis 35 Eis., per Quartal Fr. 2. 40.?"• l k' t Ferdinand Lassalle, eine Gcdcnksckrift zu seinen 2!>jährigen Todes-' tage, von Max Kegel, mit einem Porträt Lassalle'S. Preis 60 EtS. Angesichts des in diesem Jahre eintretelden 25. TodeStagesLassalle's machen wir die Arbeitervereine nub sozialbemokratifchei Vfitqliedichaftcit bcsonders/anf diese Broschüre aufmerksam.' 1 „Moses oder Darwin", eine Schulfrage, allen Denleiden vorgelegt, von Dr. A. Todel-Port, Pres für Arbeiter und Vereine Fr. 1.20. Joh. Philipp Becker, Biographie des alten Veteran- der Freiheit. Herausgegeben zur Denkmal-Euthüllung am 17. März ItzSst,--Preis, 25 Ets. 2..»•'■'■- äcktz:-,i Desgleichen kommt mit 3fächstem zur Versendung die zweite Auf» läge von•:>'' Robert Blum«nd seine Zeit, von Wilhekm Liebknecht, in 6 Lieferungen, je 4 Bogen stark, zn 35 Ets., komplct gcvundcn Fr. 2. 50. Zie LchnsttN-Filialt der Ärbkiterliimmc Zährmgersttaße 12, Zürich. Bestellungen außerhalb der Schweiz bitt